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BAYERISCHES LANDESJUGENDAMT

Familie macht Spaß!


INHALT Was halten Sie vom guten
alten Sonntagsausflug? Oder
Alter: 5 Jahre
vom Spielenachmittag an ei­
1 Gemeinsame
Unternehmungen nem grauen Novembertag?
4 Wissen für Kinder Wann waren Sie zuletzt mit der Familie

5 Die Einkindfamilie beim Schwimmen oder Drachen steigen lassen,

7 Schüchterne Kinder im Zoo oder beim Eisessen? Versuchen Sie, wenigstens ab

10 Die liebe Ordnung und zu Zeit dafür zu finden! Wenn Sie sich an Ihre eigenen

13 Der Zahnwechsel Kindertage zurückerinnern, dann gehören die gemeinsa­

15 Die Vorsorge- men Unternehmungen der Familie sicher mit dazu. Etwas
untersuchung U9
Schönes zusammen zu erleben ist wichtig. Es schafft nicht
nur ein Gefühl der Zusammengehörigkeit – für Ihre Kinder
bedeutet es auch ein Stück Geborgenheit und ein Schatz­
kästlein mit wertvollen Erinnerungen für die Zukunft.

Im Alltag findet sich leider oft sammen als Familie verbringen


zu wenig Zeit für Spiel und Spaß und in der Sie einfach Spaß haben
Sie,
Ve r s u c h e ng e m e i n ­
als Familie. Häufig begegnet sich können. Spielen Sie gemeinsam
ein Brettspiel oder lesen Sie eine
j e d e n Ta igt z u v e r ­
die Familie erst am späten Nach­
mittag oder Abend und da sind spannende Geschichte vor! Oder
sam Ze ngen! andere Dinge zu erledigen: Haus­ vielleicht möchte Ihr Kind gemein­
bri halt, Abendessen, die Terminpla­ sam mit Ihnen singen und dazu
nung für den nächsten Tag... Aber auf dem Kochtopf trommeln? Ja,
trotzdem gibt es auch eine hal­ vielleicht müsste eigentlich drin­
be Stunde oder mehr, die Sie zu­ gend die Küche aufgeräumt oder
ein Telefonat erledigt werden. Natürlich haben Sie auch am Wo­
Seien Sie trotzdem kein Spiel­ chenende viel zu tun. Einkäufe

L a s s e n Smie verderber! Die Zeit, in der Sie müssen erledigt werden und vie­
al
r u h i g e i nf g a b e n
alle als Familie etwas zusammen les mehr. Dennoch: Machen Sie
machen, ist so kostbar. Nutzen Sie es sich zur Regel, dass kein Sonn­
u
a n d e r e Ag e n ! sie und beziehen Sie ruhig einmal tag einfach vor dem Fernseher
lie alle mit ein. verbracht wird. An wenigstens ei­
nem Tag der Woche könnte doch
Sie können sich bei Ihren Spiel­ genug Zeit für die Kinder sein.
ideen auch von Ihrem Kind lei­ Planen Sie die Wochenenden,
ten lassen. Warum nicht gemein­ sprechen Sie mit Ihrer Familie dar­
sam Kaufladen spielen? Oder aus über, was Sie unternehmen möch­
Decken eine Höhle bauen? Im ten! Dafür muss man auch nicht
Sommer ist es oft auch nach Fei­ unbedingt viel Geld ausgeben!
erabend noch möglich, miteinan­
der nach draußen zu gehen, um Unternehmungen
Rad zu fahren oder Ball zu spielen. im Freien
Das macht nicht nur den Kindern Lassen Sie sich von den Jahres­
Spaß, sondern tut auch den Er­ zeiten anregen! So können Sie im
wachsenen gut. Sommer an einen Badesee fah­
ren oder mit Planschbecken oder
Das Wochenende bietet natürlich Gartenschlauch für Abkühlung
sehr viel mehr Möglichkeiten, zu­ sorgen. Im Herbst können Sie
sammen als Familie etwas zu un­ mit den Kindern auf einem lan­
ternehmen. Sie sind ausgeruhter gen Spaziergang Kastanien und
und haben auch etwas mehr Zeit Herbstlaub sammeln, woraus Sie
zur Verfügung. Und auch Ihr Kind dann zu Hause gemeinsam etwas
oder Ihre Kinder freuen sich über basteln können. Oder Sie lassen
Beschäftigung, gerade an Tagen, mal wieder einen Drachen stei­
an denen kein Kindergarten ist. gen! Im Winter können Sie ge­
meinsam Schlittenfahren, einen
Schneemann bauen oder aufs Eis
gehen – sofern es richtig zugefro­
ren ist. Der Frühling lockt dann
wieder mit Sonne und Wärme.
Gemeinsame Spaziergänge und
Spielplatzbesuche sind jetzt be­
sonders attraktiv.

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Unternehmungen Nehmen Sie zur einen oder an­
in der Wohnung deren Unternehmung auch die
Auch in der Wohnung lässt es Freundin oder den Freund Ihres
sich schön spielen. Die Eisen­ Kindes mit. Das macht zum einen
bahn mal ganz aufbauen, gemein­ den Kindern mehr Spaß, zum an­
sam ein großes Plakat bemalen, deren ist es auch für Eltern eine
mit Knete oder Ton modellieren, Entlastung, wenn sie nicht den Al­
ein Haus aus Karton basteln, das leinunterhalter spielen müssen.
Kinderzimmer umgestalten: Das Solche Einladungen können ja
alles sind Projekte, für die unter durchaus auch auf Gegenseitig­
der Woche einfach nicht genug keit erfolgen.
Zeit bleibt. Vielleicht möchte Ihr
Kind mit Ihnen auch einmal ger­ Fragt man junge Erwachsene, wo­

K i n d e r l im eben es, ­ ne einen Kuchen oder Kekse ba­ ran sie sich gerne erinnern, wenn

e i n s a an et cken oder mit Papa zusammen sie an ihre Kindheit zurückdenken,


g e m erkeln!
w a s z u w kochen. Kinder arbeiten gerne: dann sind es nicht die Nachmitta­
In handwerkliche Tätigkeiten las­ ge, die sie vor dem Fernseher ver­
sen sie sich gerne mit einbeziehen bracht haben, oder die Spielsa­
und freuen sich, wenn sie Mama chen, die sie besessen haben. Es
oder Papa zur Hand gehen kön­ sind auch nicht teure Kinobesuche
nen. Planen Sie dafür aber vor­ oder Ähnliches. Es sind Erlebnis­
sichtshalber etwas mehr Zeit ein se wie Spieleabende mit der Fa­
als sonst. milie, Picknicks im Grünen oder
die Sonntagnachmittage, an de­
Ferien und Urlaub nen der Papa immer aus dem
Ferien und Urlaub sind ideal, um spannenden Lieblingsbuch vorge­
gemeinsam schöne Dinge zu un­ lesen hat.
ternehmen. Wenn Sie im Urlaub
zu Hause bleiben, können Sie mit Sie müssen Ihrem Kind also nichts
Tagesausflügen oder Schwimm­ Teures oder Außergewöhnliches
badbesuchen Ihren Kindern eine bieten. Was seine Kindheit schön
schöne Ferienzeit bescheren. Vie­ macht, sind Ihre Zeit, Ihre Auf­
le Gemeinden bieten einen Fe­ merksamkeit, Ihre Energie und
rienpass an, der Kindern freien Ihre Unternehmungslust.
oder verbilligten Eintritt zu den
verschiedensten Veranstaltungen,
Aktionen, aber auch in Museen
gewährt.

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Wissen für Kinder
Mathematik im Kindergarten? Ist das nicht übertrieben? Aber
nein! Im Alter zwischen drei und sechs Jahren erschließt sich das
Kind den Zahlenraum zwischen eins und zehn. Es lernt zählen
und bekommt eine erste Vorstellung von Mengen.

Ein Kind nähert sich Formen und Die Natur erleben Kinder auf
Zahlen auf ganz natürliche Wei­ Spaziergängen oder im Freispiel­
se: Zum Beispiel zählt es, wie vie­ gelände des Kindergartens. Einen
le Kinder in der Puppenecke sit­ Käfer beobachten, Kastanien sam­
zen. Oder es sucht sich drei Spiel­ meln – hierbei lässt sich eine Men­
partner für ein Würfelspiel für vier ge erfahren, auch über den res­
Personen. Beim Spielen mit Bau­ pektvollen Umgang mit Lebewe­
klötzen erfährt es den Unterschied sen und mit der Natur allgemein.
zwischen einem Würfel und einem So wird in Kindergärten das The­
Quader, bei Legespielen den zwi­ ma Umweltschutz großgeschrie­
schen Dreieck und Kreis. Es lernt ben. Praktisch umsetzen können
also die geometrischen Formen dies die Kinder beim Abfallver­
kennen. Die Erzieherinnen können meiden oder beim Mülltrennen.
diese Fähigkeiten fördern und die
Kinder an einfaches mathemati­ Der Wechsel der Jahreszeiten
sches Denken heranführen. wird auch bei Festen erlebbar:
Martinsumzug, Wintersonnenwen­
Ebenso wird Naturwissenschaft de, Fasching, Ostern, Sommer­
ganz praxisnah für das Kind er­ fest. Das Kind macht erste Erfah­
lebbar gemacht: Kleine Experi­ rungen mit der Zeit: Um zehn
g ist voll mente wecken das Interesse und Uhr gibt es Brotzeit, um zwei Uhr
D e r A l l t ae r e s s a n t e n den Spaß am Lernen. Eine Kerze kommt die Mama und holt mich
von int menen1 erlischt, wenn man ein Glas dar­ ab. Montag ist Turnen, Mittwoch
Phäno überstülpt. Aus Weizenkörnern, ist Musikgruppe und so weiter.
die man in Blumentöpfe pflanzt,
wächst grünes Ostergras. Die un­ Durch die äußere Ordnung und
mittelbare Umgebung ist voll von feste Abläufe bekommt das Kin­
interessanten Dingen, anhand de­ dergartenkind auch eine innere
rer man Kindern etwas von der Orientierung und wird so auch
Welt erklären kann. auf die Schule vorbereitet.

4
Die Einkindfamilie
Vater, Mutter, Kind – Familien mit nur einem Kind sind mitt­
lerweile eher die Regel als die Ausnahme. Statistisch gesehen ist
heute jedes dritte Kind ein Einzelkind. Ob Sie sich nun bewusst
für „nur“ ein Kind entschieden haben, oder ob es andere Gründe
gab, ist unerheblich – Ihre Familie ist genau so richtig, wie sie
eben ist.

Obwohl zahlenmäßig in der Über­ vor allem unsozial. Es heißt, sie


zahl, haben sogenannte Einkind­ könnten nicht teilen, drängeln
familien nach wie vor mit vielen sich immer in den Vordergrund
Vorurteilen zu kämpfen. Von den und wenn‘s eng wird, schreien sie
Müttern wird oftmals behauptet, nach Mama. Das mag für das eine
sie seien entweder karriereorien­ oder andere Einzelkind schon zu­
tiert oder gluckenhaft, die Väter treffen, aber auch Geschwister­
ische“
D a s „ t y pn d g i b t leistungsorientiert, und egoistisch kinder verhalten sich manchmal

Einzelkiicht!
wären sowieso beide. Am stärks­ so. Alle Kinder – unabhängig da­
es n ten aber trifft es die Kinder. „Ty­
pisch Einzelkind“ bedeutet nichts
von, ob sie mit oder ohne Ge­
schwister aufwachsen – müssen
Positives. Einzelkinder gelten oft­ lernen, anderen Kindern mit Res­
mals als verwöhnt, eigensinnig, pekt, Toleranz und Rücksicht zu
launisch, altklug, zimperlich und begegnen.

5
Deutsche und amerikanische Stu­ schwister keinen auffälligen Ein­
dien haben ergeben, dass Einzel­ fluss auf die Persönlichkeitsent­
kinder, entgegen aller Vorurtei­ wicklung von Kindern hat. Sie ge­
le, freundlich, optimistisch und hen sogar noch weiter und sagen:
sozial sind. Oft sind sie sprach­ Was Kinder wirklich prägt, ist die
lich gewandter, ehrgeiziger und gute Beziehung zu ihren Eltern.
erfolgsorientierter als Kinder, die
mit Geschwistern aufwachsen. Es Natürlich haben Einzelkinder nicht
heißt auch, sie seien extrovertier­ nur Vorteile. Sie haben zwar die
ter und übernähmen in Gruppen volle und ungeteilte Aufmerk­
öfter die Führung als Geschwister­ samkeit ihrer Eltern, aber das
kinder. Insgesamt sind auch Ein­ kann auch anstrengend sein.
zelkinder stabil und erfolgreich im Zwangsläufig sind Einzelkinder
Leben. öfter alleine. Auch wenn sie mit
den Eltern unterwegs sind, gibt
Aus den Studien geht auch her­ es kein anderes Kind zur Unterhal­
vor, dass die Mütter mehr Zeit tung. Einzelkinder müssen aushal­
mit ihrem Kind verbringen als ten, dass es in der Familie manch­
Mütter mehrerer Kinder. Sie be­ mal „zwei (Große) gegen ei­
obachten, loben und beschäfti­ nen (Kleinen)“ heißt. Da kann bei
gen sich auch intensiver mit ihnen. manchem Kind schon das Gefühl
Und ungeachtet aller Vorurtei­ aufkommen, dass es seinen Eltern
le fördert die intensive Beschäfti­ unterlegen ist. Denken Sie daran
gung nicht etwa die Unselbststän­ und nehmen Sie sich zurück. Auch
digkeit der Kinder, sondern führt müssen Sie nicht immer an Ihrem
zu einer überdurchschnittlichen Kind „dran“ sein. Für eine gesun­
der
E i n z e l k ifnr ü h e r Selbstständigkeit. Das mag ne­ de Entwicklung brauchen Kinder

sind oft ändig. ben der ungeteilten Aufmerksam­ auch Freiräume.

selbstst keit der Eltern auch daran liegen,


dass Einzelkinder – statistisch ge­ Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind
sehen – früher außerhalb der Fa­ mit anderen Kindern zusammen­
milie betreut werden. kommt. Es braucht Spielkamera­
den und Freunde. Freunde sind
Sind Einzelkinder also die „glück­ zwar keine Geschwister, aber fürs
licheren Kinder“? Nein, so weit Leben unverzichtbar.
wollten die Forscher dann auch
nicht gehen. Ihre Erkenntnis war
vielmehr, dass die Anzahl der Ge­

6
Schüchterne Kinder
Kennen Sie solche Situationen? Sie sind mit Ihrem Kind auf ei­
nem Kindergeburtstag, alle amüsieren sich prächtig, nur Ihre
Tochter oder Ihr Sohn klammert sich an Sie, als ginge es ums
Überleben. Beim Abschied morgens im Kindergarten gibt es im­
mer noch Tränen und wenn Besuch kommt, versteckt sich Ihr
Kind hinter Ihnen und weigert sich standhaft, „Hallo“ zu sagen.
Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, dann haben Sie höchst­
wahrscheinlich ein schüchternes Kind.

Grundsätzlich ist Schüchternheit Was ist eigentlich Schüchternheit?


nichts Negatives. Es ist vielmehr Warum ist mein Kind schüchtern
eine Charaktereigenschaft. In an­ und wie kann ich ihm helfen?
deren Kulturen sind schüchterne Schüchterne Kinder sind außer­
Kinder sehr beliebt. Sie gelten als halb der Familie sehr unsicher. Es
intelligent und gut erzogen. In fällt ihnen schwer, vor anderen zu
unserer Gesellschaft wird Schüch­ sprechen. Sie vermeiden es oft­
ternheit oft als soziales Handicap mals, mit anderen Kindern zusam­
betrachtet. Und tatsächlich lei­ men zu sein. Bei Konflikten ziehen
den Kinder wie Eltern unter Situa­ sie sich schnell zurück. Schüchter­
tionen wie oben beschrieben. Sie ne Kinder sind oft sehr lärmemp­
fragen sich vielleicht: findlich und haben darum auch
wenig Freude an lauten, wilden
Spielen. Sie stehen dann lieber
abseits und beobachten das Ge­
schehen um sie herum. Sie haben
meist weniger Freundschaften,
diese sind dann aber sehr eng.

nheit
S c h ü c h t eorn v o r n e ­
v
ist nicht ein Grund
herein Sorge!
zur

7
Kinder leiden oft selbst unter ihrer Die Gehemmtheit kann sich auch
Schüchternheit. Sie würden auch körperlich zeigen: In Stresssitua­
gerne lockerer mit anderen um­ tionen können beispielsweise Er­
gehen, sie beneiden die Kinder, röten oder schwitzige Hände,
die sich mutig zeigen, das gro­ auch Stottern oder kleine Tics wie
ße Wort führen und viele Freunde zum Beispiel Blinzeln auftreten.
haben. Aber in sozialen Situatio­ Schüchterne Kinder haben oft ein
nen fühlen sie sich gestresst und geringes Selbstwertgefühl. Sät­
haben zu viel Angst, aus sich her­ ze wie: „Das schaffe ich nie“ oder
auszugehen. „Immer erwischt es mich“ können
darauf hinweisen.

Mit Zeit, Geduld, sanfter Förde­


rung und Zuwendung wird Ihr
schüchternes Kind langsam, aber
sicher seinen Weg finden, mit an­
deren Menschen umzugehen. Tie­
fe Freundschaften, die Fähigkeit,
mit anderen mit zu empfinden wie
auch eine gewisse Nachdenklich­
keit sind oftmals positive Wesens­
merkmale schüchterner Kinder. In
einer Gesellschaft, die so sehr wie
die unsere nach außen orientiert
ist, sind sie also eine echte Berei­
cherung.

h ü c h t e r n e K i n d e rs
Sc ber etwa
s t e h e n l i ed b e o b a c h t e n
a b s e i t s u nG e s c h e h e n .
das

8
Wie unterstütze ich mein schüchternes Kind?
Machen Sie Ihrem Kind keinen Um­die­Wette­Schreien. In der
Druck. Es könnte sich unver­ Familie fühlt es sich sicherer als
standen fühlen und sich völlig außerhalb und kann sich angst­
verschließen. frei ausprobieren.
Lassen Sie Ihr Kind sein eige­ Geben Sie Ihrem Kind Aufga­
nes Tempo finden. Es hat viel­ ben, die sein Selbstbewusst­
leicht eigene Methoden, seine sein stärken. Ermutigen Sie es,
Schüchternheit zu überwinden. Dinge zu tun, bei denen es sei­
ne Schüchternheit ein wenig
Schüchterne Kinder sind bei ih­
überwinden muss: Den Nach­
ren Freunden und Erziehern oft
barn die Zeitung vorbeibringen
recht beliebt. Vertrauen Sie
zum Beispiel, oder sich selbst
darauf, dass Ihr Kind seinen
am Kiosk ein Eis holen.
Weg finden wird.
Denken Sie an Ihre eigenen
Loben Sie Ihr Kind für die Din­
Erfahrungen mit dem Thema
ge, die es gut macht. Wenn es
Schüchternheit. Eltern, die frü­
an sich zweifelt, erinnern Sie es
her selbst unter ihrer Schüch­
an seine Stärken und an Situa­
ternheit gelitten haben, möch­
tionen, die es gemeistert hat.
ten ihre Kinder gern davor be­
Spielen Sie mit Ihrem Kind Rol­ wahren. Sie neigen dazu, sie zu
lenspiele wie „Einkaufen“ oder sehr anzuspornen und damit zu
„Essen gehen“: Im Schutz sei­ überfordern.
ner Rolle kann Ihr Kind frei
Sprechen Sie vor Ihrem Kind
sprechen und trainiert dabei
nicht mit anderen Menschen
normale Alltagssituationen.
über seine Schüchternheit. Das
Stellen Sie Ihrem Kind Fragen beschämt Ihr Kind und schadet
und interessieren Sie sich da­ seinem Selbstwertgefühl.
für, was es zu sagen hat! Bezie­
Wenn Ihr Kind sehr unter sei­
hen Sie es in Gespräche mit ein
ner Schüchternheit leidet oder
und motivieren Sie es, seine
wenn Sie selbst anfangen, des­
Meinung frei zu äußern.
halb ungeduldig zu reagieren,
Machen Sie mit Ihrem Kind suchen Sie sich Rat und Unter­
auch ruhig einmal wilde Spie­ stützung bei einer Erziehungs­
le wie Kissenschlachten oder beratungsstelle.

9
Die liebe Ordnung
Der Boden ist übersät mit Bausteinen, auf dem Tisch türmen
sich bemalte Blätter, schmutzige Kleidung liegt auf dem Bett,
irgendwo steht ein halbvolles Saftglas… So sieht es in vielen
Kinderzimmern aus. So etwas treibt Mütter und Väter gerne zur
Verzweiflung.

Ein Glück, dass Kinderzimmer Kinder haben auch oft eine an­
eine Tür zum Zumachen haben. dere Vorstellung von Ordnung
Trotzdem ist es für uns Erwachse­ als Erwachsene. Vielleicht legen
ne nicht immer einfach, über das sie alle roten Gegenstände in die
kindliche Chaos hinwegzusehen. eine Ecke und alle blauen in die
Für Sie als Eltern ist es vielleicht andere, vielleicht sind die Plüsch­
schwer vorstellbar, dass Ihr Kind tiere, die aus Ihrer Sicht durchei­
sich in einem völlig unaufgeräum­ nander am Boden liegen, für Ihr
ten Zimmer wohlfühlen kann. Und Kind Teil eines Tiergeheges oder
damit liegen Sie gar nicht so ver­ Zoos, den es liebevoll aufgebaut
kehrt: wenn das Chaos im Kinder­ hat. Auf der anderen Seite ist es
zimmer zu groß wird, werden die verständlich, dass Sie sich als El­
Spiele meistens in Gemeinschafts­ tern auch noch wohlfühlen möch­
räume verlagert. Da wird dann im ten. Im dunklen Flur barfuß auf ei­
Wohnzimmer gebaut, in der Kü­ nen Baustein oder eine Murmel zu
che gemalt oder im Flur mit den treten, das Sofa erst freiräumen
Autos gespielt. zu müssen, ehe man darauf Platz
nehmen kann, macht keinen Spaß
Zunächst einmal: es ist normal, und sorgt für Konflikte.
dass spielende Kinder Unordnung Was also tun gegen diese allge­
machen. Zu enge Grenzen kön­ genwärtige Unordnung? Was we­
nen Ihr Kind daran hindern, Spie­ nig bringt, ist Schimpfen und den
lideen zu entwickeln und zu ver­ Kindern hinterherzuräumen. Das
wirklichen. Ein Kind, das nicht macht das Ordnung halten für
spielt, macht zwar weniger Unord­ Kinder auch nicht attraktiver, im
nung. Spielen ist jedoch viel bes­ Gegenteil. Das Thema Ordnung
ser, als beispielsweise vor dem wird damit zu einer Art Macht­
Fernseher zu hängen. frage zwischen Eltern und Kind.
Hinter den Kindern herzuräumen
macht sie unselbstständig und
hinterlässt bei den Eltern auch

10
kein gutes Gefühl. Wenn Sie Ih­ für verantwortlich gemacht wer­
rem Kind immer die Sachen hin­ den, nach dem Motto: „Wo hast
terhertragen, kann es sein, dass du jetzt schon wieder meine Turn­
Sie bis ins Jugendalter hinein da­ schuhe hingeräumt?“

1. Zusammen macht Aufräumen Kind, wenn es hier mehr Frei­


mehr Spaß als alleine. Ein fünf­ raum hat. Allerdings sollte vor
jähriges Kind ist oft noch über­ dem Zu­Bett­Gehen ein Weg
fordert, wenn es ganz alleine zur Tür freigeräumt sein, damit
sein Zimmer aufräumen soll. Ihr Kind nachts sicher auf die
Helfen Sie Ihrem Kind, aber Toilette kommt.
lassen Sie es nicht zu, dass es
sich nach kurzer Zeit wieder in 4. Es muss eine gewisse Hygiene
ein Spiel vertieft und Sie alleine herrschen. Alte Joghurtbecher
weiter aufräumen lässt. oder schmutzige Kleidung ge­
hören nicht ins Kinderzimmer.
2. Um Ihr Kind bei der Stan­ Einmal in der Woche sollte so
ge zu halten, lassen Sie es lie­ weit aufgeräumt werden, dass
ber in Etappen aufräumen. Zu­ das Zimmer ordentlich geputzt
erst wird alles verstaut, was auf werden kann.
dem Boden liegt. Später dann
nimmt man sich den Spieltisch 5. Ihr Kind braucht zum Aufräu­
vor. Größere Bauwerke dürfen men viel Stauraum. Neben Re­
auch einmal eine Zeit lang ste­ galen und Schränken können
hen bleiben. Kisten oder Kartons dazu die­
nen, die Spielsachen zu orga­
3. Das Kinderzimmer darf gerne nisieren. Sie können Fotos der
etwas chaotischer sein als der Spielsachen auf die Kisten kle­
Rest der Wohnung. Es ist ein ben, damit Ihr Kind für alles
Stück Eigenständigkeit für Ihr den richtigen Platz findet.

11
8. Wenn sich Kinder ein Zimmer
teilen, müssen sie aufeinan­
der Rücksicht nehmen. Tei­
len Sie die Arbeiten ein. Je­
des Kind räumt auf, was es lie­
Sie
Sortieren ieder gen gelassen hat. Oder das
i m m e r wS p i e l ­ eine Kind räumt Kleider auf,
einmal aus! das andere Spielsachen.
sachen
9. Wohnzimmer, Küche und Flur
sollten so aufgeräumt sein,
dass alle Familienmitglieder
sich dort wohlfühlen.

10. Wenn Ihr Kind jedoch kein ei­


genes Zimmer hat, sollte es
zumindest in einem Wohn­
raum eine Spielecke haben,
6. Weniger ist mehr: Sortieren in der es auch mal unordent­
Sie mit Ihrem Kind alte und lich sein darf.
kaputte Spielsachen aus. Ein
Kind muss nicht in Spielzeug Fast alle Eltern finden, dass ihre
ertrinken. Viele Dinge können Kinder zu unordentlich sind. Vie­
vorübergehend im Keller un­ le Eltern haben sogar Angst, dass
tergebracht werden. ihr Kind es nicht lernt, Ordnung zu
halten und dadurch als Erwachse­
7. Lassen Sie Ihr Kind die Fol­ ner Probleme bekommt. Dennoch
gen seiner Unordnung selbst sind fast alle jungen Erwachsenen
ertragen: Wenn es etwas ver­ in der Lage, ihr Leben zu meistern
legt hat oder etwas im Kinder­ und so weit wie nötig Ordnung
zimmerchaos untergegangen zu halten. Irgendwie lernen es am
ist, dann lassen Sie Ihr Kind Ende dann doch die meisten.
ruhig eine Weile alleine su­
chen. Und wenn es sich in sei­
nem unaufgeräumten Zimmer
nicht mehr wohl fühlt, gewäh­
ren Sie nicht gleich Asyl im
Wohnzimmer.

12
Der Zahnwechsel
Im Laufe des sechsten Lebensjahres beginnen bei den meisten
Kindern die Schneidezähne zu wackeln: Der Zahnwechsel steht
an. Dies ist ein einschneidendes Ereignis im Leben eines Kindes,
denn jetzt kann jeder sehen, dass es schon bald groß ist!

Die erste Lücke zeigt sich meist schulzeit motorisch in der Lage
vorne am Unterkiefer. Nach und sind, sich die Zähne selbstständig
nach werden dann alle vorderen ganz korrekt zu reinigen. Bitte
Milchzähne durch die größeren kontrollieren Sie ab und zu nach!
bleibenden Zähne ersetzt. Hinter Wichtig ist die richtige Technik:
den Milchbackenzähnen bricht ein So sollten die Kauflächen Zahn für
ganz neuer Zahn („Sechsjahres­ Zahn nach vorwärts und rückwärts
molar“) durch. Er ersetzt keinen geschrubbt, dann die Außenflä­
Milchzahn, sondern wächst zusätz­ chen mit kreisförmigen Bewegun­
lich, denn der Kiefer Ihres Kindes gen gereinigt und schließlich die
es
M a n k a n ng e n u g ist nun so weit gewachsen, dass Innenflächen – in Richtung vom
n i c h t o f th o l e n : für neue Zähne genug Platz ist. Zahnfleisch zum Zahn – mit senk­
wieder zen ist rechten Bewegungen „ausgebürs­

Z ä h n e p uwti c h t i g !
Der Zahnwechsel tut Kindern in tet“ werden. Der ganze Vorgang
der Regel nicht besonders weh. sollte drei Minuten dauern. Stel­
SEHR Wichtig ist, dass sie die neu­ len Sie eine Sand­ oder Eieruhr ins
en, bleibenden Zähne gut put­ Badezimmer, das wird Ihrem Kind
zen und pflegen. Kinderzahn­ das Einhalten der drei Minuten er­
pasta reicht dazu nicht mehr aus. leichtern. Danach sollten Sie auf
Den meisten Kindern sind die Er­ jeden Fall kontrollieren und even­
wachsenenzahnpasten jedoch zu tuell nachputzen.
scharf. Seit einiger Zeit gibt es Ju­
nior­Zahnpasten, die einen deut­ Der nächste Zahnwechsel steht
lich höheren Fluorid­Anteil haben mit neun Jahren an, dann wer­
als Kinderzahnpasten, aber mild den die seitlichen Schneidezähne
und kindgerecht schmecken. ausfallen und durch bleibende er­
setzt werden. Zwischen dem 12.
Ihr Kind kann sich natürlich schon und dem 13. Lebensjahr kom­
länger die Zähne alleine putzen. men die Eckzähne und die ers­
Aber Zahnärzte machen immer ten Backenzähne. Weisheitszähne
wieder darauf aufmerksam, dass wachsen meist im Alter zwischen
Kinder erst im Laufe der Grund­ 16 und 20 Jahren.

13
Für Kinder ist besonders der ers­ Manchen Kindern erleichtert die
te Zahnwechsel mit etwa sechs sogenannte Zahnfee den neu­
Jahren ein wichtiger Entwick­ en Entwicklungsschritt. Da der
lungsschritt. Es ist die Zeit, in der Zahnwechsel auch den beginnen­
das kleine Kind zum großen, zum den Abschied von der Kleinkind­
Schulkind wird. Die ersten wa­ zeit bedeutet und mit der Schu­
ckelnden Zähne können zwar auch le mehr und mehr Pflichten auf Ihr
verunsichern und nerven, aber Kind zukommen, ist die Zahnfee
meistens sind Kinder sehr stolz ein willkommenes Zauberwesen
auf ihr neues Gebiss und können aus einer anderen Welt: Sie er­
über die Lücken lachen. Die gro­ leichtert Ihrem Kind den Über­
ßen Zähne sehen in den kleinen gang, indem sie noch einmal an
Kindergesichtern oft ein wenig ei­ die magische Phase anknüpft, die
gentümlich aus. Die Zähne haben Ihr Kind durchlebt hat und deren
schon ihre bleibende Größe, der Ende sich jetzt ankündigt.
Kopf des Kindes muss noch wach­
sen. Es dauert also noch ein paar Wenn also Ihrem Kind ein Zahn
Jahre, bis sich Kopf­ und Kiefer­ ausgefallen ist, dann kann es ihn
größe und die neuen Zähne zu ei­ abends auf das Fensterbrett oder
nem harmonischen Ganzen ver­ einen anderen festen Platz legen.
bunden haben. Die Zahnfee kommt in der Nacht,
nimmt den Zahn an sich und hin­

wechsel
terlässt dafür einen Brief oder ein
D e r Z a henr t d e n kleines (!) Geschenk.
marki von der
A b s c h i e dn d p h a s e .
Kleinki

14
Vorsorgeuntersuchung U9
Zwischen fünf und fünfeinhalb Jahren findet wieder eine Vor­
sorgeuntersuchung, die U9, statt. Wie immer untersucht der
Kinderarzt die körperliche Entwicklung Ihres Kindes und kont­
rolliert, ob es sich weiterhin gut und gesund entwickelt.

Bei der U9 werden erneut das Ge­ Ein besonderes Augenmerk gilt
wicht, die Körpergröße und der der geistigen und seelischen
Kopfumfang Ihres Kindes gemes­ Reife Ihres Kindes. Darüber wird
sen. Die Ärztin kontrolliert Blut­ sich die Ärztin ein Bild machen, in­
druck, Urin und Zähne Ihres Kin­ dem sie Ihr Kind beobachtet und
des, ebenso wie Gehör und Seh­ mit ihm spricht. Aber auch an Sie
vermögen. hat sie möglicherweise Fragen:
Etwa ob sich Ihr Kind alleine aus­
Außerdem wird Ihr Kind auf sei­ und anziehen kann, ob es eher ru­
ne Geschicklichkeit hin getes­ hig oder eher wild ist, wie es sich
tet: Bestimmte Bewegungsabläu­ im Kindergarten zurechtfindet und
fe wie das Hüpfen auf einem Bein ob es schon trocken ist.
zeigen, wie weit Ihr Kind in sei­
ner Körperbeherrschung fortge­ Beobachten Sie im Vorfeld ruhig
schritten ist. einmal Ihr Kind und machen Sie
sich Notizen, wenn Sie etwas un­
Der Arzt wird auch wissen wollen, sicher macht oder Sie Fragen ha­
wie gut Ihr Kind sprechen kann: ben. Die U9 ist nämlich die letz­
Dazu stellt er ihm Fragen oder te Vorsorgeuntersuchung vor der
zeigt Ihrem Kind Bilder, die es be­ Einschulung.
nennen soll.
Nehmen Sie auch dieses Mal wie­
der das Impfbuch mit und lassen

I C H T V E R G E S S E Nd:e r Sie überprüfen, ob noch Impfun­


N U9 V O R
gen ausstehen.
Bitte die gsuntersuchung
n
E i n s c h u l ua c h e n l a s s e n !
m

15
BAYERISCHES LANDESJUGENDAMT

Weitere Informationen:
Die Elternbriefe können Sie auch online lesen, herunter­
21
laden oder als Newsletter abonnieren: beim Online­
Ratgeber „Eltern im Netz“ des Bayerischen Landes­
jugendamtes. Dort finden Sie auch weitere ausführliche
Informationen zu vielen der hier genannten Themen:
www.elternimnetz.de

Erziehungsberatungsstellen
Beratungsstellen finden Sie in fast jeder Stadt. Qualifi­ Herausgegeben vom
zierte Fachkräfte beraten Sie dort kostenlos. Eine regio­ Zentrum Bayern
nale Übersicht finden Sie unter: Familie und Soziales –
www.erziehungsberatung.bayern.de Bayerisches
Landesjugendamt
(BLJA)
Im nächsten Elternbrief:
V.i.S.d.P.:
– Ihr Kind verändert sich
Hans Reinfelder
– Kinder brauchen Ehrlichkeit
– Lernen im Kindergarten: Medienerziehung Marsstraße 46
– Rund um die Schule: Einschulungsuntersuchung, 80335 München
Schuleinschreibung, der erste Elternabend, Postanschrift:
Postfach 400260
zu Besuch in der Schule
80702 München
– Was braucht mein Kind für die Schule?
Erstausstattung und finanzielle Hilfen www.blja.bayern.de
– In welche Schule kommt mein Kind?
– Ich schlaf heut‘ woanders! Überreicht durch
Ihr Jugendamt
– Die Großfamilie
– Sprachstörungen
– Infos & Anlaufstellen

Die Elternbriefe werden gefördert durch:

Gesamtgestaltung: Birgit Baude, München – Druck: MKL Druck


Fotos: © Fotolia.com /Anatoliy Samara, imageegami, lagom, Wanja Jacob
Bayerisches Landesjugendamt, Stand: April 2015, ISBN 3-935960-23-9