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Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein Kemperhof

Weiterbildung für Intensivpflege


Jahrgang 2018- 2020

Studienarbeit:

Professionelles Entwöhnen vom Respirator.

Wie fühlt sich der Patient intubiert und flach sediert auf der Intensivstation?
Inwieweit hat die Psyche Einfluss auf ein erfolgreiches entwöhnen? Wie kann das
Pflegepersonal die Entwöhnung vom Respirator mit den gewonnenen
Erkenntnissen professionalisieren?

Verfasser: Jenna Madeline Penner


Bergstraße 21
56587 Straßenhaus

Datum der Abgabe: 18.09.19

Note:

Unterschrift:
Inhalt
Vorwort

1 Einleitung ..................................................................................................... 1

1.1 Hintergrund für das gewählte Thema ..................................................... 1

2 Hauptteil....................................................................................................... 3

2.1 Entwöhnungskategorien und Voraussetzungskriterien zum Beginn der


Entwöhnungsphase ......................................................................................... 3

2.2 Verfahrensmethoden und Wahl des Beatmungsmodus bei der


Entwöhnung..................................................................................................... 4

2.3 Medikamentöse Sedierung während der Entwöhnungsphase ............... 6

2.4 Endotracheales Absaugen während der Entwöhnungsphase ................ 7

2.5 Pulmonale Ermüdung während des Spontanatmungsversuchs (SBT)


erkennen und entsprechend reagieren ............................................................ 8

2.6 Strategien zur Prävention des Entwöhnungsversagen .......................... 9

2.7 Weaningprotokolle ............................................................................... 10

2.8 Befragung mit individuellen Erfahrungen der Patienten ....................... 11

2.9 Der Einfluss der Psyche auf ein erfolgreiches Entwöhnen................... 13

3 Zusammenfassung und Fazit für die Praxis ............................................... 18

4 Literaturverzeichnis

5 Anhang

5.1 Richmond- Agitation- Sedation- Skala (RASS)

5.2 Behavioral Pain Skala (BPS)

5.3 Abkürzungsverzeichnis mit Begriffserklärung

5.4 Datenerhebungsmethode für die Befragung

5.4.1 Fragebogen 1

5.4.2 Fragebogen 2
5.4.3 Fragebogen 3

5.4.4 Fragebogen 4

6 Eidesstattliche Erklärung

7 Einverständniserklärung
Vorwort

Die segnende Seele

Wird reichlich gesättigt,

und der Tränkende wird auch

selbst getränkt.

Sprüche 11, 25

Ein fröhliches Herz macht den Körper gesund; aber ein trauriges Gemüt macht
kraftlos und krank.

Sprüche 17, 22
1 Einleitung
1.1 Hintergrund für das gewählte Thema
Ich arbeite auf einer internistischen Intensivstation mit sechs Beatmungsplätzen.
Dort arbeite ich mit Patienten, die aus verschiedenen Gründen endotracheal
intubiert werden. Nach aktuellem Wissensstand steht fest, dass kurze
Beatmungszeiten ein besserer Outcome bedeutet.1 Deshalb ist das Ziel, die
Patienten so schnell wie möglich vom Respirator zu entwöhnen. Durch
professionelle Überwachung der Spontanatmung am Respirator, kann dieses
Ziel auf hohem Niveau erreicht werden. In der vorliegenden Studienarbeit möchte
ich in den ersten Kapiteln die aktuellen Richtlinien aufführen, wie ein erfolgreiches
entwöhnen ablaufen kann. Diese Richtlinien befassen sich mit der technischen
Handhabung, wie die richtige Wahl des Beatmungsmodus, die zeitlichen
Abstände der Spontanatmungsphasen oder das feststellen von pulmonaler
Ermüdung anhand von verschiedenen Parametern die außerhalb des
Normbereiches liegen. Die Entwöhnung vom Respirator ist ein sehr umfassendes
Thema, aber es gibt zahlreiche Artikel von renommierten Ärzten u.a. des
Universitätsklinikums der RWTH Aachen wie Dr. J. Bickenbach (Leitender
Oberarzt der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care) , Univ.-
Prof. Dr. M. Dreher (Leiter der Sektion Pneumologie) und Univ.- Prof. Dr. G. Marx
(Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care), sowie
Prof. Dr. B. Schönhofer (Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Intensiv- und
Schlafmedizin des KRH Klinikums Hannover), die zu den zahlreichen Artikeln als
Autorenteam 2018 das Buch „Weaning“ veröffentlicht haben, auf das ich mich
berufe. Die Ausführungen zu wichtigen Entwöhnungsstrategien aus dem Buch
nehmen dabei Bezug auf die S2k-Leitlinie zum prolongierten Weaning von 2014.
Es ist wichtig als Pflegefachpersonal die Strategien und Leitlinien zu kennen und
umzusetzen. Im Intensivalltag auf meiner Station überwacht nicht der Arzt den
Patienten mit der Beatmungsmaschine, sondern die Pflegekraft. Wir sollten
Veränderungen direkt erkennen, den ganzen Entwöhnungsprozess professionell
überwachen und darin mitwirken. Zusammengefasst ist die invasive Beatmung

1 vgl. T.Barchfeld et.al. 2006, S. 617+619 und vgl. PA. Higgins 1998

1
ein medizinischer Durchbruch, durch sie kann Patienten mit pulmonaler
Insuffizienz in lebensbedrohlichen Situationen geholfen werden. Der Ablauf der
Trennung von der Beatmungsmaschine, durch welche der Patient seine effektive
Spontanatmung wiedererlangt, ist komplex. Beeinflusst wird er von der Psyche,
Umwelteinflüssen und der körperlichen Verfassung des Patienten. Der
psychische Zustand während der Entwöhnungsphase wird in diesem
Zusammenhang selten erwähnt. Es steht fest, dass diese emotionale Seite am
wenigsten untersucht wurde. Ich habe eine englischsprachige Metaanalyse von
15 Publikationen gefunden, die die Frage inwieweit die Psyche eines Patienten
Einfluss auf ein erfolgreiches Entwöhnen hat, aufgreift.2 Besonderes Augenmerk
lege ich bei dieser Studienarbeit demnach in den letzten Kapiteln auf das
persönliche Empfinden der Patienten während der Zeit der Entwöhnung. Studien
haben bewiesen, dass sich eine tiefe Analgosedierung negativ auf den
Entwöhnungsprozess auswirkt und das Outcome negativ beeinflusst.3 Daher
wird die Analgosedierung so flach wie möglich gehalten. Die daraus resultierende
„Wachheit“ ermöglicht das rasche Spontanatmen. Mir stellt sich die Frage, was
die Patienten letztendlich von der Entwöhnung mitbekommen. Ich möchte die
Patienten mittels anonymisierter Fragebögen befragen. Ich erhoffe mir hiervon
wichtige Daten, die dem Pflegepersonal helfen in der Entwöhnungsphase positiv
auf den Patienten einzuwirken. Mit diesem Schreiben beabsichtige ich die
psychologischen Aspekte anzusprechen, die der Entwöhnungsprozess auf den
Patienten hat. Ich denke, dass dies von Bedeutung ist und dass ein neues
Bewusstsein dafür, welche Rolle die Gesundheits- und Krankenpflege in diesem
Zusammenhang hat, wichtig ist. Die Pflegefachkraft ist permanent und nah am
Patienten, kann demnach ganzheitlich und individuell bewerten, handeln und so
zum erfolgreichen Entwöhnen beitragen. Die professionelle Pflege spielt eine
Schlüsselrolle für den erfolgreichen Entwöhnungsprozess. Die Patienten sind
abhängig von dem Wahrnehmungsvermögen der Pflegenden. Mit diesem
Hintergrund ergeben sich die drei aufeinander aufbauenden Studienfragen: Wie
fühlt sich der Patient intubiert und flach sediert auf der Intensivstation? Inwieweit
hat die Psyche Einfluss auf ein erfolgreiches entwöhnen? Wie kann das

2 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017


3 vgl. T.Barchfeld et.al. 2006, S. 619

2
Pflegepersonal die Entwöhnung vom Respirator mit den gewonnenen
Erkenntnissen professionalisieren?

2 Hauptteil
2.1 Entwöhnungskategorien und Voraussetzungskriterien zum Beginn
der Entwöhnungsphase
International werden seit 2007 drei Entwöhnungsgruppen unterteilt. Der größte
Teil der Patienten fällt in die erste Kategorie, das Einfache entwöhnen im
Rahmen einer Intensiv- medizinischen Behandlung. Das sind Patienten, die beim
ersten Versuch entwöhnt werden können. Mit „schwierig zu entwöhnen“ meint
die Literatur Patienten, die nach einem erfolglosen Spontanatemversuch, bis zu
drei weiteren Versuchen und bis zu sieben Tage Entwöhnungsdauer benötigen.
Für die prolongierte Entwöhnung, die dritte Kategorie, werden die Patienten meist
in spezielle Entwöhnungseinrichtungen mit pulmologischem Fachpersonal
verlegt. Auf der Intensivstation stellt die dritte Gruppe einen geringeren Teil dar.
Das sind Patienten, die mehr als drei Spontanatemversuche oder mehr als
sieben Tage zum erfolgreichen entwöhnen benötigen.4 Auf nationaler Ebene
wurden in den S2- Leitlinien für „prolongiertes Weanen“ eine weitere Unterteilung
der dritten Gruppe von a bis c vorgenommen. Die Gruppe 3a ist das prolongierte
Weanen mit nicht- invasiver Beatmung (NIV) und ohne NIV ist die Gruppe 3b.
Das erfolglose Weanen wird mit 3c betitelt.5 Die Entwöhnung vom Respirator
beginnt nach der Einleitung der maschinellen Beatmung, mittelbar nach beheben
der Ursache des respiratorischen Versagens. Von nun an muss ein besonderer
Fokus auf die Entwöhnung vom Respirator erfolgen. Diese Phase ist sehr
aufwendig und beinhaltet nicht nur das Beenden der Beatmung. Oft sind
pathologische Veränderungen nach einer kritischen Akutphase entstanden oder
es bestanden vorher schon pulmonale Schäden wie chronisch obstruktive
Lungenerkrankung (COLD) oder Lungenfibrose. „Der eigentliche

4 vgl. J. Bickenbach et. al 2018, S. 5


5 vgl. J. Bickenbach et. al 2018, S. 6

3
Weaningprozess beginnt mit dem ersten Spontanatmungsversuch.“6 Es wurden
Kriterien in der S2 Leitlinie von 2014 für die Bereitschaft zum Entwöhnen
festgelegt. Diese sind nur Anhaltspunkte, wovon im Einzelfall abgewichen
werden kann. Die Grunderkrankung sollte sich gebessert haben oder behandelt
sein. Eine Körpertemperatur von 36 Grad bis 38,5 Grad weist ebenso auf ein
abklingen der Akutphase hin wie der Blut pH-Wert von größer 7,35. Der Horovitz-
Quotient (paO2/ FiO2) sollte größer 200mmHg sein. Die Beatmungseinstellung
sollte mit einem FiO2 kleiner 0.45 und einem PEEP kleiner 8 mbar sein. Die
Röntgen Thorax Bilder sollen keine Kontraindikationen bieten. Sind diese
Kriterien erfüllt, kann eine Spontanatmungsphase gestartet werden. Weitere
Richtparameter sind, dass Noradrenalin mit möglichst weniger als 0,1µg/kg/min
läuft und keine Steigerung in den letzten 24 Stunden stattfand. Der
Hämoglobinwert (Hb) sollte größer 7g/dl und die Blutelektrolyte möglichst
ausgeglichen sein. (Phosphat>0,7, Mg, Ca).7

2.2 Verfahrensmethoden und Wahl des Beatmungsmodus bei der


Entwöhnung
Entweder erfolgt die Respirator Entwöhnung durch langsame Reduktion der vom
Respirator übernommenen Atemarbeit in Form von Reduktion der
Druckunterstützung. Diese Form nennt sich kontinuierliches entwöhnen und wird
durchgeführt bis hin zur endgültigen Extubation. Oder die diskontinuierliche
Entwöhnung mit einer Verkürzung der Phasen einer kontrollierten Beatmung,
verbunden mit der Verlängerung von nicht assistierten Spontanatmungsphasen.
Oft wird heutzutage eine Mischung der beiden Verfahren angewandt. „Eine
eindeutige Empfehlung zu diesem Thema ergibt sich nicht aus der vorhandenen
Literatur.“8 „Eine Studie von Jubran et. al. zeigt, dass Patienten mit besserer
Spontanatmungskapazität von dem diskontinuierlichen Entwöhnungskonzept
hinsichtlich der Dauer der Entwöhnung profitierten, nicht aber hinsichtlich des
Überlebens nach 6 bis 12 Monaten. Für Patienten mit stark eingeschränkter
Spontanatmungskapazität ergab sich dieser Vorteil nicht.“9 Bei
langzeitbeatmeten basiert die Entwöhnung zum Teil auf der assistierten

6 J. Bickenbach et. al.: Weaning. Springer Verlag, Aachen 2018, S. 6


7 vgl. B.Schönhofer et. al. 2014, S. 33, Tab.5
8 J. Bickenbach et. al.: Weaning. Springer Verlag, Aachen 2018, S. 26
9 Bickenbach 2018, S 26

4
Spontanatmung. Allgemein schaffen assistierte Beatmungsformen meist keine
ausreichende Entlastung, da die Atemarbeit erhöht bleibt. Demgegenüber führt
eine individuell adaptierte, kontrollierte Beatmung, zur maximalen Entlastung der
Atemmuskulatur. Bei der kontrollierten Beatmung ist die Reduktion des
Sauerstoffverbrauchs der Atemmuskulatur und so die Erholung der erschöpften
Muskulatur am höchsten. Jedoch führt die dauerhafte Anwendung der
kontrollierten Beatmung zur Atrophie der Atemmuskulatur.10 Für die assistierte
Spontanatmung ist die Wahl eines geeigneten Beatmungsmodus von
Bedeutung. Das am meisten verbreitete Verfahren ist die druckunterstützte
Spontanatmung im „pressur- support“ Modus (PSV). Dazu zählt auch der
„assisted- spontaneous- breathing“ Modus (ASB). „In einer Studie aus dem Jahr
1994 war dieser Modus hinsichtlich der Dauer bis zur erfolgreichen Entwöhnung
einer Entwöhnung im „synchronized intermittend mandatoryl ventilation“ Modus
(SIMV) oder der intermittierenden Spontanatmung („Feuchte Nase“)
überlegen.“11 Nachteil dieser Art von Unterstützung ist die phasenweise
Überkompensation oder unzureichenden Unterstützung. Aufgrund einer
dauerhaft, gleichförmig eingestellten Druckunterstützung ist eine Adaption
zwischen Patienten und Gerät nicht möglich. In den letzten Jahren haben sich
fortschrittlichere Modi hervorgehoben, wie das „Proportional- assist- ventilation“
(PAV) oder „Neuronal adjusted ventilatory assist“ (NAVA). Mittels ständiger
„breath by breath“-Messung der aktuellen Compliance und Resistance wird die
Atemunterstützung beim PAV angepasst. Das unterstützt eine geringere
Atemanstrengung. Die NAVA misst über eine ösophageal liegende Sonde das
Muskelsummenaktionspotential des Zwerchfells als Parameter für die
Atembemühungen des Patienten. So wird proportional zur
Zwerchfellmuskelaktivität atemsynchron eine Druckunterstützung appliziert. 12
„Aktuelle Beobachtungen zeigen, dass z.B. die Anwendung von NAVA nach einer
Phase kontrollierter Beatmung innerhalb von 24 Stunden zu einer signifikant
verbesserten Erholung der Zwerchfellfunktion im Vergleich zur PSV führt.“13
„Insbesondere bezogen auf den Stellenwert im prolongiertem Weaning können

10 vgl. Bickenbach et.al. Aachen 2018, S 23


11 J. Bickenbach et. al.: Weaning. Springer Verlag, Aachen 2018, S. 27
12 vgl. Bickenbach et.al. Aachen 2018, S 27
13 Bickenbach 2018, S. 27

5
trotz der in Beobachtungsstudien beschriebenen Vorteile keine allgemeingültige
Empfehlung hinsichtlich der Anwendung eines dieser Verfahren in der
Entwöhnung von der Beatmung gegeben werden.“14 Zwei Empfehlungen der S2
Leitlinie von 2014 fassen das Kapitel zusammen: Zwischen den
Spontanatemphasen sollte die Atemmuskulatur zur Regeneration ausreichend
entlastet werden, aber eine dauerhafte vollentlastende Beatmung sollte
vermieden werden. 15

2.3 Medikamentöse Sedierung während der Entwöhnungsphase


Ein wacher und kooperationsfähiger Patient ist eine wesentliche Voraussetzung
für eine erfolgreiche Extubation. „In Deutschland werden Sedierungs- Scores
noch zu selten verwendet.“16 In der Entwöhnungsphase sollte die validierte
Richmond Agitation Sedation Scala (RASS) verwendet werden. Ziel sind die
Werte von Null bis minus Eins. Bei diesen Zielwerten ist der Patient wach und
ruhig bis schläfrig. Neben der Sedierungstiefe sollte auch der Schmerz des
Patienten erfasst werden mittels Behaviour Pain Scale (BPS). Das Ergebnis von
fünf bis sechs Punkten sind bei diesem Test angestrebt um Schmerzfreiheit für
den Patienten zu erreichen. Beurteilt wird mit dieser Skala der Gesichtsausdruck,
die Bewegungen der Extremitäten und die Adaptation des Patienten an das
Beatmungsgerät. Bei wachen und sedierten Patienten gelten auch die klinischen
Symptome wie Mimik, Tachykardie, Schwitzen, Blutdruckverhalten,
Atemfrequenz und Tränenfluss. Diverse Studien zeigten, dass die
Beatmungsdauer durch Sedierungsprotokolle signifikant reduziert werden
konnten.17 Kress und Carson zeigten dies mithilfe täglicher Unterbrechung der
Sedierung und Aufwachphasen mit Spontanatemphasen.18 Es gibt aber
Kontraindikationen für Sedierungspausen, welche nicht ignoriert werden dürfen.
Die Inadäquate Schmerztherapie, Hypothermie oder Fieber, Relaxation,
Epileptische Anfälle in den letzten 12 Stunden oder der kardiogene Schock sind
klare „Stopps“ für Sedierungspausen. Zur Auswahl der Sedativa während der

14J. Bickenbach et. al.: Weaning. Springer Verlag, Aachen 2018, S. 28


15B. Schönhofer et. al.: Prolongiertes Weaning S2k-Leitlinie; (Hrsg.) Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin e.V. 2014, S. 34

16B. Schönhofer 2014, S. 38

17 vgl. B. Schönhofer 2014, S. 34


18 vgl. B. Schönhofer 2014, S. 34

6
Entwöhnungsphase kann man sagen, dass es kein allumfassendes
Sedierungskonzept gibt.19 Bei langzeitbeatmeten Patienten wird zunehmend die
Metabolisierung sowie die Elimination der Sedativa durch Leber und
Nierenfunktionsstörungen beeinflusst. Das heißt die Wirkung lässt nach. Die
Wirkdauer verlängert sich bei älteren Patienten oder es können paradoxe
Wirkungen beobachtet werden. Im Europäischen Raum werden Propofol oder
Midazolam eingesetzt aufgrund der deutlich kürzeren Halbwertszeit. Allerdings
ist bei Benzodiazepinen gezeigt worden, dass sie die Delirentwicklung
begünstigen und bei Verwendung von Propofol über 48 Stunden hinaus sollte auf
eine Dosisbegrenzung von kleiner vier Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht
in der Stunde geachtet werden, um die Wahrscheinlichkeit eines
Propofolinfusionssyndrom möglichst gering zu halten. Daraus resultiert die
Empfehlung Propofol für eine Sedierungsdauer bis zu sieben Tagen einzusetzen.
Für eine Sedierungsdauer länger als sieben Tage kann Midazolam verwendet
werden. Bei Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren ist Propofol zur
Langzeitsedierung nicht zugelassen. „Bei Agitation und Angstzuständen sind
langwirksame Benzodiazepine indiziert. Bei sympathikotoner Hyperaktivität
können Clonidin und ß- Blocker empfohlen werden. Bei psychotischen
Zuständen sind hochpotente Neuroleptika Mittel der ersten Wahl.“20

2.4 Endotracheales Absaugen während der Entwöhnungsphase


Endotracheal intubierte Patienten sind in der Regel sediert, wodurch die
mukoziliäre Clearance reduziert arbeitet und so mehr Sekret in den Atemwegen
verbleibt. Auch bei den wachen Patienten mit Trachealkanüle sammelt sich viel
Sekret. Zum einen durch die chronisch obstruktive Lungenerkrankung oder die
Trachealkanüle als Fremdkörper. Durch jegliche Ursache führt auch der
abgeschwächte oder fehlende Hustenreflex zur Sekretansammlung. Die
vermehrte Sekretansammlung birgt ein erhöhtes Infektionsrisiko. Bei kompletter
Verlegung der Atemwege können Atelektasen auftreten.21 Nicht zuletzt kann bei
Patienten im Entwöhnungsprozess die Atemarbeit durch Sekretansammlung
deutlich erhöht sein. Pflegerische Maßnahmen zur Sekretverflüssigung und

19vgl. B. Schönhofer et. al. 2014, S. 35


20 B. Schönhofer et. al.: Prolongiertes Weaning S2k-Leitlinie; (Hrsg.) Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin e.V. 2014, S. 35
21 vgl.J. Bickenbach et. al. 2018, S. 40

7
Maßnahmen zur Sekretentfernung aus den Atemwegen führen zu einer besseren
Sekretclearance. Zur Sekretverflüssigung sollte immer eine Anfeuchtung der
Atemgase erfolgen. In der modernen Beatmungsmedizin wird neben der
möglichen aktiven Befeuchtung die passive Befeuchtung eingesetzt. Durch HME-
Filter (Heat and Moisture Exchanger) wird dem Exspirationsgas Wärme und
Feuchte entzogen und dieses in der darauffolgenden Inspiration dem Atemgas
wieder zugeführt. Schwere Blutung oder massive Sekretproduktion sind relative
Kontraindikationen für HME-Filter. Außerdem können die Atemwege mit NaCl
angefeuchtet werden, um eingedicktes Sekret zu verflüssigen. NaCl sollte
verwendet werden, da es das physiologische Gleichgewicht der Schleimhaut
stabilisiert. Auch hochosmolare NaCl- Lösungen (3-7%) können mit Erfolg
eingesetzt werden, können aber einen Bronchospasmus auslösen. Daher
Vorsicht bei Patienten mit COPD.22 „Wichtig ist das korrekte endotracheale
Absaugen über Katheter“.23 Die Guidelines der American Association for
Respiratory Care empfiehlt ein Einführen des Absaugkatheters nur 1-2 cm über
die Spitze von Tubus oder Trachealkanüle hinaus. So kann peripher gelegenes
Sekret nicht erreicht werden, aber eine mögliche Blutung oder Entzündung der
Bronchialschleimhaut durch wiederholte Verletzungen mit Folge einer
vermehrten Sekretlast kann vermieden werden. Physiologisch nennen
Schönhofer et. al fünf Prinzipien zur Sekreteliminierung neben der
Pharmakotherapie. Vergrößerung des Intrathorakalen Volumens (Bagging oder
Air stacking), Verstärkung des maximalen exspiratorischen Flusses,
Sekretverflüssigung zum Beispiel durch Oszillationstherapie, Vergrößerung des
exspirierten Volumens und das Endotracheale Absaugen.24

2.5 Pulmonale Ermüdung während des Spontanatmungsversuchs (SBT)


erkennen und entsprechend reagieren
Beim Spontanatmungsversuch entscheiden die ersten 30 Minuten über Erfolg
und Scheitern. „Der positive Vorhersagewert für eine erfolgreiche Extubation
nach erfolgreichem SBT liegt über 80 % und ist in mehreren großen Studien
belegt, vorausgesetzt es bestehen keine anderen Kontraindikationen für eine

22 vgl.J. Bickenbach et. al. 2018, S. 41


23 J. Bickenbach et. al.: Weaning. Springer Verlag, Aachen 2018, S. 41
24 vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 41

8
erfolgreiche Extubation.“25 Kontraindikationen sind ausgeprägte
Sekretvermehrung und Atemwegsobstruktion oder der neurologische Status. In
diesem Zusammenhang gibt es jedoch einen Unterschied der
Spontanatmungsphasen im einfachen und prolongierten Entwöhnen. Im
einfachen Entwöhnen ist der SBT ein diagnostischer Test (30 min) zur
Beurteilbarkeit der Extubationsfähigkeit. Im prolongierten Entwöhnen dienen die
SBT (meist mehrere Stunden) im Wechsel mit Beatmungsphasen der
Rekonditionierung der Atempumpe. Der Spontanatmungsversuch wird anhand
den Parametern Atemfrequenz und dem Quotienten aus Atemfrequenz und
Tidalvolumen beurteilt.26 Der Quotient wird auch Rapid Shallow Breathing Index
(RSBI) genannt, welcher am Ende des SBT erhoben werden sollte, um eine
muskuläre Erschöpfung bestimmen zu können. Hierbei soll die Atemfrequenz
nicht über 35/ min liegen und der RSBI sollte nicht über 105/ min/ L sein. Weitere
Abbruchkriterien sind klinische Symptome wie Schwitzen, Unruhe, Atemnot und
ein Sättigungsabfall unter 90%. Scheitert der SBT wird die Beatmung fortgesetzt.
Ein erneuter SBT sollte möglichst täglich durchgeführt werden, um den frühesten
Zeitpunkt zur Extubation nicht zu verpassen.27

2.6 Strategien zur Prävention des Entwöhnungsversagen


In einer aktuellen Analyse von 393 beatmeten Patienten konnte gezeigt werden,
dass delirante Patienten ein doppelt so hohes Risiko für ein erschwertes
Entwöhnen hatten.28 Somit sind die Prävention und Behandlung des Delirs
relevant. Das Delir muss identifiziert werden und die potentiell auslösenden
Faktoren eliminiert werden. Risikofaktoren für ein Delir sind Elektrolytstörungen,
Infektionen, manifeste Hypoxämie durch zum Beispiel Anämie,
Entzugssyndrome und medikamenteninduzierte Delirien. Eine Übersedierung
muss vermieden werden und nicht-pharmakologische Therapiestrategien wie
Hilfen zur Reorientierung, Stabilisierung eines Tag- Nacht- Rhythmus und
physiotherapeutische Maßnahmen sind besonders relevant. Des Weiteren
funktioniert unser Diaphragma als Muskel im Sinne einer „Atempumpe“. Durch

25 B. Schönhofer et. al.: Prolongiertes Weaning S2k-Leitlinie; (Hrsg.) Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und
Beatmungsmedizin e.V. 2014, S. 35

26 vgl. B. Schönhofer et. al. 2014, S. 35

27 vgl. B. Schönhofer et. al. 2014, S. 35


28 vgl.J. Bickenbach et. al. 2018, S. 22

9
eine vollständige Inaktivität des Diaphragmas bei kontinuierlich kontrollierter
Beatmung kann ein Versagen der Atemmuskulatur entstehen mit Leitwerten der
Hyperkapnie und respiratorischen Azidose (bei akutem Auftreten). Das
sogenannte „ventilator induced diaphragmatic dysfunction“ (VIDD). VIDD tritt
nicht erst als Spätfolge einer Langzeitbeatmung auf, sondern lässt sich schon
sehr früh im Verlauf einer kritischen Erkrankung mit Beatmung nachweisen.
Bereits nach einer wenigen Tage andauernden Beatmungszeit lassen sich
muskelspezifische Atrophien durch eine Überbelastung feststellen. Demnach
muss eine Prävention des VIDD in der Frühphase einer kritischen Erkrankung
ansetzen. Schon eine Minute maximale inspiratorische Belastung des
Zwerchfells führt zu einer signifikanten Verletzung der Sarkomerstruktur, sowohl
bei gesunden als auch verstärkt bei Patienten mit einer COPD.29 Somit muss
frühzeitig das Zwerchfell mittels nicht- invasiver oder invasiver Beatmung
entlastet werden. Während der Beatmung sollte eine kontinuierliche, kontrollierte
Beatmung durch tägliche Aufwachphasen mit Spontanatemphasen angestrebt
werden.30

2.7 Weaningprotokolle
In den letzten Jahren sind Interventionen erkannt worden, die zu einer schnellen
und erfolgreichen Entwöhnung führten. Als solche gelten die Anwendung von
Protokollen zur Erfassung der Spontanatmungsaktivität, Protokolle zum
Management von Schmerz, Delir und Agitation sowie Protokolle zur
Frühmobilisation.31 Protokolle zur Erfassung der Spontanatmungskapazität sind
erwiesenermaßen sinnvoll bei Patienten der Entwöhnungskategorie eins und
zwei (einfaches und schwieriges Entwöhnen).32 Durch die Protokolle soll
frühzeitig die Entwöhnungsbereitschaft eines Patienten erkannt werden, um eine
rasche und sichere Beendigung der maschinellen Beatmung herbei zu führen.
Nach einer Studie von Girard wird gezeigt, dass die Anwendung eines
Entwöhnungs-Protokolls in Verbindung mit protokollbasierten Aufwachversuchen
im Vergleich zur alleinigen Anwendung des Entwöhn- Protokolls die
Beatmungsdauer, die beatmungsassoziierte Komplikationsrate sowie die

29 vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 22


30 vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 22
31 vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 24
32 vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 24

10
Krankenhaus -und ein- Jahres- Letalität reduzieren konnte.33 „So ist eine der
wesentlichen Erkenntnisse der letzten Jahre, dass die Verknüpfung dieser
Maßnahmen zu einem multimodalen Gesamtkonzept der Schlüssel zur
optimierten Entwöhnung von der Beatmung ist.“34. „Eine Vorreiterrolle für ein
Behandlungsbündel nimmt das „ABCDE-Bundle of critical Care“ ein.“35 Hier sind
protokollbasierte Aufwachversuche mit Spontanatmungsversuchen gekoppelt (A
Awakening und B Breath). Eine Auswahl mit günstigen und
situationsangepassten Pharmaka (C Choice of Drugs) sowie das tägliche D
Delirium- Monitoring und die Frühmobilisierung (E Early Mobilization).36 Im
prolongierten Entwöhnen haben alternativ zum Protokoll geführten Entwöhnen
das Niveau der klinischen Erfahrung im Behandlungsteam, die Entwicklung
individualisierter Behandlungskonzepte, strukturierte Visiten und gute
Personalausstattung einen hohen Stellenwert.37

2.8 Befragung mit individuellen Erfahrungen der Patienten


Während der Recherchen für diese Studienarbeit konnten vier Patienten befragt
werden, die auf der internistischen Intensivstation beatmet, entwöhnt und
extubiert worden sind. Fünf Fragen wurden erstellt, deren Antwort „wertvoll“ für
das Pflegepersonal sein werden. Zwei Patienten konnten kurz nach der
Extubation auf der Station befragt werden. Zwei weitere Patienten konnten nach
dem Krankenhausaufenthalt zu Hause erreicht werden. Die Patienten gaben
gerne Auskunft. Nachfolgend werden kurz und anonym die Krankengeschichten
der Patienten vorgestellt. Der erste Patient ist 59 Jahre alt und lag mit einer
idiopathisch, nekrotisierenden Pankreatitis über ein halbes Jahr auf der
Internistischen Intensivstation. Heute geht es ihm gut und er genießt den
Ruhestand. Seine Frau schrieb Tagebuch während der Zeit des
Krankenhausaufenthaltes. Der zweite Patient ist 64 Jahre alt, adipös und lag
weniger als zwei Wochen auf der internistischen Intensivstation im Rahmen einer
infektexazerbierten COPD. Die dritte Patientin ist stark adipös mit über 200 kg
Körpergewicht und rezidivierend auf der internistischen Intensivstation mit

33 vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 24


34 J. Bickenbach et. al.: Weaning. Springer Verlag, Aachen 2018, S. 24
35 J. Bickenbach et. al. 2018, S. 24
36 vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 24-25
37 vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 25

11
infektexazerbierter COPD. Der letzte Patient war aufgrund einer PCP-
Pneumonie 10 Tage tief sediert und beatmet auf der Intensivstation. Er ist 42
Jahre alt mit der Erstdiagnose HIV. Der Patient musste nicht lange vom
Respirator entwöhnt werden. Sobald die pulmonale Situation sich gebessert hat,
wurde er unter Sedierung extubiert bei vorhandenen Schutzreflexen und nach 30
Minuten Spontanatemphase. Er kann sich daher an wenige Situationen aus der
Beatmungsphase erinnern. Im weiteren Verlauf des Textes stehen die Antworten
zu den Fragen in der Reihenfolge der genannten Krankengeschichten, so kann
der Leser einen Bezug zu der jeweiligen Situation herstellen. Die erste Frage
befasst sich mit den allgemeinen Erinnerungen an die Zeit der Beatmung. Der
erste Patient schrieb, dass die Erinnerungen sehr verschwommen sind, es
fanden zwei Phasen der Beatmung statt, dazwischen lagen 11 Tage. Die
zeitlichen Abläufe und Erinnerungen, gemischt mit Alpträumen und Phantasien,
sind für ihn auch im Nachhinein schwer nachzuvollziehen. Er vermutet, dass die
Alpträume, in der keine Pfleger/innen vorkamen, in die Zeit der Beatmung fielen.
Die dritte Patientin erinnert sich positiv und gut an die Übungen mit der
Physiotherapeutin. Sie wusste die ganze Zeit, dass sie gut aufgehoben ist und
hat den Pflegern während der ganzen Zeit vertraut. Der vierte Patient kann sich
an nichts erinnern. Erst nach der Extubation an den extrem trockenen Mund und
das starke Durstgefühl. Die zweite Frage richtet sich an die Empfindungen der
Patienten während der raschen Umstellung von kontinuierlicher in die spontane
Beatmung. Der erste Patient erinnert sich daran, dass er nicht in der Lage war
zu sprechen, hatte aber keine ausreichende Information über die Ursache, dies
erfuhr er vom Logopäden. Es war eine Erleichterung wieder frei atmen zu
können. Der zweite Patient dachte er müsse sich freikämpfen um mehr Luft zu
erhalten. Die dritte Patientin meinte ebenfalls, dass sie sich durch das
eigenständige Atmen unabhängiger gefühlt hat. Sie hatte zu Beginn der
Spontanatemphasen immer die Angst, dass die Luft die sie einatmet nicht
ausreicht. Mir war es auch wichtig zu erfahren wie die Patienten das Absaugen
über den Trachealtubus oder Trachealkanüle empfanden. Obwohl es immer eine
sehr unangenehme Prozedur war, war es für den ersten Patienten dennoch eine
Erleichterung des Atmens nach jedem Absaugen. Es war sehr quälend, wenn der
Rachen voller Sekret war und das Atmen kaum noch möglich war. Hier hatte er
auch viele Alpträume mit Erstickungssituationen. Die dritte Patientin empfand das

12
Absaugen als ein fürchterliches Gefühl, doch sie wusste es musste sein. Die
vierte Frage beschäftigt sich mit den Handlungen des Pflegepersonals und
welche die Patienten als positiv empfunden haben während der
Entwöhnungsphase. Der erste Patient schrieb, dass das Pflegepersonal immer
sehr bemüht war. Im gesamten wurden sie als Ehepaar sehr unterstützt und
seiner Frau wurde alles ausreichend erklärt. Wenn er jemanden gebraucht habe,
war immer schnell Hilfe da. Der zweite Patient erwähnte einen Pfleger der
Intensivstation, der ihn motivierte sich aus dem Bett zu Mobilisieren und einen
Spaziergang über den Stationsflur zu machen, was ihm guttat. Außerdem stärkte
ihn das „gute Zureden“ während der Entwöhnungsphase. Die dritte Patientin
empfand die Berührungen der Physiotherapie als sehr wertvoll. So hat sie sich
vorher wie ein „Brett“ gefühlt und nach der Physiotherapie ihren Körper wieder
spüren können. Die Situation hat ihr Mut gegeben. Der vierte Patient empfand es
als positiv die Zusammenhänge der Beatmungsphase im Nachhinein erklärt
bekommen zu haben. In der letzten Frage geht es um die Auswirkungen der
Beatmungsphase für den weiteren Gesundheitsprozess im Umgang mit
alltäglichen Lebensangelegenheiten. Der erste Patient schrieb diese Antwort:
„Das Verständnis für von schweren Krankheiten betroffene Mitmenschen hat sich
geändert. Die Krankheit und der Verlauf selbst haben die Einstellung zum Leben
verändert, die Beatmung selbst tritt eher in den Hintergrund.“

2.9 Der Einfluss der Psyche auf ein erfolgreiches Entwöhnen


Im Folgenden wird eine Metaanalyse von insgesamt 15 qualitativen
Publikationen vorgestellt, die sich mit dem Einfluss der Psyche auf das
Entwöhnen befasst. Die Metaanalyse klassifiziert drei Themen. Die
Wahrnehmungen, Gefühle und Erfahrungen von Patienten während der
Entwöhnung. Den Einfluss von Pflegekräften bei der Entwöhnung und die
entscheidenden Faktoren für erfolgreiches Entwöhnen. Entwöhnen ist eine
stressvolle körperliche und psychische Erfahrung für die Patienten. Die
Ergebnisse zeigen, dass der mentale und emotionale Zustand den Erfolg oder
Misserfolg der Entwöhnung beeinflusst. Der Entwöhnungsprozess steht im
direkten Zusammenhang mit der emotionalen Sphäre und den Veränderungen in
der Patientenstimmung. Körperliche Symptome wie Müdigkeit und Dyspnoe sind
in diesem Zusammenhang nicht zu unterschätzen. Dyspnoe hat den größten

13
Effekt auf die Stimmung des Patienten, lässt Angst entstehen und bringt ein
Gefühl des Kontrollverlustes. Laut einer Studie von Wang et. al. litten beatmete
Patienten an körperlichen Problemen wie Schmerzen und Liegeprobleme und
psychisch an Gefühlen der Hilfslosigkeit, Passivität, Halluzinationen, Albträumen
und Bewusstseinsverlusten.38 Die Patienten müssen so stark wie möglich sein
um mit diesen negativen Erfahrungen leben zu können. Jubran et. al. beschreibt
Zorn und Hilfslosigkeit als Ursache depressiver Störungen, wenn Patienten
wissen, dass ihr Leben von einer Beatmungsmaschine abhängt.39 Depressionen
begünstigen die Abhängigkeit vom Ventilator, dies wiederum erhöht die
gegnerischen Gefühle und verschlechtert den Entwöhnungserfolg. Es kommt zu
dem Dilemma, dass Patienten den Trennungsversuch nicht wiederholen
möchten und dem gleichzeitigen Ärger über den Bedarf der
Beatmungsunterstützung. Diesbezüglich sind Situationen beschrieben, dass
Patienten von dem anfänglichen Angstgefühl weggehen und großen Respekt für
das medizinische Team haben. Cook et. al. beschreibt Patienten deren Reaktion
auf erfolgreiche Spontanatemphasen Hoffnung war. Jedoch in Verbindung mit
Hoffnungslosigkeit, die durch das Scheitern und der Angst vor Wiederholung
entsteht. Diese Gefühle der Hoffnungslosigkeit entstehen durch mangelnde
Kommunikation. Die Patienten fühlen sich nicht verstanden, wodurch Panik und
Frustration aufkommt. Sie sind erleichtert, wenn sie die Aufmerksamkeit der
Pfleger durch Gesten oder durch die Verwendung von Zeichen erlangen können.
Mithilfe ihrer Familienmitglieder konnten Patienten sich besser verständigen.
Somit lässt sich schlussfolgern, dass Sedierung, Schlafstörungen,
Halluzinationen, Durst, fehlende Gemeinschaft mit der Familie und
Kommunikationsschwierigkeiten den Wunsch verstärken aus dieser Situation zu
fliehen. Diese Gefühle wirkten sich so stark aus, dass drei Jahre nach der
Entlassung von der Intensivstation ein hohes Maß an Angst da war. 40 Der
folgende Abschnitt befasst sich mit dem Einfluss der Pflegekräfte auf die
Entwöhnung. Es wird darüber diskutiert, dass die Entwöhnung manchmal
dynamisch und manchmal kompliziert verläuft und inwieweit die Pflegekräfte

38
vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 67-68

39 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 67


40 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 67+75

14
darauf Einfluss haben. Viele Patienten sind durch die negativen Emotionen die
sie erleben dazu geneigt Schwierigkeiten, bis hin zum Entwöhnungsversagen, zu
bekommen. Patienten sehnen sich nach der Interaktion mit dem Pflegeteam und
empfinden Pflege und die Zeit der Vorbereitung dafür, als von großer Bedeutung.
Wenn das medizinische Personal dem Patienten mit Empathie begegnet, können
ihm die Gefühle der Einsamkeit und Ungewissheit abgenommen werden. So
können bessere Entwöhnungswerte erzielt werden. Cook et. al. betont wie
wichtig es für Pfleger ist, die Situation zu realisieren, welche die Patienten gerade
durchmachen.41 Wichtig ist es Interviews zu führen und die klinischen Dokumente
zu analysieren, um jeden Patienten genau zu kennen. Patienten erinnern sich an
die Pflegekraft als eine Figur der Unterstützung und Sicherheit, die bemüht ist,
alles Notwendige zu tun, um den Patientenkomfort während des Prozesses zu
gewährleisten. Die Pflegekräfte führen Interventionen durch, welche die
Patientensicherheit und die Wiederherstellung der Kraft fördern. Zum Beispiel die
Veränderung der Körperhaltung, die Förderung der Entspannung und der
Umweltgestaltung wie Temperatur- und Geräusche- Regelung und
Raumgestaltung durch Bilder. Die Nähe der Pflegekräfte schafft Vertrauen und
Wohlbefinden. Besonders in besorgniserregenden Situationen wie bei einem
Patienten mit Luftnot, bringt die Anwesenheit der Pflegekraft positive
Veränderung. Viele Studien beweisen die fehlende Betonung auf das Wirken der
Pflegekräfte.42 Die dritte Klassifizierung befasst sich mit den entscheidenden
Faktoren für erfolgreiches Entwöhnen. Die Literatur bestätigt, dass es wichtig ist
für eine erfolgreiche Entwöhnung einen Aktionsplan zu haben. 43 Diesen
basierend auf interdisziplinierendes Wissen, Forschung und
Teamkommunikation. Einige Studien sagen, da gibt es keine Indizien die den
Erfolg oder Misserfolg der Entwöhnung bestimmen. Es wurde beobachtet, dass
es Unterschiede gab, bei Menschen die kurz oder lang beatmet waren. Kurze
Beatmungszeiten ergaben ein kurzes und isoliertes Ergebnis und lange
Beatmungszeiten auch lange Entwöhnungsphasen mit mehreren Rückschlägen
und Unterbrechungen. Risikofaktoren für ein langes Entwöhnen sind: ein
schlechter Ernährungsstatus des Patienten (Albumin, Hb), Depressionen, kein

41 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 67


42 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 67+ 74-75
43 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 74-75

15
Nachtschlaf und daraus resultierend Müdigkeit und Energielosigkeit und die
negativen Gefühle der Patienten. Es wurde festgestellt, dass in dem Bezug zu
den negativen Gefühlen, die Unterstützung der Familie eine fundamentale Rolle
spielt, um dem Patienten Komfort zu geben. Sie erfüllen mit der Übernahme der
Verantwortung die Hoffnung auf eine baldige Entlassung. Die Gegenwart der
Familie stärkt die Fähigkeit des Patienten um mit der traumatischen Erfahrung
zurechtzukommen. Sie erhalten von der Familie Gefühle des Trostes und der
Ruhe, in einer Zeit, in der sie große Unsicherheit, Stress und Angst erleben. Nicht
nur Familie, sondern auch Religion und Spiritualität, Begegnungen mit geliebten
Menschen oder Personen aus der sie Optimismus und Trost gewinnen. Die
Patienten beschreiben die Selbstbeherrschung als Notwendigkeit, um sich vom
Beatmungsgerät zu lösen. In diesem Moment müssen sie so stark wie möglich
sein, eine positive Einstellung und Selbstvertrauen haben. Ein weiterer
vorherrschender Aspekt, der als schlimme Erfahrung bewertet wird, zusammen
mit Schmerzen, ist die Unfähigkeit zu kommunizieren. Die Patienten hielten die
Verwendung von Kommunikationshilfen für angemessen um effektiv zu
kommunizieren. Engström et. al. beschreibt eine Sicherheit und das Vertrauen
der Patienten in das Gesundheitsteam, wenn es durch Kommunikation zur
Beziehung zwischen Patienten und Pfleger kommt.44 Das trägt wesentlich zum
Erfolg der Entwöhnung bei. Die Patienten waren dankbar, als sie sich informiert
fühlten und wenn sie die Gewissheit hatten, dass in der Zeit, die sie ohne Hilfe
zu atmen versuchen mussten, sowohl die Beatmungsunterstützung, als auch die
Pflegekraft da sein würde. Mit anderen Worten, sie mussten wissen was vor sich
ging um sich dem zu stellen. Ebenso wird das Zuhören auf die Bedürfnisse der
Patienten als wesentlich angesehen, um das Gefühl zu schüren, Gesellschaft zu
haben und die Angst zu verringern, die durch die Entwöhnungssituation erzeugt
wird.45 Außerdem könnte die Ermutigung an die Familienmitglieder, sich aktiv zu
engagieren, die körperliche und emotionale Erfahrung der Patienten verbessern.
Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass die aktive Anwesenheit von
Familienmitgliedern dem Gesundheitsteam helfen kann, die Gefühle der Wut,
Verzweiflung, Angst und Traurigkeit der Patienten zu erkennen und so eine
gemeinsame Lösung zu erreichen. Pflegefachkräfte sind die Hauptakteure, die

44 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 75


45 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 67+ 74-75

16
die körperlichen Bedürfnisse der Patienten erfüllen wie die Befeuchtung des
Mundes, kontinuierliche und ordnungsgemäße Mundhygiene, Absaugen von
Sekreten und die psychologischen Bedürfnisse wie Unterstützung und Vertrauen.
Die Tatsache, dass der klinische Status und das Wissen um die
Krankengeschichte priorisiert werden, um therapeutische Maßnahmen
durchzuführen, könnte mit der übermäßigen Mechanisierung der
Gesundheitsversorgung zusammenhängen, was zu einem institutionalisierten
Verhalten von Krankenschwestern und Vernachlässigung menschlicher Aspekte
führt.46 Wir dürfen jedoch nicht vergessen, wie wichtig es ist, die Patienten
vollständig zu kennen, das heißt am Krankenbett und vor Ort. Dieser Ansatz
könnte Patienten daran hindern, Gefühle der Entmenschlichung oder
Entpersonalisierung zu erwähnen. Die Patienten sollten mehr Stimme und
Kontrolle über ihre Behandlung, Bedürfnisse oder Prioritäten auf der
Intensivstation haben. Mehrere Autoren sind sich darin einig, dass das Wesen
der Patienten erhalten werden muss und dass der Entwöhnungsprozess
personalisiert, die Entscheidungsfindung individualisiert und die Autonomie
gefördert werden muss.47 Die Autoren der Metaanalyse empfehlen eine
Standardisierung der Pflegepraxis während der Entwöhnung mittels
Entwöhnungsprotokoll. Auch die psychologischen und emotionalen Dimensionen
sollen im Entwöhnungsprotokoll ihren Platz haben. Darin enthaltene Punkte sind
die aktive Beteiligung der Familie, der Kommunikationsprozess zwischen
Pflegekraft und Patient und die Entspannung des Patienten zu fördern, durch die
Umfeldgestaltung. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass die
Pflegefachkräfte ihre Fähigkeit erkennen, die Entwicklung dieser Projekte
(Protokolle, Leitlinien für die klinische Praxis) zu leiten, um auf die Bedürfnisse
der Patienten und deren Familien zu reagieren. Die psychologische Betreuung
neben der körperlichen und technischen Betreuung schafft die ganzheitliche
Betreuung. Interventionsstudien sind notwendig, um die Versorgung und
Sicherheit zu verbessern.48

46 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 77


47 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 75-78
48 vgl. M.E. Merchán- Tahvanaine et.al. 2017, S. 78

17
3 Zusammenfassung und Fazit für die Praxis

Ich habe das Thema professionelles Entwöhnen vom Respirator gewählt. Aus
diesem Hauptthema ergaben sich drei aufeinander aufbauende
Forschungsfragen. Wie fühlt sich der Patient intubiert und flach sediert auf der
Intensivstation? Inwieweit hat die Psyche Einfluss auf ein erfolgreiches
entwöhnen? Wie kann das Pflegepersonal die Entwöhnung vom Respirator mit
den gewonnenen Erkenntnissen professionalisieren? Diese Fragen möchte ich
im folgenden Text beantworten. Zuerst möchte ich reflektieren wie die
Entwöhnung vom Respirator auf meiner internistischen Intensivstation mit sechs
Beatmungsplätzen verläuft und anhand der zusammengefassten und
evidenzbasierten Fakten mögliche Veränderungen präsentieren. Die Literatur
beschreibt drei Entwöhnungsgruppen: Das einfache, schwierige und prolongierte
Entwöhnen vom Respirator. Auf der Internistischen Intensivstation sind meist
Patienten der ersten und zweiten Entwöhnungskategorie. Evidenzbasiert sollte
bei diesen Patienten ein Entwöhnungsprotokoll von den Pflegefachkräften
genutzt werden. Dieses Protokoll sollte bei jedem beatmeten Patienten einmal
pro Schicht ausgefüllt und evaluiert werden. Beinhalten sollte das
Entwöhnungsprotokoll Kriterien zum Entwöhnungsbeginn, welche täglich
überprüft werden, damit so früh wie möglich mit der Entwöhnung begonnen
werden kann. Die Grunderkrankung soll sich gebessert haben oder behandelt
sein und die Körpertemperatur zwischen 36 bis 38,5 Grad sein. Der pH-Wert vom
Blut soll im Normbereich liegen und der Horovitz- Quotient größer 200mmHg. Die
Beatmungseinstellung gibt ein FiO2 kleiner 0.45 Prozent und einen PEEP von
kleiner 8mbar vor. Zur Kontrolle sollte auch ein Röntgen Thorax ohne
Kontraindikationen vorliegen. Das Entwöhnen basiert heutzutage meist aus einer
Mischung von zwei Verfahren, dem kontinuierlichen und diskontinuierlichen
Verfahren. Es gibt in der vorhandenen Literatur keine eindeutige Empfehlung
welches Verfahren von Vorteil ist. Bei Patienten mit besserer
Spontanatmungskapazität sollte ein diskontinuierliches Entwöhnungskonzept
durchgeführt werden. Das ist eine kontrollierte Beatmung mit Unterbrechung von

18
nicht assistierten Spontanatemphasen an der „feuchten Nase.“ Bei
langzeitbeatmeten Patienten basiert die Entwöhnung zum Teil auf der
assistierten Spontanatmung, da die Patienten keine ausreichende pulmonale
Muskelkraft für die nicht assistierte Spontanatmung vorweisen. Die
Spontanatemphasen dienen der Rekonditionierung der Atempumpe. Laut
Studienergebnissen schaffen assistierte Beatmungsformen meist keine
ausreichende Entlastung und führen im prolongierten Entwöhnen rasch zur
pulmonalen Erschöpfung. So kann im prolongierten Entwöhnen tagsüber
assistiert im „continuous positive airway pressure“ (CPAP-ASB) oder nicht
assistiert an der „Feuchten Nase“ trainiert werden, je nach pulmonaler
Muskelkraft des Patienten. Nachts oder auch tagsüber in Intervallphasen muss
zur Entlastung kontrolliert im „bilevel positiv airway pressure“ (BIPAP) beatmet
werden. In Kapitel 2.2 werden fortschrittlichere assistierte Modi wie PAV und
NAVA vorgestellt, welche die exakten Atembemühungen der Patienten ermitteln
und adäquat zur Zwerchfellmuskelaktivität Druckunterstützung applizieren. Diese
Modis sind für das prolongierte Entwöhnen sinnvoll, dass selten auf der
internistischen Intensivstation vorkommt. Eine Patientin erinnert sich während
der Spontanatemphase daran, dass sie nicht in der Lage war zu sprechen, hatte
aber keine ausreichende Information über die Ursache, dies erfuhr sie vom
Logopäden. So ist es wichtig die Patienten in der Spontanatemphase nicht alleine
zu lassen und ihnen die Situation in der sie sich befinden zu erklären. Patienten
nehmen die Spontanatemphasen teilweise als Erleichterung war in der wieder
frei geatmet werden kann oder andere haben das Gefühl sich freikämpfen zu
müssen um mehr Luft zu erhalten. Das Fachpflegepersonal hat die Aufgabe das
Bedürfnis der Patienten in der Spontanatemphase zu identifizieren. Dafür muss
die Pflegefachkraft nah am Patienten bleiben und 30 Minuten intensive
Betreuung investieren. Eine Patientin hatte zu Beginn der Spontanatemphasen
immer die Angst, dass die Luft die sie einatmet nicht ausreicht. Hier kann die
Pflegefachkraft mit beruhigender Art der Patientin erklären, dass die Angst
unbegründet ist, da die klinischen und technischen Überwachungswerte eine
ausreichende Luftzufuhr beweisen oder die Einstellung muss dem
Patientenbedarf angepasst werden. Auf der internistischen Intensivstation wird
der erste Spontanatemversuch mit Tubus meist mit dem assistierten CPAP-ASB
Beatmungsmodus durchgeführt. Die automatische Tubuskompensation (ATC)

19
an der Beatmungsmaschine ist ein großer Vorteil gegenüber der Spontanatmung
an der „Feuchten Nase“. Im einfachen Entwöhnen ist der Spontanatemversuch
ein diagnostischer Teil zur Beurteilbarkeit der Extubationsfähigkeit. Es reichen 30
Minuten spontanes Atmen. Nach jedem Spontanatmungsversuch sollte der RSBI
ermittelt werden um eine muskuläre Erschöpfung erkennen zu können.
Abbruchkriterien während der Spontanatemphase sind außerdem klinische
Symptome wie Schwitzen, Unruhe, Atemfrequenz über 35 Hübe/ min, Atemnot
und ein Sättigungsabfall unter 90 Prozent. Meines Erachtens ist es wichtig die
Entwöhnungskategorien zu kennen und sich als Pflegefachkraft daran zu
orientieren, wenn es um die Wahl des Entwöhnungsverfahren geht. Ich stelle fest,
dass die validierte Richmond Agitation Sedation Scala (RASS) nur selten in der
Intensivstation genutzt wird. Das ist auch deutschlandweit der Fall.49 Vor allem in
der Entwöhnungsphase ist die Verwendung jedoch von großem Nutzen um die
Sedierung so gering wie möglich zu halten. Die tiefe Analgosedierung erhöht die
Delirrate, verhindert das Spontanatmen und beeinflusst dadurch das Outcome
negativ.50 Die RASS sollte einmal pro Schicht ermittelt werden. Genauso wichtig
ist die Behaviour Pain Scala (BPS) um die Schmerzen des Patienten zu ermitteln
und folglich eine adäquate Analgesie zu erreichen. Nicht zu ignorieren sind die
täglichen Aufwachphasen, wenn folgende Kontraindikationen für eine
Sedierungspause nicht gegeben sind. Etwa eine inadäquate Schmerztherapie,
Hypothermie oder Fieber, Relaxation, Epileptische Anfälle in den letzten 12
Stunden oder der kardiogene Schock. Wichtig für den beatmeten Patienten ist
die Sekretentfernung aus den Atemwegen durch externen Eingriff. Zuvor muss
das Sekret verflüssigt und gelöst werden. Wie auch in der Leitlinie beschrieben
nutzen wir HME-Filter zum Befeuchten und Erwärmen der Atemluft. Beschrieben
wird ebenfalls in der Literatur das vernebeln mit NaCl Lösungen und zum
Sekretentfernen sollte endotracheal abgesaugt werden. Durch Sekret in den
Atemwegen entstehen beim Patienten viele Alpträume und Ängste zu ersticken.
Und obwohl das Absaugen eine sehr unangenehme Prozedur ist, ist es für die
Patienten eine Erleichterung des Atmens. Laut der Umfrage empfinden Patienten
es als quälend, wenn der Rachen voller Sekret und das Atmen kaum noch

49 vgl. B. Schönhofer et. al. 2014, S. 34


50 vgl. T.Barchfeld et.al. 2006, S. 619

20
möglich ist. „Absaugen ist ein fürchterliches Gefühl, doch es musste sein,“ wusste
eine Patientin. Wichtig ist das korrekte Absaugen über den Katheter. Die
Guidelines der American Association for Respiratory Care empfiehlt ein
Einführen des Absaugkatheters nur 1-2 cm über die Spitze von Tubus oder
Trachealkanüle hinaus. Das schützt den Patienten vor möglichen Verletzungen
und Blutungen mit Folge einer vermehrten Sekretlast. Außerdem soll nach den
Hygieneanweisungen des RKI abgesaugt werden. Beatmungstechnisch kann
ebenfalls laut Schönhofer et. al. Sekret eliminiert werden durch Vergrößerung
des Intrathorakalen Volumens mit Bagging oder Air stacking, die Vergrößerung
des exspirierten Volumens oder Sekretverflüssigung zum Beispiel durch
Oszillationstherapie.51 Hierrüber kann sich das Pflegefachpersonal weitere
Informationen und Handhabung einholen. Des Weiteren hat die Psyche des
Patienten hat einen selten erwähnten Einfluss auf die Entwöhnung. Die
folgenden Sätze beantworten meine Forschungsfrage inwieweit die Psyche
Einfluss auf die Entwöhnung hat. Die Entwöhnungsphase ist eine stressvolle
körperliche und psychische Erfahrung für die Patienten. Die Ergebnisse zeigen,
dass der mentale und emotionale Zustand den Erfolg oder Misserfolg der
Entwöhnung beeinflusst. Anhand Quantitativer Studien konnte bewiesen werden,
dass kurze Beatmungszeiten eine kurze Entwöhnungsphase prophezeit und
lange Beatmungszeiten demnach eine lange Entwöhnungsphase.52 Somit muss
frühzeitig mit der Entwöhnung begonnen werden. Weitere Risikofaktoren für ein
langes Entwöhnen sind ein schlechter Ernährungsstatus des Patienten,
Depressionen, kein Nachtschlaf und daraus resultierend Müdigkeit und
Energielosigkeit und die negativen Gefühle der Patienten. So sollte von Seiten
des Pflegefachpersonals der emotionale Zustand nicht außer Acht gelassen
werden, sondern vielmehr einen starken emotionalen Zustand hervorzurufen und
zu fördern. Den Patienten emotional zu begleiten, lassen Ungewissheit und
Einsamkeit verschwinden. Freundliche Gesten und eine positive Ausstrahlung
rufen gute Emotionen im Patienten hervor. Die Pflegekraft ist die Schlüsselrolle
im Erkennen der Bedürfnisse des Patienten und in der Verbesserung der
Kommunikation. Ausreichender Nachtschlaf für die Patienten, bekämpft die
negativen Gefühle des Patienten. Ebenso ein effektives Kommunikationssystem

51vgl. J. Bickenbach et. al. 2018, S. 41


52
vgl. Higgins 1998

21
zwischen Pflegefachkraft und Patient. Die Pflegefachkraft kann dem Patienten
mehr familiären Beistand bieten durch die familiären Beteiligung am
Entwöhnungsprozess zum Beispiel durch geplante Anwesenheit während den
Spontanatemphasen, oder der Unterstützung von den Angehörigen beim
Waschen der Mundhöhle, Unterstützung bei Haltungsveränderungen, Förderung
der Raum und Zeitorientierung durch individuelle Musik, Familienfotos und dem
Anbringen einer großen Uhr im Raum. Wichtig ist die offene Kommunikation
zwischen Pflegekraft und den Angehörigen des Patienten. Es ist bewiesen, die
körperliche, psychologische und technologische Betreuung ist wichtig, um eine
ganzheitliche Betreuung zu gewährleisten. Mein Fazit für diese Studienarbeit ist
das implementieren eines Entwöhnungsprotokoll, so erfährt der Patient eine
Kontinuität in seiner Entwöhnungsphase. Das ganze Pflegeteam „zieht am
selben Strang“. Selbst unerfahrene, neue Kollegen haben
Orientierungsrichtlinien. So kann ein professioneller und schneller Outcome
erreicht werden. Das Protokoll sollte die zuvor beschriebenen Punkte in Form
von Tabellen, Aufzählungen oder frei formulierten Berichten beinhalten. Die
Psyche hat laut der Metaanalyse von Merchán et. al. einen großen Einfluss auf
die Psyche und sollte mit den Punkten: Kommunikation, Verständnis,
Umweltgestaltung und Angehörigenintegration in den Pflegealltag,
vervollständigt werden. Dieses Protokoll sollte bei jedem beatmeten Patienten
einmal pro Schicht ausgefüllt werden. Beginnend in den ersten Tagen mit dem
abhacken der Entwöhnungskriterien, der täglichen RASS und BPS Einschätzung
und den täglichen Aufwachversuchen. Die weiteren Entwöhnungspunkte können
ab dem Beginn mit den Spontanatemphasen ausgefüllt werden. Dazu gehört das
ankreuzen des gewählten Entwöhnungsverfahren zwischen kontinuierlich oder
diskontinuierlich und die Dauer und Effektivität der Spontanatemphase mittels
RSBI, Herzfrequenz und Atemfrequenz nach 30 Minuten. Ich finde es wichtig,
dass ein Protokoll dem Pflegepersonal zur Hilfe dient. Das Protokoll sollte daher
eine einfache Handhabung, zur Erinnerung dienen und planorientiert sein. Die
täglichen Sedierungspausen und Spontanatemphasen können mit einem kurzen
Bericht eingeschätzt werden. Ein Bericht erhält die Individualität, grenzt die
technische Erfahrung nicht aus und hilft bei der Patientenübergabe. Dieses
Protokoll muss folglich erstellt und im Pflegealltag erprobt werden.

22
23
4 Literaturverzeichnis

Buch:

Bickenbach J., Marx G., Dreher M., Schönhofer B.: Weaning. Springer Verlag,
Aachen 2018

Zeitschriftenartikel aus dem Internet:

Merchán- Tahvanaine, M.E., Romero-Belmonte, C. Cundin- Laguna, M.


Basterra- Brun, P., San Miguel- Aguirre, A., Regaira- Martinez, E.:
Patients´experience during weaning of invasive mechanical ventilation: A review
oft the literature. In: Enfermeria Intensiva 2017; 28 (2), Seiten 64- 79

http://www.elsevier.es/ (26.06.19)

Barchfeld,T., Schönhofer, B.: Schwierige Entwöhnung vom Respirator:


Beatmung und weitere Strategien. In: Pneumologie 60, S. 616- 628

DOI 10.1055/s−2006−932215 (15.03.19)

K. Frank, U. Frank: Bagging und Air Stacking: Ein atemtherapeutischer Ansatz


für Patienten in der neurologischen Frührehabilitation. In: Pneumologie 2011; S.
314- 319

DOI http://dx.doi.org/10.1055/s-0030-1256181 (28.09.29)

Higgins, PA.: Patient perception of fatigue while undergoing long-term


mechanical ventilation: Incidence and associated factors, In: Heart & Lung 1998,
S. 177- 183

DOI https://doi.org/10.1016/S0147-9563(98)90005-X (15.09.19)


Internet:

Schönhofer, B. et. al., Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und


Beatmungsmedizin e.V. (Hrsg.): Prolongiertes Weaning S2k-Leitlinie; 2014

DOI http://dx.doi.org/ 10.1055/s-0033-1359038 (24.07.2019)

Abbildung 1 im Anhang:

https://www.bing.com/images/search?view=detailV2&ccid=%2bGMmbmRG&id=
22475C2C662B28180C3D0CEB51D51510DCAAFEF5&thid=OIP.-
GMmbmRGmQ4wNM0QA0ZgGAHaEp&mediaurl=https%3a%2f%2fwww.mana
gement-krankenhaus.de%2fsites%2fmanagement-
krankenhaus.de%2ffiles%2fimages%2fspecial%2f2484__original.jpg&exph=377
&expw=601&q=RASS+deutsch&simid=607987829961919414&selectedIndex=
2&ajaxhist=0 (25.08.19)

Abbildung 2 im Anhang:

https://www.bing.com/images/search?view=detailV2&ccid=%2bGMmbmRG&id=
22475C2C662B28180C3D0CEB51D51510DCAAFEF5&thid=OIP.-
GMmbmRGmQ4wNM0QA0ZgGAHaEp&mediaurl=https%3a%2f%2fwww.mana
gement-krankenhaus.de%2fsites%2fmanagement-
krankenhaus.de%2ffiles%2fimages%2fspecial%2f2484__original.jpg&exph=377
&expw=601&q=RASS+deutsch&simid=607987829961919414&selectedIndex=
2&ajaxhist=0 (25.08.19)
5 Anhang
5.1 Richmond- Agitation- Sedation- Skala (RASS)

Abbildung 1

1
5.2 Behavioral Pain Skala (BPS)

Abbildung 2

2
5.3 Abkürzungsverzeichnis mit Begriffserklärung
❖ Weaning: Entwöhnung vom Respirator
❖ mukoziliäre Clearance: vom respiratorischen Epithel getragener
Selbstreinigungsmechanismus der Bronchien.
❖ Sekretclearance: Sekretmanagement
❖ Sarkomerstruktur: Sarkomer ist die kleinste kontraktile Einheit des
Muskels
❖ infektexazerbiert: durch einen Infekt verschlechtert
❖ PCP: Pneumocystis-carinii-Pneumonie
❖ Tubuskompensation (ATC): Mit Hilfe dieser Funktion wird der
Beatmungsdruck an den Tubuswiderstand angepasst, um die Atemarbeit
für den Patienten zu erleichtern.
❖ RSBI: „Der Rapid Shallow Breathing Index ist ein Messwert, der das
Verhältnis der Tiefe von Atemzügen zur Frequenz beschreibt, indem er
den Quotienten von Atemfrequenz und Tidalvolumen bildet. Der Wert wird
umso größer, je schneller und flacher die Atmung ist.“53 RSBI = f / VT (z.
B. 45 Atemzüge / Min und Atemzugvolumen 250 ml); RSBI = 45 / 0,25 l =
180. Bei einem RSBI > 105 ist eine Extubation nicht sinnvoll.
❖ Horovitz- Qoutient: „Der sogenannte Oxygenierungsindex dient der
Beurteilung der Oxygenierungsfunktion der Lunge, d.h. ihrer Fähigkeit,
das durch sie fließende Blut mit Sauerstoff aufzusättigen. Hierzu muss
man z.B. mittels einer Blutgasanalyse den arteriellen
Sauerstoffpartialdruck (paO2) im Blut bestimmen und diesen dann durch
die inspiratorische Sauerstoffkonzentration, d.h. die
Sauerstoffkonzentration der Einatemluft (FiO2), dividieren.“54 „Unter
Raumluft ergibt sich beim Lungengesunden ein Quotient von ca.
500mmHg (= 100mmHg /0,21). Beim Akut respiratory Distress Syndrom
(ARDS) werden nach der Berlin-Definition (2011) anhand dieses
Quotienten drei Schweregrade unterschieden: mild: Horovitz- Quotient
201 – 300mmHg; moderat: Horovitz- Quotient 101 – 200mmHg; schwer:
Horovitz- Quotient ≤ 100mmHg. Beispielrechnung: paO2 ist 60mmHg;

53 Wikipedia: Rapid Shallow Breathing Index, https://de.wikipedia.org/wiki/Rapid_Shallow_Breathing_Index (27.8.19)


54 Doc Check Flexikon: Oxygenierungsindex, https://flexikon.doccheck.com/de/Oxygenierungsindex (27.08.19)

3
FiO2 ist 0,6% (Beatmung mit 60% Sauerstoff); 60 / 0,6 = 100mmHg
(hinweisend auf einen schweren Lungenschaden, z.B. ARDS).“55
❖ Bagging: „Bei der Methode des „Bagging“ (Bag = Beutel) wird dem
Patienten mit Hilfe eines herkömmlichen Beatmungsbeutels
atemsynchron während der Inspiration zusätzlich Luft in die Atemwege
insuffliert. Wichtig hierbei ist, dass der Patient zunächst selbst die
Inspiration einleitet und die Insufflation dann direkt auf die Inspiration
„aufgesetzt“ wird. Durch die entstehende Atemvolumenerhöhung werden
minderbelüftete Areale und Atelektasen rekrutiert, die dann am
Gasaustausch wieder teilnehmen und den Rechts-Links-Shunt
vermindern können. Durch die Aktivierung zusätzlich belüfteter Areale
wird das Sauerstoffangebot erhöht und die Kontaktzeit in der Alveole
verlängert. Auch kann sich die insufflierte Luft distal des Sekrets platzieren
und ist so in der Lage, während der Exspiration den Sekrettransport
oralwärts zu unterstützen. Nach einigen Bagging- Intervallen, deren Länge
bzw. Häufigkeit individuell an den Patienten anzupassen ist, erfolgt eine
verbale Aufforderung zum aktiven Abhusten des so mobilisierten
Sekretes.“56
❖ Air Stacking: „Hier werden mehrere Inspirationen mit dem
Beatmungsbeutel unterstützt, ohne dass zwischenzeitlich eine Exspiration
erfolgt. Die aufeinander „gestapelten“ Inspirationen dienen der maximalen
Blähung des Lungengewebes. Man beginnt mit wenigen „gestackten“
Inspirationen, bevor es zur manuellen Hustenunterstützung kommt. Die
Steigerungen müssen individuell angepasst werden. Durch das Air
Stacking wird der intra-pulmonale Druck erhöht und der Hustenstoß kräftig
und effektiv.“57

55 Doc Check Flexikon: Oxygenierungsindex, https://flexikon.doccheck.com/de/Oxygenierungsindex (27.08.19)


56
K. Frank: Bagging und Air Stacking: Ein atemtherapeutischer Ansatz für Patienten in der neurologischen
Frührehabilitation. 2011; S. 316
57 K. Frank: Bagging und Air Stacking: Ein atemtherapeutischer Ansatz für Patienten in der neurologischen
Frührehabilitation. 2011; S. 316-317

4
5.4 Datenerhebungsmethode für die Befragung
Wie vom Datenschutzbeauftragten empfohlen, halte ich mich bei meiner
Forschung in Bezug auf personenbezogene Daten an die DSGVO.

A) Welche Patienten werden befragt?

Ich möchte Patienten befragen, die gute Voraussetzungen für eine rasche
Genesung mitbringen. Dies schließt vor allem vor dem Krankenhausaufenthalt
selbstständige und kognitiv fitte Patienten mit ein. Meine Forschung richtet sich
vor allem an Patienten jüngeren Alters und bezieht sich nur auf die Entwöhnung
vom Respirator von endotracheal intubierten Patienten.

B) Die folgenden Patientendaten werden notiert:

Patientenalter, Beatmungsdauer in Tagen, im idealen Fall eine Auflistung der


sedierenden und analgosedierenden Medikamente.

C) Wie komme ich an die Patientendaten?

Die Medikamentenauflistung, das Patientenalter sowie die Beatmungsdauer in


Tagen, entnehme ich aus der jeweiligen Patientenakte.

D) Wann und in welchem Umfeld werden die Patienten befragt?

Die Befragung muss so erfolgen, dass die Persönlichkeitsrechte des Patienten


gewahrt bleiben (Art. 6 i.V.m. Art. 32 DSGVO) – z.B. in einem persönlichen
Interview (Vier-Augen -Prinzip) oder der Patient kann in einem idealen Fall den
Fragenbogen unbeaufsichtigt ausfüllen. Die Befragung ist pseudonymisiert /
anonymisiert. So muss kein Aufwand bzgl. der Aufklärung in der Einwilligung
betrieben werden. Die Anonymisierung ist das Verändern personenbezogener
Daten so, dass diese Daten nicht mehr einer Person zugeordnet werden können.
Bei der Pseudonymisierung wird der Name oder ein anderes
Identifikationsmerkmal durch ein Pseudonym (zumeist eine mehrstellige
Buchstaben- oder Zahlenkombination, auch Code genannt) ersetzt, um die
Feststellung der Identität des Betroffenen auszuschließen oder wesentlich zu
erschweren (siehe § 3 Abs. 6a BDSG bzw. entsprechendes Landesrecht).

E) Wie werden die Fragebögen aufbewahrt?

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Die Bögen werden schriftlich gesammelt und in einem Ordner auf der
Medizinischen Intensivstation im Gemeinschaftsklinikum Kemperhof hinterlegt.

F) Wie werden die Daten ausgewertet?

Die Auswertung findet schriftlich am privaten Notebook statt. Dieser ist


passwortgeschützt und wird nur von einer Person genutzt.

G) Wie werden die Daten vor dem Zugriff Dritter geschützt? Wann werden die
Daten gelöscht?

Die Fragebögen sind anonymisiert und sind daher im Bezug auf die
Persönlichkeitsrechte sicher vor dem Zugriff Dritter geschützt. Die Fragebögen
sowie die schriftliche Auswertung bleiben bis auf weiteres in der Studienarbeit
erhalten.

6
5.4.1 Fragebogen 1
Dieser Fragebogen wurde per E-Mail beantwortet. Es wurde nichts dazugeschrieben oder verändert. Auch
Rechtsschreibfehler wurden nicht korrigiert.

Patientenalter: 59

Beatmungsdauer in Tagen:

Auflistung der analgosedierenden Medikamente:

1. Haben Sie Erinnerungen an die Zeit der Beatmung, welche?

Die Erinnerungen sind sehr verschwommen, es fanden ja zwei Phasen der Beatmung statt, dazwischen
lagen 11 Tage. Die zeitlichen Abläufe und Erinnerungen, gemischt mit Alpträumen und Phantasien, sind mir
auch im Nachhinein schwer nachzuvollziehen. Ich vermute, dass die Alpträume, in der keine Pfleger
vorkamen, in die Zeit der Beatmung fielen.
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2. Wie empfanden Sie die rasche Umstellung von kontinuierlicher in die spontane Beatmung?

Ich erinnere mich daran, dass ich nicht in der Lage war zu sprechen hatte aber keine ausreichende
Information über die Ursache, dies erfuhr ich vom Logopäden. Es war eine Erleichterung wieder frei atmen
zu
können.______________________________________________________________________________
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______________________________________________________________

3. Wie empfanden Sie das Absaugen über den Trachealtubus?

Obwohl es immer eine sehr unangenehme Prozedur war, war es dennoch eine Erleichterung des Atmens
nach jedem Absaugen. Es war sehr quälend, wenn der Rachen voller Sekret war und das Atmen kaum noch
möglich war. Hier hatte ich auch viele Alpträume mit Erstickungssituationen.
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4. Welche Handlungen des Pflegepersonals haben Sie als positiv empfunden während der
Entwöhnungsphase?

Das Pflegepersonal war immer sehr bemüht und hat uns immer sehr unterstützt und meiner Frau alles
erklärt. Wenn ich jemanden gebraucht habe war immer schnell Hilfe da.
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5. Welche Auswirkungen hatte im Nachhinein die Beatmungsphase für ihren weiteren Gesundheitsprozess
im Umgang mit alltäglichen Lebensangelegenheiten?

Das Verständnis für von schweren Krankheiten betroffene Mitmenschen hat sich geändert. Die Krankheit
und der Verlauf selbst hat die Einstellung zum Leben verändert, die Beatmung selbst tritt eher in den
Hintergrund.___________________________________________________________________________
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5.4.2 Fragebogen 2

8
5.4.3 Fragebogen 3

9
5.4.4 Fragebogen 4

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11
6 Eidesstattliche Erklärung

Ich versichere, dass ich die vorliegende Studienarbeit selbstständig verfasst,


keine anderen als die angegebenen Hilfsmittel verwandt und die Passagen, die
anderen Werken im Wortlaut oder dem Sinne nach entnommen sind, mit
Quellenangaben kenntlich gemacht habe.

Straßenhaus, den 16.09.2019

Unterschrift:

12
7 Einverständniserklärung

Ich bin damit einverstanden, dass meine Studienarbeit in der Bibliothek der
Weiterbildungsstätte für Intensivpflege des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein
ausgestellt und an interessierte Personen verliehen wird.

Straßenhaus, den 16.09.2019

Unterschrift:

13