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Der Satz von Caratheodory

Liepe, Jonas (509568) - liepe@informatik.hu-berlin.de

29. März 2010


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 2
1.1 Definitionen und Voraussetzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.1.1 Grundbegriffe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
1.1.2 Konvexe Hülle und affine Hülle . . . . . . . . . . . . . . . 3

2 Satz von Caratheodory 4


2.1 Satz von Caratheodory . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Folgerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5

Anhang 7
A Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

1
Kapitel 1

Einleitung

1.1 Definitionen und Voraussetzungen


1.1.1 Grundbegriffe
Definition 1 (Linearkombination). y ist eine Linearkombination, falls sie sich
k
P
wie folgt darstellen lässt y = λi xi , x1 . . . xk ∈ X, XBannachraum
i=1

Definition 2 (Affinkombbination). y ist eine Affinkombbination , falls y eine


k
P
Linearkombination ist und es gilt λi = 1
i=1

Definition 3 (affin/linear abhängig). x1 . . . xn sind linear abhängig ⇔ 0 =


n
P
6 0 für ein i sonst linear unabhängig
λi xi mit λi =
i=1
x1 . . . xn sind affin unabhängig ⇔ (x2 − x1 ), (x3 − x1 ), . . . , (xn − x1 ) linear un-
abhängig sind

Definition 4 (Konvexkombination). und Konvexkombination, falls y eine Lin-


k
P
earkombination ist und es gilt λi = 1 mit λi ≥ 0 ∀i ∈ 1 . . . k
i=1

Definition 5 (Konvexität und Affinität). Sei X ein reeller Vektorraum und


S⊆X
S konxex ⇔ jede Konvexkombination y ∈ S
S affin ⇔ jede Affinkombination y ∈ S
Bemerkung:
Sei wieder X ein reeller Vektorraum mit Dimension n und S ⊆ X dann folgt
aus der Definition der Dimension und der linearen bzw. affinen Unabhängigkeit

• | S | = n+1 ⇒ Elemente aus S sind linear abhängig

• | S | = n+2 ⇒ Elemente aus S sind affin abhängig

2
1.1. DEFINITIONEN UND VORAUSSETZUNGEN
KAPITEL 1. EINLEITUNG

1.1.2 Konvexe Hülle und affine Hülle


Definition 6 (Konvexe Hülle). Die konvexe Hülle einer Menge M ⊆ X mit X
reeller Vektorraum ist der Durchschnitt aller konvexer Mengen, die M enthalten
und wird mit conv M bezeichnet.
Definition 7 (Affine Hülle). Die Affine Hülle einer Menge M ⊆ X mit X reeller
Vektorraum ist der Durchschnitt aller affiner Mengen, die M enthalten und wird
mit aff M bezeichnet.

Bemerkung:
• conv S ist die kleinste konvexe Menge, die S enthält.
• S konvex ⇔ S = conv S
S affin ⇔ S = aff S

Satz 8. Sei X ein reeller Vektorraum und S ⊆ X


Dann besteht conv S (aff S) aus allen Konvexkombinationen (Affinkombinatio-
nen) der Elemente aus S
P P
conv S = { λi ∗ xi | I endlich xi ∈ S,λi ≥ 0, λi = 1}
i∈I i∈I
P P
aff S = { λi ∗ xi | I endlich xi ∈ S, λi = 1}
i∈I i∈I

P P
Beweis. Sei T = { λi ∗ xi | I endlich xi ∈ S,λi ≥ 0, λi = 1}
i∈I i∈I
Nach Definition 4 ist jede Konvexkombination von Elementen aus conv S wieder
ein Element aus conv S.
da S ⊆ conv S ⇒ T ⊆ conv S
Pk l
P
x, y ∈ T mit x := αi ∗ xi und y := βi ∗ y i
i=1 i=1
für z ∈ xy (Strecke zwischen x und y)

z = λx + (1 − λ)y für ein 0 ≤ λ ≤ 1


Pk Pl
z= λαi xi + (1 − λ)βj xj
i=1 j=1
Nun gilt 0 ≤ λαi ≤ 1 und 0 ≤ (1 − λ)βj ≤ 1
Pk Pl
und somit λαi + (1 − λ)βj = 1
i=1 j=1
⇒z∈T
Da z, x und y beliebig gewählt wurden, ist T konvex. Ausserdem S ⊆ T , da
P
xp = λi xi mit λp = 1 sonst 0
i∈I
Nach Definition 6 gilt also conv S ⊆ T ⇒ conv S = T

Hier ist keine obere Schranke für k angegeben. Dafür brauchen wir den Satz
von Caratheodory

3
Kapitel 2

Satz von Caratheodory

2.1 Satz von Caratheodory


Satz 9 (Satz von Caratheodory). Sei X ein reeller Vektorraum mit Dimension
n und S ⊆ X
Dann lässt sich jedes x ∈ conv S als Konvexkombination von höchstens (n+1)
Elementen aus S darstellen
n+1
P n+1
P
conv S = { λi ∗ xi | xi ∈ S,λi ≥ 0, λi = 1}
i=1 i=1

Beweis. Nach Satz 8 lässt sich jedes x ∈ conv S als endliche Konvexkombination
darstellen.
Pk
Sei λi ∗ xi solch eine Konvexkombination mit k ≥ (n + 2) und xj ∈ S
i=1
Nach Bemerkung zu Definition 5 sind dann die x1 . . . xk affin abhängig, das
k
P k
P
heisst es existieren α1 . . . αk mit αi ∗ xi = 0 mit αi = 0 und αl 6= 0 für
i=1 i=1
ein l ∈ {1, . . . , k}
Falls Folgendes nicht gilt lässt es sich durch Umsortieren erreichen:
λk λj
αk > 0, ≤ , ∀j : αj > 0 (2.1)
αk αj
λk
Für 1 ≤ j ≤ k sei βj = λj − αk ∗ αj

λk ∗αk
(i) βk = 0 , denn βk = λk − αk = λk − λk = 0
k k k
P P λk P λk
(ii) βj = λj − αk αj = 1 − αk 0 =1
j=1 j=1 j=1

(iii) βj ≥ 0∀j, denn

(i) Für αj ≤ 0 ist βj = λj − αj αλkk ≥ λj ≥ 0


 
λ
(ii) Für αj > 0 ist βj = λj − αj αλkk = αj αjj − λk
αk ≥ 0, wegen (2.1)

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2.2. FOLGERUNGEN KAPITEL 2. SATZ VON CARATHEODORY

Da βk = 0 gilt außerdem
k−1
X k
X
βj x j = βj x j
j=1 j=1
k  
X λk
= λj − αj xj
j=1
αk
(2.2)
k k
X λk X
= λ j xj − αj xj
j=1
αk j=1
=x−0
=x
=⇒ x ∈ convS lässt sich als Konvexkombination aus (k-1) Elementen aus S
k−1
P
darstellen. Das heißt x = βj x j
j=1
Dieses Verfahren kann man nun solange anwenden, bis x Konvexkombination aus
(n+1) Elementen ist. Dann sind die x1 , . . . , xk nicht notwendig affin abhängig
=⇒ Jedes x ∈ S lässt sich aus maximal (n+1) Elementen aus S als Konvexkom-
bination darstellen.

Bemerkung:
Man kann den Satz auch anders formulieren:
x ∈ convS ⇔ x in konvexer H ülle von maximal (n + 1) P unkten p ∈
S enthalten

2.2 Folgerungen
Satz 10. Sei X ein reeller Vektorraum mit Dimension (n+1).
n+1
P
Sei weiter A = {(α1 , α2 , . . . , αn+1 ) | αj = 1, αj ≥ 0 ∀ j} ⊂ X
j=1
Dann ist A kompakt.

Beweis. Ich zeige, dass A abgeschlossen und beschränkt ist.


A ist beschränkt, denn
n+1
X
(a1 , a2 , . . . , an+1 ) ∈ A ⇒| ak |≤ aj = 1∀1 ≤ j ≤ n + 1 (2.3)
j=1

Fehlt nur noch die Abgeschlossenheit.


Betrachte die lineare Abbildung
n+1
P
f : X → R, f (x) = f (x1 , x2 , . . . , xn+1 ) = xj
j=1
H := {x ∈ X | f (x) = 1}
Q := [0, 1] × [0, 1] × · · · × [0, 1] ⊂ X

1 ist abgeschlossen,f stetig und da das Bild stetiger Funktionen auf abgeschlosse-
nen Mengen wieder abgeschlossen ist ⇒ H ist abgeschlossen.

5
2.2. FOLGERUNGEN KAPITEL 2. SATZ VON CARATHEODORY

Q ist offensichtlich auch abgeschlossen und es gilt: H ∩ Q = A


A ist auch abgeschlossen, da der Durchschnitt zweier abgeschlossener Mengen
abgeschlossen ist.

Satz 11. Sei X n+1 ein Bannachraum mit Dimension (n+1) und S ⊂ X n+1 .
Dann gilt: S kompakt ⇒ conv(S) kompakt
n+1
P
Beweis. Sei B := {(α1 , α2 , . . . , αn+1 ) | αj = 1, αj ≥ 0 ∀ j} ⊂ X
j=1
Nach Satz 10 ist B kompakt.
2
Sei f : X n+1 × X n × X n · · · × X n = X (n+1)
n+1
P
f (α1 , α2 , . . . , αn+1 , x1,1 , x1,2 , . . . , x1,n , . . . , xn+1,1 , xn+1,2 , . . . , xn+1,n ) := αj (xj,1 , xj,2 , . . . , xj,n )
j=1
Sei nun S kompakt, dann gilt nach dem Satz von Caratheodory (2.1):
n+1 n+1
convS = {X ∈ X n | x =
P P
αj ∗ xj , xj ∈ S, αj ≥ 0, αj = 1}
j=1 j=1
Betrachte hierzu xj ∈ S, xj = (xj,1 , xj,2 , . . . , xj,n )

Betrachte nun B × S × S · · · × S
f bildet diese Menge auf conv(S) ab, da B entsprechend gewählt wurde. Da B
und S kompakt sind ⇒ B × S × S · · · × S kompakt.
⇒ conv(S) kompakt, da das Bild stetiger Funktionen auf kompakten Mengen
wieder kompakt ist.

6
Anhang

A Literaturverzeichnis
[1] Convex sets and their applications von Steven R. Lay (New York etc.:

John Wiley and Sons, 1982), Seite 16 bis 22


[2] Prof. Dr. Bernd Kummer: Fixpunkte und Anwendungen in Opti-
mierung und Spieltheorie http://www.math.hu-berlin.de/~kummer/
scripts/Fixp_Spi.pdf