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Lernen Sozial- und Kulturtheorie

Was ist eine Theorie?

Im speziellen beschäftigen wir uns hier mit Sozial- und Kulturtheorien, also einer besonderen Art von Theorie. Sie beschäftigen sich mit den Fragen

Was hält eine Gesellschaft zusammen? Welchen Gesetzen gehorchen gesellschaftliche Veränderungen? Kann man gesellschaftliche Entwicklung lenken oder kontrollieren?

Man kann dabei festhalten, dass Theorien nicht (bzw. selten) vom Himmel fallen, sondern immer in realen lebenspraktischen Problemen wurzeln. Andersrum ist jede empirische Praxis immer schon durch Theorie bzw. bekanntes Wissen beeinflusst. In den Sozial- und Kulturtheorien lassen sich grob zwei verschiedene Arten von Theorien festmachen:

Hanundlungstheorien und Strukturtheorien.

Handlungstheorien haben die individuellen oder kollektiven Akteure im Fokus, sprich die Handelnden. Sie erklären die Handlungen und das Zusammenwirken verschiedener Handlungen. Hierbei spielt die Intentionalität ein zentrales Moment. Wird von Handlungen auf eine Struktur geschlossen, so spricht man von einer „bottom-up“-Erklärung.

Strukturtheorien behandeln Strukturen und Systeme. Handlungen werden durch die Beeinflussung des Menschen durch Strukturen erklärt. Diese Strukturen entwickeln sich nach eigenen Gesetzmäßigkeiten. Erklärungen dieser Art werden „top-down“ genannt.

Jedoch wird der Theoriebegriff in den Sozial- und Kulturwissenschaften seit jeher uneinheitlich verwendet. Je nach Verhältnissetzung hat eine Theorie ganz unterschiedliche Funktionen. Es gibt diverse Kontroversen dazu wie sich Theorie zu verhalten hat gegenüber empirischer Forschung, Weltbildern, normativen Fragen, Alltagswissen, praktischer Anwendung. Ein erster Ausweg scheint die wissenschaftstheoretische Definition zu geben:

Theorien sind Systeme generalisierender Aussagen, Annahmen bzgl. allgemeiner hypothetischer Zusammenhänge. Sie werden bewusst, intentional und systematisch gebildet und empirisch geprüft. Bildung und Prüfung finden statt mit den Mitteln methodischer Rationalität. Grundlegend ist dabei die Definition von Begriffen und die Anwendung logischer Schlussformen. Zur Allgemeinheit gelangen wir dabei zum einen durch Deduktion (vom Allgemeinen auf das Besondere schließend) und durch Induktion. Bei der Begründung von allgemeinen theoretischen Aussagen gibt oder gab es zwei nennenswerte Strömungen:

Der Positivismus der davon ausgeht, dass die empirische Bewahrheitung einer Theorie sie verifiziert. Die andere, auf Popper zurück gehende Strömung, glaubt, dass die Falsifikation

das entscheidende Mittel ist. Eine Theorie muss grundsätzlich an der Empirie falsifizierbar

die unmöglich widerlegbar sind zustande kommen

sein, damit keine „Es gibt

können. Eine Theorie gilt demnach also so lange wie sie noch nicht falsifiziert wurde. Kritik an Popper ist dabei, dass sich Theorie und Empirie unmöglich so strikt voneinander trennen lassen. Die Annahme, dass Empirie durch Theorie erklärt und Theorie durch Empirie korrigiert werden kann, muss bewiesen werden. Des weiteren sind auch - wie Thomas S. Kuhn - herausfand Theorien historische Gebilde, die sich nicht immer kontinuierlich erweitern, sondern Paradigmenwechseln - zum Beispiel durch eine neue Forschergeneration - unterliegen.

“-Sätze,

Max Weber - Rationale Soziologie (Handlungstheorie)

Die zentralen Thesen bei Max Weber sind:

Es besteht eine Wahlverwandtschaft zwischen Kapitalismus und der Ethik des Protestantismus. Kapitalismus kann nicht über den Marxschen Materialismus beschrieben werden, sondern muss in seiner Verbindung mit der protestantischen Ethik und daraus resultierenden Eingriffen in die verschiedenen Lebensbereiche betrachtet werden.

In der Askese des Protestantismus sieht Weber eine gewisse Effizienz. Die Askese dient im Protestantismus, anders als im Katholizismus (Freikauf), dazu sich sein Seelenheil zu verdienen. Dieses Schema entdeckt Weber im Kapitalismus wieder. Eine möglichst

rationale und effektive Arbeit in Verbindung mit einer Selbstregulierung und „Sparsamkeit“ verspricht dem Individuum das bürgerliche Glück. Interessanterweise sieht Weber diese Ausbreitung des Kapitalismus hauptsächlich im Okzident, wo eben auch der Protestantismus ausgebreiteter ist, als im Orient. Diese Wahlverwandtschaft breitet sich auf alle Lebensbereiche aus. Beginnend bei Recht und Wirtschaft, endend bei Ethik, Kunst, Sexualität. Diese Rationalisierung, das „stahlharte Gehäuse“ kommt in verschiedenen Begriffen bei Weber vor: Bürokratisierung, Industrialisierung, Versachlichung, Methodisierung, Entzauberung, Entmenschlichung, um nur einige zu nennen.

In diesem Kontext kann auch Webers Handlungstheorie besser verstanden werden. Webers Soziologie versteht sich als jene Disziplin, welche speziell „soziales Handeln deutend verstehen und dadurch in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will“.

Handeln soll dabei ein menschliches Verhalten (einerlei ob äußeres oder inneres Tun, Unterlassen oder Dulden) heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjetiven Sinn verbinden. Soziales Handeln aber soll ein Handeln heißen, welches seinem von dem der den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen ist und daran in seinem Ablauf orientiert ist“

Webers Typologie ordnet soziales Handeln nach seinen typischen Bestimmungsgründen oder den ihm zugrundeliegenden Orientierungen:

1. zweckrational: durch Erwartungen des Verhaltens von Gegenständen der Außenwelt und von anderen Menschen und unter Benutzung dieser Erwartungen als „Bedingungen“ oder als „Mittel“ für rational, als Erfolg, erstrebte und abgewogene eigene Zwecke. 2. wertrational: durch bewußten Glauben an den - ethischen, ästhetischen, religiösen oder wie immer zu deutenden - unbedingten Eigenwert eines bestimmten Sich- Verhaltens, rein als solchen und unabhängig vom Erfolg. 3. affektuell, insbesondere emotional: durch aktuelle Affekte und Gefühlslagen. 4. traditional: durch eingelebte Gewohnheit.

vgl. dazu Tabelle im Skript.

Die Typologie Webers ist hierarchisch aufgebaut, wie oben zu sehen. Der Handlungscharackter (Tun, etc. mit subjektivem Sinn) tritt immer weiter hervor, bei aufsteigender hierarchischer Position.

Jürgen Straub - Theorie d. narrativen Handelns (Handlungstheorie)

Jürgen

Strukturtheorie)

Habermas

-

Theorie

d.

kommunikativen

Handelns

(Handlungs-

und

Habermas Theorie des kommunikativen Handelns geht zurück auf sein Parsonsches Erbe. Habermas geht von Parsons Systembegriff aus, welcher Systeme nicht als Summe individueller Handlungen und Motive, sondern als eine eigene Handlungsentkoppelte Funktionslogik unterstellt. Die TkH hat vier entscheidende Elemente: Den Rationalitäs- und Diskursbegriff, die Handlungstheorie, die Theorie der Ordnung und die Zeitdiagnose.

Rationalität ist bei Habermas kommunikative Vernunft / kommunikative Rationalität. Der Grundgedanke ist dabei, dass Vernunft im Alltag durch Sprache kommuniziert und konstituiert. Rationalität ist also mit dem jeweiligen Bezugspunkt des Sprechaktes verknüpft. Er geht von drei Weltbezügen (Geltungsansprüchen des Sprechaktes) aus:

Geltungsanspruch auf Wahrheit (objektive Welt), auf normative Richtigkeit, auf Wahrhaftigkeit (subjektive Welt). Wenn all diese Geltungsansprüche in einem Diskurs aufgenommen werden können (Freiheit von Zwängen) wird Rationalität möglich.

In seiner Handlungstheorie finden wir drei Typen sozialen Handelns:

Das instrumentelle Handeln: Einflussnahme, Manipulation von Objekten. (Bezug: objektive Welt) Das strategische Handeln: Fokus auf Subjekten (Bezug: soziale Welt) und insofern vom instrumentellen Handeln zu unterscheiden. Das kommunikative Handeln: Es bezieht sich auf andere Akteure und wird mit „ehrlicher Auseinandersetzung“ übersetzt. Es hat keine Ziele vorausgesetzt, Die Situation wird wechselseitig abgestimmt und gedeutet und man versucht eine umfassende Verständigungsorientierung zu gewährleisten. (Bezug auf die soz., obj. und subj. Welt)

Nach Habermas gibt es zwei Typen von Ordnung: die Lebenswelt und die Systeme.

Die Lebenswelt ist ein von Normen, Kultur und deren Aktivierung geordneter Zusammenhang der Akteure. Sie vernetzen sich durch gemeinsame Handlungsorientierungen. Dies vollzieht sich durch drei Strukturelemente:

a) Kultur: Kommunikatives Handeln dient der Tradierung und Erneuerung des Wissens

b) Gesellschaft: Kommunikatives Handeln dient den interpersonellen soz. Beziehungen

c) Persönlichkeit: Kommunikatives Handeln dient der Sozialisation.

Systeme entstehen dadurch, dass Handlungen im Wechselspiel unintendiert die Ordnung stabilisieren. „Abstrakte Kontakte“ bspw. in der Ökonomie sind typisch für den Systemzusammenhang.

Ein Beispiel - und damit kommen wir zur Zeitdiagnose - für ein von der Gesellschaft heraus gebildetes System ist der Markt oder auch der Staat. Diese folgen Eigenlogiken. Problematisch wird es, da die Systeme die Lebenswelten „kolonialisieren“, wenn beispielsweise Alltagshandlungen durch die Wirtschaft monetarisiert werden.

Adorno/Horkheimer - Kritische Theorie (Strukturtheorie)

Siegmund Freud - Psychoanalyse

Nach Freud setzt sich die menschliche Psyche aus drei Instanzen zusammen: Es, Ich und Über-Ich. Seiner Ansicht würden etwa 90% der menschlichen Entscheidungen unbewusst gefällt. Nach und nach entwickelte Freud verschiedene topische Modelle der menschlichen Psyche. In der ersten Topik unterschied er das Bewusste vom größeren und einflussreicheren Unbewussten. In der zweiten Topik beschrieb er die Theorie über das Es, Ich und Über-Ich:

Das Es tritt dabei (!) an die Stelle des Unbewussten. Es bildet das triebhafte Element der Psyche und kennt weder Negation noch Zeit oder Widerspruch. In ihm gründen Triebe (Hunger, Sexualtrieb), Bedürfnisse und Affekte wie Neid, Hass, Vertrauen und Liebe. Diese Triebe, oder „psychische Organe“, lenken weitestgehend unbemerkt unser Handeln.

Das Ich ist ein Randgebiet des Es. Es vermittelt uns die Realität mittels selbstkritischem, vernünftigem Denken. Es versucht die Ansprüche des Es mit denen der sozialen Umwelt und des Über-Ichs konstruktiv aufzulösen bzw. in Einklang zu bringen.

Das Über-Ich sind anerzogene und verinnerlichte Handlungsformen. In ihm gründen Ich- Ideale, Rollen und Weltbilder. Das Über-Ich ist ein Teil des Ichs und beurteilt die Gefühle und Gedanken des Ichs. Verdrängungen (ins Unbewusste) werden dem Über-Ich zugeschrieben. Besonders solche die dem Es entstammen.

Ferdinand de Saussure - Linguistischer Strukturalismus

Saussure selbst benutzt den Begriff „Struktur“ nicht, sondern nennt seine Übelregungen „Semiologie“. Das Anliegen Saussures ist es die sprachgeschichtliche Forschung zu erweitern. Dabei führt er ein paar heuristische Unterscheidungen ein:

„langage“ - nicht tote, sondern lebendige, gesprochene Sprache ist Gegenstand der Forschung „parole“ - aktueller, individueller Sprachgebrauch „langue“ - allgemeines, virtuelles Sprachsystem

Das Sprachsystem besteht aus Zeichen. Ein Zeichen besteht aus einem „signifié“ (Begriff, inhaltliche Vorstellung) und einem „signifiant“ ((physische) Lautvorstellung des Sprechers). Die Beziehung zwischen „signifié“ und „signifiant“ ist beliebig und der Wert eines Zeichens kann nur innerhalb des Gesamtsystems von Zeichen bestimmt werden. Zeichen haben zwei verschiedene Dimensionen: eine aktualisierte, anwesende (syntagmatische) und eine virtuelle, abwesende Dimension (assoziative).

Der Kernpunkt der Theorie besteht darin, dass „Sprechen“ (parole) erst einmal vollkommen gehaltlos ist. Beispielsweise würden wir mit dem physikalischen (akustischen) Laut „vehicle“ rein gar nichts anfangen können, wenn wir das englische Sprachsystem nicht kennen würden. Es sind die Konventionen einer Sprache (langue) die dem Signifikat / signifiant einen Signifikant / signifié zuordnen. Die begriffliche Zuordnung der Bedeutung kann allerdings nicht aus einem Wort selbst heraus entstehen, sondern funktioniert nur in „Konkurrenz“ mit anderen Worten.

Ein Beispiel: Nur dadurch, dass wir Alternativen zum Wort „glauben“ haben, wird dem Wort „glauben“ die ganz spezifische Bedeutung zugesprochen die es hat, denn „glauben“ hat dann eine andere Bedeutung als die Wörter „wissen“ oder „denken“. Würde es die Alternativen „wissen“ oder „denken“ aber nicht geben würden diese Bedeutungen auch dem Wort „glauben“ zufallen.

Lacan / Zizek - Strukturalismus / Psychoanalyse

Lacan reinterpretiert den Begriff „Virtualität/Möglichkeit“ mit Henri Bergson: „möglich ist das, was gewesen sein wird“. Die bezeichnete Lautvorstellung verliert quasi durch das Bezeichnen seinen Sinn. Die Unterscheidung von Signifikat und Signifikant verschiebt sich zu einem Zeichen für ein ursprünglicheres Zeichen. Ein Signifikat im eigentlichen Sinne gibt es dann nicht mehr. (Robinson/Freitag Beispiel).

So wie mir sich das erklärt, verinnerlicht man irgendwann ein Zeichen. Ein Signifikat muss quasi nicht immer wieder neu signifiziert werden. Es wird dann selber zu einem Signifikant für ein anderes Wort. Es geht sozusagen „in Fleisch und Blut über“. Beispielsweise - alles meine Vermutung - wurde die akustische Lautfolge „ich denke über mich nach“ irgendwann mal mit einem Sinn besetzt, den ich nicht immer wieder von neuem wenn ich diese Lautfolge höre neu signifizieren muss. Nun höre ich zum ersten Mal den Laut „Reflexion“ und frage mich was das bedeuten könnte. Mit dem bekannten Zeichen „über sich selbst nachdenken“ kann ich nun den Laut „Reflexion“ beschreiben. Aus dem einstigen Signifikat „Über sich selbst nachdenken“ ist nun also ein Signifikant für das neue Signifikat „Reflexion“ geworden. Diese Grundüberlegung wendet Lacan nun auf die Freudsche Psychoanalyse an. Nach Lacan ist

„Das Unbewusste wie eine Sprache strukturiert“ !

Es hinterlässt in uns Zeichen, die durch Ersetzung und Verschiebung mehrdeutig sind.

Das Unbewusste kommt in der Sprache zum Ausdruck. Lacan unterscheidet zwischen dem „je“, dem wahren Subjekt und dem „moi“, dem reflexiven Subjekt. Ausdruck findet das

Unbewusste durch Metonymien (übertragener Sprachgebrauch) und Metaphern. Das „je“ lässt sich „spurenhaft“ in den Metaphern und Metonymien erkennen.

Also nochmal ein Selbsterklärungsversuch von mir: Ich kenne mein „je“ nicht, aber die Erfahrungen die mein Unbewusstsein prägen oder geprägt haben und die ich ihrerzeit signifiziert habe verschieben sich in mein Unbewusstsein und kommen als Signifikanten für neue Erfahrungen spurenhaft hervor.

Das Spiegel-Stadium als Bildner der Ich-Funktion:

Das Kind erblickt im Spiegel sein Bild und begrüßt es mit einer „jubilatorischen Geste“. Zugleich nimmt das Kind das Bild im Spiegel als perfektes Idealbild von sich selbst wahr, aber auch zugleich als unvollständig (den eigenen Körper nur partiell erkennbar). Es entwickelt sich eine „prekäre Identität“ aus einer Mischung aus begehrter Identität und einer als Mangel erfahrenen Differenz.

Bei Zizek erkenne ich ehrlich gesagt in der Knappheit nicht viel neues gegenüber Freud. Daher vielleicht einfach die Folie nochmal angucken und dat war‘s.

Gadamer - Philosophische Hermeneutik (Handlungs- und Strukturtheorie)

Sind kaum Unterlagen vorhanden. Muss man darauf hoffen, dass es nicht dran kommt und

wenn doch: Hermeneutik hat immer irgendwas mit tiefgründigem Deuten zu tun Rest muss man dann halt raten.

den

Foucault/Bordieu - Post-Strukturalismus

Michel Foucault sieht das Subjekt als eine zeitbedingte Konstruktion. Ich und Individualität funktionieren dabei als Maßnahmen zur Beschränkung diskursiver Kontingenz. Kulturanalyse bei Foucault darf nicht allein den handelnden/kommunizierenden Akteur selbst fokussieren, sondern muss stets diskursrelevante Machtfaktoren mit einbinden. Das heisst, die Frage danach, welche Gesetze die Aussagen vorstrukturieren. Als Diskurs gilt alles „Sagbare“ und Diskurse üben Macht aus. Eine Kulturanalyse muss die Frage nach diskursiven Machteinflüssen stellen, die fragliche Phänomene bedingen und hervorbringen. Als Methoden gelten dabei die Fragen danach unter welchen

Bedingungen die Bildung eines speziellen Diskurses möglich war und woraus eine Dominanz in einem bestimmten Diskurs resultiert. Daher darf Kultur nie als linearer oder gar teleologischer Prozess interpretiert werden, Umstände des Entstehens und Bestehens sind stets zu berücksichtigen.

Kultur ist als multidiskursives und inhaltlich kontingentes Phänomen zu betrachten. Nicht die handelnden Akteure, sondern die Diskurse und ihre Machtmechanismen sind in der Retrospektive zu analysieren. Ein besonderes Augenmerk kann auf den Epistemen (bzw. Dispositiven) der jeweiligen Epoche liegen, weil hier Paradigmenwechsel ablesbar sind. Kulturtheorie hat bei der Analyse des gewählten Gegenstandes immerzu die Frage nach Macht, Ausgrenzung und Zufall zu stellen.

Der Grundgedanke in Bordieus Handlungstheorie scheint utilitaristisch zu sein, wie seine häufige Rede von den Interessen und Strategien der Akteure nahe legt Tatsächlich wurde sein Werk bisweilen als Amalgierung von Strukturalismus und Utilitarismus gedeutet - wogegen Bordieu heftig protestierte, da er den Utilitarismus und Rational Choice Ansätze doch vehement kritisiert hatte, und zwar wie folgt:

(Utilitaristische) Handlungstheorien sind individualistisch und ignorieren die relationale Ebene. Sie vernachlässigen die Herkunft von Nutzenkalkülen und Interessen, verabsolutieren das kulturspezifische Modell rational-ökonomischen Handelns, das für westlich-kapitalistische Gesellschaften typisch ist, anders wo aber eher unbekannt und sie verwechseln die Logik der Theorie mit der Logik des Handelns. Sie projizieren Theorien in die Praxis und verbreiten dadurch falsche (rationalistische) Vorstellungen vom (kreativen und auch routinisierten, „verkörperlichten“) menschlichen Handeln.

Bordieu benennt verschiedene Kapitalsorten:

Kunstwerke, Bücher, Musikinstrumente, kulturelle Fähigkeiten und Wissen fallen unter das kulturelle Kapital. Das soziale Kapital beinhaltet Mitgliedschaften / Zugehörigkeiten zu einer Gruppe,

Herkunft aus einer Familie / Schicht, Besuch von Eliteschulen, etc

Als eine Art

Oberbegriff mit dem das Zusammenwirken zwischen ökonomischem, kulturellem und sozialem Kapital angezeigt wird, nennt er das symbolische Kapital, was eine gewisse „Umrechenbarkeit“ der Kapitalformen voraussetzt.

Judith Butler - (Post)-Strukturalismus / Queer-Theory / Feministische Theorie

Nach Butler ist die Kategorei „Frau“ (wie generell jeder Subjektbegriff) nicht stabil existent. Soll heissen, Identität ist immer kontextabhängig und abhängig vom jeweiligen Diskurs und Geschlechtsdisposivitäten. Zum einen entstehe durch heterosexuelles Begehren eine Differenz zwischen Mann und Frau und zum anderen sei Identität das Produkt von Sprechakten. Subjekte existieren nur durch Sprache und Sprachspiele. Die Eigendynamik der Sprache ist subjektiv nicht kontrollierbar, das Subjekt „wird gesprochen“. Ihr politisches Projekt ist es die Nicht-Fixierbarkeit der Identitäten zu nutzen. Dies soll durch Subversion der zementierten Geschlechterbinarität geschehen. Eine Parodie der Sprache solle dazu dienen die Zweigeschlechtigkeit zu unterlaufen.

Kohlberg Handlungstheorie

Kohlberg hat ein Stadien- bzw. Stufenmodell der geistigen Entwicklung des Menschen entwickelt, nach dem sich menschliches Handeln orientiert.

1. Präkonventionelles Stadium: In der ersten Stufe werden Handlungen daran orientiert ob sie einen physischen Vor- oder Nachteil bringen. Die Orientierung erfolgt anhand von Gehorsam und Bestrafung. In der zweiten Stufe dieses Stadiums gibt es eine instrumentell-relativistische Orientierung. Soll heissen, die Handlung zeichnet sich dadurch aus, ob sie die eigenen Bedürfnisse befriedigt. Bisweilen auch die anderer, da schon eine gewissen Struktur von Fairness und Gerechtigkeit vorhanden ist.

2. Konventionelles Stadium: In diesem Stadium befinden sich die meisten Jugendlichen. In der dritten Stufe orientieren sich Handlungen an personengebundener Zustimmung. Gut ist was anderen gefällt. In der vierten Stufe orientiert man sich an Recht und Ordnung. Man anerkennt Autorität und weiss seine Pflicht zu tun.

3. Postkonventionelles Stadium: In der fünften Stufe beginnt man die bestehende Ordnung in Frage zu stellen, allerdings auf eine legalistische Art und Weise. Erst in der 6. Stufe beginnt der Mensch die Richtigkeit einer Handlung an eigenen ethischen Prinzipien fest zu machen. Unabhängig vom herrschenden Recht.

Cultural Studies Handlungs- und Strukturtheorie

Den Cultural Studies geht es vorallem um Alltagskultur. Dies inbegriffen meint

Es wird dabei teilweise auch in Anlehnung an

die Frankfurter Schule die Produktionsbedingung von kulturellen Gütern erwähnt und auch vom Begriff der Subalternen (gesellschaftlich Marginalisierte) gesprochen. Im Gegensatz zur Kulturkritik der Frankfurter Schule, in der die Konsumenten als von der Kulturindustrie betrogene und manipulierte Masse betrachtet werden, betonen die Cultural Studies stärker den kreativen Umgang der Konsumenten mit kulturellen Gegenständen.

Arbeitskultur, Subkulturen, Popkultur, etc

Der wohl bekannteste Vertreter ist Stuart Hall.

Wichtiger Begriff: „Voicing“

Said/Bhaba/Spivak Post-colonial Studies

Der Postkolonialismus kann grundsätzlich dem Poststrukturalismus zugerechnet werden. Untersucht werden dabei die Gesellschaften die eine Kolonialisierung hinter sich haben bzw. noch unter einer leiden. Gleichzeitig wird allerdings auch der Kolonialisator betrachtet und versucht heraus zu finden welche Wirkkräfte zwischen beiden Gruppen vorhanden sind. Ziel ist es, Begriffspaare zu dekonstruieren, um dem damit ausgedrückten Machtgefüge entgegenzuwirken.

Postkoloniale Ansätze gehen auch davon aus, dass die Kolonisierung nicht nur Spuren bei den Kolonisierten hinterlassen hat, sondern auch bei den Kolonisierenden. Postkoloniale Ansätze versuchen, diese Spuren des Kolonialismus z.B. in Europa aufzudecken und zu zeigen, wie sehr der Kolonialismus auf das Selbstverständnis Europas und der Europäer eingewirkt hat.

Die Theorie des Postkolonialismus ist vor allem eine Analyse der kulturellen Dimensionen der Kolonialzeit und des Imperialismus. Postkoloniale Theoretiker befassen sich mit folgenden Fragen: Was passierte am Ende der Kolonialära mit dem kolonialistischen Denken, was ist das Erbe der kolonialen Epoche und welche gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Konsequenzen sind daraus erwachsen und noch heute sichtbar. Man erforscht in (post-)kolonialen Kontexten Erfahrungen von Unterdrückung, Widerstand, Geschlecht, Migration und dies auch im Hinblick auf die Kolonisatoren. Hinsichtlich des Westens argumentieren Postkolonialisten folgendermaßen: Zum einen kann man die Geschichte des Westens nicht isoliert betrachten. Kolonialismus und

Imperialismus gehören unumstößlich zur europäischen Geschichte. Außerdem benötigte der Westen die kolonialen Gebiete, um sich selbst stets als positives Antonym zu definieren. Hier greifen Begriffspaare wie: Demokratie-Despotie, zivilisiert-primitiv, fortschrittlich-rückschrittlich, rational-irrational.