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Streckblasen

Das Streckblasen oder auch Spritzstreckblasen ist ein Verfahren zur Herstellung von
Kunststoff-Hohlkörpern aus thermoplastischem Kunststoff, wie PET, PVC und PP. Dieses
Verfahren wird zur Herstellung von PET-Flaschen eingesetzt. Das Verfahren grenzt sich ab
vom Extrusionsblasformen, durch das ein Hohlkörper aus einem nur in die Länge
gezogenen thermoplastischen Schlauch hergestellt wird. Im Streckblasprozess werden
Hohlkörper hergestellt, die in Umfangs- und Längsrichtung verstreckt sind. Diese
Verfahrensweise basiert auf der biaxialen (in zwei Richtungen) Ausrichtung der
Makromoleküle im Kunststoff. Das Kennzeichen der im Streckblasprozess hergestellten
Hohlkörper ist ein am Behälterboden erkennbarer Angusspunkt im Gegensatz zu den bei
extrudierten Behältern sichtbaren Quetschnähten.[1]

Inhaltsverzeichnis
Verfahrensgrundlagen
Verfahrensablauf
PET-Flaschen-Rohform
Maschinenausführungen und Leistungsdaten
Spritzblasen
Weblinks
Literatur
Einzelnachweise

Verfahrensgrundlagen
Basis für die Anwendung des Streckblasverfahrens ist die Veränderung der Kettenbeweglichkeit der Makromoleküle unter
Temperatureinfluss. Unter Temperatureinwirkung lassen sich die Makromoleküle oberhalb der Glasübergangstemperatur
verarbeiten. Dabei nimmt die Beweglichkeit der Makromoleküle zu und sie richten sich innerhalb des Werkstücks neu aus. Diese
Umformung des Materials erfolgt in einem Temperaturbereich von 80 bis 120 °C.

Die biaxiale Orientierung der Molekülketten hat die Vorteile, dass eine höhere Festigkeit bei geringerer Wanddicke, eine
Permeationsreduzierung und ein stärkerer Oberflächenglanz erreicht wird.

Verfahrensablauf
Bei der Herstellung von Hohlkörpern im Streckblasverfahren (Zwei-Stufen-Verfahren) werden die angelieferten Vorformlinge
(Preform) im ersten Verfahrensschritt im Heizofen auf die Verarbeitungstemperatur von 90 bis 120 °C temperiert. Der damit
zähflüssig gewordene Kunststoff kann in der Preform im zweiten Arbeitsgang, dem Streckblasen, ausgeformt werden. Im
Aufheizprozess werden IR-Heizstrahler eingesetzt, an denen die Preforms vorbeigeführt werden. Durch die separate
Einstellbarkeit der Strahlerröhren lässt sich je nach Preformeigenschaften ein individuelles Heizprofil anlegen. Die Bereiche um
die Mündung bleiben durch Kühleinheiten geschützt, um eine Verformung des Mündungsbereichs mit Gewinde und des
Trag-/Transportrings zu verhindern. Es folgen einzelne Ausgleichszeiten,
während derer die Prefoms nicht weiter erwärmt werden, sondern ein
Temperaturausgleich über die gesamte Wanddicke erfolgt.

Im zweiten Verfahrensschritt findet im Blasrad der Streckblasmaschine der


eigentliche Ausformprozess der Kunststoffflasche statt. Dazu werden die
temperierten Preforms an die Blasformen übergeben. Die Blasformen aus
Aluminium oder Stahl sind gemäß dem gewünschten Design als Negativform
ausgeführt und verfügen über eine Wasserkühlung. Sobald die Blasform mit PET-Preform mit Deckel
einer vortemperierten Preform bestückt und verschlossen ist, beginnt der
Verstreckprozess. Dazu wird eine Reckstange
von oben in die Mündung der Preform
eingeführt, so dass die Preform mechanisch in
die Länge verstreckt wird. Anschließend
erfolgt die Druckausformung, wodurch das
PET-Material an die Wände der Blasform
gepresst wird und dort die endgültigen Das Streckblas-Verfahren zur Herstellung von PET-Flaschen
Konturen erhält. Es werden je nach
Flaschengröße und Preformqualität
Druckprofile von 7 bis 15 bar (Vorblasdruck) und bis zu 36 bar (Fertigblasdruck) angelegt.[2] Die Wasserkühlung der Blasform
sorgt für schnelles Erkalten der nun ausgeformten Flaschen. Nach einer Druckentlastung wird die Blasstation geöffnet und die
fertig geblasene Flasche wird über ein Fördersystem aus der Maschine transportiert.

Maschinenausführungen und Leistungsdaten


Streckblasmaschinen werden als Linearmaschinen oder als Rundläufermaschinen konzipiert.[3] Linearmaschinen verfügen über
eine stationäre Blasstation mit bis zu sechs Blasformen (Kavitäten), die taktweise im Temperier- und Ausformprozess verschoben
werden. Rundläufermaschinen nutzen nach dem Aufheizen der Preforms im Heizofen eine Maschinenkonstruktion in
Karussellausführung als Blasrad, die mit der je nach Leistung erforderlichen Anzahl an Blasformen bestückt ist. Während des
Karussell-Rundlaufs findet nach dem Verriegeln der Blasform der komplette Ausformprozess statt. Damit ist eine kontinuierliche
Herstellung für PET-Flaschen möglich. Der Einsatz von Linear- oder Rundläufermaschine[4] ist abhängig von der gewünschten
Ausstoßleistung an PET-Flaschen/Stunde sowie vom geplanten Behältervolumen. Großvolumige Behälter ab 3 Liter
Fassungsvermögen werden nur in Linearmaschinen hergestellt, da die Beschleunigungskräfte im Karussellbetrieb beim Öffnen
und Schließen der dann sehr großformatigen Blasformen nur schwer beherrschbar sind. Je nach Behältervolumen erreichen die
Streckblasmaschinen Leistungen zwischen 1.000 Flaschen pro Stunde bis 2.250 Flaschen pro Stunde und Blasstation.
Linearmaschinen werden mit ein bis sechs Blasstationen ausgerüstet. Die Größe einer Streckblasmaschine im Rundlaufkonzept
reicht von vier bis zu 40 Blasstationen.

Spritzblasen
Eine vereinfachte Variante ist das Spritzblasen, bei dem das Vorstrecken durch den Dorn entfällt und der Vorformling lediglich
aufgeblasen wird. Damit wird keine biaxiale Orientierung, sondern nur eine in Umfangsrichtung erreicht.

Weblinks
Commons: Blow molding (https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Blow_molding?uselan
g=de) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Literatur
Michael Thielen, Klaus Hartwig, Peter Gust: Blasformen von Kunststoff-Hohlkörpern. Hanser, München 2006,
ISBN 3-446-22671-0.
Walter Michaeli: Einführung in die Kunststoffverarbeitung. Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-42488-3.
Ottmar Brandau: Stretch Blow Moulding. A Hands-on Guide. PETplanet, Heidelberg 2003, ISBN 978-1-4377-
3527-7.[5]

Einzelnachweise
1. Walter Michaeli, Einführung in die Kunststoffverarbeitung, S. 111
2. ebd., S. 166f.
3. ebd., S. 172ff
4. Zweistufiges Streckblasen – Lineare Streckblasmaschinen zur Herstellung von PET-Flaschen (http://fzarchiv.sac
hon.de/pdf/Getraenke-Fachzeitschriften/Getraenkeindustrie/2003/06_03/GI_06-03_Loesungen_fuer_KMU.pdf)
(PDF), Artikel in Getränkeindustrie 6/2003
5. Strech Blow Molding - Inhalt (http://www.elsevier.com/books/stretch-blow-molding/brandau/978-1-4377-3527-7)

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Diese Seite wurde zuletzt am 10. Oktober 2016 um 16:51 Uhr bearbeitet.

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