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1 Vektoren und Vektorräume

Definition: Seien a1 , . . . , an , b ∈ R. Eine Gleichung des Typs


n
a1 · x1 + . . . + a n · x n = ∑ ai · xi = b
k =1

heißt lineare Gleichung für die n Unbestimmten x1 , . . . , xn . Ist b = 0, so heißt die Gleichung homogen,
ansonsten inhomogen. Ein n−Tupel (y1 , . . . , yn ) ∈ Rn heißt Lösung dieser linearen Gleichung, falls
gilt: a1 · y1 + . . . + an · yn = b.
Beispiel: Sind (y1 , . . . , yn ) und (z1 , . . . , zn ) Lösungen der homogenen linearen Gleichung a1 x1 + . . . +
an xn = 0, so sind auch (y1 + z1 , . . . .yn + zn ) und (λy1 , . . . λyn ) für alle λ ∈ R Lösungen. (0, . . . , 0) ist
immer Lösung einer homogenen linearen Gleichung (also hat eine homogene lineare Gleichung immer
eine Lösung).
Grund: a1 (y1 + z1 ) + . . . + an (yn + zn ) = ( a1 y1 + . . . + an yn ) + ( a1 z1 + . . . + an zn ) = 0 + 0 = 0 und
a1 (λy1 ) + . . . + an (λyn ) = λ ( a1 y1 + . . . + an yn ) = λ · 0 = 0. Klarerweise ist a1 0 + . . . + an 0 = 0.
Beispiel: 1) Ist n = 2, so definiert die Gleichung ax + by = c, unter gewissen Bedingungen, eine Gerade
in der Ebene. Ist a = b = c = 0, so ist die Lösungsmenge die gesamte Ebene. Ist a = b = 0 6= c, so ist
die Lösungsmenge leer. Ist b 6= 0, so gilt y = c−bax , also die Gleichung einer nicht vertikalen Geraden.
Ist b = 0 und a 6= 0, so gilt x = ac , die Gleichung einer vertikalen Gerade durch den Punkt ( ac , 0) .
2) Ist n = 3, so definiert die Gleichung
ax + by + cz = d

eine Ebene im Raum.


Beispiel: Ist a1 x1 + . . . + an xn = b eine inhomogene lineare Gleichung, so heißt a1 x1 + . . . + an xn =
0 die zugehörige homogene lineare Gleichung. Ist (y1 , . . . , yn ) eine beliebige (spezielle) Lösung der
inhomogenen Gleichung, so gilt: Für jede beliebige Lösung (z1 , . . . , zn ) der inhomogenen Gleichung
gilt:
( z1 , . . . , z n ) = ( y1 + x1 , . . . , y n + x n )
für ( x1 , . . . , xn ) eine Lösung der zugehörigen homogenen linearen Gleichung. Auf diese Weise erhält
man alle Lösungen der inhomogenen Gleichung.
Grund: Sind ( x1 , . . . , xn ) und (y1 , . . . , yn ) zwei Lösungen der inhomogenen Gleichung, so gilt: a1 (z1 −
y1 ) + . . . + an (zn − yn ) = ( a1 z1 + . . . + an zn ) − ( a1 y1 + . . . + an yn ) = b − b = 0. Also ist ( x1 , . . . , xn ) :=
(z1 − y1 , . . . , zn − yn ) eine Lösung her homogenen Gleichung und (z1 , . . . .zn ) = ( x1 + y1 , . . . .xn + yn ).
Ist (y1 , . . . , yn ) eine Lösung der inhomogenen und ( x1 , . . . , xn ) eine Lösung der zugehörigen homoge-
nen Gleichung, so gilt:

a1 ( y1 + x1 ) + . . . + a n ( y n + x n ) = ( a1 y1 + . . . + a n y n ) + ( a1 x1 + . . . + a n x n ) = b + 0 = b

Definition: Die Menge aller (geordneten n−Tupel) reeller Zahlen (oder allgemeiner: Elemente eines
beliebigen Körpers), als Spalten geschrieben, bezeichnen wir als Vektoren:
  

 x 1 

 .. 
R =  .  | x1 , . . . , x n ∈ R
2

 x 

n

Die Elemente von R bezeichnet man, zur Unterscheidung von Vektoren, auch als Skalare. Vektorvaria-
blen schreiben wir mit einem Pfeil, z.B. ~x. Variable für Skalare sind üblicherweise (aber nicht immer)
griechische Buchstaben. Als Paare sind Vektoren genau dann gleich, wenn ihre Komponenten gleich
sind:    
x1 y1
 ..   .. 
 .  =  .  ⇔ xi = yi für alle i = 1 . . . n
xn yn

Auf ihnen ist natürlicherweise eine Addition und eine Multiplikation mit Skalaren definiert:
     
x1 y1 x1 + y1
 ..   ..  ..
 .  +  .  := 
 
. 
xn yn xn + yn

   
x1 λ · x1
λ ·  ...  :=  ... 
   
xn λ · xn

Die Axiome für einen Vektorraum lauten:


Die Vektorraumaxiome
Sei V 6= ∅ eine Menge und K ein Körper. Weiter sei + : V × V → V eine innere Verknüpfung von V
und · : K × V → V eine äußere Verknüpfung von Elementen aus K und V. V heißt ein Vektorraum
über K, wenn für alle ~u, ~v, w ~ ∈ V und alle α, β ∈ K gilt:
V1) ~v + w ~ =w ~ + ~v
V2) (~v + w ~ ) + ~u = ~v + (~ w + ~u)
V3) ∃~0 ∈ V : ~0 + ~v = ~v
V4) zu ~v ex. −~v mit ~v + (−~v) = ~0
V5) (α + β) · ~v = α · ~v + β · ~v
V6) (αβ) · ~v = α( β · ~v)
V7) α · (~v + w ~ ) = α · ~v + α · w
~
V8) 1 · ~v = ~v
Satz: Vektoren bilden mit obiger Addition und Multiplikation mit Skalaren einen Vektorraum.
   
0 − x1
Grund: ~0 :=  ...  ist das Neutralelement der Addition, −~x =  ...  das additive Inverse zu
   
0 − xn
 
x1
 .. 
~x =  . . Der Rest ergibt sich durch komponentenweises Nachrechnen.
xn
Besipiel:i) Die Menge der reellen Polynome vom Höchstgrad n ∈ N, zusammen mit den üblichen
Verknüpfungen für Polynome, bilden einen Vektorraum.
ii) Die Menge aller Funktionen f , g : D ⊂ R → R bilden mit den Verknüpfungen ( f + g)( x ) :=
f ( x ) + g( x ) und (λ f )( x ) := λ f ( x ) für alle x ∈ D und λ ∈ R einen Vektorraum.
iii) Für a, b ∈ R bilden die Funktionen f , die die Differentialgleichung

a f 0 (x) + b f (x) = 0

erfüllen, einen Vektorraum.


Lemma: Sei V ein Vektorraum. Dann ist U ⊂ V mit U 6= ∅ ein (Unter-)Vektorraum (bzgl. der gleichen
Operationen), wenn gilt:
~a − ~b ∈ U für alle ~a,~b ∈ U
Grund: Wegen U 6= ∅ gibt es ein ~x ∈ U. Dann gilt aber ~0 = ~x − ~x ∈ U und ~0 ist Neutralelement für V,
also auch für U.
Bespiel: Die Lösungen einer homogenen linearen Gleichung für n Unbestimmte bilden einen Unter-
vektorraum des Rn .
Bemerkung:1.) Sei ~v 6= ~0. Dann ist

{~a + t~v | t ∈ R} = { a − tv | t ~∈ R}

die Gerade durch ~a in Richtung ~v.


 
x1
2) Jeder Vektor  ...  läßt sich eindeutig schreiben als
 
xn
   
  1 0
x1  0   .. 
 ..  . 
 .  = x1 ·  ..  + . . . + xn · 
  

 .   0 
b
0 1

0
 
 .. 
 . 
 0 
 
Die Vektoren ~ei :=  1  heißen auch die kanonischen (natürlichen) Basisvektoren von Rn .
 
 0 
 
 . 
 .. 
0
3) Sind im R k punktförmige Massen m1 , . . . , mk an den Positionen ~x1 , . . . , ~xk lokalisiert, so ist der
n

Schwerpunkt definiert als:


m1~x1 + . . . + mk~xk
m1 + . . . + m k
4) Einn Ausdruck der Form
λ1~x1 + . . . + λk~xk
mit ~xi ∈ Rn und λi ∈ R für i = 1 . . . k nennt man auch eine Linearkombination der Vektoren ~x1 , . . . , ~xk
 
x1
Definition: 1.) Die Länge eines Vektors ~x =  ...  ist definiert als:
 
x2
q
|~x | := x12 + . . . + xn2 ∈ R≥0

2.) Der Abstand zweier Vektoren ~x und ~y ist definiert als


|~x − ~y|

3.) Ein Vektor ~x mit |~x | = 1 heißt Einheitsvektor


Unmittelbare Ergebnisse:
~x = ~0 ⇔ |~x | = 0
q q √
|λ~x | = (λx1 ) + . . . + (λxn ) = λ2 ( x12 + . . . + xn2 ) = λ2 |~x | = |λ||~x |
2 2

~x
Für ~x 6= ~0 ist |~x |
ein Einheitsvektor, denn | |~~xx| | = | |~1x| ~x | = 1
|~x |
|~x | =1
~x +~y
Bemerkung : Für Vektoren ~x und ~y ist 2 der Mittelpunkt
Grund: |
~x +~y
2 − ~x | = | ~y−~
x
2 | = |−
~x −~y ~x −~y ~x +~y
2 | = | 2 | = | 2 −~ y|