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SCHILDDRÜSE (Glandula thyreoidea)

Sie ist ein schmetterlingsförmiges Organ und liegt im Hals, kurz unter dem Kehlkopf und vor der
Luftröhre(Trachea). Sie befindet sich bei Erwachsenen ungefähr auf der Höhe von C6/C7.

In gesundem Zustand ist sie so klein, dass man sie von außen weder sehen noch ertasten kann. Bei
einer Frau liegt das mittlere Gesamtvolumen bei etwa 18 ml, bei Männern bis zu 25 ml. Sie besteht
aus zwei Seitenlappen (Lobus dexter glandulae thyroideae und Lobus sinister glandulae thyroideae)
und einem Verbindungssteg (Isthmus glandulea thyroideae) in der Mitte.

Die beiden Seitenlappen bestehen aus kleinen Drüsenläppchen, den Lobuli, diese wiederum teilen
sich in winzige Bläschen (Follikel). Hier entstehen die Stoffe, die unseren ganzen Körper
beeinflussen.

In etwa 1,5 Stunden fließt das gesamte Blut eines Menschen einmal durch die Schilddrüse. Ohne die
Schilddrüse würde es im menschlichen Körper drunter und drüber gehen, denn das walnussgroße
Organ beeinflusst unseren gesamten Organismus: Herz-Kreislauf-System, Verdauung, Knochenaufbau
und sogar die Psyche. Grund dafür sind die verschiedenen Hormone, die von der Schilddrüse ständig
ausgeschüttet werden.
Blutversorgung

Der obere Anteil der Schilddrüse wird durch die Arteria thyroidea superior versorgt, einen Ast
der Arteria carotis externa. Der untere Teil erhält Blut aus der Arteria thyroidea inferior, die aus
dem Truncus thyrocervicalis hervorgeht. Beide Gefäße bilden untereinander
zahlreiche Anastomosen. Bei etwa 5 % aller Menschen kommt zusätzlich noch eine Versorgung
durch die Arteria thyroidea ima in Frage, einen direkten Ast des Truncus brachiocephalicus.

Das venöse Blut der Schilddrüse fließt über die Vena thyroidea superior und die Vena thyroidea
media zurück in die Vena jugularis interna und über die Vena thyroidea inferior in die Vena
brachiocephalica.

Jeden Tag produziert die Schilddrüse die Hormone Trijodthyronin (T3), Thyroxin (T4) und Kalzitonin
(wird in den C-Zellen, die sich zwischen den Follikel befinden) gebildet und ist wichtig für den
Knochenstoffwechsel.

Der Befehl dazu kommt aus dem Gehirn, wo in einem Abschnitt des Zwischenhirns (Hypothalamus)
das Hormon TRH (Thyreotropin Releasing Hormon) freigesetzt und zur Hirnanhangdrüse
(Hypophyse) weitergeleitet wird. Hier regt das TRH die Ausschüttung des Stoffes TSH (Thyretropin)
an. Steigt der TSH-Spiegel, wird das von der Schilddrüse wahrgenommen und sie produziert durch die
Epithelzellen in den Follikel als Antwort die Hormone T3 und T4 und setzt sie ins Blut frei. Das
wiederum erkennt die die Hypophyse und stellt die TSH-Produktion ein. Durch dieses Zusammenspiel
zwischen den beiden Drüsen wird der Hormonspiegel im Körper reguliert und in einem konstanten
Niveau gehalten.
T3 und T4 spielen eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel unserer Zellen. Über die Blutbahn
verteilen sie sich im ganzen Körper und docken dann an den Rezeptoren des Zellkerns und der
Mitochondrien, also den Kraftwerken der Zelle, an.

Der Zellstoffwechsel wird angekurbelt und das hat verschieden Auswirkungen: zum Beispiel können
die Zellen dank der Schilddrüsen-Hormone vermehrt Sauerstoff und Zucker (Kohlenhydrate)
aufnehmen, was sich wiederum auf die Verdauung, den Blutdruck, die Muskelfunktion und die
Körpertemperatur auswirkt.

Durch die Hormone werden auch der Stoffwechsel der Nervenzellen und die Gehirntätigkeit aktiviert,
somit hat die Schilddrüse auch einen erheblichen Einfluss auf das Längenwachstum, die intellektuelle
Entwicklung sowie die Psyche und das seelische Gleichgewicht.

Damit die Schilddrüse alle diese Aufgaben bewältigen kann, braucht sie vor allem Jod. Dieses
Spurenelement ist nämlich einer der Hauptbestandteile der Schilddrüsen-Hormone. Die Aminosäure
Tyrosin bildet die Grundlage der Hormone T3 und T4. Dort docken sich entweder drei (T3) oder vier
(T4) Jod-Atome an. Erst dann sind die Hormone komplett. Der tägliche Jodbedarf eines Erwachsenen
liegt bei 180 bis 200 Mikrogramm und muss über die Nahrung gedeckt werden. Jod ist in
Lebensmitteln wie Fisch, Spinat oder auch Jodsalz enthalten. Bei jeder Unterversorgung drohen
jedoch verschiedene Krankheiten, da die Schilddrüse den Körper nicht mehr ausreichend mit
Hormonen versorgen kann.

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)


findet sich bei zahlreichen Schilddrüsenerkrankungen. Diese Funktionsstörungen können das
Wohlbefinden stark beeinflussen und zu vielen unspezifischen Beschwerden führen.

Zeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sind Müdigkeit, Gewichtszunahme, Kältegefühl,


Zyklusunregelmäßigkeiten und depressive Verstimmung. Im Gegensatz dazu führt eine
Schilddrüsenüberfunktion zu Nervosität, Reizbarkeit, Herzklopfen, Schwitzen und schnellem Puls.
Ausgeprägte Schilddrüsenfunktionsstörungen können andere Organe wie das Herz oder die Knochen
schädigen.

Es gibt verschiedenste Erkrankungen der Schilddrüse, die unterschiedliche Ursachen haben: der
Kropf (lat. Struma), eine Vergrößerung der Schilddrüse wird seit der Einführung der
Speisesalzjodierung in Österreich seltener.

Schilddrüsenknoten kommen nach wie vor häufig vor. „Heiße Knoten“ produzieren eigenständig
Schilddrüsenhormone und müssen behandelt werden, „kalte Knoten“ haben ein erhöhtes Risiko
bösartig zu entarten. Viele Knoten bestehen aus ganz normalem Schilddrüsengewebe, müssen aber
regelmäßig kontrolliert werden, da Schilddrüsenkrebs in den letzten Jahren an Häufigkeit
zugenommen hat.