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Biomechanik des Radfahrens

Ausbildungslehrgang zur
Erlangung der Trainer–A –
Leistungssport – Lizenz
Thomas Moeller – Michael Söldner

Ziele der Präsentation


• Einführung
• Der „runde Tritt“ – Mythos oder
Wirklichkeit?
• Ein DDR-Athlet aus Austin/Texas
• Leistungsexplosion auch ohne EPO – „das
Wunder von Madrid“
• Projektvorstellung
Sportliche Leistung
Nach den Erkenntnissen der Biowissen-
schaften resultiert jede sportliche Leistung aus
einem energetischen Anteil und einem Anteil
an Steuer- und Regelleistungen.

Leistungsentwicklung in den
Ausdauersportarten
„Die weitere Leistungsentwicklung in den
Ausdauersportarten ist an einen größeren
Vortrieb im Einzelzyklus und die Erhöhung
der Stabilität dieses Vortriebs unter zu-
nehmender Ermüdung bei einer optimalen
Regulationsbreite der Bewegungsfrequenz
gebunden.“
U. Fuchs – M. Reiß: Höhentraining, 1990
Fahrtechnik
(in Gruppe, Kurven, bergab usw)
Trettechnik

SCHNABEL 1977: Modell der sportlichen Leistung


Modell der
Kräftezerlegung an
der Pedalachse

GRESSMANN 2002

Hauptsächlich beteiligte
Muskelgruppen

G. Greule; W.Friedrich: Optimales Radfahren; 2007


Anteile an der vortriebswirksamen Kraft

Ungenutzte und bremsende Kräfte


Horizontale Kraft in Abhängigkeit
von der Pedalachse

Resultierende und effektive Kraft


Vergleich zweier Elitefahrer

Messpedal Trettechnik-Messplatz

2 Komponenten (x;y)

Test mit 85% Pmax Stufentest, TF 93min-1


Mittelwerte über 45s
Fehlerbild zweite optimierter
Kraftspitze bei 180° Kraftverlauf bei 180°

Anweisung: „Früheres Druck-wegnehmen nach 90°“

Kriteriumdiagramme der beiden Fahrer


Trittechnik im Radsport:
Der "runde Tritt" - Mythos
oder Realität?
Martin Hillebrecht - Ansgar Schwirtz
Björn Stapelfeldt - Wolfgang Stockhausen - Martin Bührle

Fehlerbild
optimierter
„Bein hinten stehen lassen“ Kraftverlauf bei 270°

Anweisung: „Versuchen das Bein hinten aktiv anzuheben“


Der biomechanische Wirkungsgrad wird als das Verhältnis
zwischen der Summe der Tangentialkraft über eine Umdrehung
und der Summe der resultierenden Gesamtkraft über eine
Umdrehung definiert

„Optimale“ (konstante) tangentiale Kräfte in den einzelnen Sektoren einer Kurbelumdrehung


Name Gesamt Sektor 1 Sektor 2 Sektor 3 Sektor 4
A 50.82 74.57 90.22 29.28 -59.58
B 45.50 66.76 90.82 22.07 -60.90
C 60.88 37.65 92.89 34.99 25.27
D 41.93 37.96 89.61 22.39 -66.54
E 35.88 14.32 89.74 24.75 -47.03
F 44.95 23.43 91.16 37.56 -54.46
G 44.07 39.48 90.48 23.96 -48.99
H 39.67 35.29 91.69 29.20 -57.59

Wirkungsgrade [%] über eine Umdrehung und in einzelnen Sektoren bei 300 Watt

Maximalwerte der Tangentialkraft


(bei 300W)
Verteilung der Vortriebserzeugung in einzelnen Prozentuale Sektoren

Verlauf der vortriebswirksamen Kraft (Ftangential, [N]) von allen Fahrern bei 300 Watt
Fazit
• „Hoch qualifizierte Fahrer erzeugen den Großteil des
Vortriebs in der Abwärtsbewegung des Pedals.
• Sie zeigen höchstens eine Entlastung des Pedals in der
Aufwärtsphase, jedoch keine aktive vortriebswirksame
Zugbewegung.
• Selbst bei steigender Belastung werden große
Änderungen der Kraftverläufe nur im Sektor 2 sichtbar.
• Im vierten Sektor finden sich nur geringe
Veränderungen.“

Fazit
• „Dieses Bewegungsverhalten könnte aus
biomechanischer und physiologischer Sicht
als runder Tritt bezeichnet werden, da man
davon ausgehen kann, dass Spitzenathleten
sich dem Technikoptimum stark annähern.“
(Hillebrecht, 1998)

Kann man das wirklich?


„Einordnung des Leistungsfaktors
Sporttechnik“
• „Dem Erstplatzierten wurde dabei oft
fälschlicherweise die beste Technik zugesprochen,
die dann das Leitbild zeitweilig prägte.
• Als Beispiel dafür kann ein am hochfrequenten
Laufen der amerikanischen Eisschnellläuferin Beth
Heiden orientiertes Leitbild gelten, dessen
Einhaltung noch bis Anfang der achtziger Jahre von
einigen Trainern gefordert wurde.“

Reiß/Pfeiffer: Leistungsreserven im Ausdauertraining; 1991

Perfektion der Technik


• „Leistungsentscheidend im Schwimmen ist die
Perfektion der Technik, und da haben wir noch
lange nicht alles erreicht.
• Selbst bei meinen Spitzenschwimmerinnen gibt es
noch an die hundert Bereiche, in denen sie sich
mindestens um ein Prozent verbessern können.“
• Das Zitat stammt von dem Schweizer Trainer
Stephan Widmer, dem Trainer der australischen
Weltklasseschwimmerinnen Leisel Jones und
Lisbeth Lenton.
War er
ein DDR-
Athlet?

Mechanischer Wirkungsgrad
• Der mechanische Wirkungsgrad (Gross
efficiency) ist der Quotient aus der
erbrachten physikalischen Leistung (Arbeit
pro Zeiteinheit) und dem dafür benötigten
Arbeitsumsatz.
Zunahme des Wirkungsgrades von
Lance Armstrong 1992 - 1999

410 23,5
404
23,1
400 399 23,0

Wirkungsgrad [%]
Leistung [W]

22,7
390 22,5

382
380 22,0
374
21,6
370 21,5
21,2
360 21,0
Jan 92 Jan 93 Aug 97 Nov 99

Leistung bei einer Sauerstoffaufnahme von 5 l pro min [W] Mechanischer Wirkungsgrad [% ]

=> Zunahme des Wirkungsgrads um 8 - 9%!

Mögliche Erklärungen nach E. Coyle


Human Performance Laboratory, Austin, Texas

• Zunahme der Typ-I-Muskelfasern?


• Auswirkung von Höhentraining?

• Erklärung Moeller: „normale


Adaptationseffekte“

Edward F. Coyle: Improved muscular efficiency displayed as Tour de France champion


matures; J Appl Physiol 98: 2191–2196, 2005.
Andere Erklärung
• Erhöhte Effizienz durch entsprechendes Training
z.B. mit sog. Power Cranks?
• „Lance Armstrong kurbelt den ganzen Winter
damit, will Peter Wyss wissen. «Doch weil sich
mit dem Produkt kein Geld verdienen lässt und
Lance darum keine Sponsoring-Millionen erhält,
weiß niemand davon.»
• Vielleicht auch, weil er das Geheimnis seines
wunderschönen Trittes und seiner hohen Kadenz
niemandem verraten will.“

FIT for LIFE 3-03

Leistungsexplosion auch ohne EPO –


„das Wunder von Madrid“
Der „Fall“ Joaquín Rodríguez Jadraque

Joaquín Rodríguez Jadraque:


• Alter: 38 Jahre
• Aktiver Radsportler seit 20 Jahren
• Trainingsumfang pro Woche:
– ca. 10 Stunden
– früher 20 Stunden

Leistungstests
„Hausberg“ La Marcourera (9 km lang durch-
schnittlich 8% Steigung)
• Bestzeit: 1993: 29:47 min
• 2005: 30:14 min (280 W)
• 2006: 27:40 min (340 W)
=>Verbesserung der absoluten Bestzeit um 7%!
=> Verbesserung in Jahresfrist um 9%!
Leistungsexplosion in 14 Monaten!
Leistungstests

90
451

Sauerstoffaufnahme in
425 85,5
Leistung in Watt

400 405 85
394

ml/min·kg
Maxmiale
82,7
358
80
300
284
75

71,2
200 70
Feb 06 Okt 06 Apr 07
Max Leistung [W]
Ausdauerleistung über 1 h [W]
Maximale Sauerstoffaufnahme [ml/min·kg]

Lernprozesse
• Frank Day, M.D.
• Founder
• BS in Applied Science from U.S. Naval
Academy, 1966; 5 years in nuclear
submarines; MD from University of
Hawaii School of Medicine, 1976,
practiced as physician and
anesthesiologist in Navy and private
practice for over 20 years, inventor of
PowerCranks device, finished world’s
first Ironman in 1978.

PowerCranks
• Our typical cyclist new user is gaining approximately 40% more
cycling power in 6 months. This means about 2-3 mph faster
bicycle speed. Of course some see less but many see much
more!
• Our typical distance runner (triathlete and marathoner) is
improving running pace about 1 minute per mile in only 2-3
months!
• Our typical sprint/field athlete (track, football, baseball, etc.) is
improving 40-100 meter time 0.2-0.3 seconds in only a few
months.
• Our typical injured athlete is seeing improvement in chronic
injuries, that have been nagging them for months or years, in
only a few weeks
SmartCranks GmbH

Industriestrasse 47
Postfach 4461
CH- 6304 Zug
Auch hier ist vom runden Tritt noch
nichts zu sehen!
Das Projekt
• Erarbeitung einen methodischen Vorgehens
für die Implementierung der SmartCranks in
die Trainingspraxis eines Athleten im
Anschlussbereich
• Prüfung der Wirksamkeit bezüglich der
Trettechnik und der Radleistung
• Prüfung auf eventuelle Übertragungseffekte
auf die Lauftrechnik und die Laufleistung