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(Deutsche Fassung)

Anfrage zur schriftlichen Beantwortung E-005544/12


an die Kommission
Werner Langen (PPE)
(1. Juni 2012)

Betrifft: Ryanair und Beihilfeverfahren Flughafen Hahn

Ryanair-Chef Michael O'Leary hat der EU-Kommission öffentlich vorgeworfen, im Zusammenhang mit den
Beihilfeverfahren bezüglich des deutschen Flughafens Hahn einen „Feldzug“ gegen die irische Billigfluglinie zu führen.
Seit Jahren stünden Ryanair und die von ihr angeflogenen Flughäfen unter dem Verdacht, illegale staatliche Beihilfen
erhalten bzw. davon profitiert zu haben. Wie die Zeitung Rheinpfalz in ihrer Ausgabe vom 10.5.2012 berichtet,
sprach er von „Kommunisten“ in der EU-Kommission, die den Flugverkehr „überregulieren“ wollten.

Kann die Kommission dazu folgende Fragen beantworten:

1. Sind die Äußerungen und Vorwürfe bekannt und was hat die Kommission dazu anzumerken?

2. Seit wann laufen die Beihilfeverfahren gegen den Flughafen Hahn, und welche anderen Ryanair-Ziele sind von
Beihilfeverfahren betroffen?

3. Wo liegen die Gründe für die jahrelangen Verzögerungen der Beihilfeverfahren?

4. Welche Beihilfeverfahren im Zusammenhang mit Ryanair sind seit 2000 (und wann) abgeschlossen worden?

Antwort von Herrn Almunia im Namen der Kommission


(26. Juli 2012)

1. Der Kommission sind diese Äußerungen bekannt, aber sie hat nicht die Absicht, dazu Stellung zu nehmen,
denn ihre Aufgabe besteht darin, die Einhaltung des EU-Beihilferechts zu gewährleisten und dadurch zu fairen
Bedingungen für den wirksamen Wettbewerb im Luftverkehr ungeachtet des Geschäftsmodells eines
Marktteilnehmers beizutragen.

2. Die förmlichen Prüfverfahren zum Flughafen Frankfurt-Hahn wurden am 16. Juni 2008 (1) bzw. am
13. Juli 2011 (2) eröffnet. 2007 und 2008 eröffnete die Kommission förmliche Verfahren, um die Vereinbarungen
zwischen Ryanair und den Flughäfen Lübeck-Blankensee, Berlin-Schönefeld, Tampere-Pirkkala, Aarhus, Alghero und
Bratislava zu prüfen. Seit Januar 2012 hat die Kommission förmliche Prüfungen zu den folgenden Flughäfen eröffnet
oder ausgeweitet: Altenburg-Nobitz, Zweibrücken, Pau, La Rochelle, Angoulême, Carcassonne, Nîmes, Beauvais,
Charleroi, Klagenfurt, Västerås, Lübeck-Blankensee und Alghero.

3. Diese Fälle sind komplex, denn sie beziehen sich auf unterschiedliche Maßnahmen und erfordern die Analyse
komplexer wirtschaftlicher Fragen in einem Wirtschaftszweig, der in den vergangenen zehn Jahren starke
Veränderungen durchlaufen hat. Zudem muss die Kommission die jüngsten Urteile der Unionsgerichte in diesem
Bereich berücksichtigen. Die Kommission hat in einigen Fällen einen externen Sachverständigen beauftragt zu prüfen,
ob die Vereinbarungen zwischen den Flughäfen und den Fluggesellschaften zu Marktbedingungen geschlossen
wurden. Insbesondere nach dem Urteil des Gerichts erster Instanz in der Rechtssache T-196/04 —
Ryanair/Kommission (Charleroi) (3), mit dem eine Entscheidung der Kommission bezüglich eines von Ryanair
bedienten Flughafens für nichtig erklärt wurde, musste die Kommission prüfen, welche Auswirkungen das Urteil auf
die laufenden Untersuchungen hat.

4. Im Februar 2004 nahm die Kommission eine abschließende Entscheidung über den Flughafen Charleroi und
Ryanair (4) an, die im Dezember 2008 vom Gericht der Europäischen Union aufgehoben wurde (5). Im Januar 2010
stellte die Kommission in einem abschließenden Beschluss über den Flughafen Bratislava und Ryanair (6) fest, dass die
Vereinbarung zwischen beiden Seiten keine Beihilfe enthält.

|(⋅1∙|) Sache C 29/2008 (ABl. C 12 vom 7.1.2009, S. 6).


|(⋅2∙|) Sache SA.32833, verfügbar auf der Website der GD COMP, noch nicht veröffentlicht; Pressemitteilung IP/11/874.
|(⋅3∙|) http://curia.europa.eu/de/actu/communiques/cp08/aff/cp080097de.pdf
|(⋅4∙|) Sache C 76/2002 (ABl. C 137 vom 30.4.2004, S. 1).
|(⋅5∙|) Siehe Fußnote 3.
|(⋅6∙|) Sache C 12/2008 (ABl. L 27 vom 1.2.2011, S. 24).