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Rauchverhalten in Europa In Europa gibt es derzeit 100 Millionen tägliche Raucher, von denen 50

Millionen frühzeitig an tabakassoziierten Krankheiten sterben werden (Bogdanovica et al.). Im Jahr


2000 starben 650.000 EU Einwohner an tabakassoziierten Krankheiten und 13 Millionen litten an
durch Rauchen verursachten chronischen Krankheiten. 2002 verursachte Passivrauch 20.000
Todesfälle von Nichtrauchern. Des Weiteren hat Passivrauch auch negative Auswirkungen auf die
Gesundheit von Kindern. Zum Rauchverhalten der Europäer liegen vergleichbare Ergebnisse
europaweiter Umfragen namens „Eurobarometer“ vor, die von „TNS Opinion & Social“ durchgeführt
werden. Daten zu Rauchgewohnheiten beruhen vor allem auf Erhebungen aus dem Jahr 2005
(TNSOpinion&Social 2006) und 2009 (TNS-Opinion&Social 2010). Europaweit rauchte 2009 weniger
als ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung (29%) meist Zigaretten, gelegentlich auch Zigarren und
Pfeifen. „The European tobacco control report“ schätzte die Prävalenz im Jahr 2005, beruhend auf
Daten aus der WHO Global InfoBase, auf 25,4% (Männer 30,3%, Frauen 20.8%)(World Health
Organization. Regional Office for Europe. 2007). 22% der EU Bevölkerung wurden als Ex-Raucher
klassifiziert und 49% als Niemalsraucher. Der Anteil der Niemalsraucher hat im EU-Schnitt von 42%
(2002) auf 47% (2005) und 49% (2009) zugenommen. Nicht diesem Trend folgten EU
Mitgliedsstaaten mit dem höchsten Anteil an Rauchern: Griechenland (42%), Bulgarien (39%) und
Ungarn (38%). Österreich hat mit 34% einen größeren Anteil an Rauchern als der Durchschnitt der EU
Bevölkerung mit 29% und besitzt damit die sechst höchste Rate an Rauchern (TNS-Opinion&Social
2010). Schweden hat den weitaus geringsten Anteil an Rauchern mit 16%, gefolgt von Finnland mit
einem Anteil von 21%. Europaweit rauchen mehr Männer als Frauen (35% vs. 25%), Raucher sind
eher jünger als 54 Jahre (55 Jährige oder älter haben einen Raucheranteil von 17%). Am wenigsten
rauchen Pensionierte (17%), an zweiter Stelle liegen Studenten mit 23%. Arbeitslose rauchen zu 52%
und damit am häufigsten. Personen mit niedrigem Sozialstatus 8 rauchen häufiger (36%) als solche
mit höherem Sozialstatus (26%) (TNS-Opinion&Social 2010).

Ex-Raucher Unter den Ex-Rauchern, welche EU-weit 22% ausmachen, sind die Niederlande (33%)
gefolgt von Schweden (31%) und Dänemark (31%) die EU-Staaten mit den höchsten ExRaucher
Raten. Österreich liegt über dem EU Durchschnitt mit 23-25%. Rumänien, Portugal und Griechenland
haben mit 12%, 13% beziehungsweise 14% den geringsten Anteil an ExRauchern. Männer haben EU
weit einen höheren Ex-Raucher Anteil (27% vs. 17%), da Männer auch einen höheren Raucheranteil
haben (35% vs. 25%). Die Quit Rate, die den Anteil an Ex-Rauchern unter den Jemalsrauchern
beschreibt, beträgt bei Männern 43,55% (bei 62% Jemalsrauchern, resultierend aus 35% derzeitigen
Rauchern und 27% Ex-Rauchern). Die Quit-Rate bei Frauen beträgt 40,47% (bei 42% Jemalsrauchern,
resultierend aus 25% derzeitigen Rauchern und 17% Ex-Rauchern) (TNS-Opinion&Social 2010). EU-
weit beenden mehr Männer, meist pensioniert und über 55 Jahre, das Rauchen. Zwischen
verschiedenen sozialen Schichten bzw. Gruppen gibt es keinen Unterschied bezüglich des Anteils an
ExRauchern (TNS-Opinion&Social 2010). Niemalsraucher Durchschnittlich ist in allen EU-Staaten rund
die Hälfte der Bevölkerung Niemalsraucher; Portugal hat den höchsten Anteil an Niemalsrauchern
(64%), gefolgt von Malta (59%), Rumänien (58%) und Italien (57%). Den geringsten Anteil an
Niemalsrauchern haben Dänemark (40%) und Frankreich (41%). Frauen unter 24 oder über 55 Jahren
in höheren sozialen Schichten sind am häufigsten Niemalsraucher. Als Berufsgruppe haben
Studenten mit 70 % den höchsten Anteil an Niemalsrauchern. Zwischen 2006 und 2009 stieg der
Anteil an Niemalsrauchern von 47% auf 49%, der Anteil an Ex-Rauchern von 21% auf 22% und somit
nahm der Anteil an Rauchern von 32% auf 29% EU-weit ab (TNS-Opinion&Social 2010). Insgesamt ist
europaweit somit ein leichter Rückgang in der Prävalenz an Rauchern zu beobachten. 9 Der Anteil an
Rauchern sank in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Finnland und dem Vereinigten Königreich
um jeweils fünf Prozent Punkte am stärksten. Der größte Anstieg bei Ex-Rauchern ist in der Slowakei
(6%), Finnland (6%) und Luxemburg (5%) zu finden. Ein Anstieg an Niemalsrauchern ist vor allem in
Schweden (7%), Italien (6%) und der Tschechischen Republik (5%) zu verzeichnen (TNS-
Opinion&Social 2010). Bildung und Beruf Die Prävalenz von Rauchern ist von der Bildung abhängig,
so fanden sich im Jahr 2003 beispielsweise in Frankreich unter Personen mit Grundschulbildung 60%
mehr Raucher als unter Personen mit Universitätsabschluss. In Island waren im Jahr 2004 nur 10,1%
der Personen mit Hochschulabschluss Raucher während es bei Personen mit „secondary school“
Abschluss 21,6% waren, also mehr als doppelt so viele. In Spanien betrug der Unterschied in der
Raucherprävalenz im Jahr 2003 zwischen Personen, die einer hoch qualifizierten und jenen, die einer
nicht qualifizierten Arbeit nachgingen bei Männern 44,4% beziehungsweise bei Frauen 10,1% (World
Health Organization. Regional Office for Europe. 2007). Der Umstand, dass Personen in niedrigeren
sozioökonomischen Schichten mehr rauchen, trägt wesentlich dazu bei, dass ihre Lebenserwartung
reduziert ist (World Health Organization. Regional Office for Europe. 2007). Die nationalen
Erhebungen der jeweiligen EU Länder und die Erhebungen des Eurobarometers im Hinblick auf das
Rauchverhalten divergieren. So geben die nationalen Erhebungen der Slowakei 13% höhere und jene
vom Vereinigten Königreich 10% niedrigere Prävalenz-Raten im Vergleich zu Eurobarometer 2006 an.
Auch die Erhebung von Statistik Austria ergab eine geringere Prävalenz als die des Eurobarometers in
Österreich (Bogdanovica et al.). Diese Unterschiede sind unter anderem auf verschiedene
Fragestellungen bei nationalen und europäischen Erhebungen zurückzuführen. In manchen Ländern
wird die Response Rate nicht genannt oder liegt unter 70% und kann daher zu einem Bias führen,
indem z.B. die Teilnahmerate bei Männern, bei starken Rauchern oder bei Berufstätigen geringer ist.
Aber auch die Eurobarometer-Studien machten nur unzureichende Angaben über die
Teilnahmeraten (Bogdanovica et al.).

1.1.3 Rauchverhalten der Weltbevölkerung Die WHO hat in ihrem Werk „Tobacco control country
profiles“ 2003 eine Auflistung der Tabakkonsum Prävalenz und vieler anderer Parameter von 196
Ländern angefertigt und gibt damit ein weltweites, umfassendes Bild der Tabak-Pandemie (Shafey O
2003). Da für die Erhebung der Raucherprävalenz-Rate in diesem Werk unterschiedliche Methoden
angewandt wurden, wird darauf verwiesen, dass der Vergleich zwischen den einzelnen Ländern mit
Vorsicht bedacht werden sollte. In einigen Ländern gibt es für die Erhebung ein standardisiertes
Verfahren, z.B. „Global Adult Tobacco Survey“ (GATS) und „Global Youth Tobacco Survey“ (GYTS).
Insgesamt wird - in welcher Form auch immer – weltweit von etwa 1 Milliarde Männern und von 250
Millionen Frauen Tabak konsumiert. Der Konsum geht in industrialisierten Ländern zurück, während
er in Entwicklungsländern steigt (siehe auch Abbildung 5). 35% der Männer in industrialisierten
Ländern rauchen, verglichen mit 50% der Männer in Entwicklungsländern. In China rauchen sogar
zwei Drittel der Männer (World Health Organization. Regional Office for Europe. 2007). 11 Abbildung
2: Länder mit den meisten Rauchern weltweit. Grafik übernommen von "WHO Report on the global
Tobacco Epidemic, 2008”, (WHO 2008). Weltweit rauchen die meisten Menschen in China. Länder
mit einem niedrigen pro Kopf Bruttoinlandsprodukt haben höhere Raucher-Prävalenz-Raten als
reichere Länder (World Health Organization. Regional Office for Europe. 2007). 12 Abbildung 3: WHO
Tobacco Atlas, (WHO) Weltweit haben asiatische Männer die höchste Raucherprävalenz (>60%). In
Afrika gibt es nur drei Länder, in denen die Prävalenz des Rauchens bei Männern ebenfalls über 60%
liegt: Tunesien, Kenia und Namibia. In Albanien, Jemen, Litauen, Rumänien und der Türkei lag die
Prävalenz der rauchenden Männer ebenfalls über 60%, konnte in der Türkei aber in den letzten
Jahren auf 48% gesenkt werden. Die Top Ten Länder nach Prozentsatz an rauchenden Frauen und
Männern sind Nauru (54%), Guinea (52%), Namibia (50%), Kenia (49%), Bosnien und Herzegowina
(48%), Mongolei (47%), ehemaliges Jugoslawien (47%), Jemen (45%), Rumänien (44%) und Sao Tome
& Principe (44%). Es ist beachtlich, dass in China über 300 Millionen Leute rauchen, somit hat China
soviele Raucher wie die USA Einwohner. In Europa gibt es die höchsten Raucherprävalenzen in der 13
Slowakei und den Nachfolgestaaten Jugoslawiens (50-59% der Männer rauchen), gefolgt von
Spanien, Polen und Ungarn (40-49% der Männer rauchen). Angloamerikanische Länder (Vereinigtes
Königreich, Vereinigte Staaten von Amerika, Kanada, Neuseeland) haben ihre Raucherquoten bereits
seit Jahrzehnten erfolgreich gesenkt und zeigen in den letzten Jahren niedrige Raucherprävalenzen
von 20-29% bei Männern sowie Frauen. In England, Schottland und Wales konnte die Raucherquote
auf 21% (CancerResearch-UK ; Rachel et al. 2007) und in Australien sogar auf 15% gesenkt werden
(Actionon-smoking-and-health-Australia 2011). Noch geringere Quoten wurden aus Kalifornien
berichtet (California-Department-of-Public-Health 2010). Im asiatischen Raum (China, Indien,
Kasachstan, …) und in Afrika (Sudan, Marokko, Gambia, Cote D’Ivoire, Zimbabwe, …) gibt es Länder,
in denen Männer mehr als 10x häufiger Raucher sind als Frauen. In Neuseeland, Norwegen und
Schweden rauchen Männer genau so wenig wie Frauen. Jugendliche Raucherprävalenzen sind in
Russland (Buben>30%, Mädchen 20-29%), Argentinien (Buben 20-29%, Mädchen >30%), Chile (Buben
und Mädchen >30%), der Ukraine (Buben und Mädchen >30%) sowie in Bolivien (Buben >30%,
Mädchen 20-29%) besonders hoch. Im Bereich von 20-29% liegt sie u.a. in Österreich, Ungarn, Polen,
USA, Peru, Jordanien, Nigeria und Südafrika. In Indonesien ist die Raucherquote zwischen Buben
(>30%) und Mädchen (

Durch Rauchen verursachte Krankheiten: Krebs: Larynx-, Oropharynx-, Ösophagus-, Trachea-,


Bronchus- sowie Lungenkrebs, Akute myeloische Leukämie, Magenkarzinome, Pankreaskarzinom,
Nieren und Ureterkrebs, Kolonkarzinom, Cervixkarzinom, Harnblasenkrebs, u.a. Chronische
Krankheiten: Schlaganfall, Blindheit, Katarakt, Periodontitis, Aortenaneurysmen, Koronare
Herzkrankheit (KHK), Atherosklerotische periphere vaskuläre Krankheiten, Chronisch obstruktive
Pulmonale Krankheit (COPD), Asthma, und andere respiratorische Erkrankungen, Förderung anderer
chronischer Krankheiten (z.B. Diabetes II), Reproduktive Effekte bei Frauen: z.B.: reduzierte
Fruchtbarkeit, Schädigungen des Fetus. 18 1.3 Pharmakologie des Rauchens Nikotin wird durch
Inhalation von Tabakrauch rasch über die Lunge aufgenommen und es wird ein Anstieg der
Nikotinkonzentration im Gehirn binnen Sekunden erreicht. Die Geschwindigkeit des Anstiegs ist
vergleichbar mit einer intravenösen Applikation. Das über die Lunge in den Blutkreislauf
aufgenommene Nikotin wirkt an nikotinergen Acetylcholinrezeptoren (nAChR) im Gehirn und der
Peripherie (Benowitz 2009). Nikotin moduliert im Gehirn die Ausschüttung von verschiedenen
Neurotransmittern (Dopamin, Noradrenalin, Acetylcholin, Gamma-amino-Buttersäure (GABA) und
Glutamat) (Perry et al. 1999; Benowitz 2009). Es wird durch die Leber - hauptsächlich durch das
Enzym CYP2A6 - zu Cotinin metabolisiert, das auch als Marker für die Nikotinexposition
herangezogen werden kann. Cotinin und zu einem kleinen Teil Nikotin werden glukuronidiert (UGT
1A4, UGT 1A9 und UGT 2B10) und anschließend renal und enteral ausgeschieden. Die Halbwertszeit
von Nikotin beträgt 2h und jene von Cotinin 16 h (Benowitz 2009). 19 Im Tabakrauch enthaltene
Giftstoffe: Abbildung 7: Chemikalien im Tabakrauch, übernommen aus „WHO Report on the global
tobacco epidemic, 2009“, (WHO 2009) 20 1.4 Rauchen als Suchtverhalten Rauchen wird in der
„International Classification of Diseases“ (ICD) in der Version 10 als Abhängigkeitssyndrom (F17.2)
beschrieben. „Abhängigkeitssyndrom: Eine Gruppe von Verhaltens-, kognitiven und körperlichen
Phänomenen, die sich nach wiederholtem Substanzgebrauch entwickeln. Typischerweise besteht ein
starker Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren, und
anhaltender Substanzgebrauch trotz schädlicher Folgen. Dem Substanzgebrauch wird Vorrang vor
anderen Aktivitäten und Verpflichtungen gegeben. Es entwickelt sich eine Toleranzerhöhung und
manchmal ein körperliches Entzugssyndrom. Das Abhängigkeitssyndrom kann sich auf einen
einzelnen Stoff beziehen (z.B. Tabak, Alkohol oder Diazepam), auf eine Substanzgruppe (z.B.
opiatähnliche Substanzen), oder auch auf ein weites Spektrum pharmakologisch unterschiedlicher
Substanzen.“ (WHO 2011) Risikofaktoren für die Entwicklung einer Sucht Personen mit niedrigerem
sozialem Status, geringerem Einkommen und geringerer Schulbildung rauchen häufiger (TNS-
Opinion&Social 2010), daher kann auch angenommen werden, dass ihre Suchtanfälligkeit größer ist.
Ein oft verwendetes Mittel zur Bewertung der Abhängigkeit eines Rauchers ist der Fagerström Test
für Nikotinabhängigkeit. Er stuft den Raucher durch folgende Fragen auf einer Skala von 0 (geringe
Abhängigkeit) bis 10 Punkten (starke Abhängigkeit) ein: Zeit zwischen Aufstehen und erster Zigarette
(5 min = 3 Punkte, 6-30 min = 2 Punkte, 31-60 min = 1 Punkt) Schwierig Rauchverbote zu befolgen?
(ja = 1 Punkt) Zigarette, die der Raucher am meisten vermissen würde (erste am Morgen = 1 Punkt)
21 Zigarettenkonsum pro Tag (11-20 = 1 Punkt, 21-30 = 2 Punkte, 31+ = 3 Punkte) stärkere
Konsumation am Morgen (erste Stunden nach Aufwachen = 1 Punkt) Rauchen auch wenn so krank,
dass im Bett (1 Punkt) 0 bis 2 Punkte: keine bzw. sehr geringe Abhängigkeit 3 bis 4 Punkte: geringe
Abhängigkeit 5 Punkte: mittlere Abhängigkeit 6 bis 7 Punkte: starke Abhängigkeit 8 bis 10 Punkte:
sehr starke Abhängigkeit (Heatherton et al. 1991) Gründe für den Tabakkonsum und warum es
schwer ist, aufzuhören Tabakkonsum reduziert kurzzeitig Stress und Angst, erhöht die Konzentration
und erzeugt das Gefühl von Freude. Der Raucher kann durch den Substanzgebrauch seine Gefühle
beeinflussen und seine Leistungsfähigkeit vorübergehend steigern. Bei Karenz des Tabakkonsums
treten Nebenwirkungen auf, die den Wirkungen des Tabakkonsums entgegengesetzt sind. Es bilden
sich Symptome wie Gereiztheit, Ängstlichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, gedrückte
Stimmungslage und starkes Verlangen zu Rauchen aus. Dies macht einen Rauchstopp schwierig
(Benowitz 2009). Dazu kommen die soziale Komponente und die Beeinflussung durch die
Tabakindustrie, die einen Einstieg in die Nikotinsucht erleichtern und einen Ausstieg erschweren
(Dubois et al. 2007). Jede Suchterkrankung ist erlernt, eine Konditionierung, die durch die Effekte der
Substanz in Verbindung mit dem Ritual ihrer Applikation hervorgerufen werden. Situationen, in
denen die Substanz eingenommen wird, werden mit der Wirkung der Substanz assoziiert. So kommt
es vor, dass man auf bestimmte Situationen, in denen man häufig raucht – etwa gemeinsam mit
Freunden, zu Kaffee oder zu Alkohol – konditioniert wird und in diesen Situationen ein besonders
starkes Verlangen nach einer Zigarette empfindet. Raucher schließen durch die Linderung der
Entzugssymptome (Gereiztheit) durch Nikotinkonsum, dass sie auch in anderen Situationen, die bei
Ihnen Gereiztheit hervorrufen, diese durch Tabakkonsum vermindern könnten (Benowitz 2009).
Dadurch nützen sie das Rauchen als Coping-Strategie. Auf biologischer Ebene kann man im
präfrontalen und temporalen Cortex bei Rauchern im Vergleich zu Nichtrauchern vermehrt
Nikotinrezeptoren nachweisen, wie beispielsweise eine 22 Studie von Perry et. al (1999) durch
„Binding“ des nAChRs mittels radioaktiv markiertem Epibatidim und Cytisin, welche beide an den
nAChR binden, nachgewiesen wurde (Perry et al. 1999). 1.5 Motivation zum Rauchstopp EU-weit
wurde 2009 durch die Eurobarometer Studie erhoben, dass die persönliche Gesundheit die
Hauptmotivation zum Rauchstopp ist. In der Befragung gaben 71% an, dass diese sie angeregt hat,
über einen Rauchstopp nachzudenken. Weitere Gründe sind nach ihrer Wichtigkeit: die Besorgtheit
um Familienmitglieder (52%) und der Preis der Tabakprodukte (47%). 4 von 10 österreichischen
Rauchern sagen, dass der ärztliche Rat sie dazu brachte, mit dem Rauchen aufzuhören. Auch der
Preis stellt für Österreicher im EU–Vergleich überdurchschnittlich oft eine Motivation zum
Rauchstopp dar (TNS-Opinion&Social 2010). Es gibt soziodemographische Unterschiede im Hinblick
der Motivation zum Rauchstopp. Persönliche Gesundheit ist besonders in der Gruppe der 25-54
Jährigen mit höherer Bildung vorherrschende Motivation, gefolgt vom Faktor Familie, Freunde und
Partner. In der Gruppe der über 55 Jährigen und Pensionierten und der Gruppe der Personen mit
niedrigerem sozialem Status ist der ärztliche Rat wichtigster Motivator. Der Preis der Tabakprodukte
motiviert die Gruppe der 40 – 54 Jährigen, Selbstständigen, der Arbeiter und Studenten. Auffällig ist,
dass erfolgreiche Ex-Raucher durch weniger Faktoren (2,3 Faktoren durchschnittlich) motiviert
wurden, aufzuhören, während nicht erfolgreiche Ex-Raucher durchschnittlich 3,2 Faktoren angeben
(TNS-Opinion&Social 2010). 23 1.6 Passivrauchen als Risikofaktor Abbildung 8: Krankheiten, die durch
Passivrauch verursacht werden. Übernommen aus (WHO 2008) Durch Passivrauch verursachte
Krankheiten: Kinder: Mittelohrerkrankungen, Respiratorisches System: reduzierte Lungenfunktion,
Asthma, Sudden infant death syndrome (SIDS), Erkrankungen der tiefen Atemwege, Pneumonie.
Verdacht auf Häufung von Malignomen (Hirntumore, Lymphome, Leukämie)(Moshammer et al.
2007) Erwachsene: Koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinfarkt, Schlaganfall,
Nasenschleimhautirritationen, Lungenkrebs, Nasen- und Nebenhöhlen-Krebs (Verdacht), Brustkrebs
(Verdacht), Atherosklerose (Verdacht), chronische respiratorische Symptome, Asthma, reduzierte
Lungenfunktion, COPD (Verdacht). Reproduktive Effekte bei Frauen: geringes Geburtsgewicht,
Frühgeburt (Verdacht) (WHO 2008). Passivrauch exponierte Kinder haben eine 1,5-2 fach höhere
Wahrscheinlichkeit, später selbst mit dem Rauchen anzufangen (WHO 2009). 24 Veränderungen der
Gesundheit, die durch eine rauchfreie Gesellschaft möglich wären In Neuseeland wurde errechnet,
dass Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern eine um 3,9-7,4 Jahre geringere Lebenserwartung haben
und dass die Bevölkerung - sofern der Tabakkonsum bis 2020 gegen Null ginge, durchschnittlich um
3-5 Jahre länger leben würde (Blakely et al. 2010). 1.7 Wahl der Zigaretten Einfluss auf die Wahl der
Zigarettenmarke hat EU-weit am meisten der Geschmack (78%), gefolgt vom Preis (50%), dem Teer-,
Nikotin- und CO- Gehalt (39%), sowie der Verpackung (15%). 22% wählen ihre Zigarettenmarke allein
nach dem Geschmack aus, 6% allein nach dem Preis und 2% nur nach dem Teer-, Nikotin- und CO-
Gehalt. Meist ist es eine Kombination aus mehreren Faktoren. Vor allem für Österreicher (92%),
Tschechen und Griechen (91%) ist der Geschmack besonders wichtig. Besser Verdienende und
Personen aus höheren sozialen Schichten befinden ebenfalls, dass Geschmack wichtiger ist, was
darauf zurückgeführt wird, dass diese Personen weniger auf den Preis achten müssen. Der
Geschmack als alleiniger Faktor für die Auswahl einer Zigarettenmarke wird in reicheren Ländern
öfter angegeben: Die Niederlande (41%), Luxemburg (37%) und Dänemark (34%) geben am
häufigsten an, dass allein der Geschmack für die Wahl der Zigarettenmarke ausschlaggebend ist
(TNS-Opinion&Social 2010). 50% der rauchenden EU-Bevölkerung geben an, dass der Preis einer
Zigarettenmarke für die Auswahl beeinflussend ist. Einwohner aus Tschechien (79%), Bulgarien und
Litauen (75%) geben am öftesten an, dass der Preis beeinflussend ist, Österreich liegt über dem EU –
Durchschnitt mit 59%. Bei Arbeitslosen (66%), Hausfrauen bzw. Hausmännern (55%), Arbeitern (54%)
und Studenten (53%) beeinflusst der Preis die Wahl der Marke, diese Personen greifen wegen ihres
geringeren Einkommens vermehrt auf günstigere Marken zurück (TNS-Opinion&Social 2010). EU-weit
sind 39% der Bevölkerung vom angegebenen Teer-, Nikotin- und CO Gehalt bei der Wahl der
Zigaretten beeinflusst, in Österreich (52%) sind es deutlich mehr als der EU– Durchschnitt. Generell
sind Frauen, Personen mit höherer Bildung, Hausfrauen sowie Hausmänner, selbstständige
Unternehmer und Manager vermehrt durch diese Faktoren 25 beeinflusst. Interessanterweise sind
Studenten weniger beeinflusst (38%). Der Faktor, der die Wahl der Zigaretten am wenigsten bewusst
beeinflusst, ist die Verpackung. Die Gruppe der 15-24 Jährigen und Personen aus niedrigeren sozialen
Schichten geben dies im EUDurchschnitt in 18% der Fälle an. Bezüglich der Schädlichkeit von
Zigaretten sind 17% der EU-Bevölkerung fälschlicherweise der Meinung, dass manche
Zigarettensorten weniger schädlich wären als andere. Österreich liegt mit 24% über dem EU-
Durchschnitt. Dieser Meinung sind im EU-Durchschnitt mehr Raucher (25%) als Ex-Raucher (17%) und
Niemalsraucher (12%). Paradox ist, dass der Glaube an die unterschiedliche Schädlichkeit einzelner
Zigarettenmarken und damit deren Nikotin-, Teer- und CO-Gehalt mit steigendem Bildungsniveau
zunimmt. Studenten glauben am häufigsten, dass es weniger schädliche Zigaretten gäbe (23%). 10%
der EU–Bevölkerung denken, dass der Geschmack und die Farbe der Verpackung auf die
Schädlichkeit der Zigaretten schließen lässt. Raucher glauben vermehrt fälschlicherweise, dass der
Teer- und Nikotingehalt, der Name der Zigaretten, der Geschmack und die Farbe der Verpackung auf
die Schädlichkeit schließen lässt. Einen Einfluss auf den Zigarettenkonsum haben auch Werbung und
Art des Verkaufs. 45% der EUBevölkerung haben in den letzten 6 Monaten eine Tabakwerbung
gesehen, Raucher sind sensibler für Tabak-Werbung (54%) als Nichtraucher (48%). Neben Rauchern
sind auch Studenten und die 15-24 Jährigen besonders empfänglich für Tabakwerbung – somit zielt
Tabakwerbung vermehrt auf Jugendliche und junge Erwachsene ab. ÖsterreicherInnen (59%) hatten
2009 EU-weit am öftesten in den letzten 6 Monaten Tabakwerbung gesehen. Zigarettenautomaten
(91%) werden im EU-Vergleich am häufigsten in Österreich benützt (TNS-Opinion&Social 2010), sind
in den Baltischen Staaten, Frankreich, Griechenland, Irland, Norwegen, Polen, Rumänien, Slowakei,
Slowenien, Tschechien und Ungarn verboten und werden in anderen Staaten (Dänemark, Finnland,
Malta, Schweden, Vereinigtes Königreich) nur dort erlaubt, wo das Personal eine verbotene
Benützung vor dem 18. Lebensjahr verhindern bzw. dafür haftbar gemacht werden kann.