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IV.

Auswertung
Messergebnisse
Am Beispiel des ersten Durchgangs wird der Rechenweg dargestellt. Mithilfe der
Druckmessungen 𝑝1, 𝑝2 und dem bekannten Volumen 𝑣1 des Kolbens lässt sich das Volumen
𝑣2 der Apparatur berechnen:
𝑣1 ⋅ 𝑝1
𝑣2 = − 𝑣1
𝑝2
1125000 [𝑚𝑚3 ] ⋅ 753 [Torr]
𝑣2 = − 1125000 [𝑚𝑚3 ] = 250203 [𝑚𝑚3 ]
616 [Torr]

Bevor das Volumen 𝑣3 der Gasflasche bestimmt wird, muss die Höhenänderung ∆ℎ des
Quecksilbermeniskus im Quecksilber-U-Rohr-Manometer und die daraus resultierende
Volumenänderung ∆𝑣 beachtet werden:
∆𝑣 = 𝜋 ⋅ 𝑟 2 ⋅ ∆ℎ
∆𝑣 = 𝜋 ⋅ (4,5 [𝑚𝑚])2 ⋅ 78 [𝑚𝑚] = 4962 [𝑚𝑚3 ]

Erst danach ist das gesuchte Volumen 𝑣3 zu bestimmen:


𝑣3 = 𝑝1 ⋅ 𝑣1 ⋅ (𝑝3 −1 − 𝑝2 −1 ) + ∆𝑣
𝑣3 = 753 [Torr] ⋅ 1125000 [𝑚𝑚3 ] ⋅ ((570 [Torr])−1 − (616 [Torr])−1 ) + 4962 [𝑚𝑚3 ]
= 432153 [𝑚𝑚3 ]

1 2 3 4 5 6

𝒑𝟏 in [Torr] 773 – 20 647 – 149 662 – 135 699 – 98 662 – 131 702 – 96
= 753 = 498 = 527 = 601 = 531 = 606

𝒑𝟐 in [Torr] 706 – 90 604 – 192 617 – 181 646 – 150 619 – 177 649 – 149
= 616 = 412 = 436 = 496 = 442 = 500

𝒑𝟑 in [Torr] 638 – 168 559 – 238 568 – 229 593 – 205 572 – 226 594 – 204
= 570 = 321 = 339 = 388 = 346 = 390

𝒗𝟏 in [𝒎𝒎𝟑 ] 1125000

𝒗𝟐 in [𝒎𝒎𝟑 ] 250203 234830 234805 238155 226527 238500

∆𝒉 in [mm] 78 46 48 55 49 55

r in [mm] 4,5

∆𝒗 in [𝒎𝒎𝟑 ] 4962 2926 3054 3499 3117 3499

𝒗𝟑 in [𝒎𝒎𝟑 ] 432153 388423 392142 382934 378107 392520

𝒗𝟑 ohne ∆𝒗 in [𝒎𝒎𝟑 ] 427191 385497 389089 379435 374990 388384

Relative Fehler 1,15 0,75 0,78 0,91 0,82 1,05


ohne ∆𝒗 in [%]
Der arithmetische Mittelwert von 𝑣3 entspricht mit der höchsten Wahrscheinlichkeit dem
wahren Wert:
∑𝑛𝑖=1 𝑥𝑖
𝑥=
𝑛
432153 [𝑚𝑚3 ] + 388423 [𝑚𝑚3 ] + 392142 [𝑚𝑚3 ] + 382934 [𝑚𝑚3 ] + 378107 [𝑚𝑚3 ] + 392520 [𝑚𝑚3 ]
𝑣3 =
6
3
= 394380 [𝑚𝑚 ]

Falls die zuvor erwähnte Volumenänderung ∆𝑣 nicht miteinbezogen wird, verändert sich der
arithmetische Mittelwert:
𝑣3 𝑜ℎ𝑛𝑒 = 390764 [𝑚𝑚3 ]

394380 [𝑚𝑚3 ]−390764 [𝑚𝑚3 ]


Dabei beläuft sich der relative Fehler auf = 0,92%.
394380 [𝑚𝑚3 ]

Die Standardabweichung 𝜎𝑣3 der Messergebnisse 𝑣3 gibt deren Streubereich an.

∑𝑛 (𝑥 − 𝑥𝑖 )2
𝜎𝑥 = √ 𝑖=1
𝑛−1

∑6𝑖=1(𝑣3 − 𝑣3 𝑖 )2
𝜎𝑣3 = √ = 19321 [𝑚𝑚3 ]
5

Damit ist es möglich, die Standardabweichung 𝜎𝑣3 des arithmetischen Mittelwerts zu erhalten:
𝜎𝑥
𝜎𝑥 =
√𝑛
𝜎𝑣3 19321 [𝑚𝑚3 ]
𝜎𝑣3 = = = 7888 [𝑚𝑚3 ]
√𝑛 √6
Schließlich erfolgt die Angabe des Endergebnisses. Zu 95,54% befindet sich der wahre Wert
im folgenden Intervall:
𝑣3 ± 2 ⋅ 𝜎𝑣3 = 394380 [𝑚𝑚3 ] ± 15776 [𝑚𝑚3 ]

Maximaler Fehler einer Druckmessung:


Für die Berechnung des maximalen Fehlers einer Druckmessung 𝑝𝑖 ist zunächst festzustellen,
dass eine Druckmessung 𝑝𝑖 aus zwei Einzelmessungen 𝑝𝑙𝑖𝑛𝑘𝑠 und 𝑝𝑟𝑒𝑐ℎ𝑡𝑠 besteht, die jeweils
mit einem Fehler von einem Torr behaftet sind:
𝑝𝑖 = 𝑝𝑙𝑖𝑛𝑘𝑠 − 𝑝𝑟𝑒𝑐ℎ𝑡𝑠 mit ∆𝑝𝑙𝑖𝑛𝑘𝑠 = ∆𝑝𝑟𝑒𝑐ℎ𝑡𝑠 = 1 [Torr]
Demensprechend gilt für den maximalen Fehler einer Druckmessung:
𝜕𝑝𝑖 𝜕𝑝𝑖
∆𝑝𝑖 𝑚𝑎𝑥 = | ⋅ ∆𝑝𝑙𝑖𝑛𝑘𝑠 | + | ⋅ ∆𝑝𝑟𝑒𝑐ℎ𝑡𝑠 | = |1 ⋅ 1[Torr]| + |−1 ⋅ 1[Torr]| = 2 [Torr]
𝜕𝑝𝑙𝑖𝑛𝑘𝑠 𝜕𝑝𝑟𝑒𝑐ℎ𝑡𝑠

Dasselbe gilt für den Fehler der Höhendifferenz ∆(∆ℎ), weil die Höhendifferenz ∆ℎ ebenfalls
aus zwei Einzelmessungen mit einem jeweiligen Fehler von einem Torr besteht.
Mittlerer Fehler von 𝑣3 :
Für das Volumen 𝑣3 gilt:
𝑣3 = 𝑝1 ⋅ 𝑣1 ⋅ (𝑝3 −1 − 𝑝2 −1 ) + 𝜋 ⋅ 𝑟 2 ⋅ ∆ℎ

Sie ist also von vier Größen mit jeweils einem eigenen Fehler abhängig:
2 2 2 2
𝜕𝜎𝑣3 𝜕𝜎𝑣 𝜕𝜎𝑣 𝜕𝜎𝑣
∆𝑣3 (𝑝1 , 𝑝2 , 𝑝3 , ∆ℎ) = √( ⋅ ∆𝑝1 ) + ( 3 ⋅ ∆𝑝2 ) + ( 3 ⋅ ∆𝑝3 ) + ( 3 ⋅ ∆(∆ℎ))
𝜕𝑝1 𝜕𝑝2 𝜕𝑝3 𝜕∆ℎ

= √(𝑣1 ⋅ (𝑝3 −1 − 𝑝2 −1 ) ⋅ ∆𝑝1 )2 + (−𝑝1 ⋅ 𝑣1 ⋅ (𝑝3 −2 ) ⋅ ∆𝑝2 )2 + (𝑝1 ⋅ 𝑣1 ⋅ (𝑝2 −2 ) ⋅ ∆𝑝3 )2 + (𝜋 ⋅ 𝑟 2 ⋅ ∆(∆ℎ))2

Weil alle Messwerte mit demselben Quecksilber-U-Rohr-Manometer vernommen wurden, sind


ihre Fehler gleich:
∆𝑝1 = ∆𝑝2 = ∆𝑝3 = ∆(∆ℎ) = 2 [Torr]

Anhand des ersten Durchgangs wird die Fehlerrechnung gezeigt:


∆𝑣3
= √(1125000 [𝑚𝑚3] ⋅ ((570 [Torr])−1 − (616 [Torr])−1 ) ⋅ 2 [Torr])2 + (−753 [Torr] ⋅ 1125000 [𝑚𝑚3 ] ⋅ ((570 [Torr])−2 ) ⋅ 2 [Torr])2 + (753 [Torr] ⋅ 1125000 [𝑚𝑚3 ] ⋅ ((616 [Torr])−2 ) ⋅ 2 [Torr])2 + (𝜋 ⋅ (4,5 [𝑚𝑚])2 ⋅ 2 [Torr])2

= √86890 [𝑚𝑚6 ] + 27192903 [𝑚𝑚6 ] + 19935730 [𝑚𝑚6 ] + 16189 [𝑚𝑚6 ] = 6872 [𝑚𝑚3 ]

Zum absoluten mittleren Fehler wird der entsprechende relative Fehler folgendermaßen
bestimmt:
∆𝑣3 6872 [𝑚𝑚3 ]
= = 0,0174
𝑣3 394380 [𝑚𝑚3 ]

Um die jeweiligen Auswirkungen der einzelnen Messwerte auf den mittleren Fehler von 𝑣3 zu
ermitteln, muss die vorangegangene Gleichung quadriert werden. Dadurch erhält man die
absoluten Anteile der Messungen am quadrierten mittleren Fehler:
86890 [𝑚𝑚6 ] + 27192903 [𝑚𝑚6 ] + 19935730 [𝑚𝑚6 ] + 16189 [𝑚𝑚6 ] = 47231711 [𝑚𝑚6 ]

Nun ist es möglich, die relativen Anteile von den einzelnen Summanden an der Summe zu
berechnen.
1 2 3 4 5 6

𝒑𝟏 in [Torr] bzw. in [mm] 753 498 527 601 531 606

Absoluter mittlerer Fehler ∆𝒗𝟑 in 6872 12816 12148 10607 11790 10570
[𝒎𝒎𝟑 ]

Relativer mittlerer Fehler in [%] 1,74 3,25 3,08 2,69 2,99 2,68

Summe der absoluten Anteile 47231711 164238463 147564962 112507025 139008258 111735459
in [𝒎𝒎𝟔 ]

Absoluter Anteil von ∆𝒑𝟏 in [𝒎𝒎𝟔 ] 86890 2396864 2180400 1594358 1994852 1610947

Relativer Anteil von ∆𝒑𝟏 in [%] 0,18 1,46 1,48 1,42 1,44 1,44
Absoluter Anteil von ∆𝒑𝟐 in [𝒎𝒎𝟔 ] 27192903 118250665 106460248 80683936 99597785 80362207

Relativer Anteil von ∆𝒑𝟐 in [%] 57,57 72 72,14 71,71 71,65 71,92

Absoluter Anteil von ∆𝒑𝟑 in [𝒎𝒎𝟔 ] 19935730 43574745 38908126 30212542 37399432 29746116

Relativer Anteil von ∆𝒑𝟑 in [%] 42,21 26,53 26,34 26,85 26,9 26,62

Absoluter Anteil von ∆(∆𝒉) in [𝒎𝒎𝟔 ] 16189 16189 16189 16189 16189 16189

Relativer Anteil ∆(∆𝒉) in [%] 0,03 0,01 0,01 0,01 0,01 0,01

V. Diskussion der Ergebnisse und Fehlerbetrachtung


Zunächst gilt es mit dem Ausreißertest zu überprüfen, ob ein Messwert eine zu große
Abweichung aufweist. Lediglich das Volumen 𝑣3 des ersten Durchgangs liegt außerhalb der
4𝜎-Schranke:
𝑣3 + 4 ⋅ 𝜎𝑣3 = 425932 [𝑚𝑚3 ] < 𝑣3 = 432153 [𝑚𝑚3 ]

Folglich soll der erste Durchgang als ein Ausreißer betrachtet werden. Neben dem Volumen
𝑣3 weichen die anderen Werte im ersten Durchgang von den anderen ab. Deutlich zu erkennen
ist dies an den Anteilen der einzelnen Messwerte am mittleren Fehler ∆𝑣3 .
Zudem fällt auf, dass beim ersten Durchgang der relative mittlere Fehler mit 1,74% am
kleinsten ist. Generell ist zu beobachten: Je größer der Ausgangsdruck 𝑝1 ist, desto kleiner wird
der mittlere Fehler. Dabei ist der Ausgangsdruck 𝑝1 des ersten Durchgangs mit Abstand am
größten.
Hieran ist ein verbesserungswürdiger Aspekt der Methodik in diesem Versuch zu erkennen:
Durchgang drei (𝑝1 = 527 [Torr]) und fünf (𝑝1 = 531 [Torr]) und Durchgang vier
(𝑝1 = 601 [Torr]) und sechs (𝑝1 = 606 [Torr]) ähneln sich. Die verschiedenen
Ausgangsdrücke 𝑝1 sollten besser verteilt werden.
Außerdem ist in der Aufgabenstellung gefordert, dass die Ausgangsdrücke größer als 500 Torr
sein sollen. Der zweite Durchgang erfüllt diese Anforderung mit 𝑝1 = 498 [Torr] knapp nicht.
Im Allgemeinen sind die mittleren Fehler ∆𝑣3 mit ungefähr 3% klein. Dabei fallen die Fehler
der Messungen unterschiedlich stark ins Gewicht, obwohl sie mit 2 [Torr] gleich groß sind.
Der Fehler ∆(∆ℎ) der Höhendifferenz ist mit einem Anteil 0,01% vernachlässigbar klein und
der Fehler der ersten Druckmessung ∆𝑝1 hat mit ca. 1,4% auch keinen großen Einfluss. Mit
rund 72% besitzt der Fehler ∆𝑝2 den größten Anteil, während der Fehler ∆𝑝3 der dritten
Messung ebenfalls stark beeinflusst.
Erwähnenswert ist, dass mit Hilfe der Pumpe kein komplettes Vakuum erzeugt werden kann.
Im Endeffekt variierte der Druck bei jeder Evakuierung, was zu weiteren Ungenauigkeiten der
Ergebnisse führen kann.

Anhang:
● Messprotokoll
Mit den unterschiedlichen Ausgangsdrücken 𝑝1 sind unterschiedlich viele Gasteilchen in der Apparatur.
Dementsprechend sind die Durchgänge untereinander nicht vergleichbar, weil die Voraussetzung für
das Boyle-Mariotte’sche-Gesetz eine konstante Stoffmenge und Temperatur ist. Deshalb lässt sich das
Boyle-Mariotte’sche-Gesetz mit diesem Versuch nicht überprüfen, sondern stellt die Grundlage hierfür
dar.