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Facebook-Mitglieder bekommen bald eine eigene E-Mail-Adresse und dürfen

damit auch außerhalb des Netzwerks kommunizieren - für Unternehmen taugt


der neue Dienst nur bedingt.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg stellt das neue E-Mail-Service des sozialen Netzwerks
vor. Zu einer guten Idee gehört immer auch eine gute Geschichte. Als Facebook-Gründer
und –CEO Mark Zuckerberg gestern den neuen E-Mail-Dienst des Sozialen Netzwerks
vorstellte, gab er eine nette Anekdote zum Besten.

Vor einigen Jahren habe er Thanksgiving bei der Familie seiner Freundin verbracht. Mit
deren Schwester, damals Schülerin, habe er sich über Computer unterhalten. "Mit
welchem Programm schreibt Ihr Euch E-Mails?", wollte Zuckerberg wissen. "E-Mails? Die
schreiben wir kaum – die sind doch viel zu langsam”, antwortete die Schülerin. Das
Gespräch ließ Zuckerberg nicht mehr los. Gestern Abend präsentierte er auf einer
Pressekonferenz das Produkt dieser Gedanken – den neuen "Facebook Messenger“.
Vorerst nur in den USA können Nutzer eine reguläre E-Mail-Adresse mit der Endung
"@facebook.com" bekommen. Damit können sie nicht nur mit anderen Facebook-
Mitgliedern E-Mails schreiben, sondern auch mit Personen außerhalb des Netzwerks.
Zudem sollen die neuen Mails auch Anhänge erlauben. Unklar ist allerdings noch, wie
groß diese sein können. Zum Vergleich: Erzrivale Google erlaubt bei Gmail-Nutzern bis zu
zwei Gigabyte pro Mail.

Und dennoch ist Facebooks neue Anwendung ein gezielter Angriff auf Google, Yahoo und
andere kostenlosen E-Mail-Dienste. Hier geht es um das ganz große Geschäft: Wer die
Inhalte der Mails kennt, kann hierzu automatisch und gezielt passende Werbung am
Rand einspielen. Google nutzt das bereits seit einigen Jahren mit Erfolg. Zudem soll der
neue Messenger die zentrale Anlaufstelle für jedwede Kommunikation mit Freunden und
Bekannten werden – auch SMS und Chats werden auf der Plattform möglich sein.

An Interessenten dürfte es nicht mangeln. Von den mehr als 500 Millionen Mitgliedern
weltweit nutzen bereits 350 Millionen Facebooker den netzinternen Nachrichtendienst.
Rund vier Milliarden dieser mit E-Mail vergleichbaren Nachrichten werden darüber täglich
versandt. Die allzu offensichtliche Facebook-Mail ist zugleich auch ihr größer Nachteil: Für
die Versender von Spam-Mails ist es ein Leichtes, die Adresse aus dem Profilnamen
abzuleiten und die Nutzer direkt mit Werbemüll zu bombardieren. Um das zu verhindern,
setzt Facebook auf die sogenannte Social Inbox. Hier sollen nur den Nutzern Bekannte
Absender und deren Facebook-Freunde aufgenommen werden. Screenshots zum
Aussehen von Facebooks E-Mail-Dienst zeigt der US-Technologieblog Mashable in einer
Bildergalerie.

Zudem räumte Zuckerberg selbst ein, es ließen sich damit auch externe E-Mail-Konten
einbinden, sodass man die Plattform nicht mehr verlassen müsste, um seine Gmails oder
Yahoo-Mails abzurufen. Insbesondere auf Seite der Unternehmen dürfte es mehr als
fraglich sein, ob diese jemals Facebook-Mails nutzen werden. Facebook ist bekannt dafür,
nicht allzu sensibel mit dem Datenschutz seiner Mitglieder umzugehen. Vertrauliche
Informationen sollten daher schon aus Selbstschutz besser woanders hochgeladen und
versandt werden. Und nicht zuletzt gibt es zahlreiche Internet-Nutzer, die etwa bei
Online-Einkäufen oder bei der Anmeldung auf diversen Webplattformen lieber eine
anonyme Kennung und Mail-Adresse bevorzugen. Auch aus dem Grund wird die neue
Facebook-Mail sich kaum in einen "E-Mail-Killer" verwandeln, sondern eher ergänzend zu
bestehenden Angeboten genutzt werden – vor allem von Schülern.

Damit würde sich der Kreis von der Idee zum fertigen Produkt dann gewissermaßen
schließen.

Erstellt von: http://www.wiwo.de/management-erfolg/facebook-startet-neuen-e-mail-


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