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THE

NEW YORK PUBLIC LIBRARY


Astor, Lenox and Tilden Foundations

PRESENTED BY

SARAM R. ELLISON, M.D.


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NATURAT, MAGIC OF ALT, "TIMES AND NATTONS

A complete collection of sur

prising and remarkable tricks in Phys


ics, Chemistry, Optics, Mechanics, Math
ematics et C.

after

Philadelphia, Bosco, Petorelli, Comte,

Dobler, Becker and others.

C, F, TIETSCHNTER

With 65 illustrations
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- Die natürliche

B außer lä unft
aller Zeiten und Mlationen
in

einer vollständigen Sammlung der überraschendsten, bewun


derungswürdigsten und belehrendsten Kunststücke aus der
Physik, Chemie, Optik, Mechanik, Mathematik und Experi
mentierkunst
tach

Philadelphia, Bosco, Petorelli, Comte, Döbler, Becker


und Anderen.

Von

G. J. Leischner.

Elfte Auflage.

Mit 63 in den Text eingebrachten Abbildungen.“ * * *

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Weimar, 1886.
Bernhard Friedrich Voigt.

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PUBLIC LIBRARY
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Die geheimen Wiffenschaften der Charlatanerie, die


Geisterfurcht, den Aberglauben und falschen Wahn zu ent
schleiern,–durch unwiderlegbare Thatsachen nachzuweisen,daß
alle Verblendungen und Gaukeleien der früheren Jahrhunderte,
alle sonst als Zauberei verschrieenen und den Eingebungen
böser Geister zugeschriebenen, bewunderungswürdigen Wir
kungen nur dem Einfluffe der Chemie, der Naturkünste, der
Mechanik c., beizulegen sind, – die Hilfsmittel auseinander
zusetzen, womit das Genie und die Geschicklichkeit des Men
fchen die verborgenen Kräfte der Natur zu benutzen verstand,
um Wirkungen hervorzubringen, die an das Unbegreifliche
grenzen, – dies ist der Zweck, welchen wir bei der Heraus
gabe und Bearbeitung dieses Werkes mit Beharrlichkeit ver
folgt haben. . . . . . . . .. . .. "
Durch eine möglichstzusammengedrängte instruktive Ein
leitung über alle Branchen, in welche die ehemalige Zauber
kunst und Magie, sowie die Taschenspielerkunst, Mechanik,
Optik und Physik neuerer Zeitzerfällt, und durch eine reich
haltige Darstellung einer großen Anzahl der vorzüglichsten
Zauberkunststücke haben wir das Nützliche und Belehrende
mit dem Angenehmen zu verbinden gesucht.
- VI -

Durch diese Vereinigung und eine äußerst behutsam


geprüfte Auswahl der angenehmsten und zugleich einer leichten
Ausführung fähigen Experimente ist es uns gelungen, auf
einem kleinen Raume viel Schönes und eine wahre Elite
der ansprechendsten Kunststücke zu liefern.
Bei der Einteilung des Ganzen und besonders bei der
Klafifikation der Belustigungen find wir nach und nach vom
Leichtem zum Schweren übergegangen, wobei wir jedoch die
jenigen, welche in direktem Bezug auf Chemie, Optik und
Physik stehen, nicht miteinander vermengt haben.

Der Verfasser.
Inhaltsverzeichnis.

Seite
Einleitung 1
Theorie der Geschwindigkeit und Taschenspielerkunst 4

Erste Abteilung,
Zauberkunststücke aus der Physik, Mechanik c.
. Das Becherspiel
a) Vierundzwanzig Kugeln unter einem Becherzu bringen
b) Eine Kugel aus dem Stäbchen oder denFingerspitzen
zu ziehen s - s - - e e

c) Eine Muskate verschwinden zu laffen e - e

d) Eine Kugel unter einem vorher leergewesenen Becher


finden zu laffen - e - - e -

e) Die Größe der Muskate zu verwandeln


. Der kleine Taucher, welcher in einem verschloffenen Glase,
ohne unmittelbare Berührung, auf- und niederhüpft
. Die Hand als Sonnenuhr . e - - - -

. Einen goldenen Ring in die Runde F" zu machen .


. Verschiedene Blumen auf demselben tengel wachsen zu
machen e

. Rosen auf Eichen zu pfropfen


. Miniaturblumen . - e - e e e

. Ein Geldstück ausder einen Hand in die andere zu zaubern


. Eine ähnliche Belustigung mit zwei Geldstücken s

. Ein Papier so zusammenzulegen, daß man aus ihm mehr


als dreißig verschiedene Formen brechen kann
1. Simsons Banden . - e e e
- VIII –

Seite
12. Das gezeichnete, zerschnittene, zerriffene und doch wieder
zusammengesetzte Taschentuch . e 24
13. n: drei Obertaffen mit drei Meffern eine Brücke zu
0UEN - • - - e - s e . 26
14. Eine Karte mit einem Pistolenschuß andie Wand zunageln 27
15. Drei Meffer auf eine Nadelspitze zu balancieren . , 29
16. Eine verbrannte Karte in einer Taschenuhr wieder sehen
zu laffen . - - - - e , s 29
17. Sich mit einem Meffer den Arm zu durchstechen . . 30
18. Daß ein Geldstück, welches in eine Büchse verschloffen
wird, herauskomme, ohne die Büchse anzurühren . . 31
19. Das Kunststück mit der Schnur um den Stock . . 32
20. Eine Schrift aus einer Tabaksdose herauszunehmen, ohne
fie anzurühren, und sie hierauf in einer Kerze (einem
Lichte) wiederfinden zu laffen . e e . e 33
21. Einen Schlüffel von einer Doppelschnur, welche eine Per
son, mit beiden Händen hält, loszumachen, ohne daß
es die Person verhindern kann . e - . 35
22. Der plötzlich verschwundene Ring . - . e 37
23. Die Perlenschnur . - - . . . . 38
24. Feuer aus dem Munde zu blasen . - .- - 39
Künstliche Verschlingung
. Verschiedene Sorten Band aus dem Munde zu ziehen . 41
. Mit einer farblosen Flüssigkeit rot zu färben . . - 43
. Die Kunst, das Alter jeder Person zu erraten - . 43
. Mittels eines Stabes ein Ei tanzen zu laffen . s 45
. Drei ungleich lange Papierstreifen, in gewisse Ordnung
gelegt, aufzurollen, die aber, je nach ihrer ' beim
Aufwickeln ihre frühere Stelle ganz verwechselt haben 46
. Ein ausgelöschtes Lichtdurchden Rauch wieder anzuzünden 47
. Ein Glas mit der Stimme zu zersprengen -

. Den Taufnamen einer Person leicht zu erraten . . 47


. Zwei Ringe künstlich zu verschlingen . . . . 53
. Daß man nicht imstande sei, einen Stift oder dergleichen
innerhalb eines aufgerollten Riemens so zu stecken,
daß dieser Stift, sobald der Riemen wieder aufgerollt
wird, vom Riemen umgeben sei - -. . 54
36. Der sich selbst befreiende Gefangene 55
37. Einen Faden zu zerschneiden, dann zu verbrennen und
doch mit der Asche den Faden wieder ganz zu machen 56
. Sich unbeschadet einen Dolch in die Stirn z stoßen . 56
39. Wunderbare Art, einen Ring an einen Stab zu bringen 57
. Die im voraus bestimmte Wahl von vier Pretiosen . . 58
41. Mit zwei Zehnpfennig- oder Sechskreuzerstücken c. ein
sehr täuschendes Kunststück zu machen s , e 59
42, W.ie der Wein in einer Flasche selbst heraussteigt und
das Waffer an seine Stelle tritt . . . . 60
Seite
. Zwei Schellen aus einer Hand unbmerkt in die andere
zu bringen 61
. Die zwei magischen Brieftaschen - - - 61
. Eine sonderbare und kurzweilige Wette, vermöge welcher
man immer gewinnen muß
. Die Hirtenbüchse . s e e - e 9

. Den Gesang der Vögel mit dem Munde nachzuahmen .


. Die Eibüchse - es s - s as a

. Vögel durch einen Schuß zu töten undzugleich zu rupfen


. Daß eine Violine den Ton einer Trompete von fich gebe
. Daß man einen Zwirnsfaden nicht verbrennen könne
. Das in lauter Geldstücke verwandelte Bier, Wein u. dgl.
. Ein zerschnittenes Bändchen oder einen Faden im Munde
wieder zusammenzuspinnen
. Die Kunst, auf leichte, aber unbegreifliche Weise hundert
und mehr Lichter durch einen Pistolenschußzu entzünden
. Ein Geldstück in eine versiegelte Dose oder Schachtel zu
zaubern .
. Frische Blumen aufzubewahren -

. Ein Ei durch einen Ring gehen zu laffen . e -

. Wie ein Ei mitten im Waffer schweben bleibt, ohne zu


Boden zu finken
. Aus dem trocknen Stiele eines Meffers noch Waffer zu
drücken
. Erneuerung des Wunders von Cana s e

. Einen auf den Tisch gebrachten gebratenen Kalbskopfnoch


zehn- bis zwölfmal blöken zu machen
. Wie man sich das Naturwunder eines gehörnten Hahns
verschafft . -

. Das magische Bild e - - e - e

. Das verliebteste Temperament in einer Gesellschaft zu


entdecken
. Das einfachste Mikroskop - s - s -

. Eine Büchse so zu laden, daßdie Kugel dasZiel nie trifft


. Eine Wette, die man sicher gewinnt - g d

. Die verbrannte und wiedererstandene Schrift - n

. Eine Schleife von Haar aufzulösen, ohne sie anzurühren


. Eine seltene Nervenkraft e s - - e e

. Die tanzende Kleie


. Das elektrisierte Papier . e e

. Ohne Magnet einen Stahl zu magnetisieren


. Welkenden Blumen ihre Frische wiederzugeben
. Naturzeichnungen aufFrüchten
Seite
Zweite Abteilung
Chemische Kunststücke.
. Eine unsichtbare Schrift durch Waffer erscheinen zu laffen
. Tinte zu einer Schrift, welche sichtbar wird, wenn man
das Geschriebene durchs Waffer '
. Eine unsichtbare Schrift, gegen das Licht gehalten,zu lesen
. Der magische Streusand s - e -

. Der bezauberte Brief . - s -

. Mit Waffer, Wein, Bier, Esfig oder einer andern solchen


hellen Flüssigkeit mit einer neuen und zugeschnittenen
Feder dennoch schwarz zu schreiben
. Aus zwei durchsichtigen hellen Waffern durch bloßes Zu
jammengießen in einem Augenblicke eine schwarze Tinte
zu machen - s

. Einen geheimen Brief auf ein Ei zu schreiben -

. Ein Kelchglas von oben bisunten künstlichzu zerschneiden


. Zu machen, daß ein Licht nach abwärts (also unter fich)
brennt
e #" Zauberflammen hervorzubringen
euchtende Pomade -

. Eine stählerne Klinge in eine kupferne zu verwandeln


. Ein ausgelöschtes Licht mit einer Mefferspitze wieder an
e ei zuzünden
ganzen Gesellschaft das Ansehen von Geistern zu
eben
. Zwei kleine Figuren, von denen die eine das Licht aus
bläst, die andere es aber sogleich wieder anzündet
. Einen Blitz in einem Zimmer hervorzubringen . e

. Der bezauberte Stein . . . - - - -

. Glas zu durchbohren . s - - e - -

. Den beliebten Dianenbaum hervorznbringen - -

. Den Zinnbaum hervorzubringen . - - - -

. Ein Geldstück in einer Nußschale zu schmelzen


Einen Kapaun in einem Sacke zu braten
. Die bezauberten Löffel . - - -

. Aus einer Flasche Pistolenschüffe zu thun -

. Eine rote Rose schnell in eine weiße zu verwandeln


. Eine Winterlandschaft in eine Sommerlandschaft zu ver
wandeln . e -

. Ein Geldstück zu trennen - - s -

. Salat in einer Stunde wachsen zu laffen -

F" unter dem Waffer zu Kohle zu verbrennen


urch Waffer Feuer zu erhalten
. Im Schatten oder an einem von der Sonne nicht be
schienenen Orte dennoch durch die Sonne ein Feuer
zu entzünden . . . - - - - e
Seite
. In einem Glase die vier Elemente: Erde, Feuer, Luft
und Waffer darzustellen
. Eine feurige Fontäne oder Springbrunnen zu bereiten
. Das feurige Angesicht im Finstern s - -

. Leuchtende Totenköpfe und Gespenster


. Aus Zucker Kohle zu machen - - - - -

. Aus derselben Flasche Waffer von verschiedenen Farben


zu gießen .
. Das im Waffer glühende Ei s

. Roten und weißen Wein zu verändern . a

. Ein Brot im Backofen hüpfen zu laffen -

. Durch einen Pistolenschuß einen brennenden Wachstock


auszulöschen und gleichzeitig einen andern anzuzünden
. Eine Gesellschaft in Mohren zu verwandeln .
. Daß die zu fiedenden Eier im Topfe über dem Feuer
zu hüpfen anfangen .
. Einen ' zu erschießen und ihn bald wieder lebendig
zu machen
. Brennenden Rauch darzustellen s s e - -

. Eine Pfeife Tabakanzuzünden, ohne dieselbe in den Mund


zu nehmen und daran zu ziehen
. Das Waffer (Phlegma) aus dem Branntwein ohne Feuer
und Wärme abzusondern .
. Der Blumen-Proteus, oder die Farben aller Blumen zu
verwandeln, als: weiße in gelbe, rote in schwarze, vio
lette in grüne, rosenfarbene in hellgrüne, ponceaufar
bene, Pompadour, Ziegelrot c. . - e e

. Eier in kaltem Waffer gar zu fieden . e

. Eier auf dem Tische während der Mahlzeit z UI fieden


. Der Vulkan im kleinen - e

. Der brennende Schneeball -

. Scheinbar brennendes Waffer - - - - -

. Ein Stein, der mit Waffer angefeuchtet, Feuer gibt .


. Ein Körbchen mit weißen oder bunten Kristallen zu be
decken
. Durch Zusammengießen von zwei kalten Flüssigkeiten
Hitze und Flamme zu erzeugen
. Flammende Blasen aus dem Waffer aufsteigen zu machen
. Brennendes Waffer - - - - - -

. Eine neue Methode den Schornstein zu fegen - -

. Ein rosarotes Band zu entfärben und durch Waffer wie


der rot zu machen . -

. Papier in Pergament zu verwandeln . e

. Waffer durch die Sonnenhitze kalt zu machen


. Vergoldungen vor Fliegen zu bewahren -

. Einen Menschen ohne Elektrifiermaschine zu elektrisieren 110


Seite

Dritte Abteilung.
Zauberkünste der Unverbrennlichkeit überhaupt.
21. Die Hände in geschmolzenes Blei zu tauchen, ohne sie zu
verbrennen 116
. Eine glühende Kohle auf ein leinenes Schnupftuch zu
legen, ohne daß dieses verbrennt 117
. Blei in Papier zu schmelzen . 117
. Unverbrennbaren Zwirnsfaden . . . . . 117
. Siegellack auf die Zunge zu tröpfeln, ohne sich zu ver
brennen 117
. Ein brennendes Licht unbeschadet in den Mund ZU stecken 118
. Feuer zu freffen . - - - - s - 118
. Ein Waffer zu bereiten, womit gewaschen, man glühende
Kohlen, Holzbrände und glühendes Eisen, ohne sich
im mindesten zu verbrennen, angreifen kann . . e 118
. Ein Waffer zu bereiten, das man auf der freien Hand
verbrennen kann, ohne sich zu beschädigen 118
10. Holz unverbrennbar zu machen - - 119

Bierte Abteilung.
Optische Zauberkünfte.
. Das Kaleidoskop 120
. Das Stereoskop 121
. Laterne magica . 124
. Anamorphosen - 125
. Künstliches Nordlicht . 127
. Chinesische Schattenspiele 127
. Der Guckkasten s e 128
. Die Geistererscheinungen 130
A. Den Geist eines Verstorbenen in einer Rauchwolke
erscheinen zu laffen . d e e - - 130
Verfertigung der Bilder zu den verschiedenen Geister
erscheinungen . s - - s e 131
A. Von der Wahl des hierzu tauglichen Glases . 131
B. Das Malen der Figuren auf Glas zu Geister
erscheinungen - - s - e e e 132
C. Fernere Vorbereitungen . . . . 136
Einrichtung des Zimmers zur Geistererscheinung 137
Andere Räucherungen zu Geistererscheinungen .
B. Einen Verstorbenen aus einem Grabe hervorzurufen 140
- XIII –

C. Die Erscheinung eines Toten auf die einfachste Weise


vorzustellen e - s e

1. Die beste Zeit, eine Geistererscheinung vorzu


nehmen s - e - -

. Ein Zimmer in einem Augenblicke mit einem


Nebel zu erfüllen - - - - -

. Das Brausen eines starken Windes nachzuahmen


. Die Furienblitze zu machen e s

. Einen Knall hervorzubringen .


. Nachahmung des Donners
. Die magische Totenlampe

Münfte Abteilung.
Von den Kartenkunststücken.
. Die Volte . - - 148
. Die künstlichen Mischungen .. - - - -
151
. Die Verwandlung der vier Buben in vier Coeur-Aß 153
. Die Verwandlung des Coeur-Aß in ein Pik-Aß 154
. Eine gezogene Karte schnell zu finden . - -
154
. Ein Spiel Karten so zu mischen und abzuteilen, daß sich
nach mehrmaligem Abheben alle Figuren zusammen
beflnden 155
7 . Ein Kartenblatt zu erraten, welches sich eine Person un
ter 12 Blättern gewählt hat . -
155
. Die Wirtin und die Zecher . .. - - - -
156
. Alle Figuren eines Kartenspiels im voraus zu nennen 156
. Das Erraten der drei untersten Karten von drei Karten
häufchen . 157
. Jeder Person in der Gesellschaft ihre zwei gemerkten Kar
ten zu nennen . -
158
. Die Kartenblätter zu erraten, welche vier Personen in den
Sinn genommen haben 159
. Die wunderbare Vereinigung der Karten von einerlei
Farbe 159
. Das künstliche Kartenquadrat
. Die Gefahren zur See . . . . . . . 161
. Aus den zuletzt gezogenen Karten die zuerst gezogenen
zu nennen es - 163
. Die aus der Tasche gezogene und erratene Karte 163
- '# ene Karte durch Abheben zu erraten 164
, CNN ik-Drei in ein Pik-Aß und dann wieder in ein
Coeur-Aß zu verwandeln . . . . . . 164
- XIV -

Seite
20. Ein verbranntes Kartenblatt in einem Ringe wieder er
scheinen zu laffen . - - - -
165
21. Eine, von einer Person gezogene Karte durch ein Schnupf
tuch zu entdecken - e - - e 166
22. Alle Karten eines Spiels zu nennen - -
166
23. Die Karten zu nennen, welche eine Person gezogen hat 168
24. Die Karte am Geruche zu erkennen - e e - 168
25. Jemanden zu zwingen, aus einem Spiele dieselbe Karte
zu ziehen, die von einer andern Person aus einem
andern Spiele schon gezogen worden ist - -
169
26. man ein Kartenblatt aus einem Ei zum Vorschein
ringt - - - - - - - -
169
27. Die in den Sinn genommene Karte zu erraten . -
170)
28. Ein Kartenblatt schnell in ein anderes zu verwandeln . 170
29. Die Karte in der Tasche - - - -
171
30. Vierzehn Karten, die in einem Kreise auf dem Tische lie
gen umzukehren, so, daß man immer nur dasjenige
Blatt umwendet, auf welches die Zahl Sieben fällt . 171
31. Vier Bildkarten (z.B. Könige, Damen oder Buben) so
aufeinander zu legen, daß man von keiner die untere
Bildhälfte sieht . e e - - 172
32. Das bezauberte Pikettspiel . - s s 172

Vorzügliche Methode über den Unterricht im Kar


tenschlagen. Nach Déteilla - - -
174
Allgemeine Regeln über die Bedeutung der sämt
lichen Karten 9 e - e s e 174
Die acht Karos . . - - - - - -
174
Die acht Coeurs . e d - 175
Die acht Piks . 176
Die acht Trefles . 176
Das Kartenschlagen mit 21 Karten - e 179
Erklärung der vier Könige, der vier Damen, der vier Buben
und der vier Zehnen s 181
Erklärung der am häufigsten vorkommenden Fragen 182

Sechste Abteilung.
Arithmetische Künste und Belustigungen.
Eigentümlichkeiten gewisser Zahlen 184
1. Der betrügliche Bediente 187
2. Die Zauber-Quadrate . e e - - - - 187
3. Die Stunde zu erraten, zu welcher eine Person in Ge
danken beschloffen hat, abzureisen . - e 188
Seite
4. Jede von einer Person in Gedanken erwählte ganze
Zahl zu erraten - - - s - . 189
5. Wie ists möglich, drei Thaler unter zwei Väter und zwei
Söhneso zu verteilen, daß jeder Vater und jeder Sohn
einen Thaler bekommt? - s 190
6. An jede beliebige Stelle irgend einer gegebenen Zahl
noch eine Ziffer zu setzen, so, daß die nun hierdurch
vergrößerte Zahl durch 9 sich ohne Restdividieren laffe 190
7. Zwei Zahlen, die von jemand gewählt worden sind, zu
erraten , - - e e e . 191
8. Jede aus einem Produkte beliebig hinweggestrichene Ziffer
zu erraten - - - s . 191
9. Von drei, auf den Tisch nebeneinander gelegten, Geld
stücken das mittlere aus der Mitte zu bringen, ohne
dasselbe anzurühren . - s - e . 192
10. Das Meffen mit dem Metermaß . e - - . 192
11. Die Gänsehirtin . - - e e .
- 193
12. Auf neun Karten, welche in drei Reihen, jede zu drei
Karten, untereinander liegen, noch drei Karten so zu
legen, daß man in jeder Reihe und von allen Seiten
vier Karten zählen kann 193
13. Die Summe mehrerer Zahlen, die man noch nicht ein
mal kennt, dennoch im voraus zu bestimmen . . 194
14. Eine insgeheim weggestrichene Ziffer aus dem Refe zweier
Zahlen zu erraten . s - s s e . 195
15. Merkwürdige Eigenschaften der Zahlen 37 und 73 , 196
16. Mit jedem durch wechselseitiges Hinzuzählen zu einer
Zahl, immer zuerst 100 als Summe zu erhalten . 196
17. Das Erraten der Augen von drei Würfeln . e . 197
18. Die Entdeckung des Ringes . - - e s. 197
19. Eine ungerade Anzahl Rechenpfennige zu erraten . , 199
20. Drei unter dreiPersonen verteilte Gegenstände zu erraten 199
21. Jemand, der gern 13 Armen Almosen geben wollte, hat -

nur 12 Mark bei sich, will aber jedem eine Mark ge


ben, ausgenommen einem, der noch im stande ist, zu
arbeiten; doch soll es das Ansehen haben, als ob der
selbe nur von ungefähr nichts bekommen hätte . , 201
22. Das mit Diamanten besetzte Kreuz e . 2011
23. Einen runden Kuchen mit drei Schnitten in acht Teile
zu zerschneiden . s - - - e e . 203
24. Die beiden Husaren als Rechenmeister . - . 204
25. Dreißig desertierte Soldaten, wovon fünfzehn gestraft
werden sollen, so zu stellen, daß man diejenigen fünf
zehn von ihnen retten könne, denen man Gnade er
weisen will, indem man sie alle dreißig in einer Reihe
fortzählt, und immer den neunten zur Bestrafung be
stimmt
- XVI -

Seite
26. Erstaunen erregendes Gedächtnis s g e - 205
27. Wie kann man mit drei Geldstücken, Marken oder dergl.
zehn zählen, so daß es aufgeht, also kein Geldstück zu
viel oder zu wenig ist? . - - - - -
208
28 29 und 30. Drei Nüffe zum Aufknacken . s 208
31. Zu erraten, wieviel Marken oder Geldstücke jemand auf
dem Tische liegen ließ s - - - - 210
32. Wie es ein Gastwirt, der nur zehn Betten disponibel
hat, anfangen muß, jedem von elf angesehenen, bei
ihm einkehrenden, Fremden ein Bett allein zu geben 210
33. Die Anzahl der Points der von einer Person auf den
Tisch geworfenen Würfel zu erraten . 211
. Wenn drei Personen 21 Fäffer, worunter sieben voll,
fieben leer und sieben halb voll Wein find, so unter
fich teilen sollen, daß jede dieser dreiPersonen ebenso
viel Wein und Fäffer erhalte, als die andere; wie
muß da die Teilung geschehen? e e 212
35. Ein Kunststück mit Zahlpfennigen . s e e 213
36. Acht Eimer Wein in zwei gleiche Teile mit einem Acht-,
Fünf- und Drei-Eimerfaffe, ohne weiteres Gemäß, zu
teilen - - - - - - - s e 214
. Der Zahlenfern . - e - - s 215
. Wenn jemand in der einen Hand eine gleiche, in der
andern aber eine ungleiche Anzahl Rechenpfennige hat,
zu ermitteln, in welcher Hand sich die gleiche und in
welcher sich die ungleiche Anzahl befindet . . -
217
39. Acht Marken auf einen achteckigen Stern zu ziehen 218
40. Die Nonnenlift . e - s - 219
41. Der zwölfeckige arithmetische Stern - - s e 221
42. Die Wette stets zu gewinnen, daß man von dreißig auf
den Tisch gelegten Marken immer die letzten wegzu
nehmen bekomme . - - - - - s 223
43. Die unbegreiflich scheinende und doch richtige Rechnung 224
44. Eine ähnliche Belustigung . - e - e 225
45, 46, 47, 48 und 49. Fünf Nüffe zum Aufknacken für
Rechner . s - e s e 226–228
50. Das Würfelspiel 228
Einleitung.

Unter Zauberei versteht man die angebliche Kunst,


mit Hilfe von Geistern und Beschwörungen und mittels ge
wiffer Gerätschaften, welche übernatürliche Kräfte und Eigen
schaften besitzen sollen (wie z. B.Zauberstäbe, der seinen
Besitzer nach Belieben durch die Lüfte tragende Mantel
Faufs; ferner das Wünschhütlein des Fortunat und
deffen alle Zeit voller Geldsäckel c.), menschliche Absichten
auf übernatürlichem Wege zu erreichen. Geschah dies nun
vermeintlich durch den Beistand guter Geister, so wurde diese
Art der Zauberei weiße Kunst und Theurgie, sollten
aber böse Geister und insbesondere der Teufel mit im
Spiele sein, so wurde sie schwarze Kunst oder Dämo
nurgie genannt. Auch gebraucht man für alle sogenannte
Zauberei die Benennung Magie, worunter man ursprüng
lich nur die geheim gehaltene Weisheit und Geschicklichkeit
der Magier und Priester der alten Meder und Perser ver
fand; später aber begriff man unter dem Namen „Magie“
morgenländische Wiffenschaft und morgenländische Weise, und
da die Magier ihr Wiffen und Treiben, wozu Alchymie
(Goldmacherkunst),Sterndeuterei, Wahrsagen und sogenannte
Zauberei gehörten, ebenfalls geheim hielten und allerlei zu
bewirken und hervorzubringen verstanden, was den Augen
des unwiffenden Volkes übernatürlich erschien, so rührt es
wohl daher, daß unter Magie auch bloß Zauberei und Wahr
jagerei, und unter Magiern nur Zauberer und Wahrsager,
also mehr oder weniger Betrüger, verstanden werden, und
der Ausdruck „magisch“ gleichbedeutend mit übernatür
Leischner, Zauberkunst. 1
– 2 –

lich und die Kräfte anderer Menschen übersteigend gebraucht


wird. Auch blieben nach dem Untergange der höheren Kennt
niffe der alten Magier nur solche mit dem niederen Treiben
derselben bekannte Leute übrig, zu deren Geschäft das Be
reiten von Amuletten und Liebestränken, Schatzgräberei, das
Wahrsagen aus der Hand (Chiromantie), das Versprechen
und Heilen von allerhand Uebeln durch sympathetische Mittel
gehörte, und denen von dem Aberglauben, wie noch jetzt von
rohen Völkern verschiedener Erdteile ihren Priestern und
Zauberern, ein angeblicher Einfluß auf das Wetter, auf
ferne Personen, von denen sie wächserne Abbilder besaßen,
und andere unheimliche Gewalt zugeschrieben wurde, die zu
letzt in dem Glauben an Hexen und Hexerei, an Kobolde
und andere Ausgeburten des Unsinns überging, welche dem
Menschen gegen Verschreibung seiner Seele dienstbar gemacht
werden könnten, und erst die gründliche Aufklärungder neuern
Zeit setzte diesem Wahne ein Ziel.
Unter der natürlichen Magie versteht man jetzt das
Hervorbringen von auffallenden, die Unkundigen in Staunen
setzenden Erscheinungen durch mechanische, chemische, magne
tische, elektrische und andere physikalische Mittel, die bei den
hier abgehandelten Taschenspielerkünsten gebraucht werden.
Taschenspieler pflegt man nun diejenigen zu nennen,
welche für Geld öffentlich allerhand Kunststücke aus der na
türlichen Magie verrichten, die, dem Scheine nach, an das
Wunderbare und Unmögliche grenzen und dadurch vielfache,
angenehme Unterhaltung gewähren. Im Mittelalter hielt
man die Taschenspieler für Zauberer, und viele derselben
wurden als solche verbrannt.
In der neuesten Zeit hat die Taschenspielerkunft eine
ungemeine Höhe der Ausbildung erhalten, besonders durch
Philadelphia, Wiegleb, Martius, Eckertshausen,
Bosco, Comte, Döbler, Pinetti und Petorelli,
wozu aber (wie wir bald sehen werden) die großen Fort
schritte in der Chemie und Experimentalphysik die ersprieß
lichsten Dienste geleistet haben. Sämtliche Taschenspielerkünste
beruhen nämlich entweder auf Täuschung und großer Ge
schwindigkeit, oder auf, den Zuschauern unbekannten, physi
– 3 –

kalischen und chemischen Darstellungen, und erscheinen um so


auffallender und wunderbarer, je mehr der Taschenspieler
den natürlichen Zusammenhang seiner Vorstellung zu ver
decken weiß, wozu die Geschicklichkeit, die Aufmerksamkeit der
Zuschauer auf gleichgültige Nebenhandlungen so zu lenken,
daß sie das dem Zwecke gemäße Thun des Künstlers über
fehen, sehr viel mit beiträgt.
Gegenwärtig nennen sich daher die Taschenspieler –
und zwar wie recht ist – auch lieber Künstler der natür
lichen Magie, und sind als solche von den sogenannten
Jongleurs oder Gauklern, welche zur Ergötzung der
Zuschauer Kunststücke ihrer bewundernswerten Geschicklichkeit
oder ungewöhnlicher Körperstärke ablegen, zu unterscheiden.
Der eigentliche Unterschied beider Künstler besteht aber darin,
daß der Taschenspieler wunderbare Wirkungen durch einfache
Mittel, die er den Zuschauern geschickt zu verbergen weiß,
hervorbringt, so daß seine Geschicklichkeit mehr aufTäuschung
beruht, während der wirkliche Gaukler eine ungemeine Ge
wandtheit, Geschicklichkeit und Kraft in allen seinen Gliedern
besitzen muß. Doch nehmen die Gaukler nicht selten auch
zu Taschenspielerkünsten ihre Zuflucht. – Zu den bekannte
fen Jongleurstückengehörendie verschiedenen Balancierübungen
sowohl der schwersten als der leichtesten Gegenstände, das
Seiltanzen, das Kugelspiel, das Werfen von Meffern im
Kreise, das chinesische Stäbchenspiel u. j.w. – Am berühm
testen sind von jeher die indischen Gaukler gewesen, und
in der That leisten sie so Außerordentliches, daß der Zuschauer
kaum einen Augen zu trauen wagt. So z.B. berichtet ein
sehr glaubwürdiger Augenzeuge von einem der berühmtesten
indischen Gaukler, dem Braminen Scheffal, daß er den
selben, behaglich eine halbe Stunde freischwebend in einer
fitzenden Stellungüber einer Bank, gesehen, über deren einem
Ende ein starkes Bambusrohr in die Höhe ging, an welchem
ein zusammengedrehtes Gazellenfell befestigt war, und auf
welches Schejal in seiner schwebensitzenden Stellung bloß
die Hand legte. Nur fünf Minuten lang bereitete er sich
unter einer Decke zur Ausführung dieses Stückes vor, worauf
er dann plötzlich in der eben beschriebenen Stellung erschien.
1 -
The orie
der Geschwindigkeit und Taschenspielerkunft.

Die Theorie der Täuschungskunst und Taschenspielerei


(also der natürlichen Zauberkunft oder Magie) besteht:
In der Täuschung durch Geschwindigkeit; diese geschieht
durch Auswechselung oder Escamotage.
Die Auswechselung ist entweder wirklich oder nur
scheinbar.
Sie geschieht entweder durch eine gewisse Fertigkeit der
Hände und Finger, oder mittels künstlich dazu bereiteter
Maschinen, in welchem letzteren Falle man es die mecha
nifche Escamotage nennt.
Die Escamotage geschieht ferner entweder im kleinen
oder im großen; so kann man z. B. auch erwachsene
Menschen eskamotieren, wie es Pinetti that.
Die Escamotage ist die Hauptsache in der Schnellkunst;
es gehört aber Uebung und Beurteilungskraft dazu.
Die Hauptregeln derselben find:
1) Sich eine gewisse natürliche Ungezwungenheit anzu
gewöhnen, ohne dabei eilen zu wollen.
2) Studiere man die Körperlehre, besonders die Lehre
der Schwere und der Bewegung, denn hierin besteht das
meiste.
3) Man zerstreue die Aufmerksamkeit einer Zuschauer
durch vieles Reden und mache sie, während man seine Sache
ausführt, auf ganz andere Dinge aufmerksam und
4) jage man niemals zuvor, was man machen wolle,
sondern jedes Stück sei Ueberraschung.
Die Grundregel zu dieser Escamotage gibt das Becher
und Muskatenspiel, nebst den Grundsätzen zu den Karten
künsten, weswegen auch hier mit dem ersteren begonnen wird.
Erste Nöteilung
Zauberkunststücke aus der Physik, Mechanik c.

1. Das Becherspiel.

Die Kunststücke mit den Bechern und der Gaukeltasche


find ebenso alt, als allgemein; sie find sehr angenehm und
wahrhaft bewundernswürdig, und ihre Theorie ist gleichsam
die Grundlage zu allen Geschwindstücken, denn wer einiger
maßen in der Taschenspielkunst Fortschritte machen will, muß
vorher das Becherspiel vollkommen erlernen.
Wir wollen daher die Grundregeln dieses Spiels hier
in der Kürze darstellen und zuerst den erforderlichen Appa
rat beschreiben.
Zur Ausführung aller Zauberstücke dieser Art gehören
folgende Gegenstände:
1) Eine große Gaukeltasche, die man wie eine Schürze
vor sich trägt und welche zur Aufbewahrung der Becher,
Muskaten c. bestimmt ist.
2) Eine kleine mit einem Teppich überhangene Tafel,
Fig. 1, auf welche man die Becher stellt.
3) Ein kleiner Stab (Jakobs-Stab genannt) von Eben
holz und mit Elfenbein ausgelegt. Man bedient sich des
selben, um damit auf die Becher zu klopfen; und da man
ihn öfters in der Hand hält, worin man die Muskate ver
bergen will, so verschafft er den Vorteil, daß man oft die
– 6 –

Hand geschloffen halten und dadurch die Kugel beffer ver


bergen und ungezwungen ihre Lage verändern kann.
Fig. 1.

4) Drei Becher von gelbem Meffingblech, die gewöhn


lich 12 cm hoch und 11 cm (an der Oeffnung) breit sind.
Unten befindet sich an denselben ein doppelter Rand GCD,
Fig. 1, welcher den dreifachen Zweck hat: 1) daß man den
Becher beffer anfaffen und vorteilhaft handhaben kann;
2) daß er mehr Festigkeit erhält, und 3)daß die Becher,
wenn einer in den andern gesteckt wird, nicht zusammen
hängen bleiben. -

5) Mehrere nicht zu kleine, aber gleichgroße und mög


licht runde Muskatnüffe oder Kugeln. Man schneidet letz
tere von Korkholz, und damit sie völlig rund werden, hält
man sie über eine Lichtflamme; sobald sie zu verkohlen an
fangen, nimmt man sie weg und rollt sie so lange zwischen
den Handtellern, bis sie gehörig rund sind.
Die vorzüglichste Geschicklichkeit bei diesem Spiele be
steht nun darin, daß man diese Kugeln oder Muskaten auf
alle nur mögliche Weise zwischen den Fingern und in dem
Handteller verbergen und aus diesem geschickt in die Becher
und wieder zurück in die Hand praktizieren kann, welches
man im allgemeinen Eskamotieren nennt. Um dies zu be
werkstelligen, nimmt man vorerst eine Muskate mit der Mitte
des Daumens und dem Ende des Zeigefingers (Fig. 2) und
läßt sie mit dem Daumen zwischen den Mittel- und Gold
finger gleiten; hier hält man sie fest, welches wegen der
großen Leichtigkeit der Kugel recht gut möglich ist und öffnet
die Hand, den Daumen nach unten
gekehrt (Fig. 3). Wenn man eine die
fer Muskaten in einen der drei Becher
bringen will (welches sehr häufig vor
kommt und daher sehr geübt werden
muß), so klemmt man sie zwischen den
Fig. 5.

vierten und fünften Finger, wie Fig.4


zeigt. Man faßt den Becher an dem
Unterteil,Fig. 5, schwingt ihn in die
Höheund setzt ihn schnell aufden Tisch;
bei dieser Bewegung hat man durch
die Lage der Muskate (und so wie
man den Becher angefaßt hat) Gelegen
heit, sie hineinzuschnellen. Auf den
ersten Anblick scheint es fast unmöglich,
den hohen Grad von Gewandtheit, den
man bei den Taschenspielern bemerkt,
jemals erlangen zu können, allein wir
versichern, daß eine lange Uebung und
Aufmerksamkeit alle Schwierigkeiten
besiegen wird. Die übrigen haupt
– 8 –

sächlichten Stellungen der Hände find hier in Fig. 2, 3,


4, 5 und 6 dargestellt.
Es gibt bei dem Becherspiel überhaupt 12 verschiedene
Handgriffe und Methoden, die Kugeln und Becher zu hand
haben, wobei gewisse Ausdrücke als Kunstwörter gebraucht
werden.
A. Die Muskate unter den Becher fetzen, heißt, fie
mit den beiden Fingern der rechten oder linken Hand wirk
lich unter den Becher legen.
B. Die Muskate unter den Becher oder in die Hand
legen, heißt, fie verstecken, indem man sich stellt, als ob man
fie in die linke Hand legte, die man nachher halb öffnet,
um glauben zu machen, daß man fiel unter diesen Becher
gelegt habe.
C. Die Muskate unter den Becher spazieren zu laffen,
bedeutet, diejenige Muskate, welche man zwischen den Fin
gern versteckt hält, heimlich darunter bringen.
D. Die Muskate zwischen die Becher spazieren laffen,
heißt, die zwischen zwei Becher bringen.
E. Die Muskate verschwinden laffen, die zwischen zwei
Bechern ist, heißt, mit besonderer Geschicklichkeit denjenigen
Becher, auf welchem sie liegt, hinwegnehmen und gleichzeitig
den andern, der darüber steht, auf den Tisch herabsetzen,
unter welchem dann die Muskate liegen wird.
F. Die Muskate nehmen, bedeutet, fiel zwischen die
beiden Finger der rechten Hand nehmen und sie stehen laffen,
ehe man sie verbirgt.
G. Die Muskate unter einem Becher wegnehmen,
heißt, dies buchstäblich vollziehen.
H. Die Muskate herausziehen, heißt, sich anstellen, als
ob man sie aus dem Stabe, aus dem Becher, oder aus
einem anderen Orte herausbrächte, indem man diejenige, die
man in der Hand verborgen hält, gegen die Finger hin
bringt.
I. Die Muskate durch die Becher werfen, heißt, fie
verbergen, indem man sich stellt, als wenn man sie hindurch
würfe.
- 9 -

K. Die Becher aufheben. Dies geschieht auf dreierlei


Art, nämlich:
1) Mit der rechten Hand, wenn man heimlich eine
Muskate hineinbringen will, indem man ihn, wenn dies ge
fchehen ist, wieder auf die Tafel stellt.
2) Mit dem Stäbchen, welches man auf den obern
Teil der Becher jetzt, um sie umzulegen, damit man die
Muskaten zeige, die man unter dieselben hat spazieren laffen.
3) Mit den beiden Fingern der linken Hand, wenn
man zeigen will, daß keine Muskaten da, oder daß einige
hinunter spaziert find.
L. In dieser Methode zeigt man drei Kugeln in der
rechten Hand, obschon nur eine darin ist, die zweite sich
aber in der linken Hand und die dritte im Munde befindet.
Man legt nämlich drei Kugeln auf den Tisch, wovon man
eine in der rechten Hand versteckt hält, dann nimmt man
eine von den drei Kugeln, läßt sie scheinbar in die linke
Hand gleiten, steckt sie aber durch eine geschickte Wendung
in den Mund; jetzt nimmt man wieder die zweite und be
hält sie in der rechten Hand, wobei man sich jedoch stellt,
als wenn man fiel in die linke Hand nehme, die man des
halb zumacht; dann nimmt man die dritte mit der rechten
Hand, öffnet sie und zeigt die darin befindlichen Kugeln.
Indem man die erste Kugel in den Mund steckt, thut
man, als wenn man sie verschlucke.
M. Die letzte Methode, welche wir etwas genauer er
örtern wollen, weil aus ihr eine Menge Kunststücke ent
springen, besteht darin, daß man drei Kugeln auf den Tisch
wirft, davon eine nimmt und sagt: „Diese verschlucke ich“;
indem man sie aber, dem Anscheine nach, in den Mund
wirft, eskamotiert man sie und zeigt dagegen zwischen den
Lippen die Kugel,welche man in der vorigen Methode hinein
gebracht und scheinbar verschluckt hat. Nun nimmt man die
zweite, welche man wie die erste eskamotiert, indem man sie
zehntausend Meilen jenseits der Sonne zu werfen verspricht.
Die dritte läßt man ebenfalls verschwinden.
Aus den vorstehenden verschiedenen Methoden laffen
fich nun eine unzählige Menge mannigfaltiger Belustigungen
entnehmen, welche, wenn wir sie alle erklären wollten, dieses
Werk zu sehr vergrößern würden. Wir begnügen uns da
her, hier nur die vorzüglichsten und zwar diejenigen haupt
sächlich aufzuzeichnen, welche sehr zusammengesetzt sind, und
aus denen noch eine Menge andere Belustigungen gebildet
werden können.

a) Vierundzwanzig Kugeln unter einen Becher


bringen.
Man zeige zuvördert, daß nichts unter den drei Be
chern ist; bei dieser Gelegenheit praktiziert man aber unter
den mittelten die vorher an ein schwarzes Pferdehaar ge
reihten 24 Kugeln oder Muskaten. Aus der Gaukeltasche
nimmt man dagegen 24 andere Kugeln, die man alle unter
den mittelsten Becher zu bringen verspricht. Um dies zu
bewerkstelligen, nimmt man eine davon, und indem man ihr
befiehlt, unter den Becher zu gehen, wirft man sie unbemerkt
zur Erde, indem man sie mit einem Finger unter den lin
ken Arm schnellt. Nun nimmt man eine andere und sagt:
„Diese verschlucke ich“; jetzt nimmt man noch eine Kugel
und jagt ihr, daß sie sich in die Lüfte erheben solle, wobei
man sie durch eine Wendung der Hand zur Erde wirft.
So nimmt man endlich eine nach der andern und läßt sie
nach verschiedenen Seiten verschwinden; wenn keine mehr
auf der Tafel sind, sagt man: „Meine Herren, diese 24
Kugeln müffen sich nun unter dem mittelsten Becher befin
den“, worauf man diesen emporhebt und die darunter lie
genden Kugeln zeigt.

b) Eine Kugel aus dem Stäbchen oder der Finger


spitze zu ziehen.
Die Muskate wird in der rechten Hand zwischen den
Ring- und Mittelfinger (Fig. 5, mittelste Kugel) verborgen
gehalten; dem Zuschauer zeigt man nur die äußere Hand,
nimmt nun nachlässig das Stäbchen in die Hand und hält
es darin in schiefer Richtung; dann bedeckt man mit dem
– 11 –

Zeigefinger und dem Daumen der rechten Hand den Zeige


finger der linken und schlägt hierauf gleich den letztern auf
den Tisch, während sich die rechte um 30 cm erhebt. Mit
dieser Bewegung sucht man den Zuschauer in den Wahn zu
versetzen, als wenn man etwas aus den Fingern heraus
ziehen wolle.
In dem Augenblicke nun, wo sich die linke Hand er
hebt, bringt man die Muskate aus ihrer Lage und zeigt sie
der Gesellschaft (Fig. 2).
Bei diesem Vorzeigen läßt man die Hand wieder her
abfinken, damit die Augen der Zuschauer immer auf den
selben Punkt gerichtet bleiben, wo die gespannte Erwartung
sich gleich anfangs feffelte. Dabei muß der Künstler das
Publikum mit allem nur möglichen Wortschwall zu betäuben
suchen, was von jeher ein Hauptkunstgriff der Becherspieler
war, um die allgemeine Aufmerksamkeit abzulenken. Auch
jede Wiederholung kann nach den Grundsätzen der Taschen
spielerkunft nicht stattfinden, insofern bei allen dergleichen
Darstellungen eine Wiederholung die Täuschung vermindern
oder auch wohl leicht aufheben und das Interessante der
selben schwächen muß.
c) Eine Muskate verschwinden zu lassen.
Man nimmt die Kugel vom Tische und zeigt sie den
Zuschauern (Fig. 2), worauf man sich stellt, als wenn man
fie in die linke Hand legte. Anstatt aber dies zu thun,
läßt man die sanft fortrollen und bringt sie durch die Be
wegung des Daumens zwischen den Ring- und Mittelfinger
der rechten Hand (Fig. 5). Jetzt schließt man die linke
Hand zu, als wenn man die Kugel darin hielte, und nimmt
in die rechte das Stäbchen, um dadurch die darin versteckte
Kugel beffer verbergen zu können. Mit dem Stabe klopft
man nun auf die linke Hand und spricht dabei: „Ich be
fehle der Nuß, nach dem Monde zu reisen, nach Algier und
Paris zu gehen, um zu sehen, was es dort Neues gibt“.
In diesem Augenblicke öffnet man die linke Hand und
zeigt, daß diese Muskate nach dem gegebenen Befehle wirk
lich fortgereist sei.
d) Eine Kugel unter einem vorher leer gewesenen
Becher finden zu laffen.
Man nimmt eine Muskate, verbirgt fiel wie Fig. 5
zeigt, nimmt dann noch das Stäbchen in die Hand. Jetzt
ersucht man die Zuschauer, wohl acht zu haben, daß nichts
unter dem Becher sei, den man einige Zentimeter über den
Tisch in die Höhe hebt. In diesem Augenblicke werden die
beiden letzten Finger unter den Becher gesteckt und durch
diese Bewegung der Kugel ein plötzlicher Stoß mitgeteilt,
so daß sie auf den Tisch fällt; doch ehe dies jemand wahr
nehmen kann, hat man schon den Becher wieder an seinen
Platz gebracht und die Kugel damit bedeckt.
Ist dies geschehen, so zeigt man, daß die Hände leer
find, und daß die Kugel unter dem vorher leer gewesenen
Becher liegt.

e) Die Größe der Muskate zu verwandeln.


Zu dieser Belustigunggehören dreiMuskaten, die unter
den Becher bleiben, zwei weiße Kugeln und eine schwarze,
die man nach und nach aus der Tasche holt.
Zuerst nimmt man eine weiße Muskate (die unter dem
Becher c ist); mit den Fingern der rechten Hand hebt man
den Becher auf und faßt mit den Fingern der linken Hand
die Muskate.
Bei dieser Bewegung bringt man zugleich eine andere
weiße Kugel darunter, die man aus der Tasche genommen
hat, wobei man so verfährt: Man hält die Kugel mit dem
vierten und kleinen Finger und hebt den Becher ebenso auf,
wie wenn man die Muskate hineinbringt; indem man hier
auf den Becher neigt, nähert man sich demselben mit der
rechten Hand, um die Kugel hineinzubringen.
Indem man nun vorgibt, diese durch den Tisch und
in eben diesen Becher gehen zu laffen, nimmt man die Mus
kate in die rechte Hand, bringt sie unter den Tisch und langt
aus der Tasche eine schwarze Kugel heraus. Jetzt gibt man
– 13 –

vor, die unter dem zweiten Becher befindliche Muskate weg


zunehmen, dagegen die schwarze Kugel hineinzubringen und
die erstere ebenfalls durch den Tisch gehen zu laffen. End
lich nimmt man die dritte Muskate unter dem letzten Becher
weg (bringt die dritte Kugel darunter), läßt sie angeblich
durch den Tisch gehen und zeigt sie nun alle drei unter den
Bechern, welche man aufhebt.
Dieses Becher- und Muskatspiel läßt sich noch auf eine
vielfältige Art durch eine Menge anderer ähnlicher Belu
stigungen erweitern, denen man bei einiger darin erlangten
Kunstfertigkeit sehr leicht selbst neuerfundene hinzufügen kann.
Auch verlangen die Regeln der Taschenspielerkunst, daß
man weder das oben beschriebene Becherspiel, noch jedes an
dere der folgenden Stücke, mehr als nur einmal zeige,
sondern daß man vielmehr das vielleicht deshalb geäußerte
Verlangen der Zuschauer unter einem schicklichen Vorwande
mit Artigkeit von sich ablehne. Sollte dieses ja in einigen
seltenen Fällen, und unter gewissen besonderen Umständen
und Verhältniffen, nicht füglich ohne Verletzung anderwei
tiger Verpflichtungen geschehen können, so laffe man die ge
wünschte Wiederholung des Stückes wenigstens nicht unmit
telbar nach der ersten angegebenen Darstellung, sondern erst
nach dem einen oder dem andern eingeschaltenen Zwischen
spiele, und zwar, wo möglich, mit einer kleinen Veränderung
folgen, um es nur nicht ganz auf die vorige Art zu zeigen,
was bei einiger Uebung und Gewandtheit nicht schwer fallen
wird.

2. Der kleine Taucher, welcher in einem verschloffenen Glafe


ohne unmittelbare Berührung auf- und niederhüpft.

Das Glas bestehe in einer länglichen Vase, welche "4


mit Waffer gefüllt und oben mit Blase zugebunden wird
(Fig. 7).
Die kleine Figur, welche den Nix vorstellt, ist von
Email oder Schmelz und trägt auf ihrem Kopfe eine Glas
kugel, in welche oben ein kleines Loch gebohrt ist. Das
Fig. 7. vereinigte Gewicht dieser Figur und Glaskugel ist
so berechnet, daß sie sich im Waffer im Gleich
gewicht erhält, jedoch sich mehr nach oben drängt.
Sobald man nun mit dem Daumen auf die
Blase drückt, womit das Glas verbunden ist, so
wird dadurch die darin enthaltene Luft zusammen
gepreßt, welche nun auf das Waffer (das weniger
Druck verträgt) wirkt und dieses zwingt, in die
Kugel der Figur zu dringen. Dadurch wird ihr
Gewicht vermehrt, das Gleichgewicht hört auf und
die Figur steigt abwärts. Sowie aber der Druck auf
hört, nimmt die Luft auch ihre Federkraft wieder an, sie
wirkt nicht mehr auf das Waffer, und so wird diese Flüs
figkeit durch die ausdehnende Kraft der Luft aus der Kugel
getrieben und die Figur dadurch wieder in die Höhe
steigen.

3. Die Hand als Sonnenuhr.

Wenn wir hier eine Sonnenuhr beschreiben, die jeder


zur Hand hat, braucht es wohl kaum erst vorausgeschickt zu
werden, daß sie auf keine strenge Präzision Anspruch macht,
sondern alles erfüllt zu haben glaubt, was man von ihr
verlangen kann, wenn sie die Tagesstunden innerhalb billiger
Grenzen richtig angibt.
Man streckt die linke Hand mit dem Teller nach oben
horizontal vor sich hin; dann steckt man einen Strohhalm
ganz hinten ins Gelenk zwischen den Daumen und die Hand,
und läßt ein Stück desselben gerade in die Höhe stehen, das
ebenso lang ist wie die Entfernung von dem Daumengelenk,
wo der Strohhalm steckt, bis zum Ende des Zeigefingers.
Dieser Halm bildet den Zeiger. Hierauf dreht man die
Daumenwurzel nach der Sonne, bis der Schatten des Dau
menmuskels (des Ballens, der in der Hand auf dem unter
ften Daumenknochen liegt) bis an die Lebenslinie reicht (die
Linie, welche um die Wurzel des Daumens läuft). Wenn
man nun die Handwurzel nach der Sonne dreht und die
– 15 –

Finger gerade ausgestreckt hält, zeigt der Strohhalm die


Stunde an, wie folgt: fällt der Schatten des Halms an
das Ende des Zeigefingers, so ist es 5 Uhr morgens oder
7 Uhr abends; an das Ende des Mittelfingers, 6 Uhr
morgens oder abends; an das Ende des Goldfingers, 7 Uhr
morgens oder 5 Uhr abends; an das Ende des kleinen
Fingers, 8 Uhr morgens oder 4 Uhr nachmittags; an das
oberste Gelenk des kleinen Fingers, 9 Uhr morgens oder
3 Uhr nachmittags; an das mittelste Gelenk des kleinen
Fingers, 10 Uhr morgens oder 2 Uhr nachmittags; an das
Wurzelgelenk des kleinen Fingers, 11 Uhr morgens oder
1 Uhr nachmittags; wenn endlich der Schatten auf die Linie
fällt, welche die Hand quer durchschneidet und aus dem
Schließen der Finger entsteht, ist es 12 Uhr mittags.

4. Einen goldenen Ring in die Runde gehen zu machen.

Man hänge oder halte ihn, an einen Zwirnsfaden ge


knüpft, ziemlich dicht über ein auf dem Tische liegendes fei
nes Taschentuch, so wird er über demselben so lange ruhig
bleiben, bis man heimlich ein Goldstück unter das Tuch
schiebt, worauf bald der Ring am Faden in der Runde sich
bewegen wird. Man muß sich hierzu eines gewöhnlichen
goldenen (sogenannten Trauring, nicht Siegelring oder mit
einem Steine versehen) bedienen.

5. Verschiedene Blumen auf demselben Stengel wachsen zu


machen.

Man entfernt aus einem Holunderzweig das Mark,


spaltet ihn der Länge nach, steckt in jedem Teil Samenkörner
von verschiedenen Blumen, bedeckt sie mit Erde, fügt die
beiden Hälften des Zweiges aneinander, bindet sie am obern
Ende zusammen und steckt sie in einen Topf mit Erde. Die
Stengel der verschiedenen Blumen werden so fest ineinander
verschlungen sein, daß sie wie ein einziger aussehen, der
– 16 –

Blätter und Blüten mannigfachster Art treibt. Gebraucht


man die Vorsicht, Samen von solchen Pflanzen zu wählen,
die gleichzeitig blühen und deren Stengel so ziemlich dieselbe
Farbe haben, so laffen sich auf diese Weise recht hübsche
Wirkungen erzielen.

6. Rosen auf Eichen zu pfropfen.

Dies kann selbstverstanden nur auf einer Täuschung be


ruhen, denn das Pfropfen von Pflanzen, die nicht derselben
Gattung angehören, ist unmöglich. Allein diese bekannte
Thatsache macht den Scherz nur um so interessanter, wenn
er geschickt ausgeführt ist. Man nimmt ein kräftiges junges
Eichbäumchen, schneidet es in entsprechender Höhe ab, doch
so, daß unterhalb einige gesunde Zweige bleiben, durchbohrt
es von der Wurzel bis zum Ende, steckt durch die Oeffnung
einen bewurzelten Rosenstock, pflanzt das Ganze in einen
hinreichend großen Topf oder Kübel, und verstreicht die
obere Oeffnung zwischen dem Rosenstamm und der Eiche
mit gefärbtem Kitt. Da beide Pflanzen ihre Wurzeln in
der Erde haben, wachsen sie mitsammen fröhlich fort und
machen glauben, daß die blühende Rose wirklich auf dem
Stamm der grünenden Eiche gepfropft sei.

7, Miniaturblumen.

Bekanntlich besitzen die Chinesen die Geschicklichkeit,


überaus reizende Miniaturgärten zu verfertigen. In einem
Kasten von 56 bis 85 cm Länge und 28 bis 56 cm Breite
stellen sie eine ganze Landschaft, nicht nur mit Bergen und
Felsen, Bächen und Seen dar, sondern – was eben das
wunderbarste ist – mit wirklichen, lebenden Gewächsen,
Büschen und Bäumen, die bei einer, den Verhältniffen dieser
kleinen Landschaft genau entsprechenden Größe demnach bis
in alle Einzelheiten die Form und den ganzen Charakter
alter Bäume von natürlichem Wachstum wiedergeben, ganz
– 17 –

so, als ob man ehrwürdige bemooste Waldriesen durch ein


sehr starkes Verkleinerungsglas betrachtete. Das Verfahren,
durch welches diese seltsame Verkümmerung und zugleich so
täuschende Nachahmung der freien Natur bewirkt wird, ist
ein äußerst mühsames und langwieriges, und gelingt selbst
der chinesischen Geduld nur bei einer einzigen, in Europa
noch unbekannten Baumart, aus der denn auch alle Wälder
und Gebüsche jener Miniaturgärten bestehen. Nichtsdesto
weniger läßt sich ähnliches, wenn auch nicht in so hohem
Grade, mit fast allen perennierenden Gewächsen erzielen, und
zwar einfach, indem man den Samen in sehr kleinen
Töpfchen – etwa von der Größe eines Taffenkopfes oder
noch kleiner – thut, deren Erde zwar der Art oder Mi
schung nach den Anforderungen der verschiedenen Pflanzen
entspricht, allein in so geringer Menge vorhanden und durch
Steine noch so verteilt ist, daß die Wurzeln, denen es ohne
hin an Raum zum Ausbreiten fehlt, sich ihre Nahrung sehr
mühsam suchen müffen, was zur Folge hat, daß die Pflan
zen in ihrer Entwickelung zurückbleiben, nur winzige Zweige,
Blätter und Blüten treiben und bald ein sehr gesetztes, alt
kluges Wesen annehmen. Es eignen sich hierzu ebenso Ro
jen, Myrten und andere perennierende Blumen, als die
meisten Laubbäume.
Allein die überaus duldsame Natur läßt sich noch an
dere Mißhandlungen gefallen und lohnt sie noch durch gut
mütige Befriedigung unserer launenhaften Ansprüche. Man
hänge eine gesunde Eichel mittels eines Fadens ungefähr
14 cm unter die Oberfläche des Waffers in einem Glase
und laffe dieses einige Monate ruhig stehen, nur daß man
das verdunstete Waffer von Zeit zu Zeit nachfüllt. Die
Eichel wird keimen, Wurzeln aussenden und ein niedliches
Stämmchen mit kleinen frischen Blättchen treiben. Auch
Haselnüffe eignen sich zu diesem Versuche.
Man beachte jedoch, daß hierzu nur Quell- oder Brun
nenwaffer, nicht aber Regenwaffer genommen werden darf.

Leischner, Zauberkunst. 2
– 18 –

8. Ein Geldstück aus der einen Hand in die andere zu


zaubern.

Hierzu sind zwei kleine, völlig im Werte und Umfange


gleiche Geldstücke nötig, wozu sich am besten Zehnpfennig
stücke eignen. Von solchen zwei Geldstücken wird nur eins
vorgezeigt und auf den Tisch gelegt, z. B. nur ein Zehn
pfennigstück, das andere Zehnpfennigstück aber hat man an
den Nagel des Mittelfingers der linken Hand mit ein wenig
am Nagel befindlichem Terpentinwachs dort angeklebt, so,
daß nichts davon zu sehen ist, sobald die offen gehaltene
innere Hand gezeigt, die Rückseite der Finger aber den Au
gen der Zuschauer entzogen wird. Ebenso hat man auch
am Nagel des Mittelfingers der rechten Hand ein wenig
solches Wachs befestigt.
Man legtjetzt das noch auf dem Tische liegende zweite
Geldstück vor den Augen der Zuschauer in die offene flache
rechte Hand, in die Nähe des Ballens, spreizt beide Arme
zu beiden Seiten auseinander, damit die Zuschauer bemerken
sollen, daß sich in der ausgestreckten linken Hand nichts be
finde, in der rechten aber das Geldstück liege. Beide Hände
werden hierauf zugemacht, und indem dies geschieht, drückt
man den mit Wachs bestrichenen Nagel des Mittelfingers
der rechten Hand auf das darin liegende Geldstück, so daß
es an dem Nagel hängen bleibt, während man das an dem
Nagel des Mittelfingers der linken Hand befestigte zweite
Geldstück, während dem Zumachen derselben, vermittelt des
Zeigefingers von dem Nagel in die Hand abstreift. Wenn
hierauf die Hände geöffnet werden, so bleibt das eine Geld
fück an dem Nagel des Mittelfingers der rechten Hand be
festigt, so, daß dieses Abstreifen aber nicht bemerkt wird;
das andere gleichnamige Geldstück aber liegt dann in der ge
öffneten linken Hand und scheint gleichsam auf eine rätsel
hafte Weise aus der rechten Hand in diese gewandert zu sein.
So einfach dieses Stück auch ist, so wird ihm dennoch
keineswegs das Ergötzende einer angenehmen Ueberraschung
abgehen, wenn es gut ausgeführt wird.
– 19 –

9. Eine ähnliche Belustigung mit zwei Geldstücken.

Zu dieser Belustigung gehören zwei verschiedene, aber


gleichgroße Geldstücke, wovon das eine eine Kupfermünze,
das andere aber eine Silbermünze, z. B. ein Zweipfennig
und ein Fünfzigpfennigstück, oder ein Kreuzer und ein Zwölf
kreuzer ist. Solcher zwei Geldstücke müffen doppelt vorhan
den, auf der einen Seite dünner gefeilt und aufeinander
gelötet sein, fo, daß auf diese Art jede von den beiden
Kupfermünzen mit einer der beiden vorhandenen Silber
münzen zu einem Stück vereinigt ist, und jede dieser bei
den so miteinander vereinigten Doppelmünzen (wovon also
jede halb Kupfer- und halb Silbermünze ist) nur ein ein
ziges gewöhnliches Geldstück zu sein scheint.
Diese beiden Doppelmünzen hält der Taschenspieler
einstweilen unter dem Tische, auf dem Schoße, in Bereit
schaft verborgen und legt dafür zwei einzelne, gewöhnliche
Geldstücke, von gleichem Werte und Gepräge wie die auf
dem Schoße liegenden Stücke offen auf den Tisch hin und
läßt sie nun von den Zuschauern genau betrachten und unter
suchen. Indeffen hat er die beiden, auf dem Schoße liegen
den Doppelmünzen mit der linken Hand aufgegriffen, in
welcher er sie verborgen hält.
Während er sich von einem Platze erhebt, um mit der
rechten Hand die einstweilen von den Zuschauern betrachteten
beiden Geldstücke wieder in Empfang zu nehmen, wird es
ihm leicht, diese im Niedersetzen auf einen Platz hinter dem
Tische schnell und unbemerkt auf den Schoß zu legen. Er
stellt sich nunmehr, als ob er das eine von diesen scheinbar
in der rechten Hand gehaltenen Geldstücken in die geschloffene
linke Hand legte, das andere aber in der rechten zurückbe
hielt, während er die eine von den in der linken Hand ver
borgenen Doppelmünzen mit der rechten Hand hinweg
nimmt.
Er legt nunmehr die eine dieser Doppelmünzen mit der
rechten Hand mit der nach oben gerichteten Seite, wo sie
24
– 20 –

die Kupfermünze zeigt, so in die linke Hand, daß sie auf


die obere Biegungder Hand in der Nähe der untern Fügung
der Finger zu liegen kommt, so daß diese Münze bei dem
Zumachen der Hand sich in der Biegung derselben, bei der
sogenannten Tischlinie in derselben, wenden und die Rück
seite zeigen muß, wenn die Hand wieder geöffnet wird.
Ebenso legt er auch die zweite Doppelmünze an dieselbe
Stelle in der rechten Hand, aber so, daß sie die Silber
münze zeigt.
Er spreizt hierauf die Arme nach beiden Seiten aus,
schließt die Hände, und beim Wiederöffnen derselben wird
man, voll Verwunderung, die vorher in die rechte Hand ge
legte Silbermünze in der linken Hand, und dafür die in
diese gelegte Kupfermünze in der rechten Hand erblicken.
Diese Verwandlung der beiden Geldstücke läßt sich leicht
noch ein paar Male rasch hintereinander wiederholen, um
abwechselnd die eine und die andere Münze bald in dieser,
bald in jener Hand zu zeigen, was aber doch nicht zu oft
geschehen darf, um den Betrug nicht dadurch erraten zu
laffen.
Indem der Taschenspieler noch einmal die rechte Hand
in die etwas zusammengehaltene linke Hand bringt und da
durch vermuten läßt, daß er die in dieser Hand befindliche
Münze zu einer abermaligen Verwandlungwiederum in der
selben an die rechte Seite legen wollte, nimmt er sie schnell
hinweg, wenn er die rechte Hand aus der linken herauszieht
und diese dann zumacht.
In dem Augenblicke, wo er sich wieder auf seinen Platz
begibt, bringt er die rechte Hand unter den Tisch, wo er
die in derselben befindlichen beiden Doppelmünzen schnell
auf den Schoß legt und dafür die dortliegenden beiden ein
fachen Geldstücke behende aufgreift und sie dann in der ge
schloffenen Hand heraufbringt.
Nach einigen gebietenden Machtsprüchen öffnet er die,
zu beiden Seiten über den Tisch ausgebreiteten Hände, wo
die Zuschauer überrascht sein werden, nichts mehr in der
linken Hand zu sehen, in der rechten aber die vorige Kupfer
münze nebst der Silbermünze zusammen zu erblicken, welche
– 21. –

nun der Künstler auf den Tisch wirft und der nochmaligen
Untersuchung der Zuschauer überläßt.

10. Ein Papier so zusammenzulegen, daß man aus ihm mehr


als dreißig verschiedene Formen brechen kann.

Man nimmt einen sehr großen Bogen Papier und teilt


ihn in acht Abteilungen, von denen die vierte und fünfte
(welche die Mitte bilden) etwas breiter, als die andern sein
müffen. Fig. 8JK.
Fig. 8.
AF Ich EF ZIT

| |# | |
v :
„V - K

5 : 4 ( 4 : 8 : 7 :&

Hierauf legt man es, wie Fig. 9 N zusammen und


bricht es in Stufen, wie Fig. 10 LM. Die punktierten Linien
Fig. 9.
des Teiles N geben die Stelle an, wo man abermals neue
Brüche anbringt, und Fig. 11 OP bezeichnet das Muster,
welches zuletzt gebrochen wird. Indem man das Papier
Fig. 11.

aufzieht und die übereinander liegenden Brüche entfaltet,


kann man bei einiger Uebung alle folgenden Formen zu
bezeichnen im stande sein:
1) Einen Kutschenschlag.
2) Einen Thorweg.
3) Eine Wendeltreppe.
4) Eine gerade Treppe.
5) Einen Thürklopfer.
6) Einen viereckigen Tisch.
7) Einen ovalen (länglichrunden) Tisch.
8) Eine Schulbank.
9) Eine Tischbank.
10) Einen Sonnenschirm.
11) Einen Fächer.
12) Eine Blendlaterne.
– 23 –

13) Einen Leuchter.


14) Eine Tragbutte.
15) Eine Brücke.
16) Einen Laden mit einem Wetterdach.
17) Einen Nachtstuhl.
18) Einen Kahn.
19) Einen Hut nach spanischer Manier.
20) Eine Pastete.
21) Einen spanischen Kragen.
22) Eine Predigerkrause.
23) Eine Manschette.
24) Eine Mühlklapper.
25) Ein Schreibzeug.
26) Ein Barbierbecken.
27) Eine Porte-Chaie.
28) Einen Korb für einen Pastetenbäcker.
29) Ein Meffer für einen Schuster.
30) Einen Stiefel.
31) Eine Scharre, den Schornstein zu fegen.
32) Einen Bettschirm.
33) Ein Salzfaß.
34) Eine Küchen- oder Fußbank.
35) Einen Geldbeutel.
36) Eine Nische.
Man kann, wenn man sich übt, noch viele andere
Gegenstände herausbringen.

11. Simons Banden.


Man läßt sich den Daumen der linken Hand mit einer
Schnur umgeben und zwei Schleifen daran binden; wenn
dies geschehen ist, nimmt man das gegen die rechte Hand
gekehrte Ende desselben und zieht es zwischen dem Zeige
finger und dem Daumen dieser Hand hindurch; während
man nun der Person die beiden Daumen darbietet, um sie
durch zwei bis drei Schleifen verschlingen zu laffen, fährt
– 24 –

man mit den vier Fingern der


rechten Hand in den Teil der
Schnur, welcher den zweiten Dau
men mit dem ersten verbinden soll.
Ist dies nach Fig. 12, 13 und
14 richtig ausgeführt, so kann man
sich mit einem Male von diesen
Banden befreien, wenn man den
Teil der Schnur fahren läßt, wel
cher die vier Finger der rechten
Hand umgibt.

12. Das gezeichnete, zerschnittene, zerriffene und doch wieder


zusammengesetzte Taschentuch.

ZweiZuschauer werden gebeten, auf das Theater oder


dergleichen vorzutreten. Diesen gibt man ein Schnupftuch,
welches sie bei allen seinen vier Zipfeln halten müffen, bittet
sich sodann von der Gesellschaft noch verschiedene andere
Taschentücher aus, und sowie man sie bekommt, legt man
fie in das erste, um ein Paket daraus zu machen.
Hat man nun ein Dutzend Schnupftücher zusammenge
bracht, so laffen die beiden Personen, die das Paket halten,
von einer dritten Person ein ihr beliebiges Taschentuch her
ausziehen. Diese letztere Person bittet man, das Zeichen
oder die Nummer, wenn eine daran ist, wohl zu merken
und mit einer Schere einen kleinen Zipfel abzuschneiden.
– 25 –

Die übrigen können auch davon abschneiden, wenn sie Lust


haben; und so kann das Taschentuch ganz zerriffen und in
Stücken geschnitten werden, worauf man alle Teile des zer
stückelten Tuches wieder aufsammelt, eine flüssige Materie
darauf gießt, sie mit einem Bindfaden zusammenbindet, um
ein kleines Paket daraus zu machen und dieses endlich unter
ein Glas legt, welches man scheinbar mit den Händen er
wärmt. Einige Augenblicke darauf nimmt man das Taschen
tuch wieder hervor und legt es auseinander, worauf jeder
das Zeichen an demselben wieder erkennen, keiner aber den
geringsten Riß oder Schnitt an demselben wahrnehmen wird.

Erklärung.
Man versteht sich mit jemand aus der Gesellschaft,
welcher zwei einander möglichst völlig gleiche Taschentücher
besitzt, wovon er eins dem Gehilfen (Steften), der hinter
dem Vorhange versteckt ist, schon gegeben hat, das andere
aber auf das Theater wirft, das Spiel damit machen zu
laffen.
Nun stellt man sich, als wenn man dieses Taschentuch
unter die andern legte, bevor man das Paket macht, und
als wenn man sie ganz gleichgültig untereinander mische;
diejenige Person, der man eins herausziehen läßt, wird ge
wöhnlich immer das wählen, welches obenauf liegt. Sieht
man aber, daß sie ein anderes nehmen will, so bittet man
fie, erst alles nochmals untereinander zu mischen, vorgebend,
daß das Spiel dadurch schöner werde, und nachdem man
die Tücher hierauf selbst umgewendet hat, um dasjenige Tuch
geschickt obenauf zu bringen, welches man gern wählen laffen
will, so wendet man sich an eine schon dem Ansehen nach
nicht so scharfsinnige Person, die wenn sie an das Paket
Schnupftücher greift, ganz aufrichtig das nehmen wird, was
ihr zuerst aufstößt.
Ist nun das gewählte Schnupftuch zerriffen oder zer
schnitten, sind dann die Stücken davon alle wieder gesam
melt, in der Hand fest zusammengedrückt und mit den übri
gen Tüchern scheinbar ins Paket gewickelt, so wird dieses
unter ein Glas auf den Tisch gelegt, der nahe an einem
Verschlage steht; die Teile des zerstückelten Tuches aber sucht
der Taschenspieler in der Geschwindigkeit irgendwo zu ver
bergen.
Der Tisch, auf welchem sich das Glas mit den dar
unter befindlichen Taschentüchern befindet, enthält auf der
Stelle,wo sich die Tücher befinden, eine kleine Klappe, welche
sich leicht öffnen läßt. Der Gehilfe, der hinter dem Vor
hange versteckt ist, steckt nun durch diese Klappe das dem
zerstückelten Schnupftuche völlig ähnliche unter das Glas zu
den übrigen und schließt hierauf die Klappe fachte wieder
zu. Daß hierbei der Tisch nicht bedeckt und die Klappe
auf der Tischplatte nicht wohl sichtbar sein darf, versteht
sich von selbst.
Nachdem nun der Gehilfe das Erforderliche vollbracht
hat, gibt er vom Geschehenen ein geheimes Zeichen, und
der Taschenspieler wird nun, zur Verwunderung aller Zu
schauer, das vermeintlich zerstückelte Tuch aus den übrigen
ganz wieder vorzeigen können.

13. Ueber drei Obertaffen mit drei Meffern eine Brücke


zu bauen.

Die Hefte werden auf


die Ränder der Taffe gelegt
und die Klingen in der Mitte
eine über die andere gekreuzt,
wie Fig. 15.
Wenn man diesesKunst
fückchen einer Gesellschaftauf
gibt, wird es nicht so leicht
erraten werden.
– 27 –

14. Eine Karte mit einem Pistolenschuß an die Wand zu


nageln.

Man läßt eine Karte ziehen, bittet die Person, welche


fie gewählt hat, ein kleines Eckchen davon abzureißen und
sie ganz genau zu besehen, damit sie dieselbe wieder erken
nen möge. Man nimmt diese zerriffene Karte, reißt sie
vollends entzwei und verbrennt sie. Nun läßt man eine
Pistole laden, worein man dann die Asche der verbrannten
Karte mit dem Pulver ladet; statt einer bleiernen Kugel
aber, läßt man einen Nagel, den jemand aus der Gesell
schaftgezeichnet hat, einladen. Hierauf wirft man das Spiel
Karten in die Luft, schießt die Pistole los, und die ver
brannte Karte findet sich an der Wand angenagelt.
Man hält das zerriffene Stück wieder daran, und siehe,
es paßt vollkommen; und den Nagel, womit sie angenagelt
ist, erkennt diejenige Person, welche ihn gezeichnet hat, auch
wieder.

Erklärung.
Sobald der Taschenspieler sieht, daß man eine Ecke
von der gewählten Karte abgeriffen hat, so geht er hinter
sein Theater, nimmt eine gleiche Karte und reißt ebenfalls
ein solches Stück davon ab. Wenn er wieder zurückkommt,
bittet er sich die gewählte Karte aus, steckt sie heimlich in
das Spiel und schiebt diejenige ganz geschickt unter, die er
eben zubereitet hat, um sie statt der ersteren zu verbrennen.
Ist nun die Pistole völlig geladen, so nimmt er sie
unter dem Vorwande, zu zeigen, wie man sie angreifen und
losschießen müffe, und diese Gelegenheit benutzt er, einLoch,
welches unter dem Laufe ist, nahe an der Oeffnungzu öffnen,
und auf diese Weise bringt er den Nagel, welcher ihm ver
möge seiner eigenen Schwere in die Hand fällt, hinweg.
Auf die Oeffnung schiebt er nun eine Art eisernen
Ringes herunter und macht ihn hier fest, damit man nichts
sehe. Nun bittet er wieder jemand, Pulver und Papier in
die Pistole zu laden, und die Zeit, während dieses geschieht,
– 28 –

benutzt er dazu, seinem Gehilfen die wahre Karte und den


Nagel zuzustecken. Dieser nagelt die Karte ohne das min
defte Geräusch auf ein viereckiges Stück Holz, welches dazu
dient, ein Loch, das in dem Verschlage und der Tapete ist,
genau auszufüllen, welches man aber nicht sieht, weil es,
womöglich, mit einem ähnlichen Stück Tapete bedeckt ist.
Deshalb erscheint die Karte, die man eben an die Wand
oder an den Verschlag gemacht hat, noch nicht. Das Stück
Tapete, welches sie bedeckt, ist nur ganz schwach auf der
einen Seite mit ein paar Stecknadeln angeheftet, und auf
der andern Seite hängt es an einen Faden, wovon der Ge
hilfe das Ende in einer Hand hält.
Sobald derselbe nun den Pistolenschuß hört, zieht er
mit einem einzigen Ruck (vermittelt des in der Hand haben
den Bindfadens) das Stückchen Tapete oder farbiges Papier
nach sich zu herab, worauf die Karte erscheint, und zwar
als dieselbe, die man gezeichnet und mit dem Nagel, den
man in die Pistole geladen hat.
So wird man sichgar nichtwundern, wenn das Spiel,
welches wegen seiner Zusammensetzung so schwer zu enträt
feln ist, bei der größten Anzahl Zuschauer Beifall gefun
den hat.
Sollte jemand von den Zuschauern einen Zweifel laut
werden laffen, daß man den Nagel heimlich aus der Pistole
praktiziert habe, so widerspricht man dreist diesem Verdachte
und ersucht ihn, den andern Tag wiederzukommen, um sich
vom Gegenteile zu überzeugen. Dann gibt man ihm eine
Pistole, zerlegt vor seinen Augen alle Stücke derselben, um
ihm zu beweisen, daß nichts an derselben vorbereitet sei;
man läßt sie ihn laden mit einem Nagel, den er durch je
mand, mit dem er sichversteht, zeichnen läßt, oder man zeigt
ihn mehreren Personen und vergißt mit Vorsatz, ihn zu
zeichnen. In diesem Falle nun ist die Karte mit einem
andern Nagel angenagelt, aber um die Gesellschaft zu über
reden, daß es derselbe Nagel sei, behauptet man ganz dreist,
daß verschiedene Personen den Nagel betrachtet hätten, und
bittet die Zuschauer, näher zu kommen, damit sie ihn wie
der erkennen können.
Die Spitzen der Meffer
klingen werden in die Hefte
gesteckt und nun alle drei (wie
Fig. 16) auf der Nadel ba
lanciert, indem das oberste
Meffer mit seinem Rücken im
Gleichgewichte auf die Nadel
spitze gestellt wird.

16. Eine verbrannte Karte in einer Taschenuhr en minia


ture wiederfinden zu laffen.

Man läßt nach Belieben eine Karte ziehen, bittet sich


sodann von der Gesellschaft drei Taschenuhren aus, läßt sie
hierauf von einem Zuschauer in papierne Duten wickeln,
legt sie dann wieder auf den Tisch und bedeckt sie daselbst
mit einer Serviette. Jetzt läßt man die gewählte Karte
verbrennen und thut die Asche davon in ein Kästchen; gleich
darauf macht man das Kästchen auf und es ist keine Asche
mehr darin. Die drei Uhren legt man jetzt auf einen Tel
ler und läßt von jemand eine wählen. Diese Person macht
dann die Uhr auf und findet unter dem Glase ein Stück
der verbrannten Karte und inwendig unter der Uhr eine
ganz kleine Karte, welche im kleinen die vorstellt, die man
in Asche verwandelt hatte.
Erklärung.
Aus einer Partie lauter gleicher Karten, z. B. lauter
Damen, läßt man eine ziehen, versteht sich, von der Kehr
seite her. Die Uhren legt man wohl in Papier eingewickelt
auf eine der Klappen im Tischblatte.
Hat man nun auch dem Gehilfen heimlich Nachricht
gegeben, was für eine Karte man hat ziehen lassen, so
– 30 –

nimmt er unterm Tische durch die Klappe die Dute mit


den Uhren und legt in die eine derselben das hinein, was
man in derselben will, finden laffen, wobei aber die Dute
mit den Uhren mit einer Serviette, welche über drei Gläsern,
in deren Mitte die Dute liegt, bedeckt sein muß, denn sonst
würde man das Verschwinden der Dute durch das Senken
der Serviette bemerken.
Die drei Uhren nimmt man nach einiger Zeit unter
der Serviette wieder vor, legt sie auf einen Teller, und zwar
die zubereitete vorn an, und präsentiert sie sodann irgend
jemandem in der Gesellschaft. Sollte aber diese Person
nicht die vorderste, sondern statt derselben eine der beiden
anderen Uhren wählen wollen, so ersucht man sie, die Uhren
vorher ein wenig untereinander zu schieben, vorgebend, daß
dadurch das ganze Spiel mehr Annehmlichkeit gewinne, und
bedient sich sodann der Lift, die in Nr. 12 bei der zweiten
Vermengung der Schnupftücher angegeben ist.
Was nun aber das Mittel betrifft, wodurch man be
wirkt, daß die Asche der verbrannten Karte in dem Käf
chen, wohinein sie gelegt worden, verschwindet, so besteht
dieses darin: Man legt ein Stück Holz oder Pappe in den
Deckel, welches ihn gerade ausfüllt und auf den Boden des
Kästchens fallen kann, wenn man es zumacht. Da nun
natürlich auch dieses Stück Holz oder Pappe dieselbe Farbe,
als der Boden der Büchse, haben muß, so bildet es einen
doppelten Boden und verdeckt also die Asche der Karte dem
Auge des verblendeten Zuschauers, welcher in dem Wahne
ist, die Asche sei herausgegangen, um fich von neuem zu
sammenzusetzen und die Karte, die man en miniature in
der Uhr gefunden, wieder hervorbringen.

17. Sich mit einem Meffer den Arm zu durchstechen.

Viele Taschenspieler zeigen das Kunststück, wie sie sich


mit einem Meffer den Vorderarm durchstechen, oder durch
stochen haben, ohne daß man Blut fieht.
– 31 –

Das Meffer, womit diese Täuschung hervorgebracht


wird, hat zwischen Klinge und Heft eine besondere Biegung
in der Form eines Halbzirkels,
in welche, wie hier Fig. 17, Fig. 17.
gerade der Arm paßt. Dieser ---

stählerne Bügel muß Federkraft = –


befitzen, damit er sich fest an
das Handgelenk schließt, und
damit er von den Zuschauern
nicht bemerkt werden könne,wird
er mit fleischfarbenem Band
oder Papiere umwunden. Vor
dem Vorzeigen dieses Meffers
wird es immer mit einem ge
wöhnlichen Meffer vertauscht.

18. Daß ein Geldstück, welches in eine Büchse verschloffen


wird, herausgehe, ohne die Büchse anzurühren 2c.

Man bittet jemanden, eine Büchse, in welche man in


seiner Gegenwart ein Stück Geld (oder auch einen Ring)
thut, zu halten, entfernt sich hierauf etwas von ihm und
bittet ihn, die Büchse etwas zu schütteln, wodurch man das
darin verborgene Geldstück hin- und herfallen hören wird.
Man bittet ihn hierauf nochmals, die Büchse zu schütteln,
und man hört jetzt nichts; läßt man aber die Büchse zum
dritten Male von ihm schütteln, so hört man das Geld
wieder hin- und herfallen; aber beim vierten Male Schüt
teln ist es nicht mehr in der Büchse, sondern man findet
es in eines andern Schuh.

Erklärung.
Um das hier Gesagte auszuführen, ist eine besonders
hierzu verfertigte Büchse erforderlich. Diese wird nämlich
so gemacht, daß, wenn man sie von oben nach unten zu
sanft schüttelt, man das hineingethanene Stück hören kann;
– 32 –

schüttelt man sie aber sehr stark in einer horizontalen oder


wagerechten Richtung, so verhindert eine kleine Feder, daß
man nichts hört, damit man glauben soll, es wäre nicht
mehr darin. Nun nimmt der Taschenspieler diese Büche
und gibt vor, er wolle zeigen, wie man sie schütteln müffe.
Obgleich sie nun mit einem Schlüffel verschloffen ist, so
zieht er doch das hineingethanene Stück auf eine sehr ge
schickte Art wieder heraus, weil eine kleine Spalte an der
selben befindlich ist, die heimlich geöffnet werden kann; in
diesem Augenblicke bringt er ein falsches Stück hinein. Er
läßt die Büchse nun jener Person und macht ihr weiß, das
Stück sei nicht mehr darin, oder es sei noch darin, je nach
dem die Person die Büchse schüttelt. Endlich läßt er das
fragliche Stück in einem Schuhe finden, es sei nun, daß er
sich mit einer dritten Person versteht, indem er ihr zu die
sem Behufe das Geldstück geschickt zuspielt, oder er läßt es
unbemerkt auf die Erde fallen und sagt dann der andern
Person, die die Büchse schüttelte, sie habe es fallen laffen.

19, Das Kunststück mit der Schnur um den Stock.

Man nimmt einen kurzen, glatten Stock und schlägt


um denselben eine mit beiden Enden zusammengeknüpfte
Schnur viermal herum, wie es in Fig. 19ABCD gezeigt
Fig. 18. Fig. 19.

ist. Wenn dies geschehen, gibt man beide Enden des Stockes
einer Person zu halten, mit welcher man einverstanden ist
und welcher man scheinbar anempfiehlt, daß Endstück E
- 33 -----

nicht (sowie es in Fig. 18 gezeigt ist) vom Stocke herab


fallen zu laffen. Indem man sich wieder zum Publikum
wendet, schiebt die Person das Endstück K in Fig. 18 vom
Stocke und hält es an demselben gedrückt fest. Jetzt wendet
man sich abermals an die Gesellschaft und sagt: „Ich wette
nun, das die Schnur um den Stock fest ist.“ Dann zieht
man schnell an dem Anfang F der Schnur, welche sogleich
vom Stocke losgehen wird, worauf man ausruft: „Ach, ich
glaubte, sie wäre um den Stock; diese Wette hätte ich ver
loren!“ Nachdem man mehrere Male die Schnur auf die
selbe Weise umschlungen, die Wette angeboten und, sowie
es sich beim jedesmaligen Abziehen der Schnur zeigt, daß
sie nicht um den Stock ist, ausgerufen hat: „Ach, sie ist
wieder nicht darin!“ sucht man endlich jemand zur Wette
zu verleiten; wenn dies der Fall ist, schlägt man die Schnur
wieder, wie Fig. 18, um den Stock, steckt aber das End
stück E, wie bei K Fig. 18, wirklich um den Stock und
gibt ihn so in die Hände des Mitspielers. – Jetzt wird
man die Wette sicher gewinnen, denn beim schnellen Ab
ziehen der Schnur wird diese sich um den Stock herum
geschlungen befinden und daran fest hängen.
-

20. Eine Schrift aus einer Tabaksdose herauszunehmen,


ohne sie anzurühren, und sie hierauf in einer Kerze (einem
Lichte) wiederfinden zu laffen.

Man bittet sich von jemand eine Tabaksdose aus,


nimmt den Tabak heraus, läßt jemand anderes etwas nach
seinem Gefallen auf ein kleines Stück Papier schreiben und
thut dies in die Dose. Gleich darauf läßt man es von
einem andern herausnehmen und verbrennen; zuletzt läßt
man das beschriebene, aber verbrannte Blättchen Papier in
einer Kerze, die sich eins von den Zuschauern wählen kann,
wiederfinden.

Le ich ner, Zauberkunst. 3


– 34 –

Erklärung.
Die Dose, die man entlehnt, darf weder von Gold,
noch von Silber, noch von einem andern Metalle sein, son
dern bloß eine runde Dose von Papiermaché, die inwendig
schwärzlich ist, und von der man den Deckel ganz abnehmen
kann.
Sobald der Zuschauer etwas aufschreibt, geht man mit
dem Deckel hinter ein magisches Theater, paßt ihn daselbst
auf ein Stück Bleipapier, von der Art, wie man es zum
Einschlagen des Schnupftabaks braucht, schneidet das über
den kleinen Deckelrand stehende mit einer Schere ab und
bildet damit einen doppelten Boden. Diesen doppelten Bo
den von Bleipapier thut man mit einem kleinen Stück
Papier, welches viereckig zusammengelegt ist, in den Dosen
deckel.
Jetzt kommt man hinter dem Theater wieder vor und
läßt das Papier, worauf etwas geschrieben ist, ebenso zu
sammenlegen, wie das schon im Deckel befindliche. Nun
läßt man den Zuschauer sein Geschriebenes in die Dose
legen, macht sie dann zu, und indem der doppelte Boden,
der sich im Deckel der Dose befindet, in dieselbe fällt, so
deckt er die Schrift, und das falsche und unbeschriebene Pa
pier wird dann sichtbar. -

Indem man nun dieses letztere nimmt, um es zu ver


brennen, so nimmt also der Zuschauer das Falsche, und
läßt demnach, ohne es zu wissen, seine Schrift in der Dose
unter dem Bleiboden zurück. Hierauf bitte man, das fal
sche Papier zu verbrennen, es vorher aber im zusammen
gelegten Zustande in einer gewissen Entfernungvon der Licht
flamme zu halten, damit es nur nach und nach heiß werde,
eigentlich aber nur, um dadurch Zeit zu gewinnen, die Dose
mit dem wirklich beschriebenen Papiere hinter ein Theater
zu bringen. Hier hat er unter mehreren eine besonders zu
bereitete Kerze, deren Ende mit einem dochtstarken Eisen
durchbohrt ist; in diese Höhlung läßt er von seinem Ge
hilfen die Schrift bis gegen die Mitte der Kerze hinauf
schieben und das hohle untere Ende der Kerze wieder mit
-- 35 -----

Wachs ausfüllen, indem er es im flüssigen Zustande ein


füllen läßt.
Während dieses alles der Gehilfe aufs Beste ausführt,
hat sich der Taschenspieler wieder vor zu den Zuschauern
begeben, vorgebend, daß er, damit sie nicht während dem
Verwandlungsprozeffe Langeweile empfinden sollten, sie mit
nachfolgendem Stücke einstweilen regalieren wollte.
Nachdem nun dieses Stück beendet, wirft er selbst die
Frage auf: „Was mag aber wohl aus dem verbrannten
Papierchen geworden sein? – Ist es wohl schon an Ort
und Stelle, oder nicht? Wir wollen sehen!“ Mit diesen
Worten eilt er hinter ein Theater und bringt in einem
blauen Papiere ein Bund Lichter oder Kerzen herbei, er
sucht nun eins von den Zuschauern, zu bestimmen, in wel
cher Kerze das verbrannte Papierchen gefunden werden solle,
worauf er das Papier, womit die Kerzen in der Mitte um
wunden waren, rasch voneinander schneidet; so wird, da die
Kerzen dadurch alle schnell übereinander rollen, es dem
Taschenspieler leicht, die zubereitete Kerze als die gewählt
sein sollende unter den übrigen hervorzunehmen, sie an Ort
und Stelle voneinander zu schneiden, um nun vom Zu
schauer das verlangte Blättchen, zum Erstaunen aller, her
ausnehmen zu laffen.

21. Einen Schlüffel von einer Doppelschnur, welche eine Per


jon mit beiden Händen hält, loszumachen, ohne daß es die
Person verhindern kann.
Der Künstler Fig. 20.
nimmt einen Schlüffel,
stecktihnaneine Schnur, A
welche mit beiden En
den zusammengeknüpft N
ist, und gibt die letz
tere, sowie Fig.20AB,
entweder einer Person
in beide Hände, oder 3%
von zwei Personen, faßtjede
mit einer Hand an, so daß
der Daumen die Schlinge
“D recht fest hält. Ohne daß
nun die festgehaltenen End
stücken aus den Händen der
Personen gezogen werden,
- löst der Spieler den Schlüffel
auf folgende Art ab: Er legt den Zeigefinger seiner linken
Hand vor den Schlüffel links, über die beiden lang hin
laufenden Linien der Schnur auf dem Punkte c Fig. 21.
Mit den Fingern der rechten Hand faßt er hieraufdie obere
Linie der Schnur, unmittelbar zwischen einem darauf lie
genden Zeigefinger und dem Schlüffel an dem Punkt d,
und zieht die Schnur nach sich an, so daß sie eine Schlinge
bildet, wie in d Fig. 21 zu ersehen ist.
Diese Schlinge legt er, ohne einen Zeigefinger von
dem Schlüffel zu nehmen und ohne die Schlinge zu ver
wenden, worauf es hauptsächlich mit ankommt, um den Dau
men der Person A zur Linken, woran sie die Schnur hält.
Wollte der Künstler jetzt den auf der Doppelschnur ruhen
den Zeigefinger hinwegziehen, so würde sich sogleich die
Schnur durch die Hand der links stehenden Person A hin
durchgezogen haben und der Schlüffel würde herabgefallen
sein. Daher läßt er den Zeigefinger der linken Hand an
seiner vorigen Stelle liegen und spreizt den Daumen dieser
Hand aus, den er zur rechten Seite hin, unmittelbar hin
ter den Schlüffel, auf die Doppelschnur und auf den Punkte
Fig. 20 legt.
Jetzt faßt er die unten hin laufende Linie der Doppel
schnur bei f, zieht sie ebenfalls lang nach sich hin zur lin
ken Seite, so daß sie eine Schlinge bildet wie f, Fig. 21.
So legt er auch diese Schlinge, ohne sie zu verwenden, über
den Daumen der links stehenden Person A, und indem er
nun die bis jetzt auf der Doppelschnur gehaltenen beiden
Finger seiner linken Hand hinwegnimmt und den Schlüffel
mitder rechten Hand unten hinzieht, hält er diesen frei und
von der Schnur befreit in der Hand, obgleich die beiden
Personen A und B die ganze Schnur immer noch um den
Daumen geschlungen halten werden.

22. Der plötzlich verschwundene Ring.

Der Künstler breitet eine weiße Serviette auf dem


Tische aus, dabei hat er aber einen Faden weißer Seide
oder weißen Zwirns in Bereitschaft, an dessen oberem und
unterem Ende eine feine, in einen Haken gebogene, weiße
Stecknadel befestigt ist. Diesen Faden hakt er mitdem einen
Häkchen, bei dem Ausbreiten der Serviette auf dem Tische,
schnell in diese ein, wodurch er den an den Häkchen befind
lichen Faden an der Serviette befestigt, und den Faden nebst
dem an einem andern Ende befestigten zweiten Häkchen durch
eine Falte der Serviette bedeckt.
Jetzt erbittet er sich von einem der Zuschauer einen
Ring, den er vor aller Augen auf die Serviette legt, deren
vier Spitzen er in der Mitte über dem Ringe zusammen
schlägt. Indem er hierbei die rechte Hand unter die zu
sammengelegten Zipfel der Serviette bringt, um scheinbar
dem Ring die richtige Lage zu geben, hakt er das an dem
andern Ende des Fadens befestigte Häkchen in den Ring,
biegt es über dem Ringe fest zusammen und schlägt dann
auch die Serviette noch einige Male zusammen.
Um die Zuschauer zu überzeugen, daß sich der Ring
wirklich noch in der Serviette befinde und er ihn nicht etwa
vorhin mit der herausgenommenen Hand hinweggenommen
habe, entfaltet er die Serviette noch einmal behutsam und
läßt den Zuschauern den darauf liegenden Ring bemerken,
worauf er die Serviette, wie vorher, langsam wieder zu
sammenschlägt. Er hebt sodann die zusammengelegte Ser
viette von dem Tische auf, nähert sich damit den Zuschauern,
und, indem er mit der einen Hand den darin liegenden
Ring von außen her faßt, hält er die Serviette mit der
andern Hand den Zuschauern hin und läßt ihnen den in
der Serviette liegenden Ring selbst nochmals mit den Fin
gern fühlen.
- 38 ---

Nunmehr begibt er sich wieder auf einen Platz, wo er


die zusammengelegte Serviette auf den Tisch legt. – Nach
einigen Augenblicken faßt er eine Falte der Serviette mit
den Fingerspitzen des Daumens und des Zeigefingers, hebt
die Serviette schnell empor und schüttelt sie so über dem
Tische aus, daß der Ring an dem in die Serviette einge
hakten Faden hängen bleibt und nicht herausfallen kann.
Indem er die Serviette dann wieder mit beiden Händen
zusammenlegt, wird es ihm ein Leichtes sein, den Faden mit
dem daran hängenden Ringe mit den Fingern der rechten
Hand wieder auszuhaken und ihn dann in der Hand ver
borgen zu halten, um die Serviette den Zuschauern zur
eignen genauern Untersuchung überreichen zu können. Wäh
rend aber die Zuschauer die Serviette untersuchen, macht
er indessen insgeheim den Ring vom umschlungenen Haken
los und verbirgt ihn in der Hand.
Endlich läßt er sich die Serviette wieder einhändigen,
aber, während er sie nachlässigzusammenschlägt, läßt er ins
geheim den Ring aus einer Hand hineingleiten, worauf er
die wieder zusammengeschlagene Serviette einer Dame mit
der Bitte, sie behutsam zu entfalten, überreicht, und die
selbe wird mit Verwunderung den vorhin verschwundenen
Ring in derselben wiederfinden.

23. Die Perlenschnur.

Der Künstler zeigt der Gesellschaft mehrere große Glas


perlen, welche an zwei gleichlange, dünne seidene Schnuren
gereiht find, deren Enden er (Fig. 22dbec) von zwei
Personen fest halten läßt, dann
Fig. 22. aber die daran gereihten Per
len dessenungeachtet von den
festgehaltenen beiden Schnuren,
ohne diese zu verletzen, leicht
* und schnell löst.
Diese angenehme Belustigungbewerkstelligt man dadurch,
daß man die beiden Schnuren der Länge nach aneinander
legt und sie in der Mitte (siehe Fig. 23) Fig. 23.
durch einen dünnen seidenen Faden so -

locker anheftet, daß sie bei dem gering


sten Anzuge wieder voneinander gehen,
ohne daß irgend etwas bemerkt werden
kann. Sobald man nun die Schnuren
der Gesellschaft gezeigt hat, wobei man
die zusammengeheftete Stelle in das In
nere der Hand legt, steckt man die Schnu
ren durch die Löcher der Perlen, schiebt
aber nicht die beiden Enden de, oder bc,
sondern durch eine geschickte Verwendung die Enden e und c
hindurch, so daß nun die vier Endstücken db, ce Fig. 22,
aus den Perlen hervorgehen und von den Personen gehal
ten werden müffen, ohne daß selbige bemerken können, daß
die zusammengeheftete Stelle unter den Perlen sich befindet.
Alle vier Endstücken läßt man nun von zwei Personen
halten, faßt mit beiden Händen die Perlen, zieht etwas
scharf an, worauf man die Perlen losreißt und in die Hände
nimmt, während die beiden Personen die beiden Schnuren
in den Händen haben werden, ohne daß eine oder die an
dere entzwei ist.

24. Feuer aus dem Munde zu blasen.

Dieses Kunststück gewährt vorzüglich im Dunkeln einen


ganz eigenen Anblick und besteht darin, daß man ein Stück
chen glimmenden Feuerschwamm oder etwas glimmenden
Zunder in ein wenig Werg oder Flachs einwickelt, daraus
einen verhältnismäßigen Knäuel macht und diesen in den
Mund steckt, indem man die auf dem Tische brennenden
Lichter einstweilen aus dem Zimmer oder Saale c. hat
schaffen oder fie, bis auf ein einziges hinter einem Schirme
in einer Ecke, hat auslöschen lassen, um im Dunkeln zu
stehen.
Wenn man hierauf durch starkes Hauchen den Atem
von sich bläst, so wird dadurch das Feuer des glimmenden
Zunders oder Schwammes im Innern des Knäuels dem
Werge mitgeteilt, das sich hierauf sehr bald entzündet. Hier
auf lösen sich die brennenden Teile von den übrigen Teilen
des Werges oder Flachses ab, und fahren, wegen ihrer
Leichtigkeit, bei dem Anstoßen des Atems, aus dem Munde
heraus.
Auf diese Art kann dieses durch wiederholtes Hauchen
bewirkte ausprühende Feuer ohne den geringsten Schaden
und ohne einige Verletzung des Gaumens und Schlundes
fortgesetzt werden, wenn man es nur vermeidet, den Atem
hinterwärts zu ziehen und so den Rauch zu verschlucken.
Jemehr man abwechselnd Werg in den Mund steckt, desto
länger kann auch dieses Feuerspeien fortgesetzt werden, bis
man zuletzt das Ganze aus dem Munde wegwirft und die
Lichter wieder herbeibringen läßt.

25. Künstliche Verschlingungen.

Man läßt sich zwei, etwa 10 cm lange, kleine Brett


chen von hartem braunlackierten Holze verfertigen, und oben
und unten kleine mesfingene Ringe einschrauben, wie sie
Fig. 24, AB, cdef dargestellt sind.
Durch diese Ringe ist, wie hier
zu ersehen, eine seidene Schnur auf
folgende Weise künstlich verschlungen:
Es wird nämlichzuerst das eine Ende
der Schnur g, Fig. 25, durch den
obern Ring c von oben herab nach
unten hin gesteckt und rückwärts von
unten her über den untern Ring d
desselben Brettchens verschlungen und
an den Brettchen hinauf bis unter
den Ring c geschoben, so, daß sich
unter der darüber hinlaufenden Doppel
schnur die kleine Schlinge i, Fig. 24,
bildet. Das andere Ende h, Fig. 25,
dieser Schnur wird hierauf durch den
zweiten Ring d des ersten Brettchens A untenhin und auch
zugleich unter dem Ringe e des zweiten Brettchens B durch
gesteckt und nach dem andern Ende dieses Brettchens hin
geführt und dort durch den Ring f hinausgesteckt. Dieses
Ende h wird endlich über das Brettchen B geschlagen und
durch den Ring d hindurchgesteckt, dann das erste Brett
chen A durch diese Schlinge h hindurchgeschoben, wodurch
diese Schlinge wiederum durch den Ring d hindurchgezogen
und bis unter den Ring c hinaufgeschoben wird, wodurch
das Ganze, wie Fig. 24, künstlich verschlungen wird, ohne
daß es jemand aus der Gesellschaft lösen kann.
Der Künstler bewerkstelligt dies jedoch leicht auf fol
gende Weise: Er faßt die Schlinge k, schiebt sie an dem
Brettchen B hinunter und steckt sie unter der Schnur durch
den Ring e, steckt das Brettchen A hindurch, zieht dann
die Schlinge k durch den Ring e zurück, so wird das Brett
chen B auf diese Weise von der Schnur befreit, und das
andere Brettchen kann dann leicht durchgezogen werden.

26. Verschiedene Sorten Band aus dem Munde zu ziehen.

Zur Fortsetzung der 24.Belustigung bemerktder Taschen


spieler, daß auf die dort gezeigte Weise, vermittelt der
natürlichen Magie, auch Band gewebt werde, wobei er die
eine oder die andere Dame aus der Gesellschaft auffordert,
selbst zu bestimmen, ob sie weißes, schwarzes, gelbes, rotes
oder grünes Band verlange, und ob er ihr eine oder zwei
oder einige Meter davon verfertigen solle. Je nachdem nun
die eine oder andere Sorte Band verlangt wird, zieht er
dieselbe auch richtig nach dem angegebenen Metermaße aus
dem Munde hervor.
Um dies aber zu bewerkstelligen, hat der Künstler hierzu
verschiedene Arten dünner und feiner Bänder, die nach einem
beliebigen Metermaße so abgemeffen sind, daß bei jedem
Meter ein starker Faden durch das Band gezogen ist, der
sich leicht zwischen den Fingern fühlen läßt und ebenso leicht
herausgezogen werden kann.
– 42 –

Diese Bänder werden nach ihren Farben in besondere


kleine Knäuel aufgewunden, die aber nur so groß sein dür
fen, daß sie mit leichter Mühe in der Hand zu verbergen
find und bequem in den Mund genommen werden können.
Diese Knäuel legt der Künstler nach den Farben irgend
wohin, von wo er die nötigenfalls unbemerkt ergreifen kann,
wendet sich hierauf an eine der Zuschauerinnen, mit der
Aufforderung, sich irgend eine beliebte Sorte Band nach
einer zu bestimmenden Meterzahl zu wählen.
Je nachdem nun die rote oder die weiße oder eine der
oben genannten andern Farben Band genannt wird, ergreift
er geschickt, doch unbemerkt, den entsprechenden Knäuel, zu
gleich aber auch ein danebenstehendes Glas mit Bier oder
Wein, um, unter dem Vorgeben der nötigen Anfeuchtung
des Mundes, davon zu trinken. Indem er jedoch mit der
einen Hand das Glas zum Munde bringt und die andere
Hand ihn dabei unterstützt, bringt er schnell den in der
Hand verborgenen Knäuel in den Mund hinter die Zähne,
jetzt das Glas wieder auf einen Platz und ergreift sodann,
nachdem er einmal etwas stark bläst, mit dem Daumen und
Zeigefinger das lockere äußere Ende des Bandknäuels, wel
ches er nun zwischen den Zähnen herauszieht, fo, daß sich
der Knäuel allmählich hinter den Zähnen aufwickelt, wo er,
nach den zwischen den Fingern der vor den Mund gehalte
nen andern Hand gefühlten Meterabteilungen des Bandes,
soviel herausziehen, und dann abschneiden kann, als Meter
davon verlangt worden sind.
Sollte es aber vielleicht sich treffen, daß man eine
größere Anzahl Meter von dem bestimmten Band verlangte,
als es die Umstände verstatten, auf einen Knäuel zu bringen,
ohne denselben allzugroß zu machen, so kann sich der Künst
ler sehr leicht damit entschuldigen, daß das vorhin zu diesem
Behufe gespeiste und in feurigen Funken ausgesprühte rohe
Material für eine so große Meterzahl nicht hinlänglich ge
wesen sei, sondern nur für eine verhältnismäßig kleinere
Anzahl Meter.
--- 43 -

27. Mit einer farblosen Flüssigkeit rot zu färben.

Wenn man Kalkwaffer auf Roterübensaft gießt, er


hält man eine farblose Flüssigkeit, in welche man Leinwand
oder Baumwolle taucht. Nachdem diese Stoffe ein Weil
chen zum Trocknen an der Luft gelegen, färben sie sich rot.
Doch erfordert die Wahrheit das Geständnis, daß dieser
Färbung keine große Dauerhaftigkeit zu versprechen ist; wie
es sich auch hier nur um interessante überraschende Experi
mente handelt.

28. Die Kunst, das Alter jeder Person zu erraten.

Reiche der Person, deren Alter du ermitteln willst,


nachfolgende kabbalistische Täfelchen, eins nach dem andern,
mit dem Ersuchen, nachzusehen, auf welchen allen die Zahl
seines Alters vorkomme. Diese Täfelein laffe dir geben;
worauf du nur immer die zweite Zahl jedes dieser Täfel
chen zusammenzählt, so wird die so erhaltene Summe das
richtige Alter der betreffenden Person angeben. Z.B.: Je
mand der 36 Jahre alt ist, findet die Zahl seines Alters (36)
auf den mit III. und VI. überschriebenen Zahlentäfelchen.
Nun ist die zweite Zahl von oben auf der Zahlenreihe
Nr. III. 4, und die von Nr. VI. 32; folglich ist das Alter
dieser Person 32–4 oder 36 Jahre.
Gesetzt aber, jemand sei 63 Jahre alt, so findet der
selbe die Zahl seines Alters (63) auf den mit I, II, III,
IV, V. und V. überschriebenen Täfelchen, und zwar ist auf
Täfelchen Nr. I die zweite Zahl von oben 1; auf
Täfelchen Nr. II ist die 2; auf Täfelchen Nr. III ist die 4;
auf Täfelchen Nr. IV ist sie 8; auf Täfelchen Nr.V ist sie
16, und auf Täfelchen Nr. VI ist die 32; mithin das er
ratene Alter: (1 – 2 – 4 – 8 – 16 – 32) = 63
Jahre.
Auf gleiche Weise kann man auch jede ganze Zahl bis
100 erraten, wenn sich jemand eine solche gedacht hat.
– 44 –

Diese sieben Zahlentäfelchen läßt man einzeln auf eben


joviele gleichgroße, mit Papier überzogene dünne Papp
stücken schreiben und gebraucht sie dann, wie so eben gelehrt
worden.

Täfelchen I.
9 1 3 5 7 11 13 19 15

6 2 7 10 11 14 15 18
19 23 26 27 22 30 31 34
35 3 38 39 46 42 43 47
50 51 55 54 58 59 63 62
66 67 70) 71 74 75 78 79
83 86 82 87 90) 91 94 98
95 99.

5 4 7 12 6 13 14_15“ 20
21 22 2 23 29 35 -
31 37 39 44 45 47 **16 - 52 .
37
54 60 53 61 62 63 68 69 71
77 70 78 76 79 84 85 86 92
93 94 95 100.

9 8 10 11 12 13 14 15
24 25 26 28 29 27 30 40
31 41 42 43 44 45 46 47
56 57 58 59 60 61 62 63
72 73 74 75 76 77 78 79
88 89 90) 91 92 93 94 95.
Täfelchen V.
17 16 19 29 18 21 24 22 25
23 26 27 28 29 30 31 48 49
50 51 52 53 54 55 56 57 58
59 60 61 62 63 80 81 82 83
85 86 87 88 89 90 91 92 93

33 32 34 37 36 39 35 412
38 40 41 43 44 45 47 50)
46 48 49 51 52 53 54 56
57 58 59 60 61 62 98 97
96 63 99 100,

29. Mittels eines Stabes ein Ei tanzen zu laffen.

Man bläst ein Hühnerei aus, steckt in das kleine mit


einer Nadel gemachte Loch das Ende eines 70 cm langen
Fadens roher Seide, und klebt die Oeffnung mit Jungfern
wachs zu, wodurch der Faden noch mehr befestigt wird.
An das andere Ende dieses Fadens macht man eine Schlinge
und hängt sie an den Knopf des Rockes, welcher sich nach
dem Kragen des Kleides zu befindet. Diese Vorbereitungen
müffen vorher, und ohne daß es die Zuschauer bemerken,
– 46 –

geschehen. Hierauf legt man mehrere Eier auf einen Teller,


den man in die Mitte des Tisches stellt, nimmt einen schwa
chen Stab, läßt, indem man ihn mit beiden Händen hält,
den Faden quer darüber hingleiten und bringt so das Ei
in eine tanzende Bewegung.
Der Seidenfaden wird von den Zuschauern nicht be
merkt werden, weil er dünn, wie ein Haar und von blaß
gelber Farbe ist, dennoch aber Festigkeit genug hat, um das
leere Ei tragen zu können.

30. Drei ungleich lange Papierstreifen, in gewisse Ordnung


gelegt, aufzurollen, die aber, je nach ihrer Lage, beim Auf
wickeln ihre frühere Stelle ganz verwechselt haben.
Man schneidet drei längliche Streifchen Papier von
gleicher Breite, wovon aber das eine ungefähr 14 cm, das
andere 12, und das dritte nur 10 cm lang sein kann.
Zuerst legt man auf das größere das mittlere, und
auf diese das kleinste, jedoch so, daß ihre obersten Enden
einander gleich liegen. In dieser Lage werden fiel alle drei
zusammen in einen kleinen Cylinder aufgewickelt, wobei dann
natürlich der längste Streifen außen, der mittlere in der
Mitte, und der kleinste ganz inwendig zu liegen kommt.
Nun wickelt man die Rolle in folgender Ordnung wie
der auf.
Zuerst wird der äußerste oder längste Papierstreifen
aufgewickelt, und zwar vom untern Ende an, bis etwa zum
fünften Teile einer Länge, bis man zum Ende des mittle
ren Streifens kommt. Diesen läßt man aber noch liegen
und fährt fort, den längsten Streifen aufzuwickeln, bis man
wieder zum Ende des mittleren Streifens kommt; alsdann
nimmt man im Fortfahren den mittleren Streifen mit und
endlich auch den kleinsten.
Ist man nun mit dem Aufwickeln fertig, so wird sich
zwischen dem längsten und mittleren Streifen der kürzeste
Streifen, in der Mitte beider liegend, befinden, und somit
wird jetzt der längste Streifen der erste, der kürzeste aber
der mittelte, und der nächstgrößere der dritte ein.

31. Ein ausgelöschtes Licht durch den Rauch wieder anzu


zünden.

Man nimmt hierzu eine Talg-, Wachs- oder Stearin


kerze, welche schon eine ziemlich lange Schnuppe hat, die
jedoch noch nicht zu sehr verkohlt sein darf, so, daß fie,
wenn man das Licht ausbläst, zwar schwarz erscheint, aber
nicht mehr glüht. Bläst man nun das Licht aus und hält
einen brennenden Fidibus über den brennenden Rauch, und
zwar 2 bis höchstens 3 cm über der Schnuppe, so wird jo
gleich eine Flamme niederfahren und das Licht sogleich wie
der anzünden.

32. Ein Glas mit der Stimme zu zersprengen.

Nimm ein Glas, das einen reinen Ton von sich gibt,
den man vorher mit dem Finger erprobt. Hierauf halte
ein solches Glas quer vor den Mund und schreie mit star
ker Anstrengung etliche Male gegen den Rand des Glases,
aber in einem höheren Tone, als das zu zerschreiende Glas
selbst von sich gibt, so wird dasselbe bald mit einem Knalle
zerspringen.

33. Den Taufnamen einer Person leicht zu erraten.

Laffe die Rückseite von Tafel I und II der weiblichen


sowohl, als der männlichen Taufnamen aufeinander leimen,
und dir dann von derjenigen Person, deren Taufnamen du
erraten willst, angeben, auf welchem mit Nummern über
zeichneten Felde der Tafel I ihr Name vorkomme. Hierauf
laffe ihr auf der Rückseite, also auf Tafel II, nochmals
ihren Namen suchen und dir auch jetzt angeben, in welchem
Felde er vorkomme. Um nun diesen Namen zu erraten,
so zähle im genannten Felde der Tafel II die Namen die
fes Feldes vom ersten Namen zur Rechten zum Namen
links, und von diesem wieder zur Rechten, dann wieder zur
Linken, und so fort, bis man zu dem so vielten Namen
kommt, auf welchem Felde der Tafel I der zu erratende
Name vorkam. Gesetzt, jemand hieße Emilie oder Gott
fried, so kommen beide Namen auf den verschiedenen Ta
feln II im Felde Nr. 5 vor. Da nun jeder dieser Namen
auf Tafel I im Felde Nr. 4 vorkam, so zählt man auf
Tafel II im Felde Nr. 5 bis 4, nämlich a, bei den weib
lichen Namen: Agnes 1, Bilhildis 2, Konstanze 3, Emilie 4,
und dieser letztere ist der zu erratende Taufname. Ebenso
verfährt man mit Tafel II der männlichen Namen.
Tafel I.
A. Weibliche N am e n.

Feld Nr. 1. Feld Nr. 2.

Adelheide Adolfine Auguste Barbara


Agathe Agnes Bernhardine Bilhildis
Albertine Amalia Brigitte Caroline
Anna Apollonia Catharina Cäcilia

Feld Nr. 3. Feld Nr. 4.

Christiana Clara Emilie Emma


Clementina Clotildis Ernestine Eugenia
Constanze Cornelia Franziska Friederike
Dorothea Elisabeth Gabriele Helena

Feld Nr. 5. Feld Nr. 6.

Henriette Hermine Leonore Leopoldine


Johanna Josephine Ludgardis Louise
Juliane Justine Margaretha Maria
Kunigunde Laura Martha Minna

Feld Nr. 7. Feld Nr. 8.


Ottilia Pauline Sophia Sibylla
Philippine Regina Susanna Thekla
Rosalie Rosamunde Therese Ursula
Rofina Sabina Veronika Wilhelmine

Leischner, Zauberkunst.
Tafe l II.
B. Weibliche N am e n.

Feld Nr. 1. Feld Nr. 2.

Auguste Apollonia Cäcilie Anna


Gabriele Dorothea Franziska Christiana
Maria Hermine Louise Josephine
Thekla Philippine Sibylla Rosalie

Feld Nr. 3. Feld Nr. 4.


Barbara Amalia Bernhardine Albertine
Friederike Elisabeth Helene Cornelia
Margaretha Johanna Martha Henriette
Susanna Regina Therese Pauline

Feld Nr. 5. Feld Nr. 6.


Bilhildis Agnes Brigitte Agathe
Emilie Constanze Emma Clotildis
Leonore Laura Minna Kunigunde
Veronika Rosina Sophia Ottilie

Feld Nr. 7. Feld Nr. 8.


Caroline Adolfine Catharina Adelheide
Ernestine Clementina Eugenia Clara
Justine Leopoldine Ludgardis Juliane
Ursula Sabina Wilhelmine Rosamunde
51 –

Tafel I.
A. M ä n n l i ch e N a m e n.

Feld Nr. 1. Feld Nr. 2.


Adolf Albert Bruno Carl
Alexander Andreas Christian Conrad
Anselm August Constantin Cornel
Benno Bernhard Daniel David

Feld Nr. 3. Feld Nr. 4.


Edmund Eduard Gottfried Heinrich
Elias Ernst Hermann Hieronymus
Ferdinand Friedrich Hubert Hugo
Franz Georg Ignaz Jakob

Feld Nr. 5. Feld Nr. 6.

Joachim Johann Martin Maximilian


Joseph Julius Michael Moritz
Kaspar Lorenz Nikolaus Oskar
Leopold Ludwig Otto Paul

Feld Nr. 7. Feld Nr. 8.


Peter Philipp Stephan Theodor
Richard Robert Thomas Urban
Rudolf Stanislaus Valentin Wendelin
Wenzeslaus Wilhelm Willibald Zacharias.

4
52

Tafel II.
B. M ännliche N am e n.

Feld Nr. 1. Feld Nr. 2.


Bruno Bernhard David Benno
Ignaz Franz Hubert Edmund
Oskar Johann Moritz Julius
Urban Richard Theodor Rudolf

Feld Nr. 3. Feld Nr 4.

Carl August Christian Anselm


Hugo Georg Jakob Friedrich
Nikolaus Joseph Otto Joachim
Thomas Robert Valentin Philipp

Feld Nr. 5. Feld Nr. 6.

Conrad Andreas Constantin Alexander


Gottfried Ferdinand Heinrich Ernst
Martin Ludwig(Louis) Paul Leopold
Willibald Wenzeslaus Stephan Peter

Feld Nr. 7. Feld Nr. 8.


Cornel Albert Daniel Adolf
Hermann Elias Hieronymus Eduard
Lorenz Maximilian Michael Kaspar
Wendelin Wilhelm Zacharias Stanislaus
– 53 –

34. Zwei Ringe künstlich zu verschlingen.


Zur Ausführung dieses Kunststückes braucht man ein
zierlich ausgeschnittenes 14 cm langes Brettchen, welches
man rot lackieren laffen kann (Fig. 26). An dieses Brett
chen werden die Ringe auf fol- ia. 26
gende Art verschlungen: Eine Fig. 26.
47 cm lange rotseidene Schnur
wird in der Mitte zusammen
gelegt, so, daß die beiden herab
hängenden Teile mit ihren En
den nebeneinander liegen. Der
obere Teil der Doppelschnur,
wo sie in der Mitte zusammen
gelegt ist, wird durch das in der
Mitte des Brettchens befindliche
kleine Loch an der Vorderseite
des Brettchens gesteckt und unter
demselben etwas herabgezogen f; hierauf werden die von
vorn herabhängenden beiden Teile der Schnurg und h durch
die kleine Schlinge f hindurchgesteckt und zu beiden Seiten
ein Ring an die Schnur gereiht. Die beiden Enden der
Schnur werden endlich links und rechts ik an das Brett
chen festgeknüpft.
Für den Unkundigen wird es nun sehr schwer sein,den
Ring c von seiner Schlinge hinweg und an die andere
Schlinge links zu dem dort hängenden Ringe d zu bringen,
ohne die Schnur von dem Brettchen an den Ecken loszu
knüpfen, da das Loch e zu klein ist, als daß der Ring hin
durchgezwängt werden könnte. Man bewerkstelligt es jedoch
folgendermaßen: Man läßt eine Person das Brettchen an
dem obern Ring 1 halten und zieht mit der linken Hand
die kleine Schlinge f etwas nach sich hin unter dem Brett
chen hervor, so, daß man den Ring c an seiner Schnur
hinauf und durch die Schlinge schieben kann und der Ring
gleich über derselben zu stehen kommt. Hierauf faßt man
die oben durch das Loch e hervorgehende Doppelschnur bei
g und h über der Schlinge und zieht daran die unten her
vorgehende Schlinge f durch das Loch e vorwärts hervor,
so daß man den Ring c durch die Schlinge stecken kann;
hierauf zieht man diese wieder durch das Loch des Brett
chens zurück. Jetzt wird noch die hinter dem Brettchen zu
rückgezogene Schlinge f unter dem Brettchen etwas hervor
gezogen, wo es denn leicht zu bemerken ist, das der Ring c
noch einmal durch die Schlinge, und zwar nach der linken
Hand hin, geschoben werden muß. Der Ring muß nun
sogleich an der Schnur herabgleiten und sich mitdem Ringe d
auf der zweiten Schlinge vereinigen.

35. Daß man nicht im stande sei, einen Stift oder derglei
chen innerhalb eines aufgerollten Riemens fo zu stecken, daß
dieser Stift, sobald der Riemen auseinandergethan wird, vom
Riemen umgeben sei.

Dieses einfache und interessante Stück hat schon zu


vielfachen Wetten, welche die Unkundigen jedesmal verlieren
mußten, Anlaß gegeben. Um dieses Stück auszuführen, sei
es nun, um eine Wette darauf zu gewinnen, oder der blo
ßen Unterhaltung wegen, so nimmt man einen wenigstens
70 cm langen und nicht zu dünnen, aber egal breiten Rie
men, legt defen beide Enden zusammen und rollt ihn nun
doppelt liegend, vom entgegengesetzten oder geschloffenen Ende
anfangend, auf, merke ich aber während dem Aufrollen ge
nau, wo sich das Schlingende des Riemens befindet, weil
sich immer zwei solcher Enden bilden.
Indem man nun den so zusammengerollten Riemen so
auf den Tisch legt, daß die beiden innerhalb desselben sich
zeigenden Schlingenden nach oben sehen, hält man zugleich
die beiden außerhalb befindlichen Enden des Riemens, und
zwar jedes mit einem Daumen, an den Riemen angedrückt,
damit der Riemen scheinbar fest zusammenbleibe. Jetzt er
sucht man den Wettenden, oder sonst jemand, irgend ein
etwas spitzes Instrument so innerhalb des Riemens zu stecken,
daß es beim Aufrollen vom Riemen eingeschloffen sei. Wird
nun wirklich die rechte Stelle gefunden, so braucht man nur
– 55 –

das äußerste Ende des Riemens heimlich loszulaffen, es


sogleich aber mit dem andern Ende zu ergreifen und den
Riemen aufzurollen, so wird das eingesteckte Instrument,
zur Verwunderung des Gegners, sich außerhalb des Rie
mens befinden.
Umgekehrt kann man auch wetten, daß man nie zwischen
den auf vorige Weise aufgerollten Riemen so stechen könne,
daß das eindringende Instrument nicht vom Riemen um
geben sei.
Um dies zu bewerkstelligen, braucht man nur auf die
vorhin beschriebene entgegengesetzte Weise zu verfahren.

36. Der sich selbst befreiende Gefangene.

Man befestigt an jedes Bein einen Lederriemen mit


einem eisernen Ringe, in welchen man eine eiserne Kette
zieht und diese (Fig. 27) an eine Säule oder in einen Ring
an der Mauer befestigt. – Wenn man nun auf diese Art

befestigt ist, kann man sich sehr leicht dadurch befreien, ohne
die Feffeln zu zerbrechen, oder sich der Säule zu nähern;
man faßt nämlich die Kette an der Stelle A an, zieht sie
durch den Ring B über C hinweg und nimmt sie dann
unter den Fuß D (Fig.27). Alsdann darf man die Kette
– 56 –

nur etwas stark anziehen, damit sie aus den Ringen gehe,
die an den Füßen befestigt sind.

37. Einen Faden zu zerschneiden, dann zu verbrennen, und


doch mit der Asche den Faden wieder ganz zu machen.

Man nimmt zwei gleichlange Zwirnsfäden, rollt einen


davon bis zur Größe einer Erbse oder Bohne zusammen
und verbirgt denselben in der Hautfalte zwischen dem Dau
men und Zeigefinger der linken Hand. Hierauf läßt man
den andern Faden, indem man ihn ausspannt, meffen, dann
zerschneiden und endlich verbrennen, die Asche davon sich
aber in die linke flache Hand geben.
Nachdem dies geschehen, reibt man die Asche scheinbar
zwischen beiden innern Handflächen und zieht währenddem
mit dem Daumen und Mittelfinger unvermerkt den zusam
mengerollten ersten Faden zwischen Daumen und Zeigefinger
der linken Hand hervor, breitet ihn auf einmal aus, reicht
ihn einem der Zuschauer mit der Bitte, ihn nachzumeffen
und zu untersuchen, hin, so wird man mit Bewunderung
den zerschnittenen und verbrannten Faden wieder zu sehen
glauben.

38. Sich unbeschadet einen Dolch in die Stirn zu stoßen.

Das Heft dieses Dolches (Fig. 28) ist hohl, damit


eine Feder (wie die Ventilfeder einer Windbüchse)von schwach
gewundenem Draht hineingepaßt werden könne. An das
Hinterteil der Klinge E dieses Dolches kommt ein flacher
Knopf, der genau so groß, als die Oeffnung in dem Heft
Fig. 28.
„––

ODM-Um- --
– 57 –

ist. In das Gewinde der Drahtfeder wird ein feiner Wasch


schwamm eingepaßt, den man voll roten Wein oder Kirsch
saft saugen läßt.
Endlich wird der Rand des Heftes gegen C hin mit
Gummiwachs beklebt und an die Spitze des Dolches ein
kleiner silberner Knopf befestigt, damit die Spitze nicht fe
chen könne.
Sowie man sich nun mit diesem Dolche heftig gegen
die Stirn stößt, tritt die Klinge in das hohle Heft zurück
und drückt den Schwamm aus, während das Gummiwachs
das Heft an der Stirn festhält und so das Ansehen ge
winnt, als wenn die Klinge in die Stirn gedrungen sei und
das Blut von derselben herunterlaufe.

39. Wunderbare Art, einen Ring an einen Stab zu bringen.

Man bittet sich einen, wo möglich mit einem Steine


versehenen, Ring aus; diesen legt man mitten in ein Schnupf
tuch, nimmt darauf den Ring in die rechte Hand und legt
das Schnupftuch über den Ring. Nun läßt man auch füh
len, um zu zeigen, daß er sich wirklich im Schnupftuche be
findet, und sagt dann: Es ist so nicht gut, ich muß ihn
umdrehen, damitder Stein nicht entzwei breche. Zu gleicher
Zeit schlägt man mit dem Stäbchen ein wenig darauf und
jagt jedesmal: Man darf den Stein (oder Diamant) ja
nicht entzweibrechen.
Hierauf steckt man das eine Ende des Stabes unter
das Tuch, defen Zipfel über den Ring herabhängen, läßt
dann den Ring an dem Stabe herunter bis in die Hand
laufen, zieht den Stab unter dem Schnupftuche weg und
stellt das andere Ende des Stabes auf den Tisch, um die
Hand mit dem Ringe bis in die Mitte des Stäbchens her
unterrücken zu laffen. Hierauf läßt man die beiden Enden
des Stäbchens von jemandem halten, läßt aber währenddem
die rechte Hand über dem Ringe nicht los. Jetzt wickelt
man das Schnupftuch um den Ring, und sobald er bedeckt
ist, thut man die Hand weg; sodann wickelt man das übrige
vom Schnupftuche noch vollends herum. Endlich zieht man
das Tuch vom Stäbchen ab, und der Ring befindet sich statt
deffen daran; man wird sich wundern und glauben, der
Ring sei aus dem Schnupftuche an das Stäbchen gebracht.

40. Die im voraus bestimmte Wahl von vier Pretiosen.


Man läßt eine runde Büchse von der Größe einer
etwas flachen Tabaksdose drechseln. Sie besteht aus zwei
Teilen (Seitenansicht Fig. 29): 1)des Deckels AB, 2) eines
- Ringes
Seite GEF, derwelchem
hin in nach
Teil CD der
einge
Fig. 29.
TB paßt, dessen Teil H über die Seite I
---------J
F-TV dieses Zirkels hervorsteht und so
–– der sie als sich die
– Das Stück CD muß einen
IW) – Boden M haben, der als der Grund
der Büchse erscheint,während jedoch
LEE" ein anderer Boden CN mittels eines
Schraubengewindes in den Teil G
des Zirkels eingeht. Das Ganze muß so zusammengelegt
sein, daß, wenn man den Deckel AB dreht, sich gleichzeitig
der Teil CD mit dreht, ohne daß er sich deshalb in die
Höhe gibt, wenn die Büchse geöffnet wird.
Zu diesem Zwecke ist es nötig, daß der Deckel etwas
streng in den Teil H des Stückes CD paßt, das letztere
sich dagegen sehr leicht in dem Ringe EF umdreht.
Im Mittelpunkte des Stückes LN wird ein Zapfen
eingeschlagen, der durch ein in den Boden CD gebohrtes
Loch geht. Auf diesen Stift kommt eine
Fig. 30. Nadel(nicht magnetisiert), die sich nur
--D mit einer sanften Reibung, d. h. etwas
streng drehen darf. Auf ein Papier,
f//_D welches ebenso groß als der Boden CD
==={F) sein muß, wird ein in vier gleiche
- Teile geteilter Zirkelgezogen, in deren
jeden der Name eines Gegenstandes
geschrieben wird (Fig. 30).
An einer Seite der Büchse und zugleich an dem Deckel
schlägt man zwei kleine Spitzen ein oder macht sich sonst
ein Merkmal, daß man sogleich durch das Gefühl oder durch
einen flüchtigen Blick erkennen kann, wenn es bei der Aus
führung nötig ist.
Wenn man nun die Nadel nebst dem Worte „Ring“
(eines der vier zur Wahl gegebenen Gegenstände: Ring,
Meffer, Dose, Petschaft) gegen die an der Seite der Büchse
sich befindende Spitze richtet, die Büchse zumacht, die Spitze
des Deckels nach derselben Seite stellt und den Deckel rechts
oder links ein Vierteil umdreht, so wird der Zirkel dieser
Bewegunggleichmäßig folgen. Oeffnet man nun die Büchse
in dieser Stellung, so zeigt die Nadel, welche ihre Richtung,
da sie streng geht, nicht verändert hat, das Wort „Ring“
oder „Meffer“ an; läßt man hingegen den Deckel einen
halben Teil herumgehen, so wird sie das Wort „Dose“ an
zeigen. Durch diese Einrichtung ist es sehr leicht, mittels
der Nadel den Namen eines der vier Gegenstände nach Be
lieben andeuten zu laffen.
Die Belustigung damit ist nun folgende: Man legt die
vier Gegenstände und die Büchse auf den Tisch und bemerkt
der Gesellschaft, daß man in der Büchse im voraus den
Gegenstand angezeigt hat, den eine Perfon wählen und an
sich nehmen wird.
Sowie die Wahl getroffen ist, nimmt man die Büchse
dreht ihren Deckel vorschriftsmäßig um und überzeugt nun
die Gesellschaft, daß die Nadel, ohne daß sie sich wie eine
Magnetnadel von selbst drehen kann, wirklich auf den Na
men des gewählten Gegenstandes zeigt.

41. Mit zwei Zehnpfennig- oder Sechskreuzerstücken 2c. ein


sehr täuschendes Kunststück zu machen.

Hierzu wird erfordert, daß man das eine Geldstück


schon im Zipfel eines Schnupftuches verborgen habe, was
am leichtesten geschieht, wenn man die Münze in die Ecke
des Tuches wickelt und solches mit einer Nadel befestigt, da
– 60 –

mit beim Ausschütteln desselben nichts herausfalle. Ist


dieses geschehen, so läßt man sich von jemandem aus der
Gesellschaft eine möglichst gleiche Münze geben, die der Geber
auch allenfalls besonders zeichnen kann, und verspricht, indem
man die erhaltene Münze in die linke Hand nimmt, die in
das Taschentuch zu wickeln, zwischen zwei Fingern der rech
ten Hand über den Tisch zu halten und diese, wenn man
zu drei verschiedenen Malen damit auf den Tisch schlagen
werde, in eine Taffe fallen zu laffen, die man unter den
Tisch halte.
Dieses wird nun auf folgende Weise ausgeführt:
Man hält mit der linken Hand, in welcher man die
eine Münze zugleich verbirgt, eine Obertaffe unter den Tisch,
in der rechten Hand aber das Taschentuch, welches man
vorher einigen Zuschauern zeigt und fühlen läßt, daß die
Münze sich noch darin befindet, und indem man das dritte
Mal mit dem Tuche auf den Tisch schlägt, läßt man mit
der linken Hand die Münze in die Taffe fallen und schüttelt
mit dem Tuche, um zu zeigen, daß die Münze nicht mehr
darin vorhanden sei.

42. Wie der Wein in einer Flasche selbst heraussteigt und


das Waffer an seine Stelle tritt.

Man nimmt ein kleines Fläschchen, dessen Hals nicht


mehr als 2 mm im Durchmesser hat, füllt es mittels eines
kleinen Trichters mit dem leichtesten Rotwein und stellt es
in eine etwas höhere Glasvase, die man mit Waffer füllt,
bis dieses etwas über der Mündung des Fläschchens steht;
wobei man jedoch recht vorsichtig sein muß, damit keine große
Bewegung im Waffer entsteht. Der Wein wird jetzt in
einer kleinen Säule aus dem Fläschchen aufsteigen und sich
über das Waffer ausbreiten, während dieses an eine Stelle
tritt.
Noch überraschender ist dieser Versuch, wenn man sich
hierzu zweier Fläschchen bedient, von denen der Hals des
einen in die Mündung des andern geht. In das zweite
– 61 –

gießt man Wein, in das erstere Waffer und steckt es um


gekehrt in jenes. Bald steigt der Wein aus dem untern
Fläschchen in das obere, und das Waffer umgekehrt in das
untere. Je enger und länger der Hals der beiden Fläsch
chen, desto beffer. -

43. Zwei Schellen aus der einen Hand unbemerkt in die


andere zu bringen.

Hierzu sind drei kleine Schellen erforderlich, wovon


man eine in dem linken Rockärmel verborgen hält; von den
andern beiden aber nimmt man in jede Hand eine. Man hält
dann beide Hände unterwärts, und bringt währenddem un
bemerkt die Schelle aus der linken Hand in die rechte. Ist
dies geschehen, so streckt man beide Hände aus und läßt sie
von zwei Personen halten. Damit aber die Täuschung nicht
bemerkt werde, so schüttelt man beide Hände und fragt die
Zuschauer, „ob sie auch beide Schellen noch hören“? Sie
werden mit „ja“ antworten, weil sie glauben, der Laut der
Schelle im linken Aermel käme aus der linken Hand, in
welcher sie die Schelle vermuten. Hierauf öffnet man beide
Hände, so wird zum allgemeinen Erstaunen die linke Hand
leer sein, und beide Schellen sich in der rechten Hand be
finden.

44. Die zwei magischen Brieftaschen.

Mittels dieser Brieftaschen kann man:


a) Zwei gewählte Karten, die in zwei abgesonderte Fä
cher derselben geschloffen werden, wechselsweise unbe
merkt aus dem einen in das andere Fach (oder Teil)
wandern laffen, und
b) die in eine dieser Brieftaschen gesteckte Karte wieder
in das ganze Spiel Karten zurückbringen.
Die Zusammensetzung dieser Brieftasche ist folgende:
– 62 –

Man schneidet von dünner geglätteter Pappe zweigleiche,


7 cm breite und 8 cm lange Täfelchen, die man nebeneinan
der legt (Fig. 31).
An dem Rande der einen A, von C bis E und der
andern von D bis F, legt man zwei Streifen schmales fei
denes Band und läßt beide Enden davon an der Papptafel
hervorstehen, damit man sie zusammenlegen und auf der
Rückseite (der Tafel A) an der Stelle
Fig. 31. C und D, sowie auch (auf der Rück
./ F seite der Tafel B) auf der Stelle von
L______ E zu F anleimen könne.
Zwei andere Streifen desselben
R M Bandes befestigt man auf dieselbe
Weise auf der Papptafel B, indem
z== man sie auf der Rückseite an der Stelle
von I zu L, sowie auf der andern
Tafel A ebenfalls auf der Rückseite von G zu H umlegt
und aufleimt.
Wenn dies geschehen ist, so werden beide Tafeln, wenn
man sie übereinander legt, eine Art Portefeuille bilden, wo
von die eine Seite immer abwechselnd das Scharnier bilden,
während man die andere aufschlägt.
Nun werden vier kleine Streifen Band auch auf die
vier Ränder der Seiten MNQR beider Täfelchen gelegt,
unter den schon angebrachten Streifen weggezogen und ihre
hervorstehenden Enden auf den Rückseiten dieser Pappen
aufgeleimt; mit demselben Bande werden auch die beiden
Seiten O und P (der Tafel B) garniert. Diese, sowie die
vorhergehenden vier Bandstreifen, dienen bloß zur Täuschung
und dazu, daß alle Seiten eine gleiche Garnitur haben.
Zwei Blätter Papier werden in der Form von Brief
kouverts und so großzugeschnitten, daß sie die beiden Bän
der GI und HL und den Raum, der dazwischen liegt, voll
kommen bedecken. Das eine wird darauf gelegt und an die
beiden Bänder geleimt; das andere wird unter dieses ge
leimt, und zwar so, daß jedes Oberteil unter dem andern
liegt und beide Bänder dadurch genau bedeckt werden.
– 63 –

Jetztbraucht man noch ein zweites Portefeuille,welches


ebenso zusammengelegt ist; beide werden dann mit buntem
Papier auf der Seite, wo die Bandenden umgeschlagen und
aufgeleimt sind, überzogen.
Wenn alles so geordnet ist, wird es den Anschein ha
ben, als wenn nur ein Kouvert in dem Portefeuille sei;
denn man mag dieses von der einen oder von der andern
Seite öffnen, so zeigt sich immer nur ein Kouvert.
Die Ausführung ist nun folgende:
Nachdem man heimlich eine Karte in jedes Kouvert der
beiden Portefeuilles gelegt hat, nimmt man ein ganzesSpiel
und läßt zwei Personen zwei verschiedene forcierte Karten
ziehen, die jenen, welche man in die Kouverts gelegt hat,
gleich find. Hieraufpräsentiert man das erste offene Porte
feuille der Person, welche die Karte gezogen hat, die mit
der gleich ist, welche in dem zweiten Portefeuille liegt, und
jagt ihr, daß sie diese Karte hineinlegen soll. Hierauf legt
man die Brieftasche wieder auf die Tafel, wobei man sie
schnell und geschickt umwendet. Ebenso verfährt man mit
der zweiten Brieftasche und der zweiten Person, welche das
andere Blatt, wovon ein gleiches schon in diesem Portefeuille
ist, gezogen hat. Man macht nun den Vorschlag, die Kar
tenblätter abwechselnd aus dem einen Portefeuille in das
andere zu bringen, ohne die Karte zu berühren. Dieses
führt man sogleich auf obige Weise aus und läßt dann die
Kouverts von den Personen öffnen, so daß die erste Person
dasjenige Blatt findet, welches die zweite Person gezogen
hat, und so auch umgekehrt.

Fernere Anwendung.
Wenn ein Kartenblatt in eine dieser Brieftaschen ge
steckt worden ist,dieselbe wieder in das Spiel zurückzubringen.
Zu diesem Endzwecke nimmt man ein Kartenspiel, worin
sich zweigleiche Karten (z. B. zwei Karo Sieben, oder zwei
Treffle Buben c.) befinden, und läßt die eine dieser beiden
Karten gezwungener Weise, aber doch unbemerkbar, heraus
ziehen. Man sagt dann derjenigen Person, welche das eine
– 64 –

von diesen gleichen Blättern herausgezogen hat, daß sie es


selbst unter den Umschlag der einen Hälfte dieser Brieftasche
legen oder stecken solle, und verspricht ihr hierauf, daß man
diese Karte wieder in das Spiel hineinbringen wolle.
Man reicht hierauf die Brieftasche hin, um die gezo
gene und heimlich besehene Karte auf den einen Teil dieser
Brieftasche zu legen oder zu schieben, macht sie hierauf
zu, läßt darauf blasen, wendet sie sodann um, macht fie
wieder auf und läßt jene Person selbst sehen, daß ihre Karte
nicht mehr da ist.
Hierauf reicht man ihr das Spiel Karten hin, läßt sie
darin ihre Karte suchen, und wenn sie dieselbe darin findet
(nämlich die der ihrigen gleiche zweite), so wird sie glauben,
daß es wirklich diejenige sei, welche sie selbst vorhin in die
Brieftasche hineingesteckt habe.

45. Eine sonderbare und kurzweilige Wette, vermöge welcher


man stets gewinnen muß.

M. bittet sich von N. eine Taschenuhr, einen Ring,


oder sonst etwas Kostbares aus. Das Stück, welches ihm
N. gibt, befieht er, um seine Gegenwette geringer ansetzen
zu können, damit er sich nicht selbst betrüge.
Gesetzt nun, das gegebene Stück wäre ein goldener
Ring, so setzt M. drei Mark oder etwas mehr, je nach dem
Werte des Ringes, zur Gegenwette und sagt:
„Mein Herr N., ich wette dieses dagegen, Sie können
auf meine dreimal hintereinander an. Sie gerichtete Fragen
nicht sagen: mein Ring“!
Liegen nun der Ring und das dagegen Gesetzte aufdem
Tische, so fragt er N., indem er ihm den Ring zeigt: was
ist das? N. antwortet: mein Ring. Hierauf hält ihm M.
etwas anderes vor und thut dieselbe Frage an N. Der
jetzt vorgehaltene Gegenstand mag, z. B. ein Taschentuch sein.
Nennt nun N. den vorgehaltenen Gegenstand, so hat er
schon verloren; ist N. aber aufmerksam und antwortet wie
der: mein Ring, so sagt M.: Ja, mein Herr N., ich sehe
wohl, ich habe verloren; denn wenn Sie noch einmal sagen,
mein Ring, so müßten. Sie bedungener Weise gewinnen.
Allein sagen Sie mir, wenn ich verliere, was wollen Sie
mir geben? Antwortet N. nun wieder: mein Ring! so nimmt
M., indem er sich auf des N. Wort beruft, den Ring und
läßt ihm dafür das dagegen Gesetzte.

46. Die Hirtenbüchse.


Man läßt eine kleine, runde Kapsel oder Büchse drech
seln (Fig.32), die 5 cm hoch ist und aus drei Abteilungen
ABC besteht, so daß man
sie sowohl mit dem Deckel Fig. 32.
A als B nach Belieben öff- A
nen kann. Der letztere hat
an dem Oberteil einen be
sonderen Rand, in welchen
man eine dünneSchicht Hirse
füllen kann, damit es aus- -

sehe, als wenn die ganze


Büchse damit angefüllt wäre. A
Werden aber beide Deckel A
und B zugleich abgenommen, so wird die Büchse leer er
scheinen. Eine zweite Büchse (Fig. 33) besteht ebenfalls
aus drei Abteilungen, Fig. ABC, und ist 7 cm hoch. An
dem Deckel A wird eine kleine Klappe D angebracht, welche
durch den Knopf E niedergedrückt werden kann, damit sie
die im innern Raume dieses Deckels eingeschloffene Hirse in
den Grund G laufen laffen könne. Wenn das Mittelstück B
etwas in die Höhe gehoben wird, so läßt es die Hirse wie
der in den untern Boden H laufen, so daß es scheint, als
wenn keine mehr in der Büchse sei. Nebenbei braucht man
noch einen kleinen Beutel, in welchen man die Hirse schüttet.
Die Belustigung mit dieser Büchse ist nun folgende:
Man öffnet die Büchse Fig. 32, zeigt, daß sie mit Hirse
gefüllt ist und nimmt zum Schein noch einigen aus dem
Sack, als wenn man sie vollends füllen wollte; dann schließt
Leischner, Zauberkunst. 5
man sie zu und stellt sie auf den Tisch. Hierauf öffnet
man die zweite Büchse Fig. 33 und zeigt, daß sie keine Hirse
enthält; dann schließt man sie ebenfalls wieder zu und stellt
fie auf die Tafel; in demselben Augenblicke drückt man aber
den Knopf E nieder, um dadurch die vorher in dem Deckel
verschloffene Hirse durchfallen zu laffen. Jetzt bemerkt man
der Gesellschaft, daß man die in der erstenBüchse enthaltene
Hirse in die zweite zaubern wolle. Man öffnet daher die
erste Büchse und zeigt, daß die Hirse nicht mehr darin vor
handen ist; gleichzeitig öffnet man den Deckel der zweiten
Büchse und zeigt, daß sie sich nun in dieser befindet. End
lich schlägt man vor, sie wieder in die erste Büchse zu ver
setzen, welche man daher wieder zuschließt, den Teil B etwas
in die Höhe hebt und die erste Büchse wieder öffnet, um
die dahin zurückgekehrte Hirse zu zeigen.

47. Den Gesang der Vögel mit dem Munde nachzuahmen.

Man kann unmöglich die verehrten Leser mit bloßer


wörtlicher Beschreibung in den Stand setzen, den Gesang
der Vögel nachzuahmen; die Kunst hiervon würde für einen
Gegenstand, der eine lange Uebung erfordert und wozu man
fast keinen andern Lehrmeister, als die Natur gebraucht, nicht
ausreichen. Demungeachtet wird es den Personen, welche
bei ihrem ländlichen Aufenthalte dem Gesange der Früh
lingssänger zuhören und ihre melodischen Töne um sich her
auf ihre Bäume im Garten zu locken und nachzuahmen
wünschen, nicht unangenehm sein,das Instrument hier kennen
zu lernen, welches man zu diesem Zwecke in dem Munde
verbergen muß. Es ist ein ungefähr 3 bis 4 mm breites
und ungefähr 2 cm langes Knoblauch- oder Lauchblättchen.
In der Mitte desselben muß man mit dem Nagel des Dau
mens eine kleine Kerbe in Gestalt eines Halbzirkels machen,
wo man nur das weiße äußere dünne Häutchen, welches die
Blätter dieser Pflanze bedeckt, stehen läßt.
Diese Kerbe muß die Form eines halben Pfennigstückes
haben, das Häutchen ganz rein und sauber, wohl gespannt
und ohne Kritzel am Rande sein, sonst würde man nur das
Geschrei der Krähe oder das Gekrächze des Raben nach
machen.
Dieses kleine Instrument muß wie ein Halbzirkel zu
sammengelegt und an den Gaumen beim Eingange der Kehle
gelegt werden; das Häutchen aber mußgegen die erhabenere,
nicht aber gegen die hohle Oberfläche des Instruments ge
kehrt sein, weil dieses sonst die Vibrationen oder hier die
Stimmenschwingungen ein wenig hindern könnte.
Wenn sich nun dies Instrument in der besagten Lage
befindet, wenn man die geringste Bewegung mit der Gurgel
macht und dann den Wind aus dem nur halb geöffneten
Munde herausläßt, ungefähr so, wie man an ein Glas
haucht, um es zu erwärmen, so wird man einen scharfen
Ton hören, der beinahe dem Tone eines Flageoletts gleicht;
bläst man fort und sucht den schnurrenden Buchstaben R,
ohne die Zunge dabei zu bewegen, durch die bloße Bewe
gung des Zäpfchens, wie, wenn die Hunde knurren, auszu
sprechen, so wird dieser scharfe Ton, wovon soeben die Rede
war, durch ein Zittern abgeändert werden und mehr Aehn
lichkeit mit den Gurgeltönen verschiedener Vögel haben.
5%
Legt man, statt den Buchstaben R mit der Gurgel her
vorzubringen, jetzt die Zunge gegen den Gaumen, um die
Silbe Tschi auszusprechen, so entsteht wieder ein anderer
Gurgellaut, den die Vögel öfters in ihrem Gesange anwen
den; kurz, man wird beinahe den Schlag der Nachtigall
herausbringen, wenn man die drei angeführten Laute auf
folgende Art vereinigt:
Un, ün, ün, ü, ü, ü, tschi, tschi, tschi, tschu, schi,
ru, ru, ru, ru, ü, ü, ü, ru, tschi.

Das Lied der Nachtigall.


Tiu, tiu, tiu, tiu,
Spe, tiu, zqua,
Quorror pipi,
Tio, tio, tio, tix,
Qutio, qutio, qutio, qutio,
Zquo, zquo, zquo, zquo,
Zi, zi, zi, zi, zi, zi, zi,
Quorror tiu zqua pipiqui,
Dlo, dlo, dlo, dlo, dlo, dlo, dlo, dlo,
Quio tr r r r r r r itz,
Lü, lü, lü, lü, ly, ly, ly, li, li, li,
Quio didl li li,
Qua qia qia qia qia qia qia qia ti,
Qi qi pi, jo jo jo jo jo jo qi,
Lu ly li lä la lö lo didl ja quia,
Qior zio zio pi.

48. Die Eibüchse.


Diese kleine Maschine hat die Form eines etwas großen
Eies und ist in allen seinen Teilen (Fig. 34, 35, 36, 37,
38 und 39) abgebildet.
Sie wird gedrechselt und hat drei fein gearbeitete
Deckel, die sich an den vier Stellen AB, CD, EF und GH
öffnen und ineinander paffen. Fig. 34.
Die Teile, woraus die vier
Deckel (Fig.34) 1, 2, 3, 4
bestehen, werden mit der lee
ren Schale eines Gänseeies
überzogen und rot und blau
gefärbt; nur das dritte wird
weißgelaffen. In die wirk
liche : der Büchse
(Fig. 36) wird ein gewöhn-
ä Ei gesteckt ' ' - Y. "

Fig. 36. Fig. 37.


dem Deckel(Fig.39) bedeckt.
Wenn dies vor den Augen
der Zuschauer geschehen ''
„SE> -

zeigt man abwechselnd (statt


des weißen Eies, welches man -

hineingelegt hat) ein rotes, Fig. 39. Fig. 38.


blaues, oder auch ein buntes H

Ei, je nachdem manhat.


Abteilungengefärbt die Auf
vier „ p SE>
SHS
diese Weise kann man mit
der nötigen Gewandtheit eine
Menge Belustigungen mit der
Eibüchse ausführen.

49. Vögel durch einen Schuß zu töten und zugleich zu


rupfen.

Auf eine starke Pulverladung setzt man eine doppelt so


starke Ladung etwas grober Eisenfeilspäne; die Vögel, welche
man damit schießt, werden gleichgerupft aus der Luft fallen,
wozu sich jedoch selbstverständlich nur kleine Vögel, nicht aber
Tauben oder Wildenten eignen.
- 7() ----

50. Daß eine Violine den Ton einer Trompete von sich gibt.
Hierzu muß ein Steg von Holz, wie er in Fig. 40 ab
gebildet, verfertigtwerden, den man neben dem ordentlichen
Fig. 40. so auf die Violine setzt, daß er einen Ton
höher wird, als die Quinte und Quarte.
Wenn man nun mit dem Bogen irgend eine
beliebige Melodie darauf streicht, so wird es
ordentlich wie eine Trompete schmettern.
Oder man kann es auch so machen: Man legt die
Quarte und Quinte unter den Steg und zieht dieselbe auf,
bis sich der Steg auf der einen rechten Seite hebt; alsdann
spielt man eine Melodie, und das trompetenartige Schmet
tern wird ebenfalls zu hören sein.

51. Daß man einen Zwirnsfaden nicht verbrennen könne.

Binde ihn fest um eine steinerne Flasche und zwar da,


wo dieselbe den kleinsten Umfang hat (also um die äußere
Einbiegung desselben) und schneide ihn dann dicht am ge
schürzten Knoten ab, so wird niemand sobald im stande
sein, ihn mit dem Lichte anzuzünden oder zu verbrennen.

52. Das in lauter Geldstücke verwandelte Bier, Wein oder


dergleichen.

Man trinkt, – nachdem man schon mehrere Künste


produziert hat – das für uns schon bereit stehende Glas
Bier oder Wein aus, wischt sich sodann mit dem Tuche
scheinbar den Mund ab, bringt aber unterdessen unbemerkt
mehrere aufeinander gehäufte Pfennige und Zehnpfennigstücke
in den Mund, bittet sich hierauf ein Spiel Karten aus, als
wolle man damit ein Kunststück machen, thut aber sogleich
einen starken Schluck und sagt: „es werde euch unwohl,
und ihr müßtet euch erbrechen“, worauf man auf einem
schnell ergriffenen Teller die im Munde verborgenen Geld
stücke einzeln und paarweise zur allgemeinen Verwunderung
ausspeit.

53. Einzerschnittenes Bändchen oder einen Faden im Munde


wieder zusammenzuspinnen.
Vereinige die beiden Enden eines Fadens oder Bänd
chens in einen Knoten. Hierauf steckt man durch das obere
Schlingende (wobeider Knoten sich in der Mitte der Schlinge
und zwar links befinden muß) den von sich gerichteten
linken Daumen und ebenso den, aber nach sich gerichte
ten, rechten Daumen in den unteren Teil des zusammen
geknüpften Bandes oder Fadens; dreht hierauf den untern
oder rechten Daumen samt dem zusammengeschürzten Faden
einmal von der linken nach der rechten Seite ganz um, so
daß die Fingerspitzen der sich allein umdrehenden unteren
Hand wieder wie vorher nach der Brust zugekehrt sind, und
hängt sodann das über dem linken Daumen liegende Ende
der Schlinge auf das untere, über dem rechten Daumen
hängende Ende. Jetzt zieht man die in zwei Teilen über
einander gelegte Schlinge so, daß der vorkommende Knoten
in derselben vom anderen Schlingende erfaßt wird, ergreift
nun den Knoten mit dem Daumen und Zeigefinger der
linken Hand ganz bedeckend und läßt jetzt ungefähr 2 cm
weit vom Knoten die beiden Teile des Fadens, die sich im
Knoten vereinigen und von den Fingern der rechten Hand
umfaßt werden, durchschneiden, worauf man die beiden in
der rechten Hand zu haltenden Enden deszerschnittenen Fa
dens fallen und von jemand aus der Gesellschaft in einen
Knoten, wie den ersten, knüpfen läßt, bringt aber, während
dieses geschieht, den zwischen dem Daumen und Zeigefinger
der Linken befindlichen ersten Knoten samt einen beiden kur
zen Enden unter dem Vorwande in den Mund, daselbst den
Knoten mit seinen zwei Enden wieder zusammenspinnen, und
zieht dann unbemerkt bloß den Knoten mittels der Zunge
aus der Schlinge, verbirgt ihn im Munde hinter den Zäh
nen und zeigt hierauf zur Verwunderung das knotenleer
Schlingende vor.

54. Die Kunst, auf leichte, aber unbegreifliche Weise hundert


und mehr Lichter durch einen Pistolenschuß zu entzünden.

Man thut in eine Retorte, welche zwei Hälse hat,


Zinkfeile, und gießt eine hinreichende Menge Waffer darüber.
Hierauf gießt man durch eine trichterförmige Röhre Schwe
felsäure nach und nach hinzu. Alsbald wird die Maffe auf
brausen, und man verschließt nun den Hals der Flasche,
durch welchen man alles eingoß, und läßt das sich nun bil
dende Wafferstoffgas durch eine in den anderen Hals der
Flasche eingekittete Röhre entweichen, um sich dann in einem
großen, durch eine Kautschukauflösung luftdicht gemachten
Schlauche zu sammeln. Aus diesem Schlauche führt eine
Röhre, in deren Mitte ein luftdichter Hahn ist, und deren
Ende in so viel kleinere feine Röhren geteilt ist, als man
Lichter entzünden will. Hinter den Lichtern stehen Blumen
körbe, durch welche die kleinen Röhren gehen, so daß das
ausströmende Gas genau auf die Dochte der Lichter fällt.
Diese Dochte sind von feiner Baumwolle und unterhalb mit
etwas Schweinefett umgeben, damit es ihnen nicht an Nah
rung fehle, wenn sie entzündet sind, denn der Talg wird
zu langsam flüssig. In jedem Dochte ist oberhalb ein Stück
chen Platinschwamm. – Ist nun der oben angegebene
Schlauch mit Wafferstoffgas gefüllt, so schießt man mit der
Pistole nach den Lichtern, zu gleicher Zeit dreht ein heim
licher Gehilfe den Hahn an der Röhre auf, so strömt das
Gas in alle die kleinen Röhren, wird durch sie auf die
Platinschwämmchen geleitet – die Lichter brennen, und es
scheint, als seien sie durch den Pistolenschuß entzündet worden.
55. Ein Geldstück in eine versiegelte Dose oder Schachtel zu
zaubern.

Zu diesem Kunststücke braucht man zwei völlig gleiche


Dosen oder Schachteln und zwei ebenfalls gleiche Geldstücke.
Hat man diese, so legt man in eine der Dosen (oder Schach
teln) ein, auch dem Ansehen nach, vollkommen gleiches
Geldstück, bindet nun die Dose wohl zu, versiegelt sie genau
und steckt sie dann einem Gehilfen gelegentlich heimlich zu.
Ist dieses geschehen, so begibt man sich zu den Zu
schauern, verbindet und versiegelt dann vor ihren Augen,
mit eben solchem Bindfaden, Siegellack und demselben Pet
schafte genau ebenso die andere Dose, ohne jedoch das zweite
Geldstück hineinzulegen, stellt sie sodann auf die heimliche
Klappe des Tisches, jetzt noch drei Trinkgläser um die Dose
(aber nicht auf die Klappe) herum und breitet sodann über
Gläser und Dose eine nicht zu kleine Serviette aus. Ist
auch diese Vorbereitung fertig, so zeigt man der Gesellschaft
das zweite Geldstück vor und läßt es von ihr genau be
sehen, damit sie sich dasselbe merken könne. Während nun
dieses geschieht, verwechselt der unter dem Tische befindliche
Gehilfe schnell und geräuschlos die leere Dose aufdem Tische
mit derjenigen, in welcher sich das Geldstück befindet.
Nach einer kleinen Weile sagt der Künstler, daß man
Achtung geben möge, da er jetzt das Geldstück werfend in
die versiegelte und überdeckte Dose zaubern wolle; und in
dem er sich nun stellt, als werfe er das Geldstück nach der
Dose, so behält er es dennoch heimlich in der Hand und
ersucht hierauf einen der Zuschauer, jetzt die noch unter der
Serviette befindliche Dose hervorzunehmen und vor der gan
zen Gesellschaft zu öffnen, wo man dann zur allgemeinen
Verwunderung das noch soeben gesehene Geldstück darin
finden wird.
Erster Zusatz.
Daß man auch mittels einer nicht zu kleinen Klappe
im Tische darauf gesetzte Gegenstände zuweilen und zum
Ergötzen der Zuschauer in andere, z. B., lebendige Tiere,
als Katzen, Vögel u. j.w, verwandeln könne, versteht sich
von selbst.

Zweiter Zufatz.
Nach einem jeden Stücke, wozu sich der Künstler der
heimlichen Klappen im Tische bedient, muß er durch Auf
hebung des Tischteppichs die Zuschauer überzeugen, daß
während der Ausführung des Stückes sich niemand unter
dem Tische befunden habe, weshalb der Gehilfe oder Stef
ten nach jedesmaliger Vollziehung eines Auftrages sich
schleunigt still unter dem Tische hinwegbegeben muß.

56. Frische Blumen aufzubewahren.

Man wählt die vollkommensten Knospen, schneidet sie


mit einer Schere ab, wobei man ihnen einen wenigstens
9 cm langen Stiefel läßt, den man wiederholt in geschmol
zenes gelbes Wachs taucht, bis der Schnitt fest verklebt ist,
wickelt sie in Papier und bewahrt sie in einer Schachtel an
einem trocknen Ort. Wenn man sie im Laufe des Winters
aufblühen machen will, schneidet man das Endchen mit dem
Wachs ab und stellt sie in Waffer, in dem man etwas Salz
oder Salpeter aufgelöst hat.

57. Ein Ei durch einen Ring gehen zu laffen.

Man lege ein frisches Ei einige Zeit in scharfen Essig


Die Schale wird biegsam werden und sich ohne zu zerbre
chen beliebig in die Länge ziehen laffen. Nachdem man das
Ei durch den Ringgeschoben, legt man es in reines Waffer,
wo es bald eine frühere Gestalt wieder gewinnt.
58. Wie ein Ei mitten im Waffer schweben bleibt, ohne zu
Boden zu finken.

Jede erfahrene Hausfrau weiß, daß ein Ei auf Salz


waffer schwimmt, in reinem Waffer aber unterfinkt, denn sie
prüft durch dieses einfache Mittel die Stärke ihrer Salz
lauge. Man füllt nun einen weiten Glasbecher zur Hälfte
mit gesättigtem Salzwaffer, legt ein Brotkrümchen darauf
und gießt auf dieses vorsichtig reines Waffer, bis der Be
cher fast voll ist. Läßt man jetzt ein Ei langsam in den
Becher fallen, so sinkt es bis in die Mitte und schwimmt
hier auf der schweren Salzlauge, während das Auge keinen
Unterschied zwischen den beiden gleich klaren Wafferschichten
zu bemerken vermag.

59. Aus dem trocknen Stiele eines Meffers noch Waffer zu


drücken.

Hierzu halte man ein mit reinem Waffer getränktes


kleines Schwämmchen oder Stück Baumwolle unbemerkbar
hinter einem Ohre verborgen; laffe sich hierauf von der Ge
sellschaft irgend ein völlig trocknes Meffer reichen, und zeige
seine ebenfalls überall völlig trocknen Hände vor; laffe sich
alsdann die Aermel vom oberen Handgelenke fest zubinden,
umfaffe nun den Stiel des Meffers mit der offenen Hand,
bringe beide (Hand und Meffer) unter irgend einem Vor
wande (oder Hokuspokus) hinter den Kopf in die Gegend
des verborgenen Schwämmchens, und während man auf den
Arm unterhalb des Gelenkes drei Kreuze machen läßt, er
faßt man unbemerkt schnell das Schwämmchen zwischen zwei
Finger der das Meffer haltenden Hand, bringt solche über
eine auf dem Tische stehende Schüffel, drückt in dieselbe das
scheinbar aus dem Stiele des Meffers (aber unbemerkt nur
aus dem Schwämmchen oder der Baumwolle) laufende
Waffer, läßt dann das Meffer auf den Tisch fallen, und
zeigt nochmals die offene Hand, aber mit aneinander ge
schloffenenFingern, damit man das nochzwischen ihnen ver
borgen gehaltene Schwämmchen nicht wahrnehme.

60. Erneuerung des Wunders von Cana.

Man gießt in einer großen Flasche 2 l Rotwein über


100g echtes Elfenbeinschwarz und schüttelt das Ganze im
Lauf von acht Stunden fünf- bis sechsmal tüchtig, filtriert
den Wein durch Fließpapier und gießt die farblos gewor
dene Flüssigkeit in gewöhnliche Wafferflaschen. Bei Tische
nun erbietet man sich seinen Gästen, dies scheinbare Waffer
in Wein zu verwandeln. Man läßt sich leere Weinflaschen
bringen, in die man zuerst einen Löffel Pernambuk- oder
Brasilienholztinktur gethan hat, füllt das angebliche Waffer
hinein und schenkt es dann zum allgemeinen Erstaunen als
Rotwein in die Gläser, denn die Tinktur gibt ihm eine
Farbe wieder, ohne den Geschmack zu verändern, der auch
durch das Elfenbeinschwarz nicht leidet.

61. Einen auf den Tisch gebrachten gebratenen Kalbskopf


noch zehn- bis zwölfmal blöken zu machen.

Diesen artigen Spaß bewirkt man ganz einfach dadurch,


daß man dem Kalskopfe ein Schächtelchen ins Maul steckt,
in welches viele Löcher gebohrt sind, und das einen mit
Gras oder grünen Blättern umlegten Laubfrosch enthält.
Sobald nun die Hitze aus dem Kalbskopfe durch die Löcher
im Schächtelchen auf den Laubfrosch eindringt, fängt dieser
vor Schmerz an, zehn- bis zwölfmal zu quaken, wo man
glaubt, daß der noch etwas lebende Kalbskopf diese Töne
von sich gebe.
62. Wie man sich das Naturwunder eines gehörnten Hahns
verschafft.

Bei diesem Wunder geht es sehr natürlich zu. Man


schneidet einem jungen Hahn den Kamm ab und setzt in die
vertiefte Wunden den kleinen Sporn desselben oder eines
andern Hähnchens, der ebenfalls frisch abgeschnitten wird.
Das gerinnende Blut hält ihn fest, und zur größern Sicher
heit befestigt man ihn noch mit etwas Heftpflaster. Nach
einigen Tagen nimmt man den Verband ab; der Sporn ist
angewachsen und entwickelt sich mit der Zeit noch weit stol
zer und imposanter, als an einer natürlichen Stelle. Ist
die Wunde groß genug, so kann man den Hahn sogar mit
zwei Hörnern krönen, wobei man acht hat, sie so zu stellen,
daß sich das eine nach vorn, das andere nach hinten beugt,
was dem König des Hühnerhofs ein ungemein großartiges
Aussehen gibt und alle, mit dem Verfahren nicht Vertrau
ten in das gerechteste Erstaunen versetzt.

63. Das magische Bild.

Man nimmt zwei weiße Glastafeln von ungefähr 7 cm


Breite und 9 cm Länge, legt sie aufeinander und verbindet
sie an den Kanten ringsherum mittels eines Kittes von
von gelöschtem Kalk und Eiweiß, jedoch so, daß ein Ab
stand von ungefähr 1 mm zwischen den beiden Gläsern
bleibt. Den Rand verklebt man mit Streifen von Blase
oder Pergament, und läßt nur oben eine kleine Oeffnung,
um die nachstehende Komposition hineingießen zu können.
Man läßt 200g Schweinefett und etwa 20g weißes
Wachs zusammen schmelzen und gießt 40 g ganz reines
Leinöl dazu. Wenn das Ganze recht flüssig ist, füllt man
den Raum zwischen den Glastafeln damit aus und verstopft
dann die Oeffnung mit Kitt.
Nun klebt man ein Bild oder einen Kupferstich mit
der Vorderseite auf das eine Glas. So lange die Salbe
kalt ist, bleibt die undurchsichtig, allein ein geringer Wärme
grad reicht schon hin, die flüssig und ganz wafferhell durch
sichtig zu machen, so daß ein Bild auf der Rückwand voll
kommen klar zu sehen.

64. Das verliebteste Temperament in einer Gesellschaft zu


entdecken.

Man nimmt einige weiße Fäden und hängt fie, jedoch


nur bis zur Hälfte, in ein Glas Regen- oder Flußwaffer,
indem man einen Löffel voll Küchensalz hat auflösen laffen.
Nach drei bis vier Tagen nimmt man die Fäden heraus,
läßt sie trocknen und bewahrt sie aufzum Gebrauch.
Wenn man den Scherz ausführen will, erbittet man
sich von den Anwesenden zwei Trauringe, gibt zwei jungen
Personen, zwischen denen die Probe gemacht werden soll, die
beiden Enden eines jener Fäden zu halten, wobei man da
für sorgt, daß diejenige Person, welche für die verliebteste
gelten soll, das präparierte Ende bekommt, schneidet zum
Beweis der vollen Ehrlichkeit des Verfahrens den Faden
in der Mitte durch und läßt jede ihren halben Faden durch
einen der beiden Ringe ziehen, so daß dieser in der Mitte
hängt.
Nun bringt man eine Kerzenflamme an den einen und
den andern Faden, die beide schnell verbrennen; allein wäh
rend der eine Ring sofort herunterfällt, bleibt der andere,
von dem präparierten Faden gehalten, noch hängen, woraus
sich ganz unverkennbar das zärtliche, heiratslustige Naturell
jener Person ergibt.
Es ist wohl darauf zu achten, daß der Faden nicht zu
lang ein und ganz ruhig gehalten werden muß, denn es
hängt eben nur an einem verbrannten Faden, so ist das
Dianentemperament dieser Person fiegreich dargethan und
der Zauberer schmählich blamiert.
65. Das einfachste Mikroskop.
Mit einer dicken Nadel macht man in ein sehr dünnes
Blättchen von Blei ein rundes Loch und läßt einen Tropfen
reines Waffer darauf fallen, so daß das Loch in der Mitte
des Tropfens ist. Wenn man durch diesen Tropfen kleine
Gegenstände betrachtet, erscheinen die fünfzigmal vergrößert.
Dauerhafter kann man sich ein solches Mikroskop mit
einem Tropfen von weißem Kopalharz herstellen, und ver
tritt in diesem Falle auch ein Stückchen Kartenpapier die
Stelle des Bleiblättchens.

66. Eiue Büchse so zu laden, daß die Kugel das Ziel nie
trifft.

Nachdem man nur wenige Pulverkörner in den Lauf


gethan, läßt man die Kugel hinabgleiten und jetzt auf diese
erst die volle Pulverladung nebst dem Pfropf. Der Knall
mag immerhin stark sein, aber die Kugel fällt dem Schützen
vor die Füße.
Nur hüte man sich auch hier vor dem unheilvollen
Scherz, in der gewähnten Sicherheit auf einen Menschen zu
zielen.

67. Eine Wette, die man sicher gewinnt.

Man sammelt hundert Steine in einen Korb und legt,


vom Ausgangspunkt anfangend, nach je zwei Schritten einen
auf den Weg, kehrt dann zurück und stellt den leeren Korb
an den Ausgangspunkt. Nun bietet man den Anwesenden
Zehn gegen Eins, daß keiner diese hundert Steinchen binnen
zwei, ja sogar binnen drei Stunden in folgender Weise auf
lesen wird: er soll nämlich einen Stein nach dem andern
aufheben und in den Korb zurücktragen, ehe er den näch
fen holt.
– 80 –

Da der entfernteste Stein nur zweihundert Schritt weit


liegt, werden viele die Aufgabe für eine Kleinigkeit halten
und die kühne Herausforderung mit Begierde annehmen;
allein aufKosten ihrer Beine und vielleicht auch ihrer Börse
wird ihnen endlich klar, wie arg sie sich getäuscht; denn
diese scheinbar leichte Aufgabe bedingt einen Marsch von
23980 Schritten, was 22 deutschen Meilen gleichkommt,
wobei sie sich noch hundertmal bücken müffen.

68. Die verbrannte und wiedererstandene Schrift.


Das bekannte Kunststück, ein von einem der Anwesen
den beschriebenes Blättchen zu verbrennen und dann irgend
wo unversehrt wiederfinden zu laffen, besteht einfach darin,
daß man das beschriebene Blatt eskamotiert und ein anderes
an einer Stelle verbrennt. Weit überraschender jedoch ist
die folgende Methode, bei der jeder Verdacht einer solchen
Eskamotage wegfällt.
Man hält einem der Anwesenden ein offenes Porte
feuille hin, in dem mehrere lose Blättchen Papier liegen,
bittet ihn, eins zu nehmen und mit dem Bleistift, den man
ihm gleichzeitig reicht, ein Wort darauf zu schreiben. Um
ihm dies zu erleichtern, läßt man das Blättchen auf die
Rückseite des Portefeuilles legen und ersucht ihn dann, das
bezeichnete Papier, ohne daß man es auch nur angesehen,
selbst an einem Lichte anzuzünden und auf einer bereit fe
henden Taffe zu verbrennen, die Asche desselben aber in ein
Kästchen, welches man mittlerweile holt, zu schütten. Indem
man dieses Kästchen zumacht, reicht man es einer dritten
Person mit der Bitte, den Inhalt herauszunehmen. Sie
macht das Kästchen auf, und siehe da! an der Stelle der
verschwundenen Asche liegt das beschriebene und verbrannte
Blättchen unversehrt!
Erklärung.
Das Geheimnis liegt ganz und gar nur in dem Porte
feuille, dessen Benutzung ganz zufällig scheint. Dies Porte
– 81 –

feuille ist von Pappe, mit buntem oder schwarzem Papier


bedeckt, welches jedoch nur am Rand festgeklebt, sonst aber
frei ist und somit auf jeder Seite zwischen der Pappe und
dem äußern Papier eine enge Tasche bildet, deren Oeffnung
hinten im Innern liegt. Das Deckpapier hat man vor dem
Aufkleben mit einer Komposition aus Lampenruß und etwas
schwarzer Seife bestrichen, die leicht eingerieben und dann
soweit abgewischt wurde, daß sie weißes Papier nicht mehr
beschmutzt. In ähnlicher Weise kann man das Deckblatt
der andern Seite des Portefeuilles präpapieren, indem man
es auf der Rückseite mit Rötel oder Blutstein bestreicht. In
jede der so gebildeten heimlichen Taschen steckt man ein Blätt
chen Schreibpapier von derselben Art und Größe, wie die,
welche man offen im Portefeuille hat und dem Zuschauer
zur Auswahl anbietet. Der schwarze oder rote Stift, mit
dem geschrieben werden soll, ist etwas hart, so daß er ein
ziemliches Aufdrücken nötig macht. Je nachdem nun der
Zuschauer den Blei- oder Rotstift wählt, hält man ihm
ganz unbefangen die betreffende Seite des Portefeuilles hin,
um das Papier darauf zu legen und beffer schreiben zu
können, was er lediglich für eine Artigkeit hält, ohne zu
ahnen, daß sich eine Schrift ganz genau und in derselben
Farbe auf dem verborgenen Blättchen abdruckt.
Während der Zuschauer der Aufforderung gemäß seine
Schrift verbrennt, fest überzeugt von der Unmöglichkeit einer
Taschenspielerei, begibt man sich, um das Kästchen zu holen,
hinter den Vorhang oder in das Nebengemach, wo man
seine Gerätschaften stehen hat. Dieses Kästchen ist mit
einem doppelten Boden versehen, d. h. ein freies Stück Pappe,
so groß und von derselben Farbe wie der Boden, steckt im
Deckel, wo es durch eine Feder festgehalten wird, bis man
diese drückt, worauf es herunterfällt und alles, was aufdem
Boden liegt, verdeckt.
Das Weitere ergibt sich von selbst. Man nimmt das
Blättchen, worauf sich die Schrift abgedruckt, aus der heim
lichen Tasche des Portefeuilles, legt es auf den falschen
Boden, drückt diesen in den Deckel, bringt das offene Käst
chen herein, läßt die Asche hineinschütten, macht es zu, in
Leischner, Zauberkunst. (5
- 82 -

dem man zugleich die Feder drückt, so daß der falsche Bo


den herunterfällt, die Asche bedeckt und an ihrer Stelle das
beschriebene Blättchen zeigt, und läßt endlich von einer
dritten Person das Kästchen öffnen und das vollbrachte
Wunder enthüllen.

69. Eine Schleife von Haar aufzulösen, ohne sie anzurühren.

Man nimmt ein Haar, macht in der Mitte einen Kno


ten, zeigt ihn den Anwesenden, legt es in die Hand und
schließt die Finger, wobei man nur acht zu haben braucht,
daß das ganze Haar in die Hand gefaßt werde. Die Wärme
wirkt auf das Haar, und nach einigen Minuten öffnet man
die Hand; der Knoten ist aufgelöst und zuweilen ganz ver
schwunden.

70. Eine seltene Nervenkraft.

Wer staunte nicht, wenn er jemand die flache Hand


auf ein Glas legen, dann heben und das Glas an der
Hand hängen bleiben sehe? Freilich darf man nicht wissen,
daß jener den Rand des Glases fest zwischen den Daumen
und den Ballen des Zeigefingers geklemmt hat, denn er
müßte es sehr ungeschickt machen, wenn man es merken sollte.

71. Die tanzende Kleie.

Man stützt eine kleine Glastafel auf beiden Seiten mit


einem Buch oder sonstigen Gegenständen, die es ungefähr
2 cm hoch über den Tisch erheben, und freut unter das
selbe etwas Kleie. Sobald man das Glas mit Tuch oder
Flanell reibt, fängt die Kleie unten ganz munter zu hü
pfen an.
72. Das elektrisierte Papier.

Man nimmt einen Bogen ordinäres graues Fließpapier,


hält ihn vor den Ofen oder ein Feuer, bis er ganz trocken
und warm ist, und zieht ihn dann mehrere Male unter dem
Arm durch, so daß er von dem Tuch des Rocks auf beiden
Seiten stark gerieben wird. Das Papier wird hinreichend
elektrisiert sein, um einige Minuten an einem Brett oder
der Zimmerwand hängen zu bleiben.

Während das Papier an der Wand hängt, nähert man


ihm eine leichte Flaumfeder: sie wird am Papier hängen
bleiben.

Wärmt man das Papier noch einmal und zieht es


wieder öfter unter dem Arm durch, so wird es, an einem
Faden aufgehängt, mehrere Federn zugleich anziehen, und
wenn diese Federn an verschiedenen Stellen hängen und man
das Papier schüttelt, fliegen sie zu einander.
Man wärme und reibe das Papier nochmals, breite
es auf den Tisch und lege eine erbsengroße Fliederbeere
darauf. Die Beere wird anfangen herumzulaufen, und wenn
man ihr eine Nadel entgegenhält, läuft sie auf diese zu und
folgt ihr nach.

73. Ohne Magnet einen Stahl zu magnetisieren.

Man nimmt eine ungefähr 72 cm lange, 6 bis


8 mm breite und 1 mm dicke Stange von weichem Stahl;
ein weich gemachtes Stück von einer großen Uhrfeder kann
hierzu dienen. Ferner eine Ofenzange und Schaufel; je
größer und gebrauchter, desto beffer. Nun hält man die
Schaufel senkrechtzwischen den Knien fest, bindet den Stahl
mit einem Seidenfaden der Länge nach an den Stiel, wo
bei der beabsichtigte Nordpol nach unten kommen muß;
nimmt die Zange fast senkrecht und streicht damit den Stahl
6%
– 84 –

zwölf- bis fünfzehnmal, wobei man immer an dem untern


Ende anfängt und ohne abzusetzen bis an das obere Ende
geht, dann die Zange entfernt und wieder von unten be
ginnt. Der Stahl wird jetzt ein hinreichend starker Magnet
sein, um an einem Nordpol kleine Nägel zu tragen.

74. Welkenden Blumen ihre Frische wiederzugeben.

Wenn Blumen einige Zeit im Waffer gestanden haben,


fangen sie an zu welken; man verjüngt sie fast alle, indem
man sie mit dem ganzen Stiel bis an den Fruchtknoten in
siedendes Waffer stellt, ohne jedoch dieses weiterkochen zu
laffen. Bis das Waffer abgekocht ist, haben die Blumen
sich aufgerichtet und ihre ganze Frische wieder gewonnen.

75. Naturzeichnungen auf Früchten.

Auf Früchte, die sich stark färben, wie Pfirsiche, ge


wiffe Aepfelsorten u.j.w. klebt man, wenn sie noch grün
find, mittels Gummi oder Eiweiß beliebige von Papier aus
geschnittene Buchstaben oder Figuren, wobei man jedoch acht
hat, diese Formen auf die der Sonne ausgesetzte Seite zu
bringen. Die mit Papier beklebten Stellen färben sich nicht,
während ringsumher die Frucht bei erlangter Reife das
schönste Rot zeigt. Man hat in diesem so einfachen Mittel
eine reiche Quelle der staunenswertesten „Naturwunder“ und
zugleich der zartesten Huldigungen.
Es ist ratsam, jene Formen gleich aus drei- oder vier
fachem Papier zu schneiden, um neue aufkleben zu können,
wenn die ersteren losgehen sollten. Auch kann man über
den so bezeichneten Früchten kleine Schirmdächer anbringen,
die sie gegen Nebel und Regen schützen, ohne jedoch die
Sonnenstrahlen von ihnen abzuhalten.
Zweite Röteilung.
Chemische Kunststücke.

1. Eine unsichtbare Schrift durch Waffer erscheinen zu laffen.

Löse pulverisierten Vitriol in reinem Waffer auf, schreibe


damit mittels einer neugeschnittenen Feder auf weißes Pa
pier und laffe sodann das Geschriebene trocken werden, so
wird nichts von demselben mehr zu sehen sein.
Ferner kocht man 16% g klar gestoßene Galläpfel in
einem halben Liter Fluß- oder Regenwaffer, welches man
hieraufdurchseihet und so in einer Schale bereit hält. Wenn
man nun einen Schwamm mit diesem Galläpfelwaffer an
feuchtet und damit über die unsichtbare Schrift hinstreicht,
so erscheint sie sogleich in schwarzen Zügen, wie mitgewöhn
licher schwarzer Tinte geschrieben.

2. Tinte zu einer Schrift, die sichtbar wird, wenn man


das Geschriebene durchs Waffer zieht.

Man schreibt mit einer durch kali- und alaunhaltige


Schwefelsäure gesättigten Auflösung und läßt das Blatt ge
hörig trocknen. Hierauf taucht man es in Waffer, worauf
die Schrift sogleich sichtbar wird.
-- 86 --

3. Eine unsichtbare Schrift gegen das Licht gehalten zu


lesen.

Vermische Bleiweiß mit dem Schleime von aufgelöstem


Gummi-Tragant und schreibe mit dieser Flüssigkeit auf Pa
pier, so kann man diese Schrift nicht eher lesen, als bis
man sie gegen das Licht hält.

Diese und andere ähnliche, sogenannte sympathetische


Tinten laffen sich zu mancherlei angenehmen Belustigungen
anwenden. So kann man, z. B., einige Blätter weißes
Papier bereit halten und auf ein jedes Blatt mit gewöhn
licher schwarzer Tinte eine beliebige Frage, darunter aber
eine dazu paffende Antwort mit einer sympathetischen Tinte
schreiben, die nach dem Trocknen nicht zu sehen, sondern erst
nach der ihr eigentümlichen Art sichtbar zu machen ist.
Dergleichen Fragen und Antworten können unter an
dern z. B. folgende sein:
Wie ist die Gemütsart des Herrn oder der Madame
N. N. beschaffen?
Antwort. Wie Aprilwetter.
Womit hat Herr N. N. Aehnlichkeit:
Antwort. Mit einer Wetterfahne.
Womit ist Fräulein N. N. zu vergleichen?
Antwort. Mit dem bescheidenen Veilchen.
Werde ich meinen still genährten Herzenswunsch er
reichen?
Antwort. Mit der Zeit bricht man Rosen.
Kann ich auf die Liebe meines Freundes (oder Freun
din) rechnen?
Antwort. Liebe ist nur das Darlehn für Liebe.
Liebt mich mein Freund (oder meine Freundin) treu
und aufrichtig?
Antwort. So wie du ihn (sie) liebt.
Werde ich glücklich sein?
Antwort. Das schönste Glück muß du in dir selbst
gründen.
Dergleichen mehrfach geschriebene Zettelchen breitet man
in einer gemischten Gesellschaft auf dem Tische mit dem
Bemerken aus: jeder Herr und jede Dame wolle sich eins
wählen und die Antwort auf die ihnen angegebene Weise
hervorrufen.

4. Der magische Streusand.

Man läßt 33'3 g gemeinen Vitriol auf einem warmen


Ofen abtrocknen, wodurch er in ein weißliches Pulver zer
fallen wird. Dieses wird hierauf noch in einem steinernen
Mörser oder einer Reibschale aufs zarteste zerrieben, sodann
mit zweimal soviel recht klarem, weißem Streusand vermischt
und so in eine Streubüchse geschüttet.
Ferner verschafft oder bereitet man sich ein sehr starkes
Dekokt von guten, frischen, türkischen, zerstoßenen Galläpfeln,
welches man aber wohl absetzen laffen und noch überdies
filtrieren laffen muß. Mit der so erhaltenen hellen Flüssig
keit schreibt oder zeichnet man vor den Augen der Zuschauer
auf gut geleimtes Papier einige Zeilen oder irgend eine kleine
Figur, wovon niemand auf dem Papiere etwas wird er
kennen können; sowie man aber die Feder niederlegt, be
streuet man sogleich das Geschriebene, ehe es zu trocknen
anfängt, und läßt den Sand eine kurze Zeit darauf liegen,
so wird, sobald man ihn abschüttet, das Geschriebene oder
Gezeichnete schwarz erscheinen.

5. Der bezauberte Brief.

Man schreibt mit gemeiner Tinte auf einige kleine läng


lich viereckige Blättchen Papier verschiedene Fragen von der
Art, daß sie nur mit einem einzigen Worte beantwortet wer
den können. Z.B.: Welches ist das artigste Frauenzimmer
in der Gesellschaft? – Wen wird N. N. heiraten? u.j.w.
Man muß nun die Antwort mit einer Auflösung von Vitriol
und Salmiak, oder von Alaun, oder von bloßem Küchensalz,
– 88 –

oder endlich von verdünntem Vitriolgeiste, gerade unter die


jedesmalige Frage schreiben, das Blättchen mit der Frage
und der unsichtbaren Antwort in ein Briefkouvert schlagen
und dabei das Blättchen unbemerkt sorgfältig so zu legen
suchen, daß der Ort, wo die unsichtbare Antwort steht, ge
rade dahin zu liegen kommt, wo das Siegel aufgedruckt
werden soll.
Wenn man nun solche Blättchen mit verschiedenen Fra
gen und unsichtbaren Antworten zubereitet hat, so gibt man
diese Papiere den Personen, mit welchen man sich belustigen
will; und haben diese einige Fragen nach ihrem Belieben
ausgesucht, so schlägt man sie, wie eben beschrieben, ein und
versiegelt sie unter angeführter Behutsamkeit so, daß der
noch unsichtbare Name unter den Platz gebracht wird, wor
über das Siegel kommen soll. Die Wärme des Siegellacks,
das man zu diesem Ende etwas auf dem Papiere brennen
laffen kann, wird soviel Hitze erregen, daß die darunter be
findliche unsichtbare Antwort dadurch beim Wiedereröffnen
des Kouverts sichtbar werden muß.

6. Mit Waffer, Wein, Bier, Essig, oder einer andern solchen


hellen Flüssigkeit, mit einer neuen und zugeschnittenen Feder
dennoch schwarz zu schreiben.

Man vermische 8% g recht klar zerstoßenes Galläpfel


pulver mit 83 g gemeinem Vitriol zu einem feinen Pulver
und reibe es mit etwas Baumwolle sehr gut auf einem
Blatt Papier so ein, daß letzteres etwas rauh davon wird;
hernach schüttet man das überflüssige Pulver vom Papiere
ab. Auf dasselbe schreibt man nun mit einer der genann
ten Flüssigkeiten aus einer neuen Feder, was nur beliebt;
so wird sich bald zeigen, daß alle Buchstaben, sobald sie ge
schrieben wurden, sich mit einer schwarzen Farbe präsen
tieren.
– 89 –

7. Aus zwei durchsichtigen hellen Waffern durch bloße Zu


jammengießung in einem Augenblicke eine schwarze Tinte zu
machen.

In 12 l Fluß- oder Regenwaffer läßt man 66% g


pulverisierte Galläpfel bis auf 1 l bei gelindem Feuer ein
fieden und hernach bis zur Erkaltung stehen, worauf man
es, um es hell zu machen, durch graue Makulatur filtrie
ren muß. In einem andern Liter reinem Waffer löst man
66'3 g gemeinen Vitriol auf und filtriert diese Auflösung
ebenfalls, wozu man sich aber noch nicht gebrauchten Maku
laturs bedienen muß.
Schüttet man nun diese beiden hellen Flüssigkeiten zu
sammen, so entsteht augenblicklich eine schwarze Tinte, in
welche man zum ferneren Gebrauche noch 333 g klares
arabisches Gummi schüttet.

8. Einen geheimen Brief auf ein Ei zu schreiben.

Man stößt gleichviel Alaun und Galläpfel zu einem


recht feinen Pulver und gießt auf das vermengte Pulver so
viel scharfen Weinessig, daß es wie eine Tinte wird. Mit
diesem Liquor nun schreibt man auf die äußere, vorher ge
reinigte Schale des Eies, was einem beliebt, und läßt es
hierauf trocken werden.
Nach dem Trocknen muß das Ei noch fünf Tage lang
in Salzwaffer oder guten Esfig gelegt werden, worauf man
es wieder trocken werden läßt; dann wird man nicht das
Geringste vom Geschriebenen darauf bemerken. Wenn man
aber das darauf Geschriebene wieder zum Vorschein bringen
und lesen will, so muß man das Ei hart fieden und dann
die Schale behutsam davon ablösen, worauf die Schrift deut
lich auf dem harten Weißen des Eies zu lesen sein wird.
--- 90 ---

9. Ein Kelchglas von oben an bis unten künstlich zu zer


schneiden. -

Man nimmt ein reines Kelchglas, worin weder Blasen


noch Sandkörnchen sind, umbindet es sodann auf dieselbe
Weise mit einem in Terpentinöl stark getränkten Faden fo,
als wie man es zu zerschneiden beabsichtigt; zündet hierauf
diesen mit Terpentinöl geschwängerten Faden an, und löst
ihn, sobald er abgebrannt ist, in seiner ganzen Ausdehnung
mit einem in Waffer getauchten Zeichenpinsel wieder ab, so
wird hierdurch das Gewünschte erreicht sein.

10. Zu machen, daß ein Licht nach abwärts brenne.

Dieses wird ganz leicht dadurch bewerkstelligt, daß man


unter die Lichtflamme Steinöl in einem Gefäße hält, so
wird zur allgemeinen Verwunderung die Lichtflamme abwärts
steigen und das Steinöl anzünden.

11. Farbige Feuerflammen hervorzubringen.

Karminrot. Man bringt diese Flamme hervor, in


dem man 3 Teile Alkohol und 1 Teil Strontian-Hydro
chlorat in einer Kapsel verbrannt.
Hochrot erhält man, wenn 3 Teile Alkohol (Spiri
tus zu 90%) und 1 Teil Schwefelquecksilber (Zinnober) zu
jammen verbrennt werden.
Rot. Schwefelsaure Soda mit Alkohol verbrannt.
Orange. Sodium-chlorure (chlorwafferstoffaure kalci
nierte Soda) mit Alkohol verbrannt.
Gelb. Man erhält diese Flamme durch die Verbren
nung von 1 TeilAlkohol und 3 Teilen Hydrochlorat (Chlor
wafferstoffsäure) oder auch salpetersaurem Kali.
Smaragdgrün wird durch Verbrennung des Alko
hols mit alpetersaurem Kupfer hervorgebracht.
91 –

Grün. Verbrennung des Alkohols mit Kupferhydro


chlorat.
Blau. Alkohol mit Boraxsäure verbrannt.
- Blau. Ammoniak-Hydrochlorat 1 Teil,zweifach-schwe
felsaures kalciniertes Kupfer 2 Teile. Beides wohl ver
mengt und auf hellbrennende Kohlen geworfen, verbreitet
eine schöne blaue Farbe.
Hellgrün. Halb essigsaures Kupferoxyd (kristallisier
ter Grünspan) 2 Teile, weißes Pech 2 Teile, Ammoniak
Hydrochlorat (chlorwafferstoffaures flüchtiges Laugensalz)
1 Teil. Beide Salze werden pulverisiert und 24 Stunden
der feuchten Luft ausgesetzt, dann in das geschmolzene Pech
gegoffen und wohl vermengt. Man kann dies Gemisch nun
erkalten laffen, dann zu Pulver stoßen und auf Kohlen
streuen, oder man bringt es, während es nochwarm ist, in
beliebige Formen (z. B. in Stangen, wie das Siegellack).
In jedem Fall erhält man eine schöne Flamme.

Gelbe und blaue Flamme einer Lampe.


Wenn man einen baumwollenen Docht in Sodasalz
tränkt, schnell austrocknen läßt und mit Alkohol verbrennt,
erhält man eine gelbe Flamme. Nimmt man, statt des
Sodasalzes, Kalisalz (Pottaschensalz), so brennt der Docht
im Spiritus mit blauer Flamme.

12. Leuchtende Pomade.

Vermische 0,60g Phosphor mit 30g Pomade nach


und nach recht gut zusammen. Reibt man mit dieser
Pomade das Gesicht oder die Haare, so werden diese Stel
len im Dunkeln leuchten, und ein Unwissender wird dadurch
in Verwunderung gesetzt.
13. Eine stählerne Klinge in eine kupferne zu verwandeln.

Man löst 1'3 g Kupferblättchen in 5g Scheidewaffer


auf und füllt den Liquor in ein Glas. Wenn man eine
Meffer- oder eine andere Klinge damit bestreicht, so wird
sie ganz wie Kupfer aussehen.

14. Ein ausgelöschtes Licht mit einer Mefferspitze wieder


anzuzünden.

Man steckt an eine Mefferspitze ein kleines Stückchen


Phosphor (ungefähr so groß, als ein Haferkorn), und zwar
ohne daß es jemand bemerkt. Wenn man dann ein Licht
putzt, so lösche man es mit Vorsatz aus, doch so, daß es noch
ein wenig glimmt, ergreife hierauf sogleich das Meffer mit
dem Phosphorstückchen und halte letzteres an den noch glim
menden Docht, worauf sich das Licht sogleich wieder ent
zünden wird.

15. Einer ganzen Gesellschaft das Ansehen von Geistern zu


geben.

Man löst Salz und Safran in Weingeist auf, taucht


ein Stück Baumwolle hinein, legt es in eine Taffe und
zündet es an. Wenn alle Lichter ausgelöscht sind, so wer
den alle Personen bei dem Scheine dieser Spiritusflamme
ein gespensterartiges grünes Ansehen bekommen.
Anstatt des Safrans kann man sich auch klaren Schwe
fels oder der sogenannten Schwefelblüte bedienen.

16. Zwei kleine Figuren, von denen die eine das Licht aus
bläst, die andere es aber sogleich wieder anzündet.

Man nimmt zwei kleine Figuren von Holz und steckt


ihnen ein Röhrchen von der Größe eines sehr kleinen Feder
-- 93 -

kiels in den Mund. Der einen Figur thut man ein kleines
Stückchen Phosphor in die Röhre, der andern aber einige
Körner Schießpulver, deren Herausfallen man durch ein
kleines abgeriffenes und etwas an die Röhrenmündung auf
wärts gebogenes Papier verhindern muß. Bringt man nun
das brennende Licht an das Röhrchen dieser Figur, so wird
durch die Entzündung des Pulvers das Licht ausgelöscht
werden. Bringt man hierauf den noch glimmenden Docht
sogleich an die Röhre der ersteren Figur (mit dem Phos
phor), so wird letztere das Licht sogleich wieder anzünden.

17. Einen Blitz in einem Zimmer hervorzubringen.

Man verbrennt in einem kleinen Zimmer, in welches


weder frische Luft noch Licht eindringen kann, eine Partie
Weingeist mit Kampfer. Wenn hierauf jemand mit einem
brennenden Lichte in das Zimmer tritt, so bildet sich schnell
ein Blitzstrahl, der keinen Schaden verursacht.

18. Der bezauberte Stein.

Wenn man den kalkartigen sogenannten Linsenstein in


irgend eine scharfe Säure legt, so bewegt und dreht er sich
unaufhörlich darin herum.

19. Glas zu durchbohren.

Man thut in eine Flasche 4 g Sauerkleesalz und 4g


rotes Sandelholz; beides gepulvert, gießt 31 g Terpentin
effenz darauf, schüttelt alles tüchtig und verkorkt die Flasche.
Will man in irgend ein Glas ein Loch machen, so benetzt
man die betreffende Stelle mit jener Flüssigkeit, welche sich
genugsam erweicht, um sie, ohne Gefahr des Zersprengens,
mit einem spitzen Eisen durchstechen zu können.
– 94 ––

20. Den beliebten Dianenbaum hervorzubringen.

Man löst 8% g feines Silber in 25g starkem Scheide


waffer in einem gläsernen Kölbchen auf. Hernach gießt man
diese Auflösung in ein weißes gläsernes Gefäß, welches unten
etwas weit ist, mit 50g Quecksilber und 250g Waffer,
und läßt es an einem Orte ruhig stehen, ohne das geringste
Schütteln.
Nach mehreren Tagen wird man sehen, daß das Queck
silber mit einer Menge kleiner silberfarbiger Aeste ganz be
deckt ist, die den Aleten kleiner Rosenstöcke oder dem Grafe
ähnlich sehen. Diese Wirkung wird nach einem bis zwei
Monaten immer stärker und das Gesträuch noch artiger
werden. – Das Silber und Quecksilber gehen hierbei nicht
verloren.

21. Den Zinnbaum hervorzubringen.

Diese gleichfalls schöne metallische Vegetation erhält


man, wenn man in ein reines weißes cylinderförmiges Glas,
mit verdünnter fallzauerer Zinnauflösung fast
angefüllt, eine nicht zu dünne glatte Zinnstange steckt.

22. Ein Geldstück in einer Nußschale zu schmelzen.

Man nimmt 3 Teile Salpeter, 1 Teil Schwefel und


1 Teil Sägespäne und reibt alles in einem Mörser gut
durcheinander. Mit dieser Komposition füllt man eine Nuß
schale bis nahe an den Rand, legt eine kleine, möglichst
dünne Münze von Silber oder Kupfer darauf, bedeckt sie
mit dem Pulver so gehäuft, als sich durch Festdrücken machen
läßt, und zündet es an. Die Münze wird bald geschmolzen
sein, während die Nußschale nur geschwärzt ist.
– 95 –

23. Einen Kapaun in einem Sacke zu braten.

Dieses ist ein sehr interessantes Stück, wenn es mit


der gehörigen Behendigkeit ausgeführt wird, weil man den
Kapaun so sichtbar in einen Sack wickelt, daß bei den Zu
schauern nicht der geringste Argwohn einer natürlichen Zu
richtung dabei entstehen kann.
Die Prozedur hierzu ist folgende:
Nachdem der abgeschlachtete Kapaun von den Federn
befreit und sonst gehörig zum Braten zubereitet worden, so
füllt man ihn noch mit Butter aus, thut ihn hierauf in
eine hierzu gefertigte blecherne Büchse und steckt hierauf der
Länge nach durch den Kapaun einen rot glühenden Stahl,
worauf man die Büchse zuschließt und dieselbe sodann vor
aller Augen in einen Sack wickelt, so wird man höchstens
nach "4 Stunden bei Eröffnung der Büchse einen recht gut
gebratenen und zum Verspeisen tauglichen Kapaun erhal
ten. – Will man dieses Experiment auch mit einem Reb
huhne vornehmen, so bleibt sich das ganze Verfahren gleich,
nur darf dasselbe nicht so lange in der Büchse bleiben.

24. Die bezauberten Löffel.

Man schmelze in einem Tiegel "2 kg Wismut und


thue dann "4 kgBlei und etwa 166'3 gZinn dazu. Wenn
alles geschmolzen ist, gießt man das Metall in Stangen
und läßt sich von einem Zinngießer oder Silberschmied kleine
Löffel daraus machen. Indem man seinen Gästen sehr hei
ßen Kaffee oder Thee serviert, steckt man diese Löffel hinein,
die zu ihrem größten Erstaunen durch das bloße Umrühren
schmelzen.
Das Merkwürdige bei jener Komposition ist, daß jedes
der dreiMetalle, aus denen sie besteht, einzeln eines bedeu
tend höhern Wärmegrades bedarf, um zu schmelzen, während
ihre Verbindung schon unter 80 Grad schmilzt.
25. Aus einer Flasche Pistolenschüffe zu thun.

Man nimmt eine starke gläserne Flasche, füllt sie


"4 Teile voll Waffer, thut noch 66'3 g Eisenfeilspäne und
413 g Vitriolöl hinzu und pfropft sie gut zu. Sobald
die Flasche anfängt warm zu werden, öffnet man sie und
hält schnell einen brennenden Fidibus an die Oeffnung.
Sogleich erfolgt ein Knall, wie ein Pistolenschuß, worauf
man die Flasche wieder zumacht. Man kann dies mehrere
Male wiederholen.

26. Eine rote Rose schnell in eine weiße zu verwandeln.

Man nimmt eine gemeine rote Rose, die völlig aufge


blüht ist, thut glühende Kohlen in ein Kohlenbecken, wirft
ein wenig gemeinen Schwefel darauf und hält dann die
Rose, den Stiel derselben nach oben gekehrt, in den Schwefel
dampf, wodurch sie dann weiß wird. Steckt man sie hier
auf wieder mit ihrem Stiele in ein Gefäß mit frischem
Waffer, so wird sie nach einigen Stunden ihre Rosafarbe
wieder bekommen.
Anwendung. Wenn man eine rote Rose auf die
eben angezeigte Weise zubereitet hat, so setzt man sie in ein
Blumengefäß und übergibt sie einer Person, die von der mit
der Rose vorgegangenen Zubereitung nichts weiß, damit
diese sie in einen Schrank verschließe und den Schlüffel ab
gebe. Nach Verlauf von sechs Stunden gibt man ihr den
Schlüffelwieder; wenn sie nun den Schrank öffnet, so wird
sie erstaunen, eine rote Rose anstatt der weißen anzutreffen.

27. Eine Winterlandschaft in eine Sommerlandschaft zu


verwandeln,

Man läßt sich von gewöhnlichen Wafferfarben eine


Landschaft verfertigen, die eine Gegend im Spätherbst vor
stellt, wo das Laub der Bäume, das Grün der Wiesen und
– 97 –

das Farbenspiel der Blumen verschwunden ist. Man be


dient sich nun der sympathetischen Tinten (welche in der
Kälte unsichtbar sind und in der Wärme sich färben), um
die Blätter der Bäume, das Grün der Wiesen und Sträu
cher und die Farben der Blumen zu malen.
Wenn dies geschehen, bringt man das Bild in einen
Rahmen, dessen Rückseite man mit einem dünnen Bogen
Papier überzieht.
Sobald man die zauberische Veränderung hervorbringen
will, stellt man das Gemälde an die Seite eines warmen
Ofens, worauf sich die Bäume bald mit Laub bedecken, die
Pflanzen und Wiesen mit Grün überziehen“) und die Gär
ten mit Blumen prangen.
Auf dieselbe Art kann man Ofen- und Lichtschirme ver
fertigen, die zu angenehmen Belustigungen dienen.

28. Ein Geldstück zu trennen.

Man befestigt drei Eisendrahtstifte, deren jeder 5 cm


lang ist, in Form eines Dreiecks auf einem Stücke Holz und
häuft dazwischen Schwefelblumen auf. Auf diese Spitzen
legt man das Silber- oder Kupfergeld und häuft auch dar
auf noch Schwefelblumen in Pyramidenform. Dann zün
det man den Schwefel an und läßt ihn verbrennen, wonach
man die Münze in zwei Teile getrennt findet. Sollte dies
jedoch noch nicht geschehen sein, so kann man doch die Tren
nung der beiden Teile leicht durch ein Meffer bewirken.

29. Salat in einer Stunde wachsen zu laffen.


Man vermische Gartenerde mit ungelöschtem Kalk
(2 Teile Erde, zwei Teile Kalk) und säe Salatsamen hinein,
*) Zu der grünen Farbe bedient man sich folgender Tinte
mit Erfolg. Man löst einen Teil der blauen metallartigen Erd
farbe, die aus dem Kobalt bereitetwird, in Scheidewaffer auf und
verdünnt das Gemisch mit hinlänglichem Waffer. Die damit ge
malten Blätter werden an der Wärme schön grün.
Leischner, Zauberkunst. 7
- 98 -

der eine Zeitlang in Weingeist eingeweicht worden ist. So


bald man die Erde begießt, wächst in kurzer Zeit der Salat
empor.

30. Holz unterm Waffer zu Kohle zu verbrennen.

Wer Gelegenheit hat, einen Brennspiegel oder ein gro


ßes Brennglas zu versuchen, der binde ein mäßig starkes
Stück Holz an einen Stein und lege es in ein Gefäß mit
Waffer so, daß dasselbe ungefähr eine halbe Hand hoch
übersteht. Wird nun der Brennpunkt bei hellen Sonnen
strahlen auf das Holz im Waffer gerichtet, so entzündet es
sich, was vielen unglaublich scheinen wird.

31. Durch Waffer Feuer zu erhalten.

Wenn man auf festen, gut gebrannten, ungelöschten


Kalk Waffer gießt, so wird die Hitze bald so stark werden,
daß man Schießpulver, Schwefel und Phosphor daran ent
zünden kann. Der hohe Grad von Wärmestoffentwickelung
entspringt aus der Absorption und Verdichtung des Waffers
durch das Kalciumoxyd, welches in den Hydratzustand
übergeht.

32. Im Schatten oder an einem von der Sonne nicht be


schienenen Orte dennoch durch die Sonne ein Feuer zu ent
zünden.

Man stellt zuerst vor einen dunklen schattigen Ort, der


Sonne gerade gegenüber, einen Hohlspiegel oder auch nur
einen anderen ziemlich großen ebenen Spiegel, so daß die
davon aufgefangenen Sonnenstrahlen in den Schatten ge
worfen werden. Hierauf stellt man an eben denselben Ort,
wo diese Strahlen hinfallen, einen zweiten Hohlspiegel, und
erforscht dann, wo defen Brennpunkt hinfällt. An diesen
-- 99 -

Ort legt man nun ein Stückchen Schwamm oder einen mit
ein wenig Stroh umwickelten Schwefelfaden oder sonst der
gleichen, so wird man bald das Feuer aufgehen sehen.

33. In einem Glafe die vier Elemente: Erde, Waffer, Luft


und Feuer darzustellen.

1) Man nimmt eine lange weißgläserne Flasche, die


einen gläsernen eingeschliffenen Kopf hat und teilt sie durch
Papierstreifen äußerlich in vier Abteilungen.
2) Zur Darstellung der Erde bedient man sich der
schwarzen Emaille oder des Schmelzes, den man etwas
grob stößt.
3) Zur Darstellung des Waffers des kalcinierten Wein
feins, den man an der feuchten Luft zerfließen läßt und
mit etwas Bergblau bläulich, wie Meerwaffer färbt.
4) Um die Luft zu bezeichnen, nimmt man schwachen
Spiritus von weißer Farbe.
5) Um das Feuer darzustellen, nimmt man Terpentin
effenz, die man mit Ochsenzunge feuerrot färbt.
Man schüttet nun zuerst den schwarzen Schmelz in die
Flasche, der wegen seiner Schwere zu Boden fällt und so
das schwerste Element „die Erde“ darstellt. Dann thut
man auch den flüssigen Weinstein hinein, der schwerer als
der Spiritus und leichter als der Schmelz ist und so „das
Waffer“ (welches das schwerste Element nach der Erde ist)
vorstellt.
Ferner gießt man nun auch den Spiritus und kurz
darauf auch die Terpentineffenz in die Flasche, die dadurch
bis oben herauf voll sein muß und welche man nun zu
macht und überdies verkittet. Wenn man die Flasche schüt
telt, so gehen die vier Substanzen untereinander; sobald
fie aber einige Zeit ruhig gestanden hat, so trennen sich die
Stoffe wieder, dringen durcheinander durch und nehmen den
Platz ein, den ihre Eigenschwere erfordert. Auf diese Art
werden die vier Hauptelemente vorgestellt.
# # . . ."
„ v…
– 100 –

34. Eine feurige Fontäne oder einen Springbrunnen zu


bereiten.

Man füllt eine kupferne Kugel, in welche eine aus


wärts sehr enge zulaufende Röhre fest eingeschraubt werden
kann, mit Weingeist an, in welchem noch etwas Kampfer
aufgelöst worden, schraubt die Röhre an und bringt nun
die so zubereitete Kugel über ein Kohlenfeuer. Der Wein
geist wird durch die Hitze in Dämpfe verwandelt, die sich
mit großem Ungestüm aus der engen Röhrenöffnung preffen
und hoch in die Luft steigen. Hält man nun in die Aus
strömung ein brennendes Licht, so wird sich dasselbe sogleich
entzünden und einen sehr artigen feurigen Springbrunnen
darstellen, der eine Zeitlang dauern wird, besonders wenn
die Oeffnung der Röhre sehr eng ist.

35. Das feurige Angesicht im Finstern.

Man nimmt 6 Teile Olivenöl und 1 Teil Phosphor


und läßt beides in einer Flasche in einem Sandbade dige
rieren. Hiermit bestreicht man sich mittels eines Pinsels
das Gesicht (indem man sich die Augen und den Mund zu
hält), welches sich sofort mit einer bläulichen Flamme über
zieht, während Augen und Mund als schwarze Höhlen er
scheinen.
Die Ausübung dieser Belustigung ist weder gefährlich,
noch sonst der Gesundheit nachteilig.

36. Leuchtende Totenköpfe und Gespenster.

Ein Stückchen Phosphor, so groß wie eine mäßige


Bohne, schneidet man in einer mit etwas Waffer begoffenen
Kaffeetaffe zu kleinen Stücken. Diese wirft man in ein
Glas, welches zur Hälfte mit reinem Waffer angefüllt ist,
und läßt sie so in einem irdenen Gefäße über gelindem
– 101 –

Kohlenfeuer fieden, um dadurch ein Phosphorwaffer zu er


halten.
Man nimmt sodann ein kleines weißes, etwas langes
und schmales Fläschchen mit einem recht langen Halle, legt
es, um dasselbe zu erwärmen, ohne Stöpsel in siedendes
Waffer, gießt aber bald das eingedrungene Waffer wieder
heraus und füllt sogleich das heißgemachte Phosphorwaffer
hinein. Man verschließt nun eiligst das Fläschchen mit einem
gut paffenden Stöpsel, der eigentlich von Glas sein sollte,
möglichst fest und überbindet denselben über den Rand des
Fläschchens noch mit Blase. Beklebt man das so gefüllte
Fläschchen mit fein geöltem Papiere, worauf ein Totenkopf
oder ein Furienkopf mit einem Schlangenhaupte, oder sonst
eine gespensterähnliche Figur, ausgeschnitten und mit Gummi
gutti bemalt ist, und stellt es ins Dunkle, so sieht es, be
sonders zur stillen Nachtzeit, sehr unheimlich aus. Ein
solches Zauberbild leuchtet wohl einige Monate, wenn das
Glas selbst nicht bewegt wird.

37. Aus Zucker Kohle zu machen.

Man braucht auf ein Stückchen weißen Zuckers nur


etwas Schwefelsäure zu gießen, und er wird zu einer ge
wöhnlichen schwarzen Holzkohle ohne allen Geschmack.

38. Aus derselben Flasche Waffer von verschiedenen Farben


zu gießen.

Man koche eine Quantität pulverisiertes Rotholz mit


Waffer und gieße die filtrierte Brühe in eine Flasche, dann
bereite man sich vier Stengelgläser, indem man das erste
mit reinem Waffer ausspült, das zweite mit Efig, das
dritte mit Pottaschenaufguß und das vierte wie das dritte,
nur daß man etwas Alaun hineinwirft. In jedem Glas
bleiben noch einige Tropfen der betreffenden Flüssigkeit.
– 102 –

Schenkt man nun die Rotholztinktur in das erste Glas,


so wird die gelblichrot sein, im zweiten gelb wie Weißbier,
im dritten klar wie Waffer und im vierten dunkelrot.

39. Das im Waffer glühende Ei.

Man bläst ein Ei aus, füllt es wieder mit einem


Pulver von Schwefel, Salpeter und ungelöschtem Kalke aus
und beklebt die Löcher mit Papier. Wird dieses Ei in ein
Glas Waffer gelegt, so entzündet sich der Kalk und es er
scheint im Finstern glühend.

40. Roten und weißen Wein zu verändern.

Wenn man in ein Glas weißen Wein unbemerkt eine


Prie fein pulverisierten Pernambuk wirft, so wird er jo
gleich rot;gießt man dagegen wieder einige Tropfen Zitronen
saft hinein, so vernichtet dieser die rote Farbe und der Wein
wird wieder weiß.

41. Ein Brot im Backofen hüpfen zu laffen.

In dem Augenblicke, wo das Brot in den Ofen ge


schoben werden soll, drückt man in den Teig eine Nuß
schale, die mit einem Gemisch von gleichen Teilen Queck
silber, Schwefel und Salpeter gefüllt und wieder gut ver
kittet ist. Sowie das Brot zu backen anfängt, bewegt es
sich und springt in die Höhe.
Wenn man in einen Topf, in welchem Erbsen gekocht
werden sollen, etwas Quecksilber wirft, so kochen und sprin
gen die Erben alle aus demselben heraus, sobald das Was
fer heiß wird.
– 103 –

42. Durch einen Pistolenschuß einen brennenden Wachstock


auszulöschen und gleichzeitig einen andern anzuzünden.

Man nimmt zwei Wachstöcke, zündet einen davon an


und putzt ihn kurz ab; an die Schnuppe des andern klebt
man ein Stückchen Phosphor und stellt die beide 30 cm
weit auseinander.
Sobald man nun mit einem Pistol, das nur mit Pul
ver und ohne Pfropf und Schrot geladen ist, auf sechs
Schritte zwischen beide schießt, so wird der brennende Wachs
stock durch den Druck der Luft verlöschen und der andere
sich durch den Phosphor anzünden.

43. Eine Gesellschaft in Mohren zu verwandeln.

Man taucht Binsenmark in Tinte, trocknet dieses, legt


es in eine Lampe, zündet es an, löscht hierauf die übrigen
Lichter aus: so wird auch die Europäerin von dem weiße
sten Teint sogleich als eine Mohrin erscheinen.

44. Daß die zu siedenden Eier im Topfe über dem Feuer


zu hüpfen anfangen.

Mache in jedes zu siedende Ei eine kleine Oeffnung,


laffe durch dieselbe mehrere Tropfen Quecksilber einfallen
und verkitte diese Oeffnungwieder sorgfältigst mit Knoblauch
saft, den man auf dem Eie, noch bevor man es zum Sieden
in den Topf bringt, trocken werden läßt. Bringt man nun
so zubereitete frische Eier in einem hohen Topf, und mit
Waffer übergoffen, zum Sieden aufs Feuer, so fangen sie,
sobald das Waffer heiß wird, an, auf und niederzusteigen
also gleichsam zu hüpfen), was bei dem Uneingeweihten die
höchste Ueberraschung hervorbringt.
– 104 –

45. Einen Vogel zu erschießen, und ihn bald wieder lebendig


zu machen.

Hierzu bedient man sich einer gewöhnlichen Pistole,


welche man mit Pulver ladet, dabei aber bloß die Vorsicht
gebraucht, anstatt des Bleies dafür halbsoviel Quecksilber
als Ladung zu nehmen. Schießt man damit 8 bis 9 Schritte
weit auf einen nicht großen Vogel (z. B. keine Taube oder
keinen Raben c.), so fällt derselbe betäubt und scheinbar
tot zur Erde, lebt aber in wenigen Minuten wieder auf

46. Brennenden Rauch darzustellen.

Schneide in eine länglich spitze Dute über die Mitte


hinaus ein kleines Loch von der Größe einer Erbse, zünde
hierauf das spitze Ende der Dute an, drehe sie dann so,
daß das kleine eingeschnittene Loch nach oben steht, und jo
wie aus demselben der Rauch strömt, zündet man denselben
mit einem brennenden Fidibus an.

47. Eine Pfeife Tabak anzuzünden, ohne dieselbe in den


Mund zu nehmen und daran zu ziehen.

Man hält die Oeffnung des Mundstücks mitdem Dau


men fest zu, den mit Tabak gefüllten Kopf aber in ein
Kohlenfeuer oder Licht, so wird sich der Tabak entzünden,
ohne daß man die Pfeife in den Mund zu nehmen und
daran zu ziehen nötig hat.

48. Das Waffer aus dem Branntwein ohne Feuer und


Wärme abzusondern.

Man schüttet Sal tartari in den wafferhaltenden Brannt


wein, bindet die Flasche wohl zu und läßt sie eine Zeitlang
stehen: so wird das Sal tartari alles Phlegma oder Waffer
– 105 –

an sich ziehen und der Branntwein wird oben schwimmen.


Wird dieser nun sauber abgeschüttet und nochmal Sal tartari
hineingethan, so wird man einen Spiritus erhalten, der
Pulver zündet; das Kennzeichen davon ist, daß sich kein
Sal tartari mehr auflöst.

49. Der Blumen-Proteus, oder die Farben aller Blumen zu


verwandeln, als: weiße in gelbe, rote in schwarze, violette
in grüne, rosenfarbene in hellgrüne, ponceaufarbene, Pompa
dour, Ziegelrot 2c.

Man nehme 4% g feinen Ambra,


33% „ Ammoniaksalz,
16% „ Sal tartari,
16'3 „ Pottasche,
4% „ Lavendelöl,
16% „ ungelöschten Kalk und
2 Stück pulverisierte wilde Kastanien.
Ein jedes dieser Spezies – das Lavendelöl ausgenom
men – muß besonders gestoßen, sodann alles wohl unter
einander gemengt, und währenddem das Lavendelöl einge
tröpfelt, hierauf aber alles zusammen in ein Glas, Stein
oder Porzellantopf gethan werden. – Hängt man nun über
diese Mischung irgend eine Blume, so ändert sie ihre natür
liche Farbe in eine der angegebenen. Das Glas oder der
Topf mit dieser Maffe aber muß allemal schnell wieder zu
gedeckt werden, damit die flüchtigen Geister in demselben
' verfliegen
leiben.
und dadurch für die Folge wirkungslos

50. Eier in kaltem Waffer gar zu sieden.

Thue sie nebst einem verhältnismäßig großen Stück un


gelöschtem Kalk in einen Topf, gieße kaltes Waffer dazu und
bedecke alsdann den Topf, worauf die Eier bald zu sieden
anfangen und dann zum Genuffe brauchbar sein werden.
– 106 –

51. Eier auf dem Tische während der Mahlzeit zu fieden.

Uebergieße sie in einem schmalen Porzellantöpfchen mit


Spiritus, zünde denselben an, und wenn er ausgebrannt ist,
sind die Eier gut.

52. Der Vulkan im kleinen.

Man rührt 122 kg Eisenfeile,


84 „ klaren Schwefel
und ein wenig Waffer zu einem Teige, gräbt das ganze in
einem Gefäße Angemachte einen Meter tief in die Erde und
bedeckt es dann mit Rasen. Bald früher, bald später, sicher
aber binnen 24 Stunden entsteht eine heftige Explosion;
die Erde wird fortgeworfen und es fahren Feuerflammen
heraus, nur darf man nicht eine zu kleine Maffe der Mischung
anwenden, weil sonst die Wirkung zu schwach ausfallen
würde; daher obiges Verhältnis beizubehalten ist.

53. Der brennende Schneeball.

Man zündet ein Stückchen Kampfer an, welches man


heimlich in den Schneeball gesteckt hat.

54. Scheinbar brennendes Waffer.

Man durchnetze ein Stück weißen Zucker mit Aether,


thue es in ein zwei Drittel mit Waffer angefülltes Glas,
zünde, nachdem sich der Zucker aufgelöst hat, die oberste
Luft über dem Waffer im Glase mit einem brennenden Fidi
bus an, so wird sich das Waffer zu entzünden scheinen;
es sind aber die Aetherdünste, welche sich entzünden. – Ist
die Flamme erloschen, so kann man nach einer Weile das
Waffer noch einmal auf gleiche Weise entzünden.
– 107 –

55. Ein Stein, der mit Waffer angefeuchtet Feuer gibt.

Man nimmt ungelöschten Kalk, Salpeter, Zinkkalk,


Storax, von jedem 30g; Schwefel, Kampfer, 60g von
jedem; nachdem alles fein pulverisiert und wohl vermengt
ist, fiebt man es, umwickelt es fest mit einem Stück Lein
wand und legt es in einen Schmelztiegel. Auf diesen Tie
gel fülpt man einen zweiten, verstreicht die Verbindungs
stellen sorgfältig mit Thon, den man an der Sonne gut
austrocknen läßt, ehe man das Ganze in einen Töpferofen
bringt, worin es stehen bleibt, bis die Schmelztiegel rot
glühend sind, worauf man sie langsam abkühlen läßt, ehe
man sie herausnimmt. In dem Tiegel wird sich ein Stein
finden, auf den man nur einen Tropfen Waffer fallen zu
laffen braucht, um eine Flamme zu erhalten, an der man
einen Schwefelfaden anzünden kann.

56. Ein Körbchen mit weißen oder bunten Kristallen zu


bedecken.

Ein gewöhnliches Weidenkörbchen bedeckt sich mitpracht


vollen Kristallen, wenn man es in eine Auflösung von Alaun
stellt. Das Waffer muß vollständig mit Alaun gesättigt
sein und dann durch Fließpapier filtriert werden. Wünscht
man bunte Kristalle, so muß die betreffende Farbe vor dem
Filtrieren in die Alaunauflösung kommen. Karmesinrote
Kristalle erhält man durch eine Tinktur von Färberröte oder
Kochenille; zu gelben nimmt man Safran; zu schwarzen in
Waffer aufgelöste und durch Gummi verdickte chinesische
Tusche; zu blauen, eine Auflösung von Indigo in Schwefel
jäure; zu hellblauen, eine gleiche Menge Alaun und Kupfer
vitriol; zu grünen, Eisenvitriol.
Nachdem die Auflösung filtriert ist, läßt man sie lang
jam einkochen, bis die Hälfte des Waffers verdampft ist,
und gießt sie dann in einem Gefäß über das Körbchen,
wo man sie, ohne daran zu rütteln, abkühlen läßt. Will
– 108 –

man sich eines Körbchens von Eisendraht bedienen, so muß


dieser zuerst mit gedrehter Wolle umwunden werden.

57. Durch Zusammengießen von zwei kalten Flüffigkeiten


Hitze und Flammen zu erzeugen.

Man thue Terpentinöl oder ein anderes flüchtiges Oel


in eine kleine Terrine und gieße aus einem Fläschchen, das
man an einen langen Stock befestigt, dem Gewichte nach
ungefähr zwei Drittel soviel konzentrierte Salpetersäure dar
auf. Es wird ein großes Aufwallen entstehen, dem bald
eine starke Flamme folgt. Zeigt sich die Flamme nicht nach
einigen Sekunden, so gießt man den Rest der Salpetersäure
auf die dunkelste Stelle des Oels; die Flamme wird fo
gleich ausbrechen und eine dicke schwammartige Kohle zu
rücklaffen.
Die gleiche Wirkung erzielt man bei fetten Oelen durch
eine Mischung von Salpetersäure und Vitriolöl zu gleichen
Teilen. Man mache diese Experimente jedoch nur mit ge
ringen Mengen und großer Vorsicht.

58. Flammende Blasen aus dem Waffer aufsteigen zu


machen,

Man füllt ein Trinkglas zur Hälfte mit Waffer und


wirft ein Stück phosphorsauren Kalk hinein; nach einigen
Augenblicken steigen kleine Blasen auf, die an der Oberfläche
mit einer glänzenden Flamme und einem dichten weißen
Rauch platzen.

59. Brennendes Waffer.

Man gießt 2 kg Schwefelsäure zu 22 kg Waffer,


wirft etwa 65g Zinkpäne und einige Sekunden danach
mehrere haselnußgroße Stücken Phosphor hinein. Sogleich
– 109 –

bedeckt sich die Flüssigkeit mit Flammen und Feuerzungen


schießen nach allen Richtungen darin umher.

60. Eine neue Methode den Schornstein zu fegen.


Man reibt in einem warmen Mörser 3 Teile Salpeter,
2 Teile Weinstein und 1 Teil Schwefelblumen gut durch
einander, legt ungefähr soviel davon, als sich auf einen
Thaler häufen läßt, auf eine Schaufel und setzt diese unten
im Schornstein auf ein helles Feuer. Sobald die Mischung
zu schmelzen anfängt, blitzt sie auf und erzeugt eine so starke
Lufterschütterung, daß ohne allen Schaden oder Gefahr der
ganze Ruß sich ablöst und herunterstürzt.
Sollte nach dem ersten Versuch der Rauchfang noch
nicht ganz rein sein, so kann man die Operation wiederholen.

61. Ein rosarotes Band zu entfärben und durch Waffer


wieder rot zu machen.

Man tauche ein Rosaband in ein Glas mit 9 Teilen


Waffer und 1 Teil Salpetersäure; es verliert seine Farbe
und man sagt so gemeinhin, es sei verbrannt. Wäscht man
es jedoch mit einem andern Waffer, worin Walkererde auf
gelöst ist, so bekommt es gleich eine Farbe wieder.

62. Papier in Pergament zu verwandeln.


Man taucht Schreibpapier in verdünnte Schwefel- oder
auch Salpetersäure und es erlangt sofort alle wesentlichen
Eigenschaften eines Pergaments.

63. Waffer durch Sonnenhitze kalt zu machen.


Man umwickelt eine Flasche oder einen Krug voll
Waffer fest mit einem naffen Tuch und stellt sie in die
– 110 –

Sonne, das Tuch immer feucht erhaltend. Das Verdunsten


des Waffers im Tuche entzieht dem Waffer in der Flasche
die Wärme in solchem Grade, daß es fast bis auf den Ge
frierpunkt abkühlt. Je heißer die Sonne brennt, desto schnel
ler geht die Abkühlung vor sich.

64. Vergoldungen vor Fliegen zu bewahren.

Man koche drei oder vier Zwiebeln in einem halben


Liter Waffer und bestreiche mittels eines Kamelhaarpinsels
die Rahmen und sonstigen Vergoldungen mit diesem Waffer.
Farbe und Glanz derselben erleiden nicht die geringste Ver
änderung, aber keine Fliege wird sich ihnen fortan mehr
nähern.

65. Einen Menschen ohne Elektrifiermaschine zu elektrisieren.

Man stellt vier starke Biergläser umgekehrt auf den


Boden und legt ein Brett darauf, auf welches sich der zu
Elektrisierende stellt. Schlägt man nun den Isolierten mit
einem Muff oder sonstigen Gegenstand von Pelz oder Seiden
plüsch einige Zeit auf den Rücken und hält dann den Finger
nahe an seine Nase, so wird ein starker Funke überschlagen.
Das Zimmer muß dunkel sein.
Dritte Nöteilung.
Zauberkünste der Unverbrennlichkeit überhaupt.

Der Zauberer, Gaukler oder Taschenspieler eignet sich


insofern den Namen des Unverbrennlichen zu, als er im
stande ist, nicht allein glühende Kohlen in der Hand zu
tragen, sondern auch glühendes Eisen in die Hand zu legen,
es über die Zunge und über den entblößten Arm zu frei
chen, sowie auch mit bloßen oder nackten Füßen über glü
hendes Eisen zu gehen und bis zum Erkalten desselben
darauf zu stehen, auch kochendes Oel in den Mund zu
nehmen und sogar auch zu trinken, ohne sich im geringsten
dabei zu verletzen, und was dergleichen unglaublich auszu
führende Dinge mehr sind.
So sah man z.B. im Sommer 1828 zu Tivoli einen
Spanier, Namens Martinez, in einen großen Ofen steigen,
deffen Temperatur so hoch gesteigert war, daß der Thermo
meter eines Anwesenden, nachdem er 140 Grad gezeigt
hatte, in Stücken sprang, weil die Ausdehnung des Queck
filbers zu groß war. Andere Thermometer zeigten endlich
sogar 150 Grad. Martinez war sorgfältig mit Panta
lons, zwei Welten und einem tuchenen Mantel bekleidet, der
inwendig mit Pelzwerk ausgefüttert war, und wodurch er
sich vor den Wirkungen des Wärmestoffes sicher zu stellen
suchte. Als er in den Ofen stieg, nahm er ein Huhn mit
hinein, welches er nach einiger Zeit halb gebraten und ver
– 112 –

brannt herausgab. – Bei einer zweiten Vorstellung ließ


sich Martinez auf ein Brett binden, dessen Seitenwände
mit acht brennenden Kerzen versehen waren, und in dieser
Lage in den Ofen schieben. Nach einigen Minuten mußte
man ihn wieder herausziehen; die Kerzen waren geschmolzen
und Martinez unversehrt.
Im Jahre 1829 zeigte ein anderer Spanier, Namens
Lionetto, zu Paris und später in England, Italien und
Deutschland ähnliche und noch größere Beweise von Unver
brennlichkeit. Seine Experimente brachten nicht allein das
gewöhnliche Publikum, sondern auch Physiker und Chemiker
in Erstaunen, und seine Unempfindlichkeit bei Berührung
von Feuerstoffen schien unerklärbar. Er nahm glühende
Eisenstangen in die Hände und zwischen die Zähne, legte
eine glühende Eisenplatte auf den Kopf; er berührte mit
einem glühenden Eisen eine Ferse und Fußspitze und trank
fiedendes Oel; er tauchte die Hände in flüssiges Blei und
tropfte davon etwas auf die Zunge“).
Solche fürchterlichen Hitzgrade kann der menschliche
Körper jedoch nach den Gesetzen der Natur und der gesun
den Vernunft ohne Hinzuziehung geheimer Hilfsmittel nicht
ertragen. Dieser natürliche Schluß hat daher mehrere Phy
fiker zu Nachforschungen veranlaßt, die durch ihre Erfolge
uns die deutlichten Erklärungen über diese Unverbrennlich
keit gegeben haben.
Der Professor Sementini zu Neapel und noch meh
rere andere berühmte Chemiker haben durch eine Menge
Versuche ermittelt:
1) Wenn man pulverisierte Eibisch- oder Altheewurzel
mit klarem Eiweiß vermischt und eine dicke Salbe hieraus
bereitet, mit welcher man sich die innere Fläche der Hand
bestreicht und noch pulverisierten Alaun darauf freut, so
kann man eine gute Weile glühende Kohlen in der Hand
tragen, ohne von ihnen beschädigt zu werden.

*) Dieselben Experimente zeigte Jean de Chylinsky (Oster


meffe 1830) zu Leipzig, und sie werden uns nach obigem erklär
lich sein. D. U.
– 113 –

2) Eine dergleichen Salbe wird auch aus Eidotter,


pulverisiertem arabischen Gummi und Kraftmehl bereitet.
Bestreicht man sich mit dieser Salbe die Hand, und läßt
sie hierauf trocknen, so kann man ebenfalls stark glühende
Kohlen unbeschadet auf die Hand legen.
3) Um geschmolzenes, noch glühendes Blei in die Hände
zu nehmen und eine glühende Eisenstange über die Zunge
und über den entblößten Arm zu streichen, ohne sichdadurch
zu beschädigen, bedienen sich die sogenannten Unverbrenn
lichen gewöhnlich folgenden sehr geheim gehaltenen Mittels:
Sie lösen etwa 250 g fein pulverisierten Alaun in so viel
Schwefelsäure auf, als hierzu nötig ist und wozu ungefähr
60g hinreichend find. Da jedoch diese beizende Auflösung
unvermischt die damit bestrichene Haut zu stark angreifen
würde, so verdünnen sie obige Auflösung noch mit 1 kg
Waffer. Wenn sie sich nun mit der so verdünnten Beize
die Haut oder die Zunge einige Male bestreichen und diese
Beize jedesmal einziehen und abtrocknen laffen und überdies
noch mit trockner harter Seife bestreichen, so widersteht sie
dem Feuer so gut, daß sie, ohne sich zu beschädigen, glü
hendes Metall in die Hand nehmen und ein glühendes Ei
jen über die Haut und über die Zunge hinstreichen, sowie
mit den damit geätzten Fußsohlen über eine glühende Eisen
fange mit nackten Füßen hinschreiten können, wobei sie aber
dennoch stets einige Vorsicht nötig haben.
4) Eben diese Beize wenden die Unverbrennlichen an,
wenn sie auf geschmolzenem, noch glühendem Blei mit nack
ten Füßen so lange herumtreten, bis dies völlig erkaltet
war. Das geschmolzene Metall, welches sie für Blei aus
gaben, ist aber keineswegs Blei, sondern eine Metallmischung,
die aus einem Teile Zinn, einem Teile Blei und zweiTei
len Wismut besteht. Diese Mischung ist von einer solchen
Beschaffenheit, daß sie schon in kochendem Waffer flüssig
wird, so daß daher bei dem Zerschmelzen dieser Mischung
nur ein solcher Grad von Hitze stattfindet, daß ihn jene
Künstler sehr leicht ertragen können, besonders da sie noch
überdies vorher die, vorhin in Nr. 3 erwähnte, Beize oder
Leischner, Zauberkunst. 8
– 114 –

Salbe anwenden und dadurch die Haut in einen schwer zu


verbrennenden Zustand versetzt haben.
Lionetto und alle diese Unverbrennlichen hatten daher
sicher alle Teile ihres Körpers vorher mit jener Alaun- und
Schwefelsäure Auflösung eingerieben, mit trockener Seife über
strichen und konnten sich so den Wirkungen des glühenden
Eisens und des Feuers um so leichter ohne Gefahr aus
setzen. Was das Verschlucken des siedenden Oeles betrifft,
so hatte L. wahrscheinlich nicht allein den ganzen Mund,
die Zunge und den Gaumen stark mit den erwähnten In
gredienzien überstrichen, sondern das Oel selbst wurde auch
noch dadurch abgekühlt, daß er ein Stück Blei (um dem
Publikum die Hitze des Oels anschaulich zu machen) hinein
warf, welches zwar schmolz, aber zugleich auch dadurch einen
großen Teil des in dem Oel enthaltenen Wärmestoffs an
sich zog, und so mußte nebst dem Zeitverlauf, der hierbei
stattfand, und der Abkühlung (durch die Hilfsmittel) das
Oel im Munde schon lauwarm geworden und folglich ohne
Gefahr zu verschlucken sein.
Aus den Erfahrungen der Physik und Chemie wifen
wir überdies, daß der Mensch auch ohne diese Präservative
einen hohen Grad von Hitze ertragen kann, ohne offenbar
verbrannt zu werden, und die einzigen Folgen davon (bei
öfterer Wiederholung) können Anfälle von Schlagflüffen und
andere katarrhalische Uebel sein.
Eine mit Wafferdämpfen angefüllte heiße Luft erträgt
man weit weniger, als eine andere, weil die Dämpfe bei
ihrer Entwickelung die Luft sehr ausdehnen und dadurch das
Atemholen sehr erschweren; eine Bemerkung, die man in den
Dampfbädern machen kann.
In den Zeiten der Finsternis würde man einen Mar
tinez, einen Lionetto, der Zauberei beschuldigt und dem
Scheiterhaufen überliefert haben, wo sich ihre Schuldlosigkeit
wie ihre Verbrennlichkeit zu spät an den Tag gelegt haben
würde.
Die rasche Erweiterung unserer Kenntnis der Natur
in neuester Zeit hat indessen auch über diese Fragen uner
wartete und befriedigende Aufschlüsse geliefert. Schon seit
längerem hatte man beobachtet, daß eine geringe Menge
Waffer in ein glühendes Metallgefäß gegoffen, nicht, wie
man erwarten sollte, sogleich in Dampf verwandelt wird,
sondern sich in Tropfen ballt und unverändert bleibt, bis
das Gefäß sich auf einen gewissen Grad abkühlt, wo es
dann plötzlich mit starkem Geräusch in Dampf verpufft.
Mannigfaltig und phantastisch genug waren die ersten Er
klärungsversuche dieser Erscheinung, namentlich als man ent
deckte, daß diese Tropfen das Gefäß gar nicht berührten,
sondern frei in der Luft schwebten; man erdichtete flink eine
zurückstoßende Kraft der Wärme, und ähnliches, bis genauere
Beobachtungen herausstellten, daß diese Waffertropfen keines
wegs ihrer Schwerkraft beraubt in der Luft schwebten, son
dern auf einem elastischen Dampfpolster ruhten. Es bildete
sich nämlich beim Hineingießen des Waffers, ehe dieses noch
das glühende Metall erreichte, durch die Wärme-Ausstrah
lung desselben eine Dampfschicht von hoher Spannung, die
vermöge ihrer Elastizität das Waffer trägt und alle auf
steigende Wärme zu ihrer eigenen Ausdehnung absorbiert,
ohne sie weiter zu geben an das Waffer, welches infolge
deffen unverändert bleibt. Kühlt sich nun aber das Gefäß
bis auf einen bestimmten Grad ab, so verliert auch die
Dampfschicht ihre hohe Spannung, sie kann das Waffer
nicht mehr tragen, dieses sinkt auf das Metall, das noch
immer heiß genug ist, es bei unmittelbarer Berührung fo
fort in Dampf zu verwandeln.
Ganz derselbe Vorgang nun findet statt, wenn man die
Hand in geschmolzenes Blei taucht, was man ohne alle Vor
bereitung mit der größten Sicherheit thun kann, und zwar
mit um so größerer, je höher der Wärmegrad der geschmol
zenen Maffe ist. Denn die Gefahr beginnt erst dann, wenn
fie bis auf einen Punkt abgekühlt ist, der nicht hinreicht die
natürliche Feuchtigkeit der Haut in jene schützende Dampf
hülle zu verwandeln, welche die Hand wie ein undurchdring
licher Handschuh umgibt und die Berührung des glühenden
Metalls abhält.
Jene Kunststücke der Unverbrennlichkeit, welche unsere
Väter und auch jetzt noch alle mit den wahren Verhältniffen
8%
– 116 –

Unvertrauten in das höchste Erstaunen versetzen, wie z. B.


das Tauchen der Hand in geschmolzenes Blei, das Anfaffen
rotglühender Eisenstangen u. j. w. wiederholt gegenwärtig
jeder Chemiker, ohne zu irgend welchen Salben und Ein
reibungen zu greifen; denn die eigene Feuchtigkeit der Haut
ist der vollgenügendste Schutz. Nichtsdestoweniger sind die
vorstehenden und nachfolgenden Anweisungen für Laien, die
dergleichen Experimente machen wollen, aus dem Grunde
empfehlenswert, weil sie es einerseits schwer finden, sich der
scheinbar widersprechenden Thatsache anzuvertrauen, daß je
stärker die Hitze, um so größer ihre Sicherheit: und weil
sie andererseits leicht den gefährlich werdenden Moment der
Abkühlung versäumen. Sie thun daher wohl, sich mit sol
chen Präservativen zu versehen, die auch dann noch schützen,
wenn die verminderte Spannung der Dampfhülle das glü
hende Metall in unmittelbare Berührung mit der Haut ge
langen läßt.

1. Die Hände in geschmolzenes Blei zu tauchen, ohne sie zu


verbrennen.

Nimm eine Komposition aus 1 Teil Zinn, 1. Teil


Blei und 2 Teilen Wismut, welche, wie wir schon wissen,
bei einem weit geringeren Hitzgrad flüssig wird. – Dann
muß man noch die Vorsicht gebrauchen, daß bei dem Schmel
zen noch ein ganzes ungeschmolzenes Stück Blei in dem
Gefäße bleibe; denn nach diesem richtet der Wärmestoff seine
ganze Kraft, und das bereits geschmolzene Blei enthält we
niger Hitze, so daß man sich sicher nicht verbrennen wird,
zumal wenn man noch die Vorsicht gebraucht, sich vorher
die Hände mit trockner Seife zu bestreichen.
– 117 –

2. Eine glühende Kohle auf ein leinenes Schnupftuch zu


legen, ohne daß dieses verbrennt.

Man nimmt eine Taschenuhr, spannt einen Teil des


Tuches über die metallene Rückseite derselben und hält nun
eine glühende Kohle einige Minuten darauf. Das Tuch
wird keinen Schaden leiden, weil der leinene Stoff unter
solchen Verhältniffen dem Wärmestoff nur als Leiter dient,
den er ohne Wirkung durchdringt und sich auf das Metall
der Uhr wirft.

3. Blei in Papier zu schmelzen.

Man wickelt eine bleierne Kugel so in Papier ein, daß


es glatt um dieselbe angespannt ist. Dann legt man sie in
einen kleinen eisernen Löffel und hält ihn über die Flamme
eines Lichtes oder einer Lampe, wo nach einigen Minuten
die Kugel schmilzt und zusammenfällt, ohne daß das Papier
versengt wird. Vorher sticht man ein paar Löcher in das
Papier, damit das Blei herausfließen könne. Man kann
zwar die Kugel bloß mit einer Zange in die Flamme hal
ten, allein dann geht das Zerfließen des Bleies langsamer
von statten.

4. Wenn man einen Zwirnsfaden um eine Eischale,


Flasche c. wickelt, so wird dieser nicht eher verbrennen, als
bis die Eischale zu verbrennen anfängt.

5. Siegellack auf die Zunge zu tröpfeln, ohne sich zu ver


brennen,

Wenn man die Zunge vorher mit Lichttalg bestrichen


hat, so kann man einen Tropfen Siegellack darauf fallen
laffen, ohne sich zu verbrennen.
– 1 18 –

6. Ein brennendes Licht unbeschadet in den Mund zu stecken.

Man öffnet den Mund so weit als möglich, hält be


herzt ein vorher abgeputztes brennendes Licht hinein, schließt
den Mund ein wenig und haucht stets auf die Lichtflamme;
so wird das Licht, ohne das Innere des Mundes zu be
schädigen, in demselben fortbrennen.

7. Feuer zu freffen.

Diese interessante Kunst wird bewerkstelligt, wenn man


ein Stück arabisches Gummi pulverisiert und sodann mit
reinem Waffer zu einem dünnflüssigen Brei macht, und mit
demselben vermittelt eines Pinsels Zähne, Lippen, Gaumen,
Zunge, überhauptden ganzen Mund bestreicht; so kann man
ohne Schaden Stückchen gut gekochtes Rindfleisch, welche in
brennenden Spiritus liegen, als sogenannten spanischen
Salat mit der Gabel effen.

8. Ein Waffer zu bereiten, womit gewaschen, man glühende


Kohlen, Holzbrände und glühendes Eisen, ohne sich im min
deften zu verbrennen, angreifen kann.

Es besteht dieses Waffer aus einer Auflösung von


250g Alaun, 1 kg Waffer und Beimischung von 66% g
Vitriolöl. Dieses Waffer sichert sogar Haare, Kleidungs
stücke und andere verbrennbare Gegenstände einige Zeit gegen
das Verbrennen.

9. Ein Waffer zu bereiten, das man auf der freien Hand


verbrennen kann, ohne sich zu beschädigen.

Man nehme gleiche Gewichtsmengen von Schweinefett,


Terpentinöl und ungelöschtem Kalk, rühre alles wohl durch
einander und destilliere es. Die so gewonnene Flüssigkei
– 119 –

läßt sich ohne den geringsten Schmerz auf der Hand ver
brennen.

10. Holz unverbrennbar zu machen.

Man löst Sand in kochender Aetzkalilauge auf oder


schmelzt eine größere Menge Kali mit etwas Sand, so be
kommt man im zweiten Falle das in Waffer lösliche Waffer
glas, im ersten eine fertige Lösung desselben, mit welchen
beiden ohne Unterschied man Holz, Leinwand und andere
brennbare Gegenstände durch Bestreichen feuersicher machen
kann.
Vierte Röteilung
Optische Zauber-Künste.

1. Das Kaleidoskop.

Dieses Instrument, dessen Ruf sich mit Blitzesschnelle


durch ganz Europa verbreitete und an dessen Farbenspiele
hundert Millionen sich fast gleichzeitig ergötzten, ist nur eine
Modifikation der Katoptrik-Maschinen (Spiegelkunst), welche
man in allen physikalischen Kabinetten findet. Die bequeme
und leicht tragbare Gestalt, welche ihr die Engländer ge
geben haben, ist die Ursache der Berühmtheit, welche ihr die
Mode einige Zeit widmete. Es wird indes in den physika
lischen Kabinetten wegen einer angenehmen und tausend
fachen Abwechselungen, die es darbietet, immer eine beson
dere Zierde bleiben. -

Es besteht aus zwei beliebig langen und breiten glei


chen Spiegelstreifen, die einen mehr oder weniger offenen
Winkel bilden, je nachdem von ihnen ein mehrfaches Zurück
prallen ausgehen soll. Beide Spiegelgläser werden in eine
pappene oder blecherne Röhre eingeschloffen, an der einen
Seite dicht aneinander und an der andern Seite so weit
auseinander stehend, daß sie einen Winkel bilden. – Die
mit einem Pappdeckel versehene Vorderseite der Röhre hat
ein kleines Loch, während an dem hintern Ende zwei runde
Gläser (wovon das eine auf einem Sandsteine matt ge
schliffen ist) angebracht werden, zwischen welchen man eine
– 121 –

Menge bunter Glasstückchen, Blumenblätter c. legt, die durch


die Spiegel vielfach wiederholt und in wunderbaren Mustern
(die sich augenblicklich verändern, sobald das Instrument nur
ein wenig gedreht wird) dargestellt werden.

2. Das Stereoskop.

Dieses so schnell beliebt gewordene und in seinen Wir


kungen so zauberhafte Instrument verdankt sein Dasein zu
nächst der endlich gefundenen Lösung der lange unerklärten
Frage, wozu wir denn eigentlich zwei Augen haben. Bei
den Tieren leuchtete eine Verdoppelung dieses Organes ein,
denn sie tragen mit sehr wenigen Ausnahmen die Augen
auf beiden Seiten des Kopfes, wie wir die Ohren, und
brauchten daher zwei, um, ohne sich zu drehen, nach beiden
Richtungen sehen zu können. Unsere Augen dagegen stehen
beide vorn im Gesicht, blicken nach gleicher Richtung und
schienen daher in ihrer Verdoppelung ein überflüssiger Luxus,
für den man lange keine bessere Entschuldigung fand, als
daß die mütterlich besorgte Natur, bei der Wichtigkeit dieses
Organs, uns für den Fall einer Beschädigung oder eines
Verlustes mit Vorrat versehen wollte. Ja, man glaubte
Grund zu haben, diese Einrichtung sogar zu tadeln, denn
während man mit zwei Augen weder schärfer noch weiter
sieht, war es nicht zu leugnen, daß man mit einem Auge
oft beffer, d. h. zweckdienlicher sieht und daher selbst das
eine schließen muß, wie z. B. beim Zielen, bei der Be
trachtung kleiner Gegenstände, beim Beschauen eines Ge
mäldes u.j.w, und so fehlte es nicht an manchen, die über
diese unbegreifliche Laune der Natur bedenklich die Köpfe
schüttelten, während andere, voll Eifer für die Ehre Gottes
und dabei doch in steter Angst, daß er auf irgend einer
Schwäche ertappt werden könnte, derlei Fragen und For
schungen überhaupt für Vermeffenheit erklärten und sich
mühten, die ganze Sache zu vertuschen. Alle diese Bedenken
und Besorgniffe sind jetzt gehoben, seitdem man weiß, daß
die Verdoppelung unserer Augen einem höchst wichtigen Zweck
– 122 –

dient, der nur allein hierdurch erreicht werden konnte. Das


unermüdete Weiterstreben auf der Bahn der Erkenntnis hat
auch hier, wie immer, die Natur gerechtfertigt, während das
blöde, mißtrauische Stehenbleiben nur den Zweifel befestigt
haben würde.
Unsern zwei Augen nämlich danken wir es, daß wir,
ohne den Kopf zu drehen, die Gegenstände als Körper
jehen, während sie uns mit nur einem Auge als bloße
Flächen erscheinen würden. Unsere Augen stehen ungefähr
6 bis 7 cm auseinander, und sehen daher die Dinge nicht
ganz aus demselben Punkte, sondern von zwei Seiten, und
daher auch verschieden. Hiervon können wir uns sehr
leicht überzeugen, wenn wir ein dünnes Buch mit dem
Rücken etwa 28 cm weit mitten vor uns hinhalten. Schlie
ßen wir jetzt das rechte Auge, so sehen wir nur den Rücken
und den linken Deckel; schließen wir das linke Auge, so
sehen wir nur den Rücken und den rechten Deckel; betrach
ten wir es aber mit beiden Augen, so sehen wir den
Rücken und beide Deckel zugleich; wenn auch etwas we
niger von jedem, als vorher. Wir sehen gleichzeitig drei
Seiten des Buches und erhalten dadurch den überzeugend
sten Eindruck, daß es ein wirklicher Körper ist. Daher
kommt es, daß uns auch die besten Gemälde nie zu täuschen
vermögen, nie den Eindruck der Wirklichkeit machen, denn
sie können eben nur Flächen darstellen, wie das einzelne
Auge die Dinge sieht; und daher kommt es auch, daß wir,
um ein Gemälde zu genießen,das eine Auge schließen müffen;
weil nur dann eine Möglichkeit der Täuschung und der rich
tigen Beurteilung vorhanden ist.
Man erkannte nun bald, daß, wenn es gelänge, Dop
pelbilder herzustellen, die jedem Auge besonders die Dinge
so darstellten, wie dieses Auge sie in der Wirklichkeit sieht,
die gleichzeitige Betrachtung solcher Bilder den höchsten Grad
der Täuschung bewirken müßte. Der Versuch erwies die
Richtigkeitdieser Voraussetzung. Man fingdamit an, kleine,
einfache Körper, Würfel,Pyramiden u. j.w. von den beiden
Seiten, wie jedes Auge sie gesondert erblickt, zu zeichnen,
steckte dann diese zwei Bilder nebeneinander in ein kleines
– 123 –

Gehäus und betrachtete sie durch eine Doppelöffnung im


Deckel, die so eingerichtet war, daß jedes Auge nur das ihm
bestimmte Bild sah. Die Täuschungwar vollständig. Selbst
wer den ganzen Zusammenhang wußte, konnte sich nur
schwer des Verdachts erwehren, daß auf irgend eine Weise
die Bilder eskamotiert und an ihre Stelle ein wirklicher
Würfel, eine wirkliche Pyramide in das Kästchen gebracht
worden sei.
Hiermit war die Richtigkeit der obigen Erklärung des
Zwecks unseres doppelten Gesichts unzweifelhaft dargethan.
Allein das Stereoskop (was so viel heißt, als eine Vorrich
tung, die Körper zeigt) blieb in seiner Anwendung noch
immer höchst beschränkt, infolge der Schwierigkeit, ja Un
möglichkeit, größere Gegenstände, Gebäude oder gar Land
schaften aus freier Hand mit dem unendlich feinen Unter
schied abzubilden, der sich für jedes Auge aus ihren, diesen
großen Verhältniffen gegenüber so unbedeutend voneinander
abstehenden Gesichtspunkten ergibt. Welcher Maler vermöchte
den Unterschied in dem Anblick einer Kirche, einer Gegend
zu erfaffen, und darzustellen, der sich ergibt, wenn er 5 bis
7 cm weiter rechts oder links bei ihrer Betrachtung tritt?
Dennoch aber existiertdieser Unterschied, wird von dem Auge
dem innern Sinn übermittelt, und aufihm beruht der ganze
Eindruck der Wirklichkeit, den wir empfangen, während uns
ohne ihn ein gutes Bild ganz so wie die Sache selbst er
scheinen würde und wir beide nicht zu unterscheiden ver
möchten.
Diese für den Zeichner und Maler schlechthin unüber
windliche Schwierigkeit wird jetzt mit wunderbarer Leichtig
keit von der Photographie gelöst. Man fertigt gleich
zeitig zwei von allen gewünschten Gegenständen photographisch
an, indem man die Platten nebeneinander legt, so daß die
Entfernung der Linsen, durch welche das Licht den äußern
Gegenstand auf die Platten überträgt, der Entfernung zwi
schen unsern Amgen entspricht. Das Ergebnis kann kein
anderes sein, als zwei Bilder, die genau jene feinen Unter
schiede besitzen, die zwischen den Bildern in unseren Augen
bestehen; und ihre Betrachtung im Stereoskop muß daher
– 124 –

ganz und gar den Eindruck machen, als hätten wir die wirk
liche Kirche, den wirklichen Platz, die wirkliche Gegend vor
uns. Das ist denn auch in der That der Fall; und daher
mit Recht die allgemeine Beliebtheit dieser interessanten
neuen Erfindung, durch deren Hilfe wir in unserem Zimmer
die schönsten Städte und Gegenden der Erde besuchen kön
nen, mit, soweit es das Auge anlangt, ganz demselben
Nutzen und Genuß,den uns die Wirklichkeit verschaffen würde.
Weil die Thatsachen, auf denen die Konstruktion wie
die zauberhafte Wirkung des Stereoskops beruhen, noch nicht
allgemein bekannt sind, hielten wir diese kurze Erklärung
derselben hier nicht für überflüssig.
Das Instrument selbst bedarf jetzt wohl keiner Be
schreibung mehr, da es sich ohnedies niemand selbst anfer
tigen wird; indem die Hauptsache, wie gesagt, in den Ab
bildungen liegt, die von den Linsen, durch die man sie be
trachtet, nur vergrößert werden.

3. Laterne magica.

Dieses bekannte Instrument, welches in langen Winter


abenden angenehme Belustigungen darbietet, besteht aus einer
Kapsel oder Büchse von weißem Blech (Fig. 41, ABCD).
Fig. 41.

EF ist ein konkaver Spiegel, vor dessen Brennpunkte


eine brennende Lampe oder Licht angebracht ist. GH ist ein
Linsenglas, welches das Licht der Lampe und das, welches
– 125 –

der Spiegel zurückwirft, auffängt. Vor diesem Linsenglase


schiebt man paffende Glasscheiben ein, auf welche die ver
schiedenen Gegenstände, die man erleuchten und an der Wand
darstellen will, abgemalt sind. IK ist ein anderes Linsen
glas, in welchem sich die Strahlen sammeln, welche von den
Gegenständen ausfließen. -

LM ist eine Scheidewand, worin eine Oeffnung ist,


durch welche die Lichtstrahlen fallen; NO ist ein drittes
Linsenglas; die Lichtstrahlen, welche von diesem endlich aus
fließen, stellen nun den hier als Gegenstand gewählten Pfeil
auf der Wand dar (xyz). Das letzte Vergrößerungsglas
muß beweglich sein, damit man es von dem zweiten IK
nach Belieben entfernen, und das Bild xyz jederzeit be
stimmt und deutlich auf der Wandfläche darstellen könne.
Die Gegenstände selbst werden in der Laterne (wie hier der
Pfeil GH) verkehrt aufgestellt und zeigen sich dann auf der
Wand aufrecht.
Wenn man sich dieser Laterne bedienen will, so hängt
man an die zur Darstellung bestimmte Wand (falls diese
von dunkler Farbe ist) ein weißes Tuch auf, löscht ferner
alle Lichter im Zimmer aus und läßt die Zuschauer hinter
das Instrument treten. Man schiebt nun nach und nach
die Gläser, worauf die Gegenstände gemalt sind, vor das
Linsenglas GH.

4. Anamorphosen.

Anamorphosen nennt man in der Malerei und Per


spektive eine unförmige Projektion, oder eine karrikaturartige
Darstellung irgend eines Bildes, welches auf eine krumme
Oberfläche gemalt ist und dessenungeachtet von einem ge
wiffen Gesichtspunkte aus regelmäßig und nach richtigen
Verhältniffen gezeichnet erscheint. Ihre Verfertigung ist
folgende:
Man zieht zuerst das Viereck Fig. 42 ABCD nach
einer beliebigen Größe und teilt es regelmäßig in kleinere
Quadrate. In das daraus gebildete Netz (welches in der
– 126 –

ia. 42
Fig. 42.
Kunstsprache
gattertes Prototype
Modell quadriculaire,
heißt) zeichnet man nunüber
in
Zºº 4 natürlicher Gestalt das Bild, dessen Kopie
- E unförmig erscheinen soll.
–- Man zieht nun die Linie ab, Fig. 43,
------- und zwar ganz so lang, als dieselbe Linie
pT der Fig. 42, und teilt sie in ebenso viele
Teile. Im Mittelpunkte E läßt man die
Perpendikularlinie EV heruntergehen und
zieht die Linie VS zu EV, indem man letz
tere um so länger und die erstere um so
kürzer zieht, je mehr man das Bild unge
faltet haben will. Von jedem Teilungs
punkte aus zieht man nun zu dem PunktV
die Linien 1, 2, 3, 4 herab und vereinigt
die Punkte CS durch die gerade Linie bS.
Durch die Punkte c, e,f,g zieht man
die mit der obern Linie ab, parallelen Li
nien, und so ist der Raum a, b, c, d der
jenige, in welchen man die unförmige Pro
jektion bringt.
In jedes dieser ungleichen Fächer der
Fig. 43 zeichnet man nun denjenigen Teil
des Bildes, welcher sich in demselben Viereck
der Fig. 42 befindet, und dadurch erhält man eine gleich
artige, aber sehr verlängerte Abbildung, welche defenun
geachtet sich in ihrem richtigen Verhältniffe zeigen wird, jo
bald das Auge so gestellt ist, daß es sich in der Länge von
EV und in der Höhe von VS von demselben entfernt be
findet.
Das Schauspiel wird stets angenehmer sein, wenn das
ungestaltete Bild kein reines Chaos, sondern irgend eine
sorgfältiggewählte Erscheinungdarstellt. So hat man schon
einen Fluß mit Gondeln gesehen, an dessen Afern Soldaten
mit Wagen marschierten, deren gesamte Stellung so geschickt
und künstlich gewählt war, daß, wenn man das Gemälde
von dem Punkte S aus betrachtete, das Ganze dem Gesicht
eines Satyrs glich.
– 127 –

Es laffen sich daher für diese komischen Darstellungen


weiter keine Regeln aufstellen, denn sie hängen größtenteils
von der Einbildungskraft und dem Genie des Künstlers ab.
Wenn man das gegatterte Viereck in allen einen Tei
len mit einer Nadel durchsticht, es an den Schein eines
Lichts hält und die durch die Löcher gleitenden Lichtstrahlen
auf eine gewisse Fläche fallen läßt, so kann man, wenn man
diese Lichtpunkte genau anmerkt, auf eine leichte und mecha
niche Weise diese Unförmigkeit hervorbringen.

5. Künstliches Nordlicht.

In einem verfinsterten Zimmer läßt man das Sonnen


licht durch eine Oeffnung von der Größe einer Erbse auf
ein horizontales (dreiseitiges) Prisma fallen, aus welchem
der Sonnenstrahl horizontal an ein mit Branntwein gefüll
tes Glas hinstreicht, welches 562 cm weit vom Prisma
steht. Der Lichtstrahl geht alsdann mit der Oberfläche des
Branntweins parallel und von da auf eine weiße Tafel von
150 qcm. Aufdieser stellt sich ein förmliches Nordlicht mit
schnell blitzenden Strahlen und Wolkenfarben dar, welche
durch die Ausdünstung des Branntweins verursacht werden.

6. Chinesische Schattenspiele.

Die Schattendarstellungen sind hinlänglich bekannt, we


niger aber die richtige Verfertigung des dazu nötigen Appa
rates, die wir hier angeben wollen.
Man macht in eine Scheidewand eine Oeffnung von
1 m Länge und "2 m Höhe, so daß sich die inwendige Seite
12 m hoch von dem Boden befindet. Diese Oeffnungwird
mit weißer italienischer Gaze überzogen und diese dann mit
Kopalfirnis überstrichen. Von derselben Größe verfertigt
man nun eine Menge Rahmen, die man mit eben solcher
Gaze überzieht und darauf die verschiedenen Ansichten (Stra
ßen, Gegenden, Gebäude, Zimmer) darstellt, welche sich auf
– 128 –

die Szenen beziehen, mit denen die Figuren harmonieren


sollen. Man schattiert diese Gegenstände mittels mehrerer
dünner ausgeschnittener Papiere. Um die Lichter darzustellen,
bedarf man nur der Auflegung eines oder zweier dieser Pa
piere, für die Mitteltinten muß man drei bis vier, und für
die dunklen Schatten deren sechs haben.
Die Form derselben ist leicht abzunehmen; man darf
sie nur von dem Grundriffe der Gemälde abdrucken und
dann auf das sorgfältigste eins über das andere leimen.
Sehr erleichtern kann man sich diese mühsame Arbeit und
sie weit richtiger ausführen, wenn man das Ganze mit
Tusche nochmals überfährt.
Von Pappe schneidet man nun Figuren von Menschen
und Tieren aus und macht die einzelnen Teile davon mit
tels Zwirnsfäden beweglich. Mit schwachem Draht find die
Figuren und ihre einzelnen Teile noch besonders versehen,
damit man sie auf jede beliebige Weise in Bewegung setzen
könne. Die Figuren werden nur im Profil gezeigt und sind
nur sichtbar, wenn sie hinter den wenig beschatteten Teil
der Gemälde gestellt werden. Mit einer bestimmten Anzahl
derselben kann man mehrere Stücke aufführen, deren An
nehmlichkeit viel von der Geschicklichkeit desjenigen abhängt,
welcher die Figuren leitet.

7. Der Guckkasten.

Man läßt sich vom Tischler einen etwas hohen vier


eckigen Kasten von beliebiger Größe, etwa wie Fig. 44, fer
tigen. Die eine Seite cd, welche die Rückwand des Kastens
bildet, durch die man die erfoderlichen Bilder in den Kasten
legt, bleibt weg. Das Innere des Kastens streicht man
entweder mit schwarzer Leimfarbe an oder man belegt es
mit schwarzem Papier. Innerhalb wird an die unter 45
Grad mit der Seite be stehende Fläche bc ein Spiegel auf
bc befestigt und demselben gerade gegenüber ein Loch a in
die Vorderseite des Kastens be geschnitten, in welches man
ein gleichgroßes rundes Linien- oder Vergrößerungsglas be
– 129 –

festigt. – Ist nun auch der Kasten Fig. 44.


außerhalb mit einem paffenden Pa- s
piere überzogen, so ist der Guckkasten
zum Gebrauch fertig. Die Hinter
wand cd desselben kann auch nach
jedesmaligem Gebrauch durch einen
Schieberverschloffen werden; auch ist es
nicht einmal nötig, daß dieser Kasten
einen Boden habe. Dieser, wie die
Rückwand, können also unbeschadet des
Ganzen fehlen. -

Mit einem solchen Kasten laffen


sich nun mancherlei interessante Belu
stigungen anstellen. Auf den Boden
desselben legt man hübsche Ansichten
vonStädten, Gegenden,Kriegsszenen c., ge
welche natürlich aber nicht größer, als
der Bodenraum des Kastens sein dürfen. Diese mit ihrer
Oberseite nach e auf den Boden des Kastens gelegten Bilder
präsentieren sich im über ihnen befindlichen Spiegelbic, wel
cher sie nun dem durchschauenden Auge bei a mitteilt.
Noch eine zweite sehr angenehme optische Belustigung
läßt sich mit einem ähnlichen Guckkasten anstellen. Man
legt nämlich eine bunte Landschaft, als Hauptprospekt der
folgenden Darstellung auf den Boden des Kastens. Ueber
diese Landschaft werden in gleichweiten Zwischenräumen, nach
der Höhe des Kastens (also von d bis c), auf die zu bei
den Seiten der inneren Wände desselben aufgeleimten schma
len Pappstreifen verschiedene, zu dem Hauptprospekte paffende
illuminierte Bildchen hineingeschoben, die vorher auf dünne
Kartenpappe gezogen und nach den äußern Umriffen der
Figuren in der Mitte genau ausgeschnitten sein müffen, so
daß sie mit dem, auf den Boden des Guckkastens gelegten
Hauptprospekte ein hübsches zusammenhängendes Ganze bil
den, sobald das Auge durch das Glas a in die vordere
Wand be des Kastens sieht.

Leischner, Zauberkunst. 9
– 130 –

8. Die Geistererscheinungen.

A. Den Geist eines Verstorbenen in einer Rauch


wolke erscheinen zu laffen.
Einrichtung der hierzu nötigen laterna magica(oder Zauberlaterne).

Obgleich nicht alle Geistererscheinungen durch diese la


terna magica vorgestellt werden, so ist sie doch bei den mei
ften Geisterscheinungen künstlicher Art die Hauptsache.
Die Zauberlaterne (laterna magica) ist eine solche
Laterne, durch welche kleine, aufGlas gemalte Bilder (deren
Umriffe aber mit einem schwarzen Grunde umgeben sein
müffen) an einer gegenüberstehenden weißen möglichst ebenen
Wand, sehr groß, hell und deutlich aufgefangen werden, zu
welcher Absicht alles andere Licht, welches nicht aus der La
terne kommt, aus dem Zimmer entfernt bleiben muß.
Je größer man eine solche Laterne haben kann, desto
größere Wirkungen können durch dieselbe hervorgebracht wer
den, weshalb auch das Objektivglas nicht unter 28 cm im
Durchmeffer, und nach diesem auch verhältnismäßig konvex
d. h. auf beiden Seiten erhaben) sein sollte. Auf die Güte
dieses Glases kommt, wie wir bald hören werden, sehr vie
les an.
Der Hohlspiegel in der Laterne kann 19 bis 23 cm
im Durchmesser haben, muß aber mathematisch richtig ge
trieben sein, und dabei auch eine möglichst feine Politur
haben. Die Laterne, welche gewöhnlich von weißem Bleche
gefertigt ist, muß, damit sie keinen Glanz von sich werfe,
außen mit einem schwarzen Lacke überzogen werden.
Inwendig, in der Mitte der Laterne, also vor dem
Hohlspiegel, befindet sich eine Lampe mit einem breiten
Dochte, die angebrannt eine solche Flamme gibt, welche 2 cm
im Durchmesser hat, und so hoch stehen muß, daß sie mit
dem Mittelpunkte des Hohlspiegels gleichsteht.
Der Rauchfang der Laterne muß eine solche Ein
richtung haben, daß die in der Laterne brennende Lampe
keinen hellen Schein an die Decke des Zimmers werfen
– 131 –

kann, weshalb es am besten ist, wenn er oben ganz zu und


in der Kuppel mit einem naffen Schwamme versehen ist,
und die Luft zu beiden Seiten durch das in halbe konische
Rundungen formierte Dach ihren Weg habe.
Die Rinne, in welcher die entsprechenden Glasbilder
hin und wieder geschoben werden, darf nicht seitwärts –
wie es bei den gewöhnlichen Zauberlaternen der Fall ist –
gehen, sondern von oben über das Objektivglas herab, da
mit die Bilder vor dem Glase aufzusteigen und zu versinken
scheinen.
In der Rinne, durch welche die Bilder geschoben wer
den, ist ein Stück Rohr eingelötet, von der Weite, daß das
Rohr, in welchem sich die beiden konvexen Gläser (zur Ver
größerung der eingeschobenen Bilder) befinden, fest hinein
geschraubt werden kann.
Dieses letztere Rohr besteht wieder aus zwei Teilen,
die nach Belieben weiter oder näher ineinander geschoben
werden können.
Endlich muß die Zauberlaterne mit einer Klappe ver
sehen sein, welche im Hui das Objektivglas bedeckt und da
durch den erschienenen Geist wieder verschwinden macht.

Verfertigung der Bilder zu den verschiedenen Geister


erscheinungen.
A. Von der Wahl des hierzu tauglichen Glases.
Die Bilder zu vorstehendem Zwecke müffen auf reines,
weißes böhmisches Spiegelglas, welches nicht das geringste
Bläschen, Fleckchen oder Riefchen enthält, wie nachstehend
gemalt werden, weil auch das geringste Pünktchen durch das
Objektivglas an der weißen Wand vergrößert dargestellt und
somit das Ganze verunstalten würde.
Um sich daher zu überzeugen, ob ein zu bemalendes
Glas mit solchen Fehlern behaftet sei, verfährt man wie
folgt: Man nimmt einen Bogen möglichst feines, weißes
9%
– 132 –

Papier, welches aber nicht im geringsten ins Bläuliche oder


Gelbliche nüancieren (d. h. spielen) darf.
Diesen Bogen spannt man auf ein Reißbrett und bringt
ihn hier ins helle Sonnenlicht (die Mittagssonne ist am
besten dazu), so zwar, daß die Sonnenstrahlen soviel als
möglich senk- oder lotrecht auf ihn fallen; halte dann das
zu untersuchende Glas in dem Abstande von ungefähr 27 cm
vom aufgespannten Papiere, aber in paralleler Richtung mit
demselben, vor die Sonne.
Alle Flecken, Bläschen, Ritzen und Falten im Glase,
so klein sie auch sein mögen, werden sich dann in vergrö
ßerten Schattengestalten auf dem Papier zeigen, was man
mit bloßen Augen, ohne Beihilfe der Sonne nie am Glase
entdeckt haben würde; denn das geringste unlautere Pünkt
chen zeigt sich auf diese Weise in verhältnismäßiger Vergrö
ßerung auf dem Papiere. Das hellste Glas, dem man mit
bloßem Auge kein Fleckchen angesehen hat, malt so auf dem
Papier manchmal eine solche Menge Flecken und Streifen c,
wie auf einer Landkarte. Solches Glas ist zu optischen
Malereien nicht tauglich, da eine Flecken durch die Ver
größerungsgläser der Zauberlaterne – wie schon bemerkt
worden – noch unendlich mehr verzogen würden.
Bleibt aber der Bogen Papier unter dem zu prüfenden
Glase so rein, wie vorher, und bemerkt man durch das Vor
gehaltene Glas auf dem Papiere weiter nichts als eine grö
ßere, fleckenlose Helligkeit, dann ist es zu einem Zwecke
brauchbar.
So umständlich manchen diese Probe auch zu sein
scheint, so nötig ist sie doch, wenn man etwas vorzügliches
leisten will, weil auf die Feinheit und Reinheit des Glases,
worauf die gewünschten Gegenstände gemalt werden sollen,
vieles ankommt.

B. Das Malen der Figuren auf Glas zu Geistererscheinungen.

Das Malen dieser Figuren auf Glas muß ebenfalls


mit der äußersten Akkurateffe und Sorgfalt geschehen, und
zwar wie folgt:
– 133 –

Man schneidet einen Streifen Papier von der Länge


und Breite des zu bemalenden Glasstreifens und zeichnet
auf diesen die Bilder der Geister zuerst korrekt mit Bleistift.
Hierbei gilt als Regel, daß die Bilder nicht ganz so hoch
werden dürfen, als das Objektivglas, sondern müffen stets
2 bis 4mm vom obern und unterm Rande desselben zurück
treten. Auch muß der Maler die Regeln der Verkürzung
verstehen, damit, weil durch die Zauberlaterne die Bilder
auseinander gezogen werden, keine Mißproportionen bei den
Figuren entstehen, und die Geister vielleicht zu lange Arme
oder Schleifbeine bekommen. Dieses zu vermeiden, dazu
gehört eine besondere Geschicklichkeit und lernt sich nur aus
der Praxis. Ohne genaue Kenntnis der Zeichenkunst und
ihrer Regeln des Verhältniffes kommt man nicht fort.
Ferner dürfen die Bilder keine gekrümmte, fitzende oder
liegende Lage haben, weil sie dadurchjederzeit verlieren, son
dern sie müffen aufrecht stehen.
Geister der alten Helden und Philosophen müffen in
ihrer eigentümlichen und charakteristischen Kleidung darge
stellt werden; aber es hüte sich der Maler, ihnen, gleich
den Heiligenbildern, Bücher oder andere Attribute in die
Hände zu pinseln, denn aus jener Welt bringt man der
gleichen nicht mehr mit zurück.
Auch gebe man den Figuren keine theatralische Stellung,
als wenn sie eben in einer Handlung oder einem Gespräche
begriffen wären, denn dies verträgt sich nicht gut mit Bil
dern, die immer in ein und derselben Stellung bleiben müffen,
und also den Gliedern keinerlei Bewegung geben können:
es fällt steif aus. Im Gegenteil stoße man auch nicht an
und gebe den Figuren eine gar zu steife Stellung, sondern
ihre Haltung sei anständig, ehrwürdig und ruhig.
Auch dürfen die Figuren nicht schattiert werden, sondern
in bloßen Bleistiftumriffen so dargestellt sein, daß Gestalt,
Gesicht, Kleidung, kurz alles deutlich wird, auch hier und
da einige Schattenstriche, damit das Bild gegründet erscheine;
diese Striche müffen aber übrigens so leicht als möglich ge
macht werden; mit einem Worte die Bilder müffen das An
sehen von etwas mehr als bloß skizzierten Kupferstichen haben,
– 134 –

wo man also außer den Konturen noch das Weiße des Pa


pieres sehen kann. Die Gesichtszüge müffen aber auffallend
und sehr deutlich entworfen werden, und deshalb nur die
auffallendsten Züge ausgehoben werden, welche dieses oder
jenes Gesicht charakteristisch vor einem anderen auszeichnen,
aber nie viele Züge, weil diese das Bild unkenntlich machen.
Sobald das Bild (oder deren mehrere)gehörig propor
tioniert und nach den Verhältniffen des Objektivglases der
zu gebrauchenden magischen Laterne auf dem Papierstreifen
mit Bleistiftlinien entworfen ist, so wischt man den Glas
streifen recht sauber ab und klebt mit ein wenig Wachs den
bezeichneten Papierstreifen dicht und genau an den Ecken
hinter das Glas, damit die Figuren auf der Rückseite des
Glases gezeichnet zu sein scheinen, und malt nun mit einem
äußerst zarten englischen Haarpinsel mit schwarzer Oelfarbe
die durchsichtigen Figuren genau, Zug für Zug nach. Die
fes muß aber möglichst behutsam geschehen,denn der geringste
Teil, der vielleicht dem Auge unbemerklich ist, erscheint durch
die magische Laterne vergrößert und verdirbt dann das Ganze.
Es ist daher ratsam, wenn man die Hauptzüge des Bildes
entworfen hat, das Feinere mittels einer Lupe auszuführen.
Der weiße Raum innerhalb der Figur (die Schattierungen
abgerechnet) bleibt unbemalt, damit der Lichtstrahl durchfallen
und so den Gegenstand an der Wand bilden könne. Aller
übrige, das Bild umgebende Raum wird bis auf die unbe
merkbarste Lücke dicht mit schwarzer Oelfarbe zugemalt, da
mit außer dem Objekte durchaus auch nicht ein einziger
Lichtstrahl durchscheinen könne, und nur die unbemalt leer
gelaffenen Stellen innerhalb des Bildes weiß an der Wand
erscheinen.
Die schwarze Farbe wird am besten aus Weinreben
kohlen und gebranntem Elfenbein bereitet, welches aber so
fein gerieben sein muß, als die beste chinesische Tusche.
Wenn das Elfenbein mit Kornbranntwein geschlemmt
und wieder getrocknet, dann trocken gerieben und nochmals
mit Mafix abgerieben wird, dann ist die Farbe am schön
fen; kurz, diese Oelfarbe muß so fein angerieben sein, daß
– 135 –

fie einem Sirup gleicht und auch, wenn sie schon auf dem
Glase getrocknet ist, wie der schönste schwarze Lack glänzt.
Je feiner die Farbe ist, desto dauerhafter wird auch
das mit derselben gezeichnete Bild, weil sie sich fester an
das Glas anschmiegt und daher nicht so leicht abgewischt
werden kann.
Ueberhaupt müffen diese Bilder sehr behutsam verwahrt
werden, weil mit dem Verwischen der feinen Farbenzüge –
was sehr leicht geschehen kann – die beste Wirkung ver
loren geht. – Man hüte sich aber, Kienruß anstatt des
gebrannten Elfenbeins zu nehmen, weil er ein rötliches Licht
spielt, und die Lichtstrahlen auch gern durchläßt.
Sobald die Bilder trocken sind, befreit man die Rück
seite des bemalten Glasstreifens von der Zeichnung und un
tersucht die Glaszeichnungen, indem man sie gegen die Sonne
hält und die Sonnenstrahlen durch sie auf ein weißes Pa
pier fallen läßt. Da, wo nun noch etwas fehlt, hilft man
mit dem Pinsel nach. Die Farbe darf sich so wenig ziehen
wie gut angeriebene Tusche. Auch muß der Magus oder
Geistercitator selbst ein gewandter Maler sein, damit er das
Porträt eines verlangten Toten, als derselbe noch am Leben
war, entwerfen, und so jede Person darstellen kann, die man
verlangt; denn oft sind von solchen Personen keine Porträts
vorhanden, und er muß sie aus den Gedanken malen, dem
nach ihre Züge nach und nach mühsam und unvermerkt aus
fragen, und dabei eine geniale Einbildungskraft sehr zu
Hilfe nehmen.
Am besten ist es, die verlangten Personen entweder in
Totenkleidern (in weißen Gewändern) oder in idealischen
Anzügen erscheinen zu laffen.
Noch muß bemerkt werden, daß alle Porträts en face,
nie aber en profil gezeichnet und gemaltwerden müffen, weil
1) die Erscheinung eines Geistes en profil sehr papie
ren sich ausnehmen, und weiter nichts als einer weißen
Silhouette auf schwarzem Papier gleichen würde;
2) die Geistergestalt nur en face, nicht aber en profil
vorwärts kommen und gegründeter dargestellt werden kann;
es ist auch das Ansehen eines Geistes viel majestätischer,
– 136 –

wenn er mit vollem Gesicht (also en face) geradezu daher


geschritten kommt.
Nachdem man die gewünschten zu erscheinenden Gestal
ten auf oben beschriebene Art aufGlastreifen möglichst ge
treu und korrekt gemalt hat, schreitet man zu den

C. ferneren Vorbereitungen.

Diese bestehen zuerst in folgendem:


1) Man läßt sich einen Betstuhl fertigen, worauf man
zwei düster brennende Lampen und eine Kohlenpfanne setzt,
in welche man Storax, Weihrauch und Myrrhen zum Rauch
werke braucht.
2) In diesem Betstuhle wird die Zauberlaterne ver
borgen, welche die als Geist zu erscheinende Person in den
ihr schief gegenüberstehenden Hohlspiegel wirft, der sie (die
zu erscheinende Person) dann in dem Rauche von der Rauch
pfanne in der Luft schwebend vorstellt.
3) Die Laterne ist mit einer Klappe bedeckt, damit sie
den Geist nicht eher erscheinen laffe, als bis es verlangt
wird.
4) Auf dem Betstuhle liegt ein Gebetbuch, welches mit
der Klappe über der Zauberlaterne in Verbindung steht; fo
bald man nämlich das Gebetbuch aufhebt, hebt sich auch die
Klappe vom Objektivglase der im Betstuhle verborgenen
Zauberlaterne, und mit dem Erheben der Klappe erscheint
auch der gewünschte Geist oberhalb dem Betstuhle in dem
Rauche schwebend.
Die Zauberlaterne reflektiert nämlich ihr Bild in dem
ihr gegenüber (nicht dem in der Laterne) hängenden Hohl
spiegel, und dieser, vermöge seiner Eigenschaft, jedes Objekt
außer sich schwebend vorzustellen, wirft es (das Objekt) auf
den Rauch zurück. Hierzu ist aber erforderlich, daß das
ganze Zimmer – wie nachstehend beschrieben – ausgeräu
chert sei, und vom Rauche wie von einem dichten Nebel er
füllt werde.
– 137 –

Einrichtung des Zimmers zu Geistererscheinungen.

Das Zimmer, in welchem eine Geistererscheinung aus


geführt werden soll, muß mit schwarzem Tuche behangen,
oder doch wenigstens mit sehr dunkeln Tapeten ausgeschlagen
und jedem Lichtstrahle durch genau paffende Fensterläden
unzugänglich sein. Alle Spiegel (außer dem Hohlspiegel)
müffen entweder daraus entfernt oder mit dunklen Tüchern
überhangen sein, ebenso auch die Fensterläden und Fenster
bekleidungen, um dem Lichte durch die Ritzen den Eingang
zu versperren, denn der geringste Lichtstrahl ist dem Experi
mente nachteilig.
Der dichte Rauch, womit das Zimmer zu erfüllen ist,
muß von der Art sein, daß er wohlriechend und leicht ist
und sich gleich einer Säule in die Höhe hebt.
Die Hauptregel, die bei jeder Art Räucherung statt
findet, ist, daß man die feinsten und subtilsten Ingredienzien
dazu wähle, und es werden zu dieser Absicht Gummate
in Esfig, Aromate aber in Weingeist aufgelöst; man läßt
den Esfig und den Weingeist bei der Anwendung verdampfen
und nimmt den Rückstand.
Bei jeder Operation mit Räucherungen müffen zuvör
dert Reinigungsrauchwerke angewendet werden, damit die
Luftgereinigt und für die folgenden Fulmigationen empfäng
lich gemacht werde.
So z. B. wird die dumpfige Luft durch abgebranntes
Schießpulver oder Papier, Wacholder- oder Wermutreis ge
reiniat.
's Rezept zu einem vorzüglich guten reinigen
den Rauchwerke besteht aus:
1,87g klarem Mafix,
250g Weihrauch,
3,75g pulverisiertem weißen Weinstein und
1,87g klarem Storax.
Aromatische Räucherungenzu Geistesexaltationen bereitet
man aus Zimt, Gewürznelken, Muskatnuß, Ma
stix, Storax, Myrrhen u. dergl. Doch dürfen diese
Gewürze nicht etwa als gewöhnliches Räucherpulver bereitet,
– 138 –

sondern müffen in Weingeist aufgelöst werden, denn ihr blo


ßes Verbrennen würde einen widrigen Dampf und nichts
weiter verursachen. Man läßt statt defen die Auflösung in
einem besonderen Gefäße über glimmenden Kohlen gelinde
verdampfen, wodurch das Zimmer ohne Rauch und Dampf
parfümiert wird. Man kann auch die soeben erwähnten In
gredienzien in Rosenwaffer legen, und läßt sie hierin über
einer mit Weingeist gefüllten und angezündeten Lampe ab
dampfen, so wird derselbe Zweck erreicht.

Andere Räucherungen zu Geistererscheinungen.

Man nehme weißen Weihrauch, pulverisiere ihn und


vermische ihn dann mitfeinem Tortenmehle zu einem feinen
Pulver. Dann nehme man ein Ei, schlage es aus, vermische
es mit Milch und Rosenhonig, gieße ein wenig wohlriechen
des Oel dazu und vermenge dann diesen Teig mit dem
Pulver von Weihrauch und Tortenmehle, daß es zu einer
dicken Maffe werde. Beim Gebrauch wirft man einige Kör
ner davon aufs Kohlenfeuer.
Fein geraspeltes Aloeholz, oder noch beffer: gestoßene
Aloe mit Spermaceti, den man zerfließen läßt, ver
mischt, ist ebenfalls ein bewährtes Räucherungsmittel.
Die vorzüglichste Räucherung bei Geistererscheinungen
besteht aber aus:
Storax,
Benzoe,
Weihrauch,
Myrrhen,
Valerian,
Vervenna,
Mastix,
weißem Bernstein,
Aloe,
Kirschharz,
– 139 –

Galbanharz,
Zimt und, wenn man es haben kann,
aus zerstoßener Mumie.
Diese letztere wirkt, obschon die meisten Ingredienzien
ihrer Einbalsamierung schon in dem beschriebenen Rauchwerk
enthalten find, dennoch spezifisch, und läßt sich genau aus
dem anderen Rauchwerke herausriechen.
Obige Ingredienzien fein pulverisiert aufdie Glutpfanne
geworfen, welche letztere so gestellt und bedeckt sein muß, daß
man die Kohlen nicht glühen sehe, die aber dennoch auch
den gehörigen Zug haben müffen, geben einen weißlichen
dicken Dampf, der sich im Zimmer in Gestalt eines dicken
Nebels verbreitet, fo, daß sich die Bilder der Zauberlaterne
wie auf einem ausgedehnten Tuche reflektieren.
Noch finde ich für nötig, dem Geistercitator eine nicht
unbedeutende Erinnerung zu geben.
Der immer aufwärts steigende Rauch aus der Glut
pfanne muß dem Fokus (Brenn- oder Mittelpunkte) der La
terne, oder vielmehr des Objektivglases sich nur gerade gegen
überstehen, damit sich das Bild da reflektiere, wo der Rauch
am dicksten ist und beständig nachquillt.
Je weiter sich der Rauch im Zimmer verbreitet, desto
mehr wird er verdünnt, und daher zum Reflektieren des
Bildes unwirksam, wird er das empfangene Lichtgebilde ver
zerren, so daß es eine längliche, unproportionierte Form
erhält. Auf dieses Verzerren muß der Maler beim Malen
des Bildes Rücksicht nehmen, und es daher so verkürzen,
daß ihm die Verzerrung auf dem Rauche keinen Eintrag
thue, und das verkürzt gemalte Bild auf dem Rauche eine
wahre Proportion erhalte.
Nach dem bisher Mitgeteilten wird man nun im stande
sein, nachfolgende zwei Geistererscheinungen, zu welchen auch
der wenigste Apparat erfordert wird, mit Effekt auszuführen,
und ich beginne daher die Fortsetzung mit der zweiten Vor
stellung.
– 140 –

B. Einen Verstorbenen aus feinem Grabe her


- vorzurufen.
Eine schauderhaft feierliche Vorstellung.
Diese Vorstellung, welche auch bei Mondschein ausge
führt werden kann, erfordert folgenden einfachen Apparat:
Man läßt sich einen viereckigen Kasten fertigen, welcher
42 cm lang und ebenso breit ist. Seine Höhe braucht nur
27 cm zu betragen.
Der Deckel dieses Kastens, der von jedem andern klei
nen Kasten in nichts verschieden ist, geht in leichten Schar
nieren. Sein Schloß besteht in einer Feder, welche durch
einen einzigen Stoß mit einem Stocke auf einen Knopf
mitten im Deckel, der mit der Feder in Verbindung steht,
zurückspringen muß, daß der Deckel davon sogleich auffliege.
Auf dem Boden dieses Kastens ist eine gewundene
Springfeder befestigt, die sehr elastisch sein und wenigstens
in Mannshöhe aufspringen muß. Diese Springfeder wird
nur durch den Deckelzusammengedrückt, und sobald sich die
fer öffnet, springt sie im Nu in die Höhe.
Am höchsten Ende dieser Springfeder ist ein Bindfaden,
welcher mitten durch ihre Schneckenwindungen und unten
durch ein kleines Loch aus dem Boden des Kastens wieder
herausgeht, so, daß man mit einem Zuge die Feder wieder
zusammenziehen und in ihre vorige gedrückte Lage preffen
kann. Diese Feder bildet das Eingeweide einer Puppe,
welche das entsprechende Verstorbene in Totenkleidung vor
stellt.
Das Totengesicht dieser Puppe ist eine gewöhnliche
Maske von Leinwand, in Wachs getränkt, das weiße Geister
gewand ist von zartem Battist.
Sobald die Feder mit dem Bindfaden angezogen wird,
läßt sich – wie schon vorhin bemerkt – das ganze Ge
spenst in den Kasten zusammendrücken, und wird bei Be
rührung des Deckels, sobald dieser auffährt, in die Höhe
springen.
– 141 –

Diesen Kasten verbirgt man hinter dem Kopfende eines


Grabes, ohne ihn mit etwas zu überdecken, da er ohnedem
mit schwarzer Oelfarbe angestrichen ist.
Sobald man glaubt, daß unser heimlicher Gehilfe den
Kasten an Ort und Stelle gebracht habe, begibt man sich
langsamen Schrittes mit der oder den den Geist des Ver
storbenen sehen wollenden Personen – welche man indessen
bis zur Mitternachtsstunde mit mystischen Gesprächen und
Erzählungen unterhalten und ihre Phantasie dadurch erhitzt
hat – in feierlichem Ernte nach dem Kirchhofe, womöglich
dabei – nebst einem Stocke als Zauberstab – noch in ein
magisches Gewand gekleidet.
Sobald man bei dem bestimmten Grabe angekommen
ist, heißt man den Zuschauern drei Hände voll Erde von
des Grabes Fußende wegnehmen, und nimmt sodann unter
einigem unverständlichen Gemurmel selbst noch einige Hände
davon.
Hieraufführtder Geisterbeschwörer seine Zuschauer vom
Grabe hinweg an einen entfernteren Ort und läßt sie da
selbst in einem in die Erde, unter Aussprechung mystischer
Worte gezogenen Kreise niederknieen. Sodann nimmt der
Magus eine brennende Räucherpfanne, umräuchert damit
unter einem mystischen Gemurmel das Grab – nachdem er
vorher Rauchwerk auf die glimmenden Kohlen geworfen –
und nachdem er das Grab vom Kopfende aus dreimal um
gangen hat, spricht er laut folgende Beschwörungsformel:
„Aronoel vahesra intablara, ratipiacara falacca dia
„mar, marandizala lalimas tafmasaraios Zambelara!”
Bei Aussprache des letzten Wortes „Zambelara” stößt
der Geisterbeschwörer mit seinem Stabe auf den bewußten
Knopf im Deckel des Kastens, worauf der Deckel aufspringt,
und der Geist des Verstorbenen steigt wie mit Blitzesschnelle
aus einem Grabe hervor. Oder: wenn der versteckte Ge
hilfe (der sich vielleicht in einen Winkel des Kirchhofs ver
borgen hat) den aus dem Boden des Kastens herausgehen
den Bindfaden (deffen anderes Ende an der oberen Spitze
der Springfeder befestigt ist) nur nach und nach gehen läßt,
– 142 –

so hebt sich der vermeintliche Geist gleichsam majestätisch in


gerader, aufsteigender Linie aus einem Grabe hervor.
Ebenso versinkt der Geist wieder, wenn der vertraute
Gehilfe den Bindfaden an der Springfeder entweder schnell
oder nur allmählich anzieht.
Unter irgend einem Vorwande oder einer Zeremonie
stößt der Geisterbeschwörer auf den Deckel des Kastens, da
mit er wieder zufalle und das Schloß desselben von selbst
einschnappe.
Endlich begibt sich der Magus zu den Zuschauern,
reicht jedem die Hand, heißt sie dann aufstehen, löst den
Zauberkreis durch einige in denselben kreuzweise gemachte
Striche und unter einer Art von mystischem Gebete, läßt sie
dann heraustreten und begibt sich so mit ihnen still und
langsamen Schrittes nachhause. Der versteckte Gehilfe aber
schleicht aus seinem Hinterhalte vor, packt den Apparat sei
nes Meisters zusammen und begibt sich damit ebenfalls vom
Kirchhofe.

C. Die Erscheinung eines Toten auf die einfachste


Weise vorzustellen.
Diese Vorstellung wird durch einen Vertrauten in einem
finstern Seitenzimmer bewirkt und hier von ihm selbst dar
estellt.
9 Derselbe hüllt sich nämlich in irgend ein weißes, einem
Totengewande ähnliches Tuch, nachdem er eine Auflösung
von Salz und Safran in starkem Weingeist in eine Schale
gethan, etwas lockere Baumwolle hineingetaucht und solche
mit dieser Flüssigkeit getränkt hat, worauf er diese Baum
wolle mit einem bisher verborgen gehaltenen Lichte anzündet,
und letzteres hierauf auslöscht.
Der Schein dieser Spiritusflamme gibt – wie bereits
bekannt – den davon beleuchteten Personen ein wahrhaft
schaudervolles Ansehen,denn deren Gesicht, sowie ihre Hände
und das Weiß ihres Gewandes erscheinen in einer der To
tenverwesung ähnlichen grünen Farbe, sowie das Rot der
Lippen und Wangen einen schwärzlich olivenfarben ähnlichen
– 143 –

Anstrich erhält, welches alles noch durch ein unter dem Kinne
hinweg um die Ohren gebundenes schmales schwarzes Tuch
ein noch weit grauenhafteres und totenähnliches Ansehen
bekommt.
Die das Gespenst des Verstorbenen vorstellende Person
stellt sich jetzt so, daß sie von jener Spiritusflamme völlig
beleuchtet wird, und sobald in dem angrenzenden Zimmer
die brennenden Lichter einstweilen entfernt oder ausgethan
und das Zimmer selbst noch durch Ueberhängung aller Fenster
und Spiegel vollends verdunkelt worden ist, und nunmehr
zur Erscheinung des Geistes die Thüre des angrenzenden
Zimmers aufgemacht wird, um die Zuschauer hineinsehen zu
laffen, schreitet die den Geist vorstellende Person langsam
feierlich, bei jedem, nicht hörbaren Schritte einen Augenblick
verweilend, aus dem Hintergrunde bis in die Mitte des
Zimmers hervor und der Spiritusflamme entgegen, um ihr
vielleicht einige an fiel gerichtete Fragen durch eine langsame
einzige, bejahende oder verneinende Kopfbewegung zu beant
worten.
Langsam, aber in völlig aufrechter Richtung, schwebt
der Geist endlich an der offenen Thür vorüber, um sich den
Blicken der Zuschauer für immer zu entziehen, worauf die
Thür von jemand wieder langsam, gleichsam wie mit Furcht,
zugemacht, und sodann auch das Zimmer wieder erhellt wird,
um sich nun über die gehabte Erscheinung zu unterhalten.
Wenn der Geist eine weibliche Tote vorstellen soll, so
muß die vorige Rolle natürlich auch nur von einem dazu
fähigen und tauglichen Frauenzimmer, mit um sich herum
ausgebreiteten Haaren, ausgeführt werden, soll die Erschei
nung anders ihrem Zwecke vollkommen entsprechen.
1) Die beste Zeit, eine Geistererscheinung vorzunehmen.
Es kommt die Stunde der Erscheinung, welche des
Nachts um 11 oder 12 Uhr gewählt wird. Es muß eine
düstere Nacht sein, kein Mond am Himmel, und wenn der
Sturm an hohen Türmen heult, so ist Zeit und Gelegen
heit zur Geistererscheinung die beste, weil alles dieses zu
einer graulichen Stimmung der Seele beiträgt und zu schau
– 144 –

dererregender Erwartungder Erscheinung empfänglicher macht.


Die Phantasie wirkt des Nachts und bei solchen Umständen
doppelt lebhaft auf die menschliche Einbildung.
2) Ein Zimmer in einem Augenblicke mit einem Nebel zu erfüllen.
Dieses geschieht, bevor man den Geist in diesem Zim
mer erscheinen läßt, und wird dadurch bewirkt, daß man in
ein Porzellanschälchen
7,50g Salzgeist
und in ein zweites Porzellanschälchen
16% g Salmiakgeist
gießt, und beide Schälchen auf einen geheizten Stubenofen
jetzt: so wird das bewußte Zimmer sehr bald mit einer
Wolke (als Nebel) angefüllt sein.
3) Das Brausen eines starken Windes nachzuahmen.
Dieses Experiment muß kurz vorher, ehe der Geist er
scheint, gemachtwerden, und zwar durch einen Gehilfen ganz
einfach dadurch, daß derselbe eine Tuchfahne jählings durch
die Luft dreht, sobald er vom Künstler durch irgend ein
Zeichen dazu aufgefordert wird, und durch ein zweites Zei
chen, wenn das Windmachen aufhören soll.
4) Die Furienblitze zu machen.
Eine Minute vorher, ehe der Geist erscheint, wird das
Zimmer, worin die Erscheinung vor sich gehen soll, von
einigen Blitzen durchzuckt, was dadurch geschieht, daß man
in eine Röhre von weißem Blech Kolophoniumpulver oder
sogenanntes Hexenmehl(semen lycopodi) thut und dasselbe
durch die Flamme eines Lichtes bläst.
5) Einen Knall hervorzubringen.
Dieses geschieht, wenn der Geist verschwindet, und wird
wie folgt hervorgebracht:
Man pulverisiert.
3 Teile trocknen und gereinigten Salpeter,
2 Teile trocknes Weinsteinsalz und
1 Teil Schwefelblüte
– 145 –

in einem Mörser durcheinander und bewahrt es sodann in


einem Glase zum Gebrauche auf.
Dieses gelbe Pulver entzündet sich jederzeit mit einem
heftigen Knalle, wenn man 3,75g davon in einem eisernen
Löffel über ein brennendes Licht oder ein Kohlenfeuer hält,
sobald es zu rauchen und zu schmelzen anfängt. Die Flamme
davon schlägt auf- und abwärts und nach allen Richtungen.
6) Nachahmung des Donners.
Im obern Zimmer, unter welchem die Geistererschei
nung vor sich geht, hängt man eine dünne Kupferplatte von
ungefähr 1,40m in der Breite und 1,68 in der Länge an
zwei ehernen Ringen, durch welche Leinen gezogen sind, auf.
Diese Kupferplatte muß im Gemache schweben, damit sie
gleich einer Glocke geschwungen werden kann. An ihr wer
den metallene Kugeln (von 23 cm Durchmesser), welche in
wendig aber alle völlig hohl sein müffen, an einer Leine
nacheinander auf der Platte herabrollt, und zwar an meh
reren Enden zugleich, während die Platte beständig in einer
mäßig schwankenden Bewegung erhalten wird. Das Getöse,
welches durch dieses Herabrollen verursacht wird, ist außer
ordentlich und kommt dem natürlichen Donner aufs täu
schendste nach, da es nicht nur das tiefe Rollen desselben
hören, sondern auch das Erschütternde desselben empfinden
läßt. Die im untern Zimmer befindlichen Zuschauer werden
so getäuscht, daß sie den natürlichen Donner mit seiner er
schütternden Gewalt, nicht aber die bloße Wirkung der Kunst
zu empfinden glauben.
7) Die magische Totenlampe.
In einer Untertaffe von Porzellan vermische man ziem
lich guten Weingeist mit etwas Kochsalz und ein wenig
Schwefel; durchrühre die Maffe, lege dann einen baum
wollenen Docht ein und zünde ihn des Abends, jedoch im
Finstern (um des größern Aufsehens wegen) an, und ent
ferne sodann alle Lichter aus dem Zimmer oder lösche fie
aus. Um die Zuschauer, welche einer an dem andern eine
Totenbläffe gewahr werden, noch in gespannterer Erwartung
Leischner, Zauberkunst. 10
– 146 –

zu erhalten, stelle man vorher in eine Taffe eine dem Toten


kopf ähnliche Figur, von Schießpulver geballt, welche nach
Abbrennung des Weingeistes Funken von sich werfen muß,
und dadurch mit die Annäherung des Geistes andeutet, den
man bei der eben vorgenommenen Geistervorladung bereits
erwartet.
Diese Totenlampe wird, sobald der Geist in der vorigen
Erscheinung verschwindet, während ihrer (der Zuschauer) Be
fürzung, mit etwas Pyrophor, also ohne Stahl und Stein,
angezündet.
Eine andere Art, die Gesichter der Zuschauer ab
scheulich aussehend zu machen, ist: Man vermenge pulveri
fierte Kreide und Meersalz wohl durcheinander, betreue da
mit in guten Branntwein getauchtes Werg, und zünde das
selbe an, nachdem vorher alle Lichter ausgethan find.
Jünfte Röteilung.
Von den Kartenkunststücken.

Die verschiedenen Kunststücke, welche mit Spielkarten


ausgeführt werden können, sind so zahlreich, daß sie allein
einen dicken Band ausfüllen würden, wenn wir sie alle hier
aufzeichnen wollten. Wir beschränken uns jedoch uur auf
die vorzüglichsten, welche in geselligen Zirkeln eine ange
nehme Belustigung gewähren, besonders wenn sie von Per
sonen ausgeführt werden, die Geschicklichkeit mit Geistes
gegenwart verbinden und daher im fande find die Zuschauer
in steter Spannung zu erhalten.
Nächst diesen Eigenschaften ist es auch noch eine der
ersten Regeln für den Kartenkünstler, daß er nie zu früh
von dem Kunststücke spreche, welches er vorzunehmen im Be
griffe steht, damit niemand Zeit zum Nachdenken gewinne,
wie wohl eigentlich die Sache zugehe, oder wie das Stück
zu vereiteln sei.
Die dabei stattfindenden Vorgänge sind mannigfaltig,
und die Methoden der Ausführung gewöhnlich folgende:
1) Durch Einverständnis mit einer zweiten Person.
2) Durch sogenannte falsche Mischungen.
3) Durch künstliches Abheben und Volte-Schlagen.
4) Durch besondere vorher zubereitete Karten.
104
– 148 –

5) Durch eigens dazu verfertigte Kästchen, Brief


taschen c.
6) Durch den Magnet.
7) Durch Zahlenberechnung.
Was zur Ausführung nachfolgender Kunststücke zu wissen
nötig ist, wollen wir hier in der Kürze erklären.

1. Die Volte,

Unter Volte-Schlagen versteht man diejenige Gewandt


heit, wodurch die Karten auf eine solche geschickte Weise
gedreht werden, daß ein gewisses Kartenblatt oder auch
mehrere Kartenblätter an einen bestimmten Platz oben oder
unten zu liegen kommen müffen. Man kann dies mit bei
den Händen oder auch nur mit einer Hand ausführen.
Um die Volte mit beiden Händen zu schlagen, muß
man zuerst das ganze Spiel in die linke Hand nehmen und
es in zwei gleiche Teile bringen, indem man den kleinen
Finger dazwischen steckt, Fig.45. Dann legt man die rechte
Hand auf das Spiel und faßt den unteren Teil desselben
mit dem Daumen und Mittelfinger derselben Hand, Fig.46.
In dieser Lage kommt das oberste Häuflein zwischen dem
kleinen, dem Ring- und Mittelfinger der linken Hand zu
liegen.

Nun sucht man, während man das untere Häuflein


beständig in der rechten Hand behält, ohne damit das obere
zu berühren, dieses letztere Häuflein mit der linken Hand
wegzuziehen, um es unbemerkt und schnell nach unten zu
– 149 –

bringen. Unmittelbar nach erfolgtem Umschlage der Karte


müffen die Abteilungen nach Erfordernis in verschiedene
Lagen gebracht werden können.
1) Können sie vereinigt sein, so daß sie nur ein ein
ziges Häuflein bilden.
2) Können sie sich kreuzen und nach der Quere liegen.
3) Können sie voneinander abgesondert sein, so daß
sich in jeder Hand eine Abteilung befindet.
4) Können sie durch den Zeigefinger der rechten Hand
getrennt werden und beide sich in derselben Hand befinden,
indem die eine Abteilung gerade steht und die andere krumm
gebogen wird.
Soll die Volte nur mit einer Hand geschlagen wer
den, so wird dieses auf ähnliche Art ausgeführt. Von dem
ebenfalls in zwei Häufchen abgeteilten Spiele wird, wie
vorher, die eine Abteilung in die linke Hand gelegt, und
indem die zweite Abteilung mit der rechten Hand auf die
erste gelegt wird, bringt man schnell den Gold- und kleinen
Finger der linken Hand zwischen diese beiden Abteilungen,
indem man zugleich den Zeige- und Mittelfinger über beide
Abteilungen legt, Fig.47. Jetzt streckt man die vier Finger
mit der dazwischen liegenden obern Abteilung aus und zieht
so diese über der untern Abteilung hervor, so daß nunmehr
diese oben hinweggezogene Blätterabteilung zwischen den vier
Fingern eingepreßt schwebt, Fig. 48, während die untere
Abteilung zwischen der Fuge des Daumens in der flachen
Hand gehalten wird.
Fig. 47.

Vermittelt einer leichten Wendung können nunmehr die


zwischen den vier Fingern schwebenden Blätter unter die untere
Abteilung gelegt werden, wodurch die Volte vollbracht ist.
– 150 –

Hat man sich einmal mit der nötigen Gewandtheit und


Behendigkeit der Finger vertraut gemacht, so läßt sich die
Volte auch leicht auf die Art schlagen, daß die unten liegen
den Blätter unter dem Spiele hinweggezogen und oben auf
das Spielgelegt werden. Zu diesem Zweck wird das Spiel,
wie vorher, in der linken Hand gehalten, und indem man
die zweite Abteilung auf die erste setzt und die obere Ab
teilung in die Fuge des Daumens, wo der Zeigefinger be
ginnt, einzwängt, legt man den Zeige- und den kleinen Fin
ger unter die untere Abteilung, den Mittel- und Goldfinger
aber legt man über diese Abteilung zwischen die darüber
liegende obere Abteilung, Fig. 49, so, daß die untere Ab
teilung zwischen diesen vier Fingern fest liegt, die obere Ab
teilung aber in der Fuge des Daumens von dem darüber
gelegten Daumen gehalten wird. Hierauf werden die vier
Finger mit den dazwischen liegenden Blättern ausgestreckt,
so daß diese unter der obern Blätterabteilung hervorgezogen
werden und die Figuren der Karten aufwärts zu liegen
kommen, Fig. 50. In demselben Augenblicke werden die
vier Finger aufwärts gebogen und dadurch die dazwischen
liegenden Blätter oben auf das Spiel gelegt, Fig. 51.

Man muß sich hierin so lange üben, bis die Finger


eine solche Fertigkeit erlangen, die beschriebenen verschiedenen
Lager augenblicklich und rasch vorzunehmen, so daß man
zwanzigmal in einer Minute mit einer Hand die Volte zu
schlagen im stande sei.
– 151 –

2. Die künstlichen Mischungen.

Unter künstlichen oder falschen Mischungen versteht man


einige besondere Arten, die Blätter eines Kartenspiels so zu
mischen, daßdadurch verschiedene Kartenkunststücke ausgeführt
werden können.
Man unterscheidet gewöhnlich vier Arten. Die erste
besteht darin, daß man bei dem Durchblättern des Karten
spiels vor dem wirklichen Mischen das unten liegende Blatt
sich merke und es nie aus dem Gesichte verliere; dazu wird
erfordert, daß man sie erstlich auf das Spiel lege, dann in
die Rechte nehme und den übrigen Teil des Spiels in die
linke Hand lege; nun läßt man von dem Daumen jener
letzten Hand fünf bis sechs andere Karten auf die zurückbe
haltenen in der Rechten gleiten, und dies wird so lange
fortgesetzt, bis sich alle Blätter in der rechten Hand befinden.
Dadurch kommt die zurückbehaltene Karte zu unterst zu
liegen; wenn man nun das ganze Spiel wieder in die Linke
nimmt und in der rechten die oberste allein zurückbehält,
kann man nach und nach alle Karten von der linken wieder
in die rechte Hand versetzen, wenn man sie abwechselnd bald
über bald unter jene oberste Karte, die man in der Rechten
zurückbehielt, so lange legt, bis man zu der zurückbehaltenen
Karte gelangt, die, nach Erfordernis, ober- oder unterhalb
gelegt werden kann.
Die zweite Art von künstlicher Mischung ist im allge
meinen der ersten ziemlich gleich, nur daß man hier die
Blätter nicht in zwei und drei Blätter gemischt aufeinander
schießt, sondern sie,wie gewöhnlich bei dem
Whistspiele, wie einen Fächer auseinander Fig. 52.
blättert und sie vermittelt der Bewegung
der rechten Hand zwischen einander schiebt.
Man merkt sich hierbei ein Blatt und legt
es oben auf das Spiel, welches man zur
Mischung in die linke Hand nimmt. Hier
auf entfaltet man das Spiel fächerartig,
Fig. 52, mit der rechten Hand, ohne die
Lage des oben liegenden Blattes A aus
– 152 –

den Augen zu verlieren, und blättert die übrigen Karten


unter dem gemerkten Blatte, wie gewöhnlich durcheinander,
wo man sehr leicht das oben liegende Blatt A, je nachdem
man es für nötig findet, auch unten hin als letztes Blatt
bringen kann.
Die dritte falsche Mischung besteht darin, daß man
das gemerkte Blatt oben auf das Spiel legt und die Kar
ten dann in fünf abgesonderte Häufchen
A (C, E, D B
auf den Tisch fallen läßt. Zuerst läßt man fünf oder sechs
von den untern Karten auf den Punkt A fallen; auf gleiche
Weise entfällt der Hand eine andere Abteilung nach dem
Punkte B rechts, eine andere nach dem Punkte C, und zu
letzt fallen alle die noch übrigen Kartenblätter nach dem
Punkte D, ausgenommen das gemerkte, obenauf liegende
Blatt, welches man allein zurückgehalten hat und nun auf
den Punkt E fallen läßt.
Jetzt legt man das Häufchen A auf das Blatt E, dar
auf die Abteilungen B, C, D, und gebraucht hierzu beide
Hände, damit die Operation recht schnell gehe. Die Karten
scheinen auf diese Art gemischt zu sein, wiewohl sie sich ge
nau in derselben Lage, wie vorher, befinden.
Bei der dritten künstlichen Mischung legt man das
Spiel mit dem bemerkten, unten liegenden Blatte in die
linke Hand, deckt die rechte darüber und schlägt die Volte,
Fig. 49, wodurch das bemerkte Blatt nebst einigen andern
unten liegenden Blättern oben auf das Spiel gebracht wird.
Den Zeigefinger der rechten Hand bringt man quer herüber
und legt ihn zwischen die untere Hälfte des Spiels und die
obenauf liegenden Blätter mit dem bemerkten Blatte, so,
daß man auf diese Art die beiden Abteilungen voneinander
getrennt hält. Die Blätter der unteren Abteilung aber hält
man an der einen Seite mit dem Daumen und an der an
dern Seite mit dem Mittel-, Gold- und kleinen Finger an
den äußeren Rändern. Man läßt nun einige Blätter auf
den Punkt A auf den Tisch fallen, dann einige Karten auf
den Punkt C und ebenso mehrere auf den Punkt E und D
herabgleiten, und endlich legt man die noch übrigen Blätter
– 153 –

mit dem unten liegenden bemerkten Blatte auf den Punkt B.


Die einzelnen Abteilungen hebt man nun, nach Belieben,
bunt durcheinander auf und setzt sie aufeinander, wobei man
jedoch die sämtlichen Häufchen auf die in B liegende Abtei
lung mit dem bemerkten Blatte stellt, damit dieses immer
das unten liegende letzte Kartenblatt des Spiels bleibe.

3. Die Verwandlung der vier Buben in vier Coeur-Aß.

Man braucht zu diesem Kunststücke zuvörderst drei be


sonders gearbeitete Kartenblätter, welche, wie Fig. 53, durch
eine Diagonallinie BA in zwei Dreiecke C und D geteilt
find; in das erstere wird das Zeichen eines Coeur-Aß und
Fig. 53. Fig. 54. Fig. 55.

- Aº.
d Gy
Hube

in das zweite die Hälfte eines Buben gemalt. Dann braucht


man noch ein vollständiges Coeur-Aß und einen gewöhnlichen
Buben von Pik, Fig. 54, 55.
Sobald man nun das Kunststück ausführen will, nimmt
man die drei künstlichen Blätter wie einen Fächer in die
Hand, indem man sie, wie Fig. 56 IKL, so aneinander
schiebt, daß die Hälfte, welche das Coeur-Aß enthält,
durch das nächstfolgende Blatt -

verdeckt wird und sich nur die Fig. 56.


Hälfte. des Pik-Buben zeigt.
Die Coeur-Hälfte des dritten
Blattes L verdeckt man zuletzt
mit dem wirklichen und voll
ständigen Pik-Buben. An die
jen schiebt man nun auch noch
das Coeur-Aß und zeigt der Ge
– 154 –

fellschaft die sämtlichen Blätter, indem man bemerkt, daß


die vier Buben und ein Aß sich in der Hand sogleich in
vier Aß und einen Buben verwandeln würden. Dies be
werkstelligt man sehr leicht, indem man die Blätter zugleich
und schnell umwendet, zusammenschiebt und so wieder aus
einander faltet, daßdie Buben-Hälften durch die nächstliegen
den Blätter verdeckt und dagegen die Coeur-Hälften sichtbar
werden. Nach dieser Verwandlungwerden sich vier Coeur-Aß
und ein Pik-Bube zeigen, worauf man die Gesellschaft auf
merksam macht.

4. Die Verwandlung des Coeur-Aß in ein Pik-Aß.

Befestige durchs Bestreichen mit einer durchschnittenen


Mandel über das Zeichen eines Coeur-Aß ein ausgeschnitte
nes Pik-Auge, zeige hierauf dieses vermeintliche Pik-Aß der
Gesellschaft vor und laffe es sodann, mit feiner Kehrseite
nach oben sehend, an jeder Ecke von einer Person festhalten.
Nun nähert man sich der Karte, ergreift dieselbe mit dem
Daumen und dem Mittelfinger, wobei man die Festhaltenden
auf ihrer Hut zu fein ermahnt, und streicht hierauf mit
dem Ausrufe: „Change!” das Pik-Auge mit dem Mittel
finger vom Coeur-Aß heimlich und schnell in die Hand herab,
so wird das Pik-Aß zur allgemeinen Verwunderung in ein
Coeur-Aß verwandelt sein.

5. Eine gezogene Karte schnell zu finden.

Man legt ein vorher gut gemischtes Kartenspiel auf


den Tisch und merkt sich im Hinlegen die unterste Karte.
Hierauf läßt man eine Person ein Blatt ziehen, sich merken
und auf den Tisch legen, und jetzt das ganze Spiel darauf
Alsdann läßt man mehrmals abheben, nimmt dann das
Spiel, durchblättert es bedachtsam, als ob man zähle; im
Grunde sucht man aber nur diejenige Karte, die anfänglich
– 155 –

die unterste des Spieles war; die zunächst voranliegende ist


dann die von der Person gewählte.

6. Ein Kartenspiel so zu mischen und abzuteilen, daß sich


nach mehrmaligem Abheben alle Figuren zusammen befinden.

Man braucht hierzu ein besonders zubereitetes Karten


spiel, worin die Bilderkarten unten und oben, die niedern
Karten aber an den Seiten um eine Linie abgekürzt ein
müffen. Sollen nun die untersten Blätter der Häufchen,
die daraus gemacht werden sollen, Figuren sein, so wird
das Spiel nach der Breite, im Falle aber die niedern Kar
ten unten kommen sollen, nach der Länge abgehoben, wodurch
die verlangte Zusammenstellung stattfindet.

7. Ein Kartenblatt zu erraten, das sich eine Person unter


12 Blättern gewählt hat.

Man zeichnet die 12 Buchstaben:


A, B (C, D E F (G H I KL, M
auf den Tisch und bittet eine Person, sich eine Karte davon
in den Sinn zu nehmen. Wenn z. B. die Karte G ge
wählt worden ist, so läßt man von der gemerkten Karte
an, welches hier die siebente ist, doppelt so viel und eins
darüber, als überhaupt Karten sind, nämlich im gegenwär
tigen Falle 25, abzählen, und zwar so, daß die Person
das Zählen mit ihrer Karte anfange und bei M rückwärts
zu zählen fortfahre. Z.B.: da G die siebente ist, so zählt
sie das M für 8, das L für 9, das K für 10 und so fort
bis A, welches 19 sein wird und wieder bei M mit 20 c.
rückwärts fort. Auf G wird gerade die Zahl 25 kommen,
welches die gewählte Karte ist.
– 156 –

8. Die Wirtin und die Zecher.

Man legt heimlich einen der vier Buben oben auf das
Kartenspiel und legt die andern drei Buben und eine Dame
frei auf den Tisch hin; indem man sie der Gesellschaft zeigt,
bemerkt man: „daß diese drei Buben dreiZecher vorstellen,
welche bei der Dame gut gelebt und viel getrunken, aber
kein Geld zum Bezahlen haben und deshalb die Wirtin in
den Keller schicken, um frischen Wein zu holen; während
deffen schleichen sie sich aber davon.“ Man legt nun einen
Buben oben auf das Spiel, einen in die Mitte und den
dritten unter das Spiel. „Die zurückkehrende Wirtin findet
die Gauner nicht in der Gaststube und sucht sie daher auf.“
Man legt die Dame oben auf das Spiel und läßt einmal
abheben, dann zeigt man die Dame und die drei von ihr
erwischten Buben.
Das Ganze muß schnell und unter vielem Wortschwall
geschehen und darf an demselben Abende nicht wiederholt
werden.

9. Alle Figuren eines Kartenspiels im vorans zu nennen.

Man kann dieses Kunststück auf zweierlei Art aus


führen.
Erstens: Man nimmt das Kartenspiel, teilt es schnell
und unbemerkt in zwei gleiche Hälften und legt diese mit
der Rückseite wieder zusammen. Wenn man nun dieses
Spiel vor sich hält, so sieht man natürlich die Rückseite der
Blätter, während der Zuschauer die rechte Seite derselben
erblickt. In dieser Stellung schiebt man nun Blatt für
Blatt von der Rückseite nach der Vorderseite, und da man
hinten das Blatt jedesmal erkannt hat, so nennt man es,
sobald es vorgeschoben ist, weil sonst die Täuschung leicht
entdeckt werden würde.
Die zweite Methode besteht darin, daß man vorher die
sämtlichen Figuren des Spiels mit einer Nadel durchstochen
hat, entweder in der Mitte oder an irgend einer Ecke der
– 157 –

Blätter. Dadurch entsteht eine kleine erhabene Stelle, wo


durch man die Figurkarte durch das Gefühl leicht entdecken
kann. Hat man diese Vorbereitunggetroffen, so mischt man
das Spiel vor den Augen der Zuschauer, dann nimmt man
es in die volle linke Hand und hält diese hinter sich auf den
Rücken. Mit der Rechten greift man nun hinter sich und
holt nun alle Blätter hervor, die man dem Publikum mit
der rechten Seite zeigt und ihren Wert (den man durch das
Befühlen der erhabenen Stelle schon erkannt hat), indem man
abwechselnd „Figur“ oder „Nichtfigur“ ruft.
Dieses Kunststück erregt viel Erstaunen, zumal wenn
man das Kartenspiel hernach der Gesellschaft zur Unter
suchungüberlaffen kann; in diesem Falle muß man aber die
Löcher mit dem Nagel des Daumens wieder zustreichen,
welches man während des Anfaffens hinter dem Rücken ver
richten kann.

10. Das Erraten der drei untersten Karten von drei


Häufchen.

Man bittet eine Person sich nach Belieben drei Karten


blätter aus einem vollständigen Spiele zu wählen und be
merkt ihr,daß das Aß 11 Points, die Figuren jede 10 Points
und die übrigen Blätter soviel Points gelten, als sie mar
kiert sind. Wenn sie drei Karten gewählt hat, läßt man
jede einzeln nebeneinander auf den Tisch legen und auf jede
dann noch so viele Kartenblätter, bis 15 Points voll sind.
Z. B. wenn die erste Karte eine Neun ist, so werden auf
dieses Blatt noch sechs Karten, wenn die zweite eine Zehn
ist, noch fünf Karten darauf gelegt, wozu 19 Kartenblätter
verbraucht worden sind. Man bedarfdaher nach 13 Karten,
die man verlangt, und indem man sich den Anschein gibt,
als betrachte man sie, zählt man sie, um die Zahl zu er
mitteln, welche übrig geblieben ist. Indem man in Ge
danken noch 16 Points zu dieser Zahl rechnet, erhält man
29, welches die Summe der Points der drei gewählten Kar
ten ist, die sich unter dem Häufchen befinden.
– 158 –

11. Jeder Person in der Gesellschaft ihre zwei gemerkten


Karten zu nennen.

Man laffe die Karte tüchtig mischen, sodann von einer


andern Person abheben, und hierauf jeder anwesenden Per
jon von zwanzig paarweise hingelegten Karten solch ein
zusammengelegtes Paar sich merken. Hat sich nun jeder
der Anwesenden ein solches Paar Karten gemerkt, so nimmt
man, täuschungshalber, bald hier, bald dort ein solches zu
jammliegendes Paar hinweg.
Sobald nun auf diese Weise sämtliche zehn Karten
paare in der Linken aufeinander liegen, legt man jedes der
selben von oben her auf zwei gleiche Buchstaben folgender
vier, sich auf dem Tische untereinander geschriebener gedach
ter Worte:
M U T U S
D E D I T
N () M E N
(C) () (C) I S
nämlich von den beiden obersten Karten legt man jede der
selben auf ein M; die folgenden beiden Karten auf die bei
den UU (im Worte Mutus); das nächste Paar auf die bei
den TT; das folgende vierte Paar auf die beiden SS; das
fünfte Paar auf die beiden DD; das sechste Paar auf die
beiden EE; das siebente Paar auf die beiden NN; das
achte Paar auf die beiden II; das neunte Paar einzeln auf
O und O und das zehnte und letzte Paar an die beiden CC.
Jetzt fragt man die erste Person, in welcher oder in
welchen beiden Horizontalreihen sich ihre gemerkten Karten
befinden? Antwortet dieselbe nun, daß sie in den beiden
untersten Reihen liegen, so sind es die auf den beiden glei
chen Buchstaben O und O liegenden Karten. Antwortet
auf vorige Frage die zweite Person, daß ihre Karten sich
beide in der zweite Horizontalreihe befänden, so find es die
daselbst den Buchstaben D vertretenden Karten; und auf
diese Weise wird man jedermann in der Gesellschaft eine
zwei gemerkten Karten angeben können, indem man ihm nur
immer die beiden Karten nennt, welche in der einzigen oder
– 159 –

in beiden der bezeichneten Reihen für einen und denselben


Buchstaben sich vorfindet.

12. Die Kartenblätter zu erraten, welche vier Personen in


den Sinn genommen haben.

Man nimmt vier Karten, zeigt sie der ersten Person,


bittet sie, sich eine davon in Gedanken zu wählen und legt
fie dann auf die Seite. Hierauf nimmt man vier andere
Karten, läßt die zweite Person ebenfalls eine davon wählen
und legt die vier Karten neben die vier ersten abgesondert
auf den Tisch. Auf gleiche Weise verfährt man mit der
dritten und vierten Person.
Nun nimmt man die vier Karten der ersten Person
und legt sie regelmäßig einzeln untereinander auf den Tisch
so, daß sie vier Reihen bilden. Neben diese vier Karten
legt man nun in derselben Ordnung die vier Karten der
zweiten Person und so ebenfalls auch die vier Karten der
dritten und vierten Person.
Hierauf zeigt man jede Abteilung nacheinander den
vier Personen und fragt, in welcher sich die von ihnen ge
wählte Karte befinde.
Sobald man dies weiß, entdeckt man die gewählten
Karten nach folgender Ordnung. Die von der ersten Per
jon gewählte Karte ist zuverlässig die erste in der Abteilung,
in welcher sie sich, nach der Aussage der Person, befinden
soll; die Karte der zweiten Person ist auch die zweite der
Abteilung oder Reihe; und so ist auch die Karte der dritten
und vierten Person die dritte und vierte Karte in ihrer Ab
teilung.

13. Die wunderbare Vereinigung der Karten von einerlei


Farbe.

Nimm von jeder der vier Karten-Kouleuren sieben


Blatt und lege willkürlich von jeder Kouleur ein Blatt neben
– 160 –

das andere, so, daß immer vier Blätter von verschiedener


Kouleur in einer Horizontalreihe liegen, indem man das
fünfte Blatt,welches von der Kouleur des vierten oder hinter
sten Blattes der vorigen Reihe ist, aufdas erste; das sechste
Kartenblatt von der Kouleur des ersten Kartenblattes der
vorigen Reihe auf deren zweites Blatt; das siebente
Kartenblatt von der Kouleur des zweiten Blattes der ersten
Reihe auf deren drittes Blatt, und das achte Kartenblatt
von der Kouleur des dritten Blattes der ersten Reihe auf
deren viertes oder hinterstes Blatt; das neunte Karten
blatt von der Kouleur des achten Kartenblattes auf die
erste Karte der zweiten Horizontalreihe; das zehnte Karten
blatt von der Kouleur des ersten Kartenblattes der zweiten
Reihe auf das zweite Kartenblatt dieser Reihe legt, und so
fährt man fort, bis alle 28 Karten verbraucht sind. Hier
auf schiebt man die hinterste senkrechte Reihe zur Rechten
zusammen, legt sodann dies Kartenhäufchen auf das unterste
Blatt der folgenden oder dritten senkrechten Reihe, schiebt
diese nun ebenfalls zusammen, dann setzt man das hier er
haltene Häuflein auf das unterste oder siebente Blatt der
zweiten senkrechten Reihe, schiebt diese nun auch zusam
men, jetzt alles hierauf auf das unterste Blatt der ersten
senkrechten Reihe, und schiebt endlich auch diese vorsichtig in
einen Haufen zusammen. Legt man jetzt die 28, in einen
Kartenhaufen zusammengeschobenen Karten in Reihen zu je
vier Blatt, wie sie in der Hand liegend von ihrer Rückseite
her aufeinander folgen, so wird jede senkrechte Reihe die
Karten von einerlei Kouleur enthalten.

14. Das künstliche Karten-Quadrat.

Die vier Farben der ersten vier Figuren eines Karten


spieles müffen im Viereck so geordnet werden, daß sich jo
wohl in der horizontalen, als auch in der senkrechten Linie
nur eine Farbe und eine Figur von demselben Range be
findet.
– 161 –

Diese Rangordnungzu treffen, ist für den, der sie nicht


vorher kennt, sehr schwer. Man stellt die Blätter in fol
gende Ordnung:

Schellen-| Rot- | Eichel- | Grün


Unter | Daus | König | Ober

Eichel- | Grün- |Schellen-| Rot


Ober | König | Daus | Unter

Grün- | Eichel- | Rot- |Schellen


Daus | Unter | Ober | König

Rot- |Schellen-| Grün- | Eichel


König | Ober Unter | Daus

15. Die Gefahren zur See.

Die Equipage eines französischen Schiffes bestand aus


15 Franzosen und 15 Engländern und die sämtliche La
dung aus Kaufmannsgütern. Auf offenem Meere überfiel
fie ein Sturm, der bald alle Segel zerriß und die Masten
zersplitterte, so daß das Schiff auf allen Seiten Waffer
schöpfte. Man entschloß sich, alle Güter ins Meer zu wer
fen; als aber dieses noch nicht genug Erleichterungverschaffte,
beschloß man die Hälfte der Mannschaft über Bord zu wer
fen. Der Kapitän wollte, als Franzose, eine Landsleute
retten, defenungeachtet aber auch nicht die Beschuldigung
einer Ungerechtigkeit auf sich laden. Er nahm daherzu fol
gender Lift seine Zuflucht. Er schlug einen Gefährten vor,
untereinander zu losen, und stellte sie sämtlich in einen Kreis,
worauf er ihnen sagte, daß er bis neun zählen werde und
Leischner, Zauberkunst. 11
– 162 –

der neunte allemal als Opfer fallen müffe, bis die Zahl
15 voll sei. Um dies zu bewerkstelligen, legt man die Kar
ten in folgende Ordnung: -

1. König von Trefle. 16. Zehne von Coeur.


2. Dame „ dergl. 17. Dame „ Pik.
3. Bube „ dergl. 18. Dame „ Coeur.
4. Aß „ dergl. 19. Sieben „ dergl.
5. Neune „ Karo. 20. Bube „ Pik.
6. Aß „ Coeur. 21. Aß „ dergl.
7. Acht „ dergl. 22. Zehne „ Karo.
8. Aß „ Karo. 23. Acht „ dergl.
9. König „ Coeur. 24. Bube „ dergl.
10. Zehne „ Trefle. 25. Zehne „ Pik.
11. Neune „ dergl. 26. Neune „ Coeur.
12. Dame „ Karo. 27. Bube „ dergl.
13. Acht „ Trefle. 28. Neune „ Pik.
14. Sieben „ dergl. 29. Acht „ dergl.
15. König „ Pik. 30. König „ Karo.
Man hält nun die Karte in dieser Ordnung, indem
man jedoch acht haben muß, sich den König von Trefle,
welcher die erste Karte ist, durch ein besonderes Zeichen
kenntlich zu machen; denn man fängt mit dieser Karte eins,
zwei, drei c. zu zählen an, und fährt fort bis neun, wel
ches ein Engländer ist, denn der König von Coeur, als die
neunte Karte, ist rot von Farbe; bei der Zahl 18 findet
man die Dame von Coeur, bei der Zahl 27 den Buben
von Coeur u.f.f.
Wenn man abheben läßt, so muß man den abgehobe
nen Teil wieder unterstecken. Auf diese Art werden die
Karten nicht vermengt, und man braucht dann zum Ge
lingen dieses Stückes nur zu wissen, wo der König von
Trefle ist.
– 163 –

16. Aus den zuletzt gezogenen Karten die zuerst gezogenen


zu nennen.

So leicht dieses Kunststück an und für sich ist, so un


begreiflich scheint es doch manchem.
Man laffe eine forcierte Karte (d. h. eine solche, zu
deren Ziehung man den Spieler veranlaßt, obgleich dieser
fie ganz freiwillig zu wählen glaubt) ziehen. Um dabei
jedoch allem Verdachte zu entgehen, muß man noch mehrere
Personen, jede ein verschiedenes Blatt, auf solche gezwungene
Art, ziehen laffen. Jede dieser Personen läßt man nun
ihre gezogene Karte wieder in das Spiel mischen. Das
Spiel nimmt man nicht wieder zurück, sondern jede Person
zieht nun ganz zufällig ein zweites Blatt aus einem andern
Kartenspiele und legt solches offen auf den Tisch. Der
Kartenkünstler, der die forciert gezogenen Karten gut im
Gedächtnis behalten muß, liest nun gleichsam aus den zu
letzt gezogenen Karten, welches die zuerst gezogenen und in
Sinn genommenen Karten waren.
Sollte, wider Vermuten, die eine oder die andere Per
jon das ihr vorgehaltene Blatt (die forcierte Karte) nicht
ziehen, so läßt man sich von dieser geradezu die von ihr
gezogenen Blätter nennen, unter dem Vorwande, die von
den übrigen Personen gezogenen daraus erraten zu können.

17. Die aus der Tasche gezogene und erratene Karte.

Man muß zur Ausführung dieses Kunststückes, welches


man bei einer Vorstellung bis zuletzt verschiebt, zwei Karten
spiele besitzen, wovon das eine um 1 oder 0,5 mm kürzer
beschnitten ist. Beide steckt man vorher in die Tasche, dann
nimmt man das lange Spiel heraus, läßt eine Person ein
Blatt herausziehen und bittet sie, es der ganzen Gesellschaft
zu zeigen. Während dies geschieht, entfernt man sich einige
Schritte, greift unter irgend einem Vorwande ganz umbe
fangen in die Tasche und vertauscht das lange Spiel mit
dem kurzen, in welches man nun die gewählte Karte stecken läßt.
11 *
– 164 –

Alsdann übergibt man das Spiel einer dritten Person,


bittet sie, es in die Rocktasche zu stecken, greift nun hinein
und sucht mittels des Gefühls die etwas längere Karte,
die man alsdann der Gesellschaft als die gewählte Karte
vorzeigt.

18. Eine gezogene Karte durch Abheben zu erraten.

Eine vorher in das Spiel gesteckte, etwas breitere Karte


läßt man unbemerkt, gezwungener Weise von einer Person
ziehen, wieder ins Spiel stecken und dasselbe wohl mengen.
Hierauf hebt man ab und zwar mit der breiten Karte, die
sich durch das Gefühl zu erkennen gibt.

19. Eine Pik-Drei in ein Pik-Aß und dann wieder in ein


Coeur-Aß zu verwandeln.

Man nimmt ein Coeur-Aß und klebt mit Seife drei


Pik-Zeichen darauf, die man von einer vorher halb von
einander geteilten Pik-Sechs ganz scharf und sauber aus
geschnitten hat, so, daß beim Aufkleben das Coeur-Zeichen
im Mittel genau bedeckt ist. Fig. 57.
Nachdem dies geschehen ist, nimmt man dieses Blatt
in die Hand und zeigt es der Gesellschaft als eine Pik
Drei; dann schiebt man mit einem Finger das Pik-Zeichen
hinweg, bedeckt mit dem Daumen das zweite Pik Zeichen
Fig. 58 und präsentiert nun das dadurch entstandene Pik
Aß. Jetzt setzt man den Daumen von dem Pik-Zeichen
hinweg auf die Stelle Fig. 59 und sagt: „Hier ist die
Fig. 57. Fig. 58.

d d
d H
– 165 –

Pik-Drei wieder!“ Nun schiebt man auch das zweite Pit


Zeichen Fig. 58 hinweg und sagt: „Hier ist auch das
Pik-Aß wieder!“
Endlich schiebt man auch das Pik-Zeichen von dem
Coeur-Zeichen im Mittelpunkte hinweg und zeigt das Coeur
Aß, worauf man das Blatt auf den Tisch legt und unter
suchen läßt.
Dieses Kunststück muß aber rasch hintereinander und
mit Feinheit und Gewandtheit ausgeführt werden; auch
muß man sogleich zu einem anderen Kunststück übergehen,
damit es nicht etwa noch einmal verlangt werde.

20. Ein verbranntes Kartenblatt in einem Ringe wieder er


scheinen zu laffen.

Man läßt sich einen Ring von Tombak verfertigen,


welcher oben und unten mit zwei gleichgroßen Ringkästchen
(der Rahmen, in welchen der Stein gefaßt
wird) versehen ist, wie Fig. 60, A, B.
In jedes Fach wird ein Kristallglas
stein eingesetzt und der eine in der Art, daß
unter demselben jederzeit ein viereckiges Blätt
chen Papier angebracht werden kann, worauf
man die Zeichen irgend eines Kartenblattes,
z.B. Coeur-Fünf, zeichnen kann. Die Weite
des Ringes muß so beschaffen sein, daß er
sich auf dem Zeige- oder Mittelfinger der linken Hand recht
leicht herumdreht.
Man läßt nun eine Person aus einem Kartenspiel ein
gleiches Blatt ziehen (wie man vorher im kleinen Maßstabe
unter den Stein des Ringes gesteckt hat), welches entweder
mittels Verabredung mit einer dritten Person, oder durch
die Hilfsmittel der Volte, oder einer falschen Mischung ge
fchehen kann, und läßt hierauf die Person dieses Blatt an
der Flamme eines Lichts verbrennen und bittet sich die Asche
davon aus,
– 166 –

Unter dem Vorwande, den Ring damit zu reiben, dreht


man denselben schnell um und zeigt nun in demselben das
vorher verbrannte Kartenblatt in Miniatur. Dann dreht
man den Ring wieder unbemerkt um, hält die Finger dicht
zusammen und zeigt abermals den Ring, aus welchem das
Blatt wieder verschwunden ist.

21. Eine von einer Person gezogene Karte durch ein


Schnupftuch zu entdecken.

Man läßt eine Karte ziehen, teilt dann das Spiel in


zwei Hälften und bittet die Person, welche die gezogene
Karte noch in den Händen hält, die in die Mitte des Spiels
zu legen. Alsdann schlägt man an diesem Orte die Volte,
so, daß sich diese Karte oben auf dem Spiele befindet, wor
auf man das Spiel mengt, jedoch ohne daß die Karte von
ihrem Platze verrückt werde. Jetzt legt man das Karten
spiel auf den Tisch, bedeckt es mit einem Tuche, und indem
man sich stellt, als wenn man bedächtig wählte, ergreift man
durch das Tuch die oberste Karte und zeigt sie als die von
der Person gezogene vor.

22. Alle Karten eines Spiels zu nennen.

Man nimmt ein ganzes Spiel von 52 Blättern und


legt es nach der Ordnung folgenden Verses, den man im
Gedächtniffe behalten muß.
Unus quinque novem Famulus sex quatuor duo
Eins fünf neun Knecht sechs vier zwei
Rex septem octo Foemina tria decem.
König sieben acht Königin drei zehn.
Indem man diese Ordnung beobachtet, legt man die
vier Farben gleichzeitig in eine solche Abwechselung, daß erst
ein Pik-Blatt, dann ein Coeur-Blatt, hierauf ein Trefle
Blatt und zuletzt ein Karo-Blatt kommt.
– 167 –

Um sich dies deutlicher erklären zu können, bedarf es


folgender Tabelle:
1. Aß von Pik. 27. Aß von Trefle.
2. Fünf „, Coeur. 28. Fünf „, Karo.
3. Neun „, Trefle. 29. Neun „, Pik.
4. Knecht „ Karo. 30. Bube „, Coeur.
5. Sechs „, Pik. 31. Sechs „, Trefle.
6. Vier „, Coeur. 32. Vier „, Karo.
7. Zwei „, Trefle. 33. Zwei „, Pik.
8. König „, Karo. 34. König „, Coeur.
9. Sieben „ Pik. 35. Sieben „ Trefle.
10. Acht „, Coeur. 36. Acht „, Karo.
11. Dame „, Trefle. 37. Dame „, Pik.
12. Drei „, Karo. 38. Drei „, Coeur.
13. Zehn „, Pik. 39. Zehn „, Trefle.
14. Aß „, Coeur. 40. Aß „, Karo.
15. Fünf „, Trefle. 41. Fünf „, Pik.
16. Neun „, Karo. 42. Neun „, Coeur.
17. Bube „, Pik. 43. Bube „, Trefle.
18. Sechs „, Coeur. 44. Sechs „, Karo.
19. Vier „, Trefle. 45. Vier „, Pik.
20. Zwei „, Karo. 46. Zwei ,, Coeur.
21. König „, Pik. 47. König „, Trefle.
22. Sieben „ Coeur. 48. Sieben „ Karo.
23. Acht „, Trefle. 49. Acht „, Pik.
24. Dame „, Karo. 50. Dame „, Coeur.
25. Drei „, Pik. 51. Drei „, Trefle.
26. Zehn „, Coeur. 52. Zehn „, Karo.
Diese Ordnung ist so beschaffen, daß man nur eine
von den 52 Karten kennen darf, um zu wissen und sagen
zu können, welche Blätter und in welchem Range sie folgen.
Will man z.B. wissen, welches Blatt auf König von
Pik folgt, so darf man sich nur erinnern, daß, nach dem
lateinischen Verse, sieben aufKönig folgt; von welcher Farbe
diese Sieben ist,geht aus der Ordnung: Pik, Coeur, Trefle,
Karo, leicht hervor, also auf König von Pik Sieben von
Coeur.
– 168 –

Wenn das Kartenspiel in der angeführten Ordnung


liegt und man diesen Vers nebst der Ordnung der Farben
wohl im Gedächtniffe hat, so kann man es so oft abheben
laffen, als man will, und immer wird die Ordnung unge
fört bleiben; nur muß man sich in diesem Falle die Karte
merken, welche zu unterst liegt, damit diese als Merkmal
diene, wie die Farben- und Rangordnung anfängt. Dann
kann man auch sicher sein, daß man alle Karten hinterein
ander richtig nennen kann.
Diese Ordnung dient noch zu einigen andern Kunst
fücken; daher thut man wohl, wenn man die Kartenblätter,
sowie man sie nennt, wieder aufeinanderlegt.

23. Die Karten zu nennen, die eine Person gezogen hat.

Wenn das Kartenspiel in der soeben bestimmten Ord


nung liegt, läßt man eine Person eine beliebige Anzahl
Kartenblätter (aber in einer Folgereihe) herausziehen und
verkehrt nebeneinander auf den Tisch legen, damit man
schnell ihre Anzahl übersehen und berechnen könne. Nach
dem man nun unbemerkt die vorhergehende Karte angesehen
hat, kann man sogleich die gezogenen Blätter nennen.
Man muß aber diese Belustigung nicht machen, wenn
man die vorhergehende bereits bewerkstelligt hat, damit man
nicht den Argwohn errege, daß die Blätter eine gewisse Ord
nung haben. Daher ist es besser, man führt das vorige
Kunststück nach diesem aus.

24. Die Karte an dem Geruche zu erkennen.

Hierzu ist die vorbeschriebene Ordnung der Kartenblät


ter nötig. Man bietet nämlich das Spiel einer Person an
und läßt sie eine Karte nach ihrem Belieben herausnehmen.
Hierauf öffnet man das Spiel an dem Orte, wo die Karte
herausgezogen worden, hält den obern Teil in seiner rechten
Hand, rührt mit dem Finger derselben Hand die gezogene
– 169 –

Karte an, und unter dem Vorwande, an diesem Finger zu


riechen, sieht man die Karte an, die zu unterst unter denen
liegt, die man in der Hand hat.
Diese wird dann nach oben gedachter Anweisung an
zeigen, was für eine Karte herausgezogen worden, und man
wird solche nennen können, als ob man sie an dem Geruche
erkannt hätte.

25. Jemanden zu zwingen, aus einem Spiele dieselbe Karte


zu ziehen, die von einer andern Person aus einem andern
Spiele schon gezogen worden ist.

Man braucht hierzu zwei Kartenspiele. Aus dem einen


läßt man eine Person eine forcierte Karte ziehen, d. h. man
zwingt sie, vermöge des geschickten Volteschlagens, ein Blatt
zu ziehen, das man vorher schon dazu bestimmt hat. Die
fes Blatt muß in dem zweiten Spiele die zehnte Karte
sein. Man legt nun das Spiel auf dem Tische auseinan
der, ohne jedoch den untern Teil der Karte sehen zu laffen,
und sagt zu einer andern Person (mit welcher man vorher
schon verabredet hat, daß sie die zehnte Karte ziehe), daß
sie nach Belieben eine Karte davon nehmen soll. Hierauf
zeigt man, daß es dieselbe Karte ist, welche die erste Person
schon gezogen hat.
Dies Kunststück erregtjederzeitviel Bewunderung, wenn
es geschickt ausgeführt wird.

26, Wie man ein Kartenblatt aus einem Ei zum Vorschein


bringt.

Man bläst ein Ei nur zur Hälfte aus, läßt jemandem


aus der Gesellschaft ein Blatt ziehen, wovon man ein glei
ches schon heimlich in das halbausgeblasene Ei gesteckt hat,
zeigt aber der Gesellschaft ein volles Ei mit dem Bemerken
hin, daß die gezogene Karte sich in demselben befinden solle;
vertauscht dasselbe aber schnell und unbemerkt mitdem schon
– 170 –

halbausgeblasenen Ei, läßt letzteres ausschlagen, und so zur


allgemeinen Verwunderung das gezogene Blatt in demselben
wiederfinden.

27. Die in dem Sinn genommene Karte zu erraten.

Laffe jemanden von drei Häufchen Karten, jedes zu


je neun Blättern, sich irgend ein Blatt merken, und bringe
sodann das Häufchen, in welchem sich die gemerkte Karte
befindet, zwischen die beiden andern Häufchen. Lege nun
von den in einen Haufen zusammengefaßten drei Karten
häufchen die drei obersten Blätter nebeneinander, mit dem
Ersuchen, aufzumerken, in welchem Häuflein die in den Sinn
gefaßte Karte nun vorkomme. Auf diese 3 Kartenblätter
legt man nun der Reihe nach, und zwar von der linken zur
rechten Hand hin, die 3 folgenden Blätter u. f. f. bis die
27 Karten in 3 Häufchen gleich verteilt sind. Hierauf fragt
man, in welchem der drei Häufchen sich die gemerkte Karte
befinde, und legt dann das bezeichnete Häufchen, wie vorhin,
zwischen die beiden andern Kartenhäufchen in die linke Hand;
formiert nun nochmals wie vorhin 3 Kartenhäufchen, unter
dem Vorwande, vorhin etwas versehen zu haben, und läßt
sich endlich nochmals das Häufchen angeben, in welchem sich
das gemerkte Kartenblatt befindet, so wird es in diesem
Häuflein stets das fünfte von oben sein.

28. Ein Kartenblatt schnell in ein anderes zu verwandeln.

Man lege unbemerkt die Bildseite einiger Kartenblätter,


z. B. von 10 bis 12, gegen die Bildseite der übrigen; laffe
nun eine Karte beliebig ziehen, dieselbe besehen, und solche
sodann auf die übrigen in der Hand habenden Karten legen.
Hierauf schließt man die Hand und läßt beim Wiederöffnen
derselben das vorher in der hohlen Hand nur auf den vier
Fingern gehaltene Spiel Karten nun auf die innere Hand
– 171 –

fläche fallen, so wird man natürlich obenauf eine andere


Karte als die vorhin besehene erhalten müffen.

29. Die Karte in der Tasche.


Diese Belustigung kann nur mittels eines Einverständ
niffes mit einer zweiten Person ausgeführt werden, der man
zuvor die Karte angezeigt hat, welche man aus dem Spiele
herausgenommen, und die derjenige, welcher die Belustigung
macht, vorher in eine Tasche gesteckt hat.
Man gibt das Spiel Karten (aus welchem man z. B.
den Eichel-Ober herausgenommen hat) dieser geheim mit uns
einverstandenen Person hin und sage ihr, daß sie sich ein
Blatt ansehen und es in den Sinn nehmen, dann aber das
Spiel Karten wieder auf den Tisch legen solle.
Hierauf fragt man sie, was sie für eine Karte ange
sehen habe, worauf sie der Abrede gemäß sagt, daß es der
Eichel-Ober gewesen. Man heißt ihr nun solche nochmals
genau im Spiele anzusehen, damit sie sich nicht irre, und
solche auch gewiß im Spiele sich befinde, worauf sie ver
sichert, daß dem also sei. Der Kartenkünstler jagt hierauf
zu ihr (nachdem er die Karte ziemlich rasch durchgesehen):
„Sie irren sich, mein Herr! die von Ihnen besehene Karte
ist nicht mehr im Spiele, wohl aber in meiner Tasche; über
zeugen Sie sich, ob sie noch im Spiele ei“. Der Mit
einverstandene sieht in Gegenwart der ganzen Gesellschaft
das Spiel Karten einzeln durch und findet, zum allgemeinen
Erstaunen, die genannte Karte natürlich nicht mehr darunter.
Der Künstler zieht sie endlich aus seiner Tasche und zeigt
fie den überraschten Zuschauern.

30. Vierzehn Karten, die auf einem Tische in einem Kreise


liegen, umzukehren, fo, daß man immer nur dasjenige Blatt
umwendet, auf welches die Zahl Sieben fällt.
Um dies zu bewerkstelligen, muß man acht geben, bei
welchem Kartenblatte man anfängt; von diesem zählt man
– 172 –

von 1 bis 7, und kehrt die siebente Karte um; von der
umgekehrten zählt man wieder von 1 bis 7, und wendet
wieder die siebente um u.j.f. Kommt man wieder zu der
Karte, wo man angefangen hat, so überspringt man dieselbe
und zählt auf der nächstfolgenden weiter, und fährt wie vor
hin bis zu Ende zu zählen fort. Dieses Stück ist sehr
unterhaltend.

31. Vier Bildkarten (z. B. Könige, Damen oder Buben) fo


aufeinander zu legen, daß man von keiner die untere Bild
hälfte sieht.

Man lege auf die untere Bildhälfte des ersten Blattes


die obere Bildhälfte des zweiten Blattes; auf die untere
Bildhälfte des zweiten Blattes lege man rechtwinkelig wieder
die obere Bildhälfte des dritten Blattes und stecke endlich
die untere Bildhälfte des vierten Kartenblattes unter die
obere Bildhälfte des ersten Blattes, so, daß die obere Bild
hälfte des ersten Blattes die untere Bildhälfte des vierten
Kartenblattes zudeckt, so ist das Verlangte geschehen, und es
bilden die so miteinander verbundenen vier Kartenblätter
einen Kartenteller.

32. Das bezauberte Pikettspiel.

Dieses Kunststück besteht darin, daß man ein Karten


spiel von 32 Blättern in Würfeln zu zwei oder drei Karten
unter vier Personen so verteilt, daß jede am Ende alle
Karten von einerlei Farbe in der Hand hat.
Hierzu gehört folgende Ordnung der sämtlichen Blätter,
wobeidie achte Karte etwas breiter sein muß, als die andern.

Ordnung der Karten.


1. Aß von Coeur
2. Sieben von Event # der Erste in der Karte.
– 173 –

: der Zweite.
: der Dritte.

7.
8. '
Aß vonvon
Trefle.
Trefle. (Breite Karte.) der Vierte.

9. König von Coeur


10. Acht „ pp der Erste in der Karte.
11. Neun „
12. Aß von Pik
13. Bube von Pik der Zweite.
14. Zehn „ „
15. Aß von Karo
16. Sieben von Karo - der Dritte.
17. Neun „ oy |
18. König von Trefle
19. Zehn „ pp
der Vierte.
20. Neun „ P

21. Dame von Coeur


22. Bube „ v der Erste in der Karte.
23. Zehn „ \
24. Dame von Pik / -

25. Neun „ „ , der Zweite.


26. Sieben „ „
27. König von Karo
28. Dame „ „ der Dritte.
29. Zehn „ „
30. Dame von Trefle
31. Acht r Py der Vierte.
32. Sieben „ py

Man verfährt hierbei, wie bei dem Vorhergehenden.


Verlangt man, daß zuerst zwei Karten ausgegeben werden
sollen, so muß man nicht abheben laffen und gibt einmal
zwei und zweimal drei Karten. Wird hingegen verlangt,
daß man zuerst drei Karten geben soll, so gibt man zwei
mal drei und zuletzt zwei Karten, nachdem man bei der
breiten Karte hat abheben laffen.
– 174 –

Vorzügliche Methode
über den

Anterricht im Kartenschlagen.
N a ch D é t e i l l a.

Die französischen Karten, und zwar das Pikettspiel von


32 Blättern, eignen sich für das Kartenlegen oder Karten
schlagen am besten, doch kann man auch eine deutsche Karte
dazu nehmen, wenn man die Ober für die Damen und
überhaupt Rot für Coeur, Schellen für Karo, Grün für
Pik und Eicheln für Trefle nimmt.
Wir wollen hier jedoch den erforderlichen Unterricht in
französischen Karten geben.

Allgemeine Regeln
über die Bedeutung der sämtlichen Karten.

Die acht Karos.


Aß, König, Dame, Bube, Zehn, Neun, Acht, Sieben.
Das Aß bedeutet einen Brief oder eine nächstens zu
erhaltende Neuigkeit. Der König bedeutet Freundschaft;
folgt eine Dame darauf, so bedeutet es Heirat; liegt dabei
der König verkehrt, so werden viele Hindernisse eintreten.
Die Dame bedeutet eine Frau aus der Nachbarschaft,
die mißgünstig und mit falscher Zunge versehen ist und gegen
die fragende Person böses Geschwätz führt. Liegt die ver
kehrt, so sucht fiel der Person nächstens zu schaden.
– 175 –

Der Bube bedeutet einen Soldaten, einen Boten oder


einen Postillon, der bald eine Nachricht bringen wird. Liegt
er verkehrt, so ist diese nicht angenehm.
Die Zehn bedeutetgroße Freude oder Ortsveränderung.
Die Neun bedeutet eine kleine Verzögerung.
Die Acht bedeutet einen jungen Kaufmann, der willens
ist, mit der (fragenden) Person in Verbindung zu treten.
Die Sieben bedeutet eine gute Nachricht, besonders
wenn sie neben dem Aß von gleicher Farbe liegt. Befindet
sich auch noch die Neun von Trefle dabei, so bedeutet es
vollkommenes Gelingen der Unternehmung; hat die Person
in die Lotterie gesetzt, so gewinnt sie gewiß.

Die acht Coeurs.

Das Aß bedeutet Freude, Zufriedenstellung; sind noch


mehr Figuren dabei, so bedeutet es ein Fest, einen Ball c.
Der König ist ein annehmlicher Ehemann, der zur
Heirat nicht übelLust hat; liegt er aber verkehrt, so deutet
dies aufs Gegenteil.
Die Dame bedeutet eine rechtschaffene Frau mit auf
richtigem Herzen, welche der Person einen Dienst erzeigen
wird. Liegt die verkehrt, so bedeutet es Verhinderung der
beabsichtigten Heirat.
Der Bube bedeutet entweder einen bald erscheinenden
Soldaten oder einen jungen Mann, der wesentliche Dienste
leisten wird, auch einer Verbindung nicht abgeneigt ist.
Die Zehn bedeutet Ueberraschung oder eine Person, die
sich für den Frager interessiert.
Die Neun bedeutet Eintracht und Zufriedenheit.
Die Acht bedeutet Glück in Geschäften; ist die fragende
Person verheiratet, so bedeutet es, daß es ihren Kindern
wohl gehen und daß sie stets Freude an ihnen erleben werde.
Die Sieben bedeutet bei einem Mädchen, daß sie im
Ehefande nur Töchter bekommen wird. Bei einem jungen
Herrn bedeutet es, daß er ein Mädchen von guter Familie
und Erziehung heiraten wird.
– 176 –

Die acht Piks.

Das Aß, wenn eine Zehn oder Neun darauf folgt, be


deutet Tod, große Trauer, Verrat der Personen, die uns
die nächsten sind, und selbst Beraubung.
Der König stellt einen Beamten dar, mit dem man
Geschäfte haben wird, doch nicht die angenehmsten. Liegt
er verkehrt, so wird die Person den Prozeß nicht gewinnen
oder in ihren Angelegenheiten viel Unglück haben.
Die Dame bedeutet eine verdrießliche, unordentliche
Frau, eine Witwe. Liegt die verkehrt, so will diese sich
wider den Willen ihrer Anverwandten und Kinder wieder
verheiraten.
Der Bube. Für einen jungen Mann bedeutet er gro
ßes Mißgeschick und baldige Festnehmung und ähnliches Un
glück. Liegt er umgekehrt, so walten wichtige Beschuldigungen
dabei ob. Für ein Mädchen bedeutet es, daß sie von dem
Geliebten verlaffen werden wird.
Die Zehn, wenn Aß und König darauffolgen, bedeutet
für einen Mann – Gefängnis, für ein Mädchen oder eine
Frau – Krankheit.
Die Neun bedeutet Verzögerung und Fehlschlagen irgend
einer Unternehmung. Folgt Karo-Neun und Aß von Trefle
darauf und man soll Geld erhalten, so wird die Auszah
lung noch verzögert werden.
Die Acht bringt üble Neuigkeiten; folgt Sieben von
Karo darauf und liegt zur Seite eine Figur, so bedeutet
es Verdruß,Thränen,Verlust der Stelle und der Einkünfte.
Die Sieben bedeutet Zank und Schikane. Liegen einige
Coeurs dabei, so bedeutet es Unabhängigkeit, Sicherheit und
Befreiung von Sorgen.

Die acht Trefles.

Das Aß, wenn Aß von Karo und Sieben von Trefle


darauf folgt, bedeutet Gewinn und viel Glück in jeder Un
ternehmung (besonders bei Handel und Schiffahrt).
– 177 –

Der König bedeutet eine gerechte und edeldenkende Per


son, die sich für den Frager interessiert und von der sie
große Dienste zu erwarten hat. Liegt das Blatt verkehrt,
so wird der gute Erfolg noch verzögert, oder ist es möglich,
daß für die Unternehmung vorher noch einige Gefahren
eintreten.
Die Dame bedeutet eine Brünette, Eifersucht, Kon
kurrenz; befindet sich ein König oder ein Bube dabei, so
bedeutet es Vorzug, Treue für den Bekannten. Liegt eine
Dame dabei, so ist dies ein Zeichen, daß eine Frau sich für
die fragende Person interessiert.
Der Bube bedeutet einen Verliebten, einen jungen an
ständigen Mann, der einem Mädchen den Hof macht; liegt
noch eine Figur daneben, so bedeutet dies eine Person, die
seine Schritte unterstützen wird. Folgt der Bube von Coeur
darauf, so wird die Person einem Nebenbuhler unterliegen.
Liegt der Bube von Trefle aber verkehrt, so ist dies ein
Zeichen, daß seine Verwandten gegen die Verbindung find.
Die Zehn von Trefle bedeutet Gewinn, Wohlstand und
Glück; folgt aber die Neun von Karo darauf, so bedeutet
es Verzögerung. Folgt Neun von Pik darauf, so bedeutet
es Mißgeschick, verlornen Prozeß.
Die Neun bedeutet besonderes Glück in der Liebe, die
Acht Fortschritte in Geldangelegenheiten, die Sieben ein
heimliches Liebesverständnis; folgt eine Sieben von Karo
und eine Neun von Trefle darauf, so bedeutet die Neun
Ueberfluß und Erbschaft.

Ausführung.
Man nimmt ein Kartenspiel von 32 Blättern und
mengt es wohl, dann läßt man die Person, welcher man
die Karten auslegen will, mehreremal abheben. Hierauf
macht man aus dem Spiele zwei Abteilungen oder Haufen,
die sich ziemlich gleich sein müffen. Man fragt nun die
Person, welche Abteilung fiel zur Ausmittelung ihrer Fragen
wähle. Von der gewählten Abteilung nimmt man die erste
Karte und legt sie beiseite; sie heißt Reservekarte. Den
Leischner, Zauberkunst. 12
– 178 –

Rest der Abteilung kehrt man auf dem Tische um und er


klärt nun Blatt für Blatt nach ihrer Lage und Stellung.

Beispiel.
Es sollen sich in der von der Person gewählten Ab
teilung 15 Blätter befinden: Das Aß von Coeur, Neun
von Trefle, König von Coeur, Zehn von Karo, Neun von
Coeur, Acht von Coeur, Aß von Karo, Sieben von Trefle,
Sieben von Karo, Bube von Karo, Dame von Pik, Aß
von Trefle, Neun von Karo, Sieben von Coeur und Acht
von Trefle, als die Reservekarte.
Die Auflösung der 15 Blätter ist daher folgende:
Folgt auf das Aß von Coeur Neun von Trefle, König
von Coeur, Zehn von Karo, Neun von Coeur, Acht von
Coeur, Aß von Karo, so bedeuten diese sieben Karten Ge
winn und großen Erfolg in Geschäften.
Wenn der Bube von Karo, Dame von Pik, Aß von
Trefle, Neun von Karo, Sieben von Trefle, Sieben von
Karo, Sieben von Coeur und die Acht von Trefle als
die Ueberfall- (oder auch Reserve-)Karte von den sieben an
dern Karten begleitet sind, so bedeuten fie militärische Be
jetzung, Feldzug und großen Vorteil für die Person.
Nach dieser ersten Auflösung der 15 Karten schlägt
man sie wieder zusammen und macht drei Häufchen daraus,
läßt aber die Person vorher abheben und legt dazu wieder
eine Karte beiseite. Dies wird dreimal wiederholt, wobei
man zu beobachten hat, daß man zur Reservekarte allemal
die erste oder die letzte des Häufchens nimmt. Dann ver
langt man zu wissen, welchen Haufen die Person für sich
bestimmt, und befindet sich in demselben die Neun von
Karo, Zehn von Karo, König von Coeur, Sieben von
Trefle und Aß von Karo, so bedeutet dies, daß ein Mann
verreisen und der Person eine gute Nachricht zurückbringen
werde.
Wenn sich in dem zweiten Haufen, der für die Aus
legungder häuslichen Angelegenheiten bestimmtist,die Sieben
von Karo, Neun von Trefle, Aß von Coeur, Aß von
– 179 –

Trefle und der Bube von Karo, letzterer jedoch verkehrt,


befindet, so bedeutet dieser den Wohlthäter des Hauses und
überhaupt die völlige Realisierung der Wünsche der Person.
Ist in dem dritten Haufen, der das betrifft, was man
nicht erwartet, die Sieben von Coeur, die Acht von Trefle,
die Neun von Coeur vor der Dame von Pik, so erlangt
die Person eine große Erbschaft. Ist die Reservekarte die
Acht von Coeur, so bedeutet dies große Hoffnung.
Dies nennt man das Kartenschlagen mit 15 Karten.

Das Kartenschlagen mit 21 Karten.

Um die Karten auf diese Art auszulegen, mengt man


das Spiel, läßt durch die Person abheben, mengt die Blätter
dann noch einmal, legt davon 11 Blätter zurück und mengt
abermals die verbleibenden 21 Blätter. Man läßt diese
nochmals abheben und legt die Reservekarte beiseite. Be
finden sich in dem Reste die Dame, die Acht, der Bube und
der König von Trefle, die Acht, die Dame, die Zehn, die
Neun, der König und die Sieben von Karo, die Acht,
die Zehn, der Bube, die Neun und das Aß von Pik und
endlich auch der Bube, die Sieben, die Dame und die Acht
von Coeur, so bedeuten diese Karten eine glänzende Heirat,
unbegrenzte Leidenschaft für eine Blondine c. Ist die Re
servekarte das Aß von Karo, so wird die Person von
einem Briefe überrascht werden.
Dies ist die erste Auflösung der 21 Karten.
Jetzt nimmt man die Karten wieder zusammen, mengt
fie wohl, teilt sie in drei Haufen und läßt die Person einen
davon wählen. Befinden sich in dem gewählten Haufen die
Zehn, der Bube und die Acht von Pik, ingleichen die Sie
ben von Trefle und das Aß von Karo, nebst Acht von
Coeur, so bedeutet dies Krankheit eines Mannes, auch Geld
verlust.
Enthält die Abteilung für das Haus den König und
den Buben von Trefle, das Aß von Pik, die Sieben, die
Dame von Karo und die Dame und das Aß von Coeur,
12
– 180 –

so bedeutet dies einen Liebhaber, der ein Mädchen heiraten


will, oder auf einen Nebenbuhler sehr eifersüchtig ist.
Sind in dem dritten Haufen die Zehn, der König und
die Neun von Karo, die Neun von Pik, die Dame von
Trefle und die Sieben und der Bube von Coeur, so be
deutet dies Aufhören von Freundschaft. Ist die Reserve
karte die Acht von Coeur, so deutet dies auf einen Feldzug.
Dies ist die zweite Auflösung.
Endlich mengt man die drei Haufen nochmals und ver
fährt wie das erste Mal. Befinden sich in der gewählten
Abteilung die Acht von Trefle, das Aß von Pik, der Bube
von Coeur, die Dame von Coeur und die Neun von Karo,
so bedeutet dies, daß eine Heirat stattfinden wird, der jedoch
ein junger Mensch Hindernisse in den Weg legt.
Sind in dem zweiten Haufen die Neun von Pik, die
Sieben von Coeur, der König von Trefle, die Zehn von
Karo und der König von Karo vorhanden, so bedeu
tet dies großen Zank wegen einer blonden Frau und viel
Verdruß.
Enthält der dritte Haufen das Aß, die Sieben, die
Acht von Karo, die Acht von Pik, die Acht, das Aß von
Coeur und die Dame von Trefle, so bedeutet dies für die
Person eine Veränderung des Hauses und völliges Gelingen
der Sache. Ist die Dame von Karo die Reservekarte, so
bedeutet dies eine Frau, vor der man sich hüten muß,
wenn sie nicht zur Verräterin werden soll.
Dies ist die dritte Auflösung der drei Haufen.
Erster Haufen. Bube und Aß von Pik, Acht von
Coeur, Aß und Zehn von Karo bedeuten großen Gewinn
und einen Brief. -

Zweiter Haufen. Dame und König von Karo, Neun,


Acht und Zehn von Pik, Dame und Sieben von Coeur
bedeuten Eifersucht einer Frau wegen eines jungen Men
fchen und infolge davon Krankheit.
Dritter Haufen. Acht und Sieben von Karo, Bube
und Aß von Coeur, Bube und Acht von Trefle bedeuten
Schlägerei wegen Geld. Reservekarte Dame von Trefle be
deutet Vorteil für eine Dame.
– 181 –

Da indes für jede mögliche Stellung der Karten die


Auflösung nicht regelmäßig gegeben werden kann, so ver
weisen wir den Leser wiederholt auf die bereits gegebene
Bezeichnung der 32 Karten. Aus derselben kann jede Art
von Auslegung geschöpft werden, und so kann jeder für sich
und andere Orakelsprüche finden, die den Geist nicht er
müden und hinlängliche Belustigung verschaffen.

Erklärung der vier Könige, der vier Damen, der vier Buben
und der vier Zehnen.

Wenn sich bei dem Kartenschlagen in der von der fra


genden Person gewählten Abteilung die vier Aß mit den vier
Zehnen befinden, so bedeutet dies großen Gewinn und Vor
teil, entweder durch Lotterie oder durch Erbschaft.
Die vier Damen Neid und Verfolgunggegen die Person.
Die vier Könige vollkommenes Gelingen der Sache.
Die vier Buben bedeuten Zank und Streit unter den
Männern.

Bemerkung.
Wenn bei der Operation mit 15 oder 21 Karten der
größere Teil aus weißen Karten besteht, so bedeutet dies
glückliche Beendigung der Unternehmung.
Finden sich aber die fünf niedern Karten von Pik
darin, so wird der Person bald ein Freund oder Verwandter
sterben.
Sind es aber die fünf niedern Karten von Trefle, so
bedeutet es großen Gewinn durch Prozeß oder Lotterie.
Finden sich endlich die fünf niedern Karten von Karo
und Coeur darin, so erhält die Person bald gute Nach
richten von Personen, die sich mit redlichem Herzen für sie
interessieren.
– 182 –

Erklärung der am häufigsten vorkommenden Fragen.

Trennung von Gatten, Verlust der Güter.


Man schlägt die Karte mit 21 Blättern, und in den
selben müffen sich befinden die vier Neunen, wenn es eine
sichere Trennung bedeuten soll. Sind die vier Könige und
die vier Damen darin, so wird die Trennung nie stattfinden.
Ob man Ursache zur Eifersucht habe?
Finden sich bei der Methode mit 15 Karten die fieben
Karos, so ist die Sache vorhanden. Ist die Eifersucht
grundlos, so befinden sich Fünfe von Coeur mit Sieben
von Trefle darin.
Wegen irgend einer Unternehmung.
Die vier Aß und die Neun von Coeur müffen vor
handen sein, wenn sie gelingen soll. Liegt die Pik-Neun
vor der Person, so wird sie nicht reüssieren.
Wegen Lotterie und anderer Spiele.
Wenn man gewinnen soll, so müffen sich bei der Me
thode mit 21 Karten acht Treflekarten, die vier Aß und die
vier Könige vorfinden.
Wenn man wissen will, ob es einem Kinde wohl
gehen und ob es ein Erbteil erhalten wird.
Die vier Aß bedeuten Sicherstellung der Güter und
eine den Wünschen angemeffene Verbindung. Ist das Spiel
für eine Dame, so bringen die vier Achten und der König
von Coeur Friede und häusliche Zufriedenheit.
Wenn man wissen will, wie lange eine Heirat noch
verzögert wird.
Der König von Pik wird sich mit der Dame von
Coeur, dem Aß von Pik und der Acht von Karo zusam
menfinden. Jede andere Acht bedeutet soviel Jahre Ver
zögerung, jede Neun soviel Monate und jede Sieben soviel
Wochen Verzögerung.
– 183 –

Um zu wissen, ob ein junger Mann unter das


Militär kommen wird.

Die vier Könige müffen sich mit den vier Zehnen vor
finden, und wenn zufällig auch die vier Aß dabei find, so
wird er nach Verhältnis seiner Fähigkeiten einen sehr hohen
Grad erlangen.
Wegen Veränderung des Orts oder der Amtsstelle
sowohl für den Herrn als dem Diener.
Bei der Herrschaft selbst kündigen die vier Buben, die
Zehn und die Acht von Karo und die Zehn von Trefle
einen glücklichen Ausgang an; ist noch die Neun von Karo
dabei, so deutet dies auf Verzögerung.
Ist es für einen Diener, so müffen die Zehn und die
Sieben von Karo, die Acht von Pik und die vier Damen
vorhanden sein, wenn der Ausgang glücklich sein soll.
Sechste MBteilung.
Arithmetische Künste und Belustigungen.

Eigentümlichkeiten gewisser Zahlen.

Die Zahl 3. – Von zwei verschiedenen Zahlen ist


entweder eine von beiden 3, oder ihre Summe 3, oder ihre
Differenz 3, oder endlich doch teilbar durch 3. Z. B. von
3 und 8 ist die erste Zahl 3; von 1 und 2 ist ihre Summe
3; von 4 und 7 ist ihre Differenz 3; von 17 und 26 ist
die Differenz 9 und diese teilbar durch 3; von 9 und 12
ist die Summe 21, teilbar durch 3; von 23 und 58 ist
die Summe 81, teilbar durch. 3 c.
Die Zahlen, welche man durch 3 ohne Rest dividieren
kann, ergeben entweder einzeln, oder zusammenaddiert, oder
auch multipliziert in der Summe oder dem Produkte eine
Zahl, die man durch 3 ohne Rest teilen kann; z.B. 42 ist
divisibel durch 3; die beiden Zahlen 4 und 2, aus denen
42 besteht, betragen zusammen 6, teilbar wieder durch 3;
15 und 21 find zusammen 36, die vier Ziffern dieser bei
den Zahlen: 1, 5, 2 und 1 geben 9 zur Summe, teilbar
also durch 3; 6mal 12 macht 72, und es betragen die
Ziffern der Faktoren zusammen 9, denn 6, 1 und 2 gibt 9,
alles teilbar durch 3 u.f.w.
Die beiden Zahlen 5 und 6 find Zirkularnummern,
weil, wenn man sie entweder mit sich selbst oder mit einem
– 185 –

ihrer Quadrate multipliziert, das dadurch entstehende Pro


dukt oder Facit sich stets mit 5 oder 6 endigt. Z.B.
5mal 5 thut 25. 6mal 36 thut 216.
6mal 6 thut 36. 25mal 25 thut 625.
5mal 25 thut 125. 36mal 36 thut 1296.
Die Zahl 6 betrachtet man als die erste der sogenann
ten vollkommenen Zahlen (d. h. solcher, die in allen ihren
aliquoten Teilen gleich find), denn 1 –2–3 geben zu
sammen auch 6. – Dergleichen Zahlen find selten, denn
von 1 bis 40000000zählt man deren nur sieben, nämlich:
6, 28, 436, 8128, 130816, 1996128 und 33550336.
Die Zahl 9. – Man kann Zahlen nehmen, welche
man will, sie einzeln oder zusammen betrachten, so wird man
finden, daßwenn 27 aus 3mal 9 besteht, 2 und 7 auch 9
beträgt; wenn 45 aus 5mal 9 besteht, 4 und 5 auch 9
ist c. Ferner: wenn 29 um zwei Einheiten mehr als
3mal9 ist, so übersteigt 2 und 9 (11) die 9 auch um zwei
Einheiten. Wenn 24 um drei Einheiten weniger ist, als
3mal 9, so beträgt 2 und 4 (also 6) auch drei Einheiten
weniger, als 9 c.
Um 9 schnell mit einer andern Zahl zu multiplizieren,
darf man nur in dem ersten Zehner (d. h. bis mit 10)
1 vom anderen Faktor abziehen und an die nun bleibende
Zahl rechts diejenige Ziffer setzen, welche dem Reste an
9 fehlt.
# dem zweiten Zehner (bis mit 20) nimmt man 2
und in dem dritten Zehner (bis mit 30) 3 hinweg u.j.w.
Z. B. 7mal 9 . . . . Von 7 wird 1 weggenommen, bleibt
6 .. ., es fehlen 3, um 8 auszumachen; diese (mangelnde
Zahl 3) rechts neben die 6 gesetzt, kommt 63; – und
7mal 9 ist = 63. – 61mal 9 . . . . Von 61 – 7 weg
(weil 61 in dem siebenten Zehner steht), bleibt 54; 5 und
4 thut 9, da aber die Zahl 9 wenigstens 2mal in dem
Total nebeneinander enthalten sein muß, so setzt man neben
die 54 rechts die 9, – kommt 549 – und soviel ist
61mal 9.
Z
|
1
1
1.. 128
11. 1256
64
32
8
4
2
512
6 729
29
243
81 7-
6561
2187
3
19683 2096
164
4|
024
566 3125
65.536
16384
262.144
14 56255 |
390625
953125
178125
|625
125
25 43216
127776
0077696
679616
79936
166656
296
6 69
5729
4|531441
3|
-
887420489
3046721
782969
9049
5611 Einhglenkgsuecnshbtaesftnüeckne
diesen
aNach
hier
Zder
alle
fast
sind
Zahlen
ste
1ste
5te
4te
7te
6te
3te
2te
9te

3754801
581249
|
T40353607
17649
23543
6807
401
43
7

find:
Zahlen
der
Potenzen
ersten
neun
Die

434217728
3512
12T
|
6777216
62.144
097152
2768
096
68 4

berechnet.
– 187 –

1. Der betrügliche Bediente.

Ein Privatmann erhielt 32 Flaschen kostbaren Wein,


die er, weil er seinem Diener nicht trauete, im Keller so in
ein Viereck stellte, daß an jeder Seite 9 Flaschen zu zählen
waren, nämlich:
1 7 1

7 32 7

1 7 1.

Deffenungeachtet stahl der Bediente nach und nach 12


und zwar jedesmal 4, ohne daß es der Herr bemerkte, weil
er immer an jeder Quadratseite 9 zählen konnte. Der
Gauner hatte folgende Einteilung getroffen:
2 5 2| 3 3 3| 4 1 4

| ||| ||| |
2 5 2|3 3 3|4 1 4

2. Zauberquadrate.
1ftes 2te 3
A D G
TTETZTAT5 11|24|7 |20| 3
6|7 | 8| 9 |10 4 |12|25| 8 |16
11|12|131415 ET75132i GF
1617181920 10|18| 1 |1422
21 22 232425 23| 6|19| 2 |15
C B H
– 188 –

Die nach einer arithmetischen Berechnung verteilten


Gleichungszahlen des ersten Zahlenquadrates find im zwei
ten Quadrate so geordnet, daß sie, in gleicher Kolonne,
horizontal, senkrecht oder auchdiagonal (d. h. von einer Ecke
zur gegenüberstehenden andern Ecke)zusammengezogen, immer
die Zahl 65 als Summe geben. Die Zahl 13 ist das
mittlere Glied dieser arithmetischen Progression von 1 bis
65, und 5mal 13 macht 65.
Die fünfZahlen: 1, 7, 13, 19 und 25 der Diagonal
linie AB im ersten Quadrate sind auch in der senkrechten
Kolonne GH des zweiten Quadrates verteilt enthalten;
ebenso findet man auch die fünf Zahlen: 5, 9, 13, 17
und 21 der Diagonallinie CD des ersten Quadrates in der
horizontalen Reihe EF des zweiten Quadrates wieder.
Auch kleinere Quadrate können nach einer arithmetischen
Progression geordnet werden. Z. B.:
4 9 2 13 | 18 | 11 22 | 27 | 20

Z 5 7 12 | 14 | 16 21 | 23 | 25

Z 1. 6 17 | 10 | 15 26 | 19 | 24

3. Die Stunde zu erraten, zu welcher eine Person in Ge


danken beschloffen hat, abzureisen.
Man sagt der Person, sie solle den Zeiger eines Ziffer
blattes nach einer beliebigen Nummer richten und sich dann
in Gedanken eine Stunde wählen, wann sie abreisen wolle.
Zu der Nummer, welche der Zeiger angibt, rechnet man
nun heimlich allemal 12 Zahlen oder Points hinzu, so daß,
wenn z. B. die Person den Zeiger -

auf 4 gestellt hat, 12 hinzu = 16 beträgt, oder


, 6 pp 2 „ = 18 PP g

PF 8 FP 12 ,, F 20 und
so fort. Hierauf sagt man der Person, sie solle von der
Stunde an, die sie bezeichnet hat, 16, 18 oder 20 Nummern
– 189 –

zurückzählen, jedoch in Gedanken die Stundenzahl, an wel


cher sie abzureisen beschloffen hat, in Abrechnung bringen
und so fort zählen, wo sie sicher auf die Stunde treffen
werde, die sie sich gedacht habe.

Beispiel.
Angenommen, die Person stelle den Zeiger auf 7 und
beschlöffe heimlich um 9 Uhr abzureisen.
Man sagt ihr nun, sie solle von 19 (nämlich 12zu 7
gerechnet) die Zahl der Stunde abrechnen, zu welcher sie
abreisen wolle, und die nun bleibende Zahl (10), von der
bezeichneten 7 an, rückwärts (von der Linken zur Rechten)
auf dem Zifferblatte herum zählen. Wenn sie auf diese
Weise bis 12 gezählt hat, wird sie aufder 9 sein, welches
zugleich die von ihr gewählte Stunde der Abreise ist.

4. Jede von einer Person in Gedanken erwählte ganze Zahl


zu erraten.

Erste Methode.
Angenommen, die Person wählt heimlich . . 3
Man ersucht sie die gedachte Zahl zu verdoppeln 6
Dann 4 hinzuzufügen . . . . . . . .

Das Produkt multipliziert mit . . . . . 5

Hierauf läßt man noch 12 hinzusetzen . . . 12


62
Das Facit läßt man wieder multiplizieren mit 10
620

Von dem Produkte, welches man sich nun nennen läßt,


zieht man 320 ab und erhält 300. Die Nullen oder die
Hunderte find ungültig und die 3 ist die gewählte Zahl.
– 190 –

Zweite Methode.
Man läßt die gedachte Zahl verdoppeln, zu dem Facit
5 fügen und dieses wieder mit 5 multiplizieren; man läßt
nun wieder 10 hinzufügen und das Produkt nochmals mit
10 multiplizieren. Von dem Total, das man sich nennen
läßt, zieht man 350 ab und erhält nun in der Zahl, wel
cher die Hunderte angibt, die gedachte. Z.B.: angenom
men 5 ist gewählt, verdoppelt kommt 10, 5 hinzugesetzt 15,
mit 5 multipliziert 75, 10 hinzugesetzt 85, mit 10 multipli
ziert 850, hiervon 350, kommt 500; und 5 ist die gedachte
Zahl.

5. Wie ists möglich, drei Thaler unter zwei Väter und zwei
Söhne fo zu verteilen, daß jeder Vater und jeder Sohn einen
Thaler bekommt.

Antwort. Man gibt dem Großvater, Sohne und


Enkel einen Thaler, so ist der Aufgabe. Genüge gethan.

6. An jede beliebige Stelle irgend einer gegebenen Zahl


noch eine Ziffer zu setzen, so daß die nun hierdurch vergrößerte
Zahl durch 9 sich ohne Rest dividieren laffe.

Auflösung. Man addiere die einzelnen Ziffern der


gegebenen Zahl zusammen, laffe aber von der erhaltenen
Summe, so oft es geht, 9 hinwegund setze endlich diejenige
Ziffer an die beliebig angegebene Stelle in der Zahl, welche
diesem Reste an 9 fehlt. Gab aber die Summe sämtlicher
Ziffern der gegebenen Zahl keinen Rest, so setzt man eine 9
oder 0 an die verlangte Stelle. Z. B. man sollte zwischen
die beiden Sieben der Zahl 4177 eine Zahl hineinsetzen,
so daß die hierdurch vergrößerte Zahl dennoch durch 9 auf
gehe, so sagt man: 4 und 1 und 7 und 7 geben zusam
men 19, davon so oft als möglich 9 hinweg (also 18 oder
2mal 9), bleibt 1, und dieser fehlen 8, um 9 zu werden;
– 191 –

man jetzt demnach die an 9 fehlende 8 an die verlangte


Stelle, hier also zwischen die beiden Sieben.
Sollte man aber zwischen die 2 und 0der Zahl 59202
eine Zahl setzen, daß die hierdurch vergrößerte gegebene Zahl,
durch 9 dividiert, aufgehe, so muß man, weil 5 –9–2
– 0– 2 zusammen 18 = 2mal 9, keinen Rest läßt, ent
weder 0 oder 9 zwischen die 2 und 0 setzen, wodurch man
nun entweder 592092 erhält, wovon jede, durch 9 geteilt,
aufgeht.

7. Zwei Zahlen, die von jemand gewählt worden sind, zu


erraten,

Angenommen, die Person denke ich die beiden Zahlen


4 und 7. Beide läßt man miteinander multiplizieren,
kommt 28. Die Differenzzahl, um welche die größere Zahl
(der gedachten) die kleinere übersteigt, läßt man mit der
größern multiplizieren; also 7 übersteigt 4 um 3, daher
4 mit 7 multipliziert, kommt 21. Beide Produkte der ersten
und zweiten Manipulation läßt man nun addieren (also 21
und 28) und sich das Facit nennen, also 49. Von dieser
Summe ist 7 die Wurzel und zugleich die größere der bei
den gedachten Zahlen. (Die Quadratwurzel V ist eine
Größe, welche, wenn sie mit sich selbst multipliziert wird,
keine höhere Potenz hervorbringt; so ist 4 die Quadrat
wurzel von 16 und die Kubikwurzel von 64)
Um nun auch die kleinere Zahl zu erforschen, läßt man
die Differenz beider Zahlen (3) mit der kleinern (4) multi
plizieren, kommt 12, und dieses Facit von dem größern
Produkt (28) abziehen, kommt 16, deren VWurzel 4 und
zugleich die gedachte kleinere Zahl ist.

8. Jede aus einem Produkte beliebig hinweggestrichene Ziffer


zu erraten.

Man laffe irgend eine beliebige Zahl mit 9, 18, 27,


36, 45, 54, 63, 72 oder 81 multiplizieren, hieraufdie zu
– 192 –

erratende Ziffer aus dem Produkte oder Facit wegstreichen,


die übrigen Ziffern desselben aber sich in beliebiger Folge
nacheinander angeben, worauf man sie sogleich in Gedanken
zusammenaddiert und ihre Summe durch 9 dividiert. Das,
was dem hier bleibenden Reste an 9 fehlt, ist die wegge
strichene Zahl. Bleibt aber kein Rest, so ist entweder 0
oder 9 weggestrichen worden. Z.B., jemand wählt die Zahl
187 (die er aber weder nennt, noch sehen läßt) und sollte
fie mit 72 multiplizieren, wodurch 13464 zum Produkte
erhalten wird. Aus diesem streiche man zum Erraten die 3
hinweg und gebe die übrigen Ziffern des Facits wie folgt
an: 1, 4, 4 und 6; diese vier Ziffern addiert man heim
lich für sich zusammen, wodurch man 15 erhält; diese durch
9 dividiert, bleiben 6, und dieser fehlt noch 3 an Neun,
folglich ist auch 3 die weggestrichene Ziffer.

9. Vondrei auf den Tisch nebeneinander gelegten Geldstücken


das mittlere aus der Mitte zu bringen, ohne dasselbe anzu
rühren.

Man legt die drei Geldstücke auf den Tisch nebenein


ander, wie z. B.:
(O) (O) (O
Nun gibt man der Gesellschaft auf, das mittelte aus
der Mitte zu bringen, ohne es zu berühren.
Wörtlich genommen, wird jeder dies für rein unmög
lich halten; man löst aber das Rätsel, indem man das erste
Geldstück neben das dritte legt, wodurch natürlich das zweite
nicht mehr das mittelste, sondern das erste ist und das dritte
zum mittelsten Geldstücke wird.

10. Das Meffen mit dem Metermaß.

Man reicht, womöglich, einem Kaufmanne in der Ge


sellschaft mehrere Meter Band, mitdem Ersuchen, ein Drittel
und ein halb Drittel Meter von dem Bande abzumeffen.
– 193 –

Sobald der Meffende dies auszuführen bemüht ist,


lacht man ihn aus; denn "3 und "2 Drittel macht zusam
men gerade einen halben Meter, weil "2 Drittel = "g,
und "3 = 's ist, "6 und "g aber zusammen "g oder
"2 geben.

11. Die Gänsehirtin.

Ein Mädchen hütete Gänse auf der Wiese, und als


ein Vorübergehender sie um die Zahl derselben befrug, ant
wortete sie: ich habe deren soviel, daß, wenn ich noch ein
mal soviel, und noch einhalbmal soviel, und noch den vier
ten Teil soviel, und auch noch die Gans hätte, welche die
gebrütet hat, es gerade hundert sein würden. Wieviel Gänse
hatte sie?

Auflösung.
Man nimmt an, sie hatte . . . . . . 36
dann noch einmal soviel . . . . . . 36
und die Hälfte . . . . . . . . . 18
und ein Viertel . . . . . . . . . 9
und die Gans, welche die andern gebrütet hat 1
macht 100.

12. Auf neun Karten, welche in drei Reihen, jede zu drei


Karten, untereinander liegen, noch drei Karten so zu legen,
daß man in jeder Reihe und von allen Seiten vier Karten
zählen kann.

Auflösung. Lege auf das zweite oder mittlere Blatt


der obersten Reihe, ferner auf das erste Blatt der zweiten
Horizontalreihe, und auf das dritte oder hinterste Blatt zur
Rechten der untersten Horizontalreihe eine Karte, so ist dem
Verlangen. Genüge geleistet.
Leischner, Zauberkunst. 13
– 194 –

13. Die Summe mehrerer Zahlen, die man noch nicht ein
mal kennt, dennoch im voraus zu bestimmen.

Man zeigt einer Person folgendes Quadrat:

1 9 9 9 9 8
und ersucht sie, zwei Reihen davon mit beliebigen Zahlen
auszufüllen, worauf man sich erbietet, die übrigen beiden
Reihen schnell mit Zahlen auszufüllen, die, wenn sie sämt
lich addiert werden, die Summe geben, welche man im voraus
bestimmt hat. Angenommen, die Person jetzt in die erste
und dritte Reihe folgende Zahlen:
3 7 2 1 (0

6 5 8 4 9

Es ist nichts leichter, als das Produkt herbeizuführen,


wenn man sich nur merkt, daß zwei Reihen Nummern ge
nau das Produkt ergeben. Z. B.:
9 9 9 9 9
9 9 9 9 9
1 9 9 9 9 8.

Hieraus erfolgt, daß man in die zwei leeren Reihen nur


Zahlen setzen darf, welche mit den von der Person gewähl
ten Zahlen zusammen 9 ausmachen. Z.B.:
3 7 2 1 (0
6 2 7 8 9
6 5 8 4 9
3 4 1 5 0
1 9 9 9 9 8.
– 195 –

14. Eine insgeheim weggestrichene Ziffer aus dem Reste


zweier Zahlen zu erraten.

Von zwei verschiedenen beliebig mehrziffrigen Zahlen,


wovon aber jede aus denselben Ziffern, wie die andere, be
steht, laffe man die kleinere von der größeren abziehen und
aus dem hier bleibenden Reste dann irgend eine zu erratende
Ziffer hinwegstreichen, sich sodann aber die übrigen Ziffern
des Restes in beliebiger Ordnung angeben, so wird das an
9. Fehlende des Restes, welcher übrig bleibt, so oft man 9
von der Summe der angegebenen Ziffern hinwegläßt, die
zu erratende hinweggestrichene Zahl sein. Z. B.: Jemand
habe die Zahl 300091 heimlich vor sich hingeschrieben und
ziehe von dieser die, aus denselben Ziffern (nur in einer
andern Ordnung aufeinander folgend) bestehende kleinere
Zahl 190003 ab, oder er ziehe die Zahl 300091 von der
größern, aber immer noch aus denselben Ziffern bestehenden
Zahl 900031 ab, also
im ersten Falle: im zweiten Falle:
Z00091 900031
ab 190003 ab 300091

Rest = 110088 Rest =599940


und streiche im ersten Reste die vorletzte 8, im zweiten aber
die 4 als zu erratende Zahl durch und sage, es bleiben
vom Reste der Ziffern 0, 0, 8, 1 und 1 (oder beim Reste
des zweiten Falles der Ziffern 9, 0, 9, 9 und 5) übrig,
welche Zahl ist nun als zu erratende weggestrichen worden:

Auflösung.
Da 0– 0 – 1 – 8 – 1 = 10, und bei 10, wenn
man 9 von ihr wegläßt, 1 übrig bleibt, zu dieser 1 aber 8
addiert werden müffen, wenn man 9 erhalten will, so folgt,
daß die an 9 fehlende 8 die zu erratende weggestrichene
Zahl ist.
Ebenso schließt man bei den übrigen einzeln angegebe
nen Ziffern des zweiten Restes, nämlich: 9 – 0–9–9
13%
– 196 –

–5 gibt 32, und da bei derselben 5 übrig bleiben, wenn


man von ihr möglichst oft 9 hinwegläßt oder 32 durch 9
dividiert, so muß auch 9 weniger 5, d.i. 4, die zu erratende
weggestrichene Zahl sein.
Beträgt aber die Summe der einzelnen angegebenen
Ziffern eines Restes = 9, oder ein Mehrfaches derselben,
z.B. 18, 27, 36,45 u. j.f, so ist dies ein sicheres Zeichen,
daß die zum Erraten hinweggestrichene Ziffer entweder eine
9 oder eine 0 war.

15. Merkwürdige Eigenschaften der Zahlen 37 und 73

Wenn man 37 mit den Zahlen folgender arithmetischen


Progression 3, 6, 9, 12, 15, 18, 21, 24 und 27 multi
pliziert, so erhält man jederzeit ein Produkt, das aus drei
gleichen Zahlen besteht, z. B.:
37 37 37 37 37 37 37 37 37
3 6 9 12 15 18 21 24 27
111 222 333 444 555 666 777 888 999.

Multipliziert man diese Zahlen mit 73, so erhält man


Produkte, die sich umgekehrt mit 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1
endigen;denn 73 >< 3 = 219; 73 >< 6 =438; 73 >< 9
= 657 u.f.f.

16. Mit jedem durch wechselseitiges Hinzuzählen zu einer


Zahl immer zuerst 100 als Summe zu erhalten.

Dieses interessante Stück wird dadurch ausgeführt, daß


man z. B. von 1 zu zählen anfängt, und zur jedesmaligen
Summe des andern soviel hinzuzählt, daß man der Reihe
nach immer die Zahlen: 12, 23, 34, 45, 56, 67, 78 und
89 zur Summe erhält; wobei es dann einerlei ist, wer von
beiden mit Zählen anfängt. Bedingung aber ist, daß nie
eine Bruchzahl, noch mehr aber als 10 zur Summe des
andern addiert werden darf.
– 197 –

17. Das Erraten der Augen von drei Würfeln.

Man läßt eine Person einen Wurf mit 3 Würfeln auf


den Tisch thun und ersucht sie sodann, die Würfel in gleicher
Linie nebeneinander zu stellen. Angenommen, die Person
stelle die Würfel in folgender Ordnung nebeneinander:
1ter 2ter 3ter
Würfel
-*-----T
4 6 2

Man verfährt nun also: Die Points des ersten Wür


fels läßt man verdoppeln, also 4 >< 2 . . 8
Dann noch 5 hinzufügen . . . 5
13
Das Produkt multipliziert mit . . . . . . . 5
65
Zu diesem Facit die Zahl des mittelsten Würfels
hinzufügen - - - - - - - - -

71
Diese Summe ersucht man zu multiplizieren mit . 10
710)
Zu diesem Produkt läßt man die Zahl der Points
des dritten Würfels setzen . . . . . . -

Total . . . 712
Das Total, was nun nach dieser Berechnung ent
fanden ist, läßt man sich nennen und zieht ins
geheim davon ab . . . - - 250
bleibt . . . 462
Die dreiZahlen dieser Summe stehen nun in derselben
Ordnung, als die Würfel und geben die Points richtig an.

18. Die Entdeckung des Ringes.

Zur Ausführung dieses sehr interessanten Kunststückes


läßt man die Personen einer Gesellschaft sich in eine Reihe
setzen. Hierauf nimmt eine von ihnen einen Ring und steckt
– 198 –

ihn an ein beliebiges Glied eines Fingers der rechten oder


der linken Hand. Durch folgende Berechnung errät man
nun das Glied, den Finger, die Hand und die Person,
welche den Ring angesteckt hat.
Angenommen, die dritte Person in der Reihe habe
den Ring an das zweite Gelenk des Daumens (erster Finger)
der linken (zweiten) Hand gesteckt.
Sowie man nun aus dem Zimmer tritt, aus welchem
man sich entfernt hatte, um die Gesellschaft zur Versteckung
des Ringes allein zu laffen, fordert man jemanden auf, den
Rang der Person zu verdoppeln, also
3te Person . . . . . . . . . . . . . . 6
Zu dieser Zahl wird 5 addiert . . . . . . 5
11
Das Facit multipliziert mit . . . . . . . 5
55
Dazu kommt noch 10 und die Zahl der Hand, näm
lich die zweite Hand, also . . . . . . 12
67
Das nun herausgekommene Produkt läßt man multi
plizieren mit . . . . . . . . . . . 10
670
Hierzu die Zahl des Fingers gerechnet . . . . 1
671
Wieder multipliziert mit . . . . . . . . 10
6710
Hierzu noch die Zahl des Gelenkes gerechnet . . 2
6712
Und zuletzt noch 35 hinzugefügt . . . . . . 35
Total . . . 6747
Die Totalsumme verlangt man nun und zieht in Ge
danken 3535 davon ab - . 3535
bleibt . . T3212
Die vier Zahlen, aus denen diese Summe besteht, geben
nun auf eine ebenso richtige als erstaunende Art die Auf
– 199 –

lösung, nämlich: die erste Zahl3 bedeutetdie dritte Person;


die zweite Zahl 2 bezeichnet die zweite oder linke Hand, die
dritte Zahl 1 bezeichnet den Daumen als den ersten Finger
und die vierte Zahl 2 gibt endlich auch das zweite Glied
an, an welchem der Ring steckt.

19. Eine ungerade Anzahl Rechenpfennige zu erraten.

Man läßt die ungerade Anzahl Rechenpfernige (oder


auch die gemerkte ungerade Zahl) mit 3 multiplizieren, wo
durch wieder eine ungerade Zahl zum Produkte erhalten
wird, zu dem man nun noch 1 addieren und von dieser
Summe jetzt die Hälfte nehmen läßt. Diese Hälfte läßt
man wiederum mit 3 multiplizieren; das hierdurch erhaltene
Facit aber durch 9 dividieren. Den fich ergebenden Quotien
ten läßt man sich nennen, multipliziert ihn im stillen mit
2 und addiert zum erhaltenen Produkte noch 1, weil eine
ungerade Zahl gewählt wurde; und so erfährt man die zu
erratende ungerade Zahl.
Gesetzt, jemand habe 13 (z.B. Rechenpfennige)gewählt,
fo ist die ganze Prozedur folgende: 13 mal 3 ist 39,
hierzu 1 addiert, gibt 40, wovon die Hälfte (d. h. durch 2
dividiert) 20 ist; diese 3 mal genommen, also 20 mal 3
= 60, welche durch 9 dividiert: "% oder 6 zum Quotien
ten gibt und noch einen Rest läßt. Den Quotienten 6 dop
pelt genommen und zum Facit noch 1 addiert, gibt hier
6 – 6 – 1 = 13, welches die gewählte Zahl (Rechen
pfennige) ist.

20. Drei unter drei Personen verteilte Gegenstände zu


erraten.

1) Man legt auf eine Tafel eine Uhr, eine Dose und
einen Ring und benennt diese Gegenstände: erstes, zweites
und drittes Stück. (Jedoch in Gedanken für sich.)
– 200 –

2) Man wählt nun aus der Gesellschaft dreiPersonen,


die man mit: erste, zweite und dritte Person bezeichnet.
Der ersten gibt man ein Kartenblatt, der zweiten zwei
und der dritten drei Kartenblätter.
3) Man entfernt sich nun und sagt, daß jede von den
drei Personen sich einen von den Gegenständen nach Belie
ben wählen und einstecken solle.
4) Wenn dies geschehen ist, legt man 18 Kartenblätter
auf den Tisch und bemerkt, daß jede Person sich eine be
stimmte Anzahl davon nehmen soll, und zwar so, daß die
Person, welche die Uhr hat, ebenso viele zu fich nimmt, als
fie schon erhielt, diejenige aber, welche den zweiten Gegen
stand hat, zweimal so viele Kartenblätter als fiel empfing,
und die, welche den Ring besitzt, viermal soviel, als sie
vorher empfing.
5) Nachdem dies geschehen ist, fragt man, wieviel Kar
ten noch auf dem Tische zurückbleiben (es können dieses nach
Umständen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 sein).
6) Hierauf bedient man sich folgender Namen und der
darunter stehenden Zahlen, die man sämtlich auswendig
wiffen muß.
Agnes. Eva. Marie. Emil. Ida. Minna.
1. 2. 3. 5. 6. 7.
Die erste Silbe jedes Namens bedeutet die erste Person,
welcher man eine Karte gegeben hat, die zweite Person,
welcher man zwei gab, wird durch die zweite Silbe be
zeichnet.
Die drei Selbstlauter a, e, i, die abwechselnd in der
ersten oder zweiten Silbe dieser Wörter enthalten sind, be
zeichnen den ersten, den zweiten oder den dritten Gegenstand,
und die Zahlen, welche unter den Namen stehen, deuten das
Wort an, welches man (nach der verschiedenen Zahl der
Karten, die auf dem Tische bleiben) nehmen muß.
Beispiel.
Angenommen, es bleiben zwei Karten auf dem Tische.
Das zweite Wort, Eva, enthält in seiner ersten Silbe den
Selbstlauter e. Die erste Silbe bedeutet die erste Person
– 201 –

und der Selbstlauter e bedeutet den zweiten Gegenstand.


Die erste Person hat also die Dose.
Der Selbstlauter a ist in der zweiten Silbe enthalten,
folglich hat die zweite Person (welche durch die zweite Silbe
bezeichnet wird und welcher man zwei Karten gegeben hat)
den ersten Gegenstand, die Uhr.
Nach denselben Regeln wird der Name mit der Zahl 5
(wenn 5 Karten bleiben) anzeigen, daß die erste Person den
zweiten, durch den Selbstlauter e bezeichneten und daß die
zweite Person den dritten, durch den Selbstlauter i bezeichne
ten Gegenstand besitzen muß.

21. Jemand, der gern 13 Armen Almosen geben wollte, hat


nur 12 Mark bei sich, will aber jedem eine Mark geben,
ausgenommen einem, der noch im stande ist, zu arbeiten; doch
foll es das Ansehen haben, als ob derselbe nur von ungefähr
nichts bekommen hätte.
Man läßt die 13 Armen in einen Kreis treten und
stellt es ihnen frei, wie sie sich selbst rangieren wollen; wor
auf man die 12 Mark so unter fiel austeilt, daß man immer
von einer Seite fort bei dem ersten anfängt und von da
bis zum neunten zählt, diesen aus dem Kreise treten läßt
und ihm dann die Markgibt. So wird es sich finden, daß
der elfte, von demjenigen an gerechnet, bei welchem man zu
zählen angefangen hat, der letzte sein und somit nichts er
halten wird.
Wären es aber nur 12 Arme gewesen, unter welche
man 11 Mark austeilen wollte, so müßte man bei dem
jenigen zu zählen anfangen, der vor demjenigen steht, den
man gern von der Gabe ausschließen will.

22. Das mit Diamanten besetzte Kreuz.

Der Prior eines reichen spanischen Klosters besaß ein


mit kostbaren Brillanten besetztes Kreuz, wovon jeder Stein
– 202 –

mehr als tausend Piafter wert war. Durch Länge der Zeit
und steten Gebrauch waren die Steine in der Faffung locker
geworden, weshalb der Prior das Kreuz einem Juwelier
zur Reparatur und neuen Faffung übergab. Bevor er es
demselben aber einhändigte, machte er ihn darauf aufmerk
jam, daß die Zahl der Steine jedesmal 18 betrage, man
möchte nun die mittelste Reihe von oben herunter, oder links
und rechts, die Querarme mit gerechnet, heraufzählen,
nämlich:

26 a

2 % % % % % R; + 2 x 2 %

d)
Nach diesem Ordnungsverhältniffe versprach der Juwe
lier, das Kreuz wieder, aufs eleganteste und dauerhafteste
gefaßt, richtig abzuliefern, was auch nach 14 Tagen geschah.
Der "Prior zählte die Steine nach seiner Methode und fand
sie nach derselben alle wieder beisammen. Demungeachtet
aber hatte der listige Juwelier den geistlichen Herrn betro
gen, indem er die zwei Steine bei b und c (also zusammen
vier Steine) entwendete und dafür die beiden obersten Steine
– 203 –

bei a herunter nach d fetzte, wodurch das Kreuz nachstehende


Form bekam, nach welcher der Prior gleichfalls von unten
und von beiden Seiten nach unten 18 Steine wieder fand
und somit nichts Arges vermutete, nämlich:
%

%, 25 % % - 3 %

%
(Die beiden Steine von oben
bei a.)

23. Einen runden Kuchen mit drei Schnitten in acht Teile


zu zerschneiden.
Setze das scharfe Meffer bei h, Fig. 61.
Fig. 61, ein und schneide in einem
Zuge den Kreis hefgh völligdurch;
hierauf schneide mit einem einzigen
Zuge von a bis b und endlich von
c bis d den Kuchen mitten durch, so
wird man mit drei Schnitten die
Stücke 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 und 8
erhalten.
– 204 –

24. Die beiden Husaren als Rechenmeister.

Zwei französische Husaren nahmen einen feindlichen


Offizier gefangen, bei dem sie eine Börse, mit Dukaten ge
füllt, fanden. Ueber den Besitz derselben erhob sich ein
Streit zwischen beiden, worauf der erste Husar dem zweiten
den Vorschlag that: wenn er im stande sei, ohne irgend eine
auf die Anzahl dieser Dukaten sich beziehende Frage an ihn
zu thun, zu berechnen, wie viele Dukaten in der Börse
wären, so wolle er sie ihm gänzlich abtreten. Der zweite
Husar war zu dieser Aufgabe bereit und löste die folgender
maßen: Er ließ seinen Kamerad die Dukaten zählen; es
waren 140 Stück.
Zu der vorgefundenen Zahl mußte er 6526 hinzurechnen.
140
6526
6666
Dann die hier erhaltene Summe von 10000 abziehen,
also:
10000
6666
3334
und das erhaltene Facit wieder von der Summe 3474
abziehen! - 3334
140.
Der hier erhaltene Rest ist die Anzahl der Dukaten.

25. Dreißig desertierte Soldaten, wovon fünfzehn gestraft


werden sollen, so zu stellen, daß man diejenigen fünfzehn von
ihnen retten könne, denen man Gnade erweisen will, indem
man sie alle dreißig in einer Reihe fortzählt und immer den
neunten zur Bestrafung bestimmt.
Man muß sie nach Ordnung der Vokale des folgenden
lateinischen Verses stellen und dann auf die Ziffern wohl
acht haben, die bei einer jeden der vierzehn Silben stehen,
aus denen dieser Vers besteht, nämlich!
– 205 –

Po - pu - le - am Wir - gam Ma - ter


4 5 2 1 Z 1 1 2
re - gi - na fe - re - bat.
2 3 1 2 2 1
Hierauf stellt man zuerst vier von denen hintereinan
der, die man von der Strafe befreien will, dann fünf von
denen, die man bestrafen will, und sodann zwei von denen,
die man retten will, und so wechselsweise fort nach den
Ziffern, die oben unter den einzelnen Vokalen stehen.
Um nun die Sache auszuführen, ist noch erforderlich,
daß man obigen Vers auswendig wife und acht habe, daß
der Vokal oder Selbstlaut a die Zahl 1, der Vokal e die
Zahl 2, der Vokal i die Zahl 3, der Vokal o die Zahl 4
und der Vokal u die Zahl 5 bedeute.

26. Erstaunen erregendes Gedächtnis.

Mittels nachstehender Substitutionen für die ersten Zahl


zeichen und der folgenden Worte wird man in den Stand
gesetzt, die größte vielziffrige Zahl in wenigen Mi
nuten fehlerfrei aus dem Kopfe wieder anzuge
ben; nämlich, man merke zu dieser Absicht, daß l oder z
die 0 bezeichne; t oder d die 1; n oder v die 2; m oder
w die 3; q oder r die 4; f, s, sich und ß die 5; b oder p
die 6; f, pf, und ph die 7 (pf und ph, wenn damit irgend
ein Wort anfängt); h oder j die 8; g, k, ch oder ck die 9
und x die Zahl 95.
Hätte man nun z.B. die vorgegebene Zahl:
32538170579067734950977560)
in wenigen Minuten auswendig zu lernen, so teile man eine
solche Zahl von der linken nach der rechten Hand hin in
Klaffen von je zwei Ziffern, substituiere hierauf für jede
solche zweiziffrige Zahl, sowie für die letzte einziffrige, wie
hier aus nachstehender Tabelle, das ihr entsprechende Wort,
und bringe dann alle diese Worte durch Davor- und Da
zwischensetzen von Artikeln, Für-, Binde-, Zeit- und Eigen
jchaftswörtern (nur kein Hauptwort) nach der Menge der
– 206

Klaffen entweder in einen oder in mehrere Sätze, welche


man leicht behält, und nun in den Stand gesetzt ist, die
vorgegebene Zahl zu jederzeit vor- und rückwärts anzu
geben, zu welcher Absicht man nur in Gedanken bei jedem
Hauptworte des Satzes einen Augenblick zu verweilen braucht,
um dann die ersten beiden Konsonanten desselben in ihrer
Zifferbedeutung anzugeben.

Tabelle zum Zahlenmemorieren.


00) = Alle. 18 = Thal.
01 = Zeit 19 = Tag.
02 = Zaun 20 = Vulkan.
03 = Zaum 21 = Vater.
04 = Lauer 22 = Nonne.
05 = Loos 23
06 = Laub (e) 24
07 = Zofe. 25
08 = Zahn. 26
09 = Zug. 27 Neffe.
0 = Aal. 28 Nahrung.
1 = Eid. Nagel.
2 = Neue (das) Wall.
3 = Mai. Matrose.
4 = Arie. Mantel.
5 = Asche. Mama.
6 = Bau. Markt.
7 = Pfau. = Maske.
8 = Heu. = Mappe.
9 = Eiche. Waffe.
10 = Adel. Mühe.
11 = Tüte. Magen.
12 = Tante. Ouelle.
13 = Dame. Erde.
14 = Ader. Rand.
15 = Dose. Riemen.
16 = Taube. Rarität.
17 = Taufe. Rose.
– 207

46 = Rabe. 73 = Familie.
47 = Ruf. 74 = Feuer.
48 = Ruhm. 75 = Fest.
49 = Rekrute. 76 = Fabel.
50 = Saal. 77 = Pfeffer.
51 = Saat. 78 = Fahne.
52 = Sand. 79 = Fackel.
53 = Samt. 80 = Hals.
54 = Sarg. 81 = Hut.
55 = Seffel. 82 = Hand.
56 = Säbel. 83 = Hemd.
57 = Saft. 84 = Haar.
58 = Sahne. 85 = Hase.
59 = Sage. 86 = Hobel.
60 = Ball. 87 = Hafer.
61 = Bad. 88 = Hahn.
62 = Band. 89 = Haken.
63 = Baum. 90 = Geld.
64 = Bart. 91 = Gut.
65 = Baß. 92 = Gans.
66 = Papier. 93 = Geme.
67 = Büffet. 94 = Garten.
68 = Bahn. 95 = Gaffe.
69 = Bogen. 96 = Gabel.
70 = Flasche. 97 = Kaffee.
71 = Feder. 98 = Kahn.
72 = Pfund. 99 = Kugel.
Obige Zahl in Klaffen von je zwei Ziffern abgeteilt,
gibt folgende Zahlklaffen:
32, 53, 81, 70, 57, 90, 67, 73, 49, 50, 97, 75, 60.
Nun findet man in der vorstehenden Tabelle für 32=
Mantel, 53 = Samt, 81 = Hut, 70 = Flasche, 57 =
Saft, 90 = Geld, 67 = Büffet; ferner für: 73 = Fa
milie, 49 = Rekrute, 50 = Saal, 97= Kaffee, 75 =
Fest und 60 = Ball.
Diese Worte kann man nun in folgende zwei leicht zu
behaltende Sätze bringen:
– 208 –

„Ein Mantel mit Samt besetzt, ein Hut, eine


Flasche mit Saft und einiges Geld wurden gestern aus
dem Büffet entwendet.“
„Die Familie lud den Rekruten im Saale nicht
nur zum Kaffe, sondern auchzum Feste des Balles ein.“

27. Wie kann man mit drei Geldstücken, Marken oder dergl.
zehn zählen, so daß es aufgeht, also kein Geldstück zu viel
oder zu wenig ist?
Man zähle die drei Geldstücke mit dem Zusatze: eins,
zwei, drei auf den Tisch, und wenn sie so liegen, so zeige
man mit dem Finger wieder aufdas erste und spreche dazu
„vier“; dann aufdas zweite und spreche „fünf“, jetzt auf
das dritte, mit dem Zusatze „fechs“. Hierauf hebe dies
letztere Geldstück auf, und sage dabei „fieben“; das zweite
Geldstück (also das mittlere) schiebe auf den Platz des dritten
und sage dazu „acht“; ebenso schiebe das erste Geldstück
auf die Stelle des zweiten und jage dabei „neun“; und
mit dem Zusatze „zehn“ lege man das noch in der Hand
habende Geldstück auf den Platz des ersten Geldstücks, so
ist das Verlangte geschehen.

28. Ein Maurer, 12 Gesellen und 4Handlanger hatten für


eine gewisse Zeit zusammen 184 Mark 50 Pfge. Arbeitslohn
erhalten, und zwar erhielt der Meister täglich1 Mark50Pfge..,
jeder Gesell 1 Mark 25 Pfge.. und jeder Tagelöhner 1 Mark.
Wieviel Tage hatten sie für 184 Mark 50 Pfge. gearbeitet?
Antwort. 19 Tage; denn:
Berechnung. Da der Meister täglich
1,50 Mark erhält,
die 12 Gesellen 1,25 Mark = 15 p

und die 4 Handlanger 4 „, erhalten, so


bekommen alle 17 Personen zuf. 20,50Mark.
Daher Ansatz: 20,50: 184,50 Mark = 1 Tag : x
und findet hieraus x = 9 Tage.
– 209 –

29. Ein Kapitalist zieht von seinen auf Zinsen stehenden


Kapitalien zusammen 2940 Mark jährliche Intereffen; */s fei
ner Kapitalien tragen 4 Prozent und 15 derselben bringen
5 Prozent ein. Wieviel hat er ausstehen?

Antwort: 70000 Mark; denn:


Berechnung. Die jährlichen Intereffen von
*5 seiner Kapitalien zu 4 Proz. betragen vom
Kapital . . . . . . . . . . . . . *125
und die jährlichen Zinsen von 15 seiner sämtlichen
Kapitalien zu 5 Prozent betragen . . . . . "1oo
Die jährlichen Zinsen seiner Kapitalien geben also “125 –
% oo = '12500 seiner Kapitalien = 1. Nun betragen
aber auch diese Zinsen nach den Bedingungen der Aufgabe
2940 Mark; man findet jonach den Betrag eines Gesamt
kapitals durch den
Ansatz: xMark Kapital: von einem Kap.= 1 erhält,
wenn man "12500 Mark Int.: geben 2940Mark Intereffen
und findet hieraus für x = 140 - 500 = 70000 Mark.

30. Es gab jemand ein Kapital von 5500 Mark zu 4 Pro


zent auf Zinsen, und 4/4 Jahr nachher ein anderes Kapital
von 8000 Mark zu 5 Prozent. Wenn er nun diese beiden
Kapitalien fortwährend aufZinsen stehen läßt, so fragt sich's:
in wieviel Jahren wird er von beiden gleichviel an Zinsen
einnehmen.

Antwort. In 52 Jahren, von der Zeit an ge


rechnet, wo er das zweite Kapital auslieh; denn:
Berechnung. Da die jährlichen Zinsen des ersten
Kapitals 55 >><4= 220 Mark und die des zweiten Kapi
taks 80 >< 5 = 400Mark betragen, so bringt das letztere
Kapital in einem Jahre 400 – 220= 180Mark Zins
mehr ein, als das erste in dieser Zeit. Nun wirft aber
das erste Kapital in den 42 Jahren für sich 42 >><
220Mark = 990Mark Zins ab; daher findet man hier
aus durch einen leichten Proportionssatz x= 52 Jahre.
Leischner, Zauberkunst. 14
– 210 –

31. Zu erraten, wieviel Marken oder Geldstücke jemand auf


dem Tische liegen ließ.

Man laffe zwei Reihen Marken oder dergl. auf den


Tisch legen, so aber, daß die untere Reihe weniger Stücke
enthalte, als die obere.
Es enthalte z.B. die obere 11 Stück, nämlich:
00000000000
die untere Reihe deren aber nur 7 0000000,

Nun laffe man sich sagen, wieviel Stück die untere


Reihe weniger als die obere enthalte (hier also deren nur 4);
diesen Rest merke man sich. Hierauf läßt man aus der un
teren Reihe eine beliebige Anzahl hinwegnehmen, z. B. deren
5; nachdem dies geschehen, laffe man auch aus der oberen
Reihe so viele Stücke wegnehmen, als sich deren in der un
teren Reihe noch befinden. (In vorstehendem Beispiele wür
den demnach aus der oberen Reihe nur 2 Stücke zu entfer
nen sein, weil in der unteren Reihe deren nur noch 2 übrig
find) Endlich läßt man unten alle Marken hinwegnehmen,
addiert zugleich im stillen die Zahl der zuerst aus der unte
ren Reihe hinweggenommenen zu denen, welche diese Reihe
anfangs weniger als die obere hatte, und nennt jetzt die
Summe als die Anzahl der in der oberen Reihe noch übrig
gebliebenen Marken; hier also sind es deren 4 –5 = 9
Stück,

32. Wie es ein Gastwirt, der nur zehn Betten disponibel


hat, anfangen muß, jedem von elf angesehenen, bei ihm ein
kehrenden, Fremden ein Bett allein zu geben.

In seinen, nebeneinander liegenden Zimmern befanden


sich zehn schwellende und blendend weiße Betten, von denen
wir jedes mit B bezeichnen wollen; jeden der elf eingekehr
ten Fremden aber durch F.
Damit nun der Wirt jeden seiner Gäste nach Wunsch
bedienen könne, so richtet er es, wie folgt, ein:
– 211 –

Nachdem er den ersten Fremden in das erste Bett


brachte, bat er denselben, auf ein Viertelstündchen noch einen
Fremden in einem Bette zu dulden, um unterdessen die
übrigen unterzubringen. Nachdem dies erlaubtworden, legt
er den dritten ins zweite Bett, den vierten Fremden ins
dritte Brett, den fünften Fremden ins vierte Bett, den
sechsten Fremden ins fünfte Bett, den siebenten Fremden
ins sechste Bett, den achten Fremden ins siebente Bett,
den neunten Fremden ins achte Bett, den zehnten Fremden
ins neunte Bett und den elften Fremden endlich aus dem
erften Bette ins zehnte Bett, wodurch nun der Wunsch
eines jeden Gastes erfüllt worden. Dieses Gastwirtschafts
kunststückchen steht figürlich, wie folgt:
B B B B B B
1r u. 11r F. 3r F. 4r F. 5x F. (6x F. 7r F.
B B B B
8r F. 9x F. 10x F. 11x F.

Die Täuschung liegt hier darin, daß der zweite und


elfte Gast als nur eine Person betrachtet und demgemäß
auch placiert wurde.

33. Die Anzahl der Points der von einer Person auf den
Tisch geworfenen Würfel zu erraten.

Man sagt der Person, welche die Würfel geworfen hat,


daß sie die Zahl der Points des einen Würfels verdoppeln,
dann noch 5 hinzufügen und das Facit wieder mit 5 mul
tiplizieren solle. Zu dem hierauf erfolgten Produkt läßt
man noch die Points des zweiten Würfels hinzurechnen und
sich endlich die Totalsumme nennen. Von dieser zieht man
25 ab, weil 5 davon die Wurzel ist. Hierauf bleibt eine
Summe von zwei Zahlen, welche die Points der beiden
Würfel angibt, nämlich die Zehnerzahl für die Points des
ersten Würfels.
14 %
– 212 –

Beispiel.
Angenommen, die beiden Würfel enthalten 2 – 6
Points. Von dem ersten ist das Doppelte . 4
Hinzugefügt . - - - - - - - 5
9
Multipliziert mit . . 5
45
Hierzu die Points des zweiten Würfels . . . 6
Total . . 51
Hiervon abgezogen . . . . . 25
bleibt . . 26
Die 2 find die Points des ersten und die 6 die Points
des zweiten Würfels.

34. Wenn drei Personen 21 Fäffer, worunter sieben voll,


fieben leer und sieben halb voll Wein sind, so unter sich tei
len sollen, daß jede dieser dreiPersonen ebensoviel Wein und
Fäffer erhalte, als die andere; wie muß da die Teilung
geschehen?
Die fragliche Teilung kann auf zweierlei Weise ge
fchehen, und zwar entweder durch die Zahlen 2, 2, 3 oder
3, 3, 1, welche zur Auflösung dieser Aufgabe dienen.
Mittels der Zahlen 2, 2, 3 erhält die erste Person 2
leere und 3 halbgefüllte Fäffer; ebensoviel bekommt auch
die zweite Person; für die dritte Person bleiben dann noch
ebensoviel, nämlich 3 volle, 3 leere und ein halbgefülltes
Faß übrig, denn 2 volle und 3 halbgefüllte betragen eben
falls 32 volles Faß.
Mittels der Zahlen 3, 3, 1, kann man der ersten
Person 3 volle, 3 leere und 1 halbgefülltes Faß geben;
ebensoviel der zweiten Person; die dritte Person aber
erhält dann die übrigen Fäffer, nämlich ein volles, ein lee
res und die 5 halbgefüllten, welche ebenfalls 3:2 volles
Faß enthalten; mithin erhält jede Person immer soviel als
die andere, und die Teilung ist jonach zur Genüge geschehen.
– 213 –

35. Ein Kunststück mit Zahlpfennigen.

Aus einer mitZahlpfennigen gefüllten Börse läßt man


einer Person 18 Stück nehmen; während sie dieselben zählt,
nimmt man selbst unbemerkt 6 Stück und verbirgt sie zwi
fchen dem Daumen und dem Zeigefinger. Hierauf fragt
man die Person, ob sie 18 Pfennige richtig gezählt habe?
Dann streicht man die sämtlichen, auf dem Tische liegenden,
Rechenmünzen zusammen, und benutzt diesen Augenblick, um
die 6 versteckten hinzuzuthun, und nun steckt man sie sämt
lich der Person in die Hand, so daß sie nun 24 darin hat.
Jetzt fragt man sie wieder, wieviel sie zwischen 18 und
24 Zahlpfennigen in der Hand zu haben wünsche? Wählt
fie 23, so verlangt man 1 zurück, und nun erklärt man,
daß sie jetzt nur noch 17 Stück in der Hand habe, obgleich
fie deren 23 haben wird. Dies wird um so mehr Glauben
finden, da sie in der Meinung ist, nur 18 Stück erhalten
zu haben. -

Jetzt nimmt man von den Zahlpfennigen aus der Börse


eine Handvoll und und zählt laut: 18, 19, 20, 21, 22,
23. Diese 6 Stücke streicht man zusammen und stellt sich,
als wenn man sie in die linke Hand stecke, während man
fie doch in der rechten zurückbehält, die man deshalb zu
macht und sich den Anschein gibt, als wenn man sie zu den
17 Stücken lege, wobei man die linke Hand öffnet.
Indem man aber die 6 Zahlpfennige in der rechten
Hand zurückbehält, sagt man der Person, sie solle ihre Zahl
pfennige zählen und auf den Tisch legen. Es werden die
verlangten 23 sein. Indem man diese wieder zusammen
streicht, läßt man die 6 aus der rechten Hand hinzufallen
und übergibt das Ganze in die Hand der Person, die sie
fest schließen muß. Man fragt nun abermals,wieviel Rechen
pfennige die Person zwischen 23 und 29 in der Hand zu
haben wünsche? Wählt sie z. B. 26, so verlangt man 3
zurück. Dann zählt man wieder 3 aus der Börse ab, um
26 voll zu machen und steckt diese wieder, wie das erste
Mal, zum Schein zu den übrigen und fordert die Person
auf, sie zu zählen. Wenn sich nun 26 vorfinden, so streicht
– 214 –

man sie zusammen, läßt die 3 versteckten Pfennige dazu glei


ten und schließt die Hand. Wenn die mitspielende Person
anstatt 26, wie wir hier angenommen haben, vielleicht nur
19 Stück verlangt, so fordert man natürlich, statt 3, fünf
und so allezeit soviel, als zwischen der gewünschten Zahl
und der Summe, welche die Person in der Hand hält, zu
zählen sind, zurück.

36. Acht Eimer Wein in zwei gleiche Teile mit einem Acht-,
Fünf- und Drei-Eimerfaffe, ohne weiteres Gemäß zu teilen.
Zwei Oekonomen laffen sich 8 Eimer Wein (in einem
Acht-Eimerfaffe) kommen; zuhause haben sie zufällig weiter
kein Gemäß, als ein Fünf- und ein Drei-Eimerfaß; nun
will jeder seine 4 Eimer Wein haben; wie müffen sie hier
nach die beabsichtigte Teilung vornehmen?
Auflösung.
Die Teilung in zwei gleiche Hälften (à 4Eimer) wird,
wie folgt, ausgeführt:
Bezeichnet man genannte drei Fäffer mit ihrem numeri
fchen Rauminhalt, also durch: . . . . 8, 5 u. 3;
so fülle man zuerst das Faß von 5 Eimern
aus dem von 8 Eimern voll, so erhält man . 3, 5, 0;
(0, weil in dem Faffe Nr.3 noch nichts ist);
hierauffüllt man aus dem Fünf-Eimerfaffe das
Drei-Eimerfaß voll, so hat man jetzt . . . 3, 2, 3;
Nun leert man das Drei-Eimerfaß wieder ins
Acht-Eimerfaß aus, so hat man . . . . 6, 2, 0;
sodann leert man das Fünf-Eimerfaß ins Drei
Eimerfaß aus, so wird sein . . . . 6, O, 2;
füllt nun von neuem das Fünf-Eimerfaß aus
dem Acht-Eimerfaffe voll, so ist . . . . 1, 5, 2;
jetzt wird das Drei-Eimerfaß aus dem Fünf
Eimerfaffe völlig angefüllt, also . . 1, 4, 3;
und nun endlich leert man das Drei Eimerfaß
ins Acht-Eimerfaß völlig aus, so hat man . 4, 4, 0;
und somit ist die verlangte Teilung geschehen.
– 215 –

37. Der Zahlentern.

Man nimmt 36 kleine, aus weißen Kartenblättern ge


schnittene Vierecke, auf welchen 36Zahlen von 1 bis 36 ge
schrieben sind, und bildet daraus folgende sechs Zahlenreihen
in Form eines Sterns und legt sie auf den Tisch, wie folgt:
B C
32 26
33 30
31 39
11 24
13 5
1 14
A 36 35 34 28 16 15 X 7 5 27 25 22 23 D
9 12
10 2
17 21
6 18
Z 4
19 20
F E

Nachdem die sechs Reihen AX, BX, CX, DX, EX und


FX gelegt sind, wählt man sechs Personen aus der Gesell
schaft, A, B, C, D, E, F, und fordert die erste Person A
auf, sich aus der mit AX bezeichneten Zahlenreihe eine be
liebige Zahl zu wählen und diese genau zu merken. So
läßt man auch die zweite Person B eine Zahl aus der Reihe
BX merken und so die dritte Person aus der Reihe CX,
die vierte aus DX, die fünfte aus EX und endlich die sechste
aus der Reihe FX.
Wenn dies geschehen ist, streicht man jede Zahlenreihe
einzeln zusammen und legt die sechs Zahlen, welche in der
Reihe AX gelegen hatten, so auf, daß sie im Kreise herum
zunächst an den Mittelpunkt X zu liegen kommen und so,
daß die 15 an ihrem vorigen Platze bleibt, anstatt der 1
aber in der folgenden Zahlenreihe BX die 16, anstatt der
folgenden 14 der dritten Reihe die 28, an die Stelle der
– 216 –

vorigen 7 der vierten Reihe die 34, an die Stelle der 12


in der fünften Reihe die 35 und endlich an den Platz der
vorigen 9 in der sechsten Reihe die 36 aus der vorigen
ersten Zahlenreihe zu liegen kommt, so daß die sechs Zahlen
der ersten Reihe AX in den sämtlichen sechs Zahlenreihen
liegen und die erste Zahl an X in jeder Reihe ausmachen.
Auf dieselbe Art verfährt man mit den sechs Zahlen
1, 13, 11, 31, 33, 32, welche vorher in der Reihe BX
lagen, so daß dieselben in die sechs Reihen im Kreise herum
verteilt werden und so die zweite Zahl von X aus in der
Reihe ausmachen. Ebenso verfährt man mit der dritten,
vierten, fünften und sechsten Reihe, wodurch man erhält:
B C
10 17
2 21
5 27
8 24
13 11
16 28
A 9 12 7 14 1 15 X 34 31 29 25 18 6 D
36 35
32 33
26 30
23 22
20 4
19 Z
F E

Hierauf fragt man jede von des sechs Personen, in


welcher Reihe ihre vorhin in den Sinn genommene Zahl
sich befinde? und so wird dann die von der Person A aus
der Reihe AX gemerkte Zahl in der Reihe, welche die Per
jon jetzt andeutet, die erste Zahl links an X sein.
Die von B gemerkte Zahl aus der vorigen Reihe BX
wird ferner die zweite Zahl an X in der Reihe, welche die
Person angibt, ein, und so kann man auch die Zahlen der
dritten, vierten, fünften und sechsten Person sehr leicht auf
finden. Wenn z.B. die Person A erklärt, daß sich gegen
– 217 –

wärtig ihre aus der Reihe AX gemerkte Zahl in der Reihe


EX befinde, so hat sie die Zahl 35gewählt. Diese mechani
sche Berechnung trifft stets bei allen Versuchen ein, und ist
daher eine sehr angenehme Belustigung.

38. Wenn jemand in der einen Hand eine gleiche, in der


andern aber eine ungleiche Anzahl Rechenpfennige hat, zu er
mitteln, in welcher Hand sich die gleiche und in welcher sich
die nngleiche Zahl befindet.

Man muß die Anzahl der Rechenpfennige, die sich in


der rechten Hand befinden, durch eine ungerade Zahl multi
plizieren laffen, die in der linken Hand aber durch eine ge
rade Zahl(also, z.B., durch 2, 4, 6, 8, 10 u.j.w.), und
dann fragen, ob die Summe der beiden Produkte zusammen
genommen gerade oder ungerade sei?
Ist die Summe beider Produkte eine gerade Zahl,
fo ist dies ein Zeichen, „daß die gleiche Anzahl Rechen
pfennige sich in der rechten Hand befinden“; ist jene Summe
aber ungerade, so befindet sich die gleiche oder gerade
Anzahl Rechenpfennige in der linken, die ungerade also in
der rechten Hand.

Erstes Beispiel.
Jemand halte in der rechten Hand 18, in der linken
aber 7 Rechenpfennige verborgen, so läßt man z. B. 18
mit 3, und 7 mit 2 multiplizieren, woraus die beiden Pro
dukte 54 und 14 herauskommen, deren Summe 54 und 14
= 68 eine gerade Zahl ist, folglich mußte sich auch die ge
rade Anzahl Rechenpfennige in der rechten Hand befinden,
wie es auch hier der Fall ist.

Zweites Beispiel.
Jemand halte in der rechten 7, in der linken Hand aber
18 Marken verborgen, und es würde die 7 mit 3 und die
– 218 –

18 mit 2 multipliziert, so erhält man die beiden Produkte 21


und 36, welche beide zusammen, 21 und 36, d.i. 57 zur
Summe geben, und weil 57 eine ungerade (d. h. nicht ohne
Rest durch 2 teilbare) Zahl ist, so folgt nach obigem, daß
die gerade Zahl Marken oder Rechenpfennige sich in der lin
ken Hand befinden muß, wie dem auch wirklich so war.
Diese beiden Beispiele geben zu erkennen, daßjede ge
rade Zahl, wenn sie mit einer geraden oder auch ungeraden
Zahl multipliziert wird, allemal zu ihrem Produkte wieder
eine gerade Zahl gibt; ferner, daß eine ungerade Zahl,
wenn sie mit einer geraden multipliziert wird, auch eine ge
rade Zahl zum Produkte gibt, und daß dagegen eine jede
ungerade Zahl, wenn sie wieder mit einer ungeraden
Zahl multipliziert wird, immer wieder eine ungerade Zahl
zum Produkte gibt.

39. Acht Marken auf einen achteckigen Stern zu ziehen.

Man zieht auf irgend einen Grund einen Stern von


acht Ecken, wie Fig. 62, dessen Spitzen durch die Linien
von AD, DG, GB, BE, EH, HC, DF, FA miteinander in
Verbindung stehen. Acht Stück, mit Nummern von 1 bis 8
- bezeichnete, runde Spielmarken sollen
Fig. 62. nun einzeln so an den Punkten der
“ Spitzen des Sterns an den Linien,
0 J"
welche sieman
den, daß verbinden,
allemalhingeschoben wer
mit einer Marke
an der Spitze anfängt, wo noch keine
M g Marke liegt, sie an der Linie herunter
ZT schiebt und an den Endpunkten dieser
LM FT Linien niederlegt und auf diese Art
mit allen acht Marken verfährt, bis
die letzte den Stern vollständig macht.
Diese Verrichtung, obgleich mechanisch, wird nicht von
jeder Person aus der Gesellschaftbewerkstelligtwerden können,
wenn man nicht nach folgender Ordnung verfährt.
– 219 –

Die erste Marke setzt man auf den Punkt A, schiebt


fie aufwärts nach der Spitze F und legt sie dort nieder.
Mit der zweiten Marke berührt man den Punkt D, schiebt
sie dann nach der Spitze A herunter und legt sie da nieder.
Die dritte Marke von G nach D und in D niedergelegt;
die vierte Marke von B nach G, die fünfte von E nach B,
die sechste von H nach E, die siebente von C nach H und
endlich die achte Marke in C niedergelegt.
Auf diese Art ist die Verteilung vollendet.

40. Die Nonnenlift.

Eine Aebtifin hatte 24 Nonnen unter ihrer Aufsicht,


deren Zellen in die vier Flügel der obern Klosteretage auf
solche Weise verteilt waren, daß in jedem Flügel 9Nonnen
logierten; die Aebtifin selbst aber bewohnte das Mittel
zimmer, damit sie allen ihren Nonnen stets gleich nahe war.
Die Wohnungs-Einteilung war nämlich folgende:

Z Aebtissin Z

Eines Abends bekamen aber diese guten Kinder Besuch


von vier Mönchen, die sie, des schlechten Wetters wegen,
unmöglich des Nachts wieder zurückgehen laffen konnten.
Sie entschloffen sich also, daß sie solche in dem Kloster über
Nacht bei sich behalten wollten. Sie fürchteten sich aber
doch sehr vor der, zwar etwas blinden, doch sehr genau
visitierenden Aebtissin und beratschlagten sich daher unter
– 220 –

einander, wie es möglich zu machen sei, die vier Mönche


bei sich zu behalten, worauf die schlaueste von allen es, wie
folgt, bewirkte:
Sie hatte nämlich bemerkt, daß die alte Matrone, ihres
sehr schwachen Gesichtes wegen, immer nur die Nonnen eines
jeden Flügels nach der Zahl 9 zusammenzähle, weil sie sich
auch nicht so lange jede merken konnte, bis sie durch alle
vier Flügel gekommen war. Auch war es jeder Nonne ge
stattet, sich in dem Zimmer ihrer Nachbarin, doch in dem
selben Flügel, aufzuhalten. Dieses berücksichtigte die ver
schmitzteste von ihnen, und sie that daher den Vorschlag, daß
sie sich in den Zellen anders verteilen und in jedes Mittel
zimmer eines Flügels einen der Mönche mit einlogieren
wollten, so, daß in jedem Flügel sich noch immer 9 Per
jonen finden sollten, obgleich vier Personen mehr im Kloster
sich befänden. Dieses machte die schlaue Schwester auf nach
stehende Art möglich:

5 | Aebtissin | 5

Es lief auch glücklich ab; die Aebtissin kam, wie ge


wöhnlich, zählte bei ihrer Visitation in jedem der vier Flü
gel neun Personen und ließ die Nönnchen dann in Ruhe.
Die freundliche Aufnahme der Nonnen hatte aber den
Mönchen so wohl gefallen, daß sie sich entschloffen, bis
den künftigen Abend zu bleiben und dann erst den Weg zu
ihrem Kloster wieder zurückzunehmen. Aber was geschah.
Das liebreiche Betragen der letzteren hatte wieder auf die
Nonnen einen so starken Eindruck gemacht, daß sich vier
– 221 –

Nonnen entschloffen, mit jenen nach ihrem Kloster heimlich


fortzugehen, und dieses wurde richtig vollführt.
Nun waren aber die übrigen 20 Nonnen in Verlegen
heit über die visitierende Aebtifin, damit solche die Abwesen
heit der vier fehlenden Nonnen nicht bemerken möchte. Doch
die schlaue Schwester, die schon für die erste Nacht Rat ge
schafft hatte und mit unter den ausfliegenden war, machte
auch dieses Mal die Sache folgender Gestalt möglich. Sie
brachte nämlich, wie folgende Figur darstellt, in jedes Eck
zimmer eines Flügels vier Nonnen, in jedes Mittelzimmer
aber nur eine, und hob dadurch alle Besorgnis. Die Ver
teilung war daher folgende:

1 Aebtissin 1

Die Aebtissin kam, fand in jedem Flügel, nach ihrer


Gewohnheit, neun Nummern, ungeachtet jetzt deren nur 20
im Kloster vorhanden waren, und wünschte ihnen eine gute
Nacht. Die Nonnen aber freuten sich der gelungenen List
und hintergingen von nun an ihre Beherrscherin öfter auf
gleiche Weise.

41. Der zwölfeckige arithmetische Stern.

Dieser Stern, Fig. 63, ist durch die zwölf Punkte a,


b, c, d, e,f;g, h, i, k, l, m in zwölfTeile geteilt und durch
Linien so miteinander in Verbindunggebracht, daß diese einen
– 222 –

Stern vonzwölfSpitzen bilden. Aus dem


Punkte a gehtdie Linie nach f,von da nach
l–d – i–b–g– m– e–k –c –
h zurück nach a. Es kommt nun darauf
an, die zwölfZahlen der folgenden arith
metischen Progression 2, 4, 6, 8, 10, 12,
16, 18, 20, 22, 24 so in die zwölf
Fächer der zwölf Buchstaben, welche an
den zwölf Ecken des Sternes sich be
finden, zu verteilen, daß ringsherum jederzeit die zusammen
addierten beiden Zahlen zweier nebeneinander befindlichen
Spitzen des Sterns und die beiden Zahlen der, jenen bei
den Sternspitzengegenüberstehenden, zwei Spitzen des Sterns
zusammenaddiert gleiche Summen geben. Diese eigentüm
liche Zahlenordnung wird hervorgebracht, wenn man die
2 in das Fach über a, die 4 über das Fach f, die 6 in
das Fach über 1, die 8 über den Ring d, die 10 in das
Fach über i einschreibt und sämtliche Zahlen so fort ver
teilt werden, wie hier Fig. 63 zeigt.
Mag man nun von diesen 12 Zahlen zwei neben
einander liegende nehmen,welche man will, und sie zusammen
addieren, so stimmt deren Summe jederzeit mit der Summe
der zusammenaddierten Zahlen der jenen beiden Sternspitzen
gegenüber befindlichen beiden Spitzen überein.
Z.B. die beiden Zahlen 14 und 4 von den Spitzen g
und f geben 18, ebensoviel betragen auch die beiden Zahlen
16 und 2 der beiden gegenüberstehenden Spitzen m und a.
In derselben Ordnung stimmen alle Spitzen je zwei
und zwei mit ihren Zahlen vollkommen überein.
Kennt man einmal die Ordnung der Zahlen, so findet
man sie auch sogleich wieder, wogegen eine damit unbekannte
Person nicht zu stande kommen wird.
– 223 –

42. Die Wette stets zu gewinnen, daß man von dreißig auf
den Tisch gelegten Marken immer die letzten wegzunehmen
bekomme.

Man zählt 30 Marken oder Rechenpfennige auf den


Tisch und läßt von einer zweiten Person eine beliebige An
zahl davon hinwegnehmen, oder macht den Anfang auch
selbst und nimmt einige; aber keine von beiden Personen
darf auf einmal mehr als 6 Stück nehmen. Unter dieser
Bedingung nimmt man immer eine um die andere der bei
den wettenden Personen von den 30 Marken oder Geld
stücken, bis sie alle find; wer nun von beiden die letzten
wegnimmt (worauf es von beiden Teilen abgesehen ist), hat
die Wette oder das Spiel gewonnen. Z.B.:
Man nehme von den
30 Marken . . . . 2 Stück, die zweite Person 3,
die erste Person wieder 4 „ pr pp „, 5,
r r pp pp p r py n 4,
py pr p p 3 pp py pp pp 3.

Jetzt sind noch 4 Marken übrig; diese nimmt man


also zuletzt weg und hat somit die Wette gewonnen.
Um aber jedesmal zuletzt wegnehmen zu können, merke
man folgende Regel: Man habe immer ein Auge auf die
andere Person, wieviel Stück die von den 30 Marken und
dem folgenden Reste wegnimmt, zähle diese immer zu den
selbst hinweggenommenen hinzu und richte sich dann immer
so ein, daß, sobald man Marken hinweggenommen hat, alle
weggenommenen zusammen entweder 2, 9, 16 und 23 aus
machen; denn hat man zuletzt weggenommen, und die Zahl
aller weggenommenen Marken beträgt 23, so liegen noch 7
Marken da; weil aber ausgemacht ist, daß nie mehr als
fechs Stück hinweggenommen werden dürfen, so mag nun
auch der Gegner davon hinwegnehmen, so viel wie er will,
man wird doch zuletzt, und zwar immer weniger als sieben,
hinwegzunehmen bekommen und somit die Wette oder das
Spiel gewinnen.
– 224 –

Wird man jedoch zu dieser Wette durch eine Person


aufgefordert, von welcher man leicht annehmen kann, daß sie
mit dem unbedeutenden Kunstgriffe in diesem Spiele ver
traut sein möchte, so bittet man sich nur aus, zuerst von
den 30 Marken wegnehmen zu dürfen, wo man dann, in
dem man mit 2 Stück den Anfang macht, bei einiger Auf
merksamkeit, leicht die übrigen erforderlichen Zahlen erhält,
und somit schon von vornherein die Wette gewonnen hat.
Es hat also mit diesem Stücke dieselbe Beward“aus,
wie mit dem in Nr. 16 dieser Abteilung angegebenen.

43. Die unbegreiflich scheinende und doch richtige Rechnung.

Drei Bauernmädchen gehen zusammen in die Stadt,


um Aepfel zu verkaufen. Die eine hatte deren 27, die
andere 29 und die dritte 33 Stück. Eine jede von ihnen
gibt so viele Aepfel für einen Kreuzer, als die andere, und
doch hat, als sie zuhause ihr gelöstes Geld zählen, auch jede
joviel, als die andere. Wie ist dies nun zugegangen?

Auflösung.
In ersten Hause gaben sie 3 Aepfel zu einem Wurfe
für 1 Kreuzer, und zwar die erste von ihnen 7, die zweite
8 und die dritte 10 Würfe, wofür auch jede ebenso viele
Kreuzer löste. Es behielt daher die erste noch 6, die zweite
5 und die dritte 3 Aepfel übrig. Mit diesen Resten gingen
sie ins nächste Haus und verkauften da jeden Apfel für einen
Kreuzer, folglich löste jede noch so viele Kreuzer, als sie
noch Aepfel gehabt hatte. Nun laffen wir sie ihr gelöstes
Geld zusammenrechnen:
Die erste spricht: 6 und 7 sind 13 Kreuzer; die zweite:
8 und 5 machen 13 Kreuzer, und die dritte sagt: 10 und
3 thun ebenfalls 13 Kreuzer. Also hatte eine soviel als
die andere, nämlich jede 13 Kreuzer, gelöst.
– 225 –

44. Eine ähnliche Belustigung.

Ein Landmann schickt seine drei Töchter mit Aepfeln


in die Stadt: der ersten gibt er 10, der zweiten 30 und
der dritten 50 Stück. Beim Fortgehen befiehlt er ihnen
streng an, daß ja eine jede ihre Aepfel so teuer verkaufe,
als die andere, auch jede so viel Geld dafür löse und mit
nach gute bringe, als die andere.
um des Vaters Willen zu erfüllen, richteten sie den
Verkauf, wie folgt, ein:

Auflösung.
Als sie in die Stadt kamen, gingen sie in ein Haus
und gaben 7 Aepfel für 1 Kreuzer, und zwar die erste
einmal 7 Aepfel, die zweite viermal 7 Aepfel und die
dritte siebenmal 7 Aepfel, und es löste natürlich auch
jede ebenso viele Kreuzer, nämlich die erste 1. Kr.; die
zweite für viermal 7 Aepfel 4 Kr. und die dritte für
siebenmal 7 Aepfel auch 7 Kr. Nun behielt die erste
noch 3, die zweite noch 2 und die dritte Tochter nur noch
1 Apfel übrig. Mit diesem Refe gingen sie nun in ein
zweites Haus, und bekamen daselbst glücklicherweise für
jeden Apfel noch 3 Kr.; es löste daher die erste Tochter,
welche noch 3 Aepfel hatte, dreimal 3 oder 9 Kr.; die
zweite, welche deren noch 2 hatte, demnach zweimal 3 oder
6 Kr.; und die dritte, die nur noch einen Apfel hatte, auch
nur 3 Kr. Hierauf zählen sie ihr gelöstes Geld zusammen,
wo es sich findet, daßjede von ihnen sovielwie die andere ge
löst hatte, denn die erste hatte 1 und 9, also 10 Kr.; die
zweite hatte 4 und 6, also ebenfalls 10 Kr. und die dritte
hatte 7 und 3, mithin gleichfalls 10 Kr. gelöst und somit
den Willen des Vaters erfüllt, dem sie nun froher zueilten,
als sie ihn verließen.

Leischner, Zauberkunst. 15
– 226 –

45. Einem Boten, der schon vor 10 Tagen von einem ge


wiffen Orte abgegangen war, wird aus demselben Orte und
aufdemselben Wege ein anderer nachgeschickt, um ersteren ein
zuholen. Wenn nun der erste Bote täglich 4, der zweite aber
täglich 9 Meilen zurücklegt, in wieviel Tagen wird dann der
zweite den erstern einholen?

Antwort: In 8 Tagen. …"

Berechnung: Ist der von Nr. 30 ähnlich. (S.d.)

46. Ein Hund verfolgte einen Hafen. Bevor der Hund zu


laufen anfängt, hat der Hafe schon 50Sprünge gemacht, und
dies ist ihre anfängliche Entfernung. Wenn nun der Hafe
in eben der Zeit 6 Sprünge thut, in welcher der Hund 5
Sprünge macht, und in Ansehung ihrer Größe 9 Hafensprünge
7 Hundesprüngen gleich find, so fragt sichs, in wievielSprün
gen wird der Hund den Hafen einholen?

Antwort: In 5843 Sprüngen, denn


Berechnung: *) x Hasenspr. = 1 Hundespr.
w. 5 Hdespr. = 6 Hafenspr.
Antw. "% Hafenspr.
*) x Hasenspr. =7 Hundespr.
5 Hdespr. = 6 Hasenspr.
Antw. x =8'5 Hasenspr.
Da aber, den Bedingungen der Aufgabe zufolge, 7
Hundesprünge, in Hinsicht ihrer Größe 9 Hafensprüngen
gleich gerechnet werden, so erlangtder Hund bei jedem seiner
7 Sprünge einen Vorsprung von "5 Hafensprüngen, oder,
was dasselbe ist: es gewinnt der Hund bei jedem seiner
7 Sprünge "5 Hasensprünge. Weil aber der Hase schon
einen Vorsprung von 50Sprüngen hat, und also der Hund,
um den Hafen einzuholen, 50 Hafensprünge gewinnen muß,
fo findet man die Anzahl der erforderlichen Hundesprünge
durch den
– 227 –

Anfatz: x Hundesprünge = 50Hafensprünge,


"s Hasenspr. z.gew.=7Hundespr. erf. sind.
_ 35 - 50
Also x = _ 1750
- ==== 5833 Hdespr.

47. Jemand gibt von feinen Aepfeln den dritten Teil und
noch 4 Aepfel hinweg, ohne einen zu durchschneiden; für sich
behielt er nur 1 Apfel übrig; wieviel hat er deren gehabt?

Antwort: 2, denn: Er habe x Aepfel gehabt, so


gibt er davon # – % hinweg, und behält 1 übrig, daher

– 3 – 1 = x, woraus x = 2 gefunden wird.

48. Ein Oekonom hat 2 Säcke von gleicher Länge, aber von
ungleicher Weite. In den kleineren Sack gehen 6, in den
größeren aber 24 Liter Korn. Nun will er beide auftrennen
und aus ihnen nur einen Sack machen laffen. Wieviel Liter
wird derselbe faffen?

Antwort. 54 Liter; denn:

Berechnung:
6:
6 Liter | 1 u. V = 1. Ferner 3 - 3 = 9
24 „ 4 u. V = *%. u. 9 - 6 = 54
Liter, für den Fall nämlich, daß beide Säcke eine genaue
cylindrische Form und völlig horizontal runde Böden er
halten, denn sonst würde der neue Sack sehr verkürzt wer
den, weil die Teile der Leinwand von den Böden beider
Säcke für den Boden des doppelten Sackes nicht zureichen
würden.
– 228 –

49. Sag Rechenmeister mir geschwind,


Wie man das Ganze schreibt.
Daß, wenn man ihm ein Siebentel nimmt,
Nur noch ein Achtel übrig bleibt?

Antwort. Man schreibt das aus sieben Buchstaben


bestehende Wort „Wachtel“ hin, und streicht oder löscht
davon das W hinweg, so bleibt das Wörtchen „achtel“
übrig.

50. Das Würfelspiel.

Gar viele spielen mit Würfeln, allein wenige nur ken


nen die Kombinationen derselben, und geraten dadurch in
leicht zu vermeidende Verluste, während, daß bei diesem
Spiele lediglich der Zufall walte, wähnend gerade bei gar
keinem andern sog. Hasardspiel die Unerfahrenheit ärger
ausgebeutet wird, als bei diesem. Unsern Lesern zur War
nung decken wir daher im nachfolgenden die wahren Ver
hältniffe dieses trügerischen Spieles auf, überzeugt, daß sie
nach Lesung derselben die bei öffentlichen Volksfesten, Jahr
märkten, Vogelschießen u. j.w. gestellten Netze vermeiden
werden.
Wenn man mit zwei Würfeln spielt, können sie zu
jammen 21 Zahlen bilden, oder, einzeln betrachtet, 36 ver
schiedene Kombinationen. Unter diesen 21 Würfeln sind
zunächst 6 Pasche, die nur auf eine Weise geworfen werden
können, wie die beiden 6, die beiden 5, 4, 3 u.f. w. Die
15 andern Würfe im Gegenteil können sämtlich auf zweierlei
Weise stattfinden, denn während jeder Würfel nur eine
Seite hat, durch die ein 3 und 3 zu stande kommen kann,
hat jeder zwei Seiten, um ein 5 und 4 zu bringen, näm
lich: 5 auf dem ersten Würfel und 4 auf dem zweiten,
oder umgekehrt, 4 auf dem ersten und 5 auf dem zweiten.
All diese Möglichkeiten belaufen sich auf sechsunddreißig, und
man kann daher bei ehrlichem Spiel Eins gegen Sechsund
– 229 –

dreißig auf irgend einen bestimmten Pasch, und Eins gegen


Sechs auf nur überhaupt einen Patch wetten. Man kann
auch noch mit gleicher Chance. Eins gegen Siebzehn wetten,
daß man z.B. 6 und 4 werfen wird, indem dieser Wurf
Zwei gegen Vierunddreißig für sich hat.
Ganz anders dagegen verhält es sich in betreff der
Augenzahlen, die mit den beiden Würfeln geworfen wer
den können. Die Kombination der Möglichkeiten steht im
Verhältnis der verschiedenen Seiten, die zusammen dieselbe
Zahl geben, wie man aus nachstehender Tabelle ersieht:

21 12 -

4 22 31 13
5 . . . 41 14 23 32
6 . . . 33 51 15 42 24
7 61 16 52 25 43 34
8 . . . 44 62 26 53 35
9 . . . 63 36 54 45
10 . . . 55 64 46
11 . . . 65 56

Wenn man daher mit gleicher Chance wetten will, daß


man auf den ersten Wurf 11 bringen wird, muß man Zwei
gegen Vierunddreißig einsetzen; wettet man aber, daß man
7 bringen wird, muß man Sechs gegen Dreißig oder –
was dasselbe ist – Eins gegen Fünf setzen. Von den elf
Zahlen, die mit zwei Würfeln fallen können, ist 7 die mit
telte und hat die meisten Chancen, während die andern in
demselben Verhältniffe abnehmen, als sie sich nach beiden
Seiten hin der niedersten oder höchsten Zahl nähern, die
beide nur auf eine Weise möglich find, also die vollen
Sechsunddreißig gegen sich haben.
Dieser Unterschied in der Menge der Chancen zwischen
den mittlern und den extremen Zahlen steigt in raschem
Verhältnis mit der Vermehrung der Würfel: so sind z. B.
mit drei Würfeln 216 Kombinationen möglich, unter denen
die Mittelzahlen 10 und 11 jede nicht weniger als auf 27
– 230 –

verschiedene Weisen fallen kann, also Eins gegen Acht zu


wetten steht, daß man eine dieser Zahlen werfen wird.
Steigt man nun vollends weiter bis, z.B., zu sieben Wür
feln, die 42 Zahlen in endlosen Kombinationen geben, so
wirft man fast immer die mittleren, 24 und 25, oder die
nächsten auf- und abwärts; und bei fünfundzwanzig Wür
feln kann man ohne große Gefahr Eins gegen Eins wetten,
daß man die Zahlen 86 oder 87 werfen wird. Diese Ver
hältniffe muß man wohl beachten, um sich gegen die Prella“
reien jener Jahrmarktslotterien vorzusehen, die ihre hohen
Preise – an sich ärmlich genug – auf solche Nummern
setzen, die fast nie kommen und wo der Inhaber oft Hun
derte oder Tausende gegen Eins für sich hat.
Um die Zahl der möglichen Kombinationen mehrerer
Würfel zu finden, multipliziert man 36 – die Kombina
tionen zweier Würfel – so oft mit 6, als die Würfel fich
vermehren; so geben drei Würfel 6 >< 36 Kombinationen
oder 216; vier Würfel 6><216 oder 1296 u.f. w. Sieben
Würfel haben nicht weniger als 279936 bei nur 42 ver
schiedenen Zahlen; und da die beiden Zahlen 7 und 42
natürlich nur auf eine Weise fallen können, so kann ein
solcher Lotteriehalter mit vollster Sicherheit die größten, ver
lockendsten Gewinnste auf diese beiden Zahlen, wie auf die
nächsten setzen und die Spieler mit dem Anschein größter
Ehrlichkeit ausplündern.

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