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IMC OnAir ...

Broadcasting show No. 65


– 16th November 2010 (Tuesday - 21:00-21:58 p.m.)
radio station: TideRadio 96.0 (www.tidenet.de)

Raga CDs des Monats:

„ KALPITA SANGITA -
Compositions in Indian Classics”
- Moderationstext / DOKU v. 15.11.2010-1 -

! seit 1.8.2007 gibt’s IMC OnAir als echtes Internetradio !


LiveStream  http://radiostream.india-meets-classic.net

© 11/2010 – Verbundkonzept EUFLETZ (Stiftung i.G.) – Teilprojekt IMC – India meets Classic (Lothar J.R. Maier)
Hintergrund ...
IMC OnAir gliedert sich als Radiosendung (Kabel/Antenne + Internetstream/PodCast)
historisch u. hierarchisch in folgenden Aufbau. Die Struktur soll als konzeptionelle
Markenarchitektur für alle sozialen Projekte von IMC verstanden werden.
Projektbüro „Sinn-Macher.net“ – personalisierte Marke des
Ideengebers und Initiators Lothar J.R. Maier mit
Erstkonzeptionierung in 04/2003.
Die Inhalte dieser auf „Sinn“ fokussierten Website (www.sinn-
macher.net) befasst sich mit nahezu allen Aspekten rund um die
Begrifflichkeit “Sinn” – Und reflektiert das lebensphilosophische
Verständnis, aus dem alle Teilprojekte wie IMC
(www.india-meets-classic.net) entwickelt werden.
Die Teilprojekte von IMC sind Bestandteile des
Gesamtkonzeptes der EUFLEHTZ Stiftung i.G. (Europäisches
Forschungs-, Lehr-/Lern- u. Therapiezentrum für Life-Sciences)
– www.eufletz-stiftung.de .
IMC wurde gegründet zur Realisierung von
musiktherapeutischen Angeboten auf der Basis indisch
klassischer Musik, als Ergänzung zu dem segeltherapeutischen
Konzept „3iE“.
Unter IMC – India meets Classic subsumieren sich alle IMC-
Teilsegmente. Das Logo darf als Dachmarke aller Teilleistungen
und Sub-Brands verstanden werden.
„IMC OnAir“ steht für die Broadcasting-Plattform von IMC via
Radio (www.imcradio.net) und konvergenter Medien, wie das
PodCasting (RSS Feeds – Push-&Pull-Technologie) oder
PhoneCasting.

IMC-Förderinitiative „TablaPerformance – TablaGroup


Hamburg“, das erste der Öffentlichkeit vorgestellte Teilprojekt ...
unter der Themenüberschrift „Heimat – Individuum &
Gesellschaft“ wurde als Weltpremiere beim Festival der Kulturen
2005 das Textrezitativ (Deutschfassung) des englischen
Originalwerkes „Creative Unity“ (1922) von Rabindranath Tagore
interpretiert, Indien’s grösster Philosoph und erster
Nobelpreisträger für Literatur.
Culturebridge „Water is Life – Living with Water“ wurde im
Rahmen des Förderwettbewerbes der FHH in 4/2005 als
Konzept vorgestellt. Es legt den Focus auf Live-Performances
(„night of ragas“) u. Nachwuchsförderung (Schüleraustausch-
programm) mit dem Ziel des interkultureller Dialoges, für einen
KnowHow-Transfer von Indien nach Deutschland.
IMC – India meets Classic verfügt in seinem Gesamtansatz über
ein Konzept für musikpädagogische Arbeit an Schulen als
kleinere Teilleistung (6-wöchiger Workshop).
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(DOKU - Sendemoderation /16112010-1)

Raga CDs des Monats:

KALPITA SANGITA
- Kompositionen in der indischen Klassik.
Erstausstrahlung: 16.11.2010 (21:00-21:58 Uhr)
Wiederholungstermin: ---

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IMC OnAir/Raga CDs des Monats: KALPITA SANGITA - 16.11.10 (21:00-21:58 /Sendeplatz: www.tidenet.de)

[0.] Jingle (Intro)

IMC - India meets Classic ... eine Sendung für indisch klassische Musik.

IMC bietet Ihnen ein monatliches Hör- und Leseangebot mit Werken indischer
Musikmeister, Raga-CDs, Festivalreports und Special Features.

Über die Website Ihres Radiosenders oder mit einem Besuch bei IMC im Internet
finden Sie in deutscher und englischer Sprache weitere Infos zu den
Musikmeistern, zu indischen Instrumenten, dem Musiksystem Indiens und
vorgestellten CD-Titeln.

IMC - India meets Classic wird auch im Podcasting-Verfahren, im MPEG-Format


als Download angeboten. Stellen Sie sich Ihr ganz individuelles Radioprogramm
zur indisch klassischen Musik zusammen unter:

www.imcradio.net
(Englisch: uu-uu-uu_dot_aiemciereidio_dot_net)
imcradio.net
(Deutsch: i em Ce Radio Punkt Net)

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1.1 Begrüssung...
Sehr verehrte Zuhörerinnen und Zuhörer,
liebe Freunde der indisch-klassischen Musik!
Am Mikrophon begrüsst Sie Lothar J.R. Maier, mit einer neuen Sendung zur
indischen Musikkultur. IMC – India meets Classic präsentiert Ihnen heute:
„KALPITA SANGITA – Kompositionsformen (in) der indisch klassischen
Musik“.
Wie in all unseren Sendungen „Raga CDs des Monats“ hören Sie dazu
Beispiele original indisch-klassischer Musik. – Beachten Sie auch die
Hinweise zu unserem Hörertelefon und Internetangebot im weiteren Verlauf
der Sendung.
_____________________

1.2. Einführung... Begrifflichkeit „Komposition“


Die indische Klassik haben wir bisher in unseren Sendungen auf der Basis der
Ragaformen vorgestellt. Für die nordindische Klassik, die Hindustani-Musik
sind es die Ragas aus dem Thaat-System mit zehn (10) Hauptskalen, und für
die südindische Klassik, der Carnatischen Musik sind es 72 Ragams aus dem
s.g. Melakarta-System.
Die Ragaskalen sind nicht wirklich Melodieformen, im Sinne eines Note-für-
Note durchkomponierten Musikstücks, in festgelegter Tonart und in der
Partiturschrift eine für jeden Takt exakt definierte Modulation. Ragas sind viel
mehr als ein komplexes Regelwerk zu verstehen. Ragas sind ein Rahmen,
darin sich der Interpret frei bewegen kann – vokal oder instrumental.
Ragas sind monophon, es gibt keine Akkorde. Dennoch garantieren die
mikrotonale Struktur und das komplexe Rhythmiksystem eine äußerst
nuancierte Ornamentik, mit der eine Ragaperformance facettenreich
dargeboten werden kann. In Indien begibt sich der Zuhörer auf den großen
Musikfestivals, den Sangita Sammelanas über viele Stunden auf eine
entdeckungsreiche Klangreise durch die Welt der Ragas.
Ein kompositorisches Verständnis wie im Westen existiert in der indischen
Klassik nicht. Doch wird der Begriff Komposition auch in der indischen Musik
verwendet. Als Kalpita Sangita bezeichnet man die „rezitative Musik“, während
Manodharma Sangita die s.g. „kreative Musik“ bedeutet.
Kalpita Sangita ist eine Interpretation, die auf bestehende Kompositionen
zurückgeht. Es können Eigenkompositionen sein oder Werke von einem
anderen Komponisten, einem Vaggeyakara.
Dagegen wird Manodharma Sangita von einem Vokalisten oder
Instrumentalisten aus dem Stehgreif erschaffen - ex tempore - als
Improvisation im Stile des Jazz, auf der Basis der modalen Struktur indischer
Ragaskalen. Unsere heutige Sendung aber beschäftigt sich mit dem
kompositorischen Konzept von Kalpita Sangita.

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1.3 1. Hörbsp.: Ashtapadi (Gita Govinda) – Raga Basant Bahar


Aruna Sayeeram - Track 6: Lalits Lavanga (Ashtapadi - Raga: Basant Bahar; Tala: Adi) (8:38) -
CD: Perennial Favourites (Aruna Sayeeram) - (AVM Audio, 1998)

Blicken wir in der indischen Geschichte zurück, finden wir im 12. Jahrhundert
eine frühe Kompositiosform, die man Ashtapadi nennt.
Die Ashtapadi-Hymnen bestehen aus acht (8) Textzeilen. In der Übersetzung
bedeutet Ashtapadi: acht (8) Schritte. Ashtapadi findet man in dem Werk Gita
Govinda (Lied von Govinda). Es wurde von dem Poeten Jayadeva verfasst.
Govinda ist der Name für Krishna in seinen jungen Jahren als Kuhhirte.
Krishna ist eine der höchsten Gottheiten im Hinduismus.
Die Sängerin der südindischen Klassik, Aruna Sayeeram (Sairam) präsentiert
uns einen Ashtapadi mit dem Lied Lalita Lavanga. Arunas Gesang basiert auf
dem Raga Basant Bahar. Der Rhythmuszirkel ist Adi Tala. Das sind acht (8)
Schläge.
Die CD Perennial Favourites von Aruna Sayeeram wurde 1998 bei dem Label
AVM Audio veröffentlicht.
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2.1.1 Frühe Entwicklungsformen... Stimme & Sprache...


Für alle Ragainterpretationen der nord- und südindischen Klassik gilt
gleichermassen: die menschliche Stimme ist das führende Instrument. Im
Gesang können dem Zuhörer alle Nuancen eines emotionalen Ausdrucks –
Bhava - vermittelt werden. Besonders Kompositionen zur Poesie dienen in
ihrer melodischen Vielfalt dem Ausdruck von Raga Bhava.
Die Sprache hat seit Anbeginn der indischen Klassik eine herausragende
Bedeutung. Das (spirituelle) Chanten, ein Sprechen oder Singen von Wörtern
auf nur ein oder zwei Tonlagen geht auf die Opferrituale der vedischen Zeit bis
ca. 1000 vor Christi Geburt zurück.
Die Chants werden von zwei Kriterien bestimmt: die Aussprache (Shiksha)
und die Sprachrhythmik (Chhandas). Das Chanten oder Singen von Mantras
hatte immer spirituelle Bedeutung, eine Art Lobpreisung, um den göttlichen
Zustand zu erlangen. Die persönliche Beziehung zwischen Mensch und Gott
bzeichnet man als Bhakti.
Die Bhakti-Bewegung breitete sich aus dem Süden Indiens über den ganzen
Subkontinent aus. Sie konnte sich über viele Jahrhunderte erhalten.
Besonders zwischen dem 11. bis 16. Jahrhundert orientierten sich die Bhakti-
Anhänger an den traditionellen Musikformen. Noch heute finden wir sie in den
Bhajans wieder, eine Liedform zur Lobpreisung der indischen Götter.

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2.1.2 2. Hörbsp.: Bhajan...


Srikanto Acharya - Track 7: Ankhiyan Hari darson ki pyasi (Lyric: Surdas) (6:09) - CD: Offering
(Bhajans - Devotional songs) - (Rhyme Records, 2001)

Einen solchen Bhajan präsentiert uns der Sänger Srikanto Acharya. Acharya
ist in Kolkata beheimatet. Es ist die Kulturhauptstadt von Indien. Acharya ist
auch Songschreiber und Musikdirektor. 2004 gewann Sirkanto Acharya den
Anandalok Award als Playbacksänger für den indischen Film.
Die CD „Offering (Bhajans – Devotional Songs)“ wurde bereits 2001 von
Rhyme Records auf den Markt gebracht. Der Text zu Ankhiyan Hari Darson
Ki Pyasi stammt aus der Feder von Surdas, einem Heiligen und indischen
Komponisten. Surdas lebte ungefähr von 1478/79 bis 1581/1584.
...

2.2 Musikformen...
Funktional unterscheidet man zwei Musikformen: Musik in Reinform oder die
anwendungsbezogene Musik zu bestimmten Anlässen. Zu dieser Kunstform
(art music) gehören sakrale und weltliche Musik - vaidika ganam und laukika
ganam. Auch Opernmusik und Tanzmusik zählen dazu, die aber immer von
dem Charakter der Manodharma Sangita geprägt sind. Indische Opern und
Tanzmusik sind also auch improvisierte Musik.
Im Gegensatz zur funktionalen Musik soll die „Musik in Reinform“ dem Hörer
ein ästhetische Vergnügen bereiten. Die „Musik in Reinform“ ist einfach nur
Unterhaltungsmusik.

3.1.1 Komponisten... Gharanas...


Die persische Musik hatte im indischen Mittelalter wesentlichen Einfluß auf die
Ausprägung der nordindischen Klassik. Herausragende Komponisten ihrer
Zeit waren Amir Khusro (o. Khusrau), ein Vertreter des Sufismus und Tansen,
der im 16. Jahrhundert am Hofe des Moghulherrschers Akbar beschäftigt war.
Bis heute prägen Amir Khusro und Tansen nachhaltig das Musiksystem der
indischen Klassik.
Anfang des 20sten Jahrhunderts befreiten Musiker wie der blinde Vishnu
Digambar Paluskar oder der Musikwissenschaftler Vishnu Narayan
Bhatkhande die indische Klassik aus den Zwängen der traditionsbehafteten
Gharanas. (Anm.: Bhatkhande’s Publikationen, die auf einer vergleichenden
Musikforschung mit systematischer Klassifizierung der nordindischen Ragas
basieren, haben hier wesentlich zu einer Transparenz verholfen.)
Die Gharana-s sind indische Musikschulen für den Gesang, das
Instrumentalspiel oder für Percussionisten. Die Gharana-s haben oft
regionalen Bezug und sind geprägt von einer lebenslangen Lehrer-Schüler-
Beziehung – Guru-Shishya-Parampara. Das Wissen einer Gharana wird von
Generation zu Generation in nur mündlicher Form weitervererbt.

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3.1.2 3. Hörbsp.: TARANA (Hindustani) - Raga Hansadhwani


Parween Sultana - Track 3: Hansadhwani (Tarana) (11:37) - CD: Maestro's Choice - Parween
Sultana - (Music Today (2002), Living Media Limited (2003)

Nun hören wir eine Kompositionsform der nordindischen Klassik, die von Amir
Kushro (o. Khusrau) entwickelt wurde. Es ist der Tarana, ursprünglich ein
persisches Wort. Tarana bedeutet einfach „Lied“. Ein Tarana besteht nur aus
wenig Text. Er wird kombiniert mit einer indischen Rhythmussprache, den
Bols und mit Wörtern arabischen Ursprungs. Taranas werden für den
Ausdruck von Hochgefühl, Freude und Begeisterung verwendet. Man
präsentiert sie gerne zum Ende eines Konzerts. Die Musiker spielen Taranas
im mittleren bis schnellen Tempo.
Der Verwandte des Taranas im Süden Indiens ist der Tillana. Er wird für den
indischen Tanz eingesetzt. Dazu kommen wir noch später.
Einen Tarana präsentiert uns kein geringerer als die Königin des klassischen
Gesangs: Begum Parveen Sultana. Parveen Sultana stand bereits im Alter
von 12 Jahren auf der Bühne. Seit 1965 spielte sie unzählige Aufnahmen ein.
Parveen Sultana’s Verdienste um die indische Klassik ist mit einer Vielzahl
von Ehrungen gewürdigt. 1976 erhielt sie den höchsten zivilen Orden Indiens,
den Padmashri. Der Sangeet Natak Akademi Award wurde an Parveen
Sultana in 1999 überreicht. Aus der CD Maestro’s Choice – Parween Sultana
hören wir einen Tarana in der südindischen Ragaform Hansadhvani.
Hansadhwani treffen wir auch als „Leihgabe“ in der nordindischen Klassik an.
Dieser Raga wurde von dem südindischen Komponisten Ramashwami
Dikshitar kreiert. Dikshitar lebte von 1735 bis 1817. Die CD Maestro’s Choice
– Parween Sultana wurde in 2002 von dem indischen Label Music Today
veröffentlicht.
...

3.2 Stilbildung... ...


Innerhalb der nord- und südindischen Klassik haben sich verschiedenste
Stilrichtungen ausgeprägt, die wir in unserem westlichen Verständnis als
Genres bezeichnen können. Die einfachste Form sind die Gitas, eine Art
kompositorische Liedform. In einer Gita wird eine Ragaskala um eine einfache
Melodie erweitert. Das Tempo ist mittel-schnell und gleichbleibend. Die Gitas
besitzen keinen strukturellen Aufbau wie etwa Einleitung, Hauptthema und
Abschluss. Auch Wiederholungen oder Variationen gibt es nicht. Die Themen
der einfachen Gitas, der Samanya Gitas (o. Sadharana Gitas) beschäftigen
sich mit der Lobpreisung Gottes. Dagegen haben die Lakshana Gitas (o.
Sanchari Gitas) anspruchsvollere Liedtexte zum Inhalt.
Die Lakshana Gitas beziehen sich in ihrer Ausgestaltung direkt auf Eigenarten
des verwendeten Ragas und der Anzahl der Noten (Jati) in der auf- und
absteigenden Notenskala. Lakshana Gitas existieren für alle gängigen
Ragaformen.
Schon Purana Das, ein Komponist der südindischen Klassik verfasste eine
Kollektion von Gitas zur Lobpreisung von Vishnu. Purana Das lebte von 1484
bis 1564. Er führte die Vokallaute A, E, I, O, U und M ein. Die Kompositionen
von Purana Das sind uns als Pillari Gitas überliefert.

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3.3 4. Hörbsp.: Geetham (Carnatic Music) – Raga Kalvani


Unnikrishnan - Track 9: Arul Thavazhum (Language: Tamil; Genre: Shivan-Guru Ramanar;
Raga: Kalyani) (5:27) - CD: Ilayaraja's Guru Ramana Geetham (Agi Music, 2005)

Purana Das kreierte auch eine der einfachsten Kompositionsformen der


südindischen Klassik: der Geetham. Im Geetham werden Rhythmik und Lyrik
zusammengeführt. Der Musik ist eine feste Zählweise zugeordnet. Man
bezeichnet diese Musik als Pallavi.
Insgesamt sind drei verschiedene Geethams klassifiziert. Die Lakshana
Geethams orientieren sich in ihrem lyrischen Inhalt nicht mehr an der
Lobpreisung Gottes, sondern an Lakshana, der technischen Struktur eines
Ragas.
Der südindische Gesangsvirtuose Unnikrishnan bringt uns einen Geetham auf
der Basis des Ragas Kalyani zu Gehört. Kalyani wird als Nachtraga gespielt.
In Südindien hört man den Kalyani gerne auch zu Hochzeiten. Kalyani
bedeutet: “Sie, die Glück verheisst“.
Der Track Arul Thavazhum stammt aus P. Unnikrishnan’s CD Ilayaraja’s Guru
Ramana Geetham. Sie wurde im Jahre 2005 bei AGI Music veröffentlicht.
...

4.1.1 Rhythmus...
In der indischen Klassik wird der Rhythmik eine größere Bedeutung
zugesprochen als in der westlichen Musik. Funktional ist die Percussion nicht
untergeordnet. Das komplexe System der rhythmischen Muster, der Talas
existiert gleichberechtigt. Eigenständig besitzt es sogar eine
Rhythmussprache.
Wenn die einfache Rhythmusstruktur der Gitas mit unterschiedlichen
Rhythmuszyklen erweitert wird, spricht man von Suladi. Suladi als
Kompositionsform besitzt unabhängige Abschnitte und variierende Tempi.
Shahji Maharajah von Tanjore komponierte ein Suladi mit sogar sieben
Ragas. Der Maharajah von Tanjore lebte von 1684-1720.

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4.1.2 5. Hörbsp.: Thillana (Carnatic) – Raga Kannada


Sanjay Subramaniam - Track 6: Thillana (Raga: Kannada; Tala: Roopakam) (5:19) - CD: Mystic
Moods (AVM Audio, 2005)

Auch für den südindischen Tanz existieren spezielle


Rhythmuskompositionsformen, wie der Tillana. Der Tillana leitet sich aus
seinem nordindischen Verwandten ab, dem Tarana. Dazu haben wir bereits
den Gesang von Parween Sultana gehört. Ein Tillana wird zum Ende eines
Konzertes und einer Tanzperformance gespielt. Der Tillana ist dreigegliedert:
zwei Rhythmussektionen, Pallavi und Anupallavi und die abschliessene dritte
Sektion Charanam mit dem Lyrikteil.
Diese Dreigliederung Pallavi, Anupallavi und Charanam wird uns noch bei
weiteren Kompositionsformen begegnen.
Ein Beispiel eines Tillana bringt uns der südindische Sänger Sanjay
Subramaniam zu Gehör. Sanjay wurde geboren in der Landeshauptstadt
Chennai, im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu. Von seinem 7ten
Lebensjahr an wurde Sanjay Subramaniam auf der Violine und im Gesang
ausgebildet. Subramaniam ist ein Sänger, der die traditionelle Form der
indischen Klassik mit der Moderne verbindet. Seine CD Mystic Moods wurde
bei AVM Audio in 2005 veröffentlicht. Daraus hören wir den Thillana in der
Ragaform Kannada, in einem 7er-Beat, Rupaka Tala.
...

4.2.1 Tempi ...


Im Gegensatz zu dem Rhythmussystem ist in der indischen Klassik die
Ausprägungen der Tempi sehr reduziert. Es gibt nur drei Tempi: langsam –
vilambit laya, mittel-schnell – madhya und schnell - drut.
Im Khyal, ein moderner Gesangstil der nordindischen Klassik wird noch
differenziert in sehr langsam – ati-vilambit und sehr schnell – ati-drut.
Der Khayal wurde von Sadarang mit bürgerlichem Namen Nyamat Khan und
seinem Neffen Firoz Khan alias Adarang am Hofe von Muhammad Sha
Rangile populär. Rangile’s Regentschaft dauerte von 1719 bis 1748.

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4.2.2 6. Hörbsp.: JAVALI (Carnatic Music) - Nadaswaram


Sheik Chinna Moulana - Track 4 (Disk 3): Apadurukulo (Javali) (6:18) - CD: Paddhatti Live In
Concert (1973) - (Charsur Digital Workstation, 2003)

Die verschiedensten Kompositionsformen ordnet man im indischen


Verständnis einer schweren, mittel-leichten und leichten Klassik zu. So
gehören die Thumri-s der leichten indischen Klassik an. ... und die Javalis
sind Vertreter der mittel-leichten Klassik.
Auch die Javalis gehören wie die Tillanas zu einer Tanzdarbietung. Die Javalis
wurden im 19ten Jahrhundert komponiert. Ihre einprägsame Lyrik dient dem
Ausdruck von Gefühlen ähnlich der zu Beginn unserer Sendung gehörten
Ashtapadi-Komposition aus dem 12. Jahrhundert.
Die Poesie eines Javali hat die weltliche und menschliche Liebe zum
Gegenstand, mit Eifersucht, Treulosigkeit oder Trennungsschmerz. Ein Javali
ist bisweilen von erotischem Charakter. Die Javalis werden in einem schnellen
Tempo gespielt.
Im folgenden Beispiel wollen wir abseits des indischen Gesangs einen
Instrumentalvirtuosen vorstellen: Sheik Chinna Moulana. Chinna Moulana war
einer herausragender Meister auf dem Nadaswaram, einem Blasinstrument.
Das Nadaswaram wird heutzutage für Konzerte und Hochzeiten gespielt.
Sheik Chinna Moulana gründete in der Pilgerstadt Srirangam eine
Musikschule, der Nagaswara Sangeeta Ashram. Aus dieser Einrichtung
gingen eine Vielzahl rennomierter Nadaswawramspieler hervor. Auch die
Enkel von Sheik Chinna Moulana wurden Nadaswaramspieler. Nach dem Tod
ihres Lehrmeisters im Jahre 1999 führen Babu, Pedda und Chinna Kasim,
Mahaboob Subani und Kalishabi Mahaboob das musikalische Erbe von
Chinna Moulana fort.
Das Nadaswaram haben wir in der Sendung „Mangala Snaanam – Mangala
Isai / Heiliges Bad – Heilige Musik“ ausführlich vorgestellt. Sie finden die
Sendung in unserem Online-Archiv.
Die CD „Paddhati Live in Concert“ ist ein Mitschnitt aus dem Jahre 1973. Er
wurde von dem indischen Label Charsur Digital Workstation im Jahre 2003
wiederveröffentlicht. Daraus hören wir Sheik Chinna Moulana mit Apadurukulo
in der Kompositionsform Javali.
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5.1 Melodieformen ... Kompositionsteile ...


Die bereits vorgestellten Gitas, die einfachen Melodieformen, haben sich über
die Jahrhunderte verändert. In der südindischen Klassik, der karnatischen
Musik, existieren als musikalische Formen drei Klassifizierungen:
Gita prabandhas – die vokale Form, Vadya prabandhas – die
Instrumentalform und Nritya prabandhas – die Tanzform. Zu Kompositionen
findet man erste Aufzeichnungen aus dem 2ten Jahrhundert vor Christi
Geburt, in der tamilischen Literatur, im südindischen Bundesstaat Tamil-Nadu.
Die einfachen Gitas haben sich als Svarajatis zu vergnüglichen Melodien
weiterentwickelt. Die Svarajatis bilden die Grundlage für Varnam. Varnam ist
in der südindischen Klassik eine bedeutende Kompositionsform. Ein Varnam
besteht aus drei Teilen: Pallavi, Anupallavi und Charanam.
Pallavi ist die thematische Textzeile eines Liedes. Pallavi kann mehrfach
wiederholt werden. Pa-Lla-Vi setzt sich aus drei Elementen zusammen.
Padam (Pa) als Phrase, Layam (Lla) als Poesie und Rhythmik und Vinyasam
(Vi), das man als „Vorstellung“, als Imagination übersetzen kann.
Anupallavi als zweiter kompositorischer Teil schliesst direkt an Pallavi an. Den
Abschluss bildet Charanam. Wie mit der Betonung und Zählweise in der
indischen Rhythmik, wird auch in der Poesie auf den Abschluss betont.
Charanam kann in der 4. Wiederholung bis zu vier lange Rhythmuszirkel
besitzen.

5.2 7. Hörbsp.: VARNAM... Carnatic Music (Raga Bhairavi)


D.K.Pattammal – Track 1: Viribhoni Varnam (D.K.P) (Raga: Bhairavi) (7:32) - CD: Carnatic
Vocal (Live) – Vol. 1 D.K. Pattamal - (Inreco (The Indian Record MFG. Co.Ltd), 2000)

Als kompositorische Liedform der südindischen Klassik besitzt auch Varnam -


wie der Tillana oder Javali - diese Dreiteilung: Pallavi (Padam - Layam -
Vinyasam), Anupallavi und Charanam. Der Varnam weist eine lange Spielzeit
von 30 bis 60 Minuten auf. Ein Varnam ist der zentrale Teil im
BharataNatyam, einem südindischen Tanz. Ein Liederabend der südindischen
Klassik wird mit einem Varnam begonnen. Die Liedtexte sind einfach. Lange
Silben und Notenphrasierungen sollen den Charakter der Ragaskala deutlich
hervorheben. Man kann die Varnams als vokale Übung bestimmter Ragas
von höchster Komplexität verstehen. Die Varnams gibt es in einer Vielzahl von
Ausprägungen, in denen die Rhythmik oder Lyrik in den drei Abschnitten
Pallavi, Anupallavi und Charanam unterschiedlich dominieren. Als Rhythmus
wird immer ein 8er-Beat verwendet, Adi Tala oder der 14er-Beat, Ata Tala.
Keine geringere als die berühmte D.K. Pattammal singt uns einen Varnam in
der Form des Morgenragas Bhairavi. Damal Krishnaswamy Pattammal stellten
wir in der Sendung „Frauen in der indischen Klassik“ vor. Pattammal gehörte
dem Dreigestirn des südindischen Gesangs an, mit MS Subbalakshmi und ML
Vasanthakumari.
DK Pattammal lebte von 1919 bis 2009. Die CD „Carnatic Vocal Live –
Volume 1 – DK Pattammal“ ist beim indischen Label Inreco im Jahre 2000
erschienen. Daraus hören wir Viribhoni Varnam in der Ragaform Bhairavi.
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6.1 Verabschiedung...

Dies war unsere Sendung „IMC – India meets Classic“ mit dem Thema
„KALPITA SANGITA – Kompositionsformen (in) der indisch klassischen
Musik“.
Es spielten auf dem Nadaswaram Sheik Chinna Moulana, im Gesang der
nordindischen Klassik, der Hindustani-Musik waren es: Parween Sultana und
Srikanto Acharya. - Und es präsentierten sich als Vertreter der südindischen
Klassik, der Carnatischen Musik: D.K. (Damal Krishnaswamy) Pattammal,
Aruna Sayeeram, P. Unnikrishnan und Sanjay Subramaniam.
Vielen Dank fürs Zuhören.
- Am Mikrophon verabschiedet sich Lothar J.R. Maier. - Und vielleicht bis zum
nächsten Mal. – Namaste.

6.2 Abspann...

Hinweise zu kommenden Sendeterminen entnehmen Sie dem Internetangebot Ihres


Radiosenders.

- Oder besuchen direkt die Website von IMC - India meets Classic:

www.imcradio.net
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Sie hörten die Sendung "IMC - India meets Classic" mit der Reihe "Raga CDs des
Monats".

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© 11/2010 – Verbundkonzept EUFLETZ (Stiftung i.G.) – Teilprojekt IMC – India meets Classic (Lothar J.R. Maier)
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IMC-Kontaktdaten ...

Förderinitiative IMC - India meets Classic (c/o EUFLETZ Stiftung i.G.)


Tel.: +49-(0)40- 41431-2034 (Intern.: -2053)
eMail: info@eufletz-stiftung.de | contact@india-meets-classic.net
Internet: http://www.eufletz-stiftung.de | http://musictherapy.india-meets-classic.net

Authoren:
Lothar J.R. Maier (Endfassung)

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