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hervorzubringenden Vorgang oder Gegenstand zum Zeichen für

irgend etwas anzunehmen. Damit würde dann ein Satz a = b


nicht mehr die Sache selbst, sondern nur noch unsere Bezeich-
üBER SINN UND BEDEUTUNG
nungsweise betreffen; wir würden keine eigentliche Erkenntnis
darin ausdrücken. Das wollen wir aber doch gerade in vielen
(Zts<hr. f. Philos. u. philos. Kritik, NP 100, 1892, S.25-50)
Fällen. Wenn sich das Zeichen "au von dem Zeichen "b" nur als
Gegenstand (hier durch die Gestalt) unterscheidet, nicht als Zei-
Die Gleichheit 1 fordert das Nachdenken heraus durch Fragen, 25
chen; das soll heißen: nicht in der Weise, wie es etwas bezeichnet:
die sich daran knüpfen und nicht ganz leicht zu beantworten so würde der Erkenntniswert von a = a wesentlich gleich dem
sind. Ist sie eine Beziehung? eine Beziehung zwischen Gegen- von a = b sein, falls a = b wahr ist. Eine Verschiedenheit kann
ständen? oder zwischen Namen oder Zeichen für Gegenstände? nur dadurch zustande kommen, daß der Unterschied des Zei-
Das letzte hatte ich in meiner Begriffsschrift angenommen. Die chens einem Unterschiede in der Art des Gegebenseins des Be-
Gründe, die dafür zu sprechen scheinen, sind folgende: a = a zeichneten entspricht. Es seien a, b, c die Geraden, welche die
und a = b sind offenbar Sätze von verschiedenem Erkenntnis- Ecken eines Dreiecks mit den Mitten der Gegenseiten verbinden.
wert: a = a gilt apriori und ist nach Kant analytisch zu nennen, Der Schnittpunkt von a und b ist dann derselbe/wie der Schnitt-
während Sätze von der Form a = b oft sehr wertvolle Erweite- punkt von bund c. Wir haben also verschiedene Bezeichnungen
rungen unserer Erkenntnis enthalten und apriori nicht immer für denselben Punkt, und diese Namen ("Schnittpunkt von a
zu begründen sind. Die Entdedmng, daß nicht jeden Morgen und b","Schnittpunkt von bund CU) deuten zugleich auf die Art
eine neue Sonne aufgeht, sondern immer dieselbe, ist wohl eine des Gegebenseins, und daher ist in dem Satze eine wirkliche Er-
der folgenreichsten in der Astronomie gewesen. Noch jetzt ist kenntnis enthalten.
die Wiedererkennung eines kleinen Planeten oder eines Kometen Es liegt nun nahe, mit einem Zeichen (Namen, Wortverbindung,
nicht immer etwas Selbstverständliches. Wenn wir nun in df!: 26 Schriftzeichen) außer dem Bezeichneten, was die Bedeutung des
Gleimheit eine Bezie!lUng zwischen gem sehen wollten, was Zeichens heißen möge, noch das verbunden zu denken, was ich
"'d""ie.....N,,;.;a;;;;m~~"'n-'l'''''a...",...;und "b" _~1:deuten, so schiene a = b von a = .~ den Sinn des Zeichens nennen möchte, worin die Art des Ge-
nicht verschieden sein ZU.~Q.I!E~~I!,J:gl~-1!ämlid,l~_}Yahr gebenseins enthalten ist. Es würde danach in unserem Beispiele
in.: E;~ wäre hiermit eine Beziehung eines Dinges zu sich selbst 27· zwar die Bedeutung der Ausdrücke "der Schnittpunkt von a und
ausgedrückt, und zwar eine solche, in der jedes Ding mit sich b" und "der Schnittpunkt von bund c" dieselbe sein, aber nicht
selbst, aber kein Ding mit einem anderen steht. Was man mit ihr Sinn. Es würde die Bedeutung von "Abendstern" und "Mor-
a = b sagen will, scheint zu sein, daß die Zeichen oder Namen genstern" dieselbe sein, aber nicht der Sinn.
"a" und "bK dasselbe bedeuten, und dann wäre eben von jenen Aus dem Zusammenhange geht hervor, daß ich hier unter "Zei-
Zeichen die Rede; es würde eine Beziehung zwischen ihnen be- chen" und "Namen" irgendeine Bezeichnung verstanden habe,
hauptet. Aber diese Beziehung bestände zwischen den Namen die einen Eigennamen vertritt, deren Bedeutung also ein be-
oder Zeichen nur insofern sie etwas benennen oder bezeichnen. stimmter Gegenstanll ist (dies Wort im weitesten Umfange ge-
Sie wäre eine ve:mittelte durch die Verknüpfung jedes der bei- nommen), aber kein Begriff und keine Beziehung, auf die in
den Zeichen mit demselben Bezeichneten. Diese aber ist will- einem anderen Aufsatze näher eingegangen werden soll [*]. Die
kürlich. Man kann keinem verbieten, irgendeinen willkürlich Bezeichnung eines einzelnen Gegenstandes kann auch aus mehre-
1 Ich braudte dies Wort im Sinne von Identität und verstehe "a = b"
ren Worten oder sonstigen Zeichen bestehen. Der Kürze wegen
in dem Sinne von "a ist dasselbe wie b" oder .a und b fallen zu- mag jede solche Bezeichnung Eigenname genannt werden.
sammen". .. [Gemeint ist "über Begriff und Gegenstand", vgl. S.66-80. Hrsg.]

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Der Sinn eines Eigennamens wird von jedem erfaßt, der die Wenn man in der gewöhnlichen Weise Worte gebraucht, so ist
Sprache oder das Ganze von Bezeichnungen hinreichend kennt, das, wovon man sprechen will, deren Bedeutung. Es kann .aber
der er angehört 2; damit ist die Bedeutung aber, falls sie vorhan- auch vorkommen, daß man von den Worten selbst oder von
den ist, doch immer nur einseitig beleuchtet. Zu einer allseitigen ihrem Sinne reden will. Jenes geschieht z. B., wenn man die
Erkenntnis der Bedeutung würde gehören, daß wir von jedem Worte eines anderen in gerader Rede anführt. Die eigenen Worte
gegebenen Sinne sogleich angeben könnten, ob er zu ihr gehöre. bedeuten dann zunächst die Worte des anderen, und erst diese
Dahin gelangen wir nie. haben die gewöhnliche Bedeutung. Wir haben dann Zeichen von
Die regelmäßige Verknüpfung zwischen dem Zeichen, dessen Zeichen. In der Schrift schließt man in diesem Falle die Wort-
Sinn und dessen Bedeutung ist derart, daß dem Zeichen ein be- bilder in Anführungszeichen ein. Es darf also ein in Anführungs-
stimmter Sinn und diesem wieder eine bestimmte Bedeutung ent- zeichen stehendes Wortbild nicht in der gewöhnlichen Bedeutung
spricht, während zu einer Bedeutung (einem Gegenstande) nicht genommen werden.
nur ein, Zeichen zugehört. Derselbe Sinn hat in verschiedenen Wenn man von dem Sinne eines Ausdrucks ,AC reden will, so
Sprachen, ja audi in derselben ;verschiedene Ausdrücke. Freilich kann man dies einfach durch die Wendung "der Sinn des Aus-
kommen Ausnahmen von diesem regelmäßigen Verhalten vor. drucks ,AC". In der ungera4en Rede spricht man von dem Sinne
Gewiß sollte in einem vollkommenen Ganzen von Zeichen jedem z. B. der Rede eines anderen. Es ist daraus klar, daß auch in dieser
Ausdrucke ein bestimmter Sinn entsprechen; aber die Volks- Redeweise die Worte nicht ihre gewöhnliche Bedeutung haben,
sprachen erfüllen diese Forderung vielfach nicht, und man muß 28 sondern das bedeuten, was gewöhnlich ihr Sinn ist. Um einen
zufrieden sein, wenn nur in demselben Zusammenhange dasselbe kurzen Ausdruck zu haben, wollen wir sagen: die Wörter wer-
Wort immer denselben Sinn hat. Vielleicht kann man zugeben, den in der ungeraden Rede ungerade gebraucht, oder haben ihre
daß ein grammatisch richtig gebildeter Ausdruck, der für einen ungerade B.edeutung. Wir unterscheiden demnach die gewöhn-
Eigennamen steht, immer einen Sinn habe. Aber ob dem Sinne liche Bedeutung eines Wortes von seiner ungeraden und seinen
nun auch eine Bedeutung entspreche, 'ist damit picht ges~gt. Die gewöhnlichen Sinn von seinem ungeraden Sinne. Die ungerade
Worte "der von der Erde am weitesten entfernte Himmels- Bedeutung eines Wortes ist also sein gewöhnlicher Sinn. Solche
körper" haben einen Sinn; ob sie aber auch eine Bedeutung Ausnahmen muß man immer im Auge behalten, wenn man die
haben, ist sehr zweifelhaft. Der Ausdruck "die am wenigsten kon- Verknüpfungsweise von Zeichen, Sinn und Bedeutung im ein-

f---
vergente Reihe" hat einen Sinn; aber man beweist, daß er keine zelnen Fälle richtig auffassen- will.
Bedeutung hat, da ~an zu jeder kon~ergenten Reihe eine 29 Von der Bedeutung und dem Sinne eines Zeimens ist die mit ihm
weniger konvergente, aber immer noch konvergente finden kann. ,I v.erknüp.fte Vor~tel~un~ ZU unterscheiden. Wenn die B:deutu?g
Dadurch also, daß man einen Sinn auffaßt, hat man noch nicht eInes ZeIchens em smnlIch wahrnehmbarer Gegenstand 1st, so 1st
mit Sicherheit eine Bedeutung. meine Vorstellung davon ein aus Erinnerungen von Sinnesein-
drücken, die im gehabt habe, und von Tätigkeiten, inneren so-
2 Bei einem eigentlimen Eigennamen wie "Aristoteies" können freifich wohl wie äußeren, die ich ausgeübt habe, entstandenes inneres
die Meinungen über den Sinn auseinandergehen. Man könnte z. B. als
solchen annehmen: der Smüler Platos und Lehrer Alexanders des Bild a. Dieses ist oft mit Gefühlen getränkt; die Deutlichkeit
Großen. Wer dies tut, wird mit dem Satze "Aristoteies war aus Stagira
gebürtig" einen anderen Sinn verbinden als einer, der als Sinn dieses I Wir können mit den Vorstellungen gleich die Ansmauungen zu-
Namens annähme: der aus Stagira gebürtige Lehrer Alexanders des sammennehmen, bei denen die Sinneseindrücke und die Tätigkeiten
Großen. Solange nur die Bedeutung dieselbe bleibt, lassen sim diese
Schwankungen des Sinnes ertragen, wiewohl auch sie in dem Lehr- I selbst an die Stelle der Spuren treten, die sie in der Seele zurück-
gelassen haben. Der Untersmied ist für unseren Zweck unerheblich,
gebäude einer beweisenden Wissensmaft zu vermeiden sind und in zumal wohl immer neben den Empfindungen und TätigkeitCll Erinne-
einer vollkommenen Sprache nicht vorkommen dürften. . rungen von solmen das Anschauungsbild vollenden helfel\. Man kann

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seiner einzelnen Teile ist verschieden und schwankend. Nicht net, diese Verhältnisse zu verdeutlichen. Jemand betrachtet den
immer ist, auch bei demselben Menschen, dieselbe Vorstellung mit Mond durch ein Fernrohr. Ich vergleiche den Mond selbst mit
demselben Sinne verbunden. Die Vorstellung ist subjektiv: die der Bedeutung; er ist der Gegenstand der Beobachtung, die ver-
Vorstellung des einen ist nicht die des anderen. Damit sind von mittelt wird durch das reeHe Bild, welches vom Objektivglase im
selbst mannigfache Unterschiede der mit demselben Sinne ver- Innern des Fernrohrs entworfen wird, und durch das Netzhaut-
knüpften Vorstellungen gegeben. Ein Maler, ein Reiter, ein Zoo- bild des Betrachtenden. Jenes vergleiche ich mit dem Sinne, dieses
loge werden wahrscheinlich sehr verschiedene Vorstellungen mit mit der Vorstellung oder Anschauung. Das Bild im Fernrohre ist
dem Namen »Bucephalus" verbinden. Die Vorstellung unter- zwar nur einseitig; es ist abhängig vom Standorte; aber es ist doch
scheidet sich dadurch wesentlich von dem Sinne eines Zeichensc objektiv, insofern es mehreren Beobachtern dienen kann. Es ließe
welcher gemeinsames Eigentum von vielen sein kann und als~ sich allenfalls einrichten, daß gleichzeitig mehrere es benutzen.
nicht Teil oder Modus der Einzelseele ist; denn man wird wohl Von den Netzhautbildern aber würde jeder doch sein eigenes
nicht leugnen können, daß die Menschheit einen gemeinsamen haben. Selbst eine geometrische Kongruenz würde wegen der
Schatz von Gedanken hat, den sie von einem Geschlechte auf das verschiedenen Bildung der Augen kaum zu erreichen sein, ein
andere überträgt 4. wirkliches Zusammenfallen aber wäre ausgeschlossen. Dies Gleich-
Während es demnach keinem Bedenken unterliegt, von dem Sinne nis ließe sich vielleicht noch weiter ausführen, indem man an-
schlechtweg zu sprechen, muß man bei der Vorstellung genau- nähme, das Netzhautbild des A könnte dem B sichtbar gemacht
genommen hinzufügen, wem sie angehört und zu welcher Zeit. werden; oder auch A selbst könnte in einem Spiegel sein eigenes
Man könnte vielleicht sagen: ebensogut, wie mit demselben Netzhautbild sehen. Hiermit wäre vielleicht zu zeigen, wie eine
Worte der eine diese, der andere jene Vorstellung verbindet, Vorstellung zwar selbst zum Gegenstande genommen werden
kann auch der eine diesen, der andere jenen Sinn damit ver- kann, als solche aber doch dem Betrachter nicht das ist, was sie
knüpfen. Doch besteht der Unterschied dann doch nur in der unmittelbar dem Vorstellenden ist. Doch würde, dies zu ver-
Weise dieser Verknüpfung. Das hindert nicht, daß beide den- folgen, wohl zu weit abführen.
selben Sinn auffassen; aber dieselbe Vorstellung können sie nicht 30 Wir können nun drei Stufen der Verschiedenheit von Wörtern,
haben. Si duo idem faciunt, non est idem. Wenn zwei sich das- Ausdrücken und ganzen Sätzen erkennen. Entwederbetriffi der
selbe vorstellen, so hat jeder doch seine eigene Vorstellung. Es Unterschied höchstens die Vorstellungen, oder den Sinn aber
ist zwar zuweilen möglich, Unterschiede der Vorstellungen, ja 31 nicht die Bedeutung, oder endlich auch die Bedeutung. In bezug
der Empfindungen verschiedener Menschen festzustellen; aber auf die erste Stufe ist zu bemerken, daß, wegen der unsicheren
eine genaue Vergleichung ist nicht möglich, weil wir diese Verbindung der Vorstellungen mit den Worten, für den einen
Vorstellungen nicht in demselben Bewußtsein zusammen haben eine Verschiedenheit bestehen kann, die der andere nicht findet.
können. Der Unterschied der übersetzung von der Urschrift soll eigent-
Die Bedeutung eines Eigennamens ist der Gegenstand selbst, den lich die erste Stufe nicht überschreiten. Zu den hier noch mög-
wir damit bezeichnen; die Vorstellung, welche wir dabei haben, lichen Unterschieden gehören die Färbungen und Beleuchtungen,
ist ganz subjektiv; dazwischen liegt der Sinn, der zwar nicht welche Dichtkunst [und] Beredsamkeit dem Sinne zu geben
mehr subjektiv wie die Vorstellung, aber doch auch nicht der suchen. Diese Färbungen und Beleuchtungen sind nicht objektiv,
Gegenstand selbst ist. Folgendes Gleichnis ist vielleicht geeig- sondern jeder Hörer und Leser muß sie sich selbst nach den
Winken des Dichters oder Redners hinzuschaffen. Ohne eine
u.nte~ Anschauung aber auch einen Gegenstand verstehen, sofern er Verwandtschaft des menschlichen Vorstellens wäre freilich die
smnlich wahrnehmbar oder räumlich ist.
Kunst nicht möglich; wieweit aber den Absichten des Dichters
« Darum ist es unzweckmäßig, mit dem Worte Vorstellung" so
Grundverschiedenes zu bezeichnen. " entsprochen wird, kann nie genau ermittelt werden.

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Von den Vorstellungen und Ansmauungen soll im folgenden eine Bedeutung! Ersetzen wir nun in ihm ein Wort durm ein
nicht mehr die Rede sein; sie sind hier nur erwähnt worden, anderes von derseloen Bedeutung, aber anderem Sinne, so kann
damit die Vorstellung, die ein Wort bei einem Hörer erweckt, dies auf die Bedeutung des Satzes keinen Einfluß haben. Nun
nicht mit dessen Sinne oder dessen Bedeutung verwedJ.selt sehen wir aber, daß der Gedanke sim in solmem Falle ändert;
werde. denn es ist z. B. der Gedanke des Satzes "der Morgenstern ist
Um -einen kurzen und genauen Ausdruck möglim zu mamen, ein von der Sonne beleumteter Körper" versmieden von ~em
mögen folgende Redewendungen festgesetzt werden: des Satzes "der Abendstern ist ein von der Sonne beleumteter
fEin Eigenname (Wort, Zeichen, Zeimenverbindung, Ausdrud01 Körper". Jemand, der nimt wüßte, daß der Abendstern der
; drückt aus seinen Sinn, bedeutet oder bezeimnet seine Bedeu-) Morgenstern i~t, könnte den einen Gedanken für wahr, den
j tung. Wir drücken mit einem Zeichen dessen Sinn aus und bei anderen für falsdJ. halten. Der Gedanke kann also nimt die Be-
. zeichnen mit ihm dessen Bedeutung. J deutung des Satzes sein, vielmehr werden wir ihn als den Sinn
Von idealistismer und skeptismer Seite ist vielleicht schon längst aufzufassen haben. Wie ist es nun aber mit der Bedeutung? Dür-
eingewendet worden: "Du sprimst hier ohne weiteres von dem fen wir überhaupt danam fragen? Hat vielleicht ein Satz als
Monde als einem Gegenstande; aber woher weißt du, daß' der Ganzes nur einen Sinn, aber keine Bedeutung? Man wird jeden-
Name ,der Mond' überhaupt eine Bedeutung hat, woher weißt falls erwarten können, daß solme Sätze vorkommen, ebensogut,
du, daß überhaupt irgend etwas eine Bedeutung hat?" Im ant- wie es Satzteile gibt, die wohl einen Sinn, aber keine Bedeutung
worte, daß es nicht unsere Absicht ist, von unserer Vorstellung haben. Und Sätze, welme Eigennamen ohne Bedeutung ent-
des Mondes zu spremen, und daß wir uns auch nimt mit dem halten, werden von der Art sein. Der Satz "Odysseus wurde tief
Sinne begnügen, wenn wir ,der Mond' sagen; sond<;rn wir setzen smlafend in Ithaka ans Land gesetzt" hat offenbar einen Sinn.
eine Bedeutung voraus. Es hieße, den Sinn gerade~u verfehlen, Da es aber zweifelhaft ist, ob der darin vorkommende Name
wenn man annehmen wollte, in dem Satze "der Mond ist kleiner "Odysseus" eine Bedeutung habe, so ist es damit aum zweifel-
als die Erde" sei von einer Vorstellung des Mondes die Rede. haft, ob der ganze Satz eine habe. Aber simer ist doch, daß
Wollte der Spremende dies, so würde er die Wendung "meine jemand, der im Ernste den Satz für wahr oder für falsm hält,
Vorstellung vom Monde" gebrauchen.l'Nun kön~en wir uns in auch dem Namen "Odysseus" eine Bedeutu~g~;k-;~~~ nimt
~.:..Voraussetzung freilim irren, und solche Irrtümer sind auch 33 nur einen Sinn; denn der Bedeutung dieses Namens wird ja das
vorgekommen. Die Frage aber, ob wir uns vielleimt immer darin Prädikat zu- oder abgespromen. Wer ei,ne Bedeutung nicht an-
irren, kann hier unbeantwortet bleiben; es genügt zunämst, auf 32 erkennt, der kann ihr ein Prädikat weder zu- noch abspremen.
unsere Absimt beim SpredJ.en oder Denken hinzuweisen, um es Nun wäre aber das Vordringen bis zur Bedeutung des Namens
zu remtfertigen, von der Bedeutung eines Zeimens zu spremeI).,. überflüssig; man könnte sich mit dem Sinne begnügen, wenn man
wenn aum mit dem Vorbehalte: falls eine solche vorhanden i~ beim Gedanken stehenbleiben wollte. Käme es nur auf den Sinn
Isher sind Sinn und Bedeutung nur von solchen Ausdrücken, des Satzes, den Gedanken, an, so wäre es unnötig, sich um die
Wörtern, Zeichen betrachtet worden, welche wir Eigennamen Bedeutung eines Satzteils zu kümmern; für den Sinn des Satzes
genannt haben. Wir fragen nun nach Sinn und Bedeutung -eines kann ja nur der Sinn, nimt die Bedeutung dieses Teiles in Be-
ganzen Behauptungssatzes. Ein solmer Satz enthält einen Ge- tracltt kommen. Der Gedanke bleibt derselbe, ob der Name
danken 5. Ist dieser Gedanke nun als dessen Sinp oder als dessen "Odysseus" eine Bedeutung hat oder nicht. Daß wir uns über-
Bedeutung anzusehen? Nehmen wir einmal an, der Satz habe haupt um die Bedeutung eines Satzteils bemühen, ist ein Zeichen
5 Ich verstehe unter Gedanken nidlt das subjektive Tun des Denkens,
dafür, daß wir auch für den Satz selbst eine Bedeutung im all-
sondern dessen objektiven Inhalt, der fähig ist, gemeinsames Eigentum gemeinen anerkennen und fordern. Der Gedanke verliert für
von vielen zu sein. . uns an Wert, sobald wir erkennen, daß zu einem seiner Teile die

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Bedeutung fehlt. Wir sind also wohl berechtigt, uns nicht mit im Zusammenhange mit Begriff und Beziehung erörtert werden.
dem Sinne eines Satzes zu begnügen, sondern auch nach seiner Das will ich einem anderen Aufsatze vorbehalten(*]. Aber soviel
Bedeutung zu fragen. Warum wollen wir denn aber, daß jeder möchte doch schon hier klar sein, daß in jedem Urteile 7 - und
Eigenname nicht nur einen Sinn, sondern auch eine Bedeutung sei es noch so selbstverständlich - schon der Schritt von der
habe? Warum genügt uns der Gedanke nicht? Weil und soweit Stufe der Gedanken zur Stufe der Bedeutungen (des Objektiven)
es uns auf seinen Wahrheitswert ankommt. Nicht immer ist dies geschehen ist.
der Fall. Beim Anhören eines Epos z. B. fesseln uns neben dem Man könnte versucht sein, das Verhältnis des Gedankens zum
Wohlklange der Sprache allein der Sinn der Sätze und die davon Wahren nicht als das des Sinnes zur Bedeutung, sondern als das
erweckten Vorstellungen und Gefühle. Mit der Frage nach der des Subjekts zum Prädikate anzusehen. Man kann ja geradezu
Wahrheit würden wir den Kunstgenuß verlassen und uns einer sagen: "Der Gedanke, daß 5 eine Primzahl ist, ist wahr." Wenn
wissenschafllichen Betrachtung zuwenden. Daher ist es uns auch man aber genauer zusieht, so bemerkt man, daß damit eigentlich
gleichgültig, ob der Name "Odysseus" z.B. eine Bedeutung habe, nicht mehr gesagt ist als in dem einfadlen Satz ,,5 ist eine Prim-
solange wir das Gedicht als Kunstwerk aufnehmen 6. Das Stre- zahl". Die Behauptung der Wahrheit liegt in bei den Fällen in
ben nach Wahrheit also ist es, was uns überall vom Sinn zur der Form des Behauptungssatzes, und da, wo _diese nicht ihre
Bedeutung vorzudringen treibt. gewöhnliche Krafl hat, z. B. im Munde eines Schauspielers auf
Wir haben gesehen, daß zu einem Satze immer dann eine Be- der Bühne, enthält der Satz "der Gedanke, daß 5 eine Primzahl
deutung zu suchen ist, wenn es auf die Bedeutung der Bestand- ist, ist wahr" eben auch nur einen Gedanken, und zwar den~
teile ankommt; und das ist immer dann und nur dann der Fall, selben Gedanken wie das einfache ,,5 ist eine Primzahl". Darau~
wenn wir nach dem Wahrheitswerte fragen. ist zu entnehmen, daß das Verhältnis des Gedankens zum Wah-
So werden wir dahin gedrängt, den Wahrheitswert eines Satzes 34 ren doch mit dem des Subjekts zum Prädikate nicht verglichen
als seine Bedeutung anzuerkennen. Ich verstehe unter dem 35 werden darf. Subjekt und Prädikat sind ja (im logischen Sinne
Wahrheitswerte eines Satzes den Umstand, daß er wahr oder verstanden) Gedankenteile; sie stehen auf derselben Stufe für
daß er falsch ist. Weitere Wahrheitswerte gibt es nicht. Ich das Erkennen. Man gelangt durch die Zusammenfügung von
nenne der Kürze halber den einen das Wahre, den anderen das Subjekt und Prädikat immer nur zu einem Gedanken, nie von
Falsche. I(!g{!r. J3e.h"auEtul1g.s.~~<l!~t)11 de.!'l1".e.~... illl(Aie.1:3~g.e.l!!ung einem Sinne zu dessen Bedeutung, nie von einem Gedanken zu
der Wörter .. ankommt, .ist also als Eigennal11 e aufzufassen, und dessen Wahrheitswerte. Man bewegt sich auf derselben Stufe, aber
zw~;~r;~~~';i~; ~B;d~~t~~g, f~iI~ "s'i;~~~h~'u'd~n ist,'~'~~;~d~~'- d~~ man schreitet nicht von einer Stufe zur nächsten vor. Ein Wahr-
W;'h;;'~;:I~;~d;~~F~l~;1;: ·Di;~~·beiden Gegens~i~;d~ w~rden vo~ heitswert kann nicht Teil eines Gedankens sein, sowenig wie
j~de'~;'~~~'~~;;h ~~~;~illschweigend, anerkannt, der überhaupt etwa die Sonne, weil er kein Sinn ist, sondern ein Gegenstand.
urteilt, der etwas für wahr hält, also auch vom Skeptiker. Die Wenn unsere Vermutung richtig ist, daß die Bedeutung eines
Bezeichnung der Wahrheitswerte als Gegenstände mag hier noch Satzes sein Wahrheitswert ist, so muß dieser unverändert blei-
als willkürlicher Einfall und vielleicht als bloßes Spiel mit Wor- ben, wenn ein Satzteil durch einen Ausdruck von derselben Be-
ten erscheinen, aus dem man keine tiefgehenden Folgerungen deutung, aber al.derem Sinne ersetzt wird. Und das ist in der
ziehen dürfe.Was ich einen Gegenstand nenne, kann genauer nur Tat der Fall. Leibniz erklärt geradezu: "Eadem sunt, quae sibi

e Es wäre wünschenswert, für Zeichen, die nur einen Sinn haben sol- ':. [Vgl. Anm. S. 41. Hrsg.]
len, einen besonderen Ausdruck zu haben. Nennen wir solche etwa
Bilder, so würden die Wort'e des Schauspielers auf der Bühne Bilder 7 Ein Urteil ist mir nicht das bloße Fassen eines Gedankens, sondern
sein, ja der Schauspieler selber wäre ein Bild. die Anerkennung seiner Wahrheit.

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mutuo substitui possunt, salva veritate" [*]. Was sonst als der Ansicht richtig ist, so muß der Wahrheitswert eines Satzes, der
Wahrheitswert könnte auch gefunden werden, das ganz all- einen anderen als Teil enthält, unverändert bleiben, wenn wir
gemein zu jedem Satze gehört, bei dem überhaupt die Bedeutung für den Teilsatz einen anderen einsetzen, dessen Wahrheitswert
der Bestandteile in Betracht kommt, was bei einer Ersetzung der derselbe ist. Ausnahmen sind dann zu erwarten, wenn das Ganze
angegebenen Art unverändert bliebe? oder der Teilsatz gerade oder ungerade Rede sind; denn, wie wir
Wenn nun der Wahrheitswert eines Satzes dessen Bedeutung ist, gesehen haben, ist die Bedeutung der Worte dann nicht die ge-
so haben einerseits alle wahren Sätze dieselbe Bedeutung, ande- wöhnliche. Ein Satz bedeutet in der geraden Rede wieder einen
rerseits alle falschen. Wir sehen daraus, daß in der Bedeutung des Satz und in der ungeraden einen Gedanken.
Satzes alles einzelne verwischt ist. Es kann uns also niemals auf Wir werden so auf die Betrachtung der Nebensätze hingelenkt.
die Bedeutung eines Satzes allein ankommen; aber auch der Diese treten ja als Teile eines Satzgefüges auf, das vom logischen
bloße Gedanke gibt keine Erkenntnis, sondern erst der Gedanke Gesichtspunkte aus gleichfalls als Satz, und zwar als Hauptsatz,
zusammen mit seiner Bedeutung, d. h. seinem Wahrheitswerte. erscheint. Aber es tritt uns hier die Frage entgegen, ob denn von
Urteilen kann als Fortschreiten von einem Gedanken zu seinem den Nebensätzen gleichfalls gilt, daß ihre Bedeutung ein Wahr-
Wahrheitswerte gefaßt werden. Freilich soll dies keine Definition heitswert sei. Von der ungeraden Rede wissen wir ja schon das
sein. Das Urteilen ist eben etwas ganz Eigenartiges und Unver- Gegenteil. Die Grammatiker sehen die Nebensätze als Vertreter
gleichliches. Man könnte auch sagen, Urteilen sei Unterscheiden von Satzteilen an und teilen sie danach ein in Nennsätze, Bei-
von Teilen innerhalb des Wahrheitswertes. Diese Unterscheidung sätze, Adverbsätze. Daraus könnte man die Vermutung schöp-
geschieht durch Rückgang zum Gedanken. Jeder Sinn, der zu fen, daß die Bedeutung eines Nebensatzes nicht ein Wahrheits-
einem Wahrheitswerte gehört, würde einer eigenen Weise der wert, sondern gleichartig sei der eines Nennworts oder Beiworts
Zerlegung entsprechen. Das Wort "Teil" habe ich hier allerdings oder Adverbs, kurz eines Satzteils, der als Sinn keinen Gedan-
in besonderer Weise gebraucht. Ich habe nämlich das Verhältnis ken, sondern nur einen Teil eines solchen hat. Nur eine eingehen-
des Ganzen und des Teils vom Satze auf seine Bedeutung über- dere Untersuchung kann darüber Klarheit verschaffen. Wir wer-
tragen, indem ich die Bedeutung eines Wortes Teil der Bedeu- den uns dabei nicht streng an den grammatischen Leitfaden
tung des Satzes genannt habe, wenn das Wort selbst Teil dieses 36 halten, sondern das zusammenfassen, was logisch gleichartig ist.
Satzes ist, eine Redeweise, die freilich anfechtbar ist, weil bei der Suchen wir zunächst solche Fälle auf, in denen der Sinn des
Bedeutung durch das Ganze und einen Teil der andere nicht Nebensatzes, wie wir eben vermuteten, kein selbständiger Ge-
bestimmt ist, und weil man bei Körpern das Wort Teil schon danke ist.
in anderem Sinne gebraucht. Es müßte ein eigener Ausdruck hier- 37 Zu den mit "daß" eingeleiteten abstrakten Nennsätzen gehört
für geschaffen werden. auch die ungerade Rede, von der wir gesehen haben, daß in ihr
Es soll nun die Vermutung, daß der Wahrheitswert eines Satzes die Wörter ihre ungerade Bedeutung haben, welche mit dem
dessen Bedeutung ist, weiter geprüft werden. Wir haben gefun- übereinstimmt, was gewöhnlich ihr Sinn ist. In diesem Falle hat
den, daß der Wahrheitswert eines Satzes unberührt bleibt, wenn also der Nebensatz als Bedeutung einen Gedanken, keinen
wir darin einen Ausdruck durch einen gleichbedeutenden er- Wahrheitswert; als Sinn keinen Gedanken, sondern den Sinn der
setzen: wir haben aber dabei den Fall noch nicht betrachtet, daß Worte "der Gedanke, daß ... ", welcher nur Teil des Gedankens
der zu ersetzende Ausdruck selber ein Satz ist. Wenn nun unsere des ganzen Satzgefüges ist. Dies kommt vor nach "sagen",
"hören", "meinen", "überzeugt sein", "schließen" und ähnlichen
* [Diese Formulierung ist nicht belegt. Eine andere Version zitiert Wörtern 8. Anders, und zwar ziemlich verwickelt, liegt die Sadle
F. in den »Grundlagen der Arithmetik" S.76. Wie oben, nur mit
8 In "A log, daß er den B gesehen habe" bedeutet der Nebensatz einen
nubique" statt »mutuo", definiert Leibniz in einem bei Couturat
Gedanken, von dem erstens gesagt wird, daß A ihn als wahr behaup-
(Opuseules et Fragments ... de L., S. 264) gedruckten Fragment. Hl"Sg.]
tete, und zweitens, daß A von seiner Falschheit überzeugt war.
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nach Wörtern wie "erkennen", "wissen", "wähnen", was später und bevor er die überzeugung gewann, daß die Preußen kämen,
zu betrachten sein wird. konnte er sich nicht darüber freuen, obwohl sie in der Tat schon
Daß in unseren Fällen die Bedeutung des Nebensatzes in der anrückten.
Tat der Gedanke ist, sieht man auch daran, daß es für die Wahr- Wie eine überzeugung oder ein Glaube Grund eines Gefühls ist,
heit des Ganzen gleichgültig ist, ob jener Gedanke wahr ist oder so kann sie auch Grund einer überzeugung sein wie beim Schlie-
falsch. Man vergleiche z.B. die bei den Sätze: " Kopernikus ßen. In dem Satze: "Kolumbus schloß aus der Rundung der Erde,
glaubte, daß die Bahnen der Planeten Kreise seien" und "Koper- daß er nach Westen reisend Indien erreichen könne", haben wir
nikus glaubte, daß der Schein der Sonnenbewegung durch die als Bedeutungen von Teilen zwei Gedanken: daß die Erde rund
wirkliche Bewegung der Erde hervorgebracht werde" . Man kann sei, und daß Kolumbus nach Westen reisend Indien erreichen
hier unbeschadet der Wahrheit den einen Nebensatz für den an- könne. Es kommt hier wieder nur darauf an, daß Kolumbus von
deren einsetzen. Der Hauptsatz zusammen mit dem Nebensatze dem einen und von dem anderen überzeugt war, und daß die
hat als Sinn nur einen einzigen Gedanken, und die Wahrheit des eine überzeugung Grund der anderen war. Ob die Erde wirklich
Ganzen schließt weder die Wahrheit noch die Unwahrheit des rund ist und Kolumbus nach Westen reisend wirklich Indien so,
Nebensatzes ein. In diesen Fällen ist es nicht erlaubt, in dem wie er dachte, erreichen konnte, ist für die Wahrheit unseres
Nebensatze einen Ausdruck durch einen anderen zu ersetzen, der Satzes gleichgültig; aber nicht gleichgültig ist, lob wir für "die
dieselbe gewöhnliche Bedeutung hat, sondern nur durch einen Erde" setzen "der Planet, welcher von einem Monde begleitet
solchen, welcher dieselbe ungerade Bedeutung, d. h. denselben ist, dessen Durchmesser größer als der vierte Teil seines eigenen
gewöhnlichen Sinn hat. Wenn jemand schließen wollte: die Be- ist". Auch hier haben wir die ungerade Bedeutung der Worte.
deutung eines Satzes ist nicht sein Wahrheitswert, "denn dann Die Adverbsätze des Zwecks mit "damit"gehören auch hierher;
dürfte man ihn überall durch einen anderen von demselben denn offenbar ist der Zweck ein Gedanke; daher: ungerade Be-
Wahrheitswerte ersetzen", so würde er zuviel beweisen; ebenso- deutung der Worte, Konjunktiv.
gut könnte man behaupten, daß die Bedeutung des Wortes Der Nebensatz mit "daß" nach "befehlen", " bitten" , "verbieten"
"Morgenstern" nicht die Venus sei; denn man dürfe nicht über- würde in gerader Rede als Imperativ erscheinen. Ein solcher hat
all für "Morgenstern" "Venus" sagen. Mit Recht kann man nur keine Bedeutung, sondern nur einen Sinn. Ein Befehl, eine Bitte
folgern, daß die Bedeutung des Satzes nicht immer sein Wahr- sind zwar nicht Gedanken, aber sie stehen doch mit Gedanken
heitswert ist, und daß ;'Morgenstern" nicht immer den Planeten 38 auf derselben Stufe. Daher haben in den von "befehlen", "bit-
Venus bedeutet, nämlich dann nicht, wenn dies Wort seine un- 39 ten" usw. abhängigen Nebensätzen die Worte ihre ungerade
gerade Bedeutung hat. Ein solcher Ausnahmefall liegt in den Bedeutung. Die Bedeutung eines solchen Satzes ist also nicht ein
eben betrachteten Nebensätzen vor, deren Bedeutung ein Ge- Wahrheitswen, sondern ein Befehl, eine Bitte u. dgl.
danke ist. Khnlich ist es bei der abhängigen Frage in Wendungen wie
Wenn man sagt "es scheint, daß ... ", so meint man "es scheint "zweifeln, ob", "nicht wissen, was". Daß auch hier die Wörter
mir, daß ... ", oder "ich meine, daß •.. ". Wir haben also wieder in ihrer ungeraden Bedeutung zu nehmen sind, ist leicht zu sehen.
den Fall. Ähnlich liegt die Sache bei Ausdrücken wie "sich Die abhängigen Fragesätze mit "wer", "was", "wo", "wann",
freuen", "bedauern", "billigen", "tadeln", "hoffen", "fürchten". "wie", "wodurch" usw. nähern sich zuweilen scheinbar sehr
Wenn Wellington sich gegen Ende der Schlacht bei Belle-Alliance Adverbsätzen, in denen die Worte ihre gewöhnliche Bedeutung
freute, daß die Preußen kämen, so war der Grund seiner Freude haben. Sprachlich unterscheiden sich diese Fälle durch den Modus
eine überzeugung. Wenn er sich getäuscht hätte,. so würde er des Verbs. Beim Konjunktiv haben wir abhängige Frage und
sich, solange sein Wahn dauerte, nicht minder gefreut haben, ungerade Bedeutung der Worte, .so daß ein Eigenname nicht all-

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gemein durch einen anderen desselben Gegenstandes ersetzt wer- sondern
den kann. "Kepler starb nicht im Elend, oder der Name ,Kepler' ist
In den bisher betrachteten Fällen hatten die Worte im Nebensatze bedeutungslos" .
ihre ungerade Bedeutung, und daraus wurde erklärlich, daß auch
die Bedeutung des Nebensatzes selbst eine ungerade war; d. h. Daß der Name "Kepler" etwas bezeichne, ist vielmehr Voraus-
nicht ein Wahrheitswert, sondern ein Gedanke, ein Befehl, eine setzung ebenso für die Behauptung
Bitte, eine Frage. Der Nebensatz konnte als Nennwort aufgefaßt "Kepler starb im Elend"
werden, ja, man könnte sagen: als Eigenname jenes Gedankens'J1
wie für die entgegengesetzte. Nun haben die Sprachen den Man-
jenes Befehls usw., als welcher er in den Zusammenhang des
Satzgefüges eintrat. ___ gel, daß in ihnen Ausdrücke möglich sind, welche nach ihrer
grammatischen Form bestimmt erscheinen, einen Gegenstand zu
Wi~ kommen jetzt zu anderen Nebensätzen, in denen die Worte
bezeichnen, diese ihre Bestimmung aber in besonderen Fällen
zwar ihre gewöhnliche Bedeutung haben, ohne daß doch als
nicht erreichen, weil das von der Wahrheit eines Satzes abhängt.
Sinn ein Gedanke und als Bedeutung ein Wahrheitswert auftritt.
So hängt· es von der Wahrheit des Satzes
Wie das möglich ist, wird am besten an Beispielen deutlich.
"Der die elliptische Gestalt der Planetenbahnen entdeckte, starb "es gab einen, der die elliptische Gestalt der Planeten-
im Elend." bahnen entdeckte"
Wenn hier der Nebensatz als Sinn einen Gedanken hätte, so ab, ob der Nebensatz
müßte es möglich sein, diesen auch in einem Hauptsatz auszu- "der die elliptische Gestalt der Planetenbahnen entdeckte"
drücken. Aber dies geht nicht, weil das grammatische Subjekt
"der" keinen selbstäpdigen Silln hat, sondern die Beziehungen wirklich einen Gegenstand bezeichnet oder nur den Schein davon
erweckt, in der Tat jedoch bedeutungslos ist. Und so kann es
auf den Nachsatz "starb im Elend" vermittelt. Daher ist auch
der Sinn des Nebensatzes kein vollständiger Gedanke und seine scheinen, als ob unser Nebensatz als Teil seines Sinnes den Ge-
danken enthalte, es habe einen gegeben, der die elliptische Gestalt
Bedeutung kein Wahrheitswert, sondern Kepler. Man könnte
einwenden, daß der Sinn des Ganzen doch als Teil einen Ge- der Planetenbahnen entdeckte. Wäre das richtig, so müßte die
danken einschließe, nämlich daß es einen gab, der die elliptische Verneinung lauten:
Gestalt der Planetenbahnen zuerst erkannte; denn wer das "der die elliptische Gestalt der Planetenbahnen zuerst er-
Ganze für wahr halte, könne diesen Teil nicht verneinen. Das 40 kannte, starb nicht im Elend, oder e5 gab keinen, der die
letzte ist zweifellos; aber nur, weil sonst der Nebensatz "der die elliptische Gestalt der Planetenbahnen entdeckte."
elliptische Gestalt der Planetenbahnen entdeckte" keine Bedeu- 41 Dies liegt also an einer Unvollkommenheit der Sprache, von der
tung hätte. Wenn man etwas behauptet, so ist immer die Vor- übrigens auch die Zeichensprache der Analysis nicht ganz frei ist;
aussetzung selbstverständlich, daß die gebrauchten einfachen audt da können Zeichenverbindungen vorkommen, die dell
oder zusammengesetzten Eigennamen eine Bedeutung haben. Schein erwecken, alS' bedeuteten sie etwas, die aber wenigstens
Wenn man also behauptet, "Kepler starb im Elend", so ist dabei bisher noch bedeutungslos sind, z. B. divergente unendliche Rei-
vorausgesetzt, daß der Name "Kepler" etwas bezeichne; aber hen. Man kann dies vermeideri, z. B. durch die besondere Fest-
darum ist doch im Sinne des Satzes "Kepler starb im Elend" der setzung, daß divergente unendliche Reihen die Zahl 0 bedeuten
Gedanke, daß der Name "Kepler" etwas bezeichne, nicht ent- sollen. Von einer logisdt vollkommenen Sprache (Begriffsschrift)
halten. Wenn das der Fall wäre, müßte die Verneinung nicht ist zu verlangen, daß jeder Ausdruck, der aus schon eingeführten
lauten
Zeichen in grammatisch richtiger Weise als Eigenname gebildet
"Kepler starb nicht im Elend", ist, auch in der Tat einen Gegenstand bezeichne, und daß kein

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Zeichen als Eigenname neu eingeführt werde, ohne daß ihm eine manchen Fällen auch durch ein einzelnes Beiwort ausgedrü<kt
Bedeutung gesichert sei. Man warnt in den Logiken vor der werden kann. Auch hier wie bei jenen Nennsätzen fehlt das
Vieldeutigkeit der Ausdrü<ke als einer Quelle von logischen selbständige Subjekt und damit auch die Möglichkeit, den Sinn
Fehlern. Für mindestens ebenso angebracht halte ich die War- des Nebensatzes in einem selbständigen Hauptsatze wiederzu-
nung vor scheinbaren Eigennamen, die keine Bedeutung haben. geben.
Die Geschichte der Mathematik weiß von Irrtümern zu erzählen, örter, Zeitpunkte, Zeiträume sind, logisch betrachtet, Gegen-
die daraus entstanden sind. Der demagogische Mißbrauch liegt stände; mithin ist die sprachliche Bezeichnung eines bestimmten
hierbei ebenso nahe, viellejcht näher als bei vieldeutigen Wör- Ortes, eines bestimmten Augenbli<ks oder Zeitraums als Eigen-
tern. "Der Wille des Volkes" kann als Beispiel dazu dienen; name aufzufassen. Adverbsätze des Orts und der Zeit können
denn daß es wenigstens' keine allgemein angenommene Bedeu- nun zur Bildung eines solchen Eigennamens in ähnlicher Weise
tung dieses Ausdru<ks gibt, wird leicht festzustellen sein. Es ist gebraumt werden, wie wir es eben von den Nenn- und Beisätzen
also durchaus nicht belanglos, die Quelle dieser Irrtümer wenig- gesehen haben. Ebenso können Ausdrü<ke für Begriffe, die Orter
stens für die Wissenschaft ein für allemal zu verstopfen. Dann usw. unter sich fassen, gebildet werden. Auch hier ist zu be-
werden solche Einwände wie der eben besprochene unmöglich, merken, daß der Sinn dieser Nebensätze nicht in einem Haupt-
weil es dann nie von der Wahrheit eines Gedankens abhängen satz wiedergegeben werden kann, weil ein wesentlicher Bestand-
kann, ob ein Eigenname eine Bedeutung hat. teil, nämlich die Orts- oder Zeitbestimmung, fehlt, die durch ein
Wir können diesen Nennsätzen eine Art der Beisätze und Ad- Relativpronomen oder ein Fügewort nur angedeutet ist 10.
verbsätze in der Betrachtung anschließen, welche logisch nahe 43 Auch in den Bedingungssätzen ist meistens, wie wir es eben bei
mit ihnen verwandt sind. Nenn-, Bei- und Adverbsätzen gesehen haben, ein unbestimmt
Auch Beisätze dienen dazu, zusammengesetzte Eigennamen zu andeutender Bestandteil anzuerkennen, dem im Nachsatze ein
bilden, wenn sie auch nicht wie die Nennsätze allein dazq hin- 10 Es sind bei diesen Sätzen übrigens leicht versdliedene Auffassungen
reichen. Diese Beisätze sind Beiwörtern gleich zu achten. Statt möglich. Den Sinn des Satzes "nachdem Schleswig-Holstein von Däne-
"die Quadratwurzel aus 4, die kleiner ist ~ls 0" kann man auch mark losgerissen war, entzweiten sid!. Preußen und österreidi" können
wir audi wiedergeben in der Form "nadi Losreißung Schleswig-Hol-
sagen "die negative Quadratwurzel aus 4". Wir haben hier den steins von Dänemark entzweitensidl Preußen und österreich". Bei
Fall, daß aus einem Begriffsausdru<ke ein zusammengesetzter dieser Fassung ist es wohl hinreidiend deutlich, daß als Teil dieses
Eigenname mit Hilfe des bestimmten Artikels im Singular ge- Sinnes nidlt der Gedanke aufzufassen ist, daß Sdlleswig-Holstein ein-
bildet wird, was jedenfalls dann erlaubt ist, wenn ein. Gegen- mal von Dänemark losgerissen ist, sondern daß dies die notwendige
stand und nur ein einziger unter den Begriff fällt 11. Begriffsaus- 42 Voraussetzung dafür ist, daß der Ausdru<k "nach der Losreißung
Sihleswig-Holsteins von Dänemark" überhaupt eine Bedeutung habe.
drü<ke können nun so gebildet werden, daß Merkmale durch Es läßt sich freilidl unser Satz auch so auffassen, daß damit gesagt
Beisätze angegeben werden, wie in unserem Beispiele durch den sein soll, es sei einmal Sdlleswig-Holstein von Dänemark losgerissen
Satz "die kleiner ist als 0". Es ist einleuchtend, daß ein solcher worden. Dann haben wir einen Fall, der später zu betraditen sein
Beisatz ebensowenig wie vorhin der Nennsatz als Sinn einen wird. Versetzen wir uns, um den Unterschied klarer zu erkennen, in
Gedanken noch als Bedeutung einen Wahrheitswert haben kann, die Seele eines Chinesen, der bei seiner geringen Kenntnis europäischer
Gesdlichte es für falscl!. hält, daß einmal Schleswig-Holstein von Däne-
sondern er hat als Sinn nur einen Teil eines Gedankens, der in mark losgerissen sei. Dieser wird unseren Satz, in der ersten Weise
aufgefaßt, weder für wahr noch für falsch halten, sondern ihm jede
,11Nadl dem oben Bemerkten müßte einem solchen Ausdrucke eigentlidl Bedeutung absprechen, weil dem Nebensatze eine soldle fehlen würde.
durm besondere Festsetzung immer eine Bedeutung gesichert werden, Dieser würde nur sdleinbar eine Zeitbestimmung geben. Wenn er
z. B. durd!. die Bestimmung, daß als .seine Bedeutung die Zahl 0 zu unseren Satz dagegen in der zweiten Weise auffaßt, wird er in ihm
gelten habe, wenn kein Gegenstand oder mehr als einer unter den Be- einen Gedanken ausgedrückt finden, den er für falsch hielte, neben
griff fällt. einem Teile, der für ihn bedeutungslos wäre.

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ebensolcher entspricht. Indem beide aufeinander hinweisen, ver- Es ist einleuchtend, daß Nennsätze mit "wer", "was" und Ad-
binden sie beide Sätze zu einem Ganzen, das in der Regel nur verbsätze mit "wo", "wann", "wo immer", "wann immer" viel-
einen Gedanken ausdrückt. In dem Satze fach als Bedingungssätze dem Sinne nach aufzufassen sind, z. B.:
"wenn eine Zahl kleiner als 1 und größer als 0 ist, so ist "Wer Pech angreift, besudelt sich."
auch ihr Quadrat kleiner als 1 und größer als 0" Auch Beisätze können Bedingungssätze vertreten. So können wir
den Sinn unseres vorhin angeführten Satzes auch in der Form
ist dieser Bestandteil "eine Zahl" im Bedingungssatze und "ihr"
"das Quadrat einer Zahl, die kleiner als 1 und größer als 0 ist,
im Nachsatze.J.beg durch diese Unbestimmtheit er,h.~h2~r Sinn
ist kleiner als 1 und größer als 0" ausdrücken.
gi~_AlIg~m~~!lh~i,t,w(!lcpe1l1an von ei!lemG~setze erwartet. Eben
Ganz anders wird die Sache, wenn der gemeinsame Bestandteil
dadurch wird aber auCh bewirkt, daß der Bedingungssatz allein
von Hauptsatz und Nebensatz durch einen Eigennamen be-
keinen vollständigen Gedanken als Sinn hat und mit dem Nach-
zeichnet wird. In dem Satze:
satz zusammen einen Gedanken, und zwar nur einen einzigen,
ausdrückt, dessen Teile nicht mehr Gedanken sind. Es ist im all- "Napoleon, der die Gefahr für seine rechte Flanke er-
gemeinen unrichtig, daß im hypothetischen Urteil zwei Urteile kannte, führoe selbst seine Garden gegen die feindliche
in Wechselbeziehung gesetzt werden. Wenn man so oder ähnlich Stellung"
sagt, gebraucht man das Wort "Urteil" in demselben Sinne, den sind die beiden Gedanken ausgedrückt:
ich mit dem Worte "Gedanke" verbunden habe, so daß ich 1. Napoleon erkannte die Gefahr für seine rechte Flanke;
dafür sagen würde: "In einem hypothetischen Gedanken wer-
den zwei Gedanken in Wechselbeziehung gesetzt." Dies könnte 2. Napoleon führte selbst seine Garden gegen die feind-
liche Stellung.
nur dann wahr sein, wenn ein unbestimmt andeutender Bestand-
teil fehlte 11; dann wäre aber auch keine Allgemeinheit vor- Wann und wo dies geschah, kann zwar nur aus dem Zusammen-
handen. hang erkannt werden, ist aber als dadurch bestimmt anzusehen.
Wenn ein Zeitpunkt im Bedingungs- und Nachsatz unbestimmt \Venn wir unseren ganzen Satz als Behauptung aussprechen, so
anzudeuten ist, so geschieht es nicht selten nur durch das Tempus behaupten wir damit zugleich die bei den Teilsätze. Wenn einer
praesens des Verbs, das in diesem Falle nicht die Gegenwart mit- dieser Teilsätze falsch ist, so ist damit das Ganze falsch.. Hier
bezeichnet. Diese grammatische Form ist dann im Haupt- und haben wir den Fall, daß der Nebensatz für sich allein als Sinn
Nebensatze der unbestimmt andeutende Bestandteil. "Wenn sich einen vollständigen Gedanken hat (wenn wir ihn durch Zeit-
die Sonne im Wendekreise des Krebs.es befindet, haben wir auf 44 und Ortsangabe ergänzen). Die Bedeutung des Nebensatzes ist
der nördlichen Erdhälfte den längsten Tag", ist ein Beispiel demnach ein Wahrheitswert. Wir können also erwarten, daß er
dafür. Auch hier ist es unmöglich, den Sinn des Nebensatzes in sich unbeschadet der Wahrheit des Ganzen durch einen Satz von
einem Hauptsatze auszudrücken, weil dieser Sinn kein vollstän- 45 demselben Wahrheitswerte ersetzen lasse. Dies ist auch der Fall;
diger Gedanke ist; denn wenn wir sagten: "die Sonne befindet nur muß beachtet werden, daß sein Subjekt "Napoleon" sein
sich im Wendekreise des Krebses", so würden wir das auf unsere muß, aus einem rein grammatischen Grunde, weil er nur dann
Gegenwart beziehen und damit den Sinn ändern. Ebensowenig in die Form eines zu "Napoleon" gehörenden Beisatzes gebracht
ist der Sinn des Hauptsatzes ein Gedanke; erst das aus Haupt- werden kann. Sieht man aber von der Forderung ab, ihn in die-
und Nebensatz bestehende Ganze enthält einen solchen. übri- ser Form zu sehen, und läßt man auch die Anreihung mit "und"
gens können auch mehrere gemeinsame Bestandteile im Bedin- zu, so fällt diese Beschränkung hinweg.
gungs- und Nachsatze unbestimmt angedeutet werden. Auch in Nebensätzen mit "obgleich" werden vollständige Ge-
11Zuweilen fehlt eine ausdrückliche sprachliche Andeutung und muß danken ausgedrückt. Dieses Fügewort hat eigentlich keinen Sinn
dem ganzen Zusammenhang entnommen werden. und verändert auch den Sinn des Satzes nicht, sondern beleuchtet

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ihn nur in eigentümlicher Weise 12. Wir könnten zwar unbe- Der Nebensatz hat meistens als Sinn keinen Gedanken, sondern
schadet der Wahrheit des Ganzen den Konzessivsatz durch einen : nur einen Teil eines solmen und folglich als Bedeutung keinen
anderen desselben Wahrheitswertes ersetzen; aber die Beleum- Wahrheitswert. Dies hat entweder darin seinen Grund, daß im
tung würde dann leicht unpassend erscheinen, wie wenn man Nebensatz die Wörter ihre ungerade Bedeutung haben, so daß
ein Lied traurigen Inhalts nach einer lustigen Weise singen die Bedeutung, nimt der Sinn des Nebensatzes ein Gedanke ist,
wollte. oder darin, daß der Nebensatz wegen eines darin nur unbe-
In den letzten Fällen schloß die Wahrheit des Ganzen die Wahr- stimmt andeutenden Bestandteils unvollständig ist, so daß er
heit der Teilsätze ein. Anders ist es, wenn ein Bedingungssatz , erst mit dem Hauptsatze zusammen einen Gedanken ausdrückt.
einen vollständigen Gedanken ausdrückt, indem er statt des nur Es kommen aber auch Fälle vor, wo der Sinn des Nebensatzes
andeutenden Bestandteils einen Eigennamen enthält oder etwas, ein vollständiger Gedanke ist, und dann' kann er unbeschadet
was dem gleich zu achten ist. In dem Satze der Wahrheit des Ganzen durch einen anderen von demselben
"wenn jetzt die Sonne schon aufgegangen ist, ist der Him- Wahrheitswerte ersetzt werden, soweit nicht grammatische Hin-
mel stark bewölkt" dernisse vorliegen.
Wenn man alle aufstoßenden Nebensätze hierauf ansieht, so
ist die Zeit die Gegenwart, also bestimmt. Auch der Ort ist als
wird man bald solche treffen, die nicht recht in diese Fächer
bestimmt zu denken. Hier kann man sagen, daß eine Beziehung
zwischen den Wahrheitswerten des Bedingungs- und Folgesatzes passen wollen. Der Grund davon wird, soviel ich sehe, darin
gesetzt sei, nämlich die, daß der Fall nicht stattfinde, wo der Be- liegen, daß diese Nebensätze keinen so einfachen Sinn haben.
dingungssatz das Wahre und der Nachsatz das Falsche bedeute. Fast immer, scheint es, verbinden wir mit einem Hauptgedanken,
Danach ist unser Satz wahr, sowohl wenn jetzt die Sonne noch den wir aussprechen, Nebengedanken, die auch der Hörer, ob-
nicht aufgegangen ist, sei nun der Himmel stark bewölkt oder wohl sie nicht ausgedrückt werden, mit unseren Worten ver-
nicht, als auch, wenn die Sonne schon aufgegangen ist und der knüpft nach psychologischen Gesetzen. Und weil sie so von selbst
Himmel stark bewölkt ist. Da es hierbei nur auf die Wahrheits- mit unseren Worten verbunden erscheinen, fast wie der Haupt-
werte ankommt, so kann man jeden der Teilsätze durch einen gedanke selbst, so wollen wir dann auch wohl einen solchen
anderen von gleichem Wahrheitswerte ersetzen, ohne den Wahr- Nebengedanken mit ausdrücken. Dadurch wird der Sinn des
heitswert des Ganzen zu ändern. Freilich würde aum hier die Satzes reicher, und es kann wohl geschehen, daß wir mehr ein-
Beleuchtung meistens unpassend werden: der Gedanke würde fache Gedanken als Sätze haben. In manchen Fällen muß der
leicht abgeschmackt erscheinen; aber das hat mit seinem Wahr- 46 Satz so verstanden werden, in anderen kann es zweifelhaft sein,
heitswerte nimts zu tun. Man muß dabei immer beachten, daß 47 ob der Nebengedanke mit zum Sinn des Satzes gehört oder ihn
Nebengedanken mit anklingen, die aber nicht eigentlich aus- nur begleitet 14. So könnte man vielleicht finden, daß in dem
gedrückt sind und darum in den Sinn des Satzes nicht ein- Satze
gerechnet werden dürfen, auf deren Wahrheitswert es also nicht "Napoleon, der die Gefahr für seine rechte Flanke er-
ankommen kann 13. kannte, führte selbst seine Garden gegen die feindliche
Damit möchten die einfachen Fälle besprochen sein. Werfen wir Stellung"
hier einen Blick auf das Erkannte zurückl
nicht nur die beiden oben angegebenen Gedanken ausgedrückt
1Z fli.hnli.ches haben wir bei "aber". "doch". wären, sondern auch der, daß die Erkenntnis der Gefahr der
U Man könnte den Gedanken unseres Satzes auch so ausdrücken: "ent- Grund war, weshalb er die Garden gegen die feindliche Stellung
weder ist jetzt die Sonne noch nicht aufgegangen, oder der Himmel
ist stark bewölkt", woraus zu ersehen, wie diese Art der Satzverbin- 14 Für die Frage, ob eine Behauptung eine Lüge, ein Eid ein Meineid
dung aufzufassen ist. sei, kann dies von Wichtigkeit werden.

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führte. Man kann in der Tat zweifelhaft sein, ob dieser Gedanke ursprünglichen Satzgefüge eigentlich doppelt zu nehmen ist mit
nur leicht angeregt oder ob er wirklich ausgedrüdn wird. Man verschiedenen Bedeutungen, von denen die eine ein Gedanke, die
lege sich die Frage vor, ob unser Satz falsch wäre, wenn Napo- andere ein Wahrheitswert ist. Weil nun der Wahrheitswert nicht
leons Entschluß schon vor der Wahrnehmung der Gefahr gefaßt die ganze Bedeutung des Nebensatzes ist, können wir diesen
wäre. Könnte unser Satz trotzdem wahr sein, so wäre unser nicht einfach durch einen anderen desselben Wahrheitswertes er-
Nebengedanke nicht als Teil des Sinnes unseres Satzes aufzufas- setzen. Ähnliches haben wir bei Ausdrücken wie "wissen«, "er-
sen. Wahrscheinlich wird man sich dafür entscheiden. Im anderen kennen«, "es ist bekannt" .
Falle würde die Sachlage recht verwickelt: wir hätten dann mehr Mit einern Nebensatze des Grundes und dem zugehörigen Haupt-
einfache Gedanken als Sätze. Wenn wir nun auch den Satz satze drücken wir mehrere Gedanken aus, die aber nicht den
Sätzen einzeln entsprechen. Der Satz ["]
"Napoleon erkannte die Gefahr für seine rechte Flanke"
"weil das Eis spezifisch leichter als Wasser ist, schwimmt
durch einen anderen desselben Wahrheitswertes ersetzten, z. B. es auf dem Wasser"
durch
haben wir
"Napoleon war schon über 45 Jahre alt",
1. das Eis ist spezifisch leichter als Wasser;
so würde damit nicht nur unser erster, sondern auch unser dritter 2. wenn etwas spezifisch leic.~ter als Wasser ist, so
Gedanke geändert, und damit könnte auch dessen Wahrheits- schwimmt es auf dem Wasser;
wert ein anderer werden - dann nämlich, wenn sein Alter nicht 3. das Eis schwimmt auf dem Wasser.
Grund des Entschlusses war, die Garden gegen den Feind zu
Der dritte Gedanke brauchte allenfalls nicht ausdrücklich aufge-
führen. Hieraus ist zu sehen, weshalb in solchen Fällen nicht
führt zu werden als in den ersten bei den enthalten. Dagegen
immer Sätze von demselben Wahrheitswerte füreinander ein-
würden weder der erste und dritte, noch der zweite und dritte
treten können. Der Satz drückt dann eben vermöge seiner Ver-
zusammen den Sinn unseres Satzes ausmachen. Man sieht nun,
bindung mit einern anderen mehr aus, als für sich allein.
daß in unserem Nebensatze
Betrachten wir nun Fälle, wo solches regelmäßig vorkommt. In
"weil das Eis spezifisch leichter als Wasser ist"
dem Satze
sowohl unser erster Gedanke als auch ein Teil unseres zweiten
"Bebel wähnt, daß durch die Rückgabe Elsaß-Lothringens
ausgedrückt ist. Daher kommt es, daß wir unseren Nebensatz
Frankreichs Rachegelüste beschwichtigt werden können"
nicht einfach durch einen anderen desselben Wahrheitswertes er-
sind zwei Gedanken ausgedrückt, von denen aber nicht der eine setzen können; denn dadurch würde auch unser zweiter Gedanke
dem Haupt-, der andere dem Nebensatze angehört, nämlich geändert, und davon könnte leicht auch dessen Wahrheitswert
1. Bebel glaubt, daß durch die Rückgabe Elsaß-Lothringens berührt werden.
Frankreichs Rachegelüste beschwichtigt werden können; Ähnlich ist die Sache in dem Satze
2. durch die Rückgabe Elsaß-Lothringens können Frank- 48 "wenn Eisen spezifisch leichter als Wasser wäre, SO würde
reichs Rachegelüste nicht beschwichtigt werden. es auf dem Wasser schwimmen".
49 Wir haben hier die heiden Gedanken, daß Eisen nicht spezifisch
In dem Ausdrucke des ersten Gedankens haben die Worte des
leichter ist als Wasser, und daß etwas auf dem Wasser schwimmt,
Nebensatzes ihre ungerade Bedeutung, während dieselben Worte
wenn es. spezifisch leichter als Wasser ist. Der Nebensatz drückt
im Ausdrucke des zweiten Gedankens ihre gewöhnliche Bedeu-
tung haben. Wir sehen daraus, daß der Nebensatz in unserem ". [So im Original statt "In dem Satze". Hrsg.]

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wieder den einen und einen Teil des anderen Gedankens aus. 50beweisen, der Wahrheitswert sei die Bedeutung des Satzes, dessen
Wenn wir den früher betrachteten Satz Sinn ein Gedanke ist.
lKehren wir nun zu unserem Ausgangspunkte zurück!
"nachdem Schleswig-Holstein von Dänemark losgerissen
Wenn wir den Erkenntniswert von "a = a" und "a = b" im all-
war, entzweiten sich Preußen und österreich"
gemeinen versmieden fanden, so erklärt sim das dadurm, daß
so auffassen, daß darin der Gedanke ausgedrückt ist, es sei ein- für den Erkenntniswert der Sinn des Satzes, nämlim der in ihm
mal Schleswig-Holstein von Dänemark losgerissen worden, m ausgedrückte Gedanke, nicht minder in Betracht kommt als seine
haben wir erstens diesen Gedanken, zweitens den Gedanken, Bedeutung, das ist sein Wahrheitswert. Wenn nun a = b ist, so
daß zu einer Zeit, die durch den Nebensatz näher bestimmt ist, ist zwar die Bedeutung von "b" dieselbe wie die von "a" und
Preußen und österreich sich entzweiten. Auch hier drückt dann also' aum der Wahrheitswert von "a = b" derselbe wie von
der Nebensatz nicht nur einen Gedanken, sondern auch einen "a = a". Trotzdem kann der Sinn von "b" von dem Sinn von
Teil eines anderen aus. Daher darf man ihn nicht allgemein "a" verschieden sein, und mithin aum der in "a = b" ausge-
durch einen anderen desselben Wahrheitswertes ersetzen. drückte Gedanke verschieden von dem [in]'~ "a = a" ausge-
Es ist schwer, alle in der Sprache gegebenen Möglichkeiten zu drückten sein; dann haben beide Sätze auch nicht denselben Er-
kenntniswert. Wenn wir, wie oben, unter "Urteil" verstehen
erschöpfen; aber ich hoffe doch, im wesentlichen die Gründe auf-
den Fortschritt vom Gedanken zu dessen W~hrheitswerte, so
gefunden zu haben, warum nicht immer unbeschadet der Wahr- werden wir auch sagen, daß die Urteile verschieden sind.
heit des ganzen Satzgefüges ein Nebensatz durch einen anderen
desselben Wahrheitswertes vertreten werden kann. Diese sind * [Im Erstdruck: "von dem "a = a" ausgedrückten". Hrsg.]
1. daß der Nebensatz keinen Wahrheitswert bedeutet, in-
dem er nur einen Teil eines Gedankens ausdrückt;
2. daß der Nebensatz zwar einen Wahrheitswert bedeu-
tet, aber sich nicht darauf beschränkt, indem sein Sinn
außer einem Gedanken auch noch einen Teil eines anderen
Gedankens umfaßt.
Der erste Fall tritt ein
a) bei der ungeraden Bedeutung der Worte,
b) wenn ein Teil des Satzes nur unbestimmt andeutet, statt
ein Eigenname zu sein.
Im zweiten Fall kann der Nebensatz doppelt zu nehmen sein,
nämlich einmal in gewöhnlicher Bedeutung, das andere Mal in
ungerader Bedeutung; oder es kann der Sinn eines Teiles des
Nebensatzes zugleich Bestandteil eines anderen Gedankens sein,
der mit dem unmittelbar im Nebensatze ausgedrückten zusam-
men den ganzen Sinn des Haupt- und Nebensatzes ausmacht.
Hieraus geht wohl mit hinreichender Wahrscheinlichkeit hervor,
daß die Fälle, wo ein Nebensatz nicht durch einen anderen des-
selben Wahrheitswertes ersetzbar ist, nichts gegen unsere Ansicht

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