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TEXT AND ITS CULTURAL INTERPRETATION

R. Kerr

Inârah Institute, University of the Saarland, Saarbrücken, Germany E-mail: robert.martin.kerr@gmail.com

LAKTANZ: EIN LAKTOSEFREIER PUNIER?

Eruditionis laude dignissimo professori saravipontensis atque Inâræ κυβερνήτῃ Carolo-Henrico Ohlig, octogenario, oblatum.

Abstract. The signum Lactantius of the church father and early Christian apologist Lucius Cæcilius Firmianus (ca. 250— ca. 320), advisor to Constantine I, then later tutor of his son Crispus, seems at first glance overtly Latinate. Although the theologian was famous for the purity of his Latin style, and sometimes even hailed the “Christian Cicero”, his name from a Latin perspective is, however, quite unusual: the only contemporary Latin epigraphic attestations come from the interior of Numidia, seemingly where he was born and raised, a region which still in the first centuries AD evidenced a strong Punic substrate. One might then wonder if such a name — attested solely in a region at a time when Romanisation was just commencing and numerous indigenous names, especially in the Western Empire, were being latinised by employing the suffix of the comparative adverb -(ant)ius (often resulting in humorous expressive loans), initially, into the early fourth century, merely as signa, though toward its end as regular cognomina, even among aristocracy and then often serving as a gentilicium — is of autochthonous derivation. In this article, we investigate the possibility of a Punic etymology of the name.

Keywords: Lactantius, Punic, Semitics, onomastics, Numidia, etymology, neologism, epigraphy, philology

Th. Mommsen schreibt in seiner Römischen Geschichte:

Die gesammte christliche Schriftstellerei bis zum Aus- gang dieser Periode ist [d. i. die Herrschaft Diokletians], so weit sie lateinisch ist, africanisch; Tertullianus und Cyprianus waren aus Karthago, Arnobius aus Sicca, auch Lactantius und wahrscheinlich deßgleichen Minucius Felix trotz ihres klas- sischen Latein Africaner, nicht minder der schon genannte etwas spätere Augustinus. In Africa fand die werdende Kirche die eifrigsten Bekenner, die begabtesten Vertreter [1].

Kurz davor erwähnt er zudem als Grund hierfür, dass das „in den Anfängen des Christenthums übermächtige ori- entalische Element hier bereitwilligere Aufnahme als in den übrigen lateinisch redenden Ländern des Ostens [fand]“ — also: das Substrat punischer Religion und Kultur habe die Einführung des neuen Glaubens leichter gemacht, da immerhin durch die phönizische Religiosität die Quintessenz des Christentums den Alteingesessenen verständlich war, insbesondere die Auferstehungs- christologie. Diese hatte ihre Entsprechung in der ver- wandten nordwestsemitischen Vorstellung der Apotheo-

© R. Kerr, 2019. Manuscripta Orientalia, 25/1 (2019), pp. 3—8

se wie z. B. bei dem phönikisch-punischen Gotte Eschmun [2] (d. i. „der Gesalbte“ ptz. pas. <ןמש), der nach seinem unglücklichen Tode von der Göttin Asch- tarte wiedererweckt wurde. Eschmun, im Phönizischen mit dem Götterepitheton Adon (vgl. Ἄδωνις) angeredet, wurde in lateinischer Sprache in Nordafrika ungewöhnli- cherweise als Dominus, wie der Gott der Bibel (Hebr. ןודא [ʼådōn], LXX κύριος) tituliert. Zur Latinität Nordafrikas bemerkt Mommsen vor- weg: „Die Erbschaft der phönikischen Sprache fiel nicht dem Griechischen zu, sondern dem Lateinischen. In der natürlichen Entwickelung lag dies nicht“ [3]— immerhin war Latein lange Zeit nur die Sprache der Fremden: der Beamten, Soldaten und angesiedelten Veteranen, vor allem in und um Karthago [4]. Obwohl das Punische seit dem Ende des dritten punischen Krieges keine Amts- sprache mehr war, blieben viele Einwohner Nordafrikas bis weit nach der Zeit Augustins punisch sprechend, wie Mommsen ausführt:

Im privaten Verkehr hat das Phönikische sich noch lange Zeit in Africa behauptet, länger wie es scheint als in

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dem Mutterland; am Anfang des 3. Jahrhunderts sprachen Damen der vornehmen Häuser in Groß-Leptis so wenig Latein oder Griechisch, daß ihres Bleibens in der römischen Gesellschaft nicht war [5]; noch am Ende des 4. stellte man in der Umgegend von Hippo regius (Bone) nicht gern Geistliche an, die sich mit den Landleuten nicht auf punisch verständigen konnten [6].

ma (mod. Guelma, in Algerien) [11], dem eine Bericht (brkt; seine Gattin?), die Tochter des Rogatus (rgᶜṭᵓ), ein Grabmal errichtete; wie zudem aus manchen zweispra- chigen Inschriften hervorgeht, hatten Personen einen lateinischen Namen in dieser Fassung und in der puni- schen Fassung einen aus diesem Onomastikon, wie ein Beispiel aus Qalat Abi al-Siba (ebenfalls Algerien) [12] zeigt: lat. Rufus Metatis f[ilius], pun. tsdt bn mtt (etwa „Thasdath Sohn des Methath“). Vielleicht aber lässt sich aus dem Gebrauche des adjektivischen Suffixes -ius bzw. des komparativen Adverbs -antius im Sinne eines Signums, das sich besonders im lateinischen Westen ab dem 3. Jh. bei Neurömern, die in dieser Zeit kulturell römisch wurden, einbürgerte [13], auf Familien, die erst in dieser Zeit „verrömerten“, schließen. Im Fall von Lactantius vermutete von Harnack [14] einen Ursprung in Cirta (Constantine), einer Stadt mit einer sehr langen punischen Vorgeschichte [15], wegen der Erwähnung eines L. Cæcilius Firmianus [16]. Dieser Vorschlag ist vielleicht richtig — andere epigraphisch bezeugte Personen dieses Namens sind uns nicht be- kannt, jedoch sind sowohl Cæcilius wie auch Firmianus reichsweit in dieser Zeit durchaus geläufig — allerdings ist mehr als fraglich, ob hier die Abbreviatur L als Lac- tantius gedeutet werden muss, Lucius scheint an dieser Stelle wahrscheinlicher wie die Erstherausgeber schon vermuteten. Nichtsdestotrotz mutet uns dieser seltsame Name afrikanisch an, da die einzigen zwei uns bekannten lateinischen epigraphischen Belege, die bei von Harnack keine Erwähnung finden, dies nahelegen [17], ein Album ordinis coloniæ der Colonia Marciana Traiana Thamu- gadi (modern Timgad, Algerien) [18], das einen [Fab]ricius Lactantius erwähnt, sowie die Grabinschrift aus Mechta Chabet Zizi [19]: DMS / Seius Clebonia/nus qui et Lac/tantius v an / vicsit anis XXXV — beide wohl im damaligen Einzugsbereich der Rhetorikanstalt von Sicca Veneria, an der Arnobius wirkte. Obwohl, wie oben angedeutet, die adjektivische Bil- dung von Namen mit der Endung -ius bzw. komparativ adverbial auf -antius nicht ungewöhnlich ist, besonders in Afrika Proconsularis der beginnenden Spätantike, scheint Lactantius doch von einer anderen Qualität zu sein als etwa Amantius, Constantius, Florentius, Venan- tius usw., oder gar jener Punier Terrentius, nicht nur le- xikalisch, sondern auch wegen der mangelhaften Bezeu- gung. Ohne behaupten zu wollen, dass das römische Onomastikon laktoseintolerant sei, oder selbst nisi me lactasses amantem et falsa spe produceres, ist zu fragen, ob wir es hier nicht vielmehr mit einem Xenonym zu tun haben — auch weil die zwei Belege des Namens (s. o.) quasi nur am afrikanischen Rande der Romanitas be- zeugt sind. Solches wurde schon im 19. Jh. von B. Bolo- toff vorgestellt:

Lactantius… like Arnobius and Zenobia, [derives] from a Semitic source. The root LQmakes possible the Punic form LaQaN, “he whose occupation is gleaning”: the Latinized form “Lactantius” suited the African onomatol- ogy at the time, and… was of the sort which Maximus the grammarian… pronounced to be diis hominibusque odiosum nomen [20].

Im

3.—4. Jh. waren die häufig dem Donatismus anhän-

genden Landarbeiter (coloni) der inländischen Latifun-

dien von Africa Proconsularis noch durchweg punischer Zunge, wie auch die sich herumtreibenden Circumcelli- ones (Agnostiker) je nach dem Selbstmordterroristen (Laudate Deum anstatt ﺮﺒﻛﺃ ﷲ) avant oder Hebräer (Habiru) après la lettre [7] — Punisch also war zwar

nicht mehr die Landessprache, blieb aber die des Landes,

die

aber auch weiterhin von den Eliten beherrscht wurde,

am

Bekanntesten ist hier der Kirchenvater Augustinus:

falls es nicht seine Muttersprache war, war es zweifelsohne seiner Mutter Sprache, die er wie eine ancilla fidei — um Hebraismen in der ihm bekannten lateinischen Fassung der Bibel zu deuten (Baal Samem, s. Fn. 13; Mammon „lucrum“ usf.), regelmäßig an- wendete — oder etwa sein Kollege, der Bischoff Karthagos Aurelius Macomadensis, der bei Bedarf ver- bis punicis cœpit (Ep. 20*, 21).

Zumindest einer der von Mommsen erwähnten christlich-afrikanischen Schriftsteller, Augustinus, von dem wir im Übrigen am Meisten wissen, besaß also pu- nische Wurzeln. Seine Punischkenntnisse werden nur in seinen pastoralen und homiletischen Schriften deut- lich — in seinem philosophisch-theologischem Werk schreibt er, dank u. a. seiner Rhetorikausbildung zu Kar- thago, durch und durch lateinisch. Ist es daher möglich, dass auch andere Kirchenväter, besonders solche aus ländlichen Gegenden Nordafrikas, punische Wurzeln haben? Über die Lebensgeschichten der übrigen von Mommsen angeführten Schriftsteller wissen wir unse- ligerweise nur wenig, meistens sind nur lakonische Mitteilungen aus De Viris Illustribus des Hieronymus greifbar. Tertullian (§53) und Cyprian (§67) sollen aus Karthago stammen, das nach seiner Neugründung und -besiedlung wohl seiner punischen Vergangenheit entrissen ward. Über Arnobius (Afer vel Junior) heißt es nur, dass er „sub Diocletiano principe Siccæ apud Africam florentissime rhetoricam docuit“ [8], wie et- was später der berüchtigte Apiarius. Von Minucius Fe-

lix

(§58) ist noch weniger bekannt, obwohl eine Her-

kunft aus Africa Proconsularis durchweg angenommen

wird. Von der Provenienz von „Firmianus, qui est Lac- tantius“ (§80), ist nur bekannt, dass er „Arnobii disci- pulus“ war, also in Sicca (heute El-Kef, ca. 175 km westlich von Tunis) studierte [9]. Vermutlich ent- stammte er der näheren Umgebung, wenn er dortselbst Rhetorik studierte [10]. Die Namen selber können keinen Aufschluss über

die

sprachliche oder völkerkundliche Zugehörigkeit ihrer

Träger vermitteln, da schon früh lateinisch-römische Namen in punischen Inschriften gut bezeugt sind, wie z. B. ein Gaius Julius Manulus (gy yl mnwl) aus Cala-

R. KERR. Laktanz: Ein Laktosefreier Punier?

 

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Dieser inzwischen leider vergessene Vorschlag ist im Lichte des hier Besprochenen einer Wiederauferste- hung würdig. Die Wurzel lqmit einer Grundbedeutung „(ein)sammeln, auf- bzw. nachlesen“ ist semitisch gut bezeugt: Hebräisch besonders in Exodus 16 bei der Ein- sammlung von Manna (z. B. V. 4:

und dann im Sinne von „fest-, gefangen nehmen“, ist hier ein aus einer nordwestsemitischen, wohl angesichts ihres jüdischen Inhaltes aber hebräischen (bzw. jüdis- charamäischen) Sprache entlehnten Namen. Sehr gut bezeugt ist dieser Name übrigens im Safaitischen [25]. Dass diese nomadischen Nordaraber, wie die Circumcel- liones Nordafrikas, als Gelegenheitsarbeiter für die Ernte sich vom Ährenlesen ernährten — also wurde aus einer Berufsbezeichnung ein Namen —, zu vergleichen mit Eherer im Deutschen (oder wie etwa die Nachnamen Cropper, Glennister, Glenisson oder Hooker [26] im Englischen), und sowohl טקל (wie auch טוקלי) sind bekannte jüdische Familiennamen. Dass weder Name noch Wurzel im Phönizisch-Punischen bisher belegt sind, muss nicht als besonders störend aufgefasst wer- den, da die meisten Inschriften höchlich stereotyp sind

Siehe, ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen, und das Volk soll hinausgehen (וּטקְ לָ ) und sammeln täglich, was es des Tages bedarf, daß ich's versuche, ob es in mei- nem Gesetz wandele oder nicht),

und u. a. auch bei den Bestimmungen zum Nachle- serechte in Leviticus 19,9f. (z. B. V. 9: „Wenn ihr die Ernte eures Landes einbringt, sollst du den Rand deines Feldes nicht vollständig abernten und keine Nachlese

[21] — s. ferner

Rut 2), wie in diesem Sinne arabisch ﻁﺎَﻘﻟِ [liqāṭ] sowie

(טקֶ ל)ֶ nach deiner Ernte halten (טקֵּ לַ ת)“ְ

ٌ

(und sich zudem kaum mit Landwirtschaft befassen), und die verhältnismäßig wenigen Texte sind für und von Eliten verfasst; sich von der Nachlese Nährende gehören nicht zu diesem auserwählten Kreise. Mit der Auslegung von Lactantius als ursprünglicher punischer Berufsname „Ährenleser“, der mit dem Suffix komparativ-adverbial in phono-semantischer Anglei-chung latinisiert wurde, kommen wir dessen Etymologisierung näher.

Syrisch [lāqōṭā] [22]. In einer späten sabäischen Bauinschrift, Nuove iscrizioni 4 [23], anscheinend von Juden erstellt, finden wir in den ersten zwei Zeilen er- wähnt Whbm (Ytf) w-s²kt-hw[ bt] / Lqyt w-’lwd-hmy [… …] „Whbn Ytf und sein Eheweib, Tochter des / Lqyt und deren Söhne…“ Da im sabäischen Lexikon die Wurzel lqunseres Wissens nur einmal belegt ist [24],

 

Nachwort

 

Wahrscheinlich entspricht die Semantik „etwas (vom Boden) aufsammeln“ der semitischen Grundbedeutung, die des Nachlesens stellt dann eine Weiterentwicklung dieser Grundbedeutung dar. Da die semitischen Spra- chen verschiedene Dialektkontinua bilden — ein nord-südliches, daher die nahe Verwandtschaft des (vor

allem nachbiblischen) Hebräischen zum Phöni- zisch-Punischen — aber auch ein ost-westliches, wo- durch Phönizisch-Punisch einige sprachliche Überein- stimmungen mit dem Arabischen aufweist. Obwohl die historische Lexikographie des Arabischen eigentlich noch nicht richtig begonnen hat, sind die zwei Belege der Wurzel lqim Koran vielleicht von Interesse in ver- gleichend-semitistischer Hinsicht. In beiden Fällen han- delt es um das Auffinden einer Person: in āya 12:10 sagt einer der Brüder Josefs (vgl. Gen 27, 21ff.): lā taqtulū yūsufa wa-’alqūhu fī ghayābati al-jubbi yaltaqihu ba‘u al-sayyārati ’in kuntum fā‘ilīna „Tötet nicht den Josef, werft ihn in des Brunnens Tiefe! Aufnehmʼ ihn da ein Reisender, wenn ihr es wollt“ (Übersetzung von Rü- ckert); in 28:8 handelt es sich um Mose (vgl. Ex 2,5 ff.):

fa al-taqaahū ālu fir‘awna li-yakūna lahum ‘aduwwan wa-azanan ’inna fir‘awna wa-hāmāna wa-junūdahumā kānū khāṭi’īna „Da lasen ihn nun auf die Leute Faraos, damit er ihnen würd ein Feind und Kummer. Denn Farao und Haman und ihr Heer, sie waren Sünder“ — beide im VIII. (Gt) Stamm, in der Bedeutung „unerwartet finden;

über oder auf irgendwen bzw. -etwas stolpern“. Diese

Beispiele verdeutlichen gut den Hergang weiterer arabi-

َ

scher Abtönungen dieser Wurzel, wie etwa

(sowie auch

[laqīṭ]

[malqūṭ]) „Findelkind“, „Findling“;

ٌ

ﻂﻴﻘِ

ْ

ﻁﻮ ُ ﻘ ﻠ

ٌ

َ

„Blendling“, „Bastard“ (vgl. oben zu Sabäisch lqyt).

Somit wäre vielleicht eine Ableitung für Lactantius im Sinne eines Waisen erwägungswert. Es dünkt, dass die

َ

[laqīṭat], auf Männer und Frauen

weibliche Form

anwendbar, die Bedeutung von „niedrig“ bezüglich Ge-

ٌ ﻄﻴﻘِ َ

ٌ

burt bzw. Geblüt hat; in diesem Sinne bedeutet dann

ﻂِﻗﻻَ

[lāqi] nebst Ährenleser einen cliens bzw. libertus, einen „Freigelassenen“. Gleichwohl aber scheint diese Begriff- lichkeit im Punischen u. a. mit den Ausdrücken PN 1 ’š dn bd ’dny PN 2 bzw. PN 1 hdn š PN 2 wiedergegeben zu

sein, wobei undeutlich bleibt, was mit dn angedeutet werden sollte, Sidon oder die (in Kupfermünze zu zah- lende) Freikaufsumme [27]. Obwohl die hier ausgeführte Variante möglich ist, bleibt angesichts der Beweislage die oben nachzulesende Deutung vielleicht die wahr- scheinlichere Annäherung. Wenngleich ausweislich seiner Institutiones und auch seiner Anstellung als Lehrer des Konstantinsohnes war Laktanz wohl lateinischer Muttersprachler, allem Anscheine nach aber entstammte er vermutlich einem punischen Kontext. Wie weit diese semitische Herkunft auch seine Theologie beeinflusst hat, müsste näherhin untersucht werden.

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Notes

 

1. Mommsen, 1921: 659.

Ein interessantes Beispiel dieser Anpassung ist der in lateini- schen Inschriften bezeugte Name An(n)ibonius, also die Latini- sierung des punischen Name Hannibal (ḥnb‘l), wobei das semi-

2. Vgl. Damascius, 1999: 302; Photius, 2003: 242.

3. Mommsen, 1921: 642.

4. So z. B. können nur fünf lateinische Inschriften eindeu-

tische theophore Element „Baal“ zu lat. bonus umgedeutet ward (vgl. Jongeling, 1994: 9); vgl. auch latinisierte punische Namen wie etwa balsamius (Mommsen, Wilmanns, et al. (Edd.), 1881—1959: 11079), ualsamius (Courtois et al., 1952: xxvi 5, 12—14), balsamiorum (gen. pl.!, Cagnat 1926: cxiv) usf. < bʻl šmym „Himmelsbaal“ (vgl. Augustinus, 1865: 7,16 [ad Ri 2,13]:

tig in die Zeit vor dem Bürgerkriege, also um 46 v. Chr., ein-

deutig zugeordnet werden, alle von und für Römer, vgl. Kerr, 2010: 14—16; s. auch Mommsen, 1921: 641, Fn. 548.

 

5.

Hiermit ist die Schwester Septimii Severi gemeint, vgl.

Scriptores Historiae Augustae, 1965: „Severus“ xv.9: „Cum

soror sua Leptitana ad eum venisset vix Latine loquens ac de illa multum imperator erubesceret, dato filio eius lato clavo atque ipsi multis muneribus redire mulierem in patriam praecepit“.

„Nam Baal Punici videntur dicere Dominum; unde Baalsamen, quasi Dominum cœli intelleguntur dicere: Samen quippe apud eos cœli appellantur“).

 

6.

Mommsen, 1921: 641. Zum Fortbestand des Punischen

14. Von Harnack, 1904: 415, Fn. 6.

in Nord Afrika s. Kerr, 2010: 7—24, Augustinus' Bemühungen um einen Bischof („Punica lingua esset instructus“) für das

Castellum Fussalensis, einschließlich dem Mommsen unbe- kannten Brief Ep. 20*, ders. 18—20. Siehe auch die ausführli- che Diskussion bei Fernández Ardanaz, 1991.

 

15. Für die punische Epigraphik s. Berthier & Charlier,

1952—1955; für die römerzeitlichen, neupunischen Inschrif- ten, Jongeling, 2008: 196—225. Der Stadtname lat. Cirta geht wohl auf punisch qrt „Stadt“ (vgl. hebr. הירק, arab.

„Städtchen“, aram. „vicus“, „oppidum“; „ager“, usw.)

 

7.

Vgl. Ep. 108,14, in der für die Verständigung mit diesen

zurück. Zur Geschichte s. jetzt allg. Bensiddek, 2012.; bes. aber für die punische Zeit Kallala, 2000: 77—104.

nur per punicum interpretem möglich war.

 

8.

Dass Arnobius sich der sprachlichen Einteilung Afrikas

16.

Mommsen, Wilmanns, et al. (Edd.), 1881—1959:

seiner Zeit bewusst war, geht aus seinen Commentarii in Psalmos (ad Psalm civ [105]) deutlich hervor: „…sermone

7241.

 

17.

Ibid.: 2403 (=17824=17903; vgl. jetzt L'Année épi-

punico a parte Garamantum, latino a parte Boreæ, barbarico a parte meridioni…“ Arnobius, 1865: 481.

graphique, 2013: +2143.

 

18.

Obwohl diese Stadt eine Neugründung Trajans im Jah-

 

9.

Punische Epigraphik aus römischer Zeit ist von diesem

re 100 war, ursprünglich als Militärkolonie, war es später eine

Ort in zwei Opferinschriften belegt (vgl. Jongeling, 2008:

Hochburg des Donatismus mit bedeutendem Bischofssitz;

161f.). Es muss gesagt werden, dass Epigraphik keine quantita- tive Auskunft über den Sprachgebrauch erbringen kann.

ca. 270 km westlich von Sicca / El-Kef. Zu diesen Inschriften

auch Heck & Campenhausen, 1972: 125 Anm. 15; Kajanto, 1966: 110.

s.

 

10.

Früher wurde Firmianus als Ableitung von Firmum

(Picenum), mod. Fermo verstanden, also „afkomstig uit Ita- lië“ (vgl. z. B. Winkler Prins, 1886: 679), was aber unmöglich

ist, s. von Harnack, 1904: 416, Fn. 2.

 

19.

In der heutigen Wilāyat Umm al-Bawāqī, 80 km süd-

lich von Constantine gelegen, ca. 80 km nordöstlich von Tim- gad, 100 km westlich von Sicca / El-Kef. Mommsen, Wil- manns, et al. (Edd.): 17767.

 

11.

Guelma N 9, vgl. Jongeling, 2008: 232f. Für die mo-

derne Diskussion der Vita Lactantii, s. Wlosok, 1989: 375—

 

20.

Orloff, 1901: 417—420. Unser Dank gilt dem Kolle-

404; Heck, 2005: 208—215.

gen D. Rutherford (Central Michigan University) für diesen Hinweis sowie für seine freundliche Unterstützung.

 

12.

Mommsen, Wilmanns, et al. (Edd.), 1881—1959: 8

17467 = Qalat Abi al-Siba N 1, Jongeling 2008: 249f.

 

21.

Ebenfalls in der Wiedergabe dieses Verses der Peshitta:

 

13.

Salway, 1994: 136:

̈ ̈ . Von dieser Wurzel im rabbinischen Hebräischen gibt es das Wort Jalkut „Blütenlese“ für rabbinische Anthologien (bib-

lisch טוקלי nur 1Sam 17,40, die „Hirtentasche“ Davids, die er zur Aufbewahrung seiner Steinschleudergeschosse verwende- te); Ivrit „Rücksack“.

Thus in the course of the third century its use spread rapidly into the Latin West, at first only by borrowing the new Greek coinages but soon also by the creation of new formations on Latin roots, such as Equitius or Honorius. It may have been the coinci- dence of lexical termination with the Latin comparative adverb that suggested to Latin speakers the novel coinages from present participles (e. g. Amantius, Florentius, Lactantius);

 

22.

Payne Smith, 1903: 244; für das jüdische Targumara-

137 dieser Namen

mäische s. Jastrow, 1903: 717 und z. B. im babylonischen Talmud, Baba Metzia 21b (zu Lev 19,19 -s. o.): רתב יטוקל יטוקל „Ährenleser nach Ährenleser“. Vgl. ferner Akkadisch

laqātu „auf-, nachlesen, sammeln“; D luqqutu „(mit Gewalt) entreißen“ > „unterwerfen“ bzw. „stehlen, plündern“ —

popularity in Latin was a symptom of the eclipse of the no- men, but did not cause it. As might be expected, the -ius forma- tions caught on as regular given names more rapidly among the New Romans and those communities where there was a strong admixture of non-Italian stock than in those Old Roman circles where the nomen gentilicium remained in everyday use. Neverthe- less the identity of their lexical termination made it possible to as- similate the signum to the position of the gentilicium as a conven- ient shorthand method of referring to an individual with multiple nomina“.

s.

Civil, Gelb et al. (Edd.), 1973: L 100f. (vgl. ähnlich

ٌ ﺔ ﻁﺎَﻘ َ ُ ﻟ im

Arabischen); in der altaramäischen Inschrift Tal Fecheriye

Z.

22 wmn qlqlt’ llqw ’nšwh š‘rn l’klw „Mögen seine Men-

schen Gerste von der Müllhalde als Essen holen“ — akkad. Paralleltext ugu tub-qí-na-te la-qi-te lil-qu-te „Mögen die Äh- renleser sich auf den Müllhalden versammeln“. Im Ugariti- schen ist eine allophone Variante lq„aufhe-

R. KERR. Laktanz: Ein Laktosefreier Punier?

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ben, -nehmen, -lesen“ attestiert (del Olmo Lete & Sanmartín, 2003: 503f.). 23. Vgl. Garbini, 1973: 31—46; s. jetzt Gajda, 2004:

vgl. Calvet & Robin, 1997: 153). Im verwandten Äthiosemiti- schen ist diese Wurzel übrigens nicht bezeugt. 25. Ibid.: 5, 942, 1664, 2261, 2697, 3142, 3819, 4915; Winnett, 1957: Nr. 832, 833; Winnett & Harding, 1978:

197—202.

24. In der mittelsabäischen (Periode D) Inschrift Corpus inscriptionum semiticarum… 1889—1920: 84, 4; s. jetzt Jändl, 2009: 90 + Abb. xv. Zusätzlich gibt es einen übrigens unbe- kannten Ort dieses Namens, vgl. Corpus inscriptionum semiti- carum… 1889—1920: 308 u. AO 7368 (=ibid.: 500 + 364 —

Nr. 2420; Clark, 1979: Nr. 824; ‘Abābneh, 2005: Nr. 780,

781.

26. Von „reaping-hook“, d. i. die Sichel. 27. Vgl. Février, 1951—1952: 13—18; Sznycer, 1975:

47—68; Hoftijzer, & Jongeling, 1995, s. v.

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DOI: 10.31250/1238-5018-2019-25-1-3-8

Received by the Editorial Board: 25.03.2019