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Die verkehrte Bekehrung in Goethes Faust

Author(s): Idan Gillo


Source: The German Quarterly, Vol. 86, No. 4 (Fall 2013), pp. 464-482
Published by: Wiley on behalf of the American Association of Teachers of German
Stable URL: http://www.jstor.org/stable/42751575
Accessed: 11-06-2018 12:42 UTC

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Idan Gillo
Stanford University

Die verkehrte Bekehrung in Goethes Faust 1

Die Bedeutung der Übersetzungsszene fur Goethes Faust kann kaum Üb


schätztwerden. Die Szene, an deren Ende der Pudel sonderbarerweise beginn
in Mephistopheles zu verwandeln, bildet die letzte Komponente der Lösun
drei Jahrzehnte alten produktionsästhetischen Problems der "großen Lücke
lassen sich die beiden Protagonisten, Faust und Mephistopheles, auf der Büh
sammenfuhren?2 Im Urfaust und in Faust. Ein Fragment (1790) befand sich
fern eine Lücke in der Handlung, als es keinen Übergang vom Wagner- Ges
zur Anwesenheit Mephistopheles, in Fausts Studierzimmer gab. So tauchte
phistopheles ganz plötzlich auf, und zwar mitten in einem Wortwechsel mit Fa
Die späte Überwindung der "großen Lücke" mag ihre Bedeutsamkeit verr
Mit der traditionellen Lösung der Faustbücher, Mephistopheles durch
bewusste Beschwörung einzuführen, wollte sich Goethe offenbar nicht zufr
geben. Erst in der letzten Arbeitsphase zu Faust I (1800-06) wurde die Lösun
funden. Zwischen Wagners Abgang und Mephistopheles' Gespräch mit
wurde Folgendes eingeschoben: Fausts melancholische Selbstmordpläne
Rettung durch den Ostergesang, die Szene "Vor dem Tor," "Studierzimmer
"Übersetzungsszene") sowie ein Teil der Szene "Studierzimmer II."
Bisher haben Goethe-Forscher keine Interpretation dieses Einschubs vo
schlagen, die den Zusammenhang seiner wichtigsten Komponenten zureich
aufdeckt und erläutert. Die verschiedenen Erklärungen der "großen Lücke
ihrer Überwindung) haben, so möchte ich aufzeigen, etwas Wesentliches ver
durch die Themen der hinzugefugten Verse - ein Mensch, der sich mit se
mittelmäßigen Existenz nicht begnügen kann, mit ihr radikal zu brechen suc
dabei eine melancholische Krise erleidet; die betonte Lichtmetaphorik; das
des Einschlafens und Erwachens; die religiöse Gesinnung und die path
Wendung Fausts zur Heiligen Schrift aus Sehnsucht nach Offenbarung - we
Schließung der "großen Lücke" eine vielfältige Beziehung zum christlichen
rungsschema auf, welches weder Goethe noch der Fausttradition fremd wa
Zenit der Entwicklung des Schemas ist die Übersetzungsszene zu betracht
mit den folgenden Versen einsetzt:

The German Quarterly 86.4 (Fall 2013) 464


©2013, American Association of Teachers of German

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GILLO: Goethe 465

Doch dieser Mangel läßt sich ersetze


Wir lernen das Überirdische schätzen
Wir sehnen uns nach Offenbarung,
Die nirgends würdger und schöner br
Als in dem Neuen Testament.
Mich drängt's, den Grundtext aufzus
Mit redlichem Gefühl einmal
Das heilige Original
In mein geliebtes Deutsch zu übertrag
Er schlägt ein Volum auf und schickt sich
Geschrieben steht: "Im Anfang war

In der Regel wird in der Forschung


gegenüber der Fausttradition in die
werden ferner die subjektive Natur un
betont. Die Frage, wie ernst Fausts Frö
zwar Meinungsverschiedenheiten aus.
forderung besteht wohl darin, das Ve
Szene, der Reaktion des Pudels und d
lich auftritt, zu ergründen. Benjamin
Mephistopheles, indem er die Bemüh
terbrechen, dadurch erklärt, dass er M
Element des Bewusstseins versteht, da
(65). Ulrich Gaier verortet die kausale
Lesung des Johannesprologs übe Faust
sein - eine magische Beschwörung aus
beantworte (212). Andere Kommentat
nung Mephistopheles' durch die Erfü
wird. Jochen Schmidt vertritt die An
beruhe auf einer langen theologische
Teufel ausgeliefert sind ( Goethes Fau
dass Mephistopheles nur Illusionen un
bieten habe. Da sich Faust erst in diese
Repräsentation mache, hätte der Dämo
the World 43-44).
Die These dieses Aufsatzes steht wo
Fausts Übersetzung von Àóyoç als "T
und sein späteres Glaubensbekenntnis
eines radikalen Revisionismus, wenn n
tionellen christlichen Lehre [vermitt
spiegelverkehrte Ästhetik in Faust -
doch stellt er weder eine Beziehung zw

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466 The German Quarterly Fail 2013

menkunft beider Protagonisten auf der Bühne her, no


Trope der Bekehrung wahr, die im Mittelpunkt meiner
Das Schema der Bekehrung ist eine strukturelle Ge
tion - darauf machen beispielsweise Albrecht Schöne
merksam.4 Allerdings bleibt für sie diese Feststellung
Schließung der "großen Lücke" und für die Ubersetzu
die These auf, dass Goethe das ohnehin zur Faust
aufgriff, um das Problem der "großen Lücke" zu lösen
Umdeutung der Faust-Figur als ein modernes Sub
Ubersetzungsszene kulminieren die Spannung und Er
prozesses, die in den eingeschobenen Versen (606-1
Struktur, Motivik und Metaphorik der Bekehrungslite
werden. Andererseits tritt Faust gerade in dieser Szen
und intentional handelndes Subjekt auf, was einer chr
genwirkt. Da Faust seine Rationalität, Souveränität und
seine dramatische Hinwendung zu Mephistopheles
Bekehrungsversuch folgt, interpretiere ich die Übersetz
Bekehrung , in der die Achse der Bekehrungsstruktur in
die "große Lücke" zu schließen.5 Die Lösung des Prob
alektisch nennen, als sie nicht etwa in der Abmilderu
Unterschiede zwischen der Figur des Faust als Protag
und als Hauptperson der Weltreise besteht. Goethe lö
vielmehr dadurch, dass er ihn so weit vertieft, dass es
kommt. Anstatt die formellen Differenzen und Wech
Figur zu vertuschen, betont Goethe sie, indem er die T
zieht. Einen Ausdruck gewinnt dadurch gleichzeitig de
nende Unterschied zwischen dem vormodernen Subje
eine Erlösung versprechende Bekehrung hegt, und dem
nung gewissermaßen bereits eingebüßt hat und seine Ruh
Diese Komplexität der Szene möchte ich vor dem Hin
rungsbeschreibungen herausarbeiten. Gleichzeitig
Fausts Subjektivität, die eine christliche Bekehrung ver
Erst dann kann man die Bedeutung der verkehrten Be

"Bekehrung" ist ursprünglich eine alt- und neutestamentliche, später auch


hagiographische Metapher für eine Zäsur im Leben des Einzelnen. Es geht um eine
Wendung von einer indifferenten Haltung gegenüber einem Bekenntnis hin zu

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GILLO: Goethe 467

einer ehrfurchtsvollen, beziehungsw


anderen. Damit wird daraufhingedeu
aber richtig sei (Nock 7).6 In der kla
bei Augustinus - von der noch die Re
nen dramatischen Bruch mit dem B
und andererseits um Umorientierun
Mein Verständnis von "Bekehrung
psychologischen und theologischen A
wesentlich darüber hinaus, da mich
Indem sie eine bestimmte Auflösun
Unterwerfung darstellt, generiert u
stellung von Subjektivität. Jede Bek
ein Entwurf von Subjektivität lesen:
sich das neue Subjekt abzukehren such
gen Weltanschauung, Ideologie usw
Subjekt interpelliert wird.7 Daher s
denen ein Individuum zum Subjekt
Varianten denkbar - Schilderungen
oder intellektuelle Vokation die Stel
(Riley 2). Vor dem Hintergrund eine
Figur der Bekehrung in Goethes Fa
poetische Auseinandersetzung mit d
Als Diskussionsgrundlage für di
Bekehrungsschilderungen in Faust sol
siones des Heiligen Augustinus, diene
Werk erzählt die Geschichte seiner
dem Weg zum Katholizismus: von s
Ciceros Hortensius , seinem neunjäh
einandersetzung mit den neuplatoni
schen Krise bis zur Bekehrung in M
Feigenbaum, im Moment der Verw
Bekehrungsgeschichten gehört hat,
Stimme zu vernehmen: "tolle, lege
Worte als einen göttlichen Befehl und
Glauben an Christus bekehrt (415-1
Bei Augustinus finden sich bereits
Bekehrungsgeschichten - auch fur G
die Unruhe der noch nicht zu Gott g
den, selbstquälerischen Überlegung
chen Bekehrungsplans verstanden w

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468 The German Quarterly Fail 2013

ohne Gott als Finsternis und Blindheit kennzeichnet


wandte Metaphorik von Schlaf und Erwachen und die
Stelle aus dem Neuen T estament, von der die Bekehrung

II

Jede Bekehrung hat zwei Seiten: die Abkehr von einer vorherigen Existenzform
(Dekonversion) und die Hinwendung zu einer neuen (Konversion) (Barbour
xxi-xxii). Vor der endgültigen Konversion - wie wir schon bei Augustinus beob-
achteten - sucht der Bekehrte die Lösung in verschiedenen Richtungen, die sich
bald als unbefriedigend erweisen. Im Eingangsmonolog beschreibt Faust den An-
fang dieses Prozesses. Faust ist laut der ersten Regieanweisung "unruhig." Eine aku-
te Existenzkrise leitet seine Suche nach einer neuen Orientierung ein: "Es möchte
kein Hund so länger leben! / Drum hab ich mich der Magie ergeben" (377).
Zunächst versucht Faust im Bereich der naturphilosophischen Religiosität die
Grenzen des Menschlichen durch Erkenntnis des Ganzen (mittels der Makrokos-
mos- Vision) beziehungsweise durch eine lebendige Erfahrung in der vollen Inten-
sität des Unmittelbaren (Erdgeist- Vision) zu überschreiten (Schmidt, Goethes Faust
72). Beide Versuche scheitern (454, 485).
Nach diesem doppelten Misserfolg verfällt Faust in eine tiefe Melancholie. Ab-
weichend von Jochen Schmidt, der Fausts Melancholie als Disposition zum Teufel-
spakt ansieht, scheint es mir nahliegend, sie im Kontext der pietistischen Tradition
der Bekehrung zu verorten, einer Tradition, mit der Goethe von Kindesbeinen an
vertraut war. Die Vertreter des im siebzehnten Jahrhundert entstandenen Pietismus
legten Wert auf "Erfahrbarkeit, Verifizierung und persönliche Aneignung des
Glaubens." Christsein wurde "als von Gott gewollte und gewirkte persönliche Exis-
tenzwende in Abkehr von der Sünde, als Bekehrung, Wiedergeburt und Heiligung
verstanden" (Brecht l).9 Dies führte bei den Pietisten zu einer "Aristokratie der
Wiedergeborenen" (Weber 137) und einer neuartigen Bekenntnisliteratur (Niggl,
Die Autobiographie 367). Goethe hatte bereits als Kind den Pietismus kennenge-
lernt. Später, um 1768-69, wurde seine Erfahrung mit dem Pietismus, und zwar mit
der Herrnhuter Brüdergemeine, viel persönlicher und intensiver (Soboth 211).
Unter dem Eindruck dieser Erfahrung experimentierte Goethe seit den siebziger
Jahren in zahlreichen literarischen Werken mit unterschiedlichen pietistischen
Themen (217). Der Aspekt der Bekehrung wird ausfuhrlich und kritisch im sechs-
ten Buch von Wilhelm Meisters Lehrjahre behandelt, das 1795-96 kurz vor der
letzten Arbeitsphase an Faust I veröffentlicht wurde.10 Der dort wiedergegebene
Bekehrungsbericht der "schönen Seele" enthält eine explizite Auseinandersetzung

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GILLO: Goethe 469

mit zwei pietistischen Bekehrungsm


schen.11

Schon bei Augustinus kommt eine melancholische Phase als wichtiger Bestand-
teil des Bekehrungsprozesses vor. Bei manchen Pietisten wurde die Melancholie als
Vorstufe der Konversion derart idealisiert, dass von einem "pietistischen Trauerge-
bot" gesprochen wurde. Sie waren davon überzeugt, die "lebendige Erfahrung"
müsse sich an der göttlichen Traurigkeit entzünden. Die contritio wurde ins Zen-
trum des Bußprozesses gerückt und teilweise bis zur "heilsamen Verzweiflung" ge-
steigert, sodass aus göttlicher Traurigkeit schließlich pathologische Melancholie
wurde (Schings 75, 81). Das Resultat war der Typus des "schwermüthigen Pietis-
ten," der von den Vertretern der Aufklärung oft verspottet wurde (73, 75). Wenn
Faust also tief melancholisch wird, so bedeutet das an sich noch keine Disposition
zum Teufelspakt. Es ist vielmehr völlig vereinbar mit der pietistischen Bekehrungs-
vorstellung (Wendland 213), die Goethe in Wilhelm Meister thematisierte.
Nach dem Selbstmordversuch Fausts in der Szene "Nacht" und seinem in "Vor
dem T or" ausdrücklich geäußerten Wunsch nach einem radikalen Bruch und neuen
Anfang - "fuhrt mich weg, zu neuem buntem Leben!" (1121) - tritt Faust in
"Studierzimmer I" als Schwärmer auf.

Verlassen hab ich Feld und Auen,


Die eine tiefe Nacht bedeckt,
Mit ahnungsvollem, heil'gem Grauen
In uns die beßre Seele weckt
Entschlafen sind nun wilde Triebe
Mit jedem ungestümen Tun;
Es reget sich die Menschenliebe,
Die Liebe Gottes regt sich nun. (1178-85)

Das Ziel, die Wahrheit, die Transzendenz, das Absolute - alles, was die Licht-
metaphorik impliziert (Blumenberg) - zu erfahren, soll mittels einer persönlichen
Offenbarung erreicht werden.12 Die Verflechtung der Licht- und Dunkelheits-
metaphorik ("tiefe Nacht" [1179]) mit der Schlafmetapher ("Entschlafen sind nun
wilde Triebe" [1182]) und dem Topos der "Gottesliebe" gehört zum Erweckungs-
diskurs der Bekehrungsgeschichten. Fausts Sprache in dieser Szene ist von den
geläufigen pietistischen Bildern für die im Bekehrungsprozess einbrechende
göttliche Gnade geprägt - er sagt, "Dann wird's in unserm Busen helle, / Im
Herzen, das sich selber kennt" (1196 f.), und spricht von einer Bewegung nach "des
Lebens Quelle hin" (1201). 13 Sein Seelenzustand stimmt ihn optimistisch: Faust
glaubt nun, dass die Lampe nicht etwa "trüb" (679) wie in "Nacht," sondern
"freundlich" brenne.14

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470 The German Quarterly Fail 2013

III

Allerdings beginnt sich auch seine moderne Subjektivität hier abzuzeichnen.


Diktum, Tonfall und Gestik Fausts wirken bereits zu Anfang dieser Szene nachge-
ahmt - lediglich als Mittel zum Zweck. Die Rede von der religiösen Stimmung
scheint allzu nüchtern, kalkuliert und vernünftig. Seine rationale Analyse steht so-
gar im Widerspruch zur religiösen Gesinnung. "Vernunft fángt wieder an zu spre-
chen" (1198), genau da, wo sie eher schweigen sollte, wo das sacrificium intellectus
nötig ist.15 Sie macht auch diesen Versuch Fausts, über seine Grenzen hinaus zu ge-
hen, zunichte. Diese Spannung ist auch an der zweideutigen Lichtmetaphorik zu
erkennen. Einerseits versinnbildlicht sie gemäß ihrer traditionellen Bedeutung
Fausts vermeintliche Annäherung an das Göttliche, andererseits steht sie ihrer neu-
zeitlichen säkularen Umbesetzung entsprechend gleichzeitig für seine Aufklärung
(Schmidt, Goethes Faust 6-7; 10-12). 16
Mit anderen Worten: Faust hat zwei Seelen in seiner Brust; die eine ist schwär-
merisch, die andere vernünftig und steht daher der ersten im Wege. Zwischen den
beiden ist weder Versöhnung noch Gleichgewicht denkbar. Faust verkennt, dass es
zunächst sein Mangel an Glauben und seine rationale Souveränität sind, die ihm
beim gegenwärtigen Versuch, die Grenzen der normalen Wahrnehmung zu spren-
gen, hinderlich werden. Vielmehr ist er der Uberzeugung, dass allein der lästige
Pudel zwischen ihm und der T ranszendenz steht. Er gewahrt, dass er seinen Antrieb
verloren hat und bringt dies ebenfalls in einem pietistischen Bild zum Ausdruck:
warum müsse der "Strom" (der göttlichen Gnade) "versiegen", fragt Faust klagend
(1212).
Allerdings weiß er noch ein weiteres Mittel: "Doch dieser Mangel läßt sich
ersetzen, / Wir lernen das Uberirdische schätzen, / Wir sehnen uns nach
Offenbarung" (1215-17). Diese Verse zeigen deudich, dass es Faust um die
Fortsetzung der gescheiterten religiösen Meditation geht. "Wir sehnen uns nach
Offenbarung" kann wortwörtlich genommen werden: er möchte nicht über eine
Offenbarung lesen, er sehnt sich nach Offenbarung, nach einem persönlichen
Erlebnis, das ihm die Grenzüberschreitung des Menschlichen gewähren soll.17
Daher bemüht sich Faust weiter, die Situation nach dem Muster einer
Bekehrungsszene zu gestalten. Nach der Unzufriedenheit mit seiner bisherigen
Existenz und einer melancholischen Phase, nach Verzweiflung und etlichen
Versuchen, das Absolute zu erreichen, sucht er in einem gespannten Moment die
Einkehr zu Gott. Hiermit stellt er sich in eine lange Tradition - von Paulus und
Augustinus bis hin zu den Pietisten - in der die Bekehrung als Offenbarung
verstanden wird, als Einbruch der göttlichen Gnade, welche den Einzelnen mit
Glauben und Gewissheit versieht (Kleinberg 140, Shantz 50). Der innere Trieb
("Mich drängt's, den Grundtext aufzuschlagen") ist Fausts "tolle, lege" eine innere

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Gillo : Goethe 471

Stimme, die man im Höhepunkt d


Pietist weiß er, dass die persönlich
direkten Beschäftigung mit Gotte
Demgemäß besorgt sich Faust nun
geschichte, das Neue Testament, un
seinerzeit im Mailänder Garten (un
einem dramatischen Moment von
ersehnte Offenbarung, die gleichze
zu erleben.

Geschrieben steht: "Im Anfang w


Hier stock ich schon! Wer hilft mir

Ich kann das Wort so hoch unmög


Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuc
Geschrieben steht: Im Anfang wa
Bedenke wohl die erste Zeile,
Daß deine Feder sich nicht übereil
Ist es der Sinn, der alles wirkt und
Es sollte stehn: Im Anfang war die
Doch, auch indem ich dieses niede
Schon warnt mich was, daß ich da
Mir hilft der Geist! Auf einmal se
Und schreibe getrost: Im Anfang

Fausts Verwendung des mit der p


verbundenen Begriffs der "Erleuch
bin") ist ein weiteres Indiz dafür, d
Doch sein Verhalten an dieser Stel
gustinus steht die Bekehrung am
Weg zu Gott war unter anderem s
deren Sprache ihm vorab zu weltlic
allegorischen Lesart, mit der ihn A
ist Exegese nur ein Moment de
besonders am dramatischen Höhepu
Der Bekehrte soll den vom Heiligen
sich wirken lassen, der Text soll ih
dass ein gewisses hermeneutisches
Hermeneutik eine allzu bedeutend
Die vollkommene Unterwerfung, d
Schritt der Bekehrung hält (173, 1
Eine weitere Komponente seiner m
Bekehrung unmöglich macht, bild

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472 The German Quarterly Fail 2013

kehrungsgeschichten setzen voraus, dass das Wort den


verändern kann. In früheren Epochen war das Inspirat
demzufolge (in der strengen Form der Verbalinspiratio
die Buchstaben und Interpunktion hinein ein Werk des
zen 35). Fausts Bekehrung muss auch deswegen scheiter
fassung verwirft. Mit seiner willkürlichen Ubersetzung s
on der Aufklärung an, "die den vorherrschenden relig
Diskurs über die Sprache und ihre verborgenen Bedeutu
einen modernen wissenschaftlich-philosophischen Disk
Das Geständnis "Ich kann das Wort so hoch unmöglich
lich dem "Bemühen der Aufklärer, die semiotischen Sy
verseller Basis neu zu errichten" (Shahar 100). Diese auf
rationale Handhabung des Zeichens durch Faust schließ
on aus. Das Wort nicht so hoch zu schätzen, bedeutet hier
Person" Gottes nicht anerkennen zu wollen.20
Mit seinem Wunsch, "[d]as heilige Original" in se
übertragen" (1222-23), partizipiert Faust am moderne
Deutschen, linguistische Koordinaten zu schaffen, aus
gesellschaftlich-kulturelle Form ableiten lässt (Shahar 1
suggerierte "souveräne Einsamkeit" des Literaten (D
Ubersetzungsalternativen erwägt, stilisiert sich Faust
nationalbewussten Schriftsteller, dessen Tätigkeit nicht
Uberwindung der Erbauungsliteratur besteht. Diese sä
Arbeit kann als Ubersetzung im weitesten Sinne verst
markiert auch seinen Versuch, eine originale, profane d
ben, die dialektisch vom Religiösen freigesetzt werden
strukturellen Einsicht, dass Faust ein spiegelverkehrte
darstellt, das "statt eines Heiligen, dessen Lebensgeschic
ist," den weltlich interessierten Faust präsentiert (Schö
Faust 23), lässt sich sagen, dass an die Stelle des bekeh
Schriftsteller stilisierender Faust tritt.23

Fausts Versuch, den Xóyoç des Johannesprologs neu


so, dass die Übertragung schließlich mit der eigenen ne
einbar sein sollte), gehört ebenfalls zu seiner Konstituie
Damit wird sein Auftritt in dieser Szene nicht nur al
konkret aktuell. Um 1800 haben die schillerndsten Figu
sing, Kant, Fichte, Herder, Schleiermacher, Hegel und
Lichte ihrer philosophischen Systeme ausgelegt und Àó
risch als "Vernunft" übersetzt (Schulze, Weidner). Faus
genössischen Diskurs ein und spekuliert über die Bedeut

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GILLO: Goethe 473

nimmt die Willkür seiner Vorschläge


"Kraft" zur "T at." Die letzte Ubersetz
Tätigkeit, zu der sich Faust soeben ans
zu sein - die Beschäftigung mit und
Wort "Tat," bei dem er nun getrost
"weltlichere Karriere" im Gretchendrama.

Indem er den Text übertragen möchte, verwechselt Faust die Richtung seiner
angestrebten Bekehrung. Nicht allein aufgrund des mangelnden Glaubens kommt
es nicht zur Konversion, sondern auch, weil er in seinen Ubertragungsversuchen
darauf besteht, rational, aktiv und souverän zu bleiben. Stattdessen beginnt nun der
Pudel, sich in Mephistopheles zu verwandeln. Aufgrund der Verwandtschaft der
ersten Szenen mit der Struktur, Motivik und Metaphorik klassischer Bekehrungs-
schilderungen lässt sich eine Betonung und Radikalisierung des Bekehrungssche-
mas in Faust konstatieren. Faust erstrebt seine Neugeburt und stilisiert die Uberset-
zungsszene zur Bekehrungsszene. Die dramaturgische Stärke (wie auch die Ironie)
dieser Stelle liegt darin, dass sie von Erlösungsspannung aufgeladen ist, so dass die
Peripetie einer Bekehrung erwartet wird, zu der das Auftreten Mephistopheles' eine
Antiklimax bildet. Die Schließung der "großen Lücke" besteht in ihrer Intensivie-
rung, in der Erkenntnis ihres inkommensurablen Charakters und der Aussichtlo-
sigkeit, sie geschmeidig zu überwinden. Da die Figur der Bekehrung auf den Kopf
gestellt wird, da anstatt der Konversion zu Gott sofort die Erscheinung Mephisto-
pheles' und Fausts Hinwendung zu ihm erfolgen, lässt sich im Hinblick auf ihr
T8ÀOÇ, den Antichristen, von einer verkehrten Bekehrung reden. Aus der großen
Lücke wird eine Zäsur. So sagt Mephistopheles zu Faust am Ende der Szene "Stu-
dierzimmer II" mit Recht: "Ich gratuliere dir zum neuen Lebenslauf' (2072).

IV

Angesichts des Paradigmenwechsels der Aufklärung wurde eine traditionelle


Bekehrung am Ende des achtzehnten Jahrhunderts zumindest in bestimmten
intellektuellen Kreisen als problematisch empfunden. Das neue Subjekt der Aufklä-
rung war gewissermaßen um jene wunderbare, die Gewissheit der Erlösung ver-
sprechende Wiedergeburt gebracht. Doch jene Generation, welche die Figur der
Bekehrung noch unmittelbar als potenziellen religiösen und existenziellen Ausweg
kannte, konnte schlecht auf sie verzichten. Die Bekehrung wird als Denkfigur
herangezogen und fortgeschrieben. Sie wird zum Mittel, Subjektivität zu formulie-
ren und sie kritisch zu durchdenken.

Ein prominentes Beispiel dafür liefert der berühmte Bürger aus Genf. In seinen
Confessions (1789) erzählt Rousseau von seinem "Vincennes- Erlebnis" und säkula-

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474 The German Quarterly Fail 2013

risiert dabei die Figur der Bekehrung radikal.24 Währ


Schrift aufschlägt und von ihr bekehrt wird, liest Rous
Die entscheidende Stelle für ihn ist nicht biblisch, sonde
Aufklärung: ob die Wiederherstellung der Wissensch
getragen habe, die Sitten zu läutern. Und dennoch: d
Zäsur im Leben, eine Vernichtung des alten Ichs, ist a
vorhanden. Anstatt einer Konversion zu Gott, vollzieh
Ästhetischen, zum Schreiben (Riley). Versteht Augus
Neugeburt in Christus, so fuhrt Rousseau im Nachhi
sondern das Unglück seines späteren Lebens auf diese
seau 2:199). Damit setzt Rousseau schon vor Goet
Bekehrungsfigur als literarisches Mittel ein, um der mo
zu werden. Bei diesem Ubergang von der augustinisc
(Nightingale) zur modernen Autobiografie geht aus de
eine neue Auffassung des Selbst als ein autonomes Su
Persönlichkeitskult die Stelle der augustinischen Pietä
Diese Ambivalenz zwischen einer aufklärerischen D
kehrung und einem Widerwillen, sie aufzugeben, kom
bei Immanuel Kant, der aus pietistischem Milieu stam
bedient sich der Figur der Bekehrung zur Begründung
entwurfs. Er beharrt auf der Bekehrung als "Wiederhe
[menschlichen] Anlage zum Guten" - allerdings bloß
Vernunft. Dementsprechend ändere sich der böse Men
verän, "durch eine einzige unwandelbare Entschließu
serung müsse "eine Wirkung seiner freien Willkür sein."
als "Schwärmerei, Aberglaube, Illuminatis oder Thaum
diesen Zuständen "aller Verstandesgebrauch aufhört"
rungen bringt Kant den Paradigmenwechsel deutlich
die Bekehrung von Passivität, Irrationalität und Mystifiz
sie als "Revolution" der Denkart, als eine Entscheidung
Maxime seines Lebenswandels zu verändern nötig.25
Auch Goethe war eine Zeitlang von dieser Spannung
und pietistischen Vorstellungen eingenommen.26 Wie
tatsächlich der pietistischen Gedanken- und Glaub
suchte er später in Dichtung und Wahrheit zu versch
wurden seine Briefe an Ernst Theodor Langer wiederg
der sogenannte Bekehrungsbrief vom 17. Januar 1769
pietistisches Konventikel in seinem Elternhaus und das
an jenem Abend beschreibt:

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GILLO: Goethe 475

Mich hat der Heiland endlich erhascht, ic


mich bey den Haaren [...] ich halte den G
Namen Jesus Christus eine kleine Zeit
Seligkeit.27 (zit. nach Fischer-Lamberg

In seiner Autobiografie erwähnt Goeth


pietistische Erfahrung als ein intellek
interessiert, aber zugleich vernünftig-
überstand. Uber das Dogma der Erbsün
von andern werten Christenseelen abs

daß die menschliche Natur durch den Sün


in ihren innersten Kern nicht das mindes
auf seine eignen Kräfte durchaus Verzich
Einwirkung zu erwarten habe. (690-91)

Diese Begründung ist wichtig, den


"gemeinsame Gegner," in dessen Bekäm
Grundrichtungen der Aufklärungsph
Weiteren lehnt Goethe diesen pietist
allzu passiv vorkommt. Somit treten
denen sich die pietistische Periode Go
siasmus und die Vorstellung einer Bek
sein aufgehendes Selbstverständnis als
am Ende des Bekehrungsbriefes - "
Autor werden soll" (zit. nach Fischer-
erweisen.

Goethes literarische Beschäftigung mit der Figur der Bekehrung soll vor diesem
Hintergrund gelesen werden. In Wilhelm Meisters Lehrjahre erweitert er Kants
Kritik an der pietistischen Bekehrung: ihre asketische Natur, ihre Ablehnung dieser
Welt widerspricht ja auch dem neuen, diesseitig orientierten Bildungsideal (de
Boor 123).28 In Faust wird die Kantische Position dialektisiert. Anfänglich wird die
moderne Subjektivität betont. Mit seiner Aktivität, seinem Widerwillen, sich zu
unterwerfen, seiner sprachtheoretischen Orientierung und seiner Anfuhrung der
Topoi, die den Johannesdiskurs um 1800 auszeichnen, zeigt sich Faust als das er-
kennende Subjekt der Aufklärung. Mündete die Bekehrung bei Kant ungehindert
in den rationalen Ethikdiskurs der Aufklärung, so illustriert sie in Faust als verkehr-
te Bekehrung die Komplexität und Spaltung des rationalen autonomen Subjekts.
Sie zeigt zunächst die Grenzen dieser Autonomie und ihren Preis. Sie verdeutlicht,
wie "die Autonomie des individuellen Subjekts immer wieder durch Heteronomie,
Unterwerfung und Entsagung erkauft [wird]" (Zima 91). Auch wenn es sich nicht
Gott, einer Ideologie oder kulturellen Diktaten hingibt, wird seine Autonomie

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476 The German Quarterly Fail 2013

dadurch negiert, dass es dem Mephistophelischen unt


dämonische Dimension in ihm, von der Descartes, K
wissen wollten - dem Körperlichen, der Leidenschaf
das Andere der Vernunft oder des kalt berechnenden Verstandes. Das moderne

Subjekt kommt folglich dämonisch, gespalten und - wie im Wort subjectum bereits
angelegt - unterworfen auf die Welt. Subjekt bedeutet immer beides: subiectum und
subiectusy das Zugrundeliegende und das Unterworfene (3). Eine Subjektivität ohne
Unterwerfung lässt sich nicht denken. Daher eignet sich die dialektische Figur der
Bekehrung, die immer Ab- und Einkehr darstellt, um auf Subjektivität zu reflektie-
ren. Sie macht deutlich, in welchem Maße Dialektik, das heißt "Einheit der Gegen-
sätze, Umschlag des Einen in sein Gegenteil, Negativsetzen seiner selbst" und
"Selbstentzweiung" (Szondi 111), zum Konzept des Subjekts gehört.
Dies wird in der Ubersetzungs- und Bekehrungsszene deutlich, und zwar (zu-
nächst) in der dialektischen Konstellation, in welcher der nach Autonomie streben-
de Faust sich die größte Freiheit nimmt, indem er eine Stelle aus der Bibel übersetzt.
Ex nihilo kann er nichts zustande bringen und beschäftigt sich deshalb mit Modifi-
kationen, Transformationen, Entstellungen und Ubersetzungen des Alten ins
Neue. Seine Befreiung ist insofern dialektisch, als sie sich durch eine Abweisung
(der Autorität) vollzieht, die zugleich Anerkennung (eines kanonischen Textes) be-
deutet. Außerdem wird Fausts Subjektivität dialektisch dargestellt: seine Autono-
mie wird nicht durch eine transzendente Bekehrung aufgegeben, sondern durch
eine verkehrte Bekehrung, durch eine Wendung zu dem immanenten, mephisto-
phelischen Dämon, negiert. Eine Bekehrung zum Ubernatürlichen liegt Fausts
moderner Subjektivität fern; ihre Ablehnung fuhrt zur verkehrten Bekehrung, zur
Unterwerfung unter das Natürliche.
Als das "selbstherrliche Subjekt" der Aufklärung (Horkheimer und Adorno 6)
ist Faust in der Lage, sich von einer bestimmten Lebensform abzukehren (De-
konversion), aber nicht fähig, sich endgültig dem traditionellen Großen Anderen
hinzugeben (Konversion), bei dem allein - Augustinus zufolge - der Mensch seine
Ruhe finden würde (13). Dass Faust sich dieses Sisyphosschicksals vollends bewusst
ist, zeigt seine wohlweislich bedingte Wette: "Werď ich beruhigt je mich auf ein
Faulbett legen [...]" (1692). Sein Ubersetzungsvorschlag "Tat," der seinen Sprung
von der Tradition zur Moderne sowie die (dialektische) Verwirklichung seiner
Autonomie markiert, ist aber nicht notwendigerweise vernünftig und moralisch.
Sie kann auch - was gegen Kants Bekehrungsbeschreibung spricht - unvernünftig
und amoralisch oder vernünftig und amoralisch sein.
Ubersetzung und Bekehrung sind hier als Chiffren der Moderne ineinander
verschränkt, denn beide bestehen in einer dialektischen Bewegung der Begierde,
um eine Transformation des Alten zum Neuen zu vollziehen. Die "schrankenlose

Subjektivität" (Arens 147) entpuppt sich als Illusion und schlägt in ihr Gegenteil

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GILLO: Goethe All

um: das Subjekt unterwirft sich dem


nerschaft mit dem inneren Dämon ein. In diesem Zeichen der verkehrten Bekeh-

rung steht Fausts Eintritt in die Moderne. Daher kam für Goethe die traditionelle
Lösung der Faustbücher, Mephistopheles durch Fausts bewusste Beschwörung des
Teufels einzuführen, nicht infrage. Das formelle Problem der "großen Lücke"
musste anders bewältigt werden. Fausts Konstituierung als Subjekt wird als eine
verkehrte Bekehrung dargestellt, weil sein Ausgang aus der Unmündigkeit die dämo-
nischen Gestalten von Nihilismus und Gewalt annimmt. Insofern ist Faust eine

Tragödie im Sinne Peter Szondis: es stellt einen dialektischen Denkmodus dar, der
den Menschen selbst zum Schauplatz hat (60, 31).

Notes

1 Ich bedanke mich bei allen Kollegen und Freunden, die frühere Versionen des
Aufsatzes kritisch gelesen haben, insbesondere bei Jenny Tharr, Galili Shahar, Thomas
Böning, Yakir Paz, Friederike Knüpling und Karl Philipp Ellerbrock.
2 Die Bezeichnung "große Lücke" stammt aus einem Brief Goethes an Schiller vom 3.-4.
April 1801 und hat sich mitderweile in der Forschung etabliert (Schöne 67).
3 Den Zitaten aus Faust werden die Nummer der Verse in Klammern folgen.
4 Schöne schreibt: "[...] so schlägt in den alten Faustbüchern das Strukturmodell der
Heiligenlegende durch, deren Stationen (sündiges Weltleben, Bekehrung, Versuchung und
Bewährungen, Wundertaten und seliges Ende) hier in spiegelverkehrter, analogie-anti-
thetischer Fassung erkennbar werden" (183). Vgl. dazu Jochen Schmidt: "Als religiöse
Warnschrift ist das Faustbuch das Gegenteil einer fromm erbauenden Legende [...]. Als
Negativ- Legende stellt das Faustbuch statt eines Heiligen, dessen Lebensgeschichte auf Gott
hin orientiert ist und durch den Gottes wunderbare Macht sinnfällig wird, den Gegentyp des
Profanen ins Zentrum, der sich der Welt zuwendet und durch den die Macht des Teufels
sinnfällig wird" ( Goethes Faust 23).
5 Patrick Riley spricht von Rousseaus "inverted conversion." Für ihn besteht die Inversion
darin, dass die Bekehrung nicht als Erlösung, sondern als Verdammung beschrieben wird.
Ich hingegen verwende das Wort verkehrt im Kontext von Faust im Hinblick auf das xéXoQ
der Bekehrung: eine Hinwendung zu Mephistopheles anstatt zu Christus. Die Faust-Tradi-
tion präfiguriert diese Verkehrung. In der weitaus wichtigsten Quelle für Goethe zur Zeit der
letzten Arbeitsphase an Faust I (Schmidt, Goethes Faust 30-33), dem Faustbuch von
Widmann und Pfitzer (1674), wird erzählt, dass sich, nachdem der Pakt zwischen Mephis-
topheles und Faust längst abgeschlossen wurde, ein frommer Nachbar entscheidet, "Fausti
Heil zu versuchen, ob er diesen elenden Menschen bekehren möchte" (357). Faust erklärt
sich dazu bereit, aber der Bekehrungsplan kann nicht verwirklicht werden, denn "[i]n
solchem Vorhaben erscheinet ihm der Teuffel" und macht Faust darauf aufmerksam, dass
eine Bekehrung diesem Pakt widerspreche (358). Der Teufel bezwingt Faust. Er solle "sich
wiederum von neuem verschreiben, und solches mit seinem Blut bekräfftigen, daß er sich
hinfüro von keinem Menschen mehr wolle abmanen und verführen lassen" (359). Wenn man
beide Werke vergleicht, fällt auf, dass in beiden Fällen Mephistopheles stets nach einem

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478 The German Quarterly Fall 2013

Bekehrungsversuch von Faust auftritt. Doch im alten Faustb


Pakt, während Goethe dieses Motiv beim allerersten Auftritt
6 Aus religionspsychologischer Sicht definiert William James
gradual or sudden, by which a self, hitherto divided, and consci
happy, becomes consciously right, superior and happy, in conse
religious realities" (157). Für eine neuere Diskussion von B
Modellen siehe Rambo.

7Dennis Porter hat die Bekehrung mit der Interpellation von Althusser verglichen (30).
8 In den Bekenntnissen schreibt er: "und ruhelos ist unser Herz, bis dass es seine Ruhe hat
in Dir" (13); "Denn es währte noch fast neun Jahre, daß ich in diesem 'Schlamm der Tiefe,' um
mich her die Finsternis des Irrwahns, mich wälzte [...] und dennoch ließest Du immer noch
mich wühlen und tiefer mich verwühlen in jener Finsternis" (133); "Und der Bettler würde
noch in der gleichen Nacht seinen Rausch ausschlafen, ich war mit dem meinigen schon
eingeschlafen und aufgestanden und schlief weiter mit ihm ein und stünde auf, ach wie viele,
viele Tage!" (265).
9 Zum Thema der pietistischen Bekehrung siehe Luebke und Mathias.
10 Goethe erwähnt die Figur der Bekehrung auch im Brief des Pastors zu***: "Man fühlt
einen Augenblick, und der Augenblick ist entscheidend fur das ganze Leben, und der Geist
Gottes hat sich vorbehalten, ihn zu bestimmen" (12: 229).
11 Zinzendorf distanziert sich von der Büß- und Kampflehre bei Francké und dem
Hallischen Bekehrungssystem (Wallman 200).
12 Dass Faust selbst das Geschehene als Fortsetzung seiner vorigen Versuche betrachtet,
macht seine Enttäuschung angesichts des gegenwärtigen Scheiterns ("davon habe zuviel
Erfahrung" [1214]) unverkennbar.
13 Folgende Stellen evozieren auch äußerst pietistische Bildvorstellungen: "Entschlafen
sind nun wilde Triebe" (1182), "blühn" (1199), "nach des Lebens Bächen" (1200), "aus dem
Busen quillen" (1211), "der Storm versiegt" (1212), "die brennende Offenbarung" (1218 f.),
und "Mich drängt's" (1220). Siehe Langen 26-28, 32-33, 336, 346, 376, 377, 411-12, 423,
464, 468.
14 Dazu bemerkt Ulrich Gaier, dass Faust sich der Gottheit wie in einem Prozess der
Induktion annähern möchte ( Kommentar zu Goethes Faust 210). In seiner nächsten
Melancholie- Rede ("Studierzimmer II") wird er alle drei paulinischen Tugenden verleugnen
und den Pakt mit Mephistopheles schließen (1606 f.).
15 Die berühmte pietistische Bekehrung A. H. Franckes wird von ihm selbst als eine
Erfahrung verstanden, zu der die Überwindung der Vernunft gehört (Bohr 126, 136-37).
16 Eine der geistesgeschichtlichen Wurzeln des Begriffs "Aufklärung" ist die in der
zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts einsetzende Profanierung der pietistischen
Auffassung vom "inneren Licht" und des pietistischen Verständnisses der mit dem Bekeh-
rungsprozess zusammenhängenden "Erleuchtung" (Stuke 249).
17Jane Brown erklärt, warum es sich bei der Rettung Fausts durch den Osterchor keines-
wegs um eine Offenbarung handelt: da die Jünger nicht die Leiche Christi, sondern nur das
leere Grab vorfinden, könnte man die Quem quaeritis Szene gegen den Strich als einen
Hinweis lesen, dass sich das Osterwunder nicht verifizieren lässt ( Goethe's Faust 64). "The
vehicle of Faust's reawakened sense of life is a play. Revelation and epiphany do not occur
directly in Faust but only through the medium of art" {Goethes Faust 64-65).
18 Der Johannesprolog erscheint im Kontext mehrerer Bekehrungen, was zunächst mit
seiner Lichtmetaphorik, aber auch mit dem Thema der Wiedergeburt, das während des

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GILLO: Goethe 479

Dialoges zwischen Jesus und Nikodemus


seinen Confessiones verwendet Augustin
Verwandtschaft, aber auch die Differ
auszudrücken. Seinen Zustand vor de
Unfähigkeit, die "verdeckte Bedeutun
vollziehen (177, 331). Vgl. dazu die "Schön
bei einem Schimmer zu sehen, dass das,
Worts, durch das alles und auch wir
Augenblicke wußte ich, was Glauben w
19 Laut Philip Jakob Spener, dem "Vat
Prozesses.Bei Speners Schüler August He
ner 168) und nach Zinzendorf leitet die
20 Nach Arnd Böhm zeichnet sich Goe
Wörtern und Namen aus. Böhm nimmt d
Protagonisten HelNRIich Faust wahr u
seinem Versäumnis zusammen, Zeichen z
take words and names as tools for chang
begin living his own life, constructing a b
and is Heinrich in all of his potential, Fau
opportunity to live a better life" (434).
21 Dem Faust-Projekt Goethes sind diese
junge Goethe den Faust-Stoff wählte
"urdeutschen" Stoff zu rekurrieren (Schm
22 Diese Entwicklung setzte sich Go
gewissermaßen zum Ziel: "Die wahre Poes
Evangelium, durch innere Heiterkeit, du
weiß, die auf uns drücken" (580).
23 Im Mittelalter durften in der Regel l
sonst galt Autobiografie als superbia. Dem
der Goethe schon die Tatsache, dass er Sch
sein autobiografisches Unternehmen an
schung wird nicht auf die fiktionale Szene
die in Deutschland im neunzehnten Jahrh
zeitweise einen religiös-kultischen Chara
als Foren genutzt werden, um nationale
sich insofern um eine "religiös-politisc
Hinsicht mag die Übersetzung die "Gebu
tler 25, 28).
24 "Eines Tages nahm ich den französischen Merkur, und ihn beim Wandern über-
fliegend, fiel mir die von der Akademie zu Dijon fur das nächste Jahr aufgestellte Preisfrage in
die Augen, 'ob der Fortschritt der Wissenschaften und Künste zum Verderben oder zur
Veredelung der Sitten beigetragen hat?' Beim ersten Durchlesen dieser Worte sah ich eine
andere Welt vor mir und wurde ich ein anderer Mann" (2:199).
25"[N]ur durch eine Art von Wiedergeburt gleich als durch eine neue Schöpfung (Ev. Joh.
II, 5; verglichen mit 1 Mose 1, 2), und Änderung des Herzens" könne er ein besserer Mensch
werden (61). In Der Streit der Fakultäten wirft Kant Spener, Francké und Zinzendorf eine
"vernunfttötende" Mystifizierung vor (54-59).

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480 The German Quarterly Fail 2013

26 Neben der literarischen Auseinandersetzung gehört au


pietistisch erzogenen Johann Heinrich Jung (genannt Still
Dichtung und Wahrheit fuhrt Goethe Stillings naive Vo
pietistische Erlebnis des Durchbruchs göttlicher Gnade, a
sind eigentlich was wir in wissenschaftlichen und poeti
nennen: das Gewahrwerden einer großen Maxime, we
Geistesoperation ist; man kommt durch Anschauen dazu,
durch Lehre oder Uberlieferung. Hier ist es das Gewahrwerden
Glauben ankehrt und so in stolzer Sicherheit mitten auf d
(689).
27 In der Forschung wurde viel Mühe darauf verwendet, diese Zeile zu relativieren und zu
banalisieren. Siehe dazu Chiarloni 136.
28 "Two notions of Bildung were current: one conception emphasized the internal spiritu-
alized process by which man attained self-realization, and the other focused on the social ac-
tivity integral to and coincident with Bildung s consummation in man's self-harmony"
(Sorkin 66-67). Nach Sorkin sind diese beiden Bildungskonzeptionen anschaulich dar-
gestellt in Goethes Wilhelm Meister.

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