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Fernmeldetruppe (Bundeswehr)

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Barettabzeichen der Fernmeldetruppe der Bundeswehr

Die Fernmeldetruppe ist eine Truppengattung im Heer sowie in der Streitkräftebasis der
Bundeswehr. Im Heer zählt die Fernmeldetruppe zu den Einsatz- und
Führungsunterstützungstruppen / Führungsgrundgebiet 6. Die Fernmeldetruppe im Heer ist
verantwortlich für den Betrieb des Kommunikations- und Informationsverbundes des Heeres.

Inhaltsverzeichnis
 1 Auftrag
 2 Geschichte
 3 Ausbildung
 4 Organisation
o 4.1 Einordnung
o 4.2 Legende
o 4.3 Truppenteile im Heer
o 4.4 Truppenteile im Cyber- und Informationsraum
 5 Ausrüstung
o 5.1 Kommunikationsmittel
o 5.2 Uniform
o 5.3 Taktisches Zeichen
 6 Dienstgradbezeichnungen
 7 Trivia
 8 Literatur
 9 Weblinks
 10 Einzelnachweise

Auftrag
Die Fernmeldetruppe richtet Fernmeldeverbindungen ein und betreibt diese. Die schnelle und
sichere Übertragung von Meldungen, Informationen und Befehlen, ist eines der wichtigsten
Elemente der unmittelbaren Kommunikation zwischen Führung und Kampftruppen. Die
Fernmeldetruppe ist verantwortlich für den Betrieb des Kommunikations- und
Informationsverbundes des Heeres. Die Fernmeldetruppe ist daher verantwortlich für
wesentliche Teile der Gefechtsstandinfrastruktur.
Die Fernmeldetruppe setzt sich zusammen aus der Fernmeldeverbindungstruppe und den
bodenständigen Fernmeldediensten. Die Fernmeldeverbindungstruppe stellt mittels Draht, Funk,
Richtfunk und Satellitenkommunikation (SatCom) die Verbindung zwischen Truppe und
Führung her und übermittelt Nachrichten. Dazu zählen alle Sprechfunk-, Fernsprech-,
Fernschreib-, Richtfunk-, Datenübertragungs-, Bildübertragungs- und Telefaxverbindungen. Die
bodenständigen Fernmeldedienste errichten und betreiben im Frieden ortsfeste
Fernmeldeanlagen und verbinden diese zu Fernmeldenetzen (stehendes Netz). Im Ernstfall
installiert diese Truppe auf der bestehenden Basis weitere Sondernetze.

Die Elektronische Kampfführung ist ausdrücklich nicht Aufgabe der Fernmeldetruppe, sondern
der Fernmeldetruppe EloKa. Die Fernmeldetruppe sichert aber mit passiven (elektronischen)
Schutzmaßnahmen wie Verschleierung, Desinformation (zur nutzlosen Bindung gegnerischer
Entschleierungskapazitäten) und Kryptographie die Sicherheit der übertragenen Informationen.
Weitere Maßnahmen sollen die Aufklärung der einzelnen Kommunikationsstellen (und der mit
diesen verbundenen Gefechtsstände) und des Kommunikationsnetzes erschweren.[1][2]

Geschichte

Ein Fernmeldetechniker arbeitet an der SatCom Uplink Multiplex Station in Kroatien während
des IFOR-Einsatzes der NATO, Dezember 1995
Ein deutscher Oberleutnant des 1st NATO Signal Bataillons während des Einsatzes in
Afghanistan 2014

1956 wurden als erste Fernmeldetruppenteile fünf Fernmeldebataillone für die ersten fünf
Divisionen des Heeres sowie zunächst zwei Fernmeldekompanien für zwei Brigaden aufgestellt.
Die restlichen Truppenteile, u. a. Fernmeldebataillone für die Korps sowie die Fernmeldeschule
des Heeres wurden bald darauf ausgeplant.

Bis 1970, also im Wesentlichen in der Heeresstruktur 2 wurden die Fernmeldekräfte weiter
ausgebaut. Bei den Korps wurden Fernmeldestäbe eingerichtet und weitere Fernmeldebataillone
aufgestellt. Im Territorialheer begann der Aufbau der umfangreichen Fernmeldeorganisation.
Erste Truppenteile der heute selbstständigen EloKa wurden innerhalb der Fernmeldetruppe
ausgeplant. In der Heeresstruktur 3 (1970 bis 1979) entstand u. a. die Führungsfernmeldebrigade
900 mit zwei Regimentern und fünf Fernmeldebataillonen für die oberste Bundeswehrführung
beim BMVg. Das automatisierte Korpsstammnetz (AUTOKO) sowie moderne Funk- und
Richtfunktechnik wurden in dieser Zeit eingeführt. in der letzten Struktur des Kalten Krieges
wurden in den Wehrbereichen weitere Fernmeldebereiche eingerichtet. Eingeführt wurde eine
neue Funkgerätegeneration und die zweite Entwicklungsstufe des AUTOKO (AUTOKO II).
Ende 1989 umfasste die Fernmeldetruppe 34 Bataillone.

Nach der Wiedervereinigung wurde die Bundeswehr verkleinert. Die Fernmeldetruppe bestand
um 1995 nur noch aus 22 Regimentern und Bataillonen, 1997 abermals umgegliedert noch aus 4
Führungsunterstützungsbrigaden, einer Fernmeldeaufklärungsbrigade, sieben
Führungsunterstützungsregimentern sowie zahlreichen weiteren Truppenteilen und
Einrichtungen. 2000 begann der Aufbau der Streitkräftebasis, in die zahlreiche Fernmeldekräfte
integriert wurden. Dazu wurden die Führungsunterstützungsbrigaden aufgelöst und in
Regimenter und Bataillone umgegliedert. Im Heer verblieben einige Truppenteile der
Fernmeldetruppe als Stabs- und Fernmeldekompanien zur direkten Führungsunterstützung der
Stäbe einiger Großverbände. 2005 wurde auch die Fernmeldeschule des Heeres aufgelöst. Die
Ausbildung wird seitdem durch die Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr, die Teil der
Streitkräftebasis ist, verantwortet.[3]

Ausbildung
Die zentrale Ausbildungseinrichtung der Fernmeldetruppe des Heeres und der Streitkräftebasis
(SKB) ist die Führungsunterstützungsschule der Bundeswehr und Fachschule der Bundeswehr
für Informationstechnik (FüUstgSBW/FSBwIT). Die ehemals mit der Ausbildung im Heer
betraute Fernmeldeschule und Fachschule des Heeres für Elektrotechnik wurde 2006 aufgelöst.

Der General der Fernmeldetruppe ist für die Fernmeldetruppe im Heer verantwortlich. Zurzeit ist
diese Dienststellung mit dem Unterabteilungsleiter IV 1 Führungsunterstützung im Kommando
Heer verbunden. Die Dienststellung General der Fernmeldetruppe wird von einem Offizier im
Dienstgrad Oberst bekleidet.

Organisation
Einordnung

Die Fernmeldetruppe ist eine Truppengattung im Heer sowie der Bereich Führungsunterstützung
Anteil der Streitkräftebasis der Bundeswehr. Im Heer zählt die deutsche Fernmeldetruppe zu den
Führungsunterstützungstruppen. In der Streitkräftebasis wurden die Truppenteile der
Fernmeldetruppe in die Führungsunterstützungsverbände, die aus Heeres- und
Luftwaffenanteilen bestehen, (siehe Führungsunterstützung in der Bundeswehr) überführt.

Die Fernmeldetruppe EloKa war einst Teil der Fernmeldetruppe, wird heute aber aufgrund ihres
anderen Auftragsspektrums als eigene Truppengattung geführt.

Besondere Fernmeldefähigkeiten besitzen darüber hinaus die Heeresaufklärungstruppe, die


Feldnachrichtentruppe sowie die Truppe für Operative Information. Diesen Truppengattungen
dienen ihre Fernmeldefähigkeiten aber nur zur Erfüllung ihrer eigenständigen Primäraufträge.

Fernmeldekräfte sind im Heer und in der Streitkräftebasis darüber hinaus in fast allen
Truppenteilen als Truppenfernmelder bzw. Aufgabenbereich Führungsunterstützung vertreten.
Fernmeldegruppen oder Fernmeldezüge sind in die 1./Stabs- und Versorgungskompanien aller
Bataillonen und größeren Truppenteile integriert. Diese Kräfte werden grundsätzlich nicht zur
Fernmeldetruppe gezählt, sondern sind Bestandteil ihrer Truppengattung. In Stäben von
Verbänden bearbeitet der S6 Offizier als Truppenfernmeldeoffizier die Planung und Abwicklung
des Fernmeldeverkehrs innerhalb des Verbandes nach der Besonderen Anweisung für den
Fernmeldeverkehr (BesAnFm) durch den übergeordneten Großverband, der über eigene
Fernmeldekräfte der Fernmeldetruppe verfügt.

In der Marine und der Luftwaffe ist das Konzept der Truppengattungen nicht bekannt. Eine
Fernmeldetruppe im engeren Sinne ist dort also nicht existent. Allerdings weisen auch Marine
und Luftwaffe eigene Fernmeldekräfte auf. Bei der Luftwaffe finden sich besonders
spezialisierte Fernmeldekräfte im Dienstbereich „Führungsdienst“. In der Marine finden sich mit
der Fernmeldetruppe vergleichbare Kräfte vor allem in den Verwendungsreihen „21
Fernmeldebetrieb“ und „48 IT-Systembetreuung“.

Legende

Getarnter Unimog. Sprech-Funk-Trupp A, 2./ PiBtl 722

Die Legende gilt für alle folgenden Listen

Legende
Aufgelöster Verband
Teilaktiver oder nichtaktiver Verband
Aktiver Verband

Truppenteile im Heer

Die Fernmeldetruppe im Heer umfasst folgende Truppenteile[4]:

Kräftekatego Stationierungskon
Bezeichnung Ort Verband
rie zept 2011
Rotenburg 30. Juni 2015
Fernmelderegiment 1 1. Panzerdivision -
(Wümme) aufgelöst
Cham 31. Dezember 2014
Fernmeldebataillon 4 Panzerbrigade 12 -
(Oberpfalz) aufgelöst
Gebirgsfernmeldebatail Bad Gebirgsjägerbrigad 30. Juni 2014
-
lon 210 Reichenhall e 23 aufgelöst
Multinationales
Korps Nord-Ost
Fernmeldebataillon 610 Prenzlau - bleibt erhalten
(truppendienstlich
1. Panzerdivision)
Frankenberg/ Panzergrenadierbri Außerdienststellung
Fernmeldebataillon 701 -
Sa. gade 37 Mai 2014
Neubrandenb Panzergrenadierbri Auflösungsappell 5.
Fernmeldebataillon 801 -
urg gade 41 September 2015[5]
Luftlandefernmeldebata
illon
Division Schnelle Außerdienststellung
Division Schnelle Stadtallendorf -
Kräfte April 2014
Kräfte „Hessischer
Löwe“
Fernmeldebataillon Veitshöchhei Division - Auflösungsappell
Division m Luftbewegliche am 26. September
Luftbewegliche Operationen 2013[6]
Operationen
1. Deutsch-
dt. Anteil CIS2 Eibergen
Niederländisches - bleibt erhalten
Bataillon1 (NL)
Korps
Stabs- und
Fernmeldekompanie wird nach Lebach
Lebach Unterstützungsbatai -
Eurokorps verlegt
llon Eurokorps
Fernmeldekompanie
Kommando
Kommando Calw - bleibt erhalten
Spezialkräfte
Spezialkräfte
1
deutscher Anteil des niederländisch-deutschen CIS Bataillons ist eine Fernmeldekompanie
2
CIS: Communications and Information Systems (→ Kommunikations- und
Informationssysteme)

Truppenteile im Cyber- und Informationsraum

Die im Cyber- und Informationsraum eingegliederten Fernmeldekräfte werden dem Namen nach
unmittelbar zur Führungsunterstützung ausgeplant. Die sechs Verbände unterstehen dem
Kommando Informationstechnik der Bundeswehr (KdoITBw).

Bezeichnung Ort
Informationstechnikbataillon 281 Gerolstein
Informationstechnikbataillon 282 Kastellaun
Informationstechnikbataillon 292 Dillingen an der Donau
Informationstechnikbataillon 293 Murnau
Informationstechnikbataillon 381 Storkow (Mark)
Informationstechnikbataillon 383 Erfurt

Ausrüstung
Kommunikationsmittel

SEM 93 in einem Führungs- und Funkfahrzeug der Bundeswehr


 Satcom Mk (Bodenstation mittels Multiband, BSmM), Dreiteilige 4,6-m-Offset-
Doppelreflektorantenne auf Anhängergestell, breitbandige RF-Komponenten mit
Redundanzen, Übertragungskapazität bis zu 3 × 2 MBit/s Duplex verschlüsselt
 AMA 34 m: mobile Antennenmastanlage, die hydraulisch bis auf 34 m ausgefahren
werden kann. In der Konfiguration 1 sind es vier Spiegel mit Durchmesser 90 cm, die auf
einer Ebene angeordnet sind. Die Signale werden in Hohlleitern vom Funkgerät
(Sender/Empfänger) zum Horn geführt. In der Konfiguration 2 ist es ein Spiegel von
90 cm und ein Großspiegel von 1,75 m.
 Richtfunkgerät CTM 250 (Siemens), fernsteuerbares Hauptgerät mit Frequenzbereich
4.400–5.000 MHz in 125-kHz-Schritten, garantierte Leistung von mindestens 1,54 Watt
und maximal 2 × 8.448 kbit/s. Unterschiedliche Basisbänder ermöglichen die Bandbreite
von 1×2/2×2 oder 1×8/2×8 Mbit, Schnittstelle G.703
 Richtfunkgerät CTM 350 (Siemens), fernsteuerbare Hauptgerät mit Frequenzbereich
4.400–5.000 MHz in 125-kHz-Schritten, garantierte Leistung von mindestens 2 Watt und
maximal 34.368 kbit/s mit Bandbreite bis 32 MBit, Schnittstelle G.703.
 MTT4600: mobile Satellitenkommunikationsantenne
 SEM 80/90 VHF-Funkgerät (Thales)
 SEM 93 VHF-Funkgerät (Thales) und neue Serie mit integrierter digitaler
Verschlüsselung
 HRM-7000, tragbares HF-Funkgerät klein (EADS TELEFUNKEN RACOMS),
Frequenzbereich 2,0–29,999 MHz in 100-Hz-Schritten, Sendeleistung 3/30 Watt
schaltbar auch in Versionen mit 100 Watt und 400 Watt Leistung für mobile und ortsfeste
Anlagen
 M3TR VHF/UHF-Funkgerät (Rohde & Schwarz)
 Auf Lkw verladbare Container, Kabinen genannt, mit Elektronik zur Steuerung der
Anlagen, Verschlüsselung der Daten und als Ein-/Ausgang für Teilnehmer (Kabeleingang
für ein normales Telefon).
 FF OB/ZB (Feldfernsprecher für den Ortsbatterie- oder Zentralbatteriebetrieb)[7]

Uniform

Soldaten der Fernmeldetruppe im Dienstanzug

Die Waffenfarbe der Fernmeldetruppe, gezeigt beispielsweise als Farbe der Litzen und
Kragenspiegel, ist Zitronengelb. Die Farbe des Baretts ist korallenrot. Das Barettabzeichen zeigt
einen vom Eichenkranz eingefasste Blitz ähnlich dem taktischen Zeichen. Der Blitz läuft, im
Barettabzeichen davon abweichend, von rechts oben nach links unten und gleicht so eher dem
stilisierten Blitz im taktischen Zeichen der Fernmeldetruppe EloKa, die bezeichnenderweise sich
hinsichtlich Barett und Litzenfarbe nicht von denen der Fernmeldetruppe unterscheidet.

Barettabzeichen und Barettfarbe


Kragenspiegel

Siehe auch: Uniformen des Heeres

Taktisches Zeichen

Das Taktische Grundzeichen der Fernmeldetruppe zeigt dem üblichen NATO-Konventionen


folgend einen stilisierten Blitz von links oben nach rechts unten. Die Fernmeldetruppe EloKa hat
ein ähnliches Zeichen: Der Blitz weist hier von oben rechts nach unten links.

Militärisches Symbol (Grundzeichen) der NATO-Fernmeldetruppe

Dienstgradbezeichnungen
→ Hauptartikel: Abschnitt „Bundeswehr“ im Artikel zur Sammelbezeichnung „Soldat“

Niedrigste Dienstgrade in Truppenteilen der Fernmeldetruppe sind Funker oder Panzerfunker.


Sie entsprechen den Dienstgraden Schütze, Jäger, Panzergrenadier usw. (→ vgl. hier) anderer
Truppengattungen.

Soldaten im niedrigsten Dienstgrad in Truppenteilen der Fernmeldetruppe, sowie Soldaten im


niedrigsten Dienstgrad in Truppenteilen der Fernmeldetruppe EloKa, sowie Soldaten im
niedrigsten Dienstgrad in Truppenteilen der Truppe für Operative Kommunikation, die nicht im
festen Kampfverband mit Panzertruppen operieren, werden Funker genannt. Beispiele sind die
Heeresuniformträger im niedrigsten Dienstgrad in den überwiegend ortsfesten
fernmeldetechnischen Dienststellen wie Führungsunterstützungsbataillonen oder
Fernmeldeabschnitten. Alle übrigen Soldaten im niedrigsten Dienstgrad der aufgezählten
Truppengattungen führen den Dienstgrad Panzerfunker. Dazu zählen Heeresuniformträger im
niedrigsten Dienstgrad in den Einheiten, die den Panzertruppen als Fernmeldetrupps und als
Fernmeldezüge eingegliedert sind, sowie in größeren Truppenteilen, die in Panzer- oder
Panzergrenadierbrigaden als selbständige Truppenteile eingegliedert sind. Die übrigen
Dienstgrade entsprechen den allgemeinen Dienstgraden der Bundeswehr.