Sie sind auf Seite 1von 3

Baster

Baster (afrikaans für Bastard) sind Familien, die aus Beziehungen zwischen
Nama-Frauen und Buren in Südwestafrika entstanden sind. Die Baster stellten
1994 mit 39.000 Menschen etwa 2,5 Prozent der namibischen Bevölkerung. Ihre
Sprache ist meist Afrikaans.

Ihr traditionelles Stammesgebiet liegt um die Stadt Rehoboth (südlich von


Windhoek), woher auch ihre meist genutzte Bezeichnung Rehoboth Baster(s)
herrührt. Die Baster genießen seit der Unabhängigkeit Namibias als einzige
traditionelle Gruppierung keinen rechtlichen Sonderstatus mehr.[1] Ihre interne
Verwaltung liegt dennoch wie vor 1990 in den Händen eines „Baster-Rates“,
dem die Kapteine vorstehen. Sie sprechen als Muttersprache Afrikaans und sind
meist evangelisch-lutherischen Glaubens.
Flagge der Rehobother Baster
Die Rehoboth Basters sind Mitglied der Unrepresented Nations and Peoples
Organization und sehen weiterhin ihr historisches Stammesland als
unabhängiges Rehoboth Gebiet an.

Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Literatur
Siehe auch
Weblinks
Einzelnachweise

Geschichte
Nach der Inbesitznahme der Kapregion durch niederländische Seefahrer unter
ihrem Kapitän Jan van Riebeeck im Jahr 1652 trafen die europäischen
Kolonialisten auf dort bereits ansässige Nama-Stämme. Durch den Nachzug
weiterer Siedler, nicht nur aus den Niederlanden, sondern verstärkt auch aus
Deutschland und Frankreich, entstand ein spürbarer Arbeitskräftemangel auf den
neu eingerichteten Farmen. Da die Beziehungen zwischen den burischen
Farmern und den Nama zunächst durchaus friedlicher Natur waren, ließen sich
immer mehr Nama im Umfeld der Farmen nieder und heuerten dort als
Farmarbeiter an. Sie lernten deren Sprache und Gebräuche kennen und – da Basterrat 1872

burische Frauen in der Anfangszeit der Kolonisierung „Mangelware“ waren –


bauten sie in immer größer werdendem Umfang persönliche Beziehungen zu
ihren Arbeitgebern auf.
Die daraus entstandenen Kinder, die von keiner ihrer beiden
Ausgangsgemeinschaften wirklich akzeptiert wurden, genossen zumeist eine
europäische Erziehung, Schulbildung und waren in ihrer Lebensart sehr viel
stärker durch ihre Nähe zu den Europäern als durch ihre Namaverwandtschaft
geprägt. Wie viele gemischte Personen, fühlten auch sie sich bei der Partnerwahl
am ehesten zu Ihresgleichen hingezogen und heirateten in der Regel
untereinander.
Basterrat 1915
Die größer werdenden Basterfamilien gründeten Clans und sahen sich mit
zunehmendem Wohlstand nach eigenem Farmland und Weidegründen um.
Bereits im 18. Jahrhundert bezeichneten sie sich als Baster, um sich eine eigene
Gruppenidentität zu geben.

Ihre Gemeinschaften entwickelten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts


geordnete Strukturen einer Selbstverwaltung. Sie gaben sich verfassungsähnliche
Regelwerke, die auch ihre christliche Grundeinstellung zum Ausdruck brachten.

Mitte des 19. Jahrhunderts (1868) lösten sich die Baster aus ihrer Abhängigkeit
zur Kapregierung und zogen in einem zweijährigen Treck nach Norden. Fortan
Basterrat 1923
verstanden sie sich als eigene ethnische Gruppe. Unter Führung ihres Kapteins
Hermanus van Wyk wanderten sie in Südwest-Afrika ein. Hermanus van Wyk
verhandelte mit den ständig in Fehde liegenden Herero und Nama, so dass ein Teil der Baster südlich von Windhoek im Ort
Rehoboth ein neues Siedlungsgebiet fand – daher der Name Rehobother Baster. Der deutsche Rassentheoretiker Eugen Fischer
unternahm 1908 eine Forschungsreise dorthin, um zu zeigen, dass die Mendelschen Gesetze auch für menschliche Mischlinge
zwischen Niederländern und Afrikanern gültig seien.[2]

Bereits auf dem Weg nach Rehoboth hatten die Baster sich zusätzliche Gesetze gegeben. Auch in der Folgezeit bewahrten sie
weitgehend ihre Selbstverwaltung.

Von den beiden „Platzherren“ in Okahandja und Hoachanas wurde ihnen offenbar eine Pufferrolle zugedacht. Die übrigen Baster
fanden neue Siedlungsplätze im Süden des Landes und begründeten dort unter ihren Führern Vilander (Kalahari-Baster), Vries
(Kalkfontein-Baster) und Swart (Süd-Baster) jeweils eigenständige Gemeinwesen.

Die Rehobother Baster wurden in ihrer Puffer-Rolle sehr gefordert: Rehoboth wurde wiederholt Schauplatz blutiger
Auseinandersetzungen, Plünderungen und Zerstörungen, insbesondere nachdem sich hier auch der Nama-Stamm der Swartboois
angesiedelt hatte.

Nach der Inbesitznahme von Südwest-Afrika durch Deutschland und Begründung der Kolonie Deutsch-Südwestafrika schlossen
die Rehobother Baster als einer der ersten Stämme Schutz- und Beistandsverträge mit der deutschen Schutzmacht ab (1885) und
unterstützten diese aktiv bei der angestrebten Befriedung des unruhigen Landes durch Gestellung von Baster-Verbänden. Auch zu
Beginn des Ersten Weltkrieges in Südwestafrika wurde in Rehoboth eine Freiwilligenkompanie der Baster unter deutscher
Führung aufgestellt, jedoch mit der ausdrücklichen Beschränkung, nicht gegen Weiße eingesetzt werden zu dürfen. Auch unter
den Deutschen schafften es die Baster, ihre Selbstverwaltung weitgehend aufrechtzuerhalten.

Nachdem sich die Baster kurz vor Kriegsende 1915 gegen die deutsche Bevormundung erhoben hatten, wurden ihnen zunächst
auch von der südafrikanischen Mandatsverwaltung diese Autonomierechte weiter zugestanden, aber 1925 wieder aberkannt. Die
Baster erhoben sich gegen diese Maßnahme, wurden jedoch zum Einlenken gezwungen, als Südafrika mit Bombardierung drohte.

Während der Apartheidszeit in Namibia trugen die Rehobother Baster zur Entwicklung der politischen Parteien bei und behielten
weiterhin die Zuständigkeit für ihre Angelegenheiten im Basterland. Dieser Status endete jedoch 1990 mit der Unabhängigkeit
Namibias. Einen Tag vor Unabhängigkeit Namibias erklärten die Baster am 20. März 1990 ihre Unabhängigkeit in den Grenzen
von 1872 als „Rehoboth Gebiet“.[3]

Bemerkenswert in Bezug auf die Geschichte der Rehobother Baster ist nicht zuletzt auch der Überlebenswille dieser Gruppe.

Die Rehobother Baster bilden eine gut ausgebildete und oft selbständige Handwerkergemeinde rund um Windhoek.

Literatur
Kristin Kjæret, Kristian Stokke: Rehoboth Baster, Namibian or Namibian Baster? An analysis of national
discourses in Rehoboth, Namibia. 26. September 2003.
Rudolf G. Britz, Hartmut Lang, Cornelia Limpricht: Kurze Geschichte der Rehobother Baster bis 1990. Klaus
Hess Verlag, Windhoek/Göttingen 1999.
Maximilian Bayer: The Rehobother Baster Nation of Namibia. Basler Afrika-Bibliographien, Basel 1984, ISBN 3-
905141-38-8.

Siehe auch
Kapteine der Rehobother Baster
Rehoboth (Homeland)
Orlam

Weblinks
Offizielle Seite der Rehoboth Basters (http://www.rehobothbasters.org) (englisch)

Einzelnachweise
1. History. Rehoboth Basters (http://www.rehobothbasters.com/history.php) abgerufen am 5. August 2011
2. Eugen Fischer: Die Rehobother Bastards und das Bastardierungsproblem beim Menschen. Jena 1913 (Reprint:
Adeva, Graz 1961).
3. The Rehoboth Basters’ declaration of independence of 20 March 1990. Rehoboth Basters. (http://rehobothbaster
s.org/casedetails.php?id=213) Abgerufen am 30. August 2017.

Abgerufen von „https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Baster&oldid=192100991“

Diese Seite wurde zuletzt am 9. September 2019 um 07:22 Uhr bearbeitet.

Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern
und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken
dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die
Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie
einverstanden.
Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.