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Institut für Schweißtechnik und Fügetechnik

Pontstraße 49

52062 Aachen

Institutsleiter: Univ.-Prof. Dr.-Ing. U. Reisgen

Fachprüfung

Schweißtechnische Fertigungsverfahren I

Fügetechnik I – Grundlagen

Fügetechnik I

Sommersemester 2014

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Aufgabe 1: Gasschmelzschweißen und Lichtbogenhandschweißen [40 Punkte]

Gasschmelzschweißen
Auf einer Baustelle sollen zwei 3,5 mm Bleche aus niedriglegiertem Baustahl mittels
Autogenschweißen im Stumpfstoß mit einer I-Naht verschweißt werden. Zur Verfügung steht
ein Injektorbrenner mit verschiedenen Schweißeinsätzen.

1.1 Wählen Sie einen geeigneten Einsatz (A, B, C, oder D) aus und geben Sie an, welche
Arbeitstechnik (Nachlinksschweißen oder Nachrechtsschweißen) bei diesem
Blechdickenbereich verwendet werden sollte.

Schweißeinsatz: __________________________________

Arbeitstechnik: __________________________________

Die Verbrennung des Brenngases Acetylen erfolgt beim Gasschmelzschweißen mit neutraler
Flamme in zwei Verbrennungsstufen. Aus der Schweißdüse des Brenners strömt ein
Gasgemisch aus Acetylen und Sauerstoff aus. Im hellen Flammkegel der Flamme zerfällt das
Acetylen: C2H2 -> 2C + H2
Im Bereich der Schweißzone findet die Reaktion der 1. Verbrennungsstufe statt, in der
Beiflamme die Reaktion der 2. Verbrennungsstufe.

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1.2 Geben Sie die chem. Reaktionsgleichungen der beiden Verbrennungsstufen an.
Geben Sie außerdem für jede Verbrennungsstufe an, ob der umgesetzte Sauerstoff aus
der Gasflasche oder der Umgebungsluft stammt. Geben Sie das Verhältnis des bei
neutraler Flammeinstellung verbrauchten Sauerstoffs aus der Gasflasche zum
umgesetzten Sauerstoff aus der Umgebungsluft an.

Chem. Reaktionsgleichung der 1. Verbrennungsstufe:

_____________________________________________________________

Der umgesetzte Sauerstoff der


1. Verbrennungsstufe stammt aus: _________________________________

Chem. Reaktionsgleichung der 2. Verbrennungsstufe:

_____________________________________________________________

Der umgesetzte Sauerstoff der


2. Verbrennungsstufe stammt aus: _________________________________

Verhältnis (bei neutraler Flamme)


verbrauchter Sauerstoff aus Gasflasche : umgesetzter Sauerstoff aus Umgebungsluft

________________________________ : ___________________________

1.3 Nennen Sie die beiden Hauptaufgaben von Gebrauchsstellenvorlagen:

_____________________________________________________________

_____________________________________________________________

1.4 Anschlussteile (Fittings) für Leitungssysteme sind in verschiedenen


Werkstoffausführungen erhältlich. Bitte wählen Sie einen geeigneten Werkstoff für
Anschlussteile an eine Acetylenleitung aus der folgenden Liste aus:
A) Kupfer,
B) Messing (mit mehr als 70% Kupferanteil)
C) rostfreier Stahl

_____________________________________________________________

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Schweißpositionen
1.5 Bitte vervollständigen Sie die nachfolgende Tabelle: Schweißpositionen, Skizze und
Bezeichnung (nach DIN EN ISO 6947).
Bezeichnung
Skizze Schweißposition (nach DIN EN ISO
6947)

Überkopfposition PE


Querposition

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Lichtbogenhandschweißen
1.6 Wird zum Lichtbogenhandschweißen eine „flache“ oder eine „steil fallende“
Quellenkennlinie verwendet?

_____________________________________________________________

1.7 Zeichnen Sie die Quellenkennlinie in folgendes Spannungs-Strom-Diagramm ein und


beschriften Sie sie und tragen sie zwei Lichtbogenkennlinien für unterschiedliche
Lichtbogenlängen ein und beschriften Sie sie mit “Lichtbogenkennlinie kurzer
Lichtbogen” und “Lichtbogenkennlinie langer Lichtbogen”. Zeichnen Sie die
Arbeitspunkte A1 (kurzer Lichtbogen) und A2 (langer Lichtbogen) in das Diagramm ein.

U [V]

I [A]

1.8 Nennen Sie 5 Aufgaben der Elektrodenumhüllung:

_____________________________________________________________

_____________________________________________________________

_____________________________________________________________

_____________________________________________________________

_____________________________________________________________

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1.9 Sie finden im Lager Ihrer Firma folgende umhüllte Stabelektroden und wollen diese
anhand ihrer Eigenschaften für mögliche Einsatzzwecke einsortieren.
Bitte kreuzen Sie in der folgenden Tabellen an, ob die Aussage richtig oder falsch ist.

Elektrode Nr. 1:
Diese dick rutilumhüllte Elektrode hatte einer Ihrer Kollegen beim Schweiß-
Fachhandel bestellt. Auf dem Typenschild der Packung steht folgende
Normbezeichnung: EN ISO 2560-A: E 42 0 RR 5 3

Aussage richtig falsch


Bei diesem Elektrodentyp handelt es sich um eine
Hochleistungselektrode mit einer Ausbringung von 160%.
Diese Elektrode bildet eine selbstabhebende Schlacke, die somit
leicht zu entfernen ist.
Dieser Elektrodentyp wird hauptsächlich für das
Fallnahtschweißen von Rohrrundnähten im Pipelinebau
verwendet.
Diese Elektrode enthält auch in der Umhüllung metallische
Bestandteile, die beim Abschmelzen der Elektrode ins Schweißgut
übergehen.

Elektrode Nr. 2:
Im Lager Ihres Unternehmens haben Sie außerdem folgende Elektroden gefunden.
Auf der Packung steht der Hinweis: NICHT RÜCKTROCKNEN !
und die Normbezeichnung: EN ISO 2560-A: E 42 2 C 25

Aussage richtig falsch


Dieser Elektrodentyp wird hauptsächlich für das Fallnaht-
schweißen von Rohrrundnähten im Pipelinebau verwendet.
Diese Elektrodenumhüllung bildet sehr wenig (fast keine)
Schlacke.
Diese Elektrode zeichnet sich durch eine sehr gute
Spaltüberbrückbarkeit aus.
Die Elektrodenumhüllung hat eine sehr geringe
Schweißrauchbildung zur Folge, weshalb dieser Elektrodentyp
besonders in engen, schlecht belüfteten Räumen verwendet
werden kann.

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Elektrode Nr. 3: Von einem Ihrer letzten Projekte sind basisch umhüllte Elektroden
des Typs: EN ISO 2560-A: E 46 6 2Ni B 4 2 H5 übrig geblieben. Diese lagen längere
Zeit in geöffneter Packung im Lager und waren dadurch Feuchtigkeit ausgesetzt.

Aussage richtig falsch


Diese Elektroden sind vor dem Gebrauch rückzutrocknen.

Diese Elektroden sind nur mit Wechselstrom verschweißbar.

Diese Elektrode ist geeignet für Schweißnähte, bei denen hohe


Ansprüche an die Kaltzähigkeit gestellt werden.
Bei diesem Elektrodentyp löst sich die Schlacke von der
Schweißraupe von selbst ab.

Elektrode Nr. 4: Das Typenschild dieser rutilumhüllten Stabelektroden zeigt folgende


Normbezeichnung: EN ISO 2560-A: E 42 0 R 1 2

Aussage richtig falsch


Diese Elektrode zeichnet sich durch ausgezeichnetes Zünd- und
Wiederzündverhalten, geringe Spritzerbildung und gutes
Schlackenlösen aus. Sie wird im allgemeinen Behälter- und
Konstruktionsbau eingesetzt.
Auf Grund der extrem guten Kaltzähigkeitseigenschaften des
Schweißgutes lassen sich Elektroden dieses Typs auch im
Behälterbau für die Fertigung von Flüssiggastanks einsetzen.

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Aufgabe 2: Klebtechnik [40 Punkte]

2.1 Die Klebtechnik weist im Vergleich mit anderen Fügeverfahren signifikante Vor- und
Nachteile auf. Nennen Sie vier dieser Vor- und Nachteile.
Vorteile Nachteile

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2.2 Nennen Sie die drei Basisfunktionen von Klebverbindungen! Nennen Sie außerdem drei
Zusatzfunktionen von Klebstoffen.

Basisfunktionen

Zusatzfunktionen

2.3 Erläutern Sie, warum für die Ausbildung der spezifischen Adhäsionskräfte eine gute
Benetzung der Fügeteiloberflächen von besonderer Bedeutung ist.

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2.4 Nennen Sie drei charakteristische Brucharten bei Klebverbindungen und skizzieren Sie
diese entsprechend. Welche Bruchart ist im Allgemeinen anzustreben und warum?

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2.5 Die folgende Abbildung zeigt den typischen Aufbau einer metallischen Oberfläche, die
verklebt werden soll. Welche Schichten müssen vor einem Klebprozess entfernt
werden? Erläutern Sie warum.

Verunreinigungen
Staub, Schmutz, Öl, etc.
Adsorptionsschicht
Aufnahme artfremder Moleküle,
z.B. Wasser, Gase - i.d.R. reversibel

Reaktionsschicht
chemische Veränderung
der Grenzschicht
Grenzschicht
aus verändertem Grundgefüge
Kaltverformung, Härten, etc.

Grundgefüge

Abbildung: Oberflächenaufbau eines metallischen Fügeteils

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2.6 Das grundsätzliche Ziel der Oberflächenbehandlung ist die Gewährleistung dauerhaft
ausreichender Haftungskräfte zwischen Fügeteiloberfläche und Klebschicht. Erläutern
Sie kurz die drei Stufen der Oberflächenbehandlung.

Oberflächenbehandlung Ziel

Oberflächenvorbereitung

Oberflächenvorbehandlung

Oberflächennachbehandlung

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2.7 Benennen Sie jeweils die günstigere Konstruktion und begründen Sie ihre Antwort.
a)

b)

c)

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Aufgabe 3: ES-EG-Engspalt-Schweißen [40 Punkte]

ES-EG-Schweißen
3.1 a) Beschreiben Sie das Elektrogas-Schweißen (fünf charakteristische Merkmale).

b) Für welchen Einsatzbereich ist das EG- und ES-Verfahren geeignet? Nehmen Sie
Stellung zu den Blechdicken und dem Einfluss auf den Werkstoff.

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3.2 Der ES-Schweißprozess kann in vier Prozessphasen eingeteilt werden. Nennen und
beschreiben Sie diese beginnend mit dem Prozessstart bis hin zum Abschalten.

3.3 Wieso ist der Einsatz des EG-Verfahrens beim einlagigen Schweißen auf eine einzelne
Drahtelektrode beschränkt, beim ES-Schweißen jedoch nicht?

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Engspaltschweißen
3.4 Nennen Sie zwei Vorteile und einen Nachteil des Engspaltschweißverfahrens.

3.5 Beschreiben Sie jeweils drei charakteristische Merkmale für das UP-Engspaltschweißen
mit längsgestellter Bandelektrode und das Doppeldrahtverfahren.

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3.6 Nennen Sie zwei Probleme, die geometriebedingt durch einen geringen Öffnungswinkel
einer Engspalt-Nahtfugenvorbereitung bei den unter Aufgabe 3.5 genannten Verfahren
auftreten können?

3.7 Sie wollen das UP-Engspaltschweißen als Fügeverfahren für ein Werkstück im
Reaktorbau einsetzen. Dafür kommen für Sie drei Nahtfugenvorbereitungen (Typ 1-3)
bei einer Blechdicke von s=100mm mit einer Länge von 2000mm in Betracht. Nehmen
Sie in weiteren Berechnungen eine Schweißgeschwindigkeit von 60cm/min an.

Typ 1 Typ 2 Typ 3

a) Benennen Sie die Nahtfugenvorbereitung zu den drei gegebenen Darstellungen.

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b) Zeigen Sie durch eine Berechnung eine Rangfolge auf, welche der
Nahtfugenvorbereitungen die unwirtschaftlichste und welche als wirtschaftlich
hervorsticht.

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c) Berechnen Sie die gesamte Schweißzeit für die Nahtfugenvorbereitung des Typs 2.
Vernachlässigen Sie in Ihrer Berechnung jegliche Einbrandverhältnisse und nehmen
Sie den Querschnitt einer Schweißraupe mit 25mm² an. Weiterhin müssen Sie zum
Entfernen der Schlacke und um vorgeschriebene Abkühlzeiten einzuhalten
jeweils 20 Minuten nach dem Schweißen jeder Raupe einplanen.

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Aufgabe 4: Sensorik/Automatisierung [40 Punkte]

Eine komplexe Schweißkonstruktion soll automatisiert gefertigt werden. Als


Verbindungsverfahren wurde hierfür das MSG-Schweißen ausgewählt. Fertigungstoleranzen
der Einzelteile und thermischer Verzug während der Fertigung fordern den Einsatz eines
Sensorsystems. Erörtern Sie anhand der folgenden Punkte die Möglichkeiten verschiedener
Sensorprinzipien.
4.1 Erläutern Sie das Funktionsprinzip des Lichtbogensensors zur Detektion des Abstandes
anhand des Überfahrens der unten dargestellten Stufe. Skizzieren Sie die Änderungen
des freien Drahtendes und des Lichtbogens im linken Bild und nutzen Sie das U-
I – Diagramm rechts um die Verlagerung des Arbeitspunktes des MSG-Prozesses
deutlich zu machen. Ordnen Sie die unterschiedlichen Arbeitspunkte den skizzierten
Phasen eindeutig zu. Welche Größe wird für die Höhensteuerung mit dem
Lichtbogensensor verwandt? Warum?

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4.2 Mit Hilfe der Lichtbogensensorik soll für eine Kehlnaht eine Nahtverfolgung während des
Schweißvorgangs realisiert werden. Nennen Sie hierzu drei mögliche Auslenkprinzipien
zur Signalgewinnung für die Seiten- und Höhenkorrektur.

4.3 Nennen Sie jeweils vier Vor- und Nachteile des Lichtbogensensors für die
Nahtverfolgung.

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4.4 Erläutern Sie die Funktionsweise des Gasdüsensensors zur Bestimmung des
Nahtfußpunktes bei einer Kehlnaht. Skizzieren Sie darüber hinaus einen Suchvorgang
anhand einer Kehlnaht, die aufgrund von Wärmeverzug keinen 90° Öffnungswinkel
aufweist.

Skizze:

Beschreibung der Funktionsweise:

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4.5 Die beim MSG-Schweißen genutzten optischen Sensoren basieren auf dem Prinzip der
Triangulation. Bitte erläutern Sie das Triangulationsmessverfahren sowie die zwei
Erweiterungen zur Erfassung von zweidimensionalen Geometrieinformationen der
Schweißfuge. Skizzieren Sie bitte hierzu das zugrunde liegende Triangulationsprinzip
und beschreiben Sie mit einer Skizze oder einem Text die zwei Möglichkeiten, dieses
auch für die Gewinnung von 2D-Informationen zu nutzen.

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4.6 Nennen Sie jeweils vier Vor- und Nachteile der optischen Sensoren.

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4.7 Suchen Sie für die nachfolgenden Situationen zur korrekten Brennerpositionierung vor
und während des Prozesses Sensoren oder Sensorkombinationen aus, mit denen der
Brenner am Nahtanfang positioniert und/oder entlang der Schweißfuge geführt werden
kann. Die Gasdüse besitzt einen Durchmesser von 20mm. Bitte kreuzen Sie die
geeigneten Sensoren an (Mehrfachauswahl möglich) und begründen Sie kurz Ihre
Auswahl.

O Lichtbogensensor
O Gasdüsensensor
O Lichtschnittsensor
Begründung:

O Lichtbogensensor
O Gasdüsensensor
O Lichtschnittsensor
Begründung:

O Lichtbogensensor
O Gasdüsensensor
O Lichtschnittsensor
Begründung:

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