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biolgqi5ü-dyrwamische
Kkfifl5<haft5wzise
/ Alle Rechte vorbehalten. — Nachdruck verboten! \
Herausgeber: Dr. Erhörd Bartsch, Bad Saarow (Mark) '

5darifi‘leitung: DI“. 5. Bartsch, Bad Saarow (Mark)


Geschäftsstelle: Bad Saarow (Mark) Dosisched<lconto: Breslau 56266

Heft 1 Januar 1956 11. Jahrg.

Der in sich geschlossene Betriebsarganlsmris


Im Reichsnährstand=Verlag ist soeben von Dr. W. Clauss eine Sammlung bedeutsamer
Aufsätze „Der Bauer im Umbrudi der Zeit“ herausgegeben werden. Ein Kernstiid< dieses
Buches stellen die Ausführungen des Staatssekretärs im Reichs: und Preußischen Ministerium für
Ernährung und Landwirtschaft H. Badce dar. In seinem Aufsatz: „Der Bauer im Umbruch der
Wirtschaf“ entwidcelt Staatssekretär Bad<e folgende Gedanken über die Geschlossenheit des
Bauernhofes: ‚

„Freilich muß sich der Bauer dabei immer wieder des ihm von der Natur ge.-
stedcten Rahmens bewußt bleiben. Diese Rückkehr zu natürlid-ren Verhältnissen,
zu den natürlichen Gegebenheiten war ja die Grundvoraussetzung der neuen
Entwicklung nach dem Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Das bedelitet also, daß
wir darauf hinstreben müssen, in dem Bauernhof wieder ein in sich geschlossenes
Gebilde mit lebensgesetzlidien Zusammenhängen zu sdraffen‚ Nur so ist ia auCh
eine wirkliche und dauerhafte Leistungssteigerung möglich, wenn alle Kräfte
eines Hofes sich sinnvoll ineinander fügen. Unter der Herrschaft der Preis.-
sd1wankungen und des Rentabilitätsprinzips entstand jene Aufteilung, die ich bereits
schilderte und die schließlich zur Zersetzung wurde. Aus dem Bauernhof wurde
ein kapitalistischer Betrieb, der bald dies, bald jenes produzierte, je nach
Marktlage und Konjunkturen. Die uralten Zusammenhänge, die dadurch aus.-
einandergerissen sind, müssen nunmehr wiederhergestellt werden. Der kapitalistisd‘te
Betrieb muß also wieder zu einem in sich geschlossenen Hof, einem organischen
Gebilde werden, dadurd1, daß er die in die weite Weltwirtsd1aft zerstreuten Erzeugungs:
zweige wieder zu sich zurückholt. Das bedeutet für den einzelnen Betrieb, daß er
danach traditen muß, sid1 möglichst vielseitig auszugestalten, Je mehr sorgfältig
und lebensgesetzlich aufeinander abgestimmte Erzeugungszweige der einzelne
Hof umfaßt, um so mehr ruht er zunächst geschlossen in sich selbst, um so lebens:
fester steht er da, um so mehr kann er in den einzelnen Zweigen durch Erzeu:
gungssteigerung herausholen, und um so mehr bildet er damit die Urzelle einer
lebensfesten und in sich geschlossenen Volkswirtsd1aft.
Auch von der gesamten Volkswirtschaft aus gesehen ist es notwendig, die in die
Weltwirtschaft hinausverlegten Erzeugungszweige allmählich wieder herein.—
zuholen, und das soll eben möglichst dadurd1 geschehen, daß jeder Bestandteil dieser
Volkswirtschaft, also der Hof oder der Betrieb, von sich aus zur Erzeugung bisher
vernadiläßigter Güter übergeht. Die Geschlossenheit und Lebensfestigkeit der Volks=
wirtschaft soll möglichst erreicht werden durch die Vielseitigkeit der einzelnen Bestand:
teile. Nur«wenn die einzelne Zelle der Wirtsd1aft schon ein organisches Wesen ist,
kann auch die gesamte Wirtsdraft zu einem organischen Gebilde werden. Und dieses


Ziel steht fest nad] der hinter uns liegenden anorganisdaen Entwidclung, die lediglidl
von beziehungslosen rechnerisdien Erwägungen bestimmt war.
3
läßt sich verstehen, daß sich in neuester Zeit in den dynamischen Untersuchungen eine Zukunft
aße, wie wir also das kapitalistische Rentabilitätspnnztp abbauen und darstellt, die einer allzumateriellen Naturauffassung überraschend scheinen muß. „Durch diese viel
durch
ItZictflfliemrizi\flionalsozialistischen
holen wir alle Güter, dieGrundsatz
der Le131ungsste1gger]cgng
der.-
er die
zu geringe Beachtung des Dynamischen wird die unbestreitbar vorhandene Wechselwirkung der
Grenzen hinaus immer weiter in die Weltwirtschaft Rentab1htg}tfu
setzen, die Peitsche der pflanzlichen Wirkstoffe auf die Tierzelle zu sehr vernachläßigt . , denn es ist bekannt, daß
getrieberi\j(/al,1 \'vtlechefr Wiesenrispengras auf Fleisd1ansatz, Wiesenfuchsschwanz auf zeitige Fettanlage, Rotschwingel auf
zu uns zurück. Aus dem rein rationalen, anorganischen System
wird im allmählichen Fortgang dieser Entwicklung Wieder eine
und den früher geschilderten, nach außen indie Wededrangenden
derv
orgamsch\eW 1ke wiri sCh aflt
d Eh fwir3_
a ,
den Fettgehalt der Milch einwirkt. Die grünen Teile des Hafers gelten als Roborans“ (s.Boas,
Wirkstofflehre). Gerste ist die einzige Getreidefrucht, weld'ie maßgeblich auf den Kalkhaushalt
a
der Weltwirtschaft entsprechen jetzt die nach innen, in die Tiefe gehen en
\}svunciilsriingeri
a s ums-
des tierischen Stoffwechsels einzuwirken vermag (Tierei‘n. 4, H. 6, 1932). Boas stellte in Klee,
Bohne, deutschem Weidelgras, Wiesenlabkraut; ebenso in Stallmist, Edelmist, Kompost dyna:
ringe einer neuen Nationalwirtsdiaft,“ . . misdie Wirkstoffe fest.
Die Natur erzeugt somit an den versd1iedensten Stellen dynamische Werte, die nicht infolge
Das Ideal des in sich geschlossenen landwirtsdaaftlidren und gärtnerisd'ieng Beériebsoäga31;}nx;
wird im Rahmen der
energisch angestrebt und biologisch:dyggrni)sd1e%
verwirin t“ WirtlsldiaftÄswfeisedtilrrilgcélle‘r
roz a er n Eäix%isdegiisäneäezehawn
B dit d.Förderun
eine
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einer besonderen Stoffzufuhr zustandekommen, sondern urgezeugt in dem jeweiligen Lebensglied
der Natur entstehen. Unsere besondere Aufmerksamkeit verdient die Arbeit von Boas, welche er
Gartnern durch eifrige und verstandmsvolle ea ungünn _ g der dynamischen Wirkung der editefl Kamille widmete. Ein feinstofflich angewandter Auszug der
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und
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editen Kamille, deren Droge auch zur Herstellung eines Heilpflanzenkompostes der biologisch:dy:
%eigäielrzälhaetui'zocilsa?nifiäffhänge
men aus ebaut.
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ihre Höfe zu geschlossenen, gesunden und leistungsfah1gen Betriebs:
_ . . namischen Wirtschaftsweise dient, steigerte das Wachstum von Hefekulturen ganz erheblid1. Die
untere Wirkungsgrenze lag bei einer Verdünnung von 11400 Milliarden. Der Versudisansteller
orgamDem
Organismus deutgschen
die Erfahrungen der biologisch=dynamischen Wirtschaftsweise entscäeiäesdBetäfllges;
Bauern werden auf dem Wege zur idealen Geschlossenheit
en c ei wies auf Grund dieser Beobachtungen darauf hin, daß wohl die Erklärung durch Strahlungen be:
rechtigt ersd‘teine. Denn stoffiich ist bei derartigen Verdünnungen kaum'etwas vorhanden (Boas,
geben können, E. B, Prakt. Bl. f. Pflb. 13. 44. 1935).
Es sdieint sich auf diesem Gebiete nunmehr eine Wandlung der Ansid1ten vorzubereiten.
Vielleicht entsinnen sich noch manche der allgemeinen Haltung gegenüber den von den Praktikern
der biologisch:dynamisdien Wirtsdiafi5wei3e gemad1ten Erfahrungen mit den Heilpflanzenkomposten.
Hodiwirk3ame Naturstoffe vergleichbarer Art wurden in den letzten Jahren verschiedentlich
Dynamische Werte und deren Zusammenhang gefunden. Unter den Hormonen lenkte das Follikelhormon besondere Aufmerksamkeit auf sidi.
in den Naturreichen‘ Bei unseren Haustieren ist es in stärkerem Maße im Harn von tragenden Muttertieren zu finden.
Es wurde ermittelt, daß mit diesem Hormon an verschiedensten Blumen, Blumenzwiebeln, Tomaten
Dr. N, Hemer, Dühnshof usw. erheblid1e Wuchssteigerurigen hervorzubringen waren. Es trat eine bedeutend vermehrte
namiSdien Wirkungen iSt_fur den biologisch:dy namisch arbeitenden Land.—
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Bliih= und Fruchtwilligkeit auf. (Arbeiten von Schauer, Goebel, Schoeller. Biochem. Ztg. 240,
1, 1931; 225, 251, 1932; 278, 298, 1935. Ztg. f. Pilz. Em. Dg. Bdkd. B. 13. 9. 1934 u. a.
wirt
Bsziieärufildereiartneryein
ganz wesentlid'ies
Rüstzeugßsemgs dVorgähens.Sie\rlli/Ährlbrätaegnrgäiä’cgän 39, 140. 1935.) Allerdings erheben sich noch heute Stimmen, welche glauben ablehnen zu müssen,
d d e en die Weiterarbett, wenn nicht der erworbnic
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Anwender der neuen Wut3d'iaftsart in kurzer Zeit die au ere e erTerchmk ein ständicy sm:.
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enen e _ “ P daß dem Vorkommen dieser Hormone im Stallmist irgendwelche Bedeutung zukomme. (Störmer,
Jb. f. Bot. 81, 383. 1935 u. Nehring, Mitt. d. L. 50, 911. 1935.) Jedodi scheint zu bedenken,
E$xzf%fgrsllfizhwz%leä die dynamischen Gzruncien so}llüauge c{ljegnf
der Naturvorgänge beigesellt wird._ Aus diesen in
folgenden Zeilen versucht werden, einen kleinen Schritt usammen in daß die Natur an unzähligen, bisher sicher audi nodi nicht durchwegs entdeckten Stellen sold1e
besonderen Werte in ihren Kreislauf einfließen läßt.
Außerdem ist für den Landwirt die Tatsache besonders überraschend, daß der Hormongehalt
rutschen Wirkungen nadispuren und das Geheimnisneuereqtäor}{schungfin
Natur\ßärs%hi?dbnste er fim iGans‚tgfec;ffl\ivcéell(cleiifendyänjaf.;
Wissenschafter haben heute in Ausscheidungen tragender Tiere weit höher ist, ohne daß die Fütterung hierfür als Ursache
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der ir ung aK' er feinem“ Pflanzen:
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d 'ch Boas, welcher schon bald nachdem nege en
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herangezogen werden kann. Das tragende Tier prägt seinen Aussdaeidungen einen besonderen
Wert ein. Für den Lebenshaushalt eines Betriebes ist es daher nicht ohne Belang, ob eine ge.-
'iioifäiäaäädäääér
von den Naturwerten
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Ianreichlich
Bot. einseitig
' (F.Boas,g .ist däräuf hin,ddafi
Ges. 40. 30. 1922), wiesWirkstofere
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Die pflanzliche Produktion


1929 ‘
un d asenge
uberhaupt ann
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ur;sereEVrgrlsltre‘llxugrisg
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313ravollgülfio'
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5} .- sunde Tierzudit,gefrieberi wird oder nidit. in Ställen mit immer wiederkehrenden Sterilitätser:
scheinungen geht
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auf die Dauer gesehen:«


ein wertvoller dynamisdier Antrieb für die biologische
Leistung des Gesamtbetriebes verloren. Bei tragenden Stuten ist der Hormongehalt 10—40 mal so
anzusehen wenn
physmlogle' 1929) ist, neben einer _ca
es gelungen
Fre15mg 1 1 'chen A‚l Ernte auch_ entsprechende d] dynamische
h uf.- ons
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groß gegenüber nichttragenden, bei Sauen kann der Untersd1ied ein mehrfaches höher sein. Die
Werte hervorgebradit
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zu haben. In der smd derartige
. Gesichtspunkte
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heute daß eine Nahrung, die kalorrsch un in ez g“
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d _ B s u onauf e er a
Kohle,-
Medrzm Hormonforsdaung hat in diesen Arbeiten einen Beitrag für eine naturgemäße Stalldüngerbewertung
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geliefert.
g2gnffen Fette
hydrate, und Eiweiß
werden _wxssen "
alles enthalt, dennoch min
WH d‘erwertig ist, wenn sie1‘dit zu S rechen
nicht tgenugend dyna:
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mische Nahrungswerte in Sich tragt. Der Arzt p tlegt .heute
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T“ von chtSonnen1
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besonderswerzuenschatzen p war)“,
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Daß die aktiven Werte des Stalldiingers damit noch nidit alle erfaßt sind, zeigen die Arbeiten

von Niklewski, welche hier bereits besprochen wurden (Dem. 10, H. 5, 1935 Literaturbespr.).
ähnlich wie der' Bauer sonnengewachsenes Futter in seiner
Den Sonderw1rkungen der Nahrung ist zum Bedauern man
Ames nicht
den so
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enannth ak:
genugen
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iecrhzumf"h (

In neueren Versuchen gab Niklewski hochverdiinnte kolloidale Stalldünger:Ausziige zu 1—3 Kubik:


millimeter großen Agar=Agarwürfeln und heftete diese an Keimlingswurzeln an. Es konnten auf
schon
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d . Die Kinderheilkunde, welche 2. T. ru er in g „
diese Weise an der im Reagenzglas befindlichen Pflanze nod1 einige Trillionstel Gramm Humus:
TzJees%giilseälsgeril odvgorr illbennährwerten
Sttcä]tie&mvae.räirnqd1enrglläesdfäzÄqubllillileg gle)r
die Hauptnährwerte sah, hat schon vor Substanz wirksam gemacht werden (Niklewski, Roczniki 34, 457, 1935). Die Humuslösungen
Vitaminforschung einschlägige
Bei der Ernährung handelt es SlCh ni t Arbeitergh
geliefert (s.gB.
um eine so h „te den Fra d L'bson‘dei'1i
Kärpgi's ndi en nur schlugen besonders solchen Keimlingen an, deren Samen natürlicher Düngung entstammten (Zudcer:
rüben). Neben der Wachstumsanregung war bei behandelten Pflanzen eine freudigere Kali: und
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Zufuhr von Lebendigem. ‚in arztlcchen Kreisen vermag __e ‘
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Kalkaufnahme festzustellen (Niklewski .]b. Bot. 70, H. 1, 1929, ferner: 1nfluence des matiéres
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schon eine Ganz andere Form gegebenyzu werden: 4„ Das Urphanomen . deshl ed‘ ans
M t & Wie . dm _ ee colloidales du fumier sur le de'veloppement des racines des plantes. Warszawa 1931 Nr. 16.
dcr Energren oder Atherwellensprele
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eine Organisation '
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‘d1Welt, diedukfivzrsowo Ärbejtsfgh]gkgfl
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ßt d damit neue Gebilde mit neigen teter4pro(( “ Organischer Dünger im Lichte neuster Versud1e. Warszawa 1931 Nr. 17).
Es läßt sich aus diesen Arbeiten ersehen, daß der organische Dünger nicht nur auf die
la%ietil“ efi%r. Bifd'ier:Benner.
sS.tierlildlrliui1935.) „Vom Werden des Lebendigen. Der Wendepunkt 13 H. 1 Gestaltung der Pflanzenwurzel einwirkt, sondern daß seine Wirkung bis in die Pflanzenphysiologie
reicht.f Die inneren Vorgänge des Pflanzenstoffhaushaltes stehen mit den organischen Düngern in
dil'chen Kür er und fur die Erhaltung des Haus1reres gilt , hat in sinn:
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19,
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engem Zusammenhang. Umsoweniger kann es uns wundern, daß heute Forscher feststellen, wie
gemäßifäbiiihniiün?$ihe„Demeter-“.
Bedeutung3 audi für den landwirtsd'iaftlidien Organismus. 1nfolgdcssen sich unsere Kulturpflanzen infolge der düngungstechnischen Behandlung der letzten Jahrzehnte niit
T'} Sieflie NTonatssdirifl Jahrgänge 1950: 41935
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verschiedensten Mischungen zahlreiche Ms lichkeiten ' ' '
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Chemikalien in ihrer Physiologie änderten und heute bei der Mineralstoffuntersudiung z. T. ganz an:
dere Werte aufweisen, als vor 65 Jahren zu Zeiten von Wolf (Werner,L, V. Stat. 121, 516, 1934,
Orchideen festzustellen
Werde, Das
Pappe], Linde und
den
ist, bestätigt sich
Bei
die Nadelbäume sind Schmarotzer auf mycorrhiza:bildenden beBiilfen
mä?teä'elädürmdengegBjürdie,'Äldl'i'c'lii'g'eIiiaaslälHumusl
p11zen. den Waldboden
durdiwuchernde Pilzgefaser muß ganz besonders befähigt sein die

Steudel, D. Med. Wodi. Sdirift Nr. 22, S. 872, 1935). Wissen wir doch aus den Arbeiten von
Kotowski, daß sich das Nährstoffverhältnis bei Anwendung sogenannter mineralischer Volldüngung
gegenüber Abwesenheit mineralisdier Dünger bei gleicher Stallmistgrundlage erheblich ändert (Ko.- %ggfiiyiäiäéerretäant3a'nfientrumrr;er än dén
esse ungen ur re äume au
richtigen Lebenszustand zu versetzen. Daneben sind
' ' 'nadi
towski, Gartenbauw. 4. 384, 1931), oder daß die Besdiaffenheit des Leinöls nicht gerade günstig
von der Mineralsalzernährung beeinflußt wird im Gegensatz zu organischer Düngung (Schmalfuß
Krh,
%Pflä 1, 282, 1895 und Melin, Ber.
as ngewmsensein auf lebenden Humus hat Frank d'.'Du."Bad'f.lkäesäoglgdlä1Bf92'2')ebewesen
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'a"g (Frank
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und Midieel, Angew. Bot. 17. 199, 1935). Aus all diesen Arbeiten läßt Sidi ersehen, daß die mentell festgestellt. Erhat auf den nährenden Wert des
Hu'i'qnu'ze'fi'frendilei'l'éi'ili'ii'iii'flzaerinzefixplie'r'i
organische Düngung in einem für die Pflanze lebensnotwendigen Zusammenhang steht. gewesen. Es gelang ihm mit Heißwasserausziigen aus Humus an Rüben Tabak und
Hafe'i-
Noch tiefer kann dieser Zusammenhang erkannt werden, wenn dieses Problem nicht nur
von der Düngerseite, sondern audi von den Lebenserscheinungen der Pflanze aus durchforscht wird.
Ganz eindeutig ist die Voraussetzung einer belebten Grundlage bei den Schmarotzerpflanzen. Auch
ädeuände
hi;;i]rjis.age \W}pchsstergerungen
hervorzubringen. Die Eigenschaft der Anlehnirng an eine belebte
ge t somit in mannigfaltrger Umwandlung über die reinen Schmarotzerpflanzen weit
Es darf wohl gesagt werden: Jahrzehntelan blieb diese Seite d
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in unserer Heimat gibt es zahlreidie Sdimarotzerpflanzen. Der Augentrost, der Klappertopf, die
Gattung Bartsdiia, das Läusekraut (Pedicularis),der Alpenrachen (Tozzia), der Hainwaditelweizen;
alle diese benötigen eine belebte Grundlage, ja sogar einen lebenden Wirt. Bei einigen dieser samen:
berudcs1chtcgt,
hier nicht grobstoffliches Gebietaufgegriffengwurde.
bis sie nunmehr wieder
um ein
Niklewski
lfdnlripti'a'z'äegne'iihyfil'ä'lioge'z
handelt, sondern um aktive Wirkungen oder geforderten
wie Boas 2121;
tragenden Schmarotzerpflanzen ist die Abhängigkeit so groß, daß sie nicht einmal auskeimen, wenn
die Samen nicht in der Nähe der Wirtswurzeln liegen. Dies ist bei der Schuppenwurz (Lathraea), isbnunrnehrusdion.
ensrudcstande
\Xe]enn
ausdfudct: das
um Gebiet der Dynamik. Die von der Pflanze
Sind aber nicht allein auf pflanzlidie Reste oder pflanzliche Wirtstätigkeit beschränkt
dem Kleetod (Orobanche) und dem Alpenradien der Fall (Heinricher, Die Aufzudit der parasi: die Belebung des Bodens bei uns wieder in den Vordergrund aller Kulturvoraussetzun eri
tischen Samenpflanzen, Jena bei Fischer 1910). gestellt Wird, so ist es audi wichtig, zu wissen, daß diese nidit allein durch die
Verwendi%n%
Die Erscheinung der Samenruhe tritt audi bei anderen Pflanzen auf und ermöglicht häufig
tiefe Einblicke in die Dynamik der Natur. Von zahlreichen Unkräutern ist dem Landwirt be: pflanzlähe51 RQS'eNZ'1'S'EHdB'ÄOl1'IHL
. u im. a ffsondern
das Haustier ist daran beteiligt.
ur„aus at tre en wir auf die Mitwirkun des Tieres. Die -
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kannt, daß ihre Keimkraft gelegentlid'i außerordentlich zunimmt, ohne daß dies durch die Wärme
oder den Bodenwassergehalt besonders begründet wäre. So kann plötzlid1 starker Hederidi: sstiornirgttei}üsraäriiänb\dvisrtdlnäflit

e 1 ie rosse einenä>eäonderen
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ise bioloäisd1enwelcheBodenzustand%äf?di?dfufih
eine i e. Die Samen, den '

reitung und dem Anwadi3en der Walderdbeere, der Rotschwanz derdi\e/rietrdd'iéun£isrigellmdgf


dÄerusIg/Iisteldrossel
und Distelwudis auf einem Felde auftreten. Sold1em Hederid13wuchs ist durch Raps: oder Rüb: durchwandern, werden in der Keimkraft erhöht. Ebenso
senbau zu begegnen und kann so wieder zur Ruhe gebradit werden. Auf älteren Klee: und Joha 'b d'
Luzernefeldern erwacht Löwenzahn und Wegerich. Weizenmiide Felder werden kornblumenwüdisig.
(Dem.8. 10. 1933.) Neben der Kartoffel liebt die Melde aufzuwuchern. An der sich i Jahres:
Wadi]c;_lderdrossel dem Wadiolder.
handelt Sidi da um feinste Naturwirkungen, weldie
3 z T Sdi n d
“ms
"
E€’r€‚ 12

und Zeitenlaufe ändernden Unkrautflora, weldie selbst in demselben Jahre starkem


Wed3el
werfen ist, läßt sich ersehen, wie für die Keimenergie Einwirkungen mitsprechen, welche in dem
jeweils veranlagten Lebenszustand des Boden verursadit sind. Aus der gärtnerisdren Praxis ist
unter: gedbäaäiter eher den
Io v13erden
konnen. {mit
Derartige Wirkungen sind mannigfadi in der°Natüqubgblgchte'iervosro
F1sd3 Seinem Kot. Durch die Duftwirkung bestimmter Pflanzen können
nsekten und auch warmblutige Tiere angelodct oder verscheud1t werden. Der Gerudi von Werm t
_nis, £{ltihe.
ii;<äqäfileelrfaiii\i/nvegreibt 1Algzienduft eiii
bekannt, daß viele Samen durch Frosteinwirkung oder Schnee in der Keimkraft erhöht werden. zieht die Motten an. Baldrian ist für Katzen
Lidit: und Wintereinflüsse erhöhen hier den Keimimpuls. Die Mistelbeere muß bis zur Aussaat .4 l
umrne, anf oder Widce werden Tauben in den S "

1(Jiflerade zusammenhangen. _(Jaeger, Die Seele der Landwirtsdiaft, Dungeinflußiflifg bäfii;iiife


im Lichte aufgehoben werden, wenn ihre Aussaat erfolgreich sein soll. (Heinridier.)Aus all diesem der feinsten Stofflichkeit mag audi der jeweils besondere
mit
ist zu ersehen, daß unsere Ansdiauungen von den medianisdien Keimfaktoren wesentlich erweitert
Wanzen
wir'1itw'sAsiiri' I—?32f d‘errldsldilvcgirneduili(g Ct];eso}r3cäerä
Leipzig, Günther 1884.)
er er egorteilhaftkzu
werden müssen. Die Samen sind für Lid1tkräfte sowie für einen jeweils besonderen Zustand der Kürbis, Sellerie (Lippert), Lind Klee

un star Zur Kul
'

Belebtheit empfänglidi. In der gärtnerischen Praxis haben sich aus diesen Zusammenhängen heraus a Wir '
. .
ver3diiedene Verfahren ergeben, um die Samen zu stärkerer Keimtätigkeit anzuregen. Soldie Ari:
regungen geben sich häufig über die ganze Wachstumszeit hinweg zu erkennen. (Samenbäder von Truffeln anregen. Der Hollunder ist besonders3511
nur Pferdedunger genommen. Das Wildsd'iwein mit seinen
Aus'5'fhei'i'iiirngcejfi'ad'ggW'äsciidf'd'ff‘i
dem Harn männlidier Tiere dankbar (A Bier)
verschiedenster Art.)
Die schon erwähnte Mistel (Viscum album) ist geeignet, um uns nodi weiter in diese Lebens:
Die
.
Losung des Wildes erweckt im Walde das Wachstum der Edelpilze (Jaeger)
Die Anlehnung ‚der Pflanze geht also deutlidi über rein pflanzlidie Rückstähde und Ein-
' '

zusammenhänge einzuführen. Blickt man auf größere Landschaftsräume hin, so tritt die Mistel ‚Y‘irkungen hinaus bis das Tierreidi hinein. Die in Erfahrung gebrachten Beziehungen 7wisd1eri
in

auf bestimmten Bäumen mit Vorliebe auf. In der Rheinprovinz ist sie überwiegend auf Apfel:
bäumen zu finden, in Sachsen besonders häufig auf Pappeln, im Sdiwarzwald auf Tannen, in dter:
Des
und Pilzwelt sind umso anregender, als alle und neue Waldwirte in dem heutigen Fehlen
ehemaligen Wildbestandes audi die Verarmung des Pflanzenwud13es verursacht erblidcen
An51dit des Forstmarmes erhält aber nodi wesentlichen Zuwachs an Wahrsdieinlichkeit durch
der Mark auf Kiefern, ohne daß botanisd'i in ausgeprägter Weise von verschiednen Mistelarten
gesprochen werden könnte (Sorauer, Hdb. f. Pflzkrh. 2, 492, 1908. Heinricl'ier, Ber. d. D. bot. dViese
ile also der Steinpilz, der Sandpilz, der Lärd'ienpilz Myccorrhizen bilden. Hier'kann die zarte
Forschung Melms._ (Melin,Ber. d. D.Bot. Ges. 40, 92, 1922.) Melin entdedcte daß die Edel-
G. 27, 392, 1919 [von Tubeuf]). Dieser Pflanzenparasit spannt sich in ein besonderes Ver: ];ÄZQ,
hältnis von Abhängigkeit ein, indem er geradezu einen 1andsüaftstypisdien Wirt bevorzugt, also nlehnung der Baumflora unmittelbar bis an das waldeingeborene Tierreidi verfolgt werden
einen Wirt, der infolge seiner Anpassung an Boden und Klima eine hohe Stufe konstitutioneller h ‘Die,Entdeckung und Verwendung des Follikelhormons wirft ein Licht auf die beobaditete
Entwidclung erreidien kann. p_ys1olog1sche Anlehnung der Pflanze an eine höhere Lebendigkeit. Den Naturreidien dienen
Unter den Orchideen gibt es eine große Anzahl parasitärer Pflanzen, weldie auf humus: feinsteBrudcen (D]uftstoffe, Hormone usw.), urn biologisd1:dynamische Wirkungen hin: und her-
bewohnenden Bodenpilzen leben. Hierher gehören Neottia nidus avis (Nestwurz), Coralliorhiza,
Epipogon, Monotropa (Fichtenspargel). Beim Anbau der echten Orchideen verwenden die Gärtner
zutragen. _ W_ir

waltrgaTierreich
mussen hier weniger auf die allzugeringe Stofflidikeit, sondern auf das kräfte
schauen, um für
diese hödistwirksamen Antriebe ein Verständnis zu
bekomm%d
e:
zur Herstellung der pflanzenzugehörigen Belebtheit des Bodens gehadcte Budienkerne und Farnwurzeln. ] ' us diesen Zusammenhangen heraus, deren Erkenntnis und Benützung eben in der bio;
Bei weiterer Umsdiau im Pflanzenteidi finden wir, daß die parasitä're Veranlagung SlCl'l in ogism:dynamisdien Wirtsdiaftsweise gepflegt werden, dürfte die Erforschung der Gare des Adceri
bestimmter Abwandlung und Absdiwädiung auf zahlreidie Pflanzen ausdehnt. Es werden zu bodens*in einen neuen Entwidclungsabsdmitt eintreten. Der Garezustand des Boden ist nicht
Alpenveilchen Budienlauberden, zu Ericaceen Tannennadel: und Eichenlauberden verwandt (Sdiimm:
ler, Diss. Berlin 1934). äedlglldlden Hinblidc
urdi
als ein besonders günstiger physikalisd1er Bodenzustand anzusehen, noch dürfte er allein
auf das Bakterienwadßtum aufzuhellen sein. Diesen Stand unlct di 1
In der biologisdr:dynamisdien Wirtschaftsweise ist dieses Anlehnungsbedürfnis der Pflanze verdeuthchen, moge das Hefeproblem dienen. P HO mas ZH
an eine belebte Grundlage in seiner ganzen Tiefe und Bedeutung erstmalig erfaßt. Der Prak: „ asteur meinte 1859, daß Hefe in einer ezudcerten mineralis " "

tiker sucht diesem in steter Abwandlung auftretenden Bedürfnis gerecht zu werden, Hierzu sind
ihm durch die Verwendung von Spezialkomposten bald in grober, bald in feinster Form und in
konne (wohl zufolge der damaligen Vorstellung dger Pflanzenernährunä)?n glashrf'9illngW/ü'laddi'äi's'
b 7
feststellte, daß Hefe, die in kleinen NIengen solchen Lösungen zugesetzt wurde, nidit wudrs, war Und welcher Gärtnerei ist das nicht? In jedem Gartenbau wird man einen Ausfall in irgend
in
ihm dasselbe Mißgeschick wie schon Liebig 30 Jahre zuvor begegnet. Es war damals Sdion einer Kultur verzeidrnen können. Umgekehrt wird man, sei ein Betrieb audi nodi so klein eine
zwischen Pasteur und Liebig ein historisdn‘r Streit entstanden, aber nidit zum Austrag gebradn Kultur vorhanden finden, die über dem Rahmen gut steht. Jeder Gärtner hat sein Stdd<en-
werden. Wildiers nun wollte zunächst den Behauptungen von Pasteur nidit widersprechen und pferd, auf das er mehr oder weniger Wert legt. Ich gehe deshalb, soviel mir Zeit zur Ver,-
versuchte auf alle möglidie Weise unter Hinzuziehung des Rates anderer Sachverständiger seine fugung steht, mendere Gärtnereien und sehe mich um. Hierbei kann man sehr viel lernen-'
Hefeaussaaten zum Wachsen zu bringen. Weder Durchliiften, noch Beigabe von Invertzudcer man z1eht Vergleiche mit seinem eigenen Betrieb und der Ehrgeiz spornt einen zur neuen Euer ie
oder Asparagin half. W'ildiers griff audi zu der heute jedermann bekannten harmonischen Mineral: an. Es gilt dabei auch neue Kulturen kennen zu lernen und ausfindig zu madiefl um
düngung. Er gab die mineralisdren Nährstoffe in dem gleichen Verhältnis wie sie in der Hefe dadufdi
vorkommen, er verwandte dazu Hefeasd1e. Audi dies half nicht zum Wachstum, Selbst ausge:
kod1te Hefe richtete nichts aus. Erst eine Verstärkung der Aussaat brachte einen Erfolg, wenn
dem deuts[;henßGartenbautördernd die Wege zu bahnen. Gerade heute sind alle'Gai‘tenbauer,
2%häflgi2keiirDe'iiL't'sncfi'l'azii'd's"
oder im Gemuse: und Obstbau verpflichtet, mitzuarbeiten an der Un:
audi nur einen kurzen. Bei einer stärkeren Aussaat starb ein Teil der Hefe ab, und dadurdr Ein glücklid1er Umstand war es, daß wir im hiesi en Betrieb leich in den
wurde das Wachstum der noch lebenden Hefe eine Zeit lang ermöglicht. NIan fand damals
schon, daß die lebende Hefezelle eine wuchsanregende Wirkung in sich habe, weldie bei ab:
sterbender Hefe frei wurde und anderen, noch lebenden Zellen zur Anregung diente. Heute ist
Wieder die Kurse, die von den älteren Verfechtern der Rüd<halt hierfüregsa'lfä'n'ir'hhrif'eri
den Hauptwert auf die Kompost- und Düngerpflege legtgen.biologisch:dynamischen
Den
Wirtschaftsweise
nun eine ganze Reihe wudisanregender Stoffe bekannt, welche in billionenfacher Verdünnung noch abgehalten wurden,„wo man immer wieder frischen Mut schöpfte, sodaß die Arbeit am Korn ost
auf Hefe wirken, wie der Kamillenauszug von Boas.
eine Lieblingsbeschaftigung wurde. So ist im Laufe der Jahre eine Kompoststättc: gewachien,
Das hier auftretende Lebensproblcm fesselt den Landwirt deswegen so stark, da es bei der
Belebung des Bodens um etwas ganz Ähnliches geht. In der Herbst: und Frühjahrsbestellung
soll es gelingen, dern Bodenleben einen hochgradigen Antrieb zu geben, um zur besten Boden:
gare zu gelangen. Das Saatkorn soll in den garen Boden gesenkt werden. Der Zusammen:
hang zwischen Edelwild, Edelpilz, Wurzelpilzen und BaumwudiS kann ein schulendes Beispiel für
das Vorgehen der biologisdi:dynamischen Wirtschaftsweise sein. Bei dieser wird .der beste Tier:
diinger, Dünger vom Rind, zur Herstellung eines feinstofflidi wirksamen Düngers in Form einer
Humuslösung gewonnen, um damit dem Bodenleben einen Anstoß zu geben. Es handelt sich
audi hierbei um eine feinstofflidie Bri'idce, um ein Gesdiehen aus dem Tierreidi im Pflanzenteidi
wirksam zu madien.
Nicht ungestraft iiiißaditet der Mensch den Zusammenhang des' weisheitsvollen Kräftespicles
der Naturreidie. Einseitige Holzproduktion hat unsere Wälder, wie Fachleute t,sidi ausdrücken,
in ein für Schädlinge anfälliges Gestrüpp verwandelt. Die viehlose Landwirtschaft hat immer
wieder —- wo sie folgeridfiig erprobt wurde :—
biologisdr versagt. Es dürfte wohl die Zeit ge;
kommen sein, wo wir nicht nur halb, sondern ganz von dieser wenig Segen versprechenden Linic
abweichen Nur die sinngemäße Ordnung eines landwirtsdiaftlichen Betriebes,“ seine Einrichtung
als ganzer, geschlossener Organismus gibt die Gewähr, die beste physiologische Stufe in Tier
und Pflanze zu erreidien.
Das Haustier sollte nidit nur wegen seines Mildi:, Fleisdi: und Arbeitsnutzens gefüttert
werden. Gibt es doch überdies Wesentlidies für die dynamischen Bedürfnisse eines Betriebes
her. Es ist eine Quelle urgezeugter dynamischer Werte, weldie auf den Bahnen feinster Stoff:
lidikeiten in den landwirtsd1aftlidren Organismus einfließen.

Tomatenanlage 1935 Aufn.: Wager


Erfahrungen und Erfolge im Gartenbau die den Grundstodc einer biologisch:dynamisd1en Gärtnerei bildet Idi muß
denn

durdi Erfassen aller Abfälle in Haus und Garten wädist ein
Komi$s°tntäflglgäegrlidigeaifiadjäiridi
mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweisie in
unserer Umgebung sud1en wir zu erfassen‚ was möglich ist, denn manches wird nodi
kenntnis verbrannt
Un-
oder in_ den Nlülleinier geworfen. Meist sind dies gerade die widitigsten Din aus e.
Rudolf Lehncrt Uber die Wintermonate Wird man natürlich mehr Ruhe finden, allerlei Kompostarten vorzubereitgn'
'

Idi arbeite in dem mir unterstellten Betrieb im sedisteii Jahr nach der biologisch:dynamischen um damit die Zeit‚10hnend zu nutzen. Man wird Rasensoden absdiälen und mit Kalk zusammeri
Wirtschaftsweise. Wenn ich nun heute einen Rückblidc werfe und mir Redaensdiaft ablege, so
kann ich behaupten, daß ich erreidit habe, den Betrieb auf die Höhe einer guten Gärtnerei zu
Ebenso
aufsetzen‚_ Wird man einen Lehinkompost anlegen, den man dem Frost gut aussetzt und
der fur leichte Boden ein guter Zusatzdiinger ist. Im Frühjahr wird das Deckreis das für Rosen
stellen. Der sichtlid1e Ausdruck war der, daß er in diesem Sommer als Lehrbetrieb anerkannt Stauden usw. gebraucht wurde, auf einen Haufen gestapelt. Uber den Sommer
läßt man die
werden konnte. Ofters wurde mir von Berufskanieraden gesagt, weldie die Sadie etwas miß: Nadeln abfallen, die dann verkompostiért als Bodenbededcung für Erdbeeren und Himbeeren
trauisdr ansahen: „Es wird wohl noch kurze Zeit gehen.“ Sie stellten wohl schon im Stillen
den Ruin des Betriebes durch die biologisch=dynamisdie Wirtschaftsweise fest. Doch es kam nidit
dienen. Außerdem werden die verschiedenen Spezialkomposte zubereitet, so aus Tomaten Frd—
beeren, Legummosen und Rosen. Im Herbst wird Laub gesammelt, was zu bekommen/ist—
so; die Erfolge und Kulturergebnisse sind nidit zurüdcgegangen, sondern haben sich im Gemüse: Aber audi über den Sommer nehme man sich zur Pflege der Düngerstätte Zeit Vor alleni
halte
£anEdie Haufen von Unkraut frei, setze sie einmal um und halte sie genügend feucht '
bau wie in der Topfpflanzenzucht gebessert. Im Obstbaü ist zu sagen, daß die fünfjährigen
Bäume einen sehr guten Wuchs zeigen und oft Jahrestriebe bis zu 1 m madien. Das ist in n delkompost steht uns sehr wenig zuserfii un , ledi lich ein R - "
' '

_
Anbetracht von Lage, Klima und Boden als sehr gut zu bezeidinen. Wer im Laufe des Sommers
bei uns war, konnte einwandfrei feststellen, daß unsere Kulturen ebenbiirtig mit solchen der
jahr zum Erwarmen der Frühbeete dient. Zu diesen Kogmpgstartefl
kommt
Dunger, der aus Kuhfladen, Kuhiauche, Sdiaf: und Taubcnmist angesetzt wird. dä'firr'il'ii'bd'iefle'fnfliliqsrd'ihe
g
künstlichen Düngung standen. Die Komposthaufen und der flüssige Dünger werden ordnungsmäßig präpariert und abge:
Vornweg sei natürlidi gesagt, daß auch bei uns gelegentlidi etwas mißgliidct oder niißf'at. deckt. Im Frühjahr und Sommer verwenden wir Tannenreisig zum Abdedcen, später dann Stroh.
8 9

Um die ganze Anlage wurden Bäume und Sträucher gepflanzt. Der meiste Meliorationskonipost kommt. Wenn wir audi selber noch nicht ganz dazu über e6an en sind, so will ich dodi nächstens
ist bei dieser Pflege so gut vererdet, daß er bereits nach 3/4 Jahr verwendet werden kann. Heute
sind wir nun so weit, daß wir stets einen gewissen Vorrat an Kompost haben, und audi für die
alles aussdilreßhch
die Beete gerichtet
auf die Beete bringen.. Die
werden müssen, fehlt die Hauptsctn%ieliglfeit
Zeit überall, Dodi
ist nur die; in den Tagen, da
will ich versudien die Zeit auf

Topfpflanzenkulturen stehen uns die versd1iedensten Erden zur Verfügung.
eine andere
Art zu gewinnen.
werden. Jahre
Von dieser Kompoststätte gehen dann die Fäden durch den ganzen Betrieb. Den meisten Sehr fruh im ziehen wir im Gewäd1Shaus Gurken, die der ersten Februarwoche
in
Meliorationskompost wird man erst im Frühjahr aufs Land bringen und nur leicht einkreilen. Hier gepflanzt Diese liefern durchschnittlich bis Ende Mai 25 Stück je Pflanze und zwar
wird man seinen Betrieb einteilen und durch den entsprechenden Kulturplan bestellen. Das Tage:
buch gehört audi hierher, denn auf Grund der Aufschreibungen ist darin zu disponieren. Der
Sorte „Wergelts verbesserte Beste von Allen“. Im Kalthaus werden im Februar Tomaten „Tuckswood“
angepflanzt. Diese Sind im Behang sehr gut und liefern auch eine schöne Ernte. An den Kästen
Wert des Tagebudies ist weiten Kreisen noch nidit genügend bekannt, doch halte ich es für un.-
erläßlich. Wohl wird heute mit Recht von jedem gärtnerischen Lehrling verlangt, ein Tagebuch
wird bereits Ende
Januar begonnen. Diese werden mit warmem Roßmist gepackt und mit Salat
Blumenkohl, Kohlrab1, Rettidi usw. bestellt. Als erster Salat kommt „Böttners Treib“ dariri
zu führen, doch sehen es die meisten Lehrlinge als eine erzwungene Sache an und schreiben es
meist nur unter dem Drud< des Lehrherrn. Man kennt in diesen Lebensjahren den Wert des
„Maikon1g“, als erster Freilandsalat ebenfalls „Maikönig“. Dann folgen über den Sommer
und „Stuttgarter Dauerkopf“ und im,Herbst nodimal „Maikönig“. 'Blumenkohl ziehe Do
X“
”ich
nur

‚ Aufn.: Wager
Hortensie meiner eigenen Topfpftanzenanzucht . Aufn.: Wager
Cineraria meiner eigenen Topfpflanzenanzucht
Tagebudie3 nodi nidit, doch ich halte das Tagebudi für Lehrling, Gehilfe und Meister für gleich
wichtig. Von weiterer Wichtigkeit ist, daß sich der Gärtner mit den Witterungsverhältnissen ver: „Erfurter Zwerg“. Ari Kohlrabi habe ich für Kasten und fürs erste Freiland „Doorskys Treib“
Dieser hat den Vorteil„ daß er, wenn er einen Frost bekommt, nicht so leicht schießt. Fiir Sommef
traut macht. Dabei erkennt man Gefahren rechtzeitig und kann die entspredienden Maßnahmen
und Herbst ziehe ich „Dreienbrunnen“, „Delikateß“ und „Goliath“.

frühzeitig ergreifen. .

mit
Der Gemüsebau steht bei uns an vorderster Stelle, denn es gilt ein herrschaftliches Haus
Gemüse zu beliefern, Es klingt wohl sehr einfach, eine Küdie zu beliefern. Der Sd1werpunkt ist
Sehr wichtig bei der Frühkultur ist ein kräftiges Jungpflanzenmaterial, denn von diesem ist
der weitere Erfolg abhängig, Die Jungpflanzen fürs Freiland härte man gut ab, damit sie recht
aber der, laufend ohne Unterbrechung das ganze Jahr frische Gemüse zurHand zu haben. Aus diesem kurz bleiben. Eine Maßnahme, die mir zwei Vorteile bringt, möchte ich hier audi erwähnen.

Anlaß muß über die Frühjahrs:und Sommermonate laufend alle 14Tage Salat, Blumenkohl und Kohl:
rabi angesät und gesetzt werden. Erbsen werden die ersten im März und dann alle vier Wochen und
Trotzdem
auch
wir hier auf der schwäbisd1en Alb im April nodi mit 6fi8°Kälte red1nen müssen die
jedes Jahr eintritt, so pflanze ich den Kohl in der ersten Aprilwoche aus. Es sind pikierte
schließlich Juli die letzten angesät. Audi Bohnen werden mehrere Folgen angesät. .UnserBestreben
ist: recht viel dem Boden abzuringen; Oft wird dreimal geerntet. Hierbei bietet uns der Meliorations:
wudiSige Pflanzen, also keine überständigen. Der Frost nimmt die Pflanzen meist äußerlich
mit, dodi habe ich den Vorteil, daß sie sidr,ein gutes Wurzelvermögen schaffen. Kommen dann
etwas

kompost große Vorteile. Auf eins möchte ich hinweisen, den Edelkompost möglichst im Herbst nidit warmem Tage, so fängt der Kohl zu wadisen an und braucht nidit erst anzuwurzeln. In dieser
unterzugraben, sondern lieber nochmal über den Winter sitzen zu lassen und im Frühjahr auf die Beete
zu bringen und nur leicht einzukreilen oder zu hadceri. Man kann dabei die Feststellung machen,
Zeit treten Dagegen
wucli$ig.
dann die Erdflöhe auf, doch an meinem Kohl sd1aden sie nidit mehr, denn er ist zu
richtet dieses Ungeziefer in anderen Betrieben an den frisdi 6epflanzten Setz:
daß durch Untergraben doch bei den meisten Kulturen der Kompost außerhalb des Wurzelbereid15 lingen großen Schaden an., Idi habe dabei noch den Vorteil, meinen Kohl t4°Tage früher zu
ll
iO
hineinzutragen. Das ist wid1tig fiir die Umgebung. Eine größere Mannigfaltigkeit der Gehölze
vermehrt die gesundheitlichen Möglidikeiten für die Tier.— und Pflanzenwelt der Umgebung. Aus
ernten, ja manchmal sogar 4 bis 6 Wodien. Hinzu kommt noch, daß durch spätes
Jungpflanzen oft vergeilen und dadurdi sehr schlecht anwachsen und anfällig Pflanzendie
fur Ungezrefer srnd. diesem Grunde wird im biologisdt:dynamisda bewirtsd'iafteten Betrieb, und zwar namentlidi im
landwirtschaftlichen, die freiwachsende Mischhecke in der Form eines mehrzeiligen Hagstreifens be:
Nlit den Tomaten im Freiland und in einem aus Frühbeetfenstern erstellten Blodc hatten wir
vorzugt. Eine solche Misd1hed<e besteht aus einer Vielzahl von Gehölzarten, weldie sich im Zuge
dieses Jahr und auch in anderen Jahren ganz erstaunliche Erträge, wobei die Tomaten entsprechend
einem Rate Dr. R. Steiners seltsamerweise immer auf dem gleichen Platz stehen und nur To: der Hedre immer wiederholen. Die Art der Anpfianzung soll hier nidit erörtert werden. Dies
ist schon in früheren Heften der Zeitschrift „Demeter“ bereits geschehen. *)
matenkompost erhalten. Lediglich im Sommer, nachdem sich die Wurzeln an der Oberfläche Diese Zeilen sollen einige Hinweise für die Unterhaltung und pflegearbeiten solcher Hed<en
zeigen, werden sie mit grobem Kompost überdedrt.
geben. '

Auch Eierfrüchte „Solarium Melongena“ versud*ren wir seit zwei Jahren im_ Mistbeet anzu_-v I. Die Mischhecke
bauen. Sie gedeihen redit gut und werden audi redit gerne gegessen. Die Eierlrüdite verlangen
viel Wärme und müssen unter Glas bei vollem Sonnenlid1t kultiviert werden. Am besten ist Die Misd1hed<e kann keinem strengen Schnitt unterworfen werden. Sie muß frei wadrsen
diese Pflanze eintriebig hochzuziehen und alle Seitentriebe sind wegzunehmen. Selbstverständlich können. Das bringt es mit sich, daß diese meist zwei: oder dreizeilig gepflanzten Hagstreifen mit der
stoßen sie im Kasten bald an und die Fenster müssen dann entsprechend erhöht werden. Zeit erheblidze Ausdehnung an Breite und Höhe gewinnen. Aus diesem Grunde wird in den
Natürlich werden allen Gemiisearten die Präparate 500 und,501 regelmäßig gegeben, denn Gegenden, wo diese Hecken als Wallhedcen oder Knid<s sd1cin seit langer Zeit gezogen werden,
der ganze Holzwuchs von Zeit zu Zeit kahl geschlagen oder abgetrieben (geknid<t). Dies geschieht
sie stellen gerade den Ausgleid1 im Kräftehaushalt her. _ _ meistens in Zeitabständen von sieben zu sieben Jahren.
Im Obstbau halte ich vor allem darauf, rnöglidist wenig zu schneiden, denn aus der Botanik ’

Dieser Abtrieb des gesamten Holzzuwachses bringt selbstverständlich Nachteile mit sich, die
ist bekannt, daß jeder Schnitt eine gewisse Schwädiung bedeutet, Doch ist m.
Ein den} ersten gerade in das geschlossene Gefüge des biologisch:clynamisdien Betriebsorganismus störend ein:
Jahren nach dem Pflanzen ein sachgemäßer Schnitt unumgänglich, denn wie die
Baumkrone geformt werden, dementsprechend ist der spätere Erfolg. An älteren Baumen__w1rd
Asteser1en zur greifen, denn es dauert geraume Zeit, bis der Hag wieder so weit herangewadßen ist, daß er
ein 'Auslid1ten genügen, denn jedes Blatt und jeder Ast braud1t Licht, Luft und Sonnenwarme, seine Aufgabe erfüllen kann.
An Sorten wähle man nur solche, die zu Klima, Lage und Boden passen. Es ist trugensch, Der biologisch:dynamisdr Wirtschaftende sollte aus diesem Grunde anstreben, zu einer an.-
nicht ganz aklimatisierte Sorten anzupflanzen. Diese machen dem Obstzüchter keine Freude, sondern deren Art der Bewirtschaftung der frei wadisenden Hecken zu kommen, nämlidi nadi Art des
Plenterbetriebes. Das heißt, es sollten sold*ie Hedcen alljährlidi nur ausgelid'ttet werden. Dabei
bringen nur pilzlidie und tierische Schädlinge, jedoch keinen Ertrag.
1Bei
der Neuanlage
Obstgartens war ich sehr darauf bedad'rt, sogenannte Pollenträger mit anzupflanzen. Neuerdmgs
unseres werden nur die älteren vorwüd13igen Äste herausgehauen und nur so viel, daß die Hed<e immer
ihre Geschlossenheit behält. Zu dieser Arbeit ist einige Umsicht notwendig, die, wenn sie jährlid'i
ist man ja darauf gekommen, daß verschiedene Obstsorten überhaupt keinen
oder nur_wenig von
Pollen erzeugen. Solche Pollenträger wie „Weißer Klarapfel.“ und „Goldparmane“ liefern dann ausgeführt wird, nidit schwierig ist. Solche freiwachsenden Mischhedren liefern durch das Aus:
den anderen Sorten den Blütenstaub. ‚« _ . _
lichten, dasim Winter auszuführen ist, ansehnliche Mengen von Reisig und Brennholz, das na:
nientlid1 bei Verwendung im Bad<ofen durch seinen Einfluß auf die Schmad<haftigkeit des Brotes
Im Frühjahr geben wir im Obstgarten Präparat 500 auf den Boden.
Praparat 301 wird
vorteilhaft ist.
im Mai in die Krone gespritzt und je nach Wad‘istum im Sommer noch
einmal. Vorbeugendgegen
Pilzkrankheiten spritzen wir mit 5—8 °/aigem Equisetumtee. Gegen Blattläuse,4dre an einigen Baumen Mand'le Gehölzarten sind für den Plenterbetrieb ungeeignet, z, B. die \lf/ildrose, Wild-
auftreten, spritzten wir mit einem Absud von Quassiaholz und neuerdings mit Spruz1t (Pyrethrum: stad1elbeere, Schleim und Birke. Die ersteren werden so dornig und struppig, daß ein Auslichten
extrakt). Im September und Oktober legen wir jeweils die Leimgirrtel gegen den Frostspanner meist nidit mehr möglich ist. Die Birke dagegen bildet sich meist einschäftig aus und wird zum
an. Vor Eintritt des Winters werden die Baumstämme mit einer Mischung Krese1gur‚ Lehm und Baum. Diese Gehölze dürfen darum für sold1e Umhegungen, welche dem Plenterbetrieb unter:
werfen werden sollen, nicht in überwiegender Zahl verwendet werden. Sehr gut eignen sich für
Kuhfladen bestrichen. Dies sd1ützt vor allem die Rinde gegen das Auf: und Zugefrieren. An
Dünger bekommen die Bäume nur einen Meliorationskompost. Die Baumsd1eiben werden vom solche Hecken: die Linde, der Feldahorn, die Akazie, der Weißdorn, Holunder, Haselnuß,
Unkraut frei gehalten und über den Sommer mit Gras bedeckt. 'l‘raubenkirsche, Faulbaum, Hainbudie, Eiche, Roßkastanie, Flatterulme, Hartriegel, Hed<enkirsche.
Weidenarten, Flieder u. a.
Die Topfpflanzenzudat erfordert wohl am meisten Geduld, Sorgfalt und “Pflege.
haben heute mindest ebenso gute Kulturen aufzuweisen, wie ich aus meiner fruheren Gehilfenzeit
wir Aber Noch ein anderer Umstand läßt das Plentern geeigneter ersd1eirien als das Kahlabtreiben.
in anderen Betrieben weiß, wo der Kunstdünger nirgends fehlen durfte. Die beigegebenen Al):
Es gibt zahlreiche Gehölze, weldie das letztere nid-rt ertragen. Der Kahlabtrieb ist für viele Holz:
bildungen können hier selbst spredren. Bei späterer Gelegenheit kann näher auf dieses Gebiet
pflanzen ein zu radikaler, naturwidriger Eingriff und raubt ihnen ihre Lebenskräfte.
Zu diesen gehört die Hain: oder Weißbuche. Sie erträgt starken Rückschnitt nur bei voll:
eingegangen werden *). ' '
4

. . .
ster Belichtung, Kahlabtrieb macht sie krank. Es darf an ihr nidit im Vorfriihling geschnitten
Alles in allem haben wir in jeder Weise befriedigende Ergebnisse mit der biologrsdi:dyna= werden, da die Schnittflädren sonst stark bluten, d, h. ihren Saft austließen lassen. Große Schnitt:
misdren Wirtsdiaftsweise erzielt. Doch es gilt jetzt nicht zu rasten, sondern mit Fleiß und Energie wundert werden leicht von einem holzzerstörenden Pilz befallen, der rötlidie Fruchtkörper trägt.
die Wintermonate auszunutzen. Auch die Rotbuche liebt den Kahlabtrieb durchaus nicht, nur in ganz vorsichtiger Weise dürfen
die vorwiichsigen Äste ausgehauen werden.
Eid1engehölze machen nad1 dem Kahlschlag einen sehr guten Stod<aussdtlag Die jungen
Triebe leiden aber sehr unter dem dann in verheerender Weise auftretenden Meltau. Das ist
Die Arbeit an den Hecken ein Zeichen dafür, daß in diesen rasch hervorgesd105senen jungen Holztrieben kein guter gesunder
Saftumlauf stattfindet, sondern ein wuchemdes getriebenes Wachstum das besonders dann vor:
im biologisCh-dynamisch
Gerhard Schwarz
bewirtschaftetén Betrieb handen ist, wenn zu starke Humuskräfte von unten wirksam sind. Soldie wudietnden Humus:
wirksamkeiten können siCh audi dann in falscher pilzbefallfördernder Weise geltend mad'icn, wenn
die Eiche im Schatten wachsen muß und das Lidit nicht vollen ungehinderten Zutritt hat.
Der \Wert der Hed<en als wertvolle, ja unentbehrliche Glieder des landwirtschaftlidren und Die Roßkastanie ist eines der wenigen Gehölze, das den Rüd<sdrnitt audi im Sd'iatten
gärtnerischen Betriebsorganismus wurde in der biologisdr:dynamisdren Wirtschaftsweise wiederum größerer Bäume erträgt und sich dort nodi gut verzweigt. ihre Verwendung kann daher gerade
voll erkannt. Die lebenden Hedren, Umhegungen oder Hage werden von den Singvögeln als Nist: für solche schattigen Stellen gut empfohlen werden.
plätze benutzt, sie geben Windsdqutz, wehren manche unerwünsdrte Eindringlinge ab, sie erhöhen Es wurde schon erwähnt, daß die Wildrose, die Schlehe und die Wild:5tachelbeere nidit
ausgelichtet werden können, weil sie zu struppige Gehege bilden. Der Kahlabtrieb ist ihnen
#

richtig angebracht
—den Reiz der Umgebung und ergeben eine gute Raum:Ghederung.
Hed<en lassen sich in der mannigfaltigsten Weise anlegen. Die Misdihedren ermoghchen es, vollends ganz unzuträglich, Sie entwidceln sich zu den schönsten und dichtesten Hagen, wenn
in ausgezeid1neter \Weise einen gewissen Gehölzreichtum in eine baum: und straudrarme Gegend
*) Siehe „Demetcr“ Jahrgang 1933 Hft, l und 3, Jahrgang [0335 Hit. iO.
*) ‚Siehe audi „Derneter“ 1933, Seite 31 usf. mit Abbildungen non Primula obconica, Gloxinia und Adianturn.
12 13

man sie ohne jeglichen Schnitt wadisen läßt. Wildrose und Schleth brauchen allerdings bei ihrer lt. Die freitragende Hecke
besten Entfaltung einen breiten Raum und wollen volle Belichtung von allen Seiten genießen. Die Im Gegensatz zur Misd‘chedce unterliegt die sogenannte „freitragende Hecke“ gar keiner
Sdilehe kann durch ihre Wurzelausläufer unangenehm werden, wenn sie nahe an beadcertem Land Behandlung durdi Sdinitt oder Ausliditen. Man überläßt sie sich ganz selbst in ihrem Wachs:
steht. Darum sollte dort, wo die Hed<en Schlehen enthalten, zwisdien Hedce und Adcer ein Feld.— tum. Es müssen aber dafür soldie Gehölze verwendet werden, die sich naturgemäß in ihrem
rain liegen, der nidit beadcert wird oder noch besser ein Graben. Die Schlehe ist aber‚ wo sie Wudi$ hedcenartig aufbauen. Solche Gehölze sind:
auf nidit zu leichtem Sandboden steht, eines der besten Gehölze für den freiwachsenden Hag: 'Die Hundsrose, die Weinrose (sd'iotti5che Zaunrose), die Sdilehe, die Wildstad1elbeere,
streifen. Sie bedeckt sich im Frühling mit ihrem herrlichen Blütensdinee und hat im Herbst ihre Berberitze, Kornelkirsdre, Hedcenkirsdie, Haselnuß, Bod<sdorn und Weißdorn; ferner eine ganze
zwar sehr kleinen und sauren Früdite, die aber dodi in mannigfalliger Weise von Nutzen sein Reihe von Ziersträud1ern wie Deutzien, Flieder, Erbsenstraudi‚ Felsenbirne, Goldregen, Pfaffen:
können: Audi die wilde Rose liefert uns durch ihre Hagebutten das prachtvolle „Hegenmark“, hütchen, Pfeifenstraudi, Sanddorn, Schneeball, Schneebeere, Spiraeen und Weigelien. Es muß
und selbst die Kerne ergeben den in vielen Gegenden sehr beliebten „Kernlestee“. aber für die freitragende Hedce ein genügend breiter Raum zur Verfügung stehen. Derselbe
Unter den genannten Gehölzen sind noch andere, die dem Betriebshaushalt sehr willkommene muß auf wüchsigen Böden bei der Hundsrose zum Beispiel bis zu 4H5 m betragen.
Früdite liefern. Das ist vor allem der Holunderstrauch und die Eberesd1e. Die Holderbeeren, in Die freitragende Hedce wird nidit gemischt angepflanzt, wie der breite mehrzeilige Hagstreifen,
manchen Gegenden audi Fliederbeeren genannt, werden zu einem ausgezeichneten Saft verarbeitet, sondern stets einreihig und nur aus einer einzigen Pflanzenart bestehend. Weil keinerlei Schnitt
der audi zu Heilzwedcen bei Erkältungen dienen kann. Viele, weldie diesen Holunderbeersaft angewandt wird‚ so haben diese Hed<en die Möglichkeit, viel Fruchtholz anzusetzen und sie bringen
bei uns zum ersten Male kennen lernten, lehnten ihn zunächst ab, lernten ihn aber nach der Über: deshalb eine zauberhafte Fülle von Blüten hervor.
windung ihres Vorurteils ganz besonders sdiätzen. Die Ernte der Beeren läßt sich über eine Die freitragenden Hecken werden audi ganz besonders gerne von den freibriitenden Sing:
verhältnismäßig lange Zeit ausdehnen. in diesem Jahr konnten in Worpswede die letzten Beeren vögeln bewohnt, weil während des Jahreslaufes bei ihr nie störende Eingriffe ins Wadi$tum ge:
nodi im November abgenommen werden. So war es möglidi, über eine lange Zeit hindurch madit werden.
frische Beeren für Fruditsuppen zu ernten.
Nidit unwesentlidi ist audi die Möglichkeit der Gewinnung von Samen mandier Gehölze Treten einmal lüd<enhafte Stellen in soldien Hecken auf, so kann man durch Aushauen und
Ausschneiden dieser Stellen das Triebwachstum wieder anregen. Das Lüdcenhaftwerden ist häufig
für die Heranzudit in Baumschulen. Samen von manchen Gehölzen können in Deutschland bis: die Folge einer übergroßen Blüten: und Fruchtentwidclung. Durch die Entfernung des Frucht:
her garnicht in genügender Menge besd1afft werden, so z. B. Samen von Kornelkirsche und holzes wird der Strauch angeregt, neue kräftige Holztriebe zu bilden. Diese Maßnahme muß be:
Schlehe. Dieselben müssen aus fremden Ländern eingeführt werden, was zurzeit durch die gleitet sein von einer Düngung mit gutem Kompost (am besten ist ein Leguminosenkompost) oder
Devisenknappheit besonders erschwert ist. mit verrottetem Stalldünger. Über diese Düngerdecke wird eine dünne Sdiidit Laubkompost ge:
Von großem Nutzen ist für jeden Betrieb das von soldien Hedcen im Herbst anfallende breitet. Selbstverständlid1 muß alles aufkommende Unkraut unterdrüdct werden. Durch eine solche
Laub. Alles Laub, das innerhalb der Hedce selbst fällt, muß liegen bleiben und darf nicht heraus: Behandlung wird das Holztriebwad‘rstum wieder angeregt, sodaß entstandene Lüd<en sich wiederum
genommen werden. Dagegen soll alles, was auf dem anliegenden Streifen links und rechts der gut sdiließen lassen.
Hecke liegt, sorgfältig gesammelt und zu Laubkompost aufgesetzt werden. Das Sammeln des
Laubes wird erleichtert, wenn die Hecke erhöht auf einem Wall steht. Dadurdi wird durd'i den ill. Die Schnitihecke
Wind von selbst das Laub am Fuße des Walles zusammengeweht, und es läßt sich dann leichter Die streng geschnittene Hedce bildet ein hervorragendes Mittel für die räumliche Gliederung
zusammenholen. der nebeneinanderliegenden Teile eines Gartenorganismus. Sie ist besonders im Raume des
Die Wallhedce, in ihrer besonderen Ausbildung in Holstein Knidc genannt, kann „aus stärksten Anbaues am Platze, wo zumeist die besdnänkten Platzverhältnisse keine größere Aus:
denselben Gehölzen zusammengesetzt sein wie die beschriebene Misd1hecke. Sie bietet den Vor: dehnung der Hecken gestatten.
teil, daß Ausläufer treibende Gehölze wie die Sdilehe ihre Ausläufer nicht in das anliegende Eine von klein auf richtig gesdinittene und gepflegte Hedce erfordert für ihre dauernde Pflege
Ackerland hineinsdiidcen können. Dies wird namentlidi dann ganz verhindert, wenn zu beiden keine besondere Mühe und nidit sehr Viel Arbeitsaufwand. Anders ist es, wenn der Sdinitt
Seiten des Walles noch ein Graben läuft. Diese Gräben sind in feuchtem Gelände besonders einmal durch längere Zeit versäumt wurde.
Ungemein widitig ist fiir eine Hedce, die im
notwendig.
Wenn irgend möglich, so sollten die frei wachsenden Hecken als Wallhedcen angelegt werden.
Diese können auf die Dauer gesdrlossener erhalten werden, weil keine Möglichkeit vorhanden ist,
_ /\
& strengen Schnitt gehalten werden soll, die Behandlung
in den ersten Jahren nadi der Pflanzung. Es darf

,,
ihre Ausläufer seitwärts zu senden. Zum anderen erfährt das Erdreidi des Walles in dem die \
hierbei nodi bemerkt werden, daß doppelreihigeHecken
Hecke wurzelt, eine dauernde intensive Belebung ähnlidi wie bei einem Komposthaufen, weil es „ \ größere Sdiwierigkeiten bei der späteren Behandlung
/ ‚\
über das Erdniveau emporgewölbt ist. Die Hecke bleibt dadurch gesund und wüchsig und kann \\Ä, bereiten als einreihige Hedcen. Sie werden viel leiditer
dauernd ihren Zweck erfüllen. Der Kahlabtrieb kann in der für die Mischhedre besdiriebenen
/£/ }}
\
/ von innen heraus kahl und als Folge davon bald
Weise vermieden werden, wenn statt dessen ein regelmäßiges Plentern durchgeführt wird. /
lüdcenhaft.
In vielen Fällen werden die freiwachsenden Hecken von einem Feldrain begleitet sein. Bei Die junge, gut eingewurzelte Hecke muß
der mit einem Graben versehenen Wallh€cfke ist dies nidit unbedingt notwendig. Wo aber die kräftig zurückgesd-cnitten werden. Dadurch erreidit
Hedce nidit auf dem Wall steht, muß ein Feldrain längs der Hedce entlang laufen. Dieser Rain man eine gute Verzweigung didit über dem Boden,
erfordert nur wenig Pflege. Er wird nidit bearbeitet, lediglich zwei bis dreimal im Jahr wird das Mari verfährt nach der Pflanzung folgendermaßen:
darauf wachsende Gras abgemäht. Diese Feldraine sind sehr angenehme Lagerstätten für Dünger:, / / ( ( \ \ \
Im ersten Sommer nach der Pflanzung wird an
\

ä
Kompost: und Laubhaufen. / (
, / \ \ \ \
der Hecke nichts geschnitten; audi im darauffolgenden
Bei der Wallhecke wird von Zeit zu Zeit ein Aussd1lagen oder Reinigen der seitlichen
Gräben notwendig. Die dabei gewonnene Erde kann sehr gut auf den Wall geworfen und dort {S, / // / / \\ \ « \
r/ / \\\\ \\
‘\ \\ Herbst und Winter läßt man der Hedce alles Holz,
das sie gebildet hat. Die Hed<e muß ja erst ein
zwischen den Sträudiern verteilt werden. Das kräftigt die Wuchsfreudigkeit der Hed<e sehr.
Die Mischhecke und die als eine besondere Art der Mischhedce ausgebildete Wallhed<e [l)/ //
[i];
'Mlz" xfi_ \\ \\\ä
\, \
kräftiges
volles
Wurzelwerk bilden, sie braucht dazu ihr
Laubwerk. Erst im zweiten Sommer fängt
braudien eine regelmäßige Bearbeitung mit Beil, Axt und Säge. Damit wird der Kahlhieb und man vorsichtig an, die Triebe zu entspitzen. Am
das besdrriebene Plentern ausgeführt. Dies sind ausgesprochene Winterarbeiten, sie lassen sich Zeidm.z &. Sdimar3*) Ende des zweiten Sommers erfolgt der erste Rück:
ganz besonders gut bei Frostwetter ausführen, wenn am Boden nidit gearbeitet werden kann. Allmählicher Zuwachs sdinitt. Er wird ausgeführt, solange das Laub nodi
Um gleidimäßige und lüdcenlose Hedcen zu erhalten, ist es notwendig, daß die Arbeit des Plenterns beim richtigen Heckenschriitt grün und in voller Tätigkeit ist, also Ende August
mit Verständnis und Kenntnis der Bedürfnisse und Wuchsart der einzelnen Gehölze ausgeführt bis Anfang September. Es bilden sich dadurch am
wird. Aber gerade diese Art der Behandlung solcher Hed<en schafft die beste Möglichkeit, sich
in ausgezeid1neter Weise über die Eigeniiimlidrkeiten der einzelnen Gehölze zu unterrichten. . *) frei nad1 Fr. Schwabe; Die Herstellung und Hegung lebender Hecken. Urquell:Verlag, Mühlhausen (Thrg.) 1927.
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Grunde der Heckenpflanzen Augen und Knospen aus, weldie im Frühjahr austreiben und die nötige tragen. Man sollte aber Hecken möglichst nidit über 21/3—3 m hoch werden lassen, da sonst
Verzweigung vom Grunde der Hecke aus ermöglichen. Von Anfang an muß das Wadistum die Bearbeitung zu viel Zeit in Ansprudi nimmt und sehr mühsam wird.
der untersten Seitentriebe sehr beaditet und gefördert werden. Dabei hilft man der Hedce
durdi die Vernichtung des Unkrautwudi3e5, weldrer in vielen Fällen die Schuld am Luckenhaft:
sehr _ Die Arbeiten des Heckensdmittes gliedern sich gut in den Rhythmus des Jahreslaufes ein.
Der Sommersdmitt fällt im Gartenbau in die Zeit der vollzogenen Bestellung des Gartens (Juni),
werden von Hedcen trägt und daran, daß sie am Grunde schlecht verzweigt Sind.
nun beim Schnitt eine gleid1seitige Dreiedcsform für den Quersdinitt der Hecke
in der Landwirtsd1aft in die Zeit nadi der Heuernte. Der zweite Sdinitt kann vom Gärtner in
Man strebt der sogenannten „Saurengurkenzeit“ ausgeführt werden, während weld1er er in seinem Betrieb
an. Erst allmählich läßt man von Jahr zu Jahr die Spitze der Hedce höherrücken, sodaß lang.- meist die Marktbelieferung wegen des weniger flotten Absatzes seiner Erzeugnisse einsdrränken
sam aus der gleidiseitigen Dreiedcsform des Ouersdinittes eine gleichsd1enkelige wird (siehe Ab: muß, sodaß er dann/nidit zu sehr überlastet ist. In der Landwirtsdiaft wird die Zeit zwischen
bildung). der Getreide: und Kartoffelernte benutzt. So fügen sich die Arbeiten an diesen widiligen Gliedern
Auf keinen Fall sollte die Kasten:Form der Hed<e gewählt werden. Die Dreiedcsform, des Betriebsorganismus gut in den Verlauf der übrigen Arbeiten des Jahreslaufes. Die redit:
zeitige Ausführung der Arbeiten erleichtert die Pflege der Hedcen ungemein. Nur eine sehr
welche späterhin audi trapezförmig werden kann, ist nötig, weil die Seitenflädien der Hedce
durch eine bessere Beliditung und vor allen Dingen audi eine bessere Betauung erfahren als bei
da: einseitig rationalistisch denkende Betriebsführung kann diese Arbeiten für unnötig halten und den
kastenförmigem Quersdmitt. Beides ist für ein schönes, gleidimäßige$ und lüdcenloses Wachstum Wert der Hed<en im Betriebsorganisrnus mißachten.
der Hedce außerordentlich widitig. Verwilderte Hecken können in vielen Fällen wieder in eine ordentlidie Form gebracht werden,
lmmergrüne Hedcenpflanzen wie Fichte, Lebensbaum, Elbe u. a. muß man nadi der Pflanzung wenn man sie ins alle Holz zurüd<schneidet. Namentlich Weißdorn und Liguster, aber audi
mindestens drei Jahre, unter Umständen audi vier bis fünf Jahre. ohne jeglidien Schnitt wadrsen Kornelkirsdie lassen dies ohne Gefahr mit sich geschehen. Bei der Fichte ist es jedodi fast
lassen. Erst dann fängt man an zu sdineiden. Bei den Nadelhölzern Sdineidet man im August unmöglich. Die Hainbudie erträgt den Rüdcsdmitt ins alle Holz gut, wenn man ihn so ausführt,
::
in diesem Monat erreicht man nodi vor Eintritt der Wadistumsruhe die Ausbildung kraftiger daß man die starken Äste lang und die sdiwadien kurz sdmeidet. Ein Soldier starker Rüdc:
Triebknospen. schnitt ins alte Holz sollte immer von der Anwendung des Präparates 500 begleitet sein. Die
beste Zeit für diesen Rüdcsdinitt ist Anfang September, dann bilden sich nodi im Herbst kräftige
Um bei Laubhölzern die Ausbildung dieser Knospen im Herbst zu fördern, muß im Sep: Augen für den Frühjahrstrieb aus. In den ersten Jahren nach dem starken Rüdcschnitt erfordert
tember gesd1nitten werden. Sdineidet man zu früh im August, so kann es sein, daß die Knospen eine solche Hed<e eine besonders aufmerksame Pflege.
nodi im Herbst durchtreiben, was durdiaus nidit erwünsdit wäre. Dieser Schnitt wird im nadisten
Jahr wiederholt, aber man Sdineidet die Spitze der Hedce etwas länger, sodaß sie mit der Zeit Eine besondere Düngung brauchen die Hecken nidit. Sie sind aber für Gaben von Kompost:
mehr Höhen: als Breitenwadistum bekommt (siehe Abbildung). In den folgenden Jahren wird erde natürlich sehr dankbar. Man braucht Soldie nur zu geben, wenn junge Hecken in ihrer
besonders bei den Laubhölzern das Wadßtum so stark werden, daß man ohne Sommersdinitt Anfangsentwidclung gefördert werden sollen. lm Frühjahr gibt man vor dem Austrieb eine Boden:
nidit mehr auskonrmt. Man benützt dazu die Hed<ensdiere. Die geeignetste Zeit dafiir ist im spritzung mit Präparat 500. Wo anliegende Felder mit 500 gespritzt werden, braucht man der
Juni. Zu dieser Zeit ist eine starke Verholzung der Triebe noch nicht eingetreten”und man! kann Hedce das Präparat nidit eigens zu geben, denn sie erhält dann die Spritzwirkung nebenher.
den Abfall zur Kompostbereitung verwenden. Das Sdieren im Sommer verhindert die Ausbildung Man gibt nur bei ganz großer Trodcenheit das Präparat 500 ein zweites Mal im Verlaufe des
langer rutenartiger Triebe, die bald weit aus der Hedcenkrone herausragen wurden und die un Jahres. Eine Spritzung mit Präparat 501 wird in der Regel nur einmal gegeben, es ‘sei denn,
Herbst alle wieder weggesdinitten werden müßten. Es zwingt die Hed<e zur Bildung einer Menge daß man die Blühwilligkeit einer Hed<e besonders anregen mödite. Mit einem Spritzen von 501
von Seitentrieben, weldie ihr das sdiöne Blätterdadi verleihen. Das zweite Sdieren wcrd dann, kann audi nötigenfalls das Ausreifen des Triebes im Herbst gefördert werden. In sehr vielen
wie schon besdirieben, im Frühherbst (Ende August bis Anfang September) vorgenommen. Fällen werden die Hecken die Präparatewirkungen durch die Behandlung der anliegenden Flächen
erhalten können.
Die Art des Sdierens kann nun versdüeden gehandhabt werden. Man kann bei Gehölzen,
welche die Neigung zum Blühen und Früditetragen haben, z. B. Kornelkirsdie und Weißdorn, Hat man unmittelbar an Hecken angrenzende Gartenbeete, so werden dieselben oft sehr stark
von den Wurzeln der Hedce durchzogen, und die Bodenkraft und namentlich alle Feuchtigkeit
so vorgehen, daß das hervorgebrad1te Fruchtholz sowie die Endknospen abgesdalossener Triebe
möglidist erhalten bleiben. Man darf also nidit zu tief bezw. zu kurz scheren. Die Hedcenfladien wird herausgezogen. Man schützt sich davor, indem man vor der Hedce einen Streifen von Dadr:
haben dadurch allerdings nicht die glatte, brettartige Oberfläche, sondern bauen sich etwas lockerer" pappe 50_60‘ cm tief senkrecht eingräbt. Diese Arbeit muß allerdings nach Verlauf einiger Jahre
auf. Die Gehölze können auf diese Weise Fruchtholz entwidceln und setzen Blüten und Früchte wiederholt werden.
an. Gleichzeitig.hört das übermäßig starke Ins:Holz:Treiben auf. Sdineidet man immer alles weg, Sehr aussdflaggebend ist für das Gedeihen einer Hedce ihre Umgebung. Viele Heckenge:
was die Hed<e an Trieben hervorbringt, so muß sie das immer wieder ersetzen und sie kommt hölze vertragen durchaus keinen Druck durch alte hohe Bäume. So 2. B. die Fiditenhedce. Sie
nie zum Blühen und Früchten. Die Folge ist eine vermehrte Sdineidearbeit. Soldien Sdinitt kann nidit gedeihen, wenn sie nidit volles freies Licht von allen Seiten genießt und wird stets
führt man am besten mit der gewöhnlidien Gehölz: oder Rebschere aus unter Vermeidung der iüdcenhaft, wo sie von anderen Bäumen beschattet ist, Völlige Freiheit und frischen Luftzug will
langschnäbeligen Hedcensdmre. audi der Weißdorn. Dagegen gedeiht die Hainbudie nodi redit gut unter Baumsd1atten, Absolut
Bei näherem Zusehen ist eine außen etwas lodcere Hedcenkrone innen bedeutend did1ter als unempfindlidi gegen Beschattung ist die Wildstadrelbeere, sowie auch die Alpen:Johannisbeere.
eine solche mit brettartig glatt geschnittenen Seitenflädien. Die Letztere wird innen sehr leidit kahl Beide gedeihen in sd1attigen Lagen selbst unter dem Drüdc alter Bäume. Sehr Sdiön ist die
und hat nur außen ein didites Blätterdad1, während die außen lodcer gebaute Hedcenkrone nodi Kornelkirsche als Blütenhecke dort, wo sie volles Lidit genießt. Sie bringt im zeitigen Frühjahr
Lidit ins Hedceninnere gelangen läßt und darum audi innen didit bleibt. ihre zahllosen gelben Blüten hervor, ehe andere Gewächse ihre Blütenpracht entfalten. Als winter:
grüne Hedren sind der Lebensbaum, die Eibe und im ausgeglichenen Seeklima audi die Sted1:
Ob man die Hedcen oben kantig, rund oder dadiförmig schneidet, ist eine Frage der Ge: palme zu Sdiätzen. Letztere läßt sich in ganz präditige Formen bringen, dafür gibt es in Nord:
staltung und kann so oder so gemadit werden. Man muß traditen, dies der4Eigenart des
hölzes entsprechend auszuführen. Für eine Fichtenhedce z. B. paßt sehr gut eine strenge, kantige
Ge: westdeutschland zahlreiche Beispiele.
Form, während für die Hainbuchenhedce mehr die runde Form geeignet ist. . Gut gepflegte Hedcen sind stets der Schmudc eines Betriebes. Sie sdraffen ihrem Pfleger
Für den Ungeübten bereitet es gewisse Schwierigkeiten, beim Sdieren die gerade Linie zu viel Freude und
‘ Anerkennung. Die Arbeit an den Hecken kann dem, der sie pflegt , zur ganz
halten. Es können dann leidit Unebenheiten in der Hed<enkrone entstehen. Als Hilfsmittel be: besonderen Schulung dienen, da sie ein hohes Maß von Handfertigkeit und Geschidclidikeit verlangt.
nutzt man deshalb ein Lattengestell als „Lehre“, das man sich leidit selbst Zimmern kann. Das
Lattengerüst soll gerade so groß sein, daß es über die gesdinittene Hecke paßt.
Bei sehr alten und hohen Hedcen bereitet das Sdieren oft erheblid1e Sdiwierigkeiten, da
mit Bockleitern und darüber gelegten Brettern gearbeitet werden muß. Bei sehr breiten stufen:
förmigen Hed<en kann man sich zuweilen durch Auflegen von Brettern helfen, um von oben her
zu sdineiden. Fid1tenhecken z. B. werden oft so fest, daß sie auf einem Brett einen Mann leidit
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V 0 g e 1 s c h u tz In dem Kampf um die Erhaltung der Wallhedcen —dieses alldeutsdmn Rüst3euges der Landwirtschaft
ein erfreulicher Fortsdaritt 3u verbuchen. Wir entnehmen dem deutschen Reidßan;eiger und Preußischen Staatsameigcr
ist —
vom 4. De5ember 1935, Nr. 283 die folgende Verordnung.
Oberforstrat Ing. Oskar Grubitsd1:Seiersberg (Steiermark) Es märe von großer Bedeutung, menu die Wallhedzen nidit nur in ihren heutigen Gebieten erhalten blieben,
sondern wenn neue Hedren3üge in anderen Gegenden angelegt würden. Denn sie sind ein hervorragendes Kulturmittel,
Unser größter Vogelschützer Hans Freiherr von Berlepsdi hat in seinem Budie „Der ge.- namentli'di 3ur Kliinauerbesserung in Gebieten mit sdrädlichen Winden. Man denke an den mid1tigen deutsd'ien Osten
samte Vogelsdiutz“ versd1iedene Typen von Futtervorrichtungen, wie das hessische Futterhaug, mit seinem stellenmeisen Charakter der Kultursteppe, der überwunden merden sollte. \Wir oernieisen auf unsere früheren
die Futterglodce. die Bruhn’sdie Meisendose und mehrere andere empfohlen. Alle diese Futter.- Aufsätae 5ur Heckensad1e. (Demeter 1931 S. 121. 1932 S. 143 u. 159, 1933 S. 14 u. 45, 1935 S. 183 u. a. O,).
vorriditungen sind so gebaut, daß das Futter stets trodcen bleibt und das dasselbe den Vögeln Die Schriftleitung
stets zugänglich ist. Verordnung zur Erhaltung der Walthecken. Vom 9. November 1935
Da nun alle diese von Berlepsd1 empfohlenen Futtervorrichtungen leider ziemlich teuer sind
und in allen diesen Häuschen und Dosen auch die Sperlinge mitgefüttert werden, so habe ich Auf Grund der @@ 5, ? Absat; 2 und 19 des Reidisngtursdrutygesetjes vom zo. Juni 1935 (BGBl. I S. 821)
mird für die preußischen Regierungsbe3irke Hannover, Lüneburg, Stade, Osnabrück, Auridi, Münster, Minden und
folgende Art der Fütterung ersonnen: Idi menge in heißen Rindertalg Hanf:, Hirse: und Sonnen: ' Schleswig sowie für die Länder Lippe, Sdiaumburg:Lippe, Hamburg, Bremen, Oldenburg, mit Ausnahme des Landes:
blumenkörner, fülle diesen Brei in Bledidosen und hänge diese Dosen nadr Erkaltung und Er: teils Birkenfeld, und für das braunsdiroeigisdie Amt Thedinghausen folgendes verordnet: —, .
starrung des Breies mit Draht verkehrt an Bäume oder Sträucher auf. Dadurdi, daß die Körner @ 1. Die in den norher be3eichneten Gebieten gelegenen Wallhedien (KnidiS) werden mit dem Tage der Bekannt:
mit einer Fettsdiidit überzogen sind und außerdem die Dose als schützendes Dach fungiert, bleibt gabe dieser Verordnung dem Schuh des Reidrsnatursdrut;geset3es unterstellt.
2. Es ist verboten, Wallhedien (Knidi5) 3u beseitigen, insbesondere sie 3u roden und ab3utragen oder 5u
das Futter stets trod<en. ,
besd1'a'digeii. Als Beschädigungen gelten audi das Ausbredien von Zweigen, das Verlegen des Wur3elmerks und jede
Durch das verkehrte Aufhängen der Dosen mit der Öffnung nach unten ist das Futter nur andere Maßnahme, die geeignet ist, das Wadrstum der Hecken nadheilig 3u beeinflussen.
den Meisen, Kleibern, Wendehälsen, Spediten - mit einem Wort: unseren nützlichsten Sing: @ 3- Dem Eigentümer oder sonst Bereditigten bleibt die bisher übliche Nutjung der \\7allhedcen (Knidß) gestattet,
vögeln zugänglich. Zu Beginn dieser Fütterungsart habe ich die Bledidosen so aufgehängt, daß soweit hierdurd1 nidit die landschaftlid1e Wirkung der Hecken beeinträchtigt, das Wiederaussd-rlagen der Sträucher und
sie vertikal herabhingen. Bei dieser Aufhängungsart haben die Spatzen mitgefressen. Vor zwei Bäume verhindert oder der Fortbestand der Hecken überhaupt in Frage gestellt wird.
@4. Die höheren Natursdiut5behörden können in besonderen Fällen, oornehnilidi aus Gründen des Verkehrs
Jahren habe ich die Dosen verkehrt aufgehängt und seither ist es den Spatzen nidit mehr möglidi, und der Landeskultur, Ausnahmen von den Vorsdiriflen dieser Verordnung 3ulassen, soweit das Landschaftsbild hierdurch
mitzufressen‚ weil sie nidit imstande sind, sich am unteren Rand der Dosen festzuhalten, während keine mesentlidre Anderung erleidet.
jedodi unsere Meisen, Kleiber und andere unserer nützlichsten Singvögel infolge ihrer turnerisdien Vorsätzlidie Zumiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Verordnung werden nadi den @@ 21 und
\

22 des Reidrsnatursdwtageset5es mit Gefängnis bis 3u 3rvei Jahren oder mit Geldstrafe oder mit Haft, fahrlässige Zumider:
Gesdridclichkeit dies vorzüglidi können. Nur diese Vögel handlungen mit Geldstrafe bis 3u 150 Reidasmark oder mit Haft bestraft.
können sich an dem unteren Rand der Dosen an:
klammern und die Körner aus den Dosen pid<en, % 6. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Bekanntgabe im Deutschen Reidisan3eiger und Preußisd1en
Staatsangeiger in Kraft.
während die Sperlinge sich vergeblidi bemühen, flat: Berlin, den 29. November 1935
ternd einige Bissen aus den Dosen zu efiiasdren. Sie Der Reichsforstmeister. Göring
müssen sich mit dem Auflesen weniger herabfallender
Körner begnügen.
Seitdem ich die Vögel auf diese Art füttere, meiden
die Meisen den Antispatz und alle anderen Futter:
häusdien und überlassen dieselben den Spatzen und
Professor Dr. Spengler
Finken zur Nutznießung.
Idi habe die Erfahrung gemadit, daß überall dort, zur biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise
wo auch Spatzen heimisch waren, sie bei all den ge: Wie aus der Wodienschrift „Die Deutsdie Zudcerindustrie“ vom 5. 10. 1935, S. 863, zu
nannten Apparaten mit Ausnahme meiner Dosen miLv entnehmen ist, richtete Prof. Dr. Spengler in der Bezirksgruppe Schlesien der Wirtsd1aftsgruppe
fressen konnten und durch ihre Frediheit und Unver: Zuckerindustrie in Breslau am 11. 9. 1935 polemisdre Angriffe gegen die biologisch:dynamische
träglichkei_t unsere nützlidien Vögel von den Futterstellen Wirtsdiaftsweise.
vertrieben. Es ist gar nidit notwendig, den Vögeln Obwohl Spenglers Ausführungen Angaben enthalten, die dem Kenner der biologisdudy:
durch Anflugstangen das Anfliegen und die Aufnahme namischen Wirtsdmftsweise sofort als unwahr erscheinen, so wurde ihm dennodi Gelegenheit gegeben,
von Futter zu erleiditern. Die Meisen sind so vor:
züglidie Turner, daß sie sich an den Rändern der ver:
die Riditigkeit seiner Behauptungen ent5prediend wissensd1aftlidmn Gepflogenheiten
#

zu belegen.
Vom Vorsitzenden des Reid1sverbandes für biologisdi:dynamisdre Wirtschaftsweise in Landwirtsdiaft —
Zeidin.: O. Grubitsdi kehrt aufgehängten Dosen anklammern und die Körner und Gartenbau e. V. wurde am 17. 10. 1935 ein Schreiben an ihn gerichtet, in welchem es heißt:
aus den Dosen herauspidcen können. „Soeben wird mir das Heft Nr. 40 vom 4. 10. 1935 der Zeitschrift „Die Deutsche Zudeeriridustrié“
oorgelegt. In diesem befindet sich eine Wiedergabe Ihres Vortrages „Altes und Neues' aus Betrieb und
Die Fütterung mit Dosen hat aber nodi andere Vorteile; denn es ist mir möglich, die Dosen Landwirtschaft", gehalten in Breslau am 11. 9. 1935.
in Gebüsdien oder auf Bäumen aufzuhängen, also an Orten, wo Sidi die Vögel ganz ungestört Im lebten Teil Ihres Vortrages besd1äftigen Sie sich mit der biologisdi:dyrianiisdieii \Wirtsd13ftsiveise.
fühlen und sich ohne Störung satt essen können. Aus Ihrem Berid1t entnehme ich folgende Angaben:
Weiter kosten die Dosen nichts; denn ich kann jede gereinigte Bodenwidis: oder Sdiuh: 1. Sie haben sich „von der Zentrale der Demeter:Gesellsdraft in Saarorv:P'eskoni alle die nötigen
Ingredien3ien sdiidien lassen, die 3ur Er;ielung besserer Ernten notwendig sind.“
pastedose hierzu verwenden und sämtlidie Ausgaben beschränken Sidi auf Ankauf von Futter. 2. Sie haben vor kur3em Gelegenheit gehabt, mit dem Gesellschafter einer großen Zucherfabrilc
Das mit Talg vermengte Körnerfutter ist den Vögeln sehr zuträglidi, nur darf der Talg nidit sich über die biologisdi:dynamisdie Wirtsdraftsroeise 3u unterhalten. Bei Nachprüfung der Büd1er dieses
gesalzen werden. Einen besonderen Vorteil bietet die Dosenfütterung dadurd1, daß ich zu Beginn Landmirts konnten Sie mit absoluter Sicherheit feststellen, daß der Ertrag auf den Feldern, die bio:
der Fütterung nur eine Dose aufhänge, während ich mit zunehmender Zahl der Gäste bei großer logisd1:dynamisd1 gedüngt‘ waren, von Jahr su Jahr 3urüdcging (von 160 Zentner Rüben je 1/4 Hektar
auf etma 80 Zentner je 1/1 Hektar).
Kälte und Sdineefall eine entsprediend größere Anzahl von Dosen aufhängen kann. So ist es 3. Sie haben sich in letater Zeit mehrfada an Ort und Stelle von der Unmirhsamheit der bio:
möglidi, sparsam aber doch reidilid1 genug zu füttern. logisd1:dynamischen Düngungsmeise über3eugen können.
Außer für Fütterung müssen wir audi für Wohngelegenheit sorgen und jeder Gartenbesitzer Ich bitte Sie im Hinblick auf diese von Ihnen gelegentlich der ordentlid1en Mitgliederoersammlung der
soll einige Berlepsdie Nisthöhlen aufhängen. Hat er Sperlinge in seinem Garten, so hänge er Be3irksgruppe Sd11esien der Wirtsd1aftsgruppe Zudcer:Industrie oorgetragenen Ausführungen höflichst um nähere
Unterlagen, da diese aus dem Referat Ihres Vortrages nidit 3u ersehen sind.“
die Höhlen so tief auf, daß er sie mit erhobener Hand erreidien kann. Kein Sperling wird so
tief aufgehängte Höhlen beziehen. In seiner Antwort hierauf (vom 29. 10. 1935) verwies Spengler zunädist ausführlidi auf
die Veröffentlidrungen bekannter Gegner der biologisch:dyüamisdqen Wirtsüaftsweise wie Sdiarrer,
Für Fütterung und Wohnungsfürsorge werden uns die braven Singvögel durch Vertilgung Merres, Lieber und Neubauer. Unmittelbar ansdüießend schreibt er wörtlich:
von vielen Tausenden schädlichen Insekten danken,
V///%f/ / / 7/ W. '/////////2 V/ ////z "//////////I
„Mit diesem kurseriAus;ug glaube tdi, Ihren Wünsd1en entsprochen 3u haben, und bemerke nodi, daß
ich nidit berechtigt bin. Ihnen den Namen des Landwirts, der mir vertraulich seine Büdier ge3eigt hat, 5u nennen. '”//////////y
Die für die Düngung notwendigen Präparate habe ich mir vor einigen Jahren durd1 einen Mittelsmann

%/ / l / l r %//én %;j/l. %. / % / l ; / l / I Z L %////%


aus Saarow=Pieskow beschaffen lassen, da ich annahm, daß id1 infolge meiner Einstellung direkt keine Prä.-
parate erhalten würde."
Diese Äußerung Spenglers sagt genug. Wir stellen nur nodi folgendes besonders fest:
Spen gler polemisiert gegen die biologisd1=dynamisclie Wirtsd1aftsweise mit Angaben, deren fiir
(Timm atssshrift
Quellen zu nennen er nicht in der Lage ist. Er gesteht außerdem, daß er von vornherein mit
einer bestimmten „Einstellung" an die biologisch=dynamische Wirtsd'taftsweise herangetreten ist.
bioiaq iSd\-Ciyhäfidi5fih@
Damit hat Spengler den Boden der Wissenschaftlidrkeit verlassen. KÄÄI‘tSQ)\EftSKA/ELSQ
Wir bringen diese Angelegenheit hiermit zur Kenntnis, weil die Angriffe Spenglers gegen
die biologisd1:dynamische Wirtsdnaftsweise nicht im Kreise der „Bezirksgruppe Sdilesien der / Alle Rechte vorbehalten. — Nachdruck verboten! \
Wirtsrhaftsgruppe Zud<erindustrie“ geblieben sind, sondern durch Veröffentlichung in der Zeit: Dr. Erhard Bartsch , Bad SaaroW (Mark
Herausgeber:
__
. _
schrift „Die Deutsdie Zudrerindustrie“ und durch einen entsprechenden Bericht in der „Chemiker: Sdirifiteiti.ihg: Dr. B. Bartsch, Bad Saarow (Mark) )
Zeitung“ (vom 26. It. 1935, S, 162) in die Öffentlichkeit hinausgetragen wurden. Geschafisstelle: Bad Saarow(Marki Dostscheckkonto: Breslau 3626Ö
Reidi$verband
für biologisch:dynamische Wirtschaftsweise Heft 2 Februar 1956 11. Jahrg.
in Landwirtschaft und Gartenbau e. V.

Presse-Nachrichten Der Kräfte-Kreislauf


Hat sich der Kalkanstrich der Obsibäume als Kampfmitiel gegen Schädlinge bewährt?
„Meissener landwirtschaftliche Zeitung“ vom 14. 12. 1935
tm Iandwrrtschaftiichen Betriebsorganismus
Der Anstridi der Obstbaumstämme mit Kalk wird garnicht der Schädlinge wegen empfohlen, denn er bietet den F. Dreidax
an der Rinde überwinternden Insekten eher einen Schub, als daß er ihnen sd1adet. Wenn im Vorwinter viele Bäume E Der Jahreskreislauf der Gesundheit
gekalkt werden, beruht daß auf einem großen Irrtum. Die Aufgabe des Kalkanstrichs ist vielmehr der Schuh der Baum.— 3
ist heute ziemiidi allgemein bekannt, daß beim Mensch
' ' ‘ '

rinde vor an starker Erwärmung an milden Vorfrühiingstagen, denen immer nodi Nädite mit stärkererfi Frost folgen.
Das häufige Auftauen und Gefrieren des in der Rinde schon aufsteigenden Sattes führt 3u sd'iwer lieilenden Frostwunden. Jahreskreßlaufes besteht, der sowohl vom Einzelnen an sich oder
arinseir'ilei I1‚Fnitgetgißi jgng'e'dli laiäteent
Wird der Kalk 3u 3eitig auf die Stämme gestrichen, ist er oft in der Zeit, wenn er seine Wirkung tun soll, sd‘ion 3um
großen Teil wieder abgetallen. Vorher sollen die Stämme non loser, abgestorbener Rinde und den darunter übermintern:
den Insekten gesäubert sein. Sehr gut bewährt hat sich übrigens der in der biologisdi=dynamisdien Wirtschaftsweise
weifen(von
25h!
.
kann, als auch im}großen mithilfe einer gesundheitlid1en Statistik. Bei sehr vielen Menschen
gegenUEndgräje(sy(/interfs
npa er en au, ie sigäsundheitliche
dmg
1
Sdiwäd1e bemerkbar. Es tritt eine größere
nur zu oft auch in gefährlidier W‘ '
t‘
gebräuchliche Anstrich der Bäume mit einem Gemisch von je einem Drittei Lehm, Kuhdünger, Flußsand oder Quar3:
mehl. Er befördert die Bildung einer glatten Rinde und verhindert auch, daß der Säftestrom im Frühjahr 3u 3eitig in nidit leidit ‚ den glatten Ansdiluß an die Jahreszeit zu find ‚
immer
l EISB_ Es 13t
S eigern. '
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Gang kommt. Die Bäume blühen dann auch später und es werden weniger Blüten vom Frost zerstört.
Szrw.Sonnengänuß
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51 m odäsommer sammeln die meisten M
Genuß von frisdiem Grün in
I'7eorimCh'nvaiie d("freerrii'i 'sb'gsfirned' Sßd'fdiä'd

Aus Briefen
;Sfi'n gesunt%/ettläten
>


am er _ag. Kräftend,
es urs d l
sete i Ses durch die möglidie
onntage, Ausnutiüfig ed'ere'ßV/I'bsrge’i"./i'? fl'r'ilclenÄ\i/nglillijlf
Urlaube und Sommerfrisch
'

die Betatigung Luft und freiem Licht und den Genuß der
iahrees'2'eitsliediefris'i'i'iee'r'ila'l'äihi'i'i'rrig'
in
Tomatenbau in Ostpreußen. Eine Beobaditung rm ‘
Das Land hat nach Süden Gefälle.
trodrnung abgededrt.
Tomatenbau im lebten Anbauiahr war sehr interessant im Die Tomatenreihen hatten Nord.-Süd=Riditung. Vier Reihen
Dieser Vorrat wird dann im Herbst und W‘ t ll “
'
.. .
Hinblick auf die Möglidikeit der Ertragssteigerung bei Be:
riidisirhtigung der Gesirhtspunkte der biologisdi:dynamisd1en
wurden zur schnelleren Ernte geköpft. Sie starben ent:-
gsprechend früher ab. Die übrigen Reihen rankten über ein
hin eine A“ Engpaß der Gesundheit er a
auftritt'.n
mahhdl aufgezehfi,
Es ist fesselnd , daß _ diese Din ge, die heute von fortsdirtttltdien
' '
S°daß gegen
WiSse ch ft‘
das'Frühlähl’
-
'
'

\Wirtschaftsweise. Gleid1;eitig konnte eine hervorragende


Qualität er3eugt werden. Zunächst bestätigt sich immer
wieder die Angabe Dr. Rudolf Steiners, die er aus seiner
. Latteiigestetl und bildeten eine durchlässige Laube.

i Hausge[jr{b;auch
ie:llämgsViä[iier,ynfod€äfl€li
5 en. n Vie en 31VQ'SCG
beleuchtet worden sind, schon seit alten Zeiten im
eus en auen finden wir besondere Ge flo enheiten d 'äs/olkeebreobraditee-t '

Ferrustälahäsklipplg der4GesundheigI
zu überwinden. Die Mittel fiirpsol%he
Frühiah'i'skiei'rje'nzsiriecl'iluiidz
Erkenntnis des Wesens und Charakters der 'Iomate heraus
gemadit hat, 3. B. daß sie besonders gut auf rohem Dünger
mad15e. Es wurden in einer Gärtnerei auf bestem Boden ‘ Monat
Juli

Verkauf

190 pfd,
‘ RM_
Erlös
(‚4,00 i
Geidbewertung

20 Pfd_
ie en. as immer wir aber auf die Kräuterwelt des Fr"h‘ h
Kräuterwelt , die durch die ganze A rt ihres Lebens verrat, daß Sie "lim'aKam
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IS zurud<gegrlffen
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78,00
520 „ „
e]'_‚"bvjäi'zea}l'ierins-
mit bestoerrottetem Kompost Tomaten angebaut, die sehr August 85 „
den all)lemmdes
i

wenig befriedigten. Der in dem gleichen präparierten Korn: September 1510 170,45 , 220 „
Winter in vorderster Linie steht.
In Baden bedient man Sidi vor
post gezogene Salat wurde erstklassig, audi die gewonnene
aat.
Oktober
i 686 „ w1e
aä_ch
der Brunnenkgresse und des Kerbelkrauts. In anderen Gegenden wie in Sd11esien hat
man te sogenannte „Grune Suppe‘i. Heute wird dieselbe vielfadi nur nodi am Gründonnerstag
zusammen 2906 Pfd. RM, 398,55 405 Pfd.
Auf dem Rittergut Gnottau. Krs. Insterburg, wurde
nun 1934 ein Versudi mit Tomaten (Lukullus) vorgenommen. Der Monat September brarhte ie Wod1e 4 Ztr. und greiiigosgirä‚euwals al]vjer b}e{sti_mfmt
e. ie
eine

rau ersuppe er
Eänengiär]ig
eines früheren Frühlings=Braud1s auf einen einzelnen
lesier wird zubereitet aus den 'un en Bl"ttch
_ daes Gi.ind'enrCE
Es wurden geerntet von 360 Pflan5en, die allerdings 5wei:
triebig gg3ogen waren, 9,2 Pfund ie pflan?z' Man rechnet
hier in günstigen Fällen bei guter Pflege mit einem Durch:
32 Pfund Tomaten. Die im Hause verbrauehten Tomaten
sind [“ dem Geldbetrag als nEfl9$u nidit Emi Elfige_fßdmü- Knospeni der Sd1afgarbe‚ der wilden Möhre, des wilden Sauerblatts, der
manns, es Spitzwegeridf13 und des Löwenzahns. Das erste krafterfiillte Grün obwohl es nui Brdnn%ssel
Sdinitt von 6 Pfund. Die Tomaten hatten eine sehr 3arte Schale. ein sehr
Die Aussaa( „,de im Februar im Gewädishaus Der:
genommen. Dann wurden die Pflan3en 3weimal pikiert
i festes Fleisch und einen aromatischen, süßen Gesrhmack.
„Der Anbau ““"" _3Uf ämel Affe“ °°fgen°fnme‚ng_ 3“"
irti hemer—
ge
geringen Menge, die als„Nahrung nicht angesprod1en werden kann, zur Verfüguri
Wird benutzt, um die Fruh1ahrssd1wierigkeiten der Gesundheit zu überbriidcen°
Ein%
und im Kalthaus iierange;ogen. Ende Mär} wurden die Halfte wurden Pyranirdenhugel angelegt, 3“‘ Halfte Rudi€n eachtenswerte Here1nnahme der Kräuterwelt in einen Kräfte.-Kreislaqu ‘

Pflan3en ins Mistbeet gesetzt. Am 10_ Mai wurden sie ähnlidr den Kartoffelrudren. Den großeren Erfolg brarhte_
„Aehnliche Vorgänge bei den Viehherden
4

ins Freiland geset)t und zwar auf Hügel resp. Dämme ge; die phd‘?“k“1mfg dem" Ertrag ”°“ de_“ pi’l‘amldeü i_)€1 .
pfi3„33 (nach den Richtlinien von M. K. Schwarz, \Vorps: weitem nicht erreiditalswurde. Die Pyrarruden erwiesen _€m?
sich Vielen Landwrrten ist es geläutig, daß bei den Haustieren ein ganz ähnlicher Jahreskreislauf
_

mede). Die Pflan3en kamen in unoerrotteten Dung, wenig
”‘3éhl€nmaßlgs
diesem Betrieb "“Pfaki15\h _LEIÄU 11213 Sidi der Gesundheit vorhanden ist wie beim Menschen . D'te meisten haben Erfah d ”
4

oerrottete Lauberde und präparierten Kompost. * Mehrere Erfassnng des untersduedlidien Ergebnisses
Male wurde p;äpamg 500 gegeben und dreimal präpami 501,
Die I-Iiigel waren mit halbnerrottetem Mist gegen Aus:
nicht durchführen, sondern nur das Gesamtergebrirs erfassen
mW Sdmn angegeben. E. W
daß die Geburten der Tiere gegen Ende des Winters sdiwieriger werden als
sonrs'iniäin3afiir'Ubsi'l
Eud'ir?nidi?i?i Bruno Sdieuerfiäreslaufg‚ Gr;)smenefstr„ 52; 19
20 21

wie daß die Aufzucht auf besondere gesundheitliche Hindernisse stößt. Sobald die Tiere wieder.— eine Rolle spielen. Neben diesen ist auf der Einnahmeseite ganz besonders die Nahrung ins Auge
um mit grünem Futter aus dem freien Land versehen werden können oder gar regelmäßig auf zu fassen. Auf der Ausgabeseite steht, wie schon angeführt, die Milch, welche einen hohen
den Auslauf und Weidegang gebradit werden können, geht es auf dem gesundheitlichen Gebiete Strahlungsgehalt aus dem Stalle fortfiihren muß. Audi die Kälber sind von großer Wichtigkeit,
wieder leichter. Vielfach ist durch die Nachwirkungen der Stallhaltung: und :fütterung der Über: denn es bedeutet für das htuttertier eine gewaltige Ausgabe, dem Kalb alles das mitzugeben, was
zum Aufbau und zur Gesunderhaltung des Organismus zunächst notwendig ist. Als dritte Haupt:
gang schwierig, ähnlich wie bei einem von schwerer Krankheit Genesenden, der nur allmählich
wieder an eine kräftige Nahrung gewöhnt werden kann. Die Tiere sammeln im Laufe des ausgabe wäre nodi auf den Stallmist hiniublidcen, was allerdings auf ein ungewohntes Gebiet der
Strahlungsbetraditungeh führt.
Sommers unter den Einwirkungen des Weideganges und der Grünfiitterung eine Art Kräfte:
vorrat, der darin im Winter während der Aufstallung allmählich aufgebraucht wird. Bei der Nahrung weiß man, daß ein naturfernes Futter, welches durch industrielle Verar:
beitungsprozesse hindurchgegangen ist, wie Ölkudien, Sd1lempe, Abfälle der Zuckerindustrie usw.,
Sowohl die praktische Erfahrung, wie auch ei.ri3elne wissensdiaftlidue Forsdiungen 3eigen, daß der Jahres]iräfte:
strom der tierischen Gesundheit non red1t unsd1einbaren Rüdrsid1ten abhängig ist. Zum Beispiel hat man in neuester bei starker Anwendung alle jene Sdiäden, die mit ausgeprägter Stallhaltung zusammenhängen,
Zeit sehr getrad1tet, den Tieren audi im Winter ein reidilid1es Maß von Lidit 3ukommen 3u lassen. Man hat dabei nodi besonders vermehrt und in mancher Hinsicht nodi verwickelt. Man weiß, daß man ein
besonders auf die unsichtbaren, aber biologisch liod1mirhsamen Strahlen des Lid1tes 3u ad1ten gesucht, indem man die hohes Maß von naturnahem Futter, sei es grün oder in einwandfrei getrodmetem Zustand, für die
Stallfenster aus Glassorten 3u madmn empfahl, die für ultraoiolette Strahlen eine erhöhte Durdflässigkeit gegenüber dauernde Gesunderhaltung der Tiere nidit entbehren kann. In manchen Gegenden lebt zudem
gewöhnlid1em Fensterglas besißen. Ein anderes Beispiel: Zahlreiche Praktiker geben an, daß die Frühjahrskrise der
Tiere erleiditert wird, wenn sie im gan3en Winter jeden Tag nur 10 bis 15 Minuten lang aus dem Stall in die frische ein Bewußtsein davon, daß auch zwischen versd1iedenem Acker: oder Wiesenfutter ein großer
Luft lierauskommen. Dieses Lüften der Tiere, bei dem sie sich audi die Beine austreten, findet in vielen Betrieben Untersd'iied je nach seiner Durchsonnung sein kann.
dadurdi statt, daß man sie an einen Brunnen im Hof 3um Tränken gehen läßt und sie sich dabei etwas länger Der:
weiten dürfen. Es gibt Bauern, weldie 5ugunsten dieses täglichen Auslüftens der Tiere keine Selbsttränken in den
Ställen einrichten. Der regelmäßige, wenn audi nur kurse Genuß von etwas Bewegung, von freier Luft und hellem Sonnengewachsenes Futter
Tageslicht ersd1eint ihnen als ein wesentlicher Beitrag 3uni gesundheitlichen Gleichgewicht der Tiere. Diese vermögen Viele Bauern wissen, daß das Vieh einen entscheidenden Unterschied zwischen einem im
dann in guter Verfassung das allererste \Veidewadi$tum im Frühjahr aus3unut;en eine privat: und volkswirtsdmftlich Schatten und einem in der Sonne gewachsenen Futter madit. Auf Bergweiden ist es oft sdiwer,
*

wichtige Angelegenlieitl
— Seibstnerständlich aber läßt sich das Tränhen im Stall und der tägliche Auslauf auf dem Hofe
auch unter einen Hut bringen. .
das Abfressen der nordseitigen Hänge zu bewirken, audi wenn dort für die gewöhnliche Beur:
teilung das Futter stattlicher aussieht als auf der Südseite, die vielleicht von den Tieren schon
Der hier angedeutete Jahresverlauf der Gesundheit der Tiere vollzieht sich aber nur dann sehr stark befressen wurde. Die Almwirte in Gebirgsländern berichten viel von solchen Dingen.
ordentlich, wenn Auslauf, Weidegang und Grünfütterung in genügendem Umfange gewährleistet
sind. Nun kommt es aber vielfach vor, daß die Tiere nur während ihrer Aufzuditheidegang Nidit nur auf der freien Weide, auch bei dem von versdiiedenen Plätzen geernteten Heu ist der
Unterschied bekannt und bringt manche Fütterungssdiwierigkeiten mit Sidi. Aus der Praxis heraus
und Auslauf haben, dann aber in irgend einem Stall angebunden werden und dort ihr weiteres ist namentlich in die schweizer landwirtsd1aftlidie Literatur manches über den geringen Wert von
Leben fast aussd11ießlid1 verbringen miissen. Man braucht sich nidit zu wundern, wenn bei
„ Sdmttenfutter" eingedrungen, wie überhaupt die erwähnten Kenntnisse besonders im alemannischen
solchen Tieren nach 2 bis 3 Jahren Krankheiten bemerkbar werden, die mit ihre Dasein im Stammesgebiet rege sind. In den Gebirgsgegenden hat man durch den Untersd1ied von Berg:
Dämmerlicht des Stalles in Zusammenhang stehen. Viele Ärzte und auch Tierärzte haben aus: und Talfutter einen weiteren Einblid< in die Bedeutung der Strahlungen für den Futterwert. Das
gesprochen, daß u. a. die Tuberkulose eine Krankheit—ist, die mit mangelndem Lichtgenuß zu tun
Bergheu wird vielmals höher gesdiätzt als das Talheu. lm Sarntale sagt man: „Ein Hut voll
hat. In einem Organismus, der immer wieder durchsonnt wird, kann Sid'l audi in den an und von oben ist soviel wert, als ein Korb voll von unten.“ 4Ahnlidie Worte findet man in fast allen
für sich finsteren Körperhöhlen des Innern der Tuberkelbazillus nicht entfalten. Man weiß, daß Gebirgsgegenden. Daß aus den hödisten Berglagen das „Wildheu“ vielfadi unter Todesgefahr
dieser Krankheitskeim durch unmittelbare Sonnenstrahlen rasch abgetötet wird; man weiß heute geerntet wird, wirft ein Lidit auf die Wertsdrätzung des Futters, das in den heute von der
aber auch, daß er in den ständiger Dunkelheit ausgesetzten Organen des Körperinnern nicht ge:
deihen kann, wenn Auge und Haut der Tiere immer wieder in genügendem Maße der Sonne Wissenschaft schon gut erforsd-rten Strahlungseintlüssen des Hodigebirges herangewachsen ist.
Dabei ist die Menge des Futters von soldien Bergmatten oft außerordentlich gering. Gesdiid<te
ausgesetzt werden. Man darf annehmen, daß die Durchsonnung nicht nur bei Auge und Haut Schnitter sind notwendig, um den kurzen Rasen überhaupt mähen zu können. Soldies Heu wird
verbleibt, sondern daß sie durch den Blutkreislauf bis in die Körpertiefen hineingetragen wird. mit dem Besen zusammengenommen und in Tüdier eingehiillt auf dem Kopf oder Rüdren zu Tal
Eine soldm Betrachtung erfordert unwillkürlidi audi einen Blidr auf das wichtigste Erzeugnis
eines Kuhstalles, auf die Milch. Man weiß, daß die Strahlungskräfte, welche auf das Tier regel:
getragen, Solches Heu findet kaum als eigentlidies Ernährungsfutter Anwendung, sondern als
eine Art Gewürz: und Arzneifutter. Es wird meist getrennt vom Talheu gelagert und mandier:
mäßig einwirken, sich auch der Milch mitteilen. Man weiß 2. B., daß eine gute Milch von den orts nur bei besonderen Gelegenheiten verfüttert, z. B. an die Kälber beim Absetzen, oder bei
Wirkungen der biologisch widitigeri ultravioletten Strahlen durchdrmgen sein soll. Man hat ver:
sudit, Mängel auf diesem Gebiete dadurdi zu bekämpfen, daß man eine Ultraviolettbestrahlung
Krankheitsfällen und Geburten, oder zu bestimmten Festzeiten.
der Mildi erfand. Man ist vielfach wieder von einer soldien künstlichen naditräglidien Bestrahlung Nidn nur die Bauern,_ audi die Jäger wissen über die Bedeutung der Durdrsonnung, wie überhaupt des Strahlungs.-
der Milch abgekommen, weil die gesundheitlichen Auswirkungen nidit befriedigten. Offensiditlid‘r gehaltes des Futters Bescheid. Sie sagen, daß das Wild für gewöhnlich nidit im Innern von sdiattigen Waldungen

fr1ßt, auch wenn der Mensch glaubt, daß es dort mandierlei finden könnte. Das Wild tritt mit Vorliebe an die nadi
müssen die biologisch wichtigen Strahlungen sdion bei der Entstehung der Mildi also im Süden liegenden Waldränder, Gebiische, Wiesen und Adrer aus. Es sud1t nidit so sehr das Futter als nielmehr „die
Muttertier ,. wirksam sein, um in der richtigen Weise angepaßt und abgemessen zu werden. Sonne im Futter". Man hat audi Beobachtungen darüber, daß das Wild schled'it gedeiht, daß namentlidi das Geweih
der Hirsche sich wenig entwidrelt, wenn die Tiere wenig sonnengemadisenes Futter erlangen können, was namentlidi in
'
Man weiß heute, daß die Mildi non tuberkulösen Kühen nidit uotlwertig ist. Man traditet, die Krankheitskeinie regenreichen, sonnenarmen Jahren sich ausprägt. Man mil] sogar Beobaditungen haben, daß sonnenreiche Jahre ins näd15te
mit Hilfe von Erhißung der Milch ab3utöten. Sicherlich ist das bedeutungsooll, um eine derartige Mildi für den Mensdien Jahr hinein eine kräftige Nachwirkung haben, als ob die Sonnenmirkungen sirh im Boden speichern könnten und auf
einigermaßen braud1bar 311 machen, aber der Mangel an Strahlungsgehalt kann durch eine sold1e Abkodiung nidit er:
gän5t werden. Man ist eben genötigt, die Krankheitserscheinungen der Tuberkulose weitgehend unabhängig von der den Pflan3enwuchs des nächsten Jahres noch einen Einfluß ausüben („Demeter“ 1930, S. 82). Audi andere natur:
missensdiaftlidie Beobad'iturigen spredien in dieser Riditung.
anwesenden Flora von Tuberhelba3illen 3u betrachten und mehr auf die krankhafte Eigenart des Nährbodens hin3u:
schauen, auf dem sich diese Flora ansiedeln kann und wohlfühlt. Eine Weiterführung dieser Betrad1tung ergibt, daß die Von Bedeutung ist es in soldien Zusammenhängen, daß der Mensdi lernt, das Futter sdion
Mildi nidit erst dann in tuberkutöser Richtung minderwertig wird, wenn in der Kuh Tuberkulose offenkundig festgestellt in seinem Äußeren auf den Schattendiarakter hin zu beurteilen. Bei Wiesenfutter treten Sdiatten:
werden kann, sondern daß die Mildi bereits in.der gan3en Zeit minderwertig ist, in der sich in der Kuh allmählich jener kennzeidien durch ein Überwiegen langwüd13iger Obergräser und durch einen Mangel in feinstenge:
dauernde l i-‘ ‘ jene S:“ ‘
l ung mit , 'render Stoffwediseländerung entwickelt, weldie sdiließlidi die An: tigen Untergräsern, sowie an würzigen Kräutern hervor. Es ist nun bedeutungsvoll zu erfahren,
siedlung des Tuberkelba3itlus ermöglicht. In der gan3en Zeit, in welcher sirh in dem Tiere der entsdieidende Fehlbetrag
an Strahlungsgehalt entmidielt, hat audi die Mildi bereits einen Mangel in der gleichen Pid1tung, daß audi ein Futter, weldies an und für Sidi ohne Sdiatteneinwirkiihg, vielleicht sogar an einem
Die Verantwortlichkeiten für die menschliche und tierisdie Gesundheit, die hier sid1tbar werden Südhang heranwädist, nadi Meinung der Bauern Sdiattendiarakter bekommt, wenn es unordentlidr
und nur angedeutet werden sollen, nötigen zu einer Fortsetzung der Betrachtung. Es erscheint be: bewässert worden ist, oder wenn es einer treibenden Düngung, sei es mit unsachgemäßer Kunst:
deutungsvoll, für die Viehställe Bilanzen ihres Strahlungshaushaltes, ihrer Kräfte:Einnahmen und düngung, sei es mit ungeeignetem Naturdünger wie z. B. Gülle, unterworfen werden ist. Die durch
:Ausgaben aufzustellen. die Sonnenlage an sich vorhandene Strahleneinwirkung kann nidit entsprediend der Massenvermehrung
des Futters verstärkt werden. Die einfache ;bäuerlidie Ansicht geht dahin, daß durch unbedachte
Kräftehaushalt der Haustiere Behandlung zwar die Masse vermehrt werden kann, daß aber ungefähr im selben biaße die
Aus dem Vorangegangenen ist bereits zu erkennen, daß auf der Einnahmeseite eines soldien Qualität des Futters zuriid<bleibt. 1
Kräftehaushaltes sehr unterschiedlidie Posten der Einwirkung von frisdier Luft und freiem Lidit
22 23

So wie man vorher dazu gelangt ist, einen Haushalt des Viehstalle_s an Strahlungskr'a‘ften logische und dynamische Intensivierung durchgeführt wird, sei es im Futterbau, sei es in der Vieh.-
gesundheit, sei es in der Dünger: und Bodenpflege.
ins Auge zu fassen, so kommt man jetzt mit Notwendigkeit zum
Studium eures Strahlungs=
haushaltes beim Futter. Will man ihm gerecht werden, so handelt es s1chydarum,„ auf reden Verstärkung des Strahlungsgenusses im Pflanzenbau
Fall ein Gleid‘igewicht zwisdien
" Quantität{
und
rer in dem Futter au zuspei em. ätrahlungsqualrtat
zu halten, ra womoghch einen
>
‘ Mari wiirde aber weder den Maßnahmen der biologisch:dynamischen Wirtsd1aftsweise, noch
audi den älteren Kenntnissen des Landbaues gerecht werden, wenn man nicht noch auf blöglich:
UberSE/Iälfi isclnaifflzileiesem
Gebiete heute noch außerordentlich darauf angew1ese_n, die Erfahrungen
der Praxis zur Richtschnur zu nehmen, denn wissenschaftliche Arbeiten einschlag1ger Art Sind nur
in geringstem Umfange vorhanden.
keiten hinwiese, wie der Strahlungsgenuß der Pflanzenwelt und namentlich des in besonders wich:
tiger Weise im Kreislauf stehenden Futters verstärkt werden kann. Um zu verstehen, um was
es sich dabei handelt, ist ein Blid< auf den Weinbau vorteilhaft. lm Weinbau ist es unverkennbar,
Siallmist ist nicht gleich Stallmist (h d s ][ daß die bei dieser Kultur entscheidende Qualitätserzeugung nur durch eine entsprediende Ausnutzung
der Einstrahlungen des Kosmos zustandekommen kann. Rebberge werden nicht so sehr nadi ihrer
” raktikerbeobachtun en zählt es nun auch, daß ein Unterschied zwis en em ta .— Flädiengröße, als vielmehr nach ihrer Sonnenlage bewertet. Ein Rebberg in der Ebene gilt nidit
mist
véä %i2hEerden gemadit wergden muß, die das ganze Jahr übernim Stall stehen, und solchen
Herden, die wenigstens den Sommer über auf freier Weide gehen konnen. Zunadast ist naturhch
zwisd1en soldien Herden ein Unterschied in der Menge des Stallmiste5, den der Landw1rt_ zu
soviel als ein solcher, der im geeigneten Winkel zum Sonneneinfall liegt. Um an steilen Hängen
das dauernde Zusammenwirken der irdischen Elemente Erde und Wasser mit dem himmlischen
fassen bekommt. Auf der Weide verzettelt sich viel Dünger.
Man _
bekommt in Vielen Fallen Elemente des Lichtes zu gewährleisten, hat man sich in vielen Weinbergslagen der großen Mühe
unterzogen, Erdstufen zu bauen eine gewaltige Arbeit, um den Sonnenfang für die Qualität
St%%ingen
:—

von Weideherden nur jene Menge von Stallmist zu fassen, die im


Winter den
in
des Traubensaftes über Menschenalter hinweg einzurichten.
anfällt. Aber man kann Urteile hören, daß diese geringe Menge
von
Mist von gesundem eide:

Ddie
Vieh die gleiche Endwirkung auf den Pflanzenertrag ausubt, wie die große Menge von Mist, Das Aufsammelri der qualitätsroirksamen Strahlungen verfügte aber noch über andere Maßnahmen. Man lese die
Arbeiten des Weinbauforschers Brenner aus der Zeit vor hundert Jahren. Man wird finden, daß man damals wußte,
das ganze Jahr hindurch von Vieh mit ausschließlidrer Stallhaltung gewonnen werden kann.
„fr daß das Sonnenlith eine besondere physiologische Wirksamkeit erlangt, wenn es vom Wasser wiedergespiegelt wird.
Urqualität des Mistes, je nachdem ob er von durchsonnten Tieren oder von
wird eine ausschlaggebende Bedeutung beigemessen. Es leuchtet ein, daß dabei auch ie utter: Shattent1egen En
a t, Die Kenntnis von der hohen biologischen Kraft des Widersd'ieins eines Wasserspiegels ist keine moderne wissenschaft:
liche Entdedrung. Die Beobadrtungsfähigkeit der Voroäter hat den Wasserspiegel sd1on früher als Kulturhilfsmittel benutjt.
qualität eine große Rolle spielt. Brenner spricht aus, dal"; man für einen Rebberg etwas besonderes tut, wenn man ihn an einen Südliang nördlich einer
Wasserfläche anlegen kann. Audi weist er darauf hin, daß es bedeutungsnoll ist, wenn man an dem Südfuf; non Reh.—
Man braucht sich wohl in Betrieben mit einseitiger R iibenwirtsdraft
_
und mit niet Handelsfutter nicht 3u wundern, bergen Wasserflädren in Form von Teichen anbringen kann.
getri eben werden kann, sondern Abmelkwirtschafi durch:
wenn in den Vieliställen häufig eine
" '
aussichtsreiche
efuhrt werden niuf, wenn der Mist, der
'
Zucht nidit
_
unter monatelangen Dur chfällen
vielfach 3ustandekommt, weder guten (1erudi
ri Bodenmiidigkeiten nicht behoben wer.—
Es ist des weiteren bekannt, daß die Mauern in den Rebbergen früher inanchesmal blendend hell getiincht waren.
Auch sie warfen einen Widerschein in den Rebberg hinein.
i'ioch
vorteilhafte Vergärung 3eigt, wenn schließlich non derartigen Naturdunger
den können. „

„ .
}
Im höchsten Falle wurde im Rebberge eine Gesamtlage zustandegebracht, welche sehr wohl
Eine Kenntnis des Zusammenhangs der hier gemeinten Dungerquahtat mit deanutter sprrdit mit der Lage im Innern eines Brennspiegels verglichen werden darf, weil sich dort die unmittel:
baren Strahlungen der Sonne mit dem Widerschein von Gewässern und Mauern vereinigte.
'
r \Wertsdfa'tzun des Mistes, der auf den Almen gewonnen wird, aus.
Trotzdem

Vieles von diesen geistreichen alten Winzerkenntnissen kann sinngemäß auf den übrigen Landbau
fifsl Alf)Itlallirierciledes
Mistes vong
den Almen heute als Raubbau gebrandmarkt gw1rd,
WDll}€{n};/le_le übertragen werden und Nutzen im Kräftehaushalt sd1affen,
Bergbauern diesen Mist in ihrer Talwirtschat't nidit missen. In den Zeiten, in u
noch für ausgesprodrene Arzneizwedrce verwendet wurde, nahm‘ man nicht {reden Ku_ unger
die Arzneien, sondern man bevorzugte solchen, der auf Bergwe1den (z. B. im Erzgebirge) an ie,
dmffä“ mfiFulr_st Die Bedeutung des Kiesels fiir die biehtmiizung
Unter den Kenntnissen, weldie Bronner bei seinen Reisen durch die deutsd1en Weinbau:
Verbesserter Mist durch Auslese und Kräuterzusaize D“ gebiete aufgefallen sind, ist hier noch eine besonders bemerkenswert.‘ Er hat festgestellt, daß in

dem Zeitabsdrnitt von 1800 bis etwa 1830 das Rigolen bei der Neuanlage von Rebbergen in der

sich für besondere Düngerwirkungen, wie man sie sich von zarten ungergussen Pfalz eine Änderung erfahren hat. Während man dabei ehedem möglichst alle größeren Steine
versprjdlilclhrrkä‘fin,
einen hochwertigen Mistvorrat (von geringer Menge) sd1affen, so ist eine
sprechende Auswahl und Zubereitung des Rohstoffes von .Wldlilgkßli. Bei. derBere1tung_earres
ent: auslas, packte man in diesem Zeitabsdanitt die faustgroßen Steine in einer besonderen Schid'rt
wieder in den Boden hinein. Bronner stellt fest, daß dies nidit in den Gegenden mit Kalk:
Spritzmittels aus reinem Kuhmist, wie es z. B. das Praparat 500 der biologrsdi:dynamiS
Wirtschaftsweise ist, kommt u. a. ein bedeutungsvoller _Schr1tt dadurch zustande, daß en mgjnfl
den gestein üblidi geworden ist. Die urwiichsige Beobachtung hat es also mit sich gebradit, daß die
Maßnahme auf Kieselgesiein beschränkt blieb. Bronner hat selbst Vorteile im Wachstum der
Dünger nidit von Tieren mit ausgeprägter Stallhaltung nimmt,
auswählt, der von gesunden Tieren bei freiem Werdegang,
sondern daß
man
beudem
Sie auch den soldien! kunger
fn_gt_m tZer
Reben feststellen können, die auf diese Maßnahme zurüdcgehen.
Man wird hier auf die besondere Rolle des Kiesels bei der

Qualitätserzeugung im Pflanzen:
Nahrungswahl betätigen können,
‘ " '
anfällé.
Ein
soldger '[Du’régqumlt na;i;folgender
ra sstei erun 0 ne un esun e rei wir ung ia .
sorg atiger u.

Wachstum hingestoßen. Es wäre möglid-r, ältere Geptlogenheiten von Landwirtschaft und Garten:
bau aus der ganzen Welt als Beispiele dafiir herbeizubringen, daß eine instinktive Kenntnis und
beremllrigdälr)tbisozlglglisdläiiiyfgiamisghen %Virtschatts%veise
wird auf die Qualität aller Naturdungergräsen
noch dadurch eingewirkt, daß besondere Heilpflanzen wie}Sc_hafgarbe, Kamille, Brennessel, bi_
edn:
Benutzung der Kieselwirkung auf die Pflanzenwelt vorhanden war, Man ist in neuester Zeit
von verschiedenen Seiten her auf die Rolle des Kiesels aufmerksam geworden. Man hat schließlich
rinde, Löwenzahn und Baldrian nach geeigneter, hauptsadahch kompostartrger
Vorbereitung_dlei
er gedacht, daß es notwendig ist, Kiesel wie die sogenannten Kernnährstoffe in großen Massen an
Verrottung zugesetzt werden. Es leuchtet ein, daß die Wirkungen solcher
auf die Düngermassen selbst beschränkt sind, sondern daßrhre
Wirkungen sich
Hedkrauter
ie tfnärr
auchnoä!I?hht'
das Pflanzenwadistum heranzubringen. Es soll hier nidits gegen solche Bestrebungen gesagt sein,
die am red1ten Platze Bedeutungsvolles zu wirken vermögen und immer weiter ausgebaut werden
Lebewelt des Bodens ausdehnen, der mit sold1em zubere1teten Dunger
Pflege des Naturdüngers ist eine Maßnahme, welche verhindert, daß das Futter w1e uberhaupt ie
behandelt wird.
]
idge sollen. Der Schöpfer der hiologisdr:dynamisdren Wirtsd1aftsweise, Dr, Rudolf Steiner, hat aber
darauf aufmerksam gemadit, daß eine Hauptrolle des Kiesels darin besteht, die Einstrahlungen
Kulturpflanzen die Kennzeichen von Schattenwuclis annehmen. des Kosmos der Pflanzenwelt in verstärktem Maße zu vermitteln, wobei zu dieser Vermittlerrolle
Der in sich zurücklaufende Kräftestrom des
Beimebsorgargsmus
d' k 't _
idet man durch hochentwidcelte Naturdiinger:Bewirtsdraftung die otwen ig ei , zuge:
keine großen Kieselmengen nötig sind. Er zeigte, daß es dafür mehr auf die richtige Zubereitung
und Anwendungsart des Kiesels als auf große Mengen ankommt. Aus soldien Einsichten heraus
lehrte er eine Art homöopathischer Kieseldiingung. Es werden dabei die grünen Pflanzen in
kaufteYDäfger in einen Betrieb hineinzunehmen, so wirkt
vorn
gesunden hutlerwadgstum tund vdom einem geeigneten Wachstumszustand mit zubereitetem Kiesel in feiner Weise besprüht (Prä:
gesunden Viehstall aus ein guter Dünger, der noch durch Krauterwirkungen
kann, in bedeutungsvoller Weise auf das Pflanzenwachstum zuruc‘lc.
Ein
aiufge}{essferl<}rweg
geschlossener rg1 te au , {e„is 6?
parat 501 der biologisdr:dynamisdren Wirtschaftsweise). Diese dynamische Kieseldiingung wird
nun sdion ein Jahrzehnt hindurch mit guten Ergebnissen angewendet, namentlidr audi bei der
in dem die Strahlungswirkungen des Kosmos an allen
Stellen"
als wrrksam erkannt wer
inhonrli3en, Förderung des Futterwadistum3 und der Futterqualität. Man hat hier ein widitiges Hilfsmittel, um
wird zustandegebradit. Obwohl dabei am rechten Platze
Dungungsrnaßnahmen zusian
von Clcly<er
e-
an aussdilaggebender Stelle stärkend in den Kräftekreislauf des landwirtschafilichen Betriebsorga:
deutung sind, ist die gesamte Betriebseinrichtung noch wichtiger. _Sie kann nur
wenn an den entscheidenden Organen des 1andwirtsdratthchen Betnebsganzen die notwen rge 10-
edomrrgen, nismus einzuwirken. .
;‘w/azzz'z—F
‚„

25
24
Wundersam aber ist das Wasser gezügelt, wenn Hänge und schrägliegende Flächen gestuft
Erhöhter bichtempfang im biologisch-dynamischen handbau gestaltet sind; es entfaltet dann seine schönsten Eigenschaften. Das Wasser wird von den durch
Es wäre nun noch manches an Einzelheiten für die Haupt: und Nebenorgane des land.- die Stufungen entstandenen Flächen wie in flachen weiten Schalen aufgenommen. Diese Flächen
wirtschaftlichen Betriebsganzen aufzuzeigen, wie etwa die Rolle der Gestirn5beadlfung,üoder die können als große Gefäße aufgefaßt werden, in denen das Wasser feinstperlige Verteilung in allen
Bedeutung des Heckenfutters für die Haustiere, oder namentlich
die Bedeutung naturgemaßer Tier,-
arzneien (°Weleda:Arzneien), wie sie aus medizinisdren RatschlagenflDr. Rudolf Stemers heraus
Poren des belebten Bodens findet. Dort ist es nidit zur Flüssigkeit geballt, sondern als Dunst
und Tau in allen feinen Bodenräumdien und Kämmerchen. Es sucht und findet mit allem im

heraus das Wesen und die Bedeutung des in sich gesmlossenen durfte
entwickelt werden konnten, und vieles dergleichen mehr. Dod1 aus
dem Vorstehende„
er:
Boden Verbindung und wird zum Träger widitiger Stofflichkeiten. Audi in dieser Dunstform ist
es bewegt und gleitet im Boden auf und ab. Nicht nur mit Stoffen belädt sich das Wasser,
Beinebskre13laufes
genugend
sondern audi mit Kräften. Dadurdr wird es erst recht die Ursache einer Belebung. Soldier Tätigkeit
kennbar sein, ebenso wie die mannigfachen Maßnahmen,
schaftsweise zur Schaffung und Fortentwicklung des folgendrtcgenweldie die
biologism:dynamisdée
Kraftestroms
im Wirt:
etneb5.- des Wassers dient in Ebenen sd10n eine dem Bodengefiige angepaßte Bodenbearbeitung. Im hän:
ganzen beiträgt. . . “
_ k „ f gigen Gelände jedodi reicht diese allein nidit aus. Selbst durch reichliche Zufuhr von Naturdünger
mit seinen leimenden Bestandteilen kann dort die eintretende Zerstörung des Bodengefiiges nicht
Die bewußte und vielgestaltige Hereinnahme der Liditemflu$se und der damit ver
äurgten aufgehalten werden, wenn dem Wasser nidit das geeignete Ruhegefäß im Boden gesd'iaffen wird.
Kräuterwirkungen gestattet eine Uberhöhung dessen, was
möglich gewesen ist. Dies lehrt audi die langjährige Praxrs. fruher
auf landw1rtsdiafthdriem TB iete
'
.
Nun wird die Mühe und der Fleiß unserer Vorväter verständlich. Sie wußtcn sehr wohl,
was sie im Erdstufenbau nidit nur für Sidi, sondern audi für ihre Nachfahren gesd1affen haben.
Es ist hier nidit der Platz, um alle Auswirkungen eines derartigen>V_orgehens zu beschrei: Sie scheuten in der Ausführung solcher Werke oft selbst bei felsigen Hängen nidit zurück.
ben, denn das würde eine umfassende Vertiefung in die unersdropfl1ch segensrerche Rolle der
wirkungen in der Natur überhaupt erfordern. Nur noch eine einzelne Seite der Sache sei ier Sonn}e_n: Im Erdstufenbau ist aber nidit nur ein Regler des Wasserhaushaltes gegeben, sondern häufig
ist gleichzeitig ein weiteres Bedeutungsvolles damit bewirkt, nämlich die Sammlung und Zurück:
haltung eingestrahlter Wärme und gleichzeitig eine erhöhte Ausnutzung des Lichteinflusses. Speicher
erwahth-arikonnte in den Zeiten der offenen Grenze, etwa 1931/32 oft hören, ‚daß es_wohl_das
Beste sei, die Landwirtsdraft in Mitteleuropa allmählich fallen zu lassen, da ein aussuhtsguher
und Rückstrahler der Wärme sind die Böschungen bezw. die durch die Stufungen entstandenen
Vertikalflädien, besonders in der Form der Futter: oder Trod<enmauern (siehe Reinboth‚ De:
Wettkampf mit dem Landbau in den Tropen mit ihrer Sonne doch nicht moglich sei.Ch_
nach Schließung der willkürlidaen Einfuhr und angesichts der Notwendigkeit, so lebenswr tigeChr: 8%m’ meter 1935 Nr. ll). Eine Erhöhung der Lichtwirksamkeit wird manchmal durd'i die rüdr:
strahlenden Vertikalflächen im Stufengelände erreicht. Das ist in Gegenden mit einer nur geringen
zeugnisse wie die Fette im Inland in zunehmender Menge hervorzubnngen,_kann
man soéitanhfis Anzahl von Sonnenscheinstunden von Bedeutung. In südlichen Ländern, in denen die Sonnen:
zaghafte Wort vernehmen, welches die einheimische Natur der notigen Leistung fur ig at.
Die biologisch:dynamische Wirtschaftsweise zeigt aber durch ihre}Erfahrungen wie durd11 re Lganze unf; wirkung oft ins Ubermaß zu kommen droht, wenn ihr nidit aus dem Erdreich ein Ebenrnaß an
Feuchtigkeit entgegengebracht werden kann, bildet die Wasserhaltung der Erdstufen das Mittel
Einstrahlungen der Sonne wie iiberhaupt des Kosmos in heimatlichen
naturwissenschaftlidie Betrachtungsart Möglichkeiten auf, im einem Lande die
bisher stellen.
nicht vorhan}(e[n[e3n
gewohnt;n
_a e
zur äußersten Ausnutzung der verfügbaren Strahlung.
Die Bildekräfte der Wärme und des Lichtes bringen bei den landwirtschaftlichen und gärt:
einzufangen und in den Dienst der Ernährung von
Mensch und Tier zu 51% aé einen‘ nerischen Erzeugnissen die innere Güte zustande. Die Erfahrung lehrt, daß durch die Einrichtung
Kampf gegen ein vermeintliches Schidrcsal mutig und tatkräftig aufgegriffen, hat ein
guten Anfangsergebnissen begonnen, das die he1mathche Sdiolle gemssermaßen na er an re
Sonne heranhebt.
en räi_i
Vhtre des Erdstufenbaues besonders edle Gemüse und Früchte hervorgebracht werden können. Dabei
spielt die Lage zu den Himmelsrichtungen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Neben dem Studium der Lage für die Entwidclung des Erdstufenbaues in einer Gegend
ist die Gestaltung der Stufen in Bezug auf die 'Höhe der auszuführenden Trod<enmauern oder
für die Tiefenentwicklung der Anbautlächen nidit nur aus dem Geländeverlauf vorzunehmen,
sondern hier ist der Einfallwinkel des Lichtes und seine häufigste Rüd<strahlung von den Vertikal.-
Der Erdstufenbau in Landwirtschaft
Max K. Schwarz, Worpswede
und Gartenbau fläcl'ien auf die Horizontalflächen zu beachten. Das kommt insbesondere in nördlicheren Gegenden,
wenn dort Erdstufenanlagen zur Ausführung gelangen sollen, in Frage. Es bedarf jeweils eines
besonderen Studiums dieser Wärme: und Lichtwirksamkeiten, um die Gestaltung der Stufen durch
Vorsprünge der einzelnen Stufenflächen oder Einbuchtungen der Vertikalflächen nodi zu erhöhen,
kultur fle t sdion seit alten Zeiten im hängigen Gelände den Terrassen: oder
'

um auf diese Weise' eine Art von Sammelräumen für Wärme, Licht und Luftfeuditigkeit zu
Erdsttlféf1bäié%li vieleanäädern unterzog sich der Landbebauer
lehnen und geneigten Bodenflächen der unsäglichen Muhe, durch
in der Bewirlsd‘iaftung von
Erdstufenbau nahezu wagte Bag:
ie
erlangen. W asserführende Gräben oder Wasserbecken auf den Anbautlächen erhöhen die Licht:
strahlung durch Spiegelung auf die angebauten Kulturen und steigern damit noch die Güte der
Flädien für die Bestellung zu schaffen. Er bildet überall den Ausdruck hochster und
Bodenkultur, doch beschränkte er sich nicht auf nur gärtnensch genutzte Flachen, sondern wur e
mtensrvs(gr auf ihnen gewonnenen Erzeugnisse.
'

in der höher entwickelten Landwirtschaft ebenfalls ausgeubt.


(
Beim Erdstufenbau in südlichen Ländern ist Bedad1t darauf zu legen, die Wärme: und
Lichteinfliisse zu dämpfen. Das kann in soldien Gefilden durch einen Uberbau in mehreren Stufen
Zur Herstellung eines Zustandes äußerster Fruchtbarkeit erweist es Sich fast durchweg notrg, der Kulturpflanzen erreicht werden. So lassen sich auf den horizontalen Flächen neben Wein
das Wasser und seine Lebendigkeit in den Vordergrund zu rucken.
'

an pergolaartigen Gerüsten auf der Erdstufenkrone oder Straudaobstbänder an derselben Stelle


Aus den Quellen in den Bergen sprudelt das Wasser, rieselt stufenweise unddurch:
zu Tal noch Buschbäume und Hochstämme pflanzen und die nodi freien Flächen darunter durch Gemüse

Bach u£tdrii‘1ei
t r [fg—‚S
feuchtet ansd11ießende Anbauflächen rnit Gemüsen, Früchten und Ziergewamsen. Es aller Art besetzen. Hier kommt es.darauf an, die Humuswirksamkeit zu erhöhen, was durch
entgegen als ewig bewegt, als im Kreislauf befindhdr, bald als Fluss1gke1t in , die schattenspendenden Bäume und Sträucher erreicht wird.
bald im Nebel und Tau der feuditigkeitsgeschwängerten Luft, sdrheßhdi in
im Gefüge des Mutterbodens. Belebter Boden, Pflanzenwachsturn, das einen
ebenso feiner _Iebrrang
Schirm efr 1Chriri
ii
ei
Es gibt in vielen Ländern uralte Erdstufen. Ein neuer, aber für den allgemeinen Landbau
nur schwacher Aufruf zum Terrassenbau erfolgte in der Zeit der Renaissance. Er machte sich
bildet und windgesdrützte Räume der gegliederten
Landschaft behuten und
ordnen„sernerlidlru & mehr in den kostbaren Gärten der Reichen geltend. Zu sehr wurde dort der Erdstufenbau zur
baren Kreislauf. Fehlt der gepflegte Mutterboden, so wird Pflanzenwachstum
das kummeri_
äi‘iin‘ Unterstreidiung der prunkvollen Paläste und Landhäuser angewandt. Dennodi ist der damaligen
es besteht keine räumliche Gliederung, die Schutz gewahrt. Der Kreislauf des
durch unterbrochen, und es lösen sich als Folgeerschemungen lang andauernde Wa3äfrshwir
Tro eätet;j1r3:a.‘
en
Gestaltung ein deutliches Wissen um die Wesenheit des Wassers abzulesen. Ist es doch in
diesen Praditgärten bald einmal bezähmt zu geruhsamen Lauf, um hernach sogleich wieder ent:
schlämmenden Niederschlägen ab. Beides ist hängigen Kulturboden außerordentlich &] ihr.
Als Regenduß und :sohwall ist das Wasser zerstörerisch. Es erhalt im Gefälle ungeahnte . u .
ver fesselt wild in Kaskaden herabzustürzen oder einen Strahl aus schön geformten Wasserbed<en in
die Luft zu schid<en und hierauf lufterfrisdit den Kulturpflanzen willkommene Feuchtigkeit zu
Für Ciele Gebiete ist dem Aufmerksamen die allmählidie Entwicklungder Wasserwntgchaft spenden. Solche Gärten sind eine ausdrucksvolle Verherrlichung des lebendigen und dodi be.-
zu verderblichen Zuständen hin eine schwere Sorge. D124Ä1’1221Cl’12n des Niedergang? Sslr(ih äu:
nächst feine, treten sie aber erst einmal grober in die Ersdie1nung, dann ist der entstehen e a en
zähmten Wassers. Als ein Spiel nur, als ein Luxus mögen diese Gärten von vielen empfunden
worden sein, unerreidibar für den schwerarbeitenden Landbebauer.
oft kaum ned: eindämmbar.
26 2?
verbesserungsarbeiten, Entwässerungen, Fluß: und Badibegradigungen, Erschließung der Moore
Emsigkeit betrieben. Dort wird abrieselnde Erde audi heute noch bisheute
Nur im Weinbau wird der Erdstufenbau von altersher mit gleich gebliebene;
mühsam wieder auf die Kultur.- zu Kulturland, Landgewinnungsarbeiten an der Küste, Aufforstungen usw,
Auch auf allen landbaulich genutzten Sdirägfläehm, denen eine Gefährdung im Erhalt ihrer
flächen zwischen den einzelnen Stufen hinaufgeschafft. _
'
._
Frud1tbarkeit droht, ruft es nach Arbeitseinsatz. Es handelt sich heute nicht nur darum, Neuland
Dagegen ist vielfach zu beobadqten, daß aus einem bedauerhdien Unverstandmsfl
heraus zu gewinnen, sondern auch besd‘i'a'digtes Kulturland grundlegend zu verbessern. Es zählen hierher
Geländestufungen auf landwirtsc‘naftlich bestellten Flädien emgerrssen _in der Schrage des
und
ursprünglidren I-Ianges verebnet werden. Es wird geltend gemacht, daß die Stufen der Wirtschaft.-
audi die vielen, vielen Schrägflächen, weldie für gleichmäßige und hohe Ernten zu verbessern wären.
Der deutschen Landwirtsd1aft würden durch eine solche Maßnahme sehr große Werte zuwachsen
:\
können. Eine weitere Sid1erung der Volkser:
i,) 5‘°f°mbflwwf nährung würde entstehen, abgesehen von den
unter \Jeria1ndunß; uom_5'c'nim -oa„ Welern‚stoiyitholz
f .. Möglichkeiten des Ansatzes einer größeren Zahl
33125,;1Lrtmw„„‚1.%%

5
von Siedlern. Die Verbesserungen der Böden
Shi35e 1 Zeichn.: H. Berndt 0uer:.:‘ri‚mit: in ihrer Güte und Ertragssicherheit läßt die
Möglichkeit zu, Land an Landarbeiter zum Auf:


lichen Bestellung mit Maschinen im Wege seien. \Vas ist von einem soldien Vorgehen zu er: bau eigener Betriebe abzutreten.
warten? .. Auf schwadi geneigten Flächen vermag sich
Das Wasser findet im Boden nidit mehr das ausgleichende, haltende Gefäß vor; es bekommt der Landbebauer bei der Einrichtung von Erd:
Schuß nach unten. Oben entstehen durd1 Abschwemmung der Feinerde trockene Ge: allmählid'i ., stufen selbst zu helfen. Hier zeigt es sich
]
. . .
filde und unten am Fuße feudrte, mand1mal sogar sumpfige. Es kann emieuchten, wohin solche ' schon wirksam, wenn er nicht in der Neigung
Vorgänge, wenn auch ganz allmählich, fiihren. . — . der Flädie rauf und runter bestellt, sondern die
Pflugfurchen in der Richtung der Höhensdiidit:
sm" 4 zmdmh Hi Bemch
linien zieht. Die abwärts liegende Anwand wird allmählich durch das Hinwegpfliigen vom Hange
zu einer aufhaltenden Schwelle oder zu einem Erdwall ausgebildet (siehe Skizze 1). Dieser Wall
ram ia an.—ma <.„7,5 _„

läßt sich nad1 seiner Fertigstellung mit freitragenden Hecken oder audi mit Busdiwerk bepflanzen.
mt‘:uulqeleqten mit {loch aufetm '

Qusiziisodzf.
.
wuterqev_sofichbatqn
EmenaoctE/i.
Solches Vorgehen ist auf lehmigen, tonigen und sandigen Sdirägflädien ohne besondere Schwie:
rigkeit durchführbar. _
Sehr ersd1wert ist hingegen die Anlage von Erdstufen an felsigen, steileren Hängen mit
einer nur geringen Mutterbodensdridrt. Dort sind die einzelnen Flädien zwischen den Streifen ent:
sprechend schmal zu gestalten, und die Stufen selbst werden in Trodcengemäuer aufgeführt. Das
sind bereits umfangreidie Arbeiten, die ohne Hilfe des Reichsarbeitsdienstes kaum zur Ausführung
Shi33e 2 Zeichnfl H. Berndt gelangen können. In solchen Lagen ist wohl meist noch Mutterboden auf die Bestelltlächen auf:
zutragen, der vielfach ohne Sdiaden aus den Talmulden genommen werden kann.
Daher ersd1eint es als ein ernstes Gebot im Landbau auf hängigem Gelände den Erdstufen: Die Bestellungsarbeit auf den fertigen
bau, dort wo er ‚vernachläßigt ist, erneut zu pflegen und ihn, wo er noch__n1drt besteht, einzurichten. Stu team sol ictunq Stufenflächen ist eine bedeutend leichtere als
Die bestehende Forderung, auf einheimischer Scholle die gesamte Ernahrung unseres Volkes zu miemizruummq mw. 3mc‘f. 'Üd Ceid$eiri.
ehedem auf der geneigten Fläche. Hinzu tritt
erzeugen, legt auch die Frage des Erdstufenbaues nahe. Der Einzelne 1edoch stehtfibei der ge: neben Zeit: und Kraftersparnis das größere,
spannten Zeitlage, dem Mangel an Arbeitskräften und
über. In der Landwirtschaft ist es noch sdiwieriger alsum Gartenbau.
an
Geld soldien Fragen ohnmad‘itig gegen:
.

in. z*>;}‘uii1
höherwertigere und gesichertere Ernteerträgnis.
Die Lebendigkeit des Bodens ist nicht mehr
bedroht, wächst allmählich in die Tiefe und er:
höht damit die Mutterbodensdiicht. Es zieht im
Gefolge eine einträgliche Intensität auf Fläd1en
ein, die vorher mit großem Müheaufwand und
trotzdem nur extensiv bestellt wurden. Der
Kulturpflanzenanbau kann eine erhebliche Er:
'weiterung erfahren und kann vielfad1 in eine
mehr gärtnerisdie Form übergeführt werden.
Schmale Stufentlächen lassen sich besonders
‚_ Zei „_, _ B gärtnerisch günstig nutzen. Neben Wein sind
Sklßz 5 dl H mm es Beerenobst, Busdiobst (wie Apfel, Pfirsiche,
Sauerkirschen), eine große Zahl von Gewürz: und Heilkräutern neben den versd1iedensten Ge:
miisen (in hervorragender Weise Tomaten, spanischer Pfeffer und Eierfrüchte), die vorzüglidi auf
gestuftem Gelände gedeihen, vorausgesetzt, daß dieses vorteilhaft zu den Himmelsrichtungen liegt.
Die Stufen zur Gewinnung von geeigneten Nutzflächen können in versd1iedener Art ausge:
bildet sein. Dabei soll jedodi danadi getrachtet werden, daß die senkrechten Stufen selbst auch
noch einen Nutzen abwerfen.
Aufn.: Photo Döner Im allgemeinen sind vier Arten von Stufenausbildungen bekannt:
Bild 3 a) Die Böschung als Stufe. Um ihr Halt und Bestand zu geben, ist das Neigungsverhältnis
mindestens 1 : 1 auszubilden. Am besten erhält sie nadi ihrer Herstellung eine Befestigung
ist eine Auf gabe, die aus der Gemeinschaft
E d t f nbau . _
heraus
. . wäre.. Sicher _
zu lösen
durch aufgelegte Rasensoden, die hin und wieder zu verpflodcen sind. Je nach Boden
ist
sieDaeiich insatlte8n
Zeiten so angefaßt werden. Im Reidisarbe1tsd1enstust ein
verb1ndendes
gemeinschafts:bildendes Glied zwischen den Landbebauern und den ubngen Teilen der Volksge:
nun. und Lageverhältnissen kann eine soldte Bösd1ung auch im Neigungsverhältnis 1:0,5 ge:
baut werden. Hier ist es aber angebradit, die zur Befestigung dienenden Rasensoden fladi
meinschaft erwadrsen, Er vermag nach allen Riditungen hin segensre1chgzu wrrken. Schon reizt
ist ihm ein erheblicher Anteil im Ausbau der Ernährungsgrundlage zugew1esen, so z.B. in Land: aufeinander gesdiichtet einzubauen (siehe Skizze 2).
29

"
Bei der Terrassierung selbst ist nun folgendes zu beaditen. Zunächst einmal muß die in
sollten inmitten ihrer Nei ungsfläche nodi einmal gestuft werden, sodaß Frage kommende Fläd1e vermessen werden. Dabei ist es widitig, die Höhen einwandfrei zu er:
eine
‚%?eärä'ieläosi/ddhlnägl‘ßfllßo
Beerenobst vorzii lich ei net.
m Tiefe entsteht, gwelche sich zur Pflanzung von Busch: oder
‘ ’

.
'
mitteln, damit eine möglichst genaue Bodenbereihnung aufgestellt werden kann. Um eine genaue
Beredinung zu bekommen, ist es erforderlidr, die Höhen im Abstand von 5 m aufzunehmen,
b)
Stufenausbifdungiinter Verwendung von Flechtzäunen aus Reisig (siehe Bild 3
„Gartenbau: und Siedlersd1ule Worpswede“). ,
“‘ ' ‘
vorausgesetzt, daß das Gelände gleichmäßig fällt. Andernfalls muß der Abstand verringert werden.
Alle Unebenheiten kann man allerdings nidit erfassen‚ man müßte sonst den Boden abtasten.
Diese Stufe soll nidit höher als 60 cm geführt werden._ Ein größerer Hohenuntersctned
durch die Einrichtung mehrerer Stufen zu überwinden, wobei die versdiiedenefl Bermen verschreden
ist Die neuen Höhen werden nun aus den
alten ermittelt und zwar derart, daß der
große Tiefenausdehnung haben können.
\
}

Abtrag sich mit dem Auftrag innerhalb


c) Stufenausbildung unter Verwendung von Fiditen: oder Kiefern$tangenholz. einer Terrasse dedct. In besonderen
Fällen, wo ein Aufliöhen aus bestimmten
Hier wird in derselben Weise wie beim Bau von Reisigfledutzäunen verfahren.
Gründen angebradit ersdieint, z. B. zu
d) Stufenausbildung unter Verwendung von Bruch: oder Feldsteinen als Futter: und hoher Grundwasserstand, muß man den
Trockenmauer (siehe Bild Korreshof Seite 29). „
fehlenden Boden von einem höher lie:
So wie für das unter b) und c) Angeführte ist audi für d) in der Ausführung der Stufe genden Gelände herbeifahren.
diese nidit senkrecht, sondern in einer Neigung von rund 15—20 Grad von der
zubauen. Hierbei sollen möglidist gut lagerhafte Steine
zur Verwendung Senkred£fen agrf:
gelangen.N
uch rer
sind Zwischenstufungen und Bermenausbildung günstig und lassen eine eintraglidie utzung zu.
Der Transport der Erdmassen ist
bestimmend fiir die Arbeitsweise. Bei
größeren Entfernungen werden vorteilhaft
Aus der Gemeinschaft heraus können solche Werke wie Erdstufen bei einem ertraghdien Feldbahnen verwendet, jedoch auf klei:
Aufwand zum Nutzen des Landbebauers, der Gemeinden, ‚des und Volkesdes damit Staates neren Flädien ist die Schubkarre geei:
zustande kommen. Heute sind sie möglidi. Sie können ernen_erhebhd1en Beitrag dazu
die Erzeugung auf eigener Scholle zu sichern und sie gleichzeitig in einer hohen Gute zustan e zu bälden, gneter, weil sie beweglid'ier ist. Die prak:
tiSdiste Art des Terrassierens ist zweifellos
bringen. das Rigolen, nur daß hier die Gräben
Bild 2. Während der Bauzeit.
breiter genommen werden. Bei Ver:
Harmonische Aufteilung durd1 niedrige und höhere Futtermauern.
wendung der Feldbahn muß der Graben
»
mindestens 2 m breit sein, bei der Sdiub:
Terrassen im Garten — .: karte genügt 1 m. Zunädist gräbt man nun von dem Arbeitsgraben den Mutterboden ab und
transportiert ihn bis an das Ende der Terrasse, wo er später zum Auffüllen des letzten Grabens
Harry Pelzer, Heynitz M dient. Mari hiite sich aber vor einem zu tiefen Ausschachten, um keine unbelebte Erde nach oben
arten erfol reich wirtschaften, so ist es notwendig, alle _ äglidikeiten zu bekommen. Der in dem Graben nun frei liegende Untergrund wird eingeebnet, also der zu
' ' “

zu
erfäZdän,mevlr/nelleiqe %eenvi/läfierg
für ein
ggesundes, erfreuliches
Wadisen_bieten. „Zu diesen gehort,?
neben vielen anderen wichtigen Erfordernissen, die Terrassierung hangrgeri Gelandes.
hoch liegende Boden nach unten gesdiafft und soviel aufgesdiiittet, daß bis zur festgesetzten Höhe
genügend Raum für den Mutterboden bleibt, im Durdi3chnit120#25 cm, gleidi soviel, wie vorher
Was bedeutet nun die Terrassierung, weldie Wirkung hat sie auf das Pflanzenwadistum. abgegraben wurde. Es ist aber not:
Zunächst einmal läßt die Terrasse eine günstigere Ausnutzung des Regenwassers zu, es
fast restlos ein. Dagegen fließt an einem stark geneigten Hang das meiste Regenwasser 3 ne
äingfi wendig, so viel mehr aufzusdiütten, wie
sich der Boden voraussiditlich setzt, je
'
d' H schicht, das den Pflanzen so überaus wichtige, verle: nadi Bodenart 8—15 cm. Der fertig
ab, und md.” nur das, sondern 12 umus bendigteErdreidi,wirdmitderZertnach
gesduwemmt, wo es hier nun ein üppiges
unten eingeebnete Graben wird nun mit dem
Mutterboden des nächstfolgenden Gra:
Wachstum erzeugt, während die oberen Stellen bens bededct, der neue Graben wieder,
verarmen, und die Feuchtigkeit infolge der wie schon besd1rieben eingeebnet und so
fehlenden Humussdiicht nicht gehalten werden fort, bis dann der letzte Graben mit dem
kann. Die Sonne tut ihr übriges dazu; vorher reservierten Mutterboden ausge:
denn die einfallenden Sonnenstrahlen
nen, ia brennen den hängigen Boden Viel
trodc: füllt wird.
Es ist nidit immer möglich, daß sich
mehr aus als ein in der Waage oder
schwach geneigtes, terrassiertes Land, da 1a
nur der Abtrag mit dem Auftrag in einem
der Winkel der einfallenden Sonnenstrahlen Arbeitsgraben ded<t‚ sodaß ein neuer
ein kleinerer ist. Besonders deutlidi kann Graben angefangen werden muß, bevor
der alte fertig ist. Der eventuell übrig
man dieses an Rasenhängen beobachten, die bleibende Boden kommt in den zweiten
im Sommer schon verdorrt sind, während Bild 3. Ansicht der großen Futtermauer (Trockenmauer).
Graben mit hinein oder umgekehrt, der
gleichzeitig eben liegende Flächen
noch eine Beachtensmert die durdigehenden Fugen.
fehlende Boden wird aus dem zweiten
ganz gute, grüne Farbe aufweisen. Graben geholt, bis der Ausgleid1 kommt.
Ein weiteres günstiges Moment ist die
Bild 1. Zustand
eines
Teiles der Gärtnerei
auf dem Korreshot. Blick iiadi Osten.
durch Terrassierung erreidite Durdilüftung. Muß ein sehr tief liegendes Stück erhöht werden, sodaß der Abtrag nidit ausreicht, wird von
einem höher liegenden Stüdc, bei gleichzeitiger, oben geschilderter Terrassierung, soviel von dem
Die über das Erdniveau herausgehobene Untergrund heruntergefahren, wie zur Erhöhung notwendig ist, Audi hier wird das aufzufüllende
Terrasse ist den Einwirkungen der Luft und des Lidites besonders ausgesetzt, was Sich Wieder Stück grabenweise bearbeitet.
auf die Pflanzen üristig auswirkt. “
. .
'

Hat sich das Erdreidi genügend gesetzt, wird die Terasse fein einplaniert und ist nun fertig
Die durch
dige
Terrassierung bedingte Aufteilung madit den Garten ubersrchthcher,
und die zum Anbau.
Bearbeitung der einzelnen Quartiere ist bedeutend einfacher. Und
zuletzt bietet ein
angelegter Garten ein dem Auge wohlgefälliges, abwechslungsre1ches Bild durch seine mit e— terrassenfor(r3r[ng So vorgenommene Terrassierungen bieten Gewähr, daß der Mutterboden erhalten bleibt.
müsen oder audi Blumen bepfianzten Böschungen resp. Trodcenmauern.
30 31

Meine Beobachtungen bei der Betriebsumsteliung‘


wo durch
Angreßen
die
beim
feinere Bodenstruktur ein höherer Wassergehalt im
Pflanzen braucht man nidit nod1mals zu gießen,
Boden verbleibt. Nach dem
und trotz großer Hitze setzte
auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise sogar im
Sommer 1935 ein freudiges Wachstum ein.
Bei der Jauche, die jetzt auch mit Präparaten behandelt wird, macht sich deren Einwirkung
Oswin Koch, Mollschütz "
audi stark bemerkbar. Sie ist fast geruchlos beim Einpumpen und schäumt nicht mehr. Eine
didce von der Jauche abgesetzte Schlammsd1id'it am Boden der Jauchegrube so wie früher findet
Als ich nadi Kriegsende in die elterliche Wirtsdiaft zurückkehrte, waren infolge von Vieh: man ietzt nicht mehr. Es ist alles gleidimäßig aufgelöst.
und Düngermangel und ungenügender Arbeitskräfte die Felder sehr weit herunter. Es war nidit
möglich, befriedigende Erträge zu erzielen. Die alsbald folgende Inflation ließ keine sichere Wirt.-
schaftsiibersicht zu. Beispielsweise erhielten wir die Zud<errüben:Abrechnung, wenn der Betrag
Audi beim Kompost verspiirt man sehr bald die Einwirkung der Präparate. Während
man fruher mindestens zwei Jahre brauchte, hat man heute schon in einem Jahre einen weit
besseren Kompost. Vor allem sieht man das beim Ausfahren, da man durch die feinkrümelige
für die ganze Zuc‘kerriibenernte soviel ausmachte, wie das Briefporto, mit weldiem die Abrechnung Beschaffenheit des Kompostes eine größere Fläche befahren kann. Nad'i meinen Erfahrungen wird
zugestellt wurde. Der wirtschaftseigene Dünger reichte nidit und konnte durch Kunstdünger nicht
voll ersetzt werden. man auf Wiesen mit soldien gut zersetzten Komposten zusammen mit den Spritzmitteln 500 und
501 bessere Erträge und besseres Futter erzielen als mit den sonst angewandten Mitteln. Das
So kam es, daß wir uns mit anderen Mitteln helfen mußten. Wir verwendeten nunmehr sehe ich schon daraus, daß sich die versdiieden$ien guten Gräser und Kleearten stark vermehrt
auch Gründiingung und Kompost. An Spöttern und Besserwissern fehlte es damals in der Zeit
haben, die seinerzeit fast verschwunden waren.
des ansteigenden Kunstdüngerverbraud1es genau wie heute nidit, wenn wir einen Haufen Quecken Dem Zwisd1enfruchtbau soll stärkere Beachtung gesd1enkt werden. Das gute Gedeihen der
und sonstige Abfälle zu Kompost verarbeiteten. Freilid1 war es nidit der Kompost, den wir heute Leguminosen bei biologisch:dynamischer Wirtsdiaft3weise ist uns hierbei eine große Hilfe. Man
dank der biologisch:dynamischen Wirtschaftsweise haben. Aber fest steht, daß wir schon damals erhält dadurch eine sehr große Masse eiweißreid1en Futters. So ist es möglich, bei günstiger
Erfolg mit Kompost hatten. .
Witterung die Winterfütterung später einsetzen zu lassen. Von besonderer Bedeutung aber ist
Ahnlidt war es mit dem Zwischenfrudttbau von Erbsen, zu dem sich ein Feldnad1bar äußerte: die günstige Wirkung der Zwischenfrudrt auf den Boden. Durch Verrottung der Rüdcstände und
„Mit solchem Grünkram drückt man die Erträge herab.“ Dies war jedodi niemals der Fall. besonders durch die starke Tätigkeit der stid<stoffsammelnden Bakterien wird der Boden mit
Ein anderer sagte: „Verkauf die Erbsen, die Du aussäen willst und kaufe Dir einen Sadc Kunst: Humus und Nährstoffen angereichert. Derartige Felder bearbeiten sich besonders leicht. Die Be:
dünger dafür, so hast Du mehr davon.“ Dies waren damals die Ansdmuungen. Zudcerrüben
nadi Erbsen:Zwisdienfrücht und mit einer Kunstdüngung von 60 Pfund Kalkstidcstoff, 1 Zentner sdiaffenheit des Bodens ist ein watteähnlidaer Zustand, der sich sonst nidit so leidit erreidien läßt.
Thomasmehl und 75 Pfund Kali je Morgen erbrachten Erträge in Höhe des Fabrikdurd1schnittes.
„ {Wie man sieht, übt die biologisch:dynamisd1e Wirtsdaaftsweise auf Boden und Pflanze nur
gu_nshge Wirkungen aus. Wenn nun diese auf gesunden Böden gewadnsenen Pflanzen an das
Es sei audi erwähnt, daß midi manches nicht befriedigte, was ich bei mir und anderen Ver: Vieh verfüttert werden, macht sich das audi im Viehstall günstig bemerkbar. Wie stark das der
sudisanstellern sah. (Idi war Mitglied eines örtlichen Versudrsringes.) Steigerungsversuche waren Fall ist, sieht man an der guten Aufnahme allen Futters durch die Tiere. Im letzten Herbst wurde
oft ohne Erfolg. Die „ungediingte“ Parzelle stand manchmal besser als die mit gesteigerter von vielen Berufskollegen geklagt, daß die Rübenblätter von den Kühen sehr schledit gefressen
Kunstdüngergabe. Fehlsdiläge neuer Düngemittel waren and-r festzustellen. . wurden. Bei uns wurden sie restlos aufgefressen. Ebenso verhielt es sich“ mit alt gewordenem
Am 1. ?. 1929 pachtete ich eine 46 Morgen große Landwirtsdraft. Idi baue dort durch: Mais. Dabei waren die Leistungen zufriedenstellend, zumal audi bei Rübenblattfütterung der Durch:
schnittlich: fall nicht mehr so stark, wie früher gewohnt, auftritt. Im Herbst 1935 wurde der ganze Rinderbestand
12 Morgen Weizen, 2 Mg. Korn, 4 Mg. Gerste, 5 Mg. Hafer, 4 Mg. Kartoffeln,
4 Mg. Futterrüben, 2 Mg. Zudcerrüben, 2 “Mg. Rotklee, 3 Mg. Luzerne, 6 Mg. Wiese,
nach der Grummet:Emte auf die Wiesen gebradit und zum Abweiden— tagsüber angepflodct. Das
Hm: und Hertreiben ging nach einigen Tagen ohne Störungen, sodaß audi zu] Besuch weilende
1], Mg. Leim, ‘/, Mg. Mais als Grünfutter, ‘/., Mg. Mais zum Reifen. ‚Stadtkinder helfen konnten.
Als Zwisdrenfrudit werden 4 Mg. Erbsen ausgesät. Die Qualitätssteigerung durch die biologisch:dynamisdre Wirtschaftsweise zeigt sich besonders
Der Boden besteht zum Teil aus Lehm und schwerem Letten. Im ersten Jahr wurde nodi schnell und auffällig im Garten. Mit Hilfe gepflegten und präparierten Kompostes und einer sinn.-
gemaßen Anwendung der Spritzmittel 500 und 501 läßt sich ein sehr zartes und wohlschmedcendes
ortsüblich mit Kunstdünger gedüngt. Das folgende Jahr lernte ich die biologisdi:dynamisdie
Wirtsd‘raftsweise kennen. Im Laufe des Sommers 1930 setzte ich den ersten Misthaufen auf. Gemüse erzielen. Bei Gewürzkräutern und Blumen ist der Duft viel stärker. Audi halten sich
Warum idi dieser Wirtsdiaftsweise von vornherein zugetan war, liegt an den Erfahrungen, die die Blumen, zu Sträußen gesdqnitten, in den Vasen viel länger. Jetzt habe ich noch Winterastern
in der Stube, weldie im
November vorigen Jahres gesdmitten wurden. An den Erfolgen im
ich oben geschildert habe. Meine Überzeugung von der Richtigkeit der neuen Wirtschaftsweise
hat sich nach dem ersten Versuch bestätigt. Idi habe dann innerhalb zwei Jahren die ganze Garten hat die rechtzeitige Anwendung des Adcersdiaditelhalmtees wesentlichen Anteil.
Wirtsdraft umgestellt. Die schnelle Umstellung konnte ich durchführen, weil ich Gelegenheit hatte, _ Es sei nod1mals auf die in dern biologisdi:dynamisdneri Betriebe notwendige Kompostbereitung
sehr billig Stroh zuzukaufen, wodurch ich durch stärkeres Einstreuen zu,/den nötigen Mistmen: hingewresen. Die Möglichkeiten zur Besd-raffung von, Stoffen zur Kompostbereitung sind kaum
en kam. beschränkt. ICh selbst fahre in die benadibarfen Gemeinden und hole mir dort den Grabenaushub.
Diese wie audi manche andere zusätzlid1e Arbeit danken mir der Acker, die Pflanzen und Tiere
g Uber die schnelle ‚Verrottung des Mistes nach Aufsetzen und Präparieren mit den Dünger:
durch gute Leistungen.
zusätzen 502—507 war im erstaunt. Selbst Leute, die nidit von meiner biologisch:dynamischen
Arbeitsweise wußten, fragten verwundert, was im mit dem Mist gemadit hätte, wenn id1 den
Mist gleid1 vom Wagen streute und der Mist ganz krümelig war und nicht mehr rodi. Ein
„Einlegen“ des Mistes beim Einpfiiigen wie früher bei unpräpariertem ist nidit mehr nötig. Ebenso
erleiditert der gut verrottete Mist die Arbeit beim Masdünenhadcen der Rüben und Bearbeiten Praktische Erfahrungen
der Kartoffeln. Wo man einst die Messer immer voll Mist hatte, sodaß man öfter anhalten und
sauber machen mußte, fährt man heute ohne Stodcen durch das ganze Feld. Die Mehrarbeit des mit der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise
Haufenfahrens und Präparierens wird u. a. dadurch aufgehoben. Dieser stark belebte und mit E. Werner, Schramberg
Kräften angereidrerte Mist übt sidier auf den Boden und die darin lebenden Bakterien eine
bessere Wirkung aus als gewöhnlid1er Stalldünger. Wenn man bedenkt, daß sich im Boden Wenn über praktische Erfahrungen mit der biologisdi:dynamisdien Wirtschaftsweise gesprod1en
eine Unmenge Bakterien befinden, weldie zum Teil den Mist für die Pflanzen zur Aufnahme werden soll, so ist es sdion notwendig, sich ein Bild von dem betreffenden Betrieb machen zu
konnen, in dem diese Erfahrungen gesammelt wurden. Voll auswirken in all ihren guten Seiten
vorbereiten und überhaupt die Bodengare zustandebringen, so ist es erklärlich, daß sie bei diesem
gut verrotteten Mist eine stärkere Tätigkeit entwidceln, als wenn unverrotteter Dünger eingepflügt wird möglichst
sich die biologisdr:dynamische Wirtsd1aftsweise auf die Dauer doch nur in einem Betrieb der
weitgehend dem Ideal eines in sich geschlossenen Organismus genähert hat und’viele
wird. Es madit sich schon bemerkbar, daß der Boden nidit mehr so stark verkrustet und sich Sidi
Mißerfolge bei einzelnen Kulturen werden sich nur erklären und verhüten lassen, wenfi diese im
leiditer bearbeiten läßt. Am besten kann man das im Hausgarten verfolgen, der ja öfter gedüngt
und abgeerntet wird als das Feld. Besonders augenfällig ist das im Sommer beim Nad1pflanzen, Zusammenhange mit dem Betriebsganzen beobachtet und erkannt werden.
33

oa io
Der Pferdemist zum Padcen der Kästen muß zugekauft werden und wird später teilweise
sich hier um einen Erwerbsbetrieb im Schwarzwald, man im den Sinne
der bio.-
logisd£dyffjffifädfien
Wirtsdnaftsweise unter Berüdcsidüigung der hier
vorliegende?) Verhaltn[;ssg ‘?n zur Bodenbededcung, besonders bei Tomaten, benützt. Auf die Wiesen und an die Obstbäume
Klima, Lage, Hängigkeit, Höhe usw. als befriedigend gesund
vor allem die am intensivsten genutzten Flächen,
kann.
arrondiert.
Vorwregend Wird
ansehen
131 g{)o em GrTemusyet au,denäis‚ kommt letzt kein Kuhmist mehr. Die Wiesen, die mit Obstbäumen bestanden sind, bekommen
jetzt nur nodi Komposterde, die zum Teil aus dern Gemüsebetrieb entnommen wird und teilweise
Obstbau angeschlossen ist, getrieben. Zum Ausglerch zw1schen
die nötige Düngermenge zur Verfügung zu haben, sow1e zur gelegentlcd1en
Pflanzen:
und _ ierwe’
un\/Hudrln
Zuglei$tung, (‚Kurlä
1
.-
aus Grabenaushub, Laub usw. herstammt. Jauche wird nur nodi auf den Wiesen verwendet,
die nidit mit Obstbäumen, bestanden sind; dies sehe ich aber nur als Übergang an, bis auch die
hierfür nötigen Kompostmengen zur regelmäßigen Bedüngung vorhanden sind. Im Gemüsebau
produktion für den eigenen Haushalt und zum Mildiverkauf an Private werd’endlzuciei1
ul_eige_-
halten. Weiterhin werden für den Eigenbedarf Hühner gehalten _mit einer Dur] s
mit?
i}rlng ege elf51; en wird bei mir Kuhjaud1e audi im alten und präparierten Zustande nidit mehr direkt benützt, sondern
in diesem Jahr (1935) von 160 Eiern. Einschließlich des zr_emlrdi großen
an Wiesenfiädien für Gemüsefutter, Heu und Ohmd ca. lca_ Ar zur Verfugung, re Huhnerausdau teiwei;e
s e nur zum Begießen der Komposthaufen, sodaß jegliche Treibwirkung ausgeschaltet wird. Der an.-
fallende Hühnermist wird verkompostiert zum größten Teil für die Obstbäume verwendet und zum
mit Obstbäumen bestanden sind. Die Lage der einzelnen Flachen zur Himmelsriditung
kilst sidies
e. kleineren Teil für den Tomaten.- und Gurkenanbau. Hornmehl und Knochenmehl wird seither
[_

verschieden, da aber alles sehr hängig ist (es gibt hier nur sogenannte Bergbauern),
auf West:
at
Osth_angenCl
sob esIgIn er;s
noch nidit benutzt, dodi ist es möglich, daß ich es in kleinen Mengen in Zukunft für die Gemüse.-
treiberei mit in Anwendung bringen werde. Kompost aus Tomatenrückstä'nden wird in flüssiger

doch mandierlei Vorteil; z. B. brannten die Wiesen den und
im letzten Jahr lange nicht so stark aus, wie auf dem Sudhang. Dieser letztere in
er aup:
ist) (mit Hühnernii$t zusammen), wie audi in kompostierter Form verwendet.
sache mit Obstkulturen ausgenützt, die zum größten Teil
Gras als Unterku_ltur ha
Die etwas rauhe Lage hier wird gemildert durch die großen Tannenwalder in er mge ung.
b
CIeii.U Bei der Behandlung des Bodens ist so manches zu berücksichtigen, um ihn für den Anbau
von möglichst vielen Pflanzenarten geeignet zu madren. Wie schon gesagt, haben wir es hier vor:

Bild 2 Aufn.: Erich Werner 10. 8. 1934


Bild 1 Aufn.: Erich Werner 15. (>. 1934

Unterer Garten links: Stangenbohnen mit Rosenkohlzwischenptlanzen
Unterer Garten linhs‘. Salat Stangenbohnen —Erbsen
#

wiegend mit leichtem Sandboden zu tun; dies ist besonders zu beachten und darnach zu verfahren.
> '
r rund besteht vorwie end aus Rotsandstein. Die Niederschläge sind verhaltmsmalhg Als Düngung ist der Kuhmist (wenn möglich audi mit Sd1weinemist vermisdit) zu verwenden,
Gering?hhbefäffrösten
Starken Abkühlung
im Frühjahr
(selbst im l
Sommer % l u ß sehr gerechnet werden und
noch)_ wahrend der vor
deersd11age.
allem auch mit
_
einer sehr
_
aber ich halte es für nötig, ihn in sehr gut verrottetem Zustand zu benützen. Bringt man ihn
nodi strohig ins Land, so hat man den Eindrudc, als würde er vom Sandboden aufgefressen,

Die Kultursdüdrt ist fast
*

“ ' ‘ durdiwegsFleliditcär Säicäi_odendund


er kommt leidi der es, as o regen e.
merstentecls von nur ganz ge.-
_

iedenfalls ist am Boden kaum etwas festzustellen bezw. zu finden, nachdem der Sommer vorbei
ist. Audi in der Farbe des Bodens ist kein Unterschied festzustellen, während er bei der An.-
wendung von verrottetem Mist dodi etwas dunkler erscheint und vor allem belebter ist. Audi bei
rlngzllääar.lAenwifildlclldg
der
Dür%gemittel
ist, je nach den Kulturen,
sehr verschieden.
Herstellung und Verwendung von Komposterde und verkompostrertenM15t w1rd großer
die
g‘e.; V$mf1e;rt der Verwendung von Kompost auf unseren Obstwiesen mit den leichten Böden halte ich es für
legt, wenn auch hierbei noch lange nidit alle Moglid'ikeiten aus Mangel an Arbeit$kratten
sind. Wenn nidit besondere Mittel investiert werden sollen oder kennen, so mußüman, ungheine
enuz sehr wichtig, daß der Kompost sehr stark vererdet ist, damit er nidit in der Sonne verbrennt,
sondern vor allem dem Boden und damit den Pflanzen zugute kommt. Es ersdieint widitig, daß
ideale Düngung für die jeweiligen Pflanzenarten zu erreidien, doch mit langeren
und man muß dabei vor allem sehr planmäßig vorgehen. In dem hiesigen Betrieb sin Wir jezd
Zertraumeg1 re nein; wir nidit durch die Düngung direkt auf die Pflanzen wirken, sondern daß wir den Umweg über
bezw.,durch den Boden machen. Bei der Anwendung von rohen Düngern und Jaudien wirken
wir direkt auf die Pflanze (die rohen Düngersäfte dringen zum Teil in die Wurzeln ein) und ge.-
so weit, daß für die Gemüseanbauflädieri einsdiließlidt der Gemüsetreiberei die
vorhandenenä]und
regelmäßig anfallenden Mist- und Kompostmengen zur fortlaufenden Bewirtsdiaftung aus{€1
sind und zwar so, daß kein Mist aufs Land gebracht wrrd, der nicht mindestens ein ha es es
Dis
rade in unserem leichten Boden ist dies eine Gefahr, da die Pflanzen nachher weit mehr unter
der Hitze und audi unter Krankheiten und Ungeziefer zu leiden haben. Eine verstärkte Anwendung
dreiviertel Jahr auf abgeschlossenen Haufen (mit den Praparaten gersehen) gesessen .12 hat].j und Bearbeitung des Bodens mit Präparat 500 halte ich von Wichtigkeit.
Komposterde für die Frühbeetkästen wird frühestens im Alter 2 /2 von Jahren verwenflet.Ch im-
ie Durch die Verwendung der stark humosen, erdartigen Düngemittel wird audi der Wasser:
Winter aus den Kästen gebrachte Erde bleibt auf Haufen, die mit pr_apanerter Ku
sehen werden, mindestens ein Jahr sitzen und wird dann,. etwa
zur Halfte mit neuer
e
ve;-
iaä.;Imfios- haushalt im Boden beeinflußt. Der Boden hält die Feuchtigkeit besser. Gerade die Erhaltung
der Feuditigkeit im leiditen Boden ist ja von aussdilaggebender Wichtigkeit bei uns. Dazu kann
uns sehr die Bodenbededcung helfen, sei es in der Form des direkten Bededcens des Bodens mit
erde vermischt, wieder verwendet. Bei der Anwendung in diesem Rhythmus
Mangelersdreinungen bei den Kulturen feststellen, und audi mit der Gesundheit der
eine
anzen in konntäjä humosen Substanzen oder sei es durch Beschatten des Bodens durch die Pflanzen selbst. Im
den Kästen bin ich durdiaus zufrieden. hiesigen Betrieb ist im Freiland=Gremüsebau durch die besdrränkten ebenen Flädieii eine sehr in:
35
34
tensive Ausnutzung derselben durch Vor:, Haupt: und Nadikulturen unbedingt notwendig, aber Unter Erdflöhen hatten wir dieses Jahr" ziemlich zu leiden, besonders an den Rettidmn; hier
audi davon abgesehen sind selbst Zwisd1enkulturen besonders zur Besdiatfüflg des Bodens hier halt ich mir durch mehrmaliges Bestäuben mit Spruzjt (ein Pyrethrummittel). Erdraupen traten im
sehr notwendig und werden deshalb sehr stark durchgeführt. Idi halte diese trotz des erhöhten Spätsommer verschiedentlidi etwas auf, wurden aber durch Ablesen unsd‘cädlid1 gemadit. Ein
tierisdier Sdiädliiig, die Made der Möhrenfliege, macht uns hier in der ganzen Stadt sehr viel
Arbeitsaufwandes für wirtschaftlidrer, als das Aufbringen von Materalien zur Bodenbedeckung. Sdiaden, sodaß es in den meisten Betrieben keinen Sinn mehr hat, Spätmöhren anzubauen (Früh:
Sie haben sich jedenfalls hier gut bewährt, soweit audi die notwendig erhöhten Düngermengen ver.- möhren im Kasten werden nidit befallen). Die Zwisdienpfleflzuflg von Porree hatte keinen Erfolg.
abreidit wurden. Der Boden zeigt eine redit gute Lebendigkeit und Feuditigkeit auch bei den
Kulturen, die nidit bewässert werden, wie ich dies mitunter bei Kopfsalat, Retticli u3w. für not:
Nun ist im letzten Jahr in unserem Betrieb der Befall etwas geringer gewesen und dieses Jahr
wendig halte. Audi die Verwendung von Hedcen, höheren Pflanzen wie Stangen:Bohnen, Mais, noch weniger, sodaß wir einen großen Teil der angebauten Gelbe Rüben bis jetzt madenfrei haben;
ob dies im Zusammenhang mit der biologi5di:dynamisdien Behandlung steht, kann und mödite
Tomaten, Reiser:Erbsen usw. als Bänder bezw. Wände zwisdien den Kulturen zum Windschutz ich aber nodi nicht beurteilen. Da in der näheren Umgebung keine späten Möhren mehr angebaut
hat sich auf die Feuditigkeit des Bodens und die darüber liegende Luftsdiidit immer gut
werden, habe ich keine Vergleichsmöglidikeit.
ausgewirkt. Die Made der Kohlgallwespe konnte bis jetzt noch nicht vollständig ausgesdmltet werden,
Urn einzelnen Parzellen, die in früheren Jahren sehr stark mit Kohlenasche versehen wurden, sie tritt aber in den Teilen, die am längsten bewirtschaftet werden und am besten in Kultur sind,
eine bindigere Struktur zu geben und um auch Pflanzen auf diesen Stücken anzubauen, die einen
weniger auf. Drahtwürmer, die im leiditen Boden ja sehr gerne auftreten, kommen hier im Be:
etwas sdiwerereti Boden lieben z. B. Sellerie, Kohl usw., wurde toniger Lehm, der im Winter trieb fast gar nidit vor. Idi halte es aber für sehr widitig, daß keine Gründüngung, Wiesenum:
der Frosteinwirkung gut ausgesetzt werden war, darauf gebradit, mit dem Erfolg, daß hier im


brcidi‚ rohe Pflanzenmassen (Rückstände von abgeräumten Gemüsen, Unkraut usw.), sowie audi
letzten Jahre sehr schöne, große Sellerieknollen geerntet wurden, wie sie in der hiesigen Gegend nidit Laub und frisdier Dung in den Boden gebracht werden dafür sind die Komposthaufen dal
sonst nicht erzeugt werden. Wesentlidien Anteil an dem, im Ganzen gesehen, geringen Befall an Sdiädlingen hat audi
die Vogelwelt, die wohl nodi nicht so zahlreidi ist, wie es sein könnte, die sich aber wohl durch
weitere Schutzmaßnahmen (Nistkästen, Fütterung, Hecken usw.) nodi vermehren wird.
Bei dem verhältnismäßig geringen Sdiaden durch tierische Sdiädlinge wirkt audi der Zwisd‘ren:
fruditbau mit, bezw. das Aussdialten von Monokulturen. Im intensiven Freilandbetrieb läßt sich
dies im Gemüse: und Obstbau mit nicht zu sehr erhöhtem Arbeitsaufwand durdiführen. Idi
niödite hierfür nur einige Kulturen angeben, die bei uns praktisdi durd1geführt werden und sich
audi gut bewährt haben.
1. Ein Beet überwinterter Spinat, daneben ein Beet mit Doppelreihe frühe Reiser:Erbsen
(evtl. gepflanzt); nach Spinat eine Doppelreihe Stangen:Bohnen mit Kopfsalatpflanzung und Rettich:
zwischensaat; nadi Entfernung der Erbsen Pflanzung von Rosenkohl oder Blumenkohl usw. Die
Erbsen bieten den Bohnen einen guten Wind3diutz und halten die Wärme besser. Richtung
der Reihefi Nord:Süd. (Bild 1 und 2.)
2. Ein Beet Kopfsalat (frühester Land); dazwisdien Rettidi gestupft etwa 14 Tage nach
Pflanzung; daneben ein Beet Adcersalat, überwintert; danach Stangenbohnen zwei Reihen; auf der
anderen Seite des Kopfsalat:Rettichbeetes eine Doppelreihe frühe Reiser:Erbsen mit nad1folgendeni
Rosenkohl oder dergleidien. Nadi den Rettidien Endivien oder Kopfsalat usw. Bei dieser Kultur
sind zwischen je zwei Doppelreihen Stangenbohnen immer zwei Beete, sodaß die Schattenwirkung
nidit zu groß ist.
3. Doppelreihen Erbsen wechselnd mit je einer Reihe Essig: oder Salzgurken; vor Gurken
überwinterter Spinat; bei den Gurken zuerst Zwischenpflanzung von Kopfsalat. Den Gurken
Bild 3 Aufn.: Eridi Werner 25. 5. 1934
bekommt der Sdiutz und die einge3dilossene Luft zwisdien den Erbsen recht gut und die Erbsen
Oberer Garten P. 2: Blumenkohl — Kohlrabi — Kopfsalat — Spinat
, sind durch die günstige Beliditung sehr gut im Ertrag.
Es ist im hiesigen Betriebe ganz im allgemeinen das Problem zu lösen, wie der allzurasdie 4. Eine sehr intensive Kultur, die ich durdiführe, wobei eine gute Düngung Bedingung ist,
ist folgende: Möglichst frühzeitig Aussaat von Spinat in einzelnen Reihen; Reihenabstand 40 cm.
Übergang der Pflanzen vom Krautartigen zum Blühen und
Fruditen
zurückgehalten und ver:
langsamt werden kann. Dies ist vor allem durch richtige Behandlung des Bodens und durch Später zwischen jede Reihe Pflanzung von abwechselnd einer Reihe Kohlrabi und einer Reihe
Förderung der Wirksamkeit der terrestrisd1en Kräfte möglich. Frühblumenkohl. Zwisdien Blumenkohl in der Reihe Kopfsalat. In den Reihen zwisdien Kohl:
Auffällig ist bei uns der verhältnismäßig geringe Befall bezw. Sdiaden durch Krankheiten rabi wird später Sellerie gepflanzt und zwischen den Blumenkohl nach Aberntung des Kopf:
und besonders durch tierische Schädlinge. Dieses Jahr traten bei Stangenbohnen sehr stark salats Porree. Sellerie und Porree vertragen anfangs den Schatten gut, entwickeln sich später
Blattläuse im Jugendstadium auf, sodaß ich mir schon ein Pyrethrum:Mittel zur Bekämpfung sehr schön und geben nodi eine Vollernte.
kommen ließ. Als ich aber spritzeh wollte, machte ich die Wahrnehmung, daß auch Marienkäfer Bild 3. Der Spinat direkt vor der Ernte.
und besonders die Larven derselben in sehr großer Anzahl vorhanden waren. Da mit dem 5. Essiggurken mit Zudcermais, sowie Dill. Zwisdren je einer Reihe Essiggurken Pflanzung
Spritzen audi diese.mit vernidrtet worden wären und da ich beobadrten wollte, ob sie nicht Herr oder Saat von je einer Reihe Mais, ebenso an den Rändern. Gurken entwickeln sich üppig
über die Blattläuse werden würden, unterließ ich das Spritzen. Nadi einiger Zeit waren sämtlidie zwisdien dern Mais und lassen Sidi durch die Maisbänder untergeteilt sehr exakt durdipflücken.
Blattläuse verschwunden und die, Bohnen wuchsen ohne jeglichen Ausfall weiter und entwickelten Dies sollten nur einige BeiSpiele sein. Es ließe sich so noch manche Kultur angeben, be:
Sidi ut. sonders audi unter Berüdcsid'itigung der gegenseitigen günstigen Beeinflussung versdiiedener
gBeim Kohl (Weißkraut, Rotkraut usw.) kann man meiner Erfahrung nadi den Befall von
Kohlweißlingsraupen auch so gut wie unschädlich machen, wenn man das allgemein übliche Be:
Pflanzenarten. Man wird aber in jedem Betrieb unter Berüdcsichtigung der klimatisdren und
sonstigen Verhältnisse individuell vorgehen müssen, um das für ihn Geeignete zu finden.
jaudien mit mensdilidien oder tierischen Fäkalien sowie die Verwendung von frischem Mist unter: Dies gilt für alle Maßnahmen im biologisch:dynamisch bewirtsdiafteten Betrieb; so wie jeder
lassen würde. Idi habe durch eine Reihe von Jahren schon die Beobaditung gemacht, daß der lebende Organismus seine Eigenheiten und seine Besonderheiten hat, so hat dies audi jeder Be:
nidit mit Jaudie und frisdiem Mist versehene Kohl kaum eine Eierablage vom Kohlweißling zeigte,
trieb, der im Sinne der biologisä:dynamisd1en Wirtsd1aftsweise arbeitet. So wird man audi in
während bei Nadibarn die Raupenplage sdion stark auftrat. Ähnlich ist dies auch bei dem Auf: jedem Betrieb zu den Maßnahmen kommen müssen, die seinem Eigenleberi entspred1en, und der
treten von Blattläusen bei Kohl, dodi spielen hier audi Wadistumsstörungen, ungeeignete Boden: Mensch hat im Betrieb die besondere Aufgabe, regulierend und harmonisierend zu wirken.
und Klimaverhältnisse eine Rolle.
Presse-Nachrichten '%l///////y '///////j;;;// / / // 7/////. 7/////M. 7/ % "’/////////l

%//I A %%/é‚ / / /Z/l / %. für%l/l2 %///////Z


%// / / A_ menar55<hrift
Medizin ohne Gift
(Zur Reichstagung der Naturär3te in Berlin)
Aus „Das l2 Uhr Blatt“ Berlin vom 18. l. 1936
Wer sind die Naturär3te.” Sie sind weder Allopathen der alten Sdiule nodi Honiöopatlien, noch Naturheilkundige_
bi0ngi5ü\—dk/YNEMEU\Q
Die Naturär3te haben Medi3in studiert, haben ihre Prüfungen gemadit und sind allopathisch approbiert mie jeder
andere praktische Ar3t. Nur haben sie aus eigenem Drang eines Tages das Korsett ihres lateinisd1en Wissens und
ihrer chemischen Gebräud1e ausgeyogen, haben nn Volk nad] den alten Heilmitteln geforsd1t, die sich von Generation
3u Generation, ohne Ar3t und Apotheke, allerithalben fortgeerbt haben. Sie haben die Heilkraft der „unoerarheiteten“
Natur erprobt.
Militr‘auen gegen Gift Wirt5®aftswzb52
Das Volk ist mifjtrauisd‘r gegen alles Gift. Es hat sich seinen gesunden lnstinkt bewahrt. Ar3te selber kämpfen Alle Rechte vorbehalten. — Nachdruck verboten!
jet3t fiir die Bereditigung dieses Volksempfindens.
Der Naturar3t sud1t nidit mehr in erster Linie nadi einer bestimmten Krankheit, um diese mit Mitteln 3u heilen, Herausgeber: Dr. Erhard Bartsch, Bad Saarow (Mark)
die durch ihre körpersd1äcligende Wirkung unter Umständen den Erregern neuer Krankheiten die Arbeit erleid1tern. Er ‘
5dirifi‘leitung: Dr. B. Bartsch, Bad Saarow (Mark)
sagt, wenn ein Organ erkrankt ist: der gan3e Mensdi ist krank. Und er behandelt von vornherein den gan3en Orga:
nismus, mährencl der Allopath in seiner Gedankenrubrik links den Namen der Krankheit und redits das Mittel dagegen
Geschäftsstelle; Bad Saarow (Mark) Dosischecklronto: Breslau 36266
sudit. So3usagen. Es ist der Plan des Reid15är3teführers‚ einen neu3eitlichen Typ des deutschen Ar3tes 3u schaffen.
Eines Ar3tes
— nidit nur für die Kranken, sondern audi für die Gesunden, gewissermaßen den Typ eines Hüters Heft 5 März 1936 11. Jahrg.
und Propagandisten der Volksgesundheit.
Bei Nierenleiden: Hagebutten
Besonders sollen die Tees mieder 3u Ehren kommen, die schon seit Jahrhunderten im Volke als großartige
Heilmittel benut5t morden sind. Sie werden 3ukünftig in besonderen Planlagen ge3üchtet werden. Man mill mit aller
Kraft fort von der Chemie, deren Methodik ja im Grunde nur eine Nachahmung der Naturmirkung ist, Tillandsia usneoides
Man wird Eidienrinde für die Stärkung der Haut brauen, Salbei für die Befreiung der Sdileimhäute von körper:
fremdem Belag, Waldbeeren als Heilmittel gegen Hautkrankheiten, Marienbader Kamille, Faulbaumrinde und vieles andere E.Pfeiffer
als blutreinigende Abführmittel, Petersilie, Hagebutten und Bärentraubenblättertee gegen Blasen:, Nieren: und Leber: Die bartfleditenartige (usneoides) Tillandsia*) ehört zur Famili '

leiden.
Hierher gehört auch der Plan, neue Krankenhäuser 3u sdiaffen, die nidit mehr Kästen voller Lysolgestank
sind, sondern Sanatorien. Nadi Art der Kneippsdien Wasserkuranstalten. Mit viel Freiluftaufenthalt, Wasserabh'zirlung,
Blutenptlanzen wie der Ananas und der Agave.
Aßerdings untersdiefdeiiegidl?rdirenseehalgflealfi’zealifü
Aussehen weitgehend von den genann:
Gymnastik, Duschen, Bädern, mit Abbürsten des Körpers und Massagen um Lebenskraft und \‘Viderstandsfähigkeit ten. Sie wächst in langen, dünnen grau:
#

3u erhöhen. grünlichen Stengeln und Blättern zum


Weniger Operationen
Teil auf Bäumen, aber audi auf Felsen,
Die Chirurgie wird auf ein Mindestmaf; besd1ränkt werden. Hunderte Operationen merden vermieden werden
oft} in soldier Menge, daß sie von den
——
können, wenn die Krankheiten rechtzeitig an ihren Wur5eln gepackt werden sind. Die Mittel für Narkose und Ein:
sprii7ung werden so rveit mie irgend möglidi entgiftet. Kreislaufstauung und Gefäßroandsdrädigung wie sie sich bei Baumen in dichten Bärten herabhängt.
meistens der Ursprung der lebensgefährlidaen Blutgerinnsel.
den wenigsten operativen Eingriffen vermeiden lassen' sind Von A. F. W. Sdiimper wird sie unter
Audi sie sollen möglichst abgemendet werden. den extrematmosphärischen Epiphyten ge:

i‘tDrr' liriiveflltdiü f nannt, in einer Linie mit Flediten, Moosen


und Algen, denen sie sich in ihrem Le:

; ?“““"”“M3i
bensverhalten angegliedert hat, ohne ihnen
aber der Abstammung nadi zuzugehören.


Sie hat die Fähigkeit bei einem jähen
Wechsel der Luftfeud1tigkeit Aus:
trocknung und Ubersättigung mit Wasser:

%
dampf besonders gut zu gedeihen.
Das
Hauptverbreitungsgebiet ist das tro:
p1sche Amerika, sowie die angrenzenden
Zonen ziemlidi weit nach Norden und
Süden. In Florida hat sie sich geradezu
zu einerLandplage entwidrelt. Schimper**)
sdireiht:
„Unter den eigenartigen Bedin:
gungen leben zu können, verdanken
diese Epiphyten außer ihrer Düne:
resistenz vor allem der Fähigkeit,
die jeweiligen günstigen Wasser:
verhältnisse (Tau, Regen, Nebel)
Tillandsia, von Bäumen hängend sofort ausniitzen zu können, was
(Aus Sdiimper, Pflanzengeographie)
}
durch
samten ör e Wässeraufnahme
mit dem ge:
-
[Dimerhilfswerl
dere wasserabsorbrerende Haare gesdiieht. Wurzeln werden gar
niihf gäär i li lrrdlveifkifizzß
des dlu!srhen Ußlfcs ;) Genannt nad1 demtinnisdmn Botaniker Tillandsius.
G_
FiSdle)r„]P)fäa5njengeographie auf physiologisd1er Grundlage“ von Dr. A. F. W. Schimper. Jena, Verlag von

<Budrdrudärei73runo Sdieuer, Breslau g Gräbsdienerstr. 58 37


38 39

gebildet und dienen dann nur zur Befestigung . . . Nebel ist fiir die Wasserbilanz der Die Autoren geben nun eine Reihe von acht Analysen von verschiedenen Tillandsien unter
extrem:atmosphärischen Epiphyten sehr günstig, weil durch ihn eine weitgehende Durch.- versd‘nedenen Bedingungen gewachsen. Wir greifen als ein typisches Beispiel Nr. 6 heraus, eine
nässung ermöglicht wird. Der Nebel spielt für die Verbreitung der extrem:atmosphärischen
Epiphyten eine entscheidende Rolle.“
Tillandsre
sie, an
auf
einer
einem Baum gewad13en (Baldcypresse, Kissimmee, Florida) und Nr. ?, eine Tilland:
elektrischen Leitung gewachsen, vom selben Platz. Die folgenden Tabellen enthalten
Was uns die Tillandsia nun interessant macht, ist ihre außerordentliche Anpassungsfähigkeit. die Aschengehalte:
Sie lebt auf Bäumen und Felsen im feucht:tropisch:warmen Klima, aber auch im feueht:kalten Nr, Asche Na,O K,O Mg0 CaO Fe203 Sioz P205 SC)3 Cl
Klima (Südgrenze der kalten Winter in Nordamerika). Ihre einige Meter langen Sdrweife „liegen 6 4,56 15,85
5,81 14,06 12,09 15,30 20,52 2,30 9,38 10,52
wurzellos und ohne jeden Zusammenhang gleidasam hingeworfen auf den Astspitzen“. (Schimper.) 7 5,15 12,96
7,75 8,67 13,28 18,60 28,76 2,90 3,27 4,87
Dieser beschreibt die Pflanze folgendermaßen: „ „Der Vergleich von diesen zwei neuen Analysen zeigt, daß die Pflanze auf den
„Dieser merkwürdigste aller Epiphyten, der im tropischen und subtropischen Amerika Drahten bedeutend reicher an Eisenoxyd und Kieselsäure ist, dagegen ärmer an Natron,
die Bäume oft ganz umsdqleiert, besteht aus oft über meterlangen, fadendünnen Sprossen, Magnesium, Schwefel und Chlor als die auf den Bäumen wachsende.“
mit schmalen grasartigen Blättern, die nur in der ersten Jugend durch früh vertrocknende Es gibt nun auch noch andere Pflanzen, welche die Fähigkeit haben, an elektrischen Leitungen
schwadae Wurzeln an der Rinde befestigt sind. Ihren Halt verdanken sie dem Umstand, zu wadasen und Sidi zu ernähren. Dazu gehört das Ballmoos (Tillandsia recurvata). Audi von
daß die Basalteile der Adisen die Stammteile umwinden. Über und über sind die dieser Pflanze werden eine Reihe von Analysen angegeben, wovon wir zwei herausgreifen. Die
Sprosse von Schuppenhaaren bededct, die in Bau und Verrichtungen mit denjenigen Pflanzen wachsen an demselben Platz wie die vorhergehenden; Nr. 2 auf einer Ulme, Nr. 3 an
anderer Bromeliaceen übereinstimmen. Die Verbreitung der Pflanze geschieht weniger einer elektrisdaen Leitung: ,

durch Samen als vegetativ dadurch, daß abgerissene Sprosse durch den Wind oder durch
Vögel, die sich derselben gerne als Material zum Nestbau bedienen, fortgetragen werden.“ Nr. Asd1e Na,O K,O Mg0 CaO Fe,O3 SiO2 P20ü SO, Cl
2 5,52 10,72 10,90 6,97 17,19 15,74 25,07 3,78 7,20 4,96
Was uns an dieser Pflanze nun so besonders fesselt, ist die Art und Weise ihrer Er.- 3 4,27 11,19 5,55 10,27 13,89 15,80 31,72 2,50 5,76 5,87
nährung. Wurzellos, wie sie ist, kann sie keine Nahrungsstoffe aus ihrer Unterlage aufnehmen.
Ihre Nahrungsaufnahme geschieht durch Blatt: und Stengelorgane. Wherry und Buchanan*) be: Auch hier finden sich deutliche Unterschiede, allerdings teilweise in einer anderen Richtung
schreiben dies wie folgt: als bei der vorerwähnten Tillandsia usneoides. Aus anderen Analysen geht noch hervor, daß,
je weiter man landeinwärts in trodcenes Klima geht, desto höher der Gehalt an Kieselsäure ist.
„Das spanische Moos (der in Amerika gebräuchliche Name für Tillandsia usneoides) ist
ein Epiphyt, der Stütze sucht bei anderen Pflanzen und gewöhnlich an Bäumen hängt . . . Allgemein wird beobachtet, daß der Mineralstoffgehalt iiberhaupt ein sehr schwankender ist. Nun
Es ist nicht, wie manchmal vorausgesetzt wird, ein Parasit, da es keine Nahrung aus Sind die beiden Vergleichspflanzen mit Ausnahme ihres Trägers unter vollkommen gleidren Be:
dem Saft seines Trägers bezieht, und in der Tat sogar besser auf toten als auf lebenden dingungen gewachsen, also auch von demselben Regen, Staub usw. getroffen worden. Die er:
Bäumen gedeiht. Umsomehr als es sogar an elektrischen Leitungen hängend wächst. wähnten Autoren schließen:
Die Schuppen, mit denen es bedeckt ist, sind oft als Organe zum Schutz gegen Ver: „Die Tatsache, daß im letzten Fall der Regen, der auf die Pflanzen fällt, keinen
dunstung erklärt werden. Pessin jedoch zeigte kürzlich, daß ähnliche Schuppen auf dem anderen Kontakt mit irgendwelchen Mineralstoffen haben konnte als mit den fein verteilten
„Auferstehungs“:Farn nid1t in dieser Richtung funktionieren. Er meinte, daß solche Staubpartikeln hod1 oben in der Atmosphäre, zeigt in einer deutlichen Weise die Fähigkeit
Schuppen an Luftpflanzen vermutlich die Aufgabe haben, das Wasser durch Kapillarität der Luftpflanzen, relativ hohe Quantitäten anorganischer Bestandteile aus außerordentlich
zurüdczuhalten, während die Pflanze hieraus die benötigten Mineralbestandteile aufsaugt. .
hohen Verdünnungen zu extrahieren. ( . brings out in a striking manner the ability
Die Mineralstoffernährung des spanischen Mooses wird augenscheinlid'r geliefert durch die of air plants to extract relatively large quantities of inorganic constituents from exee:
im Regen—anwesenden Salze, durch Wasser, das von den umstehenden Bäumen herab: dingly dilute solutions)“
tropft oder durch Staub, der durd1 den Wind darübergeblasen wird. Die Zusammen: Diese Ausführungen lenken unser Augenmerk intensiv auf ein bisher in der Pflanzen:
setzung seiner Asche sollte im Hinblidc darauf interessieren als eine Angabe fiir die Ma: physiologie wohl beobachtetes aber noch wenig erforsd1tes Gebiet: die Aufnahme feinst verteilter
terialien, die durch Regen und Wind zu den Böden seiner Ursprungsorte hinzugefügt Substanzen aus der Luft bezw. aus feinster Verteilung iiberhaupt, sowie deren Auslese.
werden.“, Als der Verfasser dieses Aufsatzes vor Jahren auf solche Tatsachen aufmerksam machte,
zog er sich den Groll einer Reihe von Wissensdlaftern zu. Seine damals angeführten Labora:
Die beiden angeführten Verfasser geben nun einige Mineralstoff:Analysen der Tillandsien und toriums:Versuche, die übrigens mehrfach kontrolliert wurden, wurden lädierljch gemacht. Bei der
dann auch eine Analyse von Regenwasser. In diesen Analysen fallen zwei Punkte besonders auf : der Voreingenommenheit bestimmter Kreise diesem Problem gegenüber blieb nid1ts anderes übrig,
hohe Gehalt der Tillandsia usneoides an Eisen (im Mittel 17%), Kieselsäure (im Mittel 36%) und Phos: als auf Erscheinungen der freien Natur hinzuweisen. Der Widerstand, an Beobachtungen
phorsäure (im Mittel 1,85 “In) und der geringe Gehalt dieser Substanzen im dortigen Regenwasser und Forschungen dieser Art heranzugehen, ersdieint umso sdrwerer verständlich, als es eine Reihe
(Fe: 1.65°/„‚ Sio,: 1,01%, überhaupt keine Phospho'rsäure). Die Verfasser schreiben deshalb:
„Auf jeden Fall ist es augenscheinlich, daß das spanische Moos und andere Luft: von Beispielen fiir diese „selektive Absorption aus feinster Verteilung“ gibt. Nur liegen die
pflanzen eine selektive Absorption und Anreicherung einzelner Bestandteile zu
Verhältnisse nicht immer so klar wie bei Luftpflanzen, weil es sich meist um Pflanzen handelt,
weldie im gewöhnlichen Erdreich gewad13en sind.
einer meßbaren Größe ausüben.“ „Betrachtungen über die Zusammensetzung des Regen:
Ich erwähne hier nur den Kupfergehalt des Hafers und der Gerste, des Roggens, des
4

wassers zeigen, daß diese Pflanze im allgemeinen die Bestandteile nidit in den Propor: Weizens, der auf ein Kilo Samen bis zu 0,9 g (bei Roggen) ansteigen kann, des Maiskorns, der
tionen aufnimmt, die im Regenwasser anwesend sind, sondern eine deutlidre selektive Pinie (Holz und Rinde), der Sd‘lwertlilie (Blätter), der Saubohne und einer Reihe anderer Pflanzen,
Tätigkeit ausübt.“

wobei in dem umliegenden Erdreidi kein Kupfer in meßbaren Mengen nad1gewiesen werden kann.
In einer späteren Arbeit”) behandeln Wherry und Capen die Frage des Mineralstoffge: Selbstverständlich wurden nur Pflanzen herangezogen, die nicht mit irgendwelchen Kupferspritz:
haltes der Tillandsia noch weiterhin:
„Es scheint wünschenswert, weitere Analysen zu machen, um herauszufinden, ob mitteln versehen waren. Es gibt auch Pflanzen, die Blei anreidiern, wie: Festuca duriuscula
(Schwmgel) (in der Asd're 12,25% Pb205) und Randia dumetorum (gardenia) im Epicarp.
diese Pflanze meßbare Unterschiede in ihrem Mineralstoffgehalt zeigt, wenn sie auf Bäumen Zu dieser Reihe von Naturtatsadien gehört audi der Titangehalt des Holzes der Apfel! und
wächst oder wenn sie an elektrischen Leitungen hängend wädist. Des ferneren sollen Birnenb'a'ume, in gewisser Beziehung auch die Anreicherung von Eisen in den versd1iedenartig:
diese Resultate in dieser Hinsid1t mit anderen Arten von Luftpflanzen derselben Gegend sten Pflanzenorganen, worin z. B. die Akazia cebil, aber auch die Fichte (im Holz) außergewöhn:
verglidaen werden.“ liches leisten. Schließlich gibt Hugo de Vries") in seinem klassisdren Lehrbudr der Pflanzen.-
*) „Composition of the ash of Spanish Moss.“ Edgar T. Wherry and Ruth Bud1anan, Bureau of Che: physiologie einige Analysen von Wasserpflanzen wieder, aus denen diese Eigenschaften besonders
mistry,U. S. Department of Agriculture, from Ecology‚ Vol. VII. Nr. 3, July 1926. deutlid1 werden.
**) „Mineral Constituents of Spa'nisb:Moss and Ballmoss.“ Edgar T. Wherry and Ruth G. Capen. Bureau
of Chemistry and Soils, U. S. Department of Agriculture, from Ecology. Vol. IX, Nr. 4, October 1928. *) Hugo de Vries: Leerboeh der Plantenphysiologie. 4. druch. Haarlem. 1906. S. 201.
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„. . . Daß die Zusammensetzung bestimmt nidit übereinkommt mit der des Bodens zu beeinflussen vermag, Zahllos sind bereits die Untersuchungen, weldie den Einfluß bestrahlter
oder des Wassers, worin die Pflanze wädrst. Manchmal sind die Versdriedenheiten und unbestrahlter Metalle als Fernwirkung auf die Entwicklung von Bakterienkulturen demonstrieren.
zwischen zwei dicht beieinander wachsenden Pflanzen sehr groß. So ergibt z. B. die Idi erwähne nur die italienischen Arbeiten von Rivera und Sempio.*) Es würde hier zu
Analyse von einigen in demselben Graben wad13enden Wasserpflanzen die folgenden weit führen, bei der Sdiilderüng der Ernährungsverhältnisse von Tillandsia usneoides all diese .

Resultate.“ (Wir geben hier nur einige Zahlen der Tabelle von de Vries wieder: Einzelforsd1ungen zu bespred1en. Es sollte jedoch gezeigt werden, daß für die Erklärung dieses
Die Asche der Pflanzen enthält in “/5 Das umgebende Wad15tumsphänomens bereits die ersten Grundlagen gegeben sind.
Chara foetida Chara foetida Hottonia Stratiotes Wasser enthält Bedenkt man, daß zu einer Zeit, als die meisten der angeführten Forsd1ungen noch nicht
I palustris. ‚ aloides Mineralstoffe in %, durchgeführt waren, der Begründer der biologisch:dynamischen Wirtschaftsweise, Dr. Rudolf
Kali 0,49 0,23 8,34 30,82 0,00054 Steiner, auf die Möglichkeit all dieser Reaktionen bereits bei der Bespred'iung der Wirksamkeit
Natron 0,18 0,12 3,18 1,21 _:
der biologisch:dynamisd1en Präparate hingewiesen hat, so wird man verstehen, was dieser Per:
Kalk 54,73 54,84 21,29 10,73 0,00533 sönlichkeit an wohlfundiertem selbstgewonnenen Tatsadien: und Beobaätungsmaterial aus einem
Magnesium 0,57 0,79 3,94 14,35 0,001 12 unerhört arbeitsreid1en Leben zur Verfügung stand.
Phosphorsäure 0,31 0,16 2,88 2,87 0,00006
Kohlensäure 42,60 42,86 21,29 30,37 0,00506
Kiesels'a'ure 0,70 0,33 18,64 1,81 Spuren
Die Eigenschaft, derartige Stoffe in größerer Verdünnung aufzunehmen und anzureichern,
ist nun eine für alle lebenden Naturreidre allgemeine. Audi im Mensdren finden sich eine Reihe Das Erdhaufensetzen
von Stoffen, insbesondere von Sd1wermetallen, deren Existenz in der Nahrung in äußersten
Spuren oder überhaupt nidit nachgewiesen werden kann. Erst neuere, verfeinerte diemisch:analy:
der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise
tisd1e Verfahren haben die Möglidikeit gebracht, diesen Dingen nachzugehen. Ich erinnere z. B. F. Dreidax
an die Arbeiten von Dr. J. Noddadc, Berlin*). Die verfeinerte Spektralanalyse zeigt, daß von Wer kennt nicht die Erzählung vom Schatz im Adcer.7 Ein alter Bauer, der auf dem
einer Allgegenwärtigkeit jedweder Substanz gesprodien werden kann, und zwar sind im all: Sterbebett liegt, versammelt seine Söhne um sich und teilt ihnen mit, daß er in seinem Adcer‚ den
gemeinen alle Substanzen, also audi die Sd1wermetalle in einer Verdünnung von a><10b bis er ihnen vermacht, einen Schatz vergraben habe. Nach seinem Tode arbeiten die Söhne den
109 überall vorhanden. Bestimmte Organe an Pflanzen, Tier und Mensch können diese Sub: Adcer bis in große Tiefe durch, ohne jedoch den Schatz finden zu können. Als aber der Acker
stanzen zu meßbaren Mengen anreichern. Es bleibt also nur zu untersuchen, wie dies geschieht. nach dieser starken Durcharbeitung viel höhere Frudrt trägt als je, da verstehen die Söhne, weld1es
Hier liegt eine Aufgabe, deren Lösung zu einer wesentlichen Bereid'rerung unserer Er: Vermächtnis ihnen ihr Vater übergeben hatte.
kenntnis der Lebenserscheinungen führen wird. Kaum etwas in der Natur ist ohne Sinn und Man hat diese sinnige Erzählung merkwürdigerweise dazu benutzen wollen, um die Ergeb:
Zwedc vorhanden. Es mag daher heute schon vielleicht hypothetisdr ausgesprod1en werden, daß nisse der biologisch:dynamischen Wirtsdiaftsweise, die sich mit einem vorher nidit gekannten,
diesen feineren Substanzmengen in der Pflanzenwelt eine leitende, dirigierende Aufgabe für die naturgemäßen Gesamtvorgehen um den Aufschluß der natürlichen Bodenschätze der heimisd1en
versdiiedenen biologisdien Prozesse zukommt. Schon beim Studium der in den Pflanzen in großer Scholle bemüht, herabzumindern und in ein blasses Licht zu rüdcen. Man sagte, daß bei einer
Menge vorhandenen Stoffe sehen wir, daß ihr Vorhandensein das Pflanzenwachstum dirigiert. Ich so intensiven und sorgfältigen Arbeit am Dünger und Boden, wie sie bei vielen Praktikern der
denke z. B. an die Beeinflussung der Stärkebildung durd1 die Kaliaufnahme, der Eiweißbildung biologisoh:dynamisd1en Wirtschaftsweise wahrgenommen werden kann, das gute Endergebnis sich
durd1 die Phosphorsäureaufnahme und der Chlorophyllbildung durch die „Anwesenheit“ von Eisen. von selbst verstehe und keines tieferen Nachdenkens bedürfe, auf weld1es die Verfechter des neuen
Nicht nur ein Zuwenig, auch ein Zuviel an Stoffen kann hier Sdiaden. Z. B. ein Zuviel an Vorgehens immer hinweisen.
Mineralstoffen drückt die Entstehung von Eiweiß in den Futtergräsern zu Gunsten der Amino: Eine Rolle mag bei einer soldien Haltung u. a. ein Mangel an Erfahrung gespielt haben,
säirre:Bildung herab (Boas, München **)). Im letzteren Falle handelt es sich jedodi nodi um grob:
stoffliche Beziehungen.
wie Mensdrenarbeit besonders an richtiger Gedankenarbeit sich entzündet
Hinblidc auf den Beginn des biologisch:dynamischen Suchens nach dem Schatz im Acker hier

obwohl gerade ein

Den feinstofflichen Anwesenheiten der einen oder anderen Substanz ist augensdieinlidi eine Unbefangenen eine Lehre hätte sein können. Denn diese Verdoppelung der Anstrengungen zur
mehr funktionelle, keine ernährende Bedeutung zuzumessen. Das Gesamtfunktionieren des Orga: Bearbeitung der einheimischen Scholle und des wirtschaftseigenen Düngers verdankt ihre Entstehung
nismus ist in vieler Hinsicht von diesen feinstofflidien Beziehungen abhängig. Die Gesundheit der der geistvollen goethischen Gedankenwelt Rudolf Steiners.
Pflanze wird hierdurdr beeinflußt. Man denke an die Bedeutung der Borsäure in hoher Ver:
Der Ursinn der Bodenbearbeitung

dünnung für die sogenannte Herzfäule der Zudcerriiben.


Dod1 nodi einen Schritt weiter geht die moderne Forsdiung. Man sprid1t heute bereits von Es ersdieint auf die Dauer kaum möglid1, daß der Mensch seine Arbeit und ganz besonders
chemischen Fernwirkungen. Dr. Ried in Wien, Prof. Dr. Stoklasa in Prag und Reg.:Rat die schwere Arbeit zur Verlebendigung des Ad<erbodens riditig leiste, ohne Gedanken über tiefere
v. Brehmer, Berlin, kommen durd1 versd1iedene Untersud1ungsmethoden zu dem Resultat, daß
Zusammenhänge im Wirken der Naturkräfte zu hegen. Es war Eduard Hahn, der durch seine
die Anwesenheit von Mineralstoffen auch auf eine gewisse Entfernung das Wad1stum der Pflanzen Forsdrungen'gezeigt hat, daß für die junge Mensd1heit am Urbeginn jeden Landbaues und jeder
weitgehend beeinflussen kann. Brehmer***) weist nad1, daß Kali in der Nähe von Kartoffeln
Bodenbearbeitung tiefgründige, verehrungsvolle Vorstellungen vom Zusammenhang der Erde und
— räumlidi durd1 einen Luftzwischenraum noch von den Wachstumsgefäßen getrennt das Wachs:
tum und den Kaligehalt der Kartoffeln zu steigern vermochte. ‘Stoklasa****) zeigt, daß Kali (in
H
des Mensdien mit der Sonne, wie überhaupt mit dem gesamten Kosmos standen.
Aus alten Menschheitsurkunden können wir wissen, daß der damalige Mensch sich und die
Welt in schliditer, großer Anschauung sah: Er stand auf der in unberührtem Naturwalten vor
Reagenzgläsern über wad-rsenden Pflanzen versdrlossen gehängt) die Wachstumgesdiwindigkeit der
Pflanzen verändert. (Eine Versuchsanordnung übrigens, die wir mit ähnlid1 laufendem Resultat be: ihm ruhenden Erdfläche. Uber ihm war der himmlisch=hehre Kosmos mit seinen leuchtenden
'stätigenkonnten. ICh werde auf dieses Problem in einer späteren zusammenhängenden experi: Himmelszeichen. Unter ihm war die Unterwelt mit Finsternis und Schwere. Sich selbst und die
mentellen Studie zurüdckommen.) Ried*****) zeigt, daß die Anwesenheit von Kali und anderen Erde empfand der Mensdi als den Schauplatz des Kampfes der lid11en Himmelsmächte mit denen
Salzen in der Nähe von Versudistieren, deren Wadistum und vor allem Fortpflanzung weitgehend der Unterwelt.
Anfangs lebte der Mensch von dem, was die Natur ihm ohne sein Eingreifen schenkte.
*) J. u. W. Noddadc: Herliunftsuntersud'iungen. Angemandte Chemie. 1934. Nr. 37. Die altpersisdie Sage (Zendavesta) erzählt dann, wie der König Jima von Norden her ins
**) F. Boss. Versuche einer dynamischen Grünlandbiologie. Pralrt. Bl. f. Pflanzenbau, 9, 173, 1932.
*“) Dr. A. Heisler. Ar3tliche Rundschau. 1932, Nr. 1. *) V. Rivera: Sulla influen3a biologica della radia3ione penetrante. Bologna, Licinjo Capelli:Editore. 1935.
”**) Kosmos 1933, Nr. 12. Mittlg. V. Rivera: Ancora sull a3ione biologica dei metalli a distan3a. Roma, Scuola Tipografica. 1933.
***”) Dr. O. Ried. Biologisd'ie Wirkung photechisd-rer Substan3en. Wiener Medi3inische Wodrensrhrift, 1931. Cesare Sempio: Rapporto tra effetti prodotti metalli posti a distan3a, a contatto e in solu3ione sullo soiluppo
Nr. 38 u. a. O. della Thielaoiopsis basicola. Pauia, Premiata Tipogratia. 1935.
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Land kam und seinem Volk die Bodenbearbeitung und Götterverehrung lehrte. Er brach als werden durch die Pflugarbeit und die durch sie begünstigt€n Vorgänge in veränderte Mischung
erster Mensch das Erdreich auf
— mit einem goldenen Dolch, der ein Abbild der goldenen
Sonnenstrahlen war. Diesen wurde durch das Aufspalten des Bodens ein tieferes Eindringen in
die Erde eröffnet. Dadurch wurde die Grenze des Lichtreiches gegeniiber dem der Schwere und
und Wirkung zum Boden gebradit, der immer wieder in verhältnismäßige Untätigkeit zurüdczu:
sinken droht.
Man könnte auch sagen, daß der Mensdi durch seine Bodenarbeit die Erde ein Stück höher,
Finsternis vorangetragen. Dadurch wurde die lidite Erde vergrößert, denn es wurde neuer Lebens: als es von Natur aus der Fall ist, ins Licht: und Luftreidi hinaufhebt. Er weiht den Boden da:
raum geschaffen. Damit wurde der Mensdi zum Mitkämpfer und Helfer der menschenfreundlichen durch einer höheren Tätigkeit gewiß nidit nur in gedanklidier, sondern in tatsädrlid1er, lebens:
:—

Mächte des Himmels, denen er die Erde und Sidi selbst optervoll tätig hingab. voller Weise. Durch die Pflugarbeit wird der Ad<er, der vorher flach war, reihenweise in kleine
Das war fiirwahr eine Einheit von Natur: und Weltansdiauung, die auch dem heutigen Berge aufgetürmt und damit das gleichmäßige sd1wache Naturwirken des eben liegenden Bodens
Mensd1en Entscheidendes zu geben vermag, wenn er ihren Sinn verstehen will. ersetzt durch die ganze Reichhaltigkeit des Wirkens von Berg und Tal.
So nüditern das einfadie Aufbrechen eines Bodens mit Hadce, Spaten oder Pflug auch aus:
sehen mag
#

fiir den Menschen einer älteren Zeit wie audi fiir den besonnenen Menschen der Das Wechselspiel zwischen unten und oben im Mutterboden
Jetztzeit ist es ein verantwortungsvoller Eingriff in die Natur, der dazu dienen soll, ihre Kräfte Eine umfassendeSdiilderung dieser Verhältnisse ist hier unmöglidr und audi unnötig. Es sei
in einer vorher unmöglichen Weise zur Wirkung zu bringen, um dem Mensdiengesdiledit das aber in Kürze darauf hingewiesen, daß auseinandergehalten werden muß, was dem Mutterboden
Dasein auf der Erde und eine Erhöhung seiner Lebensmöglichkeiten zu verschaffen. an Stoffen von unten her und was von oben her zukommt und zukommen muß. Beides wird
Das Öffnen des Bodens, sei es mit Hadce und Spaten, sei es mit dem Pfluge, gestattet nur zu häufig ungenügend beaditet.
Von unten kommt dem Boden ganz besonders Vieles aus dem Mineralreich zu. Es wird
dem Lidit der Sonne wie der übrigen Gestirne stärker und tiefer in das Erdreich hineinzuwirken.
Die vorher glatte Oberfläche des Bodens wird durch den rauhen Bruch der Scholle vergrößert.
Die Luft mit ihrem ganzen Brauen und \Veben vermag in verbesserter Weise im Boden zu ar:
zunädist meist in unaufgeschlossener Form

als Gesteinstrümmer und als tote Erde
die Vertiefung der Pflugfurdie im Laufe langer Zeiträume in den belebten Mutterboden herein:
genommen und dann durch das Wirken der toten und lebenden Natur in Lösung gebradit und
durch

beiten. Das Wasser vereint sich dem aufgeschlossenen Boden anders als vorher.°‘Die Witterungs:
gewalten bringen sich in ihm vermehrt zur Geltung. schließlidi in einen Körperbestandteil von Pflanzen, Tieren und Menschen übergeführt. Dieser
Vorgang ist unausgesetzt von der allergrößten Bedeutung. Wollte der Landwirt alles das, was
Die natürliche Verwitterung er an Mineralstoffen aus seinem Betrieb Jahr für Jahr ausführt, vollständig durch Zukauf von
Es ist gut, auf die natürlidre Entstehung der Erdkrume hinzublicken, um die Bedeutung des Mineralstoffen ersetzen, so wäre das alsbald nicht nur eine wirtschaftliche Unmöglichkeit wegen
Bodenaufsdilusses durch Mensdrenarbeit zu verstehen. Felsen, in denen oft Mineralsdrätze wie der Kosten, sondern audi eine biologische Unmöglichkeit, Weil die Böden und die Pflanzenwelt
in versteinerter, fast unangreifbarer Form ruhen, zerfallen an ihrer Oberfläche durch die wedisel: an Uberdiingung Schaden leiden würden. Auf einsdilägige Verhältnisse weist das „Handbudi
weise Einwirkung von Licht und Wärme, Nässe und Frost zu Sand und Staub. Zu dieser Art der Bodenlehre”, Bd. 7 (Herausgeber Dr. E. Blandr) in einem Aufsatz von F. Steinriede
Verwitterung treten langsam, aber nachhaltig wirkende chemische Einflüsse, wie namentlich der Ein: mit Nachdruck hin.
fluß der im Regenwasser in zarter aber wirksamer Menge gelösten Kohlensäure und Salpeter: Es darf und muß also mit einem ständigen Beitrag von mineralischen Nährstoffen aus dem
Säure und ihrer Salze. Im weiteren Verlaufe setzen sich in der zermiirbten Schicht, die durch Erdreidi heraus in die Lebensmasse des landwirtsdiaftlichen Betriebes hinein gereönnet werden.
Tätigkeit der toten Naturkräfte zustandegekommen ist, Lebenslceime an, die durch ihre besonderen Es kann mit dieser „nadisdiaffenden Kraft“ umso besser gered1net werden, als durch entsprechende
diemischen Fähigkeiten, wie audi durch die mechanischen Energien, die sie durch ihre Lebens: Bodenbearbeitung der Zustrom aus den bisher unberührten Vorratsanteilen des Bodens heraus in
tätigkeit zustande bringen, die Aufbereitung des ehemaligen Gesteins weiter und rascher fort: Gang gebradit wird. Es liegt auf der Hand, daß dabei in allen normalen Böden erhebliche Vor:
setzen. Schließlich ist ein Samenbett für höhere Pflanzen und eine Wohnstätte für höhere Tiere räte vorhanden sind.
zustandegekommen, die nun, sei es durch ihre Wurzeltätigkeit, sei es durch die Schaffung von . In der heutigen Zeit ist eine Art Täuschung über diese Tatsache dadurch zustandegekommen,
Bodenbededcung und organischen Abfällen, sei es durch das Durdiwühlen des Erdreiches, den daß bei Bodenuntersuchungen nur die sdion in unmittelbar aufnehmbarer Form vorhandenen
Bodenwerdevorgang noch geschwinder voranbringen. *
Nährstoffe festgestellt und angegeben werden, und zwar in Milligramm je 100 g Feinerde=Trodcen-
substanz des Bodens. Dagegen werden die in unlöslidier aber dodi löslidi zu madiender Form
Menschenarbeit steigert den Bodenaufschluß vorhandenen Nährstoffe des Mutterbodens und der allmählich erreidibareh darunterliegenden
Indem der Mensdi durd1 seine Arbeit an der Sdiolle die Verwitterung begünstigt, fördert er Schichten nidit angegeben. Es wäre aber zur Vermeidung von Irrtümern von großem Wert, daß
den Aufsdiluß der mineralischen Bestandteile des Bodens. Es ist bekannt, daß sich das Korn der Bauer über den „Schatz im Adcer“ sich im Klaren befinde, damit er für die nötige Boden:

_
sandiger und kiesiger Böden im Laufe der Zeit unter den mensd1liciren Kulturmaßnahmen immer gare und allmählidie Vertiefung der Kulturschicht sorge.
mehr verfeinert. Was vorher verhärtet war, wird aufgelockert, was unaufgeschlossen war, wird .

Die Notwendigkeit, den Acker: und Gartenböden*) von oben her humusbildende und
zugänglidier, was unlöslid1 war, wird löslidi gemacht. Die Bodenbearbeitung verstärkt aber nidit stickstoffhaltige Naturdünger zuzufügen, ist heute wieder allgemein anerkannt. Letzten Endes
nur die anorganische Verwitterung durch die Verbesserung der Einwirkung von Wärme und Kälte, stammt sowohl der Kohlen: als audi der Stidcstoff aus dem Luftreidi beide werden durch die
von Licht und Feuchtigkeit, von Kohlensäure und Sauerstoff der Luft, sondern auch die Tätigkeit Tätigkeit der Lebewelt in den Erdbereich hereingebradit und es handelt sich darum, sie im rechten
der Bodenlebewelt. In den oberen Bodenschiditen wird dieser gestattet, sich reicher zu entfalten, Maße festzuhalten. Es ist unter natürlichen Verhältnissen eine wichtige Tätigkeit des Bodens, die
und eswird ihr der Weg in größere Bodentiefen geöffnet. In flachliegendem, unbearbeitetem kohlen: und stidcstoffhaltigen Abfälle der Pflanzen: und Tierwelt zu verarbeiten, einen Vorrat an
Boden ist sie zu einer Stodcung ihrer Lebenstätigkeit verurteilt. Verkrustet und verschließt sich Humus zustandezubringen und in allmählidier Zersetzung die nützliche Bodenkolilen3äure hervor:
ein ehedem lebenstätiger Ackerboden durch Vernachläßigung oder falsdi gerichtete Kulturmaßnahmen, zubringen, weldie fiir ein üppiges Pflanzenwadßtum von entsdieidender Bedeutung ist. Unter
so versäuert die Lebewelt in ihm in ähnlicher Art wie irgendwelche organischen Massen (etwa natürlichen Verhältnissen stellt sich aus dem Zusammenspiel des Bodenlebens mit der sich darauf
Silofutter, Rübenschnitzel und Ähnliches mehr) säuern, sobald sie ganz oder teilweise unter Luft: aufbauenden Pflanzen: und Tierwelt eine Art GleichgewiditSlage ein zwischen dem jährlidien Ari:
abschluß gebracht werden. Sdiließlich kann dabei audi eine Art Vertorfung das Schidcsal sein. fall an Düngestoffen, dem Humusvorrat im Boden und den Massen der den obersten Boden:
Uber die praktisdre Bedeutung der rauhen Furche im Winter oder der Schälfurdie nadi der sdiichten entströmenden Kohlensäure.
Getreideernte‘ ist man Sidi ziemlidi einig. Die Kenntnisse aber, worauf ihre Wirkung beruht, Die Verdauung des Düngers im Boden
und ‘was sie alles an Segen mit sich bringt, sind weniger weit verbreitet. Für viele Menschen ist
der in rauher Furche liegende Adcer eine Selbstverständlichkeit, die eines Nadidenkens nidit wert Die Bodenbearbeitung des Menschen greift hier ein. Sie bringt nicht nur eine lebhaftere
ersdieint. Blickt man aber hin auf jene für die Ernährungsfragen der Menschheit entsdieidenden mineralische Verwitterung der Erden und Gesteine zuwege, sondern durch das Öffnen des Bodens
Vorgänge, die sich an der Bodenoberfläche zwischen dem Lidit: und Luftreidie einerseits und dem für die Luft audi einen beschleunigten Umsatz der kohlenstoffhaltigen Humusmassen. Die Ent:
Erdreidie anderseits abspielen, so‘stellt sich heraus, daß sie durch die rauhe Furche völlig ver: *) Es sei hier in dieseni Zusammenhang davon abgesehen, zu untersuchen, inmiemeit den madisenden Pflansen
ändert werden, und daß es sehr auf die Einzelheiten ankommt. Lidit und Luft, die befruchtend Mineralstoffe nur aus dem Boden oder audi aus dem Luftreidi zur Verfügung stehen, wofür sich im Laufe der Zeit viele
und anregend auf das Erdreich wirken müssen, wenn die nötigen Ernten zustandekommen sollen, Anhaltspunkte ergeben haben. (Siehe Aufsata E. Pfeiffer, S. 37 dieses Heftes, somie Dr. Sachtleben, Demetefr 1935 S. 216.)
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widclung der Bodenkohlensäure wird dadurdi so gefördert, daß ein günstiges Pflanzenwadistum
entsprediend den mens€hlichen Kulturabsichten zustandekommen kann. Von diesem Gesrdit$punkt
däminen oder :Balken für gewisse neue Kulturpflanzen durch Patent gesetzlidr sd1ützen zu lassen.
So etwas kann unberechtigt genannt werden. Steht man vor einer schwierigen Pflanzung, so Sollte
aus stellt die Bodenbearbeitung einen Eingriff in das Humuskapital des Bodens dar. Soll dieser es überall eine Selbstverständlichkeit sein, dieselbe mithilfe von Erddänimen, Erdbalkeri oder wie
bei häufiger Wiederholung nidit zum Raubbau werden, so muß der Mensdi ein dauerndes Be.- man es nennen mag, zu erproben.
wußtsein von der Gleichgewid1tslage im Humushaushalt entwickeln. Er muß durch entsprechende
Zufuhr von Abfällen aus den Lebensreidren das Humuskapital immer wieder ergänzen. Hohe Beete zum Boden— und Düngeraufschluß
Wird der Naturdiinger in reichem Maße eingebrad1t, anderseits aber die Bodenbearbeitung Man kann den Eindrudc haben, daß viele Arten der Dammanlagen, des Bifangbaues usw.
aus irgendwelchen Gründen vernachläßigt, so tritt ebenfalls eine Störung auf, denn nun
konnen früher gewählt worden sind, um den Wasserhaushalt dadurdi zu regeln (nadi I. Voegele),
sich die nötigen Umsetzungen des Düngers nidit in gehöriger Weise vollziehen. Abweg1ge
gänge setzen ein. Die Kulturpflanzen kommen mit ihren Wurzeln in Gefahr, unverarbertete Vor: sei es, daß man Beete aus lodcerem Erdreidi auf Böden mit sehr hohem Grundwasserstand auf:
gesetzt hat, sei es daß man Bifänge quer zum Hang geackert hat, um das sonst abströmende
Düngersäfte in Sidi aufnehmen zu müssen. Erfahrungsgemäß suchen dann audi tierische Lebe: Wasser in den Furdien festzuhalten. In vielen Gegenden scheint Sidi aber aus der Dammkultur
wesen auf ihre Weise die Verarbeitung heraus eine besondere Art der Benutzung
des Düngers zu übernehmen. Dabei handelt hoher Beete ergeben zu haben. Man denke
es sidi aber vielfach um Wesen, weldie an das „Bewerten der Gartenbeete“, wie
gleid1zeitig den Kulturpflanzen schädlich es in Sdilesien, in der Lausitz usw. im
werden. Garten und auf dem Hausland vielfach üb:
Die riditige Umwandlung und Aufsau: lich ist. Das ganze Land wird dabei im
gung des Düngers im Boden ist somit an Herbst in Beete von rd. 1,20 m bis 2,50 m
eine wohlüberlegte reid11iche Bodenbearbei: *

Breite eingeteilt. An der Grenze zwisdien


tung geknüpft. Von hier aus wird es ver: zwei Beeten wird ein Graben gezogen, man:
ständlich, warum gerade bei den Kulturen, diesmal bis zu 50 bis 60 cm tief. Die Erde
dieim Rahmen der Fruchtfolgen vor allen aus den Gräben wird auf die Beete ge:
anderen die großen Düngergaben bekommen, worfen und dort eingeebnet. Vielfadi wird
eine besondere Bodenbearbeitung von jeher vor dieser Grabarbeit (manchesmal audi
üblich ist. Es sind die Hackfriichte. Bei nadiher) Naturdiinger auf die Beete auf:
ihnen ist ein bedeutungsvolles Wechselspiel gebracht. Im Winter vollzieht Sidi nun durch
zwisdien starker Düngergabe und lebhafter die Anlage der Gräben, welche die Seiten.-
Bodenbearbeitung vorhanden. wände der schmalen, tiefen Beete in großer
Der Erdhügel als Hilfsmittel Angriffsflädie freigelegt hat, eine intensive
Einwirkung des Frostes. Sobald die Witte:
zur Verstärkung des Bodenlebens rung aber offen ist, zieht überdies die Luft
Anregend ist es audi zu studieren, wie bestens ein, und eine lebhafte Tätigkeit im
bei Kulturen, die starker Düngergaben be: Beet madit Sidi geltend. Es entwidcelt sich
dürfen, Seit alten Zeiten die Danimanlage eine wundervolle Gare, und der Dünger wird
üblidi ist. Man denke an den Anbau des aufgesdilossen und verrottet. Im Frühjahr
Kohls, der in mand1en Gegenden auf dem ist es darin ein Leichtes, den außerordentlidi
sogenannten Kohldamm gepflanzt wird, des lodceren Boden der Beete wieder einzu:
weiteren an den Kartoffelbau in versd1ie: ebnen und zur Bestellung fertig zu machen.
denen Landschaften oder audi an die all: Diese Art der Bodenkultur mag alt:
gemeine Gepflogenheit der Spargeldämme.
väterlich sein. Es soll hier nidit untersud1t
Bei diesen Kulturen handelt es sich gleicher:
maßen darum, erheblidie Düngermengen zu werden, für weldie Böden und Verhältnisse
Äufn.i John:Zittau verarbeiten und ein besonders lebhaftes Aufn.: John:Zittau dau]egnd
sie
dem „
Wert behalten kann. \Ver mit
ewerfen der Beete“ aber einmal
„Bewurtene Beete“ in schmal“ Ausführung. Pflanzenwadistum zustande zu bringen. In “ Hausland in Näh '
. — - -

D?f‘li2f‘eheräräßbsfltzesfiaffen ei°rfe“säflfe%fcääf:
Winteresich im Frühjahr in S°nderenJah.re
m€hmre gearbeitet .hat’B2deumng des
Wird
In dieser Form liegt Feldgemüseland über den Winter. Diese über den einen be:
der Erriditung von Erddämmen erscheint das, Embhd{ 1“ die
noch!
und Lufteinroirkung. Der Boden befindet
Art der Herbstbearbe1ärgg ist
.tll'i
112ngmit der Oberlausit} was dem Erdbalken der Pflugfurdie auf vor3üglidiem Gare5ustaiid. Erdhaufens und den hervorragenden Boden:
und m man mm m dem Ad<er zugrundeliegt, zu einer stark und Düngeraufsdiluß, den er gewährleisten
betonten Ausbildung emporgehoben. Der Damm oder Erdhügel ermöglicht in seinem
besonders hohe Stufe von Lebendigkeit. Er stellt ein Mittel dar, um eine gesunde rasche Dunger:
Innern eine
kann, gewonnen haben.
verdauung im Mutterboden zu bewirken. _ .
}

Erhobene Erde , eine Bildestätte erhöhter hebendigkeit


Man kann gelegentlich Praktiker antreffen, die aus einem gew1ssen Streben nadi Verein:
fadiung und Bequemlichkeit, das in der heutigen Zeit in der Luft liegt, ber}besttmmten Kulturen
In einer Zeit, in welcher der Sinn für die Anwendung des Erddammes, der Beetkultur usw.
Siditlidi in vielen Gegenden schwand, in der z.B. audi die Wallhedce, dieses altdeutsche Kultur:
von der Damm: oder Hügelherstellung versuchsweise abgegangen Sind und denflachen
in
gepflanzt haben. Ein großes Erstaunen über den Rückgang der Ertrage ist sehr haufigdie Folge.
Boden hilfsmittel, in ihrem Bestand bedroht war, war eS Dr. R. Steiner, der auf die große Bedeutung
des Erdhaufens aufmerksam gemadit hat. Er wies 1924 nachdrücklidi darauf hin, daß Sidi in
Anderseits wird audi von Versuchen berichtet, Kulturen, die in manchen Gegenden im flachen einem Erdhaufen gegenüber dem fladiliegenden Boden eine besondere Belebtheit entwidcelt. Er
Boden üblich sind, auf Hügeln anzulegen, wie z.B. Buschbohnen. Große Ertragsforderungen zeigte aus seinen Naturbeobachtungen heraus auf, in weldier Weise sich die Strahlungsvorgänge.
werden von soldien Versudien berichtet. die beim Zerfall organisdier Reste auftreten, in einem Haufen verhalten und gab RatSdiläge zu
Wie wenig es heute im allgemeinen Bewußtsein steht, daß der Erddamm oder der Erd: ihrer Förderung. Das Ganze eines Kompost: oder Düngerhaufens kann als eine Art einfacher
Organismus aufgefaßt werden, was widitige Winke zu seiner pfleglidren Behandlung in Sidi
hügel ein uraltes und vielseitig anzuwendendes Kulturmittel zur Hervorbnngung eines besonders
kräftigen Pflanzenwachstums, unter Umständen sogar ein entscheidendes Mittel für den notwendigen
Erfolg überhaupt ist, geht aus der Tatsadie hervor, daß versudit werden ist, die Anlage von Erd:
schließt. Die Widifigkeü der Hautbildung durch entsprediende Abdeckung der Haufen, sowie
audi das Aufsetzen in Sdiiditen kann von diesem Gesichtspunkt aus verstanden werden.
46 47

Aus großen Naturzusammenhängen heraus wurde damals audi das Wesen des Kompostes Das Haufensetzen des. Stallmistes
im Verhältnis zum Stallmist und zur Jaudie geschildert. Dabei wurde besonders audi ausge: Bei der Aufbewahrung des Stallmistes traf man früher sehr viel auf Düngergruben. In ein:
sprochen, daß für die Erzeugung eines nachhaltig wirkenden, gesundheitlidi hochwertigen Viehfutters zelnen Betrieben wurden sogar sogenannte Düngerkeller mit hohen Kosten angelegt. Gerade die
gutgepflegter Kompost von größter Bedeutung ist. Erfahrungen mit soldien Düngerkellern können ein Lidit darauf werfen, in welch starker Weise
Von damals stammt der entscheidende Willensanstoß zu einem neuen Vorangehen rnit der sich die in der biologisdi:dynamisd1en Wirtsdiaft3we15e üblich gewordene Mistpflege durch Haufen:
Erd: und Kompostdüngung, ebenso wie für das sorgfältige Haufensetzen in der Mistpflege. Es setzen von anderen Bestrebungen unterscheidet. Aus Düngerkellern wie audi aus vielen Dünger:
wurde in der Folge möglich, alsbald eine Kompostbereitung im Rahmen der biologisd1:dynamischen gruben ist nur ein faulig riediencler, nasser Mist zu erhalten. Es mag sein, daß die Kohlenstoff:
Wirtschaftsweise auszubilden, weldie gestattet, einen reifen Düngungsstoff in einem Drittel der Zeit substanz darinnen der Menge nach gut bewahrt ist. Der Qualität nach aber ist gegenüber dem
zu gewinnen, die ehedem zur Fertigstellung eines Kompostes als üblidi galt. Das ermöglicht Ausgangszustand eine ausgesprochene Versdrledfierung durch eigentümlidie Gärungen festzustellen,
einen raschen Umlauf der organischen die siditlich mit dem teilweisen Verhindern der Lufteinwirkung in den Kellern und Gruben zu:
,..„„ Abfälle bei verbesserter Wirtschaft: sammenhängen. Im Gegensatz zu Kellern und Gruben kann man in Haufen, die über der Erd:
_l lichkeit. Dabei istdas Maß von Arbeit, oberfläche aufgesetzt sind, manche organischen Umsetzungen in schöner Weise steigern, wobei der
das auf eine bestimmte Menge von verbesserte Luftzutritt und die Einwirkungen der Witterung mitspielen.

Kompost verwandt wird, im Ganzen Das Aufsetzen des Stallmistes über der Bodenobertlädre in Haufen unter Einsdilag in Erde
genommen nicht höher als ehedem. ist bereits vor 100 bis 150 Jahren in manchen Gegenden bäuerliche Gepflogenheit gewesen,
Das häufige Umsetzen von Kompost, , ‚ vielleidit nodi viel
weldies früher gefordert wurde, läßt weiter zurück.
sich bei entsprechender Sorgfalt» im Immerwiederhaben
ersten sdiiditenweisen Aufsetzen der sorgfältig beobadi:
Kompostmassen oft vermeiden oder tende Praktiker den
einschränken. Die Kenntnis der Be: Wert dieser Dün:
deutung des riditigen Luftzutritts, der gerbehandlung er:
abgestimmten Sonnen: und Wärme: kannt und ihn zu:
einwirkung, der Regelung der Feudi: nutze gemacht. Es
tigkeitsverhältnisse und iiberhaupt der sei hier ganz be:
Anordnung der gesamten Kompost: sonders erinnert an
bereitung nadi der räumlichen Lage Amtsrat Dr. h. c.
und der Zeiteinteilung unter ständiger Paul Köster in
.Rücksichtnahme auf die Organismus: Coldingen, dessen
natur der Haufen, hat hier einen Beispiel um ,die
vorteilhaftenWandelgegenüberfrüher letzte Jahrhundert-
geschaffen. Gleid1zeitig ermöglicht die wende leider zu
neue Betraditung$art ein Verständnis wenig Nachahmung
älterer Gepflogenheiten auf dem Ge: fand.
biete, sodaß heute zahlreidie gärtne: Als sich im
risdie und auch landwirtsd1aftlidie Rahmen der biolo:
Betriebe der biologisdr:dynamisd1en gisdi:dynamischen
Wirtsdiaftsweise Sidi durch vielge: Wirtschaftsweise
staltige Erdlager auszeidinen. Diese
gestatten vielen Kulturpflanzen nicht
Erdlager mit Sonderkomposten auf dem Birkenhof zu Worpswecle. das
SHf1‘luf.
mlSimsetzecg
nur eine allgemeine Nährstoffver:
sorgung, sondern audi eine ihnen
Dipl.:Gartenbau:Inspektor M. K. Sd1roar3, der Leiter der Gartenbau: und Siedlersdrule
\Vorpsruede bei Bremen, brachte die Anregungen Dr. R. Steinefs zum Haufenset3en der
Naturdünger für gärtnerisdie Zmedie 3u besonders hoher Ausbildung.
Yon
m “
Gegenden
fand, in denen es
m}
em"

erwünschte eigentümlidie Anregung vorher nicht üblidi


durch besonders angepaßten Dünger oder sogar wieder in Vergessenheit geraten war, gab es mandre Anfeindungen, welche das neue
Dr. h. c. Paul Köster (Coldingen, Hannover 'l' 3. 3. 1920) zukommen zu lassen. Verfahren als verwerflidi bezeichneten. Man war wohl der Ansdiauung, daß durch das Auf:
Er bildete das Haufensetzen des Stallmisles zu einer hohen Stufe aus setzen des Mistes und die damit verknüpfte Durdiliiftung große Verluste entstehen müßten, was
und setzte sich in der Presse dafür ein. Diese seine Arbeit fand 5u
seinen Leb3eiten keine genügende Beachtung und Verbreitung. (Das jedodi bei gesdiulter Arbeit nicht der Fall ist. Vielfadi glaubte man audi die sd1einbare Mehr:
Bild wurde uns von der Witme des Verstorbenen freundlicherroeise arbeit angreifen, oder auf die nadi Misthaufen auf den Feldern auftretenden Geilstellen besonders

_
3ur Verfügung gestellt.)
hinweisen zu müssen. Es trat sogar die Meinung hervor, daß Stallrnist eben „riechen“ müsse,
als sich herausstellte, daß durch das Haufensetzen und die übrigen Maßnahmen biologisch:dyna:
Das Erdlager ein Jaucheverzehrer misdier Düngerpflege ein nur nodi erdartig riechender, gut verrotteter Mist entstand, der sich durch
In Betrieben mit reichen Erdlagern kommt audi die Jaudreverwendung in ein neues Fahr: besondere Ausgiebigkeit und leichte Handhabung beim Ausstreuen auszeidinete.
wasser. Es ist nicht zu verkennen, daß ehedem in vielen Betrieben die Jauche in einer rohen
und schädigenden Weise verwendet wurde, sodaß wohl kaum von einer Düngung gesprodien Das Durchziehen der Stallmisthaufen mit Erde
werden konnte, sondern eher von einem Wegschütten die Rede sein mußte, das weder wirtschaftlich Besonders widitig war es (namentlidr in Gegenden mit einem gewissen Mangel an Stallmist),
nodi biologisdi zu verantworten war. Werden erdige Düngermassen in regelmäßiger Weise be: eine Art Stredcung desselben durch Einziehen von Erdschichten in die Düngerhaufen vorzunehmen. ,

jaudit, so werden dadurdi die Betriebe von der unmittelbaren Feldverwendung der Jaudie nennens: Durch das Durd1setzen des Mistes mit Erde entsteht eine Art Zwisdiending zwisdien Erd: und
wert entlastet. Die erdigen Dünger werden durch die Jaudie bereidiert und in ihrer Wirkung dem Mistdüngung.
Stallmiste angenähert. So knüpft sich an die richtige Erdhaufenarbeit eine verbesserte Verwertung Geschidrtliche Studien zu dieser Angelegenheit zeigen, daß zur Zeit von J. N. v. Schwertz in
der Jauche, die sonst wohl als einer der am schwierigsten zu handhabenden Naturdünger zu be: manchen Gegenden, z.B. in Westfalen und Rheinland, das Einstreuen von Erde in den Stall:
zeidinen ist. mist ziemlidi verbreitet war. In Landstridien mit Streumangel gab man viel heimgefahrene Erde
48 49

unmittelbar in die Ställe‚ in denen der Mist nach Art von Tiefstalldiinger zusammen mit den ein: auf. Es ist nidit nur so, daß der Bauer in Form seiner Sdimetterlingsblütler:Felder und seines
gestreuteii Mutterbodensthichten sid1 bei der Stallhaltung vom Herbst bis zum Frühjahr immer garen Mutterbodens ein eigenes Werk zur Gewinnung von Luftstickstoff hat nein, er hat in
H

mehr auftürmte. Anderseits versah man audi den Mist auf der Düngerstätte häufig mit einer seinen richtig gesd1idrteten Erd:, Kompost: und Misthaufen audi sein eigenes kleines Kaliwerk,
Erdabdedcung. Aus einigen Gegenden wird berichtet, daß nach dem Adcern ein Teil der Furdien seine Phosphatfabrik. Sie liefern ihm einen wesentlichen Beitrag zum Nährstoffhaushalt seines
herausgenommen, auf Wagen geladen und zur Einstreu nadi Hause gefahren wurde. Der Boden Betriebes, der ohne das Haufensetzen nidit zustandekäme. Was dieser Aufsdiluß der Sdiätze
so behandelter Acker wanderte also in gewissen Zeiträumen in den Viehstall oder auf die Dünger: der eigenen Scholle in einer Zeit bedeutet, in der fast aller Phosphatdünger:Rohstoff aus dem Aus-
Stätte und dann wieder zurüdc zum Adcer. Wurde jeweils jede 3. oder 4. Furdie bei diesem lande zugekauft werden muß, versteht sich von selbst. Es wirkt die gesteigerte anorganisdie Ver:
Verfahren genommen, so war dies ganz bestimmt eine große Arbeit für den damaligen Bauern. witterung mit, dazu aber auch die Lebenstätigkeit von pflanzlichen Kleinwesen, die mit eigentüm:
Es taucht die Frage auf, weldier Sinn sich mit einer soldien Mühe verbindet. Gerade Sdiwertz lidien organischen Aussdreidungen imstande sind, kali: und phosphathaltige Erd: und Gesteinsteile
ist es, der immer wieder darauf aufmerksam macht, daß man mit einem abfälligen Urteil außer: anzugreifen und in löslidie Verbindungen überzuführen.
ordentlich zurüd<haltend sein soll, wenn man irgendwo in der Landwirtsdiaft eine mühevolle Ar: Die Erdhaufen als Organe des Betriebskreislaufs
beit wahrnimmt, deren Sinn man nidit sofort erfassen kann. Diese starke Erdumvöälzung, weldie Hier wird ein großer Vorteil so unsdieinbarer Arbeiten wie der Pflege der Erdhaufen und
Sdiwertz erwähnt, ist zwar heute kaum irgendwo zu finden, dodi gibt es immer noch Gegenden, des Durchziehens von Misthaufen mit Erdschichten sichtbar. Was vorher im Boden unaufge:
in denen wenigstens die Ausstreid1furchen mit ihrem Erdüberschuß auf Wagen nach Hause ge: sdilossen war, wird der Lebewelt zugängig gemacht, was unlöslidi war, wird löslich gemacht.
führt werden. Dadurch wird zu einem wesentlid-ren Teile das sdieinbar Unmöglidie möglidr gemadit: Gesdilossene
Der Riesenacker Betriebsorganismen der biologisdvdynamisdmn Wirtsd1aftsweise bestehen fort, ohne Verarmung
Wer einmal vor dem an löslidien Nährstoffen und ohne Ertragsrüdcgänge, trotz ständiger Ausfuhr von Nährstoffen in
gutgepflegten Dünger:
mietenplatz eines grö:
ßeren Betriebes der bi:
Form der Erzeugnisse
— sie bestehen fort, ja sie entwidceln sich aufwärts zu gesteigerten Nähr:
stoffvorräten und zu höheren Ernten.
Die Erfahrung erweist, daß die Arbeit an den' Erd: und Düngerhaufen eigentlich nur eine
ologisdi :dynamischen teilweise Vorverlegung der Bodenarbeit an einen sinnvoll ausgewählten Punkt des landwirtschaft:
Wirtschaftsweise stand lichen und gärtnerisdien Betriebskreislaufes bedeutet. Die Hinwendung der Pflegearbeit auf den
und den Anblick vieler, Dünger bringt allmählidi einen garen Boden zustande, der durch seine Lockerheit alle Bearbeitung
langer, gleidilaufender außerordentlich erleichtert und abkürzt. Die richtige Düngerbehandlung nimmt ein großes Maß von
Erd: und Kompost: Arbeit mit der Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten und audi zahlreidrer tierisdier Schädlinge
mieten auf sich wirken vorweg.
ließ, der konnte wohl Von dem gepflegten Erdlager aus strahlt eine Überwindung der Bodenschwere in den ganzen
den Eindrudc haben, Betrieb aus. Jene Luft: und Lichtkräfte, weldie mithilfe des men3dilidien Eingreifens eine Uber:
daß es sich dabei um windung der Bodensdiwere zustandegebracht haben, wirken aber überdies gesundheitlidi im Be:
ein Riesenfeld in triebsganzen weiter, so wie eben gesteigerte Luft: und Lid1teinflüsse sich gesundheitlich auswirken,
Dammkultur handelt. sei es im Mensdienleben, sei es im Tierleben, so audi im Boden: und Pflanzenleben,
In der Tat gehen in UnSdieinbar, ia sdimutzig erscheinen viele Arbeiten des Landbaues. Unansehnlidi ist das
Soldien Anlagen jene Wühlen im Erdreich, das Handhaben des Mistes. Veredelt wird aber das Einfachste und Be:
Vorgänge, die in einem sdieidenste durch den Hinblidc auf die großen Naturzusammenhänge.
in rauher Furche lie: Mit neuem Willensantrieb werden die Bauern und Gärtner der biologisch:dynamisdien Wirt:
genden Ad<er, oder in schaftsweise um den Sdiatz im Acker ringen!
einem in Dämmen lie:
genden Gartenland vor
Sidi gehen, in einem be:
Aufn.: Dipl.:l.andm. H. Voegele
Kompostanlage des Korreshof bei Mettmann.
Wie große Spargeldämme liegen hier Kompostmieten Reihe an Reihe, als ob sie mit
sonders verstärkten
Ausmaße vorsich. Hier
wird die Verdauung des
. Ist der Bauern- und Gutsgarten ein Düngerfresser?
einem Riesenpfluge 3ustandegebrad1t waren. In diesen Mieten geht der Aufsdiluß non Düngers, die sonst der
Max K. Schwarz, Worpswede
toter Erde und audi von miderspenstigen organisd1en Auffällen wie Stroh, Kaff in A b 0d “h Ein jeder rediter Bauer und Landwirt wird mehr denn je darauf bedadit sein, allen an:
einer Art Verdauungsoorgang günstig vor sich. .(kel' en mu Sam fallenden Stalldünger seinen Ädcern zuzuführen, allen gewonnenen Kompost auf Wiesen und
bei gleidizeitiger Pflan:—
zenproduktion zu vollziehen hat, in eine erwünschte Vorverdauung übergeführt. Die Angleidiung Weiden zu breiten. Jeder Bauernhof hat audi einen Garten, oftmals mit dem Obsthof verbunden
und fast ein jedes Gut eine mehr oder weniger intensiv betriebene Gärtnerei.
des Mistes an das Erdreich, die beste Verbindung zwischen beiden, welche hernach eine ganz
Ehemals war es ein Selbstverständlidres, daß der Garten innigst mit der Bauern: bezw.
gradlinige ungestörte Pflaiizeriarbeü auf dem Ad<er ermöglicht, wird hier bereits vollzogen. Hier Gutswirtsd1aft verbunden war und ein wediselseitiges Verhältnis zwisdien beiden im Geben und
wird das vorneweg vorgenommen, was dem Mutterboden von oben her in Form der Zufuhr von
Nehmen bestand. Aus dem Gartenbau konnten wertvolle Einsichten für die Bewirtsd1aftung in
lebendiger Düngersubstanz zukommen soll. Die Sadie geht sogar nodi weiter. Denn man kann Feld, Wiese und Wald gewonnen werden, und umgekehrt floß ihm aus dem Landwirtschafts:
wissen, daß riditig aufgesetzte Erd: und Kompostmassen nicht nur Bewahrer von Düngerwerten
sind, sondern daß sie sogar nodi Stickstoff aus der Luft sammeln. Das ist audi gar nidit zu betrieb das an Dünger zu, was er brauchte, um seinerseits reidilidi mit Gemüsen und Früdüen
für den Eigenbedarf und darüber hinaus aufwarten zu können. Audi heute noch ist zuweilen
verwundern. Jedermann weiß heute, daß ein guter, gesunder Ackerboden durch die Tätigkeit einer dieses gegenseitige auf Nehmen und Geben abgestimmte Verhältnis von Garten und Wirtschafts:
Reihe von Kleinlebewesen Stidcstoff in erheblichem Maße aus der Luft sammelt. Selbstverständlich
geht in einem richtig aufgesetzten Haufen, der nicht von vornherein sdion zuviel stid<stoffhaltigen hof anzutreffen, jedodi nur dort, wo es sich um gesdilossene, in sich lebendige Organismen beim
Dünger enthält, dieser Vorgang ebenfalls, ja in einer gesteigerten Weise vor sich.
Gesamtbetrieb handelt. Dort kann als grundlegend gefunden werden, daß ein ausreid1endes Vieh:
verhältnis vorhanden ist und die gesamten Adcerflädien regelmäßig und ausreichend Stalldünger
Geptlegte Erdhaufen

kleine Kali— und Phosphatdiingerwerke
Aber auch der Vorgang, mit dem der Mutterboden von unten her die untätigen Mineralien
zugeführt erhalten. In die mit Stalldünger zu versehenden Flädien ist dann audi der Garten als
unzertrennlich dazugehörend mit einbezogen.
emporhebt, wird in der riesigen Dammkultur eines rid1tigen Erdlagers zur Wirkung gebradit. Hier Viele Bauern: und Gutswirtschaften besitzen aber heute dieses abgestimmte Viehverhältnis
nidit mehr und befinden sich daher hinsichtlich des Stalldüngers in großen Noten. Da ist es dann
schließen sich aus rohen Bodenteilen Mineralstoffe wie das Kali, der Kalk und die Phosphorsäure
50 51
verständlich, wenn es zunächst heißt, alles an Stalldünger auf den Acker, weil er diesem am 6#7 Wochen lang. Darin erfolgt die Umsetzung des Kompostes. Hierauf bleibt ein solcher
bittersten not tut. Besteht bei dieser Erkenntnis von vornherein das Bestreben, das bestehende Haufen günstigerweise nodi mindestens 4 Wochen lang liegen, bis er zur Anwendung gelangen
ungünstige Viehverhältnis zum Gesamtbetrieb allmählich auszugleichen und auf zukünftige ordnungs: kann. Solche Haufen sind mit einem Torfmullmantel abgededct zu halten. Der auf diese Weise
mäßige Naturdüngerwirtschaft umzustellen, so kann man mit dieser vordringlichen Maßnahme
weiteres einverstanden sein. Hier muß mit Recht die Gärtnerei für eine Weile mit ihren Bedürf:
ohne mit Kuhdüngerwi‘rkung angereicherte Komposthaufen wird nun auf das mit Starkzehrern zu be.-
stellende Land aufgebracht und dort eingekrault, nachdem vorher das Land gelodcert worden war.
nissen an Stalldünger zurückstehen. ,
Es genügen geringe Mengen dieses kräftig wirkenden Kompostes, um eine gute Dungwirkung zu
Bevor jedodi in einer Wirtsdiaft dieser Schritt unternommen wird, sind alle Überlegungen erreichen, wie sich in den letzten Jahren oft feststellen ließ. Der Boden wird nur ganz dünn:
Sd'tld'ltlg mit diesem Dünger überstreut.
widitig, in weld1er Weise der bestehende Mangel an Stalldünger ausgeglidien werden kann.
läßt sich zum Beispiel der Stalldiinger durch Erdzusätze ganz bedeutend strecken, wie uberhaupt
So
Der ausgereifte Kuhdünger läßt sich auch unmittelbar mit den pflanzlichen Komposterden
in einem soldien Fall die sorgfältigste Pflege des frisdi anfallenden Mistes den Mangel bis zu misdien. Dies ist z. B. zu empfehlen, wenn Pflanzerde zur Lochdüngung von Starkzehrern wie
einem gewissen Grade beseitigen kann. (Siehe Demeter 1935 Heftil „Verbesserte Kompost: Kohl, Sellerie, Laudi, Salat usw. bereitet wird.
und Düngerpflege auf Grund zehnjähriger Erfahrung“). Bei der Art des einstigen oherflachlrchen In gewisser Weise kann Stalldiinger audi ersetzt werden durch einen Kompost, welcher aus
Vorgehens ging oft nahezu die Hälfte an Stoffen und Kräften des anfallenden Stalldungers verloren. Erde, Knochen:, Blut: und Hornmehl, sowie aus Geflügeldünger und dem Düngungshilfsmittel 500
Aber bei der sorgfältigen Pflege, die ihm bei Anwendung der biologisch:dynamßdien Maßnahmen bereitet werden kann. Dieser wertvolle Dünger dient für Starkzehrer. Eine Zusammensetzung von
zukommt, ist dieser Verlust außerordentlidi zu verringern. 2 Pfd. Hornmehl, 4 Pfd. rohem Knochenmehl, 2 Pfd. Blutmehl und 1 Liter:Gefäß voll Geflügel:
Auf die Dauer wird es freilich nicht möglidi dünger je Kubikmeter Erde oder Kompost ist empfehlenswert. Diese Stoffe sind vor dem gründlichen
+loizde.dsz sein, die Stalldüngerzuführung im Garten oder mehrmaligen Durchsdiaufeln zusammen mit der Erdmasse mit kochendem Wasser zu überbrühen.
Während des Mischens selbst ist das Düngungshilfsmittel 500 feindunstig mit der Spritze zu ver:
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in der Gärtnerei zu unterlassen. Dagegen lehrt
die Erfahrung, daß laufend mit viel geringeren
teilen. Nach dem Mischen wird das ganze mietenförmig aufgehäuft und mit den Düngungshilfs:
mitteln 502e507 versehen. Ein Erdmantel und darüber eine Laub: oder Strohdecke schließen
Mengen auszukommen ist, als sie im allgemeinen die Düngermiete ab. Nadi 8 Wochen Lagerzeit ist das erste Umsetzen zu bewirken, nadi wei:
bisher gebraucht worden sind.
teren 6 Wochen das zweite. Je nach der Erdverfassung kommt sogar nodi ein drittes Umsetzen
Eine wertvolle Hilfe bei Düngernot erwädist in Frage. Die Haufen sollen, wenn es irgendwie möglich ist, mindestens 3 Kubikmeter groß sein.
in dem besonders zubereiteten reinen Kuhdünger,
Der so gewonnene sehr konzentrierte Dünger ist ebenfalls erst nadi einem Jahr verwendungsreif.
nach dessen Präparation Sidi eine sehr wirkungs:
volle Düngerflüssigkeit herstellen läßt, mit weldier Er darf nur in sehr feiner Verteilung zur Verwendung gelangen. Am besten wird er nur in
pflanzlidie Komposterden gründlid1st durchsetzt Prisenform in die Pflanzlöd'ier gegeben oder vorher noch mit anderen Komposten vermisdit und
dann aufs Land gestreut.
werden. In diese Komposterden zieht durch den Günstige Dungwirkungen für Starkzehrer können auch mit Komposten aus Sdimetferling3:
aufbereiteten reinen, in seiner Wirkung durch blütlerpflanzen erzielt werden, wenn in diese während ihrer Verrottung ein wediselseitiges Zuführen
die Präparation mit den biologisch:dynamischen von Kuhdiingerflüssigkeit und Geflügeldüngerfliissigkeit erfolgt.
Düngungshilfsmitteln. gesteigerten Kuhdünger Dagegen sollte zur Nahrungserzeugung in Gärten die Fäkalienanwendung grundsätzlich unter:
eine außerordentlidi düngende Kraft ein. Die
bleiben. Leider ist die Abortdüngung eine weit verbreitete geworden und wird besonders in den
Kuhdüngerflüssigkeit ist in diesen Komposterden Bauerngärten geübt. Häufig werden sogar mit Sdiöpfkellen unmittelbar aus der Grube heraus
in ihrer Wirksamkeit erfahrungsgemäß im Uber: die rohen Fäkalien auf den Gartenboden, mitunter sogar an die heranwadnsenden Pflanzen hin:
gewidit, sodaß hier durchaus von einem prak: geplantscht. Der vielbeschäftigten Bauersfrau obliegt in den meisten Fällen die Bestellung des
tisd1en Ersatz derüblichen Stalldüngeranwendung Gartens, und in Bezug auf die Düngung macht sie es sich dann bequem und leicht, denn das
gesprochen werden darf. Dieser reine Kuh: „Ortd1en“ befindet sich oft sehr in die Nähe des Gartens gerüdct. Ein schrecklicher Gefahren:

'
dünger wird z. B. mit Vorteil in ein kleines herd entsteht durch ein soldies unbedachtes Vorgehen für den Boden, für die Pflanzen und den
l /'
‚Li-. ,/ Säl;&u_kfkld
Geviert gebracht, dessen Boden aus Lehm:
stampf besteht, und das Flechtwandungen aus
Mensd1en. Der Boden wird durch die rohe Düngerzuführung einseitig beeinflußt und seifig. Die
Pflanzen erwachsen daraus geil und massig, aber die unter diesen Umständen erzeugten Gemüse
\'i'/' Birkenreisig hat. (Siehe Zeidinuhg.) Dieses und Früchte sind von schlechtem Geschmadc und ebensoldier Haltbarkeit. Bei ihrer Zubereitung
Gefäß aus Lehmstampf und Birkenreisiggefledit stinken sie aus dem Topf. ‘ '

Züd““" H' Bünd' sitzt auf der Erde auf und ist rings von Erde
umgeben, die zwedcmäßig nodi mit Rasensoden
Die auf einem Bauernhof oder Gute anfallenden Fäkalien sind gründlich unter den tierischen
Dünger zu mischen, sodaß letztere bei weitem die Uberhand haben und eine gemeinsame Ver:
bedeckt wird. Es ist demnach das Gefäß in einem Erdkegel eingebettet. gärung stattfindet. Auf diese \Weise werden sie gefahrlos gemacht. Keinesfalls dürften die Fä:
Frischer, reiner strohfreier Kuhdünger wird von weidenden Kühen täglich gesammelt und (in kalien in Bauern: oder Gutsgärten Verwendung finden, sondern hier sollen nur vollkommen durch:
dieses Gefäß eingebracht. Ist das Gefäß halb gefüllt, so erfolgt die erste Präparation, die zweite gereifte tierische Dünger, namentlich Kuhdiinger, oder die hier beschriebenen Dungstoffe zur An:
nachdem es ganz voll ist. Das Gefäß wird mit einem Holzdeckel, der auf dem Rasensoden auf: wendung gelangen, um so Boden, Pflanze und damit auch die Mensdien gesund und leistungs:
liegt, abgesd110ssen gehalten. Innerhalb eines Jahres oder nodi früher re_ift dieser sobehandelte fähig zu erhalten. Es sei hier nur erwähnt, daß durch rohe Fäkaliendüngung die Erkrankung “durch
Kuhdünger heran, um dann zur Herstellung der Kuhdüngerfiüssigkeit dienen zu konnen.
Der parasitisd1e Würmer (Spulwürmer) sehr begünstigt wird, die ihrerseits wieder andere Krankheits:
reine Kuhdünger ist durch die Reifung dunkel, feinbröselig. und lod<er geworden
und duftet wie zustände wie Blutarmut im Gefolge haben.
Steinpilze. Die Verdünnung desselben wird mit Regen:, Bach: oder Flußwasser im.Verhaltms
von 1 Teil Dünger und 7 Teilen Wasser vorgenommen, wobei das Wasser leidit angewarmt
Vielfach werden in den Bauern: oder Gutsgärten auch viele Fuhren Stalldünger oder» nur
Pferdedünger, nur Sd1weinediinger, mandimal sogar nur Geflügeldiinger, womöglidi noch an Torf
sein soll. Der Kuhdünger ist mit dem angewärmien Wasser etwa 10 Minuten lang zu verrühren, '
gebunden, frisch und unverrottet untergebracht. Dann tritt oftmals noch eine reidiliche Jauchever:
so wie sonst die Düngungshilfsmittel 500 und 501 zubereitet werden. wendung auch bei den wachsenden Pflanzen hinzu. Man braucht sich dann nidit zu wundern, wenn
Ausgereifte pflanzliche Komposthaufen werden mindestens dreimal innerhalb einer
mit dieser Düngerflüssigkeit derart versehen, daß sie davon gründlidi durditrankt Sind. Diese
Woche die Böden verseift und versdimiert sind, also eine einseitige Ubersättigung zeigen und dann voller
Unkräuter wie Franzosenkraut, Giersdi, Hahnenfuß usw. stehen. Gegen soldi grobes Vorgehen,
Flüssigkeit darf jedodi nicht so stark zur Anwendung gelangen, daß sie etwa am Fuße des Haufens das die feinen Vorgänge im Boden zerstört, ist unbedingt Front zu machen. Nicht nur dem
heraustritt. Die dabei zu verwendende Menge läßt sich hier im Voraus nidit genau bestimmen; Ad<er,‘der Wiese und der Weide wird durch ein solches Vorgehen wertvoller Dünger entzogen,
sondern mit dem der Wirtschaft Entzogenen wird überdies im Gartenland viel Unheil angerichtet.
sie hängt stark ab von der Zusammensetzung des Komposthaufens, seinen erdigen
lidien Bestandteilen sowie von der Witterung. Diese Düngerbefeuchtung erfolgt regelmaßrg etwaund _pflanz:
Das schlampige und vergeudende Verhalten, das zunächst eine Arbeitsersparnis zu sein scheint,
53
52
widitig, um einen aus möglichst versd1iedenen organischen Stofflidrkeiten zusammengesetzten Kom=
erzeugt Krankheit und Unfruchtbarkeit durch Schädlinge. Durch den unumgänglichen Kampf gegen
die Auswirkungen des eingerissenen Ubelstandes erwädrst eine ungeheure Mehrarbeit. post zu erhalten.
Dem Mangel an Kompostmaterial ist nur dadurdi zu begegnen, daß alle vorhandenen Ab.-
Zur Einarbeitung in die biologiseh:clynamisd1e Wirtschaftsweise entsduließen sich Viele, zu.—
'

nädrst einen Düngungsversuch im Garten vorzunehmen. Dieser dürfte aber wenig Aussicht auf fallstoffe nadi genauester Erfassung in der nutzbringendsten Weise verwertet werden. Die Zu:
Erfolg haben, wenn vorher im Garten, wie geschildert, verfahren werden ist. Dann ist es Schon bereitung und Pflege ist so zu handhaben, daß keinerlei wesentliche Verluste an lebenswichtigen
Stofflidikeiten und Bildekraften entstehen und ein gehaltvoller liumusreicher Dünger daraus hervor.-
besser, solche Einarbeitungs:Versud1e auf dem Feld anzusetzen, zumal wenn dort vorher zur geht. Nähere Angaben darüber sind in dem Aufsatz von M. K. Sdiwarz im Novemberheft der
Ausgleidiung der Bodenverhältnisse Sd1metterlingsblütler gebaut worden sind.
Unter Umständen wird man sogar genötigt sein, an Stelle des alten Gartens einen neuen Demeter des vergangenen Jahres zu finden *). Es kann mit verhältnismäßig kleinen Mengen eine
gunstige Wirkung auf das Boden.- und Pflanzenleben erzielt werden, wie die Erfahrung gezeigt hat.
in der Nähe des Hofes anzulegen, um nidit auf Jahre hinaus unter Einwirkungen der bisher ge:
maditen Fehler leiden zu müssen. Die Erde des alten Gartens muß dann einer gründlid1en Versduedene Abfallstoffe eignen sich (neben einem Verkompostieren auf Haufen) audi zur
Gesundungsbehandlung oder Magerung im Erdhaufen unterzogen werden. Herstellung von Dungflüssigkeiten, indem sie mit Regenwasser oder Jauche ausgelaugt und ver.-
Wie dem audi sei, der Bauerngarten und audi die Gutsgärtnerei dürfen keinile Düngerfresser goren werden. Gerade für den Siedler, Kleingärtner und Gutsgärtner stellen diese eine beachtens:
sein. Der übrige Betrieb darf durch sie nidit zu kurz kommen. Es gibt, wie aus der Schilderung werte Erganzung der vorher genannten festen Dünger dar. Diese wiederum werden durch ein
ofteres Befeudrten mit soldien flüssigen Düngern in ihrer Wirksamkeit nodi erhöht. Das gilt audi
hervorgeht, für die Gartendüngung Möglidikeiten genug, geeigneten und auch ausreichenden Dünger
herzustellen. Die auf große Stalldüngermengen für ihren Garten versessenen Gutsgärtner und sd10n4fur gewohnlid1e Erdhaufen. Die Gelegenheit ist in der Stadt gar nidit so selten daß man
von einer Baustelle Mutterboden, soweit er dort nidit für eigene Gartenanlagen gebraud'ft wird er.-
Bauersfrauen zeigen damit nur an, daß sie nidit gärtnerisdr zu wirtsd1aften verstehen, viel zu grob halten kann. Sd11ditet man diesen zu Haufen auf und begießt diese regelmäßig mit Düriger:
verfahren und damit Herde der Schädlingsbildung schaffen. Durch ein richtiges Erfassen orga:
nisdrer Stofflidrkeiten und durdi deren sorgfältigste Aufbereitung zu Dünger ist es durdiaus möglidi,
mit den gleichen Stalldüngermengen für eine gärtnerische Bodenbewirtschaftung auszukommen, wie
wassei‚3eidann
man ähälténan
en
eine redit braudibare Erde.
ausfrauen, die mit großer Liebe ihre Zimmer flanzen fie en, kann man '

— niit Regenüas%er sond£fü


sie sonst für gleidie Flächen im Feldanbau als ausreichend erachtet werden. Für den Gartenbe: Beobaditung madien, daß sie ihre Pfleglinge nidit nur regelmäßig gießen,
steiler muß es zum Grundsatz werden, „öfters,
heute üblid”i ist.
wenig
— aber viel feiner" zu düngen, als es audrab und zu'nodi eine besondere Flüssigkeit mit verwenden. Forsdrt man ein wenig weiter nad-i
so Wird einem em Behälter gezeigt, in dem allerlei bekannte Stofflidikeiten aus der Küdie wie z. Bl
zerstoßene Erersdialen‚ Holzruß, sogar Kaffeesatz und Ahnlidres herum sdrwimmen. Die alte
B_auerin hatte eine nodi viel reidihaltigere Auswahl zu diesem Zweck zur
Verfügung. In erster
Linie nahm sre Taubenmist, den sie mit heißem Wasser aufbrühte. Dann bradrte sie zerhad<te
Die Wundertonné
Franz Lippert
Federn hinzu. Und wenn der Bauer in die Sdimiede fuhr, bradite er ihr Hufspäne mit, wofür
Sie besonders froh war.’ Audi gewisse Kräuter fehlten nidit so z.B. der Isop. Den üppigen
reidibluhenden Geranien an den Fenstern der Wohnstube sah man es an, wie dankbar sie für das
Die Beschaffung hod1wertiger Wirtschaftsdünger wie Mist und Kompost bereitet dem Garten: lcosthdie Naß aus dem Fasse mit flüssigem Dünger waren.
Ein Dungguß, bestehend aus frischen Kuhfladen, Malzkeimen, Weinlager und zerhadctem
besitzer in der Stadt, dem Siedler und audi für den Gutsgarten mancherlei Schwierigkeiten. Audi
da, wo Mist vorhanden ist, handelt es sich manchmal darum, sparsam mit ihm zu sein, um einen Isop wurdein ehedem den Orangenbäumen in den Orangerien verabreid1t. (Siehe Aufsatz von
Vorrat für Neuanlagen und dergleidien zu sammeln. Es tritt einem immer wieder die Frage ent: Dreb01der der „Verbandszeitung deutsd1er Blumengeschäftsinhaber“ 1935.)
gegen, wie man Sidi die für die Fruchtbarkeit und Gesundheit von Boden und Pflanze notwendigen
'
Die „Wundertonne“ der alten Bäueriri mit den reichhaltigen Bestandteilen sollte gerade im
organischen Dungstoffe ohne zu großen Kostenaufwand beschaffen kann. Bei der Erörterung Kleingarten w1ederum Eingang finden. Der Kompostplatz ist die geeignete Stätte, wo sie aufzu:
dieser Frage wird Sehr häufig übersehen, daß man von einem gut gepflegten gehaltvollen Natur: stellen ware. Als Behalten dient am besten ein Holzfaß, das zur Hälfte in die Erde eingesenkt
dünger gar nidit solche großen Mengen benötigt, wie man gewöhnlidr annimmt. Wird; den oberen Teil umgibt man mit einem Erdmantel. Eine etwa zwanzig Zentimeter starke,
Der Mist, weldier in den Abmelkställen und Schlad1tviehhöfen der Städte anfällt, wird in festgestarnpfte
sie fur die Lehmsdircht bildet den Boden. Tauben.- und Hühnerdung ist in den Mengen, wie
Herstellung emes_sold1en Düngerwassers benötigt werden, audi in der Stadt aufzutreiben.

erster Linie von den Erwerbsgärtriern gepaditet und verbraudit. Kann man weld1en bekommen, so
muß man ihn um einen gut verrotteten, verwendungsfähigen Dünger daraus zu madren
einer sehr sorgfältigen Pflege unterwerfen. Auf ein Durchmisdien mit guter Erde, Feudithalten —
erst Mari
wird
wende Sidi an die Brieftaubenvereinigungen und sonstigen Taubenhaltungen. Taubendünger
audi Ösadcwe1se gehandelt.an.Horn: und Knochenmehl bieten die Samengesdiäfte und Firmen
und mehrmaliges Umsetzen ist besonderer Wert zu legen. fur gartnerisdie
Bedarfsartrkel Die übrigen oben erwähnten Zusätze sind ebenfalls unsdiwer
Für die Erzeugung von Qualitätsfriiditen sollte aber möglichst nach einem Dünger getraditet
werden, der aus einem gesunden landwirtschaftlid1en Betriebe stammt. Die Fütterung und Art
zu bekommen.
Dem flussigen Inhalt der Tonne werden dann nodi die Heilpflanzenkomposte
der biologisdi=dynamisdien Wirtsdraftsweise beigesetzt. Das Ganze wird mit einem Dedcel der
der Viehhaltung ist für den Wert—des Mistes maßgebend. Ein solcher Dünger aus gesunden, aber nidit didit sem soll, versehen. Die Flüssigkeit muß des öfteren umgerührt werden. Nadi
naturgemäßen Betrieben verrottet rascher und zeigt eine schönere Besdiaffenheit als derjenige aus sechs ‚bis acht Wochen ist sie gebraud1sfertig und wird zum Befeuchten der Komposte oder zum
Abmelkställen und Sdilad1thöfen. Wenn sich die Besitzer nahezusammen liegender Gärten zu
gemeinsamem Düngerbezug zusammentun, wie es mand1erorts bereits gesdiieht, so können sie
von
Gießen Gemusen und von Zimmerpflanzen verwendet. Zu diesem Zwedce verdünnt man
die Flussrgke1t um das zwölf: bis fünfzehnfadre mit Regenwasser. Tomatenkompost, der gut
sich die notwendigen Mistmengen aus Gegenden mit starker Viehhaltung auf verbilligte Weise feucht in die Pflanzgruben gebradit werden sollte, ist mit dem Düngerwasser zu durditränkfli.
kommen lassen. Zu gewissen Zeiten läßt Sidi in viehstarken Betrieben sdion ein bestimmtes Maß
an Mist erübrigen. So wird es audi dem weniger begüterten Kleingärtner und Stadtrandsiedler äfgilif; Wadisiuni und reid1en Fruchtbehang zeigten _unsere Tomaten bei einer solchen Be:
möglich, einen wenn audi der Menge nach redit besdreidenen Mistvorrat von guter Qualität zu: Vielleid1t ist dem einen oder andern Gartenfreund in der Stadt der Geruch d e " :
wege zu bringen.
Eine beinahe noch widitigere Rolle in der Düngungsfrage der Kleingärten spielt bekanntlich
dungers ein
Hmderungsgrund fiir die Zubereitung dieses Düngerwassers. In
zu raten, den Geflugeldiinger zunädi$t einmal zusammen mit Horn.- und Knodienmehl und Erde diesenfngleflL\hgéife
der Kompost. Da muß sdion alles auf das Sorgfältigste gesammelt werden, was an organischen
Abfällen in Garten und Küdie sich finden läßt, um genügend Material zur Herstellung von Korn:
durd1mrsdit aufzusetzen._zu präparieren und durch einige Monate hindurdi verrotten zu lassen. Nadi
dieser Vorverdauung wird er beinahe geruchlos. Selbst für eine sehr empfindsame Nase ist die
post zusammen zu bekommen. daraus hergestellte Düngertlüssigkeit im Geruch ganz erträglidr.
Mit Unkräutern und sonstigen Wildpflanzen ist die Natur im Bereidi der Städte nur sehr Mit dem bisher Ausgefiihrten ist die Wundertonne keineswegs erschöpfend behandelt. ihr
spärlidr „gesegnet“. Grabenaushub, Teid1sdilamm und ähnliche Fundgruben an kostbaren Sub: Inhalt laßt Sld'l naturhch nodi durch weitere Zutaten ergänzen und in der Wirkung dementspredrend
verandern. Es konnen auch andere Arten von Mist verwendet werden. Unter den pflanzlid1en
stanzen für eine Kompostbereitung sind meist in der ganzen Umgebung nid-rt mehr vorhanden.
Lediglich das, was an Sdilamm und sonstigen Verunreinigungen in den Wasserbehältern und 1933 Heft 11,
Plantschbecken sich angesammelt hat, steht zur Verfügung. Aber selbst die geringste Menge ist
*) Siehe audi: M. K. Schmar3 „Der madrsende Kompostliaufen“, Demeter S. 209.
54 55
als Zwisdrenptlan3ung anwendete. Die erste Möhrenaussaat (2 Reihen) madile ich im Februar 4 Tage nadi Vollmond;
Zusätzen. käme noch eine verstärkte Brennesselanwendung in Frage. Audi der Sdiad'itelhalm eine Reihe kam 3wisdwn Erbsen 3u stehen, die andere diente als Randpflan3ung. Bei ersterer kam der Vergleichssamen
kann auf diese Weise zur Benutzung kommen. 3ur Anwendung; dieser ging in 50 Tagen auf, lehtere war der behandelte Samen und ging troß des frostigen Wetters
Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Wundertonne nidit zu Unredit so genannt wird: denn in 44 Tagen auf. Erstere entmidrelten sich sehr stark im Kraut und in der Wur3el (bis zu 400 g Wur3elgemidrt),
sie ist insbesondere für den Siedler und Kleingärtner ein wohltätiges, handlid1es Hilfsmittel, das waren aber nid-rt so süß und satt im Gesdrmack wie die leßteren, die nur in der Quantität etwas 3urüdcstanden. Zwei
zur Behebung des Düngermangels Wesentlidie$ beiträgt. weitere Reihen säte ich im Mär}, eine Reihe 6 Tage vor und eine Reihe 5 Tage nach Vollmond. Erstere diente als
Randptlan3ung und ging in 26 Tagen auf, leßtere bekam ihren Plat; 3rvisdren Stangenbohnen und ging in 24 Tagen
auf. Diese leßteren entmidcelten ebenfalls sehr starkes Kraut und Wur3eln, süß und zart im Gesdimadr. Die ersteren
blieben in der Entmidclung etwas 3urüdr und hielten sich qualitativ gleidi. Alle vier Reihen 3usammeri ergaben 25 kg
Möhren. Bei den Karotten verlief der Versuch ähnlidi, doch mit entsprediend geringerem Ertrag.
Beobachtungen und Erfahrungen (Sdiluß folgt.)

in einem biologisch-dynamischen Kleingartenhctrieb


Otto Günther, Hamburg Zusammenkunft der ,‚Arbeitsgemeinschaften“
Im Frühjahr 1933 bot sich mir Gelegenheit, ein 300 qm großes Stüdc Gartenland 3u übernehmen. Der Boden
ist ein sanddurdmeßter, lodcerer Moorboden. Er war durch falsche Behandlung oernad11äßigt und mies starke An3eichen von Sachsen, Schlesien und der Lausitz in Oybin bei Zittau
-von Bodenmüdigkeit und Kohlhernie auf. Als Erwerbsloser standen mir nidit gleidi die Mittel 3ur Verfügung, um diesem vom 29. Februar bis 2. März 1936
Zustande 3u begegnen. Das Jahr darauf hatte ich 3unädist nur Gelegenheit, die biologisdi:dynamisd1en Düngeliilfsmittel an:
3urveiiden. Eine Portion 500 und 501 und ein Faß voll reinem präpariertem Kuhmist waren die ersten Düngemittel im Die Arbeitsgemeinschaften fiir biologisch—dynamische Wirtschaftsweise von Sachsen, Schlesien und
Frühjahr und Sommer 1934. Uber einen gebraudisfertigen Kompost verfügte idi nodi nidit, da dieser 3uoor erst all: der Lausitz veranstalteten am 29. Februar in Oybin bei Zittau eine landwirtschaftlich»gärtnerische Zu—
mählidi aus allem möglid1en Material, wie, Kiidienabfällen, Anfall aus dem Garten, Pferdemist von der Straße, herbstlichem . sammenkunft. Es waren annähernd 200 Landwirte, Bauern, Gärtner und Landarbeiter erschienen, die vom
Laub und Erde herangeroadrsen war, sodaß ich den ersten Haufen im April 1934 präparieren konnte. Ein 3rveiter Leiter der sächsischen Landesgruppe, Herrn Dr. B. v. Heynitz in herzlichen Worten begrüßt wurden. Zur
Eröffnung war auch der Bürgermeister von Oybin anwesend, welcher der Tagung einen guten Verlauf
Haufen wurde begonnen, der außer dem genannten Material nodi Lupinen enthielt, die ich dadurdi gewann, daß ich da:
mit den Hauptmeg und die Beerensträudier einfaßte und Sie sdrließlidi für die Kompostbereitung erntete. So konnte audi
dieser allmählich entstandene Haufen noch im Herbst 1934 präpariert werden.
pvügs;hée
eg a e.
und Herrn von Heynitz dankte, daß er diese Veranstaltung in das notleidende Grenzgebiet ver-

Nad1dem ich nun im selben Jahr den Boden mit dem Sprißmittel 500 und dem präparierten Kuhmist, sowie audi ‚Es sollte sich um keine Vortragstagung handeln, in der nur Einige reden und die Zuhörer das Ge—
die grünen Pflan3en mit Präparat 501 behandelt hatte
—— also nur einen Anfang gemadit hatte - mußte ich im Ver:
laufe des Sommers beobad-rten, wie außer der herrsdienden Düne die vorhandene Bodenmüdigkeit das Wadi5tum nodi
sprochene aufnehmen, sondern um eine Arbeitstagung, d.h. es sollte sich jeder beteiligen und mitarbeiten
und durch das Austauschen der Erfahrungen und des Wissens zu einem Gelingen beitragen. Dies wurde
sehr störte und die Kolilhernie in Erscheinung trat. Dies galt es nun 3u bekämpfen, und ich beabsichtigte, in Zukunft be: auch vollauf erreicht!
sondere Maßnahmen 3u treffen. Zu diesem Vorhaben kam mir die Gelegenheit zu Hilfe, den in Worpsrvede im No: Die Berichte behandelten einheitlich die Ursachen des Auftretens der Schädlinge und ihre Be»
kämpfurrg. Nach der Begrüßung ergriff Herr Dipl.:lng. F. Dreidax das Wort über „Die Grundzüge der
vember 1934 veranstalteten Gartenbau:Kurs 3u besuchen. Die dortigen Vorträge sowohl wie auch die praktischen A
leitungen gaben mir reid1lidr Anregungen für die 3ukünftige Behandlung des’Düngers. Bodens und der Pflan3e. Be:
— gesamten SchädlingsabWehr“,
Es kann in diesen Zeilen nicht auf alle Einzelheiten dieser wichtigen Ausführungen eingegangen
sondere Anregungen 3ur äußeren Gartengestaltung gaben mir die Vorträge von Herrn F. Lippert, namentlich wie er über werden, das möge den einzelnen Arbeitsgemeinschaften zur Ausarbeitung überlassen werden. Herr Drei—
die Bedeutung und Verwendung der Heil: und Gewür}kräuter spradi, der Vortrag des Herrn E. Thierfelder „Gemiisebau
für hohe Ansprüdre“ u. a. in. Weitere miditige Finger3eige ergaben sich mir durch das Studium der Demeter5eitsdirift und dax behandelte folgendes:
anderer einsdilägiger Sditiften. Der Mensch schafft durch sein Arbeiten mit der Natur den Betriebsorganismus, der eine „höhere
Innerlidi bereichert niad1te ich mir nun während der Wintermonate meinen Gartenplari, teilte die 3u bebauende Ordnung der Natur“ darstellt. Hat der Mensch den Naturwillen nicht beachtet, dann bringt sich derselbe
Gemüsetlädre in eine An3ahl Beete auf, welche die Größe von 1,20X4,50 ni erhielten. Aridi bereitete ich den in Frage durch Unkräuter und Schädlinge zur Geltung. Durch einseitige Güllewirtschaft z.B. gedeihen besonders
kommenden Samen vor, indem ich ihn einer Badebehandlung mit Präparaten unter3og und dann wieder trodmete. Von mehreren Unkrautpflanzen, die einen hohen Kaligehalt aufweisen (Bärenklau und Wiesenkerbel) und auf die Dauer
durch ihr Uebermaß schädigend auf die Tiergesundheit einwirken. Eine Güllewirtschaft ist kein Be—
Samensorten ließ ich einen kleinen Teil als Vergleidrssamen unbekandelt. Für die Aufbesserung des Bodens besorgte ich mir triebsorganismus im Sinne der biologisch—dynamischen Wirtschaftsweise, sondern ein „biologischer Kurz-
Lehm, der den Winter über dem Frost ausgeseßt war und verwendete ihn später, wie ich nodi schildern werde. Auch der
Komposlhaufen bekam seinen Teil von diesem Lehm sdion während des Aufseßens. Kur; vor der Bestellung der Beete schluß“. Wir müssen Kulturmaßnahmen anstrebcn, die die Pflanzen nicht verweichllchen und vergehen,
streute ich eine dünne Sdiidit von dem älteren Kompost über jedes Beet und brachte ihn mit dem Boden in Verbindung. sondern in rechter Art abhärten. Wir dürfen uns nicht mit einem Durchschnittsmaß an Gesundheit zu-
Eine Portion des Sprißmittels 500 teilte ich in 3mei Teile und wendete es im April und Mai an. friedengeben, sondern sollten ein Uebermaß an Robustheit schaffen. Zum Schlüsse betonte der Redner
So begann ich nun mit der planmäßigen Bestellung der Beete. Vorgesehen war eine geordnete Abwechslung ner: ganz eindringlich, aus welchen Gründen es nötig ist, in Verbindung unsres Geistes mit dem Geiste der
sdüedener Gemüsearten in ein;elnen Reihen, die eine harmonische Pflanzengesellsdraft bilden sollten. Es kamen außer Natur die Bekämpfung der Schädlinge möglichst mit betriebscigenen, einheimischen Mitteln erfolgreich
einigen Ausnahmen 3ur Abwechslung unterirdisdi Fruditendes, Blattfrudit und oberirdisdi Frud'itendes, wobei eine An: durchzuführen.
Am Abend sprach dann Herr [. Voegele über Unkraut— und Schädlingebekämpfung, Er wies in geist-
3ahl Heil: und Gewür3kräuter eine sinngemäße Verwendung als Rand: und Zwisdrenpflan3en fanden. voller Art auf die Witterungsursachen des Auftretens der verschiedenen Unkräuter und Schädlinge hin und
So interessant es nun wäre, die ein3elnen Beete mit ihren 3usammenrvirkenden Misdrkulturen 3u beschreiben, muß zeigte Möglichkeiten auf, wieder biologisch denken und handeln zu lernen.
ich midi wegen Raummangel darauf besdrränken, nur einige Beispiele heraus3ugreifen, um kur3 darauf hin5uweiseri, weldie
Die Arbeit am Sonntag früh wurde eröffnet durch Ausführungen von Dipl.—Gartenbauinspektor Max
Erfolge man durch bewußtes Arbeiten er3ielen kann. Zu beadrten ist dabei, daß für alle hier in Frage kommenden Sämereien K. Schwarz über: „Ursachen der Schädigungen im Kulturpflanzenbau“. Gerade dabei konnte man sehen,
immer nur kleinste Handels:Portionen angewendet würden.
wie viel der Bauer und Landwirt von dem feineren Arbeiten der Gärtner noch lernen kann. Die Anregungen
50 säte ich auf 5 nebeneinanderliegeride Beete Spinat (Juliana), 2 Reihen ie Beet als Vorfrud1t. Einige Rillen wurden dankbar angenommen.
bekamen eine Sondergabe präparierten Komposts, einige blieben ohne diese Gabe, und bei einer gedü.ngten Rille kam
der Vergleidissamen zur Anwendung. Gesät wurde alles 3u gleidrer Zeit im Mär; 7 Tage vor Vollmond. Die Reihen In den Aussprachen war es eine Freude zu hören, mit welcher Liebe die biologisch—dynamische
mit dem behandelten Samen liefen nadi 13 Tagen auf, der Vergleichssame erst nach 16 Tagen. Audi blieb er etwas Wirtschaftsweise in vielen Betrieben gepflegt wird, und was für schöne Erfolge dadurch schon erzielt wurden.
im Wachsen 3urück und ersdiien kleinblättriger. Ebenso blieben die Reihen ohne Sonderdüngung siditbar 3uriidc, der Die Fülle des Gehörten und die Anregungen die daraus entstanden, werden ein dankbares Arbeitsfeld
der Arbeitsgemeinschatten sein. Unter anderem wurden die Fragen des Kallcens, der Bodenbearbeitungs—
behandelte Samen in den besonders gediingten Rillen entwidcelte sich am kräftigsten. Die Nadifrudrt bildeten Krup:
bohnen, Wadisbohnen, Stangenbohnen und Erbsen. geräte, der Gebirgswirtschaft usw. erörtert.
Gurken (Original Herta) säte idi im Mai ih 3rvei Hälften aus, woju zwei nebeneinanderliegende Beete vorbereitet In den Nachmittagsstunden war Gelegenheit gegeben, kleine Ausflüge in die wunderschöne Umge—
waren; beide Beete wurden jeweils halb bestellt. Die erste Aussaat madite ich 6 Tage, die 3weite 2 Tage vor
bung Oybins zu unternehmen, namentlich auf den Berg Oybins mit Burg- und Klostcrruine. Der späte
Vollmond. Erstere ging in 19 Tagen, leßtere in 14 Tagen auf. Der Vergleidmsamen, der hier auf einem Beet zur Nachmittag vereinte dann die Teilnehmer wieder zu gemeinsamer Arbeit. Die Aussprache wurde von
Anwendung kam, untersdried sich darin, daß er etwas Spärlid1er aufkeimte und die Pflan;ren später im Wadisen etwas
Herrn Dr. B. v. Heynitz als dem Vorsitzenden der Gesellschaft zur Förderung der biologis6h>dynamischen
3urüdrblieberi. Sie waren nidit so didit belaubt wie die des anderen Bectes, die als oollbelaubte kräftige Ranken das Wirtschaftsweise eröffnet, der auf die Wichtigkeit und auf die soziale Seite dieser Gesellschaft hinwies,
ganjß Beet bededrten und mehr Früchte trugen. Leider war ich verhindert, die Gemiditsuntersdriede aufju3eidmen, und durch deren finanzielle Hilfe es manchem Minderbemittelten ‚erst möglich wird, solche wichtigen Zusammen—
so blieb mir nur Gelegenheit, den Gesamtertrag fest3ustellen. Beide Beete ergaben 23 kg Einlege:, Salat: und Senf: künfte besuchen zu können. Er wies dann auf die Nachfrage nach geschulten Kräften der biologisch—
gurken, Gedüngt waren beide Beete gleid1mäßig, indem ich in der Mitte des Beetes einen flachen Graben aushub und
dynamischen Wirtschaftsweise hin, die ihre Ausbildung in der Gartenbau— und Siedlerschule Worpswede
diesen mit präpariertem Kompost und präpariertem Kuhmist gut füllte. Die Vorfrucht bildete hier Frühkohlrabi (Wiener erhalten könnten. Herr Max K. Schwarz sprach dann eingehender über den Sinn und Zweck dieser
Glas, blau), der sich sehr gut entwidcelte und große, 3arte Knollen mit genießbaren Blättern einbradile. Schule. Als nächster Redner gab dann Herr Dipl.—Ing. Zeep einen eindrucksvollen Ueberblick über das
An 3rvei Seiten dienten Stedc3wiebeln als Randpflanjung, an 3rvei anderen Seiten Kümmel und Kopfsalat (Troß: Wesen und den Aufbau einer Demetcr—Bezirksvertretung. Dann begann wieder die allgemeine Arbeit und
kopf). Die 100 g ausgeptlan3ter Stedc3wiebeln ergaben ? kg große runde Zwiebeln. Der „Trohkopf“ bildete große Aussprache, die wieder viel Fruchtbares zu Tage brachte.
volle Köpfe aus, die sich lange 3art hielten, ohne 3u schießen. Der Abend wurde mit einem Vortrag von Dipl.—Ing. F. Dreidax beendet. Er gab einen Einblick in
Möhren (Lange stumpfe Hamburger) und Karotten (Duwiker frühe) säte ich 3u versdiiederieri Zeiten vor und nadi die tieferen Ursachen der Pilzkrankheiten der Pflanzenwelt. Die einschlägigen Naturbeobachtungen Goethes
fanden dabei eine anregende Beleuchtung. Unter anderem wies Herr Dreidax auf die Wichtigkeit
Vollmond und brad‘ite sie in versdiiedene Verhältnisse hinein, indem ich sie teilweise als Randpflan}ung und teilweise
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.„}7/ //////7/ 'l// //////// / 7 ////,_ V///// ///‚_ 7/ % .‚y/////////
1

rohen Einfluß auf die Pflanzenwelt hat, .‘.’“d der neben der mechanischen
' ' ' '
d s & enwurms hin der einen

Bbdäibgearbeitung wi‘e Feindrainagge,


auch die Fähigkeit besnzt, in den Krattehaushalt des Bodens rcgelnd

k kheiten. _ _
einzugreifen. Das Ganze war eine Einführung in eine biologische Behandlung und Heilung der Pflanzen—
. _
ran Der letzte Arbeitstag wurde von Max K. Schwarz eröffnet mit einem Vortrag über: _„Ursachen der
/ /////A //////x..
monat55<l\rift für
Schädigungen im Obstbau“. Er ging von den Wildobstbäumen aus, die einst eine Art Glerchgewrcht und
Ucberganc zwischen Feld und Wald bildeten, und zeigte auf, Wie nahe der deutsche Obstbau durch ver—
weichlichfe und getriebene Aufzucht von Obstbäumen in Plantag_en und die dadurch hervorgerufenen
Krankheiten und Schädlinge am Rande des Abgrundes steht. Er wies auf die Notwendigkeit hin, weder
auf Wildlinge zurückzugreifen, die stark mit ätherischen Wirksamkeiten angereichert Slnd, von denen Wir
_ _ biotc3q i5ü—dymami5che
r dla e u einem esunden Obstbau erlangen können. _
Wirt5®aft5wzise
d'
le
Galle Tgaguzng
wurdegbeschlossen mit einem Bericht des Vorsitzenden Herrn Dr.
v. H]eynitz uber:
Unsere Wirtschaftsmethode in der Praxis“. Er schilderte unter anderem an Hand_4emer Skizze die Mist—
?)tlege in Heynitz, durch die in recht kurzer Zeit ein gut verrotteter, wertvoller
der erfahrungsgemäß die Fähigkeit hat, den Boden so zu verlebendrg_en, Dungär
geschaffen Wird,
daß gesun e Pflanzen heran- / ‘
Alle Rechte vorbehalten. — Nadadmdc verboten! \
wachscn können. Zum Schluß wies der Redner auf die sozialen Auswwkungen unserer
Wirtschaftsweise
hin, wie durch sie sozusagen ganz andere Menschen herangebüdet werden, die mit Liebe und Interesse Herausgeber: Dr. Erhard Bartsch, Bad Saarow (Mark)
Schrir’fleifung: Dr. B. Bartsch, Brad Searow (Mark)
. .in ..
bci'
deArfirlkelalchfiiilttag
e‘t d fand dann noch eine Besichtigung des Betriebes von Herrn Hartelt ,.
der Nahe von Gesdnät’fsstetle: Bad Saarow (Mark) Dosfschedrkonfo: Breslau 56266
Z'tt tatt. _ _
4

. _
‘ au
Solche Arbeitstagungen sind in hohem Maße geeignet, gute Impulse
unsere Arbeit
in
hincmfli_eßen
zu lassen und aus den daraus entstandenen Anregungen mit frischer Kraft unsere biologisch—dynamrsche Heft 4 April 1956 11. Jahrg.
Wirtschaftsweise auszubauen. W. H.

Erhaltung des Pflanzwertes beim Kartoffelbau


Presse-Nachrichten
bandschaftsgestaltung und Landwirtschaft im Spiegel des Naturgeschehens
Diplom:Landwirt J. Vo e g ele :Pilgramshain
Vortrag, gehalten auf dem Studiengang über Landschaftsschutz und Landschaftsgestaltung, Essen
Im europäischen Gebiet gehört die Kartoffel zu den jüngsten der Kulturpflanzen. Vor 200
Jahren war der Kartoffelbau noch so gut wie unbekannt. Heute spielt er für die Volksernährung,
Von Regierungsrat a. D. Hempel, Landesökonomierat in Kassel
fiir die Futtermittelbesd1affung und als Ausgangsmaterial für tedmische Weiterverarbeitung die denk:
Aus: Zeitschrift „Naturschutz“ vom September 1929, Nr. 12, 10. Jahrg., S. 353—359 bar größte Rolle. Seine landwirtschaftliche Bedeutung steht dem Brotgetreidebau kaum mehr nach.
Zum Erdstufenbau
In der Monatssd1rift „Demeter", Jahrgang 1935 Heft 12, ist in dem Aufsatz „Einiges über
noch ein anz Besonderes, Wichtiges. Ich meine die von den Vorvatern her mit unang— die Pflege des Saatgutes“ darauf hingewiesen worden, daß Sidi während der letzten Jahrzehnte
licher
’lfljiilliienaliinden Steilhängen
einstmals eingerichteten Feldterrassen. Ich nenne sie Stufenrame.
Sie werden in merkwürdiger Verkennung ihres bodcnerhaltenden Zweckes bei jeder Gelegenheit, namentlich bei fast allen Kulturpflanzen die Abbauersd1einungen bedrohlidi vermehrten und die Abbauvor:
gänge ein beschleunigtes Tempo angenommen haben.
bei den Verkoppelungen eingerissen und verebncr, bis der _ganze Hang und wäre er]auch_ noch
steil glatt und frei dasteht. Frei für den Pflug soll das heißen. Es ist aber auch
:

so
Viel wie frei für so Unter Abbau ist eine Schwädrung der Gesamtverfassung (Konstitutionssdtwächung) einer
die Auslaugung und den gelegentlichen Abriß der nur lose haftenden Bodenkrume bei allen Land: und Pflanze zu verstehen, die häufig die Voraussetzung für Infektionskrankheifen abgibt, ohne sie in
Gewitterregen; frei für die überstark dörrende Sommersonne und den Anprall des aushagernden Wi_ndes. jedem Falle im Gefolge haben zu müssen. *)
Man klagt -
Auslaugung zum großen Teile verloren. Man erstreb’c neuerdmgs durchaber
mit Recht „ über die Teuernis des Kunsfdungcrs, hier geht er durch die gesteigerte
die Bodenbakterren den kraft1gen
Der Abbau der Kartoffel
Aufstrom fruchtbarer Bodengase für die danach hungernden Pflanzen, hier aber
denklich ihre Verwehung durch den schärfer aufstehenden Wind. Ich verweise des naheren auf meineunterstutzt
man unbe-
Wohl keine unserer heimisdten Kulturpflanzen ist dem Abbau so stark unterworfen wie die
kleine Schrift „Naturschutz und Landwirtschaft“ und bemerke nur noch: Mit ‚dem Terrassenbau trugen Kartoffel. Nid1t rnit Unred1t wird die Hauptursache in der ausgeprägten Anpassungsfähigkeit der
die Vorväter einstmals den Ackerbau aus den zu eng gewordenen Ebenen vorscchtig
hinein und waren dabei in Uebereinstimmung mit dem gesunden Naturgeschehen. .hre heutigen Nach- i‘n
die Berggegenden
Kartoffel an Klima, Lage, Boden und Kulturmaßnahmen gesehen. Wir können feststellen, daß
fahren reißen sie bedenkenlos ein und begreifen nicht oder wollen nicht begreifen, daß diese Ter- die Kartoffel zwar imstande ist, unter Umweltsbedingurigen zu gedeihen, die stark von denen
rassen sie überhaupt erst zu wirklichen Besrt_zern_rhre_s Hangbodens machen,_der sonst ihres Heimatgebietes (Gebirge Südamerikas) abweichen, daß sie aber dodi umsomehr abbaut, je
ständig nach unten zu ab wandert. Die alte Wahrheit bestätigt sich, daß, wer alles haben will, in Gefahr mehr die Umweltsbedingungen verändert worden sind und je stärker sich die Kartoffel an solche
ist alles zu verlieren! Schon die nächsten Enkel werden Klage gegen ihn erheben. Den naheren Unter- Verhältnisse anpassen mußte, die ihr ursprünglich fremd waren. Dabei kommt es bei diesen Ab:
lieigern Stände eigentlich ein Einspruchsrecht gegen den restlosen Abriß dieser schutzenden Bgdenterrassen weidmngen nicht so sehr auf die Einzelfaktoren, wie Feuchtigkeit und Wärmeverhältnisse, Lage,
zu. Denn sie erleiden zunächst eine Verschlammun_g ihrer Feldfruchte, ihrer Wege und Graben, Durch-
lässe und Brücken und später eine wachsende G_er'ollüberschuttung. Wenn man nur einen Teil der Bodenart oder Kulturmethoden an, sondern in erster Linie auf die Wechselbeziehung dieser
Mühen und Kosten des Einreißens und Einebnens der Stufe_nraine auf deren bes_sereln- Faktoren. .
standsetzung und Ergänzung verwendete, wurde m_an_mrt eigener Kraft eine Melrorahon Die Gegenden des Kartoffelanbaues lassen sich in abbauhemmende „gesunde Kartoffellagen“
allerersten Ranges fortsetzen und erhalten. _# Im iibrigen Sind diese Stufenrarne (Terrassen) an
und in ungünstige „abbauförclernde Kartoffellagen“ gliedern. In Nord.-, Mittel: und Westeuropa
den steilen Gehängen nicht nur nützlich, ja notwendig und ubcrhaupt nur
aus (hi!ng Grunde entstanden,
sie geben auch der bergigen Landschaft ein amphitheatralrsches, eigenärtlg_es Geprage und Sl€
schmücken z.B. nimmt im allgemeinen die Neigung zum Abbau von den Küsten und Gebirgslagen nadi
vom Frühling bis in den Herbst hinein in geradezu festlicher Weise. Kein Landschaftsgestalter konnte dem Binnenland und nad1 den sonst adcerbaulich begünstigten Lagen der Täler und Tiefebenen
Schöneres ersinnen!” hin zu. *
Aus vielen Erfahrungen und Beobachtungen geht hervor, daß ein regelmäßiger Vegetations:
verlauf für die Kartoffel eine der wichtigsten Voraussetzungen ist, um über eine längere Gene:
rationsfolge hinweg gesund bleiben zu können. Ein regelmäßiger Vegetationsverlauf pflegt in dem
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feuditkiihlen Klima des Küstengebietes sowie in den Mittelgebirgslagen am meisten sicher gestellt
zu sein. Bei langer Vegetationszeif vollzieht sich dort das Wachstum gleid1mäßig und langsam

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(geringe Vegetationsintensitär), Perioden, die Wachstumsstodrungen und Unterbredtungen herbei:
fiihren, sind dort ebenso selten wie Zeiten, in denen das Wachstum mit übersteigerter Intensität
*) Siehe: Monatsschrift „Pflan3enbau“ 10. Jahrgang (1933) Heft 4 und 5 „Der Abbau
von Leistungsüberspannungen“ von Prof. Dr. E. Klapp. ‘
der Kartoffel als Folge

Budidrudierei Bruno Sdieuer, Breslau 5, Gräbsdienmtr.‘58


57
58 @ 59
losschießt. Ebenfalls gleidimäßigen, aber sdinellen Wachstumsverlauf weisen die Gegenden des „Eine oor3eitige Unterbrechung der_Vegetation 1. erhöht den Pflan3mert für das Folgejahr umsomehr, ie
Kontinentalklimas mit trockenem Sommer auf, sofern die Vegetationszeit kurz ist. Dies trifft teil.- vollständiger sie den Vegetationsabschluf, durch Besdileunigung sdion eingeleiteter Reifeoorgänge lierbeiführt,
weise für Nordost:Deutschland zu. In beiden Fällen handelt es sich um gesunde Kartoffellagen. be3m. ie glerdimäßiger der mirksame Faktor während der gan3en Vegetationsdaucr einmirkt; 2. sie mindert den
Pflan3roert umsomehr, ie gegenläufiger der wirksame Faktor dem durchschnittlichen Standorts:Cliarakter ist und
Prof. Dr. E. Klapp sagt in seinem vorerwähnten Aufsatz „Der Abbau der Kartoffel als Folge vor allem, je mehr die Pflan3e nodi 3u Abmehr:Reaktionen in Gestalt erneuten Austreibens und erneuter In:
von Leistungsiiberspannungen“: gangsebung des Stoffmechsels der jungen Knollen greifen kann."
„Beiden Fällen gemeinsam ist das Niedrigbleiben des Produktes: Dauer mal Intensität der Vegetations: Vom Getreidebau her ist uns bekannt, daß nicht das „totreif“, sondern das „vollreif“ geerntete
leistung.“ Getreide die höchsten Werte mitbringt. Die Untersdreidung von Mittel:, Voll: und Totreife kann
Die wärmeren, südlicheren Klimate mit langer Vegetation und genügender Feuchte, sowie auf die Kartoffel nidit übertragen werden, es lassen sich aber unreife und reife Knollen deutlich
alle Gegenden, welche häufig während der Vegetationszeit von Kälte oder Trodcenperioden oder von einander unterscheiden. Ein der Vollreife entsprechendes Stadium scheint gegeben, wenn unter
von anhaltender Nässe heimgesucht werden, sind fast ausnahmslos' abbaufördernd. normalen Verhältnissen das Kraut deutliche Anzeichen des Absterbens zeigt und an den Knollen
Der Einfluß humoser Sandboden, milder Lehmböden oder audi Moorböden mit Sandunter: die Schale sich nidit mehr beim Reihen mit der Hand abblättert.
lage in nicht zu großer Tiefe geht in den meisten Fällen in abbauhemmender Richtung. Voraus.- Zeitig geerntete Kartoffeln gehen mit großer Beharrlichkeit in die Winterruhe, d. h. sie keimen
gesetzt daß die Wasser: und Nährstoffanspriiche der Kartoffel nidit untersdiritten werden, liefern im Keller und in der Miete weniger rasch aus. Daß ein Auskeimen während der Winterlagerung
sie einen Beitrag zur gesunden Kartoffellage. Die schweren Böden und die sehr nährstoffreichen ungünstig und damit audi abbaufördernd ist, bedarf für den Praktiker kaum einer besonderen Be:
Böden mit großer Fruchtbarkeit sind vorwiegend abbaufördernd. Bei der Beurteilung der Boden: gründung. Unreif geerntete Knollen zeigen die Neigung zum Auskeimen zwar erst ganz be:
qualität darf der Untergrund nie außer Adit gelassen werden. Eine Adcerkrume mit schwerem sonders spät nach der Ernte, allein ihre geringe Haltbarkeit läßt mit ziemlicher Sidierheit darauf
bindigen Boden bedeutet ‚für das, Wachstum und fiir die Gesundheit der Pflanzen etwas völlig schließen, daß eine Wertminderung bei ihnen eingetreten ist. Folgern zu wollen, daß bei unreif
anderes, wenn der Untergrund bindig und schwer ist, als wenn er sandig oder steinig ist. Der geernteten Knollen eine dauerhafte Erhöhung der Lebenskraft eingetreten sei, weil sie im Frühjahr
Untergrund kann eine vollständige Verschiebung und Umkehrung des sonstbeobachteten Boden.- plötzlidi eintretende Keimfreudigkeit zeigen, sd1eint abwegig. Das vorzeitige Auskeimen im Winter
einflusses bewirken. kann bei gesunden Kartoffeln normalerweise durch riditige Aufbewahrung und Lagerung ver.-
Auch das Klima und die Hanglage des Feldes können solche Verschiebungen hervorrufen.
Im feuditkühlen Küstengebiet weisen die guten Kartoffellagen nicht selten schwere bindige Böden
hindert werden. _
Die Aufbewahrung in der Miete ist im all:
auf. Das günstige Klima überdeckt den ungünstigen Bodeneinfluß. In Gebirgsgegenden können gemeinen dem Einkellern vorzuziehen. Nadi
Nordhänge mit schwerem Boden gute Lagen abgeben, während die Südhänge in unmittelbarer der Ernte empfiehlt es sich, die zur Saat vor.-
Nähe mit gleicher Bodenbeschaffenheit stark abbauend sein können.*) Der Nordhang schwächt in bestimmten Kartoffeln erst einige Wochen in
soldien Fällen den übermäßigen Wärme: und Lichteinfluß ab, sodaß die Feuütigkeitsverhältnisse gut durchlüftete, leidit bededcte Erdmieten zu
besser werden. bringen, und das Sortieren erst im Spätherbst
Daß audi abnorme Jahreswitterung in ähnlicher Art die normalen Standortseinfliisse ver: vorzunehmen, wenn die Temperaturen sdion zu.-
schieben und umkehren kann, wundert uns nicht weiter, sobald wir uns vergegenwärtigen, daß im riidcgegangen sind. Das Aussortieren aller krank:
Lebendigen jeweils die Wechselwirkung der Faktoren und selten ein Einzelfaktor den Aussdflag gibt. haften, sd1adhaften und unregelmäßig gestalteten
Alle Witterungseinflüsse, weldie die Vegetation kraß unterbredien, wie Düne: und Kälte: Knollen ist bei der Saatware widitiger als die
perioden, sind stets abbauversdilimmeInd. Wenn auf teilweises Absterben, Notreif: oder Welk: Größensortierung. Unmittelbar nach dem Son-
werden der Kartoffel erneute Triebbildung, Wiederreifen und Wiederauffüllung folgt, bedeutet dies tieren erhält die Miete ihre feste Winterdedce.
jedesmal eine besondere Sd1wächung der Gesamtkonstitution.*) Je nadidem in der Gegend mit strengeren oder
Es ist bekannt, daß die Kartoffel einen besonders gut gelockerten und durd11iifteten Boden milderen Wintern zu rechnen ist, wird die Boden.-
braudn, um sich vorteilhaft entwidceln zu können. Ganz allgemein tragen wir diesem Bedürfnis — - dedce auf der Miete stärker oder schwächer auf:
Rechnung, indem wir zu der sonst üblichen Bodenbearbeitung die Häufelkultur hinzunehmen. Zeichn_j _]4 Voegele gelegt. In keinem Fall darf die Kartoffel warm
Weil die Bodenlockerung sich auf leiditen Böden müheloser herstellen und erhalten läßt, bringen liegen. Als sehr vorteilhaft hat sich erwiesen,
sie sdion aus diesem Grunde Vorzüge für den Kartoffelbau mit.
den Mietenfirsl nicht mit Boden, sondern mit Laub einzuded<en.
Den Standraum, weldien die Kartoffel bei der Pflanzung erhalten soll, passen wir am besten Hat man durch Roste oder Drainröhren fiir Durchlüftung von unten gesorgt, so ist die
dem Boden und dem Klima an. Beim Saatgutbau halten erfahrene Kartoffelanbauer eine Reihen: Kartoffel vor Kälte und Nässe ebenso geschützt wie vor Wärme, und die Winterruhe ist weit:
entfernung von 50 cm fiir angemessener als eine weitere Entfernung. Der Knollenbesatz wird gehend gewährleistet.
bei diesem verhältnismäßig engen Standraum noch reichlidi‚ aber es sollen vorherrsdiend mittlere Die Vegetationsleistung, weldie die Kartoffel im Laufe eines Sommers vollbringt, ist groß.
Knollengrößen auf diese \Weise ausgebildet werden. Die mittlere Knollengröße ist fiir Saatzwedce Für diese Leistung miissen die nötigen Voraussetzungen im Boden vorhanden sein. Allgemein
nicht nur aus tedini3c'nen, sondern auch aus biologischen Gründen erwünscht, Die Hauptbedeutung pflegt man daher Kartoffel in l. Tracht zu bauen. Bei einer geregelten Mistpfiege wird im:
der engeren Reihenentfernung scheint aber darin zu liegen, daß die Einzelstaude durch den engen verrotteter Dünger überhaupt nicht auf dem Felde breit gefahren. Die Meinung, daß die Kartoffel
Verband vor überspannter Vegetationsleistung und damit vor Konstitutionssdiwädrung bewahrt bleibt. unbeschadet in frischen, strohigen Mist gebaut werden könne, findet immer größer werdenden
Einer flachen Saat ist der Vorzug zu geben, weil von den gelegten Pflanzknollen aus die Widerspruch. Es häufen sich die Erfahrungen, wo roher Mist den Kartoffeln anstatt Nutzen
Ausbildung der Wurzel und unterirdischen Stengelteile nach unten zu erfolgen will. Sdiaden gebradit hat.
Aussaat und Erntezeit wird ebenso von den SchollenverhältniSsen wie von der Sorteneigen: Für die zu Saatzwedcen bestimmten Kartoffeln muß auf eine gute Verrottung des Düngers
heit bestimmt. Daß unsere Groß: und Urgroßväter von einer Frühsaat nichts besonderes erwartet ganz besonders geachtet werden. Auch müssen Sidi die ie Flädieneinheii verabreichten Dünger:
haben, ist manchem Bauernsprud1 zu entnehmen, der hierüber heute noch im Umlauf ist. Die mengen in angemessenen Grenzen halten. Prof. Dr. Remy (Handbuch 1928, S. 87) sagt:
neueren Beobachtungen gehen in gleicher Richtung. Selbst beim Frühkartoffelbau gilt das allzu „Verfasser konnte in 3ahlreichen Fällen Pflan3mert=Rüdrgang durch Düngungsoerstärkung, nie aber das
zeitige Auslegen als wertlos. Der Emtetermin richtet Sidi folgerichtig nach der Knollenreife, Beim Gegenteil feststellen.“
Saatgutbau hat sich immer mehr die Regel herausgebildet: „Späte Saat und frühe Ernte,“ Die Und Prof. Dr. E. Klapp schreibt (S. 179 des bereits mehrfach erwähnten Aufsatzes):
späte Aussaat vermindert jene Gefahren, weldie mit Spätfrost und Frühjahrs:Trodrenheit verbunden „Es verdient audi hervorgehoben 3u merden, daß einige unserer namhaftesten und erfolgreid1$ten Kar:
zu sein pflegen. Durch die Frühernte werden die Gefahrenmomente eingeschränkt, weldie der toffe13iichter ihren Vermehrungsfeldern keinen Kunstdiinger oder überhaupt keine unmittelbare Düngung oerab:
reichen, und 3roar auch nicht in den gesundesten, Don Virosen praktisd'i freien Lagen! DaF; nur sehr schmer:
Herbst mit sich bringt. Daß sich der Pflanzwert der Kartoffel für das folgende Jahr durch eine
frühe Ernte erhöhen kann, ist eine Erfahrungstatsache. Prof. Dr. E. Klapp schreibt darüber Ver3id1t auf die ertragssteigernde Wirkung reid'ilidier Düngung veranlassen konnten,
miegende Erfahrungen den
liegt auf der Hand.“
Seite 187 des bereits erwähnten Aufsatzes:
..
Durch nichts sind Ertragssteigerungen so mühelos zu erreichen, wie durch die Düngung. Die Ge.-
"**) Siehe Klapp „Abbau der Kartoffel
.. „. o. fahr der Leistungsiiberspannung ist deshalb audi bei keiner anderen Kulturmaßnahme so groß.
60 @ 61

Eine normale Mistgabe mit einem Idist, der nach den Anforderungen der biologisch:dym: Damit nun im Pflanzeninnem die Kräfte und Fähigkeiten gegeneinander abgewogen und ab:
mischen Wirtschaftsweise als verwendungsreif anzusprechen ist, wird sowohl dem Mengenertrag gemessen bleiben können, müssen die Ausseneinwirkungen, welche mit den Pflanzenkräfteri und


wie audi der Pflanzwerterhaltung der Kartoffel gerecht. Wie Soldier Mist behandelt und wie er Fähigkeiten in Wechselwirkung treten ihrerseits ebenso sorgfältig auf das Pflanzeninnere abge:
besdiaffen sein soll, ist in dieser Zeitschrift öfters und ausführlidi dargestellt werden. stimmt und abgemessen sein. Nur dann wird jene Höchstleistungsgrenze, bei weldier die Gesamt:

—— Bei der Sortenwahl wäre einer der \viditigsten Gesichtspunkte die Anpassung an die Scholle. kmstitution nodi in keinem Punkte ernstlich Sdiaden nimmt, gerade erreicht, aber nicht übersdiritten,
Damit hat es heute bei dem sdinellen Wechsel der Sorten auf dem Kartoffelmarkt seine wenn Innen und Aussen genau aufeinander abgestimmt sind. Es ist ein Idealzustand, weil Sidi
Sdiwierigk6ii. Immerhin kann man nach dem örtlichen durdischnittlid1en Witterungsverlaut der dabei das Optimum der Gesamtleistung ergibt.
Gegend (Vegetationsdauer), durch Verwendung früh: oder spätreifer, ansprudisvoller oder genüg: Für das praktische Eingreifen des Menschen in all die in Betracht kommenden Verhältnisse
samer Sorten den Schollenverhältnissen in gewissem Umfang Rechnung tragen. Sorten, die sidi ist die Feststellung widitig, daß von den beteiligten Faktoren
audi in Abbaulagen verhältnismäßig lange gesund erhalten, gibt es nur wenig. Es sind meist ältere a) Klima, Boden und Lage naturgegebene Verhältnisse sind, mit denen sich der
Züditungen. Mensch zunädist mehr oder weniger abfinden muß;
'
„Der gemeinsame Zug dieser Sorten . . . ist der einer geringen Leistungsintensit'a't, d. h. sie bringen b) die Pflanzeneigenheit (z. B. der Kartoffel) ebenfalls ein Gegebenes ist :—
die
a) entweder keine Spihenerträge, b) oder hohe Erträge erst verhältnismäßig spät.“ [E. Klapp. S. 175.) Durch: Sorten und Arten aber dem Menschen die Möglidikeit geben, eine Auswahl zu
weg werden unsere ertragreid1en neuen Kartoffelsorten im Gegensat; 3u den in den Leistungen überholten
und daher fast oerschmundenen Landsorten srhnell abgebaut. Dabei begünstigen äußere Einwirkungen, weldie treffen und so mitbestimmend tätig zu sein;
die den neuen Sorten innemohnende Ertragsfähigkeit 3ur hödisten Entfaltung und die Einselptlan3e 3ur größt: c) die Kulturmaßnahmen in vollem Umfange vom Menschen bestimmt und geregelt
möglichen Entwidcelung bringen, den Abbau in der Regel (Remy, Handbuch S. 83).“ „Nun ist der Ertrag werden können.
nur eine Komponente der gesamten Vegetationsleistung. Wesentlidr ist vor allem die Zeitspanne, in der
eine bestimmte Ertragsleistung noilbracht wird. In dieser Hinsicht kann man sich des Eindrudis nidit ermehren, Daraus ergeben Sidi die näd1stliegenden Aufgaben für den Kartoffelbau: 1. Die Wahl der:
daß non Sorten gleid1er Ertragsfäliigkeit diejenigen am deutlidisten und sdinellsten abbauen, weldie diesen Er: jenigen Kartoffelsorte, weldie den gegebenen Schollenverhältnissen am meisten entspricht, 2. die
trag am frühesten im Jahr liefern.“ (E. Klapp, S. 174.) Anpassung der Intensität der Kulturmaßnahme an die Schollenverhältriisse und an die erwähnte
Möglichkeiten gesundenden Eingreifens Kartoffelsorte.
Uber den Intensitätsgrad der verschiedenen Kulturmaßnahmen ist in den vorangegangenen
Bemühen wir uns, aus den vielen Beobaditungen und Erfahrungen, die einerseits über den Betrachtungen das Wesentlidi5te gesagt worden. Werden vom Kartoffelanbauer die vielen Er:
Einfluß der Kulturmaßnahmen, anderseits über den Einfluß von Boden, Klima und Lage auf den fahrungen und Fesstellungen berüd<siditigf, so ist er imstande, eine Besdileunigung des Kartoffel:
Kartoffelbau gemacht und zusammengetragen worden sind, zu einer Uberschau zu kommen, so abbaues, soweit er durch falsdie und übertriebene Aufwendung verursadit wird, zu vermeiden.
kristallisieren sich wesentlid1e Ursachen des Kartoffelabbaues zwar deutlidi heraus, aber die Fest: So widitig es nun ist, soldie von Kulturmaßnahmen herrührenden Ursadien der Abbau:
stellungen haben alle mehr oder weniger den Charakter, daß sie aussagen, was der Kartoffel nidit besdileunigung abzustellen, so ist praktisdr dodi erst ein entsdieidender Sdiritt vorwärts getan,
angemessen ist. Nur wenig können wir daraus entnehmen, wie durch ein positives Eingreifen wenn es gelingt, audi jenen Ursachen des Abbaues wirkungsvoll zu begegnen, die in Boden,
die Kartoffel in ihrer Gesamtkonstitution gestärkt werden kann. Klima, Lage, sowie in der Kartoffelptianze selbst begründet liegen.
Was wir nidit außer acht lassen dürfen ist, daß die Kartoffelpflanze in ihrer Jahresent: So sehr wir außerstande sind, die klimatischen Verhältnisse einer Gegend in großen Zügen
wicklung nicht durch Boden, Klima, Lage und Kulturmaßnahme allein, sondern nur durch das Zu: zu ändern, so stehen wir dodi dem Wärme:‚ Luft: und Feuditigkeitshaushalt im örtlich besd*rränkten
sammenwirken dieser Umweltseinflüsse mit dem Eigenwesen der Kartoffelpflanze selbst zustande Gebiet des landwirtsdmftlidren Organismus nidit ganz ohne Einflußmöglid1keit gegenüber. Es ist
kommt. Diesem Eigensein der Kartoffel muß dieselbe AditSamlceit geschenkt werden wie der in dieser Zeitschrift des öfteren die Ausgestaltung des landwirtsdiaftlichen Betriebsorganismus ab:
am Wad1stum beteiligten Umwelt. Es ist eine Summe gegeneinander abgewogener Fähigkeiten gehandelt worden. In diesem Zusammenhange wurde auf den Einfluß der sachgemäßen Land:
und Kräfte, in denen wir die innere Ursache einer geregelten Entwidclung zu sehen haben. sdiaftsgestaltung auf das Lokalklima ausführlich aufmerksam gemadit. Auf diese Abhandlungen
muß hier verwiesen werden.
— —
Die Entwidcelung, welche die Kartoffel im Jahreslaufe durchnielcht, verläuft in rhythmisch in:
einander übergehende und Sidi zu einem Kreislauf zusammenschließende Einzelperioden. In weldier Durch Anlegen von Hedcen und Obstbaumreihen kann in Trodcenlagen z. B. der
Reihenfolge und in welchem Rhythmus die Einzelperioden sich abwediseln, liegt in der Eigenheit Feuchtigkeitshaushalt eines Feldes wesentlich verbessert werden. In der Nähe von Hed<en und
der Pflanze vorbestimmt. Die Umwelt kann den Entwicklungsverlauf des Kreislaufs, wie auch
#

Bäumen fällt der Tau stärker. Weil er außerdem audi länger liegen bleibt, kann er von den
der Einzelperiode
— zwar zusammendrängen, ausdehnen, besdileunigen, verlangsamen und evtl.
verhindern, aber seine Gesetzlid1keit nidit umstoßen.
Pflanzen in weit größerem Umfange genutzt werden. Aushagernde, trodcene oder auch kalte
Winde werden durch die Heckenzüge abgesdiwädit und abgehalten. Das tägliche Ausmaß der
Zunächst gliedern Sidi zwei Hauptperioden heraus: eine Ruheperiode im Winter, die durch Feuditigkeitsverbe3$erung ist zwar gering, aber es summieren sich im Laufe der Vegetation die
ein weitgehendes Abschließen gegeniiber der Umwelt gekennzeichnet ist, und eine Wachstums: vielen kleinen Beträge so, daß für das betreffende Feld durchaus von einer klimatisd1en Ver:
periode im Sommer, die sich durch ein intensives Wechselwirken mit der Umwelt auszeichnet. Das besserung gesprodren werden kann. Das Feld ist sozusagen dem feudrtkühlen Klima und damit
Ergebnis dieser Wechselwirkung ist das Wadi$tum (Vegetationsleistung). den Verhältnissen der guten Kartoffellage angenähert werden. —
Die wichtigste Eigenschaft des Pflanzenwesens ist innere Elastizität und Wandlungs: Audi dem 2. naturgegebenen Faktor, der Eigenheit der Kartoffelpflanze, brauchen wir nidit
resignierend gegenüberzustehen. Es hieße die Wandlungs: und Entwicklungsfähigkeit der
fähigkeit. Sie ermöglicht den Umweltseinfliissen sowohl die zeitlichen Veränderungen der Wachs:
tumsperioden als audi die Verschiedenheiten in der Vegetationsleistung zu bewirken. Als abge: Organismen sdilecht verstehen, wollte man diese Eigenschaften auf die äußere Gestaltung und auf
die äußere Anpassung an die wechselnden Einflüsse im Jahreslaufe besdiränken. Der Organismus,
grenzte Organismen, als Gattungen und Arten sind den Pflanzen und damit ihren WadiStumS: insbesondere der Pflanzenorganismus, ist auch mit der Summe seiner inneren Fähigkeiten wand:
(Leistungs:)möglidrkeiten Grenzen gesetzt.
lungsfähig.
Durch diese Umstände kommt es z. B., daß einerseits die Pflanzengestalt kümmerlich und
unsdreinbar wird, wenn die Umweltsbedingungen für das Wad13tum ungünstige sind, kräftiger und Einflußnahme auf das Eigenwesen der Kartoffel
üppiger wird
#

d. h. gesteigerte Vegetationsleistungen eintreten wenn die Umweltseinflüsse


::
So wie die Möglichkeit besteht, die Gesamtkonstitution der Kartoffelpflanze zu Schwächen,
günstiger werden. Anderseits kommt davon audi, daß die Neigung zur Leistungssteigerung bei so wie die Möglichkeit besteht, den einmal erreichten Gesundheits: und Leistungszustand zu er:
immer günstiger werdenden Umweltsbedingungen ins Gegenteil umschlagen kann, wenn die Elas: halten, so besteht auch die Möglidikeit die Gesamtkonstitution zu stärken und zu unterstützen.
tizitätsgrenzen des Organismus überSpannt werden. Durch Seine innere Beweglidikeit kann der Eine erkraftete Pflanze kann sich in einer Umwelt gesund erhalten, von der sie sonst in ab:
Organismus der einen oder anderen seiner Funktionen durch außergewöhnlidi begünstigte Klima:
#
bauendem Sinne beeinträchtigt werden wäre.
einflüsse oder durch überintensive Kulturmaßnahmen zunädist eine Leistungsüberspannung er:
#

Bei den Betradrtungen über die Ursadien der Kartoffel:Abbau.—Ersdieinungen zeigte Sidi
möglichen. Weil in ihm aber alle Einzelfunktionen in Wechselwirkung (Korrelation) stehen, muß an versdriedenen Stellen, daß einer riditig geleiteten Rhythmik im Entwidclungsgang der Kartoffel
er auf jede Uberspannung mit einem Rüdcschlag antworten. Der Rüdesdrlag äußert sich in besondere Bedeutung beizumessen ist. Auf der einen Seite besagen die Erfahrungen, daß die
Sdiwädmng der Gesamtkonstitution. Kartoffelpflanze zwar in ihrer Eigen:Dynamik :—
welche sich in rhythmisch aufeinanderfolgenden
62 i? 63
:
findlich ist, als die meisten anderen Pflanzen, daß Sie
e i er em
Wie im Pflanzenleben immer wieder beobachtet werden kann, bewirkt ein solcher Lidit:
einfluß im jungen \WadiStumsüadium neben dem gestauten Wadistumsprozeß zugleich eine Ver:
ärilaleerrVfilcl>fzndefililsjlgüänAbnwueßidiun;V cihfl Störrihg
um so früher mit einer
Konstitutionstorusrigt bizahlen stärkung der Stock: und Wurzelbildung. Das hernach oft einsetzende Blatt:Stengelwad131um hat
muß, je ungünstiger ihre sonstigen Entwicklungsbedrngungen
Slfld.I Auf
viele Beobaditungeii zeigen, wie die Kartoffel in ihrer Konstitution gestar t w1r , wenn
’ ei e
deä( andeäen
Sting-iii,
1
seine Voraussetzung in dem gekräftigten Wurzelstork und ist meist nur eine Folgeerscheinung.
Es ist wahrsdieinlich, daß die günstige Einflußnahme dieser Lichtkeim:Methode auf den Pflanz:
in einem entspredrenden Rhythmus ausleben kann, . .. wert in der durch den Lichteinfluß bewirkten Verstärkung des unterirdisd1en Wadistumsprozeßes
Das positive Element, weldies im Rhythmus überhaupt liegt, wird selten ]in dem
Umfang beachtet. Um eine Vorstellung zu bekommen, um was es Sidi handelt, onnen mr uns
notrgen begründet ist.
Das Augenschneiden Handhabung und Wert bei richtiger Ausführung
*

vergleidrsweise den Einfluß einer guten Marschmusik auf eine ermüdete Marsdikolonne oder den ,
In diesem Zusammenhange gewinnt eine andere, sehr alle, beim Pflanz:Kartoffelbau üblich
Einfluß einer guten Tanzmusik auf die Tänzerpaare vor
' “
e bei der Pflanze sind viel komplizierter un in imer un as
Augenähalien.
d ] sen Sieh nur am
gewesene Methode besondere Bedeutung. Idi meine das „Augensdmeiden“ (Angeln) der Kartoffel.
Dr. Rudolf Steiner hat in Verbindung mit den Angaben, die zur biologisch:dynamisdien
Wadi]sjti em\ätoifcfieerrlegn,
wenn man Sidi in dasselbe einzufühlenüversudit.
pflanze in dieser Hinsicht angemessen ist, kennen Wir
zunadiSt nur die
dem _was
eine Von dherrerKärtäffel:
Halftedi 1a res- Wirtschaftsweise führten, auf eine an ihn gestellte Frage, was für die Gesundung des Kartoffel:
baues getan werden könne, unter anderem audi gerade auf dieses „Augensdmeiden“ verwiesen.
Entwicklung, nämlidr die lange Ruheperiode während des Winters.
diese Ruhe anhält, um so gekräftigter ist nadi allen Erfahrungen
# im Fruhja (ge Je langger}u}n iaenSive;
r ie esam-
#

Wo ich alle Bauern, die das Verfahren kannten, über den Zwedc desselben befragte, erhielt
ich unter dem Hinweis, daß man es früher allgemein angewandt habe, meist die Antwort: „Das
Verfahren ist sparsamer“. So einleuditend und naheliegend diese Begründung ist, schien sie
kengl
WirltFkönnen
l‘lul'lfndiiedarüber
raifsiczllirlizaber
fßfäfidEiniges
e Vegetationsperiode liegen die betreffenden Verhältnisse_n1cht so offen.
erfahren, wenn wir den funktionellen Besonderheiten nachgehen, mir dodi am Kern der Sadie vorbei zu gehen.
weldie die Kartoffel im Frühjahr und Sommer entwtdcelt. __ . Vor zehn Jahren madite ich mich selbst daran, diese Methode auszuprobieren. Zwei im —
Gehen wir zu diesem Zwede von der ursprünglichen Entwrdalung der Kartoffel aus,
mit dem Samen

weldier sich in der befruditeten Blute entwrckelt ihren .„ Anffailgf‘plrräqu
dt; Betrieb vorhandene Sorten älteren Nadrbaues (Modrows Industrie und Prof. Wohltmann) wurden


als Ausgangsmaterial genommen. (Die Versuche wurden später audi auf andere Sorten aus:

Wenn wir solchen Samen aussäen, so entsteht im ersten Jahr ein _unschernbares
mit Sehr geringer Vegetationsleistung. Dieses Pflänzchen
hat die Merkwurdrgke1t
ffep
aro e, Kartoäfe päan£z
b'1zdre%,
gedehnt.) Das ganze Verfahren ist sehr einfach. Das Schneiden der Knollen erfolgt nach
den Angaben Dr. Steiner's so, daß die Knollenspitze, an weldier Sidi die Augen in großer
unter der Erdoberflädie außer den Wurzeln nodi Stengeltnebe und Knollen auszu in
fs “I‘llde Zahl häufen, weggesdmitten und zum Pflanzen nicht verwendet wird. Der übrige Teil der Kar:
geringem Ausmaße. An kurzen dünnen Ausläufern bilden Sich kaum haselnußgro e no
aus. Diese Knöllchen sind aber befähigt, im näd13ten Jahr„erne neue Kartoffelpflanza
a{fidSiung "iii toffel wird derart in keilförmige Stücke aufgeteilt, daß Sidi am Kopf eines jeden Keilstückes nur
ein unversehrtes gesundes Auge befindet.
hervorgehen zu lassen, die in allen Teilen kräftiger und starker ist. Audi die
Knolenii
zu Vegeéa;mgrs
Das Auslegen erfolgt in der fiir Kartoffeln üblichen Weise, meist Anfang Mai, und in

Kar}tp eF"fi'l eäs er\.l


ist im zweiten Jahre stärker. Die nächste Generation bringt es aber erst
un\g/eni einer Reihen:Entfernung von 50 cm. Die Entfernungen in der Reihe betragen 20 cm. Die
wie wir sie normaler Weise an der Kartoffel gewohnt Sind. muß die
Es
mehrung über den Samen mindestens zwei Jahre Vorarbert lersten, ehe Sie 1 re a ig ei en z
1(erf Bearbeitung und Ernte erfolgt in der gewöhnlidien Art.
Nadi zweijähriger Wiederholung dieser Pflanzmethode im Versud1sgarten begann ich mit
elt hat.
' ' ‘
. der Vermehrung im freien Feld. Es wurde draußen im ersten und zweiten Jahr des Nadibaues
"

von“I%ieelsl ärelgcs>fldlelfheeirtl vlbl elf


diesem Entwidclungsverlauf ist also die Ausbildung eines Frudit:
prozesses an unterirdischen Stengelgliedern. Die Kartoffel konzentriert mehr als
andere_äflgngen
nodi geäugelt, späterhin wurden ganze Knollen ausgelegt.
Da das Verfahren im Garten und die Vermehrungen draußen jährlidi wiederholt werden,
ihre Kraft auf das Wadistum, weldies Sidi unter der Erdoberflache absprelt. Es zeigt Si a ei, fließt dem großen Feldbau jährlidi neues Saatgut zu.
daß sie die volle Entfaltungsmöglidikeit des unterirdisd1en Fruditproze53es erst langsam und teil: Als Erfolg können wir in Pilgramshain budien, daß die Kartoffeln, welche vor zehn Jahren
7

o erirdisd1en Wadistums Sidi erwerben muß. Bei der vegetativen Vermehrung


'
bereits älterer Nachbau waren, heute im Großanbau —
trotzdem wir uns hier in einer abbauenden
ill/taggedailelthoosllciff (flieast si)ch
die Kartoffel die Fähigkeit erworben, größere Leistungen
hervorz13bnngen. Kartoffellage befinden — auffallend gesunde, kräftige Bestände mit guten Leistungen abgeben.
Durch die in der Knolle gespeid1erten Stoffe und Kräfte wird denPflanze
strengungen und Mühen abgenommen, die bei der Vermehrung uber den
Teil en (lg;
He eisriamenbinvondder érns Die deutlidi sidrtbaren Erfolge haben schon verschiedene Landwirte, die uns hier besuditen, ver:
anlaßt, das Verfahren aufzugreifen und in ihren Betrieben durdizuführen‚ von wo aus es Sidi
Entwidclungsperiode aufgewendet werden mussen.
Die vegetative
Vermehrpngy
u er ie o weiterverbreitet. *)
bedeutet deshalb sozusagen eine vorteilhafte Arbeitserspamis fur die
Kartoffe.

Bei normaler Witterung brechen die geäugelten Knollen kaum merklid1 später durdi den
'

Aus anderen Zusammenhängen ist nun bekannt, daß im des


Bereich Orgdani%merliileine Boden als ganz ausgelegte Knollen. Der einzige Trieb, weldier zum Vorsdiein kommt, ist kurz,
funktionelle Arbeitsverminderung große Gefahren in Sidi birgt. Wird einem
1'Odigan 71€Sdflll t’lnélofllä- gedrungen und kräftig. Er wächst zunächst langsam, so daß bis etwa Mitte Juli das Kraut:
wachstum zuri.idc ist. Das betreffende Beet oder Feldstiidc kann auf den Nichtkenner um diese
betätigung ganz oder in stärkerem Umfangeüabgenommen, so “tritt _allmahr__ eine
dieses Organes ein. Ein Muskel z. B. verkummert, wenn er Sidi nidit betat1gt, er Wir sar 'dwait" ke% Zeit nodi den Eindruck eines beängstigend dürftigen Kartoffelbestandes madien. Ist das Wetter
im Juli so, daß die Kartoffeln überhaupt wachsen können, so holen die Stauden sdinell auf und
ba
l(raAflügferurliasäiill%tll.agnze
wird durch alles, was Sie
übertragen würde dies heißen, daß sie in ihrer
im Jugendstadium veranlaßt, auf die sich
gestarkt
und Fruktifizierungsprozesse mit ihren Kräften zu konzentrieren. Halten w1r ms au, was in
Konstitution
unterrrdrsäenä]Wadmtums:
geben im August oder September

gleidie sonstige Wadrstumsbedingungen vorausgesetzt
in der Krautentwid<lung den aus normal gelegten ganzen Knollen erwachsenden Stauden meist nidits
mehr nadr. Die geernteten Knollen zeichnen sich durch gleidimäßige Form aus. Die Knollen:

dieser Weise das Kartoffelwadistum beeinflussen kann,
'
erträge der geäugelten Saaten beim feldmäßigen Anbau lagen im hiesigen Betrieb regelmäßig über
}
4

:
.
den Durchsdinittsernten der nidit gesdmitten ausgelegten Kartoffeln. In den drei letzten Jahren
Von den leichten Bodenarten, vor allem von sandigen4 Böden wissen_w1r,
sonderer Weise die Wurzel:Ausbildung der Pflanzen
begunstrgen. gilt dies,
Sie
Es
daß bä:
ig
805W81ägn'ä an“: brachte die geäugelte Saat die höchsten Erträge von allen Feldern. Im Versuchsgarten (eingezäuntes
Feld mit feldmäßiger Düngermenge) sind mehrfach 200 und 250 Zentner, auf 1/4 ha umgerechnet,
boden nodi gutes Wadistum möglidi ist, und wu" gesehen, wre„em solcher
haben 0 en .
4a]r(i
sädilidi abbauhemmend d, h. in der Richtung “einer Konstrtrihonsstarkungzu
Audi die gute Bodenlockerung und Bodendurdflüftung begunstrgt in erster Linie as un enr 13 e dwrr ent veärnag. geerntet worden.
*) In einem Aufsat3 „Ist eine Bekämpfung des Kartoffel:Abbaues möglich?“ in der „Deutschen Landmirtsdraftlidien
Presse" vom 1. 2. 1936, S. 57 besdireibt Herr VersudiSleüer Prien, Seefeld (Nm), daß er das „Augeln der Kartoffeln“

Pflanzwertes Versuchefim1t
na%igeru eineä
walehrlgfessor Dr. Berkner berichtet in D. L. P. vom 4. 4. 1936 uber
war.
gegen den Abbau wirksam gefunden habe. Auf Rückfrage teilte Herr Prien freundlidiermeise mit, daß er in den lebten

we;l'äle£‘ä;e
Behandlungsrnethode, weldier eine günstige Beeinflussung des Jahren mesentlidm Erfahrungen mit dem „Augeln“, auf die er Sidi bei seiner Veröffentlid1ung Stütjt, auf dem Gute
und in Thüringen als älteres, in der Praxis geubles Verfahren b_elcannt_rst. 3 Klein:Gandern kennen gelernt habe. In diesem Betrieb wird biologisch:dynarnisdr gemirtsdiaftet.
Siehe auch D. L. P. 1936, Nr. 14 vom 4. 4. 1936, S. 167, Sowie: Hans vom Sd1eidt „Erfahrungen über
Knollen dem leidit abgeblendeten Sonnenlidit ausgesetzt.
keime. Diese sind kurz und stark gestaucht. (Gestautes Wadistum.)
Dabei
bilden Sidi sogenanne l
Heran3iehung mirtschaftseigener Pfla113kartoffeln“‚ Demeter 1935, Hft. 1, S. 14.
Die Sdiriftleitung
64 65
Wenn ich die einzelnen Punkte zusammenfasse, auf die es bei diesem Verfahren anzu.- (Z. Vermehrung). Vorsichtig geredinet stehen dann im nächsten Jahr Saatkartoffeln für rund
kommen scheint, so muß ich sagen: 30 Morgen, die mit ganzen Knollen ausgelegt werden, zur Verfügung.
1. Durch die besdniebene Art des Sdineidens der Knollen kommen nur die größten Augen
zur Verwendung, und es findet von selbst Sdion eine Auslese bei den Augen statt. ZurgAufbewahrung der im Garten (und eventuell audi von der 1. Vermehrung geernteten
2. Diese Augen liegen

von allen an der Kartoffel befindlichen

im Frühjahr nodi am
vollkommensten im Sdilafzustand, da an der ganzen Knolle normalerweise nur die Augen an
der Knollenspitze Keimneigung zeigen. Gerade diese kommen aber nidit zur Verwendung.
Knollen) ist nodi kurz einiges zu bemerken. Kleine Kartoffelmengen lassen sich in der üblidien
Weise nur „Sdiwer so aufbewahren, daß eine einwandfreie Lagerung gewährleistet wird. Nimmt
man aber fur die Knollen der Elite:Stauden eine Kiste und legt dahinein die Knollen sd1iditwei$e
3. Die geringe Menge Fruditfleisdi, weldie am Auge verbleibt, ist rasch aufgezehrt. Der rn moglidist reinen körnigen Quarzsand, so daß der Sand die Knollen allseitig umgibt, gräbt dann
Keim ist deshalb frühzeitig gezwungen, ein kräftiges Wurzelsystem auszubilden und zu betätigen. die Kiste soweit in den Boden, daß der obere Rand mit der Erdoberfläche abschließt, gibt darauf
eine Lage
Stroh, deckt zuerst nur leidit, später frost3id-1er mit Boden ab, dann sind die Kartoffeln
4. Durch die Ausbildung eines einzigen Triebes bleibt die Vegetationsleistung in der Blatt.-
Stengelregion im ersten Entwid<lung33tadium gering. Die Wadistumskraft verpufft sich nicht in Ende April, Anfang Mai beim Herausnehmen noch ungewöhnlich prall und fest und zeigen
sofern die Winterdecke frühzeitig genug entfernt worden ist
# -—
nodi keinerlei Keimneigung. Die
der Ausbildung Sdiwächlidier Nebentriebe, so daß die Angriffsflädie fiir sdiädlidie Einflüsse auf erste Vermehrung wird (ohne Kiste) ebenfalls ganz in Sand eingebettet. Diese Aufbewahrung
ein Mindestmaß beschränkt bleibt. Die Staude kann in allen ihren Teilen spannkräftig bleiben.
im Sand ist nach meiner Erfahrung die beste überhaupt.
5. Die Vegetationsleistungen passen sich zwangsläufig dem jeweiligen Entwicklungsstadium
Wo es nicht möglich sein sollte, die Vorarbeiten in den Garten zu verlegen, wählt man

der Pflanze an.


Durch die Versuche hat sich also herausgestellt, daß in dem alten, fast vergessenen und in sich auf dem für Kartoffeln vorgesehenen Feldstüdc eine beliebig große Fläche, die mit gesdinittenen
Verruf geratenen Brauch des „Augensdineidens“ beim Saatkartoffelbau eine Methode vorliegt, Augen ausgelegt wird und geht sonst in der beschriebenen \Weise vor.
weldie in ausgezeichneter Weise auf den Rhythmus der Eigendynamik der Kartoffel im Wachs: Bemühen wir uns durch verständige Landsdiaftsgestaltung, Klimaregler in Form von Hecken,
tumsverlauf Rüdcsidit nimmt und ihn durch Kunstgriff herausholt. Obstbaumrmhen u. s. w. für unsere Betriebe zu sdiaffen, um damit das örtlidie Klima und die
Der Umstand, daß die Anfänge dieser Methode einst weit verbreitet gewesen sind, als in Witterung5verhältnisse soweit zu ordnen, als es uns ni'ciglidi ist, beaditen wir zugleidi alle Er:
bäuerlidmn Kreisen noch Nadiklänge gesunder N aturinstinkte vorhanden waren, und die praktischen
Erfahrungen ohne theoretische Begründung gewertet wurden, ließ ihre Brauchharkeit von vornherein
fahrungen, die bei der Bodenbearbeitung, Düngung, Pflanzung, Sortenwahl u. s. w. schon gemadit
wurden und immer wieder gemacht werden, so können wir mit Hilfe der geschilderten Methode
wahrsdieinlidi ersd1einen. Nachdem die Erfahrungen, weldie seit zehn Jahren mit dieser Me: den Kampf gegen den Kartoffelabbau mit berechtigten Hoffnungen aufnehmen, ohne auf die
Leistungen verziditen zu müssen, die aus volkswirtsdraftlichen Gesichtspunkten vom Kartoffelan:
thode gemadit wurden, so positiv ausgefallen sind, ist es für mich aber zur Gewißheit geworden,
daß die Methode für die Erhaltung des Pflanzwertes der Kartoffel von allgemein praktischer Be: bauer gefordert werden.
deutung ist.
Dringender nodi als beim Getreidebau erhebt sich beim Kartoffelbau die Forderung, daß
die Sorge um die Erhaltung der Pflanzwerte nidit aussd11ießlidi dem Züditer zugeschoben wird,
sondern zum großen Teil vom Anbauer mit zu übernehmen ist. Kompost aus Dresch-Abfällen
Einrichtung der Betriebe auf eigenen Pflanzgutbau E. Stegemann
Wie Sidi eine soldie Kartoffelsaatgutpflege ausnehmen wird, die in jedem landwirtsdiaft:
lichen Betriebe ohne große Sdiwierigkeiten durdigeführt werden kann, ist durch die bisherigen Zur Ergänzung des Humusgehaltes im Kulturboden wird in der Landwirtschaft vornehmlich
der Mist angewendet. Weniger Beaditung finden sonstige landwirtschaftlid1e Abfälle. Sdion das
Ausführungen bereits weitgehend vorgezeidmet. Die allgemeinen Gesiditspunkte, welche für die
Düngung, Bodenbearbeitung, Pflanz: und Erntezeiten, Standraumverhältnisse u. s. w. in Betradit Kartoffelkraut im Herbst ist den meisten Landwirten und Bauern eine lästige Beigabe, und lästige
Beigaben behandelt man im allgemeinen schlecht. So geht es audi dem Kartoffelkraut in bezug
zu ziehen sind, brauchen hier im einzelnen nidit mehr wiederholt werden. auf seine weitere Verwendung als Dünger irn landwirtsdiaftlichen Betriebe. Man fährt wohl not:
Wo es einzurichten geht, macht man am besten den Garten zum ständigen Ausgangspunkt falls das getrocknete Kraut zusammen, oft jedodi wird darin kurzer Prozeß damit gemadit. Wer
für die Besd1affung der Saatkartoffeln. Für den Anfang ist die Verwendung von Originalsaatgut kennt nidit im Herbst die im ganzen Lande
angezeigt. In der vorhin beschriebenen Weise werden die Knollen in Stüdce geschnitten und verteilten kleinen Kartoffelkrautfeuer, deren
bald nadi dem Sdineiden, etwa Mitte Mai, flach in den Boden gebradit. —
Der Boden soll nodi
soviel Feuchtigkeit enthalten, daß der neue Keim nidit abtrocknet, ehe er sich im Boden verwurzeln
Raudisdiwaden den Vorbeigehenden oder
den Bewohnern nahe gelegener Häuser
konnte. Wenn das Kraut herangewadrsen ist, geht man von Zeit zu Zeit die Bestände durch.
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äußerst lästig werden. Nur die Jungen und


Zeigt sich eine kranke oder schwächliche Stande, so wird sie entfernt. Bevor das Kraut abzu: Mädel haben Freude an dem Kartoffelfeuer.
sterben beginnt, suchen wir die besten Stauden (das sind nicht immer die größten) aus, und be: Der Bauer zerstört sich mit dem Abbrennen
zeidinen sie mit einem kleinen Pflodc. Das Kraut der geäugelten Kartoffeln erhält sich lange des Krautes die Grundlage zu sdiönem
grün, wir müssen deshalb den ridit'igen Erntezeitpunkt an den Knollen feststellen. Er ist ge: Kompost. Es gehört mit zur größten Ver.-
kommen, wenn sich die Schale beim Reiben nicht mehr abblättert. Die angemerkten Stauden werden sdiwendung, wenn der Bauer zum Streich:
besonders geerntet und gesondert aufbewahrt. Von ihnen nimmt man im nädrsten Jahr das holz greift und Kartoffelkraut verniditet, oder
Saatgut für das Ausgangsbeet im Garten. Die übrigen Knollen werden auf einem geeigneten was nodi viel sdtlimmer ist, Gerstenspreu
und gut vorbereiteten Feldstiick unter Anwendung derselben Methode vermehrt (1. Vermehrung). und Roggenspreu verbrennt.
Um genügendes Saatgut zu erhalten, wird in den meisten Fällen eine 2. Vermehrung notwendig Wendel sich ein Bauer der biologisd1:
sein, die auf die gleiche Weise durdizuführen ist. Bei beiden Vermehrungen werden während
der Wadistumszeit kranke und kümmernde Stauden entfernt. dynamischen Wirtschaftsweise zu, so erfährt
Haben die Kartoffeln drei Jahre eine soldre Behandlung *) durdigemacht, so sind sie nadi er bald, daß kaum etwas in einem Betriebe
Aufn.: E. S,egemann so wertlos ist, als daß es verbrannt werden
meinen Erfahrungen in ihrer Konstitution gestärkt und gut an die örtlidien Verhältnisse angepaßt.
könnte, am allerwenigsten Rüdcstäncle vom
Werden 100—120 qm Kartoffeln gartenmäßig angebaut, so kann damit geredinet werden, daß Umschauteln und Besprerigen von Kati-Kompost
Felde oder vom Dresdien.
daraus das Saatgut für einen halben Morgen (in gesdinittenem Zustande) geerntet wird, Der
Ernteertrag hieraus ergibt in gesdinittenem Zustande das Saatmaterial für etwa sechs Morgen Diese Rüdcstände erregen in den meisten Wirtsd1aften Ärgernis. Die Gerstenspreu und
audi die Roggenspreu, audi Kaff genannt, wird in eine Edce des Hofes gesdrafft oder hinaus ins
*) Der Boden in Pilgramshain ist in langjähriger biologisdr:dynamisdier Kultur und es gelangen 5usammen mit
der gepflegten Naturdüngung Jahr für Jahr die Heilpflan3en3usätje und naturgemäfjen Spriljmittel der biologisdu:dynamisd1m
Feld gefahren und liegt nun einsam auf Haufen. Nadi einem Jahr, wenn der Bauer wieder zu
diesem Haufen Kaff kommt, kann er kaum eine Veränderung feststellen. Der niederfallende
Wirtsdiaftsmeise 3ur Anwendung. Regen legt die feinen Teile der Gerstenspreu in solche Linien, daß der Gerstenkaffhaufen
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von außen die Struktur eines Strohdadie$ annimmt. Alle die Grannen in der Obersd1icht sind Kaffanfalls von 46 Morgen Gerste und 69 Morgen Roggen wurden zur gründlidaen Durch:
der Länge nach in einer Ridutung gelegen, Das Regenwasser kann somit nur ganz oberflächlich feuchtung (dreimalige Wiederholung) IO Männertage gebraucht. Die Durchfeud‘ttung wurde dabei
eindringen; das Innere bleibt unverändert. So kann der Gerstenkaffhaufen gut konserviert, ver.- mit Hydranten vorgenommen. Die Arbeiten zur Durchfeuchtung des Kaffs wurden jeweils so:
sehen mit einem ziemlich undurchläßigen Dad1, über Jahre hinaus liegen. Der Bauer ist zudem bald wie möglich nach dem Drusch vorgenommen, jedodi wurden niemals wichtigere Arbeiten da:
der Meinung, an dem wertlosen Zeug darf durch aufgehalten.
keine besondere Arbeit angewendet werden. Der Platz für die Komposianiage muß geeignet sein; vorteilhaft ist er im Süden durch Bäume
Ohne Arbeit bleibt aber der Kaffhaufen begrenzt, nicht zu weit vom Wege entfernt und an einem Bach liegend. Von besonderem Nutzen
gewiß wertlos für den landwirtschaftlichen ist es, eine Wasserleitung dorthin zu legen und mehrere Zapfstellen vorzusehen. Mit einem etwa
Betrieb. 10 m langen Sehlaud1 läßt Sidi bei drei Zapfstellen das anfallende Kaff und der Kompost in
Soll jedodi eine schnelle Zersetzung der einem Betriebe bis zu 1000 Morgen gut herrlchten.
Dresdimasdiirienabfälle erzielt werden, so im zeitigen Frühjahr des übernächsten Jahres nach dem Anfall des Gersten: und Roggen.-
empfiehlt es sich, die als Futter nicht brauch.- kafts kann der fertige Kompost aus diesem Kaff für die Wiesen und Weiden bereits verwendet
baren Rückstände sogleich in Kartoffelmieten: werden. Auch die Getreidefelder können mit Kompost versehen werden, wenn der Vorrat groß
form aufzusetzen. Der Platz dieser Mieten ist. Bei dieser Arbeitsmethode gelingt es, daß die Wiesen und Weiden jährlich im Januar ihren
soll in unmittelbarer Nähe einer Wasser.- Kompost erhalten.
leitung oder eines Baches angelegt werden. Im Betriebe selbst ist zu beobachten, wie die an dem Kati sd1affendetr Mensdren Freude
Es muß ohne Nfühe möglid1 sein, die ganze daran gewinnen, in so kurzer Zeit aus verhältnismäßig wertlosen Abfällen so frud'itbare Erde her.-
Kaffmiete mit Wasser zu durchsetzen, Es zustellen.
nützt nun nod1 nichts, wenn die Kaffmiete
von außen mit Wasser begossen oder be.-
spritzt wird. Zur richtigen Durchdringung muß
Aufn.: E. Stegemann
die Kaffmiete umgesetzt werden, und in dieses
hanggestrecktes Lager von Kafi-Kompusien längs des
Baches, außerdem mit Wasserleitung versehen
Umsetzen hinein gehört Wasser mit der Gieß:
kanne oder mit dem Spritzsd11auda gegossen.
Der Zwischenfruchtbau
Diese Arbeit läßt sich mit der Bereifung des Mörtels für den Maurer vergleichen. Am besten gabeln im Organismus des Iandwirtschaftlichen Betriebes
zwei Mann die Kaffmiete um und ein weiterer spritzt aus dem Hydranten mit zerstäubtem Strahl
auf die Umsdaaufelung. Die gründlich durchfeudqtete Kaffrniete beginnt schon am dritten Tage E. Heidebroek
als Zeichen der beginnenden Zersetzungsvorgänge zu dampfen. Um nun einen wirklichen Zerfall Unter den Gliedern des landwirtschaftlidren Betriebsorganismus ist in letzter Zeit eines viel
der sehr widerstandsfähigen Gerstengrannen zu bekommen, muß die Kaffmiete nach etwa vier genannt und in der Fachpresse red1t umstritten worden „— der Zwisdlenfruchtbau, Dieser Zweig

Wochen noch einmal in der der landwirtschaftlidren Erzeugung war bisher etwas stiefmiitterlich behandelt worden und nun, da
gleidien Weise durdifeuch: man ihn vorwärtsbringen will, scheint es so, als ob er ein rechtes Sorgenkind wäre, das nicht so
gedeihen will, wie es wünschenswert wäre, Woher kommen diese Sorgen?
tet werden. Solange sid1
Was den Nährstoffhaushalt anbelangt, so kann die Gefahr einer Verarmung des Bodens
Schimmelbildung im Inne.-
ren der Kaffmiete zeigt,
muß die Durdmässung in
— wie der biologiseh=dynamisch wirtschaftende Landwirt aus praktischer Erfahrung weiß
sachgemäßer Ausdehnung und Auswahl des Zwisdtenfruchtbaues überwunden werden. Bei Zwischen.— —
früchten, die Mist zehren, bedarf es besonderer Überlegungen, ob für sie Naturdünger vorhanden
bei

der beschriebenen Art wie:


derholtwerden. Nach einem sind oder nidit, und ob vielleid1t eine Düngerreserve durch Vermeidung von unbeachteten Verlusten
halben Jahr wird dann der und durd1 Ersparnisse an anderer Stelle des Betriebes freigemacht werden kann, mit der sich der
Zwisd1enfrudrtbau einleiten läßt.
Zerfall soweit vorgeschritten
Auch beim Wasserhaushalt sind die Möglichkeiten meist größer, als man denkt. Wie
sein, daß die Kaffmiete mit
ziemlich gut verrotteter oft wird die Befürchtung geäußert, vor allem von den Landwirten des sd1weren Bodens, daß der
Komposterde durchsetzt Zwischenfruchtbau die Wasserversorgung der Nadrfrudit“gdährdei Dabei wird hin.— und her.—
werden kann, was die gestritten, ob durch die Pflanze zu viel Wasser verdunstet wird, oder ob die Besrhattung durch
weitere Vererdung beför: die wachsenden Pflanzen des Zwisdaenfruchtbaues die unproduktive Bodenverdunstung herabsetzt
dert. Bei Anwendung die: und somit Wasser spart, ferner ob die Pflanzen die tieferen Bodenschichten zu sehr in Anspruch
ser Methode wird nach ein.- nehmen oder durch die Erschließung dieser tieferen Sd1iditen der Nad‘ifrucht das Eindringen in
einhalb Jahren das Kaff den Boden erleid1tert und ihr somit ein Schutz gegen Düne gesd1affen wird. Uberschauend läßt
vollkommen zerfallen sein. sich sagen, daß überall dort, wo der Kräftehaushalt des Bodens, d.h. der Garezustand zu
Der Landwirt ist dann ‚in wünsdqen übrig läßt, auch die \Y/asserfiihrung und Wasserhaltung des Bodens nicht zufrieden:
der Lage, zur Frühjahrs: stellend sein kann, denn die Gare ist ja gerade durch die ideale Verteilung von Luft und Wasser
bestellung den Kaffkom: im Boden gekennzeichnet. Alles, was zur Schaffung guter Gare beitragen kann, stellt auch eine
post für Wiesen undÄd<er Förderung des Wasserhaushaltes für Zwischenfrüdnte dar.
erfolgreich zu verwenden. Aus der Betrachtung der Probleme der Düngung, der Feuchtigkeit und Ähnlichem ergibt
Aufn.: Dr. 0, Heynil3 Gegen eine sold1e Ar.- sich für den denkenden Landwirt die Frage, ob bei ihm die Zwisdrenfrudit gedeihen wird oder
„Riesenacker“, aus Mist und Wirtschaftsabfällen, durchzogen beit, wie sie hier besdtrieben nicht, und ob sie überhaupt zu verantworten ist Das Risiko im Zwisdienfrudrtbau ist heute
mit Erdschichten. Rittergut Heynit3 bei Meißen. Mär; 1936 ist, wird sofort eingewendet, zweifellos in vielen Betrieben vorhanden und tritt je nach den Witterungsverhältnissen in einem
daß sie ja viel zu teuer Jahr mehr, im anderen weniger in Ersd1einung. Die Zwisd1ensaat, die mitunter erhebliche Kosten
sei. Darauf ist zu erwidern, daß ieder Betrieb den Stundenlohnsatz kennt. Die zur Befeudrtung an Saatgut. Dünger und Bestellungsarbeiten verursadit hat, droht oft nutzlos verloren zu gehen
des Kaffhaufens aufgewendete Stundenzahl ist gering, wenn eine Wasserleitung zur Verfügung und dem Betrieb nur Belastung, aber keine Förderung zu bringen.
steht; etwas höher, wenn das Wasser im Jaud'iefaß herbeigefahren oder gar in Eimern heran.- Versucht man, all diesen Sorgen des Landwirtes, der sich um Steigerung seiner Erzeugung
getragen werden muß, um dann mit der Gießkanne verteilt zu werden, Zur Verarbeitung des durch Zwischenfruchtbau ehrlich bemüht, auf den Grund zu gehen, so kommt man schließlich zu
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Es bleibt uns. nodi ein Weg zur Verwertung der Pflanzenstoffe des Zwischenfruchtbaues,
der Beobachtung, daß die Belastung und vor allem die Mehrarbeit durch den Zwischenfruchtbau wenn man diese dem Adcer zugute kommen lassen will, das ist die Kompostierung, Dazu ist
schon bei der gedanklichen Vorarbeit des Betriebsleiters beginnt. Der für die Gliederung und es notwendig, den Bestand grün abzum'a'hen oder "ihn nach dem Frost zusammenzuschleppen, auf:
Führung eines Betriebes verantwortliche Mensdi hat die erste und entsd‘ceidende Arbeit zum Ge: zuladen und zu Komposthaufen aufzusetzen. Es gehört freilich ein gut Teil Überlegung und
lingen des Zwisdienfruchtbaues zu leisten. Handelt es sich dodi für ihn darum, den ganzen Betriebseinrichtung dazu, um diese Arbeitsleistung mit den iibrigen Arbeiten der Hadcfruchternte
Kräfte: und Stoffhaushalt seines Betriebes so zu durchschauen, daß er die Möglichkeiten herausfindet, und Herbstbestellung in Einklang zu bringen. Aber es kann dadurch ein außerordentlidr wert:
wie der Zwischenfrudrtbau sich organisdt und sicher in den übrigen Betriebsorganismus einbauen voller Kompost gewonnen werden, der als Kopfdüngung auf dem Adcer ebenso wie auf Wiesen
läßt. Es kommt darauf an, den Zwischenfruchtbau so in das Ganze des Betriebes einzugliedern, und Weiden sich segensreich erweisen wird. Man vermeidet außerdem auf diese Weise, daß
daß die gesamte Leistungsfähigkeit des Betriebes gehoben wird.. dem Acker, der die Zwisdienfrucht getragen hat, eine rohe Pflanzenmasse einverleibt wird, die
Es ist unmöglich, hier Rezepte anzugeben, wie und wann man eine gut gedeihende Zwischen: hemmend statt düngend auf die Nachfrucht wirkt.
frucht anzusäen, zu pflegen und zu düngen hat, denn das muß jeder Betrieb anders anfassen. Ein großer Teil der heute angebauten Zwischenfrüd1te soll weniger dem Boden gut tun als
Jeder landwirtschaftliche Betrieb ist ein Organismus, der seine Besonderheiten hat, und dem Betrieb Futter liefern. Dazu ist es erforderlich, vor Ausdehnung des Zwisd’renfruchtbaues
in dem ein schon vorhandenes wenn auch unsdieinbares Glied nur im Hinblick auf die Entwidclung zu bedenken, wie Viehverhältn’is, Vieharten, Futtergrundlage und Zwisdwnfruditbau untereinander
des Ganzen verstärkt und ein neues Glied nur mit Rüdcsicht auf den übrigen Betriebsorganismus abzustimmen sind. Besonders die Leguminosen werden ja wegen ihres hohen Futterwertes gern
eingefügt werden kann. als Zwisdienfrucht angebaut. Durch ihre stidcstoffsammelnde Tätigkeit und ihr gareförderndes
Wachstum hinterlassen sie auch den Boden meist in sehr gutem Zustand fiir die Nachfrucht.
Da sind zunächst einmal die natürlichen Gegebenheiten des Standortes, Klima und Boden, Als Nachteil wird ihnen heute vielfach nachgesagt, daß ihr Anbau unsicher sei, daß ein Versagen
die bedad1t sein wollen. Uber die klimatischen Ansprüd1e derjenigen pflanzen, die fiir einen bei ihnen leichter eintrete als bei den anderen Pflanzen des Zwischenfrudttbaues. Für die Vieh:
Zwischenfruchtbau in Frage kommen, sind wir in groben Umrissen durch vielerlei Versudae und
durch die Erfahrungen der Praxis unterrichtet. Ebenso sind sdion sehr wertvolle Beobachtungen haltung ist es aber von einschneidender Bedeutung, ob die Futterpflanzen sidaer gedeihen oder nicht,
über die Beziehungen der Zwisd1enfruchtpflanzen zum Boden vorhanden. Die Ertragssicherheit der Leguminosen im Rahmen der biologisd1:dynamischen \Wirtschafts:
Mit der Beachtung dieser Erfahrungen und der Anpassung an Boden und Klima bei der weise ist vielen ihrer Freunde bekannt, So ist es gerade bei dieser Wirtschaftsweise möglich
Auswahl der Zwischenfrucht ist es aber noch nicht getan, Es gehören audi die Überlegungen geworden, das im Zwischenfruchtbau gewonnene Futter als sicheren Posten für eine reichliche Er:
nährung des Viehbestandes einzusetzen, und damit die Viehherden auf gute Leistungen bei wirt:
‚ mehr betriebsted1nisdier Art dazu. Da ist die Frage des Saatgutes. Das Ideal wäre zweifellos,
das Saatgut im eigenen Betrieb zu erzeugen. Das ist bisher leider erst in wenigen Betrieben sdiaftSeigenet Futtergrundlage zu stellen.
erreicht worden. Wir sollten gerade der Selbsterzeugung eines geeigneten Saatgutes zunächst Die arbeitstechnisch einfachste und billigste Nutzung des Zwischenfruchtbaues als Futter ist
einmal die größte Bead1tung schenken; einmal weil eine Einfuhr Soldier Sämereien nur mit den zweifellos das Abweiden. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten wie das Hüten, das Tiidern
an sich knappen Devisen zu bezahlen ist, zum anderen aber, weil eingeführtes Saatgut selten den oder den Weidebetrieb in beweglichen Zäunen, die im Winter wieder entfernt werden können.
Wert einer bodenständigen Saat erreicht. Diese Bodenständigkeit ist bei den Hülsenfrüchten, Das Tüdern hat sich besonders im kleineren Betrieb bewährt. Diese Art der Nutzung als “Weide
den Kleegewädisen so außerordentlich wesentlich für die Sidierung ihres Gedeihens. schließt für das Vieh den großen gesundheitiidien Vorteil der Bewegung in Lidit und Luft in Sidi,
und es sollte überall da, wo eine Dauerweide heute nodi nidit möglich ist, danach getrachtet werden,
Eine andere Frage betriebstechnischer Art ist die Mehrarbeit, die der Zwischenfruchtbau den Tieren wenigstens zeitweise den Weidegang zu gönnen durch irgendweld'ien Weidebetrieb auf
fordert. Diese Mehrarbeit ist bei Untersaat geringer als bei Stoppelsaat. Ein garer Boden mit Zwisdienfruchtgrundlage.
geringem Unkrautwuchs erlaubt die arbeitssparende Untersaat, z. B. in Getreide. In vielen Fällen
aber ist trotz Mehrarbeit die Stoppelsaat als sidierer vorzuziehen. In letzterem Fall muß die Die Verwertung der Grünmasse als Futter im Stall fordert schon mehr Arbeit. Da muß
Bodenbearbeitung und Einsaat sich unmittelbar an die Ernte ansdiließen, denn jede Stunde ist geniäht und zum Hof gefahren werden. Nur wenig mehr Arbeit macht dann die Verwertung
wertvoll für das Gedeihen der Zwischenfrucht
— ein Zuwarten mit Umbruch und Aussaat auf
dem abgeemteten Feld raubt nur zu oft die wesentlidie entscheidende Feud'itigkeit der Schatten:
der Pflanzenmasse als Trodcenfutter, wenn die Verfütterung im frisdien Zustand nicht nötiger ist.
Durch die Anwendung der versdfiedensten Trodcengerüste läßt sich die Trodcnung mit geringen
gare, die zum Keimen der Saat so wertvoll ist, Verlusten audi dann nodi durd1fiihren, wenn die Jahreszeit an sich für eine Heuwerbung nidit
Schließlich bleibt zu berüdcsichtigen, in weldiem Verhältnis der Viehbestand eines Betriebes mehr günstig ist. Gleichzeitig werden durch diese Trodcengerüste
— z. B. durch den Sd1weden:
zu seiner Futtergrundlage steht, ob durch den Zwisc'henfruchtbau eine Erweiterung der Futtergrund:
lage erwünscht ist oder nicht als notwendig erscheint. Die Frage, wie die im Zwisdienfruchtbau
räiter :—

s ützen. —
Wände aufgerichtet, die den durch Sdinitt entblößten Boden vor Wind und Sonne

erzeugte Pflanzenmasse zu verwerten ist, gehört vor allem mit hinein in die Überlegungen, die vor Wo die Möglidikeit besteht, die Futtermassen einer künstlichen Trodcnungsanlage zuzuführen,
der Aussaat einer Zwisd1enfrucht anzustellen sind. In dem Bestreben, die Gesundung des Ge: kann man ein sehr hodiwertiges Trockenfutter sowohl aus den Pflanzen des Zwischenfruditbaues
samtbetriebes zu fördern, ist der Zwisdaenfruchtbau eine erreichbare Stufe, welche
erklommen ist
— — wenn sie
einen wertvollen Beitrag von Stoffen und Kräften zum weiteren Aufstieg des
wie aus Abfällen z.B. Rübenblatt gewinnen. Dieses Trockenfutter ist heute von besonderer Be:
deutung als Ausgleich bei Rübenblatt:, Schlempefütterung, oder wenn sich gesundheitliche Schäden
im Viehstall durch fehlerhafte oder einseitige Fütterung zeigen Der hohe gesundheitliche \Wert
ganzen Betriebes geben kann.
eines guten Rauhfutters muß deshalb betont werden, weil es heute im Viehstall auf regelmäßige
In all den Fällen, in denen entweder eine Futterbeschaffung nidit notwendig ist, oder die Dauerleistungen ankommt und alle Zwischenfälle vermieden werden müssen.
angebauten Pflanzen Sid1 zur Verfütterung wenig eignen wie z. B. die Bitterlupinen der leichten
Böden, kommt die Leistung des Zwisdrenfrud1tbaues dem Boden und Düngervorrat zugute. Als weitere Möglichkeit, die Pflanzenmasse des Zwisdienfruditbaues haltbar zu machen, bleibt
Vielerorts pflügt man freilich die gesamte Grünmasse unter und erreicht oft nidit die gewünschte uns die Einsäuerung. Die sadigemäße Einsäuerung ist ein braud-rbares Mittel, um reidilidi an:
Förderung der Nachfrucht, sondern eine Hemmung. Damit wird dem Boden eine „Verdauungs: fallendes, leicht verderbliches Futter für eine möglidist günstige Verfütterung in futterknappen Zeiten
leistung“ zugemutet, die er nidit immer bewältigen kann. Als Folge stellen sich dann Sdiädlinge aufzubewahren. Daß die Zeiten des Futtermangels mit denen großen Futteranfalls nidit zu kraß
wie Drahtw'cirmer und Engerlinge ein, oder die lebendige Sdiiditung des Bodens erleidet eine
Störung, die sich in sd11editer Wasserfiihrung bemerkbar macht. Anders ist es, wenn man die
wechseln, sondern — in Jahren «mit normaler Witterung .— eine gleichmäßige Versorgung des
Viehstalles geschaffen wird, das ist eine besondere Aufgabe der organischen Betriebsgestaltung
Zwisdienfrucht abfrieren läßt und die dadurch verminderten und bereits mürber gewordenen Pflanzen: und Betriebsleitung.
massen in den Boden bringt. Man kann durch dieses Stehenlassen für einen Teil des Winters Vom in sich geschlossenen Organismus des Gesamtbetriebes ausgehend finden wir am ehesten
dem Boden eine Art Haut schaffen, welche die Lebewelt des Bodens vor allzu starker Einwirkung den Weg, durch Zwischenfruchtbau die Leistungen unserer Betriebe ohne Gefahr zu steigern.
des Frostes, vor aushagerndem Wind, zu viel Licht usw. schützt. Gerade auf leichten Sandboden
hat sich dies bewährt, da dieser Boden erfahrungsgemäß einem Ubermaß kosmisdier Einwirkung
wegen seiner starken Durchlüftung und Lichtaufnahme nid-rt zu sehr etwa in rauher Furche
#

ausgesetzt werden sollte.


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Das Werden und
in
Wachsen des „Berghauses“
Rotenburg-Fulda
genügend Futter finden. Nur bei großer Trockenheit mut} 3ugefüttert werden. Sie liefern uns ie 1—2 Lämmer, Dünger
und etwa 7 Pfd. Wolle (ungemasdien gewogen), die wir im Winter selbst spinnen, stridcen und weben,
Für die Hühner müssen wir leider das Futtergetreide kaufen, Jedoch halten sich Einnahmen und Ausgaben
leidlid1 die Waage, wenn die Eierpreise nidit gerade so niedrig sind wie vor 2 Jahren. Der Hiilinerdung ist für den
Irmgard Stapff Betrieb natürlich sehr wichtig,
Bienennölker haben wir im dritten Betriebsiahr auch aufgestellt. Wenn im Honigertrag audi viele Fehliahre

weil ich _
Wiederholt wurde ich gebeten, etwas von unserer Arbeit zu berichten. “) Ich habe midi bis.-
her davor gescheut, weil ich midi für eine solche Schriftstellerei nicht fadikundig genug dünkte und
was immerhin ein großer Mangel ist

nidit mit Zahlen und Rentabilitätsberechnungen
aufwarten kann. Trotz alledem will ich es ietzt aber dodi wagen, ein kleines Bild zu Skizzieren.
3u oer3eichnen sind, so mödrteri wir sie für unsere Obstbäume und ;u unserer Freude nidit mehr missen. Ich hoffe-aber
audi, den Honigertrag oerbessern zu können, wenn ich meinen gan3en Stand mit Königinnen von Bienenoater Sklenar *)
umweisele, Sklenars „Imkerpraxis“ sollte von Bienen}udttanfängem und :Könnern gründlidi studiert werden Es ist
wohl kaum einer inniger mit seinen Bienen oerwadisen und arbeitet 3ugleich so ernsthaft wissensdraftlidr am Fortsd-rritt’
der Bienenwirtsdiaft wie er.
Im Jahre 1929 bezogen meine Freundin und ich das neu erbaute Berghaus. Es liegt an So etwa war unser Betrieb gewachsen, als wir am Ende des 3. Arbeitsjahres durch Freunde
einem leicht geneigten Süd/Ost:Hang, mitten in etwa 5 Morgen Ackerland, weldies unser Arbeits.-
von der biologisch:dynamischen Wirtsd-raftsweise hörten. Jeder Leser wird sich denken können,
gebiet werden sollte. Das Land war bis dahin in 12 Parzellen zu Schrebergärtchen verpachtet, eine wie sehnlichst wir nach allem griffen, was uns von dieser Seite an natürlichen, gesunden Wirt:
Hälfte der Gesamtfläche lag als anbauunwürdig brach. Es hatte trockenen, steinigen Boden. Wir schaftsmöglidikeiten an die Hand gegeben wurde, wie uns alle Grundgedanken einleuchteten und
teilten die Flädie ein in etwa 2 Morgen Gemüseland einsd11. Spargel, wie bei unserer Naturverbundenheit audi die dynamischen Wirkungen volles Verständnis fanden.
% „ Beerengarten, Wir stellen nun jedes Jahr mehr um. (Kunstdünger hatten wir allerdings, bis auf einen ganz
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21/4 „ Wiese mit Obstbäumen. schüchternen Versuch an Spargel im 2. Wirtsdiaftsiahr, nie verwendet.) \Wir sind eifrig und
Voraussdaidcen muß ich nodi, daß weder meine Freundin noch ich damals etwas von der erfolgreich daran, die Qualität unserer Ernten von Jahr zu Jahr zu verbessern und damit audi
biologisch:dynamischen Wirtsdaaftsweise wußten. Meine Freundin stammt aus der Großstadt, ist die Rentabilität des ganzen Unternehmens, die natürlich bis zur Tragzeit der nodi zu jungen Obst:
aber in besonderem Maße naturverbunden und strebte seit Jahren nadi einem Stüdc eigener bäunie nodi sehr mäßig ist.
Scholle. ICh selbst bin als Forstbeamtentochter in einem kleinen Thüringer Dorf aufgewachsen und ir freuen uns aber jetzt doppelt darüber, daß wir aus gesundem Fühlen und Denken her:
habe in engstem Zusammenleben mit den 14 Bauernfamilien des Ortes meine ganze Kindheit aus unser Unternehmen so zu einem organisdien Ganzen haben wachsen lassen können, Das
hindurch das Werden und Ernten erlebt und Tier und Land gepflegt. Das waren die Grund: wirkt sich auch wirtsd1aftlich günstig aus. Die eingegliederte Tierhaltung bedeutet eine gute Grund:
lagen für unseren Garten: und Obstbau. Man muß das wissen, um die bei naturgemäßer Uber: lage. Dann verarbeiten wir unsere Gartenprodukte selbst zu Gemüsekonserven, Marmelade, Gelee
legung fast zwangsläufige Entwidclung unseres Betriebes zu einem immer mehr geschlossenen und Most mit lernwilligen Hilfskräften und haben auch einen bestimmten dankbaren Verbraucher:
Organismus rid1tig zu beurteilen. kreis dafür gefunden.
Nadi der groben Einteilung des Landes wurden Bäume gepflanzt, Wiesenflächen angesät ICh hoffe, daß meine einfadte Schilderung vor allem auch den größeren Gartenbauern zeigt,
und ein Teil des Gartenlandes bebaut, besonders audi die Spargelreihen angelegt. Sdion bei daß die Tierhaltung fast zwangsläufig zum Garten hinzugehört und in besd1eiclenem Maße bei
diesen Arbeiten machte sich der Düngermangel jetzt würden wir Kompost sagen sehr be: praktischer Einteilung und sparsamer Ausnutzung des Vorhandenen audi durchaus möglid1 ist.
#
:—

merkbar. Eine zweispännige Fuhre strohig:sd1immeliger Rinderdung kostete 14— 16 Mk. und
war obendrein kaum zu bekommen. Wir sannen auf Abhilfe. Vierzig Hühner waren sdion
gleich angesd1afft worden, nun kamen 2 Ziegen hinzu, für die der Stallplatz nodi ausreidite. So
ging es fast ein Jahr, dodi bei Erweiterung des Gemüseanbaus reid1te der Dünger bei weitem
noch nidit, da ja die nach altem Muster angelegten Komposthaufen erst nach 3 Jahren ver: Die Eiche
wendungsfähig waren. G. v. Volkmann:Moedebeck
Ende 1930 bekamen wir anschließend an unser Grundstück knapp 2 Morgen steile Berg:
wiese mit Obstbäumen billig angeboten, am Fuße derselben etwa 1 Morgen Ad<erland dazu. Wir Goethe erläuterte einmal seine Anschauungsart, indem er einen Vergleidr setzte zwischen sich
nahmen die Gelegenheit wahr und hatten damit eine sichere Rauhfuttergrundlage für eine Kuh
wie sich später herausstellte sogar für 2 Kühe. Schon wenige Wochen, nachdem die Kuh ihren
Einzug gehalten hatte, waren wir sehr befriedigt. Wir bekamen nidit nur „wirtschaftseigenen“
— und Linné: „Das, was er mit Gewalt auseinanderzuhalten suchte, mußte nach dem innersten Be:
dürfnis meines Wesens zur Vereinigung anstreben“. Aus der Vielheit der Formen der organisdien
Welt, die allein keine Erklärung in sich tragen, will er zu einem Allgemeinen, dem Typus, auf:
Dünger, sondern audi Mildi und Butter für den Haushalt. Die Kuh zog uns manchen Karren steigen. Dieser ist ihm nid1ts Siditbares, ist ihm Idee, wie die Urpflanze eine sold1e ist. Die Er:
Erde, und die Freude an der Tierpflege hatten wir obendrein, besonders als dann ein Kälbdien sdieinungsformen sind nur Ausdruck eines nicht sid1tbaren inneren Prinzips, das in versdiiedener
ankani. Weise auf die von außen herankommenden Kräfte antwortet. Überall macht Goethe Beobachtungen,
wie die Formen der Pflanzen sich wandeln, je nachdem ob sie am Meer, auf dem Berge, auf
Die Fütterung madite keine Schwierigkeiten:
trodcnem oder feud1tem Boden stehen. Dann schreibt er seine Metamorphose der‚Pflanze, die
Von Mitte November bis Mitte Mai reid1t das Heu und Grumt von den Obst: und Bergwiesen, wenn den Grund legt für eine neue Betrachtung des Organisdaen.
es mit wenig Stroh geschnitten wird für 2 Kühe (wir haben in3wischen das erste Kuhkälbd'ien aufgestellt und füttern
jetzt 2 ausgewachserie Tiere). Wir Nadifahren, die wir uns an Goethesdier Betrachtung sdmlen, vermögen dann allmählida
Von Mai bis oft Ende November: Weidegang auf 3mei gan3 kleinen Koppeln mit Zufütterung von Grün: „das Wed1selhafte der Pflanzengestalten“ zu sehen. Wir überblicken, da die Welt durch die
futter von den Bösd1ungen, von mehreren Terrassen und Wegen (die 3ur Festigung des lehmigen Bodens mit Klee und Erleichterungen des Verkehrs kleiner, nadibarlidier geworden ist, wie Osten, Westen und die Mitte
Gras angesät wurden) sowie durch Abfüttern eines kleinen Stückes Obstwiese und Bleid'irasen. Da3u kommen dann
ständig gan3 erhebliche Mengen an Gemüse: und sonstigen Gartenabfällen, (Wir hatten oft 3upiel davon sich durch andere Gestaltungskräfte unterscheiden, und es reizt uns, einer Pflanze in ihren viel:
und konnten nidit alles füttern, Frühkolilblätter, Möhrenkraut, Erbsen: und Bohnenstroh beim Abräumen der Beete, die fälligen Erscheinungsformen nadizugehen, um in das Geheimnis ihres Wesens tiefer einzudringen.
Körbe Doll Abfälle beim Hedcenschnitt, die ausgesdmittenen Triebe der Himbeeranlagen, später im Herbst die Un: Die Eiche, der Baum, der'uns Deutschen vor allem lieb und ein Symbol ist, soll der Gegen:
mengen Kohlabfälle, abgeblattete Sonnenblumen und dergl.) Alles wird sehr gern genommen. Die Milchmengen sind stand einer solchen Betrachtung sein. Für uns ist die deutsche Eidie, mit ihrem botanisd1en Namen
gut, und die Tiere sind gesund dabei. In der futterarmen Zeit der Trockenheitsiahre haben unsere Kühe sogar den gan3en
Abfall von den Erdbeeranlagen gefressen. Quercus pedunculata, Stieleid-re, zum Typ der Eiche geworden; die wenigsten wissen, daß es an
Zugekauft werden muß bei uns etwa 45 Ztr. Stroh 3um Streuen.und Füttern, 80—100 Ztr. Runkelriiben 200 Arten Eid1en gibt, diezum Teil sehr erheblidi in der Form abweichen.
(jet3t bauen wir sie auch selbst auf einem knappen halben Morgen Land und sie reidren mit für 120 Hühner und 2 Schafe)
und etwa 12 Ztr. Getreide 3u Kraftfutter in Form von Sdirot und Kleie.
Würde es möglich sein, von einer Stelle außerhalb der Erde diese zu überschauen, so würde
sich dem betrachtenden Auge zeigen, daß sich in einigen Ländern untersdriedlid‘re Formen innerhalb
Die Sdiafe meiden fast den gan3en Winter auf den Obstwiesen (halten sie gut km} bis 3um neuen Austrieb) der Familie der Eichen häufen, die dodi nur Ausdrudc einer übergeordneten Ganzheit sind. Man
und haben im Sommer Gelegenheit, bei der Ortsgenossensdzaft für Sdiafhalter 3um Weidegang in der Herde 3ugeiassen
3u werden. Wir haben aber damen nodi keinen Gebraudi gemadit, da wir am Berg etwas Buschwald haben, wo sie sieht eine Wandlung vom Einfadien ins Koniplizierte, wenn man vom Osten nadi Westen sdiaut,
und findet eine verwandte Ersd1einung in dem Auftauchen der ersten versteinerten Eidienformen
") Wir freuen uns, die Reihe unserer Veröffentlidrungen über gesunde Siedlungen, in denen der Gartenbau in in der geologisdien Schicht der unteren Kreidezeit, die im „Miocän“ einen gewissen Absdiluß findet.
eine kleine Landwirtschaft mit Viehhaltung eingebettet ist, fortsetzen 3u können, Wir verweisen auf die früheren Aufsätae
3u dieser Frage Demeter 1934 S. 48, 1935 S. 101. Sdiriftieüüng. *) „Stamm 47".
72 73

Potonié sagt darüber in seinem Buch „Paläobotanik“: „Die Blätter der Kreidezeit:Eidten sind Zwischen diesen fünf besonders auffälligen Gruppen steht nodi eine unendliche Fülle von
zumeist mit denen tropisdi:asiatisd1er und mittelamerikanischer Eichen zu vergleichen“ und 'weiter; Eichenarten mit verschiedenst geformten Blättern, die man nidit für Eichblätter halten würde, wenn
„Vertreter der Sekt. Robur, tozza, infectoria ersdieinen in Mitteleuropa wahrend ‚des Mmcans“ ihre Zugehörigkeit zu den Eidien nidit dureh die Blüten bestimmt wäre, Feine weidenblättrige,
(s. Abbildung). Es treten also am Ende der unteren Kreidezeit, der alten _Lemuris mit ihrem ölbaumartige, kastanienblättrige, stechpalmenähnliche Blätter, solche von 2 cm und soldie von 40 cm
feuchtwarmen Klima, Formen auf, die noch heute im Osten und Mittelamerika als eine merk.- Länge gibt es. Audi der Wuchs ist gänzlidi verschieden. Die Kronen sind breit oder pyramidal,
würdige Wiederholung der Stammesgeschichte vorkommen. “ ‘ 4

oder sie fehlen ganz wie bei den Sträuchern. Mit ungeheurer Versdiwendung lebt sich die Natur
Wie ein Abglanz der alten Lemuris steht der Osten vor uns mit seinen uber 100 Arten gerade in den Eidtenarten aus, und dodi verbindet alle ein „geheimes Gesetz“.
der Sektiori Pasania! Immergrüne Eid1en, ganzrandig, mit stehenden Katzchen, darin die Unter: Dieser Formwandel von Osten nad1 Westen (aufsteigend vom Einfachen ins Komplizierte,
gattung Cyclobalanopsis, Kreiseidiel, wegen der runden Formung {der Cupula (Fruchtbed'rer) so ein immer stärkeres Ergreifen der Erdenkräfte veranschaulidiend) findet eine Entsprediung innerhalb
genannt, ebenfalls immergrün, die Blätter im oberen Drittel leidit gezahnt und die Katzchen hangend einer Gruppe bei Verpflanzungen von Süden nadi Norden, oder in west:östlicher und ost:west:
(s. Abbildung). licher Richtung.
Als Beispiel diene die Abbildung von Blättern von Qu. rubra aus dem botanisd1en Garten
Fossile Eichen in Basel im Vergleich mit den Blättern aus dem Kew Garden bei London. Das Sonnenblatt im
Kew Garten deckt sich mit dem Schattenblatt in Basel, und das Sd1attenblatt aus dem Kew Garden
verliert unter der geringen Liditwirkung ganz seine scharfen Konturen und geht ins Breite.
Am Baum selber findet man Unterschiede zwisdien Sonnen: und Schattenblättern. Die in
trod<ner Wärme gewachsenen haben stark ausgebildete Ränder, die_Sdiattenblätter sind weidier
und weniger tief gelappt als. die im vollen Licht gewachsenen. '

Du. pseudo: Du cruciaia


] ..
%;ijféfr

Spitlbergen
castariea
(puma (Polonre)
Miocan
(Hm) Mioca'n

Formen heute

Sonnenblatt Sonnenblatt Sdinltenblatt Sdiattenblatt


Basel Kew Garden Basel Kew Garden

Qu. rubra
SÜC%NOFCI Einflüsse
(n. W. Brenner —- Klima u. Blatt
bei der Gattung der Qiercus)
\ o... „bu. On, suber Q lusrsd
„,
Q B,
. Lepidsbalans
ICerris uié.$fhmfiu„ä£ Als Ganzheit gesehen hat die Eidie, der Typus im Goethesd‘ren Sinn, eine Ausdrudcs:
möglidikeit wie kaum ein anderer Baum. Es ist bei ihr eine Art Hineintasten in die Umwelt und
Srr;..5:.r.r “il. C°"ivhb,mw"a.
yco aanopsis ‚_
ein feines Abwägen im Zusammenspiel mit den durdi Boden und Klima gegebenen Bedingungen.
Dies kann erfreuen, denn es zeigt die Lebendigkeit und Vielfältigkeit eines Organismen:Typus,
Osten 3
Jaran Mitte Sudan Westen
andererseits kann man bemerken, wie unsere heimisdie Eiche alle diese Möglichkeiten verborgen
Zeichnungen: G. o. Volkmann in sich trägt und eine seltene Ausgeglichenheit offenbart. Sie ist das Bild eines Ruhenden und
Anders der Westenl Harte Formen, tief fiederspaltige Blätter, von fast skelettartigem Aus: doch innerlich lebendig Bewegten.
sehen. Hier haben formgebende Kräfte stark eingewirkt. Uns allen sind die amerikanischen Goethe beschreibt in seiner Metamorphose der Pflanze, wie sich innerhalb der Pflanze die
Eichen, die Roteidien und ihre Verwandten, die Nordamerika beherrschen, bekannt. Natürlich gibt Säfte wandeln, „daß ein oberer Knoten, indem er aus dem vorhergehenden entsteht und die Säfte
es hier nebenher (wie im Osten auch) andere Formen, aber sie sind kein Gegenbeweis. AWohnen mittelbar durch ihn empfängt, solche feiner und filtrierter erhalten: indem nun auf diese Weise die
doch audi Menschen mit ganz verschiedenem Aussehen in einem Land, und doch ist} ein durch: roheren Flüssigkeiten immer abgeleitet, reinere herbeigeführt werden und die Pflanze sich stufen:
schlagender Typ ‚vorhanden. Bei Qu. macrocarpa ist der kupferhaltige Boden um die amerika: weise feiner ausarbeitet, erreicht sie den von der Natur vorgeschriebenen Punkt wir werden
#

nisdien Seen Veranlassung zu einem Riesenwachstum der Blätter von 40 cm Lange und ca. 16 cm bald darauf eine neue Erscheinung gewahr, weldie uns unterrichtet, die bisher beobaditete Epoche
Breite „denn Kupfer wirkt in kleinen Mengen wachstumsreizend“. .
‘ ' sei vorbei, es nahe sich eine zweite, die Epoche der Blüte.“ Durch Kristallisationsbilder von Pflanzen.-
Am Mittelmeer gibt es nodi eine größere, wenig geordnete Gruppe, die .Cerris:Eichen, säften (Ehrenfried Pfeiffer) ist dies besonders ansdiaubar gemadit werden. Aus Tausenden von
deren Blätter vorwiegend eirund sind, deren Nerven aber in harten, starken Spitzen auslaufen. Untersud1ungen ist ein Einblick in das Wesenhafte der Pflanze rein experimentell möglich gewesen.
Ein Kampf zwischen östlichen und westlidien Gestaltungskräften ist äußerlidi zu Gunsten des ver: Untersudit man mit den in soldien Arbeiten gewonnenen Erfahrungen die vorkommenden Eichen
härtenden Elementes entschieden (5. Abbildung). .
4

und zieht die vorhandenen Analysen und wissenschaftlidien Beobachtungen zur Beurteilung mit
Nun zu den Eidien der europäischen Mitte mit ihrem Hauptvertreter, der Stieletche! Sie heran, so ergibt sich dem Forsdienden eine Veränderung der Säfte und damit auch der in die
hat weder die weichen Konturen des Ostens, noch die überbetonte Form der typisdien nordameri: Erscheinung tretenden sinnlichen Form.
kanischen Eiche. Eine wunderbare Synthese beider Formkräfte kommt hier zum Ausdruck, die Im Osten fanden wir vorherrschend wenig konturierte Blätter. Die Eid1endrabe‘n dort
audi im Wuchs des Baumes sich zeigt. Fest ist er mit der Erde verwurzelt, und dodi öffnet sich wenig Splint und feinjährigen Wuchs. Wie die Blüte ganz allgemein fast einer Auflösung in den
die Krone weit dem Licht. Kosmos hinein gleichkornmt und es wunderlich ersdieiHen kann, daß Stengel und Blüte miteinander
74 75
Dieses Verhältnis von Kalk und Gerbstoff gewinnt durch einen Hinweis Dr. R. Steiners
verbunden bleiben, so hat im Osten dieser Blütenimpuls von der ganzen an Interesse. Er sagte 1924 über die Wurzelbildung, daß in einer Wurzel kosmische Kräfte
Pflanze Besitz ergriffen. Einmal offenbart er sich in einem Uberreichtum walten, wenn sie einheitlich gestaltet ist, hingegen terrestrische Kräfte, wenn sie verzweigt ist,
#

an Blüten, in den ganzrandigen Blättern, die ganz Ausdehnung sind, ein


anderes Mal bricht er sogar in der Hülle der Frucht, der Cupula (Frudi - Die Eiche hat nun in ihrer Jugend eine bis zwei Meter in die Tiefe dringende Pfahlwurzel; erst
bedier), durd1, sodaß die Schuppen die Frucht wie einen kleinen Blüte gegen das dreißigste Jahr bekommt sie flach:streichende, teils schief abwärtswadisende Seiten:
kranz umgeben (Abb.) Sogar eine Art von Honig, das manna quer.- wurzeln. Diese Anderung des Wurzeld‘tarakters, die auf ein verstärktes Wirksamwerden terre:
cina (Eidienmahfia) scheiden einige kleinasiatische Arten aus diesen strisdier Kräfte in der Pflanze hindeutet, geht gleichzeitig mit der Bildung der Borke etwa im
25. Jahre vor sich (es ist dies etwas vom Standort abhängig). Zwisdien dem 14. und 25.
- Fruchtbechern aus. Hier in
Kleinasierasind Elfie 1F;uchtlädreg 1als io]:
enannte Valonen wegen des hohen erbsto ge ia tes an esarti e,
Lebensjahr pflegt man von den hierzu angepflanzten Eichen die Rinde zur Gewinnung des Gerb:
stoffes zu sdiälen. Mit dem Beginn der Borkebildung tritt immer eine bedeutende Verminderung
Cupr(r[l]a gh$aus.advean)tata 50
'
stark ist hier die feurige Kraft, {während sonst der Gerbstoffgehalt
der Rinde nadi der Wurzel hm zunimmt.
des Gerbstoffgehaltes der Gesamtrinde ein. Bemerkenswert ist, daß die Menge und Qualität
des Gerbstoffes durch einen Unterbau von Hackfriichten verbessert wird. Damit wird also eine
Der Westen unseres Erdballs Nordamerika hat kräftige Eichenformen. Trotz der
#

Verstärkung der Jugendkräfte, die kosmischer Natur sind, bewirkt. Ebenso liefert ein trockener
:—

Wachstumsfreudigkeit derselben, die sich teilweise in einem starken Splint äußert, kann man zu warmer Boden bessere Rinde als ein feuditer kalter. Rasch erwachsene Eichenschläge, durch
der Auffassung kommen, daß stark verfestigende Kräfte, wie sie sonst bei den Pflanzen
gemeinen in der Wurzel vorherrschen, uns in allen Teilen der nordamerikanischen Erdren_entgegen:
im all.- günstige Lebensbedingungen erzeugt, liefern bessere Rinde und audi mehr Gerbstoff als langsam
erwachsene. Im Sommer ist der Gerbstoffgehalt größer als im Winter.
treten. Das Holz der dortigen Eichen ist besonders fest; es übertrifft das der europarschen an Vergegenwärtigt man sich zum Sdiluß noch einmal, was allerdings nur in Andeutungen und
Härte. Charakteristisdi ist audi noch das farbige Herbstlaub der nordamerikanischen Eichen. Geht als eine Anregung zu weiteren Betrachtungen über die charakteristisd1en Bildekräfte westlicher
man nadi südlicheren Breiten und nadi Osten, so verblassen die Farben, und der Gerbstoffgehalt und östlidier Länder gesagt werden konnte, so ergibt sich die Anschauung, daß diese einander
nimmt zu. Eine Analyse von Keegan sagt, „daß die Blätter mit roter Herbstfärbung ärmer als eine Polarität gegeniiberstehen: Verfestigend die einen, auflösend die anderen, in ähnlichem
sind an Kieselsäure als Blätter, weldie sich nur gelb färben“). (Quercus coccinea, rotes Herbst: Verhältnis wie Wurzel und Blüte. Dazwischen ist wie ausgleidiend die europäische Mitte
laub, 3 °/„ SiO,; Ouercus pedunculata, gelbes Herbstlaub, 13 0/0 Si Oz. Es sei hier vergleichsweise eingefügt.
auf Untersudiungen von L. Kolisko hingewiesen, die ergeben haben, daß das Wirken der Licht: Goethe nennt einmal die . . Idee der Metamorphose eine höchst ehrwürdige, aber zugleidi
kräfte in einem Zusammenhang mit dem Kiesel steht.) hödist gefährliche Gabe von oben. Sie führt ins Formlose, zerstört das Wissen, löst es auf.
Die Gruppe der Cerris:Eichen am Mittelmeer liefert den wertvollsten Gerbstoff. Der
Teil der gerbstoffhaltigen Valonen (Fruchtbedier der Eicheln), die Handelsware sind,'wrrd von
größte Sie ist gleich einer vis centrifuga und würde sich ins Unendliche verlieren, wäre ihr nidit ein
Gegengewidit zugegeben. Es ist der Spezifikationstrieb, das zähe Beharrlichkeitsvermögen dessen,
Bäumen der Cerrisgruppe gewonnen. Allgemein nimmt der Gerbstoffgehalt von nordlrchen nach was einmal zur Wirklichkeit gekommen, eine vis centripeta, weldier in ihrem tiefsten Grunde keine
südlidien Ländern bezw. von den Polgegenden nach dem Aquator zu. Außerlidikeit etwas anhaben kann.“
In der Abwandlung von Ausdehnung (Auflösung) und Zusammenziehung (Verfestigung), in Er meint, daß es schwer sei, sich diese entgegengesetzten Kräfte zugleidi wirksam vorzu:
welcher das innere Prinzip der Eiche in Wediselwirkung mit den Kräften der versdiiedenen Erd: stellen, und findet sdiließlidi eine „Vergleichung mit den natürlidi fortsdireitenden Tönen und der
in die Oktave eingeengten gleichschwebenden Temperatur. Wodurch eine entschieden durch:
gegenden‘ sich darlebt, prägen sich im Osten im allgemeinen die ausdehnenden Kräfte, im Westen
hingegen die verfestigenden.aus. Dies ergibt sich, wenn man die Vielheit der Ausdrudcsformen greifende höhere Musik, zum Trutz der Natur, eigentlich erst möglidi wird.“
der Eichenarten in der Ubersdiau ansieht und nidit schematisiert. Es zeigt sich dann audi, daß Gerade bei der Eiche mit ihren gegensätzlichen, aber lebendig:harmonisdi zusammengefügten
die mitteleuropäischen Eichenarten eine interessante Mittelstellung zwisdien den anderen einnehmen. Kräften ist es bedeutungsvoll, die „entsd1ieden durchgreifende höhere Musik“, die in ihrem Wesen
Fragt man weiter nadi den innerlich wirkenden Kräften unserer einheimisdren Eiche, der Stiel: liegt, wahrzunehmen als ein „offenbares Geheimnis“.
eiche, so gelangt man zu einem Studium eines reizvollen Wedi$el$piel3 zwisdien verfestigenden
(wurzelhaften) und auflösenden (blütenartigen) Kräften, die hier in eigentümlidter Verbindung zu:
sammenwirken. Aus größeren Naturzusammenhängen ergibt sich, daß die zusammenzcehenden
Kräfte sich in besonderer Weise des Kalkgehalts bedienen, die auflösenden, blütentördernden
Kräfte der Phosphorsäure. Deshalb kann man einen gewissen Einblick in das Kräftespiel durch Beobachtungen und Erfahrungen
chemisch:stoffliche Untersudiungen gewinnen.. Aus Asdienanalysen von Prof. Wolff geht hervor,
daß in der Stieleidie das Maximum des Phosphorsäuregehaltes mit einem Minimum des Kalk:
in einem biologisch-dynamischen Kieingartenbetrieb
gehaltes einhergeht und umgekehrt, Otto Günther, Hamburg
Phosphorsäure % Kalk 0/0 der Reinasche (Holz) (Fortsetzung und Schluß)
Juli 22,07 19,89 Schöne Erfolge er3ielte ich durch eine 3weckmäßige Einschaltung der Leguminosen bei Erdbeeren usw. Die Erd:
beeren (Elephant und hellrote Ananas) hatte ich auf drei nebeneinanderliegende Beete nodi in alter Weise (2 Reihen je
November 12,68 24,87 Beet) angepflan3t und das ganze Quartier 1934 mit Puftbohnen eingefaljt, wonach sich die Erdbeeren allem Anschein
nach kräftig entwickelten und eine dunkelgrüne Farbe bekamen. Nadi dieser Beobachtung beabsichtigte ich, in Zukunft
Man darf daraus wohl schließen, daß zur Zeit lebhaftester Wachstumstätigkeit im Frühjahr diese Wirkungsweise 3u erweitern und grub 3u diesem Zweck die 3wiscben den Beeten liegenden Stege um, worauf ich
Kalk im Holz abgebaut wird, um den Trieb hervorzubringen. Bei Kalkmangel würden die Bud15baunrerbsen in Rillen säte. Eine andere niedrige Sorte (Herta) wurde für den äußeren Rand benut5t. Beide
Knospen absterben.
}

. . Sorten, besonders die Budßbaumerbsen, wuchsen so stark, da?; sie gestüt7t werden mußten, und trugen sehr reidilidi. Die
Dies gilt für den Jahresablauf. In Bezug auf den Lebensablauf der Eidie vermindert sich Erdbeeren wurden auffallend stärker und dunkelgrüner, blühten tüd'rtig und trugen sehr reidilidi fleischige, aromatisdie
der Phosphorsäuregehalt im Alter und der Kalkgehalt steigt: Früchte. Bemerken mödite ich an dieser Stelle, dat} ich die Erdbeeren, wie audi alle hier angeführten Kulturen, während
ihrer Vegetations3eit entsprechend mit dem Spritamittel 501 behandelte und 3war beim Sprossen, Fruditansat; und vor der
Phosphorsäure °/o Kalk 0/0 der Reinasdie (Stammi'inde) Ernte. Ebenso bekamen sie wie alle anderen Beete (außer Kartoffeln) eine gute SdiiditBodenbedec’rcung aus präpariertem
Kompost, die Sidi sehr gut bewährte, einerseits gegen starke Regengüsse. andererseits gegen Trodcenheit.
15jährig 3,4 78,76 Nachdem die Erbsen NIitte Juli Plata machten, traten Stedirüben, Sellerie und Salbei an deren Stelle. Ebenso
50 iährig 0,34 93,46 bewährten sich Lupinen sehr gut. Wie sdion eingangs erwähnt, pflegte ich den Hauptweg mit gelben Lupinen ein3u:
fassen, denen ich an der Seite Frühkohlrabi (Wiener Glas) 3ugesellte. Im Verlaufe des Wachsens wurde der Kohl:
Da sich der Gerbstoffgehalt der Eidie im Laufe ihres Lebens, mit gewissen Schwankungen, rabi von den Lupinen allmählidi iiberwudrert. Dieses sd1ien aber dem Kohlrabi gut an bekommen: er entwickelte unter
auf rund 13% erhält, so ist bei jungen Eidien das Verhältnis von Gerbstoff zu Aschenkalk etwa dieser Obhut große, 3arte, süt%sdimeckende Knollen und angenehm genie6bare Blätter. Das Ernten der blühenden Lu.-
1:6, bei alten 1:7. Man erinnere Sidi hier, daß in den Valonen=Eidien der Gerbstoff bis in pinen besorgte ich in der \Weise, daß ich sie km; über dem Erdboden abschnitt und die Wur3eln mit den Stidcstoff:
die Fruchtbecher in starkem Maße hineirizieht, was demnadi als ein Zeichen von Jugendkraft knölldien darinnen ließ. Nachdem dann der Kohlrabi Plat; machte, pflan3te ich daneben Sellerie, wobei ich in jedes
derselben gewertet werden darf. Pflamlod-c etwas präparierten Kompost bradite. So ruudisen auch diese nodi zu schönen und guten Knollen heran,
76
Porree und Sellerie pflanzte ich zusammen auf ein Beet, welches mit blauen Lupinen und Frühkohlrabi als Vor:
frudrt bestanden war. Die entspred1ende Düngung und eine besonders sorgfältige Bodenbededtung trugen dazu bei, daß
der Sellerie ein sehr kräftiges Wurzelwerk mit festen, meißfleischigen und süßsd1med-renden Knollen, der Porree dicke "4//////////// 'V//l//;’j//;/l //
// y///ZVA 7///////x. é/% '”/////////
/ /i %//l/A %// / / / étz %// / i/. % él/l l/x.
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monat55<r\cift fiir %// / / /{I
aromatisdie Stauden entwickelte.
Frühkartoffeln (Julinieren, oorgekeimt) pflanzte id1 ebenfalls beetweise. Jedes Pflanzlod'i bekam eine Gabe prä.-
parierten Komposts, wonach sie gut und gleichmäßig aufsprossten, vom Frost aber sehr gefährdet wurden. Idi sd1' te
sie durch oorzeitiges Häufeln. Teilweise bekamen diese Beete eine Randpflanzung von Puffbohnen, Kopfsalat und Früh:
karotten. Als Zwischenpflanzung in den Furdien wählte ich Grünkohl (Lerd1enzunge), wozu ich ebenfalls in jedes
Pflanzloch etwas oorbereiteten Kompost tat. Gleich nad1 der Kartoffelernte bededrte dann der Grünkohl das Feld und
zeigte ein sehr freudiges Wadistum, besonders auf den mit Puffbohnen eingefaßten Beeten. (Die Wurzeln mit den
Stidcstoffknölldren blieben wiederum zur Düngung in der Erde.)
Ein Beispiel möge nodi oeransdraulichen, was man auf einem Beet alles erzeugen kann, wenn der Boden eine
entsprechende Behandlung erfährt. So bereitete ich ein geeignetes Beet für Tomaten zu, indem ich eine dünne Sdiidit
Lehm und Kompost mittels Kraule unterbrachte. In der Mitte des Beetes zog im einen Wall aus halbfertigem, mit
Wirt5üaft5wzi5te
Kuhmist durd1$eßtem Kompost, in den ich die Tomaten hineinptlanzte. Zu beiden Seiten bekam Kopfsalat (Troßkopf)
/ Alle Rechte vorbehalten. — Nachdde verboten! \
seinen Platz, diesem wieder wurden einerseits Erbsen, andererseits Zudrermais zugesellt; eingefaßt wurde das Ganze mit
Petersilienwurzel und Etagenzwiebeln. Die eintriebig gehaltenen Tomatenpflanzen entwidrelten sich sehr gut und stark Herausgeber: Dr. Erhard Bartsch, Bad Saarow (Mark)
und trugen überraschend große, runde Früchte. Der Kopfsalat wuchs zu vollen, festen Köpfen heran und hielt sidi lange Sdnrit’i‘leitung: Dr. E. Bartsch, Bad Sadrow (Mark)
zart, ohne zu schießen. Nad1 dem Abernten machte sich der Mais breit und bildete eine natürlid're Wand zum Auf: Geschäftsstelle: Bad Sadrow(Marki Postscheckkonto: Breslau 36266
fangen der Sonnenstrahlen, dabei lieferte er eine befriedigende Kolbenernte. Die Erbsenreihe wurde ersetzt durch Porree,
der vor dem Auspflanzen präparierten Kompost und Kuhmist in die Pflanzrille erhielt, wonad1 er sich zu dicken Stau:
den entwickelte. Heft 5 Mai 1956 11. Jahrg.
Gegen die Kohlhernie ging ich folgendermaßen nor. Sdion im Frühjahr begann ida mit der Bekämpfung. Id"l
bereitete einen starkprozentigen Sdiachtelhalmtee, den ich entsprechend oerdünnte und verteilte ihn zunädqst auf die eine
Gartenhälfte, um die andere zum Vergleich zu behalten. Das Ausspritjen dieses Tees wiederholte ich den Sommer über
in entsprechenden Abständen jeweils bei zunehmendem Mond. In gleid'ien Zeitabständen brachte ich eine dünne Lehm:
schidrt von dem eingangs erwähnten Lehm und eine’Pudersdiicht Naaki in den Boden; auch bepuderte id1 das ganze Bodenbedeckung
Laubwerk damit. Abwedasetnd Naaki und Sd1ad1telhalmtee auf das grüne Blatt und in den Boden, dazu der Lehm
Hautbildung für den Organismus Mutterboden
#

sie sd-rienen Wunder zu wirken. Der Grünkohl entwidrelte sich zu einer Fülle und Größe, wie man ihn selten sieht.
Die Blätter zeigten ein sattes, leuchtendes Grün und waren weder von Raupen nod1 von Läusen befallen. Das stark
entwickelte Wurzelwerk hatte keine Kohlhernie mehr aufzuweisen; ebenso die Stedrrüben
#

sie wurden groß, süß


Dr. E. Bartsch
und zart. Das Aufbrechen des Bodens ist die erste Maßnahme des Menschen, wenn er Adcerbau
Dasselbe Vorgehen mit Sd1ad'itelhalm und Naaki hatte aud1 nodi in anderen Fällen Erfolg. So z. B. bekam eine betreiben will. Den Ursinn der Bodenbearbeitung durch Öffnen mit Hadre, Spaten und Pflug
Reihe Kümmel rotbraunes welkes Laub; nach der beschriebenen Behandlung verschwand dieses allmählidi, wurde wieder hat vor kurzem F. Dreidax in dieser Zeitsdirift*) dargestellt. Es handelt sich dabei darum,
saftig und grün und mußte sogar gestut3t werden. Ebenso blieb der Sellerie, so behandelt, rostfrei.
das Wirken der Elemente Lidit, Luft und Wasser in größere Bodentiefen zu ermöglidren, als das
Zurückkommen möchte ich nodi auf einige Punkte, denen ida glaube Beachtung sdienken zu müssen. Aus der ohne das Eingreifen des Mensdien möglidi ist, und so eine Erhöhung der Fruditbarkeit unserer
Beobachtung heraus hat sich ergeben, daß Wurzelgemiise, Blattgemüse und Kräuter sich gut in Einzelreihen zu bewähren
scheinen, Leguminosen jedoch besser in Doppelreihen. Hier möchte ich audi bemerken, daß der in einem Bad aus den Mutter Erde einzuleiten. Die Harmonie des Kräftewirkens spielt im Zustandekommen der
Präparaten 502—507 gebadete Legurninosen:5amen nid1t zu reagieren sdieint, wenn das Baden zu lange Zeit oor dem Fruchtbarkeit eine entsdieidende Rolle. Soll sie nach dem Aufreißen des Bodens in der Muttersdiicht
Säen gesdiieht, denn.äußerlidi konnte im bei Bohnen und Erbsen nur teilweise einen geringen Unterschied erkennen, wie sich entfalten können, so muß alsbald eine zweite Kulturmaßnahme sich der ersten ansdtließen:
z.B. bei den Wachsbohnen, da blieb die Vergleichsreihe im Wachsen und Blühen etwas zurück. Bei Erbsen blieben Das Bedecken des Bodens. Dabei handelt es sich keinesfalls um einen Abschluß des Bodens.
die Vergleichsreihen nur etwas niedriger. Dagegen zeigte sich bei Mairüberi, Mangold, Kohlrabi und Grünkohi, daß
der behandelte Samen schneller autkeimte und die Pflanzen wiid'rsiger waren. Bei Mairüben war es sogar so, daß der Es gilt vielmehr, eine Haut fiir den Organismus Muttererde zu schaffen ::
eine Haut
unbekandelte Samen überhaupt nicht keimte.
zu
— Der ausgesäte Kohlrabi hatte stark unter dem herrschenden Frostwetter
leiden, wonad1 die Pflanzen leidit zu sd1ießen anfingen und gegen ober: und unterirdisd1e Parasiten nidit so wider:
mit den vielfältigen Aufgaben, die eben der Haut von Organismen zukommen.
Die Ausbildung einer Haut ist ein wesentliches Kennzeidien der Tä:
standsfähig waren, wie später bezogene Kohlrabi: und Grünkohlpflanzen, die von einem einwandfreien Boden her: tigkeit von Lebewesen. Sie Sdiafft den verhältnismäßigen Absd11uß eines Lebewesens,
stammten. Das ist ein Fingerzeig, daß man auf zweifelhaften Böden eine eigene Stedrlings:Anzucht möglid15t Der: und sei es audi nur der primitivsten Einzeller, gegenüber der Umwelt. Gleichzeitig aber vermittelt
meiden sollte.
Wichtig ersdieint mir nodi, einiges über die Verwendung der eigen:erzeugten Heil: und Gewürzkräuter anzu: die Haut die tausendfältige Verbindung zur Umwelt. Sie ermöglicht Aussd1eidung, Aus:
deuten. Sdion das bloße Vorhandensein z. B. des Salbeis im Garten gleidimäßig verteilt, sorgt nach meiner Be: dünstung und Wärmeaustausdr, ja unter Umständen sogar die Entgiftung von Organismen. Sie

obad1tung dafür, daß der Kohl von Schmetterlingen usw. oersdiont bleibt. Außer der duftausströmenden, würzig und dyna:
misdi wirkenden Eigenschaft dieser Kräuter, womit den Nad1barptlanzen gedient sein kann, indem ihre Qualität veredelt wird,
gestattet aber aud1 das Eindringen von Feuchtigkeit und Luft mit ihren tebenfördernden Bestand:
teilen. Die Haut eines Lebewesens ist.zumeist gleichzeitig ein Hilfsmittel des Austauschs und
geben sie als sinngemäße Zutaten zur Speise dieser etwas ganz Neues. Nimmt man z. B. non Salbei, Thymian, Bohnen:
kraut, Kümmel, Pfeffemiinze usw, je ein bis zwei Blätter und einen geringen Teil Petersilie, gibt das dann gehackt an
Brechbohnen, Möhren, sonstige Hülsenfrüchte und älinlid1e Gerichte, dann werden die einzelnen Teile durd1 den Kod1:
de;
ga en.
Abschlusses in wirksamster Vereinigung dieser beiden sich scheinbar widersprechenden Auf:
prozeß ein sdimackhaftes Ganzes und Neues. Man kann ja die Anzahl der Zutaten nadr Geschmadr und Vorrat er:
'

Für den Organismus Adcerboden ist es notwendig, das der Mensch zuerst den Boden auf:
weitem oder verringern und bei den geeigneten Speisen ausproben. Da stellt sich dann schon heraus, daß sogar das bridit, aufreißt, dann fällt ihm als Nächstes die Aufgabe zu, für Bededcung des Bodens, für
Eintopfgeridit etwas sehr Begehrensmertes ist. Ebenso gewinnt man seinen eigenen Tee, wenn man weiß, wofür ein
Kraut gewachsen ist. Misdrt man z. B, Werniut, Ringelblunmn und Holunderblüten und macht daoon einen Aufguß, Hautbildung zu sorgen.
dann merkt man beim Genuß die wohltuende, anregende Wirkung auf die Darmtätigkeit. Aud1 lernt man den Pfeffer: Viele Böden in der freien Natur weisen eine ausgesprochene Hautbildung auf. Die Boden:
minz:, Krauseminz:, Salbei: usw. Tee zu schätzen. beded<ung kommt dort durch abgewelkte oder abgefrorene Pflanzenteile zustande. Düne Stengel,
Berücksichtigt man dabei im allgemeinen die dreigliedrige Pflanze in ihrer Beziehung zum ebenso betrachteten abgefallenes Laub aber audi verendete Tiere lagern sich dem Boden auf. Solche Verhältnisse
mensd-rlichen Organismus, wie es bereits Herr M. K. Schwarz, \‘Vorpswede, in seinem Aufsat- „Der Garten Dein können in Wäldern wie auch in Präriegegenden festgestellt werden. In der freien Natur gibt
#

Arzt“ (Demeterzeitschrift 5. Jahrgang Heft 1) besdrrieb, dann kann man sich seinen Garten danach einrid1ten und es
kommen in Einklang: bewußte Zubereitung Don Pflanzen:Nalirurig‘ für den gesunden Aufbau des men$dilidien Orga: es normalerweise keinen unbededcten Boden. In dem Maße als die Bodendedce geschä:
nismus, harmonische Zusammenstellung der Mischkuituren für eine gesunde Förderung des Pflanzenwadrstums. digt wird, wird der Wüstenbildung Raum gegeben. So mandie Wüstenbildung auf der Erde ist
Somit erhält auch der kleinste Garten eine individuelle Beziehung und Gestaltung im wahrhaftigen Sinne der nicht durch reines Naturwirken zustandegekommen, sondern durch sdiädlid1e, kurzsichtige Eingriffe
Blut: und Bodenoerbundenheit, und der Einzelne kann dazu beitragen, was er im Sinne der Erzeugungssdilad1t zu von Menschenhand. Nur wenige Gegenden der Erde machen davon eine Ausnahme.
schaffen dem 'Volke schuldig ist.
Beim Kulturboden wird die selbsttätige Hautbildung durch starke Sonnenwirkung, Regen:
güsse, Wind, Frost und manches andere erschwert. Diese Einflüsse lassen den Boden austrodrnen
oder seine Oberflädre aufreißen, auffrieren, sodaß Gebilde ähnlid1 den Frostbeulen zustandekommen.

Buchdru’dcerei’Bruno Sdieuer, Breslau 5,


Gräbsd1enerstr.5é
'

*) Demeter 1936, Heft 3, S. 41 ff.

77
78 79

Wäre eine schützende Haut vorhanden, so ergäbe sich ein anderes Bild. Also ist es notwendig, Schatten. Selbst die Benützung von Glas kann in mancher Hinsidat als eine indireke Bodenbe:
daß der Mensch dem Boden in dem organischen Streben nach Hautbildung möglichst zuhilfe kommt. dedcung gewertet werden.
Welche Mittel stehen dem Bauern, Gärtner, Land: und Forstwirt für Zwecke der Boden.- In der Landwirtsdiaft ist ein wesentlich anderes Vorgehen notwendig als in Forst:
bededcung zur Verfügung? Theoretisch sind diese Mittel eigentlidi unbegrenzt. In der Praxis wirtschaft und Gartenbau. Hier ist bisher die Frage der Bodenbededcung im Großen kaum aufge.-
allerdings gibt es mandierlei Schwierigkeiten zu überwinden. worfen oder gar systematisch erörtert werden. Nur wenige naturverbundene Bauern und Landwirte
mögen sich gelegentlich darüber Gedanken gemacht und entsprechend gehandelt haben. Im Großen
Die moderne biologisch eingestellte Forstwirtschaft hat auf dem Gebiete der Bodenbedeckung,
der Hautbildung entsdiiedene Fortschritte gemadit. Sehr häufig strebte man danadi, dem Wald.— muß deshalb neues Können und Wissen in dieser Frage erst entwickelt werden, umsomehr als
es sich um ein ganz zentrales Problem der Bodenfruchtbarkeit handelt. Nachstehend sollen einige
boden seine von den Bäumen entzogenen Nährstoffe zurüdczugeben, indem man das Reisig der ge.- erste Gesichtspunkte dazu entwidcelt werden.
fällten Stämme im Wald beließ. Da spielten vor allem Düngungsabsichten eine Rolle. Die Reisig:
decke wirkte aber augensd‘reinlich nicht nur düngend. Immer klarer trat die Bedeutung der Einen Einblick in die Bedeutung der Bodenbededcung gewährt die Kenntnis der Schnee:
wirkungen. Die aus alter Erfahrung bekannte „düngende“ Wirkung des Schnees beruht zu
Bodenbedeckung hervor und wurde von da an mit den verschiedensten Hilfsmitteln immer be.- einem wesentlichen Teile auf der Schutzwirkung der Schneededce, welche unter sich die Entstehung
wußter angestrebt. Eine sadigemäße Bodenbededcung sdiafft über dem mineralischen Boden ein einer Garebildung mit allen ihren angenehmen Begleitersdqeinungen begünstigt. Ist keine Schnee.-
Bereich der Luftruhe und des abgedämpften Lichtes, in dem sich die Feuchtigkeit gut hält und in ded<e vorhanden, so ist die Gefahr der Kahlfröste gegeben. Audi die Wirkung der winterlidien Sonne
dem die Bildung von mildem Humus, also echter Erde, vor sich geht. Die Lebenswirksamkeit auf den nackten Boden kann sehr schlimm werden, Auf mineralisdien Böden, wie sie im deutschen
dieses Bereiches ist in seiner sich im Laufe der Zeit immer deutlicher ausprägenden Tiefenwirkung
Osten weit verbreitet sind, ist die Schneewirkung ganz entscheidend. In sd1neearmen Wintern treten
zu erkennen, aber auch daran, daß er ein vorzüglid1es Keimbett für Samen bildet. Die forstliche die Nachteile dieser Böden besonders stark in die Erscheinung, weil eine schützende Haut fehlt.
Bodenbededcung ist ein Haupthilfsmittel gegen die Bildung des Rohhumus mit seinen samentötenden Bemerkenswert ist, daß auch das Unkraut die Funktion einer Bodendedce übernehmen
Wirkungen. Umfassende Erfahrungen mit Bodenbedeckung im Waldbau sind von Herrn von kann. In soldien Fällen werden wir eine Selbsthilfe der Natur gewahr. Unkräuter, die in geeig=
Kalitzsd'i zu Bärenthorn gesammelt worden. Sie sind dann aufgegriffen und immer vielseitiger neten Zeitpunkten des Jahreslaufes oder der Fruchtfolge eine Bodendedce schaffen, dürfen eine
entwickelt worden, so von Geheimrat Bier in seinem Sauener Forst. Dort wurden die mannig:
andere Beurteilung finden als solche, bei denen dies nicht der Fall ist.
faltigsten Hilfsmittel wie Stroh, Schilf, Kartoffelkraut7 ja sogar Altpapier als Bodendedce im Forst
versudit. Mit allen diesen Materialien ließen sich die segensreichen \Wirkungen einer Bodenbe:
Eine für die Landwirtschaft besonders wichtige Form der Bodenbededcurrg ist die ge:
dedcung auslösen. Wenn auch die Verwendung von Kartoffelkraut im Forst vielleicht nidit die
schlossene Pflanzenkultur. Sie bietet einen vorzüglichen Bodensdiutz. Gründüngung
und Zwischenfruchtbau sollten daher nidit nur vom Gesiditspunkt der Nährstoffzufuhr betraditet
bestmögliche Verwertung dieses Nebenerzeugnisses darstellt, so wäre es doch von entsd‘teidender werden. Sie wirken besonders segensreich gerade durch den Bodensdiutz, den sie gewähren und
Bedeutung, wenn das viele Kartoffelkraut, das in der Landwirtschaft alljährlich verbrannt wird, in durch die Schattengare, die sie für gewöhnlich hinterlassen. Die geschlossene Pflanzendedce einer
den Forsten zur Bodenbedeckung nutzbringend verwandt werden könnte. Selbst ein krankes Kan-
Zwischenfrucht oder Gründüngung bildet eine Zwisd1errschicht zwisdien dem Luftreich mit Sonne
toffelkraut dürfte hierzu unbesdaadet geeignet sein. und Wind und dem Erdreidi. Es ist also eine Hauptaufgabe des Landwirtes, nach jedem Ab.-
Besonders wichtig ist die Bodenbedeckung auch im Gartenbau. Auf diesem Gebiet ernten des Ackers, nadi jedem Umbruch möglidist bald wieder eine gesdiloSsene Pflanzendedce
hat J. Schomerus:Dresden bahnbrediende Arbeit geleistet. *) Er schildert viele Möglichkeiten zustandezubringen. (Vorsid1t mit Dünnsaatenl)
der gärtnerischen Bodenbededrcung von den natürlidien Materialien und Hilfspfianzen bis hin zu Der Wert von D a u e r grünla nd fl ächen sowohl beim Feldfutterbau wie auch bei Wiesen
dem Bodenbelag niit Pappen und präparierter Holzwolle. Sicherlich ist in der Herstellung von und Weiden ersdieint vorn Gesidqtspunkt der Bodenbededcung in einem neuen Lidit. Diese Formen
Bodenbelagstofferr durch die Technik nodi eine große Entwicklung möglich. Es drohen sid1 jedodi der Bodenbedeckung klingen an die Verhältnisse in der freien Natur an. Sehr häufig wirken die
hierbei auch Stoffe einzuschleichen, die durch ihre diemisdae Behandlung auf die Dauer ungünstige Folgen einer soldien Dauerbededcung durch Grünland audi nach einem Umbrudi noch jahrelang
Nebenwirkungen auf den lebendigen Boden ausüben können. Es erscheint angebradat, zunächst nach. Hierauf beruhen neben anderen die guten Erträge der Wedaselwirtschaff, wo immer eine
die Ausnützung aller jener Stoffe für Bodenbededcungszwedce zu fördern, die im Gartenbau selbst solche eingerichtet werden kann. Diese Fruütbarkeitswirkungen dürfen erfahrungsgemäß nidit so
anfallen. Wichtige Hinweise auf diesem Gebiete verdanken wir M. K. Schwarz. Er hat audi sehr nach dem Nährstoffhaushalt des Bodens beurteilt werden. Man spricht hier oft fälschlida von
herausgearbeitet, wie ein so günstiges biologisches Intensivierungsmittel des Gartenbaus, namentlich „ausgeruhtem“ Boden, obwohl von der Grünlandflädie sehr viele Nährstoffe, oft ebenso viele wie
dort in bester Qualität und audi genügender Menge zur Verfügung stehen kann, wo sich der
Gartenbau in eine entsprechende Landwirtschaft einbettet. Im richtigen Geben und Nehmen
von einer Adcerfläche heruntergeholt worden sind und der Untersrhied hauptsächlich in der beson:
deren Form der Bodenbededcung durch die Grünlandfläcihen liegt. ‘

zwischen Gartenbau und Landwirtsdiaft ist es möglich, den gärtnerisdaen Kulturen Bodenbededcungs: Die Beobaditungen mit den versdiiedenen Formen der Bodenbedeckung zeigen iiberhaupt,
materialien zur Verfügung zu stellen. daß deren Einflüsse die Düngungseinflüsse sehr häufig überlagern. Sie weisen immer wieder da:
Zweifellos ist eine weitgehende Ausbildung der Bodenbededcung im Gartenbau möglich rauf hin. daß das Düngungsproblem nicht zu einseitig betont werden darf. Jedenfalls hilft die
entsprediend seiner hohen Kulturstufe. Selbst wertvolle Materialien wie eine halbverrottete Mischung Hautbildung des Bodenorganismus wesentlich zur Entwid<elung eines gesunden üppigen Pflanzen:
von Laub und Pferdemist oder audi von halbverrottetem strohigen Pferdemist können dort als bestandes, was oft übersehen und als bloße Düngerwirkung angesprochen wird. Unter dem gün=
Bodenbelag nutzbringend herangezogen werden. Freilidr wird die Anwendung Soldier hochwertiger stigen Einfluß einer Bodenbededcung wird natürlich auch jede lebenfördernde Düngung viel wirk.-
Mittel an feudite3 Klima oder doch an feuchte Witterung gebunden sein. In trockenem Klima samer als ohne diese.
wird man besser mit toten, weniger wertvollen Materialien, die durch Austrocknen nidit geschädigt Wenn in neuerer Zeit sehr häufig davon gesprochen wird, daß Wirkungen der mechanischen
werden können, arbeiten. Bodenbearbeitung die Düngungseinflüsse überwiegen, so gilt das wohl besonders von d en Boden:
Es kommt hier nidit darauf an, alle Möglichkeiten einer Bodenbededcung im Gartenbau dar.- bearbeitungsmaßnahmen, welche eine geeignete Hautbildung auf dem Adcer bewirken.
zustellen. Dafür soll auf einen wichtigen Gesiditspunkt näher eingegangen werden, der freilich Eine wichtige Maßnahme ist das Abschleppen der Ädcer im Sommer wie im Winter.
audi in forstlichen und landwirtsdiaftlid‘ten Zusammenhängen eine Rolle spielt. Zunächst wird dadurch die Oberfläche verringert, was besonders bei leichten Böden, bei denen die
Durchlüftung und Durchsonnung sowieso meistens zu stark ist, bezüglidi ihres Wasser.- und Wärme.-
Wir beschäftigten uns bisher mit unmittelbarer Bodenbedeckung. Es gibt aber auch eine haushaltes von entscheidender Bedeutung ist, obwohl neben der Schleppe audi die Walze eine glatte
mittelbare. Mit der Schaffung von Räumen, in denen sich ein besonders ausgeglichenes Klima Oberfläche zustande bringt, so ist dodi in der Wirkung zwischen beiden Geräten ein grundsätz:
entwickeln kann, wird gleichzeitig ein Bodenschutz bewirkt, der sich in ähnlicher Richtung auswirkt licher Unterschied. Die Schleppe bringt gerade an der Bodenoberfläche eine feine Schicht zustande,
wie eine unmittelbare Bodenbededcung. Der Windschutz durch Hedcen und dergleichen harmo:
nisiert die elementarischen Einflüsse, hält die Feuchtigkeit, die fruchtbaren Bodendiinste mit ihrem
die als Decke wirkt. Bei schweren Böden ist der Zeitpunkt des Abschleppens ganz besonders
Kohlensäuregehalt usw. zusammen. Die Anlage von Baumreihen spendet dem Boden widitigen wichtig. Es darf keine Klumpenbildung eintreten. Das Absd'ileppen sollte unmittelbar hinter der
Pflugarbeit erfolgen, wie das namentlida Stellwag=Drum immer wieder empfohlen hat. Die
*) J. Schomerus: „Die Bodenbededcuiig, ein wertvolles Kulturoerfahren“, Veriagsbudihandlung (Ü. Heinrich, Schiditung des Bodens ist nadr dem Pflügen in gewisser Hinsicht diaotisch. Durch das Schleppen
Dresden:N‚ wird oberflächlich eine gewisse Ordnung in das Durcheinander gebradit und so gewissermaßen
80 81

eine poröse, dünne Haut geschaffen. Auf den leichten Böden von Marienhöhe„wird der Acker oder zeitigen Frühjahr durch die tiefgreifenden Vorteile einer wirksamen Bodenautiage in den
unmittelbar hinter dem Pflug abgeschleppt, sodaß das ganze Jahr kaum jemals eine rauhe Furdie Wintermonaten aufgehoben werden. Die abgefrorene Gründiingungsniasse führt die in ihr ent:
zutreffen ist. „ .
haltenen reichen Mengen von mineralischen Nährstoffen dem Boden audi noch im Frühjahr zu,
an Eine ähnliche oberflächliche Hautbildung kann unter Umständen auch durch die ubngen Boden: und Zwar in einer konzentrierten Form. Die Winterdedce schützt ferner vor zu starken Frost:
einwirkungen. Liegt dann noch eine Sdineededce darauf, so wird der Schutz besonders wirksam.
bearbeitungsmaßnahmen wie Eggen, Walzen, Hacken und Schälen geschaffen
ähnliche Zustand der Oberfläche wirkt sich für die darunterliegenden Mutterbodensdrrchten außer:
werden.
Der haut:
Die Dedce bewahrt den Boden vor den unmittelbaren Sonneneinstrahlungen, schafft Luftruhe und
ordentlich gunstrg aus. Eine gelegentlich an: Abwehr der übermäßigen Temperatursdiwanlcungen zwisdien Tag und Nacht usw. Eindringende
Feuchtigkeit wird unter
zutreffende landwirt: einer solchen Decke fest:

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sdmftlidie Form der gehalten ganz anders
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Bodenbededcungistauch als von einem nackten


die Ausbreitung von Boden.
Kompost und kom: Mit einer diemisdien
postähnlichem Natur: und mathematischen
dünger an der Oberfläche Auffassung der Nähr:
“ohne nachheriges Unter: stoffrage allein kann man
pflügen. Es handelt sich den Aufgaben der Bo:
um ein Verfahren, das denfruditbarkeit nicht ge:
in mandien Gegenden recht werden. Die Pro:
alt überliefert ist. Der bleme der Bodenbe:
Streit um diese Mali: dedcung sind in diesem
nahme ist vielfach sehr Zusammenhang minde:
heftig geführt worden, stens als gleichwertig zu
aber meist nur im Hin: betrad1ten. Durch eine
blidc auf die Nährstoff: einseitige diemisch:phy:
frage, ohne daß die sikalische Betraditungs:
Wirkung als Boden: weise und die daraus ab:
dedce genügend ins geleitete landwirtsd1aft:
Auge gefaßt werden liche Praxis haben sich
wäre. Die Auswirkun: auf vielen einheimischen
gen einer solchen Boden: Böden Schwierigkeiten
bedeckung mit geeigne: eingestellt. Auf den
ten Naturdüngern zeigen leichten Böden ist vieler:
sich oft nicht so sehr bei
der ersten Tracht. son:
orts die Entstehung von
Einzelkornstruktur be:
dem mehr noch bei den günstigt worden, sodaß
Nachfrüchten. die „Marsd1:Marsch:
Bei Dauerteldfutter Böden“ mehr als früher
und sonstigen Grün: dem Spiel des Windes
landflächen kommen als anheim gegeben sind.
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weise diese Materialien
(Nach H. S. Person, Little \X’aters, s. S. 93 dieses Heftes) (Nach H. S. Person, Little Waters, s. S. 93 dieses Heftes) zur Selbsthilfe verloren
im allgemeinen erst einer gegangen, die sich bei
garen Böden in der Bildung einer geschlossenen krümeligen Oberfläche (Haut) des Ackers zeigt.
Rotte durch Verkompostierung unterwirft, ehe sie als Bodensdiutz und Düngung zugleich Ver: Durch folgerichtige Beaditung der Bodenbededcung ist eine Änderung dieser Verhältnisse zu
mden. „ _ erzielen. Die Bodenbedeckung in jeder Form erweist Sidi als ein Haupthilfsmittel der Heilung
W€nduEigneF besonders wirksame Bodendecke läßt sich durch Abfrieren der Gründungung
Mari empfiehlt vielfadi das Unterptlügen der Grünmassen im Herbst
vom Gesrchtspunkt der Nahr:
erztelen. bezw. Gesunderhaltung des Ackerbodens. Leichte Böden bekommen durch Schleimstoffe des
Humus und der Bodenlebewelt wieder Zusammenhalt — sie werden zu „tragenden“ garen Böden.
stofferhaltung aus. Aber die Wirkung der Schattengare nadi einer guten
winterdecke, wie sie durch Abfrieren der Gründüngung zustandekommt, wird durch nrdits_uber:
dauerhaften Boden: Auf schweren Böden tritt ein Krümelzustand ein, der sich bis in große Tiefen hinunter fortsetzen
kann, audi ohne daß eine besonders tiefe Bodenlodcerung durdigeführt wird. Verdid1tungen an
troffen. Besonders gilt dies für leichte Böden ‚in schnee: und regenarmen Gegenden. _Die ab: der Pflugsohle, ja sogar Ortsteinschichten lösen sich auf als Folge einer planmäßigen Bodenbe:
gefrorene Gründüngung wird dann erst untergepflügt, der wenn Boden
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offen dedcung. Die starken Rißbildungen verschwinden. Der Boden wird so lebendig, daß nach Schlag:
Boden soll natürlich möglidist sdion im Herbst gepflügt sem.
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im allgemeinen erst einer gegangen, die sich bei
garen Böden in der Bildung einer gesdilossenen kriimeligen Oberfläche (Haut) des Ackers zeigt.
Rotte durch Verkompostierung unterwirft, ehe sie als Bodenschutz und Düngung zugleidi Ver:
Durch folgerichtige Beachtung der Bodenbedeckung ist eine Änderung dieser Verhältnisse zu
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bezw. Gesunderhaltung des Ackerbodens. Leichte Böden bekommen durch Schleimstoffe des
Man empfiehlt vielfach das Unterpflügen der Grünmassen im Herbst vom Gesrchtspunkt der Nahr:
stofferhaltung aus. Aber die Wirkung der Schattengare nach einer guten dauerhaften Boden: Humus und der Bodenlebewelt wieder Zusammenhalt —
sie werden zu „tragenden“ garen Böden.
Auf schweren Böden tritt ein Krümelzustand ein, der sich bis in große Tiefen hinunter fortsetzen
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treffen. Besonders gilt dies für leichte Böden in sdmee: und regenarmen Gegenden. ab: .Die der Pflugsohle, ja sogar Ortsteinschichten lösen sich auf als Folge einer planmäßigen Bodenbe:
gefrorene Gründiingung wird dann erst untergepflügt‚_ wenn
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Boden soll natürlich möglichst schon im Herbst gepflügt sein. Bei guten Grundungungstlachen
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zeigt aber die Praxis, daß die gefürchteten Nachteile des Pflugens der Saatfurche im Spatwrnter regen, die Versdilämmung und Bodenverschluß bewirken, audi ohne mechanische Bearbeitung eine
82 83
gesunde Oberfläd1enfunktion des Adcerbodens durdi Porösität eintritt, indem die Bodenlebewelt, Weise zum Ausdruck. Man spricht von der Notwendigkeit, „Biologie“ mehr zu beachten, spricht
insbesondere die Regenwürmer eine entsprediend stärkere Tätigkeit aufnehmen. Das Sind Selbst: von biologisdren Gesetzmäßigkeiten als eigentümlichen gegenüber den mechanisdien. Man spricht
schutzmaßnahmen eines gesunden Organismus Ackerboderi. „ .
davon, daß in den Lebewesen irgend ein Gegensatz zum Anorganisd1en vorhanden ist.
Die Beachtung diese; Zusammenhänge ist von entscheidender Bedeutung fur die Dauer.- Wenn wir uns einmal nach einer Soldien Betraditung fragen, wie es kommt, daß gerade
frud1tbarkeit unserer Böden und damit audi fiir die Ernährungsmögliqueden unseres Volkes. In nach dem Weltkrieg der moderne Ruf: „Zurück zur Naturl“ so stark auftritt, so ist es, wie ich
den letzten Jahrzehnten sind mahnende Beispiele aus aller Welt bekannt geworden, wre_
phal eine sich
katastro:
Mlß:
glaube, urwermeidlich, auf einen bestimmten Punkt zu kommen. Gewiß muß man vieles in Be.-
tracht ziehen, aber in seiner neuen Form hängt der Ruf stark mit den Erlebnissen zusammen,
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. .

achtung des Drinzips


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weldie die Kulturwelt in Mitteleuropa mit den Ersatzmitteln, den sogenannten Surrogaten, gehabt hat.
“ “" der Bodenbedeckung Die abstoßenden Erlebnisse der Unvollkommenheit dessen, was der Mensdi damals als Nadi.-

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auswirkt. ahmung vieler Naturerzeugnisse zustandegebracht hat, ließen den Wunsch: „Zurück zur Natur!“
In Nordamerika hat ganz besonders hochkommen. Sie ließen die eigenartigen Gesetzmäßigkeiten der Naturwesen gegen:
sich die hemmungs‘lose über dem in starkem Maße erleben, was chemisch, physikalisdi und mechanisdt zustande gebradit
Beseitigung einer werden kann.
naturgegebenen sd1iit: Ich glaube, man wird midi recht verstehen, daß ich als Chemiker nicht gegen das Streben
zenden Bodendecke, des Menschen sprechen will, sich Ersatzstoffe zu schaffen. Es ist auch klar, daß ein soldies Gebiet
wie sie in Gestalt von wie das der Surrogate sich durchaus in der Entwicklung befindet. Viel von dem, was uns an
Urwald und Prärieen Surrogaten als abstoßend bekannt ist, hängt damit zusammen, daß das Ersatzwesen im Weltkriege
von den Kolonisten unvorbereitet aufgegriffen werden mußte. Es existiert nach wie vor eine Reihe von Notwendig.-
vorgefunden wurde, in keiten, auf diesem Gebiete der Naturnachahmung voran zu schreiten.
wenigen Jahrzehnten Ich möchte sogar gestehen, daß mir die Reaktion des Mensdten auf die Unvollkommenheit
verheerend auf die des Ersatzwesens in mehrfacher Richtung von Bedeutung erscheint.
Bodenfrud‘rtbarkeit
.. und das Klima aus: Das Mühen um Surrogate als Maßstab für Leistungen der Natur
Unterpfliigen der natürlichen Rasendecke. Ubertriebene Beseitigung der Gras- gewirkt. Mit allen
ländereien begleitet in übler Weise die übertriebene Abholzurig Mitteln der Bodenbe: Ich selbst konnte einen wichtigen Einblidc in das Ersatzwesen tun, für den ich dankbar bin
(wenn es mir gestattet ist, von persönlichen Erlebnissen überhaupt zu sprechen), Etwa ein Jahr
(Amerikanisdre Abbildung nad1 H. S. Person, Little \Waters, s. S. 93 dieses Heftes) ded<ung versucht man
war ich auf das stärkste beschäftigt, Schellack künstlich nadizuahmen dieses Naturerzeugnis,
#

i n Vereini ten Staaten diesen Sterbeprozeß des Mutterbodens aufzuhalten


und Heilung
'

das bei uns aus Indien importiert werden muß, Es war nidit meine Idee, das zu tun, sondern
]zeiizbervlviilfen.
Es isgt
darüber audi Sdion in dieser Zeitsd1rift gesdrrieben worden *) **). .
Dem deutschen Volk steht ein so beschränkter Lebensraum zur Verfügung,_daß es Sld'l soldre
meine besondere Aufgabe in den chemischen Werken, in denen ich tätig war, war es, Ver:
fahren, die im Laboratorium ausgearbeitet waren, auf größeren tedrnisdaen Maßstab zu übertragen,
Niedergangsentwidclungen, wie sie in Amerika sichtbar geworden sind, nicht leisten kann. vom Reagensglas auf den Kochkessel. Idi übernahm also das neue Verfahren, und die Schellack:
Wer vom Sdiid<sal deutsd1eri Boden zur pflege und Wartung
der sollte alle Möglichkeiten der mittelbaren und unmittelbaren Bodenbededrung ms Auge fassen anvertraut
bekommen hat, nachahmung sollte soweit durd1gefiihrt werden, daß ein verkäufliches Erzeugnis in nennenswerter
Menge zustandekam. ICh muß gestehen, daß es ein außerordentliches Ringen war, hier etwas
und in die Tat urhsetzen, sei es in Feld, Wald oder Garten, zustande zu bringen, was sich mit dem Naturschelladi wirklich messen konnte. Mein abschließender
Denn Vorbeugen ist besser denn Heilen! Einblick war: Es ist nidit gelungen, den synthetischen Schelladc mit dem natürlichen identisch zu
madien. Einzelne Eigenschaften des Natursdiellade wurden sogar übertroffen in einigen Ridi:
#

tungen war dies möglidr, denn Naturschellack dient den mannigfaltigsten Zwed<en. Aber es war
nidit möglich, die Universalität, die gesamte Vielseitigkeit des Naturschelladcs zu erreichen.
Das Ergebnis dieser Arbeit war technisch von Bedeutung. Darüber hinaus hat die Mühe
Anfangserkenntnisse der organischen Kräftewelt bei mir eine starke Rückwirkung ausgeübt
#

jene Mühe, die nötig war, um ein an und für sich


F. Dreidax Sdion recht vollkommenes Laboratoriums=Verfahren im tedmischen Maßstabe wirklich brauchbar zu
madien. Durch sie gewann ich einen Maßstab, was fiir eine Naturleistung im Natursdrelladc
Idi möchte an den geschichtlichen Zeitpunkt anknüpfen***), an dem der Ruf auftrat; „Zurück
drinnen stedct. Es ist ein allgemein anerkanntes Verfahren, daß man Kräfte mißt, indem man
zur Natur!“ Viele, die ihn heute gebrauchen auch im deutschen Gei$te51eben wrssen
# #

ihnen Kräfte gegeniiberstellt, deren Größe man kennt. Stand man sich selbst objektiv ge:
#

nicht, woher er stammt und wann er zum ersten Male in die Kulturwelt hineinwirkte._ Rousseau
genüber, so konnte man fragen: Was geschieht da eigentlich, indem ein solches Naturerzeugnis
war es, der ihn zum ersten Male zündend in die Welt geworfen hat! Es gesd3ah nidit in natur.-
wie Schelladr nad1geahmt wird? Wie macht man das heute und wie hätte man das vor
#

wissensdraftlidren Zusammenhängen, sondern in Zusammenhang .mit der franzo31sd1en Staatsent.- 30 Jahren angefaßt? Es ist vielleicht nicht jedermann bekannt, daß Sd1e1lad< als das Erzeugnis
wid<lung im Jahre 1753. Wenn man zuriidcschaut, weldie Dase1nsbedmgungen vorher herrsdrten,
_
#

einer Pflanzenlaus gilt, die ihn als eine besondere Form von Harz ausschwitzt. Dieses Harz
so versteht man, daß ehedem ein sold1er Ruf kaum auftreten konnte.
Heute gebrauchen wir diesen Ruf in naturwissensd1aftlidqen Zusammenhangen. Gerade kleidet die Baumzweige ein, an denen die Laus saugt. Diese Zweige werden abgebrochen, aus:
gekocht und das Harz wird ausgesdrmolzen und weiter verarbeitet. Idi kann das hier alles nur
nach dem Weltkriege konnte man beobachten, wie immer weitere Kreise von diesem Ruf „Zurudc andeuten. Man kam also in die Lage, das Erzeugnis einer Laus nadizuahmen. Man konnte
zur Natur!“ erfaßt wurden. Es wäre einer besonderen wissensd1aft11d1en Arbeit wert, einmal dies aber nur dadurch, daß man bei der Natur selbst Anleihen machte. Die Zeit, in der man
zusammenzustellen, wie in den verschiedensten Lebensgebieten dieses Verlangen nach einem
Naturverständnis, einer neuen Naturbeachtung auftritt, Insbesondere werden prakt15d1e Gebiete neuen alles und iedes synthetisdr zu machen sud1te, ist im Grunde genommen vorbei. Heute greift man
zuriid< auf Naturerzeugnisse und wandelt sie zu den Surrogaten um. Man nimmt Mildi zuhilfe,
berührt. Unter anderem wird die menschlidie Lebenshaltung und Ernahrung ergriffen, dann die
um z.B. Wolle zu erzeugen; oder Lederabfälle für andere Ersatzstoffe. Es ist heute so, daß
Heilkunde, insbesondere audi die Landwirtschaft Eine instinktive Anerkennung der Natur als man oft gerade den*sdrwierigsten Teil bei der synthetisch:chemisd1en Arbeit der Natur überläßt.
etwas Besonderem gegenüber dem, was in Mechanismen vorhanden ist, kommt in mandrerlei So ist Holz jetzt ein Rohstoff für ungeheuer viele Surrogate. Es wiirde sehr schwierig, wenn der
Mensdi solche Hilfsstoffe wie Holz usw. nicht aus der Natur nehmen könnte.
* t
1934Buchbespredmrig
„Das Dürreiahr 1934 ein Lehriahr“, Heft 11, S. 189#.t91. “ .
*2‘)DSzil;lfeeraudi „Little Waters their use and relations to the land , (Seite 93 am Ende Man nimmt somit erstens Stoffe aus der Natur. Zweitens aber sieht man auch immer
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mehr hin: Wie arbeitet die Natur selbst beim Zustandekommen ihrer Erzeugnisse? (Idi muß
d125651;15£)651\)13d1
Wirtsdraftsroeis’e
einem Vortrag am 4. De3ember
V. 3u Bad Saaroro/Marli.
e,
1935 bei der Tagung des Reichsnerbandes fur bwiogisdr:dynannsdm
erwähnen, daß es fiir den künstlid1en Schelladc eine große Rolle spielt, die riditigen Öle und
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Wadise herbeizuholen, die aus der Natur genommen werden.) Es ist darin die Hauptfrage: Aus soldien Einblidcen heraus ersdieint es wichtig, im Düngungswesen ähnlich vorzugehen
In weldier Art und Weise fügt die Natur alles zusammen? wie im Nahrungswesen und zwisdien grober Ernährungsdüngung, zwisdien Gewürzdüngung
So ist ein interessantes Ringen des Mensdien vorhanden, wenn er die Natur nadiahmen und etwas, was man eine Heildüngung nennen könnte, zu untersdreiden.
will. Der Mensch muß heute noch Anleihen bei ihr machen, stofflich und geistig. Letzteres, Man könnte der Meinung sein, daß die Kenntnis von der Heilwirkung der Naturdünger ein
indem er die Natur belausd1tl Man hat in diesem Ringen ein ansdiaulidies Bild, einen praktischen Ergebnis der neuesten Forschung sei. Das ist nicht der Fall, sondern wir betreten hier ein Ge:
Maßstab, wie der mineralische und chemisd1e Stoff im Zusammenspiel mit einem schaffenden biet, das der älteren Mensd1heit sehr gut bekannt war. ICh verweise auf das Büdilein „Neue
Geist steht. Man kann aber leicht feststellen, daß die persönliche Leistung des einzelnen Menschen vermehrte heilsame Dreckapotheke“ das ist die berüd'itigte „Mistapotheke“. Ein deutsdier
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nur dadurdi zustandekommt, daß er an der Spitze einer Pyramide von Mensdienarbeit steht. Arzt hat sie einst gesdrrieben, nicht in der Meinung, daß sie für alle Menschen sei, sondern als
Der Einzelne madit sich die gedanklidae und physisd1e Vorarbeit, die Lebensleistung von ungeheuer eine Arzneikunde für die Armen und für Notfälle, in denen man nidit auf die Apotheken mit
vielen Forschern, die vor ihm das Gebiet beackert haben, zu eigen. Eine Pyramide von Menschen: ihren sorgfältigen Arzneimitteln zurüdcgreifen kann. \Wir stoßen da auf eine uralte Kenntnis von
arbeit ist notwendig, um die Naturleistung audi nur eines solchen Naturwesens, wie es eine Laus der Mannigfaltigkeit und Heilwirkung der Naturdünger. Dieses Büdilein von 1714 steht am Aus:
ist, nadizuahmen. Man erkennt die Bedeutung der Naturleistungl klang nodi älterer MensdiheitskenntnisSe. Idi mödite hier auf ein Buch von Albrecht Günther:
Nadi diesem Erlebnis war es mir vergönnt, in landwirtsd1aftlid1e Zusammenhänge hinein: „Totem, Tier und Mensd1“*) aufmerksam niadien. Es ist darin davon die Rede, wie in Indien
zuschauen und namentlich das Düngergebiet näher kennen zu lernen. Dieses Gebiet gab alsbald nodi heute heilige Rinder wegen der unerhörten Bedeutung des Rindes im menschlichen Kultur:
zu erkennen, daß hier die nadi$diaffende Tätigkeit des Menschen
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Ersatz für Naturdünger aus leben verehrt werden, und wie diese Tiere audi gehalten werden, um Heilkunst mit ihren Düngern
seinen Kenntnissen zu erzeugen
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nur in geringem Maße vorangetrieben ist. Es ist einfach auszuüben. Der Dünger der heiligen Rinder, die auch in einer besonderen Art gefüttert werden,
eine Tatsadm, die man damit erwähnt. Die Sdiaffung von künstlidien Düngemitteln ist nidit so wird von den Ärzten der dortigen Länder benutzt. Günther wagt es dabei, einen Blick nodi
vorgegangen, daß man die Natur nad1ahmte, z. B. Kuhmist synthetisch herzustellen traditete; nein, weiter zurück in die Mensdiheitskulturen zu werfen und auf etwas hinzuweisen, was auf anderen
man hat Pflanzenasdre, also ein totes Absdieidungserzeugnis der Pflanzenwelt, analysiert und Lebensgebieten von Eduard Hahn herausgearbeitet werden ist („Entstehung der Pflugkultur“**)z
dann versudit, die Asche nadizuahmen. Das ist die Stufe des Naturdüngerersatzes, auf der wir Daß nämlidi die wirtschaftlidien Maßnahmen des Mensdien vielfach aus religiösen Gepflogenheiten
heute nodi in weitestem Umfange stehen. Man weiß heute, daß dabei sdion vom rein chemischen und Gesid1tspunkten hervorgegangen sind. Günther madit es wahrsdieinlidi, daß die Verwendung
Standpunkt vieles vergessen oder falsdi eingeschätzt wurde, wie z. B. die Rolle der Kohlenstoff: des tierischen Düngers ursprünglich aus Heilabsidrten und Heileinsidrten der älteren Menschheit
verbindungen oder der seltenen Elemente oder sonstiger Nebenbestandteile. hervorgegangen ist. Der erste Dünger wäre demnadr genommen werden wie eine heilsame Salbe
auf unbrauchbar gewordenen Boden.
Gerade dadurch, daß die Ersatzschaffung des Menschen auf dem Düngergebiet noch nicht be:
sonders weit vor sich gegangen ist, zeigt sich auf diesem Gebiete der Ruf „Zurüd< zur Naturl“ Wir können aus der Praxis heraus ein Weiteres wissen. Die Heilwirksamkeiten der Natur:
sehr stark! Viele Mensdien werden von der Erkenntnis erfaßt, daß der Naturdünger seine ganz dünger hängen vielfach innig zusammen mit den Temperaturen, die sie zu entwickeln vermögen.
besondere Bedeutung hat. Es ist heute fast überall ein wichtiger Schritt festzustellen, mit der Wir unterscheiden sich erhitzende und kaltbleibende Dünger. Es entsteht Schaden, wenn der
Naturdüngung in verstärkter Weise voran zu arbeiten. Landwirt dies nidit genügend beadrtet, wenn auf hitzigen Sandboden ein hitziger Dünger kommt,
statt daß man den entgegengesetzten Dünger gibt, den kalten Sdiweinediinger oder den aus:
Naturleistung auf dem Gebiet der organischen Dünger geglidienen Rindermist. Es ist falsda, auf den kalten Boden den kalten Dünger zu geben, außer
Meist wird heute in einer knappen Ubersdiau der Naturdünger, der von Tier und Pflanze für Spezialzwecke. Um einen gesunden, harmonischen Ausgleich zustande zu bringen, muß man
stammt, den mineralischen Düngern gegeniibergestellt, die aus diemi$chen Ansidrten heraus den hitzigen Dünger auf den kalten, tonigen Boden geben.
zustandegekommen sind. Es ist aber notWendig, näher heranzugehen: auf dem Gebiete der Man kommt da vom Dünger aus zu einem Blid< auf das Wesen der Tiere. Der hitzige
Wissenschaft. Naturdünger sind nidit nur als ein großes Ganzes, sondern in einer außerordentlidien Dünger stammt von Tierarten mit anderem Temperament als der kalte. Die Jägersprache nennt
Vielgestaltigkeit vorhanden. Es ist ein Unterschied, ob ein Kompost aus grünen Pflanzenmassen die Auswürfe der Tiere „Losung“. In diesem Wort wird man eine uralte Menschheitserkenntnis ge:
oder aus trodcenen Pflanzenteilen, wie etwa Stroh, zustandegebracht wird. Ein großer Unterschied wahr. Im Dünger gibt das Tier gewissermaßen ein Losungswort seines Wesens. Es ist ein
ist audi zwisdien einem Kompost aus durd15dmittlichen Nahrungspflanzen, wie etwa Weißkraut: Mangel der heutigen Naturbesdneibung, daß sie sich zu sehr auf eine Sdiilderung der Anatomie
abfällen, oder einem aus Abschnitten von Arzneipflanzenkulturen. Man denke sich hinein in die und der Instinkte der Tiere beschränkt. Es handelt sich zu erkennen, daß eine Erweiterung der
ganze Vielfältigkeit dessen, was die Natur abwirft, was sie an Blättern schenkt, was an Torf, Heide Beschreibung u. a. deshalb notwendig ist, weil es zum Wesen der Tiere gehört, gewaltige Massen
usw. zusammengeholt werden kann. Wenn man das bloß erwähnt, erinnert sich der und jener von Dünger auszustoßen und die umgebende Natur damit in eigentiimlidier Weise zu beeinflussen.
daran, bei guten Gärtnern Erdmagazine mit vielen Arten von Komposten gesehen zu haben. Die Pflanzenwelt einer Gegend gestaltet sich um, wenn neue Tierarten und somit neue Dünger:
Warum diese Sonderkomposte? Weil es eben nidit das beste ist, alle Arten von Naturdüngem arten dort eingeführt werden. .
zu einem Ganzen zusammenzufassen, sondern weil es möglich ist, ganz besonderes zu erreidien, Eine soldie Betrachtungsart, welche das reidihaltige Naturdüngerlager des Laiidwirts und
indem man für jede Pflanzenart das als Dünger nimmt, was ihrer Wurzel, ia ihrem ganzen Gärtners ins Auge faßt und Möglidikeiteri einer Ausgestaltung auf Grund der Sonderwirkungen
Wesen angepaßt ist. kennen lernt, kann es nicht vermeiden, daß sie bald vor gewisse Entsdieidungen gestellt wird.
Sehr stark ist audi die Mannigfaltigkeit bei den tierisdien Düngern. Es ist sdion ein ent: Es taucht die Frage auf: Ist es nidit möglich, eine Landxvirtsdiaft ohne Vieh viehlos zu
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scheidender Unterschied zwisdien der Jaudie und den festen Exkrementen, sowie ob man beide betreiben? Ist es denn nidit niöglidi, nur mit Dflanzendünger und mit mensdrlid1en Fäkalien zu
misdit oder sie getrennt verwendet usw. In mandien Gebirgsländern sind Sdiwierigkeiten auf: arbeiten? Wir werden aus der Düngerbetrachtung heraus, gewissermaßen aus der „Frosd1per:
getreten, weil man davon abging, hauptsädilich mit den festen Exkrementen zu arbeiten, und in spektive“ gezwungen, uns zu fragen: Welche Losung gibt der Mensdi von seinem Wesen ab?
einem unerhörten Maßstab mit Gülle, einer Misdrung von Jaudie, Wasser und festen Exkre: Muß ein Unterschied zwisdien Mensdi und Tier gemacht werden? (Fortsetzung folgt)
menten, also mit einem flüssigen Dünger, vorging: Sdiwierigkeiten bei der Viehgesundheit und
bei der Käsebereitung in einem Ausmaße, daß man die Veränderung der Düngungsgepflogen:_
heiten vielfadr wieder rüd<gängig madren muß.
Mari blickt da hinein in eine große Reid1haltigkeit der Naturdünger. Diese ist der modernen
Heilkunde in starker Weise aufgefallen. Es ist heute den meisten bekannt, daß aus tierisdiem
Dünger eine Reihe von Arzneipräparaten gewonnen werden, sogenannte Hormone. Bei manchen
davon hat man förderlid1e Wirkungen auf das Pflanzenwachstum festgestellt, und hat sie dann
Auximone genannt. Durch Extraktion werden aus den Naturdüngem Heilmittel zubereitet. Es *) A. E. Günther, „Toteni, Tier und Mensdi im Leben nimm“, H " "h \i'erlar an init Hamburg
und Berlin,
ist dabei nidit gleichgültig, weldie Arten tierisdier Dünger man verwendet, z. B. kann man mit **) Dr. Ed. Hahn, „Die Entstehung der Ptluglaultur unseres Actrerbaues“, Heidelberg. Karl \Vinter's Unioer:
Stutenharn Dräparate mit ganz bestimmten Wirkungen erzielen, sitätsbuchhandlung.
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Über den Kalk im Pfianzenhaushalt Geringe Mengen von Düngerkalk in Form von Branntkalk kann man in den Betrieb ein:
führen, indem man die Komposte kalkt. Der Kalk wird dabei vor seiner Einverleibung in den
Dr. N. Remer Boden entsprediend vorverarbeitet. Gleid12eitig hilft er dazu mit, die Verrottung pflanzlicher
Die Pflanze ist in Bezug auf die mineralische Zusammensetzung der Erde eingespannt zwisdien Komposte in eine vorteilhafte Riditung zu bringen und sie zu beschleunigen. Eine ausgedehnte
Kalk: und Kieselwirkungen. Der Mutterboden muß der Pflanze beide Wirkungen zur Verfügung Kompostbereitung unter Kalkverwendung vereinigt somit mehrere Vorteile in sich und bringt schließ:
stellen. Während der Kiesel „aller sandfähigen Kreatur eine ungeheure Kraftansammlung auf: lidi den Kalk in milder Form in den Boden.
nötigt“ (Merkensdflager, Umschau 34, 557, 1930), hat der Kalk im Anschluß an Kali und Natron Um Kalk in größeren Mengen dem Bodenhaushalt einzufügen, ist die Zuhilfenahme eines
die Aufgabe Reproduktion und Massenwiidisigkeit an der Pflanze zu fördern. Die Frage des Bindegliedes zwisdien Kiesel und Kalk erforderlich. Für diesen Zweck kommt Ton oder Lehm
Kalkes kommt ihrer Lösung näher, wenn man ihn unter Berücksiditigung seiner in Betracht. Es sollten demnach Lehmmergel Verwendung finden, die durch vorheriges Aufsetzen
polarisdien Stellung im Naturhaushalt betrachtet. Aus einer den Naturzusammenhängen in kleine Haufen oder Mieten eine Aufbereitung erfahren haben und namentlich durdi starke Frost:
zu wenig angepaßten Kalkung können erfahrungsgemäß viele Sdiäden hervorgehen. Durch eine wirkung aufgeschlossen sind. Mit einer soldien Kalkung, wie sie sdion vor dem dreißigiährigen
unmittelbare einseitige Kalkanwendung findet oft eine rasche Humuszersetzung statt, die besonders Kriege und späterhin vor 60#100 Jahren stark ausgeübt wurde, sind nachhaltige Erfolge erzielt werden,
für kalkarme Sandboden äußerst gefahrvoll werden kann. Der Wasserhaushalt wird im Gefolge die erst wieder durch die allzu moderne Bewirtsd1aftung versdiüttet wurden. Sandboden, welche
versdileditert und an die Stelle der biologisdien Bodenverwitterung tritt im stärkeren Umfang der vor 60 Jahren gemergelt wurden, haben z. T. nodi heute ein 30 % besseres Wachstum. (Mediid
diemisdie Basenaustausch, der das leicht angreifbare Bodenkali freimacht und dieses zur Abwan: Ibrahim, Unters. üb. den Geschiebemergel als Meliorationsmittel, Diss., Jena 1932.)
derung ins Sidcerwasser zwingt.
Auf Kleeschlägen, welche öfters gekalkt werden, gehen auf zahlreidien Böden die Ernten Die Verwendung von Lehmmergel und kalkhaltigem Lehm geschieht vorteilhafter Weise audi
über den Kompost und den Stalldünger. Sdiwadi kalkhaltiger Lehm hat für Stalldünger keine
zurüdc. Bei der kalkteidien gelben Lupine tritt eine Ertragsminderung sdion im ersten Jahr un:
mittelbar nach der Kalkung ein. Auf diesem primitiven Wege ist der Kalkfrage also nicht bei: Naditeile, sondern kann den Wert des Düngers bei sorgfältigem EinmiSdien nur heben. Alle orga:
zukommen. (Erdenbreeher, Die deutsdie Zudcerindustrie 55, 1133, und 1035, 1930; ferner 55, nisdien Dünger können mit Lehmerde durdisetzt werden, wenn der kalkhaltige Lehm im Betriebe be:
559, 1930.) Wenn angenommen wird, daß durch Verabreichen von Kali, das unter Umständen sonders große Aufgaben hat, wie das in Sandwirtsd1aften der Fall ist. Auf humusarmen, stark:
sandigen Böden ist ein derartiges Vorgehen besonders ratsam, um den Lehm in das Bodenleben
zu stark zur Auswaschung gebradit wurde, dem Übel zu steuern ist, so verfällt man wiederum einzufügen und sein Vorhandensein in dem durd11ässigen Sand zu verankern.
einem Irrtum. In Gräserkleegemisd1 auf leiditem Boden bleiben die Leguminosenerträge mit Kali:
düngung auffällig zurüdc, selbst bei Anwendung von sdiwefe15aurer Kalimagnesia. (Maerker, Arb. Jedodr liegt in einer vielgestaltigen Mergelanwendung noch nicht das Allheilmittel für den
cl. D. L. G. H. 20, S. 29, 1896.) Häufige Kalkdüngung vertreibt nidit nur den kalkreidien Klee, Kalkhaushalt eines Betriebes. In Wirtsdiaften mit an sich ausreidienden Kalkvorräten des Bodens,
sondern madit das Futter auch kalkärmer. (Landw. Jb. d. Schweiz 49, 101, 1935.) also auf Lehm, Lößlehm und Lehmmergelböden ist die Kalkfrage zuweilen dringlidier als auf
Es ist irrig, anzunehmen, die Kalkfrage losgelöst von dem gesamten Naturhaushalt eines Sandboden. So ist in den letzten Jahrzehnten gerade auf besten Böden die Knod1enweidie der
Betriebes ordnen zu können. Es muß nadi den angeführten Ergebnissen als fragwürdig erscheinen, Haustiere fast epidemisdi aufgetreten, was wohl mit dem gestörten Kalkhaushalt der betreffenden
den kali: und kalkreichen Kulturpflanzen, wie es die Leguminosen sind, einfadi unmittelbar Kali Betriebe in Zusammenhang stehen muß. Nur zu oft vergeblich versud1ten die betroffenen Land:
und Kalk in mineralischer Form zu geben. Liegt doch andrerseits die Erfahrung vor, daß Lu: wirte mit Kalkfütterung und :Düngung dem Übel zu steuern. Hier soll lediglidi auf die Maß:
zernepflanzen, die niemals eine mineralische Düngung erhalten haben, massiger im Wuchs und nahmen hingewiesen werden, die ein Betrieb bei der Umstellung auf die biologisch:dynamisdie
reid1er beblättert sind. (Klinkowski, Gartenbauw. 6. 7. Anhang, 1932.) In der Praxis habe ich Wirtschaftsweise ergreifen kann, der solche Krankheiten aus der alten Bewirtsdiäftung herüberge:
immer wieder den Eindruck gewonnen, daß ein guter Luzernebestand, der auf eine vorherige nommen hat. Während die grobstoftlidre, mineralisdie Kalkversorgung weder bei der Pflanze noch
Kalkung zurückgeführt wird, zumeist der letzten Stallmistdüngung und einer vorhergehenden sach: beim Vieh durdigreifenden Nutzen zu bringen vermochte, haben die biologisdi:dynamisdr arbeitenden
gemäßen Oberflächen: und Tiefenbearbeitung zu verdanken ist. Eine vorausgegangene gute Stall: Landwirte mit besonders biologisdr vorbereiteten (Weleda:Futterkalk) Kalkgaben gute Erfolge zu
düngung mit ihrem organisdien Kalkgehalt und pflegliche Pflugarbeit sidiern das Luzernewadistum. verzeidmen. Das Tier entwidcelt auf Grund der feinstofflid1en Anregung dieses homöopathisdr
(Demeter 10, 1935, S. 98.) Liegt dodi audi in der Waldwirtsdiaft die Einsicht vor, daß die verarbeiteten Futterkalks einen geregelten Kalkstoffwedisel.
kalkhaltigeren Budien: und Eichenmisdrwälder nicht durch Kalkmangel, sondern durch Mißwirt5diaft Ganz ähnliche Beobaditungen wurden an Pflanzen gemadit, deren besonders kalkreiche Ver:
zugrunde gingen. (Oberf. Zimmermann, Umschau 35, 182, 1931.) Dasselbe diirfte bei zu treter, die Leguminosen, ganz ausgezeichnet auf eine homöopathisdre Kalkbehandlung mit Hilfe
geringer Futterwüdisigkeit unserer Felder zutreffen. Wenn man zudem nodi die biologisdien der Heilpflanzenkomposte der biologisch:dynamischen Wirsd1aftsweise mit freudigeiem Wadistum
Sdiäden, weldie an den Pflanzen eintreten können, in die Betrachtung einbezieht, so sdieint es antworten. Wenn durch sadigemäße Anwendung der biologisd1:dynamisd1en Düngungsmaßnahmen
an der Zeit, die alte Auffassung von der unmittelbaren Kalkung, wenn sie audi faßlich und be: in einem erkrankten Betriebe Leguminosenfreudigkeit erreidit ist, ist der geordnete Kalkstoffwedmel
quem war, einer erneuten Prüfung vor allem in der Praxis zu unterziehen. Kalkung begünstigt im Betriebskreislauf wieder sichergestellt. In der Leguminosen:Gründüngung, der Verbesserung
bekannterweise den Kartoffelsdiorf, der praktisch auf natürlidien Kalkböden nie auftritt. (Spenne: des Klees und des feldmäßigen Hülsenfruditbestandes liegen widitige Hebel für den Kalkzuwachs
mann, Pflzb. 34, S. 264, 1934. im umlaufenden Nährstoffkapital eines Betriebes. Audi einige andere Pflanzenarten vermögen
Die rein diemisdie Betraditung der Bodenvorgänge führte an den biologisdien Aufgaben hierzu beizutragen. Der Calciumgehalt einiger Grünfutterpflanzen beläuft sich (Mach und Herr:
des Kalkes im Bodenleben häufig vorbei. In dem Kalk wurde auf Grund seiner "diemisdien mann, Vers. St. H9, 1934.) auf:
Eigensdiaften ein Hauptmittel zur Bekämpfung der Bodensäure gesehen. Dabei kann Boden:
räure audi auf sehr kalkreichen Böden auftreten, wie z. B. auf Niederungsmoorwiesen, welche
häufig sauer sind und dabei auf Kalkmutter stehen oder auf Lößlehmböden, weldie in Zud<er:
I}äizerne
ee
13,79 % Ca in der Rein-Asd1e
16,05 °.i"ei
rüben: und S&lempebetrieben eine einseitige Bewirtschaftung erfahren haben. Auf soldien Böden Inkarnat:Klee 15,89 %
Serradella 17,89 % :

besteht vielmehr die Frage, wie gelingt es, die ständig sich erneuernde Säureentwidrclung zum
Stillstand zu bringen und vorhandene Säuremenge auf natürlichem Wege abzufangen und rüdc:
zubilden.
äojabohäe
onnen nme
21,79 % (für Kleintierhalter)
26,70 %
Ein widitiges Hilfsmittel stellt der Dünger aus der Tierhaltung dar, wenn er einem hierzu Gelbe Lupine (Stroh) 31,74 % (Süßlupinel)
Dagegen Roggenstroh 9,03 % Ca in der Asche.
besonders geeigneten Futter entstammt und durch die Aufbereitung die Fähigkeit entwidcelt, die
Bodensäure infolge seines hohen Gehaltes an Sdileimstoffen abzufangen. Ferner wäre die Boden: Die Rinderhaltung ist besonders berufen, den aus den Betriebs: und Bodenschätzen beweg:
bearbeitung und die Fruchtfolge entsprediend zu ändern. Auf Wiesenland ist namentlidi die lich werdenden Kalk, der nunmehr von der lebenden Natur durch die Pflanze sdion ergriffen ist,
Einmisdmng aussüßender Pflanzen erforderlidr. weiter aufzubereiten. Der aus gesundem Leguminosenniisdüutter entstehende Rindermist ist kräftig
Eine grobstoffliche Kalkung sollte nur unter Berüd<sichtigung der Kieselwirkung im Boden kalkhaltig und steigert die Fruchtbarkeit des Bodens zu üppigereni und freudigerem Wadistum.
und des lebendigen Bodenhaushalls geschehen. Die biologisdi:dynamisdre Wirtsdiaftsweise kann einfach auf Grund von Erfahrungen von
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der Verwendung ted1nisdier Düngerkalke absehen, da es Sidi herausgestellt hat, daß der Kalk. worden. Besonders augenf'a'llig zeigte es sich in diesem Jahr bei Kartoffeln. Wir mußten eine
haushalt mit selbstgeworbenen Erden und mit biologisdien sowie dynamischen Hilfsmitteln in ge_ späte Sorte (Adcersegen) ernten, als das Kraut nodi völlig grün war und beiden meisten Knollen
sunder Weise zu ordnen ist. die Haut sich noch leicht schälte, sodaß wir bezüglich der Haltbarkeit dodi etwas skeptisd‘r waren.
Es kommt in einem geschlossenen Betriebsorganismus außerordentlidr auf die feinen, aber Während von allen Nachbarn, die in der gleidien Lage waren, aber mit anderer Wirtschaftsweise
immer wiederholten Anregungen an, die im Verständnis des lebendigen Kreislaufs angewendet werden gedüngt hatten, über starke Fäulnis dieser Sorte geklagt wurde, konnten wir mit Befriedigung
feststellen, daß unsere Kartoffeln audi nid-rt die geringste Neigung zum Faulwerden zeigten und
heute noch von vorzüglicher Qualität sind. Audi die Futterriiben halten sich seit Jahren aus:
gezeidinet, sodaß wir mit einer nennenswerten Fäulnis nidit mehr zu rechnen brauchen.
Der Gesundheitszustand unseres Tierbestandes ließ zu Beginn unserer Umstellung viel zu
Die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise wünschen übrig und war audi danach in den ersten Jahren mod-r nidit befriedigend. Idi ließ
im bäuerlichen Betrieb midi jedodi hierdurd'i nidit entmutigen, da ich mir von vornherein dariiber klar war, daß eine
richtige Gesundung des ganzen Betriebs:Organismus seine Zeit brauchen würde. Nun hat
Fr. Wahl, Helmlingen bei Kehl a. Ph. sich in den letzten Jahren audi hier der Erfolg gezeigt, sodaß wir z. B. in zwei ganzen Jahren
Als ich nach Beendigung des Krieges das väterliche landwirtsdiaftliche Anwesen von zirka ohne eine nennenswerte Erkrankung in unserem Rindviehstall durchkamen. Ohne Zweifel haben
8 ha Größe zur Bewirtschaftung übernahm, begann ich sofort mit allen damals modernen Mitteln zu dem vorzüglichen Gesundheitszustand neben unserer Düngungsweise die beiden sonnigen
zu intensivieren, wie man dies in Wort und Schrift empfohlen bekam. Der Erfolg war in den trockenen Jahrgänge 1934 und 35 viel beigetragen, aber damit wird gerade die Rid1tigkeit unserer
beiden ersten Jahren verblüffend und mand1er einzelne Versudrsadcer erregte allgemeines Auf.- Anschauung erhärtet, daß die Qualität der Futtermittel besonders widitig ist. Anderwärts ist man
sehen. der Meinung, daß Trodceniahre die Qualität des Futters und den Gesundheitszustand der Tiere
Doch die Freude über diese Erfolge dauerte nicht allzulang. Denn die „Rekordertr‘a'ge“ gefährden, aber davon war in meinem Betriebe nidits zu bemerken, eher das Gegenteil.
ließen sich auf die Dauer selbst mit bedeutend gesteigerten Mitteln nidit halten. Mit der Zeit In unserer, Gegend herrscht seit langer Zeit reine Stallhaltung; allerdings werden die Kühe
stellten sich immer mehr Bedenken ein, ob ich mit diesem Vorgehen auf dem riditigen Wege sei, noch viel zu Gespannarbeiten verwendet. Ich habe nun eine Kompromißlösung dadurdi gesdiaffen,
denn einmal wurde die Sache immer unrentabler, zum andern wurde das Risiko nodi dadurdi ge.— '
daß ich das Vieh im Frühjahr ungefähr 14 Tage auf den Wiesen weiden lasse. Dadurch wird
steigert, daß immer mehr Pflanzenkrankheiten, die sich besonders beim Obstbau fühlbar machten, bei mir der Heuertrag erfahrungsgemäß nicht nennenswert beeinträdrtigt. Darin wird das Ohmd
auftraten. Audi mußte ich Bodenversäuerung und Verkrustung feststellen, die auf meinen sdiweren frühzeitig gemäht und im Herbst das Vieh nodimals 4—5 Wochen auf die Weide getrieben.
Böden sehr nad1teilig waren. Ahnlidr lagen die Dinge auf dem Gebiet der Viehzudit, wo trotz Um einen Teil der Wiesen habe ich Hecken gepflanzt, die in einigen Jahren zu einer sdiönen
starker Einzelarbeit der Gesamtgesundheitszustand der Tiere sich dauernd verschlechterte. Einzäunung herangewadrsen sein werden. Die Hecke ist eine Mischhedce von Hase], Birke,
Durch Überlegungen und diese Erfahrungen war ich schon zwei Jahre lang zu reiner Natur; Hainbudie, Erle, Eidie, wilder Rose, Weide, Liguster, Hartriegel, Weiß- und Sdiwarzd0rn. Die
düngerverwendung zurüdcgekehrt, ohne jedodi von dieser Lösung befriedigt zu sein, als ich dann Jungpflanzen konnte ich kostenlos im Wald holen. Wohl ist das Wachstum anfangs etwas lang.-
im Jahre 1928 mit der biologisch:dynamisd1en Betriebsmethode bekannt wurde. Nun gab es für samer als bei Pflanzen aus einer Baumschule, jedodi ist ein Teil davon, die ich im Jahre 1930
midi kein langes Besinnen. Idi hatte sofort die Überzeugung, daß hier ein richtiger Weg ge.- gepflanzt habe, schon heute zu einer sdiönen Hecke herangewadisen, die uns viel Freude macht.
wiesen wurde und stellte deshalb den ganzen Betrieb auf die neue Wirtschaftsweise um. Und \)Venn in den ersten Jahren der Umstellung der Ertrag auf mandien Feldern und Wiesen
heute, nadi sieben' Jahren praktischer Erfahrung, kann ich noch voll bestätigen, was ich von Anfang an nicht ganz befriedigte, so gelingt es uns nun nadr sichtlidier Gesundung unseres Bodens immer
empfunden hatte, daß uns mit der biologisch:dynamisd1en Betriebsweise die Möglidakeit gegeben besser, einen gleidrmäßigen Bestand zu erreidien, sodaß wir jetzt eine gute Mittelernte mit viel
wurde, mit der wir eine völlige Durdrgesundung gerade unserer bäuerlichen Betriebe erreichen größerer Sicherheit gewährleisten können als vor Einführung unserer jetzigen Wirtsdiaftsweise. Wir
können, ohne daß dabei die Ernten zurüdcgehen miissen. wissen heute, daß der Bodenbearbeitung unbedingt die nötige Sorgfalt gewidmet werden muß, da
Gewichtsmäßige Angaben über Ernteergebnisse kann ich keine mad-ren, da mir zu derartigen man Unterlassungssünden nidit durch Kopfdüngergaben verdecken kann. Die Had<arbeiten sind
Feststellungen die Zeit und Arbeitskräfte mangelten. Idi halte dies auch nidit für so widitig, denn heute in unseren mehr schweren Böden viel leiditet durdrzuführen wie früher, was uns auch von ab
das müßte ein schlediter Bauer sein, der nicht ohnedies wüßte, ob er eine gute oder schlechte und zu beschäftigten Taglöhnern, die auch in der Nadibarsdßft herumkommen, stets bestätigt wird.
Ernte hat im Vergleidi zu seinem Nachbarn, und ob er in seiner Wirtsdaaft besser oder schlechter Das Wichtigste bei der biologisch:dynamischen Wirtschaftsweise scheint mir nidit darin zu
fährt als früher. Diellmstellung wurde erleiditert durch die starke Viehhaltung, die in der hiesigen liegen, daß man unbedingt in jedem einzelnen Fall sdion auf dem Acker soviel erzeugt wie bei
Gegend üblich ist, wo auf ein Hektar durdßchnittlich ein Stück Großvieh geredinet werden kann, Kunstdüngerverwendung, sondern daß man durch das Durdischauen der Zusammenhänge von
wodurdi Stallmist in reichlidier Menge zur Verfügung steht. Die Anlage der Miststätten auf ge,- Qualität und Quantität die Qualitätsfrage zunäd13t wieder in den Vordergrund stellt. Es besteht
wachsenem Boden bereitete am Anfang etwas Kopfzerbrechen, da nur eine überdachte zementierte für midi kein Zweifel, daß die Quantitätsleistungen auf mandiem Gebiet der Tier: und Pflanzen,-
Grube zur Verfügung stand. Idi mußte wohl oder übel erst einige Obstbäume beseitigen, um zucht dermaßen hochgesdtraubt sind, daß keine Gewähr mehr für eine gesunde Entwidclung ge:
Platz und Durchfahrt für Mist: und Komposthaufen im Hausgarten zu schaffen; dodi die bessere boten werden kann, und ich betrachte es als unsere Pflidit, hier durch weise Beschränkung zu
Qualität des hier präparierten Mistes glich diesen anfänglichen Sdiaden bald wieder aus, und heute einem harmonisd1en Ausgleidr beizutragen. Idi betone dies audi stets unsern Berufsfreunden
wird die zementierte Grube nur nodi selten aushilfsweise benützt. Ein Teil der Komposthaufen gegeniiber, daß es nidit unsere Aufgabe sein darf, mit den Spitzenleistungen einzelner Kunst:
wird gleich auf den Wiesen aufgesetzt. Am Anfang gerieten mir diese Haufen zu breit, sodaß düngerbetriebe konkurrieren zu wollen, sondern daß sie darin bestehen soll, einen gesunden ge:
im Innern_nodi ein Kern unverrotteter Bestandteile zu finden war. Dodi seit ich sie sdrmäler und sdilossenen Organismus zu schaffen, aus dem dann auch für die Verbraucher hochwertige Nahrungs:
länger aufsetze, ist die Verrottung vorzüglich. mittel, sei es pflanzlidier oder tierischer Art, abgegeben werden können. Durch das tiefe Ver.-
Eine Schwierigkeit für die Einführung der biologisch:dynamischen Wirtsdiaftsweise bedeutet ständnis, das uns für die Vorgänge in der Natur durch die biologisdi:dynamische Wirtsd1afts:
das einstündige Rühren der Präparate 500 und 501, und ich muß gestehen, daß uns anfangs weise vermittelt wird, geht man mit stets neuer Freude an die landwirtschaftlidaen Arbeiten heran,
das rechtzeitige Ausspritzen dieser Präparate nidit immer glückte. Aber wie die Praxis gelehrt daß es keines Ansporns von außen mehr bedarf, um alle Möglichkeiten einer besseren Gestaltung
hat, hängt audi dies letzten Endes nur vom guten Willen und der richtigen Einteilung ab. Eine seines Betriebs auszuschöpfen. Und so werden wir gerade durch die biologisdi:dynamische Wirt:
Rührvorriditung, die es ermöglicht, 4 Portionen auf einmal zu rühren, bedeutet hierbei eine große schaftsweise unsere Aufgaben in der Erzeugungsschladrt voll und ganz erfüllen können.
Erleiditerung, und ich wurde durch sie in die Lage versetzt, nunmehr audi die Obstbäume mit
den Präparaten 500 und 501 behandeln zu können.
Daß die Qualität der Produkte durch unsere Düngüngsweise ungemein gefördert wird,
merkten wir nadi kurzer Zeit sdion und ist uns im Laufe der Jahre von vielen Seiten bestätigt
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Die Bewährung der biologisch-dynamischen Wirtschafts- die aufgehende Saat sich durch eine entsprechende Didite vor der hier herrsdrenden Kälte und
vor den rauhen Winden Sdiützen muß, ferner bestodct die Winterung bei uns infolge der kurzen
weise im Gebirge Vegetation fast gar nicht und muß deshalb von vornherein dicht gesät werden.
Zu Punkt 3: Bei Trodcenperioden kann es vorkommen, daß eine Mineraldiingung mehr
Jungbauer Paul Ludwig, Röhrsdorf/Riesengebirge Sdiaden als Nutzen gibt. Hödistens eine organische Bodendecke könnte gegen Dürre etwas helfen.
Um in von der Natur besonders gesegneten Gegenden mit guten Boden: und günstigen Etwas sehr Sdilimmes für den Betrieb stellte sich ein, als die Leguminosen nidit mehr
Klimaverhältnissen landwirtschaftlidr befriedigende Erträge herauszuwirtsdraften, genügt schon durch: wad'rsen wollten, vor allen Dingen, als der Klee ausfiel. Sogar von den Bergwiesen verschwanden
schnittlidies Fadikönnen und durchschnittliche bäuerliche Gesdüdclichkeit; denn gelegentliche kleinere die Leguminosen, wie Wiesenplatterbse, Widce, Wiesenrot: und Weißklee. An deren Stellen
Fehler werden dort immer wieder von der Fruchtbarkeit der betreffenden Gegend ausgeglidien. fanden sich Löwenzahn, Sdiierling, Kerbelkraut usw. ein.
Schwieriger ist es in einer Gegend mit ungünstiger Lage, schlechten klimatischen Verhältnissen Zum Überfluß trat im Kuhstall nodi Abortus Bang auf. Hier rächte sich wieder eine
und kurzer Vegetation. Kleine Fehler wirken sich dort immer zu großen Naditeilen aus. Mein im Maßnahme, nämlich daß wir von unserem bodenständigen Vieh abgekommen waren und an dessen
Folgenden geschilderter Betrieb hat sich gegenüber ungünstigen natürlidien Verhältnissen durch.— Stelle schwarzbuntes Niederungs:Vieh gestellt hatten. Es zeigte sich dabei, daß die eingeführten
zusetzen:
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Tiere am allerempfindlidi$ten gegen das seudienhafte Verkalben waren.


Der Betrieb meiner Eltern, für dessen Wohl und Wehe ich die größte Mitverantwortung Durch einen Zufall wurde ich 1930 auf die biologisd-r:dynamisdm Wirtschaftsweise aufmerksam.
übernommen habe, liegt im östlichen Riesengebirge 700 bis 750 Meter hodi. Man spricht hier Die Jahre 1931 und 1932 sind nur als Zwisdienperiode zu betraditen, denn in dieser Zeit be.—
mit Recht von sieben Monaten Winter und fünf Monaten Sommer. Die Lage ist sehr hängig, gnügte ich midi damit, je einen Misthaufen zu präparieren, weldier damals allerdings nodi nidit
bis 40 “l., Neigung. Der Boden ist Amphibolith:Verwitterung und von Hause aus humusarm. die dazu erforderlidie Pflege erhalten hat. Dodr im Jahre 1933 entsdrloß ich midi, vollkommen
Die Niederschläge sind zwar sehr ergiebig, aber oft sehr unausgeglichen. Der letzte Zehniahres: umzustellen und alles intensiv zu betreiben. Obwohl die Zeit bis zur Gegenwart verging, um
durchsd1nitt beträgt 1030 mm. Beispielsweise fielen am 6. Juni 1934 innerhalb von 24 Stunden aus den Anfängen herauszukommen, bin ich in der glüdclichen Lage, die ersten Erfolge zu
96 mm. Soldie unheimlidien Regengüsse nehmen leider sehr viel mühselig gepflegten Mutterboden verzeidrnen.
in den sich bildenden Wildbäd1en mit. Im Gegensatz dazu hatten wir im Juni, Juli und August Der biologisdi:dynamisd1en Wirtschaftsweise habe ich zu verdanken, daß ich von einer ein:
1935 unter der gleidren großen Trockenheit zu leiden wie andere Gebiete des Deutsdien Reiches. seitig materiellen Ansdiauung losgerissen und mit meinem Denken in beständige naturgebundene
So betrug der Monatsdurdrschnitt dabei nur 26 mm; dies ist bei unserem steinigen, hängigen Bahnen gelenkt wurde. Ich habe die Wichtigkeit des von der biologisch:dynamischen Wirtschafts:
Boden, wo ein so geringer Niedersdilag sofort wieder verschwindet, kaum nodi von Bedeutung. weise geforderten Grundsatzes: den Betrieb als einen lebenden, gesdilossenen Organismus zu ge:
Es stehen sich aber hier zwei extreme Gegensätze gegenüber, weldie sich zum Sdiaden der land: stalten und ihn auf eigene Füße zu stellen, kennen gelernt.
wirtsd1aftlidien Produktion auswirken. Die Temperaturen sind sehr niedrig, das Maximum liegt Als Folge der biologisdi:dynamischen Düngung ist es uns gelungen, die Kleesdiläge in
bei 25° C. Ordnung zu bringen. Ein gutes Kleefeld gibt sodann die Gewähr für eine gute Nadifrudit und
Vorstehende Erläuterung war zur allgemeinen Kenntnis unserer Verhältnisse erforderlich.
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geordnete Fruditfolge.
Nun zur eigentlichen Stellungnahme und Erläuterung der hiesigen Erfahrungen mit der biologisch.- Auf den Wiesen zeigt sich ein stetig anhaltendes Wadistum mit besserem Gedeihen der
dynamisdien Wirtschaftsweise. Leguminosen.
Es liegt begründet im verflossenen Zeitalter und in der Leiditgläubigkeü der Bauern, daß Rüben und Kartoffeln zeigten in dert letzten Jahren keinerlei Fuß: oder Blattkrankheit. Die
sehr viele Maßnahmen nach theoretisch erredineten Tabellen und Schemen angewendet wurden, Erträge waren durchaus befriedigend; sie dedcten sich vollkommen mit denen der Nadibarn.
die Sidi sowohl für die landwirtsdiaftlichen Betriebe, wie auch für die Ernährung des deutsd1en Getreide stand im verflossenen Jahre sogar über Erwarten gut, gemessen an den sonstigen
Volkes sdizidlich auswirkten. Der Bauer wurde immer unselbständiger und verlor das sogenannte Erträgen der Gegend. Der hiesige Durdisdmitt (nach den Angaben der statistischen Reidisan:
„Fingerspitzengefiihl“, d.h. den wichtigen Instinkt für seine Maßnahmen, den unsere Vorväter so stalt) liegt bei 7 Ztr. ie Morgen, was den Betriebsergebnissen durdiau5 entspricht.
reidilidi besaßen. Ferner findet er bei seiner körperlichen Überlastung kaum Zeit, Theorien, die Es sollen hier die in unserem Betriebe im vorigen Jahr erzielten Erträge selbst sprechen zum
ihm zweifelhaft ersdieinen, selbst in der Praxis zahlenmäßig und mit Exaktheit zu widerlegen. Beweis, daß nach 3jähriger Anwendung der biologisd1:dynamisdren Wirtschaftsweise die Erträge
Es hat aber die praktische Landwirtschaft erwiesen, daß sie sidi nicht in geschriebene Ge: nicht zurüd<gegangeri sind. So bradite:
setze, Sdiemen und Regeln oder theoretisdi errechnete Formeln einengen läßt. Denn sie ist keine Pelkuser Sommerroggen 9 Ztr. pro Morgen
tote Materie, sondern ein lebender Organismus im wahrsten Sinne des Wortes, den man als Egltinger Hadogerste 10 „ „ „
entweder gesund oder krank beurteilen müßtel Siegesha fer 12,65 „ „ »
Zu einer Überprüfung der modernen Maßnahmen wurde audi ich gedrängt, als sich so Pflug Baltersbacher früh 13,10 „ „ „
mandier Mangel im Feld und Stall einstellte und den Betrieb in seinen Grundfesten zu ersdrüttern Hafer und Gerste irn Gemenge 13,50 „ „ „
drohte. Es ist zwar nidit meine Aufgabe, wissenschaftlidie Begründungen beizubringen, aber ich Faserfladis mit 32 Ztr. ie Mrg. war der beste im Orte. Beim Verkauf bradite er den Höchstpreis.
bin in der Lage, so mandies aus der Praxis zu belegen. Diese Erträge zu halten, wird meine vornehmste Pflicht sein, die ich auf Grund der bis:
In meinem Ehrgeiz, ein guter Bauer zu werden, war ich ehemals durchaus kein Pessimist herigen Erfahrungen gut zu erfüllen hoffe.
gegenüber der modernen Stofflehre, vielmehr versuchte ich dieselbe vollkommen in die Praxis um: Obwohl ich in Zukunft nodi sehr viel zu erreichen beabsidrtige in Bezug auf Mist: und
zusetzen und durch sie die Betriebs:Rentabilität zu steigern. Leider hatte ich aber vergessen, Kompostvorrat, sowie eine gut präparierte und vergorene Jaud1e, konnten wir in dieser Riditung
mandie$ in meine Rechnung einzusetzen: bisher Sdion einen Fortschritt machen. Im verflossenen Winter haben wir eine Jauchegrube nadi
1. Vor allen Dingen die Humusarmut unserer Böden, dem Muster von Herrn M, K. Schwarz, eine sogenannte Lehmstampfgrube gebaut, welche Sidi
2, die extrem hohen Regengüsse mit anhaltenden Sdilechtwetterperioden in sdion jetzt als dicht bewährt. Aus den bereits vorhandenen Sammlern wird die Jaudie zur voll:
unserer Gegend, kommenen Präparierung und Vergärung in die neue Grube geleitet. Die Jaud1egruben haben
3. ebensolch extreme Trodcenperioden. nun ein Gesamtfassungsvermögerr von 3 cbm ie Stüdc Großvieh und sind ausreichend für 6—8
Zu Punkt 1 ist zu sagen: Ohne vorhergegangene Stallmistdüngung ist eine Mineraldüngung Monate. Dieser große Jauchevorrat bietet mir dann die Möglidikeit, bei der Abdüngung die Dünger,-
so gut wie negativ. wirkung des Mistes wesentlich zu unterstützen.
Weiter konnten wir in diesem Winter eine Miststätte nadi biologisch:dynamischen Gesid1ts:


Zu Punkt 2: Wenn bei guter Lebendigkeit des Bodens tatsäd1lich eine Wirkung zu ver:
zeichnen ist, dann aber Sdilechtwetterperioden eintreten, so gesdiieht es uns meist oft sdion punkten anlegen. Von der Mistgrube sind wir abgegangen. Der Mist wird über der Erde ge:
vor der Blüte des Getreides « daß solch sdiwere Lagerung eintritt, daß mandimal der Körner: stapelt. Die Düngerstätte ist mit Lehm nach unten abgedid1tet, um allen Sidcersaft zu erhalten
ertrag gleich Null ist. Der Sdiaden im Betrieb ist dann groß. Man könnte das Lagern des und aufzufangen. Die Südseite ist mit einer Bohlmwand umfaßt. Zur Beschattung haben wir
Getreides wissensdraftlid1 mit zu dichter Saat begründen, aber es hat hier die Praxis gelehrt, um die Düngerstätte Akazien und Holunder gepflanzt. Der Mist wird in Mietenform mit 1,50 rn
daß wir örtlidi an eine gewisse Aussaatstärke gebunden sind. Die Begründung dafür ist, daß Breite gesetzt. Dies hat sich bei unserem stroharmen Mist gut bewährt. Bisher hatten wir eine
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schlechte Mistverrottung; dies lag hauptsächlich in der schlechten Lagerung begründet, weil unsere _ man dicht um das Frühbeet ein Windschutzgestell Anbaues auf Island. Rote Rübe wurde laut „]ahres-
aufschlagen, beim Auspflanzen muß mail oft die schrift der isländischen Gartenbaugeselischatt“, 1930
alte Düngergrube ein Betonpalast war; dazu kam die oben erwähnte Stroharmut und die kühle Pflanzen krampthatt festhalten, abgebrochene Blätter zum erstenmal versucht, aber z. B. mit Spargel—
Temperatur unserer Gegend. _ ‚_
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_ und halbausgewachsene Kohlpllarizen fliegen im anbau hat sich noch keine Gärtnerei befaßt. Auch
Ein weiteres, erst in Angriff genommenes Ziel ist, die Viehherde bodenstand1g und}lerstung5.- Garten umhei' —- nur ein Gutes geht auf die
«—

Rechnung des Windes: er trocknet die Erdoberfläche


Erbsen werden gut, nur ist die Ernte noch nicht
fähiger zu machen. Wir werden allmählidi wieder zum rotbunten schlesischen Vieh zurückkehren. beendet, wenn der Winter beginnt. Zwar kann man
nach den etwas zu häufigen Regentagen überraschend etwa im April mit Freilandaussaaten und im Mai.
Das Hauptziel ist natürlich, den ganzen Betrieb noch gesünder und zugleich wrrts_cha_ftlrch vor:
teilhafter zu gestalten und zu erhalten, vor allen Dingen ihn auch den örtlichen Verhaltnissen an: schnell. Windschutzanptlanzungen nach der bio—
logisCh-dynamischen Wirtschaftsweise wären sehr
Juni mit dem Ausptlanzen beginnen, aber zu be—
denken sind die fehlende Wärme im Sommer,
zupassen. Dazu war und ist weiter erforderlich, alle betriebswirtsdiaftlidren Maßnahmen aufeinander angebracht, doch muß man hier-zum Heranwachsen wenngleich sie vereinzelt bis zu +20° ansteigt,
abzustimmen. _ der Hecken eine weit größere Anzahl von Jahren
rechnen. Einjährl'ge Randpflanzung wie z. B. Mark:
Durchschnitt ca. + 120 die Wachstumsstockungen
durch den schnellen Witterungsumschlag, sowie
Bedingt durch die Höhenlage und klimatisd1en Verhältnisse liegt das Sdiwergemdit des stammkohl wurde nur rd. 60 cm hoch. 1 bis l,50m die angeführten Winde.
Betriebes im Viehstall und dadurch beim Futterbau. Der Getreidebau wurde auf das für den hoch aufgeschichtete Steinmauern sind der übliche Präparat 501 ist hier eine unschätzbar große Hilfe.
Betrieb erforderliche Maß begrenzt. Auf diese Weise sind Adcerfläcl‘ien fiir den Feldfutterbau Windschutz um die Bauerngärten. Im zweiten lahr gehörten wir unter Anwendung der
frei geworden. Der Feldfutterbau wird in die allgemeine Fruchtfolge in Form„von Klee:Gras: Der Boden ist zum Teil guter Mittelboden, jedoch biologisch—dynamischen Wirtschaftsweise zu den
manchmal auf Steinunterlage nur 1/2 Spatenstich frühesten Lieferanten von erstem Gemüse. Auch in
schlägen eingeschaltet. Diese Maßnahme wirkt sich sehr fruchtbar auf unsere Boden aus. tief. Regenwürmer sind überaus zahlreich vorhanden geschmacklicher Hinsicht beginnen die Präparate
Nun zur Fruchtfoige selbst: Der Betrieb ist nur 10 ha (40 Morgen) groß (er muß zwei und im präparierten Komposthaufen ist das sichtbare und vorwiegend 501 sich weiter auszuwirken. Bei
Familien die Existenzmöglichkeit geben). Auf Adcerland entfallen 30 Mg, auf Dauerw1ese10 Mg. Leben darin derart, daß nicht nur unsere, sondern einer Gesclimacksprobe mit Gemüse von unserem
Die 30 Mg. Ackerland werden in abwechselndem Umtrieb drei Jahre als Adcer und drei Jahre auch unsere nachbarlichen Anglerfreunde mit Selbst— Nachbar — derselbe Boden, dieselben Gemüse-
als Klee:Grasland genutzt, und zwar in folgender Fruchtfolge: 1. Hadcfrudat in Stallmist, 2.\Roggen verständlichkeit nur noch von solchen Haufen durch sorten — wurde festgestellt, daß die mit Präparaten
1 bis 2 Spatenstiche sich ihre Köder holen. behandelten Kohlrüben süßer, der mit Präparaten
oder Gerste, 3. Klee, 4. Klee:Gras, 5. Klee:Gras, 6. Hafer oder Hafen-Gerste im Gemenge
als abtragende Frucht. . _
Gemüse, das allgemein auf den Bauernhöfen an—
gebautwird,istneben Kartoffeln die Kohlrübe Weiß— _
kohl wird nur hier und da mit angepflanzt; Zeitungs—