Sie sind auf Seite 1von 9

TITELTHEMA

FODMAPs und FODMAP-arme Ernährung


beim Reizdarmsyndrom
Professor Ottmar Leiß

Viele Patienten mit Reizdarmsyndrom ckeralkohole zusammen. Das Konzept Wachstum von Bifidobakterien und Lac-
(RDS) klagen über eine Verursachung knüpft an Volksweisheiten („Jedes Böhn- tobazillen stimulieren, wie zum Beispiel
ihrer Beschwerden durch Ernährungsfak- chen gibt ein Tönchen“) und an bekann- Fruktooligosaccharide (FOS), Inulin, Iso-
toren (1,2). Aus der Kenntnis, dass bei te Unverträglichkeiten (zum Beispiel ge- maltooligosaccharide (IMOS), Xylooligo-
RDS-Patienten gehäuft eine Laktoseinto- gen Zwiebeln und Knoblauch) an. saccharide (XOS), Laktulose und Raffino-
leranz, eine Fruktosemalabsorption oder se werden als Präbiotika bezeichnet. Sie
Sorbitintoleranz vorkommen und dass Chemie der Ballaststoffe und natürli- werden vielen lebensmitteltechnologisch
bei diesen Patienten andere Zucker wie ches Vorkommen von FODMAPs modifizierten Nahrungsmitteln und den
Laktulose, Mannitol oder das Fruktooli- Ballaststoffe (Pflanzenfaserstoffe) wie Functional Foods zugesetzt.
gosaccharid Inulin die klinische Sympto- Zellulose, die Hemizellulosen, die Pekti-
matik verstärken können (1), wurde in ne und die Beta-Glucane sind chemisch Im FODMAP-Konzept bleiben langket-
den vergangenen Jahren das über die überwiegend hochmolekulare Polysac- tige nicht lösliche Polysaccharide (wie
Unverträglichkeit eines einzelnen Zu- charide (Nicht-Stärke-Polysaccharide). Hemizellulosen oder Zellulose) außer Be-
ckers hinausgehende FODMAP-Konzept Lignin ist kein Polysaccharid, sondern tracht, da sie kaum verdaut beziehungs-
entwickelt (3-5). ein Polyphenylpropan, ein Polymer aus weise von Darmbakterien metabolisiert
Sinapyl, Coniferyl- und Cumarylalkoho- werden können. Unter den Oligosaccha-
Was versteht man unter FODMAPs? len. Zellulose besteht ausschließlich aus riden löslicher Ballaststoffe spielen kurz-
Das aus den Anfangsbuchstaben der b-(1-4)-glykosidisch gebundenen Gluko- kettige Kohlenhydrate wie Frukto- und
nachfolgenden englischen Wörter zu- semolekülen. Die Hemizellulosen enthal- Galakto-Oligosaccharide (FOS und GOS;
sammengesetzte Akronym FODMAP ten unterschiedliche Zuckermoleküle wie Kohlenhydratkettenlänge mit weniger als
steht für: Glukose, Mannose, Galaktose, Uronsäu- zehn Zuckereinheiten) und längerkettige
ren, Xylose und Arabinosen (6,7). Ballast- Fruktane (zum Beispiel Inulin) und Galak-
F ermentable stoffe können in lösliche und nicht lösli- tane (Kettenlänge von mehr als 20 Zu-
che Ballaststoffe unterschieden werden. ckereinheiten) eine wichtige Rolle (3,4).
O ligosaccharides
Die therapeutischen Effekte von Ballast- Fruktane (FOS und Frukto-Polysacchari-
D isaccharides
stoffen beim RDS beruhen überwiegend de) kommen hauptsächlich in Weizen,
M onosaccharides auf der Erhöhung des Stuhlvolumens Roggen, Zwiebeln und Knoblauch vor,
A nd und der Beschleunigung der Darmpas- GOS hauptsächlich in Hülsenfrüchten
sage. Die negativen Effekte – insbeson- (3,4). Die in Weizen vorkommenden FOS
P olyols
dere löslicher Ballaststoffe – sind auf den sind kurz-kettiger als die in Roggen vor-
Mit dem Kunstwort FODMAP sind (von Abbau durch die menschliche Darmflora kommenden FOS und verursachen mehr
Darmbakterien) vergärbare Mehrfach- und die Fermentierung zu Gasen zurück- Beschwerden. Inulin ist ein Fruktooli-
zucker, Doppelzucker (wie Laktose), Ein- zuführen (7). Oligosaccharide, die das gosaccharid mit einer Kettenlänge von
fachzucker (wie Fruktose) und Zuckeral-
kohole (Süßstoffe) gemeint.

Was ist neu am FODMAP-Konzept?


Im Gegensatz zu anderen Diätkonzepten
wie zum Beispiel vegetarischen Kost-
formen, der Steinzeiternährung (Paleo-
Diät) oder der Öko-Atkins-Diät ist das
FODMAP-Konzept nicht aus natur philo-
sophischen oder evolutionstheoretischen
Überlegungen entwickelt worden. Es
fasst die Erfahrungen bei der Behand-
lung von RDS-Patienten mit Ballaststof-
fen und aus der diätetischen Behandlung
bei Kohlenhydratintoleranzen (wie Lak-
toseintoleranz und Fruktosemalabsorp-
tion) zu einer umfassenden Hypothese
einer Vergärung bestimmter, chemisch
definierter Zucker beziehungsweise Zu- RRBild: www.pixabay.de

8 VFEDaktuell 155 І 2016


TITELTHEMA

mehr als zehn Zuckereinheiten; meist be- es vielen lebensmitteltechnologisch ver- en“ Produkten wie Bonbons, Lollis und
trägt die Kettenlänge mehr als 20 Fruk- arbeiteten Nahrungsmitteln zugesetzt. Kaugummis enthalten. In den Tabellen
tosemoleküle. Das Disaccharid Laktose Zuckeralkohole finden sich in zahlreichen eins bis drei sind Nahrungsmittel aufge-
kommt natürlicherweise nur in Milch und Früchten wie Äpfel, Birnen, Aprikosen, listet, die einen besonders hohen Gehalt
Milch-produkten vor, das Monosaccharid Pfirsichen, Pflaumen, Kirschen und Nek- an FOS und Fruktanen, GOS und Galak-
Fruktose in Honig, zahlreichen Früchten tarinen. Als Zucker-Ersatzstoffe sind sie in tanen und Polyolen aufweisen (aus (3,4).
und Fruchtsäften. Darüber hinaus wird vielen Light-Produkten oder „zuckerfrei-

Tabelle 1: Nahrungsmittel mit (gering polymerisierten) Fruktooligosacchariden (FOS) (nach Barrett und Gibson (4))
Ananas Mango weiße Pfirsiche
Artischocken Rambutan Weizen*
Dattelpflaumen Schalotten Zucchini
Frühlingszwiebeln Spanische Zwiebeln Zwiebeln
gelbe Pfirsiche Spargel
Knoblauch Wassermelone
Lauch/Porree Weintrauben

RR* Weizen ist in größeren Mengen problematisch, vor allem wenn er Hauptbestandteil eines Nahrungsmittels ist wie zum Beispiel
in Brot, Pasta, Biskuit, Nu-deln, Kuchen und Gebäck. Aus Weizen hergestellte Produkte wie Weizeneindicker, Maltodextrin und
Dextrose enthalten nur vernachlässigbare Mengen an Fruktanen.

RRBild: www.pixabay.de

Tabelle 2: Nahrungsmittel, die Galaktooligosaccharide (GOS) enthalten (nach Barrett und Gibson (4))
4-Bohnen-Gemisch gelbe Bohnen Kohl
Borlotti-Bohnen grüne Bohnen Linsen
Butterbohnen Kichererbsen Rosenkohl
gekochte Bohnen Kidney-Bohnen schwarze Bohnen

Tabelle 3: Nahrungsmittel, die Polyole (Zuckeralkohole) enthalten (nach Barrett und Gibson (4))
Früchte Süßstoffe*
Äpfel Isomalt
Aprikosen Mannitol
Birnen Sorbitol (E420)
Kirschen Xylitol
Nektarinen
Pfirsiche
Pflaumen

RR* zum Beispiel in ‚zuckerfreien’ Kaugummis, Bonbons, Lollis etc.

Was bewirken FODMAPS im Körper des als zehn Fruktose-Molekülen bestehend) terien zu Gasen (wie Wasserstoff, Koh-
Menschen? können im menschlichen Darm nicht wie lendioxid und Methan) und zu kurzket-
Die Mehrfachzucker Fruktooligosaccha- zum Beispiel Traubenzucker (Glukose) tigen Fettsäuren (wie Azetat, Propionat
ride (FOS) und Galaktooligosaccharide zügig aufgenommen und dem Körper als und Butyrat) verstoffwechselt werden.
(GOS), das einigen präbiotischen Jo- Nährstoff zur Verfügung gestellt werden. Das gleiche passiert mit Laktose, wenn
ghurts zugesetzte Inulin und die in vielen Sie gelangen in tiefere Darm-abschnitte dieser Doppelzucker bei Laktasemangel
Nahrungsmitteln enthaltenen Fruktane (terminales Ileum und Colon ascendens), nicht gespalten und resorbiert werden
(= langkettige Kohlenhydrate, aus mehr wo sie unter Einwirkung von Darmbak- kann, und mit Fruktose, wenn dieser

155 І 2016 VFEDaktuell 9


TITELTHEMA

Zucker in Mengen eingenommen wird, Dickdarm entstehen zum einen kurzket- Gasvolumen im Dickdarm. Eine gleich-
die die Aufnahmekapazität des mensch- tige Fettsäuren, die als Energiesubstrat zeitige Zugabe von Glukose zu Fruktose
lichen Darms übersteigen (Fruktosemal- für die Mukosazellen des Dickdarms fun- reduziert den Effekt von Fruktose auf
absorption). Auch die in einigen Früch- gieren und eine pH-Änderung im Darm- Wassergehalt des Dünndarms und Was-
ten vorkommenden Zuckeralkohole und lumen (mit nachfolgender Änderung serstoffexhalation.
künstliche Süßstoffe wie beispielsweise von Zusammensetzung und Stoffwech-
Sorbitol und Mannitol (in „zuckerfreien“ selaktivität des intestinalen Mikrobioms) Bei randomisierter Testung von Nah-
Kaugummis, Bonbons, Limonaden ent- bewirken, und zum andern Wasserstoff, rungstriggern für RDS-Beschwerden
halten) werden in analoger Weise von Methan und Kohlendioxid, die Blähun- fanden Shepard und Gibson, dass durch
Darmbakterien vergärt. gen und Flatulenz auslösen. Fruktose und Fruktane Symptome bei
RDS-Patienten provoziert werden kön-
Fruktose und kurzkettige FOS und GOS Unterschiedliche FODMAP-Komponen- nen und dass die Symptomprovokation
sind osmotisch aktiv, bewirken einen ten haben unterschiedliche Effekte. eindeutig von der Menge der zugeführ-
Wassereinstrom ins Darmlumen, die Vo- Während Mannitol oder Fruktose – ten Fruktose beziehungsweise Fruktane
lumenzunahme regt die Peristaltik an aufgrund ihrer Osmolarität – zu einem abhängig ist. Abbildung 1 stellt schema-
und führt zu größeren Stuhlvolumina. vermehrten Flüssigkeitsvolumen im tisch dar, wie FODMAPs gastrointestinale
Durch die bakterielle Fermentierung im Dünndarm führen, führt Inulin zu einem Beschwerden triggern (4).
terminalen Ileum und im (rechtsseitigen) gegenüber Fruktose deutlich vermehrten

Nahrungs- Fruktose Fruktane Laktose Galaktane Polyole


bestandteil

osmotisch aktive schnell fermentierbare-


Substanzen Substanzen

physio-
logischer
Effekt
erhöhte
Wassereinstrom ins
Gasproduktion
Darmlumen
(H2, CO2 und CH4)

Aufdehnung des Darms

Induktion
von
Symptomen Peristaltik + Blähungen ++ Schmerzen Windabgang

RRPhysiologische Effekte von FODMAPs und Auslösung gastrointestinaler Beschwerden (modifiziert nach Barret und Gibson (4))

Ong und Mitarbeiter (8) untersuchten schwerden und Müdigkeit an, während mit ileoanalem Pouch kann durch eine
in einer verblindeten Cross-over Studie sie unter FODMAP-armer Ernährung FODMAP-arme Ernährung die Stuhlkon-
mit je 15 RDS-Patienten und gesunden mehrheitlich keine oder nur geringe Be- sistenz verbessert und die Zahl der Stühle
Probanden die Effekte einer FODMAP- schwerden hatten. halbiert werden.
armen (9 g/Tag) und FODMAP-reichen
(50 g/Tag) Ernährung. Während die Pro- Therapeutische Effekte einer FODMAP- Zwar ist schon länger bekannt, dass eine
banden unter FODMAP-reicher Ernäh- armen Ernährung diätetische Restriktion einzelner FOD-
rung lediglich über vermehrte Blähungen Patienten mit Ileostoma haben unter MAP-Komponenten wie zum Beispiel
klagten, gaben die RDS-Patienten unter FODMAP-reicher Ernährung ein um über Laktose bei RDS-Patienten mit Laktosein-
FODMAP-reicher Ernährung signifikant 20 Prozent höheres Stuhlvolumen, eine toleranz oder Fruktose bei RDS-Patienten
höhere Scores für Bauchschmerzen, Blä- niedrigere Stuhlkonsistenz und vermehr- mit Fruktosemalabsorbtion Blähungen,
hungen, Flatulenz, Übelkeit, Magenbe- te Blähbeschwerden (9). Bei Patienten Bauchkrämpfe und breiige Stuhlkonsis-

10 VFEDaktuell 155 І 2016


TITELTHEMA

tenz bessern kann (1,2) und dass eine


Umstellung von in westlichen Ländern
dominierendem Weizen auf den in asi-
atischen Ländern dominierenden Reis
als Hauptnahrungsquelle für komplexe
Kohlenhydrate zu einer deutlichen Re-
duktion der Wasserstoff-Exhalation und
Besserung von Blähbeschwerden führt,
systematische Studien zum Effekt einer
FODMAP-armen Ernährung waren je-
doch bis vor kurzem spärlich.

Shepherd und Gibson haben 62 RDS-


Patienten mit Fruktosemalabsorption
diätetisch bezüglich fruktosearmer und
FODMAP-armer Ernährung beraten und
durchschnittlich 14 Monate später mit-
tels Telefoninterview die Compliance
mit der geänderten Ernährung und die
Besserung der Beschwerden erfragt. 77
Prozent der Patienten ernährten sich
weiterhin ständig oder überwiegend
fruktose- und FODMAP-arm. 74 Prozent RRBild: www.pixabay.de
aller Patienten gaben an, dass ihre abdo-
minellen Beschwerden gebessert waren. Knoblauch, Tomaten und grüne Bohnen, ßen einem zubereitetem Essen an. Um
Diejenigen, die die Ernährung strikt ein- hatten jedoch zum Teil eine höhere Auf- prospektiv und doppelblind den Einfluss
hielten, waren zu 85 Prozent gebessert, nahme an FODMAP-reichen Nahrungs- von FODMAPs auf Bauchbeschwerden
diejenigen, die sie weniger streng ein- mitteln wie Birnen, Pflaumen, Mango und RDS-Symptome zu untersuchen, ha-
hielten, nur zu 36 Prozent (3). und Melonen. Die Patienten, bei denen ben Halmos et al. (14) 30 RDS-Patienten
zwei Jahre zuvor eine diätetische Beratung und acht gesunden Kontrollpersonen
Austin et al. untersuchten bei RDS-Pa- zur Linderung ihrer RDS-Beschwerden von einer zentralen Küche über 21 Tage
tienten den Effekt einer kohlenhydra- durchgeführt worden war, hatten eine hö- eine Nahrung zubereiten und tiefgefro-
tarmen Ernährung (low carb diet fünf here Lebensqualität und praktizierten eine ren zustellen lassen, die sie in der Mik-
Prozent versus high carb diet 50 Prozent) bewusstere Nahrungszufuhr (12). rowelle auftauen mussten und zu der
und fanden eine deutliche Besserung sie nur minimale eigene Ergänzungen
unter der low carb diet (10). Staudacher Neben diesen retrospektiven Untersu- durchführen durften. Im cross-over De-
et al. (11) verglichen zwei Gruppen von chungen haben de Roest et al. (13) in sign und unter 28-tägiger Auswaschpha-
RDS-Patienten, die entweder eine Stan- einer prospektiven Untersuchung an 90 se zwischen den Phasen erhielten Patien-
dard-Ernährungsberatung (n=39) oder RDS-Patienten den Effekt einer FOD- ten und Kontrollpersonen entweder eine
eine Beratung bezüglich FODMAP-armer MAP-armen Ernährung auf abdominelle standardmäßige australische Ernährung
Ernährung (n=43) erhalten hatten. Un- Symptomatik untersucht. 75,6 Prozent oder eine FODMAP-arme Ernährung.
ter FODMAP-armer Ernährung waren 76 der Patienten hatten eine Fruktosemal- Gegen Ende jeder Periode mussten die
Prozent der Patienten mit der Besserung absorption, 37,8 Prozent eine Lakto- Teilnehmer ihre abdominelle Symptoma-
ihrer Blähungen, Flatulenz und Bauch- seintoleranz und 13,3 Prozent eine SIBO tik anhand einer visuellen Analog-Skala
schmerzen zufrieden, in der Standard- (small intestinal bacterial overgrowth). beurteilen. Blähungen, Flatulenz, Stuhl-
Gruppe dagegen nur 54 Prozent. Die abdominelle Symptomatik besserte konsistenz und Bauchschmerzen bes-
sich eindrucksvoll, insbesondere bei den serten sich bei den RDS-Patienten unter
Ostgaard et al. (12) fanden beim Ver- Patienten mit Fruktosemalabsorption. FODMAP-armer Ernährung erheblich,
gleich der mittels Fragebogen erfassten 72,1 Prozent waren mit der Besserung während die minimale Symptomatik bei
Ernährungsgewohnheiten von 36 RDS- der Beschwerden zufrieden. 75,6 Prozent den Kontrollpersonen durch die Ernäh-
Patienten mit 43 RDS-Patienten, die zwei der Patienten hielten die FODMAP-arme rung nicht beeinflusst wurde.
Jahre zuvor diätetisch beraten worden Ernährung über die durchschnittliche
waren, und mit 35 gesunden Kontroll- Follow-up-Periode von 15,7 Monaten ein. Bei wem ist eine FODMAP-arme Ernäh-
personen keine statistischen Unterschie- rung angezeigt?
de bezüglich Kalorienaufnahme oder Beim FODMAP-Konzept ist die Summe Eine FODMAP-arme Ernährung ist bei
Aufnahme von Kohlenhydraten, Eiweiß der fermentierbaren Zucker (egal ob O starker Blähneigung und breiigen Stüh-
und Fett. RDS-Patienten mieden zum Teil wie Oligosaccharide, D wie das Disac- len oder Durchfall (ohne Fieber und ohne
jedoch etliche Nahrungsmittel, die fer- charid Laktose oder M wie das Mono- Blut im Stuhl) in Kombination mit Bauch-
mentierbare Oligosaccharide enthalten saccharid Fruktose) und Zuckeralkohole schmerzen oder Bauchkrämpfen und
wie Weizenprodukte, Spaghetti, Pasta, entscheidend, und die kann man weder vermehrtem Windabgang angezeigt.
Couscous, Brokkoli, Paprika, Zwiebeln, schmecken, noch sieht man sie von au- Dies betrifft in erster Linie Patienten mit

155 І 2016 VFEDaktuell 11


TITELTHEMA

einem RDS. Eine FODMAP-arme Ernäh- Umsetzung des FODMAP-Konzepts in rung oder gar völligen Normalisierung
rung „heilt“ den Reizdarm nicht, sondern die Praxis der Beschwerden, ist eine langfristige
hilft nur, Bauchbeschwerden auslösende Das FODMAP-Konzept ist nicht ganz FODMAP-arme Ernährung ratsam. In
oder „triggernde“ Nahrungsfaktoren zu einfach umzusetzen. Es erfordert eine einer zweiten Phase sollten verschiede-
vermeiden. eingehende diätetische Beratung, am ne FODMAP-haltige Nahrungsmittel auf
besten durch einen spezialisierten Ernäh- ihre individuelle Verträglichkeit getestet
Eine FODMAP-arme Ernährung kann rungsberater, und ist sicherlich nicht für werden. Hierzu kann über drei bis vier
auch bei Patienten mit Fruktosemalab- jeden Patienten mit RDS geeignet. Der Tage ein FODMAP-haltiges Nahrungs-
sorption und/oder Sorbitintoleranz, bei FODMAP-Gehalt verschiedener Nah- mittel in steigender Menge eingenom-
denen eine fruktose- und/oder sorbitar- rungsmittel wurde in den letzten Jahren men werden, um herauszufinden, wel-
me Ernährung allein keine ausreichende eingehend analysiert, es wurde ein semi- che Menge von diesem Nahrungsmittel
Besserung gebracht hat, oder Patienten quantitativer Fragebogen zur Ermittlung vertragen wird. Eine Woche später kann
mit Laktoseintoleranz, bei denen eine des FODMAP-Gehalts in der Ernährung dann ein weiteres FODMAP-haltiges
laktosearme Ernährung (unter Verwen- entwickelt und validiert. Mitunter ist es Nahrungsmittel wiederum in steigenden
dung von laktosefreier Milch oder lakto- initial hilfreich, auf Zwiebeln, Knoblauch, Mengen über drei bis vier Tage getestet
sefreiem Käse) keine ausreichende Besse- Functional Food (präbiotische Joghurts – werden. Bei der systematischen Austes-
rung gebracht hat, hilfreich sein. mit FOS oder Inulin) zu verzichten und tung der individuellen Verträglichkeit
Brot mengenmäßig deutlich zu reduzie- geht es darum, die FODMAP-haltigen
Auch Patienten mit zum Beispiel chro- ren (3,4) oder auf Dinkelbrot umzustel- Nahrungsmittel, die im konkreten Einzel-
nisch-entzündlichen Darmerkrankungen len. In einer ausführlichen Ernährungs- fall Beschwerden auslösen, zu erkennen
(CED), die unter CED-spezifischer medi- anamnese müssen in der individuell und langfristig wegzulassen. (War zum
kamentöser Therapie zwar in klinischer präferierten Ernährung durchaus als ge- Beispiel der Laktose-H2-Atemtest nega-
Remission sind, aber noch reizdarm-ähn- sund angesehene, aber FODMAP-reiche tiv, steht eine Vermeidung von Milch und
liche „Restbeschwerden“ haben, kön- Nahrungsmittel ausfindig gemacht und Milchprodukten nicht im Vordergrund).
nen unter FODMAP-armer Ernährung durch FODMAP-arme Nahrungsmittel
weniger Bauchschmerzen und eine bes- ersetzt werden (Tabellen 4, 5, 6 und 15, Ziel ist, eine Ernährung zu finden, bei
sere Stuhlkonsistenz haben, ebenso wie 16, 17). der – ohne zu große diätetische Ein-
Patienten mit Zöliakie, die beobachtet schränkungen – die Beschwerden auf ein
haben, dass trotz glutenfreier Ernährung erträgliches Maß reduziert werden und
andere Nahrungsbestandteile bei ihnen die Lebensqualität zufrieden-stellend ge-
Blähbeschwerden oder breiige Stühle bessert bleibt. Dies kann auch mit einer
triggern. Ernährung erreicht werden, die allgemei-
ne Diätempfehlungen mit individuellen
Welche Untersuchungen sollten vor Unverträglichkeiten berücksichtigt (18).
Beginn einer FODMAP-Diät durchge-
führt werden? Differenzialdiagnose Weizensensitivität:
Vor Beginn einer FODMAP-armen Ernäh- FODMAP-arme oder glutenfreie Ernäh-
rung sollten Untersuchungen zum Aus- Die Angaben in den aus der englisch- rung?
schluss von Nahrungsmittelunverträg- sprachigen Literatur übersetzten Tabel- Bei einer Untergruppe von RDS-Patienten
lichkeiten, H2-Atemtests zum Ausschluss len (Tab. 1 bis 6) zu FODMAP-reichen kann auch eine glutenfreie Ernährung zu
oder Nachweis einer Kohlenhydratmal- und FODMAP-armen Nahrungsmitteln einer Linderung der Beschwerden füh-
absorption und Untersuchungen zum sind nicht immer kongruent, was zum ren. Viele Patienten mit RDS berichten
Ausschluss einer chronisch-entzündli- Teil daran liegt, dass Nahrungsmittel je von einer Besserung ihrer körperlichen
chen Darmerkrankung erfolgen. Das sind nach Reifegrad einen unterschiedlichen und/oder psychischen Beschwerden
zum Beispiel: Gehalt an Fruktose oder Fruktanen auf- nach Weglassen von Weizenprodukten
weisen und zum Teil daran, dass die und beginnen unter der selbstgestellten
• Blutuntersuchungen zum Ausschluss Grenzwerte zur Beurteilung, wann ein Verdachtsdiagnose „Weizensensitivität“
einer Entzündung (CRP,BB), gegebe- Nahrungsmittel als FODMAP-reich oder eine glutenfreie Ernährung. Eine korrek-
nenfalls inklusive einer Stuhluntersu- -arm gilt, variieren. Die Angaben dienen te Diagnostik zum Ausschluss einer Zö-
chung zum Ausschluss einer Entzün- daher eher zur groben Orientierung; im liakie oder Weizenallergie wird dadurch
dung im Darm (Calprotectin im Stuhl). Einzelfall müssen die individuell verträg- erschwert. Nur bei den circa einem Pro-
• H2-Atemtest zum Aussschluss oder lichen Mengen FODMAP-haltiger Nah- zent der Bevölkerung, bei denen ein-
Nachweis einer Laktoseintoleranz, rungsmittel ausgetestet werden. deutig eine Zöliakie festgestellt wurde,
Fruktosemalabsorption oder Sorbitin- ist eine glutenfreie Ernährung obliga-
toleranz. Wie sollte bei einer FODMAP-armen torisch. Fünf bis zehn Prozent der Be-
• Darmspiegelung zum Ausschluss ei- Ernährung vorgegangen werden? völkerung vermuten bei sich selbst eine
ner chronisch-entzündlichen Erkran- Alle FODMAP-reichen Nahrungsmittel Weizenunverträglichkeit und halten eine
kung. (siehe Tabellen 1 bis 4 und 6) sollten an- glutenfreie Ernährung ein. In kontrollier-
• Blutuntersuchungen zum Screening fangs für sechs bis acht Wochen kom- ten Belastungstests konnte eine Weizen-
auf Zöliakie (IgA, t-TG-Ak) und Aus- plett gemieden werden (3,4). Kommt sensitivität jedoch nur in einem geringen
schluss einer Weizenallergie. es hierunter zu einer deutlichen Besse- Prozentsatz objektiviert werden (19,20).

12 VFEDaktuell 155 І 2016


TITELTHEMA

Wissenschaftlich ist zurzeit umstrit- Faktor für eine Stimulierung des angebo- Weizen) und kommen damit gut zurecht.
ten, welcher Bestandteil von Weizen renen Immunsystems und Triggerung der
Beschwerden auslöst, FODMAPs, ATIs abdominellen Beschwerden. Ob eine glu- FODMAP-Konzept und neuere ernäh-
(Amylase-Trypsin-Inhibitoren) oder Glu- tenfreie Ernährung bei Patienten mit RDS rungsmedizinische Erkenntnisse sind in
ten (Abb.2) (19,20). Während die aust- zwingend erforderlich ist, ist unklar. Statt Leitlinien zum RDS nicht adäquat be-
ralische Arbeitsgruppe um Gibson in den glutenfreiem Brot (meist aus Reis oder rücksichtigt. Die S3-Leitlinie Reizdarm-
FODMAPs, insbesondere den FOS in Wei- Mais; enthält 0,19 g Fruktane/100 g) syndrom wird aktuell überarbeitet. Das
zen, die Hauptursache von Reizdarmbe- essen viele RDS-Patienten Brot aus Din- Ergebnis wird in der VFEDaktuell vorge-
schwerden sehen, hält die Arbeitsgruppe kelmehl (enthält 0,14 g Fruktane/100 g; stellt.
um Schuppan die ATIs als auslösender Glutengehalt 16 Prozent geringer als in

RRBild: www.pixabay.de

RRAbb. 2: Aufbau eines Weizenkorns und mögliche Effekte bei Zufuhr von Weizen in der Ernährung (nach Leiß (19))

155 І 2016 VFEDaktuell 13


TITELTHEMA

Zufuhr von Weizen in der Ernährung

Fruktane Gluten ATIs

Fermentierung

verschiedene Aktivierung
Gasproduktion Änderung des toxische Effekte
Formen der angeborene
SCFA-Bildung Mikobions auf Mukosa
Zöliakie Immunantwort

gastrointestinale Symptome

RRTabelle 4: Nahrungsmittel mit hohem FODMAP-Gehalt (modifiziert nach Gruber (15))

Nahrungsmittel mit hohem FODMAP-Gehalt


Substanzgruppe
sollten bei Patienten mit Reizdarmsyndrom gemieden werden
Gemüse: Artischocken, Spargel, Rote Rüben, Kohlsprossen, Kohl,
Kraut, Fenchel, Knoblauch, Lauch, Okra, Zwiebeln, Erbsen, Schalotten
Oligosaccharide Getreideprodukte: Weizen u. Roggen in größeren Mengen (Brot, Pasta, Cous-
(Fruktane und Galaktane) cous, Kuchen, Kekse usw.)
Hülsenfrüchte: Kichererbsen, Linsen, Rote Bohnen
Obst: Wassermelonen, weiß Pfirsiche, Rambutan, Kaki
Disaccharide Milch und frische Käsearten
(Laktose)
Obst: Birnen, Mango
Monosaccharide
Süßstoffe: Honig und honig-enthaltende Konfitüren
(Fruktose)

Obst: Äpfel, Marillen, Kirschen, Litschi, Nashi, Nektarinen, Birnen, Pfirsiche,


Polyole
Zwetschgen, Wassermelonen
(Sorbitol, Mannitol, Xylitol, Maltitol,
Gemüse: eine ganze Avocado, Karfiol, Pilze, Zuckererbsen
Erythritol, usw.)
Süßstoffe: Sorbit, Mannit, Xylit, Maltit, Isomalt, usw.

14 VFEDaktuell 155 І 2016


TITELTHEMA

RRTabelle 5: Nahrungsmittel mit niedrigem FODMAP-Gehalt (modifiziert nach Gruber (15))

Nahrungsmittel mit niedrigem FODMAP-Gehalt


Substanzgruppe
sollten bei Patienten mit Reizdarmsyndrom bevorzugt werden
Gemüse: Bambussprossen, Chinakohl, Karotten, Sellerie, Paprika,
Mais, Melanzani, Fisolen, Kopfsalat, Schnittlauch, Pastinal, Kürbis,
Oligosaccharide Grün von Frühlingszwiebeln, Paradies
(Fruktane und Galaktane) Ersatz für Zwiebel und Knoblauch: aromatisiertes Öl
Getreideprodukte: glutenfrei oder auf Basis von Dinkel hergestelltes Brot und
andere Produkte
Disaccharide laktosefreie Milch und laktosefreie Käsearten, gereifter Käse, Ziegen- und Schafs-
(Laktose) käse
Monosaccharide Obst: Papaya, Aprikosen, ggf. Zugabe von Glukose (Traubenzucker) zum Beispiel
(Fruktose) Erdbeeren
Früchte: Bananen, Schwarzbeeren, Karambole, Durian, Grapefruit, Weintrauben,
Polyole
Honigmelonen, Kiwi, Zitronen, Limetten, Mandarinen, Orangen, Passionsfrucht,
(Sorbitol, Mannitol, Xylitol, Malt-itol,
Papaya, Himbeeren, Cantalou-Melonen,
Erythritol, usw.)
Süßstoffe: Haushaltszucker (Saccharose), Glukose, andere Süßstoffe (zum Beispiel
Sorbitol, Mannitol, Xylitol)

RRTabelle 6: Übersicht über Nahrungsmittel mit hohem und niedrigem FODMAP-Gehalt (Arizona University, USA, http://www.health.arizona.edu/health_topics/nutriti-
on/handouts)

Nahrungsmittel hoher FODMAP-Gehalt niedriger FODMAP-Gehalt


Artischocken, Blumenkohl, Grüner Pfeffer, < ½ Tasse: Süßkartoffeln, Aubergine, Boh-
Kohl, Kürbis, Lauch/Porree, Pilze, Schalotte, nenkeimlinge, Brokkoli, Esskastanien, Fen-
pflanzliche Nahrungsmittel Spargel, Zuckererbsen, Zwiebel- u. Knob- chel, Grün von Frühlingszwiebeln, Gurke,
lauchpulver, Zwiebeln, Knoblauch Karotten, Kartoffeln, Kopfsalat, Rosenkohl,
Schnittlauch, Spinat, Tomaten
Dinkel, Gerste, Roggen, Weizen glutenfreies Brot, Teigwaren und Gebäck,
Getreide
Hafer, Haferkleie, Mais, Quinoa, Reis
Kichererbsen, Kidney-Bohnen, gekochte < 1/3 Tasse grüne Erbsen, Erdnüsse, Tofu
Gemüse/Hülsenfrüchte
Bohnen, Linsen
Pistazien maximal 10 bis 15 Stück/1 bis 2 Teelöffel:
Nüsse/Samenkörner Kürbiskerne, Mandeln, Pekannuss, Sesam-
körner, Sonnenblumenkerne, Walnüsse
Agave, high fructose corn sirup, Honig, Ahornsirup, Aspartam, Haushaltszucker
Süßungsmittel
Mannitol, Sorbitol, Xylitol (Saccharose), Traubenzucker (Glukose)
Zusätze Zuckeralkohole
Alkohol Rum Bier, Gin, Wein, Wodka
proteinreiche Nahrungsmittel Fisch, Hähnchen, Pute, Eier, Fleisch
fettreiche Nahrungsmittel < ¼ Avocado, Oliven, Olivenöl
Cremes (aus Milch hergestellt und gesüßt), Hanfmilch, Haselnussmilch, Kokosnuss-
Milch Kondensmilch, Dosenmilch, Kuhmilch, milch, laktosefreie Kuhmilch, Mandelmilch,
Schafsmilch, Sojamilch, Ziegenmilch Reismilch
Kuhmilch-Joghurt griechischer Joghurt, Kokosmilch-Joghurt,
Joghurt
Sojamilch-Joghurt
Hüttenkäse, Mascarpone, Ricotta Blauschimmelkäse, Brie, Feta, Hartkäse
(Cheddarkäse, Schweizer Käse, Parmesan),
Käse Hüttenkäse oder Ricotta (nicht mehr als
zwei Teelöffel), laktosefreier Hüttenkäse,
Mozzarella
Sonstige Milchprodukte saure Sahne, Schlagsahne Butter, Sahnekäse
Eiscreme, gefrorener Joghurt, Sorbet Sorbet (aus Früchten mit niedrigem
Desserts
FODMAP-Gehalt)
Äpfel, Aprikosen, Birnen, Brombeeren, < ¼ Avocado, < 1 Teelöffel Trockenfrüch-
Dattelpflaumen, Himbeeren, Mango, Nek- te, Ananas, Banane, Blaubeere, Erdbeere,
tarinen, Orangensaft, Papaya, Pfirsiche, Grapefruit, Heidelbeere, Kantalupe (Melo-
Früchte
Pflaumen, Wassermelone, Zwetschgen, ein- nenart), Kiwi, Rhabarber, süße Melone, Zi-
gemachte Früchte, große Portionen jeglicher tronen, (reife Früchte bevorzugen, weniger
Früchte reife enthalten mehr Fruktose)

155 І 2016 VFEDaktuell 15


TITELTHEMA

RRLiteraturverzeichnis 9 Barrett JS, Gearry RB, Muir JG, Irving PM, Rose 16 Catsos P. IBS – free at last: a revoluntary, new
1 Leiß O. Fiber, Food Intolerances, FODMAPs, R, Rosella O, et al. Dietary poorly absorbed, step-by-step method for those who
Gluten und funktionelle Darmerkrankungen – short-chain carbohydrates increase delivery of have tried everything. Control IBS symptoms by
Update 2014. Z Gastroenterol 2014; 52: 1277- water and fermentable substrates to limiting FODMAPs carbohydrates in your diet.
1298. the proximal colon. Aliment Pharmacol Ther Portland, Pont Cove Press, 2nd edition, 2012.
2 El-Salhy M, Gundersen D. Diet in irritable bowel 2010; 31: 874-882 17 Shepherd S, Gibsen P. The Complete Low-Fod-
syndrome. Nutrition Journal 2015; 10 Austin GL, Dalton CB, Hu Y et al. A very low- map Diet: A Revolutionary Plan for Managing
14:36 carbohydrate diet improves symptoms and qua- IBS and Other Digestive Disorders. The Experi-
3 Shepherd SJ, Gibson PR. Fructose malabsorpti- lity of life in diarrhea-predominet irritable bowel ment, New York, 2013. Deutsch: Shepherd S,
on and symptoms of irritable bowel syndrome: syndrome. Clin Gastroenterol Hepatol 2009; 7: Gibson P. Die Low-FODMAP-Diät. Nahrungsmit-
guidelines for effective dietary management. J 706-708 tel-Intoleranzen entlarven und beschwerdefrei
Am Diet Assoc 2006; 106: 1631–1639 11 Staudacher HM, Whelan K, Irving PM, Lomer genießen. TRIAS-Verlag, 2015
4 Barrett JS, Gibson PR. Clinical ramifications of MC. Comparison of symptom responce fol- 18 Böhn L, Störsrud S, Liljebo T, et al. Diet low in
malabsorption of fructose and other lowing advice for a diet low in fermentable car- FODMAPs reduces symptoms of irritable bowel
short-chain carbohydrates. Practical Gastroen- bohydrates (FODMAPs) versus standard dietary syndrome as well as traditional dietary advice:
terology 2007; 51-65 advice in patients with irritable bowel syndro- a randomized controlled trial. Gastroenterology
5 Gibson P, Shepherd SJ. Evidence-based dietary me. J Hum Nutr Diet 2011; 24: 487-495 2015; 149(6): 1399-1407
management of functional gastro-intestinal 12 Ostgaard H, Hausken T, Gundersen D, El-Salhy 19 Leiß O. Differenzialdiagnose Zöliakie/Sprue –
symptoms: The FODMAP approach. J Gastroen- M. Diet and effects of diet manage-ment on Weizensensitivität. Verdauungskrankheiten
terol Hepatol 2010; 25: 252-258 quality of life and symptoms in patients with 2015; 33: 308-319.
6 Southgate D, Englyst H. Dietary fibre: chemistry, irritable bowel syndrome. Molecular Medicine 20 De Giorgio R, Volta U, Gibson PR. Sensitivity to
physical properties and analysis. In: Trowell H, Reports 2012; 5: 1382-1390 wheat, gluten and FODMAPs in IBS: facts or
Burkitt D, Heaton K (eds.): Dietary fibre, fibre- 13 de Roest RH, Dobbs BR, Chapman BA et al. The fiction? Gut 2016; 65: 169-178.
depleted foods and disease. Academic Press, low FODMAP diet improves gastrointestinal
London, 1985, pp. 31-55. symptoms in patients with irritable bowel syn-
7 Huth K, Burkard M. Ballaststoffe. Chemie – phy- drome: a prospective study. Int J Clin Prct 2013;
siologische Wirkungen – gesundheitlicher Wert 67: 896-905
– Ballaststoffzufuhr und Kostpläne. Wissen- 14 Halmos EP, Power VA, Shepherd SJ, Gibsen PR,
Autor
schaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2004. Muir JG. A diet low in FODMAPs reduces sym- Professor Ottmar Leiß
8 Ong DK, Mitchell SB, Barrett JS et al. Manipula- ptoms of irritable bowel syndrome. Gastroente- OLeiss@web.de
tion of dietary short chain carbohyd-rates alters rology 2014: 146: 67-75
the pattern of gas production and genesis of 15 Gruber K. Funktionelle gastrointestinale Störun-
symptoms in irritable bowel syndrome. J Gast- gen: Reizdarm, extrem häufig & ext-
roenterol Hepatol 2010; 25: 1366-1373. rem schwierig. JEM Dezember 2012, S. 8-10

Nüsse als Bestandteil einer veganen Ernährung


Eine pflanzenbasierte Ernäh- vegane Kost im Vergleich zu ei- Während in einer gemischten
rung wird bei vielen Menschen ner omnivoren Mischkost [2]. Kost Milchprodukte und Käse
immer beliebter, dazu gehören als typische Vitamin B2-Liefe-
auch zunehmend Veganer, die Jedoch warnt die Deutsche ranten gelten, eignen sich als
auf alle Produkte aus tierischer Gesellschaft für Ernährung vegane Alternativen Mandeln,
Herkunft verzichten. Die pro- in einer aktuellen Veröffentli- Pistazien und Cashewnüsse.
tektiven Wirkungen vegeta- chung [1] auch vor Defiziten Auch als Calciumlieferanten
rischer Kostformen wurden hinsichtlich kritischer Nähr- können die Nüsse punkten,
bereits intensiv erforscht, nun stoffe bei einer ausschließlich hier vor allem Mandeln, Pista-
bestätigte sich auch ein ver- veganen Ernährungsweise. zien, Haselnüsse und Paranüs- bauen, denn jede Nuss hat ihr
mindertes Risiko für Krebser- se. Letztere gelten zudem als ganz eigenes Nährstoff- und
krankungen durch eine rein Hier leisten Nüsse einen die besten pflanzlichen Selen- Geschmacksprofil.
wertvollen Beitrag und sind Lieferanten. Bei der Zinkver-
ein bedeutender Eckpfeiler sorgung können Erdnüsse und Autorin:
eines bewusst zusammenge- Paranüsse einen angemesse- Ute Dujardin
stellten Speiseplans, sowohl in nen Beitrag leisten. Die Maca- (Dipl.-Oecotrophologin)
nährstoffbezogener als auch in damianuss, oft auch als Königin
kulinarischer Hinsicht. Nüsse der Nüsse“ bezeichnet, erwei-
liefern nicht nur Energie, kom- tert mit ihrem hohen Gehalt Literatur:
(1) Richter M, Boeing H, Grünewald-Funk
plexe Kohlenhydrate, Ballast- an einfach ungesättigte Fett- D et al. for the German Nutrition Society
stoffe und essenzielle Fettsäu- säuren das Spektrum an güns- (DGE) (2016): Vegan diet. Position of the
German Nutrition Society (DGE). Ernäh-
ren. Sie gehören auch zu den tigen Fetten in verschiedenen rungs-Umschau, 63(04): 92–102
proteinreichen pflanzlichen Nussarten. (2) Dinu M, Abbate R, Gensini GF, et al.
(2016): Vegetarian, vegan diets and multiple
Lebensmitteln, die in Kombi- health outcomes: a systematic review with
nation mit anderen pflanzli- Es lohnt sich daher, verschie- meta-analysis of observational studies. Crit
Rev Food Sci Nutr. Feb [Epub ahead of print]
chen Eiweißquellen noch bes- dene Sorten von Nüssen in
Bild: istock, © spastonov ser verwertet werden können. den veganen Speiseplan einzu-
nucis.de

16 VFEDaktuell 155 І 2016