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Geophysikalische Methoden

Abteilung Geologie
Universität Bayreuth
Prof. Dr. Klaus Bitzer

Seismik

- Grundlagen
- Refraktionsseismik
- Reflexionsseismik
- Anwendungsbeispiele
Anwendungsbereiche

• Tiefe Seismik wird für Erdöl- und Erdgasexploration und zur Untersuchung
der Struktur des Erdkörpers durchgeführt

• oberflächennahe Seismik dient der Erkundung der geologischen Struktur des


oberflächennahen Untergrunds für hydrogeologische Erkundung,
Altlastenerkundung und Rohstoffexploration

• Refraktionsseismik: ein Auswertungverfahren, bei dem die Ersteinsätze der p-


Wellen zur Klärung der Untergrundstruktur verwendet werden, oft als
Hammerschlagseimik mit Tiefen bis 50 m durchgeführt

• Reflexionsseismik: ursprünglich nur für tiefere Schichten verwendet


(Erdölprospektion), durch verbesserte technische Verfahren in letzter Zeit
auch für oberflächennahe Fragestellungen verwendbar; deutlich höherer
Mess- und Auswertungsaufwand als Refraktionsseismik; teuerstes Verfahren
Anwendungsbereiche
Anwendungsbereiche
Erzeugung seismischer Wellen
• Seismische Verfahren nutzen die Ausbreitung von Schallwellen sowohl in
Festgesteinen der oberen Kruste als auch in tiefen Bereichen der Erde

• seismische Wellen (Schallwellen) können durch natürliche plötzliche


tektonische Bewegungen oder vulkanische Eruptionen hervorgerufen werden

• im glazialen Bereich kommt es zu seismischen Wellen durch rupturelle


Deformation in Gletschern

• seismische Wellen können künstlich erzeugt werden durch Hammerschläge


(Hammerschlagseismik), Fallgewichte (mindestens 4 m Fallhöhe), Vibratoren
und Explosionen mit Sprengstoff

• Aufzeichnung der seismischen Erschütterung erfolgt durch Einzel-Geophone


oder Geophonketten
Impulserzeugung

• Aufzeichnungsvorgang muss
mit Beginn der seismischen
Welle starten („Schuss“)

• unterschiedliche Methoden,
bei Hammerschlagseismik
meist am Hammer befestigter
Trigger

• „noise“-Messung vor Beginn


der Aufzeichnung

• Störquellen identifizieren und


abschalten
Impulserzeugung

• Fallgewichte aus mindestens 4 m fallen


lassen: bereits das Loslassen des
gewichts bewirkt einen seismischen
Impuls noch vor dem Aufschlag des
Gewichts auf dem Boden. Dieser Impuls
muss erst abklingen, bevor die
Aufzeichnung mit dem Aufschlag des
Gewichts beginnen kann
Impulserzeugung
Impulserzeugung

• Problem der Unterscheidung von Signal und Rauschen (noise): signal-noise-


ratio (SNR)

• Wind (insbesondere wenn hohe Bäume vorhanden sind) und Wasserwellen


sind Störquellen

• Verkehrslärm und industrielle Aktivität können seismische Messungen


verhindern

• auch im Wasser können seismische Signale erzeugt werden („sparker“,


„boomer“, „pinger“)

• Erzeugung eines seismischen Impulses mit definiertem Frequenzspektrum


(Vibrator) verbessert die Interpretationsmöglichkeiten
Impulsmessung

• von der Ausrichtung der


Geophone hängt ab, ob
überwiegend direkte Welle,
s- oder p-Welle oder
Oberflächenwelle
gemessen wird

• unterschiedliche Bauart
der Geophone für jeweilige
Anwendung

• Eigenfrequenz und
Dämpfungsfaktor wichtige
technische Merkmale der
Geophone
Impulsmessung

• Geophone so in den Boden


setzen, das optimale
Ankopplung gewährleistet ist

• Geophone sind
Präzisionsgeräte: sorgfältig
behandeln!
Impulsmessung

• Aufnahme der Impulse über Geophonketten, die an Mehrkanalgeräten


aufgezeichnet werden

• leistungsfähige Analog-Digital-Wandler zur Datenaufnahme erforderlich

• Multiplexer tastet alle Kanäle ab und speichert digital die Daten

• automatische Verstärkung der gemessenen Impulse (AGC, automatic gain


control)

• sampling Frequenz muss mindestens doppelt so hoch sein wie die


Frequenz, die gemessen werden soll (Nyquist Frequenz), wenn Abtastrate zu
niedrig gehen die hochfrequenten Signale verloren
Impulsmessung

• Beispiel: seismische Welle mit Frequenz 100 Hz. Welche sampling Frequenz
ist erforderlich, um diese Frequenz noch zu erkennen? Bei 200 Messungen
pro Sekunde (200 Hz) würde die Form der Welle noch (knapp) erkannt

• bei 50 Messungen pro Sekunde würde eine scheinbare niedrigerfrequente


Welle gemessen („aliasing“)
Geschwindigkeit seismischer Wellen

• Geschwindigkeit der seismischen Wellen ist von der Art der seismischen
Welle (p, s und Oberflächenwellen) und von der Dichte des Gesteins abhängig

• die schnellsten Wellen sind p-Wellen (primary waves, Kompressionswellen),


bei denen das Gestein eine Hin- und Herbewegung in Richtung der
Ausbreitung der Welle durchführt

• s-Wellen (secondary waves, Scherwellen) bewirken eine Hin- und


Herbewegung des Gesteins senkrecht zur Ausbreitung der Wellen durch und
sind langsamer als p-Wellen

• Raleigh-, Love- und Stoneley-Wellen sind Oberflächenwellen bei denen das


Gestein eine kreisförmige oder elliptische Bewegung durchführt und die als
langsamste Welle das Gestein durchqueren („ground roll“)
p- und s-Wellen
Oberflächenwellen

Raleigh wave

Love wave
seismische Geschwindigkeiten (p-Wellen)
km/sec
seismische Geschwindigkeiten (p-Wellen)
Physikalische Grundlagen

• Festkörper verformen sich elastisch bei Anwendung eines Drucks bzw einer
Spannung, bei Rücknahme des Drucks der kehren elastische Körper in den
Ausgangszustand zurück

• Youngs modulus E beschreibt das Verhältnis aus Druck und Deformation:


E= longitudinale Spannung (F/A)/longitudinale Deformation (∆l/l)

• das Verhältnis aus lateraler und longitudinaler Deformation wird als


Poisson ratio () bezeichnet

• herrschen in einem Festkörper in jeder Richtung identische Drücke (P)


(hydrostatischer Druck), so kann die Volumendeformation ∆V/V über das Bulk
modul K beschrieben werden: K = P/ (∆V/V)
Deformation von Festkörpern

• bei unterschiedlichen
hohen gerichteten
Drücken (Spannungen)
entstehen
Scherspannungen:
Verhältnis aus
Scherspannung  und
Scherwinkel  ergibt das
Schermodul µ
µ = / tan 

• wenn keine laterale


Deformation auftritt,
dann entspricht das
Young modul dem Axial
modul 
Deformation von flüssigen Körpern

• in flüssigen Körpern führt ein gerichteter Druck zu einer Deformation, die


jedoch nicht rückgängig gemacht wird, wenn der Druck zurückgenommen
wird

• in Flüssigkeiten existieren ausschliesslich allseitige (ungerichtete) Drücke, d.h.


Scherspannungen, die aus unterschiedlich hohen gerichteten Drücken
resultieren, sind in Flüssigkeiten nicht möglich

• s-Wellen (Scherwellen) können flüssige Körper daher nicht durchqueren

• der äussere (flüssige) Erdkern wird daher ausschliesslich von p-Wellen


durchquert; bei grossen Erdbeben werden auf der gegenüberliegenden
Erdseite daher nur p-Wellen-Einsätze gemessen, die s-Wellen fehlen
(Kernschatten)
Ausbreitung von p- und s-Wellen

• die Ausbreitung seismischer Impulse ist von Parametern der Gesteins-


mechanik abhängig, welche die Deformation beschreiben, und der Dichte 

• die Geschwindigkeit von p-Wellen ist √ (/)

• die Geschwindigkeit von s-Wellen ist √ (µ/)

• das Verhältnis aus Axial modul  und Schermodul µ (bzw. das Poisson ratio )
steuert das Verhältnis der Geschwindigkeiten von p- und s-Wellen

• da das Poisson ratio für Festgesteine etwa 0,25 beträgt. ergibt sich, dass p-
Wellen etwa 1,7 mal schneller als s-Wellen sind

• Geschwindigkeit der s- und p-Wellen ist frequenzunabhängig (nicht-dispersiv)


Ausbreitung von Oberflächenwellen

• Oberflächenwellen breiten sich langsamer als s-Wellen aus

• Amplitude nimmt exponentiell mit Abstand zur Oberfläche ab

• Frequenzen verändern sich als Folge von Geschwindigkeitsänderungen in der


Kruste (dispersives Verhalten)

• Love-Wellen sind etwas schneller als Rayleigh-Wellen und können genutzt


werden, um die Struktur der Lithosphäre und der Astenosphäre zu
untersuchen

• im oberflächennahen Bereich werden mit speziellen Verfahren (MASW) die


Ausbreitung von Oberflächenwellen Dichteänderungen bestimmt (noch im
Versuchsstadium)
Ausbreitung seismischer Wellen

• Wellenfronten breiten sich kugelförmig vom Ort des seismischen Impules aus

• zum Verständnis der Ausbreitung seismischer Wellen ist es nützlich, einen


Strahl bzw. die Wellenlinie zu betrachten, die senkrecht zur Wellenfront
verläuft (der Strahl hat keine physikalische Bedeutung)

• die Ausbreitungsgeschwindigkeit ist nicht die Bewegungsgeschwindigkeit der


Partikel (Beispiel Dominospuren)
Ausbreitung seismischer Wellen

• Problem der Überlagerung


unterschiedlicher Wellen und
deren unterschiedlicher
Geschwindigkeiten
Geschwindigkeitsbestimmung

• Bedeutung der Wellengeschwindigkeit für Tiefenbestimmung und Aussagen


über gesteinsphysikalische Parameter

• Bestimmung im Labor, Bohrloch oder aus refraktions- und


reflexionsseismischen Messungen

• im Labor gemessene Werte nur bei Umgebungsdruck von 1 kbar


aussagekräftig: p-Wellen Geschwindigkeit steigt stark mit Umgebungsdruck
an (Auflast und Kompaktion)

• Anwesenheit von Gas verringert das Elastizitätsmodul, das Poisson-Verhältnis


und erhöht damit den Geschwindigkeitsunterschied zwischen p- und s-
Wellen auf den Faktor 2: dieser Umstand erleichtert die Erkennung der
Wasserspiegels ungespannter Aquifere in Lockergesteinen!
Energie seismischer Wellen

• Dämpfung seismischer Wellen: entlang eines Wellenpfads nimmt die Energie


mit 1/(r*r) ab, Amplitude der Welle ist proportional zur Quadratwurzel der
Energie, nimmt daher mit 1/r ab

• zusätzliche Abnahme der Energie durch Reibungsverluste und unvollständige


Elastizität: Absorptionskoeffizient  beschreibt des Energieverlusts beim
Zurücklegen einer Strecke der Länge einer Wellenlänge  (typischerweise
0,25 - 0,75 dB/)

• Absorptionskoeffizient von Gesteinen +- unabhängig von der Frequenz:


daraus folgt, dass hochfrequente Wellen stärker gedämpft werden als
langwellige
Änderungen im Frequenzspektrum

• Beispiel: a=0,5 dB/l, 10 Hz Welle, v=2 km/


s,  = 200 m, Dämpfung: 0,5 dB/200 m
100 Hz Welle, v=2 km/s,  = 20 m,
Dämpfung: 0,5 dB/20 m bzw 5 dB/200 m

• Folge der Dämpfung ist der Verlust


hoher Frequenzen im Verlauf der
Ausbreitung
Ausbreitung an Materialgrenzen

• an Materialgrenzen kommt es zu einer Aufspaltung der Welle in eine


reflektierte und eine Welle, die ihren Weg weiter fortsetzt; dieser Prozess wird
durch die Gleichung von Zöppritz beschrieben

• die ursprüngliche Welle hat die Amplitude A0, die reflektierte Welle hat A1, die
weiter Welle hat Amplitude A2; der Reflexionskoeffizient ist R= A1/A0

• wie kann die Reflexion aus den Gesteinseigenschaften beschrieben werden?

• akustische Impedanz Z ist das Produkt aus Geschwindigkeit vp der p-Wellen


und der Gesteinsdichte : Z= vp * 

• je geringer der Unterschied in der akustischen Impedanz zweier Schichten,


umso mehr akustische Energie kann durch die Schichten geleitet werden
Refexionskoeffizient

• für 2 Schichten kann der Reflexionskoeffizient R nach der Lösung von


Zöppritz folgendermassen beschrieben werden

R= (Z2 - Z1)/(Z2 + Z1)

• für R=0 findet ein ungehinderter Durchlass statt, für R=1 findet vollständige
Reflexion statt, für R=-1 ebenfalls und zusätzlich ein Phasenwechsel von 180°
(Bsp.Wasseroberfläche)

• R ist typischerweise <= 0,2 bei Gesteinen

• durch die empirische Proportionalität zwischen Dichte und Geschwindigkeit


gilt folgende Gleichung: R= 0,625 ln(v1/v2)
Transmissionskoeffizient

• analog zum Reflexionskoeffizienten gibt es den Transmissionskoeffizienten:

T = A2/A0

• anhand der akustischen Impedanzen kann der Transmissionskoeffizient


folgendermassen berechnet werden:

T = 2Z1/(Z2 + Z1)
Refraktion

• wenn p-Welle im Winkel auf


Schichtgrenze auftritt, dann wird ein
Teil der Welle als p-Welle in die
obere Schicht reflektiert und ein
anderer Teil setzt sich als refraktierte
Welle in die untere Schicht fort

• zugleich wird ein Teil der


eintreffenden p-Welle in eine
reflektierte s-Welle und eine
refraktierte s-Welle umgewandelt
(Polarität in vertikaler Ebene, meist
unwichtig)

• die Amplituden der 4 Phasen hängt


vom Auftreffwinkel  ab
Refraktion

• bei der Refraktion der Welle gilt das Snelliussche Gesetz:

sin1/sin2 = v1/v2

• wenn untere Schicht höhere Geschwindigkeit hat, dann existiert ein


Grenzwinkel c, bei dem der Winkel der refraktierten Welle 90° ist

• ab diesem Winkel setzt sich die refraktierte Welle an der Grenzschicht mit der
für die untere Schicht geltenden Geschwindigkeit fort, es entsteht eine
Kopfwelle („head wave“)

• dieser Fall ist für oberflächennahe Seismik als Refraktionsseismik eine der
häufigsten Anwendungen
Refraktion

direkte Welle:
reflektierte Welle:

refraktierte Welle:
Refraktion

• Laufzeitkurven: zeitliches
Eintreffen der p-Wellen t

• Steigung der refraktierten


Welle: Bestimmung der
Geschwindigkeit

• Schnittpunkt mit Zeit-Achse:


Ablesen t0 zur Bestimmung
von z ti
z= ti*v1*v2/ 2*√(v2*v2-v1*v1)

„critical distance“: reflektierte und


refraktierte Welle treffen gleichzeitig
ein „crossover distance“: Abstand, ab dem
refraktierte Welle vor direkter Welle eintrifft
Diffraktion

• wenn Grenzflächen nicht kontinuierlich sind oder stark gekrümmt sind, dann
entstehen andersartige Strahlengänge, die als Diffraktion bezeichnet werden

• in der Natur geschieht dies beispielsweise an unterirdischen Kanten,


einzelnen Objekten (Fässer u.ä.)
wichtige Schlussfolgerungen:

• direkte Welle wird gebraucht, um v1 zu bestimmen, d.h. ein Geophon muss


ausreichend nahe am Ursprung der Welle sein, um die direkte Welle zu
messen

• reflektierte Wellen können nie als erste Wellen eintreffen: entweder kommt
zuerst die direkte Welle (bei nahegelegenen Geophonen) oder es kommt
zuerst die refraktierte Welle (bei weiter entfernten Geophonen)

• bei einem Geophon in der „critical distance“ treffen refraktierte und reflektierte
theoretisch gleichzeitig ein

• bei reflektierten Wellen müssen die längeren Laufzeiten bei der Einstellung der
Zeitfenster für die Aufnahme an den Geophonen berücksichtigt werden,
ausserdem sind sie energieärmer und oft überdeckt von amplitudenstärkeren
Oberflächenwellen, das processing ist daher wesentlich aufwendiger
Refraktionsseismik

• anwendbar bei Schichtenfolgen mit sprunghaft oder kontinuierlich nach unten


ansteigenden Geschwindigkeiten

• nutzbar zur Bestimmung der Grenze Locker-/Festgestein und zur


Bestimmung eines freien Wasserspiegels in einem Lockergestein

• im oberflächennahen Bereich als Hammerschlagseismik häufige Anwendung


bei Baugrunduntersuchungen und hydrogeologischen Untersuchungen

• Erkennung der Morphologie des Festgesteinkontakts

• Erkennung der Basis von Deponiekörpern


Refraktionsseismik

• Berechnung der Tiefenlage des Refraktors aus der Laufzeit der refraktierten
Welle
Refraktionsseismik

wegen und ergibt sich

oder oder auch

mit

aufgelöst nach z (Tiefe des Refraktors) ergibt sich


Refraktionsseismik

• eine weitere Möglichkeit besteht aus der Messung des Überholpunktes


direkte/refraktierte Welle („crossover“): an diesem Punkt treffen direkte und
refraktierte Welle gleichzeitig ein. Es gilt:

• aufgelöst nach xcros ergibt sich

• daraus ergibt sich, dass der crossover immer doppelt so groß ist wie die Tiefe
des Refraktors
Refraktionsseismik

• bei geneigten Schichten ist die gemessene Geschwindigkeit nur eine


scheinbare Geschwindigkeit: wenn bei A der Schusspunkt liegt kommt bei D
die refraktierte Welle später als im horizontalen Fall an, weil h´größer als h ist
Refraktionsseismik

• durch Wiederholung des Schusses („Gegenschuss“) am anderen Ende der


Geophonkette wird das Problem gelöst; die Geschwindigkeit der direkten
Welle ist jeweils identisch, die refraktierte Welle ist nun jedoch scheinbar
schneller (v2u) als beim Schuss (v2d)
Refraktionsseismik

• die allgemeine Lösung für den Fall geneigter Schichten ist


Refraktionsseismik

• die Gleichung

kann für den 2-Schichten Fall so vereinfacht werden, dass anstelle der Winkel
 und  nur noch der kritische Refraktionswinkel  und der Neigungswinkel 
und statt der lotrechten Tiefe h des Refraktors die Mächtigkeit z der Schicht
auftauchen:
Refraktionsseismik

• in der Gegenschuss-Richtung lautet die Gleichung:

• man erhält einen „downdip“ und einen „updip“ Gradienten in den


Laufzeitkurven:

und

was umgeformt werden kann in

Gesucht sind der kritische Refraktionswinkel  und die Neigung  der Schicht
Refraktionsseismik

• aufgelöst nach beiden Winkel erhält man

• da v1 bekannt ist (direkte Welle) und  berechnet wird, kann v2 nach dem
Snelliusschen Gesetz berechnet werden:

der Schnittpunkt mit der Zeitachse des Laufzeitdiagramms ist

nach z aufgelöst (gleiches gilt für z´)

aus der Mächtigkeit z kann nun wieder der lotrechte Abstand h (analog dazu
h´) zum Refraktor berechnet werden:
Refraktionsseismik

• Laufzeiten bei Schuss und Gegenschuss müssen gleich lang sein: tAD = tDA

• Möglichkeit zur Kontrolle der Qualität der Messung


Refraktionsseismik

• Sonderfall gestörte Schichten mit vertikalem Versatz


Refraktionsseismik

• Sonderfall nicht planarer Untergrund: nicht lineare Laufzeitdiagramme weisen


auf gekrümmte Oberflächen oder laterale Änderungen der Geschwindigkeiten
hin, Möglichkeit der Interpretation mit der „delay time“ Methode von
Hagedoorn (1959) bei Neigungen kleiner 10°
Refraktionsseismik

• hidden-layer Problem: wenn die refraktierte Welle aus einer tieferen Schicht 3
schneller ist als die einer darüber liegenden Schicht 2, typischerweise wenn
die darüberliegende Schicht 2 nur eine geringe Mächtigkeit hat, oder wenn
die Geschwindigkeit dieser Schicht 2 ähnlich wie die der Schicht 1 ist
Refraktionsseismik

• hidden-layer Problem: wenn keine refraktierte Welle entsteht, weil Schicht 2


eine geringere Geschwindigkeit hat als die darüberliegende; Folge davon ist
eine Überschätzung der Teufenlagen der Refraktoren. Reflektionen an Schicht
2 können unabhängig davon gemessen werden.
Refraktionsseismik

• split-profile Methode: Schusspunkt in der Mitte der Geophonauslage

• single-ended profile Methode: wiederholte Schüsse in einer Richtung an einer


wandernden Geophonauslage: zusätzlicher Aufwand einer sich ständig
ändernden Geophonauslage

• Auslage normalerweise etwa 100 m, 12 Kanal- oder 24 Kanalanlage, Hammer


bringt Frequenzen von etwa 100 Hz, Genauigkeit der Messung sollte besser
als 0,5 ms sein

• bei längeren Auslagen reicht Hammerschlag nicht als Energiequelle aus

• Gefahr von „cross talk“ vor allem bei gealterten Kabeln (induzierte
Spannungen benachbarter Kabel), nicht nur bei Seismik
Refraktionsseismik
Refraktionsseismik

• Beispiel einer refraktionsseismischen


Messung mit Schüssen an allen
Geophonen (split-profile Methode)
und Auswertung der Laufzeitkurven
Refraktionsseismik

• Erkennung von Hohlräumen durch


Refraktionsseismik

• an vertikalen Flächen wird die


horizontale direkte Welle reflektiert

• die roten Linien sind das


charakteristische Muster solcher
Strukturen

• Refraktionsseismik insgesamt nur unter


günstigen Bedingungen für
Hohlraumerkundung geeignet
Refraktionsseismik

• Rohdaten einer seismischen Messung mit einer


Mehrkanalanlage

• der Schusspunkt liegt im Bereich des mittleren


Geophons (split profile)

• die Ersteinsätze (blaue Linie) sind die direkte


Welle und eventuell refraktierte Wellen

• die Diffraktionshyperbeln (rot) kommen von


Reflexionen tieferer Schichten

• der mittlere Teil (grün) ist die Oberflächenwelle


(ground roll)
Datenverarbeitung

• manuelle oder halbautomatische Auswertung

• „picking“: Bestimmung der Ersteinsätze in jedem Fall manuell

• Erstellung der Laufzeitgeraden: Steigungen entsprechen Kehrwerten der


Geschwindigkeiten, Schnittpunkt refraktierte Welle mit t-Achse (“intercept
time“) zur Bestimmung der Teufe z:

• Kontrolle durch Rechnung der crossover distance:


Datenverarbeitung

• Auswertung refraktionsseismischer Messungen durch kinematische Verfahren


oder dynamische Verfahren (Auswertung von Amplituden und
Frequenzverhalten)

• kinematische Verfahren: Intercept-Zeit Methode (Interpretation der Laufzeiten)

• 1-D Inversion

• Generalized Reciprocal Methode (GRM)

• Iterative Methoden (Vorwärtsmodellierung)


Terminologie

• 2D-Geometrie: Grundelement der seismischen Messung ist die Registrierung


(record)

• record: enthält mehrere Spuren (traces), die jeweils einem Geophon


zugeordnet sind

• shot point: Ort der Erzeugung der seismischen Welle, kann an einem
Geophon sein oder weiter entfernt

• offset: Entfernung zwischen Geophon und Schusspunkt

• CSP: alle Spuren mit gemeinsamem Schusspunkt

• CGP: alle Spuren mit gemeinsamem Geophonpunkt

• COS: alle Spuren mit gemeinsamem offset

• CMP: alle Spuren mit gemeinsamem Mittelpunkt (Reflexionsseismik)


Terminologie

• Auslage: alle an einen Seismographen angeschlossenen Geophone

• Stationsabstand: Abstand der Geophone (kann variieren)

• Überdeckung: Verteilung der Schusspunkte entlang der Geophonlinie.


Schuss und Gegenschuss sind die Minimalanforderung für
Refraktionsseismik (in diesem Fall 1fache oder 100%ige Überdeckung)

• Registrierdauer: soll 200% der zu erwartenden maximalen Laufzeitdauer


betragen. Diese hängt ab vom maximalen offset und den Geschwindigkeiten

• zeitliches Abtastintervall: kann zwischen 1/48 un 8 ms variiert werden (DMT


Summit X-Stream), maximale Anzahl samples pro Spur sollte mindestens bei
2048 liegen (Auflösung der Welle hängt davon ab):

• Registrierdauer/Anzahl der samples = Abtastintervall

• Langaufstellung: Schusspunkt befindet sich am Beginn der Geophonkette


Terminologie

• Analog-Filter: eingebaute Filter zu Unterdrückung von 50Hz Einstreuungen

• Räumliches Abtastintervall: entspricht dem Geophon-Abstand. Dieser kann


variabel sein, bei mehreren Auslagen ist dies jedoch nicht praktikabel. Der
Geophonabstand sollte ca. 1/4 der Überholdistanz sein, die vorher
abgeschätzt werden muss.

maximale Geophonabstände für 60,0#

v1=400 m/s und v2 =1500 m/s


maximaler(Geophonabstand((m)(
50,0#

40,0#

30,0#
xrcoss#
20,0# Geophonabstand#

10,0#

0,0#
0# 5# 10# 15# 20# 25#
Refraktor7efe(z(((m)(
Terminologie

• Verhältnis Nutz- zu Störsignal: bei grosser Auslage kann es passieren, dass


die Ersteinsätze beim maximalen offset nicht mehr abgelesen werden
können. Kann durch stärkere Energiequelle behoben werden.

• Darstellung der Geophonsignale als CSP (common shot points), für spezielle
Fragestellungen auch CGP und COS möglich, CMP sonst nur bei CMP-
Refraktionsseismik (Wellenfeldverfahren) und Reflexionsseismik

• erster Schritt: „picking“ der Ersteinsätze in der CSP-Darstellung

• zweiter Schritt: Zurdnung von Schichten im Laufzeit-Diagramm anhand der


Knickpunkte in den Laufzeitästen

• dritter Schritt: Berechnung reziproker Laufzeiten

• dies geschieht durch unterschiedliche Inversionsmethoden: Plus-Minus


Methode, Generalized Reciprocal Method (GRM), Wellenfrontverfahren (WFV)
Reflexionsseismik

• refraktierte Welle /
reflektierte Welle /
Mintrop Welle

• unterkritische Reflexion:
Teil der Wellenenergie
geht in refraktierte Welle

• überkritische Reflexion:
keine Refarktion, alle
Energie wird reflektiert
Reflexionsseismik

• seit Jahrzehnten wichtigste geophysikalische Methode bei der Erdöl- und


Erdgasexploration

• für oberflächennahe Bereiche erst seit wenigen Jahren nutzbar durch zeitlich
hochausflösende Aufnahmeapparaturen (hohe sampling rates)

• für oberflächennahe Bereiche ist ein hochfrequentes Signal erforderlich, da


das Auflösungsvermögen von der Wellenlänge abhängt

• Hauptproblem: reflektierte Wellen treffen im oberflächennahen Bereich etwa


zeitgleich mit kaum gedämpften Oberflächenwellen ein, sodass die
Notwendigkeit der Filterung dieser Wellen besteht

• Aufwand deutlich höher als bei Refraktionsseismik - teuerstes


geophysikalisches Messverfahren
Reflexionsseismik

• Einsatzbereich in Teufen von mehr als 20 m, darüber nur Refraktionsseismik

• Datengewinnung im Gelände wie bei Refraktionsseismik, Datenverarbeitung


enthält viele Einzelschritte:

- Datenkontrolle
- Demultiplexing (Auflösung der Linien in Einzelseismogramme)
- Korrektur der Amplituden
- statische Korrekturen (Topographie etc.)
- Sortierung nach CMP
- stacking (Summierung von Einzelseismogrammen
- deconvolution (Entfernung multipler Reflexionen)
- bandpass filter (Entfernung von noise)
- migration (Entfernung von Artefakten)
Grundlagen

• nur bei +- horizontalen Strukturen

• Geschwindigkeit nimmt insgesamt nach unten zu, für die Berechnung der
Geschwindigkeit v ist die Streckenlänge z durch t die „one way travel time“ 
zu berücksichtigen: v = z/

• die Zeit zwischen Impulsquelle und Geophone berechnet sich als


t=√(x*x+4z*z) / v

• für x=0 ist t=2z/v


Grundlagen

• je grösser der Abstand x zwischen der


seismischen Quelle und dem Geophon,
umso grösser wird die Zeit t, die die
Welle zum Zurücklegen dieser Strecke
benötigt

• an der Stelle x=0 („zero offset“) ist t am


geringsten (t0), nämlich √(4*z*z)/v, an der
Stelle x ist die Zeit tx um ∆T länger

• als „moveout“ wird die Zeitdifferenz


zwischen 2 offsets bezeichnet

• die Zeit Differenz ∆T zwischen zero offset


und einem anderen Geophon wird als
„normal moveout (NMO)“ bezeichnet
Grundlagen

• aus dem moveout soll die Geschwindigkeit der


Welle berechnet werden. Umformen ergibt

• nach t aufgelöst ergibt sich

• der 2. Term ist per Definition t0:

• nach t auflösen ergibt sich


Grundlagen

• diese Gleichung kann binominal expandiert werden:

• wenn die Terme x/Vt0 sehr klein sind (das ist dann der Fall, wenn z
wesentlich grösser als der offset ist), dann kann die Reihe nach dem 2.
Term abgebrochen werden (Grundgleichung der Reflexionsseismik):

• aus dieser Gleichung folgt


Grundlagen

• die Zeit t0 wird gemessen an einem Geophon, an dem sich der Schusspunkt
befindet

• die Zeit t wird an einem Geophon gemessen, das in der Entfernung x zum
Schusspunkt liegt, die Zeitdifferenz ∆T wird als ∆T = (t - t0) berechnet

• d.h. die Geschwindigkeit kann aus dieser Messung berechnet werden:

• ist die Geschwindigkeit V bekannt, kann daraus die Tiefenlage des


Reflektors am Schusspunkt berechnet werden:
Grundlagen

• da eine Welle an zahlreichen Inhomogenitäten und ihre Geschwindigkeit


verändert, wird anstelle der Geschwindigkeit V eine „root mean square
velocity“ verwendet, die eine Abweichung der hyperbolischen Form der
Laufzeiten beschreibt
Grundlagen

• für kleine offsets kann der NMO für Berechnung der rms-Geschwindigkeit
des n-ten Reflektors verwendet werden

• bei mehreren Reflektoren kann die rms Geschwindigkeit (die ja einen


Mischwert bis zu einem bestimmten Reflektor darstellt) verwendet werden,
um für einzelne Intervalle die Interval-Geschwindigkeiten zu berechnen (Dix-
Gleichung):
Grundlagen

• bei geneigten Reflektoren kommt mit der Neigung der Schicht ein
zusätzlicher Parameter in die Reflexionsgleichung:

• die Laufzeiten an den Geophonen links und rechts des Schusspunktes sind
also unterschiedlich
Grundlagen

• bei geneigten Reflektoren wird das


Laufzeitdiagramm assymetrisch

• der moveout wird nun nicht mehr als


Zeitdifferenz zum zero offset gemessen
sondern als Zeitdifferenz zwischen -x
und +x

• der Winkel  kann mit Hilfe des dip


moveout berechnet werden (V wird mit
Hilfe des NMO ∆t berechnet, man
mittelt hierzu tx und t-x)
Grundlagen

• neben den primären Reflektionen treten multiple Reflektionen (multiple) auf,


die das Seismogramm und die Interpretation stören
Grundlagen

• Hauptprobleme: reflektierte Wellen


treten nie als erste ein und haben
eine geringe Amplitude

• Reflexionspunkte liegen ausserhalb


der Profilebene (ausser wenn das
Profil senkrecht zum Streichen „split spread profile“
verläuft) -> reflection profiling

• 3D-Seismik kann die räumliche


Struktur wesentlich besser
wiedergeben
„single ended spread profile“
Reflexions-Seismogramm

• das gemessene Signal setzt sich zusammen aus einem Ausgangssignal und
einer Reflektivitätsfunktion, in der die geologischen Parameter enthalten sind
(convolution)
Auflösungsvermögen

• vertikale Auflösung einzelner Reflektoren hängt von der Frequenz ab

• Strukturen von der Grösse etwa 1/4 bis 1/8 der dominanten Wellenlänge
können erfasst werden: = 50 Hz, v= 2 km/s, = 40 m, Auflösungsvermögen
höchstens 10 m -> in Lockersedimenten mit geringen Geschwindigkeiten
macht Reflexionsseismik wenig Sinn

• wegen stärkerer Dämpfung hoher Frequenzen mit der Tiefe nimmt das
Auflösungsvermögen mit der Tiefe ab

• in der horizontalen ist die Auflösung die Hälfte der Geophonabstände und der
Breite der Fresnel Zone, über deren Breite ein die Reflektionen „verschmiert“
werden. Diese Breite w ist w=√(2z) für z>>
Auflösungsvermögen
Geophonauslage

• Problem der Überlagerung reflektierter Wellen und anderer


(Oberflächen)wellen

• durch geeignete Geophonabstände können Störeffekte verringert werden,


geologisches Vorwissen zum Untersuchungsbereich ist dabei nützlich

• kurze Geophonabstände bei grosser Tiefe des Refraktors günstig, um


Oberflächenwelle und refraktierte Einsätze vor den reflektierten Wellen
abziehen zu lassen, manchmal nicht zu realisieren, geeignete Filter zum
Wegfiltern der störenden Wellen verwenden

• noise-Test mit grossem offset um systematische Probleme bei der Auslage


aufzuspüren
CDP-surveying

• wenn nur genau ein Geophon vorhanden ist, dass zusammen mit der
seismischen Quelle auf einer Strecke entlang bewegt wird, gibt es für jede
Messung bei jedem Reflektor genau einen Punkt, an denen die Reflektion
verursacht wurde - die Überdeckung ist „single fold“

• bei Geophonketten gibt es für denselben Punkt eines Reflektors mehrere


Paare von Schusspunkten und Geophonen, an denen die Reflektionen
verursacht wurde: der common depth point (CDP)
CDP-surveying

• CDP Auswertung am besten geeignet für die Berechnung der


Geschwindigkeiten aus dem NMO

• erlaubt die Stapelung („stacking“) von Seismogrammen, die sich auf den
selben CDP beziehen und verbessert dadurch das signal/noise ratio (SNR)

• bei geneigten Reflektoren existiert der CDP nicht, das Verfahren ist trotzdem
robust genug, um auch in solchen Fällen durch Stapelung eine Verbesserung
des SNR zu ermöglichen
CDP-surveying

• die Verbesserung des SNR durch


Stapelung erreicht theoretisch den Faktor
√n

• multiple Reflexionen können durch


Stapelung stark reduziert werden

• in einer 12 Kanal-Anlage ist eine 6-fache


Stapelung möglich (rechts), in einer 24
Kanal-Anlage eine 12-fache Stapelung usw.

• Geophonauslage weiterbewegen oder


Schusspunkte an allen Geophonen um
Stapelung zu ermöglichen
CDP-surveying
Statische Laufzeitkorrekturen

• Laufzeiten können verändert sein durch Höhenunterschiede zwischen


Schusspunkt und Geophon und unterschiedliche Mächtigkeiten der
Lockergesteine

• Refraktionsseismik oder geologische Erkundung zur Klärung der


oberflächennahen Verhältnisse

• Bohrlochseismik („uphole surveys“) zur Messung der „uphole time“ für


statische Korrekturen (aufwendig)

• empirische Vorgehensweise, indem lediglich geprüft wird, ob die statische


Korrektur das SNR bei den gestapelten Spuren verbessert
Dynamische Laufzeitkorrekturen

• entspricht der Kompensation des NMO und wird rechnerisch für jeden
Reflektor durchgeführt, Ziel ist die Bestimmung von z:

• hierfür werden die Geschwindigkeiten benötigt, die aus der CDP Analyse
berechnet werden:

• wird bei jedem Reflektor für alle Spuren durchgeführt, die Geschwindigkeit,
die die stärkste Amplitude im Stapel erzeugt, wird „stacking velocity“ genannt
Dynamische Laufzeitkorrekturen

• alle traces zu einem CDP werden


dargestellt

• Hyperbeln beruhen auf NMO

• für jede Spur wird Geschwindigkeit


berechnet

• nach Korrektor des NMO liegen die


Reflektoren flach: es wird t0 berechnet
für die Annahme das es keinen NMO
gäbe (d.h. Anregung direkt an Geophon
Position)
Filterung der Daten

• zur SNR Verbesserung

• low-cut Filter für niedrig-frequenten noise (e.g. ground roll)

• high-cut Filter zum Unterdrücken von hochfrequentem noise (Wind)

• da die hochfrequenten Signale mit der Tiefe verschwinden, arbeiten viele


Filter teufenabhängig (bei oberflächennaher Reflexionsseismik spielt dies
keine Rolle)

• moderne Programme bieten eine Vielzahl von Optionen zur Verstärkung


gewünschter Frequenzen und zur Unterdrückung unerwünschter
Deconvolution

• wenn die Frequenzen des noise im Bereich denen des Signals liegen, dann
kann durch Frequenzfilter keine Verbesserung des SNR erreicht werden

• convolution ist der Prozess der Kombination eines Signals mit einem Filter, z.
Bsp. ein Impuls der durch eine Schicht läuft - führt zu einer Aufweitung
(Verschmierung) des Signals

• inverse Filter, die andere Kriterien als die Frequenz verwenden, können
solchen noise reduzieren (deconvolution) z. Bsp.

• deghosting: entfernt oberflächennahe multiple

• whitening: Amplitudenangleichung aller Frequenzen


Deconvolution

• Ziel aller deconvolution ist die


Verkürzung der Impulse (spikes) um die
vertikale Auflösung zu verbessern

• Wiener-Filter kann ein bekanntes Signal


in ein erwünschtes (scharfes) Signal
umwandeln

• funktioniert über Autokorrelations-


Funktionen zwischen der seismischen
Spur und zusammengesetzten
Wellenformen

• wird angewendet vor dem Stapeln und/


oder danach
Geschwindigkeits-Filterung (f-k Filter)

• dient der SNR Verbesserung durch


Ausschluss bestimmter Signale, die anhand
ihrer scheinbaren Geschwindigkeit in der
Auslage identifiziert werden, insbesondere
ground roll kann dadurch entfernt werden

• beruht auf einer Betrachtung der Wellenzahl


(1/) und der Frequenzen: im f-k Plot liegen
bei einem seismischen Impuls alle Punkte auf
einer Geraden

• im f-k plot der Geophone treten jedoch


unterschiedliche Bereiche auf: diese werden
identifiziert und in den Rohdaten
herausgefiltert
Migration

• Reflektionspunkte sind nur dann am rechnerischen CDP, wenn der Reflektor


tatsächlich horizontal liegt

• bei geneigten Schichten sind die CDP nicht zwischen Schuss und Geophon,
es entsteht ein Fehler in der Tiefendarstellung

• Migration seismischer Profile dient der Fokussierung der Energieverteilung in


der Fresnel-Zone und der Auflösung von Diffraktion an Störungen und
punktförmigen Reflektoren

• als „Zeit-Migration“ wird die Darstellung bezeichnet, in der Zeit die vertikale
Achse darstellt, „Tiefen-Migration“ wenn Zeit anhand der Geschwindigkeiten
bereits in Tiefe umgerechnet ist
Migration

• nicht migrierte reflexionsseismische Profile können


erheblich Artefakte aufweisen

• nur horizontal verlaufende Strukturen werden nicht-


migriert richtig wiedergegeben

• geneigte und gebogene Strukturen erscheinen als


„bow-tie“ („Krawatten“) Strukturen

• diskontinuierlich Strukturen erzeugen


Diffraktionshyperbeln
Migration

• „bow-tie“ („Krawatten“)
Struktur
Migration

• nicht horizontale Strukturen erscheinen nicht-migriert flacher als sie in


Realität sind
Migration

• Entstehung einer
Diffraktionshyperbel an einem
Punktreflektor
Migration

• Korrektur durch Migration; curve of maximum convexity ist die maximal


möglich Diffraktionshyperbel für die gegebene Geschwindigkeit
Migration

unmigriertes Profil
Migration

migriertes Profil
Migration

unmigriertes Profil
Migration

migriertes Profil
Migration

migriertes Profil (Nordsee, Brent Öllagerstätte)


Migration
Oberflächennahe Reflexionsseismik
Oberflächennahe Reflexionsseismik
Oberflächennahe Reflexionsseismik
uelle an der Geländeoberkante (GOK) und die Empfänger im Bohrloch. Umgekehrt verhält es sich bei der Uphole-Seismik. Be
-Seismik befinden sich sowohl Quelle als auch Empfänger in Bohrlöchern. Man kann dementsprechend die bohrlochseismisch
nach v.a. vertikaler und horizontaler Wellenausbreitung unterscheiden. Es werden bevorzugt die transmittierten Signale betrac

Spezielle(=Anwendungen
wnhole-Seismik Bohrlochgeophonmessung = VSP vertical seismic profiling)
Kompressionswellen ohne Ankoppelungsvorrichtung mit speziellen Signalquellen (z.B. air gun, sparker) erzeugt werden.

Da die Form des seismischen Signals u.a. von den Absorptionseigenschaften des Untergrundes abhängt, kann unter Berücksichtigung der
sphärischen Divergenz (räumliche Amplitudenabnahme), von Überlagerungen sowie gewissen Vereinfachungen die Dämpfung ermittelt
werden. Dies geschieht entweder aus der Betrachtung der Wellenamplitude (logarithmisches Dekrement) oder des Signalspektrums.

Spezielle Anwendungen
Zu den dynamischen Bodenkennwerten und der Dämpfung siehe auch das GGU-Info "Die dynamischen Bodenkennwerte".

Vergleich Downhole- und Crosshole-Seismik


(ingenieurgeophysikalischer Einsatz)
Downhole = VSP Crosshole
Strukturerkundung, geringe Tiefenauflösung gute Tiefenauflösung
Ermittlung von Bodenschichten
Objektdetektion weniger geeignet häufig Anwendung für Hohlraumerkundung
(Verkarstung!)
Bestimmung von Wellengeschwindigkeiten integrale Werte in der Regel für vertikale Wellenwege, Mittelwerte für den Bereich zwischen den
und damit verbundener Bodenkennwerte Bohrungen und in der Regel horizontale
geringe Tiefenauflösung Wellenwege,
(Die Dichte ist nicht aus den seismischen
Messungen zu bestimmen.) gute Tiefenauflösung machbar
Bodenkennwert Dämpfung grobe Abschätzung möglich grobe Abschätzung möglich,

mit aufwendiger Messung über drei Bohrlöcher


auch genäherte Bestimmung der Dämpfung
möglich
Wellenwege in der Regel (nahezu) vertikal bei Signalanregung am in der Regel horizontal,
Bohrloch (0-offset VSP),
(Bei Anisotropie hat dies Einfluß auf die bei tomografischer Durchschallung mit einer
ermittelten Wellengeschwindigkeiten) Sonderfall: geneigte Wellenwege bei Anregung mit Vielzahl von Neigungen der Wellenwege.
verschiedenen Abständen vom Bohrloch (offset VSP)
Anregung von Kompressionswellen Vp und sehr einfache Anregung von Vp, im trockenen Bohrloch:
Scherwellen Vs aufwendige Anregung von Vp,
einfache Anregung von Vs mittel aufwendige Anregung von Vs

im wassergefüllten Bohrloch:
einfache Anregung von Vp,
aufwendige Anregung von Vs mit verminderter
Qualität
Einfluß von starken Bei 0-offset VSP geringe Einflüsse, da vertikale Im Bereich um den GWS kommt es zu starken
Geschwindigkeitssprüngen bzw. des Wellenwege vorliegen. Beeinträchtigungen (u.a. durch Refraktionseffekte).
Grundwasserspiegels GWS im
Lockersediment Bei offset VSP deutliche Einflüsse, welche bei der Je weiter die Bohrungen auseinander liegen, desto
Auswertung berücksichtigt werden müssen. größer ist der beeinträchtigte Tiefenbereich.
minimaler technischer Aufwand 1 Bohrloch, Seismikapparatur, Oberflächen- 2 Bohrlöcher, Seismikapparatur,
Signalquelle, Bohrlochgeophon Bohrlochsignalquelle, Bohrlochgeophon
finanzieller Aufwand gering mittel für einfache Horizontaldurchschallung,
hoch für tomografische Durchschallung
Vorteile Erkundung großer Flächen mit geringer lokale Detailerkundung
Bohrungszahl,

Erkundung sehr tiefer Bohrungen


Spezielle Anwendungen
Die seismischen Messungen wurden innerörtlich auf einer
verkehrsreichen Hauptstraße durchgeführt. Der Erschwernis absoluten Tiefenangaben von Bohrung und Seismik stimmen
durch starke Bodenunruhe und harter Bodenoberfläche innerhalb einer Toleranz von ±10 % mit der Tiefe überein.

Refraktionsseismische Erkundung für


konnte mit geeigneten apparativen Maßnahmen und entspre-
chender Auswertung begegnet werden. Die Meßwertauf- Kostengrößenordnung
nahme wurde auf verkehrsärmere Zeiten verlegt. I.w. Messung, Auswertung, Bericht ca. 4 TEur

Kanalisationsbau
konnten die Parkplätze am Straßenrand für die Meßlinie (Gesamtprogramm 800 m Profillänge, ca. 8 TEur)
genützt werden, sodaß der Verkehr weitergehen konnte und
kaum behindert wurde.

50 m
150 m
seismis Freyersbacher Straße
ches Profil
Profil 100 m sei smisches
Laufzeit in msek

40

20

0
0 100 200 300

225 Bohrung
Höhe in m über NN

Gelände
~ 500 - 800 m/s A oberkan
te
220 Felsli ~ 500 - 800 m/s
Bohrung
nie S A
2.600 m/s U
2.900 m/s Zv Bohrung
Zv Z A
215 ~ 500 - 800 m/s
3.700 m/s 3.800 m/s G
Zv
3.500 m/s
210 Z

0 100 200 300


Entfernung in m

• Übereinstimmung
oben: Lageplan
mit Bohrung etwa 10%, Kosten ca. 8000 ‚ 800 m Profil,
Mitte: Laufzeitdiagramm
unten: Tiefendiagramm
(GGU Karlsruhe)
Schichtenmodell, abgeleitet aus den Ersteinsätzen der Kompressionswellen. Die Zahlen repräsentieren den Festigkeitszustand in
Form der Kompressionswellengeschwindigkeit. Die Bohrungen dienen dem Vergleich zur Geologie ("Eichung").
Abkürzungen: A Auffüllung, S Sand, U Schluff, Z Gestein, Zv verwittertes Gestein