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VDG - MERKBLATT

Volumendefizite von Gußstücken aus Entwurf


Nichteisenmetallen P 201 E
August 2001

Einspruchsfrist: 28.02.2002

Inhaltsverzeichnis Seite
1 Geltungsbereich 2
1.1 Allgemeines 2
1.2 Legierungen 2
1.3 Gießverfahren 2
2 Erläuterungen 2
2.1 Porosität 2
2.1.1 Schwindungsporosität (Lunker) 2
2.1.2 Gasporosität 3
2.2 Sonstige Fehlstellen 3
3 Mögliche Auswirkungen von Porosität 3
3.1 Statische Festigkeit 3
3.2 Dynamische Festigkeit 4
3.3 Allgemeine Dichtheit und Dichtflächen 4
3.4 Oberfläche und Wärmebehandlung 4
4 Beurteilung der Porosität von Gußteilen 4
5 Beschreibung der Porosität 5
5.1 Porenklassen 5
5.1.1 Bezeichnung der Porenklassen 5
5.1.2 Bezugsflächen für die Porenklassen 6
5.1.3 Bestimmung der Porenklasse 7
5.1.4 Beispiele für Bezeichnungen der Porenklasse 7
5.2 Prüfmöglichkeiten 8
5.2.1 Durchstrahlungsprüfung mit Bildverstärker 8
5.2.2 Ultraschallprüfung 8
5.2.3 Dichtheitsprüfung 8
5.2.4 Sichtprüfung 9
5.2.5 Dichteprüfung 9
5.2.6 Schliff- und Schnittprüfung 9
6 Eintragungen in Zeichnungen 9
6.1 Kollektive Eintragung 9
6.2 Eintragungen für definierte Bereiche 9
7 Literaturhinweise, Normen, Richtlinien 10
Anhang 1 Definition weiterer Fehlstellen 12
Anhang 1.1 Kaltfließstellen 12
Anhang 1.2 Aufschweißungen (Klebstellen) 12
Anhang 1.3 Ziehriefen 12
Anhang 1.4 Grate 12
Anhang 1.5 Brandrisse 12
Anhang 1.6 Weitere Merkmale gegossener Bauteile 12
Anhang 2 Gefüge mit Beispielen der Porenklassen 0, 4, und 8 13
Anhang 3 Beispiele unterschiedlicher Porosität im allgemeinen und in
Abhängigkeit der Bezugsflächen (informativ) 14

Vom Fachausschuß „Druckguß“ im VDG erstellte Richtlinie.

VEREIN DEUTSCHER GIESSEREIFACHLEUTE


Zu beziehen durch das VDG-Informationszentrum Giesserei, Postfach 10 51 44, D-40042 Düsseldorf, Telefon (02 11) 68 71-254
Wiedergabe nur mit Genehmigung des Vereins Deutscher Giessereifachleute
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1 Geltungsbereich 2 Erläuterungen
1.1 Allgemeines 2.1 Porosität
1)
Dieses VDG-Merkblatt gilt für Gußstücke aus 2.1.1 Schwindungsporosität (Lunker)
Nichteisenmetallen (NE-Metallen). Ziel dieses
Schwindungsporen, auch Lunker genannt,
Merkblattes ist die Beschreibung von Anforde-
haben ihren Ursprung in den thermophysikali-
rungen an die Gußqualität sowie deren ein-
schen Eigenschaften der Gußwerkstoffe bei
heitliche Eintragung in technische Unterlagen.
der Erstarrung. Die Herstellung lunkerfreier
Gußteile ist nicht möglich.
Der Geltungsbereich dieses Merkblattes ist
auf innere und äußere Volumendefizite –
Metallische Werkstoffe haben im flüssigen
Porosität – eschränkt. Sonstige Fehlstellen
und im festen Aggregatzustand unterschied-
wie z.B. Einfallstellen, Kaltfließstellen, Auf-
liche Dichte und somit unterschiedliches spe-
schweißungen, Ziehriefen, Grate und Brand-
zifisches Volumen. Beim Übergang vom flüs-
risse, sind nicht Bestandteil dieses Merkblat-
sigen in den festen Zustand tritt ein Volumen-
tes.
sprung auf (Bild 1). Dieser ist bei den gängi-
gen Nichteisenmetallegierungen bei der Ab-
Porosität kann durch eine Zusammenarbeit
kühlung negativ (Volumendefizite, Erstar-
von Konstrukteur und Gießer minimiert wer-
rungskontraktion).
den.

1.2 Legierungen
Der Geltungsbereich dieses Merkblattes be-
schränkt sich auf Gußstücke aus Aluminium-,
Kupfer-, Magnesium- und Zink-Basislegierun-
gen nach den einschlägigen Normen
(DIN EN 1753 „Magnesium“, DIN EN 1706
„Aluminium“, DIN EN 12844 „Zink“, DIN EN
1982 „Kupfer“).

Ts = Schmelzpunkt
1.3 Gießverfahren
Der Inhalt dieses VDG-Merkblattes be- Bild 1 Temperaturabhängigkeit des spezifi-
schränkt sich zunächst nur auf das Druck- schen Volumens von Aluminium
gießverfahren sowie artverwandte Sonder-
gießverfahren, wie Squeeze-casting und Da in der Regel die Randschale und der An-
Thixocasting. guß eines Teiles früh erstarren, bildet sich im
Innern des Gußteiles ein Volumendefizit. Dies
ist die Ursache für Hohlräume im Gußteil.
Durch geeignete erstarrungsgerechte Kon-
struktion – Vermeiden von Wanddickenunter-
schieden – des Gußteiles und optimale Aus-
legung des Gießsystems läßt sich dieses Vo-
lumendefizit minimieren.

Lunker weisen eine mehr oder minder stark


zerklüftete, kavernenartige Form auf. Ist die
Tragfähigkeit der Randschale geringer als die
bei der Schwindung auftretenden Spannun-
1)
gen, kommt es zu Schwindungs- oder auch
Diese Richtlinie wurde federführend vom Warmrissen. Diese können, wie auch die Lun-
Fachausschuß Druckguß erarbeitet. Die ker, bei geeigneter Gußteilgestaltung und
Fachausschüsse Leichtmetallguß und
Formauslegung durch eine entsprechende
Kupfergußwerkstoffe arbeiten bei der Erstellung
dieses Merkblattes mit.
Nachspeisung betroffener Bereiche ausgeheilt

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werden. Besonders warmrißanfällig sind Le- 2.2 Sonstige Fehlstellen
gierungen mit einem breiten Erstarrungsinter-
Neben der Porosität gibt es noch weitere
vall.
Fehlstellen, welche die Qualität eines Guß-
stückes beeinflussen können, wie Kalt-
Wenn Lunker und Poren mit dem normalsich-
fließstellen, Aufschweißungen, Ziehriefen,
tigen Auge festgestellt werden können, spricht
man von Makroporosität andernfalls handelt Grate und Brandrisse.
es sich um Mikroporosität.
Diese Fehlermerkmale werden in diesem
Merkblatt erwähnt und im Anhang 1 defi-
2.1.2 Gasporosität niert. Sie sind jedoch nicht Bestandteil
Gasporen können folgende Entstehungs- dieses Merkblattes. Soweit möglich, wird
gründe haben: auf weitere Richtlinien und Normen, die
diese Fehlstellen und deren Prüfmethoden
– thermodynamische Ursachen behandeln, hingewiesen.
– strömungsmechanische Ursachen.

3 Mögliche Auswirkungen von


2.1.2.1 Thermodynamisch bedingte Gas-
porosität Porosität
Flüssige Metalle weisen in der Regel eine hö-
here Löslichkeit für elementare Gase auf als Poren in Gußteilen können je nach Art und
feste. Bei der Erstarrung kommt es deshalb Beschaffenheit des Bauteils sowie nach Art
zur Ausscheidung von Gasen und damit zur der Beanspruchung Auswirkungen auf die
Bildung von Poren. Diese reichern sich im Be- Festigkeit, die Druckdichtheit und die Oberflä-
reich der Resterstarrung an. chenbeschaffenheit bzw. das Aussehen des
Bauteils haben.
Bei Legierungen mit einem ausgeprägten Er-
starrungsintervall findet die Gasausscheidung Bei technischen Bauteilen ist insbesondere
bevorzugt zwischen den Dendritenarmen die Auswirkung der Porosität auf die Bauteil-
statt. Hierdurch bedingt, weisen Gasporen, die festigkeit zu beachten. Gleiche Porosität kann
durch die Ausscheidung hervorgerufen wer- bei statischer und dynamischer Beanspru-
den, in der Regel keine runden Konturen auf. chung des Bauteils unterschiedliche Auswir-
Die Abrundung der Kontur hängt von dem kungen haben.
Gasgehalt der Schmelze ab.
3.1 Statische Festigkeit
2.1.2.2 Strömungsmechanisch bedingte
Gasporosität Bei der Beanspruchung eines Bauteils durch
Bei der Formfüllung kommt es durch die Me- eine äußere Kraft entsteht im belasteten Bau-
tallströmung zum Einschluß von Gasen. Es teilquerschnitt eine Spannung. Diese ist zum
handelt sich um Gase aus der Umgebungsluft Quotienten aus Kraft und Querschnittsfläche
und um solche Gase, die durch thermische proportional. Wird der Querschnitt durch Po-
Kontaktreaktion zwischen der Metallschmelze ren verringert (geschwächt), nimmt die Span-
und dem Formstoff oder dem Formwerkstoff nung zu. Sobald die resultierende Spannung
bzw. den Formhilfsstoffen wie Trennstoffe, die Elastizitätsgrenze des Werkstoffs über-
Schlichte usw. entstehen. Strömungsmecha- schreitet, kommt es zu bleibenden Verfor-
nisch bedingte Gasporen weisen aufgrund der mungen, die zum Bruch führen können. Zu-
Grenzspannungsverhältnisse zwischen Gas sätzlich zur Spannungserhöhung durch die
und Schmelze in der Regel runde Formen auf. Querschnittsverringerung kommt es, abhängig
von der Porengeometrie, zu einer Kerbwir-
Anmerkung: kung. Bei statischen Belastungen ist in erster
Im allgemeinen treten beide Formen, Lunke- Linie die Querschnittschwächung und somit
rung und Gasporosität, gemeinsam auf. der flächenbezogene Porenanteil als kritisch
zu bewerten.

Bei der Biege- und Torsionsbeanspruchung ist


die Lage der Porosität, bezogen auf die neu-

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trale Faser, zu beachten. Insbesondere bei einträchtigung von eingesetzten Dichtungen
schwindungsbedingten Poren liegt die Poro- führen.
sität im Bereich der Materialanhäufung und
somit in der Nähe der neutralen Faser. Da-
3.4 Oberfläche und Wärme-
durch kann die Festigkeitsabnahme im Ge-
samtquerschnitt in guter Näherung auch pro- behandlung
portional zum Flächenanteil der Porosität an- Porosität an der Oberfläche kann bei Bautei-
gesehen werden. len, die oberflächenbeschichtet, galvanisch
behandelt oder wärmebehandelt werden, zu
3.2 Dynamische Festigkeit einem Auftreten von Unstetigkeitsstellen bzw.
Oberflächenblasen führen. Während der
Bei der dynamischen Festigkeit eines Bauteils Wärmebehandlung (Glühbehandlung, thermi-
spielen außer dem Werkstoff selbst in erster sche Trocknung von Lacken usw.) von Guß-
Linie Kerbfaktoren eine Rolle. Sowohl geo- teilen kommt es aufgrund der erhöhten Tem-
metrische Konturen als auch Inhomogenität peratur zu einer Verringerung der Festigkeit
durch Oxidhäute, Einschlüsse, Gefügebe- des Werkstoffs. Infolgedessen können insbe-
standteile, intermetallische Verbindungen etc. sondere gasgefüllte Poren aufgrund des vor-
und Gußfehler können Kerben darstellen, de- handenen Innendrucks zu Deformation bzw.
ren Kerbfaktoren größer sein können als die Blasenbildung führen. Dies gilt insbesondere
von Poren. für druckgegossene Bauteile (siehe Punkt
2.1.2.2). Mit Hilfe einer Zwangsentlüftung der
Poren haben in Abhängigkeit von ihrer Form, Druckgießform läßt sich auch beim Druck-
der Lage zur Gußoberfläche und der Anord- gießen die Blasenbildung weitgehend
nung zueinander unterschiedliche Kerbwir- unterbinden.
kungen. Die Kerbwirkung nimmt

– mit dem Flächenanteil der Porosität und mit 4 Beurteilung der Porosität von
dem Porendurchmesser zu und
– mit zunehmender Rundheit und wachsen-
Gußteilen
dem Abstand der Poren von der Gußober-
Das Maß an Porosität hängt vom Werkstoff,
fläche ab.
vom Fertigungsverfahren, von der verfahrens-
gerechten Gestaltung des Bauteiles selbst,
Untersuchungen bezüglich der Dauerfestigkeit
von seiner Funktion und vom Grad der zuläs-
von Aluminiumgußlegierungen haben bei Zu-
sigen Porosität ab. Allgemein kann gesagt
nahme der Porosität von Porenklasse 0 auf
werden, daß eine Verschärfung der Anfor-
Porenklasse 8 eine Abnahme der Dauerfes-
derung hinsichtlich geringerer Porosität zu
tigkeit um ca. 15 bis 20 % ergeben [1 bis 5].
einem erhöhten Fertigungs- und Prüfauf-
Dies entspricht dem Bild in Anhang 2 [6].
wand und somit zu einer Erhöhung der
Kosten führt.
3.3 Allgemeine Dichtheit und Dicht-
flächen Zwischen Makroporosität und Mikroporosi-
tät wird unterschieden:
Haben Gasporen, Lunker und Warmrisse eine
Verbindung zur Gußhaut (offene Poren, Ein- Unter den Begriff Makroporosität fallen alle
fallstellen) oder werden sie bei der mechani- Poren, deren Größe und Form mit dem nor-
schen Bearbeitung der Teile angeschnitten, malsichtigen menschlichen Auge oder einem
kann es in Abhängigkeit von der Porenvertei- Hilfsmittel, das eine dem menschlichen Auge
lung zu Undichtheit der Bauteile und Dichtflä- entsprechende Auflösung aufweist (wie z. B.
chen kommen. In Verbindung mit einer Forde- das Röntgen), bestimmt werden können. Dies
rung nach Druckdichtheit sind besonders sind Poren mit einer minimalen Ausdehnung
Warmrisse und netzartig miteinander verbun- von 0,5 mm und mehr.
dene Lunker als kritisch zu bewerten.
Unter Mikroporosität versteht man Poren,
Poren können in Abhängigkeit von ihrer Form deren Form und Größe mit dem unbewaffne-
und Größe zu Beschädigungen und/oder Be- ten Auge nicht zuverlässig zu beurteilen ist.

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Sie reicht bis zu einer maximalen Ausdehnung bezogen auf eine Bezugsfläche an. Dabei ist
von 0,5 mm Durchmesser. Die minimal erfaß- die Bezugsfläche immer quadratisch, drei-
bare Porengröße richtet sich nach der Auflö- eckig (gleichschenklig) oder kreisrund und
sung des verwendeten Hilfsmittels. ihre Form abhängig von der jeweiligen Bau-
teilgeometrie (Bild 2 und Punkt 5.1.2).
Eine Anforderung bezüglich Porosität muß
sich an den Bauteilanforderungen (statische Durchmesser:
Festigkeit, Dauerfestigkeit, Druckdichtigkeit Die Angabe des Parameters Durchmesser ist
und Funktion bearbeiteter Flächen, Beschaf- optional. Er gibt den maximal zulässigen äqui-
fenheit von rohen Gußoberflächen) orientie- valenten Durchmesser von Einzelporen an.
ren. Die Beurteilungskriterien und -maß- (Der äquivalente Durchmesser ist der Durch-
stäbe hierfür sind zwischen Hersteller und messer eines flächengleichen Kreises.)
Abnehmer vor der Auftragsvergabe fest-
zulegen. An einem Bauteil ist es sinnvoll, un- Zusatz:
terschiedliche, bereichsspezifische Kriterien Die Angabe der Parameter Zusatz 1 bis Zu-
festzulegen (siehe Punkt 5.1). Die Arbeiten [6 satz n ist optional. Sie können einzeln oder in
bis 13] sind beim Festlegen von Beurteilungs- einer Mehrfachkombination vorgenommen
kriterien und -maßstäben eine gute Unterstüt- werden und dabei folgende Werte annehmen:
zung. An Abstand benachbarter Poren. Dieser
Parameter gibt den Mindestrandabstand
zwischen zwei benachbarten Poren an.
5 Beschreibung der Porosität Der Mindestrandabstand ist der Durch-
messer der kleineren zweier benach-
5.1 Porenklassen barter Poren multipliziert mit dem Faktor
n in mm. (A = Abstand)
Zur Beschreibung aller Anforderungen, die M Mitte der Bauteilwandung. Dieser Pa-
bezüglich Porosität an ein Bauteil gestellt rameter kann nur in Verbindung mit dem
werden, können für Teilbereiche unterschied- Parameter Durchmesser verwendet
liche Porenklassen festgelegt werden. Erfah- werden. Porennester sind nur in der
rungsgemäß ist es schwierig komplexe Bau- Mitte (M) der Bauteilwandung zulässig.
teile in einer Porenklasse zu fertigen. Porennester sind Anhäufungen von Ein-
zelporen. Notwendige Bedingung für
5.1.1 Bezeichnung der Porenklassen das Vorhandensein von Porennestern
ist:
Die Bezeichnung der Porenklassen setzt sich – Der Durchmesser eines Porennestes
aus folgenden Parametern zusammen: ist größer als die maximal zulässige
Größe für Einzelporen.
Beanspruchungsart: – Der Abstand zwischen benachbarten
Der Parameter Beanspruchungsart kann die Poren ist kleiner als der Durchmesser
Bezeichnung der kleinsten dieser Poren.
C Materialanhäufung. Dieser Parameter
S für vorwiegend statisch beanspruchte Bau- kann nur in Verbindung mit dem Para-
teile meter Durchmesser verwendet werden.
D für vorwiegend dynamisch beanspruchte Porennester sind nur in Materialanhäu-
Bauteile fungen und Knotenpunkten (Wärme-
F für Bauteile mit besonderen Anforderungen zentren = C) zulässig.
an Funktionsflächen R Kernbereich der Bauteilwandung. Der
G für Bauteile mit nicht näher spezifizierten Parameter R ist nur für die Porenklas-
Anforderungen annehmen sen D10 bis D30 zulässig. (Z. B. D10:
vorwiegend dynamisch beansprucht mit
Porosität: einer maximal zulässigen Porosität von
Der Parameter Porosität für die vereinbarten 10 %.) Die angegebene Porositäts-
Flächen gibt bei den Beanspruchungsarten G, klasse gilt nur für den Kernbereich (R)
S und D die maximal zulässige Porosität in der Bauteilwandung (inneres Drittel der
Prozent, bei der Beanspruchungsart F die betrachteten Wanddicke). In den beiden
maximal zulässige Anzahl definierter Poren,

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äußeren Dritteln ist die Porositätsklasse Lage innerhalb der Bezugsfläche, Abmes-
D4 einzuhalten. sung der Teilfläche = 3 mm x 4 mm), der
Pn Porengröße. Dieser Parameter kann Anteil der Flächenporosität mehr als 4 %
nur in Verbindung mit dem Parameter betragen. Diese Vorgehensweise entfällt,
Durchmesser verwendet werden. Die wenn die Größe der Bezugsfläche hierfür
maximal zulässige Porengröße (definiert nicht ausreicht.
durch den Parameter Durchmesser) gilt
nur für den Kernbereich der Bauteilwan- Die Porenklassen D1 bis D4 sollten nur für
dung (inneres Drittel der betrachteten besonders kritische Bauteilbereiche in
Wanddicke). In den beiden äußeren Ausnahmefällen angewandt werden (siehe
Dritteln ist die maximal zulässige Poren- auch Punkt 5.2).
größe (P) von Einzelporen auf einen Für alle anderen Bereiche sind die Poren-
Durchmesser von n mm begrenzt. Bei klassen D5 und größer zu empfehlen.
der Porenklasse F gibt n den Durch-
messer an, bis zu dem Poren unberück-
sichtigt bleiben.

Darstellung:
(Beanspruchungsart)(Porosität)/
[Durchmesser]/[Zusatz 1]/ [...] / Zusatz n]
z. B. S5/2/C oder F4/3/A0,5/P0,8

Zur hinreichenden Beschreibung der zulässi-


gen Porenklasse sind mindestens die Para-
meter in runden Klammern anzugeben. Die
Parameter in den eckigen Klammern sind op-
tional.
Bild 2 Schnitt durch ein Bauteil mit Poren und
5.1.2 Bezugsflächen für die Porenklassen den jeweiligen Bezugsflächen zur Be-
Wird ein beliebiger ebener Schnitt durch das stimmung der Porosität (siehe auch
Bauteil gelegt – bei der Porenklasse F wird Beispiele in Anhang 3)
die Funktionsfläche betrachtet –, ergibt sich
eine Fläche, die sich in quadratische, drei- 5.1.3 Bestimmung der Porenklasse
eckige (z. B. gleichschenklige) oder kreis-
runde sowie beliebig geformte Teilbereiche 5.1.3.1 Porenklasse S (bei statistischer
unterteilen läßt. Die jeweiligen Bezugsflächen Beanspruchung)
dieser Teilbereiche sind so zu wählen, daß sie Sowohl die Probenvorbereitung als auch die
eine maximale Fläche abdecken und sich verwendete optische Auflösung zur Prüfung
möglichst der Außenkontur der Teilbereiche der Porosität der Porenklassen S müssen
anpaßt (Bild 2). Im Bereich um Bohrungen zwischen Gießer und Abnehmer vereinbart
und Gewinde ist die Bezugsfläche die größte werden. Die getroffenen Vereinbarungen
Kreisringfläche um die Bohrung/das Gewinde, sollten vorzugsweise in den entsprechenden
wenn die Bohrung/das Gewinde im rechten Bauteilzeichnungen oder in einer Prüfvor-
Winkel zur Längsachse geschnitten wird. In schrift fixiert werden. Im Zweifelsfalle ist Poro-
diesem Falle wird die Dicke des Kreisringes sität der Klasse S an einer planen Oberfläche
wie eine gängige Wanddicke behandelt. mit einer gemittelten Rauhtiefe von mindes-
tens Rz 25 und einer Auflösung, die dem un-
Darüber hinaus besteht für die Porenklassen bewaffneten menschlichen Auge entspricht,
D1 bis einschließlich D4 folgende notwendige auszuwerten.
Bedingung:

Innerhalb der jeweiligen Bezugsfläche darf


(zusätzlich zur Einhaltung der klassenspe-
zifischen Porosität) in keiner Teilfläche der
Bezugsfläche (Teilfläche mit beliebiger

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5.1.3.2 Porenklasse D (bei dynamischer
Beanspruchung) Beispiel 2: Bezeichnung S5/2/C
Wenn zwischen Gießer und Abnehmer nichts
anderes vereinbart wurde, wird die Porosität
bei einer Porositätsvorschrift der Klasse D
immer an einem metallographischen Schliff
mit einer Vergrößerung 25 : 1 unter dem Mi-
kroskop ausgewertet.

Die Porositätsklassen D1 bis D4 werden aus-


schließlich an einem metallographischen
Schliff bei einer Vergrößerung von 25 : 1 aus-
gewertet.
Beispiel 3: Bauteil mit besonderen Anforde-
Wird kein besonderer Prüfquerschnitt in der rungen F4/3/a 0,5/P 0,8
Bauteilzeichnung festgelegt, gilt die Angabe
für alle Querschnittsbereiche des jeweiligen
Bauteiles.

5.1.3.3 Porenklasse F (besondere Anfor-


derungen an Funktionsflächen)
Die Porosität dieser Porenklasse wird, wenn
zwischen Hersteller und Kunde nichts anderes
vereinbart wurde, an den fertig bearbeiteten
Funktionsflächen mit dem unbewaffneten
menschlichen Auge ausgewertet.

5.1.3.4 Porenklasse G (Bauteile ohne


näher spezifizierte Anforderungen)
Die Porosität dieser Porenklasse wird, wenn Für ein Gußteil ist in die Zeichnung die allge-
zwischen Hersteller und Kunde nichts anderes meine Porositätsvorschrift S5/2/C eingetra-
vereinbart wurde, durch Röntgen auf einer gen. Für eine der drei Funktionsflächen an
Anlage mit einem Brennfleck ≤ 1 mm ausge- diesem Gußteil gilt außerdem gemäß Zeich-
wertet. Dabei wird das erzeugte Durchstrah- nung der Zusatz F4/3/A0,5/P0,8. Diese Vor-
lungsbild wie eine zweidimensionale Schnitt- schrift bedeutet:
fläche eines Bauteiles bewertet und gem.
5.1.2 in Bezugsflächen eingeteilt. Für das gesamte, statisch beanspruchte
Bauteil gilt eine maximal zulässige Poro-
5.1.4 Beispiele für Bezeichnungen der sität ≤ 5 %. Im Bauteil sind Einzelporen
Porenklasse mit einem Durchmesser bis max. 2 mm
zulässig. Porennester sind nur in Mate-
Beispiel 1: allgemeine Bezeichnung rialanhäufungen und Knotenpunkten
(Wärmezentren) zulässig (Beispiel 2).

In der speziellen Funktionsfläche sind


maximal 4 definierte Poren je Bezugs-
fläche zulässig. Die maximal zulässige
Einzelporengröße beträgt 3 mm Durch-
messer, Mindestrandabstand der Poren
untereinander 0,5 x Durchmesser der
kleinste zweier benachbarter Poren. Ein-
zelporen bis zu einem Durchmesser von
0,8 mm bleiben unberücksichtigt (Bei-
spiel 3).

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5.2 Prüfmöglichkeiten 5.2.4 Sichtprüfung
Zur Beurteilung der Porosität von Gußteilen Bei der Sichtprüfung handelt es sich um eine
gibt es unterschiedliche Prüfmöglichkeiten. zerstörungsfreie Prüfung. Ihre Auflösung ist
Die Prüfmethode sollte in Verbindung mit von den verwendeten Prüfmitteln (z. B. Lupe)
der Festlegung von Beurteilungskriterien abhängig. Die Sichtprüfung erfolgt an der
unter Berücksichtigung der Bauteilanfor- Rohkontur des Gußteils oder an bearbeiteten
derungen zwischen Hersteller und Abneh- Flächen. Eine Quantifizierung der allgemeinen
mer erfolgen. Porosität ist mit diesem Verfahren nicht mög-
lich.
5.2.1 Durchstrahlungsprüfung mit Bildver-
stärker 5.2.5 Dichteprüfung
Bei der Durchstrahlungsprüfung (Röntgen- Bei der Dichteprüfung handelt es sich um eine
prüfung) handelt es sich um eine zerstö- zerstörungsfreie Prüfung. Dieses Verfahren
rungsfreie Prüfung. Die Auflösung des Prüf- ermöglicht nur eine Aussage über den Anteil
verfahrens ist abhängig von den zu prüfenden von Volumenporosität im gesamten Bauteil.
Wanddicken, dem Durchstrahlungsweg und - Porengröße und -lage lassen sich nur für
winkel sowie der Gußteilgeometrie. Bei der Segmente durch Schneiden der Gußteile (Zer-
Röntgenprüfung wird eine zweidimensionale störung) ermitteln. Da die Dichteprüfung im
Projektion des Gußteils erzeugt. Hieraus re- allgemeinen nach dem archimedischen Prin-
sultieren Probleme bei der Lokalisierung und zip mit Wasser durchgeführt wird, ist es mit
Identifikation von Poren. Die maximale Auf- diesem Verfahren nicht möglich, offene Poren
lösung herkömmlicher in Gießereien ver- zu quantifizieren. Die Dichteprüfung ist allge-
wandter Röntgenanlagen beträgt ca. 0,5 mm. mein als Hilfsmittel zur Fertigungsoptimierung
geeignet.
5.2.2 Ultraschallprüfung
5.2.6 Schliff- und Schnittprüfung
Bei der Ultraschallprüfung handelt es sich um
eine zerstörungsfreie Prüfung. Die Auflösung Die Schliff- und Schnittprüfung sind eine zer-
ist abhängig von der Gußteilkontur der zu störende Prüfungen. Die Beurteilung erfolgt
prüfenden Wanddicken sowie dem Schallweg an einem Sägeschnitt, einer grobgeschliffenen
und -winkel. Bei der Ultraschallprüfung wird Fläche, einer gefrästen oder gedrehten Fläche
eine eindimensionale Projektion des Gußteils oder an einem polierten Schliff. Die Auflösung
erzeugt. Eine Gesamtübersicht über ein Bau- des Verfahrens ist von der Oberflächen-
teil kann nur durch ein Scannen des gesam- beschaffenheit der betrachteten Fläche und
ten Bauteils erzeugt werden. Bei der Ultra- den zur Betrachtung verwendeten Hilfsmitteln
schallprüfung können sowohl bei der An- abhängig. Die Schliff- und Schnittprüfung er-
kopplung des Schwingers als auch bei der möglicht lediglich die Beurteilung der Porosität
Auswertung der reflektierenden Signale (Be- in der jeweiligen Schnittebene. Deshalb ist die
stimmung von Porengröße, -anzahl und -lage) Prüfung nur für erhöhte Anforderungen in kri-
Komplikationen auftreten. Deshalb ist dieses tischen Bauteilbereichen geeignet.
Verfahren zur Porositätsbestimmung nur in
Sonderfällen anwendbar. Die Schliffprüfung ist das Verfahren mit der
größten Aussagefähigkeit in bezug auf kriti-
sche Bauteilbereiche ist, da es die genaue-
5.2.3 Dichtheitsprüfung
sten Informationen über die Ursachen und die
Bei der Dichtheitsprüfung handelt es sich um Entstehung von Porosität sowie weitere Gefü-
eine zerstörungsfreie Prüfung. Sie wird ange- geeinflüsse liefert.
wendet, wenn die Druckdichtheit eines Guß- Diese Prüfmethode ist ein sehr aufwendi-
teils gefordert ist. Die Dichtheitsprüfung ist nur ges und damit kostenintensives Prüfver-
dann sinnvoll, wenn besondere Anforderun- fahren, das eine besondere Sorgfalt bei der
gen an die Dichtheit eines Bauteils vorliegen. Durchführung erfordert [14].

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6. Eintragung in Zeichnungen
In Zeichnungen sind entsprechend Punkt 5.1
entweder für das gesamte Bauteil oder für
festgelegte Bereiche Porenklassenfestlegun-
gen vorzunehmen.

6.1 Kollektive Eintragung


Entsprechend dieser Richtlinie sind für die in
Punkt 5.1.1 definierten Beanspruchungsarten
S, D und G kollektive Angaben der maximal
zulässigen Porosität in % möglich. Für die Po-
renklassen D1 bis D4 sind keine kollektiven
Eintragungen erlaubt. Eine kollektive Zeich-
nungseintragung hat in der Nähe des Zeich-
nungsschriftfeldes zu erfolgen, wobei die An-
gaben der Beanspruchungsart und der maxi-
mal zulässigen Porosität obligatorisch sind:
Porosität nach VDG-Merkblatt P201 (siehe
Punkt 5.1.4):
A / B [ / D / Z1 / ... / Zn] In die Nähe des Schriftfeldes der Zeichnung
ist auf das VDG-Merkblatt P201 gegebenen-
Beispiel (siehe Punkt 5.1.4, Beispiel 2): falls mit einer kollektiven Eintragung nach 6.1
hinzuweisen.
Porosität: VDG-P201 S/5/2/C.

Eine kollektive Eintragung soll nur für die im


Gußstück am häufigsten vorkommende Poro-
7. Literaturhinweise, Normen,
sität angegeben werden. Richtlinien
[1] DIN EN 12681
6.2 Eintragungen für definierte Gießereiwesen – Durchstrahlungsprü-
Bereiche fung
Eintragungen für definierte Bereiche sind
dann erforderlich, wenn die Beanspruchungs- [2] ASTM E 155-95
art oder eine Funktionsfläche es erfordert. Für Standard Reference Radiographs for In-
die Porenklassen D1 bis D4 und die Bean- spection of Aluminium and Magnesium
spruchungsart F sind Eintragungen für defi- castings.
nierte Bereiche erforderlich (siehe Punkte
5.1.1 und 5.1.2). [3] ASTM E 505
Reference Radiographs for Inspection of
Gemäß dieser Richtlinie hat die Eintragung Aluminium and Magnesium die casting.
mit örtlichem Bezug zu erfolgen:
[4] ISO 10049
Aluminium alloy casting – Visual
method for assessing the porosity.

[5] ISO/WD 10135


Technical drawings – Drawings induca-
tions for moulded parts.

[6] Sonsino, C. M.; Dietrich, K.: Einfluß der


Porosität auf das Schwingfestigkeitsver-
halten von Aluminium-Gußwerkstoffen.

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Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit Aussagen zum Bauteilverhalten. VDI-
(LBF) Darmstadt, AiF-Forschungsvor- Werkstofftagung 91, München, 4./5.
haben Nr. 5899 (1990). März 1991.

[7] Ermittlung der Rißzähigkeit von Alumi- [12] Ostermann, H.: Schwingfestigkeit ge-
nium-Gußwerkstoffen an Kleinproben kerbter Flachstäbe aus Aluminiumlegie-
unter besonderer Berücksichtigung einer rungen.
vergleichenden Auswertung unter-
schiedlicher fließbruchmechanischen [13] Dieterich, K.: Schwingfestigkeit von
Konzepte. Abschlußbericht zum AiF- höchstfestem Aluminiumguß. Fraun-
Forschungsvorhaben Nr. 6048, Institut hofer-Institut für Betriebsfestigkeit (LBF)
für Werkstofftechnik, Gießereikunde der Darmstadt, LBF-Bericht Nr. 7543 (Mai
TU Berlin, Berlin 1987. 1999).

[8] Einfluß der Porosität bei Aluminiumguß- [14] Pries, H.: Einsatz der quantitativen Bild-
legierungen auf die Schwingfestigkeit analyse zur Bestimmung der Porenge-
unter Biegebelastung auf die Rißentste- halte in Aluminium-Druckgußteilen. Vor-
hung und den Rißfortschritt. Abschluß- trag auf dem 1. Internationalen Deut-
bericht des AiF-Vorhabens Nr. 8977, schen Druckgußtag in Neuss am 13.
Darmstadt 1997. April 2001.

[9] Hück, M.; Naundorf, H.; Schütz, W.: [15] Mertz, Klein, Badwidamann: Druckguß-
Bruchmechanische Unersuchungen und fehler-Katalog Aluminium.
Rißfortschrittsmessungen an lunkerbe-
hafteten, bauteilähnlichen Proben aus [16] Schumacher, F.; Widmaier, T.: Druck-
GK-AlSi12. Z. Werkstofftechnik 14 gußfehler-Katalog Zink.
(1983) S. 325-329.
[17] Rudat, M.: Druckguß Fehlerkatalog
[10] Schindelbacher, G.: Einfluß unterschied- Magnesium.
licher Porosität auf die mechanischen
Eigenschaften der Legierung GD-
AlSi9Cu3. Giesserei Praxis (1993) Nr. Die AiF-Forschungsvorhaben sind beim VDG-
19, S. 381-392. Informationszentrum und die Druckguss
Fehlerkataloge beim Steinbeis Transfer-
[11] Sonsino, C. M.; Ziese, J.: Schwingfestig- zentrum Arbeitsgemeinschaft Metallguss an
keit von Aluminiumlegierungen in ver- der Fachhochschule Aalen zu beziehen.
schiedenen Porositätszuständen und

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Anhang 1 wie z. B. Stanzen, Fräsen, Bohren usw. durch
Verformung des bearbeiteten Werkstoffes ent-
Definition weiterer Fehlstellen stehen. Beim Gießgrat handelt es sich um am
Gußstück anhaftende dünnwandige Werk-
A 1.1 Kaltfließstellen stoffanhäufungen und Metallreste, die beim
Gießen durch das Eindringen der Schmelze in
Kaltfließstellen sind Muster, die die Grenze
die Formteilung oder in Paßfugen von Form-
verschiedener Formfüllströme auf der Guß-
einsätzen oder Kernen entstehen.
stückoberfläche darstellen.

A 1.5 Brandrisse
A 1.2 Aufschweißungen (Klebestellen)
Brandrisse haben eine spinnwebenartige er-
Aufschweißungen sind Vertiefungen an der
habene Struktur an der Gußteiloberfläche.
Gußteiloberfläche, die durch Herausreißen
Ihre Ursache liegt in einer dauerhaften Schä-
einer oder mehrerer dünner Schichten, die mit
digung der Druckgießform durch Risse. Diese
der Oberfläche verschweißt sind, entstanden
entstehen besonders in Bereichen hoher
sind. Aufschweißungen treten oft an den
Temperaturwechselbeanspruchung während
Stellen auf, die während der Formfüllung be-
des Gießprozesses.
sonders stark aufgeheizt werden.

A 1.6 Weitere Merkmale gegossener


A 1.3 Ziehriefen
Bauteile
Ziehriefen sind örtliche Werkstoffabträge, die
Maßabweichung, unvollständige Formfüllung,
wie Riefen und Kratzer an der Gußteilober-
Volumenschwankungen, Verzug, Einschlüsse,
fläche parallel zur Ausformrichtung aussehen
Auswerfermarken, Fließlinien, Einfallstellen,
und die beim Entformen und Ziehen der Kerne
Gewaltrisse und gefleckte Oberfläche sind
durch das Reiben der Werkstoffe aneinander
weitere Merkmale von Gußteilen.
entstehen.
In diesem Zusammenhang wird auf die ent-
A 1.4 Grate sprechende Literatur [15 bis 17] verwiesen.
Bei Graten wird unterschieden in Gießgrate
und Grate, die bei mechanischer Bearbeitung,

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Anhang 2 Gefüge mit Beispielen der Porenklassen 0, 4, und 8

Porenfläche

8%

4%

0%

Bilder aus [6]

Bild A.2.1 Gefüge- und Bruchbilder im Anrißbereich der Gußlegierung G-AlSi7Mg0,6 wa [6]

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Anhang 3 wendungen an sie gestellten Anforderungen
genügt.
Beispiele unterschiedlicher Poro-
sität im allgemeinen und in Ab- Für die Bilder A.3.1 bis A.3.4 ist die Porosität
hängigkeit der Bezugsflächen über den gesamten Bereich angegeben.
(informativ)
Die Bilder A.3.5 und A.3.6 enthalten Bezugs-
flächen mit Angaben deren Porosität analog
Die Schliffe entstammen Bauteilen, an die zu Bild 2. In einigen Bildern sind mögliche
unterschiedliche Anforderungen gestellt wer- Bezugsflächen eingezeichnet.
den. Diese Bauteile haben den in den An-

Bild A.3.2 Aluminium-Druckguß, runde


Gasporen, Porosität 1 %

Bild A.3.1 Aluminium-Druckguß,


Porosität 3 %

Seite 13, VDG-Merkblatt P 201 E geändert am 11.9.2001


Porosität kleines Quadrat: 9 %
Bild A.3.3 Aluminium-Druckguß, gefräste Porosität großes Quadrat: 4 %
Probe, Schwindungsporosität,
Porosität 2 % (Lunker im Bild A.3.5 Bezugsflächen für die Porositäts-
Knotenbereich) bestimmung (siehe Pkt. 5.1.2)
Knotenbereich

Bild A.3.4 Zink-Druckguß,


Porosität 7 % Porosität kleines Quadrat: 1 %
Porosität großes Quadrat: 12 %

Bild A.3.6 Bezugsflächen für die Porositäts-


bestimmung (siehe Pkt. 5.1.2)
(vgl. Bild A.3.4)

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Es ist vorgesehen, die Ausprägungsformen Maßstab, Porositätsangaben, Anforderungen
der Porosität, wie sie beim NE-Metallguß vor- an das Bauteil der Geschäftsstelle der
kommen kann, in einem Beispielkatalog dar-
zustellen. Dieser Beispielkatalog enthält Bil- VDG-Fachgruppe 2 NE-Metallguß,
der, die entsprechend dieses Merkblattes in Sohnstraße 70, 40237 Düsseldorf,
die verschiedenen Porositätsklassen einge- E-Mail: Lothar.Wenk@vdg.de
ordnet werden können. Die Anwender dieses
Merkblattes werden gebeten, Bildbeispiele mit zur Verfügung zu stellen.

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