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Der Unterricht in ornamentaler Schrift ist nicht an der Praxis orientiert, sonder,

auch "ein rein kunsterzieherisches Mittel von hohem Werte" (S. 3)

Der Unterricht hat zwei Säulen: "1. Der Buchstabe an sich, seine Gestalt, sein
Umriß, seine Konfiguration, sein Gerüst. [/Absatz] 2. Die Beziehung der Buchstaben
zueinander, ihr rhythmisches Aneinanderreihen, die ornamentale Massenverteilung des
Schriftfeldes, die Zeilenstellung usw." (S. 3)
"Daß das Studium dekorativer Schriften auf die Bildung des Geschmacks vorteilhaft
wirkt, daß dieses Studium das Gefühl für die richtige Verteilung auf der Fläche
reichlich fördert und so die beste Erziehung für dekorative Gestaltung bildet [/4]
und daß dadurch dem Zeichenunterrichte auch sonst eine mächtige Vertiefung und
gefühlsmäßige Förderung zuteil werden kann, ist heute bereits vielfach anerkannt.
Der Einfluß geht aber viel weiter. Er erweist sich, wie oben erwähnt, als allgemein
wirkendes Mittel zur Entwiclung, Pflege und Vertiefung des Kunstempfindens." (S.
3f.)

Die Anordnung der Buchstaben und der Schriftfelder entwickelt "Kunst des
rhythmischen und ordnenden Bildes" (S. 4). Diese zu erleben und erfühlen, dient
als "die beste Vorbildung zum Kunstempfangen" (S. 4) und lässt statt des "Buch- und
Kathederwissen[s]" "das erwünschte, gefühlsmäßige, lebendige Wissen und Können" (S.
5) entstehen.

"Die Pflege des Schriftschreibens ist also eine die Allgemeinheit tief berührende
Angelegenheit. Sie gehört in jeden Unterricht an hervorragender Stelle. Sie gehört
in die Volks- und Bürgerschulen ebenso wie in die Mittel- und in alle Fach- und
Hochschulen. Schriftschreiben soll jedermann, ob er es praktisch zu verwerten hat
oder nicht." (S. 5)

Grundlegendes:
1. Der Buchstabe an sich

"Die Erfahrung lehrt, daß fast jeder Mensch eine bestimmte Vorstellung von den 24
Buchstaben des Alphabetes einer ornamentalen Schrift besitzt und befähigt ist,
diese Vorstellung ins Graphische umzusetzen, ohne sich dabei irgend einer Vorlage
zu bedienen." (S. 6) Eine Aufgabe des Unterrichts besteht demnach nur darin, diese
Vorstellung zu entlocken. Wer Buchstaben kennt, hat also bestimmte Vorstellungen
"von ornamentalen Buchstaben" (S. 6). Mit den ornamentalen Buchstaben meint Larisch
Grundgerüste der römischen Buchstaben.

"Die große Einfachheit der Schriftzüge bewirkt, daß die Ergebnisse bei fast allen
Anfängern sehr gleichartig erscheinen. Trotzdem erhalten die einzelnen Buchstaben
aber dadurch, daß dieser Linien nicht von Vorlagen kopiert, sondern aus der
Vorstellung heraus gezogen werden, ein persönliches Gepräge. In der Wesenheit
gleich und daher für jedermann leicht leserlich, ergeben sich doch in diesen
Zeichen bei jedem einzelnen seine handschriftliche Unterschiede. Wir erkennen da
eine bisher ungeachtet gebliebene Erscheinung, nämlich die des handschriftlichen
Schreibzuges auch bei der dekorativen Schrift, wie er bisher nur bei den
gewöhnlichen Schreibschriften beobachtet und geschätzt wurde." (S. 9)

2. Beziehung der Buchstaben zueinander


"Ein charakteristisches Merkmal unserer modernen Schriftentwicklung bildet die
neuartige Behandlung der Buchstaben. Diese wieder gipfelt in dem Bestreben, jede
Einzelheit der Gesamtbilderscheinung unterzuordnen, und im Wiedererkennen der
rhythmischen Schreibqualitäten." (S. 9)

"Es ist unbedingt notwendig, daß der Anfänger Schriftflächen rhythmisch einheitlich
schließen lerne, daß er lerne, Worte zu schreiben, in welchen die Buchstaben GLEICH
WEIT VONEINANDER ENTFERNT ERSCHEINEN." (S. 10) Das muss jeder als Schüler lernen.
Die gleiche Entfernung der Buchstaben entsteht "[d]ann, wenn die
Hintergrundausschnitte, welche zwischen diesen Buchstaben entstehen, dem
FLÄCHENINHALTE nach gleich sind." (S 11)

"Der Anfänger hat also, nicht wie bisher, allein die Gestalt der Buchstaben selbst
zu erfassen, sondern er hat stets auch ZWISCHEN die Buchstaben zu schauen, er hat
mit dem Aufgebote seiner ganzen Schaukraft den Umriß dieser zwischen den Buchstaben
entstehenden Flächenform zu erfassen und sie ihrer optischen Massenwirkung nach zu
wägen, um sie bei der nächsten Buchstabenkombination mit dem gleichen Werte
wiedergeben zu können." (S. 11)

"Wie man sieht, handelt es sich hier nicht um rein geometrische Maße, sondern um
OPTISCHE EINDRUCKSWERTE, und es ist unsere Aufgabe, das Abwägen der
Hintergrundausschnitte als optische Lücken einzuüben." (S. 11)

Das Ziel der Massenverteilung der Buchstaben besteht darin, "erstens er Entwicklung
einer starken Empfindlichkeit für das Erfassen von optischen Lücken, welche die
einzelnen Buchstaben zwischen sich bilden: zweitens der Befähigung, diese Lücken
ihrer Schwere, ihrem Eindruckswerte nach abzuschätzen, und endlich drittens der
Fähigkeit, da, wo es notwendig erscheint, die eine Lücke der andern gleichwertig zu
gestalten. Mit wenig Worten heißt dies: ERRINGEN DER HERRSCHAFT ÜBER DIE
ORNAMENTALE MASSENVERTEILUNG DER BUCHSTABEN." (S. 12)

Die Schüler müssen am Anfang des Unterricht auf liniiertem Papier und mit einem
stupfen und weichen Schreibwerkzeug längere Text ornamental schreiben. (Vgl. S.
14f.) In seinem Unterricht "ist es dringend geboten, ganze Schriftfelder zu
schreiben, damit die Erfassung der unmittelbaren Umgebung des Buchstaben nicht nur
fortwährend geübt, sondern auch stets die Wirkung der Umrahmung des Schriftfeldes
studiert werde, mag diese nun ein einfacher weißer Rand sein oder mag sie
ornamental gegliedert erscheinen. Ebenso ist es notwendig, immer wieder die
dekoraktive Wirkung zu beobachten, die entweder das enge Aneinanderreihen der
Schriftzeilen oder ihre räumliche Trennung hervorruft. Im ersten Falle strömt der
ornamentale Rhythmus, der wagrecht der Zeile entlang läuft, auch lotrecht über das
Schriftfeld hinab und schließt dieses einheitlich ab. Im zweiten Falle wird die
Fläche mit getrennten wagrechten Ornamentstreifen geschmückt." (S. 16)

Die Aufgabe des Lehrers: "Erstens (der Buchstabe selbst) hat er unter sorgsamster
Schonung der handschriftlich interessanten Anlagen des Schülers auf die Änderung
einzelner Buchstabengestalten insoweit hinzuwir-[/17]ken, als es die
Charakterisierung des Buchstaben und die Betonung der Unterschiede der einzelnen
Buchstaben, also die absolute Leserlichkeit verlangt, und alles auszuscheiden, was
überflüssig ist und gegen den guten Geschmack verstößt. Zwietens (Beziehung der
Buchstaben zueinander) ist die Herrschaft über die ornamentale Massenverteilung der
Buchstaben zu erringen." (S. 17)

"Die Schriftverteilung (2) hat den Kern des Unterrichtes zu bilden. Sie ist der
Hebel, mit welchem kräftigst eingesezt wird, während die Pflege des individuellen
Schriftcharakters (1) nur mit zarter Hand erfolgen darf. Die Schriftverteilung mit
ihren vielfachen Gestaltungen und Formfeinheiten ist das starke Fundament des
Unterrichtes. Hier beginnt auch die Brücke, die zum heiklen Gebiet der Pflege des
Schriftcharakters hinüberführt. So ist der Schüler zu Erlebnissen zu führen, die
ihn mit gefühlsmäßigen Wissen und Können bereichern." (S. 17)

Als Werkzeug für den Unterricht bevorzugt er den Quellstift. (Vgl. S. 19)

S. 25 から