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Potenziale zur Kraftstoffeinsparung und Treibhausgasminderung bei schweren Nutzfahrzeugen

Schwere Nutzfahrzeuge spielen eine bedeutende Rolle für den Waren- und Güterverkehr in
Europa. Über 460 Milliarden Tonnenkilometer führen zu ungefähr 70% Anteil an der
Verkehrsleistung im Gütertransport allein in Deutschland. In der Vergangenheit konnten CO2-
Emissionen durch technologische Innovationen bereits stark gesenkt werden. Seit den 60er-
Jahren ist der Kraftstoffverbrauch um rund 60% je Tonnenkilometer gesunken. Auch durch die
Euro-Normen konnte der Schadstoffausstoß, vor allem von Stickoxiden und Feinstaubpartikeln,
reduziert werden.1

Die Reduktion des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen wird trotz dessen
zukünftig gerade im Bereich der schweren Nutzfahrzeuge wichtiger, da mit einer weiteren,
deutlichen Zunahme deren Verkehrs gerechnet wird. Schon heute sind schwere Nutzfahrzeuge
mit rund einem Viertel am Energieverbrauch des Straßenverkehrs beteiligt. Dieser wiederum
trägt den größten Teil zum Verkehrssektor bei, welcher für rund ein Drittel des
Endenergieverbrauchs und zwanzig Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland
verantwortlich ist.2

Notwendig werden Einsparungen vor allem auch mit Blick auf das Erreichen der
Klimaschutzziele. Mit circa fünf Prozent tragen schwere Nutzfahrzeuge einen bedeutenden

1
Vgl. VDA, 2018.
2
Vgl. Dünnebeil, 2015. S. 5, 53 ff.
Anteil an den gesamten CO2-Emissionen in Europa. Um Transparenz zu schaffen hat die EU-
Kommission das Simulationsprogramm VECTO (Vehicle Energy Consumption Calculation
Tool) entwickelt, um Kraftstoffverbrauch und Treibhausgasemissionen realitätsnah bestimmen
zu können. Mithilfe von VECTO können Einflüsse verschiedener Komponenten auf den
Kraftstoffverbrauch analysiert werden. Dadurch kann der Wettbewerbsdruck auf
Fahrzeughersteller in Hinblick darauf, effizientere Fahrzeuge anzubieten gesteigert werden.
Deswegen haben sich auch die europäischen Nutzfahrzeughersteller zu einem solchen Ansatz
mit dem Leitbild der Verbrauchs- und Emissionsoptimierung bekannt.3

Im Folgenden werden ausgewählte Potenziale zur Reduktion des Kraftstoffverbrauchs und der
Treibhausgasemissionen bei schweren Nutzfahrzeugen beleuchtet:

Aerodynamik
Da LKWs traditionell eine sehr kantige Form haben, ist deren Aerodynamik eher suboptimal.
Bei 85 km/h werden bereits 40% des Gesamtwiderstandes von Luftwiderstand erbracht. Eine
Verbesserung der Aerodynamik bei einem LKW bedeutet eine gezielte Strömungsführung
mittels Dach- und Seitenspoilern. Dadurch entsteht weniger Staudruck und somit weniger
Luftwiderstand und Kraftstoffverbrauch. Eine aerodynamische Idealform stellt dabei die
Tropfenform dar.4

Fahrertrainings
Eine wirtschaftliche Fahrweise senkt den Kraftstoffverbrauch. Zusätzlich können
Schadstoffemissionen reduziert und Kosten gespart werden. Auch der Verschleiß einzelner
Fahrzeugteile kann durch eine optimierte Fahrweise gesenkt werden. Insgesamt können durch
Fahrertrainings bis zu 20% Einsparungen im Verbrauch und Verschleißkosten erzielt werden.5

3
Vgl. Dünnebeil, 2015.
4
Vgl. MAN Truck & Bus
5
Vgl. Deutscher Verkehrssicherheitsrat, 2018.
Fahrzeuggewicht
Durch Leichtbau kann ein sparsamerer Umgang mit fossilen Brennstoffen erreicht werden.
Energie wird eingespart und ein geringerer Einsatz von Materialien erzielt. Durch eine
Verringerung des Eigengewichts von schweren Nutzfahrzeugen kann die Nutzlast, bei gleichem
Gesamtgewicht, höher ausfallen. Dadurch ergibt sich ein doppelt positiver Effekt, welcher
durch Entwicklungen in der Werkstofftechnik hohes Potenzial aufweist.6

Antrieb
Alternative Antriebe, wie ein LNG-Antrieb oder Elektro-Antriebe tauchen als Alternative zum
Dieselmotor immer mehr in den Vordergrund.

Ein LNG-Antrieb bietet eine hohe Reichweite für schwere Transporte, die jedoch
klimafreundlicher als bei herkömmlichen Dieselmotoren ist. Auch die Kraftstoffkosten sind bei
LNG vergleichsweise günstiger als Dieselkraftstoff. Anreize LNG-betriebene LKW zu nutzen
bietet das Bundesverkehrsministerium durch Mautbefreiung 2019 – 2020, Mautermäßigung ab
2021 und Zuschüsse für die Nutzung von LNG-Antrieben.7

Im Vergleich zum Elektroauto, welches mit einem Elektromotor angetrieben wird und die
Energie dafür aus einer Traktionsbatterie bezieht, besteht bei schweren Nutzfahrzeugen, die
Alternative die notwendige Energie aus Oberleitungen zu beziehen. Eine neue Entwicklung ist
der Oberleitungs-Hybrid-Lkw. Dieser soll stets mithilfe eines elektrischen Antriebs bewegt
werden. Dazu wird der notwendige Strom von einer Oberleitung bezogen oder, falls eine solche
nicht vorhanden ist, durch einen Dieselmotor erzeugt. Dadurch kann auf den Einsatz von
Akkumulatoren verzichtet werden. Ein solch elektrischer Antrieb hat zudem den
entscheidenden Vorteil geringer Betriebskosten.8

Insgesamt ergeben sich Möglichkeiten zur Kraftstoff- und Schadstoffeinsparung aus neuen
Technologien und Optimierungen in verschiedensten Bereichen. Zu diesen zählen außer den
bereits genannten auch neue Gang-Schaltlösungen, Schmierstoffe, Reifenauswahl
(Reifendruckwahl), Auslastungs- und Routenoptimierungen, sowie weitere, die nicht zwingend

6
Vgl. Albrecht, 2013. S. 1
7
Vgl. Volvo Trucks Deutschland, 2018.
8
Vgl. Siemens, 2017.
unmittelbar mit dem Fahrzeug oder Fahrer verbunden sein müssen. Auf der folgenden Grafik,
die das CO2-Einsparpotenzial von LKW zeigt, ist dies zu erkennen:

Unter dem Strich ist sowohl die Industrie, als auch die Politik auf einem Weg in die richtige
Richtung. Sowohl der Kraftstoffverbrauch, als auch der Ausstoß von Treibhausgasen konnten
in der Vergangenheit deutlich reduziert werden. Mit weiteren Maßnahmen sollten jedoch
gesetzte Klimaziele weiterhin verfolgt werden, um künftige Auswirkungen von schweren
Nutzfahrzeugen auf den Klimawandel möglichst gering zu halten.
Quellen
Textquellen:

• VDA, 2018. Klimaschutzpolitik für schwere Nutzfahrzeuge. [online] Verfügbar auf:


https://www.vda.de/de/themen/umwelt-und-klima/klimaschutzpolitik-schwere-
nutzfahrzeuge/klimaschutzpolitik-fuer-schwere-nutzfahrzeuge.html (abgerufen am
04.12.2018)
• Dünnebeil, Reinhard, Lambrecht, Kies, Hausberger und Rexeis, 2015. Studie:
Zukünftige Maßnahmen zur Kraftstoffeinsparung und Treibhausgasminderung bei
schweren Nutzfahrzeugen.
• Siemens, 2017. Broschüre: eHighway – Elektrifizierter Straßengüterverkehr.
• Volvo Trucks Deutschland, 2018. LKW MIT LNG-ANTRIEB. [online] Verfügbar
auf: https://www.volvotrucks.de/de-de/trucks/lng-lkw.html [abgerufen am 04.12.2018)
• Deutscher Verkehrssicherheitsrat, 2018. ADAC Eco-Training. [online] Verfügbar auf:
https://www.verkehrssicherheitsprogramme.de/site/detail.aspx?id=46 (abgerufen am
05.12.2018)
• Albrecht, 2013. Bachelorthesis: Gewichtsoptimierung eines
Fahrzeugtransportanhängers.

Weitere Quellen:

• MAN Truck & Bus, 2016. MAN - Aerodynamik (German version). [online] Video
verfügbar auf: https://www.youtube.com/watch?v=F0CZ0PJ5umU (abgerufen am
05.12.2018)