Sie sind auf Seite 1von 5

HX 10 Bassreflexbox, Beschreibung

Da ist der Fa. Visaton schon ein großer Wurf gelungen. Ursprünglich als Koaxiallautsprecher für
Reisemobile entwickelt, könnte man dieses Chassis in die weite Palette der Autolautsprecher
einordnen. Aber zu Recht bezeichnet Visaton den HX 10 als High End Chassis. Man muss nur den
Frequenzgang mit anderen Autolautsprechern vergleichen und schon werden die Unterschiede
deutlich.

Lediglich der Normschalldruckpegel ist mit 81 dB etwas gering, jedoch da Verstärkerleistung kein
Problem mehr ist, lässt sich das Chassis auch höher belasten. In der Testauswertung von Klang und
Ton (Heft 6/2011) wird ein Maximalpegel von 90dB empfohlen.

1. Das Konzept

Und nun sind wir schon beim eigentlichen Projekt. Ein Regallautsprecher zur Erweiterung des
Stereoklanges vom Fernsehgerät, ist doch eine feine Sache. Zumal allgemein bekannt ist, dass
Frequenzen unter 160 Hz bei der Fernsehtonwiedergabe weggefiltert werden. Die verwendeten
Lautsprecher der Fernsehgeräte könnten die Tiefen sowieso nicht wiedergeben. Um dem zu begegnen,
haben sich Audio-Geräte-Hersteller auf den Bedarf an Zusatzlautsprechern eingestellt. Das Design
stimmt, aber der Preis auch!

Wer nun schon immer seinen Fernsehklang mit moderaten Mitteln verbessern wollte und eine kleine
Eigenleistung nicht scheut, ist hier genau richtig.

Das HX 10 Chassis ist für diesen Zweck wie geschaffen. Ein Tief-, Mitteltöner und eine
Hochtonkalotte befinden sich in einem Korb, der äußerlich durch ein Gitter geschützt ist. Einzigartig
ist die Frequenzweiche, die bereits integriert ist. Besonders denjenigen, die ungern Lötarbeiten
ausführen, kommt diese Bauart entgegen. An dem kleinen Koax sind nur 2 Anschlüsse, an die der
Verstärker direkt angeschlossen wird. Die Frequenzweiche für den Zwei-Wege-Lautsprecher hat der
Hersteller in eine Kunststoffkappe hinter dem Magneten eingebaut. Die Trennfrequenz liegt bei 4300
Hz.

Der Lautsprecher ist als Regallautsprecher konzipiert. Mit den Maßen 20 x 32,5 x 24 cm (BxHxT)
dürfte der Einbau in eine Schrankwand passen. Ganz im Gegensatz zur Industrie verwenden wir für
die Frontplatte Vollholz. Was kann eigentlich edler sein als reiner Naturwerkstoff? Auch die
Seitenteile sind aus Holz, aus Kostengründen diesmal jedoch aus Multiplex. Das Aussehen wird
wiederum durch Echtholzfurnier dem Gesamteindruck angepasst.
Für das Konzept Regalbox standen nun zwei mögliche Bauarten zur Wahl, nämlich die geschlossene
Box und die Bassreflexbox. Aus der Logik heraus, wäre eigentlich die geschlossene Box die erste
Wahl. Im Regal werden infolge fehlender Abstrahlmöglichkeit zur Seite und nach hinten auch tiefe
Frequenzen gebündelt, was wiederum zur Anhebung der Tiefen um 6dB führt. Weiterhin ist das
Boxenvolumen niedriger als bei der Bassreflexbox. Warum also eine größere aufwändigere
Bassreflexbox bauen, wenn die geschlossene Box, die klanglich sogar noch etwas präziser klingt,
unserer Ziel erreicht?

Aber, wie im wahren Leben, hier trennen sich Theorie und Praxis. Beide Varianten wurden gebaut, die
geschlossene Box mit 5 Litern Inhalt und die Bassreflexbox mit 8 Litern Inhalt. Die Frequenzgänge
entsprechen in etwa der Simulation unter Boxsim, dass heißt, der Unterschied ist nicht nennenswert
groß und trotzdem wurde von mehreren Zuhörern die Bassreflexbox bevorzugt.

2. Aufbau der Bassreflexbox

Der erste Blick hinterlässt einen zweifelhaften Eindruck. Warum ist das Chassis nur so unsymmetrisch
auf der Front montiert? Der Grund liegt in der Kantenbrechung. Bei gleichen Abständen des
Schallentstehungsortes zur Kante vervielfachen sich die Unsymmetrien im Frequenzgang. Aus diesem
Grund ist die Front ebenfalls kein Rechteck. Das erspart uns nachträgliche Frequenzgangkorrekturen
mit passiven Filtern.

Ähnlich verhält es sich mit den Längenverhältnissen im Inneren der Box. Damit sich die stehenden
Wellen in der Box nicht noch durch Überlagerung verstärken können, wurde auch hier auf
ungeradzahlige Seitenverhältnisse gesetzt, immer der Regel folgend, was nicht vorhanden ist muss
auch nicht entfernt werden.

Das nächste Problem kam mit dem Bassreflexrohr. Bekanntermaßen neigen Zweigwegelautsprecher
und Breitbänder dazu, Resonanzen im Mitteltonbereich über das Bassreflexrohr wiederzugeben. An
einen ausgewogenen Frequenzgang ist dann nicht mehr zu denken. Dagegen gibt es nur wenige Mittel,
entweder wird das Bassreflexrohr nach hinten verlegt oder man verwendet anstelle des Rohres eine
Passivmembran.
Beides geht in unserem Falle nicht. Die Passivmembran verteuert das Projekt unnötig und die Öffnung
des Reflexrohres an die Regalwand zu legen gibt auch keinen Sinn. Wenn überhaupt, muss die
Öffnung des Rohres nach unten verlegt werden. Dieser Trick klappt sogar. Man achte allerdings auf
einen genügenden Abstand zum Boden.

3. Simulation mit Hilfe von Boxsim

So jetzt testen wir die Praxistauglichkeit unserer Ideen. Nach Eingabe der Chassis und Gehäusedaten
wird folgender Frequenzgang simuliert:
Das sieht doch schon ganz gut aus. Die Höhen und Tiefen sind leicht angehoben, eine gehörrichtige
Anpassung bei leiser Wiedergabe ist gegeben. Es sollte eben kein Ghettoblaster werden. Die tiefen
Frequenzen sind bis 60 Hz noch präsent.

Dazu im Vergleich die geschlossene Box:

Wie zu erwarten kann diese Box im Tieftonbereich weniger punkten.

4. Messungen

Die Messungen bestätigen nochmals die simulierten Werte. Zuerst der Frequenzgang auf Achse:
Im Folgenden der Frequenzgang unter Winkel:

Rot - 150 , Grün - 300

Sehr deutlich ist die Besonderheit eines Koaxchassis zu erkennen. Im Gegensatz zu den Breitbändern
ist die Bündelung selbst unter 300 vernachlässigbar klein.

Und der Impedanzgang:

5. Fazit

Für all diejenigen, die sich gern und liebevoll der Holzbearbeitung widmen, ist die HX 10 Box der
ideale Bausatz. Die Box ist für die Stereoanlage im Wohnzimmer oder als Zusatzlautsprecher für den
Fernseher geeignet. Große Lautstärken und wummernde Tiefen bringt sie nicht. Dafür gibt es aber
auch keine Probleme mit den Raummoden, die den Tieftonklang in kleinen Räumen erheblich
versäuern können.

Bei der Verwendung als Zusatzlautsprecher sollte der Bausatz komplett mit einem Stereo Mini
Verstärker betrieben werden. Es eignet sich der Spark II von Dynavox.
Abschließend eine Bemerkung zu den Vorteilen des Koax-Systems. Im Gegensatz zu den
Breitbandlautsprechern liegt ein sehr breites Frequenzspektrum mit geringer Bündelung im
Hochtonbereich vor.
Der Tiefton ist bei gerade mal 50 cm2 Membranfläche dynamisch und auch beim Leisehören noch
deutlich abbildbar. Unterstützend wirkt die Schallwand, die nicht nur der Zierde, sondern auch für
einen ausgewogenen Übergang vom Mittelton- zum Tieftonbereich sorgt.

Anbei noch ein Bild mit dem Verstärker: