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Universität Zenica

Philosophische Fakultät

Abteilung für deutsche Sprache und Literatur

Kultur der deutschen Postmoderne

Wintersemester 2017/18

SEMINARARBEIT

Nach den Kriegen

Dagmar Leupold

Inhalsverzeichnis

0. Einleitung................................................................................................................................. 1
1. Die Autorin .............................................................................................................................. 2
2. Postmoderne ............................................................................................................................ 3
3. Nach den Kriegen .................................................................................................................... 4
4. Rudolf Leupold ........................................................................................................................ 7
5. Die Schlussfolgerung ............................................................................................................... 8

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6. Literaturverzeichnis ................................................................................................................. 9
7. Quellenverzeichnis ................................................................................................................ 10

0. Einleitung

Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Roman „Nach den Kriegen“ von Dagmar Leupold. Das
Ziel dieser Seminararbeit ist es, den Roman zu interpretieren, den Lebenslauf von Autorin
Dagmar Leupold näher zu beschreiben und andere theoretische Grundlagen, die im
Zusammenhang mit diesem Roman und Autor stehen, vorzuführen.

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Dagmar Leupold gibt ihrem Buch „Nach den Kriegen“ den Untertitel „Roman eines Lebens“.
Damit verbirgt sie, dass es sich eigentlich um ein Sachbuch in eigener Sache handelt. Romanhaft
daran ist allenfalls die Wirklichkeit selbst, die sich immer wieder zu verflüchtigen droht.
Ausgelöst wird die Auseinandersetzung mit dem Vater durch dessen Tod.

Im ersten und eindrucksvollsten Kapitel beschreibt sie ihren letzten Besuch bei ihm im
Krankenhaus.

Da liegt ein Fremder hilflos im Bett, kaum noch in der Lage, eine Erdbeere zu essen. Staunend
beobachtet die aus New York angereiste Tochter diesen kreatürlichen Verfallsprozess. Das
Sterben ist eine Konfrontation mit der Natur. Der Vater: ein Lebensrest.

"Es gibt ein Erzählen, das darauf abzielt, den Zuhörer von der berichteten Erfahrung
auszuschließen, statt ihn daran teilnehmen zu lassen." Mit diesem Satz leitet Dagmar Leupold
den zweiten Teil ihres Romans ein, in dem sie sich nach der Beerdigung als "nachgelassene
Tochter" den Tagebüchern des Vaters widmet: Klarheit, vom Ende her.

1. Die Autorin

Dagmar Leupold, 1955 geboren, studierte Germanistik, Philosophie und Altphilologie in


Marburg und Tübingen sowie Komparatistik in New York, wo sie auch promovierte. Sie
veröffentlichte mehrere Gedichtbände und Romane. Die Autorin wurde mit zahlreichen Preisen

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ausgezeichnet, darunter der Aspekte-Literaturpreis, der Bayrische Literaturförderpreis und der
Montblanc-Preis. Dagmar Leupold lebt in Kirchseeon bei München

2. Postmoderne

Die Postmoderne in der Literatur bezeichnet eine Strömung der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts, die die Epoche der Moderne ablöst. Der Begriff "Postmoderne" ist in Bezug auf
seine zeitliche Ansetzung und seine Inhalte umstritten, denn eine tatsächliche postmoderne
Theorie existiert nicht. Die Autoren sind nicht miteinander durch Gruppierung oder Programm
verbunden.Nach der Nazizeit, dem Zweiten Weltkrieg und später nach dem Mauerfall haben die
postmodernen Schriftsteller das Gefühl, dass die Menschen einen Sinnverlust erleiden.

Bedeutende Vertreter der Postmoderne sind unter anderen Patrick Süskind, Umberto Eco,
Bernhard Schlink, Friedrich Dürrenmatt, Peter Stamm, Robert Scheider, Max Frisch und
Christian Kracht.

Merkmale

 Sinnlosigkeit, Pessimismus
 Betonung der subjektiven Wahrnehmung
 Suche nach der eigenen Identität

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 Steuernder Erzähler
 Effektvolle sprachliche Gestaltung
 Parodistischer Umgang mit Vorbildern und Mustern
 Hybridcharakter (Stilmischungen)
 Irrealismus
 Mehrfachcodierung (Vielfalt der Möglichkeiten, einen Text zu lesen)
 Intertextualität/Anspielungen und Zitate
 Unzuverlässiges Erzählen

Wichtige Werke

Der Richter und sein Henker (1950)

Der Besuch der alten Dame (1956)

Homo faber (1957 - Zwischen Moderne und Postmoderne)

Die Physiker (1962)

Das Parfum (1985)

Schlafes Bruder (1992)

Faserland (1995)

Agnes (1998)

Die Vermessung der Welt (2005)

3. Nach den Kriegen

In ihrem autobiographisch gefärbten Roman "Nach den Kriegen" macht sich die Schriftstellerin
Dagmar Leupold fast zwanzig Jahre nach dem Tod ihres Vaters auf die Suche nach seiner
Vergangenheit. Rudolf Leupold, der 1986 als pensionierter Studienrat für Mathematik und

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Physik in Mainz verstarb, war 1913 im schlesischen Bielitz zur Welt gekommen, und sowohl
sein Geburtsort als auch die "Narben der Einschüsse", die die Tochter im Krankenhaus zum
letzten Mal betrachtet, führen zurück in die Nazi-Zeit.

Zunächst geht es in diesem "Roman eines Lebens" allerdings um den Alltag der Familie in den
fünfziger und sechziger Jahren. In knapper und angenehm distanzierter Prosa erinnert sich die
1955 geborene Dagmar Leupold an das "heikle Zusammenleben", das vor allem durch die
Wutausbrüche des Vaters bestimmt ist. Während der gemeinsamen Mahlzeiten schimpft er auf
unfähige Kollegen und Vorgesetzte, zieht sich am Nachmittag stundenlang zurück, um der
Mutter durch einen dichten Schleier von Zigarettenrauch hindurch Briefe, Beschwerden und
ganze Bücher zu diktieren, und verbringt seine schlaflosen Nächte damit, die knarrenden
Treppen auf und ab zu laufen, bis er schließlich erschöpft am Küchentisch zusammenbricht: "Die
Finger nikotingelb, vor ihm der volle Aschenbecher, die Schachtel HB, die Tasse Kaffee,
Zuckerreste am Boden."

Die Jahre des Wirtschaftswunders vergehen in einer Mischung aus "Bausparen und schlechter
Laune". Weder das Eigenheim noch die teuren, auf Raten gekauften Möbel können die
Verletzungen aufwiegen, die der Vater als Invalide und Heimatvertriebener glaubt erfahren zu
haben. "Angriffe, Lazarette, Schußwunden und Schlesien" stehen darum immer wieder im
Mittelpunkt seiner endlosen, verbitterten Monologe, und dieses Übermaß der väterlichen
Erinnerung läßt die Tochter Jahre später mißtrauisch werden: "Es gibt ein Erzählen, das darauf
abzielt, den Zuhörer von der berichteten Erfahrung auszuschließen, statt ihn daran teilnehmen zu
lassen." Mit diesem Satz leitet Dagmar Leupold den zweiten Teil ihres Romans ein, in dem sie
sich nach der Beerdigung als "nachgelassene Tochter" den Tagebüchern des Vaters widmet:
Klarheit, vom Ende her.

Es warten unangenehme Entdeckungen auf sie. Der Vater, der sich in den sechziger Jahren als
notorischer Querulant mit seinen Sympathien für die studentische Linke brüstete und Willy
Brandt wählte, war 1935 in seiner Heimatstadt Bielsko in die völkisch ausgerichtete
"Jungdeutsche Partei für Polen" eingetreten. Nach dem Überfall auf Polen tritt er in den Dienst

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der Verwaltung und nimmt im Generalgouvernement die Stelle eines "kommissarischen
Kreisschulrates" an. "Ich sehne mich nach der Führung über Menschen", vertraut er kurz vor
seiner Einberufung in die Wehrmacht seinem Tagebuch an. "Wie kann ein kluger, gebildeter
Mann so verblendet sein", fragt sich Dagmar Leupold bei der Lektüre, "daß er Krieg und
Völkermord nicht mit einem einzigen kritischen Wort kommentiert, sondern diese als eine
Wegbereitung wahrnimmt, die ihm das Erreichen seiner ehrgeizigen Ziele wesentlich
erleichtert?"

Auf der Suche nach einer Antwort auf diese bereits etwas umständlich formulierte Frage
verwandelt sich "Nach den Kriegen" von einem Roman mehr oder weniger in eine
literaturwissenschaftliche Seminararbeit mit hohem Betroffenheitsfaktor. Die schockierende
Erkenntnis, daß die endlosen Erzählungen am Eßtisch die Wirklichkeit nicht nur beschönigten,
sondern "nahezu fiktiv" waren, hat die studierte Germanistin Dagmar Leupold dazu verführt,
sich ihrem Vater mit den Mitteln der Textkritik und des historischen Kommentars zu nähern. So
ist zwischen abstrakten akademischen Formulierungen und verschachtelten Sätzen schon bald
nichts mehr von dem schlichten und schönen Tonfall zu hören, mit dem der Roman zunächst so
vielversprechend begonnen hatte, und darüber hinaus finden sich nun auch so sonderbare
Stilblüten wie die Bemerkung hinsichtlich der "Masterpoints", die der Vater während seines
Fronteinsatzes im übertragenen Sinne gesammelt haben soll.

"Nach den Kriegen" scheitert jedoch nicht allein an den sprachlichen Ungeschicklichkeiten,
sondern vor allem an seinen intellektuellen Anstrengungen. Akribisch spürt Dagmar Leupold in
den Aufzeichnungen ihres Vaters unter anderem Zitate aus den Tagebüchern von Ernst Jünger
und später auch aus Gottfried Benns Sammlung "Der Ptolemäer" auf und versucht nachzuweisen,
daß auch "R. L.", wie sie ihn jetzt nur noch nennt, gegenüber dem "Dritten Reich" keine
Stellung, sondern nur eine Pose eingenommen hat. Darüber hinaus hat sie die Forschungsliteratur

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gewälzt und führt unter anderem Christopher Brownings Wort vom "gedemütigten
Nationalismus" an, um sich die "strukturell empfundene Zurücksetzung" der Deutschen zu
erklären, für die der verlorene Krieg vor allem eine persönliche Niederlage war.

Nur ihren Vater, den sie in den ersten Kapiteln in so eindringlichen Bildern beschrieben hatte,
verliert Dagmar Leupold bei diesen immer mehr ins Allgemeine gehenden Betrachtungen aus
den Augen. Der verkrüppelte und vom Leben enttäuschte Rudolf Leupold, dem die Handgranate
eines serbischen Partisanen nicht einmal genug Finger gelassen hatte, um seine Tochter bei
einem Spaziergang an die Hand zu nehmen, wird von Seite zu Seite mehr zu einem blassen,
körperlosen Diskurs: "radikal diskontinuierlich einerseits und erschreckend kontinuierlich
andererseits". Mehr läßt sich über ihn zuletzt nicht sagen. Wenn das die Sprache der Erinnerung
ist, wird noch vieles im verborgenen bleiben.

4. Rudolf Leupold

Wer war dieser Mann? Rudolf Leupold, 1913 in der deutschsprachigen Enklave Bielitz geboren,
die 1918 polnisch wurde, spricht beide Sprachen fließend und ist mathematisch hochbegabt.
Vom Gefühl nationaler Kränkung und der Hoffnung auf Karriere getragen, hat er sich im NS-
System mehr engagiert, als die Familie zu seinen Lebzeiten ahnte.

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Der im Krieg versehrte, von Schlaflosigkeit gequälte, manchmal genialisch-charismatische, oft
aber auch die Familie mit Tiraden und Wutausbrüchen strapazierende Vater ist nach dem
Krieg eher ein Liberaler - ein gewöhnlicher, begabter Mann, "dessen Ehrgeiz größer war als sein
Mut". Erst nach seinem Tod gelingt der Tochter eine Art Rekonstruktion seines Lebens - und die
Erkundung einer Generation und ihrer Mentalität, der Voraussetzungen ihres emotionalen und
politischen Schicksals und Handelns.

5. Die Schlussfolgerung

Zweimal misslingt der Abschied vom Vater. So muss sie ihn sich schreibend erfinden, ihn im
Roman seines Lebens Gestalt gewinnen lassen. Dagmar Leupolds Roman über ihren Vater
Rudolf Leupold (1913-1986) geht, dicht, anschaulich, zugleich fragend und deutend, den Spuren
eines Lebens nach, das sich, hinter einem Wall familiärer Legenden verborgen, erst nachträglich
fassen lässt. Dabei wird die alles entscheidende Dynamik dieses Lebens erkenntlich, der

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geradezu verzweifelte Geltungsdrang, der sich mal im Deutschnationalismus, mal in der
Mathematik den ersehnten Erfolg verspricht, zuletzt aber in dem „unerfüllten“ Wunsch gipfelt:
zu schreiben.

„Nach den Kriegen“ ist ein Versuch, sich vom Vater zu befreien, sich wegzuschreiben von ihm.

6. Literaturverzeichnis

Leupold, Dagmar: „Nach den Kriegen“ , Verlag C. H. Beck, München (2004),

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7. Quellenverzeichnis

https://www.cicero.de/kultur/die-schrecklichen-
kriegsvaeter/46725https://lektuerehilfe.de/literaturepochen/postmoderne

http://www.zeit.de/literatur/buchspezial/frankfurt2004/freitag/leupold_krieg

https://de.wikipedia.org/wiki/Dagmar_Leupold

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