Sie sind auf Seite 1von 8

Dieselskandal und Elektroauto

17 Minuten Lesezeit
D
Aktualisiert 29.4.2019

Wie hängt die Elektromobilität mit dem Dieselskandal zusammen?


Der Dieselskandal begann vor etwa zehn Jahren mit der Entwicklung der „Defeat
Device“: Die bordeigene Software erkennt die Prüfstand-Situation und stellt auf
„sauberen“ Betrieb um. Nach Verlassen des Prüfstandes werden wieder hohe Stickoxid-
Wertte ohne Entgiftung emittiert.
Der Dieselskandal des VW-Konzerns mit seinen Töchtern Audi und Porsche wurde
wurde im September 2015 endgültig bekannt, als die US-Behörden ihn öffentlich
machten. Die verstärkte Offensive der deutschen Autoindustrie für Elektroautos ist zum
einen den „Super-Credits“ geschuldet: Damit können die Elektroautos (mit der offiziellen
Bewertung Null g CO2) gegen schwere Limousinen und Geländewagen gegengerechnet
werden.
Zum anderen ist es ein scheinheiliges Ablenkungsmanöver vom eigentlichen
Dieselskandal: mit den „Defeat Devices“, der zigfachen Belastung der Dieselmotoren
mit Stickoxiden und dem Totalversagen der deutschen Verkehrspolitik unter den
Bundesverkehrsministern der CSU, Alexander Dobrindt und und Andreas Scheuer.
Im Intro dieser Webseite habe ich geschrieben: „Die Diskussion um die Elektromobilität
gibt es verstärkt seit etwa 1985. Nun, im Jahr 2018, hat der Elektroauto-Hype fast
schon manische Züge angenommen. Das Thema eignet sich gerade in Deutschland
vorzüglich, um von Dieselskandal, Feinstaubbelastung, gefälschten Verbrauchswerten,
überdimensionierten und viel zu schnellen Autos und nicht zuletzt von einer Diskussion
um ein dringend notwendiges Tempolimit abzulenken. Da kommt das Placebo
Elektroauto gerade recht.“
Und als Fazit im Februar 2019: Die deutsche Autoindustrie will beides – schwere, teure
Limousinen und Geländewagen verkaufen (BMW X 7 und X9 und Audi A9 kommen!)
und schwere, teure Elektroautos verkaufen. Und natürlich kein Tempolimit. Als
Alternative gäbe es kleine, sparsame, sinnvolle Autos – und inzwischen wirklich
saubere Dieselmotoren.

2009: Martin Winterkorn lenkt ab. „‚Mit der Elektromobilität steht die Branche vor einem
fundamentalen technologischen Umbruch. Einer echten Zeitenwende. Unser Weg führt
weg vom Öl, hin zu emissionsfreier Mobilität‘, verkündet Martin Winterkorn, Chef des
Volkswagen-Konzerns, ‚noch vor zehn Jahren waren Umweltfreundlichkeit und Effizienz
keine echten Kaufargumente‘.”1
Zu der Zeit war der VW-Dieselskandal mit Defeat Device schon am Laufen!

„Clean Diesel“. Der Tesla-Gründer und CEO Martin Eberhard hatte 2007 im Streit mit
Elon Musk Tesla verlassen und war zeitweilig bei VW. Dort wollte er sich den
damaligen VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn von Elektroautos
überzeugen – vor dem Dieselskandal. Winterkorn habe dagegen den „Clean Diesel“
gelobt, um die Emissionsvorschriften einhalten zu können. Eberhard: „Ich habe zu Dr.
Winterkorn gesagt, dass ‚Sauberer Diesel‘ für mich ein Oxymoron sei, ein Widerspruch
in sich selbst. Da ist er richtig wütend geworden.“2

VW: Diesel, Diesel, Diesel. Alberto Ayala war Vizechef der kalifornischen
Umweltbehörde CARB. und hatte bereits 2008 Hinweise erhalten, dass an der VW-
Kampagne für den sauberen Diesel etwas nicht stimmte. 2013 besuchte er Wolfsburg –
und war irritiert. „Wo denn hier die Elektrobatterien entwickelt würden, wollte er wissen.
Und wo sich die Abteilung für die Brennstoffzelle befinde. doch außer dem Diesel hatten
die deutschen Manager und Ingenieure nicht viel zu bieten.“3 Nach seiner Rückkehr
stellte Ayala fest, dass die VW-Dieselmotoren im Labor die Stickoxid-Grenzwerte
einhielten; im Straßenverkehr wurden die Grenzwerte bis zu 40-fachen überschritten.

Der chinesische Markt rettet VW. Die drei deutschen Autokonzerne würden ohne den
chinesischen Automnarkt nicht so glänzend dastehen. Allein VW, Audi und Porsche
setzen 40 Prozent ihrer Produktion in China ab; bei VW sind es sogar 50 Prozent.4 Eine
gewaltige Abhängigkeit ist so über die Jahre entstanden: Für Konzerne wie VW, aber
auch für China, und damit soll es nach dem Willen der Führung in Peking bald vorbei
sein.“4

Elektrisches Ablenkungsmanöver von VW. Der Dieselskandal ist bei VW entstanden:


Also legt der Konzern ein riesiges Elektroauto-Programm auf. VW will angeblich 20
Milliarden Euro in die Elektromobilität stecken. „Und E-Autos werden bald so stark
nachgefragt, dass Audi, VW, Skoda, Seat und all die anderen Konzerntöchter in den
kommenden zwölf Jahren für 50 Milliarden Euro E-Auto-Batterien einkaufen müssen.
Eine Einkaufsliste, so groß, dass Volkswagen mit Geschäftspartnern Batteriefabriken
bauen wird. (…) Bei der Elektromobilität war es erst Elon Musk, dann BMW mit dem i3
– und jetzt ist es auch der VW-Konzern, der mit dem Thema natürlich auch den
Dieselskandal ein wenig in die Archive moderieren will.“5

Tesla erinnert VW an „Dieselgate“. Lustiger Zwischenfall: VW-Techniker in Wolfsburg


wollten einen Tesla zerlegen, um die Funktionsweise zu untersuchen. „Doch kaum
hatten sie das Testgelände erreicht, fuhr das Fahrzeug wie von Geisterhand seine
Funktionen herunter. Musks Leuten war es offenbar gelungen, das Fahrzeug zu orten
und es aus der Ferne automatisch lahmzulegen. Auf dem Tesla-Display stand nur noch
ein Wort: ‚Dieselgate‘.“2

Eine Art Abwrackprämie: Im Jahr 2018 fordert die deutsche Autoindustrie für ihren
selbstverschuldeten Dieselskandal erneut Staatsgelder, um ältere Diesel-Modelle
gegen neuere der Euro 6-Norm aus dem Verkehr zu ziehen. Schnell stellte sich dann
heraus, dass selbst die neuesten Dieselmodelle die Grenzwerte nicht einhalten und mit
Defeat Devices (Abschalteinrichungen) ausgestattet wurden. So emittierte das
Topmodell A8 des Audi-Konzerns bis August 2017 bis zu 2000 mg Stickoxide: erlaubt
wären 80 mg.

Elektrisches Dienstwagenprivileg. Um den Verkauf der Elektroautos anzukurbeln,


sperndierte die Große Koalition unter „Klimakanzlerin“ Merkel Milliarden: „Der geldwerte
Vorteil, also der Betrag, den die Fahrer eines Dienstwagens als Zuschlag auf ihr Gehalt
versteuern müssen, wird bei Plug-in-Hybriden und E-Autos halbiert. (…) Der
Abgasskandal setzt die große Koalition unter Druck. In manchen Innenstädten ist die
Luft immer noch stärker mit Stickoxiden belastet als erlaubt – auch wegen zu dreckiger
Autos. Deshalb hat die EU-Kommission Deutschland verklagt. Emissionsarme
Fahrzeuge könnten das Problem entschärfen. Die Bundesrepublik hinkt zudem den für
2020 selbstgesteckten Klimazielen hinterher, bis dahin sollen 40 Prozent Kohlendioxid
(CO2) im Vergleich zu 1990 eingespart werden. Auch der Ausstoß von CO2 lässt sich
mit Stromfahrzeugen senken – besonders, wenn für Herstellung und Fahren Ökostrom
verwendet wird. Dessen Anteil wächst in Deutschland.“6
Und der CO2-Ausstoß der Elektroautos wird nach offizieller Rechnung mit Null g CO2
berechnet – auch wenn beim derzeitigen Strommix fast 600 g CO2 anfallen und
außerdem die aufzubauende Lade-Infrastruktur entsprechend klimaschädlich ist: Man
denke nur an die zusätzlichen tausende Kilometer Kupferkabel etc. Diese gesamte neu
aufzubauende Elektroauto-Infreastrukturt geht in keine CO2-Bilanz ein.

Hunderttausende Mercedes-Fahrzeuge werden zurückgerufen. Im August 2018 ordnet


das Kraftfahrt-Bundesamt den Rückruf Hunderttausender Mercedes-Fahrzeuge wegen
Abgasmanipulationen an: Der vermutete Abgas-Betrug betraf lauf KBA fast alle Modell-
und Typenreihen mit Dieselmotor. Damit wurde auch der Druck auf
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) größer, angesichts der Belastung mit
Stickoxid in Großstädten härter durchzugreifen. Auf der Liste des KBA steen 24
Mercedes-Modelle: „Bei der C-Klasse geht es sowohl um das kleinste Diesel-Modell mit
Renault-Motor als auch um den C300 Hybrid, der mit einem Mercedes-Motor
angetrieben wird. In der E-Klasse sind diverse Modelle, darunter auch aus der aktuellen
Baureihe, mit Unregelmäßigkeiten aufgefallen, in der luxuriösen S-Klasse sogar die als
besonders umweltfreundlich beworbene Variante mit Hybrid-Motor. Dazu kommt die G-
Klasse, mehrere Geländewagen wie der ML, GLE und GLC sowie das Sportcoupé CLS
und der Roadster SLK. Im Transporter-Segment ruft Daimler den Vito, die V-Klasse und
den Sprinter in die Werkstätten. Dabei müssen per Softwareupdate sogenannte
Abschalteinrichtungen entfernt werden, die dafür sorgen, dass der Wagen im realen
Straßengeschehen einen höheren Ausstoß von Stickoxiden hat als im Labor. Insgesamt
sind 700.000 Autos in Europa betroffen, davon 280.000 in Deutschland.“ 7
Das ist ein Armutszeugnis für die Regierung von Angela Merkel, ihren
Bundesverkehrsministern von der CSU und ihrer bedingungslosen Politik pro
Autoindustrie. Seit September 2015, also seit nunmehr über drei Jahren, ist der
Dieselskandal bekannt – und kein Ende in Sicht. Im August 2018 werden
Hunderttausende Mercedes-Diesel wegen vielfacher Überschreitung der NOx-
Grenzwerte zurückgerufen. Und dann sollen ein paar Elektroautos die Misere
beseitigen. Das ist eine reine Placebo-Politik und pure Augenwischerei – vor allem
angesichts der realen Umweltbelastungen durch Elektromobilität.

Neues vom Diesel-Skandal. Unter Audi-Chef Rupert Stadler wurde die sogenannte
Defeat Device entwickelt, die Schummel-Software, mit der die Dieselmodelle von VW-,
Audi- und Porsche den Prüfstand-Modus erkannte und dann die Stickoxid-Emissionen
absenkte. Dass begann ungefähr 2007, und im September 2015 kam der Diesel-
Skandal dann in den USA heraus. Stadler will von all dem nichts bitbekommen haben –
genauso wie bei VW sein Kollege Martin Winterkorn. „Die für Audi zuständige
Staatsanwaltschaft München II wirft Stadler vor, dieser hätte von Ende 2015 an dafür
sorgen müssen, dass in Europa nicht länger Fahrzeuge aus Ingolstadt und anderen
Werken mit manipuliertem Abgassystem auf den Markt kommen. Die Vorwürfe
beziehen sich also nicht auf die jahrelangen dubiosen Praktiken im eigenen
Unternehmen bis 2015, sondern darauf, wie er sich nach Beginn der Affäre verhielt:
Offenbar abwartend, zögernd, statt durchzugreifen, und damit neue Verstöße gegen
Vorschriften riskierend. Klagen, Stadler habe die Dinge treiben lassen, gibt es schon
lange. Aus der Bundesregierung, nachdem das Verkehrsministerium und das Kraftfahrt-
Bundesamt (KBA) immer wieder neue Audi-Modelle mit Defeat Devices entdeckten.
Und sogar aus dem Volkswagen-Konzern.“8 – Es ist schwer zu begreifen, dass der
Diesel-Skandalinitiiert wurde, weil die Ad-Blue-Harnstoff-Tanks zu klein konzipiert
worden waren: statt mindestens 20 nur acht Liter Inhalt. „Dass Audi die Füllmenge des
AdBlue-Tanks im Q8 mit 24 Liter gegenüber dem Q7 glatt verdoppelt hat, ist ein
weiteres Indiz für den viel zu spät eingeleiteten Umdenkprozess.“9 Audi-
Vorstandsvorsitzender Rupert Stadler sitzt seit 18.6.2018 in Untersuchungshaft.
Was hat der Diesel-Skandal mit Elektroautos zu tun? Viel. Je mehr der Diesel-Skandal
im wahrsten Sinn des Wortes zum Himmel stinkt, umso begeisterter schwärmt die
ganze Branche vom Elektroauto: ein gigantisches Ablenkungsmanöver.

Sauberer Diesel – in der Elektroauto-Euphorie. Geht doch: „Als der französische


Autohersteller Peugeot im März dieses Jahres Abgaswerte von fünf Dieselautos
präsentierte, gab es Lob von ungewohnter Stelle. ‚Die Messungen zeigen exzellente
Resultate bei Stickoxiden und Zahl der Feinstaubpartikel‘, pries die Umweltorganisation
Transport & Environment die Wagen der Abgasnorm Euro 6d-temp, darunter ein 208er-
Modell und zwei 308er. Der französische Naturschutz-Dachverband FNE bestätigte die
Messungen.“10 Auch andere Autojkonzerne präsentieren inzwischen wesentlich
sauberere Dieselmodelle.
Der ADAC untersuchte 14 Diesel der neuen Norm Euro 6d-temp, die seit September
2017 in Kraft ist: Damit werden 76 Prozent weniger NOx emittiert als noch die Euro-6b-
Diesel und 85 Prozent weniger als Euro-5-Diesel. Der Leiter des ADAC-
Technikzentrums, Reinhard Kolke, äußerte: „Die Hersteller haben offenbar verstanden.
Die Ergebnisse sind hervorragend. Die untersuchten Dieselautos stoßen nicht mehr
Stickoxide aus als vergleichbare Benziner – im Labor und auf der Straße.“10 –
„Stichproben bei Straßenmessungen hätten gezeigt, dass die Schadstoffreduzierung
bei guten Modellen im Vergleich zu Euro-5-Dieseln sogar bei 95 bis 99 Prozent liegt.
Der sauberste bislang gemessene Diesel sei ein BMW X1 sDrive18d mit nur noch acht
Milligramm Stickoxid pro Kilometer. Der Grenzwert liegt bei 168 Gramm.“10 Peinlich
genug: Selbst die Dieselautos der Normen Euro 6b oder 6c emittieren oft genauso viel
Stickoxide wie ältere und werden demnächst ebenfalls Probleme bekommen.
So hat die deutsche Autoindustrie, allen voran der VW-Konzern, mit dem Dieselskandal
selbst die heutigen saubereren Dieselmotoren ins Abseits manövriert. Ferdinand
Dudenhöffer: „Die Hersteller haben saubere Diesel zu spät ins Rennen geschickt. Der
Ruf der Technik ist ruiniert.“ ((Sorge, Nils-Viktor, Der Diesel ist sauber – und kaum einer
merkt es, in spiegel.de 18.9.2018))
Die bessere Abgasreinigung der Dieselmotoren wird teurer, und der Ruf des Diesels ist
desavouiert. Und der Hype ums Elektroauto verdeckt, dass die Elektromobilität kaum
sauberer ist – und ein Vielfaches teurer.

VW Elektroautos für 30 Milliarden Euro. Bis 2024 will VW 44 Milliarden Euro in


Elektroautos, autonomes Fahren, Mobilitätsdienste und Digitalisierung investieren: 30
Milliarden davon in Elektroautos. Die Werke in Zwickau, Emden und Hannover müssen
für Elektroautos umgebaut werden. In Hannover soll der Bulli-Nachfolger ID Buzz vom
Band laufen. Der Diesel-Skandal hat VW bis dato über 27 Milliarden Euro gekostet.11
Dazu aus einem euphorischen Kommentar von Max Hägler in der SZ: „So viel
Volkswagen falsch gemacht hat beim Diesel, so viel scheint der Konzern nun richtig zu
machen bei der Elektromobilität. Und ist damit plötzlich Vorbild für die Branche. (…)
Drei Jahre nach dem Dieselskandal wird Volkswagen so – man mag’s kaum glauben –
zum guten Pionier, dem die Konkurrenz folgen sollte.,“12
Schaun mer mal, was sich so alles an Elektroauto-Skandalen auftut!

Die EU verschärft Abgasnormen – die Autoindustrie baut Batteriefabriken. Der VW-


Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh äußerte, um verschärfte EU-Abgasvorschriften
einzuhalten, „dann brauchen wir 18 weitere Batteriefabriken“.13
Oder kleinere und sparsamere und langsamere Autos – natürlich ein Unding für die
stolzen deutschen Autokonzerne, die mit dicken, schweren und schnellen Autos das
meiste Geld verdienen.

Milliarden für Elektrobusse, damit Diesel fahren können. Deutsche Städte protestierten
gegen die Dieselpolitik aus Berlin. Anfang Dezember 2018 erhöhte die
Bundesregierung das „Sofortprogramm Saubere Luft“ von einer auf 1,5 Milliarden Euro.
Dafür sollen Städte beim Kauf von Elektrobussen unterstützt werden. Mit 432 Millionen
Euro soll auch die Hardware-Nachrüstung der älteren Dieseltransporter von Handwerk
und Auslieferern gefördert werden. Dies soll den Druck und den Ärger der privaten
Dieselfahrer abhelfen. „Die zusätzlichen Mittel sollen Städten helfen, Millionen
Dieselfahrer vor dem Stillstand zu bewahren.“14 Der Präsident des Verbands
kommunaler Unternehmen (VKU), der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling
(SPD), forderte für die Kommunen in den nächsten zehn Jahren 20 Milliarden Euro für
den Nahverkehr.14

Subventionen für Elektroautos, Sperren für Diesel. Im Jahr 2018 beschloss die
Bundesregierung, dass für Elektroautos als Dienstwagen nur noch ein halbes Prozent
des Kaufpreises zu versteuern ist, während Diesel und Benziner mit einem Prozent zu
versteuern sind. (800.000 „Dienstwagen“ werden jedes Jahr an Firmenkunden
verkauft.) Diese Prämie sollte im Juni 2019 auslaufen: Im Februar 2019 wurde bereits
diskutiert, mangels Nachfrage diese Frist zu verlängern. Gleichzeitig werden
Innenstädte für Diesel gesperrt – ausgenommen für die neuesten mit der Abgasnorm
Euro 6d-temp. „2019 werden weitere Städte in Deutschland für alte Diesel-Autos
gesperrt. Zugleich zeichnet sich ab, dass auch recht moderne Dieselautos bis
einschließlich der Klasse 6c von Fahrverboten betroffen sein könnten. Noch kann
niemand die Dynamik dieser Entwicklung genau abschätzen, aber fest steht: Dem
Absatz von Elektroautos schadet das sicher nicht.“15

VW schult um. Februar 2019: Die Volkswagen AG stimmt ihre Verkaufer auf den
kommenden Verkauf der Elektroautos ein. Und warnt letztlich vor sich selbst: „Einige
Augenblicke lang könnte man fast meinen, dass in dieser großen, abgedunkelten Halle
Umweltschützer versammelt sind: ‚Unser Planet ist in Gefahr‘, ruft eine Frau auf der
Bühne. Es werden Bilder an die Wand projiziert, auf denen von Dürren und Stürmen
verwüstete Landschaften zu sehen sind. Die Furcht vor den Folgen der
Klimaerwärmung wird recht eindrucksvoll inszeniert hier im niedersächsischen
Isenbüttel. Aber es ist keine Greenpeace-Veranstaltung, es ist eine Verkaufsschulung
von Volkswagen. (…) Es ist nicht nur die Umweltmoral, die Volkswagen treibt. Es ist der
Wunsch, das miese Abgasbetrüger-Image loszuwerden.“16
Dabei werden parallel die selben dicken Limousinen und SUVs weiterproduziert und
verkauft, und die EU-Grenzwerte werden mit Elektroautos (Null CO2!) unterlaufen.

VW dekarbonisiert. Nach dem Aufdecken des VW-Dieselskandals im September 2015


(und dem Einsetzen der „Defeat Device“ seit etwa 2008) verkündete Vorstandschef
Herbert Diess kurz vor Weihnachten 2018, dass VW bis 2050 ein „klimaneutrales
Unternehmen“ werden soll. Ein Beispiel sei der neue VW I.D. „Diess wird nur dann
Millionen Elektroautos verkaufen können, wenn er seinen Kunden beweisen kann, dass
E-Fahrzeuge tatsächlich sauberer sind – auch in der Produktion.“17 – Wie sieht es beim
Vorstandschef Diess selbst aus? „Der VW-Chef, privat ein Ferrari-Fahrer, betont in
Interviews, dass er gern Bahn fahre.“17

Elektroautos ohne Ende. Die Beratungsfirma P3 schätzt, dass sich die Zahl der
Elektroautos von 2018 bis 2025 um den Faktor zehn erhöht – auf jährlich 30 Millionen.
Damit wird der Bedarf an Akkus ähnlich steigen: Im Jahr 2025 auf über 1200 GWh.
Aktuell werden etwa 70 Gigafactorys weltweit gebaut; allein in China 46. „Das
Dieseldesaster, die Fahrverbotszonen in den Innenstädten und schärfere EU-
Emissionsvorhaben bringen die Autoindustrie in Bedrängnis: Sie hat ein
Nachschubproblem.“18

Wandel bei Volkswagen – durch Dieselskandal. In Berlin trafen sich am 27.2.2019 VW-
Chef Herbert Diess und stellte Microsoft-Chef Satya Nadella das „Digital Lab“ von VW
vor. VW kündigte eine noch intensivere Kooperation mit Microsoft an. Nadella sprach
vom extremen Wandel in der Autoindustrie und lobte die VW-Vision. „Dass der Wandel
bei Volkswagen auch deshalb so massiv vorangetrieben wird, weil der Konzern nach
der Dieselaffäre die Flucht nach vorn antritt, sagt Nadella nicht.“19 Diess lobte seinen
VW-Konzern: „Man sei ja ganz ausgezeichnet, wenn es um die Hardware und das
Design gehe, sagte Diess und fährt fort – die Sache mit dem Diesel scheint auch ihm
hier kurzfristig zu entfallen – die Autos von VW seien ja ‚close to perfect‘, nahezu
perfekt.“19
Schon erstaunlich, was VW alles verspricht – Dekarbonisierung bis 2050 zum Beispiel
(siehe Anmerkung 17), 16.2.2019). VW ähnelt da einem kleinen Jungen, den man auf
frischer Tat ertappt hat und der nun Ablenkungsmanöver einleitet. Teure elektrische
Ablenkungsmanöver – und für die Umwelt nicht gut.

Porsche stellt auf Elektroautos um – nicht ohne Grund. Ende 2019 kommt das erste
Elektroauto von Porsche auf den Markt: der Taycan. Dann wird der Macan auf
Elektroantrieb umgestellt usw. Bis 2025 soll die Hälfte der Produktion mit Elektroantrieb
ausgeliefert werden, bis 2030 fast komplett. Gleichzeitig wird Porsche aktuell immer
tiefer in den Dieselskandal hineingezogen, obwohl der Sportwagenbauer die
Verantwortung auf Audi abwälzen möchte, dem Lieferanten der infizierten
Dieselmotoren. Durch die schweren Porsche-Modelle wie Cayenne oder Panamera
stieg der Dieselanteil im Konzern auf insgesamt 16 Prozent und in Deutschland sogar
auf 40 Prozent. Nun droht Porsche ein Bußgeld in dreistelliger Millionenhöhe. „Der
Dieselskandal wird für Porsche zum finanziellen Risiko. (…) Der Sportwagenproduzent
kann nur zum Vorreiter werden, wenn er den Dieselskandal abhakt.“ 20 Besonders
makaber: „Aus Sicht der Strafverfolger hast Porsche den Fehler gemacht, außerhalb
der USA weiterhin Fahrzeuge mit Abschaltvorrichtung zu verkaufen.“((Dohmen, Frank,
Hage, Simon, Ausgeröhrt, in Der Spiegel 9/23.2.2019)) noch im Sommer 2017 wurden
Porsche Cayenne mit Abschaltvorrichtung verkauft.
Nun tut Porsche Buße – und setzt auf Elektrizität. Ob das bei den Porsche-Fans
ankommt?

Mercedes: Elektroautos gegen CO2-Obergrenzen. Der künftige Daimler-Chef Ola


Källenius erzählte auf dem Genfer Autosalon, wie sein Autokonzern die strengeren
CO2-Grenzwerte einhalten will: Wer zu viel verbraucht, muss Strafe zahlen. Källenius
Rezept: Überall Elektro reinpacken, wo es nur geht.“21

VW elektrifiziert. Warum gerade der VW-Konzern als Verursacher des Dieselskandals


so hemmungslos auf Elektrifizierung setzt, hat einen einfachen Grund: den
Dieselskandal. „Ohne Dieselgate, sagt Ferdinand Dudenhöffer, der Auto-Professor
von der Uni Duisburg-Essen, würde die alte VW-Führungsgarde um Martin Winterkorn
und Ferdinand Piëch ‚immer noch an Verbrennungsmotoren herumspielen‘.22

Deutsches Autokartell vor Milliarden-Bußgeld. BMW, Daimler und Volkswagen „sollen


sich bei der Größe von AdBlue-tanks illegal abgesprochen und zudem vereinbart
haben, keine Partikelfilter in Otto-Motoren einzubauen, mit denen man den Ausstoß
gesundheitsgefährdenden Feinstäuben hätte reduzieren können“.23 Nun möchte
Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager demnächst Bußgelder von jeweils einer
Milliarde Euro gegen die drei Konzerne verhängen. Diese prüfen bereits juristische
Schritte dagegen.

VDA fordert noch höhere Zuschüsse. Am 14.3.2019 gab es ein Spitzentreffen im


Kanzleramt, bei dem der VDA weitere staatliche Hilfen forderte: im Namen des
Klimaschutzes für den Ausbau der Elektromobilität. „Die bislang zur Verfügung
gestellten 300 Millionen Euro für den Aufbau eines Ladenetzes reichten nicht aus, sagte
Verbandspräsident Bernhard Mattes. Der erhoffte Ausbau auf sieben Millionen
Elektroautos klappe nur unter optimalen Bedingungen.“24
So geht Auto-Lobby-Politik: Erst produziert die Autoindustrie den Dieselskandal. Der
bleibt in Deutschland fast straffrei. (Und der Wertverlust trifft die privaten Diesel-
Besitzer.) Dann kommt das Ablenkungsmanöver Elektroauto als vermeintlich
ökologischer Heilsbringer (was es nicht ist). Und dann fordert der VDA Subventionen für
die Elektromobilität.

Dieselskandalsünder VW Vorreiter. Im VW-Papier „Ansätze und Vorschläge zur


besseren Förderung von Elektromobilität in Deutschland“ wird auch die Forderung
erhoben, die Stromtankstellen statt mit 300 mit 600 Millionen Euro zu subventionieren.
Dazu wird kostenloser Strom gefordert: „Über einen „Mobilitätsfonds Elektromobilität“
sollen Fahrzeuge unter 20.000 Euro kostenlos laden können. Und die staatliche
Kaufprämie soll ab 2023 von der Wagengröße abhängen: Ein Elektroauto unter vier
Meter Länge und mit mehr als 200 Kilometer Reichweite soll eine Förderung von 5000
Euro erhalten. Beim VDA ist man über das VW-Papier überrascht. „Gerade eben noch
war Volkswagen Dieselsünder, jetzt will der Konzern die Gesetze umschreiben.“25

Dieselskandal wirkt wie Fukushima. Der Daimler-Betriebsratschef in Stuttgart-


Untertürkheim, Michael Häberle, zieht eine Parallele: „Was gerade in einer Hauruck-
Aktion passiert, ist das Gleiche wie bei Fukushima mit der Energiebranche… Ohne
Fukushima wäre Deutschland nicht so schnell aus der Atomkraft ausgestiegen. Und
ohne VW und den Dieselskandal wäre die Autoindustrie nicht in einer solchen
Geschwindigkeit getrieben, die Elektromobilität umzusetzen, die wirtschaftlich unter
Umständen auch nicht gesund ist und zusätzlich die gesamtheitliche Betrachtung der
Ökobilanz vernachlässigt.“26

Bamberger Diesel-Beschäftigte von Bosch protestieren. Die IG Metall sieht ein


Verhältnis zwischen der Produktion eines Diesels im Vergleich zu Benzin und
Elektromotor von 10 zu drei zu eins. IG-Metallchef Jörg Hofmann äußerte: „Der
ökologisch saubere Verbrennungsmotor wird noch gebraucht.“27