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Anleitung zur Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten (Dissertationen)

A Allgemeines

Die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Arbeit müssen klar und verständlich


dargelegt werden. Dabei bedient man sich einer Sprache, die sich durch sachliche
Prägnanz mehr als durch übertrieben wortreiche Prosa auszeichnet. Als Sprache für
die Abfassung der Dissertation wird in der Regel Deutsch in der Fassung des Rats
für Deutsche Rechtschreibung vom Februar 2006, auf Antrag hin auch Englisch in
der aktuellen Fassung des Concise Oxford English Regelwerks (Oxford University
Press, 2006) verwendet. Die Sätze müssen überschaubar und möglichst nicht länger
als drei Schreibmaschinenzeilen sein. Bei richtiger Interpunktion wird ein guter
Satzstil dadurch gekennzeichnet, dass in einem Absatz nicht mehr Kommas als
Punkte vorkommen.

Prinzipiell ist die Arbeit im Text unformatiert (Ausnahme Überschrift-Tabulator)


vorzulegen. Formatiert wird erst nach der letzten Korrektur! Der Grund hierfür ist,
dass bestimmte Formate eine Korrektur komplizieren bzw. sogar unmöglich machen.

Das Tempus richtet sich prinzipiell nach dem Zeitpunkt, zu dem die Arbeit
geschrieben wurde bzw. zu dem sie gelesen wird. Alles, was vor der redaktionellen
Bearbeitung liegt, wird im Imperfekt oder Perfekt geschrieben. Präsens wird allenfalls
bei Beschreibungen angewandt, die sich nicht eindeutig einem bestimmten Zeitpunkt
zuordnen lassen (z. B. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit......).

Die Form des Konjunktivs ist zu vermeiden. Sie kann allenfalls in der Diskussion bei
dubiosen Erklärungsversuchen angewandt werden.

Die Wortwahl sollte die allgemeine Nomenklatur berücksichtigen. Neue


Wortschöpfungen müssen, wenn sie nicht schon aus Duden, Index Medicus etc.
bekannt sind eingehend erklärt werden. Beim Gebrauch lateinischer Fachausdrücke
ist auf entsprechende Rechtschreibung und Grammatik zu achten. Abkürzungen sind
ebenfalls zu vermeiden, es sei denn ein Fachbegriff mit mehr als 15 Buchstaben
Länge taucht wiederholt auf. In diesem Falle ist der Begriff mit maximal drei
Großbuchstaben (ohne Punkt) abzukürzen.

Der Umfang einer Dissertation sollte im Normalfall 50 Schreibmaschinenseiten Text


(inkl. Abbildungen und Legenden) nicht überschreiten. Ausnahmen hiervon könnten
bei der Aufarbeitung von mehr als 100 Literaturstellen oder beim Einfügen langer
Abbildungsserien bestehen. Allgemein gilt, dass der Wert einer Arbeit mit der Länge
der Darstellung sinkt. Dennoch muss für den Leser ein klarer „roter Faden“ zu
erkennen sein. Allein der Text (ohne Abbildungen und Tabellen) muss die
Sachverhalte so beschreiben, dass diese klar rückvollziehbar verstanden werden
können. Ebenso muss ein Leser, der nur Abbildungen sowie deren Legenden und
Tabellen durchmustert, sich auszugsweise ein klares Bild von Aufgabenstellung,
Versuchsbeschreibung und Ergebnissen der Arbeit machen können. Dieser „grüne
Faden“ muss in jedem Bereich der Arbeit gegen den „roten Textfaden“ ausgetauscht
werden können.

Abbildungen mit Legenden bzw. Texttabellen sind da einzufügen, wo sich der


Hinweis im Text befindet und wo es das Seitenlayout erlaubt. Dabei ist daran zu
denken, dass die Arbeit zwar einseitig geschrieben, jedoch zweiseitig gedruckt wird.
Die Abbildungen erscheinen gewöhnlich alle im Text. Tabellen hingegen können
sowohl im Text aus auch im Anhang eingefügt werden. Die Entscheidung hierüber
richtet sich danach, ob eine Ergebnistabelle unbedingt für das Verständnis des
Textes erforderlich ist. In einem solchen Fall sollte eine Tabelle Abbildungsgröße
nicht überschreiten. In jedem Fall jedoch werden Tabellen fortlaufend
durchnummeriert und diejenigen die im Anhang erscheinen, entsprechen
gekennzeichnet (z.B. Tab. 5, Anhang). Damit werden Verwechslungen bzw.
Doppelverweise vermieden.

Literaturverweise werden unmittelbar nach Auftreten des Autorennamens mit der


entsprechenden Stellennummer in eckigen Klammern angegeben. Autorennamen
sind prinzipiell in Großbuchstaben aufzuführen, Koautoren mit der Abkürzung et al.
zu erwähnen (z.B. WEBER et al. [47]). Bei der Beschreibung der Stelle im
Literaturverzeichnis sind alle Autoren mit vollem Namen, jedoch abgekürzten
Vornamen aufzuführen. Literaturverweise ohne Autorennamen sind weit möglichst zu
vermeiden. Sollten sie dennoch erforderlich sein, so ist der Verweis an das Ende des
jeweiligen Satzes zu stellen.

Die gesamte Arbeit ist klar zu gliedern. Hauptpunkte sind (1) Einleitung, (2)
Literaturübersicht, (3) eigene Untersuchungen, (4) Diskussion, (5)
Zusammenfassung, (6) Ausblicke, (7) Anhang, (8) Schrifttum. Das Einfügen von
Untergliederungspunkten ist durch eine dementsprechende Nummerierung zu
kennzeichnen (z.B. 3.1 Voruntersuchungen). Eine Gliederung dritten Grades ist
durchaus zulässig, eine vierten Grades nur in Ausnahmefällen (ggf. bei
Gliederungspunkt 3) anzuwenden. Weitere Untergliederungen sind unzulässig. Die
Gliederungspunkte müssen am Beginn der Arbeit zusammengestellt werden und
sollten eine Schreibmaschinenseite möglichst nicht überschreiten.

B Inhalte

Die unterschiedlichen Gliederungspunkte weisen folgende Inhalte auf:

1 Einleitung

Die Einleitung dient der Hinführung zum Thema. Es wird Aufmerksamkeit für die
Problematik, die in der Arbeit behandelt werden soll, geweckt. Es muss ein goldener
Mittelweg gefunden werden zwischen bei „Adam und Eva beginnen“ und „mit der Tür
ins Haus fallen“. In der Einleitung kann der Verfasser seine Fähigkeit zum Ausdruck
bringen, beim Leser Interesse für die später behandelte Fragestellung zu wecken.
Literaturhinweise sollten, wenn überhaupt notwendig, nur allgemein und dabei
maßvoll eingebracht werden. Der Umfang der Einleitung soll eine Seite nicht
überschreiten.

2 Literaturübersicht

In diesem Teil der Arbeit wird die relevante Literatur vorgestellt. Dies erfolgt, nach
Themenbereichen gegliedert, und in terminologischer Reihenfolge. Dabei wird
gewöhnlich der Name des Verfassers, das Jahr, der Literaturhinweis, die behandelte
Fragestellung, die Untersuchungsmethode und das Ergebnis vorgestellt. Eine
Wertung des Ergebnisses unterbleibt in diesem Teil der Arbeit, bleibt damit der
Diskussion vorbehalten. Der Umfang der Beschreibung einer Literaturstelle beträgt
gewöhnlich zwei bis drei Sätze. Ergebnistabellen bzw. Abbildungen aus anderen
Arbeiten werden nicht eingebracht.

Am Ende der Literaturübersicht steht eine kurze Zusammenfassung, aus der


hervorgeht, welche Fragen in der vorliegenden Literatur nicht oder unzureichend
behandelt wurden. Das Ziel der eigenen Arbeit wird allgemein definiert.

3 Eigene Untersuchungen

Dieser Teil der Arbeit wird sinngemäß untergegliedert in die Punkte „ Zweck der
Untersuchungen (auch differenzierende Fragestellung)“, „Material und Methoden
(auch Durchführung der Untersuchungen)“ sowie in den Ergebnisteil. Weiterhin
sollte, soweit es sich um unterschiedliche Untersuchungskomplexe handelt, nach
diesen Komplexen gegliedert werden. Hierbei kann es zu einer Unterteilung in Vor-
und Hauptuntersuchungen, bzw. Versuchskomplex A und B oder zu irgendeiner
anderen plausiblen Gliederung kommen. Weiterhin müssen innerhalb eines
Untersuchungskomplexes verschiedene Versuchsreihen beschrieben werden.

3.1 Fragestellung (en)

Die Fragestellungen sollen das Ziel der Arbeit spezifizieren. Es muss klar dargelegt
werden, welche Fragen im Einzelnen beantwortet werden sollen.

Prinzipiell ist davon auszugehen, dass es für jede der eingangs erwähnten
Fragestellungen einen eigenen Gliederungspunkt bezüglich der
Versuchsbeschreibung sowie der damit gefundenen Ergebnisse gibt.

3.2 Material und Methode(n)


Die Beschreibung der Untersuchungen stützt sich auf eine exakte Darstellung des
Untersuchungsgutes und der zur Versuchsdurchführung verwendeten Methoden und
Geräte. Erläuternde Abbildungen mit Darstellung der Untersuchungsmethoden bzw. -
geräte, Schemazeichnungen und übersichtliche Tabellen sind einzufügen. Die
Versuchsbeschreibung muss strukturiert sein wie ein Kochrezept, mit dessen Hilfe
jeder Interessierte die Untersuchungen nachvollziehen bzw. wiederholen kann.

Persönliche Merkmale von Untersuchungspersonen werden anonymisiert dargestellt.


Bezeichnungen und Namen von verwendeten Geräten bzw. Medikamenten und
Hilfsstoffen müssen exakt deklariert werden. Dieser Hinweis inklusive Bezugsquelle
soll demjenigen, der die Untersuchung nachvollziehen will, die Möglichkeit geben,
das verwendete Material im Original zu beziehen. Ein derartiger Hinweis könnte
lauten: Korrekturabformmaterial (Silasoft®, Detax, Karlsruhe). Bei ausländischen
Produkten ist zusätzlich noch das Herkunftsland zu benennen. Bei Geräten oder
Serienprodukten ist die Seriennummer bzw. Chargenbezeichnung dem Produkt
hinzuzufügen.

Als weiterer Gliederungspunkt der Versuchsbeschreibung wird in zahlreichen


Arbeiten eine Beschreibung der Auswertungsmethoden erforderlich. Hier sollte
beschrieben werden, auf welchen Medien Ergebnisse gespeichert und mittels
welcher Geräte und Programme die Daten weiterverarbeitet wurden. Unerlässlich ist
auf jeden Fall die Angabe, welche statistischen Methoden und Tests für
Signifikanzprüfungen der Ergebnisse herangezogen wurden.

3.3 Ergebnisse

Im Ergebnissteil werden die Ergebnisse exakt in der Reihenfolge beschrieben,


welche die eingangs vorgegebenen Fragestellungen indizieren. Dabei werden die
Ergebnisse exakt beschrieben, Wertungen und Schlussfolgerungen bleiben jedoch
der nachfolgenden Diskussion überlassen.

Pro Ergebnis sollte eine erläuternde Abbildung (Grafik, bildliche Darstellung von
Befunden etc.) oder eine Liste von Messwerten (Tabelle) dem Text beigefügt
werden. Eine erweiterte Auflistung von Ergebnissen, wie beispielsweise die für eine
Grafik verwendeten Daten, wird im Tabellenanhang wiedergegeben.

Eine Beschreibung von herausgefundenen Sachverhalten, die nicht eindeutig den


aufgestellten Fragestellungen zuzuordnen sind, erfolgt ggf. in einem separaten
Gliederungspunkt, der dem eigentlichen Ergebnisteil beigefügt wird.

4 Diskussion

Die Diskussion dient der kritischen Aufarbeitung der gefundenen Ergebnisse unter
Einbeziehung der bereits vorliegenden Literatur und der Gesetzte der Plausibilität.
Zunächst wird diskutiert, ob das verwendete Untersuchungsgut und die angewandten
Methoden einer kritischen Prüfung standhalten. Unterschiede zu Ergebnissen
anderer Arbeiten werden diskutiert, d. h. mögliche Ursachen für unterschiedliche
Ergebnisse beschrieben und in Relation zu den Messergebnissen gesetzt.

Aus der Diskussion muss auch hervorgehen, welche weiteren Fragestellungen die
eigene Arbeit aufwirft, die zukünftig noch untersucht werden müssten, die jedoch den
Rahmen der vorliegenden Arbeit gesprengt hätten. Der Umfang der Diskussion
entspricht etwa dem der Literaturübersicht.

5 Zusammenfassung

In der Zusammenfassung der Arbeit werden in bündiger Form Daten aus der
Versuchsbeschreibung und dem Ergebnisteil zusammengestellt, die der zuvor
durchgeführten Diskussion standhielten. Widersprüchlich erscheinende Ergebnisse
sollten aus der Zusammenfassung ausgeklammert werden. Die Zusammenfassung,
die auch als Abstract der vorliegenden Arbeit aufzufassen ist, ist derjenige Teil der
Arbeit, der vom kritischen Leser zuerst gelesen wird. Bei wissenschaftlichen
Arbeiten, die in einem Journal erscheinen, ist diese Zusammenfassung der Arbeit
stets vorangestellt. Wenn der Leser Details der Versuchsdurchführung und einzelner
Ergebnisse erfahren möchte, so wird er sich mit einzelnen Gliederungspunkten
beschäftigen. Dies sollte bei der Abfassung der Zusammenfassung stets
berücksichtigt werden.

Ein gute Zusammenfassung beginnt meistens mit der Wendung „Ziel der
Untersuchungen war, ..... „ und endet mit einer praxisorientierten Schlussfolgerung.

6 Ausblicke

In diesem Teil der Arbeit, der nicht obligatorisch ist, kann darauf hingewiesen
werden, welche Fragestellungen die durchgeführte Untersuchung zusätzlich aufwarf.
Diese müssen dann in weiterführenden Untersuchungen behandelt werden. Der Wert
einer Dissertation ist zum einen davon abhängig, ob die aufgestellten Fragen
hinreichend beantwortet werden konnten. Zum zweiten ist eine Arbeit höher
einzuschätzen, bei der sich im Verlauf der Untersuchungen weitere Fragestellungen
ergaben, deren Behandlung jedoch weiterführenden Untersuchungen vorbehalten
sein sollte. In diesem Fall wird der „Mosaikstein-Charakter“ einer guten
wissenschaftlichen Arbeit unterstrichen, wodurch step by step weitere stichhaltige
Ergebnisse einem großen Forschungskomplex hinzugefügt werden.

7 Anhang (Tabellen)

Im Anhang erscheinen diejenigen Tabellen, die im Text wegen ihres Umfanges nicht
eingefügt werden konnten. Meist handelt es sich dabei um Ergebnistabellen, deren
Inhalt im Text besser durch Grafiken dargestellt wurde. Ebenso können im Anhang
Auszüge aus Computerprogrammen, Patentschriften und dgl., sofern dies
urheberrechtlich relevant ist, aufgeführt werden.

In jedem Fall wird die aufgeführte Tabelle durch eine Überschrift gekennzeichnet (im
Gegensatz dazu stehen Abbildungslegenden stets unter der jeweiligen Abbildung).
Der Titel der Legende soll diese exakt definieren, ggf. ist auch ein Textverweis
hinzuzufügen. Die Nummerierung der im Anhang wiedergegebenen Tabellen kann
Lücken enthalten, die dadurch entstehen, dass im Text der Arbeit bereits Tabellen
zum besseren Verständnis eingefügt werden mussten (siehe dort).
8 Schrifttum

Im Schrifttum sind alle Literaturstellen aufzuführen, die für die Abfassung der
vorliegenden Arbeit herangezogen werden mussten. Diese Arbeiten wurden bereits
im Text jeweils mit dem Namen des Verfassers und einer fortlaufenden Nummer
zitiert. Die im Text in eckigen Klammern angegebene Nummer der Literaturstelle
ergibt sich durch alphanumerische Zuordnung der Erstautoren aller aufgeführten
Zitate.

Zitiert werden prinzipiell nur Original-Arbeiten bzw. zitierfähige Abstracts, die in


international referierten Journals, Büchern oder Übersichtsbänden (Tagungsheften,
Proceedings etc.) erschienen. Zitate mit Rückgriff auf Dissertationen, Habilitationen
oder persönliche Mitteilungen dürfen nur in besonders begründeten Ausnahmefällen
verwendet werden.

Die Form, wie eine Literaturstelle zitiert wird, geht aus der jeweils letzten Ausgabe
des Indes Medicus hervor. Im Heft 1 der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift sind
unter „Richtlinien für Autoren“ Beispiele für die Zitierweise aufgeführt. Es kann nach
diesen Beispielen vorgegangen werden. Allerdings muss bei den Literaturstellen
stets die erste und letzte Seitenziffer (z.B. Dtsch Zahnärztl Z 42, 482-489) genannt
werden. Entsprechendes gilt für Zitate aus Büchern. Hier müssen genau die Seiten
angegeben werden, auf denen der zitierte Sachverhalt erscheint.

C Schlussbemerkung

Neben diesen inhaltlichen Richtlinien sind auch die Richtlinien zu befolgen, welche
durch die jeweilige Promotions- oder Habilitationsordnung einer Fakultät vorgegeben
werden.