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W Ü STE N R OT STI FTU N G

Wüstenrot Stiftung (Hrsg.)

RAUMPILOT
W OHNE N

Walter Stamm-Teske
Katja Fischer
Tobias Haag

kraemerverlag

1
Die Publikationsreihe „Raumpilot“ besteht aus insgesamt vier Bänden:

Raumpilot Grundlagen Thomas Jocher, Sigrid Loch


Institut Wohnen und Entwerfen, Universität Stuttgart
ISBN 978-3-7828-1551-2 (PDF)
ISBN 978-3-7828-1556-7 (ePub fixed layout)
Raumpilot Arbeiten Markus Gasser, Carolin zur Brügge, Mario Tvrtković
Professur Entwerfen und Siedlungsentwicklung, Technische Universität Darmstadt
ISBN 978-3-7828-1552-9 (PDF)
ISBN 978-3-7828-1557-4 (ePub fixed layout)
Raumpilot Lernen Arno Lederer, Barbara Pampe
Institut für Öffentliche Bauten und Entwerfen, Universität Stuttgart
ISBN 978-3-7828-1553-6 (PDF)
ISBN 978-3-7828-1558-1 (ePub fixed layout)
Raumpilot Wohnen Walter Stamm-Teske, Katja Fischer, Tobias Haag
Professur Entwerfen und Wohnungsbau, Bauhaus-Universität Weimar
ISBN 978-3-7828-1554-3 (PDF)
ISBN 978-3-7828-1559-8 (ePub fixed layout)

Herausgeber
Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg

Redaktion, Konzept und Gestaltung Band Wohnen


Prof. Walter Stamm-Teske, Katja Fischer, Tobias Haag

Gesamtlayout Buchreihe „Raumpilot“


Sigrid Loch, Tobias Haag

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechts­
gesetzes ist ohne Zustimmung der Wüstenrot Stiftung und des Karl Krämer Verlags unzulässig und strafbar. Dies gilt insbesondere für Verviel-
fältigungen, Nachdruck, Übersetzungen, elektronische Speicherung (auch durch Scannen) in digitalen Netzen oder die Mikroverfilmung.

© 2012 Wüstenrot Stiftung, Ludwigsburg, und Karl Krämer Verlag Stuttgart + Zürich


Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved.
ISBN 978-3-7828-1554-3

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort
Einleitung

Kontext
Einleitung 11
Wohnen und Gesellschaft 12
Wohnen und Ökonomie 15
Wohnen und Ökologie 17
Wohnen und Initiatoren 20
Wohnen und Ort 24

Grundriss
Einleitung 31
Grundrisstypen 35
Gestaltungsprinzipien 47
Bewohneranzahl 61
Wohnungsgröße 75
Veränderbarkeit 89
Orientierung 103
Geschossigkeit 127
Zonierung 137
Wohnfunktionen 149
Erschließung 169
Außenraum 183
Konstruktion 195

Projekte
Einleitung 205
Projektverzeichnis 206
Projektsammlung 208

Anhang

3
4
Vorwort der Wüstenrot Stiftung

Die Arbeits-, Lebens-, Organisations- und Wirtschaftsformen haben Grundlagen von Architektur und Gestaltung sind ergänzend hierzu
sich in den letzten Jahrzehnten nicht nur in Deutschland erheblich unverzichtbar.
verändert. Kulturelle, technische und wirtschaftliche Entwicklungen
und Globalisierungsprozesse sowie gewandelte Anforderungen, Die Wüstenrot Stiftung hat auf eine Initiative von Prof. Dr. Thomas
Präferenzen und Werthaltungen gehören zu den wichtigsten Ursa- Jocher hin gemeinsam mit einem Kreis von engagierten Hochschul-
chen für diese Veränderungen. Inzwischen werden dadurch auch lehrern verschiedener Universitäten in einem Forschungsprojekt die
neue Orientierungen in der räumlich-baulichen Konzeption und in der Frage aufgegriffen, mit welchen neuen Impulsen und Strukturen in
Organisation der Gebäude erforderlich, um den damit verbundenen der Ausbildung der Architekten auf diese Veränderungen reagiert
Auswirkungen auf die vorherrschenden Nutzungsformen entspre- werden kann. Ziel dabei ist es, die Studierenden besser auf sich
chen zu können. wandelnde Anforderungen an ihre Berufsgruppe vorzubereiten und
zugleich das kreative Entwerfen auch angesichts neuer Herausfor-
Zu beobachten ist dieser Prozess in nahezu allen Lebensbereichen; derungen und Leistungsprofile weiterhin in den Mittelpunkt der Aus-
deutlich wird er beispielsweise in einer gewandelten Nachfrage nach bildung stellen zu können. Zentrales Kriterium für eine erfolgreiche,
differenzierten Wohnungen und Wohngebäuden, in modifizierten zukunftsgerichtete Ausrichtung ist in diesem Sinne die Fähigkeit, in
Anforderungen an die Gestaltung von Kindergärten, Schulen und einen kreativen, künstlerischen Entwurfsvorgang eine wachsende
anderen Bildungseinrichtungen, in Industrie- und Gewerbebauten, Zahl an zu beach­tenden Rahmenbedingungen zu integrieren und
die unter den Bedingungen eines verschärften ökonomischen dabei zugleich die Qualität der einzelnen Komponenten aufrecht
Wettbewerbs einem besonderen Anpassungsdruck unterliegen, erhalten zu können.
oder in den Wirkungen neuer Konsum- und Freizeitmuster sowohl
auf Gebäude als auch auf öffentliche Räume. Besonders auffällig Entstehen sollen funktional und ökonomisch nachhaltige Gebäude,
werden die Veränderungen an neuen Kombinationen unterschied- deren Eignung und Qualität vor allem in der Fähigkeit bestehen,
licher Gebäude­nutzungen, an veränderten Nutzungszyklen und an auch weiterhin sich kontinuierlich verändernden Bedingungen und
den Verbindungen des Wohnens mit modernen, leicht integrierbaren Einflussfaktoren entsprechen zu können. Dieser Anspruch kann in
Dienstleistungen. einer kreativen Entwurfsleistung nur dann eingelöst werden, wenn
als Grundlage der Kreativität ein klares Konzept der wichtigsten
Angesichts signifikant wachsender internationaler Einflüsse und Elemente einer Bauaufgabe verfügbar ist – im technischen und
Marktorientierungen greifen eine klassische Gebäudelehre und wirtschaftlichen sowie in wachsendem Maße auch im gesetzlichen
damit auch die herkömmliche Vermittlung von Raum- und Organisa- Bereich. Es war ein Anliegen der Wüstenrot Stiftung, mit ihren
tionskonzepten nur noch begrenzt. Parallel zu einer gebäudetypolo- Möglichkeiten einen Beitrag dafür zu leisten, dass in dieser Hinsicht
gischen Betrachtung treten die ausgeübten Tätigkeiten und die mit für einige ausgewählte Bereiche der Gebäudelehre ein erster Schritt
ihnen verbundenen Anforderungen stärker in den Vordergrund. Die getan werden konnte, und zwar in Form einer Aufbereitung von
Gebäudelehre muss, um auf diese Veränderungen adäquat reagie- Aufgaben und Lösungsvorschlägen, die den genannten Kriterien
ren zu können, intensiver als bisher auf die grundlegenden Anfor- folgen kann. Sie hat hierzu ein Forschungsprojekt initiiert, das auf
derungen ausgerichtet werden, die sich aus den verschiedenen Wunsch der beteiligten Hochschullehrer den programmatischen Titel
Tätigkeiten ergeben. Neue Schwerpunkte in der Vermittlung der „Raumpilot“ erhalten hat.

5
Vorwort der Wüstenrot Stiftung

Das Forschungsprojekt „Raumpilot“ der Wüstenrot Stiftung kon-


zentriert sich auf eine anschauliche, die wesentlichen Nutzungen
fokussierende Darstellung der Gebäudelehre. Die daraus entstan-
dene Publikation ist in vier Bände unterteilt. Der Band Grundlagen
schafft die gemeinsame Basis für drei ergänzende Vertiefungsbände
und führt in die wichtigsten Aufgaben und Themen ein.

Der Band Wohnen ist einer von drei Vertiefungsbänden, die ergän-
zend zum Grundlagenband wichtige Bereiche der Gebäudelehre auf-
greifen. Er konzentriert sich auf den Wohnungsbau, der in all seinen
Formen unter dem Einfluss weit reichender, vor allem gesellschaft-
licher Veränderungen steht. Hierzu wird die Wohnung selbst in den
Mittelpunkt gestellt und in insgesamt zwölf Unterkapiteln anhand
von qualitätsvollen Grundrissen in allen wichtigen Facetten des Ent-
werfens erörtert. Eine aufwändige, einheitliche Darstellung von 101
ausgewählten Wohnungen und der über die Referenzprojekte mög-
liche, intensive Praxisbezug vervollständigen den gewählten Ansatz
zur Vermittlung der verschiedenen Perspektiven im Entwurfsprozess.
Die anderen beiden Vertiefungsbände behandeln die Themen Ar-
beiten und Lernen.

Die Wüstenrot Stiftung dankt allen „Raumpiloten“ – Autoren, Hoch-


schullehrern, Studierenden – für die engagierte, intensive Zusam-
menarbeit bei der Erstellung und Umsetzung des Konzeptes. Sie
hofft damit wichtige Impulse für den kontinuierlichen Prozess der
Anpassung von Form und Inhalten der Ausbildung im Fachbereich
Architektur an die veränderten Rahmenbedingungen in Wirtschaft
und Gesellschaft geben zu können.

6
Einleitung

Wohnungsbaulehre

Im Juli 2005 erhielten wir die Anfrage von der Wüstenrot Stiftung, entscheidenden Themenbereich – die Wohnung selbst – in das
uns an einem gemeinsamen Buchprojekt mit Prof. Thomas Jocher Zentrum der Betrachtung zu stellen. Es erscheint uns auffällig, wie
(Institut Wohnen und Entwerfen, Universität Stuttgart), Prof. Arno die Architekturreflexion in den vielfältigen Publikationen verstärkt
Lederer (Institut für öffentliche Bauten und Entwerfen, Universität über das äußere Erscheinungsbild vorgenommen wird und auch die
Stuttgart) und Prof. Markus Gasser (Entwerfen und Siedlungsent- Architekturproduktion nicht selten der Gebäudehülle als wichtigem
wicklung, Technische Universität Darmstadt) zu beteiligen. Marketinginstrument der Büros vorrangig Aufmerksamkeit schenkt.
Der qualitätsvolle Grundriss und damit das eigentliche Produkt, die
Die ursprüngliche Idee bestand darin, die praktische Lehrtätigkeit der Wohnung, kommt dabei häufig zu kurz.
einzelnen Fachdisziplinen in Form von geeigneten Lehrmaterialien
abzubilden und damit allgemein zugänglich zu machen. In vielen Mit der Entscheidung für die Schwerpunktsetzung auf die Woh-
gemeinsamen Arbeitstreffen entwickelte sich hieraus die Idee einer nung stellte sich die Folgefrage nach der geeigneten Struktur und
Buchreihe, die in einem Grundlagenband die faktischen Informati- Methodik, um die Inhalte zu transportieren. Der naheliegende,
onen der einzelnen Fachdisziplinen bündelt und darauf aufbauend in wissenschaftlich-systematische Ansatz, der gerade in der Vergleichs-
drei Bänden zu den Themen „Wohnen“, „Lernen“ und „Arbeiten“ die literatur der 1980er Jahre verfolgt wurde, erwies sich bei genauerer
jeweils spezifischen Betrachtungsweisen formuliert. Der fachliche Betrachtung als ungeeignet, um die Vielfalt der Einflussgrößen im
Diskurs und die Vernetzung der Einzeldisziplinen bildeten den Ge- Wohnungsbau darzustellen. Die unternommenen Versuche der
genstand der folgenden Arbeitstreffen sämtlicher beteiligter Profes- Kategorisierung von Wohnungsbauten, sei es nach städtebaulichen
suren. Dieser überaus fruchtbare Prozess der letzten Jahre führte zu Typologien, morphologischen Eigenschaften oder nutzerspezifischen
dem nun vorliegenden Buch zum Thema „Wohnen“. Kriterien, scheitern entweder an einer zu starken Abstraktion oder
ihrer fachlichen Unpräzision. Als Beispiel sei hier allein die diffuse
Für uns bestand die Herausforderung, das überdimensionale Terminologie im Wohnungsbau angeführt, bei der Begriffe wie
Themenspektrum des Wohnens auf eine lehrbare und in Buchform „Mehrfamilienhaus“, „städtisches Reihenhaus“ oder auch „Loft“ nur
kommunizierbare Größe zu kondensieren. Diese intensive Ausein­ wenig für eine systematische Einordnung geeignet erscheinen. Die
andersetzung mit den Optionen der Vermittlung des Themenfelds generelle Tendenz der Kategorisierung mittels des meist unpräzise
„Wohnen“ wurde letztendlich von der Analyse unserer praktischen verwendeten Begriffs der Typologie bietet aus unserer Sicht nicht
Lehrtätigkeit geleitet. Welche Instrumente und Methoden haben den geeigneten Ansatz, die Vielfalt der Aspekte im Wohnungsbau
sich bewährt? Was sind die geeigneten Formate der Vermittlung? fassbar zu machen.
Was erweist sich in der Entwurfspraxis als brauchbar?
Hieraus ergab sich der Ansatz, die entwerferische Praxis im Lehr-
Auch die Analyse der vorhandenen und immer vielfältiger produ- betrieb beziehungsweise im Büro wieder als Ausgangspunkt für die
zierten Literatur in unserem Fachgebiet und deren unterschiedliche Strukturierung zu verwenden. Es geht uns um ein Spektrum von
Akzeptanz bei den Studierenden, angefangen bei der soziologischen Perspektiven, mit denen im Entwurfsprozess die Aufgabe betrachtet
Arbeit bis zum reinen Bildband, bildete eine wichtige Basis zur wird. Diese einzelnen Betrachtungsweisen und deren entwerfe-
Formulierung eines eigenen Konzepts. Aus diesem Prozess heraus risches Potenzial werden in insgesamt zwölf Unterkapiteln anhand
fiel die Entscheidung, einen tendenziell vernachlässigten, jedoch von ausgewählten Grundrissen erörtert. Ähnlich der Dynamik im

7
Einleitung

Entwurfsprozess sind die Themen nicht linear zu verstehen, sondern ihrem Gesamtkontext abgebildet, um eine zweite Vertiefungsebe-
bieten unterschiedliche Einstiegs- und Anregungspunkte. Den we- ne der Projekte des Kernkapitels „Grundriss“ zu bieten. Auch hier
sentlichen Inhalt bilden dabei die 101 ausgewählten Grundrisse, die wurden sämtliche Projekte durch neue Zeichnungen im Maßstab
– einheitlich im Maßstab 1:200 aufgearbeitet – eine direkte visuelle 1:500 und eine städtebauliche Vig­nette im Maßstab 1:10.000 in eine
Vergleichbarkeit ermöglichen sollen und damit die eigentliche Spra- unmittelbare visuelle Vergleichbarkeit gebracht.
che der Architekten repräsentieren. Um den Praxisbezug zu stärken,
wurden ausschließlich realisierte Projekte, die dem Einfluss der Wir möchten zunächst der Wüstenrot Stiftung danken, die den lang
zahlreichen weiteren Paramter im Realisierungsprozess standhalten gehegten Wunsch nach einem eigenen Lehrbuch ideell und finanziell
mussten, als Referenz verwendet. Darüber hinaus bietet dies die erst möglich gemacht hat und damit eine wichtige Unterstützung für
Möglichkeit, die Projekte zum Beispiel im Rahmen von Exkursionen unsere Lehrtätigkeit leistet. Insbesondere Herrn Dr. Stefan Krämer
direkt vor Ort zu besichtigen. Für diese Zwecke wurde der Pro- sei für seine Ausdauer und Übersicht ausdrücklich gedankt. Des
jektstandort jeweils als Information hinzugefügt. Diese Bewertung Weiteren möchten wir uns bei den beteiligten Professuren für den
des Projekts vor Ort, in seinem spezifischen Kontext und seiner intensiven Gedankenaustausch bei den gemeinsamen Arbeitstreffen
alltäglichen Nutzung, ist eine der wichtigsten Informationsquellen bedanken. Die jeweilige Reflexion aus dem Blickwinkel der anderen
im Wohnungsbau. Dieser Erkenntnis wird über die dem Semester Buchprojekte hat für uns eine wesentliche Bereicherung dargestellt.
jeweils vorangestellten Exkursionen Rechnung getragen. Ganz besonders danken wir den zahlreichen Studierenden, die im
Rahmen von Seminararbeiten zum Gelingen des Buchs beigetragen
Der Ansatz des Wissentransfers über die systematische Aufarbei- haben, und unseren beiden studentischen Hilfskräften Leopold Mü-
tung wichtiger Referenzprojekte wird von unserem Lehrstuhl seit cke und Katrin Plescher für ihre geduldige Arbeit an den zahlreichen
vielen Jahren verfolgt und führte unter anderem zu dem circa 600 Zeichnungen.
Projekte umfassenden Datenbanksystem „Innovative Wohnbau­
aspekte“. Dieses System soll in den nächsten Jahren unter dem Titel
„PlanLibre“ intensiv weiterentwickelt werden.
Walter Stamm-Teske
Mit der Festlegung des Buchschwerpunkts auf die Wohnung Katja Fischer
entscheidet man sich automatisch gegen eine Vielzahl weiterer Tobias Haag
wichtiger Bereiche des Wohnungsbaus, sei es die Konfiguration des Bauhaus-Universität Weimar, Professur Entwerfen und Wohnungsbau
Gesamtgebäudes, der Städtebau, der Innenausbau, die Konstrukti-
on, die Gebäudetechnik, die Soziologie und vieles mehr. Wir glauben
jedoch, dass diese Bereiche durch ein umfängliches Literaturange-
bot derzeit relativ gut abgedeckt werden. Durch das Voranstellen des
Kapitels „Kontext“ beabsichtigen wir jedoch, diese Vielschichtigkeit
des Themas offenzulegen und eine Sensibilisierung für die kausalen
Zusammenhänge im Entwurfsprozess zu ermöglichen. In einem
nachgestellten Kapitel „Projekte“ werden die Projekte zusätzlich in

8
Kontext
Wohnen und ...

Einleitung

Wie eingangs erwähnt, wagt das Buch das Kann ich das Projekt an dem vorgeschla- Projekte über prägnante Konzepte auffallen,
Experiment, die Frage des Wohnens von genen Standort vertreten? Für wen plane jedoch entweder als theoretische Modelle
innen nach außen zu betrachten und die und baue ich? in den Schubladen lagern oder maximal zu
Wohnung über ihren Grundriss als dem Publikationszwecken eingesetzt werden.
wesentlichen Entwurfsgegenstand in den Diese Ebene der Betrachtung, die den Wenige dieser Projekte können im seltenen
Mittelpunkt zu stellen. Entsprechend ist es Architekten in seiner gesellschaftlichen Realisierungsfall durch eine präzise Durchar-
unausweichlich, dass die übergeordneten Verantwortung herausfordert und im zu- beitung im Wohngrundriss oder der materi-
Themen zu kurz kommen. Konzipiert als nächst wirtschaftlich orientierten Geschäft algerechten Konstruktion überzeugen.
Lehrbuch, erscheint es jedoch gleichzeitig des Planungsbüros unterzugehen droht,
notwendig, die Komplexität der Einfluss- stellt eine enorme Herausforderung dar. In Das Ziel liegt, wie häufig, in der ausgewo-
größen aufzuzeigen, die auf das Projekt kaum einem anderen Berufsbild sind die genen ganzheitlichen Betrachtung mög-
einwirken. Dieser Kontext, in dem die Pro- Projektdimensionen und damit auch die lichst vieler Einflussgrößen vom Konzept
jekte entstehen, soll in fünf kurzen Kapiteln gesellschaftlichen Auswirkungen auf einen bis zum Detail. Derzeit entstehen unter
angerissen werden und zur Diskussion befä- relativ kleinen Entscheiderkreis konzen- dem Stichwort „Nachhaltigkeit“ parallel
higen. Die Kapitel erheben keinen Anspruch triert. Unsere eigenen Berufserfahrungen verschiedene Instrumente, die diesen ganz-
auf Vollständigkeit, sondern beabsichtigen, und Berichte unserer Absolventen aus den heitlichen Entwurfsansatz fördern. Diese
wesentliche Zusammenhänge aufzuzeigen, verschiedensten nationalen und internati- Zertifizierungssysteme müssen jedoch ihre
die bei der Konzeption und Evaluierung des onalen Büros bestätigen diese ungeheure Objektivität und Praxistauglichkeit beweisen
Entwurfs wesentlich erscheinen. Unter Verantwortung, bei der man sich als junger und dürfen nicht als reine Marketinginstru-
den Schlagwörtern „Gesellschaft“, „Öko- Entwerfer beispielsweise der Aufgabe mente missbraucht werden.
nomie“, „Ökologie“, „Initiatoren“ und „Ort“ gestellt sieht, eine Stadt für mehrere
versuchen wir einen ersten Überblick der zehntausend Bewohner innerhalb relativ Die genannten Zahlen und Fakten sowie
komplexen Zusammenhänge herzustellen. überschaubarer Zeit zu konzipieren. Diese deren Auswertung sind aus der Perspektive
Dimension veranschaulicht gleichzeitig die Deutschlands formuliert und weichen damit
Die grundsätzlichen und radikalen Ent- begrenzte Reichweite der dargestellten bei den strukturellen Angaben deutlich von
wurfsansätze finden über eine Auseinan- Themen auf den deutschsprachigen Raum anderen Ländern ab. Ähnlich den betrachte-
dersetzung mit den hier aufgeführten und einige angrenzende Staaten. Aber ten Themenfeldern im Kapitel „Grundriss“
Themenfeldern statt. Auf der Ebene des selbst innerhalb Europas sind zum Beispiel sind die folgenden Aspekte nicht linear zu
Nachdenkens über die Ausformulierung des die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verstehen, sondern bilden ein parallel zu
konkreten Grundrisses (vgl. Kapitel „Grund- vollständig unterschiedlich zu bewerten. betrachtendes, vernetztes Spektrum von
riss“) ist bereits die wesentliche konzep- Einflussgrößen ab. Die richtige Gewichtung
tionelle Entwurfsarbeit geleistet. Hier bei Die immense planerische und politische der Einzelaspekte und ihre Verknüpfung zu
den übergeordneten Themen stellen sich Bedeutung der Themenfelder verführt einem logischen Gesamtkonzept, einem
vielfältige aber grundsätzliche Fragen: Gibt jedoch gleichzeitig zu einer entwerferischen roten Faden, sind die Grundlage für ein
es überhaupt einen Bedarf für das Projekt? Fokussierung dieser Aspekte, so dass viele gelungenes Entwurfsprojekt.

11
Kontext

Wohnen und Gesellschaft

Unsere Gesellschaft verändert sich. Seit ziert, die unter dem Begriff „demografischer die Situation weitaus differenzierter dar. Das
Jahren werden diese Veränderungen in Wandel“ allgegenwärtig ist. Vorausberech- Ideal des Zusammenlebens ab den 1950er
vielerlei Hinsicht, unter anderem in der nungen unter Berücksichtigung der natür- Jahren mit standardisiertem Wohnraum-
wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit lichen Bevölkerungsentwicklung, die Gebur- angebot von drei Zimmern, Küche und
und der Leistungsfähigkeit der sozialen tenraten mit Sterbefällen abgleichen und Bad wurde in Gesetzen, Richtlinien und
Sicherungssysteme, thematisiert. Dass sie Wanderungsbewegungen im Binnenbereich Förderinstrumenten über viele Jahre fest-
wesentlichen Einfluss auf das Betätigungs- und über die Grenzen der Bundesrepublik geschrieben und wirkt bis heute träge und
feld Wohnungsbau haben, ist verständlich, berücksichtigen, zeigen für das Jahr 2030 langlebig fort. Seit den 1970er Jahren ist der
ist doch die Gesellschaft im Sinne des Nut- mit rund 77,2 Mio. Einwohnern eine deutlich Wohnungsmarkt allerdings mit individuellen,
zers diejenige, deren Wohnwünsche erfüllt geringere Bevölkerungszahl als noch im Jahr spezifischen Wohnwünschen konfrontiert.
werden sollen. Verändern sich Lebens- und 2005 mit 82,4 Mio. Einwohnern.1 Der Rück- Der Familie mit leiblichen Kindern steht heu-
Wohnvorstellungen einer breiten Masse, gang der Einwohnerzahl geht einher mit te eine große Zahl von Einpersonenhaus-
muss von Seiten der Planer und politischen einer spürbaren strukturellen Veränderung in halten, Gemeinschaften unterschiedlichster
Akteure reagiert werden. Nun sollten die der Zusammensetzung der Bevölkerung. Alters- und Sozialstrukturen, etc. gegenüber.
veränderten Rahmenbedingungen einge-
hend untersucht werden, um die richtigen Unsere Gesellschaft altert. Die Zahl der Im Zuge der Individualisierung spielt auch
Stellschrauben zu finden. Zuerst stellt sich über 65-Jährigen steigt stetig. Noch im Jahr die Veränderung der Haushaltsstruktur eine
daher die Frage nach den tatsächlichen 2005 hatte diese Bevölkerungsgruppe einen entscheidende Rolle. Noch 1900 waren
Veränderungen und deren Auswirkungen Anteil von 19 % an der gesamtdeutschen Haushalte mit fünf und mehr Personen mit
auf die angebotenen räumlichen Lösungen. Bevölkerung, im Jahr 2030 wird der Anteil 44 % am stärksten vertreten, der Anteil der
In einem zweiten Schritt kann dann an auf 29 % gestiegen sein. Immerhin ein Einpersonenhaushalte betrug gerade mal
der richtigen Stelle und mit den richtigen deutlicher Anstieg um 40 %,2 als dessen 7,1 % der Privathaushalte in Deutschland.3
Mitteln darauf reagiert werden. Gerade hier Ergebnis der Bedarf an spezifischen Wohn- Im Jahr 2006 dominierten bereits Einperso-
gilt es, standortspezifisch zu analysieren wünschen für diese Altersgruppe einen nenhaushalte mit 38 % der knapp 40 Mio.
und gesamtgesellschaftliche Trends mit hohen Stellenwert auf dem Wohnungsmarkt Privathaushalte alle anderen Haushaltsgrö-
lokalen Entwicklungen abzugleichen. Dieses einnehmen wird. Nicht zu vernachlässigen ßen. Dagegen sind Haushalte mit fünf und
Themenfeld ist dem aktuellen gesellschaft- ist dabei, dass die angesprochene Alters- mehr Personen lediglich noch mit 4 % der
lichen Rahmen von Wohnen gewidmet und gruppe im Vergleich zu vor­angegangenen Privathaushalte in Deutschland vertreten.4
zeigt hierzu die wichtigsten Tendenzen auf. Generationen länger aktiv und selbstständig Sinkende Haushaltsgrößen bei gleichzei-
ist und häufig kommunikative, gemein- tigem Anstieg der Zahl an Privathaushalten
Feststellungen schaftliche Wohnkonzepte erfragt. sowie vielschichtige Lebensformen und
Unsere Gesellschaft schrumpft. In den kom- Unsere Gesellschaft lebt individueller. deren pluralistische Wohnvorstellungen
menden Jahren wird für Deutschland eine Lange Zeit war Wohnen klar umrissen und stellen vermutlich die gegenwärtig größte
deutliche Veränderung der Einwohnerzahlen nur im gesellschaftlich legitimierten Modell Herausforderung an den Bestand sowie an
sowie der Bevölkerungsstruktur prognosti- der Kleinfamilie abgelegt. Heute stellt sich neue Wohnkonzepte dar.

12
Wohnen und ...

Unsere Gesellschaft bevorzugt wieder freies Wohnen, begonnen beim Wohnum- gers/Investors. Ein passgenaues Angebot
verstärkt städtische Wohnmodelle. Hier sind feld bis zur Möbelplanung der Wohnung, verringert also das Investitionsrisiko um ein
unterschiedliche Entwicklungen auszuma- not­wendig. Auch die Verschiebung der Vielfaches und erhöht die Gewinnaussichten
chen. Zum einen führt Individualisierung, Haushaltsgrößen zu kleinen Haushalten löst im selben Maße. Genau deshalb widmen
egal welcher Altersgruppe, zu einem eindeutige Entwicklungstrends im Bau und sich gerade die investierenden Akteure der
höheren Bedarf an sozialem und infrastruk- Umbau kleinerer, häufig serviceorientierter präzisen Definition und Einordnung von
turellem Netzwerk, der im städtischen und städtischer Wohntypen aus. Veränderte Nutzergruppen, um im Ergebnis eindeutige
Kontext eher bedient wird als im subur- Ausstattungsstandards tragen dabei jedoch Klientels zu benennen, die aktuell auf den
banen. Zum anderen wird, unter anderem oft schon zur adäquaten Reaktion auf neue Wohnungsmarkt wirken.
im Zuge der Berufstätigkeit vieler Frauen, gesellschaftliche Rahmenbedingungen
das Einfamilienhaus vor der Stadt für Fami- bei, wogegen der Wohngrundriss in seiner Klassifizierung
lien weniger attraktiv. Das tägliche Pendeln Raumkonzeption und -organistation häufig Die Arten des unmittelbaren Zusammen-
beider Eltern ist nicht nur finanziell weniger ein stabiles Gefüge darstellt. Die Vermark- lebens, die als Lebensform bezeichnet
interessant, sondern vor allem aufgrund der tungsebene im Sinne der produkthaften werden, spielen für die marktrelevante
hohen organisatorischen Anforderungen. Benennung und Identität von Projekten, die Klassifizierung von Nutzern eine erste
In diesem Zuge ist auch eine Veränderung diverse, vermeintlich neue, Wohnmodelle bedeutende Rolle: Zum einen wird hier die
des Images der Stadt wahrzunehmen. Viele und Gebäudetypen benennt, eröffnet bei Gesellschaft in Bezug zur Ehe, zum anderen
Kommunen reagieren gegenwärtig auf die- genauerem Untersuchen selten innovative im Zusammenleben mit Kindern klassifi-
sen Bedarf mit innerstädtischen Flächenan- und neue Wohnkonzepte. Die Chance des ziert. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung
geboten für private Wohnmodelle. Planers ist es, mit dem Verständnis der ge- in der Bundesrepublik lebt nach wie vor in
sellschaftlichen Prozesse jedoch unabhän- Familien zusammen, das heißt als Ehepaar,
Die sich verändernden gesellschaftlichen gig vom Vermarktungstrend zu agieren. Lebensgemeinschaft oder allein erziehender
Rahmenbedingungen erfordern Antworten Elternteil mit mindestens einem Kind.5 Die
bezüglich aktuell notwendiger Wohnkon- Marketing Lebensform steht in engem Verhältnis zum
zepte genauso wie Überlegungen zur Die Wohnungsbauvermarktung folgt deutlich Privathaushalt, der durch gemeinsam woh-
Qualität, zum Standort und zum Standard den demografischen und gesellschaftspoli- nende und wirtschaftende Menschen gebil-
von Wohnungen. Zwar wird auch Wohnen tischen Entwicklungen im Land. Unabhängig det wird. In der Bundesrepublik verringern
in seinen Grundfunktionen regelmäßig in vom Marktsegment der privaten Bauherren, sich die Haushaltsgrößen seit Jahren und im
Wohnkonzepten der Zukunft hinterfragt, die individuell und für sich persönlich den Ergebnis ist ein stetiger Anstieg der Wohn-
der oben genannte Bedarf löst jedoch Wohnbedarf definieren und planen lassen, fläche zu verzeichnen, der nachhaltig auf
nicht zwangsläufig Veränderungen in den ist das Wissen um marktrelevante Nutzer- den Wohnungsmarkt einwirkt. Was Lebens-
Grundfunktionen des Wohnens und deren gruppen im Sinne der gesellschaftlichen form und Privathaushalt nicht ausdrücken,
Zusammenspiel in der Wohneinheit aus. Trends projektrelevant. Die Gefahr von Fehl- sind soziostrukturelle und lebensphasenspe-
Im Zuge einer alternden Gesellschaft ist spekulationen liegt genau zwischen dem Pol zifische Charakteristika jedes Einzelnen, die
ein besonderes Augenmerk auf barriere- des Käufers/Nutzers und dem des Bauträ- Neigungen, Gewohnheiten auch ästhetische

13
Kontext

Standards berücksichtigen. Sie werden in Deutschland in den eigenen vier Wänden.6 anderen führt die breite Debatte über eine
Lebensstilen zusammengeführt, die in der Das Mietverhältnis bietet gegenüber einer alternde Gesellschaft zum Umdenken in
Regel jedoch nicht die gesamte Gesell- langfristigen Sicherheit des Eigentums vielen Bereichen, unter anderem in der
schaft abbilden. Lediglich die Schichten die Chance zur kurzfristigen Veränderung. zukunftsfähigen Bedarfsdeckung mit geeig-
werden berücksichtigt, die repräsentativ für Gleichzeitig wird über die Miete ein Betrag x netem, zumindest barrierefreiem, Wohn-
aktuelle gesellschaftliche Tendenzen stehen. vom Mieter übernommen, der unter ande- raum. Auch eine Zunahme von Servicean-
Übergeordnet entwurfsrelevant sind sie rem Verwaltungstätigkeiten und Gewinnaus- geboten in Wohngebäuden ist festzustellen.
entsprechend nicht. Für Architekten bietet sichten seines Wohnversorgers abdeckt und Diese Entwicklung folgt nicht nur der Indivi-
die Beobachtung der gesamtgesellschaft- der im Eigentum nicht immer anfällt. Ein dualisierungstendenz der gesamten Gesell-
lichen Entwicklung ein Verständnis zum Mietverhältnis lässt zudem eine Verände- schaft, sondern hat auch einen Mehrwert
gegenwärtigen und zukünftigen Bedarf an rung in der räumlichen Organisation nur für die ältere Generation. Schon seit langer
Wohnungsgrößen und -typen sowie deren selten zu. Eigentum ermöglicht aufgrund Zeit beschäftigen sich zudem Architekten
Anforderungsprofile, um geeignete räum- der eigenen Dienstbarkeit einen flexibleren mit veränderbaren Wohnkonzepten, um den
liche Antworten zu formulieren. Umgang mit dem eigenen Wohnraum, verschiedenen Wohnbedürfnissen innerhalb
gleichzeitig bindet es jedoch an den Stand- der Lebensdauer eines Gebäudes gerecht
Auf die Vielzahl der Nutzergruppen oder ort und an die Größe der Wohnung. Wohnei- zu werden. Nutzungsneutrale Räume bieten
Klassifikationen und ihre spezifischen Wohn- gentum stellt heute, in einer globalisierten hier wohl den nachhaltigsten Ansatz, der
wünsche baulich-räumlich zu reagieren, mit Arbeitswelt, für die Mehrheit der Bevölke- nicht nur unterschiedliche Wohnkonzepte
dem Ergebnis eines hochspezialisierten rung keine Bindung für die Ewigkeit dar. zulässt, sondern bis zur Umnutzung einer
Wohnungsmarkts, folgt keiner ökono- Dieses Wissen setzt allerdings auch voraus, Wohnung als Büroeinheit reicht. Diesen
mischen Vernunft. Allein diese Tatsache dass Eigentum in Regionen erworben wird, Konzepten wird allerdings teilweise die feh-
forciert Lösungen, die zum einen nachhaltig in denen der Markt für den Verkauf existiert lende spezifische Grundrisskonfiguration mit
sind und zum anderen auf den Bedarf eines und nachhaltig stabil bewertet wird. unterschiedlich dimensionierten Räumen
Großteils der Gesellschaft reagieren, ohne vorgeworfen, wodurch das Gegenmodell in
ein differenziertes und breites Spektrum zu Gegenwärtige Entwicklungen differenzierten Wohnangeboten mit simu-
entwickeln, das langfristig in einem nicht Momentan lassen sich unterschiedliche lierten individuellen Wohnangeboten ebenso
abgefragten Überangebot enden muss. Entwicklungen am Wohnungsmarkt er- vertreten ist. Ein letzter Aspekt soll nicht un-
kennen. Zum einen führen Kommunen in erwähnt bleiben: Im Zuge einer sich verän-
Miete oder Eigentum integrierten Stadtentwicklungskonzepten dernden Arbeitswelt werden auch Konzepte
Neben dem Einfluss der Lebensform, der Angebot und Nachfrage nach Wohnraum erfragt, die eine Kombination von Wohnen
Werte und Gewohnheiten stellt sich eine zusammen, was sie in der Kenntnis ihrer und Arbeiten ermöglichen. Hierfür sind vor
weitere grundsätzliche Frage im Zusammen- zukünftigen Einwohnerprognosen langfris­ allem Überlegungen zur eventuell notwen-
hang mit der Entscheidung für das Wohn- tig handlungsfähig macht und regionale digen Öffentlichkeit des Arbeitsplatzes in
modell: Miete oder Eigentum? Statistisch Schrumpfungs- beziehungsweise Wachs- der Grundrisskonzeption beziehungsweise
gesehen leben 43 % aller Privathaushalte in tumstendenzen berücksichtigt. Zum Gebäudeorganisation notwendig.

14
Wohnen und ...

Wohnen und Ökonomie

Dieses Themenfeld muss auf zwei Ebenen lediglich 211.000 Wohnungen gebaut, das Situation klar wider. Ganzheitlich betrach-
betrachtet werden. Es geht einerseits um entspricht einer Neubauquote von 2,6 Woh- tet lassen sich hinter dieser schwierigen
die großmaßstäblichen wirtschaftlichen nungen je 1000 Einwohner und Jahr oder wirtschaftlichen Situation jedoch auch
Zusammenhänge und auf der anderen Seite 0,7 % am Gesamtbestand.12 Mit diesem Chancen entdecken. So führt ein allgemein
um die konkreten Auswirkungen auf das Wert belegt Deutschland in Europa eindeu- hoher Sättigungsgrad zu einem Nach-
einzelne Wohnbauprojekt. tig den letzten Platz. 60 % entfallen dabei denken über Qualität, oder andersherum
auf den Ein- und Zweifamilienhausbereich, betrachtet, führte eine enorme Nachfrage
Bauwirtschaft 40 % auf den Bereich der Mehrfamilienhäu- wie zum Beispiel im Massenwohnungsbau
Über die wesentlichen wirtschaftlichen ser.13 Der jährliche Abgang von Wohnungen der Nachkriegszeit zu allgemein geringerer
Strukturdaten kann man ein erstes Bild der wird mit ca. 47.000 (0,1 %) beziffert.14 städtebaulicher und architektonischer Qua-
Situation zeichnen. Der überwiegende Anteil lität. Gerade die jüngsten Entwicklungen
am Gesamtgebäudebestand Deutschlands Auf unterschiedliche Weise kämpfen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt
sind Wohngebäude. Mit knapp 9,5 Billionen Interessengruppen für eine Wiederbele- zeigen, dass die spekulative Entwicklung
Euro sind rund 82 % des Anlagevermögens bung des Markts. Ein wichtiges Instrument auch für die wirtschaftliche Entwicklung
der Deutschen in Bauten angelegt – davon hierfür sind staatliche Programme, die verheerende Folgen haben kann. So ist es
entfallen knapp 5,5 Billionen Euro also 57 % entsprechende Investitionsanreize liefern. vielleicht nicht nur Negativ, auf einem der
auf den Wohnungsbau.7 Dies entspricht Durch den Wegfall der Eigenheimzulage ist letzten Plätze in Europa zu liegen, weit hin-
circa 18 Mio. Wohngebäuden8 mit insgesamt ein wichtiger Entwicklungsmotor ausgefal- ter Spanien und Irland mit einer siebenfach
40 Mio. Wohnungen.9 Damit wird deutlich, len, der seit kurzem durch das neue Wohn- höheren Neubauquote.15
welchen herausragenden Stellenwert der Riester-Programm kompensiert werden soll.
Wohnungsbau für die Gesamtwirtschaft be- Generell wird der Wunsch zu Eigentums- Im Textabschnitt zum Thema Ökologie wird
sitzt. Von 1995 bis 2005 hat sich der Umsatz bildung als einer der wichtigsten Entwick- ebenfalls schnell klar, dass Wachstum und
im Baugewerbe von 133 Mrd. auf 77 Mrd. lungsmöglichkeiten für den Wohnungsbau der damit verbundene Flächenfraß negative
fast halbiert10, verbunden mit einem entst- gesehen. Folgen hat. Die größte Chance besteht in
prechenden Rückgang der Arbeitsplätze. dem Zeitgewinn, der durch die Verlangsa-
Fazit des kurzen wirtschaftlichen Exkurses mung oder Stagnation der Entwicklungspro-
Für den entwerfenden Architekten ist ist ganz klar: Deutschland ist gebaut. Für die zesse stattfindet. Zeit für das Nachdenken
jedoch zunächst weniger der Bestand von Wirtschaft, die vom Wachstum lebt, sind über neue Strategien im Wohnungsbau und
Interesse, sondern der zukünftige Bedarf ­diese rückläufigen oder stagnierenden Zah- im Umgang mit der Stadt. Angesichts der
an Wohnraum. Aufgrund der immensen len dramatisch. Was bedeuten diese Zahlen Zahlen ist offenkundig, dass die Auseinan-
wirtschaftlichen Bedeutung dieses Faktors jedoch für den Wohnungsbau aus Sicht des dersetzung mit dem Gebäudebestand und
werden hierfür regelmäßig statistische Zah- Architekten und Städteplaners? Betriebs- dem damit verbundenen Stadtumbau eines
len erhoben. Bis 2015 wird von einem jähr- wirtschaftlich sind sie dort ebenfalls mehr der zentralen Themenfelder für die Architek-
lichen Neubauvolumen von circa 275.000 als besorgniserregend und der schlechte tur im Allgemeinen und den Wohnungsbau
Wohnungen ausgegangen.11 2007 wurden Arbeitsmarkt für Architekten spiegelt die im Besonderen einnimmt.

15
Kontext

Baukosten schwache Haushalte stellen die Wohnko- tatsächlichen Notwendigkeiten beispiels-


Die gesamtwirtschaftliche Betrachtung sagt sten eine erhebliche Belastung dar. Die weise der Sanitär- und Küchenausstattung
noch wenig aus über die ökonomischen Be- Kosten sind für den Architekten einer der oder der Oberflächenqualitäten einen
dingungen bei einem konkreten Wohnbau- zentralen Entwurfsfaktoren. Angesichts angemessenen und bezahlbaren Standard
vorhaben. Hierzu wieder einige Zahlen und der immensen finanziellen Belastung und finden. Gemeint ist hier nicht, die Qualität
Fakten. Grundsätzlich werden die Baukos­ einer meist langjährigen Finanzierung für der Materialien zu Gunsten der Kosten
ten durch die zwei Parameter „Fläche“ und den Bauherrn mit vielen Risiken steht der zu senken, sondern grundsätzlich über
„Standard“ bestimmt. Regional differenziert Architekt in einer besonderen Verantwor- bestimmte Standards nachzudenken. Zum
liegen die Baukosten für den Quadratmeter tung im treuhänderischen Umgang mit dem Beispiel können bei einer hochwertigen
Bruttogeschossfläche bei einem Einfami- ihm anvertrauten Kapital, unabhängig davon Rohbau­aus­führung bestimmte Flächen ohne
lienhaus zwischen 1.000 und 1.500 Euro.16 ob der Bauherr aus privatem, gewerblichem zusätzliche Verkleidung oder Beläge aus-
Die Verkaufspreise liegen im Allgemeinen oder öffentlichem Interesse handelt. Da kommen, oder es kann ein einfaches Bad
mit 2.000 bis 3.000 Euro je Quadratme- der Einfluss auf die allgemeinen Baupreise anstelle eines von der Sanitärindustrie gerne
ter ziemlich genau beim Doppelten. Der gering ist, bleiben für den Architekten we- verkauften Designer-Wellnessbereichs mit
Baupreisindex, der über die Entwicklung der nige Stellschrauben. Die wichtigste ist die Sauna realisiert werden.
Baupreise Aufschluss gibt, stagnierte dabei Bemessung des effektiven Bedarfs. Da viel
nach der Jahrtausendwende und legte in Fläche im Allgemeinen mit viel Qualität ver- Eine dritte Stellschraube resultiert aus
den beiden letzten Jahren mit zuletzt 7,8% bunden wird, wird der Wohnraum im selbst dem Bereich der Gebäudekonstruktion.
im Jahr 2007 deutlich zu.17 Die Nettokalt- genutzten Neubau häufig viel zu großzü- Intelligente Bauweisen, der Einsatz von
mieten liegen im Bundes-durch­schnitt bei gig bemessen und zum Beispiel die sich vorfabrizierten Elementen an der richtigen
5,90 Euro/m² mit regionalen Ab­wei­chungen innerhalb relativ kurzer Zeit verändernden Stelle, standardisierte Bauteile und die
wie zum Beispiel einem durchschnittlichen Familienstrukturen nicht berücksichtigt. Kommunikation der technischen Möglich-
Mietpreis von 7,50 Euro/m² in Hamburg.18 keiten der bauausführenden Firmen können
In der sorgfältigen Prüfung des Bedarfs, zu weiteren Kostenvorteilen führen. Paradox
Circa 30 % des Haushalts­einkommens verbunden mit einer effektiven Grundrisspla- an der Beratungsleistung des Architekten,
werden in das Produkt „Woh­nen“ investiert, nung, kann ein wesentliches Einsparpoten­ bezogen auf die Kosten, ist die unmittelbare
es liegt damit doppelt so hoch wie zum zial geleistet werden. Das zweite, wenn- Kopplung des Honorars an die Baukosten,
Beispiel die Aufwendun­gen für PKW oder gleich viel schwächere Instrument der je höher desto mehr. Das Instrument der
Nahrungsmittel (vgl. Kapitel Wohnungs- Kostenregulierung, ist der Gebäudestan- Prämie für die Unterschreitung bestimmter
größe).19 Die allgemeine Preisentwicklung dard. Ähnlich der Automobilindustrie wird Kosten wird derzeit zu wenig genutzt. Mit
unterliegt dem Prinzip von Angebot und hier durch die Arbeit der entsprechenden den Baukostenbegriffen und Bezugsgrößen
Nachfrage und kann nur begrenzt durch Interessengruppen der allgemeine Anspruch wird zudem häufig unpräzise umgegangen
staatliche Maßnahmen wie zum Beispiel nach immer höheren Standards gefördert. so dass eine Vergleichbarkeit von Projekten
Schutz vor Mietwucher beeinflusst werden. Der Bauherr und der Architekt als sein Be- ohne präzises Studium der Zusammenhän-
Insbesondere im Hinblick auf einkommens- rater können jedoch über die Reflexion der ge kaum möglich ist.

16
Wohnen und ...

Wohnen und Ökologie

Unter dem Stichwort „Ökologie“ wird ein Der Anteil der Immobilien (Wohn- und Nicht- schaftliches Verantwortungsbewusstsein
weites Spektrum an Betrachtungsmöglich- wohngebäude) an der Emission der Treib­ der Auslöser für das Handeln, sondern
keiten auf die Fragen des Wohnungsbaus hausgase beträgt circa 10 %. Im Vergleich vielmehr eine zweite Komponente – die
eröffnet. Es erscheint daher sinnvoll, eine hierzu stehen die energieerzeugenden Anla- unmittelbare finanzielle Belastung für den
fokussierte Gliederung der Thematik vorzu- gen mit circa 21 %, der Transportbereich mit Einzelnen. Erst mit den deutlich erhöhten
nehmen. Interessant ist die unmittelbare 14 % oder die Landwirtschaft mit 12,5 %. Rechnungen der Energieanbieter setzte ein
Verknüpfung der ökologischen Rahmenbe- Reduziert auf den Wohnungsbaubereich Umdenkprozess beim Verbraucher ein.
dingungen mit den ökonomischen Faktoren. liegt der Anteil an der Gesamtemission bei
circa 5 %.20 Unabhängig von der CO2-Diskussion sind
Klimawandel aufgrund der begrenzten Ressourcen und
Klimawandel, Treibhauseffekt, Erderwär- Dies sind durchaus beachtliche Zahlen, der weltpolitischen Zusammenhänge die
mung sind Schlagwörter, die – ähnlich wie doch im Zusammenhang mit der Einführung Energiepreise drastisch gestiegen. Die
der Begriff „demografischer Wandel“ für des Energieausweises für Gebäude und Wohnnebenkosten sind ebenfalls in den
den gesellschaftlichen Bereich – omniprä- der Diskussion um Niedrig- und Nullener- letzten fünf Jahren um etwa 30 %21 gestie-
sent sind und sämtliche Wirtschaftsbe- giehäuser wird der Eindruck erweckt, dass gen und haben zur Bildung des Begriffs der
reiche und Themenfelder durchdringen. So es sich in diesem Sektor um eine über- „zweiten Miete“ geführt, um die Größen-
wird natürlich auch die Immobilien- und durchschnittliche Größe handelt. Die Zahlen ordnung der Beträge zu veranschaulichen.
Wohnungswirtschaft von dieser Diskussion zeigen jedoch eine sehr viel gleichmäßigere Erst diese enorme finanzielle Belastung
erfasst. Die aus der Erdölkrise resultierende Verteilung innerhalb der einzelnen Wirt- führt zu einem breiten Umdenken und
Ökologiediskussion der 1980er Jahre mit schaftssektoren als die Diskussion den einem unmittelbaren Bewusstsein für die
der Erkenntnis der begrenzten Ressourcen Eindruck vermittelt. Energie- und damit auch Emissionsfragen.
hat durch die unmittelbare Verknüpfung mit Für den Wohnungsbau resultieren Folgen
der Klimafrage eine völlig neue Dimensi- Gründe hierfür sind eine bewusste Instru- auf verschiedenen Ebenen.
on erhalten. Selbst in den diesbezüglich mentalisierung, um in dem massenwirk-
konservativ eingestellten USA wurde von samen Markt der Endverbraucher konjunk- Die Aufwendungen für die Wohnung, die
Politik, Wirtschaft und Medien das Potenzial turfördernde Investitionen auszulösen. Im sich aus dem kalten und warmen Mietanteil
des Themas erkannt. Energiesparsektor hat sich entsprechend summieren, führen auf der übergeordneten
ein enormer Markt von Dämmstofflösungen Ebene zum Nachdenken über den grund-
Um diese Diskussion in ihrer Relevanz auf über Solarkollektoren, Wärmepumpen bis zu sätzlich notwendigen Bedarf an Wohnraum.
den Wohnungsbau einzugrenzen, erscheint Photovoltaikelementen entwickelt. Der unmittelbare Zusammenhang zwischen
es notwendig, einige Zahlen und Fak­ten zu Energieverbrauch und Größe dokumentiert
betrachten, um bei aller Bedeutsamkeit des Trotz der offen und anschaulich geführten sich allein über die allgemeine Abrech-
Themas zwischen der Instrumentalisierung Diskussion der ökologischen Zusammen- nungseinheit nach Quadratmeter. Hierüber
durch verschiedene Interessengruppen und hänge und Folgen in allen Medien, ist entsteht ein Gegenpol zum jährlich wach-
der Realität differenzieren zu können. jedoch weniger ein gegenseitiges gesell- senden Wohnflächenkonsum.

17
Kontext

Auf einer anderen Ebene geht es um die tigen Satellitenschüsseln an den Fassaden. Begriff können die aktuellen städtebaulichen
energetische Optimierung des Gebäu- Bei aller Notwendigkeit der energetischen Bemühungen zusammengefasst werden.
debestands oder von Neubauten. Zwei Optimierung entsteht hier die Gefahr des Durch den Wandel von der Industrie- zur
Strategien bieten sich dabei an. Die erste medienwirksamen Wettbewerbs um das am Dienstleis­tungsgesellschaft werden
Ebene versucht, über die Reduktion des meisten optimierte Gebäude. entsprechende Flächen frei und können
Wärmeverlusts zum Ziel zu gelangen, die umgenutzt werden. Dies sind insbesondere
zweite Ebene durch energetisch optimierte Interessant ist, dass viele Studien zu dem Flächen für den Güterverkehr der Bahn und
beziehungsweise auf regenerative Energien Schluss kommen, dass die energetische diverse Hafengebiete. Der Stadtumbau voll-
zurückgreifende technische Anlagen einen Gebäudeoptimierung zwar auf allgemeine zieht sich jedoch auch in kleineren Dimen-
Beitrag zu leisten. Beide Bereiche haben un- Erkenntnisse zurückgreifen kann, die kon- sionen, zum Beispiel durch den Abbruch
mittelbaren Einfluss auf den Wohnungsbau. krete Lösung jedoch fallabhängig am Ein- und Ersatz alter Gebäude oder die Nachver-
Die erste Strategie führt im Allgemeinen zu zelobjekt entwickelt werden muss, da die dichtung vorhandener Strukturen. Für den
einer Ertüchtigung der Gebäudehülle über Gebäudesubstanz, die Nutzung und die Ein- Wohnungsbau bedeutet die Reduktion der
die Dämmung. Die Sanierung muss häufig flussgrößen des Kontextes zu unterschied- Neuausweisung von Bauland eine automa-
im bewohnten Zustand erfolgen, so dass lich sind. Diese Anforderung wird nahezu tische Konzentration auf die Ressourcen der
sich eine Fassadendämmung von außen als deckungsgleich im qualitätsvollen Entwurf Stadt. Diese Tendenz deckt sich mit vielen
vergleichsweise kostengünstiger Standard vorausgesetzt und bietet damit auch eine weiteren Faktoren, die das System Stadt
durchgesetzt hat. Die Folgen sind jedoch Stärkung der Position des Architekten. wieder attraktiv werden lassen.
schon jetzt an vielen Orten und Gebäuden
sichtbar. Die energetische Sanierung ver- Flächenverbrauch Energie
deckt häufig eine wertvolle Fassadengestal- Auf der städtebaulichen beziehungsweise Wie eingangs bereits erwähnt, sind der
tung hinter einfachen Putzfassaden. Dabei übergeordneten raumplanerischen Ebene Energieverbrauch und die Klimadiskussion
geht es nicht nur um denkmalgeschützte wird das Thema der Ökologie häufig in grundsätzlich aneinander gekoppelt. Die
Substanz, sondern auch um sorgfältige Verbindung mit dem Flächenverbrauch ökologische Betrachtung von Gebäuden
Alltagsarchitektur wie zum Beispiel die dargestellt, da die Flächennutzung letztend- und Bauteilen wird dabei jedoch nicht über
Backsteinfassaden im norddeutschen Raum. lich die anderen ökologischen Faktoren als die abstrakte Form des CO2-Austauschs
Folge produziert. Trotz einer stagnierenden dargestellt, sondern über den Energiever-
Die gebäudetechnische Ertüchtigung kann oder rückläufigen Bevölkerungsentwick- brauch. Als Standard entwickelte sich die
in vielen Bereichen diskret in die Substanz lung in Deutschland beträgt der tägliche Betrachtung der Summe der energetischen
oder Neubauarchitektur eingefügt werden. Flächenverbrauch für Siedlungs- und Aufwendungen, die in ein Bauteil fließen.
Aber auch hier entstehen gestalterische Verkehrsflächen circa 115 ha.22 Im Rahmen Dies meint die gesamte Kette vom Herstel-
Problemfelder, wie zum Beispiel die additiv eines Programms der Bundesregierung soll lungsprozess, dem Transport, der Lagerung
hinzugefügten Solarkollektoren, die die dieser bis 2020 auf 30 ha reduziert werden. bis zur Entsorgung. In diesem Zusammen-
Dachlandschaft prägen und ein ähnliches Hieraus entsteht eine der Hauptmotivati- hang wird von grauer Energie, Gesamt­
Phänomen darstellen wie die allgegenwär- onen für den Stadtumbau und unter diesem energiebilanz oder Ökobilanz gesprochen.

18
Wohnen und ...

Zahlreiche Studien, die den entsprechenden des Bundes wurden über die entspre- Baustoffdiskussion. Die Nachfrage nach
Energieanteil in den Produkten für die Pla- chenden Förderprogramme der Kreditan- gesundheitlich unbedenklichen Baustoffen
nung transparent machen, liegen vor. stalt für Wiederaufbau (KfW) bestimmte ist entsprechend deutlich gestiegen. Die
energetische Standards definiert, zum aktuelle Situation der vom Fußboden bis zur
Wieder einige Zahlen, um diesen Aspekt zu Beispiel KfW-40 oder KfW-60. Breiter Küche durchlaminierten Innenwelt eines
veranschaulichen: Ein Einfamilienhaus mit angelegt ist das Instrument des bundesweit Wohngebäudes ist nicht nur aus ästhe-
circa 150 m² Wohnfläche in Massivbauweise eingeführten Energieausweises. Als näch- tischer Sicht schwer erträglich, sondern
hat am Ende seiner Fertigstellung einen ste Stufe kämpfen derzeit verschiedene wirft auch bezüglich der gesundheitlichen
Energiebedarf von circa 350.000 kWh.23 Im Zertifizierungssys­teme um ihre Bedeutung Aspekte Fragen auf. Ohne die neuen
Vergleich dazu liegt der Jahresenergiever- am Markt. Aus den USA versucht sich zum Baustoffe unter Generalverdacht stellen zu
brauch eines aktuellen Einfamilienhauses Beispiel das sogenannte „Green Building wollen, kann man dennoch die Frage stel-
(EnEV 2002 Standard) bei circa 15.000 kWh. Rating Sys­tem“ mit Bronze-, Silber-, Gold- len, ob natürliche und einfachere Baustoffe
Ein weiteres relativierendes Beispiel: Der und Platin-Auszeichnungen in Europa nicht den selben Zweck erfüllen können und
Energieanteil von Styropor liegt bei circa durchzusetzen. In Deutschland scheint sich vielleicht einen mehr werthaltigen und au-
29 kWh/kg im Vergleich zu Zellulosefasern derzeit das „Deutsche Gütesiegel Nach- thentischeren Ausdruck entstehen lassen.
mit je 1 kWh/kg.24 haltiges Bauen“ mit ähnlichen Kriterien zu Das oft entgegengebrachte Kostenargu-
etablieren. Bei all diesen unterschiedlich ment ist dabei relativ, da die Preisbildung
Angesichts dieser Dimension ist der ganz- motivierten Ansätzen ist die Verhältnis- viel weniger von den Rohstoffpreisen als
heitliche energetische Betrachtungsansatz mäßigkeit der Mittel nicht nur im Sinne vom Instrument des Angebots und der
eine wichtige Voraussetzung für einen der Ökobilanz abzuwägen, sondern auch Nachfrage abhängt.
nachhaltigen Gebäudeentwurf. Bei der Be- in der Benutzbarkeit der Wohnung. Wenn
trachtung der lebenslangen energetischen das Öffnen der Fenster das energetische
und wirtschaftlichen Faktoren verschieben Gebäudekonzept gefährdet, scheint hier
sich kurzfristige Investitionsersparnisse zu aus Sicht des Wohnungsbaus eine Schwelle
Gunsten werthaltiger, langlebiger Bau- überschritten zu werden.
stoffe. Ein konkretes Beispiel hierfür ist die
vergleichende Betrachtung von Fassaden Gesundheit
mit Wärmedämmverbundsystemen und Neben den übergeordneten ökologischen
Backsteinfassaden. Zusammenhängen gilt es noch die konkrete
Ebene für den Wohnungsbau zu betrach-
Die Komplexität der Materie und damit ten. Das Gesundheitsbewusstsein hat sich
ihre schwierige Vergleichbarkeit führte zu angesichts einer steigenden Anzahl von
verschiedenen Ansätzen einer Zertifizierung. allergisch bedingten Krankheiten in den
Zusätzlich zu den üblichen Anforderungen vergangenen Jahren deutlich gesteigert
aus der Energieeinsparverordnung (EnEV) und hat einen wesentlichen Einfluss in der

19
Kontext

Wohnen und Initiatoren

In den letzten Jahrzehnten und im Zuge Säulen funktionierendes soziales Wohnver- stand nach wie vor neben Wohnungsgenos-
einer sich verändernden Gesellschaft sorgersystem, das mittels Förderung und senschaften eine wichtige Versorgerfunk-
haben deutliche Entwicklungen eingesetzt, Anreizen von Seiten des Staates nachhaltig tion. Von rund 24 Mio. Mietwohnungen im
die es sinnvoll machen, einen Blick auf gesteuert wurde. Neben kommunalen Jahr 2006 in der Bundesrepublik26 werden
die Strukturen und Akteure der Wohn- beziehungsweise öffentlichen Anbietern rund 10 % durch öffentliche Wohnungsun-
raumschaffung zu werfen. Sich ändernde und Wohnungsgenossenschaften stellten ternehmen der Kommunen, der Länder und
beziehungsweise neue Handlungsräume privatwirtschaftliche Investoren wichtige des Bundes verwaltet.27 Die öffentlichen
sind für entwerfende Architekten gerade im Wohnversorger im Mietwohnungsbau dar. Wohnungsversorger können dabei aufgrund
Kontext einer geringen Wohnungsneubau- Daneben förderte der Staat die Schaffung zurückgehender bereitgestellter Mittel ihren
tätigkeit wichtige, praxisrelevante Bezüge. von privatem Wohneigentum. Heute ist Aufgaben immer seltener nachkommen; ein
Zwar sind regional und lokal differenzierte die Wohnraumnachfrage quantitativ längst Verlust an Handlungsfähigkeit, der im Ergeb-
Prozesse zu beob­achten, verallgemeinert gedeckt. Die Aufgaben des Sozialstaats nis eine Benachteiligung sozial Schwacher
lässt sich jedoch feststellen, dass die Arbeit sind im Rahmen der Notversorgung mit nicht ausschließt. Die soziale Verantwortung
im städtischen Bestand heute mehr denn Wohnraum sozusagen abgeschlossen. Die des Staates im Wohnungswesen ist weiter-
je Gegenstand von Wohnbauprojekten ist. folgenden Bezugsgrößen verdeutlichen die hin gefordert. Der Verkauf von kommunalem
Als Bestand ist dabei sowohl das umzu- geringen Aktivitäten im Wohnungsneubau: Wohneigentum verhindert hier langfristig
nutzende städtische Gebäude gemeint als Zwischen 1994 und 2007 sind die Bauge- stadtplanerische Interventionsmöglichkeiten
auch die Neubauplanung im städtischen nehmigungen für Wohnungsneubauten um und die öffentliche Steuerungsmöglichkeit.
Kontext. In Deutschland stehen nach wie knapp 75 % zurückgegangen25, zum einen
vor wachsenden, wirtschaftlich prosperie- als Ergebnis des gedeckten Bedarfs, zum Die Steuerung des deutschen Wohnungs-
renden Regionen Standorte gegenüber, die anderen auch aufgrund veränderter gesell- bestands, in den rund 70 % des gesamten
gezielt in den Rückbau von Wohnraum und schaftlicher Rahmenbedingungen und deren Wohnungsbauvolumens von Deutschland
die Stabilisierung des Bestands investie- Auswirkungen auf die Neubautätigkeit. investiert werden, stellt gegenwärtig
ren müssen. In dieser Betrachtung sollen Große öffentliche Wohnungsbauwettbe- das größere Aktionsfeld gegenüber der
daher vor dem Hintergrund der gemäßigten werbe, noch vor einem Jahrzehnt klas- Neubautätigkeit im Wohnungsbau dar. Die
gesellschaftlichen Tendenz der Aktionsraum sisches Betätigungsfeld von Architekten, Akteure der Wohnungspolitik im Bestand,
von Architekten in der Wohnbauplanung be- finden heute nur noch in seltenen Fällen aber auch im Neubau, sind dabei neben den
nannt werden und die betrachteten Aspekte und mit geringen Realisierungschancen genannten öffentlichen, genossenschaft-
gleichzeitig aktuelle Schwerpunkte in der statt. Oft winkt nach erfolgreicher Teilnahme lichen und privatwirtschaftlichen Wohnungs-
Berufspraxis nachzeichnen. nicht der Auftrag durch die öffentliche Hand, anbietern eine Vielzahl von Privatpersonen,
sondern eine nächste Akquisephase am frei das heißt Selbstnutzer und private Klein-
Anbieter von Wohnraum finanzierten Markt. Kommunen agieren da- anbieter. Knapp drei Viertel des deutschen
In der Phase der Wohnungsnot nach dem bei vermehrt als Projektinitiator, um Anreiz Wohnungsbestands, nämlich rund 30
Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in zur Bildung von privatem Wohneigentum der 40 Mio. Wohnungen29 in Deutschland
Deutschland ein auf unterschiedlichen zu geben. Dagegen übernehmen sie im Be- gehören privaten Wohnungseigentümern,

20
Wohnen und ...

die als Selbstnutzer und/oder als Vermieter sonenhaushalte dominieren schon heute dem Um- oder Neubau eines Einfamilien-
auftreten. Gegenüber rund 9 Mio. Woh- alle anderen Haushalte in Deutschland und hauses. Im städtischen Kontext entstehen
nungen, die in der Verwaltung von profes- ihr Anteil nimmt weiter zu. Bestandsob- nun Wohnformen, zum Beispiel die so ge-
sionell-gewerblichen Anbietern stehen30, jekte werden entsprechend regelmäßig in nannten Townhouses, die wieder verstärkt
übernehmen private Kleinanbieter mit rund kleinere Strukturen unterteilt. Gleichzeitig im Aufgabenbereich von Architekten liegen.
14 Mio. verwalteten Wohnungen31 einen konzentrieren sich Neubauaktivitäten im Im Unterschied zum auf dem „Reißbrett“
umfangreichen Anteil an der Zuständigkeit Geschosswohnungsbau vorwiegend auf geplanten Bauland im Umland als Idealpla-
für den deutschen Mietwohnungsbestand, Angebote diesen Haushaltstyps. nung ohne kontextuelle Zwangspunkte, sind
der durch das differenzierte Angebot mit Bauherren in der Stadt mit teilweise schwie-
kleinteiliger Besitzstruktur charakterisiert Private Selbstnutzer rigen Eigentumsverhältnissen und häufig in
wird. Gleichzeitig fehlen diesen privaten Städtisches Wohnen rückt im Zuge einer Orientierung und Kontext anspruchsvollen
Kleinanbietern, durch geminderte wirt- zurückgehenden Nachfrage nach dem und häufig zu großen Parzellen konfrontiert.
schaftliche Potenz und Marktkenntnis, Eigenheim auf der grünen Wiese für Privat- Nicht nur Fertighaushersteller sind dabei
häufig spezifische Kenntnisse, um auf die eigentümer wieder vermehrt ins Bewusst- überfordert, auch Investoren entwickeln die-
Einflüsse gesellschaftlicher Veränderungen sein. Dabei wird nicht das Wohnideal des se ortspezifischen Situationen im seltensten
im Wohnungsbestand reagieren zu können. Einfamilienhauses in Frage gestellt, lediglich Fall; für sie lohnt sich die Auseinanderset-
Festzuhalten ist jedoch: Private Vermieter das Lebensmodell in Form der Kleinfamilie zung mit den diversen Einflussgrößen der
und Selbstnutzer nehmen im Zuge ihrer mit pendelndem Alleinversorger ist heute Stadt erst ab einer bestimmten Grund-
Anteile am deutschen Wohnungsbestand rückläufig und damit deren Wohnvision am stücksgröße und einer Projektdimension
deutlichen Einfluss auf die Qualität und Stadtrand. Der Anteil von Selbstnutzern, mit entsprechend zu erwartender Rendite.
Standards der gebauten Umwelt und des das heißt privaten Wohnungseigentümern Einzelbauherren oder Baugruppen können
Wohnungsmarkts und sollten als potenzielle von Ein- und Zweifamilienhäusern, am hier eher agieren, langfristig zu wichtigen
Auftraggeber nicht vernachlässigt werden. Wohnungsbestand in Deutschland liegt mit Akteuren für Kommunen werden und neben
rund 16 Mio. Wohnungen33 bei 32 % des der Initiierung des Bauprojekts selbst nach-
Wohnungsbestand deutschen Wohnungsbestands. Im Laufe haltigen Einfluss auf den zu entwickelnden
Der Wohnungsbestand in Deutschland der Jahre hat sich dieser Markt fast völlig Standort ausüben.
bemisst sich im Jahr 2007 auf rund 40 Mio. dem Architekten entzogen; Fertighäuser mit
Wohnungen. Durchschnittlich bestehen die vermeintlich individuellem Charakter haben Nach diesem ersten Überblick über das Feld
Wohnungen aus 4,4 Räumen mit 86,3 m² den Neubauvorhaben dieser Gebäudetypen der Akteure und möglichen Auftraggeber
Wohnfläche.32 Diese Bestandsstruktur im städtischen Einzugsgebiet ihr Gesicht von Wohnungsbauten interessieren nun
dokumentiert den jahrzehntelangen Bedarf gegeben. Auch wenn der größere Teil der neue beziehungsweise veränderte Hand-
an Familienwohnungen. Die aktuellen deutschen Bevölkerung zur Miete wohnt, lungsfelder für Architekten, die hier vorwie-
Tendenzen der Haushaltsgrößen führen sind private Selbstnutzer ein interessantes gend auf Neubauvorhaben bezogen sind,
jedoch vermehrt zur Nachfrage von anderen Klientel für Architekten und nicht selten jedoch auch auf die Arbeit im Wohnungs-
Wohnungsgrößen und -zuschnitten. Einper- beginnt die selbstständige Berufspraxis mit bestand übertragen werden können. Der

21
Kontext

Blick auf die Neubautätigkeit in Deutschland Eigentümer sind diese Angebote nicht für gestalten aktiv und gemeinschaftlich die
erfolgte bereits im Kapitel „Wohnen und alle Nutzer attraktiv. Gerade diejenigen, die Planung, Ausführung und Nutzung.
Ökonomie“. Die gerade einmal 211.000 neu das Eigenheim als individuelles Wohnziel
gebauten Wohnungen in Deutschland im definieren, werden mit seriell entwickelten Aktuell erfolgreiche Projekte weisen nicht
Jahr 200734 sind dabei vorwiegend im städ- Wohnungsangeboten im städtischen selten Architekten als Projektmitglieder
tischen Kontext zu vermuten. Neben einer Umfeld nicht angesprochen. Dagegen zielt beziehungsweise als Initiatoren aus. Gerade
zurückgehenden Nachfrage für Wohnflächen das Marketing auf kaufstarke Nutzergrup- junge Architekturbüros realisieren über das
im Umland ist die Stadt seit Jahren aus öko- pen, sozusagen Trendmilieus, mit klaren Initiieren von Baugruppenprojekten zuneh-
logischen und ökonomischen Gesichtspunk- Wohnwünschen. Hohe Anschaffungskosten mend ihr erstes Projekt. Notwendig sind Ar-
ten wieder in das Blickfeld der Politik und bei gleichzeitig geringem Eigenanteil und chitekten bei Baugruppenmodellen in jedem
somit der Planer und Architekten gerückt. Steuerungsmöglichkeiten am Produkt oder, Fall. Durch die Anzahl der „Bauherren“ ist
Aktuelle städtische Wohnungsbauprojekte besser gesagt, schlüsselfertige Wohnbau- nicht nur ihre planerische Kompetenz ge-
reichen von der Nachverdichtung und produktion ohne individuell zugeschnittenes fragt, sondern vor allem die Moderation des
Standortentwicklung im Sinne eines neuen Resultat sind die Folge. Planungs- und Bauprozesses in der Gruppe.
Quartiers bis zum einzelnen Versatzstück im Je komplexer ein Vorhaben ist, desto
gewachsenen Kontext. Baugruppen wichtiger wird die Figur des Architekten und
Dem gegenüber stehen Projektmodelle, die umso seltener die Aktivität des Investors.
Bauträger ohne Renditeabsichten initiiert werden. Als
Durch Bauträger finanzierte Projekte spielen dritter Weg zwischen dem Wohneigentum Der Vorteil in der Projektentwicklung und
hier eine nicht geringe Rolle. Dabei handelt und der Mietwohnung wird hier das private -planung liegt in der Selbstverantwortung
es sich vorwiegend um großmaßstäbliche Kapital in ein gemeinwirtschaftliches Projekt des Einzelnen und der gleichzeitigen Si-
Wohnbauprojekte mit einer gesicherten investiert, das auf keine höchstmögliche cherheit durch die Gemeinschaft. Interes-
Nachfrage an prosperierenden Standorten. Rendite abzielt, sondern kostendeckend santerweise bieten diese Baugruppen, egal
Der Planer hat dabei selten mit den spä- Wohnraum bereitstellen soll. Zum einen in welcher rechtlichen Form sie bestehen,
teren Eigentümern oder Mietern Kontakt, kann das in großen Wohnungsgenos- die Chance, mit stadtspezifischen Para-
geplant wird vielmehr ein mit höchsten senschaften passieren, die lebenslanges metern besser umgehen zu können als
Renditeaussichten vermarktbares Produkt. Mietrecht zu einem vereinbarten Mietzins Einzelbauherren. Schon seit den 1980er
Bauträger agieren lokal, reagieren spontan nach dem Erwerb der Genossenschafts- Jahren versprechen individuell initiierte
auf den Markt und bauen ohne wiederkeh- anteile anbieten; zum anderen – ein heute Wohnmodelle echte Alternativen gegen-
rende bauliche Standards. Als marktwirt- an Attraktivität gewinnendes Modell – als über dem Angebot des Marktes. Gerade
schaftliches Unternehmen verpflichten sich private Genossenschaft oder Baugruppe. der städtische Kontext ermöglicht heute
Bauträger lediglich dem Grundsatz: Bau- beziehungsweise erwerbsinteressierte einer privaten Baugruppe zudem eher den
„Minimaler Einsatz bei maximalem Gewinn“. Personen schließen sich zu einer Genossen- Grundstückserwerb als einer Einzelperson,
Im Zusammenhang mit einem sehr vor- schaft oder Baugruppe zum Bau und Betrieb da städtische Parzellen in ihrer Größe häufig
sichtigen Investitionsverhalten zukünftiger eines Wohnbauvorhabens zusammen und der von Mehrfamilienhäusern entsprechen

22
Wohnen und ...

und zudem ein spekulativer Druck auf dem im Wohnungsbau. Die Potenz selbst orga- erst durch die Initiative von Architekten
Grundstückspreis liegt. Häufig sind neben nisierter Projektgruppen hört zudem nicht erfolgreich. Die umfangreichen Leistungen
dem Wunsch der individuellen und kosten- bei dem gemeinsam geplanten Gebäude in diesem Zusammenhang wurden jedoch
günstigen Realisierung auch gemeinsame auf, mit gesellschaftlich verantwortungsbe- in der Honorarordnung für Architekten noch
Wohnideale ausschlaggebend für die wusstem Agieren und einem hohen Maß an nicht ausreichend berücksichtigt. Die Ver-
Bildung einer privaten Baugruppe. Baugrup- Eigeninitiative können aus diesen Netzwer- änderung und Aufweitung des klassischen
pen verfolgen im Gegensatz zum Bauträger ken ganze Stadtteile entwickelt werden. Planerberufs muss entsprechend auch in
andere Organisationsziele als die finanzielle Projektdimensionen, die früher nur aus der den gültigen Gesetzen und Verordnungen
Gewinnsteigerung. Sie sind vielfältig und Hand eines Investors vorstellbar waren. fortgeschrieben werden, um aufwandsge-
häufig in Alter, Lebensform und Kapitalaus- rechte Honorare kalkulieren und abrechnen
stattung gemischt zusammengesetzt. Meist Aktuelle Aufgabenfelder zu können.
bilden sie eine Gemeinschaft nicht nur zum Eine Chance für Architekten in der wirt-
Zweck des Planens und Bauens der eigenen schaftlich schwierigen Situation besteht Bereits erläutert wurde der wachsen-
Wohnbedürfnisse, sondern entwickeln in der Beteiligung und Begleitung von de Bedarf an kleinen Wohneinheiten,
langfristige Nachbarschaftsstrukturen, selbstorganisierten Initiativen und Projekt- die entsprechend der Entwicklung der
und häufig entstehen aus ihrem Netzwerk formen im städtischen Wohnungsneubau Haushaltsstruktur in Deutschland geeig-
heraus quartiersprägende soziale Angebote. und der Bestandsumnutzung. Der „Maß- nete und ökologisch sowie ökonomisch
Gerade aufgrund dieses gleichzeitig entste- anzug Wohnung“ kann dabei durchaus in sinnvolle Angebote darstellen. Der Kontext
henden sozialen Netzwerks stellen private der Stadt entstehen, eine Vielzahl reali- Stadt wird nicht nur für Familien neu
Baugruppen für das individuelle Bauen in sierter Baugruppenprojekte beweist die entdeckt. Generationenübergreifend wird
der Stadt eine zunehmende Alternative für hochwertige und intelligente Umnutzung ein Erneuerungsbedarf des städtischen
Bauherren zu anderen Eigentumsmodellen und Neuplanung von städtischen Wohn- Wohnungsangebots entstehen. Ein rasantes
dar. Im Vergleich zum Investor sind sie sogar gebäuden. Im Vergleich zu Bauträgerpro- Wachstum des Wohnungsmarkts wird es
die bessere Wahl für Kommunen: einerseits jekten sind mit der Projektbegleitung durch trotz alledem in Deutschland auf absehbare
weil sie lokal agieren und in der Regel ein Architekten architektonisch anspruchsvolle Zeit kaum geben. Zeiten mit vorsichtigem
stabiles Netzwerk aus den Eigentümern und wertbeständige Gebäude gesichert, Investitionsverhalten führen jedoch immer
heraus für ein Quartier darstellen; des wie sie von anonymer Investorenarchitektur zu einer Zunahme der Projektqualität, sei es
Weiteren weil sie aus der Mischung ihrer in- selten erreicht werden. Als Treuhänder des im Nachdenken über die Verwendung ener-
dividuellen Wohnkonzepte Zweitnutzer und Bauherrn wird der Architekt in jeder Phase getisch sinnvoller Baustoffe oder über eine
Veränderbarkeit von Grundrissen tendenziell der Planung und Realisierung des Gebäu- breite Diskussion zukünftiger Wohnmodelle.
mehr berücksichtigen als das marktorien- des die Interessen des Bauherrn vertreten.
tierte Investorenmodell. Letztendlich führt Gerade die schwierigen Anfangspfade von
dies zu einer höheren Projektqualität. Die Baugruppenprojekten, die bei der Grund-
Abhängigkeit der Wohnqualität von der stückssuche beginnen und bis zur Grün-
Nachbarschaft ist eine wesentliche These dung der Projektgruppe reichen, sind häufig

23
Kontext

Wohnen und Ort

Mit der Annäherung an den Wohnort, das unmittelbar im Moment der Besichtigung Die Komplexität und der Umfang der Ma-
heißt den konkreten Standort des Wohn- des räumlichen Angebots beziehungsweise terie erlauben dabei lediglich das Anreißen
bauprojekts, schließt die Serie der überge- der Benennung der eigenen Wohnwünsche, des vielschichtigen Themenspektrums und
ordneten Themenfelder zum Wohnungsbau indirekt jedoch gleichzeitig im Wissen um gleichzeitig eine Gewichtung für deren Be-
mit einem konkreten, entwurfspraktischen die Qualitäten einer Nachbarschaft, eines deutung im Entwurf. Die hier aufgeführten
Aspekt, der gleichzeitig Übergang zum Ka- Quartiers, letztendlich auch einer Stadt Entwurfsparameter stehen zwar letztlich in
pitel „Grundriss“ ist sowie den inhaltlichen selbst. Das Betätigungsfeld im Wohnungs- einer Entscheidungskette, sie referenzieren
Zusammenhang zum Buchteil „Projekte“ bauentwurf beginnt damit in der Ausei- sich jedoch gegenseitig und stehen im
aufzeigt. Im Unterschied zu den Aspekten nandersetzung mit städtischen Strukturen gesamten Entwurfprozess in einer stän-
der Gesellschaft, der Ökonomie, Ökologie und Räumen und endet in der Optimierung digen Rückkopplung und Anpassung an die
und der Projektinitiatoren wird hier konkret und Planung einzelner Möbel und Ausstat- aktuelle Konzeptsituation.
auf Ansätze und Schwerpunkte im Woh- tungsdetails. Das sichere Agieren in den
nungsbauentwurf hingewiesen. Damit ist verschiedenen Maßstäben, das Wissen Stadt
jedoch keine Entwurfsmethode gemeint, um ihre Abhängigkeiten und das Abwägen Seit mehreren Jahren ist der Ruf von der
es werden lediglich Schlüsselthemen in der Einflussgrößen von Funktionalität und Renaissance der Städte sowie der Wie-
der Bearbeitung von Wohnbauprojekten Gestaltungsabsicht sind, wie generell in der derentdeckung von Urbanität zum Träger
angerissen und für den eigenen Entwurf- Architektur, auch im Wohnungsbauentwurf eines gesamtgesellschaftlichen Wandels im
sprozess gewichtet. Die Linearität und ständiger Gegenstand der eigenen Arbeit. Wohnverständnis geworden. Stadt bietet
maßstäbliche Gliederung der Textform Das Kapitel „Grundriss“ zeigt die entwurfs­ nicht nur allen Lebensmodellen und Alters-
darf dabei nicht mit dem eigentlichen entscheidenden Phänomene des Wohn- gruppen einer Gesellschaft langfristigen
Entwurfsvorgang verwechselt werden, der grundrisses auf, der Projektzusammenhang Lebensraum, sondern bildet gerade durch
von einer ständigen Parallelität der Ent- des Wohngrundrisses zum Kontext, das die soziale Durchmischung eine Basis für
scheidungen und Einflüsse geprägt ist. Die heißt zum Gebäude, zum Quartier und zur eine moderne Gesellschaft. Urbanität, das
bisher erläuterten Rahmenbedingungen und Stadt wird jedoch bewusst ausgeblendet. heißt eine zusammenhängende, historisch
Entwicklungstendenzen von Wohnen sind Hier nähern wir uns dagegen dem Wohnen gewachsene Bebauungsstruktur, nutzbare
gleichzeitig wirksam und immer Bestandteil und damit dem Wohnungsbauentwurf über und klar definierte öffentliche Räume,
des Entwurfsprozesses. die Entwurfsmaßstäbe, sozusagen von der Nutzungsmischung und soziale Durchmi-
Stadt zum Haus, und gleichzeitig in der stän- schung, ist der Rahmen unserer Arbeit
Die Qualität und Vermarktbarkeit einer digen Auseinandersetzung mit der Abgren- und Basis für den Entwurf städtischer und
Wohnung sowie ihr Wohnwert hängen nicht zung von Öffentlichkeit und Privatheit. Das zukunftsfähiger Wohnmodelle.
nur von deren Qualität, ihrem Standard Themenfeld ist zugleich diffus wie konkret,
oder ihrer Größe ab, sie wird vielmehr aus soziologisch wie entwurfsorientiert. Die Der städtische Maßstab ist häufig die erste
diversen Einflüssen ihres Kontextes, das Vielzahl der Einflussgrößen wird dazu den Annäherung an ein Entwurfsprojekt. Hier
heißt ihrer Verortung, geprägt. So fällt die Maßstäben Stadt, Quartier und Gebäude werden bauliche, räumliche, kulturelle und
Entscheidung für eine Wohnung häufig zugeordnet. topografische Eigenheiten aufgespürt und

24
Wohnen und ...

als imaginäre Eckpunkte des Entwurfs Netzwerk schließt öffentliche Flächen und kaum von den Festlegungen im städtischen
fixiert. Die Arbeit mit unterschiedlichen Räume für die Naherholung ein. Das Quar- Kontext zu trennen. Eine morphologische,
Medien zeichnet die Fülle der Eindrücke und tier hat oft einen höheren Stellenwert in der strukturelle Annäherung über die Analyse
Einflüsse nach und ermöglicht gleichzeitig Identifikation des Bewohners als die Stadt der vorhandenen städtebaulichen Typen
die Reflexion des Gesehenen und Gehörten. selbst. Zwar bietet die Stadt ein überge- und deren Dimensionen bildet einen ersten
Entdeckte Standortqualitäten und Eigen- ordnetes Angebot, das Quartier ist jedoch und wichtigen Schritt. Materialisierung und
heiten des Orts, der genius loci, sind dabei in der Annäherung an den privaten Raum Selbstverständnis zum öffentlichen Raum
immer abhängig vom persönlichen Hinter- der Wohnung eine wichtige öffentliche sowie ihr Nutzerspektrum sind elementarer
grund des Betrachters. Gleichzeitig gene- Bezugsgröße, die persönliche Kontakte im Bestandteil dieser Auseinandersetzung.
rieren die funktionalen Anforderungen der Sinne eines sozialen Netzwerks ermöglicht. Gleichzeitig wird die bauliche Dichte im
Aufgabe, egal ob vorgegeben oder selbst Die Entscheidung für einen bestimmten Zusammenhang mit einem grob erfassten
entwickelt, ein umzusetzendes Programm, Stadtteil, ein bestimmtes Quartier wird sehr Flächenanspruch eruiert. Grundlegende
das zwischen baurechtlichen Anforderun­ bewusst durch den Bewohner getroffen. Ein Dispositionen ermöglichen den Abgleich
gen und gestalterischen Möglichkeiten lebenswertes Quartier mit einem funktio- möglicher Orientierungen mit dem Nut-
den Entwurf auslotet. Die Komplexität des nierenden sozialen und infrastrukturellen zungsanspruch an die Gebäudestruktur.
Entwurfsprozesses zu Beginn der Pla- Netzwerk kann für den Bewohner durchaus Nicht zu vernachlässigen in dieser Phase
nung wird häufig durch einzelne Einflüsse fehlende Qualitäten der Wohnung, zum ist der Umgang mit dem ruhenden Verkehr,
besonders geprägt, die sowohl aus dem Beispiel fehlende private Außenräume, der gerade für die Marktfähigkeit von
lokalen städtischen Kontext als auch aus der ausgleichen. Innerhalb des Quartiers kann städtischen Wohngebäuden von besonderer
Planungsaufgabe selbst entstehen können das umfangreiche Angebot an Wohnungs- Bedeutung ist.
und zum Entwurfsgenerator werden. größen und -typen geboten werden, um
Im Verlauf der Arbeit verdichtet sich die einem Großteil der aktuellen Lebensmodelle Städtebauliche Typen
Fülle der Rahmenbedingungen, konkrete gerecht zu werden und langfristig als Wohn- Je nach der Projektdimension kann die
Entscheidungen können auf der Basis der standort eines Bewohners zu funktionieren. Vernetzung einer Wohneinheit oder einer
bereits getroffenen Festlegungen erfolgen Sich verändernde Wohnanforderungen Vielzahl von Wohnungen Gegenstand der
oder hinterfragen diese und fokussieren den können damit innerhalb der Nachbarschaft Entwurfsarbeit werden. Die möglichen städ-
Entwurf aufs Neue. und nicht zwingend in veränderbaren Grund- tischen Bausteine reichen vom Reihenhaus
rissen aufgefangen werden. Eine gute Lage bis zur verdichteten Teppichsiedlung in der
Quartier innerhalb einer Stadt zeichnet sich jedoch horizontalen Verdichtung und vom kom-
Der Übergang der Einflüsse des städtischen nicht nur über die Qualitäten vor Ort aus, pakten Mehrparteienhaus bis zum hochver-
Kontextes und der des Quartiers ist flie- auch die Anbindung an lokale, regionale und dichteten Wohnturm als vertikale Verdich-
ßend. Das Quartier definiert sich über eine überregionale Verkehrsadern werden häufig tungsformen. Zwar ist aus ökonomischer
fußläufige Erreichbarkeit, innerhalb der ein zu wichtigen Entscheidungsgründen für ei- und oft gestalterischer Sicht die horizontale
täglich notwendiger Bedarf des Bewoh- nen Wohnort. Die Entwurfsentscheidungen Verdichtungsform mit ihrer geringen Höhe
ners gedeckt wird. Dieses infrastrukturelle innerhalb des Bezugsrahmens Quartier sind seltener geeignet, um im städtischen

25
Kontext

Umfeld eine gleichermaßen wirtschaftliche sinnvolle, kontextgerechte Entwurfsreak- Ressourcen zeugen. Dichte allein ist jedoch
und stadträumliche Qualität zu entwickeln; tionen darstellen. Dabei wird die private kein Qualitätskriterium. Wohngebäude mit
der hohe Grad an Privatsphäre, den die Wohnnutzung erst in den Obergeschos- einer hohen baulichen Dichte sind nur bei
eigene Grundstücksfläche, eine direkte sen der Funktionshybride angeboten. Das sorgfältigster Planung und in einem stabilen
Erschließung und lediglich seitlich angren- Erschließungssystem ist der neuralgische Quartier langfristig vermietbar. Intelligente
zende Nachbarbebauungen bieten, ist Punkt von hybriden Nutzungskonzepten. Nutzungsvorschläge und Dimensionie-
allerdings für einen Großteil der Bewohner Eine getrennte Erschließungsstruktur rung der öffentlichen und halböffentlichen
ein wichtiges Kriterium in der Entscheidung verstärkt die Entkopplung der Nutzungen, Zwischenräume ermöglichen bei Konzepten
für eine Wohnung. Nicht zuletzt bieten diese ein gemeinsames System dagegen ge- mit maximaler Ausnutzung des Grundstücks
Wohnformen direkten städtischen Ersatz für stattet Austausch- und Kontaktaufnahme. trotz alledem eine vollständige Privatsphäre
das Einfamilienhaus vor der Stadt. Gleichzeitig wird die Schwellensituation zur der einzelnen Wohneinheiten.
Wohnung selbst verlagert.
Die eigene Entwurfsentscheidung wird Ruhender Verkehr
jedoch nicht nur durch die Art und Dimensi- Dichte Eine Anforderung an das städtische Wohnen
on der Nachbarbebauung geprägt, auch die Mit der morphologischen Entscheidung für auf der Ebene des Quartiers beziehungs-
stadträumliche Situation hat weitreichenden eine bestimmte Gebäudekubatur bezie- weise des Gebäudes selbst ist die Lösung
Einfluss auf sie. So wird der Wohnbauent- hungsweise eine städtebauliche Typologie der Stellplatznachfrage. Im Durchschnitt
wurf an einem mehrspurigen Boulevard in geht der adäquate Umgang mit baulicher werden bei Neubauprojekten in Deutsch-
der Innenstadt auf anderen Schwerpunkten Dichte einher. Die als Geschossflächenzahl land mindestens 1,5 Stellplätze je Wohnein-
basieren als der an einer Wohnstraße im (GFZ) bezeichnete bauliche Dichte ergibt heit gefordert. Die Zahl von 46 Mio. PKW35
Stadterweiterungsgebiet. Die Position zum sich aus dem Verhältnis der Geschossflä- in Deutschland mit circa 39 Mio. Haushal-
öffentlichen Raum führt entsprechend zu chen aller Vollgeschosse zur Grundstücksflä- ten36 macht den Bedarf hierzulande deutlich.
Überlegungen, die den Schwellenbereich che des Gebäudes und wird gerade im Woh- Die Berücksichtigung von Stellplätzen im
betreffen. Die Beantwortung der Fragen: nungsbau als das maßgebliche Kriterium Entwurf kann schnell entwurfsprägend
„Wo hört die Öffentlichkeit auf? Wo beginnt für nachhaltige, ökonomische Planungen, werden, konstruktiv wie auch gestalterisch,
die Hausgemeinschaft beziehungsweise die aber auch für eine ortsadäquate städtebau- und andere Entwurfsanforderungen in den
Privatheit der Wohnung?“ führt zu wichtigen liche Reaktion zugrunde gelegt. Neben den Hintergrund drängen. Egal ob ein radikal-
Entwurfsansätzen. Ein bewusster Abstand Kriterien der Deutschen Gesellschaft für konzeptioneller Umgang mit dem Bedarf
zum öffentlichen Raum kann zum Beispiel Nachhaltiges Bauen, die mittlerweile ent- an Stellplätzen vorgeschlagen wird oder
durch eine halböffentliche Vorzone oder ein sprechend gelungene Gebäude zertifiziert, ein klassisch integrativer, die Stellplatzfrage
„Anheben“ des Gebäudes erzeugt werden. hat längst auch auf stadtplanerischer Ebene ist regelmäßig ein entscheidender Diskus-
Oft wird eine Wohnnutzung im Erd- oder die Erkenntnis eingesetzt, dass Versiege- sionspunkt in Wettbewerbsverfahren wie
Hochparterregeschoss damit überhaupt lung und Flächenfraß in den Städten und auch bei beauftragten Planungen. Für die
erst möglich. Alternativ können Gebäude im Stadtumland nicht unbedingt von einem Vermarktung von Wohnbauprojekten sind
mit Nutzungsunterlagerung im Erdgeschoss überlegten Umgang mit den vorhandenen vorhandene Stellplätze eindeutig verkaufs-

26
Wohnen und ...

fördernd. Eine Unterbringung der Stellplätze der einzelnen Bauteile abzielt, sondern auch substanz arbeiten, oftmals eine bessere
im Gebäude selbst lohnt sich jedoch erst ab auf modische Errungenschaften und eine Vernetzung im Kontext gelingt.
einer Mindestzahl an Wohnungen, auf die sich abzeichnende Individualisierungsten-
die Kosten für die Erstellung des Parkge- denz verzichtet. Gebäudetypen
schosses anteilig verteilt werden können. Je nach Größe des Projekts und der Kon-
Aktueller Wohnbedarf textbebauung sind die Stadtbausteine des
Haus Eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensmo- Punkthauses, der Zeile und des Blocks das
Der nächste Entwurfsschritt behandelt die delle wird aktuell in einem differenzierten klassische städtebauliche Repertoire für
unmittelbaren Entscheidungen bezüglich Immobilienmarkt repräsentiert. Neben eine Wohnnutzung. Die Entwurfsoptionen
des Wohngebäudes selbst. Mit der Ge- Wohnmodellen, die bestimmte Alters- liegen damit zwischen der Entscheidung
bäudedimensionierung und -strukturierung gruppen ansprechen sollen, ist ein Bedarf für gereihte beziehungsweise freistehende
werden erste wesentliche Festlegungen ge- nach zeitlich begrenzten Wohnformen zu Häuser. Die bereits erwähnten Verdich-
troffen, die in Abwägung zur Bewohnerzahl erkennen, ebenso wie eine Spezifizierung tungsformen im Wohnungsbau verpflichten
und -charakterisierung einen Gebäudetyp am Markt durch Angebote für bestimmte sich zum einen dem individuellen Woh-
generieren lassen. Neben der Festlegung Milieus entsteht. Ein gesellschaftlicher nen und zum anderen dem kollektiven,
der Bandbreite von Wohnungstypen sollten Trend findet sich eindeutig in der Zunahme gemeinschaftlichen Wohnen und erfüllen
hier der externen Erschließungsform und der Einpersonenhaushalte wieder und damit entsprechende Nutzer- und Programmzwän-
dem Umgang mit dem Erdgeschoss sowie in der Nachfrage nach kleinen Wohnungen. ge. Beide Entwurfsoptionen können über
dem Eingangsbereich besondere Aufmerk- Auch der Bedarf an barrierefreien Wohn- ihre Dimension und Typologie für einen oder
samkeit gegeben werden. Gerade diese angeboten für die Generation 50+, die mehrere Bewohner entworfen werden.
konkreten Entwurfsentscheidungen sind in langfristig nutzbare Wohnformen sucht, wird Dort, wo im Einparteienhaus die private
einer Entscheidungsfolge mit sämtlichen weiter wachsen. Daneben wird es weiterhin Wohneinheit direkt am öffentlichen Raum
übergeordneten Entwurfsfestlegungen zu eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnmo- beginnt, ist im Mehrparteienhaus eine Zwi-
sehen. Auch Überlegungen zur Dauerhaf- delle geben, die nicht zwingend auf einem schenzone notwendig, die der Hausgemein-
tigkeit des umzusetzenden Programms passgenauen Angebot basieren, sondern schaft zur halböffentlichen Erschließung
sollten in den Entwurfsprozess einfließen. entweder individuell, in Eigenregie verwirk- der einzelnen Wohneinheiten dient. Auch
So müsste, im Sinne der Nachhaltigkeit, licht wurden oder ein vorhandenes Angebot die nicht bebaute Grundstücksfläche wird
eine flexibel geplante Struktur während der flexibel nutzen. Der zusätzlich notwendige hier in aller Regel der Hausgemeinschaft
gesamten Lebensdauer eines Gebäudes Bedarf an spezifischem Wohnraum wird gewidmet, dagegen wird diese bei einem
dessen Nutzbarkeit garantieren. Ebenso nicht nur über Neubauvorhaben, sondern zu Nutzer in der Regel zum privaten Außen-
sollten eine intelligente Gebäudestruktur einem großen Anteil auch mit der Sanierung raum erklärt.
und die Materialisierung der Gebäudehülle und Neuordnung des Bestands gedeckt
sowie des Innenausbaus auf einer werthal- werden. Die Erfahrung zeigt zudem, dass Im Folgenden wird vor allem die vertikale
tigen, städtischen Entscheidung beruhen, Konzepten, die neben dem Neubau auch Verdichtungsform von Wohngebäuden
die nicht nur auf eine lange Lebensdauer mit der Sanierung von vorhandener Bau- betrachtet, das heißt Gebäude mit externer

27
Kontext

Erschließung und mehreren Wohnparteien. Bereiche eines Wohngebäudes sollten mit für die Müllentsorgung anzubieten, sondern
Hier fallen in der Zwischenstufe zwischen besonderer Sorgfalt geplant werden. Sie um Fahrräder und Kinderwagen unkompli-
privatem Wohnraum und öffentlichem stellen nicht nur den funktionalen Erschlie- ziert im eingangsnahen Bereich parken zu
Stadtraum einzelne Entwurfsentschei- ßungsbereich der Hausbewohner, sondern können.
dungen, die besondere Aufmerksamkeit gleichzeitig den Kommunikations- und
verlangen. Das Einparteienhaus dagegen Interaktionsraum der Hausgemeinschaft Eingang und Erdgeschoss
wird gleichermaßen wie die Wohnungen dar. Je nach Maßgabe des Auftraggebers Der Eingangsbereich sowie das Erdge-
der Mehrparteienhäuser in ihren Entwurfs­ oder Investors kann diese Fläche mehr oder schoss eines Wohnhauses übernehmen
einflüssen im nächsten Kapitel detailliert weniger kommunikativ geplant werden im Übergang zwischen öffentlichem Raum
erläutert. Für beide Verdichtungsformen gül- und ein entsprechendes Nutzungskonzept und halböffentlichem sowie privatem Raum
tig ist der Hinweis auf die Abhängigkeit der stärken. Auch die Schwelle zwischen dem eine besondere Rolle. Zum einen soll eine
Tiefe der Bebauung von deren Orientierung. externen Erschließungsbereich und der eindeutige Adresse und Identifikation für
Bauen in der Stadt kann nicht, wie in der Wohnung selbst sollte in der Planung um- den Hausbewohner gestaltet werden,
Siedlungsplanung üblich, Bebauungs­mus­ter fassend bedacht werden. So kann die Vor- gleichzeitig muss die Grenze im Übergang
mit optimaler Orientierung generieren. Hier zone einer Wohnung Aufenthaltsqualitäten zur Privatheit des Wohngebäudes deutlich
muss eine optimal nutzbare Ausrichtung des bieten, wenn die natürliche Belichtung und kommuniziert werden. Der Eingangsbereich
Gebäudes ausgearbeitet werden. Sonderbe- eine entsprechende Raumgröße bewusst sollte der Anzahl der Bewohner und damit
lichtungsformen können zusätzlich für einen eingeplant werden. Die Erschließungsform der Gebäudenutzung in seiner Repräsentanz
ausreichenden Tageslichteinfall sorgen. ist unmittelbar an die Bewohnerstruktur und Größe entsprechen. Gleichzeitig be-
Grundsätzlich richtet sich die Tiefe von der daraus resultierenden Wohnungstypen spielt der Eingangsbereich im Zusammen-
Wohngebäuden nach deren Orientierung, gekoppelt. Auch die Gebäudeorientierung hang mit dem Erdgeschoss den öffentlichen
das heißt Belichtungsmöglichkeit. Die Tiefe kann die Erschließungsform bedingen, Raum vor dem Gebäude. Die Fassade des
einer nord-süd-orientierten Bebauung wird so kann die Laubengangerschließung bei Gebäudes muss sich also in ihrer Orientie-
aufgrund der lediglich einseitig zu planenden einer Nord-Süd-Ausrichtung des Gebäudes rung zum öffentlichen Raum als Teil eines
Hauptfunktionen des Wohnens geringer aus- gegenüber der Spännererschließung Vorteile großen Ganzen begreifen und funktionale
fallen als bei einer Ost-West-Orientierung, in der Anordnung und Ausrichtung der Notwendigkeiten aus der Gebäudestruktur
bei der in beiden Richtungen Wohn- und einzelnen Wohneinheiten bieten. Unmittel- heraus mit einem repräsentativen Auftritt
Individualbereiche angelegt werden können. bar mit der Konzeption der Erschließung zur Stadt abwägen. Besonders proble-
ist das Nachdenken über die notwendigen matisch sind in diesem Zusammenhang
Erschließung Nebenflächen des Wohnhauses verknüpft. geschlossene Erdgeschossfassaden oder
Externe Erschließungsformen sind neben Jeder Wohneinheit muss entsprechend Garageneinfahrten. Ein Neubau soll viel-
der Spännererschließung der Laubengang ihres Nutzungstyps ausreichend Lagerraum mehr als Baustein im städtischen Gefüge
als Außengang entlang der Fassade bezie- zur Verfügung stehen. Abstellflächen sollten den öffentlichen Zwischenraum bespielen
hungsweise der Innengang im Inneren der allerdings auch der Hausgemeinschaft und einen nutzbaren Raum mit städtischer
Gebäudestruktur. Diese halböffentlichen gewidmet werden, nicht nur um Stellfläche Aufenthaltsqualität definieren.

28
Grundriss
Einleitung

Im Rahmen der mittlerweile fünfzehnjähri- Die Wahrnehmung und Rezension von genwärtigung wesentlicher Entwurfspara-
gen Lehrtätigkeit an der Professur für Ent- Architektur und Wohnbauarchitektur findet meter anhand von ausgesuchten Beispielen.
werfen und Wohnungsbau an der Bauhaus in der Fachöffentlichkeit jedoch leider allzu Dabei können die ausgewählten Beispiele
Universität in Weimar haben wir uns mit oft über die Gebäudehülle statt. Die Frage letztendlich aus der Thematik jedes ein-
zahlreichen nationalen und internationalen nach der Qualität des Wohnraums steht zelnen Kapitels betrachtet und analysiert
Standorten von Stralsund bis Kuba ausein- hingegen selten im Mittelpunkt. Diese werden, da sämtliche Einflussgrößen im
andergesetzt und mit den Studierenden handwerkliche Grundvoraussetzung in der Entwurfsprozess bewusst oder unbewusst
versucht standortspezifische und nach- Wohnungsbauarchitektur erscheint uns in das Ergebnis einfließen.
haltige Wohnkonzepte zu entwickeln. Die jedoch als vorrangiges Lehr- und Lernziel.
gesellschaftlichen, klimatischen, städtebau- Interessanterweise scheint die Wahrneh- Der Wohngrundriss ist ein komplexes
lichen und politischen Rahmenbedingungen mung und das Interesse der Nutzer und Gefüge, bei dem Ursache und Wirkung
waren dabei jeweils völlig unterschiedlich damit unserer eigentlichen Klientel ebenfalls der einzelnen Entwurfsentscheidungen,
und erforderten eine standortspezifische viel stärker von der Wohninnenwelt heraus ähnlich einem oszillierenden Gefäß, in
und sensible Interpretation. Dabei lieferte motiviert zu sein, sonst wäre der Erfolg der Konfiguration des Grundrisses sofort
nicht nur die richtige Methodik den Weg der zahlreichen Einrichtungsmagazine nur spürbar werden. Die Auftrennung des
zum Ziel sondern vor allen Dingen das schwer zu erklären. komplexen Entwurfsvorgangs in wesent-
richtige „Gespür“ für den Ort war gefordert. liche Themenfelder soll eine Positionierung
Dieses „Spüren“ des Ortes, das Wahrneh- Sicherlich ist jede Wohnung auch von innerhalb des Entwurfsprozess ermöglichen
men einer charakteristischen Atmosphäre in den standortspezifischen Einflussgrößen und zu einer Gewichtung der Relevanz für
ihrem urbanen Kontext ist uns ein zentrales geprägt. Das „filetartige“ herauslösen die beabsichtigte Gesamtkonzeption des
Anliegen und wird über verschiedenste der Wohnungen aus ihrem Kontext bietet Entwurfs befähigen. Diese Methode der
Lehrformate, insbesondere den Exkursionen jedoch gute Ansatzmöglichkeiten, um Dekonstruktion und Abstraktion liefert uns
und Workshops vor Ort, intensiv vermittelt. möglichst objektive Lehraussagen treffen einen wesentlichen didaktischen Ansatz in
zu können. Dieses bewusste „Herauslö- der Ausbildung.
Da dieser Ansatz im Format des Lehrbuchs sen“ der Wohnungen liefert die Leitidee
nicht kommunizierbar ist, wurde ein aus für dieses Lehrbuch. Unabhängig von ihrer Die unmittelbaren Auswirkungen der
unserer Sicht vernachlässigter Bereich ge- städtebaulichen Typologie werden 101 einzelnen Entwurfsentscheidungen auf den
wählt, der von den spezifischen Standortpa- Wohngrundrisse dargestellt und an ihrem gesamten Grundriss wird in diesem Buch
rametern unabhängig ist. Bestandteil jedes Beispiel wesentliche Einflussgrößen des Rechnung getragen, indem, unabhängig
Semesterentwurfs ist eine dem Entwurf Entwurfsprozesses erörtert. Die Betonung vom betrachten Aspekt, der Wohnungs-
vorgeschaltete Übung, bei der ausschließ- liegt dabei auf dem Entwurf, der praktischen grundriss jeweils vollständig abgebildet
lich die Wohnung, als der eigentliche, dem Tätigkeit im studentischen Atelier oder wird. Sämtliche Grundrisse wurden über
Wohnzweck gewidmete Raum, im Mittel- professionellen Büro. Es geht nicht um die einen allgemein verständlichen und stan-
punkt steht. Verwissenschaftlichung der wohnungsbau- dardisierten Zeichenstil neu aufgearbeitet
relevanten Themen, sondern um die Verge- und sind einheitlich im Maßstab 1:200

31
Grundriss

abgebildet. Konstruktive Besonderheiten eine zunächst unabhängige Beurteilung der Projektbeteiligten und führen zu diffusen
wurden zugunsten der Vergleichbarkeit der Einzelaspekte und liefert damit ein reich- Bildern und Missverständnissen. Das
Projekte abstrahiert. Darüber hinaus wurden haltiges Innovationspotential, das bei einer konkrete, belegbare Beispiel kann hier die
sämtliche Grundrisse mit standardisierten ganzheitlichen Betrachtung durch die einge- nötige Transparenz im Kommunikationspro-
Möbeln in Abhängigkeit zur Wohnungsgröße übten Lösungsansätze aus dem Blickfeld zu zess erzeugen.
ausgestattet. Dies ermöglicht eine einfache, geraten droht.
visuelle Nutzungszuordnung und offenbart Drei Ebenen im Umgang mit diesen
gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des Die gewählte Reihenfolge der Themenfelder Referenzarchitekturen bilden dabei die
Grundrisses. ist letztendlich irrelevant. Sie repräsentieren Gesprächsbasis und sind elementarer Be-
Knotenpunkte im Entwurfsprozess, die sich standteil der Lehrtätigkeit. Die wichtigste ist
Der gewünschte Effekt dieses metho- zu unterschiedlich stabilen Netzen fügen sicherlich das gemeinsame Erleben der Bau-
dischen Ansatzes ist die unvoreinge- und meist in einem, durch den Faktor Zeit werke direkt vor Ort. Ein weiteres Medium
nommene Auseinandersetzung mit den begrenzten, Ergebnis gerinnen. ist das Festhalten der Eindrücke mittels der
Wohnbedürfnissen und Wohnwünschen, Fotografie oder Skizze und schließlich die
unabhängig von einem konkreten Stand- Die Auswahl der Projekte erfolgte unter Abstraktionsform der Zeichnung, die neben
ort oder einer städtebaulichen Typologie. zwei Gesichtspunkten. Zum einen sollten dem Modell das elementare Kommunikati-
Dadurch soll die Transformation der Wohn- ausschließlich realisierte Projekte betrachtet onsmedium der Architektur darstellt.
qualitäten in unterschiedlichste Gebäudezu- werden, die sich im Prozess der Realisie-
sammenhänge ermöglicht werden. So kann rung gegenüber einer Vielzahl von zusätz- Entsprechend wurden für das Buch die
zum Beispiel ein Einfamilienhauskonzept lichen Einflussgrößen, beispielsweise aus Projekte sorgfältig neu umgezeichnet. Diese
unmittelbar in ein komplexes städtisches der Konstruktion, Gebäudetechnik, Baukli- Zeichnungen bilden den eigentlichen Inhalt
Wohngebäude transformiert werden. Dabei matik oder Ökonomie behaupten mussten des Buches und werden durch ihre the-
ist es uns wichtig, dass es hier nicht um ei- und damit ihre praktische Anwendbarkeit matische Zuordnung und die begleitenden
nen abstrakten konzeptionellen Ansatz geht, neben den zahlreichen publizierten Kon- Texte lediglich kommentiert. Damit bietet
sondern um das Aufzeigen konkreter Hand- zepten und Wettbewerbsentwürfen unter das Buch eine zweite Leseebene in Form
lungsoptionen zur praktischen Umsetzung. Beweis gestellt haben. Zum anderen sollten eines Grundrisskatalogs, der verschiedene
Die Trennung der städtebaulichen Typologie sie als Referenzbeispiel geeignet sein, um Entwurfsabsichten unabhängig vom jeweils
von den implizierten Wohngrundrissen das jeweilige Thema möglichst anschaulich zugeordneten Thema referenzieren lässt.
liefert einen reichen Fundus, um auf die im darzustellen.
ständigen Wandel befindlichen Rahmen-
bedingungen zu reagieren und attraktive Die Fachterminologie ist in der Architektur
Wohnungsangebote zu entwickeln. und speziell in der Wohnarchitektur häufig
unpräzise und gekoppelt an die unterschied-
Diese Dekonstruktion des komplexen Ent- lichen Wohnkonventionen (beispielsweise
wurfsprozesses ermöglicht darüber hinaus unserer ausländischen Studierenden) der

32
Grundrisstypen

33
Zellengrundriss 36
[001] Morger & Degelo
Klybeckstraße, Basel (CH)
[002] pfeifer roser kuhn architekten
Runzmattenweg, Freiburg (DE)
[003] Diener & Diener
Riehenring, Basel (CH)

Offenes Wohnen 40
[004] Gigon/Guyer Architekten
Im Broelberg, Kilchberg (CH)
[005] Hans Kollhoff, Christian Rapp
Levantkade, Amsterdam (NL)
[006] Shigeru Ban
Lake Yamanaka, Yamanashi (JP)
[007] Buchner Bründler Architekten
Colmarerstraße, Basel (CH)

34
Grundrisstypen

Einleitung

Wohngrundrisse zeichnen sich häufig durch Form eines Zellengrundrisses angeordnet


eine Vielzahl unterschiedlicher Grundriss­­ werden und als Gegenpol das offene Woh-
merkmale aus. Der Versuch, charakteri­sie­ nen, bei dem zumeist die kommunikativen
rende Gruppen für das breite Feld von Woh- Wohnfunktionen zu einem gemeinsamen
nungsgrundrissen festzulegen, endet dabei Bereich verbunden werden. Beide Gruppen
regelmäßig in diffusen, nicht vergleichbaren wiederum beinhalten ein breites Spektrum
Kategorien, die sich zudem durch große von Beispielen, die den Typus in weichen
Schnittmengen auszeichnen. Für einzelne Bildern und in der notwendigen Stufung des
Grundrissaspekte selbst ist ein Ordnungs- jeweiligen Aspekts nachzeichnen.
system schnell gefunden; Orientierung,
Geschossigkeit, Größe, Veränderbarkeit et Eine hier nicht vorgenomme Typenbildung,
cetera sind präzise für jede Wohnung festzu- die der Vermarktungsebene folgt und damit
stellen. Die Summe der Einzelaspekte aber eher auf den Bewohner zielt, benennt
in logischen, übergeordneten Grundriss­ Wohnformen auf der Basis sozialer, nut-
typen abzubilden, erscheint aufgrund der zerspezifischer Aspekte (z.B. Wohnen mit
entstehenden Komplexität kaum möglich. Kindern, Mehrgenerationenwohnen) oder
Dieses Kapitel konzentriert sich in seiner nach Ausstattungsstilen (z.B. modernes
Kategorisierung daher gezielt auf die räum- Wohnen, ökologisches Wohnen). Diese
liche Organisation der Grundrissstruktur. Betrachtungen sind im Grundriss jedoch
In der bereits erläuterten Erkenntnis wird selten nachzuvollziehen oder sie spezifizie-
damit der Versuch unternommen, Themen- ren einen Bedarf im Sinne einer markt-
felder zu benennen, die übergeordnete wirtschaftlichen Einordnung. Hier erfolgt
Grundrisstypen charakterisieren und ein dagegen bewusst eine strukturelle Annä-
dementsprechend breites Wohnverständnis herung, die zudem für den Entwurf eine
vermitteln. relevante Entscheidung darstellt. Erst mit
dem Versuch einer Gruppenzuordnung ist es
Die Themenfelder folgen der Charakteristik möglich, Entwicklungslinien herauszuarbei-
räumlicher Strukturen, wobei die Organi- ten und damit die Breite des Themenfelds
sation der Wohnfunktionen die Grundlage Wohngrundriss in Teile aufzuschlüsseln und
der Gruppenbildung darstellt. Im Span- ein Weiterdenken vorhandener Ansätze zu
nungsfeld von offenen bis öffentlichen forcieren. Gleichzeitig hilft die Einordnung
und privaten, räumlich getrennten Wohn- des eigenen Entwurfs in eine systematische
modellen ergeben sich letztendlich zwei Ordnung die Kommunikation zwischen Leh-
mögliche Grundrissgruppen: eine, bei der renden und Studierenden beziehungsweise
die Wohnfunktionen räumlich getrennt in Architekt und Auftraggeber zu präzisieren.

35
Grundriss

Zellengrundriss

Der Begriff „Zellengrundriss“ beziehungs- der Wohn- und Essbereich und ein zweiter
weise veraltet „Kammergrundriss“ bezeich- Verteilerraum erschlossen. Aus diesem sind
net Grundrissbeispiele, bei denen jeder die beiden Individualräume mit vorgela-
Wohnfunktion ein separater Raum zugeord- gertem privaten Außenraum sowie der
net wird. Diese Funktionstrennung steht in Sanitärbereich zugänglich. Mit dem Prinzip,
der Tradition des vormodernen Wohnungs- Wohnfunktionen um einen zentralen Vertei-
baus. Der heutige Rückgriff im Entwurf von lerraum zu organisieren, wird ein effizienter
Wohnungsbauten auf speziell gewidmete und flächensparender Erschließungsbereich
Räume, die Inszenierung von deren Abfolge ermöglicht.
in Wohnungen mit hierachisiertem Rauman-
gebot greift den Trend der individuellen, spe- In der Geschosswohnung in Freiburg von
zifischen Nachfrage auf. Gleichzeitig gerät pfeifer roser kuhn architekten [002] bilden
dieser Grundrisstyp teilweise in Konflikt mit der Erschließungs- und Sanitärbereich einen
den veränderten gesellschaftlichen Werten, mittigen Kern, der die kommunikativen Räu-
die sich nicht nur an einem geänderten me von den individuellen Räumen trennt.
Rollenbild der Frau festmachen. Auch das Nach dem zentralen Zugang fungiert ein
gemeinsame Wohnen hat sich in einem Erschließungsraum als Verteiler zwischen
Maße geändert, dass zum Beispiel Kochen Wohn-, Koch- und individuellem Bereich.
nicht weiter hinter verschlossene Türen ver- Über einen zweiten Erschließungsflur wer-
bannt, sondern als wichtige kommunikative den die beiden Individualräume, der Sanitär-
Funktion in den Mittelpunkt des eigenen bereich sowie ein Abstellraum erschlossen.
Wohnverständnisses gestellt wird. Für die
Erschließung der einzelnen Räume wird bei Eine weitere Variante zeigt die beginnende
diesem Grundrisstyp Erschließungsfläche in Öffnung und Kombination der kommunika-
Form eines Flurs oder einer Diele notwen- tiven Funktionen Wohnen und Essen. Diener
dig. Der zusätzliche Flächenbedarf für diese & Diener ordneten am Riehenring in Basel
Verkehrsflächen bedeutet allerdings nicht [003] im Eingangsgeschoss neben dem
immer einen größeren Flächenverbrauch ge- Kochbereich zwei weitere kommunikative
genüber der integrierten Erschließung des Räume vis-à-vis an, die durch großzügige
offenen Wohnes. Öffnungen in den zentralen, zweigeschos-
sigen Erschließungsraum übergehen. Im
Auf einem konsequenten Raumkonzept oberen Geschoss sind um die Erschlie-
entwickelten Morger & Degelo die 79 m² ßungsgalerie drei Individualräume sowie
große Wohnung im Klybeckquartier in Basel zwei Sanitärräume angeordnet.
[001]. Über eine Diele werden die Küche,

36
Grundrisstypen

[001]
Morger & Degelo
Klybeckstraße
Basel (CH)

Wohnfläche
79,0 m²

Außenraum
11,0 m²

Individualräume
2

Orientierung
II

37
Grundriss

[002]
pfeifer roser kuhn
architekten
Runzmattenweg
Freiburg (DE)

Wohnfläche
94,0 m²

Außenraum
10,2 m²

Individualräume
2

Orientierung
III

38
Grundrisstypen

[003]
Diener & Diener
Riehenring
Basel (CH)

Wohnfläche
139,4 m²

Außenraum
14,9 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

39
Grundriss

Offenes Wohnen

Unter offenem Wohnen sind alle Ent- fließend in den privaten Außenraum über-
wurfsansätze gemeint, die auf der Kombina- geht [004].
tion kommunikativer, teilweise auch indivi-
dueller Bereiche beruhen. Offenes Wohnen Die eingestellte Funktionsbox im Piraeus-
beginnt damit bei der kombinierten Wohn-/ Gebäude von Hans Kollhoff und Christian
Esssituation und endet im fließenden Rapp in Amsterdam [005] nimmt sowohl
Grundriss oder im Loft. Dieser Grundrisstyp die Koch- und Sanitärfunktion auf und ist
kann ohne zusätzliche Erschließungsfläche gleichzeitig Raumteiler des offenen Kom-
organisiert werden, da diese häufig als in- munikationsbereichs. Die Box besetzt die
tegrierter Bestandteil des offenen Wohnbe- kommunikative Fläche aus Koch-, Ess- und
reichs geplant wird. Offene Wohngrundrisse Wohnbereich jedoch nicht mittig, sondern
stehen im Ergebnis einer sich verändernden bildet klare Zonen zum Erschließen der
Gesellschaft und deren Wohnverständnis Individualräume, zum Kochen genauso wie
ebenso wie von bautechnischen und funkti- zum Essen und Wohnen.
onalen Entwicklungen. Dass heute verstärkt
Wohnangebote nachgefragt werden, die Shigeru Ban ordnet im Furniture House I
über die Zusammenlegung einzelner [006] mithilfe raumhoher Möbelschichten
Wohnfunktionen hoch kommunikativ sind, die einzelnen Funktionsbereiche so an,
liegt auch an den sich seit Jahrzehnten än- dass sowohl Türen als auch raumumschlie-
dernden Lebens- und Arbeitsverhältnissen. ßende Wände nicht notwendig werden. Die
In diesem Zuge verändern sich Wohnvor- Funktionen fließen ineinander, gleichzeitig
stellungen weg vom privaten Refugium bilden sich klare Bereiche, die durch die
zu Wohnkonzepten, die repräsentativere, Orientierung der Möbelschichten gefasst
öffentlichere Aufgaben übernehmen. Woh- und bespielt werden.
nen wird zur Präsentationsplattform einer
gewachsenen Individualität. Hierarchische Das Lofthaus in Basel von Buchner Bründler
Raumkonzepte, die Familienstrukturen Architekten [007] zeigt die komplette Auflö-
abbilden, können die heterogene Nachfrage sung einzelner Funktionsbereiche zu einem
am Immobilienmarkt bei Weitem nicht mehr Raum. Lediglich der Erschließungskern mit
bedienen und finden im offenen Grundris- angelagertem Sanitärbereich zoniert das so-
styp eine wichtige Ergänzung. genannte Loft. Durch das Schließen zweier
raumhoher Schiebetüren kann jedoch auch
In Kilchberg entwarfen Gigon/Guyer Archi- bei diesem Projekt privater Rückzugsbereich
tekten Geschosswohnungen mit einem entstehen.
kombinierten Wohn- und Essbereich, der

40
Grundrisstypen

[004]
Gigon/Guyer Architekten
Im Broelberg
Kilchberg (CH)

Wohnfläche
122,5 m²

Außenraum
11,9 m²

Individualräume
2

Orientierung
III

41
Grundriss

[005]
Hans Kollhoff,
Christian Rapp
Levantkade
Amsterdam (NL)

Wohnfläche
72,8 m²

Außenraum
12,4 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

42
Grundrisstypen

[006]
Shigeru Ban
Lake Yamanaka
Yamanashi (JP)

Wohnfläche
108,0 m²

Außenraum
24,5 m²

Individualräume
2

Orientierung
IV

43
Grundriss

[007]
Buchner Bründler
Architekten
Colmarerstraße
Basel (CH)

Wohnfläche
178,0 m²

Außenraum
26,0 m²

Individualräume
1

Orientierung
II

44
Gestaltungsprinzipien

45
Ort, Kontext, Typologie 48
[008] Michael Alder
Hinter den Gärten, Itingen (CH)
[009] Antonio Cruz
Calle Doña Maria Coronel, Sevilla (ES)
[010] Luigi Snozzi
Vicolo della Zotta, Brione-Minusio (CH)

Stil, Theorie 52
[011] Beda Dillier
Kirchstraße, Sarnen (CH)
[012] Petra und Paul Kahlfeldt
Max-Eyth-Straße, Berlin (DE)

Morphologie 55
[013] Geurst & Schulze architecten
Bilderdijkstraat, Den Haag (NL)
[014] Bearth & Deplazes Architekten
Fanas (CH)
[015] Christian Kerez
Burenweg, Zürich (CH)

46
Gestaltungsprinzipien

Einleitung

Der Wohnungsbau stellt eine besondere konkreten Entwurfsstandort, das heißt dem
Disziplin im Feld der Architektur dar. Er ist Ort. Eine weitere Gruppe lässt sich aus dem
geprägt von einer Vielzahl von funktionalen, unstillbaren Interesse aller Gestalter an den
ökonomischen und sozialen Faktoren, die grundsätzlichen form- beziehungsweise
über Standards, Richtlinien und Gesetze raumbildenden Elementen und Methoden
entscheidenden Einfluss auf die Gestaltung ableiten. Die letzte Gruppe repräsentiert
ausüben. Darüber könnte der Eindruck Gestaltungsprinzipien, die sich in Form von
entstehen, dass Wohnungsbau unter Theorien manifestiert haben und darüber
Berücksichtigung dieser Regeln formelar- Einfluss in den Entwurf finden. Letztendlich
tig reproduzierbar wäre, so wie dies zum stehen die beispielhaft gebildeten Katego-
Beispiel im Massenwohnungsbau der rien für das Spektrum der Möglichkeiten,
Nachkriegszeit häufig praktiziert wurde. Das dem freien Gestaltungswillen Ausdruck
Gegenteil ist jedoch der Fall. Der qualitäts- zu verleihen. Die Gestaltungsprinzipien
volle architektonische Wohnungsbauentwurf können dabei annähernd beliebig miteinan-
basiert auf einer Vielzahl von freien Gestal- der kombiniert werden, so dass endlose
tungsfaktoren, die durch Interpretation und Möglichkeiten bestehen, den individuellen
Transformation zum individuellen Entwurf Charakter eines Gebäudes oder einer Woh-
führen. Es sind letztendlich die gleichen nung auszuprägen.
Gestaltungsprinzipien und Methoden, die
für die Architektur im Allgemeinen stehen. Viele der Gestaltungsprinzipien werden
Das Spektrum dieser Faktoren kann daher unbewusst, aus dem Bauch heraus, einge-
hier nur beispielhaft angerissen werden. Es setzt und entwickeln sich zur Handschrift
reicht vom freien künstlerischen Ausdruck des Entwerfers. Der bewusste Umgang mit
bis hin zu konkreten Gestaltungstheorien. diesen Prinzipien eröffnet den Zugang zu
Der bewusste Umgang mit diesen Gestal- vergleichbaren Projekten und die Möglich-
tungswerkzeugen eröffnet dem Entwerfer keit der Präzisierung der eigenen Ideen und
ein reichhaltiges Repertoire an individuellen Konzepte.
Ausdrucksmöglichkeiten im Wohnungsbau.

Eine Kategorisierung dieser Gestaltungs-


prinzipien ist aufgrund ihrer Vielzahl und
Komplexität nur schwer möglich. In diesem
Kapitel sollen beispielhaft drei Kategorien
gebildet werden. Die erste folgt beispiels-
weise der Auseinandersetzung mit dem

47
Grundriss

Ort, Kontext, Typologie

Auf den ersten Blick scheint sich die Di- Kontext eine wichtige Entwurfsmethode.
mension des Orts vor allen Dingen auf die Der Architekt Michael Alder hat sich unter
städtebaulichen Maßstäbe des Entwurfs anderem durch seine Lehrtätigkeit intensiv
zu beziehen und daher nur indirekt auf mit Wohntypologien auseinandergesetzt.
den Grundriss Auswirkung zu haben. Am Ein Beispiel hierfür ist das Wohnhaus in Itin-
Beispiel einer städtischen Baulückensitu- gen [008]. Aus der systematischen Analyse
ation, aber auch dem Gegenteil, einem verschiedener Einfamilienhäuser der Region
völlig freistehenden Gebäude, erkennt man entwickelte er einen auf die Grundwesens-
jedoch schnell, wie unmittelbar der Ort im merkmale reduzierten Urtyp.
Grundriss verankert ist. Der Ort wird häufig
unter dem Begriff des Kontextes beschrie- Das Projekt von Antonio Cruz in Sevilla [009]
ben. Dieser Kontext umfasst das gesamte ist geradezu exemplarisch für den unmittel-
Maßstabsspektrum von der Makro- bis zu baren Einfluss des Orts, hier eine verwin-
Mirkoebene, zum Beispiel von der klima- kelte Baulückensituation, auf den Entwurf.
tischen Situation über die Struktur des Die klimatischen Bedingungen lassen eine
gesamten Quartiers bis hin zur konkreten geringere unmittelbare Belichtung zu, so
Materialität der unmittelbaren Nachbar- dass die Wohnung im Wesentlichen durch
bauten. Die Vielzahl der Einzelfaktoren und einen Patio belichtet und belüftet wird. Die
deren unterschiedliche Ausprägungen re- übrige Grundrissform ergibt sich aus den
präsentieren die Einzigartigkeit, die Identität benachbarten Brandwänden.
des Orts. Das Gespür für diese individuelle
Atmosphäre ist eine wesentliche Grundvo- Die Casa Kalmann [010] von Luigi Snozzi im
raussetzung für die qualifizierte Entwurfs- Tessin ist konsequent aus dem Thema „To-
arbeit. In manchen Orten oder Regionen pografie des Orts“ entwickelt und verbindet
haben sich entweder aus einer traditions- damit das Gebäude unverrückbar mit dem
betonten Entwicklungsgeschichte oder aus spezifischen Ort. Die Rückwand des Ge-
klaren städtebaulichen Vorgaben Gebäude- bäudes folgt exakt dem Höhenverlauf des
und damit meist auch Wohnungstypologien Weinbergs, nutzt ihn als Erschließungsweg
entwickelt. Diese Typen haben ähnlich und inszeniert ihn zusätzlich durch einen
einem Produkt, wie zum Beispiel einem großzügigen Freisitz am Ende.
PKW, eindeutige Merkmale, die über die
Zeit angepasst und optimiert wurden und
sich darüber inhaltlich verdichtet haben.
Der Rückgriff und die Weiterentwicklung die-
ser Typologien ist gerade im akademischen

48
Gestaltungsprinzipien

[008]
Michael Alder
Hinter den Gärten
Itingen (CH)

Wohnfläche
188,7 m²

Außenraum
12,5 m²

Individualräume
5

Orientierung
IV

49
Grundriss

[009]
Antonio Cruz
Calle Doña Maria Coronel
Sevilla (ES)

Wohnfläche
108,2 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
I, Patio

50
Gestaltungsprinzipien

[010]
Luigi Snozzi
Vicolo della Zotta
Brione-Minusio (CH)

Wohnfläche
112,7 m²

Außenraum
14,1 m²

Individualräume
2

Orientierung
IV

51
Grundriss

Stil, Theorie

Die gesamte Architekturreflexion ist eng Farbigkeit stellen wesentliche Bausteine


verknüpft über die Einordnung in Stile für die Entwurfskonzeption zur Verfügung.
und Stilepochen. Die Gestaltungsmerk- Unsere heutige Zeit zeichnet sich durch die
male einer bestimmten Zeit werden in häufig als Pluralismus bezeichnete Vielfalt
Stilen zusammengefasst, die nicht nur die der Möglichkeiten aus. Stile werden dabei
entsprechende Ästhetik, sondern auch den immer häufiger im bewussten Rückgriff ein-
gesellschaftlichen Kontext transportieren. gesetzt, um ästhetische und zum Teil auch
Die Stile sind je nach ihrer Wirkungsdauer damit verbundene gesellschaftliche Werte
und ihrem geografischen Einflussbereich zu transportieren.
von unterschiedlicher Bedeutung. Neben
den gesicherten Stildefinitionen existieren Bei dem Wohnhaus in Sarnen von Beda Dil-
zahlreiche Unterformen in Form von Ideolo- lier [011] wurde beispielsweise das Konzept
gien, Strömungen oder auch nur modischen des „plan libre“ interpretiert. Der längsge-
Erscheinungsbildern. Zu diesen Formen richtete, südorientierte Raum wird durch
könnte man auch Gestaltungstheorien zäh- zwei tragende Stützen frei unterteilbar. Die
len, die meist ein prägendes Merkmal der Folge sind unterschiedlichste Konfigura-
Stilentwicklung darstellen. Zwei wichtige tionsmöglichkeiten der ansonsten gleich
Stellvertreter hierfür sind der „Raumplan“ dimensionierten Wohnungen.
von Adolf Loos sowie der „plan libre“ von
Le Corbusier. Interessant dabei ist, dass Der Neubau einer Villa in Berlin Dahlem
viele der hervorragenden Architekten ihre [012] von Petra und Paul Kahlfeldt setzt
Entwurfsarbeit über einen theoretischen bewusst den stilistischen Rückgriff ein,
Kontext fundamentieren. Es ist fast nicht um aus dessen Gestaltungsrepertoire die
möglich, unbeeinflusst von diesen stili- architektonischen Ausdrucksmöglichkeiten
stischen oder theoretischen Ansätzen zu auszuloten. Auch der Grundriss ist von
entwerfen. Selbst in der Gegenreaktion dieser Entwurfshaltung geprägt. Typische
findet eine entsprechende Auseinanderset- Merkmale sind beispielsweise die spiegel-
zung statt. symmetrische Grundfigur, die Säulen, die
Eingangshalle mit der Treppenanlage oder
In der zeitgenössischen Architektur stellt da- die Enfilade.
bei die Moderne eine der einflussreichsten
Stilgattungen dar, aber auch andere Stile
mit ihrem reichhaltigen Fundus an Gestal-
tungsmerkmalen wie zum Beispiel Raum-
gliederung, Proportion, Ornamentik oder

52
Gestaltungsprinzipien

[011]
Beda Dillier
Kirchstraße
Sarnen (CH)

Wohnfläche
108,0 m²

Außenraum
20,0 m²

Individualräume
2

Orientierung
III

53
Grundriss

[012]
Petra und Paul Kahlfeldt
Max-Eyth-Straße
Berlin-Dahlem (DE)

Wohnfläche
600,0 m²

Außenraum
75,0 m²

Individualräume
4

Orientierung
IV

54
Gestaltungsprinzipien

Morphologie

Die Auseinandersetzung mit der Form Das Studentenwohnheim von Geurst &
sowohl in der Zweidimensionalität als auch Schulze [013] in Den Haag ist ein Beispiel
der räumlichen Dimension ist sicherlich für den aus der geometrischen Form des
eines der grundlegenden Gebiete der Kreises abgeleiteten Entwurfsansatz. Die
architektonischen Lehre. Das Spektrum der eingeschriebene Kreuzform trennt die vier
Gestaltungsprinzipien in diesem Bereich Individualräume und beinhaltet als raumhal-
ist extrem komplex. Die Thematik beginnt tige Schicht die zusätzlichen dienenden und
beispielsweise bei den Fragen zu Symme- kommunikativen Funktionen.
trie oder Asymmetrie oder der Linearität
gegenüber den freien Formen. Auf ähnlich Einen ähnlichen Entwurfsansatz wäh-
grundlegender Ebene stehen die Maß- len Bearth & Deplazes für das an einem
und Proportionssysteme, die in jedem Berghang in Fanas [014] gelegene und
Entwurf bewusst oder unbewusst zur nur temporär genutzte Wohnhaus. Aus
Anwendung kommen. Unter dem Einfluss der städtebaulichen Unabhängigkeit der
einer baukonstruktiven Standardisierung Situation leitet sich die Auseinanderset-
und Normung entwickeln sich hieraus zung mit einer geometrischen Grundfigur,
wiederum verschiedene Rastersysteme. hier dem Quadrat, ab. Konsequenterweise
Einen weiteren wesentlichen Einflussfak- wurden die übrigen Wohnbereiche aus der
tor bei der Entwicklung der Gebäude oder spiegelsymmetrischen Teilung des Quadrats
Grundrissform bilden die geometrischen entwickelt.
zwei- und dreidimensionalen Grundformen.
Demgegenüber stehen die sogenannten Einen ganz anderen Weg, der jedoch auch
freien Formen, die meist über einen künstle- aus dem freien Gestaltungswillen motiviert
rischen Ansatz entwickelt werden. Der wurde, ist das Projekt für ein Doppelhaus
bautechnische Fortschritt erlaubt zudem, von Christian Kerez [015]. Als prägendes,
diese Entwurfsansätze zunehmend in die plastisches Element wird hier die Woh-
Realität umzusetzen. Die Anwendung der nungstrennwand frei geformt und über die
formbildenden Gestaltungsmethoden auf angegliederte Erschließung in Form einer
den Grundriss erlaubt nicht nur eine funktio- Kaskadentreppe inszeniert. Wieder ist die
nale Erfüllung eines Raumprogramms, son- städtebauliche Freistellung des Baukörpers
dern ermöglicht die präzise Steuerung von eine wichtige Vorraussetzung für diese Art
Raumzusammenhängen und der Wirkung der Grundriss- und Gebäudekonzeption.
einzelner Räume.

55
Grundriss

[013]
Geurst & Schulze
architecten
Bilderdijkstraat
Den Haag (NL)

Wohnfläche
129,0 m²

Außenraum
12,0 m²

Individualräume
4

Orientierung
IV

56
Gestaltungsprinzipien

[014]
Bearth & Deplazes
Architekten
Fanas (CH)

Wohnfläche
51,5 m²

Außenraum
15,0 m²

Individualräume
1

Orientierung
IV

57
Grundriss

[015]
Christian Kerez
Burenweg
Zürich (CH)

Wohnfläche
117,8 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
1

Orientierung
Ill

58
Bewohneranzahl

59
Ein Bewohner 62
[016] Lederer + Ragnarsdóttir + Oei
Besigheimer Straße, Stuttgart (DE)
[017] Werner Wirsing
Connollystraße, München (DE)
[018] Steidle + Partner
Hans-Dürrmeier-Weg, München (DE)

Zwei Bewohner 66
[019] Egon Eiermann
Bartningallee, Berlin (DE)
[020] Kuhn Fischer Partner Architekten
Widenstraße, Oberwil-Zug (CH)

Drei und mehr Bewohner 69


[021] Baumschlager Eberle
Mozartstraße, Dornbirn (AT)
[022] Brendeland & Kristoffersen Arkitekter
Strandveien, Trondheim (NO)
[023] Könz Molo und Barchi Architekten
Via Agostino Maspoli, Mendrisio (CH)

60
Bewohneranzahl

Einleitung

Der Bewohner definiert nicht nur seine werden üblicherweise in Familien, also
persönlichen Wohnwünsche, sondern hat verwandte, verheiratete Personen, sowie
auch mit einzelnen „harten Faktoren“ einen in Wohngemeinschaften, in der Regel nicht
klaren Wohnbedarf. Im Ergebnis wird das verwandte, verheiratete Personen unter-
als wesentliche Entwurfsvorgabe bekann- schieden. Im Wohnungsbau verfolgen wir
te Raumprogramm durch den Bewohner eine andere Lesart: Egal ob verwandte, ver-
und zu einem besonderen Teil durch die heiratete Personen in einem gemeinsamen
Bewohner­anzahl definiert. Die Anzahl der Haushalt leben oder nicht verwandte Per-
Bewohner hat also einen wesentlichen Ein- sonen, ab zwei Bewohnern handelt es sich
fluss auf den Grundrissentwurf, da sich aus um eine Wohngemeinschaft. Die Regeln der
ihr die Haushaltsgröße und unter anderem Rücksichtnahme sowie die Anordnung der
die Anzahl der notwendigen Individualräume kommunikativen und individuellen Bereiche
ergibt. Neben dem Wissen um dieses not- haben für beide Wohnformen Gültigkeit.
wendige Raumangebot werden gleichzeitig Eine Unterscheidung ist nicht notwendig.
die zusätzlichen Wohnfunktionen qualitativ
und quantitativ umrissen. Die Anzahl, Größe Die Bewohneranzahl verweist, wie erläutert,
und Ausstattung der Sanitärbereiche, des direkt auf die Haushaltsgröße, die als
Koch-/ Ess-/  Wohnbereichs, der privaten statistische Größe für Deutschland eine
Außenräume sowie die Grundrissorganisa­ eindeutige Entwicklungstendenz formuliert:
tion dieser Wohnfunktionen sind Ergebnisse ein stetiger Anstieg von Ein- und Zweiper-
der Auseinandersetzung mit den Bewoh- sonenhaushalten. Aufgrund einer sich verän-
nern selbst. Der unmittelbare Bezug von dernden Altersstruktur und einer deutlichen
Bewohneranzahl zur Wohnungsgröße ist Individualisierungstendenz der Gesellschaft
eindeutig, jedoch bei weitem nicht propor­ wächst der Bedarf an Wohnungen für eine
tional. Je größer die Bewohneranzahl, umso Person. Gleichzeitig findet eine Pluralisie-
ökonomischer werden dienende Funktio­ rung der Nachfrage von Wohnraum statt.
nen sowie Gemeinschaftsbereiche einer Dieselbe Nutzeranzahl bedingt also nicht
Wohnung. Die individuelle Wohnfläche und zwingend dieselben Grundrissantworten.
in diesem Zusammenhang die Flächen der Auf den folgenden Seiten sollen daher
zugehörigen Sanitärbereiche verändern sich die Projektbeispiele jeweils das Spektrum
dagegen direkt proportional zur wachsenden innerhalb einer Haushaltsgröße aufzeigen.
Bewohnerzahl. Da Individualräume zumindest von Paaren
gemeinsam genutzt werden können, über-
Ein Haushalt, das heißt eine Wirtschaftsein- schneiden sich die Referenzbeispiele der
heit, besteht mindestens aus einer Person. hier benutzten Gliederung jeweils in ihrer
Privathaushalte mit mehreren Personen maximalen und minimalen Bewohnerzahl.

61
Grundriss

Ein Bewohner

Egal wie viele Bewohner eine Wohnung Grundrissvariante für einen Nutzer. Nach
nutzen, es werden grundlegend die selben einer kompakten Koch- und Sanitärsituation,
Anforderungen an das Wohnen gestellt; sie die als Filterschicht die Appartements des
spiegeln sich in den einzelnen Wohnfunkti- Katholischen Gemeindezentrums in Stutt­
onen wider. Im Fall des Einpersonenhaus- gart [016] vom Laubengang abschottet, bie-
halts ist die Abwägung zwischen vollstän- tet ein rund 28 m² großer Raum ausreichend
digem Funktionsangebot und dadurch Platz für die unterschiedlichen Tages- und
entstehendem Flächenverbrauch eine Nachtnutzungen.
entscheidende Entwurfskomponente. Das
Spektrum reicht vom kompakten Einraum- Dass ein vollständiges Funktionsangebot
grundriss bis zum mehrgeschossigen Haus für eine Person durchaus auch vertikal orga-
für eine Person. Mit 38 % der Privathaus- nisiert werden kann, zeigt das Beispiel des
halte ist der Einpersonenhaushalt heute ehemaligen „Olympischen Frauendorfs“ in
der am stärksten vertretene Haushaltstyp München [017], das momentan erneuert
in Deutschland, dessen Wohnfläche im wird. Die Wohnfläche von 23,3 m² wird auf
Durchschnitt bei 62,5 m² liegt. Damit ver- zwei Ebenen verteilt, wobei im Erdge-
brauchen Einpersonenhaushalte fast 50 % schoss neben dem Schlafbereich auch alle
mehr Wohnfläche als mit 43 m² je Person dienenden Funktionen angeordnet sind. Das
in Deutschland üblich. Trotz verbesserter Obergeschoss wird dem Arbeitsplatz mit
Geräte und Heiztechnik führt unter anderem Bezug zur Terrasse gewidmet. Ein Aspekt,
diese Entwicklung zum weiteren Anstieg der häufig in kleinen Wohnungen wenig
des Energieverbrauchs von privaten Raum findet, nämlich ausreichende Abstell-
Haushalten in Deutschland. Im Hinblick auf und Lagerfläche, ist hier im Erdgeschoss
sinkende Energieressourcen muss hier zum über einen begehbaren Schrank gelöst.
Umdenken aufgefordert werden. Das öko-
nomische und ökologische Hinterfragen des Mit 52,4 m² liegt die Wohnung im Wohn-
Entwurfs sollte gerade in diesem Zusam- turm auf der Theresienhöhe in München
menhang regelmäßig erfolgen. [018] noch unter der durchschnittlichen
Wohnfläche eines Einpersonenhaushalts in
Die Funktionsverdichtung im Grundriss, das Deutschland. Die in drei Raumschichten ge-
heißt das Verschmelzen von Individualraum gliederte Wohneinheit bietet ein vollständig
mit den kommunikativen Bereichen einer räumlich getrenntes Funktionsangebot, das
Wohnung zu einem Allraum, der je nach neben einer repräsentativ-kommunikativen
Tageszeit und Nutzerwunsch alle Szenarien Nutzung, durch die gleichzeitig erschlossen
erfüllen muss, ist eine häufig angewendete wird, auch den privaten Rückzug ermöglicht.

62
Bewohneranzahl

[016]
Lederer + Ragnarsdóttir + Oei
Besigheimer Straße
Stuttgart (DE)

Wohnfläche
38,5 m²

Außenraum
4,5 m²

Individualräume
1

Orientierung
II

63
Grundriss

[017]
Werner Wirsing
Connollystraße
München (DE)

Wohnfläche
23,3  m²

Außenraum
6,9 m²

Individualräume
1

Orientierung
I

64
Bewohneranzahl

[018]
Steidle + Partner
Hans-Dürrmeier-Weg
München (DE)

Wohnfläche
52,4 m²

Außenraum
11,7 m²

Individualräume
1

Orientierung
I

65
Grundriss

Zwei Bewohner

Ab zwei Bewohnern beginnt das gemein- Flurbereich so getrennt, das eine privatere
same Wohnen, das heißt eine synerge- Erschließungszone entsteht.
tische, gemeinschaftliche Nutzung von
einzelnen Funktionen, die stufenweise, je Das Projekt von Kuhn Fischer Partner
nach persönlicher Beziehung der Bewohner, Architekten in Oberwil bei Zug [020] stellt
noch individuell oder schon durch beide mit 76 m² Wohnfläche den klassischen
gemeinsam genutzt werden. Die kom- Wohngrundriss für eine nachhaltige und
munikativen und gemeinsamen Bereiche leistungsfähige Wohnnutzung dar. Auch hier
der Wohnung sollten zu den individuellen, ermöglicht der Zugang über den Wohnungs-
privaten Bereichen im günstigsten Fall flur eine Trennung der beiden gleich großen
räumlich so angeordnet werden, dass keine Individualräume sowie der zwei Sanitär-
gegenseitige Störung erfolgt. Die Funkti- bereiche vom kommunikativen Wohn-,
onsreduktion auf den Allraum ist in dieser Koch- und Essbereich in einem Maße, der
Kategorie daher nur noch für Lebenspartner- den ungestörten Rückzug eines Bewohners
schaften vorstellbar und auch dann fehlt der möglich macht. Das Gäste-WC ist dabei
persönliche Rückzugsbereich des Einzelnen dem Eingang und den kommunikativen
beziehungsweise ein Gästebereich. Daher Bereichen der Wohnung zugeordnet.
stellen wir in diesem Kapitel nur Grundrisse
mit mindestens einem Individualraum vor.
Dass dieser jeweils von einer Person oder
von einem Paar genutzt werden kann, steht
außer Frage.

Die Wohnung im Hansaviertel-Wohnge-


bäude von Egon Eiermann [019] zeigt auf
knapp 50 m² eine Funktionsverteilung in
einen Wohn- und Essbereich mit offener
Kochsituation sowie einen zusätzlichen Indi-
vidualraum. Das Erschließen der Wohnung
über einen Flur ermöglicht einen direkten,
ungestörten Zugang zum Individualraum.
Der Sanitärbereich ist dem Individual-
raum zugeordnet. Beide Räume sind vom
kommunikativen Bereich der Wohnung
zusätzlich durch einen Mauervorsprung im

66
Bewohneranzahl

[019]
Egon Eiermann
Bartningallee
Berlin (DE)

Wohnfläche
49,3 m²

Außenraum
6,4 m²

Individualräume
1

Orientierung
II

67
Grundriss

[020]
Kuhn Fischer Partner
Architekten
Widenstraße
Oberwil-Zug (CH)

Wohnfläche
76,0 m²

Außenraum
7,1 m²

Individualräume
2

Orientierung
II

68
Bewohneranzahl

Drei und mehr Bewohner

Die Zahl der Drei- und Mehrpersonenhaus- die Sanitärbereiche vis-à-vis über den Flur
halte ging in den letzten zehn Jahren stetig zugeordnet. Der kompakte Flur erschließt
zurück. Dies hat, wie schon angedeutet, neben den Individualräumen den Wohn-
mit unterschiedlichen Faktoren zu tun: und Essraum mit angeschlossenem Koch-
eine alternde Gesellschaft sowie individu- bereich.
elle Wohnvorstellungen unterschiedlicher
Generationen finden im seltensten Fall noch Brendeland & Kristoffersen gliedern in
im Modell von Mehrgenerationenhaushal- Trondheim [022] die 116 m² große Wohnung
ten ihre Wohnwünsche repräsentiert. Das in zwei Zonen: An einer kommunikativen
Wissen um einen effizienteren Umgang Spur mit zwei Sanitärräumen reihen sich
mit Energie, Ressourcen und zuletzt auch fünf Individualzimmer. Die Sanitärräume zo-
Fläche in Mehrpersonenhaushalten sollte nieren den langen Kommunikationsbereich
allerdings angemessen in der eigenen zusätzlich und bieten darüber verschiedenen
Entwurfsarbeit Berücksichtigung finden. Die Nutzungen Raum. Die interne Erschließung
durchschnittliche Wohnfläche von Haushal- der Geschosswohnung erfolgt über den
ten ab drei Personen liegt heute bei 28,5 m² kommunikativen Bereich, was neben den
je Person. Ab drei Nutzern reduziert damit flächenoptimierten Individualräumen, mit
eine gemeinsame Nutzung des Koch-, Ess-, im Durchschnitt 8,5 m² Wohnfläche, zu dem
Wohn- und Sanitärbereichs sowie der Er- geringen Flächenverbrauch von 25 m² je
schließungs- und Lagerflächen den Flächen- Person führt.
verbrauch je Person um durchschnittlich
rund ein Drittel. Ab drei Individualräumen Im Studentenwohnheim Casa dell`Acca-
ist zudem eine Anzahl erreicht, die einen demia in Mendrisio [023] teilen sich vier
seriellen Umgang im Entwurf mit dem not- Bewohner einen rund 40 m² großen Bereich
wendigen Individualraumangebot erlaubt. zum gemeinsamen Kochen, Essen und Ent-
Die folgende Auswahl beschränkt sich hier spannen. Über diesen gemeinsamen Raum
auf „gemäßigte“ Referenzbeispiele, die auf wird die Wohngemeinschaft gleichzeitig zen-
einem stimmigen Verhältnis von kommuni- tral erschlossen. Die zwei Sanitärbereiche,
kativer zu individueller Fläche basieren. jeweils zwischen Gemeinschaftsfläche und
Individualräumen angeordnet, werden von
Auf 87 m² schlagen Baumschlager Eberle je zwei Studierenden aus ihren Individual-
in Dornbirn [021] eine effiziente und gut räumen heraus genutzt. Die Individualräume
zonierte Grundrissstruktur vor, die von sind flächenoptimiert geplant und möbliert
maximal vier Bewohnern genutzt werden und entsprechen mit rund 11m² Wohnfläche
kann. Den drei Individualräumen werden der temporären Nutzungsdauer.

69
Grundriss

[021]
Baumschlager Eberle
Mozartstraße
Dornbirn (AT)

Wohnfläche
87,0 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
III

70
Bewohneranzahl

[022]
Brendeland &
Kristoffersen
Strandveien
Trondheim (NO)

Wohnfläche
115,8 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
6

Orientierung
III

71
Grundriss

[023]
Könz Molo und Barchi
Architekten
Via Agostino Maspoli
Mendrisio (CH)

Wohnfläche
94,8 m²

Außenraum
27,9 m²

Individualräume
4

Orientierung
II

72
Wohnungsgröße

73
Kleinst-Wohnungen | XS 76
[024] Haack + Höpfner Architekten und
Horden Cherry Lee Architects
Grasmeierstraße, München (DE)
[025] Johannes Kaufmann
mobiler Standort

Standard-Wohnungen | S, M, L
[026] Beyer + Dier Architekten 79
Kronprinz-Rupprecht-Straße,
Ingolstadt (DE)
[027] Fink + Jocher
Oheriedentrift/Feldbuschwende,
Hannover (DE)
[028] Miller & Maranta
Gellertstraße, Basel (CH)

Luxus-Wohnungen | XL
[029] burkhalter sumi architekten 83
Wehrenbachhalde, Zürich (CH)
[030] Allmann Sattler Wappner Architekten
Georg-Kerschensteiner-Straße,
München (DE)
[031] Beyer - Schubert Architekten
Alice-und-Hella-Hirsch-Ring,
Berlin (DE)

74
Wohnungsgröße

Einleitung

Nicht nur im repräsentativen Sinne, sondern Entwicklung. Während des Wiederaufbaus


auch unter immobilienwirtschaftlichen nach dem Zweiten Weltkrieg stand zunächst
Gesichtspunkten ist die Größe das zentrale die Erfüllung des minimalen Wohnbedarfs
Merkmal einer Wohnung. Durch die un- im Vordergrund. Entsprechend waren die
mittelbare Verknüpfung der Verkaufs- und Wohnbauförderprogramme und -standards
Mietpreise mit der Wohnfläche werden die ausgelegt. Die daraus resultierenden
Wohnfläche und der Wert gleichgesetzt. Kenngrößen haben teilweise bis heute in
Damit wird die Wohnungsgröße meist als Form von noch gültigen Richtlinien und
das entscheidende Qualitätskriterium wahr- Vorschriften Einfluss auf den Wohnungs-
genommen, obwohl dieser Zusammenhang bau. Das Wohnen hat sich jedoch von einer
alles andere als zwingend ist. existentiellen Notwendigkeit zu einem
zentralen Konsumprodukt weiterentwickelt.
Verschiedene Ansätze der Definition der Etwa 30 % des Nettohaushaltseinkommens
Wohnungsgröße bieten sich an. Allgemein werden in dieses Produkt investiert. Dem
üblich ist die Definition über die Wohnflä- gegenüber stehen, wie schon erwähnt,
che, die nach der Wohnflächenverordnung zum Beispiel Nahrungsmittel oder der PKW,
(WoFlV) genau ermittelt werden kann. Eine die nur jeweils circa die Hälfte von diesem
weitere typische Definition der Wohnungs- Betrag beanspruchen.
größe findet über die Haushaltsgröße,
das heißt die Anzahl der Bewohner statt. Der durchschnittliche Flächenanspruch pro
Diese Angabe ist jedoch relativ unpräzise, Kopf in Deutschland betrug im Jahr 2007
da die tatsächliche Bewohnerzahl von der rund 43 m² mit einem anzunehmenden
geplanten häufig abweicht. Ähnliches gilt für Wachstum von circa 0,5 m²  pro  Jahr. Die
die am Wohnungsmarkt typische Einord- durchschnittliche Wohnungsgröße wird
nung über die Anzahl der Räume oder Zim- derzeit mit circa 87 m² angegeben.
mer. Aussagen wie „2,5-Zimmer-Wohnung“
verraten nur wenig über die tatsächliche In den Beispielen soll das Spektrum von
Wohnungsgröße oder deren Funktionalität. der Kleinstwohnung über die gemäßigten
In der Summe entwickeln diese Informati- Standardwohnungsgrößen bis hin zum Lu-
onen jedoch eine erste Vorstellung von der xuswohnen dargestellt werden. Interessant
Wohnung. zu beobachten ist dabei, worin genau der
Mehrwert bei zunehmender Größe besteht,
Die Thematik der Wohnungsgröße und des wenn man die unterschiedlichen Ausbau-
Wohnungsbauentwurfs steht in engem qualitäten zunächst einmal ausblendet.
Zusammenhang mit seiner historischen

75
Grundriss

Kleinst-Wohnungen | XS

Ein besonderes, gerade im akademischen multifunktionale Einrichtung verschiedenste


Kontext sehr beliebtes Feld der Auseinan- Nutzungskonstellationen inklusive dem Auf-
dersetzung im Wohnungsbau ist die Kleinst- enthalt von mehreren Gästen möglich. Die
wohnung. Spätestens seit dem CIAM-Kon- einzelnen Würfel können zu verschiedenen
gress von 1930, der sich mit der Frage nach städtebaulichen Konstellationen angeordnet
der „Wohnung für das Existenzminimum“ und gestapelt werden.
auseinandersetzte, gehört die auf das We-
sentlichste reduzierte Wohnform zu einem Das Projekt von Johannes Kaufmann [025]
wichtigen Aufgabenfeld der Architekten. setzt sich mit der Frage von Mobilität und
Der heutige Bedarf an dieser Wohnform Größe auseinander, indem es eine Minimal-
besteht entweder aus einem experimentel- wohneinheit konzipiert, die im Transport-
len Interesse oder der Einsatzmöglichkeit zustand kompakt ist und im Wohnzustand
für verschiedene Krisengebiete. Durch durch das streichholzschachtelartige Her­
die Notwendigkeit der Verdichtung der ausziehen eines Raumteils auf die doppelte
einzelnen Wohnfunktionen auf minimalem Größe erweitert werden kann.
Raum ist die entwerferische Auseinander-
setzung immer auch stark von konstruktiven
Aspekten geprägt. Die Mehrfachnutzung
der Räume beziehungsweise des einzigen
Raums für die unterschiedlichen Wohnfunk-
tionen wie zum Beispiel Schlafen, Kochen
oder Arbeiten wird meist über multifunk-
tionale Einbauten erreicht. Das Spektrum
der Ansätze reicht von einfachsten Bauten
aus Papierwerkstoffen bis hin zu hochinte-
grierten technischen Lösungen. Bei der
Entwicklung dieser Wohnungstypen sind
neben der reinen Konstruktion die Themen
der Vorfertigung, Logistik und Mobilität von
zentraler Bedeutung.

Eines der jüngsten Projekte in diesem


Themenfeld sind die O2-Studentenwohn-
häuser [024] in München. In einem Würfel
mit 2,65 m Kantenlänge werden durch die

76
Wohnungsgröße

[024]
Haack + Höpfner Archi-
tekten und Horden Cherry
Lee Architects
Grasmeierstraße
München (DE)

Wohnfläche
5,7 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
1

Orientierung
IV

77
Grundriss

[025]
Johannes Kaufmann
mobiler Standort

Wohnfläche
17,0 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
1

Orientierung
Ill

78
Wohnungsgröße

Standard-Wohnungen | S, M, L

Das statistische Bundesamt ermittelt in Wohnung im Projekt von Beyer + Dier Archi-
regelmäßigen Abständen die Wohnsituation tekten [026] um 15 m² kleiner und organi-
in Deutschland. Die Gruppe der Einperso- siert dennoch sämtliche Wohnfunktionen
nenhaushalte ist mittlerweile mit 39 % am zu einer großzügigen und klar gegliederten
stärksten ausgeprägt. Mit circa 68,5 m² Flä- Wohnung.
chenverbrauch liegt diese Haushaltsgröße
um mehr als 50% über dem durchschnitt- Die Wohnung [027] im Projekt von
lichen Wohnflächenverbrauch, der bei rund Fink + Jocher in Hannover zeichnet sich
43 m² liegt. Die Zweipersonenhaushalte ebenfalls durch eine kompakte Organisation
haben einen Anteil von derzeit 34 % am der Wohnfunktionen für einen Zwei- bis
Wohnungsmarkt und beanspruchen eine Dreipersonenhaushalt aus. Die Wohnung
durchschnittliche Wohnfläche von circa liegt mit 75 m² knapp 20 m² unter dem
94 m². Die Haushalte mit drei und mehr statis­tischen Durchschnitt in dieser Kate-
Personen haben einen Anteil von 27 % bei gorie.
einer durchschnittlichen Größe von circa
107 m² (3 Personen). Verschiedene Faktoren Die Wohnung im Schwarzpark-Projekt
erklären den relativ hohen Flächenverbrauch [028] von Miller & Maranta in Basel ist
der Einzelhaushalte. In den seltensten mit 125 m² ein typischer Vertreter für eine
Fällen wird der Wohnflächenbedarf bei große Standard-Wohnung. Der Grundriss
einer Verringerung der Haushaltsgröße ist um eine zentrale Diele mit eingestellter
angepasst. Die Single-Haushalte sind relativ Sanitär- und Abstelleinheit organisiert. Drei
finanzkräftig und leisten sich bewusst die vollwertige Individualräume bieten Rück-
größere Wohnfläche. Der Wohnungsmarkt zugsmöglichkeiten für die Bewohner. Der
bietet zudem nicht ausreichend kleine gemeinschaftliche Bereich ist ebenfalls
und gleichzeitig hochwertige Wohnungen. großzügig bemessen und klar gegliedert, so
Ein weiteres Argument ist ein Mindestflä- dass auch in diesem individuelle Beschäfti-
chenbedarf, der vor allen Dingen über die gung möglich wird.
dienenden Funktionen generiert wird. Als
Beispiel dienen drei Projekte, bei denen
der bewusste Umgang mit dem Flächen-
verbrauch innerhalb der Dimensionen von
Standardwohnungen gut nachvollziehbar ist.

Entgegen der erwähnten Durchschnitts-


größe für Einpersonenhaushalte ist die

79
Grundriss

[026]
Beyer + Dier Architekten
Kronprinz-Rupprecht-
Straße
Ingolstadt (DE)

Wohnfläche
52,5 m²

Außenraum
8,3 m²

Individualräume
1

Orientierung
Il

80
Wohnungsgröße

[027]
Fink + Jocher
Oheriedentrift/Feldbusch-
wende
Hannover (DE)

Wohnfläche
70,0 m²

Außenraum
10,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

81
Grundriss

[028]
Miller & Maranta
Gellertstraße
Basel (CH)

Wohnfläche
125,0 m²

Außenraum
17,0 m²

Individualräume
4

Orientierung
Ill

82
Wohnungsgröße

Luxus-Wohnungen | XL

Wie eingangs beschrieben, hat sich das richtungen stellen jedoch das eigentliche
Wohnen von einer zwingenden Notwendig- Luxusmerkmal dar.
keit zu einem Konsumprodukt gewandelt.
Der Typ des Einfamilienhauses repräsen- Das Projekt der Architekten Allmann Sattler
tiert dies in besonderer Weise. Dabei ist es Wappner aus München [030] wurde als
jedoch erstaunlich, dass im bundesweiten „Haus der Zukunft“ konzipiert. Die Idee be-
Durchschnitt die Wohnfläche der Einfamili- steht in der konsequenten Berücksichtigung
enhäuser lediglich bei 135 m² liegt und dies des zunehmenden Anspruchs nach Individu-
etwa einer typischen Vierpersonenwohnung alität. Jedem Bewohner wird im Erdge-
entspricht und noch nicht als Luxuswohnen schoss ein vollständiges Kleinappartement
bezeichnet werden kann. Luxuswohnen als Individualraum angeboten. Die großzü-
beginnt erst oberhalb der Grenzen, die über gigen Gemeinschaftsräume befinden sich
die Multiplikation des Flächenanspruchs im darüberliegenden Geschoss und werden
mit der Nutzeranzahl entstehen. Dieses zusätzlich über die Terrassen erweitert.
Segment wird jedoch nicht nur im Typus
der freistehenden Villa angeboten, sondern Bei dem städtischen Reihenhaus von
gerade in den großen Ballungsräumen ist Beyer-Schubert Architekten [031] in Berlin
ein enormer Bedarf an überdurchschnittlich erstreckt sich die Wohnung über vier Ge-
großen, innerstädtischen Wohnungen zu schosse und eine großzügige Dachterrasse.
verzeichnen. Wohnungsgröße wird hier als Der Luxusaspekt wird durch den offenen
direktes Qualitätsmerkmal zu Repräsen- Grundriss und die Ateliernutzung deutlich.
tationszwecken vermarktet. Wesentliche Obwohl eine Wohnfläche von 230 m² zur
Eigenschaft der Wohnungen ist dabei nicht Verfügung steht, ist nur eine geringe Be-
die Erhöhung der Anzahl der Individualräu- wohneranzahl vorgesehen.
me, sondern die großzüge Ausweitung der
kommunikativen Flächen.

Bei der Attikawohnung am Zürichsee [029]


der Architekten burkhalter sumi wird das of-
fene und allseitige Wohnen geradezu insze-
niert. Die großzügigen Individualräume sind
lediglich über Schiebewände abgetrennt,
der Sanitärbereich ist offen integriert. Vier
großzügige Terrassen in allen Himmels-

83
Grundriss

[029]
burkhalter sumi
architekten
Wehrenbachhalde
Zürich (CH)

Wohnfläche
221,4 m²

Außenraum
134,5 m²

Individualräume
2

Orientierung
IV

84
Wohnungsgröße

[030]
Allmann Sattler Wappner
Architekten
Georg-Kerschensteiner-
Straße
München (DE)

Wohnfläche
219,3 m²

Außenraum
130,1 m²

Individualräume
6

Orientierung
IV

85
Grundriss

[031]
Beyer - Schubert Architekten
Alice-und-Hella-Hirsch Ring
Berlin (DE)

Wohnfläche
221,0 m²

Außenraum
47,8 m²

Individualräume
3

Orientierung
Il

86
Veränderbarkeit

87
Nutzungsneutralität 90
[032] Baumschlager Eberle
Waldburgstraße, Nüziders (AT)
[033] Hasler Schlatter Partner
Trichtenhausenstraße, Zürich (CH)
[034] Helmut Wimmer
Grieshofgasse, Wien (AT)

Grundrissvariabilität 94
[035] Michael Alder
Störzbachstraße, Stuttgart (DE)
[036] HPP Hentrich-Petschnigg & Partner
Pfeffingerstraße, Leipzig (DE)
[037] Walter Stamm-Teske,
Schettler & Wittenberg
Lessingstraße, Weimar (DE)

Grundrissflexibilität 98
[038] ADP Architekten
Hellmutstraße, Zürich (CH)
[039] Michael Alder
Friedhofweg, Riehen (CH)

88
Veränderbarkeit

Einleitung

Der Entwurf von nachhaltig nutzbaren Die Auseinandersetzung mit dem Thema Ver-
Wohngrundrissen ist eine besondere He- änderbarkeit meint nun allerdings nicht, dass
rausforderung für den Entwerfer. Dabei geht jede Wohnung ein „Alleskönner“ sein muss,
es nicht nur um das Erfüllen der Wohnbe- der nach dem Single-Dasein Platz für heran-
dürfnisse eines Nutzers über einen längeren wachsende Kinder bietet und im Anschluss
Zeitraum – immerhin wird in einer Mietwoh- die Abtrennung eines separaten Apparte-
nung in Deutschland durchschnittlich zwölf ments für Service und Pflege gestattet. An-
Jahre lang gewohnt –, sondern auch um passungsfähigkeit kann hier nur auf der Basis
eine stabile, langfristige Vermarktbarkeit des von festgelegten Rahmenbedingungen, zum
Wohnraums selbst. Die Auseinandersetzung Beispiel gleichbleibender Wohnungsgröße,
mit dem Zweitnutzer ist also ebenso rele- geplant werden. Ein dif­ferenziertes Angebot
vant wie das Wissen um die sich ändernden am Wohnungs- und Immobilienmarkt bedient
Ansprüche durch ein und denselben darüber hinaus umfangreich sich ändernde
Bewohner. Ein nachhaltiger Entwurfsansatz Rahmenbedingungen.
ist dabei ebenso entscheidend für den
individuellen Eigentumserwerb wie für die Nachhaltig nutzbare Grundrisse, die nicht
Schaffung von Wohnraum durch private und nur den aktuellen Bedürfnissen ihrer Be-
öffentliche Wohnversorger. In beiden Fällen wohner entsprechen, sondern gleichzeitig
mindert das Nachdenken über die Veränder- langfristig nachgefragt werden, können auf
barkeit des Grundrisses und eine mögliche drei unterschiedlichen Entwurfsansätzen
Nachnutzung das Investitionsrisiko. basieren. Zum einen kann eine nutzungsneu-
trale Grundrisskonzeption unterschiedlichen
Dieses Risiko ist im Laufe der letzten Nutzungsszenarien gerecht werden, zum
Jahrzehnte im Zuge der gesellschaftlichen anderen ermöglicht eine geplante baulich-
Individualisierung gewachsen. Dem Modell räumliche Variabilität eine Veränderung der
„Familie mit leiblichen Kindern“ steht heute Raumstruktur selbst. Ein dritter Ansatz
eine große Zahl anderer Lebensmodelle bezieht sich auf die äußere Flexibilität von
gegenüber. Die daraus resultierende plurali- Wohneinheiten; im Sinne von wachsenden
sierte Wohnraumnachfrage entsteht jedoch und schrumpfenden Wohnungen wird dabei
nicht nur durch unterschiedliche Lebens- die eigene Wohnfläche effektiv verändert.
formen, sondern wird von einer zusätzlichen Alle drei Entwurfsvarianten basieren auf
Vielfalt an nutzerspezifischen Faktoren einer Grundstruktur, deren Veränderbarkeit
verursacht, die zu einer unpräzisen und vor geplant wird und die durch den Nutzer und
allem nicht vergleichbaren Kategorisierung dessen Wohnverständnis individuell interpre-
führen. tiert werden kann.

89
Grundriss

Nutzungsneutralität

Mit nutzungsneutralen Grundrissen wird Bedarf für zusätzliche Arbeits-, Gäste- oder
nicht nur auf pluralistische Nachfragen Hobbyfläche vorstellbar. Das Projekt [032] in
am Wohnungsmarkt reagiert, sondern ein Nüziders von Baumschlager Eberle basiert
zweiter wesentlicher Aspekt entscheidend auf dieser Grundüberlegung. Die Individu-
berücksichtigt: Wohnen ist keine Moment- alräume sind zusätzlich zum individuellen
aufnahme und eine Wohnung keine gebaute Zugang vom Flur durch eine innere, an
Bestandsaufnahme einer Lebensphase. Im der Fassade angeordnete Erschließungs-
Lebenszyklus einer Wohnung ändern sich spur mit Schiebetüren verbunden, die ein
zum Teil mehrfach die Bedürfnisse ihrer Be- stufenweises Zuschalten der Räume zum
wohner. Eine zusätzliche Herausforderung kommunikativen Bereich der Wohnung
stellt die Nachnutzung beziehungsweise ermöglichen.
Zweitnutzung dar. Das Angebot folgt dabei
der Auffassung, dass in ihrer Größe neutrale Jeweils zwei gleichwertige Individualräume
Raumangebote unterschiedliche Nutzungs­ umschließen den kommunikativen Bereich
szenarien eher bedienen als in Größe und der Geschosswohnungen am Steinacker in
Funktionsanordnung spezifische und hierar- Zürich [033] von Hasler Schlatter Partner.
chisierte Raumkonzepte. Das Spektrum von Beide Raumpaare werden über einen Flur
nutzungsneutralen Grundrissen reicht von erschlossen, an dem jeweils auch ein Sa-
gleichwertigen Individualräumen, die eine nitärbereich angeordnet ist. Zusätzlich zum
Mindestmöblierbarkeit für verschiedene großzügigen Außenraum am Wohn- und
Nutzungen zulassen, über eine gleichwer- Essbereich wird den vier Individualräumen
tige Raumstruktur aller Wohnfunktionen bis jeweils ein schmaler Austritt zugeordnet.
zum Ein-Raum-Grundriss, der durch eine Die Grundrissanordnung ermöglicht zum
variabel nutzbare Möblierung alle Wohnfunk- Beispiel eine Nutzung der Räume im Süd-
tionen parallel oder nacheinander im selben osten als Arbeitsbereich, der auch den
Raum aufnimmt. Empfang von Kunden gestattet.

Unterschiedlichen Wohnbedürfnissen soll Die Geschosswohnungen in der Grieshof-


durch gleichwertige, eventuell mehrfach gasse in Wien [034] von Helmut Wimmer
zugängliche Räume entsprochen werden. bestehen aus vier gleichwertigen Räumen,
So ist zum Beispiel bei drei gleich großen die durch Schiebewände voneinander ge-
Individualräumen und entsprechender trennt werden können. Ein zentraler Zugang
Zonierung des Gesamtgrundrisses eine Nut- sowie die mittig angeordnete Erschlie-
zung durch eine Familie mit zwei Kindern, ßungszone gestatten, bis auf die fixierte
durch eine Wohngemeinschaft von drei Badzelle, jeweils eine freie Anordnung der
Personen oder durch zwei Bewohner mit Wohnfunktion durch den Nutzer.

90
Veränderbarkeit

[032]
Baumschlager Eberle
Waldburgstraße
Nüziders (AT)

Wohnfläche
120,1 m²

Außenraum
17,5 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

91
Grundriss

[033]
Hasler Schlatter Partner
Trichtenhausenstraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
133,2 m²

Außenraum
24,6 m²

Individualräume
4

Orientierung
II

92
Veränderbarkeit

[034]
Helmut Wimmer
Grieshofgasse
Wien (AT)

Wohnfläche
90,2 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
1 - 3

Orientierung
II

93
Grundriss

Grundrissvariabilität

Variabilität des Grundrisses meint die garantieren jedem der vier Räume einen
Anpassung einer Raumstruktur an geän- individuellen Außenbereich. Das Projekt
derte Nutzerbedürfnisse durch das freie zeichnet sich durch einen hohen Grad an
Verändern von Wandpositionen. Ausgangs- Grundrissvariabilität aus, der verschie-
punkt dieser Anpassungsfähigkeit ist die densten Wohnformen entsprechen kann.
Trennung von Tragwerk und Ausbaustruktur
des Projekts. Die Entwicklung von Flachde- Lediglich der mittige Kern mit Sanitär- und
cken aus Stahlbeton, die durch regelmäßig Abstellfunktion sowie der Küchenanschluss
angeordnete Stützen und aussteifende wurden in den Geschosswohnungen in
Kerne eine freie und von der Statik unabhän- Leipzig von HPP Hentrich-Petschnigg &
gige Raumkonfiguration ermöglichen, ist Partner [036] fest eingebaut. Sämtliche
seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts eine Innenwände können ansonsten durch den
gängige Bauweise (plan libre). Neben dieser Nutzer frei positioniert werden, wodurch
statischen Unabhängigkeit bedarf es eines sowohl ein offener Allraum als auch bis zu
sinnvollen Erschließungssystems, damit alle sechs kleine Zimmer in der 98 m² groß-
Wohnfunktionen in sämtlichen Grundriss­ en Wohnung möglich werden. Mögliche
konstellationen zugänglich sind. Die zum Teil Wandachsen sind über drei Anschlussmög-
umfangreichen baulichen Eingriffe führen lichkeiten von Trennwänden entlang der
häufig dazu, dass Grundrissvariabilität zum Fensterfronten vordefiniert.
reinen Verkaufsargument verkommt, das
dem Erstnutzer eine flexible, langfristig Auch in den Wohnungen der Siedlung
sichere Investition vorhält. Der Umbau der Lessingstraße in Weimar [037] können
Struktur findet, wenn überhaupt, in der zwischen fixen Betonschotten Trennwän-
Praxis häufig lediglich einmal statt und zwar de variabel, je nach Nutzerbedarf, gesetzt
zu Beginn der Nutzung. werden. Mit einer minimalen Raumauf-
teilung von drei beziehungsweise einer
Ausgangspunkt des Entwurfs von Michael maximalen Unterteilung von neun Räumen
Alder [035], der als experimenteller Woh- weist die 120 m² große Wohnung eine hohe
nungsbau im Zuge der IGA ‘93 in Stuttgart Leistungsfähigkeit auf. Die Lage der Treppe
entstand, war das Trennen beziehungsweise sowie ein obligatorischer zweiter Zugang
Zusammenlegen von Räumen. Die zwei bei jeder Wohneinheit ermöglichen zudem
angebotenen Räume können dabei aufgrund eine spätere Trennung von Erdgeschoss und
ihrer jeweils zwei Zugänge in bis zu vier Obergeschoss in zwei separate Wohnein-
Räume unterteilt werden. Die an beiden heiten.
Belichtungsseiten vorgelagerten Loggien

94
Veränderbarkeit

[035]
Michael Alder
Störzbachstraße
Stuttgart (DE)

Wohnfläche
79,6 m²

Außenraum
25,2 m²

Individualräume
1 - 2

Orientierung
II

95
Grundriss

[036]
HPP Hentrich-Petschnigg
& Partner
Pfeffingerstraße
Leipzig (DE)

Wohnfläche
97,8 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
1 - 3

Orientierung
III

96
Veränderbarkeit

[037]
Walter Stamm-Teske,
Schettler & Wittenberg
Lessingstraße
Weimar (DE)

Wohnfläche
119,6 m²

Außenraum
12,0 m²

Individualräume
3 - 6

Orientierung
II

97
Grundriss

Grundrissflexibilität

Grundrissflexibilität meint die Erweiterung Bei der dreigeschossigen Wohneinheit


oder Verringerung der Wohnfläche durch Zu- in der Siedlung Vogelbach [039] entsteht
sammenlegung, Zuschalten, Anbauen oder Grundrissflexibilität durch einen zweiten
Abtrennen von Räumen oder Gebäudetei- Zugang zur Wohneinheit im 2. Oberge-
len. Die Grundrisse beziehen ihre Anpass- schoss. Dadurch können die Räume dieses
barkeit also aus dem effektiven Zuschalten Geschosses abgetrennt und separat
beziehungsweise Verzicht von Raum und genutzt werden. Der Eingriff bedeutet bei
Fläche. Zumindest im verdichteten Woh- vollständiger Trennung der beiden unteren
nungsbau fordert diese Veränderung immer Geschosse vom obersten Geschoss aller­
Interaktion. Auf Kosten der einen kann dings den Rückbau der Treppe sowie den
eine andere Wohneinheit vergrößert oder nachträglichen Verschluss der Decken­
verkleinert werden. Dabei reichen nicht nur ebene. Auch ohne diese Maß­nahme
eingeplante bauliche Sollbruchstellen in der bie­­tet der Grundriss durch gleichwertige,
Gebäudestruktur, sondern es bedarf einer nutzungsneutrale Räume sowie den zwei-
kontinuierlichen Nutzerkoordination. Grund- ten möglichen Zugang ein hohes Maß an
rissflexibilität zeichnet sich im Unterschied Nutzungsflexibilität.
zur Grundrissvariabilität, das heißt dem Ver-
setzen von Trennwänden oder dem Öffnen
beziehungsweise Schließen verschiebbarer
Elemente, durch langfristige Veränderungs-
intervalle aus.

Unter einer aktiven Einbeziehung der


Bewohner in die Projektplanung realisierten
ADP Architekten in Zürich [038] das Projekt
Hellmutstraße. Die Wohnungen basieren
auf einer klaren Schichtung von Außenraum,
Zimmerschicht mit zwei Erschließungs-
spuren, dienender Schicht, Erschließungs-
und Kochschicht sowie einer weiteren
Zimmerschicht mit separatem Zugang.
Diese Gliederung ermöglicht durch Öffnen
oder Trennen der Individualraumfolge ein
variables System aus unterschiedlichen
Wohnungsgrößen.

98
Veränderbarkeit

[038]
ADP Architekten
Hellmutstraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
44,9 - 225,7 m²

Außenraum
4,7 m² - 45,0 m²

Individualräume
1 - 4

Orientierung
II

99
Grundriss

[039]
Michael Alder
Friedhofweg
Riehen (CH)

Wohnfläche
39,6 - 119,2 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
2 - 4

Orientierung
II

100
Orientierung

101
Vierseitige Orientierung 104 Sonderformen Orientierung 121
[040] Bauart Architekten und Planer [053] Herzog & de Meuron
mobiler Standort Schützenmattstraße, Basel (CH)
[041] Ryue Nishizawa [054] Walter Stelzhammer
Ota Ku, Tokyo (JP) Ziedlergasse, Wien (AT)
[042] Xaveer de Geyter [055] MVRDV
Chassé Singel, Breda (NL) Bottgerwater, Den Haag (NL)

Dreiseitige Orientierung 108


[043] Daniele Marques
Dreilindenstraße, Luzern (CH)
[044] pool Architekten
Leimbachstraße, Zürich (CH)
[045] Thomas Müller Ivan Reimann Architekten
Reichenbachstraße, Dresden (DE)

Zweiseitige Orientierung 112


[046] Norbert Post - Hartmut Welters Architekten
Westender Weg, Herdecke (DE)
[047] Delugan Meissl Associated Architects
Wimbergergasse, Wien (AT)
[048] burkhalter sumi architekten
Burgmattstraße, Laufenburg (CH)
[049] Fink + Jocher
Hans-Guggenmoser-Straße, Weilheim (DE)

Einseitige Orientierung 117


[050] Johannes Kaufmann
Brugg, Bezau (AT)
[051] Francis Soler
Cité Saint Chaumont, Paris (FR)
[052] Herzog & de Meuron
Hebelstraße, Basel (CH)

102
Orientierung

Einleitung

Die Wohnungsorientierung wird häufig der Gebäude selbst. Gleichzeitg kann im


im Zuge der städtebaulichen Konzeption seltensten Fall im städtischen Kontext von
eines Projekts festgelegt. In deren Ergebnis einer idealen Orientierung der zu planenden
stehen sowohl die Gebäudestruktur als Wohngebäude ausgegangen werden.
auch die Gebäudeausrichtung fest. Das
Wissen um die direkte Abhängigkeit der Sowohl die Gebäude- beziehungsweise
Orientierung und Gebäude- beziehungswei- Wohnungstiefe als auch die grundlegende
se Wohnungstiefe und damit auf einzelne Disposition der Wohnfunktionen im Grund-
Grundrissentscheidungen hat also bereits riss basieren zu einem entscheidenden Teil
einen nicht zu vernachlässigenden Anteil im auf dem Orientierungsaspekt und der An-
städtebaulichen Entwurfsprozess. Mit dem zahl der Belichtungsseiten. In der Moderne,
Grundrissaspekt Orientierung ist jedoch die die Standards des Massenwohnungs-
nicht nur eine ausreichende Versorgung baus mit ausreichend Licht, Luft und Sonne
aller Wohnräume mit Tageslicht, sondern definierte, wurde das Raumprogramm
auch der sorgfältig geplante Bezug zum eindeutig Himmelsrichtungen zugeordnet.
Außenraum, im Sinne des Ausblicks und Tag- und Nachtbereich und damit monofunk-
des Einblicks, gemeint. Mit der Fassaden- tionale Räume zum Wohnen und Schlafen
planung findet also die Auseinandersetzung wurden definiert. Heute ist die Nutzung
des Entwurfs mit dem Übergang zwischen der Räume multifunktionaler, nach wie
Privatheit der Wohnung zur Öffentlichkeit vor müssen sie aber überlegt angeordnet
davor und umgekehrt statt. Die Anzahl, werden. So ist es zum Beispiel angebracht,
Größe und Lage der Öffnungen hat damit kommunikative Bereiche aufgrund ihrer in-
nicht nur den Zweck der ausreichenden tensiveren Tages- und Abendnutzung wenn
Belichtung, sondern beeinflusst die Art des möglich nach Südwesten zu orientieren.
Wohnens zu einem wesentlichen Teil. Auch
eine Inszenierung des Lichteinfalls und Das Kapitel gliedert sich in fünf mögliche
daraus resultierenden Schattenspiels kann Orientierungsvarianten: Begonnen bei der
zum Entwurfsgegenstand werden. Gleich- vierseitigen Orientierung werden bis zur
zeitig spielen die Themenfelder der Lüftung, einseitig orientierten Wohnung die unter-
des Schallschutzes sowie des Sonnen- und schiedliche Anzahl der Belichtungsseiten
Wärmeschutzes eine Rolle in der Auseinan- und die daraus resultierenden Grundriss-
dersetzung mit dem Themenfeld Orientie- abhängigkeiten dargestellt. Ein weiteres
rung. Gerade Ressourcen sparende Ener- Kapitel betrachtet neben der Orientierung
giestandards für Gebäude beruhen immer von Wohnraum nach „außen“ verschiedene
auch auf einer entsprechenden Ausrichtung Sonderbelichtungsformen nach „innen“.

103
Grundriss

Vierseitige Orientierung

Die optimale Belichtung über vier Seiten ga- Die Öffnung im Obergeschoss entlang der
rantiert eine freie Grundrissgestaltung, ohne Treppe sorgt für einen zusätzlichen Lichtein-
dass eine bestimmte, zwingende Funktions- fall im Erdgeschoss.
anordnung im Grundriss entsteht. Allseitig
orientierte Grundrisse werden häufig in frei- Die vier Gebäudemodule von Ryue Nishiza-
stehenden Gebäuden, das heißt Einfamilien- wa in Tokyo [041], die als gestapelte Räume
häusern, oder im verdichteten Wohnungs- konzipiert wurden, reagieren mit groß-
bau als Penthouse beziehungsweise als flächigen Öffnungen in jedem Geschoss
gestapelte Wohneinheiten geplant. Dabei unterschiedlich auf den städtischen Kontext.
bietet die allseitige Orientierung die Chance, Lediglich die Treppe sowie im Erdgeschoss
alle Bereiche natürlich zu belichten, auch die ein Sanitär- und Abstellbereich gliedern die
häufig im Kern angeordneten dienenden Sa- ansonsten freien Geschossebenen, die
nitärfunktionen können hier an die Fassade jeweils eine Wohnfunktion aufnehmen.
rücken. Der Erschließungsaufwand im ver-
dichteten Wohnungsbau mit einer Wohnung Xaveer de Geyter organisiert die großzü-
je Geschoss ist dabei allerdings extrem gige Geschosswohnung in Breda [042] um
hoch. Daher werden Wohnungen mit allsei- einen zentralen Erschließungskern aus Lift
tiger Orientierung vorwiegend im Luxusseg- und Treppenraum. Die allseitig orientierte
ment umgesetzt und angeboten. Mit einem Wohnung mit einem hohen Öffnungsanteil
häufig hohen Öffnungsanteil und weniger ist in vier zimmertiefe Grundrissbereiche
massiven Außenwandflächen erfüllen diese unterteilt. Aufgrund der zwei geplanten
Wohnungstypen das vermarktungsrelevante Eingangstüren kann die Wohnung auch als
Qualitätskriterium nach lichtdurchfluteten Zweispänner organisiert werden. Bei der
Räumen. Gleichzeitig kann dieser Woh- Variante der Etagenwohnung wurden die
nungstyp nahezu Einfamilienhausqualitäten einzelnen Wohnfunktionen rotierend um den
im barrierefreien Geschosswohnungsbau Kern angeordnet. Lediglich im Bereich der
bieten und bedient damit individuelle Wohn- Sanitärräume musste dabei ein zusätzlicher
wünsche bis ins hohe Alter. Erschließungsflur angeordnet werden.

Das flächenoptimierte, zweigeschossige


Einfamilienhaus von Bauart [040] wird auf
beiden Geschossen durch wenige, großzü-
gige Öffnungen belichtet. Mit vier bewusst
gesetzten Fenstern orientiert sich die
Wohnung in alle vier Himmelsrichtungen.

104
Orientierung

[040]
Bauart Architekten
mobiler Standort

Wohnfläche
66,0 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
2

Orientierung
IV

105
Grundriss

[041]
Ryue Nishizawa
Ota Ku
Tokyo (JP)

Wohnfläche
77,5 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
IV

106
Orientierung

[042]
Xaveer de Geyter
Chassé Singel
Breda (NL)

Wohnfläche
298,8 m²

Außenraum
21,8 m²

Individualräume
3

Orientierung
IV

107
Grundriss

Dreiseitige Orientierung

Dreiseitig orientierte Wohngrundrisse sind 1. Obergeschoss wird diese Schicht bis an


häufig in Doppelhäusern oder als Kopf- die Fassade geführt und natürlich belichtet.
wohnungen von Wohnzeilen angewendete Die zweite Schicht wird über die Individual-
Wohnungstypen. Die Öffnungsmöglichkeit räume gebildet und öffnet sich von Osten
nach drei Seiten bietet dabei ähnliche Be- nach Westen in drei Himmelsrichtungen.
lichtungs- und Orientierungsqualitäten wie Sowohl die Souterrainräume als auch der
eine allseitig belichtete Wohnung. Wo im Sanitärbereich im Erdgeschoss sowie die
verdichteten Wohnungsbau der Wohnungs- Kochecke können dadurch von Süden natür-
eingang angeordnet ist, definieren Doppel- lich belichtet werden.
häuser ihre Brandwand und Abgrenzung
zum Nachbarn. Die Positionierung der In der Geschosswohnung von pool Archi-
Wohnfunktionen im Grundriss mit drei tekten [044] in Zürich wurden die Individual-
möglichen Belichtungsseiten bietet eine räume sowie der Sanitärbereich entlang der
Vielzahl von Lösungsmöglichkeiten, über Wohnungstrennwand angeordnet. Über die
klare Funktionsschichten bis zur Reihung Gebäudeseiten werden die Individualräume
der Wohnfunktionen entlang der Fassade, natürlich belichtet. Nach dem Betreten der
um jeden Bereich natürlich zu belichten. Wohnung durch die beschriebene Raum-
Gerade bei der Grundrissorganisation des schicht öffnet sich ein in drei Himmelsrich-
Doppelhauses ist oft die Verwandtschaft tungen orientierter kommunikativer Bereich.
zum Reihenhaus zu spüren, das um eine zu- Großzügige Verglasungen versorgen den
sätzliche Fassadenseite ergänzt wurde. Die langgestreckten Raum mit Tageslicht. Der
Öffnungen in der Längsseite der Gebäude private Außenraum setzt anschließend
lassen damit auch die natürliche Belichtung konsequent den kommunikativen Bereich
und Belüftung der Wohnfunktionen im Kern nach außen fort.
der Gebäude zu, wodurch im Unterschied
zum Reihenhaus tiefere Grundrisse möglich Auch im Lukasareal in Dresden von Thomas
werden. Müller und Ivan Reimann [045] wird die Ge-
schosswohnung zentral erschlossen.Über
Die Doppelhäuser von Daniele Marques die vorgeschaltete Diele gelangt man in alle
in Luzern [043] folgen einer klaren Grund- Räume. Die Küche sowie der Wohn- und
rissstruktur, die auf der Gliederung in zwei Essbereich orientieren sich zum privaten Au-
Längsschichten beruht. Die innere Schicht ßenraum in Richtung Westen. Die Individu-
nimmt dabei die längs liegende Treppe, den alräume sind nach Süden beziehungsweise
Eingangsbereich und die Verkehrsflächen nach Norden orientiert.
des Hauses auf. Im Souterrain und im

108
Orientierung

[043]
Daniele Marques
Dreilindenstraße
Luzern (CH)

Wohnfläche
183,5 m²

Außenraum
38,5 m²

Individualräume
4

Orientierung
III

109
Grundriss

[044]
pool Architekten
Leimbachstraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
82,0 m²

Außenraum
34,0 m²

Individualräume
2

Orientierung
III

110
Orientierung

[045]
Thomas Müller Ivan
Reimann Architekten
Reichenbachstraße
Dresden (DE)

Wohnfläche
81,7 m²

Außenraum
19,8 m²

Individualräume
2

Orientierung
III

111
Grundriss

Zweiseitige Orientierung

Zweiseitig orientierte Wohnungen zählen im Das zweigeschossige, nord-süd-orientierte


Neubau auch aufgrund einer in der Regel Reihenhaus in Herdecke von Post und
wirtschaftlichen Erschließung zu den am Welters [046] wurde auf einer flächenopti-
häufigsten geplanten Wohnungstypen. Ne- mierten Grundfläche geplant und setzt sich
ben der Erschließung aus einem externen aus zwei unterschiedlich tiefen Raumschich-
Treppenhaus können sie auch am Lauben- ten zusammen. Der Wohn- / Essbereich, ein
gang angeordnet werden. Im Geschoss- Individualraum sowie der Sanitärbereich ori-
wohnungsbau werden die beiden Öffnungs- entieren sich nach Süden. Der Zugang und
seiten von Wohnungen sowohl übereck als Erschließungsbereich, die Küche sowie ein
auch vis-à-vis angewendet. Stehen zwei weiterer Individualraum im Obergeschoss
Belichtungsseiten zur Verfügung, hat die je- sind nach Norden orientiert.
weilige Orientierung wesentlichen Einfluss
auf die Gebäudetiefe. Nord-süd-orientierte Die ost-west-orientierte Wohnung von
Wohnungen oder Gebäude haben aufgrund Delugan Meissl Associated Architects in
lediglich einer direkten Besonnungsseite Wien [047] wird durch eine mittig angeord-
meist eine geringere Gebäudetiefe (zwi- nete Servicezone, die den Sanitär- und Kü-
schen 7 m bis 10 m) als ost-west-orientierte. chenbereich aufnimmt, gegliedert. Die drei
Hier können über zwei gleichwertige Beson- Individualräume sind nach Osten, der Wohn-
nungsseiten die kommunikativen und indi- und Essbereich nach Westen orientiert.
viduellen Raumschichten zu beiden Seiten
angeordnet werden. Die Tiefe von ost-west- In Laufenburg entwickelten burkhalter sumi
orientierten Wohnungen liegt üblicherweise architekten [048] Geschosswohnungen, die
bei 10 m bis 14 m. Zweiseitig orientierte über einen kommunikativen Bereich, der die
Wohnungen bieten die Möglichkeit, einen gesamte Wohnungstiefe ausnutzt, erschlos-
offenen kommunikativen Bereich über die sen werden. Parallel dazu wurden zwei
gesamte Gebäudetiefe anzuordnen und Individualräume mit zwischengeschaltetem
diesen damit in zwei Himmelsrichtungen Sanitärbereich angeordnet.
zu orientieren. Die Alternative, das heißt
den individuellen Bereich und den kommu- In den Kopfwohnungen der Wohnanlage in
nikativen Bereich jeweils an einer Belich- Weilheim von Fink + Jocher [049] wird die
tungsseite anzuordnen, bietet dagegen den Übereck-Situation für eine zweiseitige Süd-
Raumsituationen nur eine Blickrichtung und Ost-Orientierung des kommunikativen Be-
Besonnungssituation. Gerade für nord-süd- reichs genutzt. Die Individualräume und der
orientierte Wohnungen stellt dies allerdings Kochbereich orientieren sich nach Osten,
eine geeignete Grundrissorganisation dar. der Sanitärbereich ist im Kern angeordnet.

112
Orientierung

[046]
Norbert Post - Hartmut
Welters Architekten
Westender Weg
Herdecke (DE)

Wohnfläche
76,0 m²

Außenraum
9,6 m²

Individualräume
2

Orientierung
II

113
Grundriss

[047]
Delugan Meissl
Associated Architects
Wimbergergasse
Wien (AT)

Wohnfläche
93,0 m²

Außenraum
14,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

114
Orientierung

[048]
burkhalter sumi
architekten
Burgmattstraße
Laufenburg (CH)

Wohnfläche
59,0 m²

Außenraum
8,6 m²

Individualräume
2

Orientierung
II

115
Grundriss

[049]
Fink + Jocher
Hans-Guggenmoser-Straße
Weilheim (DE)

Wohnfläche
90,8 m²

Außenraum
10,9 m²

Individualräume
2

Orientierung
II

116
Orientierung

Einseitige Orientierung

Wohneinheiten an Brandwänden oder mit wohnheime, wird aus ökonomischen


kleiner Wohnfläche werden unter ökono- Grün­den vorwiegend auf tiefe Wohnmodule
mischen Aspekten vorzugsweise als ein- zurückgegriffen, die über die kurze Seite
seitig orientierte Wohnungen geplant. Der belichtet sowie erschlossen werden.
gerichtete, einseitige Ausblick kann aber
auch für besonders prominente Lagen ge- In Paris konzipierte Francis Soler [051] zwei-
wünscht sein und entsprechend inszeniert geschossige, nach Nordwesten orientierte
werden. Die Tiefe einseitig orientierter Woh- Brandwandwohnungen. Die einläufige
nungen ist aufgrund der einen Öffnungs- Treppe ist entlang der Brandwand angeord-
seite stark eingeschränkt. Zur natürlich net. An sie grenzt eine Serviceschicht, die
belichteten Raumschicht kann maximal in den Koch- und Sanitärbereich mit der dafür
der unbelichteten Zone eine Erschließungs- notwendigen Installation aufnimmt und
beziehungsweise eine Servicespur aus sich zur kommunikativen beziehungsweise
dienenden Funktionen addiert werden, die Individualraumschicht öffnet.
gegebenenfalls über Oberlichter natür-
lich belichtet wird. Einseitig orientierte Auch die einseitig belichteten Geschoss-
Geschosswohnungen basieren daher in der wohnungen von Herzog & de Meuron in
Regel auf langgestreckten Grundrissen, bei Basel [052] werden über einen an der
denen sich die Wohnfunktionen an der Fas- Brandwand angeordneten Erschließungsflur
sade aufreihen. Dem Problem der fehlenden organisiert. Alle Wohnfunktionen wurden
Querlüftungsmöglichkeit von einseitig ori- daran aufgereiht und sind zusätzlich durch
entierten Wohnungen kann, wenn möglich, eine Außenraumspur über die gesamte
über Oberlichter begegnet werden. Wohnungslänge an der Belichtungsseite
der Räume erneut verbunden. Ein zweiter
Die rund 27 m² großen Zimmerboxen des Zugang neben der Erschließung des Flurs
Hotel Extension in Bezau von Johannes aus dem Treppenraum führt am Ende des
Kaufmann [050] werden über einen Lau- Erschließungsraums in den halböffentlichen
bengang erschlossen und orientieren sich Hofbereich der Wohnanlage.
ausschließlich nach Westen. Sie folgen dem
klassischen Grundrisstyp des Hotelzimmers
mit innenliegendem Sanitärbereich an der
Zugangssituation und dem sich anschlie-
ßend öffnenden Raum zum Schlafen und
kurzfristigen Aufenthalt. Für temporäre
Wohn­formen, wie Hotels und Studenten­

117
Grundriss

[050]
Johannes Kaufmann
Brugg
Bezau (AT)

Wohnfläche
26,6 m²

Außenraum
7,2 m²

Individualräume
1

Orientierung
I

118
Orientierung

[051]
Francis Soler
Cité Saint Chaumont
Paris (FR)

Wohnfläche
77,7 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
2

Orientierung
I

119
Grundriss

[052]
Herzog & de Meuron
Hebelstraße
Basel (CH)

Wohnfläche
114,2 m²

Außenraum
12,5 m²

Individualräume
3

Orientierung
I

120
Orientierung

Sonderformen Orientierung

Gerade im innerstädtischen Wohnungsbau gruppieren sich um den Patio, in dem auch


mit teilweise schwierigen Belichtungssitua- ein kleiner privater Außenbereich angeord-
tionen ermöglichen erst zusätzliche Belich- net ist. Hinter der geschlossenen Außen-
tungsformen, wie zum Beispiel Patios oder wand an der Wohnungsrückseite ist die
Innenhöfe eine ausreichende Versorgung Fluchttreppe des Gebäudes angeordnet. Die
der Wohnungen mit Tageslicht. Tiefe Nord- Wohnungen selbst werden direkt über den
Süd-Grundrisse können so durch eine zwei- Aufzug erschlossen.
te Südfassade, die ein Patio generiert, gut
belichtet werden. Gleichzeitig entsteht ein Der heterogene und dichte Kontext der
introvertierter Außenraum, der gerade im Wohn­arche in Wien von Walter Stelzham-
verdichteten Wohnungsbau ein wertvoller mer [054] führte zur Konzeption eines mehr-
Rückzugsraum abseits der pulsierenden geschossigen introvertierten Patiogebäudes.
Öffentlichkeit ist. Es gibt allerdings auch Die viergeschossigen Back-to-Back-Häuser
Situationen, in denen ausschließlich eine werden neben dem Patio zusätzlich einsei-
Belichtung über einen Innenhof möglich ist tig durch kleine Fenster beziehungsweise
beziehungsweise der Nutzerwunsch nach Austritte belichtet. Letztendlich übernimmt
einem introvertierten Wohnmodel existiert. der zentrale Patio mit einer Grundfläche von
Aus der frühen Geschichte sind Atrium- und 6 x 3 m die Hauptbelichtung der Wohnung.
Hofhäuser bekannte Wohntypologien, die Im 1. Obergeschoss wird der Wohnhof zum
den Innenhof als zentralen und wichtigsten introvertierten Außenbereich der Bewoh-
Wohnbereich ausbilden. Die bewusste Ab- ner. Die Dachterrasse im letzten Geschoss
grenzung der Öffentlichkeit und ausschließ- bietet dagegen einen öffentlicheren Bezug
liche Ausrichtung nach innen sollte dabei zum Quartier.
vor allem die Privatsphäre der Bewohner
schützen und reagierte auf die klimatischen Die zweigeschossigen Gebäude der
Bedingungen, entstand jedoch seltener aus Teppichsiedlung „Patio-Island“ von MVRDV
städtebaulichen Orientierungszwängen. im Vinex-Areal in Ypenburg [055] werden
ausschließlich über einen Patio belichtet.
Herzog & de Meuron können die Geschoss­ Die langgestreckten Wohneinheiten mit ei-
wohnungen in einer rund 25 m tiefen ner Tiefe von 5 m werden über den privaten
Baulücke in Basel [053] nur mithilfe eines Innenhof erschlossen. Entlang der nach
Patios im zentralen Wohnbereich ausrei- Südosten vollständig verglasten Fassade
chend belichten. Die zwei Individualräume sind alle Wohnfunktionen angeordnet. Im
orientieren sich zur Stadt in südwestlicher Obergeschoss ist zusätzlich jedem Indivi­
Richtung. Die kommunikativen Bereiche dualraum eine Dachterrasse zugeordnet.

121
Grundriss

[053]
Herzog & de Meuron
Schützenmattstraße
Basel (CH)

Wohnfläche
115,2 m²

Außenraum
2,7 m²

Individualräume
2

Orientierung
I, Patio

122
Orientierung

[054]
Walter Stelzhammer
Ziedlergasse
Wien (AT)

Wohnfläche
162,6 m²

Außenraum
53,3 m²

Individualräume
3

Orientierung
I, Patio

123
Grundriss

[055]
MVRDV
Bottgerwater
Den Haag (NL)

Wohnfläche
144,4 m²

Außenraum
164,7 m²

Individualräume
4

Orientierung
Patio

124
Geschossigkeit

125
Eingeschossige Wohnungen 128
[056] Riegler Riewe
Bahnhofstraße, Graz (AT)
[057] BKK-3
Goldschlagstraße, Wien (AT)

Mehrgeschossige Wohnungen 131


[058] Bosch Architecten
Bezaanjachtplein, Amsterdam (NL)
[059] Joachim Wendt
Rückertstraße, Darmstadt (DE)
[060] Kazuyo Sejima
Kitagata, Gifu (JP)

126
Geschossigkeit

Einleitung

Neben der Größe sowie dem Zonierungstyp baulich wirksame Zonierung der Funkti-
spielen bei der Entscheidung für die Ge- onsbereiche. Der konstruktive Aufwand
schossigkeit einer Wohnung unter anderem von Niveauveränderungen in Geschoss-
die Gewichtung von Barrierefreiheit gegen- wohnungen wird dabei für das gesamte
über der Umsetzung vertikaler Raumbezie- Gebäude wirksam und beschränkt sich nicht
hungen und verschiedener Wohnniveaus nur auf eine einzelne Wohneinheit. Daher
eine Rolle. Das Verteilen der Wohnfunkti- muss hier die Synergie gesucht werden.
onen auf eine oder auf mehrere Ebenen Unterschiedliche Geschosse und Niveaus
steht jedoch auch in einer Abhängigkeit innerhalb einer Wohnung sollten jedoch
zur Bauform und dem gewählten externen nicht unter Vernachlässigung des Aspekts
Erschließungstyp. Mehrparteienhäuser der Barrierefreiheit geplant werden. Die
bestehen vorrangig aus Geschosswoh- einschränkte Nachhaltigkeit in der Nutzung
nungen und zweigeschossigen Maisonet- mehrgeschossiger Wohnungen durch die
tes. Inwieweit drei- und mehrgeschossige Notwendigkeit einzelner Steigungen bezie-
Wohneinheiten in diesem Gebäudetyp noch hungsweise einer Treppe zur Erschließung
wirtschaftlich sind, sollte entwurfsspezifisch der Geschosse sollte in der Entwurfsphase
abgewägt werden. Dabei muss unter an- daher eine entscheidende Rolle spielen. Da
derem der Aufwand der zusätzlich notwen- das Bauelement Treppe als starres Gefüge
digen externen Erschließung zur Größe des die Veränderung der Grundrissstruktur zu
Gesamtprojekts einkalkuliert werden. einem wesentlichen Teil verhindert, wird
die mehrgeschossige Raumqualität häufig
Im Vergleich zur eingeschossigen Wohnung durch die Einschränkung der Veränderbar-
bieten Maisonettes, das heißt mehrge- keit des Grundrisses selbst erkauft. Ab einer
schossige Wohnformen, die Möglichkeit bestimmten Wohnungsgröße ist allerdings
der vertikalen Raumbeziehung sowie das eine ausreichende Belichtung aller Wohn-
Erlebnis von Ausblick- und Austrittmöglich- funktionen auf einer Ebene problematisch,
keiten auf unterschiedlichen Geschossebe- zudem wird der Erschließungsaufwand
nen. Niveauveränderungen sind allerdings unverhältnismäßig hoch. Dagegen ermög-
auch im Geschosswohnungsbau ein licht die Funktionsverdichtung von kleinen
angemessenes Mittel der Raumgestaltung, Wohneinheiten selten eine optimierte
wobei die entstandenen Niveaus zusätzlich Anordnung der einzelnen Funktionsbereiche
durch unterschiedliche Geschosshöhen auf mehreren Geschossebenen und der
charakterisiert werden können. Das Ziel zusätzlich notwendige Flächenbedarf für
ist dabei weniger ein Angebot von wech- das Treppenelement widerspricht der ange-
selnden Niveaus, sondern vielmehr eine strebten kompakten Grundrisslösung.

127
Grundriss

Eingeschossige Wohnungen

Ein wesentlicher Aspekt für die Vermarkt- den kommunikativen Bereich einer Woh-
barkeit von eingeschossigen Wohnungen nung im Vergleich zu den individuellen und
ist, neben der Qualität der Grundrissstruktur dienenden Bereichen räumlich betont.
selbst, die Lage der Wohnung im Gebäude.
Der Standort und Gebäudekontext stellen Das Grundrissprinzip der Geschosswohnung
zudem wichtige Entscheidungskriterien dar. in Graz von Riegler Riewe [056] beruht auf
Die oberen Etagen eines Gebäudes können einem hohen Grad an Nutzungsneutralität.
in der Regel aufgrund ihrer Aussicht sowie Die ähnlich großen Raumbereiche sind nicht
einer zunehmenden Privatheit der Erschlie- spezialisiert beziehungsweise funktional
ßungsbereiche besser vermarktet werden. linear angeordnet, sondern folgen einer viel-
Im Luxussegment sind das Penthouse oder fältigen Vernetzung. Breite Schiebetüren in
die Etagenwohnung im Sinne des privaten Querrichtung sowie Falttüren in Längsrich-
Geschosses entsprechend erfolgreiche tung der Wohnung ermöglichen dabei ein
Konzepte. Eingeschossige Wohnungen flexibles Zusammenschalten der einzelnen
können selbstverständlich auch freistehend Raumschichten. Mit bodengleichen Fens­
geplant werden, gerade im Siedlungsbau tern kann zusätzlich jeder Raum, je nach
werden häufig eingeschossige Hof- und Nutzerwunsch, als Loggia der Wohnung
Pavillongebäude realisiert. Im städtischen umgewidmet werden.
Kontext findet diese Gebäudeform, unter
anderem aufgrund ihrer geringen Dichte, Das Projekt „Miss Sargfabrik“ in Wien
jedoch selten Anwendung. von BKK-3 [057] zeichnet sich durch eine
Niveauveränderung innerhalb der Geschoss-
Die Qualität der Grundrissgestaltung einge- wohnung aus. Mittels einer Rampe sowie
schossiger Wohnungen beruht neben der einer langgezogenen Treppe im zentralen
Grundrissdimension und -struktur auf der Grundrissbereich kann dieser Höhensprung
Disposition der einzelnen Wohnfunktionen vom Nutzer überwunden werden. Dadurch
und deren Orientierung. Die Kapitel Zonie- wird in der ansonsten offen konzipierten
rung und Erschließung beschreiben dazu Wohnung eine klare Zonierung möglich. Der
eine Vielzahl unterschiedlicher Varianten erhöhte Bereich kann dem Rückzug dienen,
und deren Besonderheiten. Bereits erwähnt der am Laubengang anliegende ist öffent-
wurde die Möglichkeit, durch unterschied- licher und lässt bewusst die Kommunikation
liche Geschossniveaus beziehungsweise mit dem Erschließungsraum zu.
Geschosshöhen auch eingeschossige Woh-
nungen räumlich zu differenzieren, wodurch
beispielsweise eine größere Geschosshöhe

128
Geschossigkeit

[056]
Riegler Riewe
Bahnhofstraße
Graz (AT)

Wohnfläche
66,5 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

129
Grundriss

[057]
BKK-3
Goldschlagstraße
Wien (AT)

Wohnfläche
94,2 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
1

Orientierung
II

130
Geschossigkeit

Mehrgeschossige Wohnungen

Die Anordnung der Wohnfunktionen auf Wohneinheit begründen und inwieweit diese
mehreren Geschossen erlaubt das Aus­ in der Raumstruktur ablesbar sein sollen.
bilden von Galerieebenen. Die mehrge-
schossigen Wohnbereiche bieten nicht nur Die 19 m tiefe, zweigeschossige Maison-
verschiedene Raumqualitäten innerhalb der nettewohnung in Amsterdam von Bosch
Wohnung, sondern ermöglichen vertikale Architecten [058] ist als offener Grundriss
Sicht- und Kommunikationsbeziehungen organisiert. An beiden Belichtungssei-
zwischen den Funktionen. Die überhohen ten sind Galerieebenen angeordnet, die
beziehungsweise mehrgeschossigen Be- sämtliche Wohnfunktionen der beiden
reiche können dabei sowohl an der Fassade Geschosse zu einem offenen, fließenden
angeordnet werden, was einen tieferen Raum zusammenschließen.
Lichteinfall im unteren Geschoss ermögli-
cht, oder zentral im Sinne einer Empfangs- Ohne vertikale Raumverbindungen organi-
oder Verteilerhalle. Grundsätzlich stellt die siert Joachim Wendt das dreigeschossige
zweigeschossige Verbindung von Räumen Einfamilienhaus in Darmstadt [059]. Im
die am häufigsten angewendete Lösung Erdgeschoss sind die kommunikativen
dar, da über mehr als zwei Geschosse Bereiche angeordnet; das 1. und 2. Oberge-
verbundene Bereiche im seltensten Fall schoss nehmen drei Individualräume und
eine sinnvolle Grundrissgestaltung erlauben. zugeordnete Sanitärräume auf. Zusätzlich
Zusätzlich zum Luftraum hat der Treppentyp befindet sich im 2. Obergeschoss der pri-
Einfluss auf die Verbindung zwischen den vate Außenraum in Form einer Dachterras-
Ebenen. Er sollte eindeutig den Öffent- se, der durch Art und Lage der zweiläufigen
lichkeitsgrad der zu erschließenden Ebene Treppe ohne Störung der Bewohner des
definieren und darüber die Benutzbarkeit Zwischengeschosses erreichbar ist.
dokumentieren. Mehrgeschossige Raumge-
füge müssen sich nicht zwingend nur durch In Gifu [060] schaltete Kazuyo Sejima
gestapelte Vollgeschosse auszeichnen. gleichgroße Raummodule zu einer zwei-
Zueinander versetzte Geschosse (Split- geschossigen, versetzten Wohneinheit zu-
Level) oder einzelne erhöhte Bereiche stel- sammen. Alle Raummodule sind über einen
len alternative Entwurfsansätze dar. Gerade Laubengang in jedem Geschoss unabhängig
Flächenoptimierungen führen jedoch häufig voneinander erschließbar. Im zweigeschos-
zu mehrgeschossigen Wohneinheiten ohne sigen Eingangsmodul wird auch die Funkti-
das Erlebnis der vertikalen Raumverbin- on der Küche aufnommen. Eine Brücke im
dung. Hier sollte gewichtet werden, welche Obergeschoss dieses Moduls erlaubt dabei
Einflussgrößen die Mehrgeschossigkeit der die Kommunikation zwischen den Ebenen.

131
Grundriss

[058]
Bosch Architecten
Bezaanjachtplein
Amsterdam (NL)

Wohnfläche
104,0 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
1

Orientierung
II

132
Geschossigkeit

[059]
Joachim Wendt
Rückertstraße
Darmstadt (DE)

Wohnfläche
142,5 m²

Außenraum
37,5 m²

Individualräume
3

Orientierung
IV

133
Grundriss

[060]
Kazuyo Sejima
Kitagata
Gifu (JP)

Wohnfläche
61,0 m²

Außenraum
12,5 m²

Individualräume
2

Orientierung
II

134
Zonierung

135
Horizontale Zonierung 138
[061] Theo Hotz
Buchgrindelstraße, Zürich (CH)
[062] Burkard Meyer Architekten
Martinsbergstraße, Baden (CH)
[063] Gigon/Guyer Architekten
Carmenstraße, Zürich (CH)
[064] A.D.P. Walter Ramseier
Hohlstraße, Zürich (CH)

Vertikale Zonierung 143


[065] Ken Architekten
Vorsässstraße, Ennetmoos (CH)
[066] AV1 Architekten
Betzenberg, Kaiserslautern (DE)
[067] Burkard Meyer Architekten
Mellingerstraße, Baden (CH)

136
Zonierung

Einleitung

Die Zonierung von Wohngrundrissen, das situation der gegenwärtig nachgefragten


heißt das Bilden von Funktionszonen mit offenen Grundrisstypen dem ungestörten
gleichen Eigenschaften und Anforderungen, Zugang zum Individualbereich; sie findet in
übt als Grundrissaspekt wesentlichen Ein- einer Vielzahl der Beispiele integriert aus
fluss auf die Benutzbarkeit einer Wohnung dem kommunikativen Bereich statt. Zum
aus. Zonierung entspricht zu einem großen anderen führt der Wunsch nach nutzungs-
Teil dem Ordnungsprinzip des Grundrisses, neutralen Räumen, die sowohl als privater
wobei nicht nur die Stellung der kommuni- Rückzugsraum als auch als Büro-, Hobby-
kativen Zonen zu den individuellen Räumen raum etc. genutzt werden können, dazu,
gemeint ist. Gerade die Lage der Sanitärbe- dass die Widmung als ungestörter Indivi-
reiche und des Wohnungseingangs spielen dualraum mit entsprechender Anordnung
für die Leistungsfähigkeit von Wohnungen im Grundriss weniger streng ist. Zuletzt
eine entscheidende Rolle. Es gilt also sämt- stehen der gesellschaftlichen Individualisie-
liche Funktionen des Wohngrundrisses in rungstendenz tradierte Wohnvorstellungen
einer sinnvoll nutzbaren Struktur anzuord- entgegen, die den Wunsch nach größerer
nen, dienende Bereiche von bedienten zu Unabhängigkeit der einzelnen Bewohner
unterscheiden und den räumlichen Zusam- im seltensten Fall gerecht werden. Gerade
menhang der einzelnen Bereiche entspre- bei nichtfamiliären Wohnformen wird der
chend ihrer Nutzung zu planen. private Rückzugsraum immer häufiger als
voll funktionsfähiges Miniappartment mit
Eine gelungene Grundrisszonierung zeich- eigenem Sanitärbereich und teilweise sogar
nete sich lange dadurch aus, dass Individu- mit eigenem Kochbereich konzipiert.
alräume ungestört und entkoppelt von den
kommunikativen Bereichen angeordnet wur- Besonders bei Geschosswohnungen spielt
den. Der Zugang zum Sanitärbereich sollte die Zonierung des Wohngrundrisses eine
aus den Individualräumen ohne das Durch- übergeordnete Rolle. Hier gilt es die Multi-
queren der kommunikativen Zonen möglich funktionalität der Individualräume innerhalb
sein. Im besten Fall waren Individualräume der Grundrissanordnung zu fördern und
direkt und ohne ein Queren der kommunika- gleichzeitig ungestörte Rückzugsoptionen
tiven Bereiche vom Wohnungseingang aus zu erhalten. Hierzu bieten differenzierte
zugänglich. Die gesellschaftlichen Verän- Raumangebote in einer Wohnung geeignete
derungen und die daraus resultierenden Lösungsansätze, die bei mehrgeschossigen
Wohnwünsche stehen heute in Teilen der Wohnungen alleine durch die Anordnung
geschilderten Grundrisszonierung entgegen. der einzelnen Wohnfunktionen auf mehre-
Zum einen widerspricht die Erschließungs- ren Ebenen vielfältiger ausfallen.

137
Grundriss

Horizontale Zonierung

Die Organisation der Wohnfunktionen auf Erschließungsräume natürlich belichtet und


einer Ebene erfolgt im Regelfall durch Flure können so weitere Funktionen übernehmen.
oder im offeneren Grundrisstypus durch
eingestellte Serviceboxen, die die Trennung Burkard Meyer Architekten organisieren
der Individualbereiche von den kommuni- die Geschosswohnung in Baden [062] um
kativen Zonen ermöglichen. Die horizontale den mittig angeordneten externen Erschlie-
Zonierung steht dabei in enger Abhängigkeit ßungsraum. Die Wohnung wird über ihren
zur Orientierung, das heißt zu den mög- offenen, kommunikativen Bereich erschlos-
lichen Belichtungsseiten der Wohnung. Die sen. Die Individualräume sind entlang eines
Entwicklung weg von Wohngrundrissen schmalen Flurs im Rücken des Eingangs-
mit einem differenziertem Raumangebot bereichs angeordnet, der zusätzlich seine
zu Grundrisstypen mit einem offenen kom- Privatheit über eine um zwei Stufen verrin-
munikativen Wohn- / Essbereich, der zudem gerte Raumhöhe gegenüber dem kommuni-
häufig Erschließungsraum ist, bedeutet für kativen Bereich dokumentiert.
die Zonierung der Wohnungen eine zusätz-
liche Herausforderung. Die klassische Funk- Die Wohnung im Pflegerinnenareal in
tionstrennung mittels Diele oder Flur, die die Zürich [063] von Gigon/Guyer Architekten
historische Entwicklung des Wohnungsbaus folgt einer klaren Grundrissstruktur. Die
beschreibt und dabei auf eine räumlich wirk- Wohnungstiefe wird in vier unterschiedlich
same Trennung von Tag- und Nachtnutzung tiefe Zonen geglie­dert. Jeweils an den
zielt, ist heute oftmals aufgehoben. Andere Belichtungsseiten liegen die Individual- und
Mittel müssen für eine geringstmögliche Gemeinschaftsräume. Dazwischen nimmt
Störung zwischen kommunikativem und eine eingestellte Funktionsschicht die
individuellem Bereich sorgen, um sowohl Sanitärfunktionen, die Küche sowie die Gar-
für das Wohnmodell im Familienverband derobe auf und trennt gleichzeitig die tiefe
als auch für das nichtfamiliäre Wohnen ein Raumschicht vom Erschließungsflur.
langfristiges Angebot darzustellen.
Die Lage und Dimension der Küchenzeile
Theo Hotz bildet in Zürich [061] getrennte ermöglicht in der Geschosswohnung von
Funktionsbereiche aus, die jeweils an einer A.D.P in Zürich [064], zwei versetzt ange-
Belichtungsseite angeordnet werden. Von ordnete Individualräume ungestört, ohne
einem zweiten Erschließungsbereich, der Queren des kommunikativen Bereichs, zu
vom Hauptflur abgetrennt wurde, werden erschließen. Jedem Individualraum wird zu-
drei Individualräume und zwei Sanitärbe- sätzlich ein voll ausgestatteter Sanitärraum
reiche erschlossen. Durch die Anordnung zugeordnet, der zusätzlich die Rückzugs-
der Flurbereiche am Patio werden beide möglichkeit der einzelnen Bewohner fördert.

138
Zonierung

[061]
Theo Hotz
Buchgrindelstraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
110,5 m²

Außenraum
11,5 m²

Individualräume
3

Orientierung
II, Patio

139
Grundriss

[062]
Burkard Meyer
Architekten
Martinsbergstraße
Baden (CH)

Wohnfläche
135,1 m²

Außenraum
22,4 m²

Individualräume
4

Orientierung
IV

140
Zonierung

[063]
Gigon/Guyer Architekten
Carmenstraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
173,0 m²

Außenraum
76,0 m²

Individualräume
5

Orientierung
III

141
Grundriss

[064]
A.D.P. Walter Ramseier
Hohlstraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
119,0 m²

Außenraum
14,7 m²

Individualräume
3

Orientierung
III

142
Zonierung

Vertikale Zonierung

Bei mehrgeschossigen Wohnungen können Das zweigeschossige Einfamilienhaus in


die Funktionsbereiche auf verschiedene ­Ennetmoos [065] von Ken Architekten
Geschosse verteilt werden. Die vertikale basiert auf einem kommunikativen Er-
Verteilung der Bereiche kann dabei auf un- schließungsgeschoss und einem darüber-
terschiedlichen Lösungsansätzen basieren. liegenden Individualraumgeschoss. Eine
Zum einen können alle kommunikativen eingestellte Box nimmt im Erdgeschoss die
Funktionen auf einem Geschoss gebündelt einläufige Treppe, das Gäste-WC sowie Ab-
und die Individualräume auf einem weiteren stell- und Küchenfunktionen auf. Gleichzeitig
Geschoss angeordnet werden. Die Erleb- zoniert die Servicebox den quadratischen
barkeit des mehrgeschossigen Wohnens Grundriss in Koch- und Ess- beziehungswei-
geht bei dieser geschossweisen Zonierung se Wohnbereich. Zwei Galeriesituationen
allerdings häufig verloren. Eine andere Mög- im Obergeschoss verbinden die Geschosse
lichkeit lässt vertikale Raumverbindungen zu visuell und akustisch.
und erfordert dann jeweils zusätzlich eine
horizontale Zonierung der Geschossebenen. Eine quer gestellte Treppe teilt das dreige-
Auch die Lage der einzelnen Funktionen im schossige Reihenhaus am Betzenberg [066]
mehrgeschossigen Wohnungsbaustein gilt in zwei Grundrisszonen. Dabei wird eine
es zu prüfen. Eine klassische Anordnung, Raumschicht, in der sämtliche Individualräu-
bei der eine Wohnung über den kommuni- me, Eingangsbereich, Küche und Sanitär-
kativen Bereich erschlossen wird und in den bereich liegen, nach Norden ausgerichtet.
darüberliegenden Geschossen die Individu- Nach Süden sind alle drei Geschosse
alräume angeordnet werden, hat zumindest kommunikativ und offen geplant; zwischen
bei einer Dachnutzung den Nachteil, dass Erdgeschoss und 1. Obergeschoss sind sie
die private Außenraumfläche auf dem Dach zudem über eine Galerie verbunden.
nicht aus dem kommunikativen Bereich
erschlossen wird. Im umgekehrten Fall wird Die zweigeschossige Wohnung in Baden
über das Individualraumgeschoss die kom- [067] wird über ein kleines Entree erschlos-
munikative Ebene erschlossen. Hier muss sen, von dem aus eine einläufige Treppe
im Entwurf besonderes Augenmerk auf der direkt in das Obergeschoss führt. Dieses
Anordnung der Treppe liegen, um ein dauer- nimmt die Wohn-, Koch- und Essfunktionen
haftes Stören der Bewohner zu vermeiden. auf. Im unteren Geschoss sind die beiden
Ob die Treppe als eindeutige Grenze oder Individualräume durch zwei vorgeschaltete
als offenes, geschossverbindendes Element Sanitärbereiche vom Eingangs- und Erschlie-
wahrgenommen wird, liegt an deren Lage ßungsbereich entkoppelt und bieten eine
und dem verwendeten Treppentyp. ungestörte Rückszugsmöglichkeit.

143
Grundriss

[065]
Ken Architekten
Vorsässstraße
Ennetmoos (CH)

Wohnfläche
175,5 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
IV

144
Zonierung

[066]
AV1 Architekten
Betzenberg
Kaiserslautern (DE)

Wohnfläche
200,0 m²

Außenraum
34,3 m²

Individualräume
1

Orientierung
II

145
Grundriss

[067]
Burkard Meyer
Architekten
Mellingerstraße
Baden (CH)

Wohnfläche
140,1 m²

Außenraum
25,6 m²

Individualräume
2

Orientierung
II

146
Wohnfunktionen

147
Individuelle Bereiche 150
[068] Peter Zumthor
Cadonaustraße, Chur (CH)
[069] Walter Stamm-Teske,
AFF Architekten
Albrecht-Dürer-Straße, Weimar (DE)
[070] Fink + Jocher
Enzianstraße, Garching (DE)
[071] Shigeru Ban
Saitama, Kawagoe (JP)

Kommunikative Bereiche 155


[072] Adolf Krischanitz
Oskar-Simony-Straße, Wien (AT)
[073] Le Corbusier
Boulevard Michelet, Marseille (FR)
[074] Shigeru Ban
Izu, Shizuoka (JP)

Dienende Bereiche 159


[075] blauraum Architekten
Bogenallee, Hamburg (DE)
[076] Atelier 5
Brüggbühlstraße, Niederwangen (CH)
[077] Engelen Moore
Barcom Avenue, Sydney (AU)

Zusätzliche Bereiche 163


[078] Rapp + Rapp
Centrum Ypenburg, Den Haag (NL)
[079] Max Dudler
Kirchgasse, Zürich (CH)
[080] 03 München
Nackstraße, Mainz (DE)

148
Wohnfunktionen

Einleitung

Mit dem Begriff Wohnfunktionen sind letzt- Die einzelnen funktionalen Wohnungsan-
endlich die einzelnen Tätigkeiten gemeint, forderungen sind dabei letztendlich immer
die innerhalb einer Wohnung verrichtet gleich, nur die unterschiedliche Gewichtung
werden, zum Beispiel Essen, Schlafen, Spie- und Interpretation bildet das Spektrum für
len, Arbeiten, Kommunizieren, Reinigen. den individuellen Entwurf. Die einzelnen
Im Allgemeinen werden diese einzelnen Funktionen stehen nicht unvermittelt neben-
Tätigkeiten unmittelbar mit einem speziell einander, sondern bilden logische Konfigu-
dafür gewidmeten Raum gleichgesetzt, rationseinheiten. Im Wesentlichen lassen
wie zum Beispiel Küche, Schlafzimmer, sich die Funktionen in kommunikative,
Arbeitszimmer und so weiter. Über die Ent- individuelle und dienende Funktionsbereiche
wicklungsgeschichte des Wohnungsbaus gliedern. Eine Ausnahme bildet die Erschlie-
haben sich dabei Konventionen entwickelt, ßung, die gewissermaßen als Rückgrat die
die diese Räume hinsichtlich Größe, Mö- einzelnen Funktionen miteinander verknüpft
blierung, Mindestabständen, Orientierung und deswegen gesondert betrachtet wer-
und vielem mehr in vordefinierten Konfigu- den muss. Eine weitere besondere Position
rationen fixieren. Dies mag aus der Sicht in diesem Zusammenhang nimmt der pri-
des am Minimum orientierten Wohnungs- vate Außenraum ein, der eine Teilmenge der
baus der Nachkriegszeit noch notwendig einzelnen Funktionen im Freien abbildet und
erscheinen, jedoch ermöglicht die Wandlung aufgrund seiner besonderen Bedeutung für
des Wohnens zum Konsumprodukt die den Wohnungsbau auch in einem eigenen
unvoreingenommene Auseinandersetzung Kapitel erörtert wird.
mit den Funktionsanforderungen und damit
ein enormes Entwurfspotenzial. Über die elementaren Wohnfunktionen
hinaus gibt es eine Reihe von zusätzlichen
Selbst der Begriff des „Raumprogramms“ Funktionen, die in den Wohngrundriss inte-
impliziert die Verknüpfung der einzelnen griert werden und häufig den individuellen
Funktionen mit dem spezialisierten Raum, Charakter der Wohnung herausbilden. Im
so dass der Begriff zunehmend komplexer Zuge der veränderten Arbeitswelt finden
verstanden wird und nur noch reduziert als zum Beispiel entsprechende Funktionsbe-
„Programm“ sämtliche Anforderungen an reiche bei der Grundrisskonzeption verstärkt
die Wohnung repräsentiert. Aufgrund dieser Berücksichtigung und besondere Hobbys
begrifflichen Vorbelastung erscheint es werden nicht mehr nur im Kellergeschoss
sinnvoll, im Entwurfsprozess von einzel- versteckt, sondern als wesentliche Wohn-
nen Funktionsbereichen statt Räumen zu funktion und Gestaltungselement entdeckt.
sprechen.

149
Grundriss

Individuelle Bereiche

Der Individualbereich wird selten so Bei kleineren Wohnungen wird die Privat-
genannt; meistens findet man ihn unter sphäre des Individualbereichs häufig nur
der Bezeichnung Elternschlafzimmer oder durch ein Möbel in Form eines Regals oder
Kinderzimmer. Automatisch stellen sich Schranks hergestellt wie zum Beispiel beim
damit die konventionellen Bilder und die da- „Wohnhaus für Betagte“ [068] von Peter
mit verbundenen Raumkonfigurationen ein. Zumthor.
Diese, aus dem traditionellen Familienbild
stammenden Raumkonfigurationen, prägen Beim Projekt „Vier Gleichen“ [069] von
bis heute die allermeisten Wohngrundrisse. Walter Stamm-Teske und AFF Architekten
Längst haben sich jedoch die Lebensformen sind die Individualbereiche innerhalb des
pluralisiert und auch innerhalb von Familien­ Einfamilienhauses ähnlich eines Schlafwa-
strukturen ist die gewohnte Raumkonfigu­ genabteils zugunsten der kommunikativen
ration kritisch zu hinterfragen. Gerade Flächen optimiert. Jeder Bewohner des
in der Auseinandersetzung mit einem Hauses erhält eine gleichwertige Rückzugs-
spezifischen Nutzer besteht das Risiko, eine möglichkeit. Arbeits- und Spielflächen sind
Momentaufnahme seiner Lebenssituation in den gemeinschaftlichen, kommunikativen
als Grundrisskonfiguration zu fixieren. Eine Bereich ausgelagert.
nachhaltige Betrachtung ermöglicht ganz an-
dere Entwurfsansätze. Allgemein kann man Beim Studentenwohnheim [070] von
behaupten, dass der Anspruch an einen Fink + Jocher gruppieren sich vier gleich-
spezifisch ausgeprägten Individualbereich wertige und relativ große Individualräume
mit zunehmendem Alter steigt. Gleiches um die mittlere kommunikative Zone. Über
gilt für den Grad der persönlichen Bindung einen eigenen Sanitärbereich ist jeder
der Bewohner untereinander. Je geringer Bewohner relativ autark.
die Bindung, desto größer fällt im Allgemei-
nen der private Rückzugsbereich aus. Das Beim „Naked House“ [071] thematisiert
Spektrum der konkreten Umsetzung reicht Shigeru Ban die Individualräume in beson-
von der offenen Integration in den Grundriss derer Weise, indem diese als bewegliche
bis zum fast unabhängigen Appartement Raumzellen frei in den kommunikativen
(zum Beispiel Einliegerwohnung) innerhalb Raum gestellt werden.
der Wohnung. Die räumliche Zuordnung der
Individualräume zu den Sanitärräumen ist
ein wesentliches Merkmal um die Privatheit
innerhalb der Wohnung zu gewährleisten.

150
Wohnfunktionen

[068]
Peter Zumthor
Cadonaustraße
Chur (CH)

Wohnfläche
47,0 m²

Außenraum
7,0 m²

Individualräume
1

Orientierung
II

151
Grundriss

[069]
Walter Stamm-Teske,
AFF Architekten
Albrecht-Dürer-Straße
Weimar (DE)

Wohnfläche
147,0 m²

Außenraum
109,0 m²

Individualräume
5

Orientierung
IV

152
Wohnfunktionen

[070]
Fink + Jocher
Enzianstraße
Garching (DE)

Wohnfläche
87,4 m²

Außenraum
32,2 m²

Individualräume
4

Orientierung
IIl

153
Grundriss

[071]
Shigeru Ban
Saitama
Kawagoe (JP)

Wohnfläche
107,5 m²

Außenraum
34,2 m²

Individualräume
3

Orientierung
IV

154
Wohnfunktionen

Kommunikative Bereiche

Im Allgemeinen wird das „Wohnen“ oder Im Rahmen von Musterbauten für die
das Wohnzimmer mit einer kommunikativen Betonindustrie entstand der Wohnbau [072]
Funktion in Verbindung gebracht. Reflektiert von Adolf Krischanitz. Es ist ein Beispiel für
man die Einrichtungsstandards, so stellt die explizite Thematisierung der kommunika-
man fest, dass das „Wohnen“ in Form einer tiven Wohnfunktionen. Um einen zentralen
Sitzgruppe und häufig einer Art Schrank- Wohnraum gruppieren sich alle weiteren
wand mit den obligatorischen Medien (TV, Wohnfunktionen.
Hi-Fi-System) seine Entsprechung findet. In
diesem Zusammenhang findet man auch Bei der „Unité d’habitation“ in Marseille
oft die Funktion des Essens in Form einer [073] inszeniert Le Corbusier den kom-
größeren Tischgruppe. Die Integration der munikativen Wohnbereich als überhohen
Funktion des „Kochens“ in diesen Bereich Raum über zwei Geschosse. Die privaten
wird relativ unterschiedlich gehandhabt, das Wohnbereiche befinden sich im darüberlie-
Spektrum reicht von der völligen Trennung genden Geschoss. Einer der Individualräu-
bis zur zentralen Thematisierung. Die me ist über eine Galerie mit dem Wohnraum
Erschließung wird ebenfalls häufig zur räum- verbunden.
lichen Erweiterung des Kommunikationsbe-
reichs mit einbezogen. Der kommunikative Das „Picture Window House“ von Shigeru
Bereich bildet gleichzeitig den öffentlicheren Ban [074] bündelt sämtliche kommunika-
Teil der Wohnung; hier empfängt man tiven Funktionen zu einem großzügigen,
Gäste; hier repräsentiert sich die Wohnung. offenen Raum. Diese Wirkung wird insbe-
Erneut bemerkt man den unterbewussten sondere durch die spezielle Tragkonstruktion
Einfluss der Wohntraditionen, selten werden ermöglicht.
die Raum- und Möblierungskonfigurationen
hinterfragt. Einige innovativere Ansätze
setzen sich mit der Thematik der neuen
Esskultur auseinander und stellen die Ess-
und Kochsituationen stärker in den Mittel-
punkt des Geschehens. Andere Beispiele
fokussieren die medialen Komponenten
und richten dahingehend die Möblierung
aus. Die Gestaltung der kommunikativen
Bereiche ist häufig die zentrale Motivation
der Entwurfsarbeit und charakterbildend für
die Wohnung.

155
Grundriss

[072]
Adolf Krischanitz
Oskar-Simony-Straße
Wien (AT)

Wohnfläche
97,0 m²

Außenraum
8,1 m²

Individualräume
4

Orientierung
Ill

156
Wohnfunktionen

[073]
Le Corbusier
Boulevard Michelet
Marseille (FR)

Wohnfläche
95,7 m²

Außenraum
13,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

157
Grundriss

[074]
Shigeru Ban
Izu
Shizuoka (JP)

Wohnfläche
276,2 m²

Außenraum
51,7 m²

Individualräume
4

Orientierung
Il

158
Wohnfunktionen

Dienende Bereiche

Zu den dienenden Bereichen einer Beim Hamburger Projekt [075] von


Wohnung zählen im Wesentlichen die blauraum Architekten wurde aus einem be-
Sanitärräume und Abstellbereiche, also das stehenden Bürogebäude ein Wohnungsbau
Reinigen und Lagern. Das Kochen wird, entwickelt. Es ist ein gutes Beispiel für eine
wie im vorangegangenen Kapitel bereits typische Konfiguration aus vollwertigem
erwähnt, verstärkt dem kommunikativen Bad mit Dusche und Wanne sowie einem
Bereich zugeordnet. Der Umgang mit dem zusätzlichen WC, zum Beispiel für Gäste.
Sanitärbereich hat sich in der historischen
Entwicklung des Wohnungsbaus wesent- Bei Wohnungen, die sich über mehrere Ebe-
lich verändert. Ehemals als Abort häufig nen erstrecken, besteht häufig der Wunsch,
außerhalb der Wohnung platziert, wandelt auf jeder Ebene einen Sanitärbereich vorzu-
sich dieser Bereich unter dem Einfluss finden, wie zum Beispiel beim Projekt [076]
eines zunehmenden Körperbewusstseins von Atelier 5. Damit wird eine unabhängige
zu einer wichtigen Funktion. Das Spektrum Nutzung der Etagen bis hin zur Nutzung als
reicht von der kompakten Nasszelle bis Einliegerwohnung ermöglicht.
zum goßzügigen Wellnessbereich. Eine viel
diskutierte Frage ist die notwendige Anzahl Bei der Wohnanlage in Sydney [077] von
voneinander unabhängiger Sanitärbereiche. Engelen und Moore wird die Abstell-Proble-
So besteht die Frage, ab welcher Nutze- matik thematisiert, indem über die gesamte
ranzahl ein weiteres WC, Dusche et cetera Wohnungstrennwand eine leistungsfähige
sinnvoll wird. Die Bereiche für das Abstellen Schrankschicht konzipiert wurde, die sogar
und Lagern innerhalb einer Wohnung kom- eine Küchenzeile mit einschließt.
men häufig zu kurz. Gerade in Mehrfamili-
enhäusern fehlt oftmals ein ausreichender
Stauraum im Keller, so dass Kinderwagen,
Fahrräder und Getränkekisten nur schwer
untergebracht werden können. Das Lagern
von Nahrungsmitteln ist angesichts einer
allgegenwärtigen Verfügbarkeit sämtlicher
Waren ein Relikt aus vergangenen Tagen. In
vielen Ländern, wie zum Beispiel den USA,
ist ein begehbarer Kleiderschrank längst
Standard und gewinnt auch in Europa beim
Grundrissentwurf an Bedeutung.

159
Grundriss

[075]
blauraum Architekten
Bogenallee
Hamburg (DE)

Wohnfläche
105,7 m²

Außenraum
10,6 m²

Individualräume
3

Orientierung
Il

160
Wohnfunktionen

[076]
Atelier 5
Brüggbühlstraße
Niederwangen (CH)

Wohnfläche
121,6 m²

Außenraum
25,1 m²

Individualräume
4

Orientierung
Il

161
Grundriss

[077]
Engelen Moore
Barcom Avenue
Sydney (AU)

Wohnfläche
107,2 m²

Außenraum
8,3 m²

Individualräume
2

Orientierung
Il

162
Wohnfunktionen

Zusätzliche Bereiche

Neben den klassischen Wohnfunktionen verstärkt flexible Konzepte entwickelt, bei


gibt es verschiedene zusätzliche Funk- denen zusätzliche Räume losgelöst von
tionen, die in den Wohngrundriss mit der Wohnung, aber im gleichen Gebäude,
eingebunden werden können. Durch die temporär genutzt werden können.
veränderte Arbeitswelt und eine vollstän-
dige Vernetzung ist beispielsweise ein Beim Wohngrundriss von Rapp + Rapp
Heimarbeitsplatz eine häufige Option. [078] wurde der Wohnung ein vollständiger
Ähnliches gilt auch für den Freizeitbereich. Einliegerbereich zugeordnet. Zahlreiche
Hobbys, ehemals in Kellerräumen provi- zusätzliche Nutzungen vom unabhängigen
sorisch betrieben, werden immer profes- Büro über die Unterbringung einer naheste-
sioneller ausgelebt und entwickeln sich henden und gegebenenfalls pflegebedürf-
teilweise bis zur gewerblichen Nutzung. tigen Person bis hin zu einer professionellen
Diese zusätzlichen Funktionen können von Pflegekraft sind vorstellbar.
so zentraler Rolle für den Entwurf sein,
dass sie beispielsweise wie bei einem Beim Projekt von Max Dudler [079] wurde
Atelierhaus den gesamten Wohnungs- aus der Reihe der Individualräume ein
entwurf prägen und die grundlegenden weiterer Raum entwickelt, der vollständig
Wohnfunktionen in den Hintergrund treten dem Eingangsbereich zugeordnet ist. Hier
lassen. Häufiger wird jedoch ein zusätz- wäre beispielsweise eine Büronutzung mit
licher, multifunktionaler Raum gewünscht, gelegentlichem Kundenverkehr vorstellbar.
der vielfältige Funktionen vom Gästezimmer Die Privatheit der übrigen Wohnung bleibt
bis zum Arbeitsraum erfüllen kann. Gerade gewährleistet.
bei möglichem Kundenverkehr ist dabei die
separate oder zumindest von der übrigen Beim Maisonette-Grundriss des Büros
Wohnung weitestgehend ungestörte 03 München [080] steht die zusätzliche
Erschließung eine wesentliche Anforderung. Wohnfunktion immer noch im Zusammen-
Auch das Thema der Nutzungsneutralität hang mit der übrigen Wohnung, wird jedoch
spielt hier eine Rolle, da die Anforderungen vollständig getrennt erschlossen, so dass
an die räumlichen Dimensionen eines Ar- aufgrund der Lage im Erdgeschoss Kunden-
beitsraums im Allgemeinen vergleichbar mit verkehr gut möglich ist.
denen eines Individualraums sind und daher
einer gleichwertigen Ausprägung wenig im
Wege steht. Da die unmittelbare Verbindung
von Arbeitswelt und privater Welt häufig
als problematisch eingestuft wird, werden

163
Grundriss

[078]
Rapp + Rapp
Centrum Ypenburg
Den Haag (NL)

Wohnfläche
102,0 m²

Außenraum
0,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
Ill

164
Wohnfunktionen

[079]
Max Dudler
Kirchgasse
Zürich (CH)

Wohnfläche
96,5 m²

Außenraum
9,2 m²

Individualräume
3

Orientierung
IIl

165
Grundriss

[080]
03 München
Nackstraße
Mainz (DE)

Wohnfläche
82,2 m²

Außenraum
31,6 m²

Individualräume
2

Orientierung
I

166
Erschließung

167
Horizontale Erschließung 170
[081] Michael Alder
Friedhofweg, Riehen (CH)
[082] Kollhoff & Timmermann Architekten
Malchower Weg, Berlin (DE)
[083] Alvar Aalto
Klopstockstraße, Berlin (DE)
[084] Christian Kerez
Forsterstraße, Zürich (CH)

Vertikale Erschließung 175


[085] Zimmermann Leber Feilberg
Architekten
Herta-Mansbacher-Straße,
Darmstadt (DE)
[086] Straub Beutin Architekten
Kreutzerweg, Berlin (DE)
[087] dmsw
Albertinenstraße, Berlin (DE)
[088] Rijnvos Voorwinde Architecten
Voltstraat, Tilburg (NL)
[089] Scheuring und Partner
Lohrbergstraße, Köln (DE)

168
Erschließung

Einleitung

Mit Erschließung wird die interne Ver- Die Erschließungsthematik beinhaltet auch
knüpfung der einzelnen Funktionsbereiche die Eingangssituation der Wohnung. An
einer Wohnung bezeichnet. Grundsätzlich dieser Schnittstelle zwischen Öffentlich-
wird zwischen der horizontalen und der keit und Privatheit „der Adresse“ ist es
vertikalen Erschließung unterschieden. wesentlich, über die repräsentativen und
Das Erschließungssystem bildet gewis- funktionalen Anforderungen nachzudenken.
sermaßen das Skelett oder Gefäßsystem Funktional findet hier im Wesentlichen ein
des Wohngrundrisses. Die Wahl der Wechsel von Kleidung und das Abstellen
Erschließungstypologie und auch deren verschiedenster Utensilien bis hin zum
Änderung im Entwurfsprozess haben Kinderwagen oder Fahrrad statt. Gerade
gravierende Auswirkungen auf die gesamte im städtischen Kontext ist die sorgfältige
Grundrisskonzeption. Bei keiner anderen Gestaltung dieser Pufferzone von besonde-
Grundrisskomponente wird das eingangs rer Bedeutung.
erwähnte Bild des Grundrisses als oszillie-
rendes Gefäß deutlicher. Bei der Konzeption Die räumliche Ausprägung der Erschließung
der Erschließung können unterschiedlichste öffnet ein Spektrum unterschiedlicher
Strategien verfolgt werden. Erschließungs- Gestaltungsansätze, beginnend bei der
räume können automatisch in bestimmte optimierten monofunktionalen Widmung
Richtungen weisen oder diese versperren. über die Erweiterung zu selbstständigen
Erschließungssysteme können unterschied- Aufenthaltsbereichen bis hin zur grundriss­
lich präsent sein und damit zum Beispiel die prägenden Inszenierung wie man dies zum
privateren und öffentlicheren Wohnbereiche Beispiel bei den Enfiladen gründerzeitlicher
kennzeichnen. Die Klarheit einer Grund- Grundrisse erleben kann.
rissgliederung kann betont oder bewusst
komplex angelegt werden.

Im Allgemeinen definieren Erschließungs-


systeme innerhalb einer Wohnung einen
Anfangs- und einen Endpunkt. Dies ist für
die Funktionsverteilung von besonderer Be-
deutung. Ebenso besteht jedoch die Option
der mehrfachen Erschließung, wodurch die
Bewegungsabläufe innerhalb des Grund-
risses vervielfacht werden.

169
Grundriss

Horizontale Erschließung

Die horizontale Erschließung ist fester Entlang des gut belichteten Flurs reihen
Bestandteil jeder Wohnung, kann jedoch sich die Individualräume und münden in den
in unterschiedlicher Form ausgeprägt sein. großzügigen kommunikativen Bereich, der
Je höher die Anzahl der zu erschließenden durch einen ebenso großzügigen Balkon
Funktionsbereiche oder Räume, desto ergänzt wird.
ausgeprägter die Erschließungsthematik.
Die Erschließung definiert die Wegeführung Bei den Stadtvillen von Kollhoff & Timmer-
durch die Wohnung. Bei Wohnungen mit mann [082] im Malchower Weg in Berlin
geringer Nutzeranzahl kann eine punktuelle wurde das klassische Thema der Diele als
beziehungsweise in die kommunikativen Erschließungsform wieder aufgegriffen.
Wohnfunktionen integrierte Erschließung Eine ungestörte Zuwegung der kommuni-
sinnvoll und ökonomisch sein. Bei Woh- kativen und individuellen Wohnbereiche ist
nungen mit mehreren Bewohnern und gewährleistet. Die Diele bietet gleichzeitig
damit unterschiedlichen Bedürfnissen gilt ausreichend Abstellmöglichkeiten.
es darauf zu achten, dass die Erschließung
der privateren Wohnbereiche (Individualräu- Bei Alvar Aaltos Projekt für die IBA ‘57 in
me) auch möglich ist, ohne die kommuni- Berlin [083] wird die Erschließung zum
kativen Wohnbereiche zu durchqueren. In eigentlichen Thema der Wohnung. Der
der historischen Entwicklung ist vor allen kommunikative Zentralraum dient gleichzei-
Dingen die Diele als Erschließungselement tig als Verteiler. Untergeordnete Nebenflure
im Wohnungsbau wiederzufinden. Diese ermöglichen eine unabhängige Erschließung
Widmung eines eigenständigen und wich- der Individualbereiche.
tigen Raumes weist auf die repräsentative
Bedeutung hin. Im Zuge des Massenwoh- Beim Wohnhaus in der Forsterstraße in
nungsbaus der Nachkriegszeit, der unter Zürich [084] von Christian Kerez wird das
enormem wirtschaftlichem Druck stattfand, Thema der Erschließung in besonderer
ist dieser repräsentative Charakter in den Weise inszeniert. Ähnlich wie bei vielen
Hintergrund getreten. Statt dessen wurde Entwürfen von Mies van der Rohe wird der
die Erschließung häufig auf einen knapp offene Grundriss lediglich durch Wand-
dimensionierten Flur reduziert. scheiben gegliedert. Die Erschließung der
einzelnen Wohnbereiche erfolgt unmittelbar
Bei der Wohnsiedlung in Riehen realisierte über die anderen Wohnfunktionen. Ein Prin-
Michael Alder unter anderem langge- zip, das aufgrund der dadurch entstehenden
streckte Geschosswohnungen [081], die Störungen jedoch nur für eine geringe
den klassischen Flurtyp repräsentieren. Nutzeranzahl sinnvoll erscheint.

170
Erschließung

[081]
Michael Alder
Friedhofweg
Riehen (CH)

Wohnfläche
112,5 m²

Außenraum
18,7 m²

Individualräume
3

Orientierung
IIl

171
Grundriss

[082]
Kollhoff & Timmermann
Architekten
Malchower Weg
Berlin (DE)

Wohnfläche
67,6 m²

Außenraum
6,6 m²

Individualräume
1

Orientierung
Ill

172
Erschließung

[083]
Alvar Aalto
Klopstockstraße
Berlin (DE)

Wohnfläche
83,8 m²

Außenraum
10,0 m²

Individualräume
3

Orientierung
Il

173
Grundriss

[084]
Christian Kerez
Forsterstraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
186,0 m²

Außenraum
113,9 m²

Individualräume
3

Orientierung
IV

174
Erschließung

Vertikale Erschließung

Die vertikale Erschließung dient der Ver- dener Treppentypologien in einem Grundriss
bindung mehrerer Wohnebenen und kann führt häufig zu einem enormen Flächen-
verschieden ausgeprägt sein. Im Allgemei- verbrauch und ist nur unter bewusster
nen werden die einzelnen Ebenen über Verwendung sinnvoll. Die Erschließung über
eine Treppe miteinander verbunden. Zwei wohnungsinterne Aufzüge ist relativ selten
grundsätzliche Dispositionen der Treppe im zu finden, wird jedoch im Zusammenhang
Grundriss sind möglich. Am häufigsten ist mit der Renaissance der städtischen Rei-
eine zentrale Lage im geringer belichteten henhäuser und damit der Vielgeschossigkeit
Teil der Wohnung; seltener ist die Positionie- von Wohnungen wieder diskutiert.
rung an den Außenwänden. Eine Ausnahme
bilden nord -süd-orientierte Grundrisse, Beim Reihenhausprojekt in Darmstadt [085]
bei denen die Nordseite häufig relativ wird das dreigeschossige Gebäude durch
geschlossen ausgeführt wird. Neben der eine quergestellte Treppe erschlossen. Die
Lage im Grundriss entscheidet vor allem die Gebäudebreite ergibt sich aus der Lauflän-
Geometrie der Treppe über ihre Bedeutung ge, dem Antritt und dem Austritt.
im Grundriss. Neben verschiedenen freien
Formen kann man grundsätzlich zwischen Die zweiläufige Treppe eignet sich dahinge-
einläufigen, zweiläufigen und dreiläufigen gen für kompakte und schmale Grundrisse
Treppen differenzieren. Unabhängig von der in besonderer Weise wie beim Projekt [086].
Geometrie kann die Treppe in die Wohnfunk-
tionen integriert sein oder als davon unab- Die dreiläufige Treppe bei den Doppel-
hängiges Element gestaltet werden. Gestal- wohnhäusern von dmsw [087] spannt die
terisch bieten sich zwei Strategien an: Die Mittelzone zur Diele auf und wird durch ein
erste versucht die Treppe als Bestandteil der Oberlicht zusätzlich in Szene gesetzt.
Gebäudestruktur zu betrachten, die zweite
erklärt die Treppe zum eigenständigen, Eine effiziente Erschließung kann über eine
möbelartig in den Grundriss eingestellten Kaskadentreppe ereicht werden, wie zum
Objekt. Bei der Staffelung der Wohnung in Beispiel beim Projekt [088] von Rijnvos
Form zueinander versetzter Ebenen (Split- Voorwinde Architecten.
Level) wird die Integration der Treppe im
Raum besonders deutlich. Eine Ausnahme Bei einer Split-Level-Erschließung wer-
bildet die Erschließung über Rampen, die den die Wohngeschosse räumlich stärker
entweder zur Inszenierung des Themas oder miteinander verbunden. Die Treppe wird
aus Gründen der Barrierefreiheit Berücksich- wie beim Projekt [089] zum räumlichen
tigung findet. Die Kombination verschie- Bestandteil.

175
Grundriss

[085]
Zimmermann Leber
Feilberg Architekten
Herta-Mansbacher-Straße
Darmstadt (DE)

Wohnfläche
122,0 m²

Außenraum
29,5 m²

Individualräume
4

Orientierung
Il

176
Erschließung

[086]
Straub Beutin Architekten
Kreutzerweg
Berlin (DE)

Wohnfläche
124,1 m²

Außenraum
8,81 m²

Individualräume
4

Orientierung
IIl

177
Grundriss

[087]
dmsw Architekten
Albertinenstraße
Berlin (DE)

Wohnfläche
154,9 m²

Außenraum
53,1 m²

Individualräume
5

Orientierung
Ill

178
Erschließung

[088]
Rijnvos Voorwinde
Architecten
Voltstraat
Tilburg (NL)

Wohnfläche
85,4 m²

Außenraum
5,8 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

179
Grundriss

[089]
Scheuring und Partner
Lohrbergstraße
Köln (DE)

Wohnfläche
220,0 m²

Außenraum
67,0 m²

Individualräume
4

Orientierung
Il

180
Privater Außenraum

181
Extrovertierter Außenraum 184
[090] Baumschlager Eberle
Kapellenweg, Feldkirch (AT)
[091] Popp Planungen
Choriner Straße, Berlin (DE)
[092] Hauenstein, La Roche, Schedler
Architekten
Kanzleistraße, Zürich (CH)
[093] Martin Spühler mit David Munz und
Bruno Senn
Sihlamtstraße, Zürich (CH)

Introvertierter Außenraum 189


[094] Roland Rainer
Mittelpromenade, Puchenau (AT)
[095] Josep Lluis Mateo
Borneokade, Amsterdam (NL)
[096] Tadao Ando
Osaka Bay Street, Osaka (JP)

182
Privater Außenraum

Einleitung

Die Entwicklung des Wohnungsbaus ist eng reichend Außenraum zu befriedigen. Durch
verknüpft mit der Frage nach dem notwen- die vielerorts extrem schlechte städtebau-
digen Maß des umgebenden Außenraums. liche Planung dieser Gebiete wurde jedoch
Dabei geht es zum einen um die großmaß- selten die notwendige Privatheit erreicht,
stäbliche, städtebauliche Dimension und so dass gekoppelt mit anderen positiven
zum anderen um den privaten Außenraum Faktoren die urbanen Standorte derzeit eine
als unmittelbaren Bestandteil der Woh- Renaissance erfahren. Dies ist jedoch nur
nung. Historisch betrachtet entwickelte möglich, wenn sowohl im Bestand als auch
sich die Thematik aus einer städtebaulichen im Neubau ein qualitätsvolles Angebot an
Grundsatzdiskussion über das richtige privatem Außenraum zur Verfügung gestellt
Verhältnis von Landschaft zur Stadt. So wird. Damit entwickelt sich die eigentlich
plädierte beispielsweise Frank Lloyd Wright zusätzliche Funktion zu einer der zentralen
in seinem Buch „Broadacre City“ für eine Fragen des Wohnungsbaus. So wird auch
offene Besiedelung der USA, bei der jedem im Entwurf der private Außenraum zu
Wohngebäude eine Fläche von einem einem der zentralen Entwurfsgeneratoren,
„acre“ (ca. 4000 m²) zur Selbstversorgung zumal er einen wesentlichen Einfluss auf
zur Verfügung stehen sollte. Die gegentei- die plastische Erscheinung des Gesamtge-
lige Situation im Berlin der Gründerzeit mit bäudes hat. Aus der Feststellung, dass auch
Wohnblockstrukturen in extremer Dichte bei der Sanierung des Gebäudebestands die
führte zu Reformansätzen, die in der Garten- Ergänzung beziehungsweise Erweiterung
stadtbewegung oder den städtebaulichen des privaten Außenraums eine wesentliche
Visionen Le Corbusiers mit punktuellen Ver- Aufgabenstellung ist, um eine weitere Ver-
dichtungen innerhalb großzügiger Parkanla- mietbarkeit zu gewährleisten, lässt sich die
gen ihren Ausdruck fanden. Während bei der These aufstellen, dass ein Wohnungsbau-
Gartenstadt noch die Nutzung des Gartens entwurf ohne die Berücksichtigung dieser
zur Selbstversorgung im Vordergrund stand, Thematik durchaus als unbrauchbar einge-
hat sich der private Außenraum heute zu stuft werden muss. Diese Aussage gilt auch
einer reinen zusätzlichen Wohnfunktion für Außenräume, bei denen eine vernünftige
entwickelt. Die Vernachlässigung der Stadt Möblierbarkeit nicht gewährleistet ist. Eine
als Wohnstandort in den letzten Jahrzehnten grundsätzliche Kategorisierung soll über
steht in engem Zusammenhang mit dem den Nutzungscharakter in extrovertierte und
Angebot an qualitätsvollem privaten Au- introvertierte Außenräume erfolgen. Wie
ßenraum. So schienen für viele zunächst häufig gibt es dabei eine Schnittmenge, die
nur die suburbanen Agglomerationen von Aspekte von beiden Kategorien beinhaltet.
Einfamilienhäusern den Bedarf nach aus-

183
Grundriss

Extrovertierter Außenraum

In unseren Breiten wird der private Außen- Bei dem Projekt im Kapellenweg von Baum-
raum in den häufigsten Fällen extrover- schlager Eberle [090] wurde der private
tiert angeordnet. Dies entsteht aus dem Außenraum als Loggia an der Gebäudeecke
unmittelbaren Bedarf nach einer optimalen platziert. Das Fassadenthema wird zugun-
Besonnung. Grundsätzlich stehen drei Typen sten eines einheitlichen Erscheinungsbilds
von privaten Außenräumen zur Verfügung. weitergeführt. Die Dimension der Loggia
Der aus dem Einfamilienhaus abgeleitete entwickelt sich klar aus der Grundrissstruk-
unmittelbare Bezug zum Garten und seine tur.
meist als Terrasse ausgeprägte bauliche Er-
scheinung ist gewissermaßen der Urtyp des Beim Wohnhaus in der Choriner Straße in
privaten Außenraums. Aus der Typologie des Berlin von Popp Planungen [091] wurden
Geschosswohnungsbaus bildet sich eine die beiden Belichtungsseiten vollständig
weitere Gruppe von Außenräumen, die als verglast. Der private Außenraum entwi-
Balkone und Loggien in unterschiedlichsten ckelt sich entsprechend über die gesamte
Formen ausgeprägt sind. Die letzte Gruppe Gebäudebreite. Die geringe Tiefe der
bilden die Dachterrassen, die ähnliche Balkon­­schicht wird durch eine niveaugleiche
Qualitäten wie Gartenterrassen aufweisen Ebene im Inneren kompensiert.
und durch die Entdeckung des Flachdachs
als nutzbare Fläche insbesondere durch Le Das turmartige Gebäude in der Kanzleistra-
Corbusier gefördert wurden. Neben dieser ße in Zürich [092] wird durch eine beson-
baulichen Ausprägung spielt im städtischen dere Wohnung im Dachgeschoss abge-
Kontext die Orientierung eine weitere Rolle. schlossen. Zwei großzügige Dachterrassen
Dabei ist in erster Linie nicht die Himmels- jeweils zur Stadt und zur Blockinnenseite
richtung, sondern das Verhältnis zum öf- werden zum gestaltprägenden Merkmal des
fentlichen Raum gemeint. In den häufigsten Grundrisses.
Fällen orientieren sich die privaten Außen-
räume zur ruhigeren Innenseite und wenden Eine besondere Form von privatem Außen-
sich damit von der Stadt ab. Zentrales raum wurde bei dem Züricher Projekt in der
Thema beim extrovertierten Außenraum ist Sihlamtstraße [093] realisiert. Hier wurde
jedoch die Gewährleistung einer maximalen, eine großzügige Terrasse der Wohnung als
der Wohnung entsprechenden Privatheit. Eingangssituation vorgelagert. Die Privatheit
Beispiele, die das Element des Außenraums wird durch das dazwischenliegende Trep-
ausschließlich bauplastisch einsetzen, ver- penhaus gewährleistet.
nachlässigen diesen Aspekt häufig.

184
Privater Außenraum

[090]
Baumschlager Eberle
Kapellenweg
Feldkirch (AT)

Wohnfläche
80,6 m²

Außenraum
8,0 m²

Individualräume
2

Orientierung
II

185
Grundriss

[091]
Popp Planungen
Choriner Straße
Berlin (DE)

Wohnfläche
74,4 m²

Außenraum
16,5 m²

Individualräume
1

Orientierung
Il

186
Privater Außenraum

[092]
Hauenstein, La Roche,
Schedler Architekten
Kanzleistraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
90,6 m²

Außenraum
36,2 m²

Individualräume
2

Orientierung
IIl

187
Grundriss

[093]
Martin Spühler mit David
Munz und Bruno Senn
Sihlamtstraße
Zürich (CH)

Wohnfläche
96,9 m²

Außenraum
38,7 m²

Individualräume
3

Orientierung
Ill

188
Privater Außenraum

Introvertierter Außenraum

Private Außenräume, die innerhalb der dem Großsiedlungsprojekt in Puchenau


Wohnung oder des Gebäudes integriert [094] findet das Prinzip Verwendung. Nur
sind, wie beispielsweise bei Hof- und wenige Belüftungsfenster richten sich nach
Atriumhäusern oder Patiowohnungen, außen. Großzügige Glasflächen öffnen sich
bezeichnet man als introvertierte Außenräu- um den Innenhof.
me. Diese Ausprägung ist vor allen Dingen
im Mittelmeerraum vorzufinden, wo nicht Josep Lluis Mateo entwickelte für sein
die unmittelbare Besonnung im Vordergrund Amsterdamer Projekt [095] einen zwei-
steht, sondern der private Außenraum als geschossigen Patio, der die einseitige
verschatteter Bereich auch zur Klimatisie- Orientierung des Gebäudes und die damit
rung und Belüftung beitragen soll. In un- schwierigen Belichtungsvrhältnisse kom-
seren Breiten resultiert die Introvertiertheit pensieren sollte. Als Bodenbelag des Patios
aus dem Wunsch nach der vollständigen verwendete er Glasbausteine, um das
Privatheit des Außenraums. Gerade in städ- darunterliegende kommunikative Geschoss
tischen Ballungsräumen mit hoher Dichte ausreichend zu belichten.
und entsprechenden Emissionen kann die
extrovertierte Disposition unbefriedigend Eine extreme Haltung zur Stadt entwickelte
sein und eine introvertierte Konzeption Tadao Ando bei seinem städtischen Reihen-
eine spannungsvolle Alternative für die haus in Osaka [096]. Eine bis auf den Ein-
Entwurfskonzeption darstellen. Bei städte- gang fensterlose Fassade präsentiert sich
baulichen Konzeptionen mit hoher Dichte zur Stadt. Sämtliche Öffnungen orientieren
und niedriger Geschossigkeit hat dieser Typ sich zum Innenhof. Dabei wird der private
von Außenraum eine hohe Verbreitung. Die Außenraum gleichzeitig als Erschließung
meist L - förmige Anordnung der Gebäude genutzt, das heißt die einzelnen Räume kön-
bildet dabei automatisch den Außenraum nen nur über diesen offenen Zwischenraum
aus. Bei höheren Gebäuden ist diese Art betreten werden. Diese radikale Haltung
von Außenraum nur im Dachgeschoss be- ist das Resultat aus der extremen Dichte
ziehungsweise bei Maisonettewohnungen der Stadt und wird als bewusster Kontrast
maximal in den beiden obersten Geschos- eingesetzt.
sen sinnvoll.

Viele der Siedlungsentwürfe von Roland


Rainer setzten sich mit dem Thema der
absoluten Privatheit durch einen introver-
tierten Außenraum auseinander. Auch bei

189
Grundriss

[094]
Roland Rainer
Mittelpromenade
Puchenau (AT)

Wohnfläche
135,0 m²

Außenraum
50,4 m²

Individualräume
4

Orientierung
I, Innenhof

190
Privater Außenraum

[095]
Josep Lluis Mateo
Borneokade
Amsterdam (NL)

Wohnfläche
128,7 m²

Außenraum
43,7 m²

Individualräume
3

Orientierung
I, Patio

191
Grundriss

[096]
Tadao Ando
Osaka Bay Street
Osaka (JP)

Wohnfläche
68,5 m²

Außenraum
15,7 m²

Individualräume
2

Orientierung
Patio

192
Konstruktion

193
Baukonstruktion 196
[097] Le Corbusier
Rue Saint-Laurent, Genf (CH)
[098] Diener & Diener
KNSM Laan, Amsterdam (NL)
[099] Fritz Haller
Buchliweg, Münsingen (CH)

Gebäudetechnik 200
[100] Helmut Wimmer
Kanalstraße, Wien (AT)
[101] Jean Nouvel
Avenue de General, Nimes (FR)

194
Konstruktion

Einleitung

Die konstruktive und gebäudetechnische Gesamtprojekt ausmacht. Die sorgfältige


Logik eines Wohnungsentwurfs ist ein Analyse der einzelnen Anforderungen
wesentlicher Aspekt. Zunächst könnte man ist daher die Grundlage für die Entwick-
davon ausgehen, dass dieser Parameter aus lung von Koordinationsschemata, die die
den Überlegungen für das Gesamtgebäude technischen und konstruktiven Anforde-
und weniger aus der einzelnen Wohnung rungen möglichst synergetisch zu einem
resultiert, jedoch wird schnell die Abhängig- optimierten Gebäudeentwurf führen. Neben
keit zum Grundriss klar. Auch wenn im Woh- der konzeptionellen Optimierung ist eine
nungsbau die Rasterfrage keine so große frühzeitige Auseinandersetzung mit den zu
Rolle spielt wie bei der Entwicklung von verwendenden Bausystemen und Bau-
Bürogebäuden, so gibt es doch eine Vielzahl stoffen unumgänglich. Am Markt existieren
von Abhängigkeiten, die im Wohnungsbau zahlreiche Produkte, die einerseits den
für das Konstruktionssystem maßge- geforderten Standards genügen, anderer-
bend sind. Gerade in größeren, hybriden seits jedoch eigene konstruktive Abhän-
Gebäuden mit vielfältigen Wohnungstypen, gigkeiten produzieren. Beispiel hierfür sind
zusätzlicher gewerblicher Nutzung und einer eine Vielzahl von Fertigteilen und Baustoffen
Tiefgarage wird dieser Aspekt deutlich. mit eigenen Maßabhängigkeiten oder sogar
Dabei gibt es Parameter, die eine gewisse eigenen Modulordnungen wie zum Beispiel
Flexibilität aufweisen, wie zum Beispiel die beim Mauerwerk. Eine davon unabhängige
Raumdimensionen innerhalb der Wohnung, Planung ist prinzipiell möglich, führt jedoch
und andere, die nur geringe Toleranzen zu einer unwirtschaftlichen Ausnutzung
gestatten, wie zum Beispiel die wirtschaft- des Materials und hohem Anpassungs-
liche Anordnung der PKW-Stellplätze. Die und damit Zeit- und Kostenaufwand. Ein
Baustoffqualitäten und Konstruktionsweisen weiterer Anspruch, wenn nicht sogar der
sind heutzutage so weit entwickelt, dass wesentliche, ist der materialgerechte
auf den ersten Blick auch eine konstruktiv Entwurf. Vieles ist grundsätzlich machbar,
unabhängige, auf die einzelnen Nutzungsbe- aber die logischen Abhängigkeiten und
reiche optimierte Planung möglich erscheint Möglichkeiten des jeweiligen Materials zu
und die Notwendigkeit zur Koordinierung nutzen, erscheint als wichtige Vorausset-
der einzelnen maßlichen Anforderungen in zung für den gelungenen Entwurf. Dass die
den Hintergrund tritt. Dies führt trotz prinzi- Entwurfskonzeption maßgeblich von diesen
pieller Machbarkeit jedoch im Allgemeinen Parametern beinflusst werden kann, soll
zu äußerst unwirtschaftlichen Ergebnissen, anhand von konstruktiven beziehungsweise
da gerade die Gebäudestruktur, also der gebäudetechnisch optimierten Grundrissen
Rohbau, einen enormen Kostenanteil am dargestellt werden.

195
Grundriss

Baukonstruktion

Einer der wichtigsten baukonstruktiven Pa- Die Immeuble Clarté in Genf von Le Cor-
rameter ist die wirtschaftliche Dimensionie- busier [097] ist eines von vielen Projekten,
rung der Deckenkonstruktion. Weitgehend bei denen er die Möglichkeiten seines
unabhängig von der gewählten Bauweise „plan libre“-Konzepts untersucht. Die
liegen die wirtschaftlichen Spannweiten Grundkonstruktion des Gebäudes besteht
bei circa 6 m. Dies hat unmittelbaren aus einem Skelettbau. Der Grundriss
Ein­fluss auf die Grundrissgestaltung. Die reagiert teilweise auf das Stützenraster und
Tragrichtung der Decke ist bei additiven spielt sich gleichzeitig in anderen Bereichen
Bauweisen, wie zum Beispiel dem Holzbau, bewusst frei.
oder Fertigteilkonstruktionen in diesem
Zusammenhang ein weiterer wichtiger Das Projekt [098] von Diener & Diener
Parameter. Aus konstruktiver Sicht sollten basiert konstruktiv auf der typischen hollän-
eventuelle Treppen der Tragrichtung folgen, dischen Tunnelschalbauweise und erhebt
um wirtschaftliche Ergebnisse zu erzielen. diese gleichzeitig zum Thema des Entwurfs.
Bei Betonkonstruktionen besteht über Trotz eines quadratischen Baukörpers folgen
mögliche komplexe Bewehrungsstrukturen die tragenden Wände ausschließlich einer
eine geringere Einschränkung. Städtische Richtung. Die Grundrissgestaltung ordnet
Gebäude weisen häufig eine zweiseitige sich diesem Prinzip unter.
Orientierung auf, so dass die Lastabtragung
meist entlang der unbelichteten Wohnungs- Fritz Haller, vor allen Dingen bekannt durch
trennwände erfolgt. Die Fassade trägt sein Regalsystem USM, versuchte in
zunächst nur sich selbst beziehungsweise unterschiedlichsten Gebäudedimensionen
wird zur Aussteifung des Gebäudes heran- konstruktiv vollständig durchentwickelte
gezogen und kann nach Belichtungs- und Bausysteme zu etablieren. Bei dem Wohn-
Gestaltungszwecken frei entworfen werden. haus Schärer [099] wurde das Stahlbausys-
Dieses Prinzip hat sich zum Beispiel im tem „Mini“ verwendet. Klare, koordinieren-
holländischen Wohnungsbau als Standard de Rasterstrukturen definieren die mögliche
etabliert. Über vorgefertigte Tunnelscha- Lage der raumteilenden Elemente.
lungselemente sind dort Raumbreite und
Höhe weitgehend vorbestimmt und schrän-
ken damit den entwerferischen Handlungs-
spielraum deutlich ein. Der Entwurf der
nichttragenden Bauteile ist unter Berück-
sichtigung der Qualitätsstandards (insbeson-
dere Schallschutz) weitgehend frei.

196
Konstruktion

[097]
Le Corbusier
Rue Saint-Laurent
Genf (CH)

Wohnfläche
197,6 m²

Außenraum
19,3 m²

Individualräume
3

Orientierung
II

197
Grundriss

[098]
Diener & Diener
KNSM Laan
Amsterdam (NL)

Wohnfläche
102,0 m²

Außenraum
10,0 m²

Individualräume
2

Orientierung
Il

198
Konstruktion

[099]
Fritz Haller
Buchliweg
Münsingen (CH)

Wohnfläche
173,4 m²

Außenraum
56,2 m²

Individualräume
3

Orientierung
IV

199
Grundriss

Gebäudetechnik

Selbst der absolute Laie weiß, dass es Die Positionierung der Gebäudetechnik
sinnvoll ist, die Räume mit besonderen ist dabei nicht nur für den ursprünglichen
Anforderungen an die Gebäudetechnik Grundrissentwurf interessant, sondern
sowohl in der Vertikalen als auch Horizon- sollte perspektivisch veränderten Nutzungs-
talen zu bündeln und über einen gemein- bedürfnissen Rechnung tragen beziehungs-
samen Schacht die Ver- und Entsorgung weise bei größeren Wohngebäuden eine
zu gewährleisten. Die Praxis zeigt jedoch, Grundrissvielfalt ermöglichen.
dass ohne erkennbaren Grund von diesem
Prinzip abgewichen wird und Sonderlö- Beim Wohnhaus von Helmut Wimmer [100]
sungen gefunden werden müssen. Ähnlich wird die Gebäudetechnik auf einen zentra-
der Konstruktion gilt, dass vieles machbar, len Kern konzentriert. Sämtliche Medien wie
aber nur wenige Lösungen ökonomisch und Wasser, Abwasser und Strom sind auf den
technisch sinnvoll sind. Einen wesentlichen Kernbereich konzentriert. Die umgebenden
Ansatzpunkt zum Umgang mit der Gebäu- Räume beinhalten keine weitere technische
detechnik im Entwurfsprozess liefert die Ausstattung.
Vergegenwärtigung der Dimensionen der
einzelnen Medien. Je größer die gebäude- Beim sozialen Wohnungsbau von Jean
technischen Bauteile sind, desto sorgfältiger Nouvel [101] wurde die Lage des Schachts
sollte die Abhängigkeit zu anderen Räu- für die Haustechnik präzise gesetzt, um
men und Bereichen im Grundriss studiert unterschiedliche Grundrisskonfigurationen
werden. Die größten Querschnitte nehmen zuzulassen und über den gleichen Schacht
dabei luftführende Bauteile ein, die gerade ver- und entsorgen zu können. Im dargestell-
im Zuge der energetischen Optimierung von ten Grundriss wird auf der Erdgeschossebe-
Gebäuden zunehmend eingesetzt werden. ne eine Box platziert, im darüberliegenden
Die nächste Kategorie bilden die Bauteile Geschoss hingegen ein „konventioneller“
zur Abwasserentsorgung, gefolgt von der Grundriss mit außenliegendem Bad entwi-
Wasserversorgung. Die Elektroversorgung ckelt.
nimmt aufgrund der geringen Querschnitte
nur wenig Einfluss auf die Grundrissge-
staltung, wobei auch hier ökonomische
Lösungen vorzuziehen sind. Für den
qualitativen Entwurf ist es wesentlich, die
gebäudetechnischen Lösungsansätze, ins-
besondere die Lage der vertikalen Schächte,
frühzeitig zu betrachten und zu integrieren.

200
Konstruktion

[100]
Helmut Wimmar
Kanalstraße
Wien (AT)

Wohnfläche
90,2 m²

Außenraum
15,4 m²

Individualräume
2

Orientierung
IIl

201
Grundriss

[101]
Jean Nouvel
Avenue de General
Nimes (FR)

Wohnfläche
108,0 m²

Außenraum
11,5 m²

Individualräume
3

Orientierung
Ill

202
Projekte
Einleitung

Die Überführung der aus der Grundrissarbeit hier liefert dieses Kapitel einen reichhaltigen
gewonnen Erkenntnisse in die Komplexität Fundus an Beispielen, die eine Beurteilung
des Gesamtprojekts ist eine der wesent- der Effizienz der einzelnen Systeme zulässt.
lichen Hürden im Entwurfsprozess. Die Aus dem beschriebenen „klassischen“
entwickelte Grundrisskonzeption muss Ansatz kann dieses Kapitel jedoch eben-
den zahlreichen weiteren Einflussgrößen falls betrachtet werden und katalogartig
angepasst werden, ohne die ursprüngliche das Spektrum städtebaulicher Lösungen
Idee zu gefährden. Die umgekehrte und aufzeigen.
als „klassisch“ zu bezeichnende Methodik
der Annäherung im Entwurfsprozess über Entsprechend der Reihenfolge ihres Er-
den städtebaulichen Maßstab bis hin zum scheinens im Kapitel „Grundriss“ werden in
Detail erscheint uns aus der praktischen diesem Kapitel die Grundrisse in ihren Ge-
Lehrerfahrung gerade bei wenig geübten samtzusammenhang gestellt. Sämtliche 101
Entwerfern für die Entwicklung qualitäts- Projekte wurden zeichnerisch in Grundriss
voller Wohnungsbauarchitektur weniger und Schnitt im Maßstab 1:500 nach einheit-
geeignet. Häufig sieht der Studierende sich lichen grafischen Standards neu aufgearbei-
dann mit der gefundenen Bauform mit einer tet. Dargestellt ist jeweils das Eingangsge-
Situation konfrontiert, bei der es ähnlich schoss der betrachteten Wohnungen, die
wie beim Altbau gilt, nachträglich adäquate farbig markiert wurden. Bei Grundrisskonfi-
Grundrisse einzufügen. Eine parallele Ent- gurationen, die mit dem Gebäude identisch
wicklung beider Entwurfsstrategien würde sind, zum Beispiel bei Einfamilienhäusern,
bei entsprechender Erfahrung und Zeit den wurde auf diese Markierung verzichtet. Die
größten Erfolg versprechen. Dieser letzte seitliche Spalte gibt Aufschluss über die
Buchteil versucht eine Brücke zwischen wichtigsten Projektkenndaten und wurde
beiden Ansätzen zu schlagen. um eine städtebauliche, genordete Vignette
im Maßstab 1:10.000 ergänzt, die eine
Aus dem Ansatz, das Gebäude aus der Vorstellung von der baulichen Dichte des
Perspektive der Wohnung zu entwerfen, Kontexts liefern soll. Die dunkle Gebäude-
liefert dieses Kapitel erste Informationen markierung gibt den gewählten Grundris-
für den Folgeschritt, der Konfiguration des sausschnitt im Maßstab 1:500 an, die helle
Gebäudes. Im Sinne eines „Packschemas“ Markierung kennzeichnet das Gesamtpro-
kann die räumliche Anordnung der einzelnen jekt. Der angegebene Erschließungstyp
Wohneinheiten nachvollzogen werden. bezieht sich auf die betrachtete Wohnung.
Unmittelbar mit dieser Frage verknüpft ist Die beigefügten Schnitte sind als System-
die Erschließungsform des Gebäudes. Auch schnitt zu verstehen.

205
Projekte

[001] Morger & Degelo [018] Steidle + Partner [035] Michael Alder


Klybeckstraße, Basel (CH) Hans-Dürrmeier-Weg, München (DE) Störzbachstraße, Stuttgart (DE)
[002] pfeifer roser kuhn architekten [019] Egon Eiermann [036] HPP Hentrich-Petschnigg Architekten
Runzmattenweg, Freiburg (DE) Bartningallee, Berlin (DE) Pfeffingerstraße, Leipzig (DE)
[003] Diener & Diener [020] Kuhn Fischer Partner Architekten [037] Walter Stamm-Teske,
Riehenring, Basel (CH) Widenstraße, Oberwil-Zug (CH) Schettler & Wittenberg
[004] Gigon/Guyer Architekten [021] Baumschlager Eberle Lessingstraße, Weimar (DE)
Im Broelberg, Kilchberg (CH) Mozartstraße, Dornbirn (AT) [038] ADP Architekten
[005] Hans Kollhoff, Christian Rapp [022] Brendeland & Kristoffersen Arkitekter Hellmutstraße, Zürich (CH)
Levantkade, Amsterdam (NL) Strandveien, Trondheim (NO) [039] Michael Alder
[006] Shigeru Ban [023] Könz Molo und Barchi Architekten Friedhofweg, Riehen (CH)
Lake Yamanaka, Yamanashi (JP) Via Agostino Maspoli, Mendriso (CH) [040] Bauart Architekten und Planer
[007] Buchner Bründler Architekten [024] Haack + Höpfner und Horden Cherry Lee mobiler Standort
Colmarerstraße, Basel (CH) Grasmeierstraße, München (DE) [041] Ryue Nishizawa
[008] Michael Alder [025] Johannes Kaufmann Ota Ku, Tokyo (JP)
Hinter den Gärten, Itingen (CH) mobiler Standort [042] Xaveer de Geyter
[009] Antonio Cruz [026] Beyer + Dier Architekten Chassé Singel, Breda (NL)
Calle Doña Maria Coronel, Sevilla (ES) K.-Rupprecht-Straße, Ingolstadt (DE) [043] Daniele Marques
[010] Luigi Snozzi [027] Fink + Jocher Dreilindenstraße, Luzern (CH)
Vicolo della Zotta, Brione-Minusio (CH) Oheriedentrift, Hannover (DE) [044] pool Architekten
[011] Beda Dillier [028] Miller & Maranta Leimbachstraße, Zürich (CH)
Kirchstraße, Sarnen (CH) Gellertstraße, Basel (CH) [045] Thomas Müller Ivan Reimann
[012] Petra und Paul Kahlfeldt [029] burkhalter sumi architekten Reichenbachstraße, Dresden (DE)
Max-Eyth-Straße, Berlin (DE) Wehrenbachhalde, Zürich (CH) [046] Norbert Post - Hartmut Welters
[013] Geurst & Schulze architecten [030] Allmann Sattler Wappner Architekten Architekten
Bilderdijkstraat, Den Haag (NL) G.-Kerschensteiner-Str., München (DE) Westender Weg, Herdecke (DE)
[014] Bearth & Deplazes Architekten [031] Beyer - Schubert Architekten [047] Delugan Meissl Associated Architects
Fanas (CH) A.-und-H.-Hirsch-Ring, Berlin (DE) Wimbergergasse, Wien (AT)
[015] Christian Kerez [032] Baumschlager Eberle [048] burkhalter sumi architekten
Burenweg, Zürich (CH) Waldburgstraße, Nüziders (AT) Burgmattstraße, Laufenburg (CH)
[016] Lederer + Ragnarsdóttir + Oei [033] Hasler Schlatter Partner [049] Fink + Jocher
Besigheimer Straße, Stuttgart (DE) Trichtenhausenstraße, Zürich (CH) H.-Guggenmoser-Str., Weilheim (DE)
[017] Werner Wirsing [034] Helmut Wimmer [050] Johannes Kaufmann
Connollystraße, München (DE) Grieshofgasse, Wien (AT) Brugg, Bezau (AT)

206
Projektverzeichnis

[051] Francis Soler [068] Peter Zumthor [085] Zimmermann Leber Feilberg
Cité Saint Chaumont, Paris (FR) Cadonaustraße, Chur (CH) H.-Mansbacher-Str., Darmstadt (DE)
[052] Herzog & de Meuron [069] Walter Stamm-Teske, AFF Architekten [086] Straub Beutin Architekten
Hebelstraße, Basel (CH) Albrecht-Dürer-Straße, Weimar (DE) Kreutzerweg, Berlin (DE)
[053] Herzog & de Meuron [070] Fink + Jocher [087] dmsw
Schützenmattstraße, Basel (CH) Enzianstraße, Garching (DE) Albertinenstraße, Berlin (DE)
[054] Walter Stelzhammer [071] Shigeru Ban [088] Rijnvos Voorwinde Architecten
Ziedlergasse, Wien (AT) Saitama, Kawagoe (JP) Voltstraat, Tilburg (NL)
[055] MVRDV [072] Adolf Krischanitz [089] Scheuring und Partner
Bottgerwater, Den Haag (NL) Oskar-Simony-Straße, Wien (AT) Lohrbergstraße, Köln (DE)
[056] Riegler Riewe [073] Le Corbusier [090] Baumschlager Eberle
Bahnhofstraße, Graz (AT) Boulevard Michelet, Marseille (FR) Kapellenweg, Feldkirch (AT)
[057] BKK-3 [074] Shigeru Ban [091] Popp Planungen
Goldschlagstraße, Wien (AT) Izu, Shizuoka (JP) Choriner Straße, Berlin (DE)
[058] Bosch Architecten [075] blauraum Architekten [092] Hauenstein, La Roche, Schedler
Bezaanjachtplein, Amsterdam (NL) Bogenallee, Hamburg (DE) Kanzleistraße, Zürich (CH)
[059] Joachim Wendt [076] Atelier 5 [093] Martin Spühler mit D. Munz & B. Senn
Rückertstraße, Darmstadt (DE) Brüggbühlstraße, Niederwangen (CH) Sihlamtstraße, Zürich (CH)
[060] Kazuyo Sejima [077] Engelen Moore [094] Roland Rainer
Kitagata, Gifu (JP) Barcom Avenue, Sydney (AU) Mittelpromenade, Puchenau (AT)
[061] Theo Hotz [078] Rapp + Rapp [095] Josep Lluis Mateo
Buchgrindelstraße, Zürich (CH) Centrum Ypenburg, Den Haag (NL) Borneokade, Amsterdam (NL)
[062] Burkard Meyer Architekten [079] Max Dudler [096] Tadao Ando
Martinsbergstraße, Baden (CH) Kirchgasse, Zürich (CH) Osaka Bay Street, Osaka (JP)
[063] Gigon/Guyer Architekten [080] [03 München [097] Le Corbusier
Carmenstraße, Zürich (CH) Nackstraße, Mainz (DE) Rue Saint-Laurent, Genf (CH)
[064] A.D.P. Walter Ramseier [081] Michael Alder [098] Diener & Diener
Hohlstraße, Zürich (CH) Friedhofweg, Riehen (CH) KNSM Laan, Amsterdam (NL)
[065] Ken Architekten [082] Kollhoff & Timmermann Architekten [099] Fritz Haller
Vorsässstraße, Ennetmoos (CH) Malchower Weg, Berlin (DE) Buchliweg, Münsingen (CH)
[066] AV1 Architekten [083] Alvar Aalto [100] Helmut Wimmer
Betzenberg, Kaierslautern (DE) Klopstockstraße, Berlin (DE) Kanalstraße, Wien (AT)
[067] Burkard Meyer Architekten [084] Christian Kerez [101] Jean Nouvel
Mellingerstraße, Baden (CH) Forsterstraße, Zürich (CH) Avenue de General, Nimes (FR)

207
Projekte

[001]
Morger & Degelo
Klybeckstraße
Basel (CH)

Fertigstellung
1996

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
6

Anzahl Wohneinheiten
29

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

208
Projektsammlung

[002]
pfeifer roser kuhn
architekten
Runzmattenweg
Freiburg (DE)

Fertigstellung
2005

Erschließungstyp
3-Spänner

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
14

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

209
Projekte

[003]
Diener & Diener
Riehenring
Basel (CH)

Fertigstellung
1985

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
74

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

210
Projektsammlung

[004]
Gigon/Guyer Architekten
Im Broelberg
Kilchberg (CH)

Fertigstellung
1994

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
3 - 4

Anzahl Wohneinheiten
14

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

211
Projekte

[005]
Hans Kollhoff,
Christian Rapp
Levantkade
Amsterdam (NL)

Fertigstellung
1994

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
4 - 8

Anzahl Wohneinheiten
304

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

212
Projektsammlung

[006]
Shigeru Ban
Lake Yamanaka
Yamanashi (JP)

Fertigstellung
1995

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
1

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

213
Projekte

[007]
Buchner Bründler
Architekten
Colmarerstraße
Basel (CH)

Fertigstellung
2002

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
6

Anzahl Wohneinheiten
7

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

214
Projektsammlung

[008]
Michael Alder
Hinter den Gärten
Itingen (CH)

Fertigstellung
1984

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

215
Projekte

[009]
Antonio Cruz
Calle Doña Maria Coronel
Sevilla (ES)

Fertigstellung
1976

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
12

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

216
Projektsammlung

[010]
Luigi Snozzi
Vicolo della Zotta
Brione-Minusio (CH)

Fertigstellung
1975

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

217
Projekte

[011]
Beda Dillier
Kirchstraße
Sarnen (CH)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
6

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

218
Projektsammlung

[012]
Petra und Paul Kahlfeldt
Max-Eyth-Straße
Berlin (DE)

Fertigstellung
1993

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

219
Projekte

[013]
Geurst & Schulze
architecten
Bilderdijkstraat
Den Haag (NL)

Fertigstellung
1994

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
19

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

220
Projektsammlung

[014]
Bearth & Deplazes
Architekten
Fanas (CH)

Fertigstellung
1999

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

221
Projekte

[015]
Christian Kerez
Burenweg
Zürich (CH)

Fertigstellung
2007

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
2

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

222
Projektsammlung

[016]
Lederer + Ragnarsdóttir + Oei
Besigheimer Straße
Stuttgart (DE)

Fertigstellung
2001

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
3 - 4

Anzahl Wohneinheiten
14

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

223
Projekte

[017]
Werner Wirsing
Connollystraße
München (DE)

Fertigstellung
1972

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
800

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

224
Projektsammlung

[018]
Steidle + Partner
Hans-Dürrmeier-Weg
München (DE)

Fertigstellung
2002

Erschließungstyp
Innengang

Anzahl Geschosse
15

Anzahl Wohneinheiten
66

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

225
Projekte

[019]
Egon Eiermann
Bartningallee
Berlin (DE)

Fertigstellung
1961

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
9

Anzahl Wohneinheiten
96

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

226
Projektsammlung

[020]
Kuhn Fischer Partner
Architekten
Widenstraße
Oberwil-Zug (CH)

Fertigstellung
1994

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
17

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

227
Projekte

[021]
Baumschlager Eberle
Mozartstraße
Dornbirn (AT)

Fertigstellung
1997

Erschließungstyp
3-Spänner

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
38

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

228
Projektsammlung

[022]
Brendeland & Kristoffersen
Arkitekter
Strandveien
Trondheim (NO)

Fertigstellung
2005

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
10

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

229
Projekte

[023]
Könz Molo und Barchi
Architekten
Via Agostino Maspoli
Mendriso (CH)

Fertigstellung
2006

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
18

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

230
Projektsammlung

[024]
Haack + Höpfner Archi-
tekten und
Horden Cherry Lee
Architects
Grasmeierstraße
München (DE)

Fertigstellung
2005

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
1

Anzahl Wohneinheiten
7

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

231
Projekte

[025]
Johannes Kaufmann
mobiler Standort

Fertigstellung
2001

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
1

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

232
Projektsammlung

[026]
Beyer + Dier Architekten
Kronprinz-Rupprecht-
Straße
Ingolstadt (DE)

Fertigstellung
2003

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
30

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

233
Projekte

[027]
Fink + Jocher
Oheriedentrift/Feldbusch-
wende
Hannover (DE)

Fertigstellung
1999

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
87

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

234
Projektsammlung

[028]
Miller & Maranta
Gellertstraße
Basel (CH)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
8

Anzahl Wohneinheiten
31

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

235
Projekte

[029]
burkhalter sumi
architekten
Wehrenbachhalde
Zürich (CH)

Fertigstellung
2002

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
10

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

236
Projektsammlung

[030]
Allmann Sattler Wappner
Architekten
Georg-Kerschensteiner-
Straße
München (DE)

Fertigstellung
2005

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

237
Projekte

[031]
Beyer - Schubert Architekten
Alice-und Hella-Hirsch-Ring
Berlin (DE)

Fertigstellung
2001

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
16

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

238
Projektsammlung

[032]
Baumschlager Eberle
Waldburgstraße
Nüziders (AT)

Fertigstellung
1996

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
14

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

239
Projekte

[033]
Hasler Schlatter Partner
Trichtenhausenstraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
4-Spänner

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
73

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

240
Projektsammlung

[034]
Helmut Wimmer
Grieshofgasse
Wien (AT)

Fertigstellung
1996

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
9

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

241
Projekte

[035]
Michael Alder
Störzbachstraße
Stuttgart (DE)

Fertigstellung
1993

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
6

Anzahl Wohneinheiten
12

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

242
Projektsammlung

[036]
HPP Hentrich-Petschnigg
& Partner
Pfeffigerstraße
Leipzig (DE)

Fertigstellung
2000

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
26

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

243
Projekte

[037]
Walter Stamm-Teske,
Schettler & Wittenberg
Lessingstraße
Weimar (DE)

Fertigstellung
1998

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
26

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

244
Projektsammlung

[038]
ADP Architekten
Hellmutstraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
1991

Erschließungstyp
3-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
36

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

245
Projekte

[039]
Michael Alder
Friedhofweg
Riehen (CH)

Fertigstellung
1992

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
38

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

246
Projektsammlung

[040]
Bauart Architekten und
Planer
mobiler Standort

Fertigstellung
-

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

247
Projekte

[041]
Ryue Nishizawa
Ota Ku
Tokyo (JP)

Fertigstellung
2005

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
1 - 3

Anzahl Wohneinheiten
4

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

248
Projektsammlung

[042]
Xaveer de Geyter
Chassé Singel
Breda (NL)

Fertigstellung
2002

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
13

Anzahl Wohneinheiten
143

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

249
Projekte

[043]
Daniele Marques
Dreilindenstraße
Luzern (CH)

Fertigstellung
1999

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
4

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

250
Projektsammlung

[044]
pool Architekten
Leimbachstraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
2005

Erschließungstyp
3-Spänner

Anzahl Geschosse
6 - 8

Anzahl Wohneinheiten
119

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

251
Projekte

[045]
Thomas Müller Ivan
Reimann Architekten
Reichenbachstraße
Dresden (DE)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
63

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

252
Projektsammlung

[046]
Norbert Post - Hartmut
Welters Architekten
Westender Weg
Herdecke (DE)

Fertigstellung
2000

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
45

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

253
Projekte

[047]
Delugan Meissl
Associated Architects
Wimbergergasse
Wien (AT)

Fertigstellung
2001

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
3 - 7

Anzahl Wohneinheiten
40

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

254
Projektsammlung

[048]
burkhalter sumi
architekten
Burgmattstraße
Laufenburg (CH)

Fertigstellung
1996

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
16

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

255
Projekte

[049]
Fink + Jocher
Hans-Guggenmoser-Str.
Weilheim (DE)

Fertigstellung
1995

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
23

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

256
Projektsammlung

[050]
Johannes Kaufmann
Brugg
Bezau (AT)

Fertigstellung
1998

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
10

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

257
Projekte

[051]
Francis Soler
Cité Saint Chaumont
Paris (FR)

Fertigstellung
1993

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
17

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

258
Projektsammlung

[052]
Herzog & de Meuron
Hebelstraße
Basel (CH)

Fertigstellung
1988

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
6

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

259
Projekte

[053]
Herzog & de Meuron
Schützenmattstraße
Basel (CH)

Fertigstellung
1993

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
7

Anzahl Wohneinheiten
4

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

260
Projektsammlung

[054]
Walter Stelzhammer
Ziedlergasse
Wien (AT)

Fertigstellung
1999

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
42

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

261
Projekte

[055]
MVRDV
Bottgerwater
Den Haag (NL)

Fertigstellung
2001

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
48

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

262
Projektsammlung

[056]
Riegler Riewe
Bahnhofstrasse
Graz (AT)

Fertigstellung
1994

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
27

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

263
Projekte

[057]
BKK-3
Goldschlagstrasse
Wien (AT)

Fertigstellung
2000

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
9

Anzahl Wohneinheiten
39

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

264
Projektsammlung

[058]
Bosch Architecten
Bezaanjachtplein
Amsterdam (NL)

Fertigstellung
1994

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
28

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

265
Projekte

[059]
Joachim Wendt
Rückertstraße
Darmstadt (DE)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

266
Projektsammlung

[060]
Kazuyo Sejima
Kitagata
Gifu (JP)

Fertigstellung
1998

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
9

Anzahl Wohneinheiten
107

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

267
Projekte

[061]
Theo Hotz
Buchgrindelstraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
1985

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
24

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

268
Projektsammlung

[062]
Burkard Meyer
Architekten
Martinsbergstraße
Baden (CH)

Fertigstellung
2003

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
12

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

269
Projekte

[063]
Gigon/Guyer Architekten
Carmenstraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
2002

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
2 - 5

Anzahl Wohneinheiten
48

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

270
Projektsammlung

[064]
A.D.P. Walter Ramseier
Hohlstraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
2007

Erschließungstyp
3-Spänner

Anzahl Geschosse
8

Anzahl Wohneinheiten
126

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

271
Projekte

[065]
Ken Architekten
Vorsässstraße
Ennetmoos (CH)

Fertigstellung
2007

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

272
Projektsammlung

[066]
AV1 Architekten
Betzenberg
Kaiserslautern (DE)

Fertigstellung
2000

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
5

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

273
Projekte

[067]
Burkard Meyer
Architekten
Mellingerstraße
Baden (CH)

Fertigstellung
2006

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
14

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

274
Projektsammlung

[068]
Peter Zumthor
Cadonaustraße
Chur (CH)

Fertigstellung
1993

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
21

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

275
Projekte

[069]
Walter Stamm-Teske,
AFF Architekten
Albrecht-Dürer-Straße
Weimar (DE)

Fertigstellung
2002

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
4

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

276
Projektsammlung

[070]
Fink + Jocher
Enzianstraße
Garching (DE)

Fertigstellung
2005

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
56

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

277
Projekte

[071]
Shigeru Ban
Saitama
Kawagoe (JP)

Fertigstellung
2000

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
1

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

278
Projektsammlung

[072]
Adolf Krischanitz
Oskar-Simony-Straße
Wien (AT)

Fertigstellung
2008

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
6

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

279
Projekte

[073]
Le Corbusier
Boulevard Michelet
Marseille (FR)

Fertigstellung
1952

Erschließungstyp
Innengang

Anzahl Geschosse
17

Anzahl Wohneinheiten
337

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

280
Projektsammlung

[074]
Shigeru Ban
Izu
Shizuoka (JP)

Fertigstellung
2002

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

281
Projekte

[075]
blauraum Architekten
Bogenallee
Hamburg (DE)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
15

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

282
Projektsammlung

[076]
Atelier 5
Brüggbühlstraße
Niederwangen (CH)

Fertigstellung
1990

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
93

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

283
Projekte

[077]
Engelen Moore
Barcom Avenue
Sydney (AU)

Fertigstellung
2002

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
25

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

284
Projektsammlung

[078]
Rapp + Rapp
Centrum Ypenburg
Den Haag (NL)

Fertigstellung
2006

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
4 - 13

Anzahl Wohneinheiten
486

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

285
Projekte

[079]
Max Dudler
Kirchgasse
Zürich (CH)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
Innengang

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
45

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

286
Projektsammlung

[080]
03 München
Nackstraße
Mainz (DE)

Fertigstellung
2005

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3 - 7

Anzahl Wohneinheiten
31

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

287
Projekte

[081]
Michael Alder
Friedhofweg
Riehen (CH)

Fertigstellung
1992

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
38

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

288
Projektsammlung

[082]
Kollhoff & Timmermann
Architekten
Malchower Weg
Berlin (DE)

Fertigstellung
1994

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
128

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

289
Projekte

[083]
Alvar Aalto
Klopstockstraße
Berlin (DE)

Fertigstellung
1957

Erschließungstyp
5-Spänner

Anzahl Geschosse
8

Anzahl Wohneinheiten
78

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

290
Projektsammlung

[084]
Christian Kerez
Forsterstraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
2003

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
5

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

291
Projekte

[085]
Zimmermann Leber
Feilberg Architekten
Herta-Mansbacher-Straße
Darmstadt (DE)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
33

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

292
Projektsammlung

[086]
Straub Beutin Architekten
Kreutzerweg
Berlin (DE)

Fertigstellung
2001

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
4

Anzahl Wohneinheiten
2

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

293
Projekte

[087]
dmsw
Albertinenstraße
Berlin (DE)

Fertigstellung
2006

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
4

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

294
Projektsammlung

[088]
Rijnvos Voorwinde
Architecten
Voltstraat
Tilburg (NL)

Fertigstellung
1997

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
7

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

295
Projekte

[089]
Scheuring und Partner
Lohrbergstraße
Köln (DE)

Fertigstellung
1995

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

296
Projektsammlung

[090]
Baumschlager Eberle
Kapellenweg
Feldkirch (AT)

Fertigstellung
1996

Erschließungstyp
4-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
36

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

297
Projekte

[091]
Popp Planungen
Choriner Straße
Berlin (DE)

Fertigstellung
1998

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
7

Anzahl Wohneinheiten
24

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

298
Projektsammlung

[092]
Hauenstein, La Roche,
Schedler Architekten
Kanzleistraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
2004

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
6

Anzahl Wohneinheiten
5

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

299
Projekte

[093]
Martin Spühler mit David
Munz und Bruno Senn
Sihlamtstraße
Zürich (CH)

Fertigstellung
1995

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
64

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

300
Projektsammlung

[094]
Roland Rainer
Mittelpromenade
Puchenau (AT)

Fertigstellung
1977

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
1

Anzahl Wohneinheiten
750

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

301
Projekte

[095]
Josep Lluis Mateo
Borneokade
Amsterdam (NL)

Fertigstellung
2000

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
26

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

302
Projektsammlung

[096]
Tadao Ando
Sumiyoshi
Osaka (JP)

Fertigstellung
1975

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

303
Projekte

[097]
Le Corbusier
Rue Saint-Laurent
Genf (CH)

Fertigstellung
1932

Erschließungstyp
2-Spänner

Anzahl Geschosse
8

Anzahl Wohneinheiten
45

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

304
Projektsammlung

[098]
Diener & Diener
KNSM Laan
Amsterdam (NL)

Fertigstellung
2000

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
6

Anzahl Wohneinheiten
45

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

305
Projekte

[099]
Fritz Haller
Buchliweg
Münsingen (CH)

Fertigstellung
1969

Erschließungstyp
direkt

Anzahl Geschosse
2

Anzahl Wohneinheiten
1

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

306
Projektsammlung

[100]
Helmut Wimmer
Kanalstraße
Wien (AT)

Fertigstellung
1999

Erschließungstyp
1-Spänner

Anzahl Geschosse
3

Anzahl Wohneinheiten
36

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

307
Projekte

[101]
Jean Nouvel
Avenue de General
Nimes (FR)

Fertigstellung
1987

Erschließungstyp
Laubengang

Anzahl Geschosse
5

Anzahl Wohneinheiten
114

Lageplan, M 1:10 000


Schnitt, M 1:500
Grundriss, M 1:500

308
Anhang
Quellennachweis

1 Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2


2 Statistisches Bundesamt, Auszug aus Wirtschaft und
Demografischer Wandel in Deutschland, Heft 1, Statistik, Nutzung der Bodenfläche, Wiesbaden
Wiesbaden 2007, S. 8 / S. 19 2006, S. 5
2 Ebd. S. 23 23 Institut für Massivbau, TU-Darmstadt, Gegenüber-
3 www.schader-stiftung.de/wohn_wandel/849.php stellung Massivhaus / Holzelementbauweise
(16.03.09, 17:03) – Ökobilanzstudie, Dezember 2006
4 Statistisches Bundesamt, Entwicklung der Privat- 24 Econum GmbH St.-Gallen (Hrsg.), Graue Energie von
haushalte bis 2025. Ergebnisse der Haushaltsvor- Baustoffen, 2. Auflage, 1998
ausberechnung 2007, Wiesbaden 2007 25 Statistisches Bundesamt, Baugenehmigungen /
5 Statistisches Bundesamt, Leben in Deutschland, Baufertigstellungen – Lange Reihen z.T. ab 1960,
Ergebnisse des Mikrozensus 2005, Wiesbaden Wiesbaden 2008
2006, S. 8 26 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR),
6 Statistisches Bundesamt, Zuhause in Deutschland, Wohnungs- und Immobilienmärkte in Deutschland
Wiesbaden 2009, S. 23 2006 – Kurzfassung, Bonn 2007, S. 13
7 Statistisches Bundesamt, Bruttoanlagevermögen 27 Ebd.
nach Vermögensarten, Februar 2009 28 Institut für Städtebau, Wohnungsbau und Bauspar-
8 Statistisches Bundesamt, Fachserie 5, Reihe 3, wesen e.V. (ifs), Hausbau-Informationen, Folge
Bautätigkeit und Wohnungen, Wiesbaden 2008 13/2008, Berlin 2008
9 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, 29 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR),
Wohnungs- und Immobilienmärkte 2006 – Kurzfas- Wohnungs- und Immobilienmärkte in Deutschland
sung, Bonn 2007, S. 13 2006 – Kurzfassung, Bonn 2007, S. 13
10 Statistisches Bundesamt, Baugewerbe in Deutsch- 30 Ebd.
land, Unternehmen, Beschäftigte, Umsatz und Inves- 31 Ebd.
titionen im Baugewerbe 32 Statistisches Bundesamt, Fachserie 5, Reihe 3,
11 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Bautätigkeit und Wohnungen, Wiesbaden 2008
Wohnungsprognose 2015, Bonn 2001, S. 57 33 Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
12 Institut für Städtebau (ifs), Wohnungsbau und Bau- (BBR), Wohnungs- und Immobilienmärkte in
sparwesen e.V., Hausbau Informationen, Folge Deutschland 2006 – Kurzfassung, Bonn 2007, S. 13
15/2008, Berlin 2008 34 Institut für Städtebau, Wohnungsbau und Bauspar-
13 Statistisches Bundesamt, Fachserie 5, Reihe 3, wesen e.V. (ifs), Hausbau-Informationen, Folge
Bautätigkeit und Wohnungen, Wiesbaden 2008 15/2008, Berlin 2008
14 Ebd. 35 Statistisches Bundesamt, Verkehr in Deutschland,
15 Institut für Städtebau, Wohnungsbau und Bauspar- Wiesbaden 2006, S. 23
wesen e.V. (ifs), Hausbau Informationen, Folge 36 Statistische Ämter des Bundes und der Länder,
15/2008, Berlin 2008 demografischer Wandel - Bevölkerungs- und
16 www.lbs.de/microsite-presse/lbs-research Haushaltsentwicklung im Bund und in den Ländern,
(17.03.09, 22:00) Wiesbaden 2007, S. 30
17 Statistisches Bundesamt, Auszug aus Wirtschaft und
Statistik - Preisentwicklungen in der Bauwirtschaft,
Wiesbaden 2008, S. 3
18 Statistisches Bundesamt, Wohnsituation in Deutsch-
land 2006, Wiesbaden 2008, S. 118
19 Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 398
vom 22.09.2005, Wiesbaden 2005
20 www.mnp.nl/edgar, Emission Database for Global
Atmospheric Research (24.03.09,11:49)
21 Institut für Städtebau (ifs), Wohnungsbau und
Bausparwesen e.V., Hausbau Informationen, Folge
24/2008

311
Bildnachweis

208 Ruedi Walti, Basel 259 Margherita Spiluttini, Wien


209 Ruedi Walti, Basel 260 Margherita Spiluttini, Wien
210 unbekannt 261 unbekannt
211 Heinrich Helfenstein, Zürich 262 Rob ‘t Hart photography, Rotterdam
212 Heinrich Helfenstein, Zürich 263 Margherita Spiluttini, Wien
213 Hiroyuki Hirai 264 unbekannt
214 Ruedi Walti, Basel 265 van den Oever, Zaaijer & Partners architecten
215 unbekannt 266 Jörg Hempel, Aachen
216 Cruz y Ortiz 267 SHINKENCHIKU-SHA Photograph Division
217 Hans-Jürgen Breuning, Stuttgart 268 Peter Morf
218 Roger Frei, Zürich 269 Erieta Attali, Athen
219 Hendrik Gagstatter 270 Gigon/Guyer Architekten;
220 Piet Rook Foto: Heinrich Helfenstein, Zürich
221 Ralph Feiner, Malans 271 Hannes Henz, Zürich
222 Walter Mair, Zürich 272 Hannes Henz, Zürich
223 Roland Halbe, Stuttgart 273 Michael Heinrich, München (www.mhfa.de)
224 unbekannt 274 Erieta Attali, Athen
225 Stefan Müller-Naumann, München 275 Hélène Binet, London
226 HUSS-MEDIEN GmbH, Berlin; 276 Walter Stamm-Teske
Foto: Franziska Schmidt, Potsdam 277 Michael Heinrich, München (www.mhfa.de)
227 Arazebra Fotografie, Andrea Helbling, Zürich 278 Hiroyuki Hirai
228 Eduard Hueber/archphoto.com 279 Pez Hejduk, Wien
229 Geir Brendeland 280 unbekannt
230 Walter Mair, Zürich 281 Hiroyuki Hirai
231 Sascha Kletzsch, München 282 blauraum
232 Ignacio Martinez 283 Atelier 5/Croci & du Fesne, Worblaufen
233 Florian Schreiber, München 284 Ross Honeysett
234 Lukas Roth, Köln 285 unbekannt
235 Ruedi Walti, Basel 286 Walter Mair, Zürich
236 Heinrich Helfenstein, Zürich 287 Simone Rosenberg, München
237 Florian Holzherr, München 288 unbekannt
238 Andreas Muhs, Berlin 289 Ulrich Schwarz, Berlin
239 Eduard Hueber/archphoto.com 290 Landesarchiv Berlin/Horst Siegmann
240 Ralph Hut, Zürich 291 Walter Mair, Zürich
241 Manfred Seidl, Wien 292 Thomas Ott, Mühltal
242 Lena Heinkele 293 Andrea Kroth
243 HPP Architekten 294 Michael Müller/dmsw
244 Walter Stamm-Teske 295 unbekannt
245 ADP Architekten EHT BSA SIA AG, Foto: Beat Jordi 296 Lukas Roth, Köln
246 unbekannt 297 Eduard Hueber/archphoto.com
247 Andreas Greber, Hasle-Rüegsau 298 Stefan Meyer, Berlin
248 Christian Richters, Münster 299 Hauenstein La Roche Schedler
249 Gilbert Fastenaekens for www.xdga.be 300 Christian Kurz, Zürich
250 Hannes Henz, Zürich 301 Eva Rubin, Klagenfurt
251 Arazebra, Andrea Helbling, Zürich 302 Duccio Malagamba
252 Jan Maly, Prag 303 Tadao Ando
253 E. Schwarz, Archiv: Post und Welters 304 Eveline Perroud und Bundesamt für Kultur, Schweiz
254 Margherita Spiluttini, Wien 305 Robert Held
255 Heinrich Helfenstein, Züric 306 fritz haller bauen und forschen gmbh;
256 Peter Bonfig, München Foto: Therese Beyeler, Bern
257 Ignacio Martinez 307 Manfrad Seidl, Wien
258 Francis Soler architect, Foto: Georges Fessy 308 Georges Fessy

312
Architektenregister

03 München.............................................................166/287 Kuhn Fischer Partner Architekten...............................68/227


A.D.P. Walter Ramseier............................................. 142/271 Le Corbusier.............................................. 157/280, 197/304
ADP Architekten.........................................................99/245 Lederer + Ragnarsdóttir + Oei......................................63/223
Alder, Michael.................. 49/215, 95/242, 100/246, 171/288 Marques, Daniele..................................................... 109/250
Allmann Sattler Wappner Architekten.........................85/237 Mateo, Josep Lluis...................................................191/392
Alvar Aalto................................................................ 173/290 Miller & Maranta.........................................................82/235
Ando, Tadao..............................................................192/303 Morger & Degelo........................................................37/208
Atelier 5....................................................................161/283 Müller, Thomas; Reimann, Ivan..................................111/252
AV1 Architekten........................................................145/273 MVRDV.....................................................................124/262
Ban, Shigeru................................. 43/213, 154/278, 158/281 Nishizawa, Ryue....................................................... 106/248
Bauart Architekten und Planer.................................. 105/247 Nouvel, Jean.............................................................202/308
Baumschlager Eberle......................70/228, 91/239, 185/297 pfeifer roser kuhn architekten.....................................38/209
Bearth & Deplazes Architekten...................................57/221 pool Architekten....................................................... 110/251
Beyer + Dier Architekten............................................80/233 Popp Planungen........................................................186/298
Beyer-Schubert Architekten........................................86/238 Post, Norbert - Welters, Hartmut.............................. 113/253
BKK-3........................................................................130/264 Rainer, Roland........................................................... 190/301
blauraum Architekten...............................................160/282 Rapp + Rapp.............................................................164/285
Bosch architecten.....................................................132/265 Riegler Riewe...........................................................129/263
Brendeland & Kristoffersen Arkitekter........................71/229 Rijnvos Voorwinde Architecten................................. 179/295
Buchner Bründler Architekten....................................44/214 Scheuring und Partner..............................................180/296
Burkard Meyer Architekten........................ 140/269, 146/274 Sejima, Kazuyo.........................................................134/267
burkhalter sumi architekten......................... 84/236, 115/255 Snozzi, Luigi................................................................ 51/217
Cruz, Antonio..............................................................50/216 Soler, Francis............................................................ 119/258
de Geyter, Xaveer..................................................... 107/249 Spühler, Martin; mit Munz, David & Senn, Bruno.....188/300
Delugan Meissl Associated Architects..................... 114/254 Stamm-Teske, Walter; AFF Architekten....................152/276
Diener & Diener........................................... 39/210, 198/305 Stamm-Teske, Walter; Schettler & Wittenberg...........97/244
Dillier, Beda.................................................................53/218 Steidle + Partner..........................................................65/225
dmsw........................................................................ 178/294 Stelzhammer, Walter................................................123/261
Dudler, Max..............................................................165/286 Straub Beutin Architekten........................................ 177/293
Eiermann, Egon..........................................................67/226 Wendt, Joachim........................................................133/266
Engelen Moore.........................................................162/284 Wimmer, Helmut......................................... 93/241, 201/307
Fink + Jocher................................. 81/234, 116/256, 153/277 Wirsing, Werner..........................................................64/224
Geurst & Schulze architecten.....................................56/220 Zimmermann Leber Feilberg Architekten................. 176/292
Gigon/Guyer Architekten............................. 41/211, 141/270 Zumthor, Peter..........................................................151/275
Haack + Höpfner und Horden Cherry Lee .................77/231
Haller, Fritz................................................................199/306
Hasler Schlatter Partner..............................................92/240
Hauenstein, La Roche, Schedler hls Architekten.....187/299
Herzog & de Meuron................................. 120/259, 122/260
Hotz, Theo.................................................................139/268
HPP Hentrich-Petschnigg Architekten........................96/243
Kahlfeldt, Petra und Paul.............................................54/219
Kaufmann, Johannes................................... 78/232, 118/257
Ken Architekten........................................................144/272
Kerez, Christian............................................ 58/222, 174/291
Könz Molo und Barchi Architekten.............................72/230
Kollhoff & Timmermann Architekten......................... 172/289
Kollhoff, Hans; Rapp, Christian...................................42/212
Krischanitz, Adolf......................................................156/279

313
Ortsregister

Amsterdam (NL)............ 42/212, 132/265, 191/302, 198/305 Shizuoka (JP)............................................................158/281


Baden (CH)................................................ 140/269, 146/274 Stuttgart (DE).................................................63/223, 95/242
Basel (CH)........................... 37/208, 39/210, 44/214, 82/235, Sydney (AU)..............................................................162/284
.................................................................. 120/259, 122/260 Tilburg (NL)............................................................... 179/295
Berlin (DE)........... 54/219, 67/226, 86/238, 172/289, 173/290 Tokyo (JP)................................................................. 106/248
................................................... 177/293, 178/294, 186/298 Trondheim (NO)..........................................................71/229
Bezau (AT)................................................................. 118/257 Weilheim (DE)........................................................... 116/256
Breda (NL)................................................................. 107/249 Weimar (DE)................................................97/244, 152/276
Brione-Minusio (CH)................................................... 51/217 Wien (AT)........................93/241, 114/254, 123/261, 130/264
Chur (CH)..................................................................151/275 .................................................................. 156/279, 201/307
Darmstadt (DE).......................................... 133/266, 176/292 Yamanashi (JP)............................................................43/213
Den Haag (NL).............................. 56/220, 124/262, 164/285 Zürich (CH)............................58/222, 84/236, 92/240, 99/245
Dornbirn (AT)...............................................................70/228 ...........................110/25, 139/268, 141/270, 142/271, 165/286
Dresden (DE).............................................................111/252 ...................................................................... 174/291,187/299
Ennetmoos (CH).......................................................144/272 .................................................................................... 188/300
Fanas (CH)..................................................................57/221
Feldkirch (AT)............................................................185/297
Freiburg (DE)...............................................................38/209
Garching (DE)............................................................153/277
Genf (CH)..................................................................197/304
Gifu (JP)....................................................................134/267
Graz (AT)...................................................................129/263
Hamburg (DE)...........................................................160/282
Hannover (DE)............................................................81/234
Herdecke (DE).......................................................... 113/253
Ingolstadt (DE)............................................................80/233
Itingen (CH).................................................................49/215
Kaierslautern (DE).....................................................145/273
Kawagoe (JP)............................................................154/278
Kilchberg (CH)............................................................. 41/211
Köln (DE)...................................................................180/296
Laufenburg (CH)....................................................... 115/255
Leipzig (DE).................................................................96/243
Luzern (CH)............................................................... 109/250
Mainz (DE)................................................................166/287
Marseille (FR)............................................................157/280
Mendrisio (CH)............................................................72/230
München (DE)......................64/224, 65/225, 77/231, 85/237
Münsingen (CH)........................................................199/306
Niederwangen (CH)..................................................161/283
Nimes (FR)................................................................202/308
Nüziders (AT)..............................................................91/239
Oberwil-Zug (CH)........................................................68/227
Osaka (JP).................................................................192/303
Paris (FR).................................................................. 119/258
Puchenau (AT)........................................................... 190/301
Riehen (CH)............................................... 100/246, 171/288
Sarnen (CH)................................................................53/218
Sevilla (ES)..................................................................50/216

314
Autoren

Walter Stamm-Teske (Zürich, 1948)


Architekt, Prof. Mag. Arch, Inhaber der Professur Entwerfen und Wohnungsbau,
Fakultät Architektur, Bauhaus-Universität Weimar, freier Architekt
walter.stamm-teske@uni-weimar.de

Katja Fischer (Gera, 1978)


Dipl.-Ing., wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Entwerfen und Wohnungsbau,
Fakultät Architektur, Bauhaus-Universität Weimar, Büroinhaberin A21 architekten
katja.fischer@uni-weimar.de

Tobias Haag (Konstanz, 1971)


Architekt, Dipl.-Ing., wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Entwerfen und Woh-
nungsbau, Fakultät Architektur, Bauhaus-Universität Weimar, Büroinhaber A21 architekten
tobias.haag@uni-weimar.de

Im Rahmen der Entwicklung des Buchs wurden von uns mehrere Seminare an der Bau-
haus-Universität Weimar veranstaltet, die sich in verschiedener Form mit den betrachteten
Inhalten auseinandersetzten. Gemeinsame Grundlage war die intensive Recherche zu zahl-
reichen Referenzprojekten und deren zeichnerische Aufbereitung. Die hierüber entstandene
Sammlung von fast 300 Projekten diente als Quelle für die Auswahl geeigneter Beispiele
im Buch. Den über 100 Seminarteilnehmern, die damit die Grundlage für das Buch erstellt
haben, sei an dieser Stelle ausdrücklich für ihre wertvolle Arbeit gedankt. Zusätzlich zu den
Seminarteilnehmern haben uns mehrere wissenschaftliche Hilfskräfte bei dem Projekt un-
terstützt. Insbesondere bei Katrin Plescher und Leopold Mücke sowie Lena Heinkele, Arne
Kessler und Falk Merten möchten wir uns für ihre professionelle Mitarbeit bedanken.

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