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Koloniale Bildproduktion in der globalen Ökonomie


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Wie können wir das Lied des Herrn im fremden Land singen? ^

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Manuel J. Borja-Villel

Die herkömmliche Definition verortet den Ursprung der moder- len anderen Orten der Welt Ausbeutungs- und Akkumulations-
nen Kunst in den Bildern Courbets, Manets oder bei den Impres- prozesse mit ähnlichen Implikationen beobachten. Heute wie
sionisten, also im Bruch mit den traditionellen Kunstformen damals scheint die Kunst mit einer ihr eigenen Ambivalenz aus-
zugunsten einer unmittelbaren Abbildung subjektiver Erfah- gestattet. Auf der einen Seite hilft uns das Ausprobieren und
rung von Realität. Der romantische Idealismus oder der Spleen Erweitern unseres Wissensraumes durch die Beschäftigung mit
Baudelaires stellen weitere Grenzpfeiler einer modernen Wahr- künstlerischer Praxis, besser zu werden - auf der anderen Seite ist
nehmung von Welt dar. Gefangen in einer Geschichte aus wie- klar, dass die Institution Kunst nur zu leicht Komplizin einer
dererkennbaren Protagonisten und Szenarien - Künstler, die sich neuen Form globaler Sklaverei sein kann: der Merkantilisierung
zwischen Paris und New York bewegen, mit dem einen oder ande- von Subjektivitäten und der Verwandlung immaterieller Güter
ren Zwischenhalt in Mitteleuropa - haben wir ein geschlossenes wie zum Beispiel dem historischen Gedächtnis in rein wirtschaft-
Referenz-Universum geschaffen, das uns den Blick verstellt auf liche Transaktionen. Natürlich will der Louvre seine Sammlun-
die kulturellen Praktiken einer erweiterten Moderne, die diesen gen zugänglicher machen, indem er sie in seiner neuen Zweig-
Rahmen sprengt und sich in der heutigen globalen Gesellschaft stelle in Abu Dhabi zeigt - jedoch spielen auch wirtschaftliche
widerspiegelt. Die Hartnäckigkeit, mit der wir ignoriert haben, Interessen bei diesem Vorgang eine bedeutende Rolle.
dass die Geschichte Europas seit dem 16. Jahrhundert untrenn- Ähnlich führte auch die Evangelisierung der indigenen Völ-
bar mit der seiner Kolonien verbunden ist, verwundert umso ker einerseits zu deren Bewusstwerdung über die eigenen Rechte
mehr aufgrund der Tatsache, dass es die Moderne nur aufgrund gegenüber vorangegangenen Formen von Herrschaft, anderer-
von Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie geben kann seits zur Befestigung des Kolonialsystems. Nichtsdestotrotz ist
- und diese entstehen mit dem Kolonialismus. Was würde pas- Kunst politisch, weil ihre poetische Struktur etwas Nicht-Assi-
sieren, wenn wir das ego cogito von Descartes durch das ego con- milierbares hat und sie so wahrhaftig zu einem aktiven Element
quiro von Hernán Cortés ersetzen, oder das Prinzip der Reinen der Befreiung werden kann. Die kolonialen Gemälde aus Caquia-
Vernunft Kants durch das, was Marx das Prinzip der Ursprüngli- viri oder Calamarca entsprachen der kirchlichen Doktrin der
chen Akkumulation nannte? Was würde passieren, wenn wir Zeit; ihre Funktion war pädagogisch. Aber die Intervention die-
die Erzählung der Moderne nicht im England der Industriellen ser aus der weit entfernten Hauptstadt des Imperiums importier-
Revolution beginnen oder im Frankreich Napoleons III., sondern ten Bildsprache erlaubte die Umkehr sozialer Beziehungen. Die
im Amerika der Vizekönigreiche? Die Antworten auf diese Fra- Heiligen und die Jungfrauen wurden in indigenen Festen und
gen eröffnen uns zweifellos eine hybride Sicht, die Sicht des Bas- Riten aktualisiert und beförderten so eine hybride Religiosität,
tards auf die Geschichte. Im aktuellen Kontext wird die These deren Funktion der Widerstand gegen das Kolonialprojekt war.
einer fortgeschrittenen europäischen Kultur, die den anderen, Die Aufklärung beabsichtigte, eine allgemeine Vernunft zu
zurückgebliebenen Völkern technisch und intellektuell überle- etablieren, die die unterschiedlichen sozialen Beziehungen, die
gen war, unglaubwürdig. Es steht außer Frage, dass wir uns in durch die Ausbreitung des Kolonialismus, durch den Merkanti-
einem globalen System befinden, das von Dynamiken bewegt lismus und das Wachstum der Städte entstanden waren, in Ein-
wird, die aus der Kolonialzeit herrühren, und in dem sich die ver- klang bringen konnte. Alles, was in dieser Rationalität keinen
schiedenen Akteure durch intensive Kommunikationsströme Platz fand, galt nicht als Teil des zivilisierten Subjekts. So defi-
miteinander verbinden und gegenseitig durchdringen. In die- nierten die nordamerikanischen Gründerväter die Indianer als
sem System ist die Kultur kein unabhängiger und privilegierter „Natur" und nicht als politische Subjekte, weswegen ihnen keine
Ort der Ideen; sie reflektiert nicht nur die Strukturen der Macht, Rechte zugestanden und sie zur Eroberung und Kolonisierung
sondern bedeutet selbst auch Macht, um die gekämpft wird. freigegeben wurden. Die Aufklärung sollte eine Grenze zwi-
Im 17. Jahrhundert, gerade einmal 100 Jahre nach seiner Ent- schen Norden und Süden hervorbringen. Während sie sich in
deckung und Eroberung, war Potosí eine der bedeutendsten den Niederlanden, England, Frankreich und ganz Zentraleuropa
Städte der Erde, seine Einwohnerzahl war höher als die von Lon- ausbreitete, war dies in Spanien nicht der Fall. Wie uns Eduardo
don oder Paris. Im Cerro Rico, dem „Reichen Berg", wurden Silber Subirats erinnert, zögerten die gebildeten Spanier, die moderne
und andere Metalle abgebaut, die in der ganzen Welt zirkulier- Vernunft als Universalprinzip anzuerkennen, die Säkularisie-
ten-. Sie dienten der Finanzierung der europäischen Konflikte des rung der Kultur konsequent durchzudefinieren oder die morali-
Hauses Habsburg und der Tilgung der Schulden, die die spanische schen und politischen Grundsätze der Autonomie der Person tat-
Krone bei deutschen und genuesischen Banken gemacht hatte. sächlich durchzusetzen. Die Intensität und Geschwindigkeit der
Die Ausbeutung der Minen von Potosí führte zur ersten Kapital- Prozesse ursprünglicher Akkumulation, die ihren Ausgang in
akkumulation in der Moderne, Präzedenzfall und Modell für den einem wirtschaftlich und sozial feudal geordneten Spanien
aktuellen Prozess der Globalisierung. Der Überfluss an Reichtum haben, verhindern das Aufstellen und Fixieren eines Plans für die
in Potosí beruhte auf der Mita, einer sklavenähnlichen Arbeits- koloniale Ausbreitung, wie ihn die Mächte des Nordens besaßen.
verpflichtung, die der indigenen Bevölkerung unter menschen- So kommt es zu einer gleichzeitigen Verschiebung in den Gesell-
unwürdigen Bedingungen aufgezwungen wurde. Mehr als fünf schaften der Kolonialmacht und der Kolonien, die dazu führt,
Jahrhunderte später kann man in Abu Dhabi, in China und an vie- dass die spanische Moderne fast von Anfang an barock ist.
Manuel J. Borja-Villel Bernd M. Scherer

Die Moderne hat nicht nur einen Ursprung, denn sie beinhaltet schaftlichen Beziehungen-auch wenn diese noch so brutal sind,
Prozesse der Verbreitung, Vermischung und Durchlässigkeit, die sie verschleiert nichts. Die Willkür der barocken Sprache erlaubt
den Begriff des Ursprünglichen destabilisieren. Sie so zu verste- ihre absolute ideologische Manipulation durch die Macht -
hen, bedeutet, jede lineare und evolutionäre Interpretation der gleichzeitig entzieht sie sich durch ihre Mehrdeutigkeit der Kon-
Künste hin zu einer Reinheit der Ästhetik, wie manche Prophe- trolle. Die Allegorie, typisches Stilmittel des Barock, basiert auf
ten der Moderne sie behaupteten, auszuhebein. Waren der der unvermeidlichen Willkür der barocken Sprache und ermög-
Barock und das Theatrale als seine perfekte Inkarnation früher licht das Herstellen multipler Bedeutungen, ihre Aneignung und
Ausschlusskriterien, erscheinen sie uns heute als Möglichkei- Verdrehung.
ten einer alternativen Moderne. Von Benjamin bis Deleuze Das Potosi-Prinzip antwortet auf diese zweifache Gliederung:
haben sich viele Philosophen mit diesem Phänomen befasst. Als Die Ausstellung stellt eine Situation von Ausbeutung und pre-
ästhetische Kategorie oder philosophischer Ansatz ist der Barock karisierter Arbeit dar, an der Kunst und Kultur teilhaben, und
ein Konzept des 19. und 20., nicht des 17. Jahrhunderts. Der problematisiert sie durch Kunst. Die religiösen Bilder und
Barock steht im Norden für die Auswüchse despotischer Herr- Gegenstände der Kolonialzeit erfuhren eine neue Dimension
schaft über das Individuum: blind, brutal, irrational; fanatische, durch ihre Kontextualisierung in indigenen Festen und Riten -
aggressive und abergläubische Subjekte hervorbringend. Der im Museum werden sie ein weiteres Mal verändert. Das Befrem-
Barock ist das Abjekt der aufgeklärten Moderne und genau aus den darüber, dass diese Kunstwerke Gegenstand einer Ausstel-
diesem Grund Objekt ihrer Fantasien von Verlust und Auflösung lung sind, wird nicht verheimlicht, sondern durch ihren Dialog
im Anderen. Diese Verschiebung führt aber auch zu einer Öff- mit den aktuellen künstlerischen Arbeiten betont. Durch die
nung und zu einer Vermischung der Systeme von Wahrneh- Spannung zwischen den Kolonialgemälden und einer ihnen
mung und Repräsentation, zu einem „Wahnsinn des Sehens", fremden Umgebung wird das Museum selbst barock und verhält
wie Buci-Glucksmann es nennt: einem begehrlichen, Fleisch sich formal wie der indigene Widerstand gegen das Kolonialpro-
gewordenen Blick, der zu Wissensformen führt, die dem carte- jekt. Es wird zur paradigmatischen Beziehung mit einer Welt in
sianischen Subjekt nicht zugänglich sind. Konnte die Aufklä- Krise, die deren katastrophalen Zustand nicht beschönigt.
rung die aus den Kolonialbeziehungen entstandenen Subjekti-
vitäten lediglich als Abweichungen anerkennen, vermeidet die Manuel J. Borja-Villel, Direktor des Museo Nacional Centro de Arte
barocke Gesellschaft keineswegs die Darstellung aller gesell- Reina Sofia, Madrid

Edgar Arandia, der Leiter des Museo Nacional de Arte in La Paz, beiter für Potosí vom Kolonialsystem rekrutiert wurden. Es sind
antwortete auf die Frage nach der Bedeutung des Projekts Das Teufel, die die Menschen auf dem Bild aus ihrem Leben auf der
Potosí Prinzip, es führe zu einem neuen Verständnis der Ge- Erde in den Schlund der Hölle ziehen und dort auf die grau-
schichte Boliviens sowie seiner Rolle im globalen Kontext der samste Weise quälen, sei es, dass sie auf Drehräder gespannt, sei
Gegenwart. Worin besteht dieses neue Verständnis und mit wel- es, dass sie in großen Kochtöpfen gebraten werden. Instrumente
chen künstlerischen Strategien wird es erzeugt? und Objekte übrigens, die in den Minen und bei der Weiterver-
Ich beginne mit der zweiten Frage und lade Sie dazu ein, arbeitung des Silbers eine zentrale Rolle spielten.
einen Blick in die Ausstellung zu werfen. Da begegnet uns das In unmittelbarer Nähe zu dem Caquiaviri-Bild finden sich
Bild von Gaspar Miguel de Berrio. Es zeigt eine Stadtansicht Poto- Arbeitsgeräte aus dem heutigen Hausbau in China. Sie sind Teil
sis mit dem Cerro Rico, dem Reichen Berg, aus dem Jahr 1758. eines Museums, das Wanderarbeiter in China gegründet haben.
Diesem Berg mit seinen Bodenschätzen, vor allem Silber, ver- Es trägt im Wesentlichen Objekte aus der Lebenswelt der Arbei-
dankt die Stadt ihren Reichtum. Wir sehen eine groß angelegte ter zusammen und dokumentiert deren fragilen sozialen Status
Stadt - Potosí gilt zu dieser Zeit als eine der reichsten Städte der als Arbeitskräfte, die nur für die Zeit, in der sie gebraucht wer-
Welt - mit einer ausgezeichneten Infrastruktur, beispielsweise den, in den Städten geduldet sind.
Seen, die die Stadt mit Wasser versorgen. Hinter der Größe der Im weiteren Verlauf trifft der Betrachter auf Wasserschläu-
Architektur rückt das menschliche Leben bis auf wenige Aus- che, die aus der Wand ragen. Auf der anderen Seite der Wand fin-
nahmen in den Schatten. Die Entwicklung Potosis, angetrieben det er eine Reihe Waschmaschinen, die Teil einer Installation
durch die Schätze im Boden, hat offensichtlich einen Höhe- des argentinischen Künstlers Eduardo Molinari sind, der sich in
punkt erreicht. seiner Arbeit mit den Bedingungen der Sojaproduktion in
Bevor der Besucher Berrios Bild erreicht, begegnet er gleich Argentinien auseinandersetzt, also einem System der hochkapi-
zu Beginn der Ausstellung der Kopie einer Höllendarstellung talisierten Agrarwirtschaft.
aus dem Ort Caquiaviri, einem der Orte, aus dem die Minenar- Der Besucher bewegt sich somit in einem Raum, der aus den
Bernd M. Scherer

unterschiedlichsten Objekten besteht. Im 16./17. Jahrhundert, chen, Sklaven in Afrika gekauft sowie Seide und Porzellan in
als Potosí seine Hoch-Zeit hatte, wurden solche Räume als Wun- China erworben. Die Grundbedingung für den generierten
derkammer bezeichnet. In den Wunderkammern waren Reichtum bildete eine rücksichtslose Unterdrückung und Aus-
Objekte verschiedenster Kategorien direkt nebeneinander zu beutung der indigenen Bevölkerung, die aus allen Landesteilen
besichtigen. Eine theoretische Grundlage findet sich in der nach Potosí verfrachtet wurde.
Monadologie von Leibniz. Danach steht jedes Objekt des Uni- Eine instrumenteile Rolle spielte dabei die Kolonialmalerei.
versums in irgendeiner Beziehung zu allen anderen Objekten. Sie legitimierte auf der einen Seite die Macht der Regierenden
Von dieser Idee ausgehend bleibt es nun der Imaginationskraft durch deren Inszenierung (wie in der Inszenierung von Antonio
des Besuchers überlassen, die Bezüge jedes Objektes der Wun- López de Quiroga von 1660). Auf der anderen Seite jagten ihre
derkammer zu den anderen Objekten selbst herzustellen. Bilder der Bevölkerung Angst und Schrecken ein. Ihre Bildstra-
Bei der Ausstellung des Potosi-Prinzips handelt es sich aber um tegien sind weitgehend dem global operierenden Vorgehen der
eine gestaltete Wunderkammer. Dieser liegt ebenfalls eine Idee Gegenreformation der katholischen Kirche entlehnt, die Grund-
zugrunde, die sich bereits in der Barockzeit findet, die Idee des motive ihrer Bilder in Antwerpen, vorzugsweise in dem Druck-
Gesamtkunstwerks. Das wichtigste Gestaltungsmoment des haus Plantin Moretus, herstellen ließ. Das Arbeiten in den Minen
Gesamtkunstwerks Das Potosi-Prinzip ist die Grenzüberschrei- sollte als Kompensation für die auf der Erde begangenen Sünden
tung. Es werden gezielt einige der Kernkategorien, mit denen die empfunden werden. Insbesondere scheinen die Instrumente und
westliche Moderne die Welt ordnete, außer Kraft gesetzt. Gegenstände der eindrucksvollen Höhlendarstellungen unmit-
Das beginnt mit dem linearen Zeitverständnis, das von der telbar der Erfahrungswelt der Minen entnommen zu sein.
Vorstellung eines kontinuierlichen Fortschritts in die Zukunft Damit beginnt im 17. Jahrhundert eine globale Wirtschaft,
ausgeht. Die Ausstellung schiebt die Zeitebenen des 16. und 17. die in unseren Tagen einen Höhepunkt erreicht. Von Potosí aus-
Jahrhunderts und unserer Gegenwart in eins. Die koloniale Ver- gehend zieht die Ausstellung augenfällige Verbindungslinien
gangenheit, ihre Macht- und Legitimationsmechanismen wer- zu den neuen Hotspots:
den damit Teil unserer gegenwärtigen Bewusstseinswelt. Der Zu der industrialisierten Landwirtschaft Argentiniens, die für
zeitlichen Kondensierung entspricht eine territoriale Entgren- den Weltmarkt Soja produziert und deren Chemikalien die loka-
zung. War die Geschichtsschreibung seit dem 19. Jahrhundert len Böden zerstört. Krankheiten der Landbevölkerung werden
eng an die Entwicklung der Nationalstaaten gebunden, gibt die dabei anscheinend als Kollateralschäden in Kauf genommen.
Ausstellung diese Grenzziehung auf, um globale Beziehungen Zur Golfregion, wo Arbeiter aus dem indischen Subkonti-
in den Blick zu nehmen. nent ohne Bürgerrechte in Arbeitscamps zusammengepfercht
Schließlich sprengt die Ausstellung die Kategorie Kunst, die sind, um an gigantischen Bauprojekten zu arbeiten.
selbst ein Produkt der Moderne und ihrer Segmentierung in Zu den chinesischen Wanderarbeitern, die ohne soziale und
gesellschaftliche Teilbereiche ist. Sie tut dies, um den Kategori- rechtliche Absicherung den chinesischen Turbokapitalismus
sierungsanspruch der Institution Kunst zu befragen: Warum erst ermöglichen.
wird die Kolonialmalerei Potosis aus dem westlichen Kunstkon-
text ausgeschlossen? Sie tut dies aber auch, um den Zusammen- Natürlich sind wir Europäer auch Teil dieses Systems. Unsere
hang der Kunst mit den anderen gesellschaftlichen Entwicklun- Firmen produzieren in den genannten Ländern. Unsere Vieh-
gen aufzudecken, speziell der Ausbeutung von Menschen in wirtschaft nutzt Soja als Futter. Und die Kunst, sie dient - und
Beziehungen, die durch Machtasymmetrien geprägt sind. das führen die zu Beginn erwähnten Waschmaschinen Eduardo
Damit reflektiert Das Potosi-Prinzip als Gesamtkunstwerk in Molinaris vor Augen - in vielen Fällen als Weichspüler. Ihr
den formalen Strategien seinen inhaltlichen Ansatz, nämlich ästhetischer Glanz soll dabei die inhumanen Produktionsme-
eine globale Welt aus der Perspektive Potosis zu repräsentieren. thoden überstrahlen und die Ausbeuter ins rechte Licht rücken.
Denn es sind ja gerade die Globalisierungsprozesse, die die klas-
sischen Kategorisierungsversuche der europäischen Moderne Postscriptum: Die Idee der Wunderkammer stellt auch den
in Frage stellen. Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die Wun- Bezug des Projekts zu Berlin her. Hier lieferte die Wunderkam-
deikammer des 16./17. Jahrhunderts, die noch auf Kategorisie- mer die Idee für die frühe Präsentation der weltweiten Samm-
rung verzichtet, am Anfang der Globalisierungsprozesse steht. lungen des Preußischen Kulturbesitzes.
Potosí wurde jedoch zu deren Inbegriff.
Auf der Grundlage seiner Verfahrensweise führt das Gesamt- Postscriptum 2
kunstwerk Mechanismen und Repräsentationsstrategien einer Der hier vorgelegte Katalog ist Teil des oben beschriebenen
sich globalisierenden Ökonomie vor Augen. Danach war Potosí Gesamtkunstwerkes. Die in ihm enthaltenen Sätze und Aussa-
im 17. Jahrhundert der zentrale Knotenpunkt eines globalen gen der Künstler sind aus meiner Sicht deshalb nicht Aussagen
Wirtschafts- und Handelssystems. Oder noch genauer: Das Sil- über die Welt, es geht nicht im Sinne der klassischen Epistemo-
ber von Potosí ermöglichte erst den globalen Handel. Mit dem logie um wahr oder falsch in diesen Texten. Ziel ist es, die Welt
Silber Potosis wurden spanische Staatsschulden in Europa begli- neu sehen zu lernen.
Bernd M. Scherer Edgar Arandia Quiroga

Das Projekt Das Potosi-Prinzip war von Anfang bis Ende ein hoch- - bei der Kulturstiftung des Bundes, insbesondere Hortensia
interessantes Experiment im besten Sinne des Wortes, ein Pro- Völckers, dank deren großzügiger Hilfe wir das Projekt über-
zess, der permanent, auch in den schwierigen Phasen, interes- haupt realisieren konnten;
sante Erkenntnisse zutage förderte. Ich möchte mich bei allen, - bei meinem gesamten Team, Daniela Wolf, Sonja Oehler,
die diese Reise mit uns gemacht haben, ganz herzlich bedanken. Helga Dressel und Valerie Smith, die für die Umsetzung im
Haus der Kulturen der Welt wesentlich verantwortlich
- Zuallererst bei den Kuratoren Alice Creischer, Max Jorge waren;
Hinderer und Andreas Siekmann, die das Projekt entwickelt - bei dem Redaktionsteam um Martin Hager, das den Katalog
haben; auf den Weg gebracht hat.
- bei den Künstlern und Korrespondenten;
- beim Museo Reina Sofía, das mit uns das Projekt koprodu- Bernd M. Scherer, Intendant des Hauses der Kulturen der Welt,
ziert hat, insbesondere bei Manuel Borja-Villel; Berlin

den indigenen Führer Tupac Katari 1781 hinrichtete. Die Münze


Funktionale Ästhetik: von Potosí, Casa de la Moneda, gegründet durch den Vizekönig

Potosí Revisited Toledo, war einst mächtiges Instrument der wirtschaftlichen


Steuerung. Den Palast des Marquis von Villaverde schmückt ein
Wappen mit der Aufschrift „Dieses Schwert wird brechen, aber
Auf einem anonymen Bild aus dem 18. Jahrhundert, „getauft" auf mein Glaube wird nicht irren" - es verkündet die Reproduktion
den Namen „Virgen del Cerro", Jungfrau des Berges, finden wir die der zur Rechtfertigung von Ausbeutung passenden Gedanken
Synthese einer Philosophie des Fortschritts, die den europäischen der Moderne. Alle diese Gebäude sind im 20. Jahrhundert in
Kolonialismus mehr bestärkt hat, als es die Macht seiner Heere Museen verwandelt worden. Ihre Aufgabe war es, in der Gesell-
und die Geschicklichkeit seiner Diplomaten, Kaufleute und schaft zu verbreiten und festzuschreiben, dass die ästhetischen
Geistlichen je vermocht hätte. Werte der Moderne und der zivilisierten Welt sich einzig in der
Die Aufklärung wollte die Vernunft in den Dienst der Frei- kolonialen Kunst äußern; dass deswegen die indigene symboli-
heit und Gerechtigkeit stellen. Unter dieser Prämisse erschien sche und ästhetische Produktion nichts weiter ist als Folklore,
die Moderne wie ein neues Zeitalter der Menschheit, wie die ein- Archäologie, Aberglaube und billiges Kunsthandwerk.
zige Wahrheit. Sie beabsichtigte alle Traditionen abzuschaffen Diese Auffassung der Criollo-Intelligentsia zeigt, wie aufklä-
- ohne die andere Vernunft, die sie stützte, zu bemerken oder zu rerisches Denken zum Instrument wirtschaftlicher, religiöser
verstehen. Die Aufklärung ignorierte, wie wir wissen, ihre Peri- und kultureller Herrschaft wird. Der Abglanz davon ist in der
pherie. Ihr Projekt von Modernisierung und Fortschritt fand sein bolivianischen Gesellschaft und in Potosí immer noch zu sehen;
Werkzeug über Jahrhunderte hinweg in den hegemonialen dieser von permanenten Krisen geschüttelte Ort ist wie ein Spie-
Gruppen der Macht und ließ eine Welt im Dunkeln, die sie mehr gel, durch den wir die Welt betrachten können. Damals
und mehr umstellte, vor allem in Gegenden, in denen die Aus- herrschte die Mita auf direkte Art und Weise, um die verlorene
löschung der Idolatrie und die Vorherrschaft des Frühkapitalis- Ordnung wieder herzustellen; heute ist sie unter anderen
mus es nicht geschafft hatten, frühere Wirtschaftsformen und Namen bekannt. Als ob die Geschichte umgeschichtet würde,
die indigene Kosmovision zu zerstören. Das heißt, dort, wo die stellen die erwähnten Museen, in denen heute ein neuer Wind
Ausbeutung des Menschen diese Kulturen nicht für immer ver- weht - Institutionen, die zur Fundación del Banco Central de
nichtet hatte - trotz der mita gruesa, einem vom Vizekönig Bolivia gehören - in ihren Räumen Teile der Ausstellung Das
Toledo erdachten Rekrutierungssystem, um Tausende zum Sil- Potosi-Prinzip aus.
berschürfen in den Cerro Rico von Potosí zu schicken. Auch Das emblematische Werk, das durch Abwesenheit glänzt, ist
wenn die Mitayos starben - die Frauen hüteten die Traditionen „Der Einzug des Vizekönigs Morcillo in Potosí": Die Geschichte,
und das Wissen an Orten, die so entlegen waren, dass sie der Ruf die dieses Bild erzählt, hat ihre perfekte Entsprechung in den
der eurozentristischen Moderne nicht erreichte. Begleitumständen heutiger Ausbeutung des Menschen.
Das Museo Nacional de Arte war einst Wohnsitz von Tadeo Die Globalisierung hat die Entkoppelung der Ästhetik von
Diez de Medina, Bürgermeister von La Paz und Anwalt am ihrer Erdung vorangetrieben, sie hat sie von ihrer Kultur ent-
Königlichen Gerichtshof von Charcas, Verwaltungsoffizier und fernt. Die künstlerischen Avantgarden paktierten mit einer
Oidor am Richtergremium in Santiago de Chile, Teil der Elite, die sinnentleerten Banalität und Frivolität und schmiedeten takti-
Edgar Arandia Quiroga Charo Otegui Pascual

sehe Bündnisse mit der neokonservativen Reaktion. Als Schutz- Akkumulation und Furcht produziert und dazu neigt, den
schild diente ihnen eine angeblich apolitische Freiheit, die der Gemeinschaftssinn aufzugeben und damit die Grundängste des
Entideologisierung die Steigbügel hielt, um einer verlorenen Menschen zu entblößen. Es ist, als ob wir die Eingeweide einer
Ordnung wieder zur Macht zu verhelfen. Ändern, damit alles Welt ausstellen, die zu Ende geht, damit eine neue mit anderen
gleich bleibt. Visionen von Leben Licht in die Dunkelheit bringen kann.
Das Potosi-Prinzip markiert einen Wendepunkt in der zeitge-
nössischen Kunst; es fordert dazu auf, die Rolle des Künstlers in Edgar Arandia Quiroga, Direktor des Museo Nacional de Arte La Paz/
einer Gesellschaft neu zu denken, die entgrenzten Konsum, Chukiwayu Marka

Reichtum und Vielschichtigkeit der iberoamerikanischen Welt ten - und sehr nah an den Widersprüchen der aktuellen Kunst
haben ihre Wurzeln in einer Geschichte, die vor und nach der in ihrem Kampf gegen offiziellen Druck und offiziöse Ansprü-
traumatischen Begegnung mit der Conquista von Erfahrungen che jeder Art. Immun gegenüber apologetischen Versuchungen,
menschlicher und kultureller Mestizaje bestimmt wird, die in untersucht die Ausstellung den Weg der Mestizaje, wie ihn die
ihrer Intensität und Dauer außergewöhnlich ist. Die Konstan- Menschen, hauptsächlich auf dem Gebiet des heutigen Bolivien,
ten und Differenzen der Entwicklung zu ergründen, die über die erlebten und gestalteten; die Welt, die sie schufen, und die For-
Jahrhunderte hinweg die Identität der Völker dieser großen men, mit denen sie ihren unterschiedlichen Glaubensformen,
Nationengemeinschaft geformt haben, erfordert ein Wissen, das ihrem kollektiven Begehren, aber auch ihren Ängsten und Kon-
bereit ist, immer neue Fragen zu stellen und immer neue Ant- flikten Ausdruck verliehen. All dies ist zu sehen in Kunstwer-
worten zu finden auf die vielen Dimensionen dieses gewaltigen ken, die unlösbar mit den konzeptuellen Kategorien ihrer Zeit
Prozesses. Indem wir die häufig in Vergessenheit geratenen verbunden sind, aber unseren eigenen Ängsten und Hoffnungen
Codes lesen lernen, die Vergangenheit und Gegenwart, Tradi- viel näher stehen, als es die konventionellen exotisierenden Fil-
tion und Moderne verbinden, sind wir auch dazu aufgefordert, ter zulassen. Die Zuschauer dieser Ausstellung können grund-
die bestehenden Prinzipien dieser Konzepte und ihre Beziehung legende Elemente eines langen Weges durch Zeit und Kunstpro-
zu ideologischen, sozialen und politischen Strukturen zu hin- duktion verstehen, zu denen die schmerzhafte Arbeit in den
terfragen. Sie enthalten oft sich überlagernde Botschaften, die Minen, gefangen im Silber und Gold der Bilder des Vizekönig-
so polemisch wie stimulierend sein können. Sich auf grundle- reichs, genauso gehört wie der kontinuierliche Kampf der Kunst
gende Wege - wie zum Beispiel auf den der Bildinterpretation - um die Darstellung sozialer Werte und das öffentliche Anpran-
durch dieses Labyrinth an Bedeutungen zu begeben, ist Ziel die- gern von Missständen.
ser Ausstellung, die einen wagemutigen Vergleich zwischen den Anlässlich dieser ehrgeizigen Initiative, die wir gemeinsam
großen künstlerischen Leistungen der Schule von Potosí, ande- mit dem Haus der Kulturen der Welt und dem Museo Reina Sofía
ren Zentren des Vizekönigreichs und zeitgenössischen künstle- produzieren, möchte SEACEX zum wiederholten Male der not-
rischen Formen zieht. wendigen Verbreitung einer Geschichte Tribut zollen, die wir
Die Verantwortlichen der Ausstellung haben verschiedene mit einem amerikanischen Bruderland teilen, mit einem Volk,
Werke des andinen Barocks aus dem Vizekönigreich ausgewählt dessen Geschichte und Identität eng mit der unseren verfloch-
und sie mit Positionen aktueller Kunst aus verschiedenen Län- ten ist. Im Sinne eines langjährigen Weges der Zusammenarbeit
dern und Kontinenten konfrontiert - ein Versuch, kulturelle, und des Wissens, der nun die Betrachtung einer speziell latein-
zeitliche und geografische Grenzen zu überwinden. Ziel ist es, amerikanischen Schönheit in Wort und Bild ermöglicht, bedan-
das Bild zu „entkleiden", um so seine wahre und essenzielle ken wir uns bei allen Institutionen und Experten, die diese neu-
Bedeutung zu erfahren, die - wie man meinen möchte - über artige Ausstellung und den anregenden Diskurs, auf den sie sich
die Jahrhunderte hinweg durch einen Berg von interessensge- stützt, möglich gemacht haben.
leiteten Interpretationen deformiert worden ist. Der Weg, der
die umfassende künstlerische Produktion der indigenen Völker
Lateinamerikas mit der europäischen Kultur verbindet - deren
Einfluss während der gesamten Dauer des Vizekönigreichs sehr Charo Otegui Pascual, Präsidentin der spanischen Sociedad Estatal
stark war - erscheint so in einem neuen Licht mit vielen Schat- para la Acción Cultural Exterior, SEACEX
Hortensia Völckers

Alexander von Humboldt, der „Entdecker der Neuen Welt", politischen nach. Und die in den Minen des globalen Wirt-
schrieb in einem Brief aus dem Jahr 1800 an seinen Bruder: „Es schaftssystems arbeiten, bleiben bis heute auch symbolisch
gibt vielleicht kein Land in der ganzen Welt, wo man angeneh- „unter Tage".
mer und ruhiger leben könnte als in den spanischen Kolonien, Deswegen liegt der anspruchsvollste, zugleich aber auch der
die ich seit fünfzehn Monaten durchreise." Mag sein, das Urteil faszinierendste Anspruch dieser Ausstellung darin, die durch
wäre anders ausgefallen, hätte der Forschungsreisende - wie das „Potosi-Prinzip" des symbolischen Ausschlusses erzwunge-
ursprünglich vorgesehen war - auf seiner Expedition auch nen Leerstellen im Diskurs mit abzubilden: auch die Bilder, die
Potosí besucht: die Minenstadt im Hochland Boliviens, die als aus konservatorischen Rücksichtnahmen oder politischen
Villa Imperial die Hauptquelle des spanischen Silbers und eine Zwängen an dem einen oder anderen Ort dieses Ausstellungs-
Weltmetropole des 16. Jahrhunderts war. Mit dem Silber aus den parcours nicht gezeigt werden können, sind zu sehen - als
Minen von Potosí, so hieß es, ließe sich eine Brücke bauen, die Lücken im Raum. Ebenso wie wir in die Video-Installation, die
über den Atlantik hinüber bis ins andalusische Cádiz reicht. In sich mit den Lebensbedingungen von Arbeitern in Dubai
einer Meldung aus dem Jahre 1699 an den spanischen „Indien- befasst, erst ein Stück weißes Papier halten und wie eine Projek-
rat" klingt es etwas anders: „Nach Spanien wird nicht Silber, son- tionsfläche ausbalancieren müssen, um die Bilder des Video-
dern Indianerblut und Indianerschweiß verschifft." films erkennen zu können.
„Vale un potosí" - die unverfänglich klingende spanische Die Arbeit an den Bildern liegt an uns. Ohne eigene Anstren-
Redensart findet sich bereits im Don Quijote und bedeutet bis gung verfehlen wir jene kritische Sicht der globalen Kultur- und
heute: „Es ist ein Vermögen wert." Die Umgangssprache hat das Wirtschaftsbeziehungen, die den im „Potosi-Prinzip" begründe-
Blut, das am Silber klebt, ausgewaschen. Aber über die Zahl der ten symbolischen Ausschlüssen Rechnung trägt. Dieses Projekt
Menschen, die in den Silberminen von Potosí den Tod fanden, mutet uns diese Anstrengungen dankenswerterweise zu - und
herrscht bis heute Uneinigkeit. Von acht Millionen ist die Rede es darf das wie kaum ein zweites, weil die verantwortlichen
- eine Zahl, die nie präzise sein kann, denn der Bergbau bleibt Kuratoren und Künstler, allen voran Alice Creischer, Max Jorge
in Betrieb und beschäftigt bis heute tausende von Mineros unter Hinderer und Andreas Siekmann, über viele Reisen und meh-
tödlichen Arbeitsbedingungen. Die Lebenserwartung der Berg- rere Jahre hinweg an der historischen Durchdringung, der
arbeiter liegt bei etwa fünfundvierzig Jahren. künstlerischen Darstellung und der kuratorischen Vermittlung
Noch einmal zurück zu Alexander von Humboldt - in der dieses „Potosi-Prinzips" gearbeitet und dabei intensiven transat-
kontrastreichen Assoziationsmethode dieser vorzüglichen Aus- lantischen Kooperationen den Weg bereitet haben. Wir danken
stellung - , der 1799 nach Lateinamerika aufbricht, um „die daher dem Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía in Madrid
Erscheinungen der Dinge in ihrem allgemeinen Zusammen- sowie dem Museo Nacional de Arte und dem Museo Nacional
hange" zu untersuchen. Das Prinzip Humboldt folgt einem uni- de Etnografía y Folklore in La Paz für ihre Mitwirkung an dem
versalistischen Harmonie-Ideal. Ihm halten die Kuratoren die- Projekt, und wir danken in Deutschland insbesondere auch dem
ses Projekts, Alice Creischer, Max Jorge Hinderer und Andreas Haus der Kulturen der Welt, das sich - zweihundert Jahre nach
Siekmann, ihr „Potosi-Prinzip" entgegen. Es bedeutet zunächst, Humboldt - mit diesem Projekt als ein Forum empfiehlt, das
dass das Silber aus Potosí die Kapital-Akkumulation in Europa allen durch das „Potosi-Prinzip" stabilisierten Hegemonien eine
in Gang setzte und eine hegemoniale Prachtentfaltung erlaubte, Absage erteilt.
während in Lateinamerika Heerscharen indigener Arbeitskräfte
in den Bergbauhöllen des Cerro Rico lebten. Es bedeutet weiter, Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin /
dass sich die Asymmetrien von Kapital-Akkumulation hier und Vorstand Bundeskulturstiftunq
von Unterdrückung da in den globalen Ökonomien unserer
Gegenwart kontinuierlich fortsetzen. Eine historische Linie
zieht sich vom Potosí des 16. Jahrhunderts bis zu den aktuellen
Machtzentren des Kapitals - nach Moskau, Dubai oder Peking,
um einige der Orte zu nennen, um die es den Gegenwartskünst-
lern in dieser Ausstellung geht.
Mit ihren zeitgenössischen Positionen macht diese Ausstel-
lung nicht nur die Aktualität des „Potosi-Prinzips" deutlich, sie
deutet auch auf seine Relevanz für das weltumspannende Kunst-
system der Gegenwart. Auf den internationalen Kunstmärkten
und den Drehscheiben global agierender Metropol-Museen sind
ökonomisches und symbolisches Kapital aufs Engste verquickt.
Hier wirkt das „Potosi-Prinzip" wie ein thematisches Ausschluss-
prinzip: Was in den Zentren der Macht zu sehen ist, folgt den
Interessen der Mächtigen. Die kulturelle Hegemonie folgt der
In der Kathedrale
von Sevilla, 2008
Arbeiter reinigen und polieren
das Silber der Monstranz
Foto: Andreas Siekmann

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Thematisches Inhaltsverzeichnis

Andine Barockmalerei / Zirkulation der Bilder


125 Zur Bildproduktion im Vizekönigreich Peru
24 Zur globalen Zirkulation der Bilder
262 Roberto Choque Canqui: La iglesia de Jesús de Machaca
231 Anna Artaker: WORLD MAP

Exkurse
21 Zu den Postrimerías von Caquiaviri
32 Fátima Olivarez R.: Die Vielfalt der Santiagos
33 Viele Santiagos
37 Harun Farocki: Das Silber und das Kreuz
(über Descripción del Cerro Rico e Imperial Villa de Potosí)
49 La Muerte
52 Virgen del Cerro
53 María Galindo / Mujeres Creando: Zwischen zwei Mächten (über Las Novicias)
58 San Ildefonso empfängt sein Gewand
60 Virgen de la Natividad de Chuchulaya
64 Virgen Candelaria de Sabaya
244 Luis Víctor Alemán Vargas: Desfalco Potosi(über La flagelación de Jesús)
77 Melchor María Mercado
84 Amor Divinus
87 Triunfo del Nombre de Jesús
95 El Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno
109 Sonia Abián: Arkebusen-Engel
114 Trinidad
117 David Riff: Ein wunderbares Bild
124 Moyen 1720, 1868 und 2010
127 Die Märtyrer von Nagasaki
134 Der Einzug des Morcillo (über Entrada del Virrey Morcillo en Potosí)
145 Cerco de La Paz

Warum Bilder nicht kommen und warum Bilder kommen


18 Warum Bilder nicht kommen und warum Bilder kommen
19 Der Fall Caquiaviri
68 Luis Víctor Alemán Vargas: Die Plünderung Potosis (über La flagelación de Jesús)
87 Warum aus Jesús de Machaca keine Bilder kommen
108 Warum die Bilder aus Calamarca nicht kommen
131 Warum das Bild vom Einzug des Vizekönigs Morcillo in Potosí nicht kommt (Sprechstück)
135 Warum die Khipus nicht kommen

Barock, Hispanidad, Mestizaje


228 Barock, Hispanidad, Mestizaje. Jorge Luis Marzo in conversation
with Alice Creischer, Max Jorge Hinderer, Andreas Siekmann
225 Marcelo Expósito: 143.353 (los ojos no quieren estar siempre cerrados)
49 Mestizaje oder fleckige Gesellschaft?(über Muerte de Caquiviri)
Konzilien
47 Die Auslöschung der Idolatrie
241 Confesionario para los curas de indios
264 Concilio de Trento (1563). La invocación, veneración y reliquias de los Santos, y de las sagradas imágenes

Es gibt eine ursprüngliche Akkumulation, die nur so genannt ist


26 Eduardo Molinari: Die Soja-Kinder
28 Karl Marx School of the English Language: The Rosy Dawn of Capital
30 Chto delat: Der Turm - ein Songspiel
223 Dmitry Vorobyev & Thomas Campbell: Das Gazprom-Turm-Projekt - Alles wird besser!
42 Bezahlte Freiheit und Dekolonisation. Roberto Choque, ehemaliger Vizeminister für Dekolonisation,
im Gespräch
233 Roberto Choque Canqui: La Mit'a
235 Alice Creischer: Primitive Accumulation, As Exemplified in Potosí
238 Gabriela Massuh: Los verdaderos dueños de la tierra o el desmadre de la minería en América Latina
61 Elvira Espejo: Camino de las Santas - Der Weg der Heiligen
63 http://www.mapademataro.net
71 CVA: Konsultationspapier
256 Anthony Davies: Burn Baby Burn... Some Thoughts on Finance & Art
78 Matthijs de Bruijne: 1000 Träume
81 Culture and Arts Museum of Migrant Workers: Chinas neue Arbeiterklasse. Dreißig Jahre Wanderarbeit
259 "If you aren't aware of your culture it seems that you haven't existed in history".
Max Jorge Hinderer and Matthijs de Bruijne in conversation with Sun Heng and Lin Zhibin
91 Servicio doméstico activo (SEDOAC) - Aktive Hausarbeit: Der Verein der Hausarbeiterinnen in Madrid.
Interview von Konstanze Schmitt mit Rafaela, Marlene und Mary von Sedoac
265 Triunfo de las domésticas activas (Performance)
270 Isaías Griñolo: Quienes nos representan en realidad nos reemplazan
274 Breve Relación de los agravios que reciben los indios que ay desde cerca del Cuzco hasta Potosí del Padre
Antonio de Ayanz (1596)
280 Bartolomé Arzáns de Orsúa y Vela: Historia de la Villa Imperial de Potosí
247 Max Jorge Hinderer: Prologue - The long Memory of Cocaine
250 John Barker: From Coca to Capital - Cocaine and the Potosí Principle
Human Rights Tickets
55 „Es sind keine Orte der Würde, deswegen drücken sie einen politischen Gegenstand aus. "
Maria G a lindo im Gespräch mit Alice Creischer und Max Jorge Hinderer
242 María Galindo: No se puede descolonizar sin despatriarcalizar
266 "El subsuelo político es la sombra de incertidumbre política que produce un país. "
Entrevista con Luis Tapia por Max Jorge Hinderer
268 "Subjectivity should lie on the side of those demanding rights. "
Christoph Menke in conversation with Alice Creischer, Max Jorge Hinderer and Andreas Siekmann
104 Filmsequenzen -aus dem Archiv „ Petitioners "
273 Documentary Films and Art as a Human Rights Ticket in China.
Zhao Liang in conversation with Hildegund Amanshauser, Alice Creischer, Andreas Siekmann
112 Sonia Abián: Der Engelapparat
275 La bula s ubi imis de us de Pablo III
121 León Ferrari: Briefe an den Papst
276 "You can't just say we don't give a damn about your hyper-capitalism, we will leave the culture industry and
only do art and discourse. But precisely this impossibility is what we will do. "
David Riff in conversation with Alice Creischer and Andreas Siekmann

Universalismus
135 „ Erklärung zu Bedeutung und Wert von Universalmuseen "
281 Tom Flynn: The Universal Museum - A Valid Model for the Twenty-first Century?
283 The "Anti-Humboldt"
279 Alice Creischer/Andreas Siekmann: Universalism in Art and the Art of Universalism
284 Nation Branding: Art, Culture and the Construction of National Identity. Panel at the Anti-Humboldt congress
286 Plataforma de Reflexión sobre Políticas Culturales: Es como EL TRABAJO, que no le puede gustar
a todo el mundo

Verkehrte Welt
147 Christian von Borries: The Dubai in Me
148 Verkehrte Welt. E-Mail-Korrespondenz zwischen Peter Linebaugh und den Kuratoren
290 „La Nación clandestina es la que dice: No ¡Ya basta!" Entrevista con Jorge Sanjinés

294 Werkliste
296 Fotocredits der Farbseiten
297 Künstler und Autoren
300 Credits
Editorial Alice Creischer, Max Jorge Hinderer, Andreas Siekmann

Wir sind 2006 zum ersten Mal nach Potosí gefahren und Universitäten zu kompensieren und einen wenn auch klei-
haben dort die Malerei gesehen, die im 16. bis 18. Jahrhun- nen Freiraum für die Recherche zu bieten.
dert unter spanischer Kolonialherrschaft entstanden ist. Als Da wir befürchteten, über eine ungenügende Expertise für
wir im Frühjahr 2008 angefragt wurden, ein Projekt für das das Kuratieren historischer Gemälde und ihrer Kontexte zu
Museo Reina Sofía in Madrid zu entwickeln, kam uns sofort verfügen, baten wir die Institutionen um Unterstützung. Wir
die Idee, diese Bilder auszuleihen und zeitgenössische konnten den komplexen Vorgang des Ausleihens der
Künstler zu bitten, sich auf die Beantwortung eines solchen Gemälde, die größtenteils zum ersten Mal in Europa gezeigt
Bildes einzulassen. wurden, nicht einschätzen. Das Museo Reina Sofía widmete
Ursprünglich nannten wir das Projekt Inversión Moder- sich diesem Prozess als einer seiner schwierigen Hauptauf-
nidad, um einen Anstoß zur Revision des im Kunstbereich gaben. Die Organisation des gesamten Projektes und das
überfälligen Verständnisses von Moderne zu geben und Ausleihen der Bilder waren eine große Herausforderung für
diesen Begriff auf seine kolonialen Bedingtheiten zurückzu- beide Institutionen. Für die Ermöglichung des Projektes sind
führen. (Inversión bedeutet auf Spanisch zugleich Um- wirden Direktoren des Museo Nacional Centro de Arte Reina
kehrung und Investition.) Es ging um die Frage, ob die Sofía und des Hauses der Kulturen der Welt, Manuel Borja-
geschichtliche Beziehung einer künstlerischen Produktion Villel und Bernd Scherer sowie ihren Mitarbeiterinnen und
als Ornat/Legitimation der kolonialen Raubzüge und Geno- Mitarbeitern zu großem Dank verpflichtet, ebenso derSocie-
zide auf die Gegenwart übertragbar ist, ob es Zusammen- dad Estatal para la Acción Cultural Exterior (SEACEX), der
hänge gibt zwischen der Funktion der Kolonialmalerei und Bundeskulturstiftung und der Fundación Cultural Banco Cen-
der Funktion, die das Kunstsystem heute übernimmt, um die tral de Bolivia. Wir möchten an dieser Stelle gegenüber
neuen Eliten der Globalisierung mit Legitimität auszustatten. Edgar Arandia, dem Direktor des Museo Nacional de Arte in
Unsere Idee traf auf Begeisterung, nicht nur beim Museo La Paz, einen besonderen Dank dafür aussprechen, dass er
Reina Sofía, sondern auch beim Haus der Kulturen der Welt seine Ansichten über die Möglichkeiten einer Dekolonisation
in Berlin, das sich frühzeitig, im Herbst 2008, um eine Über- öffentlicher Institutionen sehr früh mit uns geteilt hat und mit
nahme der Ausstellung bemühte. uns darin übereinstimmte, dass die Rolle der Künstler und
Bei einer Einladung zu dem Treffen Otros Bicentenarios Kuratoren in einem solchen Prozess nicht den hegemonia-
im Goethe-Institut in Buenos Aires mit Soziologen, Politik- len Formen der Arbeitsteilung gehorchen darf. 2
wissenschaftlern und indigenen Aktivisten aus Bolivien und Schon in Projekten vor Das Potosi-Prinzipwar uns klar,
den argentinischen Provinzen Patagonien und Salta wurde dass „Kuratieren" für uns keine Profession ist, sondern eine
uns besonders die Gefahr bewusst, dass das Projekt mög- Form der Sinnbefragung, wie man unter den heutigen politi-
licherweise als ein „Programmpunkt" der Jubiläumsfeier- schen Bedingungen weiter künstlerisch arbeiten kann. Es ist
lichkeiten 2010 gelesen werden könnte. Umso mehr wurden ein gemeinschaftlicher Prozess, in dem wir als Kuratoren die
wir angeregt, in unserem Projekt zu betonen, dass wir Jah- neu produzierten Arbeiten nicht einfach aussuchen und hin-
restage zur „Befreiung" der Kolonien nicht mitfeiern, wenn stellen, sondern gemeinsam mit den Künstlern entwickeln.
es die Befreiung einer bürgerlichen Elite ist, die mit genau Eine Künstlerin oder ein Künstler, deren Arbeit von einem
derselben Devise beginnt, mit der die französische Revolu- Kurator ausgesucht wurde, bleibt oft von wichtigen Ent-
tion endete: „Bereichert euch!" - und dabei programma- scheidungen ausgeschlossen; es gibt einen doppelten, also
tisch bevölkerungspolitisch relevantere Aufstände, wie einen akuten und einen strukturellen Mangel an Kommuni-
beispielsweise dervon Tupac Katari und Bartolina Sisa, ver- kation. Wir wollen das ändern. Ein solches Selbstverständ-
deckt. 1 nis gehört seit den 90er-Jahren zu einer künstlerischen
„Research-Projekte" gehören mittlerweile zum Pro- Praxis, die sich derTendenz, künstlerische Aussagen zu de-
gramm vieler sich fortschrittlich verstehender Kunstinstitu- politisieren, bewusst widersetzt. (Diese Tendenz ist sowohl
tionen. Aufgrund unserer Erfahrungen in diesem Projekt den Institutionen und dem Kunstmarkt als auch der künstle-
möchten wir anregen, dass Institutionen, die sich einer ver- rischen Produktion selbst inhärent.) Diese künstlerische Pra-
tiefenden Research-Praxis widmen, den Austausch und die xis reagiert einerseits auf die simple Tatsache, dass politi-
Verbindung mit lokalen institutionellen wie außerinstitutio- sche Information ein seltenes Gut ist in der Welt von
nellen Diskussionen verstärkt ermöglichen, und dass der Berlusconi, Bertelsmann/Murdoch oder Disney/Time War-
zeitliche Rahmen zur Recherche erweitert wird. Die institu- ner, und dass jeder sich darum bemühen muss, diese politi-
tionelle Absicherung solcher Bedingungen kann, unserer sche Arbeit in seinem eigenen Bereich auszuführen und
Meinung nach, sicherlich auch dazu zu dienen, die Verun- methodisch zu reflektieren. In unserem Fall geht es dann
möglichung einer freien Forschung in den ökonomisierten andererseits auch um die Herstellung der eigenen kunsthis-
torischen Genealogien-eine spannende und erschöpfende Der allergrößte Dank in diesem Projekt geht aber an dieje-
Spurensuche in einer akademisch deformierten Geschichts- nigen, die ununterbrochen die ganze Zeit an unserer Seite
schreibung, wie auch in einem Ausstellungsbetrieb, der im gelebt und das Projekt mit uns erlebt haben: Felix und Nelly
Zwang des Eventmarketing sowohl die Verantwortlichkeit Siekmann und Falke Pisano. Ohne ihre Geduld und ihr
für Sinngebung als auch das eigene politische Gedächtnis Verständnis wäre dieses Projekt nicht möglich gewe-
und seine Archivierung ausgelagert hat. Dies führt zu verfäl- sen.Dankesliste Wir können nicht alle aufzählen, die uns in
schenden Identitätspolitiken künstlerischen Arbeitens und den Recherchen, Planungen und schwierigen Situationen
gerät in die Standortrhetoriken. dieses Projekts unterstützt haben. Wir danken Sergio Farré
Eine solche Praxis, die arbeitsteilige Verhältnisse und für sein Engagement zur Ausleihe der Bilder, Carlos Rúa für
Kompetenzzuschreibungenoftbewusstignoriert, kann mög- die bemerkenswerte restauratorische Arbeit und Hilfsbereit-
licherweise Konflikte produzieren, die nicht nur im adminis- schaft gegenüber unseren Ausstellungsideen, bei Nuria
trativen Procedere, sondern auch in einer unterschiedlichen Enguita, Gabriela Massuh, Sally Gutiérrez, Mercedes Ber-
politischen Haltung liegen. Genau solche Konflikte machen nabé und Luís Guaranífür ihre Solidarität und Großzügigkeit.
ja die politische Valenz eines Projektes aus. Dank gilt auch Susanne Leeb, Karin Gludovatz, Marisa Kern,
Während der Arbeit an dem Projekt fühlten wir uns Karoline Noackund Peggy Goede Montalván,dieunsin Ber-
manchmal wie zwischen Scylla und Charybdis. Auf dereinen lin kunsthistorisch unterstützten. Wir danken Andreas Holl
Seite standen die diplomatische Etikette und unerwartet und Renzo de Luca für die Recherche zum „Nagasaki"-Bild,
hohe Transportkosten, auf der anderen Seite fürchteten wir Franz Obermaierfür die Bereitstellung der Nieremberg-Sti-
identitäre Zuschreibungen an die kolonialen Bilder. Wirfühl- che. Für wichtige Ratschläge und Hinweise in Bezug auf die
ten uns zerrissen zwischen der Gefahr, mit unserem Projekt spanische Kunstgeschichte danken wir Jorge Luis Marzo.
einem Diskurs zuzuarbeiten, der sich der national-identitä- Dank an Ana Méndez de Andés und Traficantes de Sue-
ren Repräsentation nicht strikt widersetzt, und der Gefahr, ños, Ben Seymour, Alexei Penzin, Atilio Valdivieso, Andrés
auf einen Trugschluss zu setzen und beispielsweise indige- Unter, Drina Guzmán, Jorge Hurtado, Su Wei, Ehepaar Payer,
nistische Alterität als einzig legitime Opposition zu affirmie- Ursula Thiemer-Sachse, Amparo Carvajal, Minze Tumme-
ren. Wir wollen weder das eine noch das andere. Denn wir scheit und Arne Hector, Hildegund Amanshauser, Cristian
sind zu dem Schluss gekommen, dass beides unmittelbar Forte, Perdo Querejazu, Lucia Querejazu, Aquiles Alencar
zusammenhängt: Wir stellten oft eine Tendenz zur Essentia- Brayner und Geoff West, Guido Cloet, Thomas Werner,
lisierung von Kultur und Ethnie fest. Dies lenkt von den glo- Marijke Hellemans, Beatriz Loayza, Lupe Meneces, David
balen ökonomischen und politischen Verflechtungen ab und Aruquipa, Reina Gonzáles, Padre Hugo Limache, Orieta Dur-
kann dadurch auch zu einer Entsolidarisierung führen. Das andal, Marcela Inch, Marisabel Villagomez, Fortu y la Casa
führte dazu, dass wir im Lauf des Projektes eine dezidiert Hermanos Manchego, Peggy Goede Montalván, Gloria Cruz
internationalistische und anti-identitäre Position einnahmen Justiniano, Anne Hinderer, Hans-Georg Hinderer, Mirjam
und umso mehr auf die zeitgenössische Gewichtung Wert Thomann, André Rottmann, Sabine Breitwieser, Helmut
legten. 3 Das heißt auf die Präsenz und Verantwortung ge- Draxler, Hortensia Völckers, Mathias Greffrath, BNV Produc-
genüber geschichtlichen und politischen Prozessen, in die ciones, Alexander Alberro und John Dunn. Last but not least
wir involviert sind. möchten wir uns bei allen Institutionen für die Ausleihe der
Wir möchten uns zuallererst bei allen Künstlerinnen und Bilder bedanken. Ohne ihre Unterstützung wäre es nicht
Künstlern bedanken, die sich so intensiv und wissbegierig möglich gewesen, zum ersten Mal eine internationale Aus-
auf dieses Projekt eingelassen haben. Darunter besonders stellung mit bolivianischer Kolonialmalerei als Ausstellung
bei unseren sogenannten Korrespondenten, Matthijs de ganz nach Bolivien (zurück) zu bringen.
Bruijne, David Riff und Anthony Davies, die unsere Mitkura-
Siehe dazu den Vortrag toren und Ideengeber waren und die das Projektmitunglaub- Alice Creischer, Max Jorge Hinderer, Andreas Siekmann,
von Pilar Lizárraga und licher Geduld und Solidarität begleiteten-ebenso wie Maria Juli 2010
Carlos Vacaflores (Tarija) Galindo, die uns in sehr schwierigen Phasen mit ihrer wich-
bei der Konferenz Otros
tigen politischen Erfahrung unterstützte. Bedanken möchten Editorische Notiz
Bicentenarios im Dezem-
ber 2008: http j/otros-
wir uns auch bei den Kunsthistorikerinnen und Kunsthistori- Der Katalog ist in einen vorderen Part, der durch die Aus-
bicentenarios. blogspot. kern die uns in La Paz, Sucre und Potosí geholfen haben, allen stellung führt und die einzelnen Arbeiten vorstellt, und einen
com/2008/12/el-bicente- voran Teresa Gisbert und Maria Isabel Álvarez Plata, sowie hinteren Essay-, Interview- und Quellenpart aufgeteilt. Den
nario-aniversario-de-
bei Fátima Olivarez und Roberto Choque Canqui in La Paz, roten Faden im vorderen Part bildet der Guide, den wir für
las.html
ohne deren Gespräche und Beratung unser kunsthistori- die Ausstellung in Madrid schrieben und der die einzelnen
Vgl. dazu „Langsam vor-
wärts", Edgar Arandia im sches Wissen niemals zustande gekommen wäre. Arbeiten und Bilder in dem Kontext unseres Projektes ver-
Interview mit den Kura- Wir danken allen Autorinnen und Autoren des Katalogs, deutlicht. Die Wegführung orientiert sich an der Ausstel-
toren, in: Springerin - insbesondere auch für die Selbstverständlichkeit, mit der lungsarchitektur im Museo Reina Sofía. Viele der kürzeren
Hefte für Gegenwartskunst
viele ihre Beiträge als Kollaboration auch unentgeltlich zur Exkurse des vorderen Teils, die in den Guide eingeschoben
Nr. 03/2009, Wien 2009.
So hat André Rottmann Verfügung stellten. Ganz besonderen Dank an Sonja Oehler sind, verweisen auf den hinteren Teil. Im hinteren Teil sind
unseren Zweispalt in sei- und Martin Hager für ihre Ausdauer und Geduld bei der die Texte meistens in ihren Originalsprachen zu lesen, da das
nem Artikel „1000 Arbeit an dieser Publikation. Wir danken Francisco Godoy Budget nicht zur Übersetzung aller Texte ausreichte. Der
Words" für Artforum, vordere Teil ist nach einem Nummernsystem gegliedert, das
für seine koordinatorische Arbeit für MNCARS und für SEA-
New York, September
CEX und nochmals und immer wieder bei Sonja Oehler für den Arbeiten zugewiesen ist. Eine Inhaltsangabe verweist
2010, treffend ausge-
drückt. die Koordination am Haus der Kulturen der Welt. auf die thematischen Schwerpunkte des Katalogs.
il
Es gibt eine ursprüngliche Akkumulation, die nur so genannt ist

V I

Es gibt Menschenrechte, um Recht über Menschen zu haben

V V

Wie können wir das fremde Lied im Land des Herrn singen?

Das Potosi-Prinzip
Verkehrte Welt
Willkommen im fremden Land. Wir hoffen, dass Sie die Ausreisekontrollen gut überstanden haben. Bitte seien
Sie nicht irritiert von den Handschellen des Security-Dienstes. Sie sind weder in einem Gefängnis, noch wer-
den Sie in einer Bank als möglicher Investor festgehalten. Sie sind gar nicht mehr da. Sie haben sozusagen
Ihre Zeitgenossenschaft verlassen, denn Sie befinden sich in einem geschichtlichen Raum, von dem wir
behaupten, dass er keine Linie bildet, sondern dass er simultan ist und nie vorbei.
Der Punkt, von dem wir Ihre Ausreise beginnen, ist die Stadt Potosí, eine Minenstadt in Bolivien, von der man
sagt, dass sie im 16. Jahrhundert größer und prächtiger war als London und Paris, und dass dort an Feierta-
gen die Bürgersteige aus Silber waren. Man sagt, dass man mit dem Silber, das von Potosí nach Europa ging,
eine Brücke über den Atlantik bis zum Hafen von Cádiz bauen könnte. Es gibt einen andauernden Streit darü-
ber, wie man die Toten schätzen kann, die durch die Zwangsarbeit in den Minen starben. Ihre Zahl geht in die
Hunderttausende, aber sie hört ja nicht a u f - e t w a mit dem Ende der Kolonialzeit-, diese Zahl setzt sich über
das ganze Bicentenario fort bis jetzt. Es geht in diesem Projekt um eine Vergegenwärtigung dieser Fortset-
zung.
Das Silber wird nach Cádiz verschifft. So sehr ist der spanische König verschuldet, dass es noch vor dem
Hafen in Schiffe für die Börsen ganz Europas umgeladen wird. Es verursacht eine entscheidende Dynamik für
die Entwicklung der Industrie, des Bankenwesens, der kolonialen Handelskompanien und ihrer Kriegs- und
Sklavenschiffe, der Agrarindustrie und für die Vertreibung, Verelendung, die Verfügbarmachung von Perso-
nen zu Arbeitskräften. Diese Verfügbarkeit von Personen besteht gleichzeitig in Europa und den Kolonien. Sie
ist der Beginn eines Systems, das schon seit jeher global agiert. Es geht in diesem Projekt um die Vergegen-
wärtigung der Tatsache, dass die Konzeption der modernen europäischen Gesellschaft und ihres Wirtschafts-
systems nie ohne seine koloniale Bedingtheit und seine Verbrechen gedacht werden kann. Es geht darum,
dass sich diese Bedingtheit bis jetzt und überall fortsetzt.
In dieser Dynamik wird eine Massenproduktion von Bildern freigesetzt, die zunächst in die Kolonien verschifft
werden, um dann dort eigene Bilder zu erzeugen. Wenn wir einige dieser Bilder hier zeigen, dann sind sie Zeu-
gen dafür, dass kulturelle Hegemonie keine symbolische Größe ist, sondern eine Gewalt. Wir können von die-
sen Zeugen nicht verlangen, dass sie eine geradlinige Kontinuität bis zu den Bedingtheiten von Hegemonie
und den globalisierten Wertschöpfungen heute herstellen. Aber wir können behaupten, dass es Zusammen-
hänge gibt zwischen der Funktion der Kolonialmalerei und der Funktion, die Kunst nun übernimmt, um die neuen
Eliten der Globalisierung mit Legitimität auszustatten.
Es gibt verschiedene Wege, die Sie bei Ihrer Ausreise nehmen können; Sie werden dabei immer dieselben
geografischen Punkte kreuzen. Es sind die Orte, aus denen wir Künstler eingeladen haben, um ausgehend von
ihrer lokalen Situation in den heutigen „Boomtowns" die Bilder aus Potosí zu beantworten. Nicht zuletzt aber
ging es uns allen darum klarzustellen, dass die Produktion von Bildern immer schon nicht ganz in einer Tech-
nologie von Macht aufging, und dass sie selbst in ihrer repressivsten Form eine Angst sein kann und eine vor-
weggenommene Rache gegen die Unvorstellbarkeit, dass es tatsächlich eine Grenze gibt in dieser unendli-
chen Immanenz von Macht, und dass es Gegner gibt - launische, korrumpierbare, unstete - die darin nicht
aufgehen.
Existe una acumulación originaria que sólo se llama así
Es gibt eine ursprüngliche Akkumulation, die nur so genannt ist

f1

' Wenn Sie nach den Kontrollen nicht direkt weitergegängelt wurden, wenn Sie irgendwo Platz
gefunden haben auf einer Bank, um zu lesen (wir wissen nicht, wie lange Sie sich dort aufhal-
ten dürfen), dann werden Sie nun auf die Rückseite von zwei großen Bildern schauen. Weil sie

1 transparent sind, können Sie vielleicht einige Details der Vorderseite erkennen. Gehen Sie nicht
nach vorne, betrachten Sie die Rückseite genauer. Sie werden an einigen Stellen kleine Kopien
/ entdecken. Es sind sadistische und obszöne Folterszenen, verzerrte Gesichter, die die Sinne
symbolisieren, die durch die Folter zerstört werden. In ihrem jüngsten Buch beschreibt Naomi Klein die Ent-
wicklung der Schocktherapie in der Psychiatrie in den 60ern und ihre Verbindung zu den neoliberalen Think
Tanks und zur CIA. Die Schocktherapie begreift die „kranke" Psyche als ein Computerprogramm, das man
löschen muss, um es dann zu re-installieren. Die Methoden der Schocktherapie wurden als Folter und zugleich
als Wirtschaftsprogramm zunächst in den Diktaturen Südamerikas angewandt. Terror und Strukturanpas-
sungsprogramme, das Lähmen des Widerstandes gegen asoziale Politik durch die Erzeugung von Angst gehö-
ren bis jetzt zum neoliberalen Programm.
Die Stiche, die Sie hier sehen, wurden 1705 in der jesuitischen Provinz Paraguay hergestellt. Sie sind Bestand-
De la diferencia entre lo
teil eines Kompendiums zur Erlernung der Angst
temporal y lo eterno vor Hölle und Tod. Sie sehen hier Details einer H
Juan Eusebio Nieremberg, 1705
Jesuitenreduktion Paraguay großartigen Pionierleistung, eines der ersten H
Vorlage von Gaspar Bouttats, selbst hergestellten und ins Guaraní übersetzten
Antwerpen 1684
Druckerzeugnisse im Vizekönigreich Peru. So ^ ^ ^ j ^ y ; '
wichtig war diese Erzeugung von Angst. y -^ffj^(^^¡^^g^^r^f^^^S^^

Der Sprung zwischen den Methoden neolibera-


ler Politik und diesen Motiven ist Ihnen zu groß,
zu ungenau? Sie haben Recht. Betrachten Sie
nun das Bild von vorne, und beginnen Sie mit
dem, was wir den ganzen langen Abschnitt lang
tun werden, mit dem Versuch, die Entfernung die-
Die Bestrafung der Sinne,
Juan Eusebio Nieremberg, in: ses Sprungs präziser zu vermessen. Schauen Sie
De la diferencia entre lo tem- die erste der beiden großen Silberstiftzeichnun-
poral y eterno: Trad, en len-
gen an. Sie sind auf Kopierfolie nach Bildern aus
gua guarani por loseph
Serrano, SJ. : Impresso en las der Kirche von Caquiaviri gezeichnet. Über Kopf-
Doctrinas, 1705. Exemplar des hörer können Sie die Audio-Aufzeichnungen des
Museo Udaondo in Luján, 500-jährigen Jubiläums der Kirche von Caquiaviri
Argentinien,
aus: Franz Obermeier,
hören (vom 17.01.2010).
Der argentinische Erstdruck Die Gemeinde hat sich geweigert, diese Bilder
Nierembergs De la diferencia
auszuleihen. Die Gründe dafür können Sie auf der
in Guarani im Kontext der Bil-
derzyklen in Lateinamerika im Rückseite des Fotos, das zusammen mit der Lupe
18. Jahrhundert, 2006. am unteren Rand des Bildes hängt, nachlesen.
Warum Bilder nicht kommen in Berlin gekommen ist, das heute von sich behauptet, mehr
als 50 Prozent der existierenden Stücke zu besitzen.
und warum Bilder kommen Kommen wir darauf zurück, dass Bilder verschwinden,
nachdem wir sie, als Kuratoren eines Projekts des Museo Reina
Es ist wichtig, dass die abwesenden Bilder den
Sofía, angeschaut haben, oder dass ihr Transport das Budget
gleichen Raum bekommen, den ihre Anwesenheit des Projekts sprengt. Wir sind also selbst Auslöser eines Pro-
bedeutet hätte. zesses, den wir Fetischisierung nennen, im Sinne einer
Inwertsetzung, die immer feindlich zu ihrer Umgebung steht.
Diese Inwertsetzung, die unvermeidbar mit unserem Inter-
Als wir unser Projekt anfingen, dachten wir, dass das Auslei- esse an der Ausstellung verbunden ist, kann für die Gemein-
hen von Bildern aus Bolivien kein großes Problem wäre. Wir den heißen: Bedrohung der Bilder durch Raub, entweder
dachten, dass die Gemeinden und Museen sich über unser durch Hehlerbanden oder durch die eigene oder die europäi-
Interesse freuen würden, weil es dadurch möglich wäre, sche Regierung und ihre staatlichen Museen.
Restaurierungen zu organisieren und Broschüren von die- Wir sollten uns in die heiklen Verhandlungen zwischen
sen Bildern zu machen, die nur wenige kennen. Wir dach- den spanischen und den lokalen Institutionen zur Ausleihe
ten, dass es so sein könnte, wie es bei unserem ersten Besuch der Bilder nicht einmischen. Es waren sicherlich Verhand-
in Caquiaviri im Gespräch mit dem Pfarrer schien: dafür, dass lungen, die auf ihre eigene institutionelle Weise das Gewicht
wir ein Bild ausleihen dürfen, bekommt die Gemeinde eine der kolonialen Geschichte zwischen Spanien und Bolivien
neue Alarmanlage für die Kirche, um das zurückgekehrte als Pfand einzusetzen wussten. So eben, wie das Bicentenario,
Bild besser schützen zu können. Wir planten sogar einen in dessen Rahmen diese Ausstellung geschieht, wirklich für
kompensativen Austausch von Bildern zwischen Europa eine bestimmte Klasse eine Befreiung bedeutete. Die Ver-
und Bolivien. Wir hielten eine Rehabilitation dieser Bilder, handlungen sind sicherlich eine Pionierleistung, die unse-
die in Europa in ethnologischen und nicht in kunsthistori- ren Respekt verdient und welche die Möglichkeit schafft,
schen Museen hängen, für überfällig. Wir wissen nun, dass dass die Bilder erneut zirkulieren können.
diese Vorstellungen naiv waren. Die hohe Summe für Transport und Versicherung ist
Mit nur einer Ausnahme sind keine Bilder aus den Ge- selbstverständlich bei historischen Bildern. Aber wir kön-
meinden gekommen, und die Bilder aus den Institutionen nen nicht davon abstrahieren, dass diese Inwertsetzung, der
sind nur mit einem großen Kostenaufwand für Transport wir beiwohnen und die wir mitinitiiert haben, mit einer
und Versicherung gekommen. Wir können es nicht als orga- Geschichte und einer Gegenwart von Raub logisch und not-
nisatorisches Problem betrachten, warum Bilder kommen wendig verbunden ist: mit der Aufbewahrung von geraub-
und warum Bilder nicht kommen, weil darin ein Machtver- ten Dingen, mit dieser seltsamen Form der Sorge um ihre
hältnis deutlich wird, dessen Teil wir sind. Konservierung, so als ob ihre Unvergänglichkeit den Raub
Es gibt lustige Anekdoten dazu, warum Bilder nicht kom- vergessen lässt.
men: ein Bürgermeister, der vor seiner Gemeinde angeben Es wurde oft beschrieben, dass Fetischisierung das Ver-
muss und einen Hochlandtraktor im Gegenzug verlangt, ein gessenmachen eines ursprünglichen Raubs und seiner
Künstler, der Einzelausstellungen im Museo Reina Sofía und Gewalt bedeutet, aber gerade durch ihre Überwindung zur
im Centre Pompidou verlangt, Kuratoren, die als Bilderräu- Attraktion, zum Ornat derselben Gewalt wird. Dies ge-
ber verdächtigt werden. Wenn Sie allerdings die Begründun- schieht in den Formen der Waren, aber auch in den episte-
gen lesen, warum Bilder aus Europa nicht nach Bolivien aus- mologischen Modellen, mit denen eine Gesellschaft sich
geliehen werden, dann verwandeln sich diese Anekdoten in selbst betrachtet.
eine adäquate Antwort auf die Absurdität der Einbehal- Warum Bilder kommen und nicht kommen, war für uns
tungsmacht, die in europäischen Institutionen in Bezug auf eine generelle Erfahrung über das epistemologische Modell
Bilder und Objekte ehemaliger Kolonien herrscht. des Museums: Sammeln, Vergleichen, Ordnen, Konservieren
Sie werden auch lesen können, wie diese absurden Ge- von Objekten - eine Bank und ihre Wertpapiere, die dann
schichten und das berechtigte Misstrauen der Gemeinden verfallen, wenn ihre Bedeutung nicht gewährleistet ist. Aber
eine andere Kohärenz gewinnen angesichts der organisier- diese Bedeutung wird nicht nur in der benachbarten Institu-
ten Raubzüge von Antiquitätenhehlern. Das ist vor allem tion der Akademie hergestellt und versiegelt. Eine weitere
dann kein marginales Thema, wenn Sie lesen, wie die welt- Bestätigung muss von einem öffentlichen Diskurs ausgehen,
größte Sammlung von Khipus in das Ethnologische Museum der zugleich immer eine Bedrohung ist, weil er von den
Orten erzählen kann, von denen die Objekte stammen. Dass erbes bemächtigt haben. Während unserer Bemühungen,
wir unsere Aufgabe in dieser Bedrohung sehen, ist zwar rich- Leihgaben zu bekommen, hatten wir die Möglichkeit, an ei-
tig, aber auch nicht ganz wahr. ner Gemeindeversammlung teilzunehmen, gemeinsam mit
Wir sind uns nicht einig, ob wir Reproduktionen statt der Angestellten der Spanischen Botschaft und des Museums
Bilder hätten aufhängen sollen. Wir schließen aus unseren Reina Sofía. Das Thema wurde vor allem politisch diskutiert.
Erfahrungen ein Nein zu den Originalen. Aber wir wünschen Wir bekamen die grundlegenden Vorbehalte der Gemeinden
uns unwillkürlich ein Ja, weil wir ja selbst Fetischisten sind, gegen eine Leihgabe ihrer Bilder mit: ,Was passiert, wenn die
verführt von den Bildern in diesem Moment ihrer Anwesen- Bilder nie zurückkommen? Das ist doch schon einmal pas-
heit und in diesem Moment davon überzeugt, dass diese siert', oder es wurde gefragt: ,Was ist, wenn wir das Bild leihen
Anwesenheit nicht „Staub" ist, sondern die Präsenz ihrer und später eine Fälschung zurückbekommen?' - ,Wir geben
eigenen Geschichte. Diese Präsenz verfechten wir. das Bild nicht her!', war letztlich die Antwort, obwohl sie wus-
AC,MJH, AS sten, dass eine von der Gemeinde gewählte Person die Mög-
lichkeit haben würde, das Bild auf seiner Reise und bis zur
Eröffnung der Ausstellung in Madrid zu begleiten. Dies alles
Reina J. Gonzáles, Generaldirektorin der öffentlichen Verwal- führt uns zu dem Schluss, dass es eine sehr gerechtfertigte
tung des Nationalitätenstaates im Vizeministerium für Deko- Wiederaneignung von dem gibt, was wir Erbe nennen. Dazu
lonisation, Bolivien, begleitete die Verhandlungen und Leih- gehört nicht nur das, was jedes Bild in Zeit und Raum reprä-
prozesse mit verschiedenen Gemeinden Boliviens. Sie äußerte sentiert, sondern auch der tatsächliche Kontext seiner Entste-
in einem Gespräch in La Paz im Januar 2010 Folgendes: hung. Das Misstrauen äußert sich außerdem noch gegenüber
„Wir müssen die entschiedene Weigerung der Gemeinden, einer anderen Tatsache: den Diebstählen. In Bolivien ist
ihre Bilder auszuleihen, rechtfertigen. Im Rahmen der Aus- schon viel Kulturgut gestohlen worden, vor allem aus Ge-
stellung sind Bilderanfragen an verschiedene Gemeinden meindekirchen. Dies ist ein zentrales Argument der Gemein-
gegangen, unter anderem an Calamarca, Jesús de Machaca, den gegen die Leihgaben: Die Sichtbarmachung der Kunst-
Caquiaviri. Die einzige Zusage ist die Leihgabe aus Chuchu- werke impliziert die Möglichkeit ihres Diebstahls. Es gibt
laya. Diese Reaktionen geben zu denken. Interessant ist, dass eine Haltung, die man als Land, als Regierung haben kann.
allen Entscheidungen eine Gemeinsamkeit zugrunde liegt: Aber es gibt auch die Haltung als Gemeinde - und dies müs-
Es ist die Feststellung, dass die Gemeinden sich dieses Kultur- sen wir anerkennen und akzeptieren."

Der Fall Caquiaviri


Es war von Anfang an klar, dass das Ausleihen der Bilder tech- künstlers, der Ehrenbürger der Gemeinde ist, im Museo Reina
nisch schwierig sein wird, wegen ihrer Größe und weil nie- Sofía und im Centre Pompidou. Im weiteren Verlauf der Ver-
mand wusste, wie sie in der Wand verankert waren. Gleich- handlungen verlangte er zusätzlich einen Hochlandtraktor
zeitig begannen die Verhandlungen zwischen der Gemeinde, und forderte, dass 20 Mitglieder der Gemeinde mit dem Bild
der Spanischen Botschaft und dem Museo Reina Sofía. Der nach Madrid reisen dürfen. Es gibt Gerüchte, dass der Alcalde
Alcalde von Caquiaviri verlangte zunächst im Tausch für die mit diesen Forderungen die Sympathie der Gemeinde neu
Ausleihe eine Einzelausstellung eines berühmten Folklore- gewinnen wollte, die er vorher verloren hatte. AC, MJH, AS
Q ^ 1 Das Bild hat zwei sehr ungleiche Teile. Am oberen Rand werden Personen, die am helllichten
Tag in einer idyllischen Landschaft spazieren, von Teufeln mit Stockwerkzeugen direkt in die Hölle
geangelt. Die Gesetzmäßigkeit der Folter, die Torturenäquivalenz zu den Sünden, die Gleichheit

2 der Kardinäle, Fürsten und Päpste im Kochtopf vor diesem Gesetz, all dies ist nur eine kurze
Ablenkung von der gesetzesenthobenen Mächtigkeit der Macht, die ohne Grund Personen aus
) der Landschaft in die Tortur hinabziehen kann. Wenn wir das Bild anschauen, können wir nicht
vergessen, dass Caquiaviri ein Verkehrsknotenpunkt des Silber- und Kupferhandels war, dass der Cacique,
der Gemeindevorsteher von Caquiaviri, Anteile an Minen im 1000 km entfernten Potosí hatte. Der Cacique
wurde von der spanischen Kolonialmacht für die Durchführung der Aushebung von Indios zur Zwangsarbeit
in Potosí für die gesamte Region verantwortlich gemacht.
Das Bild ist Bestandteil einer der wenigen vollständig erhaltenen, beeindruckenden Bilderensembles, der so
genannten Postrimerías, die die ganze Kirche in Caquiaviri ausfüllen. Postrimerías (Darstellungen von Tod,
Jüngstem Gericht und Höllenqual) waren in der Gegend um den Titicacasee sehr verbreitet. Sie gehören zu
den ersten christlichen Bildmotiven in Südamerika. Sie begleiten als kleine Altäre sogar die Taufe der Skla-
ven bei ihrer Ankunft in den Häfen. Die Taufe und das Zeigen der Hölle sind also ein- und dasselbe Moment.
Michael Taussig bezeichnet die Rolle des Terrors als Mediator parexellencefür die koloniale Hegemonie. Sie
machteinen Raum auf, in der die Willkürdes Kolonisierersso unbegrenzt herrscht wie die M a c h t i n der Hölle.
Diese Räume haben eine lange und reiche Tradition, ihre Signifikanten vermischen sich mit denen der Erober-
ten. Aber diese Signifikanten funktionieren nicht richtig. Denn die Willkür der Macht zielt auf die Zerstörung
Infierno von Sinn. Taussig überträgt diese Zerstörung von Sinn auf dasselbe „disarrangement" zwischen uns und den
Meister von Caquiaviri
1739 Waren.
Kirche von Caquiaviri,
Departamento de La Paz Bevor wir fortfahren, betrachten Sie das Bild in Ruhe. Seine Motive sind Ihnen nur allzu bekannt und verwei-
sen auf eine lange Geschichte des Terrors in Europa selbst, bevor er von der kolonialen Regierung in die Kolo-
nien exportiert wurde.

El Infierno de Caquiaviri
Zeichnung: Quirin Bäumler
2010, Berlin
Audio: Luis Guaraní
2010

Zu den Postrimerías kirchlichen Macht verbunden: Da sie Mehrwert produzieren,


sind sie verpflichtet, die Kirche zu unterstützen. Diese wiede-
von Caquiaviri rum christianisiert die Indígenas, die in die Mine arbeiten
gehen. Der Kreis, der sich hier schließt, ist genau durchdacht:
Das von indigenen Minenarbeitern produzierte Geld trägt
Max Jorge Hinderer: Gibt es einen Zusammenhang zwischen dazu bei, dass Bilder produziert werden, die der Christianisie-
der wirtschaftlichen Entwicklung Potosis zwischen dem i6. und rung weiterer Indígenas dienen, die wiederum in die Mine
dem i8. Jahrhundert und der dort stattfindenden Bildproduktion? kommen und den christlichen Glauben annehmen.
Maria Isabel Álvarez Plata: Meines Erachtens gibt es einen Das Gespräch mit Maria Isabel Alvarez Plata wurde geführt von
beträchtlichen Zusammenhang, denn die Entwicklung des Alice Creischer, Max forge Hinderer, Andreas Siekmann am 12.01.
Minenwesens in diesen Jahrhunderten mit seinen Höhen und 200g, La Paz.
Tiefen bestimmt hauptsächlich, was in der Kunst und der
Malerei produziert wird. Die Minenbesitzer sind die Konsu- Fotos: Carlos Rúa Landa /
Die Postrimerías von Caquiaviri bestehen aus Motiven vom
Ministerio de Culturas,
menten dieser Kunst, und sie sind die Inhaber der gesellschaft-
Tod, dem Jüngsten Gericht, der Regierung des Antichristen, Gobierno P | urinadona | de
lichen und politischen Macht. Gleichzeitig sind sie mit der
der Hölle und der Seligkeit (Muerte, Juicio final, Reinado del Bolivia
Anticristo, Infierno, Gloria). Sie nehmen das gesamte Haupt- und Gebete auf, die Vorgaben für die Missionsarbeit in den
schiff der Kirche ein. Im oberen Teil der Wand befindet sich Gemeinden waren. Die Dekrete des Konzils wurden sowohl
ein Zyklus des Heiligen Antonio Abad, des Schutzheiligen durch die spanische Krone als auch den Papst bestätigt.5
der Gemeinde. Poma de Ayala zeichnet den Leviathan, einen „Gewissens-
Die Ikonografie der Bilder von Caquiaviri hat ihren wurm" (in diesem Bild rechts unten), der ein fester Bestand-
Bezugspunkt in der damals sehr populären Abhandlung De teil der Höllenikonografie ist Dieser Wurm ist ein grim-
la Diferencia entre lo Temporal y lo Eterno des Jesuiten Eusebio miger Kummer und eine fruchtlose Reue, welche die Bösen
de Nieremberg, die in sämtliche europäische Sprachen über- dort immer haben werden, und es wird nämlich nie enden,
setzt wurde. Es ist ein Kompendium der religiösen Erbau- solange Gott Gott sein wird und in alle Ewigkeit ohne Unter-
ungsliteratur über die vier letzten Stufen: Tod, Fegefeuer, laß."6 De Ayala kehrt die Drohung gegen die Klasse, die sie
Hölle und Gericht. Solche Kompendien und ihre Stiche sind eingesetzt hat.
wichtige Bezugsquellen für die religiösen Programmmale- Wir haben uns gefragt, ob wir ein Vexierbild sehen. Sün-
reien in Europa und Amerika. De la Différencia entre lo Tempo- der werden in der Hölle bestraft, Personen werden von ihrem
ral y lo Eterno gehörte zum Verlagsrepertoire der Plantin- Land vertrieben und in den Minendienst gezwungen. Wird
Presse in Antwerpen und zum missionarischen Lehrapparat eine historische Realität in einer aufgezwungenen Ikono-
der Jesuiten. Die Stiche in den jeweiligen Ausgaben wurden grafie oder ein aufgezwungener Katechismus deckungs-
von unterschiedlichen Künstlern hergestellt, unter ande- gleich mit seiner Ikonografie dargestellt - und so banal in
rem von Gaspar Bouttat, Hieronymos und Johan Wierix. dieser vollendeten Hegemonie, dass die Anwesenheit der
1
Teresa Gisbert vermutet, dass der Ideengeber der Serie Geschichte zu einer bloßen Spekulation des Betrachters
von Caquiaviri ein Bruder des Erzbischofs von La Plata war, wird?
der im Jesuitenkolleg San Bernardo in Cusco ausgebildet Teresa Gisbert schreibt, dass es schwierig ist, in diesem
wurde und in Caquiaviri lebte. Auch die Söhne der Kaziken Gewirr der vielen nackten gefolterten Körper dieser Hölle
aus der Gegend um La Paz besuchten dieses Kolleg. 2 eindeutig indigene Körper auszumachen. Sie vermutet, dass
Der Teufel zieht Menschen Eine der oft herangezogenen Quellen für die Verbreitung die meisten Körper weiß sind, weil es die europäische Vor-
am hellen Tag in die Hölle, und Wirkung der Postrimerías im Vizekönigreich Peru ist lage so vorgibt.7 Sind die Körper also weiß oder eher braun,
Detail aus dem Infierno
eine Stelle in der Chronik von Poma de Ayala: „Und in jeder ist die rote Tönung mancher Haut vom Schein des Feuers
von Caquiaviri, 1739
Foto: Andreas Siekmann Kirche soll ein Gericht gemalt sein, und dort soll die Ankunft oder durch die Rasse bedingt? Die kunsthistorischen Kate-
des Herrn zum Gericht, des Himmels, der Erde und der Qua- gorisierungsversuche werden selbst monströs und banal. Ist
Zeichnung in: Gregorius len der Hölle zu sehen sein." 3 Rolena Adorno vermutet, dass diese Kunstgeschichte Teil des Selbstverständnisses einer
Agricola, Vom Bergkwerck,
Poma de Ayala Übersetzer beim 3. Konzil von Lima gewesen Klasse, die das Indigene als nationale Identität kulturali-
1557, Hans Prescher (Hg.),
Leipzig 1985 (Faksimiledruck), sein könnte.4 Neben zahlreichen Erwähnungen des Konzils sierte und die mehrheitlich indigene Bevölkerung von allen
6. Buch nimmt er in seiner Chronik auch die Rhetorik der Predigten politischen Entscheidungen ausschloss (so, wie die europä-
ische Kunstgeschichte ihre eigene koloniale Geschichte auch die sogenannten Reformen in Bolivien nach 1985, nach
ignoriert)? Ist also das Nichterkennen indigener Körper in (und mit) der Regierung der Banzer-Diktatur. Sie berichtet,
der Hölle das Symptom einer weißen Mittelschicht in einem wie Jeffrey Sachs (später der einflussreichste Berater der
aparten Staat? Und haben wir selbst eine andere Analyse neuen Regierungen der çoer-Jahre) noch vor den Wahlen die
anzubieten? Banzer-Regierung berät und wie diese Pläne von den Regie-
Michael Taussig beschreibt in Shamanism, Colonialism, rungen Estenssoro und Lozada umgesetzt werden. Die Maß-
and The Wild Man die Rolle des Terrors als „mediator par nahmen dieser Therapie, „die Streichung von Lebensmittel-
excellence of colonial hegemony". 8 Er macht einen Raum subventionen, die Aufhebung fast aller Preiskontrollen und
aus, in dem die Willkür des Kolonisierers so unbegrenzt eine Ölpreissteigerung von 300 Prozent, die Einfrierung der
herrscht wie die Macht in der Hölle: „This space of death has Löhne" 1 2 wurden vorbereitet wie ein Staatstreich. Sie waren
a long and rich culture. It is where the social imagination has ein Diktat mit den Argumenten der Dringlichkeit, der Aus-
populated its metamorphizing images of evil and the under- nahme, des radikalen Durchgreifens, zur sofortigen Heilung
world ... With the European conquest..., these spaces of death eines Kranken. Niemand aus dem Kabinett widerspricht die-
blend into a common pool of key signifiers binding the trans- sen Argumenten. Klein vergleicht dieses Vorgehen mit mili-
forming culture of the conquerer with that of the conquered. tärischen Strategien: „die Kontrolle über das Umfeld an sich
But the signifiers are strategically out of joint with what they reißen und den Gegner so lähmen oder sein Wahrneh-
signify."9 Taussig untersucht europäische Narrationen von mungsvermögen und sein begriffliches Erfassen der Ereig-
kolonialem Terror zu Beginn des 20. Jahrhunderts: zum Bei- nisse so überlasten, dass er zum Widerstand unfähig ist". 1 3
spiel Berichte über die Todesfelder in der Kautschukgewin- Ist das Bild ein solches Maßnahmenpaket, das das Wahrneh-
nung in Kolumbien oder Joseph Conrads Herz der Finsternis mungsvermögen lähmt? Macht die Zerstörung von Sinn
im Kongo. Aber die Berichte bleiben entweder banal oder durch Terror und seine historische Kontinuität es uns also
werden in ihren Beschreibungen des Grauens zu Komplizen unmöglich, das Bild zu deuten, und das, obwohl seine Iko-
der Täter, die das Wilde mit dem Terror untrennbar im Fas- nografie so getreu dem europäischen Vorbild folgt? Betrifft
zinosum verbinden. „Terror nourished itself by destroying also diese Unfähigkeit ein altes europäisches Erkenntnispro-
sense." Diese Zerstörung von Sinn ist übertragbar auf das- blem, die Spiegelhaftigkeit der eigenen Aussagen? Die
selbe „disarrangement... between us and the things in the Unmöglichkeit, synthetische Urteile a priori abzugeben, wo
fetishism of commodities ... In the modern history the das Apostiori, der Raum der Erfahrung, ein Stollen, ein Gal-
fetishism of commodities rejuvenates the mythic density of gen, eine Zelle ist - unbetretbar und grauenvoll?
the space of death ... whereby a resurgent animism makes Der Ausweg aus dieser Aporie ist so einfach wie anstren-
things human and humans things." 1 0 gend. Man muss die Aporie verlassen und bei denen in die
Wir behaupten, dass Bilder wie die „Hölle von Caquiaviri" Lehre gehen, die in der Zelle waren. „Our way lies upstream,
sich in einer simultan lesbaren Zeitachse befinden. Versu- against the current, upriver near the foothill of the Andes
chen wir also einen dritten Zeitsprung von Silber über Kaut- where Indian healers are busy healing colonists of the phan-
schuk zu den Rohstoffen der 7oer-Jahre bis heute. In ihrem toms assailing them. There ... the healer desensationalizes
letzten Buch beschreibt Naomi Klein die Entwicklung der terror so that the mysterious side of the mysterious (to adopt
Schocktherapie in der Psychiatrie in den 6oer-Jahren in Benjamin's formula) is indeed denied by an optic that per-
Kanada und deren Verbindung zu dem Institut Milton Fried- ceives the everyday as impenetrable, impenetrable as the
mans in Chicago. Die Schocktherapie begreift die „kranke" everyday." 1 ^
Psyche als ein Computerprogramm, das man auslöschen 30 Jahre nach der Herstellung der Bilder von Caquiaviri
muss, um es danach zu reinstallieren. Der Patient wird einer richtet im Zuge der indigenen Rebellionen des 18. Jahrhun-
Folter mit Verhören ausgesetzt, die darauf abzielt, das derts die Gemeinde Umerziehungs-Ay/Zus für Spanier ein,
gesamte persönliche Bewusstsein und seine Erinnerungen um sie zu zivilisieren: „Zwischen 1 7 5 0 und 1 7 7 1 gab es drei
zu zerstören. Die Methoden der Schocktherapie wurden Aufstände, die als Grundlagen der zeitgenössischen indige-
Bestandteil der CIA-Folterschule für die Diktaturen in Süd- nen Befreiungsbewegung gelten. Bei der ersten aufständi-
amerika; ihre Episteme legitimierten die neoliberalen Refor- schen Bewegung, den Rebellionen von Ambaná in den
men, die in diesen Regierungen als Experiment durchgeführt i75oer-Jahren, ging es um die religiöse Dekolonisation. Die
w u r d e n . 1 1 Klein beschreibt verschiedene historische Fälle zweite Bewegung kämpfte für die Wiedererlangung der wirt-
dieser „Therapie" in Südamerika, in Südafrika und dann in schaftlichen Kontrolle über das eigene Land, hier ist der Auf-
Polen, Russland, China, wo die scheinbare Demokratisierung stand von Chulumani im Jahr 17 71 zu nennen. Im gleichen
in den 80er- und çoer-Jahren alternativlos an ein neolibera- Jahr brach die Rebellion von Caquiaviri los, in deren Verlauf
les ökonomisches Regime gekoppelt wurde. Sie beschreibt die Indigenen den Corregidor töteten und angesichts ihres
schnellen Triumphes verblüfft waren. Wie sollte man mit kulturelle und zivilisatorische Dimension ließe sich die Idee
den spanischstämmigen Einwohnern des Dorfes verfahren? der Poiesis Guamán Poma de Ayalas anwenden. Der Chronist
Die Gemeinde beschloss, die Mestizen und Criollos zu einem der Anden des 17. Jahrhunderts beschreibt den weisen Indi-
Machaq Ayllu zu machen, einem minderjährigen Ayllu, also genen als „Dichter und Astrologen", als Urheber einer mate-
einer Gruppe von Lehrlingen der Zivilisation: ihrer Zivilisa- riellen und spirituellen Poiesis. In diese schreibt sich die
tion. Im Machaq Ayllu mussten sie auf ihre illegitimen Privi- Umerziehung der Kolonialherren ein, wie sie die Einwohner
legien verzichten und sich umerziehen lassen: Aus Q'aras Caquiaviris 1 7 7 1 vorschlugen. 1 5 Muss man also einfach die
wurden Menschen. Die Mestizen und Criollos mussten indi- Aporie selbst verlassen und bei denen in die Lehre gehen, die
gene Kleidung tragen, den Frauen wurde Spinnen und in der Hölle waren? So als ob man die eigenen Lebenserfah-
Weben beigebracht, den Männern der Ackerbau. Die Aktion rungen und ihre geschichtliche Gebundenheit einfach belie-
von Caquiaviri zeigt eine Aufwertung der Parzelle als ein big abschalten kann, so als ob man selbst nur eine neutrale
Gebiet, auf dem nicht nur Kartoffeln wachsen, sondern auch Matrize sei - unendlich expansionsfähig und durchlässig für
Philosophie, Kultur und soziopolitische Ordnung. Auf diese die neuen fremden Erfahrungen? AC

1 Wir beziehen uns hier hauptsächlich auf: 7 „Es ist sehr schwierig, Indigene in den and Awe: Achieving Rapid Dominance (Wash-
Teresa Gisbert, Iconografía y mitos indígenas en unzähligen nackten Körpern zu identifizie- ington, DC, 1996) XXV. Zitiert nach: Naomi
el arte, La Paz 2004, und dies., El paraíso de los ren. Im Allgemeinen sind es Personen der Klein, a. a. O., S. 207.
pájaros parlantes, La Paz 2001. weißen Rasse, korrelierend zum Europäi- 14 Taussig, Shamanism, Colonialism, and The
2 „Wir wissen, dass seit 1735 Don Pablo Mar- schen Druck." Gisbert, Iconografía y mitos Wild Man, a. a. O., S. 12.
cellano y Agramont (1696-1740), Bruder des indígenas en el arte, a. a. O., S. 210. 15 Silvia Rivera Cusicanqui, Violencia e intercul-
Erzbischofs von La Plata, Priester in Caquia- 8 Michael Taussig: Shamanism, Colonialism, turalidad. Paradojas de la etnicidad en la Bolivia
viri war." Gisbert, El Paraíso, S. 130. and The Wild Man, Chicago 1987, S. 5. de hoy, S. 4. www.constituyentesoberana.
3 Felipe Guamán Poma de Ayala, El Primer 9 Michael Taussig, ebd. Er bezieht sich auf org/3/docsanal/o 12009/2 70109_i .pdf
Nueva Coránica Y Buen Gobierno, hrsg. v. Arbeitslager im Gebiet des Putamayo-Flus-
Ursula Thiemer-Sachse, Berlin 2008, S. 942 f. ses zu Beginn des 20. Jhds. Etwa 30.000 indi-
4 Vgl. Rolena Adorno, Guarnan Poma, Writing gene Arbeiter wurden gefoltert und
and Resistance in Colonial Peru, Austin 1988. ermordet.
5 „In vielen ländlichen Kirchen wurden auf 10 Taussig, ebd. Er bezieht sich auf Arbeitslager
Empfehlung des dritten Konzils von Lima im Gebiet des Putamayo-Flusses zu Beginn
(1584) Szenen von Tod, jüngstem Gericht, des 20. Jhds. Etwa 30.000 indigene Arbeiter
Hölle und Himmel dargestellt. Das Konzil wurden gefoltert und ermordet.
hatte die „Christliche Doktrin und Kate- 11 Vgl. Naomi Klein, Die Schockstrategie, Frank-
chismus zur Erziehung der Indios" veröf- furt am Main 2007.
fentlicht, die diesen Darstellungen (Postri- 12 Alberto Zuazo, Bolivian Labor Unions Dealt
merías oder Novísimos genannt) 2 3 Seiten Setback, United Press International, 9. Okto-
widmete." Gisbert, El Paraíso, S. 133. ber 1985; Juan de Onis, Economic Anarchy
6 Felipe Guamán Poma de Ayala, El Primer Ends, Los Angeles Times, 6. November 1985.
Nueva Coránica Y Buen Gobierno, a. a. O., Zitiert nach: Naomi Klein, a. a. O., S. 207.
S. 942 f. 13 Harlan K. Ullman und James P. Wade, Shock

Zur globalen Zirkulation globalen Zirkulation der Bilder, die im 16. Jahrhundert
beginnt.
der Bilder Diese Geschichte ist eng verknüpft mit dem Druckhaus Plan-
tin-Moretus in Antwerpen. „Das Kontor Plantin hatte das
Auf den Wandgemälden am Giebel der Kirche in Carabuco Monopol auf den Druck und den Verkauf von liturgischen
am Titicacasee kann man einen Zirkel und einen Kreis Werken für den Export nach Spanien und zu den Kolonien
erkennen. Es ist das Logo des Druckhauses Plantin aus Ant- inne. Man nannte sie Bücher der .Neuen Botschaft'. Nach
werpen. Die Wandgemälde entstanden im 18. Jahrhundert. 1572 wurden Tausende von religiösen Traktaten auf den ibe-
Die Abbildung des Logos verweist auf eine Geschichte der roamerikanischen Markt verschickt." 1 Die Geschichte des
Chor der Kirche von
Carabuco, Reproduktion der
„Alegoría que muestra a Hér-
cules y Apolo, junto a San
Jorge y San Miguel", Anonym
um 1781, freie Interpretation
eines ortsansässigen Künstlers
von Plantins Druckermarke
Labore et Constantia, Plantins
Firmenlogo, gestaltet von
P. P. Rubens (c. 1630).
Druckhauses Plantin zeigt, dass diese Industrialisierung der © 2009 by Acco (Academische
Bildproduktion durch den Druck und die Zirkulation der Bil- Coöperatieve Vennootschap
cvba), Löwen, Belgien
der untrennbar verknüpft ist mit der Politik der Gegenrefor-
mation und der Missionierung in den neuen Kolonien. Sie
zeigt auch, dass Gegenreformation und Kolonisierung zwei
Seiten ein- und derselben Medaille einer Iglesia Militanssind.
Seit dem Konzil von Trient werden reproduzierte Bilder
zum wichtigsten Mittel der Missionierung der neuen Kolo- feasts, thus making these books into real visual encyclope-
nien und der Propaganda der Religionskriege in Europa. Der dias of the Christian faith ... Apart from this, Plantin and
„pictorial turn" der Gegenreformation richtet sich gegen die other printers published countless prints of the most varied
emanzipative Möglichkeit der Reformation und der Guten- themes of Christian religion, including the lives of the apost-
bergpresse, die Bibel selbst zu studieren. Er richtet sich an les, evangelists, saints, martyrs, doctors and founders of reli-
eine Bevölkerung, die nicht lesen kann und deren Alphabe- gious orders, engravings of which reached into the tens of
tisierung unerwünscht ist. thousands."3
Zurück zur Plantinpresse: Antwerpen wurde spätestens Der peruanische Kunsthistoriker Francisco Stastny be-
nach den Religionskriegen 1585 zu einer Hochburg der schreibt, wie diese Druckindustrie auf das vermehrte Begeh-
Gegenreformation. Philip II. von Spanien nutzte die dortige ren nach Wissen in allen kulturellen und wissenschaft-
Druckindustrie sowohl zum Ausbau der Verwaltung des Ko- lichen Bereichen traf (und es zugleich verstopfte). „Die
lonialreichs als auch zur religiösen Propaganda. „Der König religiösen Drucke fanden die größte Verbreitung. Sie waren
nominierte Plantin am 1 o. Juni 1570 zum ,proto typographus nicht nur in allen europäischen Städten anzutreffen, son-
regius'. Er beauftragte ihn, die Verordnungen aus den könig- dern ihre Produktionsepoche deckte sich mit der Entde-
lichen Briefen für die Druckereien in den Niederlanden und ckung der Neuen Welt und dem missionarischen Einsatz der
Flandern zu kontrollieren. Außerdem übertrug er ihm am 1. Gegenreformation. Es gibt zu viele Beispiele dafür, dass diese
Februar 15 71 das Monopol der Produktion und des Verkaufs Drucke als künstlerische Vorlagen dienten, als dass dies bloß
von Brevieren, Stundenbüchern, entworfen vom Trienter ein isoliertes Phänomen für Peru sein könnte. Es handelte
Konzil. Zuerst war es Philipp II., der als Herausgeber und sich vielmehr um eine generelle Praxis. Wir wissen, dass sie
Händler dieser Schriften agierte. Aber ab 1573 übertrug der tausendfach genutzt wurden und dass die Werkstätten der
König diese Verantwortungen an die Hieronymiten von San Künstler wahre Kupfersticharchive waren. Der Maler Balta-
Lorenzo im Escorial." 2 sar de Figueroa aus Kolumbien hinterließ nach seinem Tod
Man kann daher annehmen, dass Plantin auch die Funk- sechs Bücher mit Stichen über das Leben der Heiligen sowie
tion innehatte, Zensur auf die Druckereien in Flandern und r.8oo weitere Stiche." 4
den Niederlanden auszuüben und die Verbreitung von Es wäre also zu einseitig, diese liturgischen und religiösen
Schriften, die nicht dem Programm der Gegenreformation Kompendien als „Yellow Press" der Gegenreformation zu
entsprachen, zu unterbinden. bezeichnen. Sie sind auch keine didaktische Einbahnstraße
„When Jan Moretus, Plantin's son in law, inherited the der Kirche hin zur Peripherie der Kolonien. Sie sind Modell
publishing house, both he and his successors continued to und zugleich auch Verteiler für die Motive künstlerischer Pro-
work for the Spanish crown, even during the Bourbon duktion in den europäischen Zentren wie auch in Zentren
dynasty ... The importance of the books from this printing von Amerika bis zu den Philippinen. In ihrer Fluktuation wer-
house ... lay in the fact that they were works with copper den Moden oder besonders populäre Motive kreiert, die aus
prints illustrating the title pages along with parts of the mass dem Generalplan der Kirche kommen, aber durch die Ver-
relating to special feasts of the liturgical year: Easter, Pente- selbständigung des Mediums unkontrollierbar werden. Eini-
coast and Advent cycle began with pictures alluding to those ge der hier vorgestellten Bilder sind gute Beispiele dafür. AC

1 Francine de Nave, Eddy Stols, Werner 2 Francine de Nave, „Amberes como centro 4 Francisco Stastny, Breve Historia del Arte en el
Thomas, „Introducción", in: Werner Tho- tipográfico", in: Un Mundo sobre Papel, S. Peru, Lima 1967, S. 35.
7mas, Eddy Stols (Hg.), Un Mundo sobre Papel. 152.
Libros y grabadosflamencosen el imperio hispa- 3 Teresa Gisbert, José de Mesa, Pedro Quere-
noportugués (siglos XVI-XVIII), Leu ven 2009, jazu u. a. (Hg.), Bolivian Masterpieces: Colonial
S.9. Painting, La Paz & Houston 1994, S. 74.
Wir sind ungeduldig und werden Sie nun quer durch den ganzen Raum rechts hinter die letzte
Wand führen, weil wir Ihnen Folgendes über die Ware weitererzählen möchten: In jeder Ware,
als geronnener Arbeitszeit, liegt eine Geschichte des Terrors, der Zurichtung zur Arbeit verbor-

3
gen. Seit der Kolonisierung ist sie untrennbar mit dem Export der Bestialität unserer eigenen sozia-
len Verhältnisse an ihre Peripherie, zum Beispiel die kolonisierten Länder, verbunden; sie kreiert
dort neue Waren/neuen Terror: Silber oder Kautschuk, Münzen für stehende Heere oder Reifen
für das Modell T, Palmöl, Biosprit - die Konkurrenz des Tanks zum Magen - , Soja.
Sie befinden sich nun in einem Waschsalon wie in Filmen aus der Zeit des Fordismus. Sie können hier Zeich-
nungen, Dokumente und Fotos anschauen, Bestandteile eines Reiseberichts, der in die argentinischen Pro-
vinzen Buenos Aires und Santa Fe führt. Wieder wird eine Tortur der Sinnesorgane beschrieben: „Etwas Merk-
würdiges entzieht sich unserem Gesichtsfeld, es flieht von dessen Sinnen zu anderen Orten des Körpers und
trifft ihn in der Magengrube. Es ist das Unsichtbare, was diese Landschaft ausmacht, in totaler Übereinstim-
mung mit der Definition des gentechnisch veränderten Organismus." (Eduardo Molinari) Die Tortur besteht
aus der Unerträglichkeit, wie ein Pawlowscher Hund eine Zeichenäquivalenz nicht auflösen zu können zwi-
schen dieser grünen, stillen Landschaft und dem Wissen darum, dass es sich hier um einen vergifteten, hoch-
kapitalisierten, agrochemischen Komplex handelt. Der Bericht wird Sie mit der Geschichte des Sojaanbaus
(der „Sojaisierung") in Argentinien vertraut machen - exemplarisch für den jetzigen Boom des Agrarbusiness Die Soja-Kinder
Eduardo Molinari/
als dem neuen Finanzprodukt nach der Krise. Laut Welthungerindex 2009 wird die Zahl der Hungernden 2010 Archivo Caminante
2010
zum ersten Mal die Milliardengrenze übersteigen. Seit der Krise werden in Lateinamerika und Afrika Gebiete Buenos Aires
in der Größe europäischer Länder für die Agrarindustrie aufgekauft. Lesen Sie am Ende dieses ersten Weges
weiter, was es mit den Waschmaschinen auf sich hat.

Die Soja-Kinder der Werbung des transnationalen Konzerns Syngenta ent-


sprungene „Sojarepublik", die sich über die Grenzen einiger
Eduardo Molinari Nationalstaaten ausbreitet, die 2010 ihre 200-jährige Unab-
hängigkeit feiern. Sie umfasst Teile Argentiniens, Uruguays,
Paraguays, Boliviens und Brasiliens...
Durch die Fokussierung der Landwirtschaft auf den massi-
ven Anbau von Soja ist Argentinien inzwischen drittgrößter Die Sojakinder: Versuchskaninchen und der Mord
Produzent von Soja und dessen Folgeprodukten, zweitgröß- durch Glyphosat
ter Produzent von genmanipuliertem Soja (nach den USA) Eine der ersten Informationen zur Sache bekam ich durch
und weltgrößter Exporteur von Sojamehl und -öl. Auf 50 Pro- eine „alte" Nachricht im Internet. Es war ein Artikel von 2006
zent der agrarwirtschaftlich genutzten Fläche Argentiniens aus der Zeitung La Capital aus Rosario, der berichtete, wie es
wird Soja angebaut; davon gehört wiederum 90 Prozent zur im Ort Las Petacas im Norden der Provinz Santa Fe zuging.
gentechnisch veränderten Sojasorte RR von Monsanto und Dort bedienten sich die Sojabauern der Arbeitskraft 14- bis
dessen lokalen Vertretern. Dieses agrarwirtschaftliche i6jähriger Jugendlicher, die - um den Arbeitsvorgang effi-
System kann nur mit Hilfe des Pflanzengiftes Roundup funk- zienter zu gestalten - als „menschliche Fahnen" auf den Fel-
tionieren. Von dem Breitbandherbizid der Firma Monsanto dern standen und den Flugzeugen zeigten, wo sie Glyphosat
wurden im Wirtschaftsjahr 2007/2008 180 Millionen Liter sprühen mussten. Der Artikel hatte keine Fotos, aber die Aus-
auf argentinischen Böden verteilt. Laut Andrés Carrasco, sagen der Jugendlichen waren stark genug, um mir ein erstes
Direktor des Labors für Molekulare Embryologie am Natio- Bild der Situation zu gestatten. Ich suchte weiter, bis ich die
nalen Forschungsrat für Wissenschaft und Technik (Consejo ersten Bilder gesehen hatte, die die Folgen von Pflanzengift
Nacional de Investigaciones Científicas y Técnicas / CONI- auf die Bevölkerung der Sojaregionen zeigte. Die Bilder
CET) und Professor für Embryologie an der Medizinischen waren von verschiedenen Umweltvereinen und Gruppen,
Fakultät der Universität Buenos Aires (UBA), ist diese Vorge- die ein anderes Landwirtschaftsmodell als das aktuelle ver-
hensweise aus ökotoxikologischer Sicht „beinahe mit einem teidigen, ins Netz gestellt worden. Ich fand auch Bilder aus
Massenexperiment vergleichbar". Das Anbaugebiet ist als alten Fernsehsendungen, die das Thema behandelt hatten,
neue Form auf der Landkarte Südamerikas sichtbar: Es ist die als sich noch niemand dafür interessierte; und letztlich fand
Plakat präsentiert beim
"Encuentro de pueblos
fumigados", Treffen der
ausgeräucherten Dörfer,
organisiert von der Grupo
de Reflexion Rural im Hafen
San Lorenzo, Argentinien
September 2009
© rastrojero.net

"¿Quién gana con la soja?",


W e r macht Gewinn mit
Soja?, San Lorenzo,
DocAC/2010

ich Texte und Bilder von Betroffenenorganisationen aus den flieht von dessen Sinnen zu anderen Orten des Körpers und
besprühten Orten. Ich begann, die Radiosendung und die trifft ihn in der Magengrube. Es ist das Unsichtbare, was diese
Publikationen des Mitbegründers der Grupo de Reflexión Landschaft ausmacht, in totaler Übereinstimmung mit der
Rural (GRR), Jorge Eduardo Rulli, zu verfolgen. Durch das Definition des gentechnisch veränderten Organismus.
Material der Gruppe erfuhr ich von beispielhaften Fällen wie Ähnlich wie der anonyme Autor des kolonialen Gemäl-
dem von Marta Cian, einer Anwohnerin der Ortschaft Liba- des von San Ildefonso suchte ich unter den seltsamen gen-
ros in der Provinz Entre Ríos, die tagtäglich eine Gasmaske technisch veränderten Pflanzen die Protagonisten des
wie aus dem I. Weltkrieg benutzt, um sich vor den Giftgasen Sojaanbau-Modells. Eine Realität, die sich uns Stadtbewoh-
zu schützen. Oder dem von Fabián Tomasi, einem ehemali- nern immer geglättet vermittelt, sich fast wie ein Ausschnitt
gen Fahnenjungen und Giftsprüher aus Basavilbaso in der- aus einem (von Unbekannten gemachten) Science-Fiction-
selben Provinz: Film oder wie eine Invasion außerirdischer Wesen darstellt.
„Uns klärte niemand über die Eigenschaften des .Wassers' Ich versuchte die Landschaften und die Bewohner dieser
auf, das erfuhr ich erst später. Wir stülpten lediglich eine Regionen, in denen die Natur mit ihrer immensen Macht „in
Feinstrumpfhose über die Düsen des Flugzeugs, damit sich Reichweite" ist, zu beobachten, zu hören, ihnen nahezukom-
kein Moos ansetzte. Das war der einzige Filter. Ich war sehr men und sie zu porträtieren.
oft,Fahnenjunge'. Auch wenn andere das gegenüber Frau Dr. Auf diesen Reisen, während ich durch die Natur wan-
Gómez abstreiten - ich weiß, dass es weiterhin so gemacht derte, an den Ufern eines Flusses entlang, bei den Bäumen,
wird, aus pragmatischen Gründen: Viele Piloten kennen sich den Tieren, den Vögeln, auf unasphaltierten Wegen, unter
mit dem GPS nicht aus. Es ist also einfacher, einen Arbeiter der Sonne oder bei unerwarteten Regengüssen, dachte ich
mit einer Fahne oder Tüte aufs Feld zu stellen, der anzeigt, an den Maler aus den Anden und ich überlegte, welche Bil-
wo gespritzt werden muss. Normalerweise duckt man sich der er wohl heute für sein Gemälde aussuchen würde.
dann einfach, wenn das Flugzeug kommt, um keine Zeit zu Ich dachte auch an ihn, wenn ich intuitiv bis in die Nähe
verlieren. Wir duckten uns immer, wenn der Giftregen kam, der streng bewachten Saatgut-Pools, Silos, Parkplätze für tau-
der machte uns den Rücken nass, und wir bedankten uns bei sende Lastwagen ging, oder zu den Hafeneinfahrten.
den Piloten, weil sie uns erfrischt hatten." Welche Gesichter haben die Porträtierten heute in der
Die Sehnsucht des Großstadtbewohners, ein durch Biotech- gentechnisch veränderten Landschaft? Wer wandelt durch
nologie und Agrarbusiness gezeichnetes Feld zu besuchen, seltsame Pflanzen und reicht sich die Hand auf einer Brücke?
seine Dimensionen, Proportionen, Gerüche und Farben ken- Hätte jemand Grund, sich selbst auszupeitschen? Kann man
nenzulernen, vor allem aber, und sei es nur für kurze Zeit, dort in mystische Ekstase geraten? Gibt es Stifter? Und:
die unsichtbare Welt der Gentechnikfelder zu bewohnen, Geschehen Wunder in der Sojarepublik?
stieß auf etwas Unerwartetes: Die Sojawelt sieht lieblich aus,
sie ist voller Grün, Ruhe und Weite. Nichtsdestotrotz ent-
zieht sich etwas Merkwürdiges unserem Gesichtsfeld, es Auszüge aus: Eduardo Molinari, Los niños de la soja, Buenos Aires 2010.

Lesen Sie m e h r z u m Bild an d e r W a n d ü b e r d e n W a s c h m a s c h i n e n a m Ende d e s d r i t t e n A u s r e i -


s e w e g s (S. 140).
Das M u s e o Reina Sofía zieht in z w e i M o n a t e n 360.000 B e s u c h e r an, g u r g e l t sie d u r c h u n d s p u c k t
sie w i e d e r aus. W i r w u r d e n oft g e n u g d a r a u f h i n g e w i e s e n , d a s s d i e s e r V o r g a n g eine s t r a f f e Orga-
n i s a t i o n e r f o r d e r t . W i r s a b o t i e r e n Ihre zügige A b f e r t i g u n g , d e n n w i r m ü s s e n u n s d r i n g e n d die Zeit
n e h m e n , I h n e n m e h r ü b e r d i e s e n e r s t e n A u s r e i s e w e g zu e r z ä h l e n . Er ist e i n e m P r o z e s s g e w i d -
met, in d e m „ M e n s c h e n m a s s e n plötzlich u n d g e w a l t s a m v o n i h r e n S u b s i s t e n z - u n d P r o d u k t i o n s -
m i t t e l n g e s c h i e d e n u n d als v o g e l f r e i e P r o l e t a r i e r auf d e n A r b e i t s m a r k t g e s c h l e u d e r t w e r d e n " . So s c h i l d e r t
Karl M a r x die S c h ü b e d e r V e r t r e i b u n g in d e m Kapitel zu e i n e r u r s p r ü n g l i c h e n A k k u m u l a t i o n , die n u r so g e n a n n t
ist. Die S c h ü b e f i n d e n k e i n e n Halt, sie sind kein initialer Punkt, der a u f h ö r t o d e r b e g i n n t , s o n d e r n sie sind Teil
e i n e r Z i r k u l a t i o n , die d u r c h d a s Silber aus Potosí e x t r e m b e s c h l e u n i g t w i r d .
G e h e n Sie w i e d e r n a c h v o r n e an d e n S c h l ä u c h e n der W a s c h m a s c h i n e n die W a n d e n t l a n g , bis
Sie v o r e i n e r k l e i n e n T ü r s t e h e n . Links d a v o n h ä n g t ein kleines Bild. Die T ü r f ü h r t in eine K a m m e r ,
w o Sie f o l g e n d e r L e k t i o n z u h ö r e n k ö n n e n : „ T h e d i s c o v e r y of gold a n d silver in A m e r i c a , t h e e x t i r -

4
pation, e n s l a v e m e n t a n d e n t o m b m e n t in m i n e s of t h e a b o r i g i n a l p o p u l a t i o n , t h e b e g i n n i n g of t h e
c o n q u e s t a n d l o o t i n g of t h e East Indies, t h e t u r n i n g of A f r i c a into a w a r r e n f o r t h e c o m m e r c i a l
h u n t i n g of b l a c k - s k i n s , s i g n a l i s e d t h e rosy d a w n of t h e era of c a p i t a l i s t p r o d u c t i o n . " Dies ist e i n e r
d e r z e n t r a l e n Sätze des A k k u m u l a t i o n s k a p i t e l s . Sie h ö r e n d i e s e n Satz n u n in r u s s i s c h e m A k z e n t e i n d r i n g l i c h
The Rosy Dam of Capital
und w i e d e r h o l t - v e r s e h e n mit a m e r i k a n i s c h e n A u s s p r a c h e k o r r e k t u r e n . Sie k ö n n e n v e r f o l g e n , w i e die „ S c h ü -
The Karl Marx School of the
l e r " d i e s e n Satz auf die e i g e n e p o l i t i s c h e S i t u a t i o n in Russland b e z i e h e n und w i e die f r e m d e , die h e g e m o n i a l e English Language
David Riff / Dmitry Gutov
S p r a c h e s o w o h l B a r r i e r e als a u c h E r i n n e r u n g d e s a u s g e l ö s c h t e n W i s s e n s e i n e r p o l i t i s c h e n E p o c h e ist. Die 2010
Moskau
D i s k u s s i o n w i r d laut, die B i l d e r an d e r W a n d b e g i n n e n zu zittern, w e n n es u m eine k ü n s t l e r i s c h e Praxis geht,
die b e a n s p r u c h t , s i c h d e m A k k u m u l a t i o n s p r o z e s s zu w i d e r s e t z e n .

Karl Marx School of the English enslavement and entombment in mines of the aboriginal
population, the beginning of the conquest and looting of the
Language: The Rosy Dawn of East Indies, the turning of Africa into a warren for the com-

Capital mercial hunting of black-skins, signalised the rosy dawn of


the era of capitalist production.

Die Karl Marx School of the English Language war ursprüng- DG: The discovery of gold and silver in America, the extir-
lich kein Kunstprojekt, sondern ein Sprachworkshop und pation ...
Lesezirkel bestehend aus Künstlern, Philosophen und poli- DR:... extirpation...
tischen Aktivisten. Sie wurde 2005 in Moskau gegründet. Die DG:... the extirpation, enslavement, and entombment...
Gruppentreffen fanden von 2006 bis 2007 einmal wöchent- DR:... entombment...
lich im Atelier des Künstlers Dmitry Gutov statt. DG:... entombment in mines of the aboriginal popula-
Englische Muttersprachler halfen den russischen Teil- tion ...
nehmern beim Vorlesen, bei der Aussprache und beim Ver- DR:... the aboriginal population...
stehen englischer Übersetzungen von Karl Marx. Dazu DG: ... aboriginal population, the beginning of the
gehörten die „Thesen über Feuerbach", ein Brief von Marx an conquest and looting of the East Indies, the turning of
Arnold Ruge und „Privateigentum und Kommunismus" aus Africa into a warren for the commercial hunting of black
den Ökonomisch-philosophischen Manuskripten von 1844. Als skins...
erstes verglich die Gruppe die englischen Übersetzungen DR: Can you say „black-skins"?
mit den deutschen Originalen und den russischen Fassun- DG: Black skins?
gen, um anschließend intensiv über die politische und DR: Black-skins.
künstlerische Relevanz der Texte für die heutige Zeit zu DG: Black skins.
diskutieren. Gutov begann, für jedes neue Treffen Gemälde
DR:...
anzufertigen, um auf diese Weise um die schriftlichen Haus-
DG:... signalized the rosy of dawn of the era of capitalist
aufgaben herumzukommen. So wurde aus dem Lesezirkel
production.
schließlich ein Kunstprojekt.
Im Januar 2010 traf sich die Karl Marx School of the These idyllic proceedings are the chief momenta of primi-
English Language, um das Kapitel über die ursprüngliche tive accumulation.
Akkumulation aus dem ersten Band des Kapitals zu lesen On their heels treads the commercial war of the European
und zu diskutieren. Die vorliegende Installation dokumen- nations, with the globe for a theatre.
tiert dieses Ereignis. But they all employ the power of the State, the concen-
trated and organised force of society, to hasten, hot-house fash-
The Rosy Dawn of Capital ion, the process of transformation of the feudal mode of pro-
The discovery of gold and silver in America, the extirpation, duction into the capitalist mode, and to shorten the transition.
Force is the midwife of every old society pregnant with a new purest form, and I remember when I was reading this
one. It is itself an economic power. chapter in the Nineties, I re-read it maybe once a week. It
DR: What does it mean? was the best illustration of what was going on in the
DR: Put the manuscript away. Kostya... streets.
KB: Okay... Retell this phrase, yeah... KC: Murders.
DR:... in your own words... DG: Murders, violence...
KB: Colonial system use force to get the goal it wants, and KC: Clashes between...
it uses the force of the state for its purposes, to hasten, to DG: Absolutely in the same form. We KNOW...
hothouse the process... KC: We saw primitive accumulation.
DG: I think that the meaning of this sentence is much DG: It's not history that was five or three hundred years
wider... ago. We remember: it was and it is part of our lives.
KC: Broader. KB: And I as an adult person think that this process was
DG: Broader? not primary accumulation.
DR: Broader. DG: Primitive.
DG: Broader. KB: Primitive, because it didn't change the mode of pro-
KB: Broader, because force is an economic power. duction, it did not change the character of the property.
DG: But, you see, here we've got pure violence as a form KC: Since today's capitalism is globalized, it always has
of greed. interconnections with wild capitalism, the places where
DR: Greed? the new money is coming from. The places of the new
IB: I don't understand what greed is. I understand what money are China, Latin America, and if you talk about
greed means, but I don't think this is a question of that Russia, it is still not refined capitalism.
capitalism is just greedy. Capitalism at every moment of DR: Primitive accumulation is still going on.
its growth need to destroy ... DG: Friend, friends! I think what is really important. We
DR: Needs... have to find a way to connect all these theoretical prob-
IB: Needs to destroy and need to intervene in the areas... lems and these historical problems...
DR: NEEDS... KC: With our lives.
IB: Needs to intervene in the areas where there are possi- DG: With our own lives. And for an example. Yeah it's ok.
bilities for capitalism to grow. I think that every normal With painting. It is absolutely impossible to deal with
capitalist crisis and every strategy of every capitalist com- these pictures in painting. It's the self-destruction of art.
pany in a capitalist crisis is the best example for this kind
of violence. Lesen Sie weiter in Kapitel 2 auf Seite 118.
DG: We remember it so well, all of us. The Nineties in this
country were the epoch of primitive accumulation in its

„If you are trying to do art, the result will be like this artist. You will be lying on the floor wa'
for an angel", wie im Bild vor der Tür. Mehr zu diesem Bild am Ende des 2. Kapitels (S. 117).
W e n n Sie auf d a s D a c h d e r K a m m e r s t e i g e n , f i n d e n Sie am Ende ein B e i s p i e l f ü r die E r f a h r u n g der
so g e n a n n t e n u r s p r ü n g l i c h e n A k k u m u l a t i o n in Russland. Es ist ein V i d e o f i l m ü b e r die C h a r a k t e r -
m a s k e d e r n e u e n r u s s i s c h e n O l i g a r c h i e . „ T h e point of d e p a r t u r e of t h e film is a d e c i s i o n t o build t h e

5
h i g h e s t b u i l d i n g - t h e o f f i c e of G a z p r o m state c o r p o r a t i o n in P e t e r s b u r g - and it t r i g g e r s m a n y c o n -
n e c t e d real a n d f i c t i o n a l s t o r i e s a r o u n d it t h a t are r e p r e s e n t i n g t h e h i s t o r i c a l m o m e n t of t h e d e v e -
l o p m e n t of R u s s i a n s o c i e t y t h a t is d r i v e n by a c c u m u l a t i o n of t h e c a p i t a l and p o w e r by d i s p o s s e s -
sion of m o s t of t h e p o p u l a t i o n s . A l s o i m p o r t a n t t o note t h a t this p l a n n e d c o n s t r u c t i o n p r o v o k e s t h e m o s t h e a t e d
d e b a t e a n d r e s i s t a n c e in p u b l i c s p a c e in R u s s i a n politics recently. The c o n s t r u c t i n g of t h e i d e o l o g y of s t a t e c o r - Ä 2 L
p o r a t i o n is f r o m our p o i n t of v i e w t h e m o s t p r o f o u n d c o n t e m p o r a r y e x a m p l e of t h e i m p l e m e n t a t i o n o f , P o t o s í Prin- La Torre: Songspiel
Chto delat
c i p a l ' n o w a d a y s in R u s s i a . " ( D m i t r y V i l e n s k y ) Der G a z p r o m T o w e r w i r d v o n d e m e m i r a t i s c h e n K o n z e r n A r a b t e c 2010
g e b a u t . G a z p r o m w i e A r a b t e c s i n d i n t e r n a t i o n a l e K o n z e r n e , und w i r (die V e r f a s s e r d i e s e s Textes) e m p f i n d e n es Sankt Petersburg

als n a h e l i e g e n d , sie mit k r i m i n e l l e n i n t e r n a t i o n a l e n O r g a n i s a t i o n e n zu v e r g l e i c h e n , so w i e a u c h A n t o n i o López


de Quiroga s i c h e r l i c h k r i m i n e l l w a r , a u c h w e n n d i e s e B e z e i c h n u n g r e c h t l i c h n i c h t k o r r e k t ist. W i e ist es m ö g -
lich, eine N o r m a l i t ä t a u f z u f ü h r e n u n d d a b e i die E m p ö r u n g n i c h t zu v e r l i e r e n ? S e h e n Sie s i c h d e n Film an.

Der Turm - ein Songspiel unseren Turm! (Applaus) Wir haben hart gearbeitet und es
geschafft, alle Hindernisse auf dem Weg zu seiner Realisie-
Aus dem Drehbuch von Chto delat rung zu überwinden. Vergessen Sie nicht, dass wir ein Sym-
bol für das Neue Russland errichten. Denn was ist Russland
Ort der Handlung ist der Konferenzraum einer Firma, wo ein im Idealfall? Es ist ein riesiges Unternehmen. Das bedeutet,
Meeting einberufen wurde, um die Imagekampagne für den es sollte auch ebenso gut geführt werden wie unsere Firma
Gazprom-Turm zu besprechen. Die Teilnehmer - ein Lokal- Gazprom. Wir sind die Elite der Nation. Also haben wir uns
politiker, der Sicherheitschef des Konzerns, der PR-Manager, das Recht verdient, die Zukunft so zu gestalten, wie wir sie
ein Vertreter der orthodoxen Kirche, eine erfolgreiche Gale- sehen. Wie es bei unseren Bauunternehmern so schön heißt:
ristin (die die Aussicht hat, Direktorin des im Wolkenkrat- „Das Beste den Besten." (Applaus)
zer geplanten Museums zu werden) und ein hipper Künstler Wir müssen den Menschen die symbolische Bedeutung
- unterhalten sich miteinander und proben hier und da des Turms nahebringen. Sie müssen verstehen, dass der
Reden, die sich gewissermaßen an das Publikum richten. Sie Turm zu ihrem eigenen Besten errichtet wird. Wie Sie aller-
erheben sich vom Konferenztisch, der auf einem Podium dings wissen, gibt es immer noch, ähm ... Leute, die gegen
steht, gehen zum Rand des Podiums, halten ihre Reden und unseren Turm protestieren. Sie organisieren Demonstratio-
kehren dann auf ihre Plätze zurück. In der Mitte des Tisches nen, strengen Gerichtsverfahren an. Aber ein Angriff auf den
steht ein absurd riesiges Telefon. Im Verlauf des Songspiels Turm ist eine unmittelbare Herausforderung unserer Macht!
wird klar, dass dieses Telefon die Teilnehmer des Meetings (Alle murmeln zustimmend; der PR-Manager wendet sich an den
mit den „höchsten Autoritäten" verbindet, auch wenn wir Sicherheitschef.)Wir müssen dem ein Ende bereiten, mit allen
nicht genau wissen, um wen es sich eigentlich am anderen uns zur Verfügung stehenden Mitteln.
Ende der Leitung handelt. Ein Gewirr aus Telefon- und Sicherheitschef: Unsere Abteilung weiß, was von ihr
Stromkabeln verläuft von unter dem Tisch (an der Stelle, wo erwartet wird. Wir werden mit dem Zentrum für Extremis-
das Telefon steht) durch das Podium und quer über die musprävention zusammenarbeiten.
Bühne. Diese ist von einer Reihe anderer Akteure bevölkert, Rede des Politikers: Meine Damen und Herren! Liebe
die unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen repräsentie- Sankt Petersburger Mitbürgerinnen und Mitbürger! Der
ren. Sie reagieren mit Songs auf das Geschehen auf dem neue Gazprom-Turm wird uns Einnahmen bescheren. Nicht
Podium. nur Einnahmen, sondern viel Geld, Unmengen an Geld,
Geld, das allen Einwohnern unserer Stadt zugutekommt.
Andere mächtige Unternehmen werden Gazprom in die
Szene zwei Stadt folgen, dann verfügen wir über noch mehr Geld! Im
Finnischen Meerbusen werden wir künstliche Inseln anle-
PR-Manager: Liebe Kolleginnen und Kollegen, gestatten Sie gen, Orte, an denen die Geschäftselite arbeiten und so ent-
mir, das Meeting zu eröffnen. Zunächst einmal möchte ich spannen kann, wie es ihr zusteht. Unsere Stadt wird das
Ihnen gratulieren: Wir werden den Gazprom-Turm bauen, Dubai des Nordens sein. Stellen Sie sich das einmal vor! Wir
waren bereits das Venedig des Nordens und jetzt werden wir Das Messer ist mächtig, das heißt, es hat Recht!
zum Dubai des Nordens. Wir müssen mit der Zeit gehen. Und Die Polizei ist mächtig, das heißt, sie hat Recht!
der erste Schritt in diese Richtung ist der Gazprom-Turm. Intelligenzija:
Manche kritisieren uns. Sie behaupten, wir missachteten Schönheit!
die Bauvorschriften des Bezirks, was die Höhe des Turms Sie wird uns einen!
angeht. Das stimmt nicht: Wir brechen keine Gesetze. Wir Wir werden uns gemeinsam erheben,
machen eine Ausnahme vom Gesetz. Denn was ist dieser Um die Schönheit unserer Stadt zu verteidigen.
Turm schließlich? Er ist ein Symbol für das Neue Russland. Die Schönheit unserer Stadt!
Und was macht ein Symbol aus? Es ist eine Ausnahme und Migranten:
das heißt, es steht über dem Gesetz. Es hat seine eigenen Macht macht reich.
Gesetze. Es ist das Gesetz! Das neue Gesetz unseres Lebens! Wenn man reich ist, ist man der Boss.
Dritter dialektischer Chor: Die Gesetze Der Boss baut und wir haben die Arbeit.
Intelligenzija: Der Boss ist das Gesetz.
Niemand steht über dem Gesetz. Intelligenzija:
Das Gesetz ist das Fundament unserer Zivilgesellschaft. Wir schließen die Reihen!
Rentner: Verteidigt alle die Schönheit!
Die Reichen bestimmen die Gesetze! Angestellte und junge Frauen:
Arbeiter: Gebt uns neue Schönheit!
Die Mächtigen haben immer Recht. Wir haben euren alten Krempel satt!
Die Mächtigen haben immer Recht. Alle (außer Angestellten und jungen Frauen).
Zuchthausregeln: Polizisten foltern, stehlen und morden.
Das sind die Gesetze unseres Lebens. Gerichte und Staatsanwälte decken sie.
Bürgerrechtsaktivisten: Die Behörden beschlagnahmen alles, um sich die eigenen
Das Gesetz muss die Kultur schützen! Taschen zu füllen.
Angestellte: Wenn du die Mächtigen bekämpfst, lebst du nicht mehr
Wer Probleme sucht, lange.
Findet auch welche. Wenn du dich beschwerst, nimmt man dir den letzten
Verhalte dich ruhig und du hast keine Probleme. Rubel.
Lehne dich nicht zu weit aus dem Fenster. Wenn du protestierst, lässt man dich verschwinden.
Protestiere nicht. Rentner, Intelligenzija, Bürgerrechtsaktivisten und
Halte dich aus der Politik heraus Radikaler:
Und alles wird gut. Nieder mit dem Turm!
Alles wird gut! Nieder mit dem Turm!
Radikaler (schreit}. Nieder mit dem Turm!
Nieder mit dem Staatsextremismus! (Alle anderen Chormitglieder schauen sie verwundert an.)
Arbeiter: Angestellte:
Die Mächtigen haben immer Recht. Still! Still! Still!

Das Gazprom-Turm-Projekt - weiß niemand so genau, warum die wirtschaftlichen und


politischen Entscheidungsträger Russlands die Errichtung
Alles wird besser! eines Gebäudes beschlossen haben, das sich mit Sicherheit
negativ auf das historische Stadtbild Sankt Petersburgs (mit
Thomas Campbell und Dmitry Vorobyev
seiner relativ niedrigen Bebauung) auswirken wird. Viele
Gegner vertreten die Ansicht, der Turm sei nur ein Symbol-
Es folgt der Versuch eines kurzen Zwischenberichts über die projekt, um die Eitelkeit der herrschenden Elite zu befriedi-
Schlüsselmomente beim Versuch der Gazprom-AG und der gen, die wie andere neureiche „asiatische Despoten" (im
Kommunalregierung von Sankt Petersburg, nahe der Alt- Nahen Osten und in Ostasien) auf diese Weise ihre mehr oder
stadt, die von der UNESCO als Welterbe eingestuft wurde, weniger unangefochtene Macht demonstrieren will. In
einen 403 Meter hohen Wolkenkratzer zu bauen. Zurzeit Wirklichkeit macht es den Konflikt noch interessanter, dass
dieser bisher noch gar nicht existierende Wolkenkratzer sentierte Nomenklatura in den Kampf geschickt werden;
eine äußerst hitzige Debatte ausgelöst hat (die schon fast an konservative heimische Architekten gegen internationale
einen Partisanenkleinkrieg grenzt) über Themen wie Denk- Superstars; schwärmerische, aber im Wesentlichen macht-
malschutz, wirtschaftliche und architektonische Moderni- lose Kenner des fast schon als heilig verklärten „kulturellen
sierung und die Rolle politischer Institutionen sowie der Erbes" der Stadt (die „Intelligenzija") gegen Mitbürger, die
„Zivilgesellschaft" bei der Entscheidungsfindung in diesen den Wolkenkratzer als schnellen Weg in eine Zukunft sehen,
Angelegenheiten. Die Kontroverse um den Turm offenbart für die so viel „tote" (Bau-)Geschichte scheinbar nur Ballast
die Klassenunterschiede und ideologischen Gräben in der wäre.
Sankt Petersburger Bevölkerung: marginalisierte Opposi- Lesen Sie weiter auf Seite 223 (Englisch).
tionsparteien, die gegen die neue, von Wladimir Putin reprä-

Der Film w i r d g e g e n ü b e r e i n e r Reihe v o n R e i t e r b i l d e r n projiziert: Einer ist d e r Heilige S a n t i a g o


Felipe V, convertido en Santiago
( J a k o b ) , d e r M o h r e n t ö t e t , d e r z w e i t e ist ein Philipp V., d e n m a n n a c h t r ä g l i c h u m g e m a l t hat zu Matamoros
Anonym
e i n e m S a n t i a g o , d e r dritte s c h l i e ß l i c h ist ein P o r t r ä t v o n A n t o n i o López de Quiroga, e i n e m der
Öl auf Leinwand
r e i c h s t e n M ä n n e r Potosis. M a r x s c h r e i b t ü b e r C h a r a k t e r m a s k e n , d a s s sie ihre P r o d u k t i o n s m i t - Mitte 18. Jahrhundert,
Museo Nacional de Arte, La Paz
tel, ihre M a s c h i n e n , G e b ä u d e , ihr K n o w - H o w als I n v e s t i t i o n v o r t ä u s c h e n . Diese „ I n v e s t i t i o n " sei
a b e r w i e die W a r e v e r g a n g e n e und g e t a n e A r b e i t , die s i c h stets h i n t e r der M a s k e des Kapitals
v e r b i r g t . Quiroga w a r ein s a g e n h a f t e r G r o ß i n v e s t o r und W o h l t ä t e r . M a n k a n n r e c h t s im Bild lesen,
d a s s er „ V e i n t e v un m i l l i o n e s de Q u i n t o s " z u m B a u der K i r c h e San F r a n c i s c o g e s p e n d e t hat, w a s eine Lüge
o d e r eine S c h m e i c h e l e i ist. E r i n n e r n Sie s i c h n o c h an d e n common sense der C h a r a k t e r m a s k e n aus d e n 90er-
Santiago batallando con los moros
J a h r e n , in d e n e n - g e b l e n d e t d u r c h d a s B ö r s e n s p e k t a k e l der N e w E c o n o m y - b e h a u p t e t w u r d e , d a s s das
Lucas Valdés
Kapital s e i n e W e r t b i l d u n g nur d u r c h die f o r t g e s c h r i t t e n e n T e c h n o l o g i e n aus s i c h s e l b s t s c h ö p f e n kann? Eine 1690
Museo de Bellas Artes de Córdoba
der v i e l e n G e s c h i c h t e n , die m a n s i c h bis h e u t e in Potosí ü b e r Quiroga erzählt, g e h t so: J e d e n S o n n t a g gab er
eine g r o ß e A r m e n s p e i s u n g . D a n a c h s c h ü r z t e n die A r m e n i h r e n P o n c h o und Quiroga w a r f einige M ü n z e n
hinein. Einmal w e i g e r t e s i c h e i n e r u n d s a g t e : „ I c h n e h m e nur Geld, w e n n du d e i n e n U m h a n g a u s w r i n g s t . "
N a c h e i n i g e m Z ö g e r n zog Q u i r o g a s e i n e n U m h a n g aus und w r a n g ihn aus: Es k a m Blut h e r a u s .

Antonio López de Quiroga


Anonym
1660
Museo Casa Nacional de Moneda,
Potosí

Die Vielfalt der Santiagos König Ramiro I. am Vorabend der Schlacht von Clavijo
erscheint, und den die Spanier als Held feiern.
Fátima Olivarez R. Lucas Valdés' „Santiago batallando con los moros" (1690)
ist ein einzigartiges Werk sevillanischer Malerei. Es verweist
Wir unterscheiden drei typische Darstellungen des Jakob auf Jakobs legendären Kampf gegen die Invasion der Mus-
(Santiago) in der Bildkunst: Vertraut ist uns zunächst Santi- lime auf der iberischen Halbinsel. Das zweite für die Ausstel-
ago el Mayor, der Apostel, Sohn des Zebedeo und der Salome', lung ausgewählte Bild Jakobs, „Felipe V, convertido en San-
Bruder des Evangelisten Johannes, der auch „Sohn des Don- tiago Matamoros", ist die Arbeit eines unbekannten Meisters
ners" genannt wird. Zum Zweiten kennen wir Santiago el aus La Paz und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Hierbei han-
Menor, Sohn des Alfeo, der seinen Ruf als Santiago Peregrino delt es sich um eines der wenigen Gemälde, die aus der Zeit
(Jakob der Pilger) durch eine Wallfahrt zum regional wie der Unabhängigkeit in Bolivien überlebt haben. Die Trans-
europaweit berühmten Pilgerort Santiago de Compostela formation des Bildes vom berittenen Felipe V. zum Apostel
begründete. Schließlich begegnet uns in einem dritten iko- Jakob, die ungefähr ein Jahrhundert nach der Entstehung des
nografischen Typus Santiago Matamoros, der im Jahr 844 Werkes stattfand, rettete es vor der Zerstörung, der die ande-
ren offiziellen Darstellungen des Königs zum Opfer fielen. Die 2009 im Museo Nacional de Arte de Bolivia eröffnete Aus-
Unter den ohnehin wenigen erhaltenen Bildern der spani- stellung Tata Santiago - Tata Illapa war eine Referenz an den
schen Könige in Amerika stellt das Exemplar im Museo Glauben und eine Meditation zum Dialog von Vergangen-
Nacional de Arte in La Paz eine Ausnahme dar. Nicht nur auf heit und Gegenwart. Sie vermittelte die Bildkunst des 17. und
Grund des ikonografischen Wandels mittels Übermalung 18. Jahrhunderts in kleinen Altarbildern mit Darstellungen
sowohl der heraldischen Insignien durch Wolken und durch des populären Kults sowie persönliche Interpretationen zeit-
die Kaschierung der königlichen Pracht - weiße Pelerine, genössischer Kunst und Fotografien zu Ehren des Heiligen
hoch gestülpter Hut - sondern auch auf Grund seiner Präsen- Jakob. Eine Frau in Leid und Bedürftigkeit, ein Mann in stil-
tation der bestehenden Beziehung zwischen dem spani- ler Andacht, eine danksagende Familie, Mestizen, Cholos
schen Territorium und den Ländern der Andenregion. und Cholas, Reiche und Arme: sie alle knieten in einer inter-
Die Existenz der imposanten Aymara-Quechua-Gottheit kulturellen Kapelle vor dem Tata Santiago und der Piedra
Illapa oder Tata Illapa ist in unmittelbarer Beziehung zu Rayo nieder. Es war die (erneute) Begegnung mit den eige-
Jakob als Herrscher des Himmels und Meister atmosphäri- nen Heiligen und Göttern. Zum Abschluss der religiösen
scher Phänomene zu sehen. Jakob vollbrachte Wunder für Feierlichkeiten und Rituale lud das Museum alle Gläubigen,
die Spanier und wirkte als Wohltäter der indigenen Völker, die Besucher und die gesamte Gemeinde La Paz zu einer Seg-
indem er Bittschriften zum Schutz ihrer Rinder in der andi- nungsmesse für ihre Santiagos ein. Diese endete mit einer
nen Zone verfasste. Dieser immaterielle religiöse und kultu- wajta, bei der der Pachamama und dem Tata Santiago - Tata
relle Synkretismus lebt Jahr für Jahr am 2 5. Juli zum Fest des Illapa Opfergaben dargebracht wurden. Es wurde ein Fest
Schutzpatrons auf: Gefeiert wird ein Heiliger, der eine Sym- des Gedenkens an die höheren Wesen des Himmels und der
biose des indigenen Kults mit der christlichen Religion ver- Erde.
körpert.

Viele Santiagos
Fátima Olivarez R. beschreibt die verschiedenen Darstellun-
gen des Santiago als Typografien. Darin deutet sie an, dass
die Reproduktion der Santiago-Ikone seriell gedacht werden
muss und zeigt, wie sich diese Serialität in den spanischen
Kolonien fortsetzt. Für den Fall des „Santiago Matamoros"
gibt es, besonders in der Malerei des Vizekönigreichs Peru,
eine Tradition der Abweichung, anhand der sich die histori-
sche Transformation der globalen Machtverhältnisse nach-
vollziehen lässt. Der Santiago wird an die territorialen Herr-
schaftsansprüche angepasst. In Cusco gibt es berühmte
Beispiele von Santiagos, die nicht als „Mata-Moro", sondern
als „Mata-Indio" dargestellt sind. In Bolivien, in Santa Cruz
de la Sierra, findet sich sogar ein Beispiel eines Santiago, der
die Wirtschaftsinteressen der Europäer an China deutlich
macht: ein „Santiago Mata-Chinos".
Teresa Gisbert schreibt in ihrem Iconografía-Buch, dass es
in der Reproduktion und Aneignung der christlichen Iko-
nen im andinen Raum auch zu Verwechslungen kommen
konnte. Im Department Oruro, in Sabaya, ist der Santiago
beispielsweise mit dem heiligen Martin verwechselt wor-
den 1 , was aufgrund des weißen Pferdes und der Reiterdar- Santiago besiegt ein
stellung naheliegend ist. Wie Fátima Olivarez R. schreibt, chinesisches Heer
(Santiago Matachinos)
konnte zur Zeit der Republik auch die Herrscherdarstellung
Museum der Kathedrale von
Philipp V. zum Santiago werden. Für Das Potosi-Prinzip wol- Santa Cruz de la Sierra.
len wir der „Matamoros"-Typografie eine weitere Ausnahme Foto: Andrés Unterladstaetter
hinzufügen - schließlich ist der Santiago einer der Schutz- Francisco de Potosí' ('Founder of the Church and Monastery
heiligen der Silberstadt: den Santiago als modernen Entre- of Saint Francis in Potosí'). This is either great ignorance or
preneur. Das auf 1660 datierte Porträt von Antonio López de conscious exaggeration on the part of whoever painted the
Quiroga ist Teil der Dauerausstellung der Casa Nacional de message, for the Franciscan monastery of Potosí traces its
Moneda in Potosí und hängt an prominenter Stelle im Fest- beginnings to the middle of the sixteenth century, a hundred
saal des Hauses. Es unterscheidet sich aufgrund der Art, wie years or so before López came on the scene.
es gemalt ist, deutlich von den übrigen Bildern aus der glei- Finally, at the upper right of the portrait, in a third style
chen Zeit. Die Ausstellungsleiterin des Museums, Sheila Bel- of lettering, is the statement that López contributed 21 mil-
trán, deutet daraufhin, dass es sich bei dieser Darstellung um lion pesos in quintos, or silver royalties, to the Spanish treas-
ein Lehrstück handeln muss. 2 Das Bild ist flächig gemalt, ury during his career: 'Dio Veinte y un milliones de Quintos,
basiert auf vereinfachten Formen und ist nicht signiert. Wir como consta en la Real Caja de esta Villa de Potosí.' Though
kommen aufgrund der Darstellung nicht umhin, das Bild aus López was the leading silver producer of Potosí for most of
heutiger Perspektive mit konstruktivistischen Darstellun- the part of his life that he spent there, and also probably the
gen zu vergleichen, die Anfang des 20. Jahrhunderts jede preeminent silver miner and refiner of the Spanish Ameri-
Repräsentation von „Realität" als nachvollziehbare, regel- can Empire of his day, that figure is still a wild exaggeration.
hafte Zusammensetzung begreifen und kenntlich machen. The best estimate that can be made of Lopez's silver output
is that his mines and refineries yielded, at most, just under
Santiago-Quiroga 15,000,000 ounces during his career. The quinto payable on
Der Historiker Peter Bakewell widmete dem Silberbaron this amount would have been only some 3,400,000 pesos.
Antonio López de Quiroga ein ganzes Buch. Und zwar aus fol- The texts on the portrait give us, then, an Antonio López
gendem Grund: „He must rank, indeed, as one of the most de Quiroga exaggerated in social standing, munificence, and
diverse and capable businessmen to appear in the whole wealth. But these exaggerations can be read as evidence of
span of the Spanish Empire in America."3 Er beschreibt das the expansion of Lopez's figure in Potosfs memory after his
Porträt in der Casa Nacional de Moneda: „Lopez's name lives death."4
on in present day Potosí as an epitome of the town's days of Der Santiago als Entrepreneur unterscheidet sich ent-
ancient wealth and splendour. Sustaining that almost folk- sprechend von den beiden anderen für die Ausstellung aus-
memory of him is a crudely painted but forceful portrait that gesuchten Bildern: von der Vision des Santiago, der eigen-
hangs in the galleries of the Casa de Moneda. No painter's händig den Feind tötet und zertrampelt (Lucas Valdés) und
name appears on this picture of López, but the canvas bears vom Santiago als republikanischem Kriegsherren, der zwar
three legends, apparently each by a different hand. Each of selbst nicht mehr Hand anlegt, aber ein Heer anführt, wie
them is in some way wrong. But the mistakes themselves beim Porträt von Philipp V., zu dessen Füßen die Armee
reflect the strength of the impression that Antonio López Macht und Bedrohung darstellt (dieser zeigt im Übrigen sehr
made on Potosí. deutlich, wie sehr das republikanische Versprechen der Frei-
The least of the errors is in the title at the lower left: 'El heit in Bolivien ein kreolisches Privileg geblieben ist).
Maestre de Campo Don Antonio López de Quiroga, Año de Der Santiago-Quiroga hingegen handelt in der Maske des
1660'. López was not, in fact, to become a maestre de campo allgemeinen Wohltäters. Er spendet für das Gemeinwohl und
(a military rank roughly equivalent to colonel) for another symbolisiert den wirtschaftlichen Fortschritt. In bester NGO-
decade after 1660; and his name was never graced with the Manier, so könnte man behaupten, erhält er den Armen das
honorific don. Leben und reproduziert und festigt gleichzeitig als profit-
At the upper left, surrounded by triumphal wreath, orientierter Minenbesitzer das soziale Ungleichgewicht, das
appear the words, 'Fundador de la Iglesia y Convento de San ihm die Anerkennung als Wohltäter erst ermöglicht. MJH

1 Teresa Gisbert, Iconografía y mitos indígenas en 3 Peter Bakewell, Silver and Entrepreneurship in
el arte, La Paz 2004, S. 23-25. Seventeenth-Century Potosí: The Life and Times
2 Besuch des Museums Casa de Moneda in of Anthony Lopez De Quiroga, Albuquerque
Potosí, durch die Dauerausstellung geführt 1988, Vorwort, S. XI-XII.
von Sheila Beltrán, Dezember 2008. 4 Ebd.
„It might be a good contribution to directthe .santiagos' mirrortowards Spain ... It seems to me also
143.353 (los ojos no quieren O true that the relationship between modernity and colonialism, in the case of Spain, was also pretty
estar siempre cerrados)
Marcelo Expósito problematic, since the colonial metropolis in this case, i.e. Spain, has been historically - and conse-

6
2010
Barcelona / Buenos Aires
cutively-the European bastion of counter-reformation, anti-enlightenment, and fascism - all projects
of modernization or reform have been historically problematic here, and basically they have all been
defeated." (Marcelo Expósito) So lautet das Arbeitsvorhaben zu den Santiagos der anderen Seite.

143.353 (los ojos no quieren und der ersten Jahre der Militärdiktatur verschwunden waren.
Eine systematische Zusammenstellung dieser Listen, sowie
estar siempre cerrados) eine Anwendung von Standardkriterien für den Begriff
„Opfer" und eine strikte Zeiteingrenzung reduzierte die Zahl
Marcelo Expósito
der Personen auf 113.000. In den vergangenen zehn Jahren
haben Vereine zur Wiedererlangung des historischen
Was bedeutet es, in einem Bild etwas auszugraben? Welche Gedächtnisses 150 Massengräber auf spanischem Gebiet geor-
Wahrheit kommt ans Licht oder kehrt zurück, wenn aus dem tet und die Überreste von ca. 1.500 Personen ausgegraben. Die
Bild ein Indiz, ein Fragment, ein Sinn exhumiert wird, der Ausgrabung, die in dieser Arbeit zu sehen ist, wurde 2007
vorher begraben, verschwiegen oder entführt worden war? gefilmt und erstreckte sich über zwei Jahre auf einem Gebiet
Um beide Bilder zu analysieren - „Santiago batallando con von 3.000 m 2 . Es wurden 309 Leichen exhumiert. Das Terrain
los moros" (Santiago kämpft gegen die Mauren) des sevillani- befindet sich unterhalb des Klosters Uclés, historischer Sitz
schen Malers Lucas Valdés und „Felipe V, convertido en Santi- des Ritterordens von Santiago. Die katholischen Könige
ago Matamoros" (Philipp V. als Santiago) eines anonymen besuchten das Kloster, bevor sie Granada belagerten, die letzte
Künstlers - , hat dieses Projekt sich auf die Mittel der spani- muslimische Enklave auf der iberischen Halbinsel. Seit 1493
schen Bewegung zur Wiedererlangung des historischen - dem Jahr nach der Eroberung Granadas, der Vertreibung der
Gedächtnisses gestützt, die diese in ihrem besonderen „Modell Juden und der Ankunft der von Columbus geleiteten Expedi-
Antigone" nutzte, das in der Multiplizierung von Ungehor- tion in Amerika - standen die katholischen Könige Isabel und
sam besteht: Ungehorsam gegenüber ungeschriebenen Geset- Fernando diesem Orden persönlich vor.
zen (das Schweigen über die Verantwortung für die Massen- Nach Ausbruch des Bürgerkriegs 1936 stürmten republi-
morde zu Beginn des Franquismus), aber auch gegenüber kanische Truppen das Kloster, das von diesem Augenblick
geschriebenen Gesetzen (zum Beispiel fordert dieser Ungehor- bis zum Ende des Krieges das Lazarett der achten medizini-
sam explizit oder diskret die Aufhebung der Amnestie von schen Einheit des Ejercito Popular beherbergte. In jener Zeit
1977, die nur zwei Jahre nach dem Tod des Diktators de facto wurde das Terrain um die Getreidemühle unterhalb des Klo-
ein „Schlusspunktgesetz" darstellte für alle Arten persön- sters zum improvisierten Friedhof. Als die Putschisten die
licher Verantwortung bei den politischen Verbrechen, die die Region einnahmen, verwandelten sie das Kloster in ein
repressiven Kräfte in den ersten Jahren des Franquismus und Gefängnis, in dem politische Gegner festgehalten und gefol-
während des vorangegangenen Bürgerkriegs verübt hatten)... tert wurden. Der Tod von 316 Personen im Alter von drei bis
Wir beschlossen, unsere Perspektive an den Ursprung des San- 72 Jahren zwischen 1940 und 1943 ist dokumentiert; 160
tiago-Mythos anzunähern, ein Mythos, der über Jahrhunderte wurden erschossen, 156 starben infolge von Hunger, Miss-
hinweg Motor für eine gewisse Vorstellung des Spanischen handlung, Folter und nicht behandelten Krankheiten. Der
war: Dieser Ort ist die Kathedrale von Santiago de Compostela, Verein zur Wiedererlangung des historischen Gedächtnis-
errichtet auf dem angeblichen Grab des Apostels... ses aus Cuenca hat sie alle mit großer Geduld und Sorgfalt
Am 22. September 2008 überreichte die Plattform der exhumiert. Es ist als ob sie die, die vor die Füße der Pferde
Opfer von Entführungen während des Franquismus dem geworfen wurden, behutsam an ihren Armen herausziehen.
Richter der Audiencia Nacional, des höchsten spanischen Straf-
gerichtshofs, Baltasar Garzón, mehrere Listen mit insgesamt Lesen Sie weiter auf Seite 225 (Spanisch).
143.353 Namen von Personen, die während des Bürgerkriegs
Barock, Hispanidad, Mestizaje Kultur als Medium, als Mittel zur Förderung des Bildes der
Nation. In den 198oer-Jahren stellte der Staat seine Kulturpo-
Übernationale Erzählungen und Kulturproduktion litik unter das Motto „Kultur schafft Bürger". Mit anderen
Jorge Luis Marzo im Gespräch mit Worten: Es sind nicht die Bürger, die Kultur schaffen.
Alice Creischer, Max Jorge Hinderer und Kultur in Spanien gründet in den Parametern von Außen-
Andreas Siekmann politik und Diplomatie. Man ist davon überzeugt, dass das
Land in sich Kultur ist, Kultur schafft allein durch das, was
es konstituiert. An dieser Stelle schlagen wir die Brücke zum
Jorge Luis Marzo: Das nationale Narrativ Spaniens ist eine Barock, der ebenfalls ohne eine soziale Praxis auskam.
Geschichte der Verluste. Der Zerfallsprozess des großen Barock bestand durch sich allein, war sein eigenes Wesen.
Imperiums des 15. und 16. Jahrhunderts beginnt im 17. Jahr- Die Kluft zwischen Kultur und Gesellschaft impliziert die
hundert und setzt sich bis in die Gegenwart, jedenfalls bis wahre Kontinuität seit der Zeit des Barock bis in die Gegen-
1975, fort. Ausgenommen bleibt allerdings die Kultur. Jen- wart. Antoni Tapies wurde von Francos Propagandaministe-
seits der Gesellschaft verortet betrifft deren Untergang sie rium bezahlt. War er Franquist? Vermutlich nicht. Er entle-
nicht. Die Abspaltung der Kultur von der Gesellschaft ist die digte sich seiner Ideologie, um Teil des Systems zu werden.
Konsequenz der Stärke des Barock. Welcher Diskurs ist Darin besteht das Problem.
jedoch heute die Projektionsfläche für die Idee einer außer-
halb der Gesellschaft existierenden Kultur, für die Idee der Jorge Luis Marzo ist Mitglied des Projektteams für El (D)Efecto Barroco, Políticas
de la imagen hispana (Ausstellung ab dem 9. November 2010 im Centre de Cultura
Ausnahme, die in Mexiko, Chile und Argentinien so präsent
Contemporània de Barcelona): „Die Ausstellung erkundet die identitätsbildende
ist? Erzählung in ihrer hispanischen und lateinamerikanischen Dimension über die Ana-
Andreas Siekmann: Francos Ideologie sah Spanien als Aus- lyse der Politik der Bilder. Einer ihrer wirkmächtigsten Mythen war der Barock. Als
nahme. Das Land folgte einer „imperialen Berufung". Spa- Mythos legitimierte er eine Vision, die Kultur als Rahmen der nationalen oder loka-
len Realität ebenso sah wie als Rahmen für die Schaffung eines großen, interna-
nien war anders als Europa: nicht modern, nicht Teil des Fort-
tionalen - lateinamerikanischen und spanischen - Emblems. Die Ausstellung hin-
schritts. Die Hispanidad war das Programm, mit dem das terfragt die Abspaltung dieses Narrativs und der Kulturpolitik, in die er sich gern
goldene Jahrhundert des Imperiums wiederbelebt werden auf Kosten der Aneignung anderer Schriften einschreibt..." (http://www.cccb.org/
solle. Perón und Pinochet teilten den Gedanken einer Einheit es/exposicio-el_efecto_barroco-33521 ). Das Interview fand zum Teil am 9. Juli per
E-Mail statt und wurde am 12. Juli 2009 in Berlin fortgesetzt.
aller spanischsprachigen Nationen.
Jorge Luis Marzo: Richtig. Doch wie verstehen wir die Kluft Lesen Sie weiter auf Seite 228 (Englisch).
zwischen Kultur und Gesellschaft in unserer Zeit? 82 Prozent
des spanischen Kulturetats werden vom Außenministerium,
nicht vom Kulturministerium verwaltet. Die Regierung sieht

Sie h a b e n e i n e n G r u n d s a t z d e r u r s p r ü n g l i c h e n A k k u m u l a t i o n g e h ö r t u n d e i n a k t u e l l e s B e i s p i e l
a u s R u s s l a n d g e s e h e n . Sie w i s s e n n u n , d a s s j e d e W a r e u n d j e d e I n v e s t i t i o n d i e s e F o r m d e r A k k u -
m u l a t i o n in s i c h t r ä g t u n d z u g l e i c h v e r b i r g t . A b e r w i e l ä s s t s i c h d a s auf d e n h i s t o r i s c h e n Fall P o t o s í

7
übertragen? Gehen S i e h i n u n t e r . G e r a d e a u s b e f i n d e t s i c h e i n e W a n d . Sie w e r d e n w a h r s c h e i n -
l i c h z w i s c h e n i h r e n S e i t e n - ein Bild m i t d e r A n s i c h t P o t o s i s u n d ein Film ü b e r d a s Bild - h i n - u n d
h e r p e n d e l n . D a s B i l d z e i g t I h n e n k e i n e H ö l l e , s o n d e r n e i n e I n d u s t r i e s t a d t M i t t e d e s 18. J a h r h u n -
d e r t s . A u f d e n P l ä t z e n u n d S t r a ß e n d e r S t a d t w e r d e n die e i n z e l n e n E p i s o d e n so s o r g f ä l t i g a u f g e m a l t w i e in
Descripción del Cerro Rico e
d e n K o l u m n e n e i n e s S t a d t m a g a z i n s : L a s t t i e r k a r a w a n e n , P r o z e s s i o n e n , e i n M o r d , e i n e H o c h z e i t , ein Tier, d a s Imperial Villa de Potosí
g e s c h l a c h t e t w i r d . Im B e r g s e h e n Sie k e i n e M i n e n , Sie s e h e n die I n v e s t i t i o n e n u n d i h r e I n f r a s t r u k t u r : S t a u - Gaspar Miguel de Berrio
1758, Museo Colonial Charcas,
d ä m m e , K a n ä l e u n d R a f f i n e r i e n . A b e r Sie s e h e n in d e r S t a d t w e n i g e A r b e i t e r , so als o b d i e s e s Bild a u c h e i n e Universidad San Francisco
^Xavier de Chuquisaca, Sucre
C h a r a k t e r m a s k e ist. 18 J a h r e n a c h d i e s e m Bild b e s c h r e i b t A d a m S m i t h in d e m B u c h Wohlstand der Nationen,
w i e eine u n s i c h t b a r e Hand R e i c h t u m schafft.
Der Film, der auf d e r a n d e r e n Seite der W a n d läuft, a r b e i t e t g e g e n d i e s e U n s i c h t b a r k e i t . Sie w e r -
d e n hier ü b e r k o n k r e t e B e d i n g u n g e n d e r A r b e i t e r f a h r e n k ö n n e n : Die V e r d r ä n g u n g d e r i n d i g e -
n e n H ü t t e n t e c h n i k d u r c h die A m a l g a m i s i e r u n g , die d a m i t e i n h e r g e h e n d e D i s q u a l i f i z i e r u n g indi-
gener Arbeitskraft. „Auf dem Silberberg sieht man Arbeiterin den verschiedensten Formationen;
a b e r ein S t o l l e n e i n g a n g ist n i c h t zu e n t d e c k e n . Die M i t a y o s , die Z w a n g s a r b e i t e r , k a m e n oft aus
D ö r f e r n ein p a a r h u n d e r t K i l o m e t e r v o n Potosí e n t f e r n t ; die A n r e i s e k o n n t e e i n e n M o n a t d a u e r n
u n d sie m u s s t e n ein J a h r b l e i b e n , d e s h a l b n a h m e n sie ihre Familie m i t u n d a u ß e r d e m ihr Vieh.
A u f d e m Bild sind die W o h n s t ä t t e n d e r A r b e i t e r w i e d e r g e g e b e n , es sind a b e r k e i n e F r a u e n u n d K i n d e r zu s e h e n
und kein Vieh. Es ist ein H o f g e b ä u d e zu s e h e n , in d e m A r b e i t e r Lohn b e k o m m e n u n d d a v o r ein k l e i n e r Stra-
Das Silber und das Kreuz ß e n m a r k t , auf d e m a u c h G e t r ä n k e v e r k a u f t w e r d e n . Es ist a b e r n i c h t zu u n t e r s c h e i d e n , w e r ein f r e i e r A r b e i -
Harun Farocki
2010 t e r ist und w e r ein Z w a n g s a r b e i t e r . . . . , es s c h e i n t v e r n ü n f t i g a n z u n e h m e n , d a s s e i n e A n g e l e g e n h e i t v o n sol-
Sucre/Potosí/Berlin c h e r B e d e u t u n g w i e die E n t d e c k u n g A m e r i k a s i r g e n d w o in d e n H e i l i g e n S c h r i f t e n e r w ä h n t s e i n m u s s . ' D i e s e n
Satz zitiert T o d o r o v und mir s c h i e n es v e r n ü n f t i g a n z u n e h m e n , eine A n g e l e g e n h e i t w i e d e r g r ö ß t e V ö l k e r m o r d
in der G e s c h i c h t e m ü s s e i r g e n d w o auf d i e s e m Bild e r w ä h n t s e i n . " ( H a r u n F a r o c k i )

Das Silber und das Kreuz Spanisch und Portugiesisch; es folgen englische Veröffentli-
chungen, und es gibt relativ wenige auf Deutsch oder Fran-
Harun Farocki zösisch. Der Gegenstand Lateinamerika kommt über die
eigenen Sprachgrenzen selten hinaus. Zu Potosí und seiner
Im Frühjahr 2009 boten mir Alice Creischer und Andreas Geschichte liegt viel vor; zu finden sind auch hoch speziali-
Siekmann an, eine Arbeit zu dem Bild „Descripción del Cerro sierte Studien zur Bergbau- und Amalgamierungstechnik, zu
Rico e Imperial Villa de Potosí" (Beschreibung des Cerro Rico den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Indigenen, zur Ein-
und der kaiserlichen Stadt Potosí) von Gaspar Miguel de Ber- fuhr der Arbeitsmittel und Luxusgüter. Enrique Tandeter hat
rio zu machen. für sein Buch Coercion & Market - Silver Mining in Colonial
Von dem Bild gab es nur sehr unzulängliche Abbildun- Potosí 1692-1826 viele Quellen erschlossen, aus den Akten
gen, schwarz-weiß in einem Ausstellungskatalog aus New der Kolonialverwaltung und den Aufzeichnungen der Berg-
York und in ein paar Buchpublikationen. Außerdem ein bau- und Hütten-Betriebe. Aus seinem Buch ist auch viel über
Poster in Farbe im DIN A 4-Format aus dem Museum Casa de den Widerstand der indigenen Arbeiter zu erfahren. Wie sie
la Moneda von Potosí. Auf dem Originalbild aber, etwa 350 sich dem Arbeitszwang entzogen, die Minen am Wochen-
x 200 Zentimeter groß, sind manche wichtige Einzelheiten, ende schwarz abbauten, bis hin zum Aufstand von 1 7 5 1 .
etwa Figuren, die die Arbeiter darstellen, unter einem Zenti- Es gibt aber keinen Text, der das Bild von Berrio ausführ-
meter groß und in den Reproduktionen nicht zu erkennen. lich kommentiert, der die Details des Bildes mit den
Ich habe schon oft eine Arbeit begonnen, in deren Gegen- Geschichtsereignissen in Beziehung setzt. Von den Büchern,
stand ich mich erst einlesen musste, aber noch nie eine, bei die ich für dieses Projekt las, hatte ich nur Tzvetan Todorovs
der ich mir vom Gegenstand selbst keine rechte Vorstellung wunderbares Werk Die Eroberung Amerikas schon früher gele-
machen konnte. Nach einer Weile kam es mir vor, als würde sen. Todorov nennt die Kolonisierung Südamerikas durch die
mir der Gegenstand absichtlich vorenthalten, als erzieheri- Spanier den größten Völkermord in der Geschichte.
sche Maßnahme, bis ich genug über Potosí, Bolivien, Süd- Weil das Bild von Berrio erst ein paar Wochen vor der Aus-
amerika, Sklaverei und Kolonialismus gelesen hätte. stellung nach Madrid kommen sollte, beschlossen wir, zu dem
Als ich zur Berliner Bibliothek des Ibero-Amerikanischen Bild nach Bolivien zu fliegen. Der Kameramann Ingo Kratisch,
Instituts ging, bemerkte ich, dass ich das Gebäude schon der Tonmann und Produktionsleiter Matthias Rajmann und
jahrzehntelang nicht mehr betreten hatte. Zuerst hatte ich ich flogen von Madrid in einem großen Flugzeug zunächst
dort Bücher entliehen, als in Süd- und Mittelamerika die nach Santa Cruz. Die Maschine war voller Bolivianer, die in
Revolution zu erwarten war, und noch einmal hatte ich dort Spanien arbeiten, die Männer in der Landwirtschaft, die
Bücher entliehen, als dort die Konterrevolution siegte: in Frauen in der Hauswirtschaft. Sie reisten zum Karneval nach
Chile, Argentinien und anderswo. In dieser Bibliothek, die Hause. Noch nie habe ich eine so weite Reise unternommen,
als eine der besten der Welt gilt, sind die meisten Titel auf um am Ziel nur einen einzigen Gegenstand abzufilmen.
Wir kamen in Sucre gegen Mittag an und bezogen ein Hotel von der Gewalt gegen die Arbeiter ist nichts zu sehen. Man
gleich gegenüber vom Museum, das wir sogleich aufsuchten. sieht auch keine Gendarmerie und kein Militär.
Endlich sah ich das Bild. Es war nicht gut beleuchtet, aber Jürgen Osterhammel schreibt, dass die protestantischen
die freundliche Museumsleiterin, Orieta Durandal, erlaubte Siedler in Nordamerika die dortige indigene Bevölkerung für
uns, die Fenster zu öffnen und auf Stühle zu steigen, um die nicht christianisierbar und zur Arbeit untauglich befanden,
Einzelheiten zu studieren. und damit ein fataleres Urteil über sie sprachen als die Kon-
Als wir am nächsten Tag mit den Aufnahmen begannen, quistadoren über die Indigenen Südamerikas.
wurde das Bild für uns in einen Vorraum gebracht, wo es von Nimmt man das ganze Bild von Berrio in Augenschein, so
indirektem und gleichmäßigem Tageslicht beleuchtet war. herrscht ein dunkles Rot-Braun vor. In der Nahsicht aber,
Die Mitarbeiterinnen des Museums halfen uns bei der Ent- wenn wir einen kleinen Ausschnitt für die Videoaufnahme
deckung und Entschlüsselung. Ich fragte, ob die Wasserrä- wählten, erschienen uns vielfältige und pastellene Farbtöne.
der abgebildet wären, mit denen die Apparate angetrieben Das Konkrete fügte sich nicht ins Generelle.
wurden, die das Erz in den Ingenios, den Verhüttungsbetrie- Nachdem wir tagelang das Bild betrachtet, erörtert und
ben, zerkleinerten. Zu sechst untersuchten wir ein Ingenio gefilmt hatten, fuhren wir mit dem Auto nach Potosí, das
nach dem anderen, bis wir die Räder gefunden zu haben über 4000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die mühsame
glaubten - zumindest die Stellen, an denen Wasser aus dem Fahrt von ein paar Stunden durch das fast unbewohnte und
Viadukt herabstürzt und die gemauerten Schächte, in denen unbewachsene Gelände machte etwas von der Gier vorstell-
sie sich befinden müssten. Die Museumsleiterin und die Mit- bar, die die Spanier vor 500 Jahren getrieben hatte, erst den
arbeiterinnen, Cecilia Guevara und Leonor de Serrano, kann- Ozean zu überqueren und dann die Anden zu besteigen, um
ten jeweils verschiedene Einzelheiten, die sie auch verschie- an den Silberschatz zu kommen. Das Silber von Potosí hat
den ausdeuteten. der spanischen Krone geholfen, ihre Kriege zu finanzieren,
Im Vordergrund des Panoramabildes sind die Stadtbe- aber die Landschaft der Region kaum verändert. In Potosí
wohner zu sehen, sie sind ein paar Zentimeter groß und man sind in den Vierteln der Spanier und Kreolen die Straßenfüh-
kann sie über ihre Kleidung sozial zuordnen. Die Museums- rung und der Baubestand wie auf dem Bild von Berrio. Ein
direktorin bestimmte Ordensbrüder, Handwerker und - paar der Stauseen sind erhalten und Bruchstücke des Via-
Sklavinnen. Das verblüffte mich, denn ich hatte gelesen, dass dukts. In einem kleinen Freilichtmuseum sind ein Wasser-
es im Potosí des 18. Jahrhunderts keine Sklaven gab. Sie rad und ein Zerkleinerungsapparat rekonstruiert. Von den
zeigte mir ein kostümkundliches Buch, in dem ebendiese - Wohnstätten der Arbeiter ist nichts erhalten. Auch aus dem
prachtvolle - Tracht der abgebildeten Frauen als Tracht der alten Rom hat kein Wohnhaus der Plebejer die Zeit überdau-
Sklavinnen identifiziert wurde. Rückfragen bei einer Sozial- ert; es gibt nicht einmal eine Abbildung davon.
geschichtlerin ergaben, dass man hier im strengen Sinne des Im leichten Fieber der Höhenkrankheit gefiel mir die Vor-
Wortes nicht von Sklavinnen sprechen kann, eher von Haus- stellung, ich liefe durch ein Bild. Ich war noch nie an einem
dienerinnen, denen allerdings eine auch nur förmliche Frei- Ort, der mir von der Anschauung eines 250 Jahre alten Bil-
zügigkeit nicht zustand. des her vertraut war. Die Selbstverständlichkeit, mit der die
Die Spanische Krone entschied schon im frühen 16. Jahr- Menschen die Häuser der Altstadt bewohnten, verwunderte
hundert, in den Minen und Hütten keine Sklaven zu beschäf- mich. Zuerst hatte ich mit dem Maler gerechtet, nun rech-
tigen. Die Versklavung der Indigenen in der Karibik hatte nete ich mit den Einwohnern der Stadt, die er so ausführlich
diese fast vollständig ausgelöscht; der Import von Sklaven abgebildet hat.
aus Afrika schien zu teuer. So kam es zur Einführung der Am Vorabend unserer Rückreise unterhielt ich mich in
Zwangsarbeit, die 250 Jahre währte und auch noch fortbe- Sucre mit Klaus Pedro Schuett, einem bolivianischen Filme-
stand, als Berrio das Bild 1758 fertig stellte. macher. Sein Vater hatte 1945 eine Finca gekauft; ein paar
Ich fragte nach der Abbildung eines Hospitals, weil ich Dutzend Familien wohnten dort und bearbeiteten das Land:
gelesen hatte, dass der Klerus oft den in den Bergwerken bei Die Hälfte des Ernte-Ertrages mussten sie dem Eigentümer
der Zwangsarbeit Verletzten viel Geld für den Krankenhaus- entrichten. Der neue Besitzer befreite sie von der Tribut-
aufenthalt abnahm - und auch den Hinterbliebenen für die pflicht. Erst 1952 wurde in Bolivien, nach einer Revolte, die
Zeremonie der Bestattung der in den Bergwerken Verunglück- Leibeigenschaft abgeschafft.
ten. Unter den Hunderten abgebildeter Bauwerke war kein Bevor ich dem Maler Berrio etwas vorwerfe, muss ich
Hospital. bedenken, dass die europäischen Philosophen der Aufklä-
Es gibt auf dem Bild einen Streit unter Teilnehmern einer rung zu Sklaverei und Sklavenhandel geschwiegen haben.
Prozession - einer liegt auf dem Boden, verletzt oder tot. Außerdem ist das Bild von Berrio kaum untersucht; aus der
Gewalt unter den Spaniern und Kreolen ist verzeichnet, aber Anschauung der groß dargestellten Nicht-Arbeiter sind viel-
leicht Rückschlüsse auf das Leben der klein dargestellten ausreichend ernähren konnten oder Mangel litten. Nach vie-
Arbeiter möglich. Die Archäologie kann heute schon an den len hundert Jahren. Ebenso werden zur Untersuchung von
Überresten von längst Verstorbenen feststellen, ob diese sich Bildern neue Verfahren gebraucht.

In Ihrer Nähe, etwas mehr in der Mitte des Raumes, sehen Sie eine andere doppelseitige Wand.
Auf der einen Seite hängt eine Zeichnung, die aussieht wie eine Illustration der damals populä-
ren Lehrbücher der Alchemie, w o das Gold durch eine mystische Prozedur gewonnen wird. Aber

8
diese Zeichnung erklärt das Amalgamverfahren, das seit der Mitte des 16. Jahrhunderts in den
Minen von Mexiko entwickelt und nach der Entdeckung des Quecksilbers in Huancavelica auch
in Potosí eingesetzt wird. Man pulverisiert das Silbererz in Höfen, vermischt es mit Kupfervitriol,
Kochsalz und Wasser zu einem Brei, dem Quecksilber zugesetzt wird. Man stampft diese Masse mit den Füßen
Plano y perspectiva del horno en
que se había sacado azogue. und lässt sie acht Wochen lang im Freien unter Sonnenbestrahlung. Es bildet sich Silberamalgam, das sich
Anonym
1677
durch Kaltwalzen oder durch Hitze scheiden lässt. Quecksilbervergiftungen äußern sich durch Kopfschmer-
Archivo General de Indias, zen, Gedächtnisschwäche, Schwindel, Zittern, Wahrnehmungsstörungen, Koliken, Nierenversagen. Die Arbei-
^Sevilla.
ter sterben oft nach der Rückkehr in ihre Gemeinden. Der Zusammenhang zwischen Arbeit und Krankheit ver-
schwindet ebenfalls aus der Gegenwart in Potosí.

Das Amalgamverfahren und die Mita, die staatliche Systematisierung der Zwangsarbeit, sind
zwei Seiten derselben Münze bei den Maßnahmen zur Effektivierung der Silbergewinnung in
Potosí. „Durch die Einführung des... Amalgamationsverfahrens... erhöhte sich der Silberausstoß

9
ab 1573 sprunghaft und stieg in den Jahrzehnten von 1580 bis 1610 auf 190 bis 230 t pro Jahr."
(Anna Artaker) Gehen Sie nun auf die andere Seite dieser Ausstellungswand. Auf einer Weltkarte
sind die Wege des Silbers markiert „durch Frottagen einer historischen Münze, die zwischen 1586
und 1591 in Potosí geprägt wurde." Die Künstlerin fährt an anderer Stelle fort: „Der Zusammenhang zwischen
der Ausweitung des globalen Handels im Zuge der europäischen Expansion und dem Fortschritt der Kartogra-
WELTKARTE fie ist evident: Den weltweiten Gütertransport besorgten Handelsschiffe, die zur Navigation genaue Seekar-
Anna Artaker
ten benötigten. Die Weltkarte reproduziert maßstabsgetreu die Küstenlinien einer Karte, die 1600 in Siena von
2010
Wien Amoldo di Arnoldi gedruckt wurde. Di Arnoldis Karte ist eine Kopie der 1592 in Holland veröffentlichten Welt-
karte von Petrus Plancius. Die Karte zeigt also das geografische Wissen und das Bild der Erde zum Zeitpunkt
der Prägung der Münze."

den die Welt als Ganzes dauerhaft in den Horizont mensch-


WELTKARTE licher Erfahrung rückt. Die Weltkarte ist das Bild, das wir
uns von der Welt machen und das in Atlanten, Schulbüchern
Anna Artaker
und Klassenzimmern millionenfach verbreitet ist. Dieses
Bild hängt mit dem Welthandel ursächlich zusammen: Den
Ausgangspunkt meiner „WELTKARTE" betitelten Arbeit ist weltweiten Gütertransport besorgten Handelsschiffe, die
der weltumspannende Handel, der im späten i6. Jahrhun- zur Navigation genaue Seekarten benötigten. Die Erstellung
dert seinen Ausgang nahm und langfristig zur Etablierung solcher Seekarten war Aufgabe der neuzeitlichen, wissen-
einer neuen, auf Handels- und Wirtschaftsmacht beruhen- schaftlichen Kartografie, deren Anfänge nicht zufällig in der
den Weltordnung führte. zweiten Hälfte des i6. Jahrhunderts liegen (1569 erschien
Das heute geläufige Bild der Weltkarte entsteht erst im Gerhard Mercators berühmte Weltkarte in der bis heute
Zusammenhang mit diesem globalisierten Handel, durch gebräuchlichen Mercator-Projektion).
Mit meiner WELTKARTE versuche ich, diesen Zusammen- Die Wahl der Frottage als einer bildgebenden Technik, die
hang zwischen Seefahrt und Kartografie einerseits und kon- auf dem Kontakt mit dem realen Gegenstand beruht, kann
stanten Handelsbeziehungen zwischen Orient, Okzident und als Gegenstück zur allegorischen Darstellung im Barock ver-
dem amerikanischen Kontinent mit dem Silber-Peso als standen werden, der zu Ende des 16. Jahrhunderts die vor-
erster Weltwährung andererseits darzustellen. Es handelt herrschende Kunstrichtung in Europa war, die auch in die
sich um eine handgezeichnete i:i-Reproduktion einer Welt- Neue Welt exportiert wurde. Zeitgleich manifestiert sich in
karte, die 1600 von Amoldo di Arnoldi in Siena gedruckt der Entwicklung der wissenschaftlichen Kartografie eine
wurde. Vorbild für di Arnoldi war die 15 9 2 in Holland erschie- Weltanschauung, in der die Allegorie zunehmend durch
nene Weltkarte des niederländischen Kartografen Petrus neue Darstellungsformen ersetzt wird.
Plancius. Meine Reproduktion der Karte beschränkt sich auf Die WELTKARTE steht für eine solche neue Darstellungs-
die Küstenlinien in ihrem damals bekannten Verlauf und das form und zeigt das kartografische Wissen und Können ihrer
Loxodromen-Netz, mit dem die Meere auf der Karte durchzo- Zeit. Mit den Frottagen der Münze - durch ihr Prägedatum
gen sind. Zusätzlich finden sich darauf Frottagen einer histo- eine Zeitgenossin der Weltkarte - verweist sie außerdem auf
rischen Silbermünze, die zwischen 1586 und 1591 in Potosí die Weltwirtschaft und die Anfänge der Globalisierung.
geprägt wurde. Aneinandergereiht markieren die Frottagen
die Seewege, über die das Silber aus Potosí sowohl in östlicher Lesen Sie weiter auf Seite 231 (Englisch).
als auch westlicher Richtung rund um den Globus floss.

Zur Zeichnung des Tauchers lesen Sie bitte weiter in der zweiten Wegbeschreibung (S. 116).
Wie Sie schon wissen, ist diese Zirkulation ein wesentliches Attribut des „rosy dawn of capita-
lism". Es wird oft behauptet, dass die Flut von Silber, die durch die Effektivierung der Minenin-
dustrie in Potosí erreicht wurde, schuld an der Preisrevolution von Getreide in Europa ab dem
16. Jahrhundert ist. Aber die Soziologin und Ökonomin Silvia Federici zweifelt daran: „Gold and
silverare n o t c a p i t a l . . . they were planted into a developing capitalist world, in which a growing
percentage of the population ... had to buy the food that they had once produced because the
ruling class had learned to use this magical power of money to cut labor costs." (Silvia Federici, Caliban and
the Witch) Die Zirkulation setzt eine wachsende Abhängigkeit des Überlebens von Geld in Gang.

Gehen Sie noch einmal auf die andere Seite. Sie sehen Kopien von historischen Dokumenten:
A)Zwei Blätter des Systems zur Auflistung von Indios Yanaconas in Potosí, zwei Folgeblätter aus
der Pfarrei San Lorenzo.
^ Verzeichnis der Yanacona-Indios, die in der Stadt Potosí, Provinz Porco, und der zugehörigen
I näheren Umgebung wohnen. Angefertigt von Don Hernandoy MolinayCobos, Oberbefehlshaber
über die genannten Indios, am 16. September 1711
Das Verzeichnis hat 146 nummerierte Seiten, auf denen Einträge laut Inhaltsverzeichnis zu finden sind.
Verzeichnis der Yanacona-Indios, die in der Gemeinde San Lorenzo wohnen/Archiv Casa de Moneda, Potosí
B) Listen von Indios Forasteros (ortsfremden Indios) aus dem Ort Siporo, nach Namen und Alter geordnet, die
vom Kaziken eingebracht werden sollen:
Verzeichnis der ortsfremden Indios, die der Pfarrgemeinde Siporo und der Mine von Piquisa zugeordnet sind,
deren Beiträge der regierende Kazike abführen soll. / Archiv Casa de Moneda, Potosí
C) Listen von ortsfremden Yanacona-Indios, die dem König, der Kirche und den Klöstern zugeordnet sind:
Verzeichnis der ortsfremden, Yanaconas genannten Indios des Königs, der Kirche und der Klöster, die unse-
rem Ortzugeteiltwerden, um den gleichen Verpflichtungen wie die Einheimischen nachzugehen./Archiv Casa
de Moneda, Potosí
D) Ein Dokument von 1692, eine Aufschlüsselung der Zuteilung der Zwangsarbeiter aus verschiedenen Gegen-
den zur Mita im Bergwerk oder in den Metallscheidemühlen (Ingenios):
Liste der Personen, die Indios zugeteilt bekommen, 27.04.1692/ Archiv der Nationalbibliothek, Sucre
E) Ein Regierungsschreiben, in dem es um die Regelung der Tageslöhne der Mitayos u. a. in bankrotten Minen
geht. Daraus geht hervor, dass der Preis, um den sich Zwangsarbeiter aus ihrer Tributpflicht freikaufen konn-
ten, ungleich viel höherwar als der Lohn, den die M/te-Arbeiter bezogen. Das Schreiben plädiertfüreine Anglei-
chung der Preise und Löhne von freien und staatlich zugeteilten Arbeitern, um der Ungerechtigkeit und „der
großen Verwirrung um die Preise der Mita in Potosí" vorzubeugen. / Archiv der Nationalbibliothek, Sucre
Aber bei dieser „großen Verwirrung" geht es mehr als um den Spekulationswert von Arbeit. Die ersten Mita-
Quoten werden 1572 zusammen mit den Zählungen der Bevölkerung festgesetzt, aber die Gemeinden können
sie schon fünf Jahre später nicht mehr einhalten, weil sie entvölkert sind. Die Mita ist eine Maßnahme, die in
der Mitte einer statistischen Schere liegt: steigender Bedarf an Arbeitskräften in der Stadt und Entvölkerung
der Provinzen. Die Gründe für die Entvölkerung liegen nicht nur in den durch europäische Erreger hervorgeru-
fenen Epidemien, sondern in der Zerstörung indigener Subsistenz. Die Schere hat drei Konsequenzen, die das,
was wir unter ursprünglicher Akkumulation und dem Potosi-Prinzip verstehen, genau betreffen. Wir müssen
Ihren Ausreiseweg ab hier in drei verschiedene Abzweigungen aufteilen, um diese Konsequenzen zu erfassen.

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Bezahlte Freiheit und Gabriel Fernández Guarachi wie Pedro Fernández Guarachi
waren Kaufleute, sie handelten mit Wein aus Arequipa und
Dekolonisation Coca aus den Yungas, beides brachten sie nach Potosí. Gabriel
Roberto Choque, ehemaliger Vizeminister Fernández Guarachi wurde von den Azogueros der Vergeu-
für Dekolonisation, im Gespräch dung von Indios beschuldigt. Er war die wichtigste Figur in
diesem Spiel. Er kontrollierte den Weinhandel nach Oruro
und nach Potosí. Die Guarachi-Kaziken interessieren mich
Die Geschichte Potosis ist untrennbar verbunden mit der nicht nur aufgrund ihrer politischen Macht, sondern auch
Kontrolle von Leben und Arbeitskraft, die die Mita für die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Macht und der Führung
indigene Bevölkerung bedeutet. Die Mita ist das gesetzliche über die Mita. Sie kauften Gemeindeland und machten die
System zur Regulierung von Arbeitskraft, Zeit und Leben, Gemeinden zu den offiziellen Eigentümerinnen des Landes.
das durch Francisco Toledo 1573 im Vizekönigreich Peru in Da sie die indigene Bevölkerung unter Kontrolle hatten und
Kraft tritt. Wir gehen davon aus, dass die Mita in Südamerika durch ihre Geschäfte regelmäßige Verbindungen nach
als Phänomen für den biopolitischen Wendepunkt in der Potosí unterhielten, machten sie es sich zur Aufgabe, Leute
globalen Wirtschaftsgeschichte beschreibbar ist, der sich von der Mita zu befreien, nicht nur in Machaca, sondern in
seit dem 16. Jahrhundert langsam vollzieht. Sie markiert den der ganzen Provinz Pacajes. Zum Beispiel beschäftigten die
Unterschied zwischen einer Politik der „Eroberung" (Karl V.) Guarachis die jungen Männer, die nicht zur Mita wollten, bei
und einer Politik der „Verwaltung" (Philipp II.) ihren eigenen Geschäften. Sie nahmen sie auf, befreiten sie
Es ist wichtig, deutlich zu machen, dass durch die Identi- und übernahmen in Potosí die Verantwortung für die fehlen-
fikation von Leben mit Geld eine entscheidende Differenz den M/ta-Arbeiter. An ihrer Stelle verpflichteten sie andere,
als Regierungstechnologie eingeführt wird, die sich nicht in die sogenannten Mingas, und behielten ihre Arbeitskräfte
erster Linie an ethnischen Aspekten festmachen lässt, son- für sich.
dern zuerst auf einer Differenz in den Besitz- bzw. Vermö- Max Jorge Hinderer: Eine Frage zur Geschichte des Auf-
gensverhältnissen beruht. Die „rassische" Differenz war zur standes von Jesüs de Machaca 19 21 : Dieser Aufstand wurde
Kolonialzeit noch eher Tauschobjekt im Sinne einer mate- von der weißen und der Mestizen-Oberschicht dazu benutzt,
riellen Schuld, mit der als Wert gehandelt werden konnte, Vorurteile gegen die indigene Bevölkerung zu festigen.
und wurde erst mit der republikanischen Ideologie ontolo- Reina J. Gonzáles: Um sie zu stigmatisieren.
gisiert. Max Jorge Hinderer: Ja, um die Indigenen zu stigmatisie-
Nach der kubanischen Revolution begannen in den ren, eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen zu treffen und
1960er- und i97oer-Jahren vor allem lateinamerikanische auch direkt gegen die indigenen, Gewerkschafts- und Land-
Historiker und Theoretiker die Kolonialherrschaft aus öko- arbeiter-Bewegungen vorzugehen. Sie stigmatisierten sie
nomischer Perspektive zu analysieren, um dem ethnifizie- mehr und mehr aufgrund ihres Konzeptes von Gemein-
renden anthropologischen Diskurs um „Andersheit" an den schaft und Kollektiv und, damit zusammenhängend, auf-
akademischen Fakultäten zu entkommen. Die Geschichte grund ihrer-bereits unter Beweis gestellten- Fähigkeit zum
Potosis war paradigmatisch für diesen Diskurs. In Bolivien Aufstand. Diese Angst vor indigenen Aufständen zieht sich
mischte sich diese Erfahrung mit den Nachwehen der eige- durch die Geschichte des kolonialen und republikanischen
nen Revolution von 1952. Der Aymara-Historiker Roberto Boliviens. Aus politischer Sicht scheint das fast konstitutiv
Choque ist einer der prominenten intellektuellen Erben die- für die Regierungen des Landes zu sein.
ser Zeit. Er war der erste Vizeminister für Dekolonisation in Roberto Choque: Der Kampf um das Eigentum an Land
Bolivien und als solcher bis 2010 Teil des Kabinetts der Regie- ist immer eines der wichtigsten Motive gewesen. Wir versu-
rung Morales. chen hier, das Stigma, Indio oder indigen zu sein, zu entko-
lonisieren. Nach der Gründung Boliviens im Jahr 1825 wurde
Max Jorge Hinderer im Gespräch mit Roberto Choque und Reina ein Gesetz zur Abschaffung der indigenen Gemeindeländer
J. Gonzales erlassen. Die Regierung ermutigte die indigene Bevölkerung
Max Jorge Hinderer: Die Kaziken aus Jesüs de Machaca dazu, ihr Land zu verkaufen. Da die Leute weder spanisch
waren berühmt für ihre Beziehungen zur Wirtschaft und lesen noch schreiben konnten, konnten sie leicht betrogen
den Minen Potosis, andererseits aber auch dafür, ihre eige- werden. Zunächst bekamen sie Geld und waren zufrieden.
nen Leute von Tributzahlungen und der Mita zu befreien. Aber das Geld war nach kurzer Zeit aufgebraucht und die
Roberto Choque: Sie waren der spanischen Krone treu Menschen sahen sich ihres Landes beraubt und blieben
ergeben. Das war ihre politische Linie, die sie aber auch aus- durch neue Patrones in Ausbeutungsverhältnissen. Aus vie-
nutzten, um sich anderen wichtigen Aktivitäten zu widmen. len Gemeinden wurden durch Raub des Gemeindelands
Haciendas. So erklärten sowohl die geschädigten Exgemein- indigenen Völker seien verschwunden, aber das ist nicht so.
demitglieder wie die Gemeinden ihren Widerstand gegen Wir müssen vor allem aber auch das Wissen dieser indigenen
die Ausbeuter. Die berühmten Liberalen, die sich das Völker anerkennen. Bis vor Kurzem herrschte die weiße Elite
Gemeindeland aneigneten, schürten so den Konflikt zwi- über das Land. Und jetzt haben wir einen indigenen Präsiden-
schen Grundbesitzern und Pächtern. Diese Situation blieb so ten. Das ist wichtig, und aus diesem Grund wollen wir auch
bis zum Chaco-Krieg (193 2-1935). Danach wurde der Wider- die politische Macht nicht verlieren. Nach und nach gewöhnt
stand der Gemeinden stärker, vor allem vonseiten derer, die die Gesellschaft sich daran. Auf die Dekolonisation könnte
in den Chaco-Krieg gezogen waren. Und so schritt die indi- endlich die Anwendung der nationalen und internationalen
gene Bewegung bis nach 1952 voran. Gesetze folgen. Die Menschenrechte sollen respektiert wer-
Ein Historiker muss eine ideologische Linie und Orien- den. Ich selbst werde immer noch diskriminiert, vielleicht
tierung haben. All diese Ereignisse haben mir geholfen, mich nicht beim Betreten eines Luxushotels, aber hinter meinem
mit der Geschichte zu befassen. Motiviert hat mich außer- Rücken. Es ist sehr schwierig, den Kampf gegen den Ras-
dem ein Buch von Frantz Fanon, das beschreibt, wie man sich sismus zu gewinnen. Eine der Grundlagen dafür ist die Erzie-
dem Kolonialismus entgegenstellen und ihn abschaffen hung. Das Erziehungssystem muss geändert werden: Die
kann, und wo und wie man ihn identifizieren kann - da habe Geschichte mit all ihren Elementen begreifen, die eigenen
ich gedacht: Man muss die Geschichte entkolonisieren. Leute wertschätzen, die Praktiken, die Formen der Organisa-
Max Jorge Hinderer: Was bedeutet das Vizeministerium tion. Daran arbeiten wir zurzeit.
für Dekolonisation symbolisch und welche Aufgaben ver-
folgt es in der Praxis? Das Gespräch wurde am 15. Januar 2010 imVizeministerium
Roberto Choque: Das Konzept der Dekolonisation ist eine für Dekolonisation, La Paz, Bolivien, geführt.
Form der Kooperation, die uns ermöglicht, die Wirklichkeit Anlässlich des 75. Jubiläums des Aufstandes gegen die Pri-
der Fakten zu finden und unsere Geschichte anzuerkennen. vatisierung von Gemeindeland durch die Regierung am 4.
Dekolonisation bedeutet, sich von den Lastern des Kolonia- März 1 9 2 1 veröffentlichte Roberto Choque ein Buch über die
lismus zu trennen, etwa durch den Kampf gegen Rassismus. Geschichte der Aufstände in Jesús de Machaca, Sublevación y
Wir können die Dominanz, die wirtschaftliche Abhängig- Masacre de 1921 (1996). Heute liegen seine gesamten Studien
keit, die rassistische Gewalt in den Städten nicht ad hoc über- zu Jesús de Machaca als Neuauflage in einer Serie von vier
winden. Auch wenn laut der Erklärung der Menschenrechte Bänden vor: Xavier Albo, Esteban Ticona (Hg.), Jesús de
alle Menschen gleich sein sollen, haben wir die Vorstellung, Machaqa: La Marka Rebeide, Vol. 1 - 4 , La Paz 2003.
dass wir eines Tages dahin gelangen, dass alle Menschen die
gleichen Bedingungen haben. Um unsere Arbeit mit Konzep- Lesen Sie Auszüge aus dem Kapitel zur Mita im 1. Band, „Cinco
ten aus der Rechtsprechung der indigenen Völker zu entwik- Siglos de Historia " auf Seite 233 (Spanisch). ^^
keln, haben wir viel Material gesammelt. Man dachte, die

Potosí als Beispiel der die Ausmaße seiner Verbrechen zu relativieren?" gehörte zu
den methodischen Herausforderungen einer Generation
ursprünglichen Akkumulation von Historikern in den i97oer-Jahren, die sich mit der
Geschichte Potosis kritisch auseinandersetzen wollten. Peter
Bakewell und Enrique Tandeter untersuchen im Fall der
„The name Potosí is commonly associated as no other in colo- Potosí-Mita die Organisation von Zwang, Arbeit und Überle-
nial Spanish America with forced labor. The Black Legend ben, das Verhältnis von freier Arbeit, Lohnarbeit und
hangs heavily around the town's history. The mita of Potosí Zwangsarbeit. Die Mita, das Zwangsarbeitssystem des Vize-
... was larger than that assigned in any other single place in königreichs Perus, beruht nicht auf der spontanen Brutalität
the empire. Working conditions in the mines of Potosí, from einer Conquista, sondern sie ist die Maßnahme eines moder-
the time of Theodor de Bry's gloomy drawings of the 16th nen Staates, der seine Entrepreneure mit der Bevölkerung
century, have been assumed by historians and propagandists versorgt, die sie zur Wertschöpfung brauchen. Es gibt keine
1
to have been as miserable as they were hazardous." statische Zuordnung von Zwangsarbeitern und freien Arbei-
Die Frage „Wie kann man ein durch nationale machtpo- tern. Der andauernde Wechsel zwischen Lohnarbeit und
litische Interessen modelliertes Klischee untersuchen, ohne Zwangsarbeit in Potosí zeigt ein System, in dem die Arbeit
Theodor de Bry: eine Ware geworden ist und das Überleben von Geld of capitalist society. This enables us to read the past as some-
Die Potosi Minen,
abhängt. „'Primitive accumulation' is the term that Marx thing which survives into the present." 2 AC
In: Neundter und Letzter Theil
Americae Darinn gehandelt
uses ... to characterize the historical process ... of capitalist
wird, von gelegenheit der relations ... Its importance lies, above all, in the fact that Lesen Sie weiter auf Seite 235 (Englisch).
Elementen, Natur, Art und 'primitive accumulation' is treated by Marx as a foundational
eigenschafft der Newen Welt:
process, revealing the structural conditions for the existence
..., Franckfurtam Mayn 1601,
Bl. III, Sign. 1:2° Ut 3109-6/9 R,
©Staatsbibliothek zu Berlin —
Preußischer Kulturbesitz, 1 Peter Bakewell, Miners of the Red Mountain, Silvia Federici, Caliban and the Witch, New
Abteilung Historische Drucke Albuquerque 1984, S. 33. York 2004, S. 12.

Die wahren Herren der Erde von denen die meisten aus Kanada, den Vereinigten Staaten,
Großbritannien und Australien kommen. In der Region
oder Die Auswüchse des Minen- arbeiten unter anderem die Firmen Rio Tinto, Barrick Gold
Corporation, Freeport Mac Moran, BHP-Billiton, Newmont,
wesens in Lateinamerika PlacerDome, Meridian Gold, Exeter Ressource Corporation,
Gabriela Massuh Freeport McMoRan Copper & Gold Inc. und Minera Andes.
Die Beobachtungsstelle für Umweltkonflikte (Observa-
„Wir wollen kein zweites Potosí", sagte Evo Morales dem torio de Conflictos Ambientales, OLCA) und die Ausfüh-
staatlichen spanischen Fernsehen bei seinem letzten Besuch rende Koordinationsstelle zur Beobachtung von Bergbau-
in Spanien im September 2009. Er antwortete damit auf konflikten in Lateinamerika (Coordinación Ejecutiva del
eventuelle Kooperationsvorhaben zwischen Spanien und Observatorio de Conflictos Mineros en América Latina,
Bolivien und auf das Interesse mehrerer europäischer Län- OCMAL) haben zwischen Mexiko und Ushuaia entlang der
der, sich an der Förderung von Lithium zu beteiligen, einem Anden 337 Minen im Tagebau gezählt. Mehr als die Hälfte
strategisch wichtigen Material zur Energiespeicherung, von von ihnen befindet sich im Konflikt mit den umliegenden
dem mehr als die Hälfte der weltweiten Reserven in Bolivien Gemeinden. 1 Der gemeinsame Nenner dieser Konflikte ist
liegen. Seitdem Evo Morales an der Regierung ist, behält der die Verletzung von Menschenrechten und Umweltschutz,
Staat 51 Prozent der Gewinne aus seinen natürlichen die von den Gemeinden regelmäßig beklagt wird. Ihre For-
Ressourcen ein. Diese Haltung ist in der Geschichte Boliviens derungen werden jedoch von Staaten und Firmen systema-
und im aktuellen Panorama der Ausbeutung von Boden- tisch ignoriert.
schätzen in Lateinamerika einzigartig.
Lateinamerika wird erneut geschröpft, im Bergbau. Die Lesen Sie den Essay über die aktuelle Situation der Minenwirt-
neuen Herren der Krone haben weniger Glamour als die der schaft auf Seite 2^8ff. (Spanisch). ^^^
Kolonialzeit. Sie sitzen in transnationalen Unternehmen,

1 http://www.olca.cl/ocmal/index.php

44
JJ Der erste Schnitt der Schere betrifft die Verfügung über Leben. Gehen Sie quer
durch den Raum nach vorne ganz rechts, bis Sie vorfünf sehr prächtigen Blasen
stehen. Zu der Zeit, da wir diesen Text schreiben, wissen wir noch nicht, ob diese
I Blasen wie Okulare sind, die sich auf Motive in der rechten Hälfte des Bildes
^ ^ L ^ ^ P gegenüber richten, oder ob sie Episoden sind, die immer dieselbe Hauptdarstel-
lerin zeigen - den weiblichen Körper und seine innige Verbindung zu Pflanzen,
Rhythmen und Ornamenten. Auf dem Bild gegenüber umgeben die sieben Todsünden den Sterbenden. Sie
sind seine Kopfkissen, bedrohen ihn als Tiere und schweben als rot gerahmte Blasen, Lebensepisoden hin
zum Lustgarten, der ein Vorzimmer der Hölle ist. In der Blase in der Mitte beten Indios ein furzendes Lama an,
Cocablätter sind verteilt als Opfergabe.
In dieser Abzweigung geht es um eine biopolitische Wendung der Erzählung, wie Proletariat „gemacht" wird.
Die Hexenverfolgung in Europa und Amerika, die Auslöschung indigener Kultur sind Bestandteil dieses
„Machens". In Europa wie in den Kolonien wird der weibliche Körper ein Instrument zur Produktion von
Arbeitskraft. Die Körper sollen den Investitionen unbegrenzt zur Verfügung stehen, man muss sie deswegen
trennen von ihrem eigenen Leben. Das Verbot körperlicher Selbstbestimmung impliziert die Zerstörung von
Formen des Zusammenlebens, Wissen, Gedächtnis. Diese Zerstörung wird begleitet von Kampagnen zur Aus-
löschung der Götzenanbetung in den Anden oder den Hexenverfolgungen in Europa. Zugleich gibt es Sied-
lungspläne. Philipp II. plant eine Stadt in der Nähe von Potosí zur Züchtung von Minenarbeitern. Zwischen
1696 und 1760 bauen die Jesuiten in den Regenwaldgebieten des Vizekönigreichs Peru Siedlungen für mis-
sionierte Indios, barocke Stadtanlagen, neue Jerusalems, die für Spanier verboten waren, mit prächtigen Kir-
chen, Altären und Einübungen barocker Musik. Sie sehen in der Nähe ein Podest mit einem Buch. Ein Kostüm
Eviva el cotillo hängt dort, ein Theater für Bauch und Geschlechtsteile. Geplant ist, dass zu bestimmten Zeiten ein Counter-
Ines Doujak
2010
tenor hier auftreten, das Buch aufschlagen und diese Musik singen wird. Der berühmte Kastrat Farinelli lin-
Wien derte fast zehn Jahre lang jede Nacht mit seinem Gesang die Depressionen von Philipp V. Der Countertenor
wird die Fragen eines Beichtspiegels singen, der im Konzil von Lima 1585 festgelegt wurde: eine unerbittliche
Fahndung nach den Lüsten und den innigen Abmachungen des eigenen Körpers mit den Steinen, dem Him-
mel, den Bergen und Pflanzen.
Das Buch, aus dem der Countertenor singt, hat einen Einband aus Schlangenhaut. Die Gemeinschaft der Shi-
pibo, die im Amazonasbecken in Peru leben, glaubt, dass die Welt von einer riesigen Anaconda herbeigesun-
Witches
Ines Doujak
gen wurde. (Die Christen glauben, dass der Leviathan die ganze Welt verschlingt.) Als die Anaconda sang, bil-
2010 deten die Muster ihrer Haut das Universum. Die Weberei der Shipibos repräsentiert diese Haut der Schlange
Wien
und zugleich kann man sie lesen und singen wie Musiknoten.
Schauen Sie noch einmal zum Muerte-Bild. In der Mitte am unteren Rand ist die Beichtszene, in der ein Teu-
fel dem Indio den Mund zuhält und w o nicht auszumachen ist, ob er ihn am Beichten hindert oder ihn davor
schützt.

Muerte
Meister von Caquiaviri
1739,
Kirche von Caquiaviri,
Departamento de La Paz

La Muerte de Caquiaviri
Zeichnung: Quirin Bäumler
2010
Berlin

< )
Eviva el cotillo
Performance Confesionario: of the old religion and the instigators of anti-colonial revolt,
while attempting to redefine 'the spheres of activity' in which
Ines Doujak, 2010
Beichtspiegel für die Priester indigenous women could participate." 1
Es gibt eine Verbindung zwischen den Massenmorden an
der Indios den Frauen in Europa und den Morden in den Kolonien. Die
Beichte und die induzierte Angst vor dem Tod nimmt dabei
eine wichtige Rolle ein: Confesionario para los curas de Indios:
„The Witch-Hunt was not just a European phenomenon, but con la instrucion contra sus ritos, y exhortación para ayudara bien
also stretched across the Americas as conquistadors and pil- morir, y suma de sus privilegios, y forma de impedimientos del
grims sought to break indigenous women's power here. The matrimonio / compuesto y traducido en las lenguas quichua y
colonization of the 'New' World in many ways mirrored the aymara. Por autoridad del Concilio Provincial de Lima, del ano
proletarianization and housewifization that confronted men 1583 (Beichtspiegel für die Priester der Indios. Beinhaltet die
and women in Europe. Here too, women had the most to lose, Belehrung über ihre Riten und die Ermahnung, Hilfe zu leis-
often having enjoyed greater status and power here than their ten, um im rechten Glauben zu sterben, die Gesamtheit ihrer
counterparts in Europe. Here too, the new colonial economy Privilegien und Hinderungsgründe für die Eheschließung.
required a division to be engineered between indigenous men Erstellt und übersetzt in Quechua und Aymara. Erschienen
and women. Finally, here too the hunting of witches served to im Auftrag des Provinzialkonzils von Lima im Jahr ^ 8 3 ) .
instill terror, destroy collective resistance, silence entire com-
munities, and turn their members against each other... So by Lesen Sie den Text auf Seite 241 (Spanisch).
hunting witches the colonists targeted both the practitioners

1 Silvia Federici, Caliban and the Witch, New


York 2004, p. 220-231.
Die Auslöschung der Idolatrie Im letzten Kapitel der Chronik berichtet Poma de Ayala von
einer Erzählung über die Praktiken der Visitatoren - der kom-
Das 3. Konzil von Lima (1582) sollte die Tridentinischen missarischen Bilderstürmer - und ihre bekannten Methoden
Beschlüsse auf die Situation im Vizekönigreich übertragen. der Wahrheitsfindung durch Folter und Erpressung.
Zunächst scheint es so, als ob diese Übertragung - und die
erneute Kanonisierung von Bildinhalten in der Gegenrefor- „Und so kam der arme Autor in eine Bergwerkssiedlung von
mation - in Konflikt mit den Missionierungsmethoden zu Sotomayor, und drei alte, arme Indias, die sich dort aufhielten,
kommen droht, die indigenen Götter mit der Nomenklatura ... erzählten: .Señor, wir sind... vor dem Pater und Doktor Áuila
der christlichen Heiligen und Engel zu verbinden. Und es geflohen, dem Visitator des Bistums von Lima.' Sie sagten, es
scheint wie eine Ablenkung von diesem Konflikt, dass statt- sei durch die Schuld des Doktors, der sie zu Zauberern und
dessen die indigene Kultur verfolgt wird - dies besonders vor Zauberinnen machen wollte und der beim Verhör frage, was
dem Hintergrund des Aufstandes von Tupac Amaru, der auf ein Uaca Mocha (Götzendiener) sei. Ohne daß sie es gewesen
Befehl Toledos 1 5 7 2 in Cusco enthauptet wird. Der Aufstand seien, freue er sich und sage, daß sie Steine anbeten. Er züch-
wird begleitet von einer Religiosität, in der christliche und tige sie nämlich nicht, sondern setze ihnen eine Büßermütze
indigene Motive gleichwertige Medien des Widerstandes sind. auf, binde ihnen einen Strick um den Hals und stecke ihnen
Der Exstirpación de la Idolatría wird ein ganzer exekutiver eine Wachskerze in die Hand. Und er sage, so solle man bei der
Apparat gewidmet. Visitatoren besuchen Orte, um sie nach Prozession mitgehen.... Und wenn jemand Christ sei, antworte
indigenen Gebräuchen und Kultgegenständen zu inspizieren. und sage, er wisse nichts von Uacas, den Götzenbildern, und
Dieser Apparat ergänzt die Inquisition, die zehn Jahre zuvor er bete zu einem einzigen Gott, der Allerheiligsten Dreifaltig-
in Lima eingerichtet wurde und die den Glauben der spani- keit ... diesen besagten Indio oder diese India lasse er sogleich
schen Bevölkerung kontrollieren soll. 1621 wurde die Exstir- auf einen weißen Hammel steigen, und dann sage er, er werde
pación de la Idolatría des Jesuiten Pablo de Arriaga in Lima ihm sehr viele Peitschenhiebe versetzen, bis er dessen Blut auf
gedruckt, eine Durchsuchungsanleitung für die Visitatoren den Rücken des weißen Hammels herabrinnen lasse, damit
in den einzelnen Gemeinden: nach Federschmuck, kleinen das Blut des armen Indios zu sehen sei. Und wegen der Folte-
Tierfiguren und Maiskolben aus Stein, Mumien, Krügen, um rungen und Schmerzen sage der Indio, daß er das alte Götzen-
Chicha zu brauen, Opfergefäßen, Trompeten, Muscheln und bild, die Uaca, anbete....
anderen Instrumenten, Khipus. 1 Und überdies sagte er ihnen /sagten sie ihm], ein Visita-
Die eingesetzten Visitatoren entsprechen gewissermaßen tor der heiligen Kirche namens Doktor Auila und der Corre-
den Empfehlungen am Ende des Tridentiner Bilderdekrets, gidor hätten ihnen unter dem Vorwand, daß sie jene als Göt-
indem der Bischof von jedem neuen Bilderwunder oder jeder zenanbeter bezeichneten, eine große Menge Gold, Silber,
Reliquie zu unterrichten ist. Wir möchten sogar behaupten, Kleidungsstücke, Federarbeiten und andere Schmucksachen
dass sie eine vergleichbare Bedeutung und Funktion gewin- weggenommen, Kleider aus Cunbe und Auasca, Topos,
nen, und zwar im Kontext einer neuen politischen Erfassung Hemdgewänder, Porongos (Tongefäße mit langem und
der Bevölkerung als Ressource. In den Reformen von Toledo engem Hals), Aquillas (silberne oder goldene Opfergefäße),
wird die Bevölkerung mit derselben Systematik zur Zwangs- alles aus Silber und Gold." 2
arbeit in den Minen und zum Aufbau der Infrastruktur her-
angezogen wie die Bevölkerung der neuen merkantilistischen
Staaten zur Arbeit in den Manufakturen, den neuen Häfen Teresa Gisbert: Der Barock war sehr offen für äußere Einflüsse
und Galeeren. In der Exstirpación de Idolatrías werden, wie im wie etwa exotische Motive. Der indigene Einfluss manife-
zeitgleichen Hexenhammer, Anleitungen zur Verfolgung und stierte sich zum Beispiel in der Darstellung von Sirenen-Göt-
Zerstörung lokaler Kenntnisse über das Zusammenleben und tinnen aus dem Titicacasee. Die Spanier sahen in ihnen Sym-
die Fortpflanzung gegeben, um die Bevölkerung so unter ein bole der Sünde. Die Indigenen sahen in den Sirenen ihre alten
globales Regime der Verwertung zu stellen. Göttinnen aus dem See, die Spanier die Schlange. Die Motive
Das Konzil von Trient hat das Sakrament der Beichte sind in allen Kirchen rund um den See zu finden, auf manchen
modernisiert. Der Beichtstuhl, das geheime Gespräch unter Eingangsportalen gibt es riesengroße Darstellungen. Die
vier Augen und die innere Gewissenserforschung sind wich- Abbildung von Sonne und Mond war streng untersagt. Toledo

tige Instrumente zur Verklammerung von Subjektivierung sprach viele Verbote aus. Aber letztlich lag alles im Auge des

und Unterwerfung - jene Internalisierung von Macht, welche Betrachters: Ein Europäer sah neben der Kreuzigung oder
neben der Jungfrau die Symbole für Sonne und Mond - die
die moderne Subjektivität so regierungstauglich macht. Das
Indigenen sahen in ihnen ihre alten Götter, die sie nie aufge-
Konzil von Lima setzt dies um in Bezug auf die Kontrolle und
geben hatten.
Produktion von Subjektivität in den Kolonien.
Die Kuratoren: Konnte die Kirche zu dieser Zeit die Bildpro- Stil, der absolut nichts mit dem europäischen gemeinsam
duktion bestimmen? Es gab ja die Konzile von Trient und hatte. Die Technik der Keros war eine Paralleltechnik bis zur
Lima. Welche Probleme entstanden daraus? Unabhängigkeit.
Teresa Gisbert: Es entstanden verschiedene Probleme, Es war verboten, Tierdarstellungen auf der Kleidung zu tra-
zum Beispiel bei den Bauwerken. Die Indigenen hatten keine gen, zum Beispiel Schlangen, wegen der Gefahr einer mög-
Ahnung von der europäischen Bauweise und so waren für alle lichen Anbetung. Die Kleidung mit diesen Motiven wurde
Gewölbekonstruktionen, die uns dokumentiert sind, Spanier also nicht in den Städten getragen, aber in allen Dörfern. Und
oder Criollos zuständig. Aber die Steinmetzarbeiten und das das ist bis heute so geblieben. Ich weiß nicht, ob Sie diese Tex-
Handwerk, speziell was die Dekoration anging, war in indige- tilien aus Jalka oder aus Potolo gesehen haben: Auf ihnen sind
ner Hand. In Sica Sica steht zum Beispiel „Dies hat Malko ange- mythische Tiere abgebildet. Sie waren verboten, wurden aber
fertigt", in Yarvicolla „Ausgeführt von Sapaka"; auch in der trotzdem angefertigt.
Kathedrale von Cusco ist der Name des Autors zu lesen. In Diese ausgeschlossene Tatsache zeigt nun, dass dieses Mo-
Europa war das nicht üblich. Die Indigenen hingegen waren dell unsere eigene gegenwärtige Bedingtheit von künstleri-
sehr stolz auf ihre Autorschaft - und darin einigermaßen frei. scher Produktion und die der kolonialen Malerei betreffen
Ob in der ganzen barocken Dekoration ein Blatt mehr oder kann, wie zwei Unbekannte, die nun auf dieselbe Seite der
weniger, ein Monster mehr oder weniger, eine Groteske mehr Gleichung wandern. Aber es wäre zu leichtfertig zu denken,
oder weniger auftauchte, war den Spaniern vollkommen dass diese Seite keine Fraktur aufweist.
gleichgültig. So nimmt es nicht Wunder, dass gewisse Ele- Wir setzen diese Montage von Quellen nun mit der Erzäh-
mente auftauchen: In San Francisco können wir sie teilweise lung eines anderen Raubs aus der Chronik von Poma de Ayala
sehen und in San Lorenzo ganz eindeutig. Sirenen, die durch fort, um dahinterzukommen, was diese Fraktur sein könnte:
ihre Musik die Himmelssphären bewegen, plus Sonne, Mond „Ihr erschreckt uns, christlicher Leser, denn sie mit ihrem
und Sterne. Die europäische Lehre vermischte sich mit loka- Götzendienst und altem Irrglauben irrten als heidnische alte
len Symbolen, und das umso leichter, da die Steinmetze nicht Indios, sie kamen vom richtigen Weg ab. Gleich den Spaniern,
Spanier, sondern Indigene waren. Sie waren eine überwälti- die Götzenbilder hatten, wie der ehrwürdige Pater Fray Luys
gende Mehrheit, unverzichtbare Arbeitskräfte, mit denen /Luisjde Granada schrieb: Denn ein heidnischer Spanier hatte
man kooperieren musste. Den Spaniern blieb nichts anderes sein Götzenbild aus Silber, das er mit eigenen Händen geformt
übrig, als das zu tolerieren. hatte, und ein anderer Spanier hatte es ihm gestohlen. Darob
Interview mit Teresa Gisbert, La Paz, 16.1.2009 ging er weinend auf die Suche nach seinem Götzenbild; er
weinte mehr über das Götzenbild als über das Silber. So wein-
Man kann aus diesen beiden Stellen, die wir zusammenmon- ten die Indios als Barbaren und Heiden über ihre Götzenbil-
tiert haben, auf etwas schließen, was wir repressive Toleranz der, als man sie ihnen in der Zeit der Conquista zerbrach. Und
nennen, nämlich die Toleranz im Inneren einer Hegemonie, ihr habt Götzenbilder in eurem Vermögen und Silber auf der
die bedingt ist durch die Auslöschung dessen, was sie nicht ganzen Welt." 3
einschließen kann. Es ist möglich, Engel als Blitzgötter Die erpressten Schätze des Visitators erinnern an den Raub
auszurüsten, aber es ist nicht möglich, Illapa Zeremonien zu und das Einschmelzen der sakralen Gegenstände in der Conqui-
widmen. Aber dieses Modell von Inquisition und repressiver sta. Es ist ein Spanier, der sein Götzenbild aus rohem Silber selbst
Toleranz ist nicht universell. Denn es erfasst eine sehr simple formt, der weint, wenn man es ihm wegnimmt, so wie die Indios
Tatsache nicht: die Produktion, die trotz des Verbots geschieht. weinen. Und es sind die christlichen Leser, die in ihren Schät-
Es gab aber auch eine parallele Kunstwelt, in die sich die zen Götzenbilder und Silber der ganzen Welt horten.
Spanier nicht einmischten: die Kunst der Keros, der bemalten Die Fraktur in der Seite der Gleichung zwischen gegenwär-
Holzgefäße. Diese Kunst beherrschten fast nur die Kaziken. tiger künstlerischer Produktion und kolonialer Malerei be-
Die Künstler waren meist die zweit- und drittgeborenen zieht sich auf ein historisches Ungleichgewicht, das andauert.
Söhne der Kaziken, denn sie mussten keine Abgaben zahlen. Es betrifft ganz direkt diese Ausstellung und ihr Zustandekom-
Auf den Keros wurden normalerweise keine Heiligen darge- men in einem Kräfteverhältnis von internationaler Museums-
stellt, sondern indigene Geschichte und Szenen aus der Land- politik, zurückgewiesenen Restitutionsansprüchen und dem
wirtschaft: Pferde, Ernte... Also lokale Motive und ein lokaler unvergoltenen Raub von Kunst- und Ritualgegenständen. AC

1 Pablo de Arriaga, Exstirpación de la Idolatría 2 Felipe Guamán Poma de Ayala, Die neue Chro- Faksimile-Ausgabe elektronisch: http://www.
delPiru, Lima 1621; Faksimile, Buenos Aires nik und die gute Regierung, deutsche Überset- kb.dk/permalink/2006/p0ma/info/es/fr0nt-
1910. zung von Ulrich Kunzmann, hrsg. v. Ursula page. htm
Thiemer-Sachse, Berlin 2004, S. 1 1 2 1 - 1 1 3 1 . 3 Ebd., S. 369.
La Muerte und Neid, der Esel für Wollust und Faulheit, der Jaguar für
Zorn, das Schwein für Völlerei. Die Symmetrie setzt sich bis
in den oberen Teil fort: Zur Rechten Gottvaters sind Christus,
Das Bild zeigt einen Prozess, der sich in der Ars-moriendi-Lite- Maria, Josef, San Antonio Abad, der Heiligenpatron von
ratur Europas vom 16. zum 17. Jahrhundert allmählich voll- Caquiaviri abgebildet, gegenüber der Teufel mit seinen Dä-
zogen hat: den Übergang der Gerichtsdarstellungen zum per- monen. 2
sönlichen Drama der Seele im Sterbezimmer. „Von jetzt an Es gibt also kein abendländisches Subjekt, das diese
wird das Schicksal der sterblichen Seele im Augenblick des Emblematik durch seine eigene Abwägung mir ihren Sym-
physischen Todes selbst entschieden.... Das Sterbezimmer... metrien erzeugt, sondern die Subjekte sind Bestandteil der
wurde zur Bühne eines Dramas, auf der zum letzten Mal das Symmetrie, könnte man sagen. Man könnte auch sagen, dass
Geschick des Sterbenden gespielt wurde.... [Sein] Blick haf- dieses Bild eine Propaganda der Inquisition im sogenannten
tet mit gebannter Aufmerksamkeit... an jenen überirdischen Kampf gegen die Idolatrie ist, eine kirchliche und staatliche
Wesen, die... sich ihm zu Häupten drängen." 1 Offensive zur Auslöschung der indigenen Kultur, die das
In diesem Bild aber gibt es kein Drama der Seele, kein Sub- Medium der indigenen Aufstände ist. Die Sterbenden wer-
jekt, das abwägen muss zwischen den Pfaden der Sünde und den also zu bloßen Zeichen für Assimilation oder Renitenz.
der Tugend, die hier in Blasen langsam zu ihren finalen Inte- Der Sünder ist umgeben von Bildern indigener Kultur: Coca-
rieurs schweben: dem Lustgarten und dem Gebetszimmer. konsum, Tieranbetung, indigene Musikinstrumente, Kero-
Zwei Skelette - eines schießt mit Lilienpfeilen, eines mit Blit- Krug mit Chicha. Aber der Moment der Abwägung, der
zen auf die Sterbenden - bilden die Achse, die das Bild in Wahl, der gefährlichen Freiheit der Seele, hat die Embleme
seine Szenarien einteilt: der Tod des Frommen und des Sün- selbst unterwandert. Es ist auf einmal nicht sicher, was die
ders. Zu Füßen der Skelette kann man die Vanitas, die ohn- Zeichen bedeuten, ob mit Hund und Jaguar, Cocakonsum
mächtigen Insignien der Macht erkennen, Kronen und Hüte und Tieranbetung nicht die Erzählung über ein Leben in die
der Könige, Päpste, Kardinäle, auch ein Uncu, das Kleid eines geschlossene Welt der barocken Emblematik einbricht, die
Inka-Adligen. unbekannt ist und deren Dechiffrierung außer Kontrolle
gerät. Es ist auch nicht mehr eindeutig, ob der Teufel in der Beichtszene
Im Sterbezimmer des Gerechten sind die sieben Tugen-
Detail aus Muerte von
den versammelt. Den Sünder umgeben die sieben Todsün- Vignette zu Füßen der Skelette den Indigenen am Beichten
Caquiaviri
den, repräsentiert durch Tiere: der Hund für Hochmut, Geiz hindert oder ihn davor bewahrt. AC Foto: Andrés Unterladstaetter

1 Philippe Aries, Geschichte des Todes, München


1982, S. 139.
2 Teresa Gisbert, El paraíso de los pájaros par-
lantes: la imagen del otro en la cultura andina,
La Paz 2001, S. 212.

Mestizaje oder
fleckige Gesellschaft?
In der Beichtszene im Bild wird einem Indigena vom Teufel
selbst oder von einem Dämon der Mund zugehalten, was ihn
offensichtlich davon abhält, die „ganze Wahrheit" über seine
Sünden zu beichten. Was vordergründig als Gleichnis der
uneinlösbaren strukturellen Schuld der indigenen Bevölke-
rung gegenüber der spanischen Krone erscheinen könnte,
kann auch anders gelesen werden: Der Teufel und die Bewoh-
ner der Unterwelt müssen keineswegs Kontrahenten der
Indios sein. Wie die Anbetung des Teufels, des Tío, in den
Minen von Potosí zeigt, kann der Teufel durchaus als Ver-
bündeter verstanden werden - als Gottheit, die gemäß des schiedlichen Positionen kann das Konzept der „fleckigen
ausgleichenden Prinzips der Pacha dafür sorgt, dass das Ver- Gesellschaft" des bolivianischen Politikwissenschaftlers
hältnis von „der Erde geben" und „von der Erde nehmen" René Zavaleta ( 1 9 3 5 - 8 4 ) gelten. Unter sociedad abigarrada
(also auch von Leben und Tod) sein Gleichgewicht behält. (fleckige Gesellschaft) versteht Zavaleta eine dem Prinzip der
Entsprechend hält das Bild einen versteckten Hinweis bereit, Mestizaje entgegenstehende Gesellschaft, die sich eben nicht
für den die christliche Lektüre blind bleibt. Einer solchen durch die homogenisierende Vermischung, sondern durch
Lektüre entspricht ein unsichtbarer Ort der politischen Sub- die Juxtaposition asymmetrisch zueinander stehender
version („Erzähle nicht, was dir als Sünde angehängt werden Gemeinschaften und Produktionsmodi konstituiert.
kann!"), welcher der hegemonialen Doktrin entkommt und Bildlich lässt sich dieser Ansatz in den Filmen der Gruppe
die indigene Gemeinschaft durch ein Gegenprinzip des UKAMAU nachvollziehen, die seit den frühen i96oer-Jah-
gemeinsamen Verständnisses untereinander verbindet. ren den vielleicht wichtigsten kulturellen Beitrag im bolivi-
Diese Auslegung der Beichtszene aus dem Muerte-Bild 1 anischen Politdiskurs leisten. Die Soziologin Silvia Rivera
kann als Beispiel eines zeitgenössischen politischen Diskur- Cusicanqui beruft sich in ihrem Buch Oprimidos pero no ven-
ses in Bolivien gelten, welcher der interessengeleiteten Prä- cidos (1984) auf Zavaleta. Ebenso die Mitglieder der Gruppe
disposition des Mestizaje-Diskurses kritisch gegenübersteht. La Comuna in ihren Beschreibungen der indigenen und syn-
Es wird oft angenommen, dass der kulturelle Ausdruck in dikalistischen Aufstände seit der neoliberalen Strukturan-
Bolivien sich bis heute dadurch generiert, dass indigene Aus- passung (1985) und während der Ressourcenpolitik Gonzalo
drucksformen einem Prinzip der Mestizaje, das heißt der Sánchez de Lozadas in den i99oer-Jahren. Aktuell finden
dominanten „weißen" Kultur untergeordnet seien. Der kriti- sich Versuche, das Konzept der sociedad abigarrada über die
sche Diskurs geht im Gegensatz dazu davon aus, dass sich Grenzen des bolivianischen Diskurses hinauszudenken und
unter der sozialen Oberfläche der Mestizaje ein autonomer, international für den politischen Diskurs produktiv zu
paralleler Raum des Widerstandes befindet. Dieser bietet machen. Eine Konferenzreihe aus diesem intellektuellen
Gemeinschaften Zusammenhalt und hält so ein revolutio- Umfeld lädt regelmäßig internationale Gäste ein, unter
näres Potenzial bereit, das für die herrschende Klasse bis zu ihnen illustre Namen wie Immanuel Wallerstein, Gayatri
einem gewissen Grad unsichtbar bleibt. Als gemeinsamer Spivak, Toni Negri, Enrique Dussel und Judith Revel, um nur
Bezugspunkt für diesen Diskurs und seiner in sich unter- einige zu nennen. 2 MJH

1 Vgl. EI Colectivo 2, Nr. 2 (Rückseite des her- (Hg.), Imperio, multitud y sociedad abigarrada, al. (Hg.), Elfantasma insomne: Pensando el pre-
ausnehmbaren Muerte-Posters in der Heft- La Paz 2008. Siehe auch die ebenfalls von sente desde el Manifesto Comunista und El
mitte), La Paz 2009. Mitgliedern der Gruppe La Comuna heraus- retorno de la Bolivia plebeya, La Paz 1999.
2 Vgl. Alvaro García Linera und Luis Tapia gegebenen Bücher: Alvaro García Linera et

G e h e n Sie z u r ü c k bis zu d e m W a n d s t ü c k r e c h t s im R a u m , a u s d e m e i n e E c k e h e r a u s g e s c h n i t -
t e n w u r d e . Darin b e f i n d e t s i c h e i n B i l d , d a s e i n e s d e r b e r ü h m t e s t e n M o t i v e d e r a n d i n e n M a l e -
rei zeigt. D e r C e r r o R i c o , d e r S i l b e r b e r g P o t o s i s , ist z u m M a n t e l d e r J u n g f r a u M a r i a g e w o r d e n .
j^k D e r M a n t e l / B e r g ist S c h a u p l a t z f ü r die A u s e i n a n d e r s e t z u n g e n z w i s c h e n d e n n e u e n u n d d e n
I a l t e i n g e s e s s e n e n G l ü c k s r i t t e r n u m die S i l b e r c l a i m s . Im u n t e r e n R a n d d e s B i l d e s k n i e n d s i n d
Virgen del Cerro
C l e m e n s XI. u n d P h i l i p p V. als S c h i r m h e r r e n a b g e b i l d e t , d a h i n t e r w e i t e r e Würdenträger, Anonym
G e s c h ä f t s m ä n n e r u n d C a c i q u e s . D i e s e s Bild ist e i n e n e u e „ b o u r b o n i s c h e " V e r s i o n d e s a l t e n B i l d e s mit Karl V. 1720
Museo Nacional de Arte,
u n d P a u l II. in d e r C a s a de M o n e d a in Potosí. B e i d e r D e u t u n g d e s S y n k r e t i s m u s z w i s c h e n M a r i a u n d d e r La Paz
Pachamama, d e r E r d e , w i r d die Erde o f t als M u t t e r b e z e i c h n e t . A b e r d i e P a c h a - G o t t h e i t ist im G r u n d e
g e s c h l e c h t s l o s . Sie w i r d w e i b l i c h v i e l l e i c h t d e s w e g e n , w e i l sie e i n e R e s s o u r c e ist, e i n e t a u s c h b a r e Einheit.
Münze aus der Casa de
Moneda, Potosí 1768
Foto: Andreas Siekmann
Virgen del Cerro Moneda sind auf dem Berg selbst die verschiedenen Mythen
über die Entdeckung des Silbers zu sehen: die Erzählungen
vom präspanischen Eroberer, vom Inca Maita Capac, und dem
Im Jahr 1599 beschreibt Pater José de Arriaga in einem Brief Inca Huayna Capac, der erfährt, dass die Ausbeutung des Sil-
an den General des Jesuitenordens, Aquaviva, wie die indigene bers von den Göttern untersagt und das Silber für spätere Herr-
Bevölkerung von Potosí zwei Berge anbetet, die er als Cerro de scher aus der Fremde vorbestimmt sei. Außerdem die Ge-
Potosí und Huayna Potosí identifiziert. 1 Um diese ketzeri- schichte der Wiederentdeckung des Silbers in Zeiten der
schen Handlungen zu unterbinden, ließ Arriaga eine Mauer Conquista, als der Indigene Diego Huallpa durch Zufall das Sil-
um den Cerro de Potosí herum bauen, die aber kurze Zeit nach ber entdeckt und seinen Fund an die Spanier kolportiert. Die
ihrer Errichtung in sich zusammenfiel. Die Indios sahen in Version im MNA stellt die traditionellen und mythischen
diesem Vorfall die Bestätigung der unversehrten Macht ihrer Geschichten vereinfachter dar, dafür zeigt sie aber Kriegssze-
Gottheiten. Arriaga erklärte hingegen, der Grund für den Ein- nen zwischen den neu eingetroffenen Spaniern und den alt-
sturz läge in der schlechten Bausubstanz der eilig errichteten eingesessenen Kreolen, die auf Auseinandersetzungen um
Wand. Teresa Gisbert schreibt: „Der vorher bestehende Idola- den privilegierten Zugang zum Silber hinweisen. Auf beiden
trie-Kult des Berges von Potosí verpflichtete dazu, den Mythos sind links und rechts der „Maria-Cerro" Sonne und Mond dar-
zu christianisieren und die Erscheinung Marias über dem Sil- gestellt, die von der Präsenz der indigenen Kosmologie zeugen.
berberg zu erschaffen. Die Identifikation beider wurde so Dennoch schwebt über allem die Heilige Dreifaltigkeit, flan-
durch visuelle Mittel vereinfacht... Von d e r - theologisch ver- kiert von den Erzengeln Michael und Gabriel.
tretenen - Identifikation Marias mit einem Berg zur Identifi- Der Austausch der Regenten auf beiden Bildern zeigt die
kation der Maria mit der Pachamama lag nur ein Schritt und Ablösung der Habsburgischen Monarchie durch die Bourbo-
dieser Prozeß vollzog sich auf der ländlichen und populären nen und kündigt die darauf folgenden Bourbonischen Refor-
Ebene ebenso wie auf dem Niveau der Kirchengelehrten."2 men an.7 Generell können die Reformen als Paradigmenwech-
Es ist bekannt, dass in der Region der Anden verschiedene sel dessen betrachtet werden, wie regiert wurde. Dies wird
Motive der christlichen Ikonografie verwendet wurden, um besonders deutlich in der Darstellung der ausgetauschten
spezifische lokale Mythen und Gottheiten zu ersetzen. 3 Gis- Herrscherfiguren auf beiden „Virgen del Cerro"-Gemälden in
bert geht davon aus, dass, im Sinne des universellen An- der Casa de Moneda und im MNA. Statt Ritterrüstung und
spruchs auf Gültigkeit der christlichen Religion, über die Krone trägt Philipp V. ein modernes weltliches Gewand und
Funktion der Ikonen lokale Mythen durch das globale Prinzip eine gepuderte Perücke. Die einsetzende Trennung von kirch-
der christlichen Doktrin ersetzt werden konnten. Die Überla- licher und weltlicher Macht spiegelt sich auch darin, dass die
gerung des Cerro Rico 4 mit der Mutter Maria stellt dies mit „bourbonische" Figur der Maria keine Krone zur Auszeich-
Sicherheit am deutlichsten dar. nung ihrer Heiligkeit mehr aufgesetzt bekommt. Mit der
Teresa Gisbert zählt fünf Versionen des Motivs der Virgen Säkularisierung der Kolonialwirtschaft ging auch eine ver-
del Cerro auf, datiert zwischen 1583 und 1720, woraus sie stärkte Bürokratisierung der (Arbeits-)Verhältnisse einher.
schließt, dass es sich um ein etabliertes Motiv gehandelt haben Für die leeren königlichen Kassen Spaniens erwiesen sich
muss5. Neben den Arkebusen-Engeln spielt es eine herausra- die Reformen letztlich jedoch als kontraproduktiv. In den
gende Rolle für die Entstehung einer spezifisch bolivianischen Kolonien führten sie 1809 zum Aufstand der Criollos, der
Kunstgeschichte. Bei der „Virgen Cerro" ist dies wegen des Großgrundbesitzer und der Minenbesitzer, welche die spätere
Doppelcharakters des Motivs besonders naheliegend. Zum Unabhängigkeit von der Krone erkämpften. Zuerst waren die
einen, da angenommen wird, die „Virgen Cerro" beziehe sich Reformen allerdings für die Untersten der ökonomischen
ikonisch auf die Virgen de Copacabana (Dep. La Paz)6, die über Hierarchie der globalen Kapitalkreisläufe spürbar. Dies führte
die Grenzen Boliviens hinaus verehrt wird und die nach Ent- auf heute bolivianischem Territorium zum revolutionären
stehung der Republik zur Nationalheiligen erkoren wurde. Widerstand der indigenen Bevölkerung, zur kataristischen
Zum anderen, weil es die Silhouette des Cerro Rico ist, die for- Revolution von 1780/81, auf die sich noch heute die sozialen
mal die dreieckige Tracht der Jungfrau ersetzt. Der Cerro Rico Bewegungen in Bolivien berufen. Durch den Verrat und die
wurde, ebenfalls mit der Entstehung der Republik, zum öffentliche Vierteilung des Anführers Tupac Katari endete
Mittelpunkt des bolivianischen Wappens. r78i vorerst der Widerstand im Hochland. Francisco Tadeo
Das für die Ausstellung ausgewählte Bild gehört heute zur Diez de Medina y Vidango, der Tupac Katari zum Tode verur-
Sammlung des Museo Nacional de Arte in La Paz (MNA). Das teilte, ließ nur wenige Jahre vorher eben jenes Gebäude als
Bild unterscheidet sich von seinem bekannteren Vorbild aus Residenz erbauen, in dem sich heute das Museo Nacional de
der Casa de Moneda auf verschiedene Weise. In der früheren Arte in La Paz befindet, und darin die bourbonische Version
und wesentlich flacher gemalten Version in der Casa de der „Virgen del Cerro" aus dem Jahre 1720. MJH
1 Egana Antonio (Hg.), Monumenta Peruana, 4 Der Cerro de Potosí wird auch Cerro Rico verschwundenen Originals deklariert. Vgl.
Rom 1974, zit. nach Teresa Gisbert, Iconogra- (der reiche Berg) genannt. u. a. José de Mesa und Teresa Gisbert, Holguin
fía y mitos indígenas en el arte, La Paz 2004, 5 Gisbert, Iconografía, S. 17. y la pintura virreinal en Bolivia, La Paz 1977,
S. 19. 6 Der Verweis geht auf eine historische Quelle S. 245, und Gisbert, Iconografía, S. 18.
2 Gisbert ergänzt: „Später entsteht die Tradi- zurück: J. Vizcarra zeigt in seinem Buch Do- 7 Für eine ausführliche Darstellung der Aus-
tion von der Erscheinung der Jungfrau vor cumentos isografiados del Aymáru-Aymára, wirkungen der bourbonischen Reformen
Tito Yupanqui in der Stadt von Potosí, seiner protógonos de los Pre-americanos die früheste auf die Ökonomie der Villa Imperial de
Beziehung zur Jungfrau von Copacabana gefundene Grafik der „Virgen del Cerro" aus Potosí vgl. Rose Marie Buecheler, Gobierno,
und deren Wunder in den Minen des Ber- dem Jahr 1583. Die Zeichnung wird dem Minería y Sociedad - Potosíy el „Renacimiento"
ges." Gisbert, Iconografía, S. 20. Bildhauer Francisco Tito Yupanqui zuge- Borbónico 1776-1810, La Paz 1989.
3 Siehe dazu auch die Beschreibungen der Vir- sprochen, der wiederum Schöpfer der
gen de Candelaria de Sabaya und der Santi- berühmten „Virgen de Copacabana" ist; die
ago-Bilder in diesem Band. Zeichnung wird selbst nur als Kopie eines

Gehen Sie rechts um die Wand herum und betrachten Sie zunächst ein anderes Bild, das hinter
Las Novicias
Anonym
einem Gitter hängt, so wie man es aus Beichtstühlen kennt. Im Kloster Santa Teresa steht die-
Erste Hälfte 18. Jahrhundert ses Bild hinter einem solchen Gitter. Es geht um die Übergabe zweier Mädchen an einen Kon-

13
Convento-Museo Santa Teresa
(O.C.D.), Potosí vent. Sie werden von ihren Vätern begleitet, über ihnen ein Blumenband als Bund mit dem Him-
mel. Es sind zwei Töchter reicher Familien, die schon mit drei Jahren für das Kloster bestimmt
wurden. Sie sind eine Versicherung, ein Pfand dafür, dass die ganze Familie in den Himmel kommt.

Zwischen zwei Mächten den Raum bestimmt und lassen erkennen, dass die Macht
auf verschiedenen männlichen Säulen ruht, die sich gegen-
María Galindo/ Mujeres Creando seitig anerkennen und feine, vielfältige und komplexe Alli-
anzen miteinander eingehen. Die Szene zeigt einen Fest- und
Bestätigungstag dieser Allianz maskuliner Mächte.
Alle sind Spanierinnen und Spanier. Sieben Figuren: vier Die beiden Männer bringen ihre Töchter ins Kloster. Die
Männer und drei Frauen. Die Männer sind Vertreter der Kolo- beiden Mädchen sind 14 bis 15 Jahre alt; sie empfangen
nialmacht, zwei von ihnen stehen für die Macht der Kirche, kniend die Ratschläge ihrer Väter. Es ist das erste und letzte
zwei für die Macht des Adels. Mal in ihrem Leben, dass ihre Väter das Wort an sie richten
Während der Priester vor einem Altar mit Bibel, Kelch und sie dabei anschauen. Aber nicht deswegen ist der Augen-
und Kreuz - Objekte, die seine Macht beschützen - die Szene blick wichtig, sondern weil die Mädchen sich nun in das
segnet, kniet zu seiner Rechten ein weiterer Priester wie ein Schicksal der zweitgeborenen Töchter fügen: Sie werden
Beichtvater, er wendet dem Betrachter den Rücken zu und dem Kloster übergeben und so Mittel zur Vergrößerung des
wacht wie die leibhaftige Inquisition über die Szene. familiären Prestiges. Sie verwandeln sich in ein Unterpfand
Das leuchtende Rot seiner Kasel, seines spitzenbesetzten von Verbindungen und Verschwörungen. Die Mädchen sind
Gewands, verleihen dem segnenden Priester das Gewicht auch wertvoll als Überbringerinnen von Geld, Schmuck und
einer Person, die Seelen und Schicksale beurteilen, akzeptie- wirtschaftlicher Macht von den Vertretern des Königs zu den
ren, ablehnen, widerlegen, retten oder verdammen kann. Er Würdenträgern der Kirche.
ist die zentrale Figur der Szene, der Empfänger aller Gaben: Die beiden jungen Mädchen sagen und fühlen nichts; sie
Vertreter Gottes auf Erden, des Papstes in den Kolonien und folgen dem Ritual und schauen, wenn überhaupt, devot und
personifizierte Verlängerung der Macht des Vizekönigs. Der gehorsam, wie ihr Leben nach einem Plan verläuft, der schon
Priester und sein Segen reißen den Schlüssel an sich, der den vor ihrer Geburt festgelegt war. In Kürze werden sie in ein
Sinn des Bildes öffnet und schließt. Seine Gestalt steht über Kloster eintreten und definitiv vom weltlichen Leben
allen dank des Altars; ebenso ertönt das Echo seiner Stimme getrennt sein. Auch vorher waren sie von der Welt getrennt:
in der Kapelle, während die anderen schweigend zuhören. durch die Wände ihres Elternhauses. Sie haben keine
Gegenüber den Vertretern der Kirche, auf der anderen Ahnung, was in Potosí, in den Kolonien, in Spanien oder in
Seite des Bildes, stehen zwei erwachsene elegante Männer der Welt überhaupt geschieht. Sie sind schon früh darauf
mit Mantel und Degen. Sie vervollständigen ein Viereck, das abgerichtet worden, sich von jeglicher Ebene eines Selbstbe-
wusstseins oder dem Ausüben des eigenen Willens fernzu- Die Puppenmädchen haben nur einen einzigen Trumpf in
halten. Deswegen sind sie in diesem Kapitel nur anonyme der Hand: zwei junge indigene Dienerinnen, die mit ihnen
und stumme Erfüllerinnen der patriarchalen Familien- ins Kloster gehen, an ihr Schicksal zu binden. Sie werden
macht, die dieser Szene fast wie Zuschauerinnen ihres eige- nicht dargestellt, nicht nur, weil sie unsichtbar sind, sondern
nen Lebens beiwohnen. Sie besitzen weder ihr Leben noch auch weil sie sich an einem Nicht-Ort befinden. Sie sind aus-
den Schmuck, der ihnen im Klosterleben Privilegien garan- gelassen worden. Die indigenen Dienerinnen sind an das
tieren soll. Sie sind verdammt zur ewigen Unreife, zum ewi- Schicksal ihrer Herrinnen gebunden. Sie erscheinen nicht,
gen Gehorsam und vor allem zur ewigen Unwissenheit. weil die Unterwürfigkeit ihrer Herrinnen in keiner Weise
Es sind zwei Mädchen, weil sie das Schicksal der zweitge- zum Verständnis oder zur Aufklärung ihrer Unterwerfung
borenen Töchter der Adligen darstellen. Ein gemeinsames beiträgt. Sie sind aneinander gekettet, die Dienerin ist an die
Schicksal, das keine besondere und keine eigene Zeremonie Herrin gebunden, und doch bleiben sich beide fremd. Bedeu-
verlangt. Ein gemeinsames Schicksal, das die Anwesenheit tet die Unterwerfung der einen Macht und Prestige für das
ihrer Mütter nicht benötigt, denn es sind die Väter, es ist die väterliche Kolonialreich, ist die Unterwerfung der anderen
Familienmacht mit ihrem Namen, denen sie an diesem Tag letztendlich die Machtausübung, die aus dem Puppenmäd-
zu Diensten sind. Die Protagonisten sind die Väter, die ihre chen ein Herrenmädchen macht. Aus diesem Grund ist ihr
Güter - ihre Töchter - verwalten. Schicksal verbunden, aber nicht eins, sie vermischen sich,
Zwei Ketten fallen auf die Mädchen herunter, verwandelt ohne sich zu finden. Sie sind eins ohne dasselbe zu sein: Eine
in Blumenranken; Ketten, die als Tugend verkleidet sind und ist die Tochter des Eroberers, die andere ihre Dienerin. Eine
die die Mädchen niemals entziffern werden können. Es gibt ist weiß und spanisch, die andere indigen.
keine Fragen, keine Zweifel auf ihren Gesichtern, der eigene Die Mädchen werden übergeben, sie gehen durch den
Wille ist etwas, das sie nie kultiviert haben. Die schön ange- kurzen Korridor mit der Jungfrau am Ende und sind Minu-
zogenen Puppen, die zu den Füßen ihrer Väter knien, folgen ten später abgetrennt von der Welt und eingeschlossen im
lediglich einem anderen Schicksal als ihre erstgeborenen Kloster. Die Väter verabschieden sich vom Beichtvater und
Schwestern, die ungefragt, ohne Liebe und eigenen Willen vom Priester, unterhalten sich über ein paar Geldfragen und
verheiratet werden. Entsprechen die erstgeborenen Töchter mit erfrischter Autorität in der Stimme (sie sind jetzt Wohl-
dem familiären Willen zur Macht mit dem Uterus und der täter der Klosters) machen sie einen Termin für weitere
Reproduktion des Familienvermögens durch Ehebündnisse, Absprachen aus.
entsprechen ihm die Zweitgeborenen durch Enthaltsamkeit Das Bild zeigt lediglich drei Frauengestalten: eine Ver-
und Jungfräulichkeit. mittlerin und zwei Töchter in der Rolle des Vermögens. Die
Eine Nonne beobachtet die Szene und wartet auf die Mäd- anderen Figuren, die die komplexe weibliche Welt kolonia-
chen - eine Frau, die diesen Moment der Enteignung vor vie- ler Beziehungen ausmachen, sind nicht vorhanden: Es gibt
len Jahrzehnten selbst erfahren hat. Sie beobachtet alles ganz keine Ehefrauen, keine Äbtissinnen, keine Huren, keine
genau, denn auch wenn die Übergabe nach Plan läuft, wird Geliebten. Keine Mestizentöchter, keine ketzerischen Indias,
sie die Verantwortung für die Mädchen zu tragen haben, die wegen Götzenanbetung verfolgt werden und auch keine
wird sie ihnen die Damenbekleidung gegen die Ordenstracht Dienerinnen - obwohl diese das gleiche Schicksal erleiden.
tauschen. Sie wird verantwortlich sein für ihre Überwa- Ihre Abwesenheit ist in vielerlei Hinsicht eine Form unter-
chung, ihre Verwaltung und ihre Verwandlung in Nonnen. drückter, versteckter und schwer fassbarer Anwesenheit. So
Sie wird dafür zu sorgen haben, dass in ihren Herzen nichts werden die Vermittlerin-Nonne und die Puppen-Mädchen
blüht, dass sie von ihren Träumen nichts erinnern, dass sie zu Figuren, die einen komplexen Spielraum weiblicher
keine Verbindung zur Welt ersehnen oder suchen. Gestalten in sich tragen. Ein Spielraum, der nur als Ganzes
Die erwachsene Nonne ist die Zuständige für die Ausrot- erlaubt, die Unterordnung der Frauen auf dem Bild und von
tung von Fragen, Gedanken, Rebellion - sie ist die effiziente allen anderen, die in der Szene nicht auftauchen, zu orten
Mittlerin der religiösen Macht. Sie betrachtet die Szene, und zu verstehen.
zufrieden, dass das Rad sich weiter dreht. Gestern war sie es,
heute sind es diese Mädchen. Sie betrachtet die Szene auch
in dem Wissen, dass das Klosterleben den Frauen vieles zu
bieten hat, dass die Klostermauer sie nicht nur von der Welt
trennt, sondern sie auch vor dem Schicksal einer eigenen
Familie schützt, dem sich zu ergeben noch erbärmlicher ist
als das Klosterleben.
J5IJ3
S c h a u e n Sie s i c h jetzt d e n Film an, w e l c h e r d e r Logik b e i d e r B i l d e r in B e z u g auf
d e n K ö r p e r der Frau als T a u s c h o b j e k t n a c h g e h t . E s g e h t u m eine u n b e q u e m e Fest-
stellung: „ D i e B e z i e h u n g z w i s c h e n P a t r i a r c h a t u n d K o l o n i a l i s m u s ist ein A k t , d e r
im V e r d a c h t s t e h t , die a n t i k o l o n i a l e T h e s e zu e n t k r ä f t e n u n d v o n v o r n h e r e i n d e n

TIT
E r o b e r e r zu r e c h t f e r t i g e n , d e s w e g e n darf sie n i c h t v e r t e i d i g t w e r d e n ... A b e r d i e s e
B e z i e h u n g ist n i c h t b e n a n n t w o r d e n , sie ist a u s g e l a s s e n w o r d e n in d e r p o l i t i s c h e n
und g e i s t i g e n L a n d k a r t e d e s D i s k u r s e s v o n K o l o n i a l i s m u s u n d D e k o l o n i s a t i o n . Der
laría,
Ave María, ^ ¡ ^
Platz j e d e r i n d i g e n e n und j e d e r s p a n i s c h e n Frau ist d u r c h d i e s e p a t r i a r c h a l e K o n t i n u i t ä t z w i s c h e n d e n bei-
llena eres de Rebeldía
María Galindo / Mujeres den G e s e l l s c h a f t e n f e s t g e l e g t . Die p a t r i a r c h a l e H e r r s c h a f t k a m n i c h t a u f d e n s p a n i s c h e n S c h i f f e n zu uns, a u c h
Creando
2010 w e n n w i r d a s der E i n f a c h h e i t h a l b e r g e r n e g l a u b e n m ö c h t e n . " ( M a r i a Galindo) W e l c h e D y n a m i k e r f a h r e n patri-
La Paz a r c h a l e S t r u k t u r e n in e i n e m Prozess der K a p i t a l i s i e r u n g , in d e m K ö r p e r mit R e s s o u r c e n g l e i c h g e s e t z t w e r d e n
und u m g e k e h r t ?

„Es sind keine Orte der Würde, Marktes, die Privatisierung der staatlichen Unternehmen
und die angebliche Re-Demokratisierung Boliviens.
deswegen drücken sie einen Maria Galindo: Aber was passierte außerdem? Die
Minenarbeiterbewegung brach zusammen. Wie ein Karten-
politischen Gegenstand aus." haus stürzte in der Folge die ganze Arbeiterbewegung in sich
zusammen. Was damals geschah, kam einem Tod der Politik
Maria Galindo im Gespräch mit Alice Creischer des Widerstands verdammt nahe. Nach dieser Niederlage,
und Max Jorge Hinderer diesem Scheitern, dieser Auflösung der gewerkschaftlich
organisierten Arbeiterbewegung, traten die Frauen in Er-
scheinung und es begann der Prozess, den ihr überall im
Alice Creischer: Mujeres Creando ist ein Frauenkollektiv, Land sehen könnt. Dieser Prozess entwickelte sich kontinu-
das seit 1992 Aktionen im öffentlichen Raum organisiert, vor ierlich über 25 Jahre hinweg. In ihm entstanden Netzwerke,
allem in La Paz. Unterscheiden sich die Erfahrungen, die ihr die wir politisch nennen, weil es wichtig und möglich ist, aus
früher mit euren Aktionen gemacht habt, von denen jetzt? diesen Bedingungen heraus Politik zu machen. Wir haben in
María Galindo: Ab 1985 gab es eine „Revolution" in der diesen Netzwerken bereits Politik gemacht, als die gesamte
Art, den öffentlichen Raum zu nutzen. Die Straße wurde zum Linke nur in ihren NGOs herumhing und behauptete, man
wichtigsten Überlebensraum, sie wurde zum Forum einer könne keine Politik mehr machen.
ganzen Gesellschaft. Es geschah eher aus Gründen sponta- Man hat versucht, die wirtschaftliche Unabhängigkeit
ner Überlebenslogik. Das Phänomen „auf der Straße sein" der Frauen durch verschiedene Mechanismen zu vereinnah-
war damals jedenfalls so bedeutend, dass es die Öffentlich- men. Aber es ist mir wichtig hervorzuheben, dass diese Kraft
keit Boliviens verändert hat. Man hatte oben die Politiker, die den öffentlichen Raum, die Straße, verändert hat. Nicht nur,
offiziell Dinge entschieden, aber die Gesellschaft entschied weil sie ihn zu einem häuslichen Raum gemacht hat, son-
auf der Straße über ihre Angelegenheiten. Wir, die Mujeres dern auch weil sie der Straße so viel Bedeutung verliehen
Creando, haben diesen Prozess lediglich begriffen und nach- hat, so dass die anderen öffentlichen Einrichtungen unwich-
vollzogen. Wir haben keine Strategie entwickelt, die nicht tig wurden.
in der Gesellschaft bereits vorhanden gewesen wäre. Während des Aufstands 2003, in dessen Folge der dama-
Anfangs wurden unsere Aktionen auch als Teil derselben lige Präsident Sánchez de Lozada abdanken musste, konnte
Dynamik aufgefasst. Wir haben vieles auf der Straße man das gut beobachten: Das Parlament war unfähig, Ver-
gemacht, nicht nur unsere Aktionen. Wir haben Zeitschrif- sammlungen abzuhalten oder eine gemeinsame Position zu
ten und Essen auf der Straße verkauft. Wir haben in unseren beziehen. Die Parteien schafften es nicht einmal, eine Ver-
Aktionen das eingebracht, was wir durch die anderen All- lautbarung zur Situation zu veröffentlichen. Nur das soziale
tagspraktiken gelernt hatten. Netzwerk der Straße agierte und bestimmte, was in Bolivien
Max Jorge Hinderer: Ich finde es interessant, dass du den geschah. Es gab Streiks, Volksküchen und Widerstand. Trotz-
Anfang dieser Bewegung 1985 verortest. Für mich bedeutet dem wurde dieses Netzwerk nie anerkannt. Der Widerstand
1985: die Kampagnen des Neoliberalismus, die Öffnung des in Bolivien existiert nur, weil es dieses Netzwerk der Frauen
Filmstills: A v e M a r í a ,
llena eres de Rebeldía
María Galindo / Mujeres
Creando 2010

gibt; weil sie immer wieder das Kinderproblem, das Essens- Bolivien eine eigene Verfassung geschrieben. Was ist deine
problem und das Sicherheitsproblem lösen. Sie lösen diese Kritik an der neuen Regierung?
Probleme tagtäglich, ohne dass es jemand sieht. Ohne diese Maria Galindo: Wir hatten große Hoffnungen in die Ver-
Problemlösungen wäre jeder Widerstand undenkbar. fassungsgebende Versammlung gesetzt, denn sie bedeutete
Max Jorge Hinderer: Von 1985 bis Dezember 2005, als Evo die Möglichkeit eines Raums, in dem eine gesellschaftliche
Morales an die Macht kam, haben in Bolivien viele bedeutende Diskussion stattfinden kann. Aber dieser Raum war nie sou-
Veränderungen stattgefunden; seit 2000 ist dieser Verände- verän. Die Themen wurden von der Regierung und den
rungsprozess besonders spürbar geworden. Er steht mit den NGOs vorgegeben, nicht von der Gesellschaft und den sozi-
sozialen Netzwerken in enger Verbindung. Was bedeutet diese alen Bewegungen. Zwischen den unmittelbaren Interessen
Entwicklung für die Straßenerfahrung der Mujeres Creando? der Gesellschaft und dem, was in der Verfassungsgebenden
María Galindo: Ich antworte dir gleich auf die Frage, aber Versammlung diskutiert wurde, herrschte eine solche Dis-
vorher noch ein kleiner Exkurs: Was wir sagen, sagt sonst krepanz, dass du dachtest: Die sprechen gar nicht über diese
niemand in Bolivien. Die offizielle Version ist, dass die indi- Gesellschaft, sondern über eine andere. Sie haben sich auf die
gene Bauernbewegung vom Land in die Stadt kam und den Aufteilung der Macht konzentriert. Das war das einzige
Wechsel realisiert hat. Ich glaube, das ist eine maskuline wahrhaftige Thema in diesem Prozess.
These. Die Besetzung der Straße durch die Frauen ist für sie Uns, die wir zur konkreten Politik arbeiten, zum Alltäg-
inexistent. Wir dagegen, die Mujeres Creando, haben eine lichen, zu Vater- und Mutterschaft, hat man davon ausge-
Stimme auf der Straße, weil unser Entstehen einen Bruch schlossen. Ich spreche nicht von Grundrechten, sondern von
mit der Linken und mit den NGOs bedeutet hat. Die Linke Konzeptionen, die wichtig sind. Wenn du Vater- und Mutter-
war der Meinung, dass wir in ihrer Bewegung mitarbeiten schaft in den Händen der patriarchalen Familie belässt, gibt
sollten. Die NGOs waren der Meinung, dass man von den es keine Chance auf Veränderung. Als die Verfassungsge-
Institutionen aus mit den Frauen arbeiten sollte. Wir haben bende Versammlung versuchte, ein interessanteres Forum
mit beiden gebrochen, waren also auf uns allein gestellt. Das zu werden, mischten sich Gruppen aus der Regierung und
hatte zur Folge, dass weder die Medien, die damals total aus dem wieder erstarkten rechten Lager ein.
rechts waren, noch die gescheiterte, aber arrogante Linke, Es gab so viele Manipulationen. Das Ergebnis der Consti-
noch die NGOs uns irgendeine Chance gaben. Uns blieb also tuyenteist nun eine intellektuelle Metainterpretation der frü-
nur die Straße. Hier begannen wir zu arbeiten und gewan- heren sozialen Hoffnungen geworden. Ein Beispiel: Drei
nen an Einfluss dank alltäglicher Mechanismen wie Klatsch Millionen Bolivianer leben im Ausland, weil sie in Bolivien
und Erwartungshaltungen. keine Überlebenschancen haben, nicht einmal in der infor-
Die Straße wurde zu unserem Lautsprecher. Wir behan- mellen Ökonomie. Diese Migranten hatten in der verfas-
delten, verstanden und lernten (es sind immer mehrere sungsgebenden Versammlung keine einzige Stimme. Das ist
Dinge gleichzeitig) Themen, die die Politik nicht anrührte - nicht nur eine Exklusion, sondern eine Verdrängung, patho-
Prostitution zum Beispiel. Prostitution ist in der Politik nie logisch und neurotisch gelesen. Drei Millionen Bolivianer
ein Thema, aber auf der Straße ist sie ein wichtiges Thema leben im Ausland. Ihre Überweisungen sind die viertgrößte
und für die Identität der Frauen auch. Wir entwickeln nichts Einnahmequelle des Landes - sie sind also durchaus rele-
intern und gehen dann nach außen, sondern wir bekommen vant, aber keiner möchte sie sehen.
die Themen auf der Straße mit und arbeiten dann daran. Stattdessen wird das Indigene ideologisch überhöht. Ich
Alice Creischer: Die Mujeres Creando haben vor den verstehe das Indigene als Eigenschaft ohne identitäre Gren-
Wahlen zur neuen Verfassungsgebenden Versammlung in zen und finde es sehr gefährlich, wenn solche Grenzen auf-
gebaut werden. Sie werden zu rassischen Grenzen und füh- gegen das Indigene, sondern gegen den ethnischen Funda-
ren zu kultureller Tyrannei. Dabei ist das Indigene in Boli- mentalismus und auch gegen das Autonomiemodell. Das
vien so vielfältig, dass sogar ein bolivianischer Emigrant in Autonomiemodell ist die bürokratische Antwort auf ein
Bajo Flores 1 indigen sein kann - oder eben nicht. Im verfas- unbürokratisches Problem.
sungsgebenden Prozess wurde das Indigene identitär einge- Alice Creischer: Für Principio Potosí hast du vor, über die
grenzt: durch territoriale Bestimmung der autonomen indi- Frau als Tauschobjekt zu arbeiten.
genen Gemeinden, durch Festlegung des Sprachgebrauchs Maria Galindo: Frauen waren in der Beziehung zwischen
und durch eine offizielle Bestimmung von „Sitten und Völkern oft Tauschobjekte, besonders aber im Zusammen-
Gebräuchen". Diese „Sitten und Gebräuche" spiegeln immer hang mit der Eroberung und Kolonisierung Lateinamerikas.
eine hegemoniale Weltsicht wieder. Die Justiz der indigenen Die Situation von Dominanz und Unterdrückung ist - bezie-
Gemeinden soll laut Verfassung nach diesem Prinzip funk- hungsweise war - nicht die gleiche für Männer und Frauen,
tionieren, ebenso die politische Repräsentation. Es gibt denn durch den Austausch von Frauen wurde das Bündnis
natürlich auch die puristische Lesart: Das Westliche in Frage zwischen Eroberer und Erobertem erst wirksam, und es ent-
stellen bedeutet, das Utopische einfordern. standen neue soziale Formen: Der Bastard, der Weißliche
Dieses Feld ist voller historischer Widersprüche und wird und der Mestize sind Formen zwischen Eroberer und Erober-
gerade deswegen einem kulturellen Fundamentalismus tem. Die Rolle der Frau als Reproduzentin war sehr wichtig.
dienstbar gemacht. Wir Schwulen und Lesben sind zum „Ich gebe sie dir, damit wir ein Bündnis eingehen können."
Beispiel nicht Teil der Sitten und Gebräuche. Zum Glück, Aber die Nachkommen dieser Frau werden zu Völkern ohne
könnten wir sagen. Wenn man heutzutage die Sitten und Verwurzelung, sie haben weder hier noch dort ihren Platz.
Gebräuche in Bolivien in Frage stellt, wird einem leicht eine Generationen folgen, die keinen Platz in der Gesellschaft
westlich-koloniale Haltung vorgeworfen. Und das trifft haben, die immer nur Bedingungen auferlegt bekommen,
nicht zu. Mit einer ethnisch-identitären Politik eine hierar- um hier oder dort dazuzugehören. Es ist dieser Ort mitten-
chische und rassistische Gesellschaft ablösen zu wollen, ist drin, der stumm ist, der nicht erwähnt werden darf. Man
für mich historische Manipulation. Hinzu kommt, dass die kann vom Eroberer oder vom Eroberten sprechen, aber der
Verfassung Identität festschreibt. Aber Identitäten sind keine Raum zwischen ihnen ist immer noch ein Tabu. Ich denke,
festen Größen, sie sind vielfältig und vermischt. das ist ein sehr wichtiger Ort, ein sehr fruchtbarer Ort für
Wir als Feministinnen wollten nicht gemeinsam mit den viele Dinge.
Rechten gegen die Verfassung stimmen. Trotzdem wollten Zum Beispiel diese Staffelung in der Hierarchie: Die Frau
wir etwas tun. Wir wollten sie nicht von der Loge aus kriti- des Untergebenen hat einen Wert, weil er sie zugunsten
sieren, ohne Alternativen zu nennen. Es geht also nicht einer Allianz mit dem Herrscher eintauschen kann. Ist sie die
darum, dass die Verfassung nicht perfekt ist, sondern um ihre Frau des Herrschers geworden, hat sie auch einen Wert - den
Leerstellen und ihre reaktionären Anteile. Dinge wie die Wert, den er ihr gibt. Die Tochter aus der Verbindung der
patriarchale Kernfamilie oder die Privilegien für Soldaten getauschten Frau mit dem Herrscher hat jedoch keinen Wert
werden wir nie akzeptieren. Eine militaristische Gesell- mehr. In Bolivien gibt es mindestens vier Kategorien indige-
schaft kann niemals eine freie Gesellschaft sein, aber Boli- ner Frauen: die India, die Chola, die Chota und die Birlocha.
vien hat sich aufgrund des verpflichtenden Militärdienstes Für Männer gibt es nur zwei Kategorien: Cholo oder Caball-
als militaristische Gesellschaft geoutet. Die einzige Möglich- ero. Diese subtilen Unterscheidungen, eine abwertender als
keit, die uns blieb, war, eine eigene Verfassung zu schreiben, die andere, gibt es nur für Frauen. Eine indigene Frau ist eine
eine Verfassung, in der unsere Träume stehen. Wir sind nicht Chola. Für den indigenen Mann hat sie einen Wert als Part-
nerin, für den weißen Mann hat sie einen Wert als Dienstbo- Ordnung herzustellen beziehungsweise aufrechtzuerhalten.
tin. Wenn die Tochter dieser Frau diese Rolle nicht weiter Eine Frau, die sich diesem kulturellen Auftrag entzieht und
einnehmen möchte und sich ihr verweigert, ist sie eine einen Zwischenraum einnimmt, ist für beide Seiten der
Chota. Für den indigenen Mann hat sie aufgrund ihres Ver- männlich dominierten Gesellschaft - Herrscher und Unter-
haltens keinen Wert mehr und für den weißen auch nicht. tan - eine Gefahr, weil sie so die Mutterschaft und das Fort-
Die Birlocha ist die Tochter der Chota. Sie ist gebildeter und bestehen der Kultur in Frage stellt. Über diese Rolle wird
ihr Vorbild ist allem Anschein nach die westliche Frau. Sie nicht geredet, es ist eine unbequeme Rolle. In den Hochzeits-
sucht auch nach einem weißen Partner. In der traditionellen bildern wird es am klarsten: Die Inka-Herrscher übergeben
Gesellschaft ist sie dadurch noch verabscheuungswürdiger dem Eroberer eine Jungfrau. Auf dem nächsten Bild sehen
als die Chota. Es gibt andere Wege, diese Unterschiede zu wir die Tochter dieser Frau und des Eroberers. Wer ist sie?
erklären, anhand der Kleidung beispielsweise. Interessant Diese Frage bleibt unbeantwortet. Über Generationen hin-
finde ich, dass diese affektiven, ethnischen und Klassen- weg sind so immer mehr Zwischenräume entstanden. Chota,
unterschiede nur für die Frauen gelten. Es ist ein Frauenpro- Chola und Birlocha sind Schimpfwörter.
blem und hat mit der Rolle der Frau im Prozess der Unterord- Es sind keine Orte der Würde, deswegen drücken sie
nung der indigenen Kultur zu tun. einen komplexen politischen Gegenstand aus, der das Indi-
Dieser Ort zwischen Eroberer und Erobertem als Ort der gene nicht reflektiert, sondern es erstickt und ignoriert.
Frau, das ist ein Thema, das bisher noch nicht ausreichend Das Gespräch wurde am 18.03.09 in Wien geführt.
bearbeitet wurde, auch von uns nicht. Ich selbst befrage die-
sen Ort seit Längerem. Meines Erachtens hat er mit politi- Lesen Sie auch den Essay von Maria Galindo: „No se puede desco-
schen Kontrollmechanismen zu tun: In allen patriarchalen lonizar sin despatriarcalizar" auf Seite 242jf (Spanisch).
Gesellschaften wird versucht, die Körper der Frauen zu kon-
trollieren, es wird versucht, ihre Abhängigkeit und Unter-

1 Bajo Flores ist ein prekäres Stadtviertel mit


vielen besetzten Wohnblocks in Buenos
Aires. Dort wohnen hauptsächlich Migran-
ten aus Bolivien, Paraguay und Peru.
(Anm. d.Ü.)

B e s u c h e n Sie n u n n o c h e i n m a l d e n W a s c h s a l o n u n d b e t r a c h t e n Sie u n t e r d i e s e n G e s i c h t s p u n k -
t e n d a s Bild ü b e r d e n W a s c h m a s c h i n e n : Ein f a n t a s t i s c h e r G a r t e n m i t s i c h g e i ß e l n d e n M ö n c h e n .
B e t r a c h t e n Sie d i e s e k ü n s t l i c h e n P f l a n z e n m i t d e r s e l b e n V o r e i n g e n o m m e n h e i t , w i e die M ö n c h e
d a r i n - als I n s p e k t o r e n , m i t d e r B u c h h a l t u n g d e r R e s s o u r c e n b e s c h ä f t i g t u n d u m die K o n t r o l l e
Imposición de la casulla
d i e s e r w i e a u c h i h r e r e i g e n e n N a t u r b e m ü h t . In d e r E k s t a s e v i s i o n i e r e n s i c h die M ö n c h e in e i n e n a San Ildefonso
Anonym
sterilen Himmel ( M a r i a verleiht Ildefonso, e i n e m Verteidiger des D o g m a s der unbefleckten Emp-
17. Jahrhundert
f ä n g n i s , ein G e w a n d , a s s i s t i e r t v o n d e r h e i l i g e n L e o c a d i a u n d d e r h e i l i g e n L u c i a , auf d e r e n Tel- Museo Casa Nacional de
Moneda, Potosí
ler m a n i h r e A u g e n s i e h t , die sie s i c h a u s s t a c h , u m d e r Ehe zu e n t g e h e n ) . D i e s e A u s l ö s c h u n g / S t e r i l i s i e r u n g
d e s w e i b l i c h e n K ö r p e r s ist ein l o g i s c h e r u l t i m a t i v e r S c h r i t t d e r K o n t r o l l e u n d V e r w e r t u n g v o n L e b e n .

San Ildefonso empfängt sie sich ausstach, um der Ehe zu entgehen und ihre Jungfräu-
lichkeit zu bewahren.
sein Gewand Die Legende des heiligen Ildefonso ist eine der zentralen
Hagiografien des frühen Mittelalters in Spanien, die sich
Das Bild ist in zwei Hälften unterteilt. Im Himmel schenkt innerhalb kurzer Zeit auch im übrigen europäischen und
Maria Ildefonso ein Priestergewand. Rechts ist die heilige arabischen Raum verbreitete. Die verschiedenen Versionen
Leocadia, Märtyrerin während der Zeit der Christenverfol- stimmen dahingehend überein, dass Maria Ildefonso in der
gung und Patronin von Toledo, zu sehen. Links erkennt man Kathedrale von Toledo erscheint. Seine Investitur ist die
die heilige Lucia. Auf einem Teller trägt sie ihre Augen, die Belohnung für seine Verteidigung des Dogmas der unbe-

58
fleckten Empfängnis, deren Abhandlung er auf den Konzi- bungen Südamerikas. In dieser Abhandlung folgen nach den
lien in Toledo 653 und 655 vortrug. 1 Kapiteln über die Ausbeutung der Mineralien und Perlen
In der unteren Hälfte des Bildes sieht man in der Land- Kapitel mit detaillierten Beschreibungen der Nahrungsmit-
schaft einen Dominikanermönch, der sich geißelt und rechts tel, der Pflanzen, der Art und Weise ihrer Zubereitung und
einen Franziskaner, der in Ekstase gefallen ist. Die Land- ihres Anbaus. „Vom Brot der Indias und vom Mais. Vom
schaft im Hintergrund scheint ein Garten zu sein, in dem Maniok und dem Cazavi, von den Kartoffeln, vom Chuño
Mönche beider Orden paarweise spazieren gehen. Zwei von (getrockneten Kartoffeln) und vom Reis. Von den verschie-
ihnen treffen sich auf einer Brücke und geben sich die Hand. denen Wurzeln, die in las Indias gedeihen. Von diversen Hül-
Hinter der Brücke erahnt man eine Stadt (das himmlische senfrüchten und Gemüsesorten; und von dem, was sie Gur-
Jerusalem). Beide Orden waren als Bettelorden direkt dem ken nennen, und von Ananas, von der Erdbeere aus Chile,
Papst unterstellt und zur Mission in Südamerika eingesetzt. von den Pflaumen. Vom Chili und vom Pfeffer aus las Indias.
Zwischen ihnen bestand eine latente Konkurrenz. Dieses Von der Banane. Vom Kakao und der Coca, von der Magüey,
Bild führt beide Orden harmonisch zusammen. der Tunal, der Grana, dem Indigo und der Baumwolle... von
Die Bäume sind vergrößerte Pflanzen. Die irreale Darstel- den Kokosnüssen und von den Mandeln der Anden und den
lung der Landschaft und die strikte Unterteilung des Bildes Mandeln aus Chachapoyas. Von verschiedenen Blumen und
sind ungewöhnlich. Wir haben Sheila Beltrán von der Casa einigen Bäumen, die nur aus Blumen bestehen, und wie die
Nacional de Moneda in Potosí und Kunsthistorikerinnen in Indios sie nutzen." 2
Berlin gefragt, wie sie sich diese formale Besonderheit er- Wir können diese Kategorisierung nicht lesen, ohne an
klären. Sheila Beltrán erzählte, dass die flämischen Maler- die Booms nach der Silberausbeutung zu denken: an die Wel-
manufakturen oft Leinwände mit bereits vorgefertigten len von Tabak, Kakao, Zucker, Kautschuk, Guano, Baum-
Hintergründen nach Potosí geschickt haben, die dann von wolle bis hin zu den gegenwärtigen Monokulturen von Soja
indigenen Malern vor Ort mit den gewünschten Motiven der und Mais, die die verschiedenen Regionen überrollen und
Auftraggeber fertiggestellt wurden. Die Kunsthistorikerin- immer neu die Möglichkeit auslöschen, in ihnen zu leben.
nen in Berlin zweifelten an der frühen Datierung und schät- Mit derselben Voreingenommenheit nehmen wir die Mön-
zen die Entstehung des Bildes auf das späte 19. Jahrhundert che in diesem Garten der großdimensionierten Pflanzen
unter dem Einfluss Henri Rousseaus ein. Die erste Annahme wahr. Wir müssen diese Kontrolle von Leben als den wichtig-
entspricht der Arbeitsteilung beziehungsweise Industriali- sten Schritt in der Logik der Ausbeutung begreifen, als eine
sierung der barocken Malerei in Südamerika, die zweite Weise „in which male-centered systems of exploitation have
bezieht sich auf die stilisierte und surreale Darstellungs- attempted to discipline and appropriate the female body,
weise der Pflanzen und das Fehlen eines Bildzentrums. demonstrating that women's bodies have been the main tar-
Die Historia natural y moral de las Indias von José de Aco- gets, the privileged sites, for the development of power-tech-
sta gilt als eine der ersten exakten geografischen Beschrei- niques and power-relations".3 AC

1 Anthony J. Cárdenas, Tres versiones del mila- 2 José de Acosta, Historia natural y moral de las 3 Silvia Federici, Caliban and the Witch, New
gro de San Ildefonso en los códices de la cámara Indias, Sevilla 1591, Inhaltsverzeichnis. York 2004, S. 14.
regia de Alfonso X el Sabio, Centro Virtual Cer- http://www.cervantesvirtual.com, abgeru-
vantes, 1983. http://www.cervantesvirtual. fen am 5.3.10.
com, abgerufen am 5.3.2010.

S c h a u e n Sie, w e n n Sie w i e d e r n a c h v o r n e g e h e n , auf die linke S e i t e d e r W a n d o b e n , eine a n d e r e


M a r i e n d a r s t e l l u n g : „ D a s z e n t r a l e T h e m a d e s G e m ä l d e s lässt d a r a u f s c h l i e ß e n , d a s s es z u m Zeit-
p u n k t s e i n e r E n t s t e h u n g (1732) b e r e i t s e i n e n Kult um d a s Bild d e r J u n g f r a u v o n C h u c h u l a y a g a b ;

M
sie h a t t e s c h o n n e u n W u n d e r v o l l b r a c h t . Die Ikone d e r H e i l i g e n , die auf d e n F e s t e n v e r e h r t w i r d ,
ist die S k u l p t u r aus Holz und Gips ...

Die G e o g r a f i e der Provinz ist ideal, u m R o h s t o f f e ab- u n d t r a d i t i o n e l l e P f l a n z e n a n z u b a u e n . Dies


g e s c h a h s c h o n v o r d e r A n k u n f t d e r Spanier. Die Inkas b a u t e n Gold ab u n d k u l t i v i e r t e n Koka. Die s p a n i s c h e
Krone n a h m das Land in Besitz und g r ü n d e t e Dörfer, v o r allem um an die G o l d m i n e n v o n T i p u a n i u n d S u i c h e s
zu g e l a n g e n ...
Die Jungfrau wird als weiße Frau mit einer Königinnenkrone dargestellt... Interessant ist die Analyse der Käst-
chen, die von den Wundern der Jungfrau erzählen, denn in der Bild-Text-Kombination kann man Verschiede-
nes über den Kult erfahren. Es gibt z. B. ein Wunder, bei dem eine fremde Frau zur Jungfrau kommt. Heute sind
die Personen, die das Fest der Jungfrau von Chuchulaya feiern, ebenfalls von außerhalb. Es gibt auch Orte im
Dorf, die mit mystischen Erinnerungen aufgeladen sind ... Das Bild der Jungfrau von Chuchulaya ist Teil des
Gedächtnisses und der Identität der Gemeinde. Der historische Wert dieses Bildes in seinem Kontext eröff-
Virgen de la Natividad
net einen neuen Blick auf die Kulturpolitik der Museen. Denn wenn dieses Bild aufgrund seines schlechten Anonym
Zustands in ein Museum gebracht oder geraubt würde, verlöre es all seine kulturelle Bedeutung. Die Men- 1732
Diözese von Coroico
schen würden es zwar noch sehen, aber nicht mehr fühlen, nicht mehr verstehen. Auf der anderen Seite erlaubt Gemeinde von Sorata
der Prozess der Aufwertung, den das Bild dank der Restaurierung und Konservierung erfährt, dass jede Per-
son, die dieses Bild betrachtet, es ausgehend von ihrem lokalen Wissen interpretiert." (Gabriela Behoteguy)

Virgen de la Natividad konnten, als solche sichtbar gemacht worden sind, erzählt die
Leinwand nun auch die Geschichte ihrer eigenen Aktualisie-
de Chuchulaya rung. Wer darf ein Bild restaurieren? Wie weit darf in ein Bild
eingegriffen werden? Ist ein Bild noch das gleiche, nachdem
Nach einem versuchten Diebstahl, in dessen Folge die heraus- es restauriert wurde? Nicht zuletzt spiegeln sich in den Ver-
geschnittene Leinwand erhebliche Schäden erlitt, konnte die handlungen dieser Fragen zwischen den beteiligten Parteien
Virgen de la Natividad de Chuchulaya in den Werkstätten des (Besitzer, Museen, Ministerien, Sponsoren) auch macht- und
Kulturministeriums von La Paz unter der Leitung von Carlos kulturpolitische Konflikte im Umgang mit Kolonialge-
Fotos: Carlos Rúa Landa /
Rúa und mit Hilfe der Forschung von Gabriela Behoteguy schichte. Zwischen Spanien und Bolivien zum Beispiel, aber
Ministerio de Culturas,
Gobierno Plurinacional de nahezu komplett wiederhergestellt werden (2010). Dadurch, auch innenpolitisch, zwischen Sucre (historische Hauptstadt)
Bolivia dass diejenigen Stellen die nicht wiederhergestellt werden und La Paz (Regierungssitz).
' A l s l e t z t e m P u n k t in d i e s e r A b z w e i g u n g k ö n n e n Sie zu e i n e m K r e i s a u s F ä d e n in d e r M i t t e d e r
A u s s t e l l u n g g e h e n . Sie w e r d e n d o r t F o t o s s e h e n , die d e n h i s t o r i s c h e n W e g e i n e r V i r g e n d e la
C a n d e l a r i a v o n T e n e r i f f a bis z u m Ort Q a q a c h a k a in d e n A n d e n b e s c h r e i b e n . „ E i n e L e g e n d e a u s
^ fl* m e i n e m D o r f e r z ä h l t , d a s s die J u n g f r a u in d e n M i n e n v o n P o t o s í e r s c h i e n e n ist. Sie k a n n A r b e i -
1 t e r v o r U n f ä l l e n b e s c h ü t z e n u n d V e r u n g l ü c k t e w i e d e r b e l e b e n " , s c h r e i b t Elvira E s p e j o . D e m Bild
d e r V i r g e n d e la C a n d e l a r i a g e g e n ü b e r b e f i n d e t s i c h e i n v e r s c h n ü r t e s B ü n d e l . Es ist d e r
hombre de oro, e i n M o n s t e r , d a s d i e R e i c h t ü m e r d e s B e r g s g e p l ü n d e r t h a t u n d d a s n u n d u r c h e i n T u c h g e f e s -
s e l t ist. Elvira E s p e j o ist e n g a g i e r t in d e r E r f o r s c h u n g u n d B e w a h r u n g i n d i g e n e r T e x t i l t e c h n i k e n : „ I n B o l i v i e n
w e r d e n 90 P r o z e n t d e r R o h s t o f f e e x p o r t i e r t . I c h b e g a n n , m e i n e S t u d i e n ü b e r d i e P r o d u k t i o n s k e t t e d e r T e x t i -
lien v o m R o h s t o f f bis z u m f e r t i g e n P r o d u k t zu s y s t e m a t i s i e r e n u n d m i t d e n P r o b l e m e n d e r W e l t z u s a m m e n z u -
Camino de las Santas b r i n g e n . Die U n t e r s u c h u n g a n s i c h ist b e r e i t s ein K a m p f g e g e n e i n e d e s t r u k t i v e I n d u s t r i e , d i e d i e U m w e l t v e r -
Elvira Espejo
2010
schmutzt und A r m u t und Hunger hervorbringt. Tausende von Händen w e r d e n d u r c h eine M a s c h i n e ersetzt,
La Paz u n d die M e n s c h h e i t ist a r b e i t s l o s . A u f d e r S u c h e n a c h A r b e i t s e t z t e i n e u n a u f h ö r l i c h e M i g r a t i o n in d i e S t ä d t e
ein, die w i e d e r u m n e u e P r o b l e m e v e r u r s a c h t u n d l e t z t l i c h die F r a g e a u f w i r f t : W i e w i r d d a s L e b e n in d e r s t ä d -
t i s c h e n R e a l i t ä t ? " (Elvira E s p e j o )

Camino de las Santas: Roter Berg, und in einer weiteren Legende heißt er putus
mamita, Mutter von Potosí. Ein anderes Beispiel ist die Can-
Der Weg der Heiligen delaria-Jungfrau von Puno: Dort wird sie noch als Virgen de
Candelaria Pachamama (Mutter Erde) bezeichnet. Die Mut-
Elvira Espejo ter Erde wird in der ganzen Andenregion mit der Fruchtbar-
keit der Böden in Verbindung gebracht. Aber Mutter Erde
wird von den Menschen ausgebeutet. Daher kommt die Vor-
Ich versuche, die historischen Verbindungen zwischen der stellung der kranken Mutter Erde. Krank aufgrund all der
europäischen und der andinen Kultur aus der Perspektive Schmerzen, die ihr zugefügt werden: Die Ausbeutung der
meines Geburtsortes Qaqachaka zu betrachten, um die Bodenschätze und des Erdöls und der Kapitalismus, der zum
moderne Gesellschaft und Kultur besser zu verstehen. reinen Konsumismus verkommen ist und keine Verantwor-
Um das Jahr 1 3 1 2 herum tauchte auf Teneriffa eine Figur tung gegenüber der Zukunft trägt. Dies führt in der ganzen
der Jungfrau auf, die den Beinamen „La Morenita" (Die Dun- Welt zu großen Schäden: Armut, Hunger, Migration, Ver-
kle) hatte. Die Figur wurde von den Spaniern gestohlen und schmutzung - unzählige Probleme, die schwierig anzuge-
im Laufe der Conquista in die Anden gebracht; dort hatte sie hen sind. Als Kulturerbe ist die Candelaria allerdings unan-
bereits den Namen „La Candelaria" (Mariä Lichtmess). Im tastbar. Das ist ein Grund mehr für mich zu fragen: Wenn die
Wissen um dieses historische Detail begann ich, Gemälde aktuelle Politik die Heiligen so hochhält wie es früher die
und Skulpturen der Candelaria in den Anden zu untersu- Spanier taten, was bedeutet das heute für die Andenbewoh-
chen - wie sie dort hinkamen und welche Bedeutung sie ner und ihr Land? Ich habe noch viele Fragen, die ich hoffe,
innerhalb und außerhalb ihrer lokalen Kontexte haben. Ich klären zu können.
sollte erwähnen, dass aufgrund der Formen von Aneignung Elvira Espejo in einem Brief an die Kuratoren, London 2010.
und Interpretation der Andenbewohner die gemalte Jung-
frau keinen großen Anklang fand, die Skulptur der Candela-
ria hingegen schon.
Alice Creischer im Gespräch mit Elvira Espejo
In Qaqachaka bedeutet die Candelaria „Mutter Erde" oder
„Fruchtbare Frau". Eine Legende aus meinem Dorf erzählt, Alice Creischer: Du hast mir Fotos von einem Fest deiner
dass die Jungfrau in den Minen von Potosí erschienen ist. Sie Gemeinde gezeigt. Ich werde zusammenfassen, was ich ver-
kann Arbeiter vor Unfällen beschützen und Verunglückte standen habe: Während des Festes werden die Männer von
wiederbeleben. Man geht davon aus, dass die Candelaria den Frauen verfolgt und in die Kirche getrieben. Dann müs-
bereits in den Zeiten, als der Cerro Rico von Potosí noch sen sie die Statuen der Jungfrauen tragen. In der Kirche befin-
sumac urqu hieß, in ihm als Mutter Erde anwesend war. Bei den sich ein Kreuz und eine Figur, die du „Mann aus Gold"
den Indigenen der Gegend heißt der Berg auch wila qullu, genannt hast. Sie ist in Stoffe eingewickelt, denn der Mann
aus Gold ist so etwas wie ein Teufel. Könntest du genauer mangelnder Bildung in der Region oder im ganzen Land zu
beschreiben, was während dieses Festes passiert? tun, das Thema ist komplex. Bei der Herstellung der traditio-
Elvira Espejo: Ich habe vom Tata Quri gesprochen, dem nellen Kleidungsstücke stellt sich heute das Problem, dass
Heiligen aus Gold, der in Stoffe gewickelt ist. Den Frauen aus die Menschen zunehmend nicht mehr wissen, wie sie ihre
Qaqachaka zufolge ist der Mann aus Gold ein Monster, weil eigenen Rohstoffe verarbeiten müssen - eine Folge der
er den Berg und den Reichtum der Jungfrau beziehungsweise Abwanderung und der Verführungen durch das moderne
der Mutter Erde ausgebeutet und dadurch viel Leid verur- Leben und den Kapitalismus. Die Gemeinden können sich
sacht hat. Er hat die Mutter Erde krank gemacht: Sie ist jetzt wirtschaftlich nicht mehr über Wasser halten. Dies macht
voller Löcher, im Cerro Rico in Potosí genauso wie im Stol- es schwer, die ökologische Dimension dieses kulturellen
len von Oruro. Indem sie den Heiligen einwickeln, zähmen Ausdrucks wiederzubeleben. Die natürlichen Farbstoffe ver-
und dominieren die Frauen ihn. schmutzen die Umwelt viel weniger und beuten sie nicht so
Alice Creischer: Du bist sehr stark verbunden mit Orga- aus. Wir wollen die Praxis des natürlichen Färbens wieder
nisationen von Frauen, die im Textilgewerbe arbeiten. Worin aktivieren und sie an den Rohstoffen anwenden, die die Indi-
besteht dein Engagement? genen bearbeiten, um zu verhindern, dass eine Ressource wie
Elvira Espejo: Über die Organisation und die Personen, die heimische Vegetation verschwindet, die schon heute an
mit denen ich zurzeit arbeite, informiert dich die Webseite vielen Orten vom Aussterben bedroht ist. Die Interessen der
infotambos.com. 1 Seit vielen Jahren habe ich ein großes Unternehmen führen zur Ausrottung der ursprünglichen
Interesse am Produktionsprozess von Stoffen. Viele Firmen Pflanzen durch Monokulturen. Das passiert überall und mit
beachten das gar nicht. Zum Beispiel werden die Ausgangs- allen Rohstoffen. Das Problem ist global. Die Rohstoffe
materialien in vielen Unternehmen nicht gründlich analy- exportieren und Schrott importieren, ist Betrug. So hört die
siert. Ich fing also selbst an, Analysen zu erstellen. In Boli- Armut nie auf.
vien werden 85 Prozent der Rohstoffe exportiert, das hat Alice Creischer: In der Arbeit für Das Potosi-Prinzip hängst
mich in große Sorge versetzt. Umgekehrt tragen die meisten du Fotos von den Heiligen und den Wegen, über die sie nach
der sogenannten Indigenen Acrylstoffe aus China. Ich kam Bolivien gekommen sind, auf. Davon erzählen die Khipus.
zu dem Schluss, dass so die Identität nicht mehr „rein" ist, wie Vorhin sprachst du von einer Geschichte, die nicht fassbar
manche es ausdrücken. Ich begann, meine Studien über die ist. Welche Bedeutung hat die Arbeit mit den Khipus für
Produktionskette der Textilien zu systematisieren und mit dich?
den Problemen der Welt zusammenzubringen. Elvira Espejo: Ich steuere die Khipus als verborgene oder
Alice Creischer: Ich habe dir von einem Foto erzählt, auf chiffrierte Information bei, die dennoch vieles aufdecken
dem Gandhi an einem Spinnrad arbeitet. Dieses Foto beein- könnte. Die Khipus hatten ihre Glanzzeit; heute werden sie
druckt mich sehr, weil es den politischen Kampf in Indien von Experten analysiert, von denen die einen sagen, dass sie
gegen den englischen Industrie-Imperialismus zeigt. Welche etwas bedeuten und die anderen, dass sie vielleicht gar nichts
politische Dimension hat für dich die Beschäftigung mit Tex- bedeuten. Auf jeden Fall enthalten die Khipus viele Informa-
tilien und den verschiedenen Techniken ihrer Herstellung? tionen, die noch nicht entschlüsselt werden konnten. Der
Elvira Espejo: Ich kann dir ein Beispiel nennen: In den Khipu kann verschiedene Ebenen und Inhalte haben: Wirt-
letzten Jahren war ein Verlust der kulturellen und traditio- schaft, Mathematik und anderes. Aber ich reduziere ihn eher
nellen Gepflogenheiten der Bevölkerung der Gemeinde auf die Wege, die die Heiligen zu ihren neuen Orten geführt
Challapata zu beobachten. Die Situation ist alarmierend, haben. Ich präsentiere sie als Geheiminformation, die aber
denn die zunehmende Armut scheint eine direkte Auswir- gemeinsam mit den Fotos, auf denen die Wege zu sehen sind,
kung auf den Verlust des kulturellen Ausdrucks in der aufgeklärt werden könnte.
Region zu haben. Das hat mit dem Export der Rohstoffe zu
tun, die woanders behandelt werden und mit Mehrwert in Das Gespräch wurde im Februar 2010 in London
die Region zurückkommen. Dass dies geschieht, hat mit und Berlin geführt.

1 http://www. infotambos.com: Das Institut ein interdisziplinäres Team aus Linguisten,


für die Sprache und Kultur der Aymara Anthropologen, Landwirten, Bildenden
(Instituto de Lengua y Cultura Aymara, Künstlern, Textilexperten und Informati-
ILCA) wurde in den i97oer-Jahren in La Paz kern. Das ILCA hat das Internetprogramm
gegründet, um die Sprache und Kultur der Cyberaymara und die Textilsoftware Sawu
Aymara zu verbreiten. Am Institut arbeitet 3D entwickelt.
^ D i e s e E r f a h r u n g w i r d g l o b a l g e t e i l t . Ein a n d e r e s B e i s p i e l d a f ü r ist d e r O r t s t e i l M a t a r ó in B a r c e -
^^^ l o n a , d e s s e n l o k a l e t e x t i l e I n d u s t r i e „ u m s t r u k t u r i e r t " w u r d e . Die g e o g r a f i s c h e R e c h e r c h e d e s
l
Aatarfi
Mapa de Mataró ^ S t a d t t e i l s z e i g t die g e s c h i c h t l i c h e K o n t i n u i t ä t d i e s e r G l e i c h z e i t i g k e i t a u f .
Rogelio López Cuenca mit Roser
Caminal, Ismael Cabezudo, Laura V M „Diese Karte von M a t a r ó will das Knäuel der Geschichte e n t w i r r e n , um rhizomartig viele
Marte, Cecilia Postiglioni, I G e s c h i c h t e n zu e r z ä h l e n ; sie w i l l v o n d e m N e t z , d a s d e r r ü c k l ä u f i g e F a d e n d e r T e x t i l i n d u s t r i e in
Daniela Ortiz y Anna Recasens, 2010
Can Xalant Centre M a t a r ó g e w e b t h a t , a u s g e h e n u n d v o n i h r e n V e r k n ü p f u n g e n in d e r Z e i t : d e r K r i s e d e s i n d u s t r i e l -
^Barcelona
len K a p i t a l i s m u s u n d d e r G l o b a l i s i e r u n g d e r M ä r k t e - a b e r a u c h u n d v o r a l l e m v o n d e r A r t , w i e M a c h t u n d
G e w a l t s i c h in d e n K ö r p e r n u n d L e b e n v o n I n d i v i d u e n a b b i l d e n , z u m B e i s p i e l in M a s s e n b e w e g u n g e n . "
( M a p a de M a t a r ó )

http://www.mapademataro.net nicht zuletzt durch die rapide Mechanisierung - die Nähe-


reien auf, die die Entwicklung neuer Textilbranchen mit
sich bringen. Doch mit dem Zusammenbruch des Kolonial-
In den i84oer-Jahren bricht in reichs und der Unabhängigkeit der Hoheitsgebiete in den
Mataró eine neue Zeit an. Mit Antillen endet die goldene Zeit im Jahr 1898. Für Mataró
der Vapor kommt der Auf- sind der Verlust der Märkte in Übersee und seine Konse-
schwung. Die Textilindustrie quenz, der Zusammenbruch der industriellen Fertigung,
konsolidiert sich. Die Dampf- katastrophal.
maschine bringt die indu- Francesc Costa i Oller, La "febre d'or" a Mataró del textil la
strielle Revolution. Mataró boomt, nicht zuletzt auch dank segona meitat del segle XIX.2
der Lage am Meer, die die Importe der für den Betrieb der
Maschinen unerlässlichen Kohle auf dem Seeweg erleichtert
... Die Zeit der Spinning Mule ist vorüber. Sie muss der neuen
Technik weichen.
Joaquim Llovet, Mataró. Dels orígens de la vila a la ciutat con- • ^ ""
L f ^
temporània.1

La Fábrica Gordils I Dalmau (Mai


1838) war die erste Vapor in Ma-
taró. Ihre Maschinenleistung lag Llar Cabanelles
bei 20 PS. Insgesamt existierten in Der von Jeroni Boada entworfene Komplex im Stil des His-
jener Zeit 15 dieser Vapores. Das torizismus entstand 1 8 7 1 als Altenheim und Hospital. Auf
Werk zur Verarbeitung von Baum- dem Gelände befindet sich eine gotische Kirche mit Kolon-
wollfäden entstand zur Jahres- nadengängen und bezaubernden, sich in die natürliche
wende 1838/ 1839. Es folgten Konkurs und Zwangsver- Hanglage des Terrains schmiegenden, treppenförmig
steigerung. Ab 1869 wurde sie von der Witwe J. Viñas' weiter angelegten Gärten.
betrieben. Seit dem Ende des Jahrhunderts produzierte sie
unter dem Namen Hilaturas Viñas y Sanglas. Zwei zentrale Phasen der Migration gehen den globalen Wan-
derungsbewegungen der Gegenwart im 20. Jahrhundert vor-
Das 1891 verab- aus. Eine erste Einwandererwelle kommt zwischen 1900 und
schiedete Gesetz 1930 für den Bau der U-Bahn und die Weltausstellung ins
über den Antil- Land. Eine zweite Epoche massiver Immigration konzentriert
lenhandel und sich auf die Jahre r 951 bis 1975. Sie ist die Folge der spanischen
die Öffnung der Entwicklungspolitik. Die Zuwanderung wird in beiden Fäl-
Märkte für die len auf nationaler Ebene von bedeutender Landflucht inner-
iberische Halb- halb Spaniens begleitet. Wichtige Faktoren dieses Trends sind
insel führt zu ei- die Nachfrage nach Arbeitskräften für die Fertigungs- und
ner enormen Nachfrage nach Textilwaren. Die Spinnereien Bauindustrie sowie für die Dienstleistungsbranche.
in Mataró arbeiten profitabel, neue Webereien entstehen, Anna María Cabré Pia und Andreu Domingo, „La tercera
bestehende werden ausgebaut. Die größte Dynamik w e i s e n - onada immigratoria a Catalunya"3
1 Joaquim Llovet, Matará. Dels orígens de la vila (http://www.raco.cat/index.php/SessioEstu
a la ciutat contemporània. Caixa d'Estalvis Lai- disMataronins/article/view/i 1 3 1 6 9 )
etana (Hg.), Mataré 2000. 3 Anna María Cabré Pia und Andreu Domin-
2 Francesc Costa i Oller, La "febre d'or" a go, "La tercera onada immigratoria a Cata-
Matará. Evolució del textil la segona meitat del lunya", in: L'Avenç: Revista de historia i cultura,
segle xx, Sessió d'Estudis Mataronins, 1987. Nr. 350, Oktober 2009.

J2
Z u r ü c k z u m K r e i s : D o r t b e f i n d e t s i c h m i t d e m Bild d e r V i r g e n d e C a n d e l a r i a de S a b a y a ein w e i -
t e r e r , , M a r i e n - S y n k r e t i s m u s " m i t e i n e m B e r g - h i e r m i t d e m V u l k a n de S a b a y a im h e u t i g e n D e p a r -
t a m e n t O r u r o , d e r w i e d e r im K l e i d d e r M a r i a v e r b o r g e n w i r d . D i e s e C a n d e l a r i a de S a b a y a w u r d e
v o n e i n e m d e r b e k a n n t e s t e n i n d i g e n e n K ü n s t l e r P o t o s i s g e m a l t . A l s S t ü c k d e r S a m m l u n g in d e r
Casa de M o n e d a ist s i e j e t z t ein W e r t g e g e n s t a n d u n d b e s i t z t d e s w e g e n k e i n e s o z i a l e B e d e u -
t u n g m e h r . A b e r es g i b t S t a t u e n u n d B i l d e r d e r S a b a y a , d e r e n V e r e h r u n g (Feste, F e i e r t a g e , P r o -
z e s s i o n e n ) I d e n t i f i k a t i o n s r ä u m e e r m ö g l i c h e n f ü r G e m e i n s c h a f t e n , die d u r c h die A r b e i t s m i g r a - Virgen de Candelaria de Sabaya
Luis Niño
t i o n i m m e r n e u e n t s t e h e n u n d w i e d e r a u s e i n a n d e r g e r i s s e n w e r d e n . D i e s e Feste b i l d e n d a s k u l t u r e l l e R ü c k g r a t 18. Jahrhundert
f ü r d i e v o n R e n é Z a v a l e t a b e s c h r i e b e n e sociedad abigarrada (fleckige Gesellschaft) jenseits der von d e r w e i - Museo Casa Nacional de Moneda,
Potosí
ß e n O b e r s c h i c h t d o m i n i e r t e n U r b a n e n Z e n t r e n , in d e n e n c h r i s t l i c h e u r o p ä i s c h e u n d i n d i g e n e K u l t u r s i c h e b e n
nicht harmonisch zum Hybrid vereinigen, sondern getrennt, aber gleichzeitig a n w e s e n d bleiben.

Virgen de Candelaria de Sabaya und Ikonen in neuen Kontexten. Durch die Wege des Han-
dels, der Migrationsbewegungen und des Silbers lassen sich
Luis Niño ist der wahrscheinlich berühmteste unter den eben auch die Wege der Heiligen und ihre Modifikationen
indigenen Malern im Potosí des 18. Jahrhunderts. Dafür nachvollziehen. Die Produktion von Sabaya-Jungfrauendar-
spricht unter anderem die Souveränität, mit der Niño seine stellungen in Potosí kann als Beispiel für solch eine Wande-
popularisierten, flächigeren Jungfrauendarstellungen mit rung der Ikonen entlang der Migrationsbewegungen gelten.
seiner Unterschrift versieht und sich damit den zeitgenössi- Die ikonischen und die kulturellen Synkretismen sind
schen spanischen und Mestizomalern gleichsetzt. Ebenso aber nicht, wie oft nahegelegt wird, Ausdruck des harmoni-
malt Niño für die hohen Würdenträger der Stadt. Das hier schen Zusammenlebens verschiedener Kulturen in einem
ausgesuchte Bild wird vom Museo Casa de Moneda Luis Niño Vielvölkerstaat, sondern eine von Gewalt geprägte Regie-
zugeschrieben. Es gehört aber nicht zu seinen berühmteren rungstechnologie. Es muss allerdings davon ausgegangen
Sabaya-Darstellungen, die er mit Namen signiert. werden, dass der kulturelle Synkretismus auch eine Kehr-
„Wenn Maria zu Beginn eine Synthese ist, die den Kult seite, beziehungsweise Uneindeutigkeit, für die programm-
vieler Orte und prehispanischer Götter einschließt, so fängt atische Herstellung von Hegemonie hat. Die Mobilität der
der Prozeß der Auflösung - ist sie einmal inthronisiert - wie- Ikonen als Identifikationsfiguren und die damit einherge-
der an, denn nun ist sie bereits Copacabana, Pucarani, Reina, hende Vervielfältigung der Identifikationsmöglichkeiten
Purificada, Candelaria und Virgen de la Gracia (Jungfrau der konnten unmöglich vollständig kontrolliert werden.
Gnade). Diesen Bezeichungen muß man noch die der Sabaya Gisbert meint, dass die Präsenz der indigenen Gottheiten
hinzufügen." 1 In ihrem Buch Iconografía y mitos indígenas en und Referenzen in den christlichen Malereien nicht nur im
el arte erarbeitet Teresa Gisbert eine komplexe Geschichte Synkretismus aufgehen, sondern auch als Moment der Iden-
der Superpositionen von mehreren Heiligen (Sankt Jakob, tifikation mit der (eigenen) unterdrückten Kultur funktio-
Sankt Martin und der Jungfrau Maria) in den mythologi- niert haben mögen. So konnten sie gleichzeitig im Dienst
schen Narrativen der lokalen Kontexte am Beispiel Sabaya. 2 der christlichen Indoktrinierung und im Dienst der indige-
Die Überlagerungen geschehen hier laut Gisbert nicht ein- nen Aufstände gegen die christlich legitimierte Kolonial-
fach nach dem Schema christlich/heidnisch, sondern auch herrschaft stehen. Diese Ikonen der Superposition von Göt-
durch „Verwechslungen" der christlichen Ikonen unterein- zen und Heiligenfiguren haben so politisch aufgeladene,
ander (zum Beispiel Jakob und Martin). Dies führte, so lässt parallele Orte/Räume geschaffen, die bis in die Gegenwart
sich daran anschließend behaupten, aber auch überregional andauern. Besonders in Urbanen Kontexten funktionieren
zu einer Flexibilität der (Re-)Interpretationen von Mythen sie für die durch Arbeitsmigration fragmentierten Gemein-
Schäften als gemeinsamer Nenner und werden von verschie- 20. Jahrhunderts findet in den Umzügen der Heiligenfeste
denen Vereinen, die teilweise nach ihren Herkunftsgemein- wie auch auf der Ebene des politischen Kampfes der Schul-
den oder Arbeiterorganisationen benannt sind, am Tag der terschluss von indigenen und gewerkschaftlichen Organisa-
Heiligen in imposanten Märschen durch die Straßen getra- tionen statt. Die politische Kraft, die dieser Zusammen-
gen. Diese Feste, in denen christliche und indigene Bräuche schluss für Bolivien bedeutet, wurde spätestens deutlich, als
nebeneinander existieren, bilden das kulturelle Rückgrat für die vereinten Syndikalisten-, Bauern- und Indigenisten-Orga-
die von René Zavaleta beschriebene sociedad abigarrada nisationen 2003 eine Welle des Protestes generierten und
(fleckige Gesellschaft) und, um die von der weißen Ober- von der migrantischen Satellitenstadt El Alto in La Paz ein-
schicht dominierten Urbanen Zentren herum, den Grund für marschierten, um den amtierenden Präsidenten Gonzalo
eine Rekonfiguration der politischen Masse. Im Bolivien des Sánchez de Lozada des Landes zu verweisen. MJH

1 Vgl. Teresa Gisbert, Iconografía y mitos indíge-


nas en el arte, La Paz 1980, S. 22.
2 Siehe „La sacralización de la montaña y el
entorno físico: Tata Sabaya, Mallco Esteban
y Quillacas", in: Gisbert, Iconografía, S. 22 ff.

Karneval der Mineros in


Potosí, 2006
Foto: Andreas Siekmann
- X
Cr

r^F-----
10

Kehren Sie wieder zu unserer Wegkreuzung zurück. Betrachten Sie besonders Dokument E.
Neben den Listen sehen Sie eine Zeichnung der Chronik von Poma de Ayala (s. Nr. 22): „Ein india-
nischer Hauptmann mietet einen anderen Indio für den quecksilberkranken Indio, damit er nicht
vollends stirbt.... Diese Besagten, unter dem Vorwand, ihn [sie] zu mieten, berauben die Indios,
I ^ ^ diejenigen, die er m i e t e t . . . Obwohl sie die Indios vollzählig fortbringen, geben sie ihn [sie] ihren
Freunden oder verstecken ihn [sie] oder bedienen sich ihrer oder empfangen Mietgeld von einem
anderen Indio." (Poma de Ayala) Außerhalb des Zentrums in den Gemeinden müssen die Vorsteher die fehlen-
den Zwangsarbeiter in cash ersetzen. Siefehlen entwederdurch die Entvölkerung oderdurch Flucht. Das Geld
stammt von den informellen Märkten, die aus der Belieferung der Zentren mit Coca, Getreide und anderen
Waren entstehen. Die Bauern müssen anstatt für sich für diesen Markt produzieren, um das Geld zum Ersatz
der Mita-Quoten zu verdienen. In Potosí führt die Kapitalisierung dieses Solls an Arbeitskräften durch Schuld-
scheine schließlich dazu, mit „Indios in der Tasche" zu spekulieren, so wie zum Beispiel oben beschrieben.
Marx beschreibt in seinem Kapitel zur ursprünglichen Akkumulation, wie die Staatsverschuldung und ihre
Finanzprodukte zum bedeutendsten Faktor in der europäischen Ökonomie werden, indem man auf Unterneh-
men in den Kolonien optiert. Können wir in der Kapitalisierung der Mita-Quoten ein Modell dafür sehen? Und
können wir daraus schließen, dass diese Wertschaffung keine natürliche Bewegung des Marktes ist, son-
dern durch Zwang auf das Leben von Personen hergestellt wird? Erinnern Sie sich an den zweiten Teil des
Axioms in der Karl Marx School: „Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen
schwanger geht. Sie selbst ist eine ökonomische Potenz."

„Indio in der Tasche"


(Guamán Poma de Ayala,
Nueva Corónica S. 531 [535])
http://www.kb.dk/permalink/
2006/poma/info/en/frontpage.
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Courtesy: Königliche
Bibliothek, Kopenhagen.
ó Gehen Sie nach rechts zu einem Tisch mit der Zeitschrift Noïd, auf deren Titelblatt ein Passions-
motiv (Christus an der Geißelsäule) abgebildet ist. Die Wunden auf seinem Rücken, so erklärt es La flagelación de Jesús
Anonym
der Pater der Gemeinde San Pedro in P o t o s í - w o das Originalbild zu finden i s t - , ähneln den vie- 18. Jahrhundert

17
len Löchern, die die Mineneingänge des Cerro Rico bilden. San Pedro ist eine der ältesten und San Pedro, Potosí

traditionellsten Minenarbeiterbezirke der Stadt. Die Gründe für die Weigerung der Gemeinde, das
hier reproduzierte Bild auszuleihen, können Sie im Heft nachlesen.

XI
Die Plünderung Potosis
Luis Víctor Alemán Vargas

Das Bild „La flagelación de Jesús" eines anonymen Malers dern, Großvätern etc., um das Verschwinden der Bilder zu
wurde von den Kuratoren des Projekts Das Potosi-Prinzip für unterbinden. - Bis heute reagieren die Anwohner des Vier-
die Ausstellung ausgewählt. Die Kirchengemeinde von San tels um die Kirche sehr empfindlich auf dieses Thema."
Pedro beschloss jedoch, das Bild unter keinen Umständen (Gemeinde San Pedro, Potosí, 16.6.2009)
auszuleihen. Dieser Text versucht zu erklären, warum. Nachdem ich einige Monate im Viertel gearbeitet hatte,
Wenige Tage nachdem ich meine Forschungsarbeit in der merkte ich, dass diese Version den Touristen erzählt wurde,
Pfarrei San Pedro aufgenommen hatte, erzählte mir einer der die die Kirche besuchten und nach der Herkunft der Bilder
Kirchendiener folgende Geschichte über die Herkunft des fragten. Es gibt noch eine Version, die nur innerhalb der
Bildes: Nachbarschaft zirkuliert und deren Wahrheitsgehalt mir
„Die Bilder [sechs Bilder der Kirche San Pedro] gehörten von Padre Flavio in meinen letzten Gesprächen mit ihm
früher der Kirche Santo Domingo und kamen durch Zufall bestätigt wurde:
hierher. Eines Tages schleppten Räuber sechs Bilder durch Die Kirche Santo Domingo wurde vor ein paar Jahrzehn-
das Stadtviertel; die Nachbarn nahmen sie ihnen ab, als sie ten renoviert. Da die Dominikaner auch San Pedro leiteten,
sahen, dass sie religiöse Themen darstellten und übergaben beschlossen sie, die Bilder solange dorthin zu bringen. Die
sie der Kirche San Pedro zur Aufbewahrung. Vor einigen Renovierung der Kirche Santo Domingo dauerte einige
Jahren, 2003/2004, sprach der Priester von Santo Domingo Jahre, während derer sich die Gemeinde von San Pedro die
in San Pedro vor und zeigte einen Brief, in dem der Bischof Bilder aneignete, die ihnen eigentlich zur Aufbewahrung
verfügte, dass die Bilder als Eigentum der Kirche Santo anvertraut worden waren. Als die Renovierung beendet war,
Domingo an sie zurückgehen sollten. Der Pfarrer der wollte der zuständige Pfarrer die verwahrten Bilder abholen;
Gemeinde San Pedro hatte den Anordnungen des Bischofs die Nachbarn von San Pedro verhinderten jedoch, dass die
von Potosí nichts entgegenzusetzen und wollte seinem Kol- Bilder die Kirche verließen. Ein paar wurden heimlich hin-
legen von der Gemeinde Santo Domingo die Bilder geben. ausgeschafft, aber die „Geißelung Christi" und andere blie-
Die Gemeindemitglieder bekamen dies jedoch mit und hat- ben in der Kirche.
ten sich in Windeseile mobilisiert, kamen zur Kirche und Unter diesen Umständen kam also die „Geißelung Chri-
verhinderten die Herausgabe der Bilder. Der Priester von San sti" in die Kirche von San Pedro - und so erklärt sich unter
Pedro konnte seiner Aufgabe also nicht nachkommen. Die anderem, warum die Gemeinde das Bild an keine Kunstaus-
Nachbarn organisierten Wachen aus jungen Leuten, Kin- stellung verleihen möchte. Wenn das Bild nämlich an das
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81
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qDuaij aqx sbssisao qouBiq jsiij s.siAnoi pjnoD qDiqm 'uoi^isi§3i puoisuauiip 33iq} -asnoq 3AJOAUI '3¡puBq iBqna ui (OlOd)
aqi je s u o i j b j o i a moqBj Äq paqsiuiBj jou si jo >[jei sqj mou si aiaqj," :800z lenuej uii 3DXJJQ inoqBq sb3SI3ao auiddqiqj aqi sui9¡
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IBqj 3jnsu3 pjnoqs j u s u i u i s a o S qousij 3qi" g sj3>jJ0M-3ui;E3qD-sjaM0} aonpai oj piq B ui 'SB3SJ3A0 sjadpq Dijsauiop
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3AISU3JJ0 jnoqp aqqnd 3 q i jo sjaquiaui u i o i j -1U13 qvuy pwuß 3i{) ui mí¡j.o¿\\ uoivrujsuoj ä j u b i b auiooaq ä b u i - spiBuiasnoq Buidqy" 1

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punisunyjap ui snuisiiesmiun jdQ" 'uueaj^ais seajpuy 'jaiiosiajQ aajiv :snv Supçadaj qiioM s,n -si^aÄ OMJ ÄaaAa ia>pii u j n j a j B puç Àçp
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uaipFui laSuçj LAQIOA apunyw. aip Ja apmM. uiruïM. OSJE ' p p o •iBquajjo l a u m B i x iap uaSunjs
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apjaM tpi 'zm^ nz isi ais isqe 'uop siq i3ii{ UOA ' U S S S B U 3 ! 1 1 ! 1 ! 'uaâunujjOH aip uapiam uapESseg uapuazuç[§ uap l a m i H
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-unqiqçj uii qapi>[ueijpns ui qais }au§pia ais 'aiqaiqas puoj^i i 3 p SBM 'sun u s S b i j i i m pun si3§BHU3uqB3 ssp i s n i g iap
-aSpmojo^ iap ;iui iipiu luuiSaq aig \pu aiuiouowy ap>pi jnF u a q a p z u a u u o s u p 'puis j u u B ^ a q u n sun sip ' u s s s M p q E j
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a;uauiruisui 'a$ppo 'aqaMao 'lapjig 'uajpjqos a u o a 3iipq •pui5{snsa| sçp pun f u b ^ 'isipm iai
aip 'ppups uaioiBiistA 'iSjojiaA uopismbuj iap }iui uaqapz -pM uinçg iap auoi^j uassap snB 'uouiops lapo piA^a Siuo^j
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S3p uapup¿ U3p }iui qaiBuopv iap ^ n j usisp ub nBijSun] u p - uapua nz ipisa§pqB3 iaup }iui jupqas ua§BAV
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ap snsa{ ui appuia§ua§ÇMqduiniix aip puis naqsiQ 1113 -uq3-sndi03 uauçqin iap ui aiM - laSBnuapinyw aup>[ qanp
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aip aip 'uauaiig iap o/Q ol" ssçp 'jne ais nqnj aApouiuauaiig qduinpx uap aip 'uauassid^x liui suaqn^ uatupds UOA Hn 3 q çs I
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-apjg jap jauiuii uajuaip uaqaji^ AIA ¡ A N B O Q ^ OIAAQO^

(-) -jpqxw-mm ¿apmM apupuiaQ


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u p sosaj zS¡ }iui qais iiapunqiqçf - 8i uii paqSiiuiapupuiaf) -og/zçj Bx 'uoiiBSiuop^pQ i n j uinua;siuiuiazi7Y '-y sapz
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spuiep auiuins asaip SBAV 'uajpisnzioA UI sun uifi ('l§iliaja§uB pun uajioMiua png sasaip
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>[i;Eui§oa a p ^ o j aSqpMai aip uauap ui '}s0p§sne u a y u q a s }sun>i uaqaipsiiqa iap la^çieqosp/AïaA pun -uaqopz uap
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suaqn^io u a u a â p uaïqasopâsne sap iBimuiiuo^ s\e a i p i S I „-piqDiui3Aa>[iaMjsun^ - aqqezaSun 99Si uimis
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qoqäoui sa aip 'Suniatuotssij^ jap uazqduio^ aip ais iap uuiBag jps uaisiuiA[F3 aip uaqpq 'uaioisiaz nz iap
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3UIQ uaqosiSeui uiauia nz - u a q o p z uiap }iui ajauqoiazag jnB s[pjuaqa qois jzinis UIA{E3 -uimisiapjig laSinq^Biis U3
p
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-unn i p M i p M qaiznpoid u o q ç u i i o p i u a S a o a i a 'tum /vuoj qâutMz ijpiâ '}i3izueisip ui3uiinisi3p|ig usp UOA laqing
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qaou a[EutpiH^ iap uaisç]çg uap pun aiapaApg uaqasiu
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'snuisiueâçj uap ua§aä uoq^Ba^ aip (ist) - iapng i3AIZSB{ 'ia§ pun 6unji|aja/y ' B u n j m u v J a p u o a
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JIM ssçp '}UIUIO>[ UZBQ '§un;siapsuaia ayqçzaq iqaajqas uiajqi laq qane aip 'aypisaSuBsnBH ayaupui 'jaqaSjiaqjy
sjapuosaq auia isi ipqjesneH 'PfundsäueSsny Jap aiun a ; i p a p p s j q a s iqi§ s g -uaiqaiqasaQ a q a i ^ a a j q a s u a u o q JIA\.
jaisja ui uappq uaSunâuipaqsuaqiy aiasun ¡epeje^ •sne sun uaiqasnBi pun aypisaSuBsn^H ajapue jnc uajHJi
¿liaqiy JiAV 'Sll^q yaisiuçSjo iiaqj^snen euiaqx uinz uiajaA jajaput

laina apiz uaqaspqod aip puis sçyyv Uliunps azueisuo^ uia aip 'sdoqs>[JOA\. p q S[Bmçp s u n u a j B J i JIAV

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-uiouaSisaj '}s§uy sne - uajjajj, uap nz jqaui iqaiu uanejg -
iapunj§a§ gooz qais aeopas :nitui{DS azuBisuo^i
lap aqauBui uauiuicq 'iqaçui ajaideg auqo ainaq j n ç p§e| •pupçpM ui a S a y d u a y y jap ui 'juqoM
l^iElsjaA y a z j a i z p j ui l a z q o j aip e a "uaiueds snç qaipmiEu jaqaSliaqjy uiajqi laq qane aip ' a y p i s a S u y sje 'uj-daij
pun qasapEjâuçg 'O^OJEJAJ snç ' ^ q n d a ^ uaipsiu^iuiuiOQ s\e aïs ;aiiaqjç Z o o z uas -aiqaBui §ipuEisjsq[as qais ais OM
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I s S u y anEq EjpEq i a q y -assnui uaSpzuE i a q a § i p q i y aip -uiEsnz qaMsapuE[ UAQPISASUESNEH UOA uauopESiuE§io
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s q u p q " :apjnM n q n p â j n ç u o u e n s u o u i a a iap u a u i q q i u n uiapuE{syun>[iaH uap ui uaqiuipj u a u a § p laiqi Sunqaizig
aip ' a a u B u u o j i a g - d o i d i i S y j a u p u a u a z g a i a i q a u i inj: p j i q u a u pun §un§iosiaA 'a§aud 3 iP uaqapi p u n uaiHBjsaiusnpui
- q n g i b m 1 3 - u a $ p n s sip q a i n p ua§EA\ uasaip u a q j o i 'uau ui a i p q s n ^ H u a S i o s i a A uiapuçg u a i a u i i e sne uauuiiuBi§i^
-uqsiAii^y pun uauosiadpzutg 'uaqpisaSuEsnEH uayais :iqaisiua uopeiSip^ aqaqqpM qamp iap 'ssazoig uap
- i u b S I O s n e u i i o j u q g i a u p 'odussiuoq ouojuuaj, UOA u a n e i g inj Sunuqapzag a u p isi s^a 'uauqapzaq , , u p q 3 31^3 [Eq
aiQ ' a i q a a i s j p q i u a j n y pun - s j p q i y -inj s p u p e j r ç umn s p u3uui§0[0iz0S 3i3puB pun p[iqasqaoH ipssn^ aqiy
- u a z u i i a q p i s a S u B s n ^ H u a j i a i n s u o u i a p o i o z zibjai '%z u i y SBM ' u p ui3p qaBu qais u o q s^a azutisuo^

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q a i p n p aip u i n ' i s â ç n i a q n l a p u i ^ j aip j n e a p j n p Q a u p p n p uii oing 0S6 3U3ipi3A qai - „yaiâsjiAiid" IBMZ uiq qaj '§uqn
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soueiuni] so| ajqos soipojap jauaj eaed soueuinij soipajap so| uajsjxg
Es gibt Menschenrechte, um Recht über Menschen zu haben

ç \ ^ Sie sind auf Ihrer andauernden Ausreise entlang der Permanenz der ursprünglichen Akkumula-
tion nun in einer zweiten Erzählung angekommen. Bitte gehen Sie vom Eingang aus direkt rechts.
In oder neben der Installation mit dem Baldachin gibt es einen Tisch mit einem Buch darauf. Set-
O O zen uncJ b e 9 ' n n e n z u blättern. Es ist eine Chronik, die aus zwei Teilen besteht.

Der erste Teil (Nueva Corónica) ist der Geschichte der indigenen Welt vor der Conquista gewid-
k ) met, im zweiten Teil (Buen Gobierno) wird die Gesellschaft des Vizekönigreichs Peru in der Zeit
des Vizekönigs Toledo geschildert: eine Verspottung des Begriffs der „Guten Regierung". Der Autor Felipe
Guamán Poma de Ayala schrieb wahrscheinlich zwanzig bis dreißig Jahre an dieser Chronik. In einem der
letzten Kapitel beschreibt er eine eigene Audienz beim spanischen König. Er versieht sich mit einer Persön-
lichkeit, als Nachfahre einer aristokratischen Inkadynastie, die ihn ermächtigt, dem König von Spanien seine
Petition gegen den Genozid an seinem Volk vorzubringen. Erfordert den König auf, ihm zuzuhören. Er sagt ihm,
dass seine ganze Macht nichts ist ohne die Reichtümer, die er aus Amerika erbeutet hat. Er versieht sich mit
El Primer Nueva Corónica
y Buen Gobierno einem Mandat zu sprechen. Und dieses Mandat beginnt schon mit dem Projekt der Aufzeichnung selbst. Die
Felipe Guamán Poma de Ayala
Chronik ist eine der bedeutendsten geschichtlichen Quellen zur Geschichte der Gebiete des Vizekönigreichs
1615/1616
Königliche Bibliothek, Peru vor und nach der Conquista. Es gibt kaum eine andere Quelle eines indigenen Zeitzeugen, die als Chro-
Kopenhagen
nik verfasst ist. Sie wurde 1908 in der Königlichen Bibliothek in Kopenhagen entdeckt. 79 Jahre später erscheint
die erste Faksimileausgabe in Spanien.

El Primer Nueva Corónica dem altperuanischen Gebrauch von quellca, kleinen Tafel-
malereien, die mit mündlichen Erläuterungen versehen
y Buen Gobierno wurden ... eine Ergänzung der statistischen Daten ..., die
mittels Knotenkombinationen in den quipu, den Knoten-
1
Die Chronik von Guamán Poma de Ayala wurde 1908 von schnüren, markiert wurden." 3
dem Orientalisten Richard Pietschmann bei Recherchen in Es wird in der Literatur über Poma de Ayala oft auf den
der Königlichen Bibliothek Kopenhagen gefunden. Ihr Weg Topos der verkehrten Welt hingewiesen: die gewaltsame Zer-
dorthin bleibt unsicher. Wahrscheinlich hat der Autor die störung von Lebensformen, deren Willkür über den Zweck,
Chronik 1 6 1 5 in Lima einem Beamten des Vizekönigs über- das Leben als Arbeitskraft disponibel zu machen, weit hin-
geben, der sie zum Spanischen Hof brachte. Dort könnte ausgeht. In Europa ist die verkehrte Welt zur selben Zeit ein
sie von Gaspar de Guzmán y Pimentel (Großkanzler für die häufiger Topos, er wird zentral in Schilderungen des Dreißig-
westindischen Kolonien und Premierminister) gekauft wor- jährigen Kriegs - im Simplicissimus, im Candide, wo der aus-
den sein, der das Recht besaß, Manuskripte aus Amerika zu geübte Terror jeden Sinn der Handlungen auslöscht und jede
sammeln. Mitte des 17. Jahrhunderts wurden Bibliotheksbe- Beschreibung zu einer Grimasse nötigt. So kommt uns auch
stände davon an den dänischen Gesandten am spanischen die Ironie der Beschreibung dieser „guten Regierung" vor.
Hof, Cornelius Pedersen Lerche, verkauft. 2 Aber die verkehrte Welt gewinnt jenseits dessen hier indi-
Die Zeichnungen wie auch die Texte sind sowohl beein- gene Konnotationen, die weit darüber hinausgehen und in
flusst von der damaligen religiösen Literatur als auch eine den aktuellen sozialen Bewegungen in Bolivien zum Motto
Fortsetzung andiner piktografischer Techniken, „in der für Widerstand bis heute werden.
Nachfolge der vorspanischen Maler, der quellcaycamayoc- Zum Abschluss schildert der Autor seine Audienz mit
cuna. Die Kombination von Bild und Begleittext entsprach Philipp III., in der er dem König die Chronik überreicht. Zwei
Subjekte werden konstruiert: der gerechte katholische König einer Vernunft ihrer Ökonomie, in der Bereicherung mit
und der ebenbürtige Kläger, ein Prinz, der seine Armut selbst dem Überleben der Arbeitskräfte korreliert, die Annahme
gewählt hat, um möglichst genau berichten zu können. Aber einer Möglichkeit, diese Vernunft über Missstände und
das Sprechen und das Angehörtwerden ist noch an andere Reformmöglichkeiten aufzuklären, wie man einen einarmi-
Koordinaten geknüpft: die Annahme einer Vernunft der gen Banditen wartet, der weiter Münzen ausspucken soll.
Macht, die sich andauernd bereichern will, die Annahme AC, AS

1 Wir beziehen uns auf die CDR-Ausgabe: 2 Vgl. Jose' Varallaros, Guamán Poma, Lima
Felipe Guamán Poma de Ayala, Die neue Chro- 1 9 7 9 , S. 43-44-
nik und die gute Regierung, dt. Übersetzung: 3 Ursula Thiemer-Sachse, Vorwort zur Aus-
Ulrich Kunzmann. Ursula Thiemer-Sachse gabe. Wir beziehen uns in der gesamten
(Hg.), Berlin 2004. Faksimile-Ausgabe elek- Beschreibung auf: Rolena Adorno: Guarnan
tronisch: http://www.kb.dk/ permalink/ Poma, Writing and Resistance in Colonial Peru,
2006/ poma/info/es/frontpage.htm Austin 1988.

Felipe Guamán Poma de Ayala: Majestät, ich werde Eurer Majestät über den Dienst an Gott,
Unserem Herrn, und über den Dienst an Eurer königlichen
Die neue Chronik und die gute Krone, über die Vermehrung und das Wohl der Indios dieses
Königreichs Auskunft geben. Denn einige melden Euch eine
Regierung Lüge und andere Wahrheiten und weitere [etwas] in der
Absicht, daß Eure Majestät ihnen ein Bistum als Gnade
Beginn des Kapitels der Frage gewähren oder sie zum Dekan, Domherrn, Präsidenten oder
Es fragt Seine Geheiligte Katholische Königliche Majestät Gerichtsrat machen und ihnen andere Stellungen und
den Autor Ayala, um alles zu erfahren, was es in Pirü, im Ämter geben.
Königreich Westindien, für die gute Regierung und Gerech- Ich möchte Eurer Majestät als Enkel des Königs von Pirü
tigkeit gibt und wie man Abhilfe bei den Mühen und dem dienen; ich möchte Euch von Angesicht zu Angesicht sehen
Unglück für die armen Indios des besagten Königreichs und sprechen, mich jetzt über das Besagte beratschlagen; ich
schafft und sie sich vermehren können und damit die Spa- kann nicht, weil ich achtzig Jahre alt und krank bin, in so
nier, Corregidores und Gerichtsbeamten, die Patres der große Ferne gehen. Dankt mir diesen dreißigjährigen Dienst
Kirchspiele, die Encomenderos, die vornehmen Kaziken und und dafür, daß ich so arm umherzog, mein Haus, meine Kin-
Unterhäuptlinge sich moralisch bessern und ein gutes Bei- der und Besitzungen verließ, um Eurer Majestät zu dienen.
spiel geben. Auf die Frage Seiner Majestät antwortete der Und darum werden wir schriftlich und durch Briefe mitei-
Autor, und er spricht mit Seiner Majestät und sagt: nander verkehren. Und darum sollen Eure Majestät mir
„Geheiligte Katholische Königliche Majestät, mich sollt nacheinander Fragen stellen, und ich werde Euch in dieser
Ihr sehr aufmerksam anhören. Wenn ich geendet habe, sol- Art nacheinander Antworten geben: ...
len Eure Majestät fragen. Ich freue mich, Euch Kunde über „Sag mir, Autor, wie kommt es, daß die Indios sich jetzt
das ganze Königreich zu geben, damit es als Erinnerung in nicht vermehren und arm werden?"
der Welt und für die Größe Eurer Majestät dient." Ich werde Eurer Majestät sagen: Erstens vermehren sie
sich nämlich nicht, weil die Patres der Kirchspiele, die Enco-
[975]96I menderos, Corregidores und [die übrigen] Spanier, die Ver-
Seine Majestät fragt, der Autor antwortet. walter, Beisitzer und Beamten, ihre Knechte, die allerbesten
Don Phelipe der Dritte und der König und Monarch der Welt. unter den Frauen und Jungfrauen nehmen. Und darum gibt
Ayala, der Autor. es so viele kleine Mestizen und Mestizinnen in diesem
Der Autor legt die Chronik persönlich Seiner Majestät vor. Königreich. Unter dem Vorwand, daß dieser zu ihm sagt, er
lebe mit einer Beischläferin, nimmt und entreißt dieser den
[976] 962 Armen die Frauen und Besitzungen. Wegen der besagten
Der Autor antwortet: Geheiligte Katholische Königliche Gründe, wegen so großer Schmach und solchen Schadens
hängen sie sich selbst auf, wie die Indios Changas in Anda- Hierüber sage ich Eurer Majestät: Erstens erleiden sie großen
guayllas. Das ist eine kleine Anhöhe voller Indios und Indias. Schaden durch die Mineros, die Bergwerksbesitzer, und die
Ein solcher will lieber ein für allemal sterben, als sich so gro- Gerichtsbeamten, die dorthin kommen; ein solcher hängt
ßem Schaden ausgesetzt zu sehen. sie an den Füßen auf, und er peitscht sie aus, während sie
„Sag mir, Autor, wie werden die Leute sich vermehren?" hängen und ihre Schamteile freiliegen, und er läßt sie bei
Ich sage Eurer Majestät, wie ich es geschrieben habe: Die Tag und bei Nacht arbeiten und bezahlt es ihnen nicht. Wenn
Patres und Pfarrer, die Encomenderos, Corregidores und er es ihnen bezahlt, [gibt er ihnen] die Hälfte, und die [andere]
anderen Spanier und vornehmen Kaziken sollen leben, sie Hälfte stiehlt er ihnen, und er schickt sie in die Ebenen, und
sollen als Christen leben und wie es Eure Majestät gebieten, darum sterben sie.
ohne daß man darüber hinausgeht, und sie sollen jene im Und von elf Indios darf man einen Indio herausholen,
Genuß von deren Frauen und Besitzungen lassen, und sie sol- und man soll es auslosen. Eine Provinz soll sechs Monate
len ihnen ihre Jungfrauen lassen. Und über ihnen soll es ausruhen, und eine andere Provinz soll den Dienst überneh-
nicht so viele Könige und Gerichtsbeamte geben, und sie sol- men. Und Eure Majestät müssen gebieten, daß man jedem
len jene sich vermehren lassen. Und sie sollen schwer be- Indio, Neger oder Spanier, der einen Quecksilberkranken
straft, ihrer Ämter und Pfründen enthoben werden. behandeln und heilen kann, die Gnade gewähren und ihn
„Sag mir, Autor, wie werden die Indios reich werden?" bezahlen soll. Und so werden die armen Indios sich vermeh-
Eure Majestät sollen erfahren, daß sie ein Gemeindever- ren und die Mühsal nicht spüren.
mögen haben müssen, das sie'Sapcî nennen, von Saatfeldern „Sag mir, Autor, wie wird man die verborgenen Erzadern
für Mais und Weizen, Kartoffeln, Pfeffer, Mango und Baum- jenes Königreichs entdecken?"
wolle, einen Weinberg, eine Tuchmühle, eine Gerberei, Coca Ich sage Eurer Majestät, daß, wenn man Gold- oder Silber-,
und Obstbäume. Und die Jungfrauen und Witwen sollen Quecksilber-, Blei-, Zinn-, Kupfer- oder Farbstoffadern ent-
nämlich spinnen und weben, zehn Frauen ein Kleidungs- deckt, sobald man sie entdeckt, sich gleich Spanier einmi-
stück in einem viermonatigen Zeitraum für die Gemeinde, schen, und sie nehmen sie den Indios fort und mißhandeln
Sapci, und sie sollen Herden von kastilischem und einheimi- diese. Und darum wollen diese sie nicht verraten. Wenn Eure
schem Vieh für ihre Gemeinde und Sapci haben. Und für Majestät eine Übereinkunft mit dem Entdecker träfen und
jeden Indio und jede India sollen sie einen Besitz haben. ihm die Gnade gewährten, so wären alle guten Erzadern ent-
Darüber soll es in jeder Provinz einen Verweser mit einem deckt, und es wäre ein sehr wohlhabendes Königreich, und
eigenen Gehalt aus dem Siebentel geben, einen Herrn, den Eure Majestät wären reich, reicher als alle [anderen] Könige.
größten Vornehmen in jeder Provinz. Wenn Eure Majestät Und Eure Majestät werden der größte Monarch der Welt sein;
dessen bedürfen, könnt Ihr es von den einfachen Leuten aus- wenn Eure Majestät alles Besagte einhalten lassen, werden Ihr
leihen und Euer königliches Fünftel entnehmen. Dadurch und Eure königliche Krone sehr reich sein. Alles wird dazu die-
werden die Indios dieses Königreichs reiche Leute sein, und nen, daß Ihr über das ganze Königreich in der Welt verfügt und
Gott und der königlichen Krone Eurer Majestät wird in die- daß jene Nutzen für Gott und Eure königliche Krone bringen.
sem Königreich gedient sein, und die Indios werden in die- Geheiligte Katholische Königliche Majestät, ich sage, daß
sem Königreich zunehmen die Indios in diesem Königreich zugrunde gehen, und sie
- [Geheiligte Katholische] Königliche Majestät! Eure müssen zugrunde gehen. Heute in zwanzig Jahren wird es
Majestät sollen Eurer guten Regierung und königlichen keinen Indio in diesem Königreich mehr geben, dessen sich
Audiencia gebieten, daß sie [uns] als Fürsten, Herren und Vor- Eure königliche Krone bedienen kann und der unseren hei-
nehme dieses unseres Königreichs behandeln und ehren, ligen katholischen Glauben verteidigt. Denn ohne die Indios
denn wir haben es errichtet und ihm gar sehr gedient. Und gelten Eure Majestät gar nichts, weil Ihr dessen eingedenk
Eure Majestät sind in der Welt und in dieser Neuen Welt sein sollt: Kastilien ist Kastilien durch die Indios. Der aller-
Monarch durch unsere Vasallen und Bergwerke, durch den durchlauchtigste Kaiser und König, dessen Seele bei Gott ist,
Berg von Potoci und andere Bergwerke, das Gold von war mächtig durch die Indios dieses Königreichs, und auch
Carauaya und das Quecksilber von [Huanjcabilca geworden. der Vater Eurer Majestät war Monarch mit großer Macht und
Und darum ist es angebracht, daß Eure Majestät uns ehren weitberühmter Gewalt durch die Indios.
und Seine Heiligkeit [uns ihren] Segen [gibt] -Geheiligte Katholische Königliche Majestät! Es ist ange-
bracht, daß man für den Tribut der Gewürze, Feldfrüchte und
[982)964 anderen Dinge den Preis bezahlt, wie er von Don Francisco]
„Sag mir, Autor, wie sollen die Indios jenes Königreichs denn de Toledo in Geld umgewandelt wurde, und für das übrige
nicht sterben, nicht an der Quecksilberkrankheit leiden und soll man nämlich eine Erklärung geben, oder wenn Vieh
auch keine Mühsal in anderen Bergwerken erdulden?" stirbt oder wenn die Feldfrüchte sich in jenem viermonati-
gen Zeitraum nämlich [nicht] erholen, so sollen sie es nicht tungen der Städte dienen, ausgetauscht werden sollen, und
bezahlen dürfen, damit man ihnen eine Strafe auferlegt.... diese Indios sollen für ein Jahr die Arbeit übernehmen, und
die anderen sollen in den Stadtdienst gehen als jemand, der
[9831965 von den Bergwerken ausruht. Diejenigen im Stadtdienst sind
Königreichs, und auch Eure Majestät [sind es]. nämlich keiner Gefahr ausgesetzt. Und darum sollen sie in
Denn Ihr sollt darüber Betrachtungen anstellen, daß ein die besagten Bergwerke einfahren, und sie werden arbeiten.
Königreich einen so großen Wert verlieren mag, daß Eure Und ich sage Eurer Majestät noch mehr: Wer nämlich alle
Majestät, der es soviel wert gewesen ist, verlorengehen und seine indianischen Vasallen verliert, der verliert alles.
daß alle Indios aussterben, denn ihre Ortschaften sind schon „Nun, Autor, erkläre mir also jene Erklärung weiter, die
entvölkert. Wo es tausend Seelen gab, gibt es keine hundert Ihr anführt."
mehr, und alle [sind] Greise und Greisinnen, sie können sich Ich sage Eurer Majestät, daß Eure Majestät Einkünfte von
nicht mehr vermehren. Mag es auch noch ledige Indios den Indios haben. Und ich bin ein Fürst. Ich bin um ihretwil-
geben, so heiraten sie doch Greisinnen, die nicht gebären len da, und wenn sie zugrunde gehen, so wird die Erde wüst
können. Außerdem bedrängt man sie mit schweren Arbei- und leer sein. Und darum müssen Eure Majestät unter aus-
ten, und man plagt und beraubt sie, entreißt ihnen sogar die drücklicher Strafandrohung gebieten, daß man die Vorneh-
Töchter und Söhne und die verheirateten Frauen. men und die einfachen Indios nicht mißhandelt und daß die
Und es gibt keine Abhilfe, weil alle gemeinsame Sache indianischen jungen Burschen, bis sie älter als zwanzig Jahre
machen: der Richter, der Corregidor, der Beisitzer, der Enco- sind, in keinen Stollen der Quecksilber-, Silber- und Gold-
mendero, die Verwalter und andere Spanier, die Mestizen und bergwerke einfahren und auch nicht zum Schmelzen und
die Visitatoren der heiligen Mutter Kirche, die Vikare und Pfar- zum Quecksilberofen gehen, denn sie, da sie im zarten Alter
rer. Alle sind gegen die Armen, alle begünstigen einträchtig die und junge Burschen sind, werden sogleich von der Quecksil-
Spanier, die den Titel „Don" haben, und die Señoras, die den berkrankheit befallen. Und da gibt es keine Heilung, und die
Titel „Doña" haben. Sie bedienen sich aller Armen; sie bedie- Indios sterben und gehen zugrunde
nen sich nicht allein ihrer, sondern sie dringen auch gewalt-
sam, gegen deren Willen, in deren Güter, Besitzungen und [991] 973
Landbesitz, Viehweiden und Häuser ein. Es aufzuschreiben Seine Majestät fragt:
bedeutet, es zu beweinen. Keiner von jenen unterrichtet Eure „Nun sag mir, Autor, da Ihr ja Enkel von Topa Ynga Yupan-
Majestät. qui, dem zehnten vormaligen König, und Sohn seines per-
Ich werde die Wahrheit sagen über den Wert und Preis, sönlichen Stellvertreters und Vizekönigs seid, wie begüns-
den Nutzen, die Einkünfte und den Dienst, die man gehabt tigst du sie denn nicht in meinem Namen und nimmst dich
hat und haben soll; und die Indios gehen verloren, und das deshalb nicht ihrer an?"
ganze Königreich wird verlorengehen. Eure Majestät sollen Geheiligte Katholische Königliche Majestät, ich nehme
erfahren, daß Ihr Euren Nutzen von den Indios hattet, davon, mich der Indios dieses Königreichs als ihr Fürst an. Ich habe
was sie in jedem viermonatigen Zeitraum bezahlen, zwei- überaus große Armut erduldet und habe mich dreißig Jahre
mal im Jahr, an Geld, Mais, Weizen, Kleidung, Hühnern, im Dienst Gottes und Eurer Majestät gemüht. Ich nehme
Kücken, an einheimischem Vieh und an anderen Posten. mich des Königreichs an, und darum schreibe ich diese
Außerdem dienen sie in den Bergwerken und den Haushal- Geschichte, damit sie zur Erinnerung dient, und man soll sie
tungen der Städte, in den Tanbos und königlichen Gasthäu- nämlich in das Archiv legen, damit das Gericht darüber
sern, und sie bessern Brücken in Eurem Königreich aus. Und befinden kann.
sie halten Landstraßen und Seitenwege sauber, und von
ihnen kommen das Fünftel, der Zehnt, der Grundzins und [998] 980
die Verkaufssteuer... Eure Majestät müssen wissen, daß Eure Regierung, Ihre
Exzellenzen, die Herren Vizekönige dieser Königreiche,
[988] 970 Der Autor antwortet: zwanzig Jahre oder wenigstens zwölf für die gute Regierung
Geheiligte Katholische Königliche Majestät! Eure Majestät und die Gerechtigkeit regieren und die Bösen wie die Guten
sollen wissen, daß die Indios der Quecksilberbergwerke ein erkennen sollten. Denn anders kann kein Vergleich erreicht
Jahr ruhen müssen, und die Bergwerke sollen nicht ruhen, werden, und er kann sonst nicht all jene bestrafen, die Eure
sie werden Eurer Majestät dienen. Vasallen, die indianischen Vornehmen, und die armen
„Nun sag mir, Autor, wie sollen denn die Indios ruhen und Indios mißhandeln sollten. Und wenn es notwendig ist, soll
die Bergwerke arbeiten?" er die Priester bestrafen und aus jenen Königreichen verban-
Ich sage Eurer Majestät, daß die Indios, die in den Haushal- nen. Und so werden die Indios sich vermehren, zunehmen
u n d Euer K ö n i g r e i c h m i t i h r e n N a c h k o m m e n f ü r die G r ö ß e Felipe Guamán Poma de Ayala, Die neue Chronik und gute Regierung
und den Dienst an Eurer königlichen Krone füllen. <EI Pnmer Nueva Coránica y Buen Gobierno), 1615/1616
Faksimileausgabe und Übersetzung auf CD-ROM, herausgegeben von
Ursula Thiemer-Sachse, übersetzt von Ulrich Kunzmann, Berlin 2004
Vorrede (Nachrede) an den Leser Eurer Geheiligten Katholi-
schen Königlichen Majestät, Don Phelipe den Dritten, den
König und Monarchen der Welt:
Ich sage Eurer Geheiligten Katholischen Königlichen
Majestät unter Tränen und schreiend, indem ich laut zum
Himmel rufe und zu Gott und der Jungfrau Maria, zu allen
Heiligen und Engeln bete, ich sage, daß Gott uns Armen so
viele Strafen, Mißgeschicke und Zerstörungen schickt, und
Eure Majestät sollen nicht erlauben, daß wir zugrunde gehen
und Euer Königreich entvölkert wird.

„Der politische Untergrund rechte und schließlich soziale Rechte erst erringen. Gesell-
schaftliche Ordnungen und Produktionssysteme entwickel-
ist der Schatten der Unsicherheit ten sich unter spezifischen historischen Bedingungen. Ihre
Universalisierung erfolgte über unterschiedliche Mechanis-
den ein Land wirft" men. Doch auch soziale Auseinandersetzungen können
Luis Tapia Eigenschaften oder Elemente von Ausbeutung und Ausgren-
zung aufweisen.
Die Geschichte der Menschenrechte ist reich an Facetten, die Das Recht auf Eigentum ist ein wesentlicher Aspekt des
sich in den jeweiligen Diskursen als Spannungen manife- Konzepts der Menschenrechte. Doch in keiner der über 35
stieren und auf unterschiedliche Entwicklungslinien ver- in Bolivien anerkannten Kulturen gibt es dieses Verständnis
weisen. Eine naturalistische Interpretation der Menschen- von Eigentum. Der „harte Kern" der Menschenrechte sieht
rechte impliziert, dass die conditio humana selbst die Rechte hier anders aus.
des Menschen begründet. Gleichzeitig wissen wir, dass die
Menschenrechte historische Errungenschaft und Konstrukt Lesen Sie das Interview mit Luis Tapia Seite 266f. (Spanisch).
sind, die eine Reihe sich gegenseitig verstärkender und aner-
kannter Rechte bündeln. Die Kämpfe der Arbeiterbewegung
reflektieren einen Teil der Geschichte der Menschenrechte,
denn diese musste das Wahlrecht, politische und Bürger-

Die Subjektivität soll auf der Unterwerfung, Unterwerfung ist eine Form von Subjektivie-
rung. Menschenrechte besitzen keine Eindeutigkeit. Sie kön-
Seite des Anspruchserhebers nen Strategien der Politisierung sein, sie sind meistens Stra-

sein tegien der Unterdrückung. Menschenrechte sind bestenfalls


ein Austragungsort dieses Gegensatzes. Das könnte viel deut-
Christoph Menke licher werden, wenn man einmal der Frage nachginge, inwie-
fern die Erklärung der Menschenrechte am Ende des 18. Jahr-
Einerseits wird über die Rechteverleihung Subjektivität her- hunderts auf Erfahrungen aus der 100- oder x 50-jährigen
gestellt, z. B. durch die Erklärung des Papstes, dass Indios Kolonialgeschichte reagiert.
auch Menschen sind. Aber sobald das in eine verrechtlichte
Form gebracht wird, ist die Subjektivierung gerade eine Stra- Lesen Sie das Interview mit Christoph Menke Seite 268/.
tegie der Unterwerfung. Man kann diesen Widerspruch
nicht so einfach lösen: Subjektivierung ist eine Form der
Franco in Huelva, der Diktator
Franco wird empfangen von
Carlisten und Falangisten und
besucht die Nachbildung der
Karavelle Santa Maria.
Archivo Filmoteca
Española
SJ
Sie lesen dieses Buch in direkter Nachbarschaft zu einem Tisch, auf dem viele andere Materi-
alien versammelt sind. Sie alle erzählen „aus autobiographischer Sicht die Ursprüngliche Akku-
mulation, die im postfranquistischen Spanien der Transición (1975-1985) stattfand, und wie im
Prozess der Umstrukturierung des franquistischen Staates sich dieser am öffentlichen Eigen-
tum bereicherte. Im Fall von Huelva sind die Kulissen dafür die Orte des Columbus." (I. Griñolo)
Wenn Sie nach oben zur Plane schauen, werden Sie sehen, dass diese Orte heute ein Cluster
verschiedener Wirtschaftsformen sind, deren Rahmen die Mole ist, von der Columbus ablegte
und wo heute das Denkmal für den Entdeckergeist steht.
„Auf der einen Seite des Meilensteins der Entdeckungen sehen wir die aus den Erdbeerplantagen entstan-
dene Agrarindustrie (Treibhäuser), in der sich spanische, afrikanische (marokkanische, malinesische, sene-
galesische ...) und osteuropäische Arbeiter mischen, in einem willkürlichen Arbeitsmarkt, der dokumentierte
und undokumentierte Arbeitskräfte benötigt. Die Erdbeerproduzenten, Opfer des Preisdumpings der mitteleu-
ropäischen Lebensmittelketten, kontrollieren diesen Arbeitsmarkt mit dem Ziel, die Bankkredite für ihre Fel-
derzahlen zu können. Die Abfälle der sauber in kalifornischen Universitätslaboratorien erdachten Agrarindu-
strie finden sich an den Orten des Columbus. Auf der anderen Seite des Monuments für den Entdeckergeist
sehen wir das größte Industriegebiet des franquistischen Spanien, nur wenige Meter von der Stadt in der Ria
von Huelva errichtet. Die Vorteile Huelvas waren „unbegrenzter Abwasserabfluss und geringe Einrichtungs-
kosten" (Dekret 153/1964, vom 30. Januar). Die chemische Industrie hat über Jahrzehnte hinweg Millionen
Tonnen Abfälle produziert, die direkt in die Ria gekippt wurden und die sich heute auf über 1.200 Hektar Marsch-
land ausbreiten, das die Stadt umgibt. Wir können auch die Kämpfe der Bürger und Bürgerinnen sehen, die
seit den 70er-Jahren dieses schwachsinnige Produktionsmodell bekämpfen. An der Spitze dieser Bewegung
steht heute der Verein Mesa de la Ría, der von Lokalpolitikern, die immer noch das obsolete franquistische
Industriemodell verteidigen, kriminalisiert wird." (Isaías Griñolo)

Es gibt eine Kunst - und manches Museum ist zum Gähnen voll d a v o n - , die, um global kontrolliert zirkulieren
Mercado Energético Puro zu können, so universell sein muss wie eine Währung oder eine Marke. Jede lokale Bedeutung würde sie ent-
Isaías Griñolo
2010 werten. Wie kommt man dazu, sich in seiner künstlerischen Arbeit in einem close reading genau dieser Ent-
Huelva wertung zu verpflichten? Man kommt dazu, weil man dieses Mandat zu sprechen beansprucht und auf das
eigene Vermögen nicht verzichtet, gesellschaftliche Handlungen verbindlich als Recht oder Unrecht zu beur-
teilen. Unter den Büchern auf dem Tisch gibt es eine neue Petition an den jetzigen König von Spanien.

Über politische Poesie heute lung zu entfernen, das das Ansehen der Firma in Misskredit
bringen könnte. Ansonsten müssten „die entsprechenden
rechtlichen Mittel" (medidas legales que correspondan) ange-
Am 4. März 2006 berichtete die Zeitung El País über einen wandt werden. Das Gleiche gelte für verwendetes Material
Zensurfall: Die Eröffnung der Ausstellung Las fatigas de la auf der Webseite der Asociación Mesa de la Ría de Huelva
muerte I. La lógica cultural del capitalismo químico-vori Isaías Gri- (http://www.huelvadenuncia.org). Besagte „Materialien"
ñolo in Sevilla ist aufgrund des „Drucks von Seiten einiger konnten diesmal der Ausstellung, der Öffentlichkeit und der
Unternehmer des Polo Químico de Huelva" ausgesetzt wor- Webseite erhalten bleiben.
den. Die Caja San Fernando (heute Cajasol) gab diesem Druck Griñolos Standhaftigkeit geht auf eine Tradition des
nach und hat daraufhin den bereits fertiggestellten Katalog Widerstands gegen die offiziellen Erzählungen des nationa-
unterschlagen, in dem die Ergebnisse von über zwei Jahren len industriellen Fortschritts in Huelva zurück. Das Aufgrei-
Recherche des Künstlers zusammengefasst waren. Etwa vier fen der Machenschaften von Fertiberia in seinen Chroniken
Jahre später, unmittelbar nach der Pressekonferenz zur Aus- über die wirtschaftlichen Zusammenhänge und ökolo-
stellung im Museo Reina Sofía, noch vor der offiziellen Eröff- gischen Folgen in seiner Heimatstadt sind nur ein Element
nung, erreichte Isaías Griñolo eine Faxnachricht von der einer kollektiven Gegenerzählung, vorgetragen von Umwelt-
Rechtsabteilung der Firma Fertiberia. Darin wird der Künstler und Menschenrechtsaktivisten, Künstlern und Dichtern. Gri-
aufgefordert, jegliches Detail aus seinem Beitrag zur Ausstel- ñolos Installation wird flankiert von zwei Gedichten. Das
erste lautet: QUIENES NOS REPRESENTAN EN REALIDAD politische Dringlichkeit wiederum das ästhetische Moment
NOS REEMPLAZAN (Antonio Orihuela, dt. „Diejenigen die der künstlerischen Identität gefährden.
uns repräsentieren, substituieren uns in Wirklichkeit"). Von Griñolo besteht allerdings auf einem produktiven Wider-
der Decke hängt ein weiteres: QUISE ESCRIBIR PAÍS PERO spruch. Auf der einen Seite die gähnende Anwesenheit der
DECIA PUS (Jorge Riechmann, dt. „Ich wollte Land schreiben, zur künstlerischen Geste neutralisierten politischen Aus-
aber es kam Eiter dabei heraus"). In beiden wird das Missver- sage in der neoliberalen Institution. Und auf der anderen
hältnis von Aussage/Stimme der Betroffenen und nationa- Seite die Notwendigkeit, konkrete Inhalte in Museen auf
ler/offizieller Repräsentation thematisiert. Griñolo wies beim ihre eigenen neoliberalen Bedingungen zurückzuführen:
öffentlichen Künstlergespräch nach Eröffnung im Museo „Um etwas über unsere unmittelbare Umwelt sagen zu kön-
Reina Sofía darauf hin, dass sich dieses Missverhältnis in der nen, muss man die Dinge in der ersten Person benennen und
Kunstinstitution tendenziell fortschreibt. „Es ist nötig, an das das kann man meiner Meinung nach nur machen, wenn
Kunstpublikum und die Institutionen zu appellieren, was man das Benannte so genau kennt wie seine eigene Westen-
Poesie in Spanien heute sein kann". tasche. Dabei ist es unvermeidlich, dass der propagandisti-
In diesem Projekt sind wir immer wieder auf die Metho- sche Charakter der Sprache der Straße zum Vorschein
den gestoßen, mit denen politische Inhalte im Kunstkontext kommt, denn es handelt sich um Botschaften von der Straße,
oft und gerne formalisiert werden. Sie werden angeglichen die nach einer Veränderung der Situation schreien." Der pro-
an die Formeln, die in neoliberalen Kunstinstitutionen duktive Widerspruch besteht für die Asociación Mesa de la
bereits präsent sind: die formalisierte politische Geste und Ría de Huelva darin, in einer Institution der künstlerischen
der verkürzende Pamphletismus. Die traditionelle Trennung Repräsentation eines Landes (País), d. h. Spanien, selbst die
von Form und Inhalt im Kunstbetrieb, die Vermeidung von Eiterbeule (Pus) zu werden.
Inhalt (politischer Realität) zugunsten der Form ist eine In seinem Text zu „Mercado Energético Puro" schreibt
strukturelle Gewalt. Der konkrete politische Inhalt läuft Griñolo von der Gegenerzählung zum „industriellen Fort-
Gefahr, in ein Double-bind-Verhältnis zu seiner Rezeption zu schritt als nationale Erfolgsgeschichte" und erörtert in einer
geraten. Ist der Inhalt zu nah an der politischen Wirklichkeit militanten Untersuchung das relokalisierte Potosi-Prinzip
seines Standortes, wird er im neoliberalen Toleranzbereich in Huelva. MJH
(die Kunst als vermeintlicher Ort der freien Meinungsäuße-
rung) als Geste aufgewertet, von seiner Dringlichkeit aber Lesen Sie den Essay von Isaías Griñolo auf Seite 27 off
abstrahiert, sprich entfernt. Ist der Inhalt als Form erst ein-
mal legitimiert, würde die Rückführung der Form auf eine

la empresa se llamaba FESA (Fertilizantes Españoles)


pero compró el 53,51% de las acciones
Mercado Energético Puro
al precio simbólico de 1 peseta por acción
(Details)
y ahora se llama FERTIBERIA
Isaías Griñolo, 2010
Durchqueren Sie den Raum nun diagonal bis in die hintere linke Ecke, um die Chronik von Poma
de Ayala weiterzuverfolgen. Sie sehen einen langen Tisch mit verschiedenen Videosequenzen.
Dahinter sehen Sie Zeichnungen aus der Chronik: die Reise des Autors, die Audienz beim König,

M die Übergabe der Petition, Zeichnungen zur kolonialen Regierungsweise. Bei der Audienz wer-
den zwei Subjekte konstruiert: der gerechte katholische König und der ebenbürtige Kläger, ein
Prinz. Aberdiese Audienz istnoch an andere Koordinaten geknüpft: die Annahme einerVernunft
der Macht, die sich andauernd bereichern will, die Annahme einerVernunft ihrer Ökonomie, in der Bereiche-
rung mit dem Überleben der Arbeitskräfte korreliert, die Annahme einer Möglichkeit, diese Vernunft über Miss-
stände und Reformmöglichkeiten aufzuklären, wie man einen einarmigen Banditen wartet, der weiter Mün-
zen ausspucken soll. Diese Annahmen offenbaren eine sehr klare Einschätzung des Autors über die
europäische Regierungsform und ihre merkantilen Interessen und zugleich eine Hoffnung, dass dieses Inter-
esse an Bereicherung die Bestialität der Regierung überwiegt. Der Autor zieht sich das Plädoyer an eine Herr-
scherrationalität, die aufgeklärt werden kann, wie ein fremdes Kleid an. Es ermöglicht seinen Auftritt, seine
Anklage und sein Zeugnis. Und zugleich ist die Klage in diesem geborgten Kleid so mächtig, dass das Kleid
selbst als Amtsrobe eines Monsters vorgeführt wird.

An dem langen Tisch mit den Videosequenzen kommen w i r z u eineranderen Beantwortung die-
ser Chronik. In Peking gibt es zentrale Stellen zur Einreichung von Petitionen. Die Petiteure kom-
men meistens aus den Provinzen. Bei den Fällen geht es um Enteignung von Land, Entziehung
0% von Arbeitsrechten, Vergiftungen, Unfälle am Arbeitsplatz, willkürliche Verhaftungen, Misshand-
a J lungen. Die Petiteure werden willkürlich vorgelassen oder abgewiesen, sie werden oft geschla-
gen, verhaftet oder verjagt. Das Petitionsrecht ist ein altes Gesetz, das anscheinend nichtdurch
den neuen Staat adaptierbar ist. Die Behörde agiert ohne Regierungslogik. Alltäglich wird das Recht hinter
den Schaltern aufgeführt wie in einem Theater, aber es wird nicht gewährt. Es entsteht eine Lücke zwischen
dem Gesetz und seiner Macht. Sie entspricht der Lücke zwischen der Erfahrung von Unrecht und der Unmög-
lichkeit, Recht zu bekommen. Man kann davon verrückt werden oder man kann sich politisieren, man kann
Petitioners - Szenen aus durch die Politisierung für verrückt erklärt werden oder man kann verrückt werden durch die Politisierung.
dem Filmarchiv Petition
Zhao Liang Durch diese Lücke dringt etwas nach außen und wird sichtbar im öffentlichen Raum.
2010
Sie sehen Ausschnitte aus dem Filmarchiv von Zhao Liang. Er widmet sich seit 1997 dem Leben und den Pro-
Beijing
testen der Petiteure. Sie sehen auch Kleidungsstücke der Petiteure, Amtsroben, die dieses „Nichts als den
Körper" so schlecht verkleiden, als seien die Protestnoten direkt auf die Haut geschrieben.
Seiten 104-107:
Guamán Poma de Ayala, Filmsequenzen Vierte Frau (mit einem Brief)
Sie erzählt von einer anderen Frau aus der Tianshui
El primer Nueva Corónica y
Buen Gobierno
aus dem Archiv „ P e t i t i o n e r s ' Gemeinde im Landkreis Danyang, die in einer Behörde zur
http://www.kb.dk/permalink/ Verteilung von Getreide arbeitete. Sie hat ihren Chef ange-
2006/poma/info/en/frontpage. klagt, er habe Getreide gestohlen, und wurde daraufhin ins
htm
Irrenhaus gesteckt. Ihre Klage gegen den Chef bei dem zen-
Courtesy: Königliche
Film i tralen Komitee zur Bekämpfung von Korruption wurde
Bibliothek, Kopenhagen
Erste Frau abgewiesen.
links: Vor etwa 20 Jahren wurde ihr Sohn geschlagen und so Film 2
Pricidente y oidores de su
schwer verletzt, dass er seitdem behindert ist. Trotz ihrer Frau mit kurzen Haaren
Magestad y alcaldes de corte y
fiscal alguazil mayor deste
Anklage werden die Täter nicht zur Rechenschaft gezogen, Sie hat 40 Jahre in einer Fabrik gearbeitet. Es wurde nun
rreyno (Präsident und Gerichts- weil ein Verwandter von ihnen beim Gericht angestellt ist. veranlasst, dass alle, die mehr als 20 Jahre dort gearbeitet
räte Seiner Majestät und Ober- Zweite Frau haben, befristete Arbeitsverträge bekommen, was eine
polizeibeamte und Kronfiskal,
Ihr Vater und ihr Sohn sind bei einem Verkehrsunfall schnelle Entlassung ermöglicht. Diese Verträge sind gegen
Landvogt dieses Königreichs)
S.484 [488] schwer verletzt worden. Der Sohn ist seitdem behindert. das Arbeitsrecht.
Nachdem ihre Klage von den lokalen Behörden abgelehnt „Es gibt Hunderte solcher Fälle von Korruption, um die
rechts: wurde, ist sie bis zum höchsten Gericht in Peking gegangen, sich niemand kümmert. Die Regierung verhält sich wie die
Coreg[id]or de provincias deste
das eine Entschädigung festgelegt hat. Mit dieser Entschädi- Mafia. Einige in den Ämtern warnen vor den Petiteuren. Sie
reyno y su escriuano (Corregi-
dor der Provinzen dieses König- gung könnte sie ihren Sohn behandeln lassen. Aber das sagen, dass sie verrückt sind." Deswegen hat sie eine „Armee
reichs und sein Schreiber, ihre Urteil ist von den lokalen Behörden ignoriert worden. Sie ist gegen die Korruption" gegründet.
erste Geschichte) S. 488 [492] mehrere Male festgenommen worden, und ihr Sohn ist ent- Film 3
führt worden. Frau im Bett unterhält sich mit anderen Frauen im Raum.
Dritte Frau (mit Mütze) Eine davon weint und zeigt Fotos und Dokumente.
Sie wollten einen buddhistischen Tempel eröffnen, was Sie ist seit 1983 Petiteurin und mehrmals auf Veranlas-
von der Regierung nicht zugelassen wurde. „Viele Petiteure sung der Polizei verprügelt worden. Sie ist dabei einmal fast
werden verhaftet oder in Irrenhäuser gesteckt." vergewaltigt worden. Sie hat 38 Jahre gearbeitet, ohne etwas
COREbÍMÍÉilTO

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dafür zu bekommen. Sie ist auch zu einem Büro der UNO zur Zwangsarbeit geschickt und ins Irrenhaus gesteckt. Man links:
gegangen, dort aber von Wachen festgehalten worden. Sie gab ihr Medikamente, die sie vergiften sollten. Coreg[id]or i comendero tienen
pendencia sobre los rreales,
wurde für viereinhalb Monate ins Irrenhaus gesteckt. „Ist eine .harmonische Gesellschaft' möglich, in der es so
quién a de lleuar más.
„Ich habe nichts zu befürchten. Das Irrenhaus ist mein viele korrupte Beamte gibt? Oder ist die Gesellschaft in diese (Corregidor und Encomendero
Zuhause." dunkle Kammer ,hineinharmonisiert' worden? Leiten Sie haben Streit wegen der Reales,
diese Fälle an die zentrale Beamtenbehörde weiter." wer mehr bekommen soll)
Sie kocht:
S. 491 [495]
„Ich kaufe die Nudeln, das Gemüse suche ich aus dem Sie möchte China nicht verlassen und ihren Fall hier
Abfall zusammen. Abfallsammeln ist mein Job." lösen, weil sie ihr Land liebt und der Partei vertraut.
Draußen / Frau mit Plakat vor ihrem Körper. Sie zeigt Fotos Nach achteinhalb Jahren ist ihr Mann nun frei gekom- rechts:
von abgeschnittenen Händen, verletzten Händen. men. Das Gericht hat das falsche Urteil immer noch nicht Coreg[id]or tiene preso y
amolestado a don Cristóbal de
Ihr Sohn ist mit 42 Jahren ermordet worden. Ihrem Vater revidiert.
León, segunda persona, porque
hat man die linke Hand abgeschnitten. „Die Provinz Tsian Tsuan hat sich völlig verselbstständigt. defendió a los yndios de la
Wieder drinnen /Frau zeigt Fotos von verletzten Körperteilen, Die zentrale Regierung hat keine Kontrolle mehr." prouincia. (Der Corregidor hält
Don Cristóbal de León gefan-
Brust, Schulter, Bauch. Frau am Feuer
gen und plagt ihn, den persönli-
Fotos von einer Leiche mit langen Narben am Bauch Ihr jüngster Sohn wurde mit 13 Jahren zu lebenslanger Haft chen Stellvertreter, weil er die
Der Körper wurde ohne Erlaubnis obduziert. verurteilt. Sie lebt in Peking seit drei Jahren ohne ein Dach Indios der Provinz verteidigte.)
Film 4 über dem Kopf. 2001/2002 wurde sie viermal festgenommen. S. 494 [498]
Frau in rosa Jacke mit Schild Frau mit Kind/Kind hält ein Protesttuch
Provinz Tsian Tsuan - Autonomiegebiet Xin Jiang. Es gibt eine Regel im Militär: Soldaten müssen nach einer
Sie ist zum achten Mal in Peking. In ihrer Provinz wurde bestimmten Zeit ihren Chef bestechen, um weiter im Dienst
sie verprügelt und festgehalten. Ihr Mann wurde am 22. zu bleiben. Weil ihr Sohn sich weigerte, wurde er drei Tage
Februar 2001 zu Unrecht von dem Gericht in Shleza (Shi festgehalten und misshandelt. Danach wurde er verrückt.
Hezi) wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu neun Jahren Niemand kam für seine Behandlung auf. Die Familie hat
verurteilt. Sie ist zur nächsten Instanz gegangen, um das ihren gesamten Besitz verkauft, um für die Behandlung des
Urteil anzufechten. Es wurde revidiert, aber die Revision Sohnes zu sorgen. Schließlich war das Militär bereit, 150.000
wurde in der Provinz in Xin Jiang nicht anerkannt. Sie wurde RBM als Entschädigung zu zahlen. Aber dann wurde ihr
links: Mann vor dem Bahnhof totgeschlagen. Ihr Sohn ist immer „Heute müssen wir wieder fliehen, wenn die Polizei
Coreg[id]or afrenta al alcalde
noch im Irrenhaus. kommt. Wir können nicht nach Hause, weil die lokalen
hordenario por dos güebos
que no le da mitayo „Ihr Studenten müsst die Situation in China verändern." Behörden uns dann dort inhaftieren oder ins Arbeitslager
([Der] Corregidor beschimpft Film 8 stecken."
den Ortsrichter wegen zweier Frau mit rosa Jacke alleine im Zimmer Andere Frau im Hintergrund
Eier, die der Mitayo ihm nicht
„Die vorher hier gewohnt haben, sind schon verhaftet. Sie und zwei weitere Lehrerinnen waren sechseinhalb
gibt.) S. 499 [503]
Jetzt bleiben nur noch wir. Kannst du das aufnehmen?" Monaten lang in Gefangenschaft, und danach war eine Leh-
rechts: Ehemann rerin tot. Sie klagt seit 1 5 Jahren diesen Mord an.
El coreg[id]or i padre, tiniente „Ich komme aus Pai Lai (Tailai) aus der Provinz Hei Lang Ehefrau vorne
anda rrondando y mirando la
Jang (Hei Longjiang). Die lokalen Behörden haben mein „Am 21. April 2001 wurde unser Haus geräumt."
güergüenza de las mugeres.
(Der Corregidor, der Pater und Haus und unser Eigentum beschlagnahmt. Wir mussten aus- Ehemann
der Gerichtsbeisitzer streifen ziehen. Mein Sohn wurde gezwungen, in die Armee einzu- „Während meine Frau in der Parteischule festgehalten
umher und sehen sich dabei treten. Die Behörden haben alle unsere Tiere getötet: einen wurde, habe ich ein Gedicht für sie geschrieben.
die Schamteile der Frauen an.)
Esel, 36 Hühner, einen Hund." Frau liest das Gedicht
S. 503 [507]
Frau Als die Regierung ihr Haus besetzte, mussten sie den Weg
Die Regierung aus der Provinz hat einigen Leuten Anwei- der Petiteure gehen. Der Sohn ist in der Provinz geblieben.
sung gegeben, uns bis zum Bahnhof zu verfolgen und dort Sie dürfen nicht mehr nach Hause.
zu töten. „Das Tor der Gerichte öffnet sich nur für Geld. Statt der
Aus dem Hintergrund Regierung haben uns gute Leute geholfen. Man sollte die kor-
„Die Häuser, die wir sonst bewohnt haben, sind abgeris- rupten Beamten aus der Regierung schmeißen, damit es
sen worden." ihnen besser geht."
Eine Frau zeigt kaputte Türfenster Ehemann
„Die Polizei hat die Fenster kaputt gemacht." „Ich erinnere mich noch deutlich an das Kennzeichen des
„Die Regierung reißt die Häuser ab, sie konfisziert unser Autos der Leute, die uns verprügelt haben - es war BB059. Sie
Gepäck und stielt Sachen daraus. Die Polizei hat uns ver- haben mit den Füßen in mein Gesicht getreten und mich fast
prügelt." totgeschlagen. Ich war fünf Stunden ohnmächtig. Wir wur-
links:
den ins Krankenhaus gebracht und waren dort sechs Tage Q[ve] el Coreg[id]or conbida en
lang. Dann waren wir obdachlos." su mesa a comer a gente vaja,
yndio mitayo, a mestizo, mulato
Ehefrau
y le honrra. (Dass der Corregidor
„Eigentlich war zu Beginn alles in Ordnung mit der Peti- niedrige Leute zu Tisch lädt,
tionsbehörde. Dann hat die lokale Behörde die Petitionsbe- einen Indio Mitayo, einen Mes-
hörde bestochen." tizen, einen Mulatten, und sie
ehrt.) S. 505 [509]
Frau im Hintergrund rechts
„Wir können nachts nicht schlafen. Die Polizei kommt rechts:
immer nachts. Seit drei Tagen sind wir auf der Flucht." Coregidor de minas: cómo lo
Ehemann castiga crvelmente a los
caciques prencipales los
„Als man bei der Musterung am Körper unseres Sohnes
corregidores y jueses con poco
all diese Narben und Wunden gefunden hatte, versprach die temor de la justicia con
lokale Behörde uns ein neues Haus." deferentes castigos ein tener
Stimme von ganz hinten misericordia por Dios a los
pobres. (Wie die Corregidores
„Einmal haben die Polizisten einer Person, die uns immer und Richter die vornehmen
etwas zu essen bringt, mit Gefängnis gedroht, wenn sie das Kaziken grausam bestrafen,
noch einmal machen würde." mit geringer Furcht vor der
Gerechtigkeit, mit verschiede-
Frau ganz rechts
nen Strafen, ohne um Gottes
„Am 30. September haben drei Beamte der Petitionsbe- willen Barmherzigkeit den
hörde vor der Toilette auf mich gewartet. Sie haben mich zu Armen gegenüber zu haben.)
Boden gestoßen und wollten mich wegschleppen. Aber die S. 525 [529]
anderen haben mich gerettet."
Auszüge aus einem Interview mit Zhao Liang über den Film
„Petition" und die Funktionalisierung von Kunst in China lesen Sie
auf Seite 273 (Englisch).
fBjVItt Nun zum dritten Punkt auf diesem Weg: Schauen Sie hinauf. Sie werden vier Reihen
• von Papierschnitten sehen, die vor vier Gemälden aufgehängt sind. Jetzt gehen Sie

9
die Treppe hoch auf die Plattform und halten Sie vor einer dieser Reihen inne. Suchen
Sie nun die Position, in der die einzelnen Teile der Reihe sich zu einem Engel

24
zusammenfügen.
In der Kirche von Calamarca gibt es die vollständigste erhaltene Serienmalerei von
Arkebusen-Engeln, die ab 1600 im gesamten Gebiet des Vizekönigreichs Peru auftau-
chen. Ihre Motive sind heute sehr verbreitet und populäre Souvenirs. Die Engel sind gekleidet wie Lands-
knechte, majestätische Soldaten und tragen Gewehre. Die Gründe, warum die Gemeinde uns ihre Bilder nicht
ausleihen wollte, lesen Sie bitte auf dem Foto unterhalb der Silhouetten nach. Hinter den Bildern können Sie
Stiche aus einem Exerzierbuch von Jacob de Gheyn sehen, die auf der Rückseite der Bilder angebracht sind Gabriel Dei, Letiel Dei, Laeiel
Dei, Uriel Dei
und die Militärübungen zeigen, das Paradieren und Putzen des Gewehres, nach denen die Engel angefertigt (Arkebusenengel)
sein könnten. Meister von Calamarca
1680, Calamarca, Departa-
Zwischen Waffen und Kostümen gibt es eine Beziehung, die mit einem „König vergleichbar ist, der einen mento de La Paz

Schuss vorführt. Im Zentrum aller Blicke steht er und nicht seine Waffe. Selbst wenn er sich im Umgang mit
der Waffe ungeschickt anstellt, wird man seine Ungeschicklichkeit bejubeln, denn seine Macht kommt nicht
von der Waffe, sondern von seiner Kleidung", meint die Analystin dieser Engel. Sie versucht in ihrer Arbeit
diesen Abstand zwischen dem Körper und dem Ornat zu vermessen. Es ist ein Raum der Macht, der dort ent-
steht. „Schauen wir uns beispielsweise die Ärmel an: Ihre Weite stellt einen sehr großen Raum zur Verfügung, Der Engelapparat
Sonia Abián
in dem die Arme ihre Position verändern könnten, ohne dass wir dies genau feststellen können. Vielleicht zei- 2009/2010
gen uns die Engel ihre Hände, als ob es die eigenen wären, obwohl sie eine Prothese sind. Was immer ihre Barcelona/Posadas

Hände machen sollten, es ist rechtlich genehmigt." (Sonia Abián) Zusammen mit den Ferngläsern finden Sie
ein Referenzverzeichnis. Jeder der in ihm erwähnten Texte taucht als „Stoff" in den Schnitten der Engel auf.

Warum die Bilder aus Calamarca Souvenir sehr verbreitet ist. Es gibt sowohl auf dem nationa-
len als auch auf dem internationalen Markt einen großen
nicht kommen Bedarf an Bildern mit diesem Motiv, was die Bilder in den
Gemeinden potenziell gefährdet. Die Calamarca-Bilder wur-
den nach der Restauration 1998 in Paris und 2000 in Monte-
Die Bilder in der Kirche von Calamarca wurden 1994 restau- video (El Retomo de los Angeles) gezeigt.
riert. Es ist die vollständigste erhaltene Serienmalerei von Die Gemeinde Calamarca wollte die Bilder nicht mehr aus-
Arkebusen-Engeln. Andere wichtige Engeldarstellungen leihen, weil sie bereits restauriert waren und weitere Ausstel-
sind in Yarvicolla, Sora Sora, Oruro, San Martin Potosí und lungen in Europa ihr keinen Nutzen brächten. Es gab außer-
in den nordargentinischen Gemeinden von Casabindo und dem das Gerücht, dass die vom Vizeministerium in La Paz
Uquia zu finden. Arkebusen-Engel sind das populärste Motiv restaurierten Bilder gar nicht mehr die echten Bilder seien, son-
andiner Malerei, das auf Festen und als Reproduktion und dern dass man der Gemeinde Kopien zurückgegeben hätte.
Arkebusen-Engel des Königs glanzvoller."5 Das heißt: Je größer die Anzahl der
Boten - wie in diesem Fall - , desto größer ist Gottes Würde.
Sonia Abián
Warum braucht Gottes Würde in den Anden mehr Engel
als in Europa?
Die Arkebusen-Engel sind besonders verbreitet entlang der In Europa ist das Reich Gottes nach vielen Jahrhunderten
Route zwischen La Paz und Cusco, aber auch von Potosí und „normalisiert" worden. Vielleicht reichten deshalb Rafael,
bis nach Jujuy. Der Meister aus Calamarca ist wahrscheinlich Michael und Gabriel aus. Im Gegensatz dazu erinnert die Lage
mit der Werkstatt von José Lopez de los Ríos aus La Paz ver- in Amerika an die Zeit der ersten Kirchenväter, als eine ganze
bunden. Es existiert kein Dokument, das auf einen Autor Engelsschar gegen die heidnischen Götter kämpfen musste.
hinweist. AC Nach dem Sieg wurden die meisten zurückgezogen. Nun aber
werden sie alle wieder gebraucht. Ihre Namen in den Bildern
Nachdem im 17. Jahrhundert eine Krise in der Zunft der (Laeiel, Letiel, Uriel) haben den Charakter eine Einberufung.
1
Maler in Cusco ausbrach und die einheimischen Künstler
von den spanischen unabhängig wurden, entfernten sie Warum gibt der Meister aus Calamarca ihnen Waffen?
sich dennoch nicht vom Evangelisierungs-Auftrag. 2 Dieser Bis zum 15. Jahrhundert besaßen nur die amerikanischen
bestand in der Auslösung eines religiösen Effekts. Die Bil- Götter soviel Macht wie die Arkebusen. Der Meister gibt sie
der sind nicht nur ein Hinweis auf Synkretismus, sondern den Engeln. Gleichzeitig verringert er die Bedeutung der Flü-
legen auch eine Regierungsweise offen. Engel hatten gel. Diese zeigten die Zugehörigkeit zum Himmlischen
immer schon zwei Aufgaben: eine kontemplative - Gott im Reich und legitimierten die Handlungen der Engel auf Erden.
Himmel mit ihrem Gesang zu loben - und eine administra- Welche Beziehung besteht zwischen den Flügeln und den
tive - bestimmte Aufträge auf der Erde zu erfüllen. Der Mei- Waffen? Für die amerikanischen Neulinge, für die das Reich
ster von Calamarca macht sie weniger himmlisch, gibt Gottes noch ein Mysterium ist, reichen die Flügel zur Legiti-
ihnen Arkebusen und majestätische Kleidung. Beim Malen mation der Macht nicht aus. Arkebusen dagegen wurden am
der Engels-Gesichter hält er sich an die Empfehlungen von eigenen Leib erfahren, ihre Wirkung wurde mit den Blitzen
Francisco Pacheco, der in seinem Buch Arte de la Pintura den des Gottes Illapa verglichen 6 . Flügel und Waffen gehören
zu befolgenden Kanon vorschreibt. Spricht dieser Prü- dem gleichen Legitimierungsapparat an. Was die Engel in
fungs-Beamte der heiligen Inquisition von Sevilla über die den Anden an Flügel verlieren, gewinnen sie durch Waffen.
Trachten der Engel, wird der Ton weniger streng. Die Engel
nehmen ihre Trachten aus „dem Willen ihres Herren, den Warum sind ihre Gehröcke so weit?
Bedürfnissen der Menschen und ihren vielen Ministe- Die Tracht trennt sich vom Körper, wächst, bis sie den gan-
rien"^ zen Raum füllt. Sie sieht wie aufgeblasen aus. Zwar können
wir nicht durch die Gehröcke sehen, aber wir können uns
Welche Bedürfnisse erfüllen solche Trachten? Wie ist ihr vorstellen, wie geräumig es darunter ist. Der Zwischenraum
Auftrag? zwischen Gehröcken und Körper ist sehr behutsam angefer-
In den Bildern fehlen die Attribute, die einzelne Engel mit tigt worden. Bei seiner Anfertigung scheint die Zahl drei eine
ihren Aufträgen identifizieren, zum Beispiel bei Gabriel die wichtige Rolle zu spielen: durch den geöffneten Gehrock
Lilie. Alles weist auf einen gemeinsamen Auftrag hin: die Men- wird jede Figur in drei Teile geteilt, von vorne durch die
schen zu Gott zu führen. Über Gottes Gabe, die Menschen zu dreieckige Form, eine dreiseitige Figur. Die Kontur der Trach-
führen, sagt Thomas von Aquin: „So wird eine Lenkung umso ten bildet ein weiteres Dreieck, dessen Spitze der Kopf des
besser sein, je größer die Vollkommenheit ist, welche vom Engels ist. Die Ärmel folgen einer Zirkellinie, die auf körper-
Lenkenden den gelenkten Dingen mitgeteilt wird."4 liche Details - wie zum Beispiel Schultern - verzichtet,
Demnach hängt die Qualität des Lenkenden von einer damit die Dreiecksform der Figur nicht zerstört wird. Die
wirksamen Kommunikation ab. Dazu dienen Trachten und Öffnung der Beine markiert ein Modul, das - dreimal wieder-
Waffen in diesen Bildern. Die Trachten erteilen dem Boten holt - der Tracht ihre gesamte Breite auf Saumhöhe gibt. Die-
Würde, und die Waffen erlauben eine Kommunikation über ses Modul lässt den Gehrock autonom vom Körper erschei-
große Entfernung. Thomas von Aquin vergleicht die göttli- nen und erzeugt die Würde dieser Figuren. Diese Würde
che Regierung mit einer Monarchie: „Bei einem König zeugt steht somit in Bezug zur Fähigkeit des Gehrocks, einen grö-
deshalb der Umstand, Vollzugsbeamte in seiner Regierung ßeren Aktionsradius für den Körper zu schaffen, der ihn
zu haben, nicht von Unvollkommenheit, sondern von trägt. Die Trinität, die höchste Würde, ist der „Gehrock" Got-
Würde: Durch die Hierarchie seiner Beamten wird die Macht tes, dessen Spielraum sich durch die Anzahl seiner drei
Körper bildet. Für drei Körper scheinen auch diese Gehröcke Bild. Dieser Apparat hat die Funktion, seinem Träger zu
geschneidert zu sein. Sie unterrichten uns auch über die einem erhöhten (Ab-)Bild von Würde und Macht zu verhel-
Mechanismen der Dignitas und der Potestas. fen, die von ihm einnehmbaren Positionen zu vervielfältigen
und so seinen Handlungsspielraum zu erweitern. Dies ist
Dreifaltigkeits-Engel und Dignitas nur möglich, wenn es eine außenstehende Position gibt, auf
Die Dignitas (Würde) ist ein Konzept des alten römischen der sich Würde und Macht sammeln und aus der heraus ihr
Rechts und bezieht sich auf „den, der ein Amt innehat, oder Mehrwert entsteht. 1 0 Diese letztgenannte Position zu
der so handelt, als ob er es haben w ü r d e V Die Vorausset- erschaffen und zu überwachen - im kolonialen Kontext
zung der Würde ist diese Distanz zwischen dem Körper und durch die der Krone gegenüber steuerpflichtigen Indigenen
dem von ihm wahrnehmbaren Bild. 8 Dieser Abstand ermög- dargestellt-, ist der eigentliche Auftrag dieser Engel: der rote
licht die Kontrolle über das eigene Bild. Giorgio Agamben Faden, den wir auch in zeitgenössischen Bildern entdecken
analysiert die Würde als etwas von seinem Träger Autono- können.
mes, wie ein äußeres Bild. Auch hier spielt die Zahl drei eine
Schlüsselrolle. Die trinitarischen Maßeinheiten der Trach- 8. Oktober 2009/Nachtrag
ten sind Körper-Distanz-Gehrock. Die juristischen Maßein- Über den Namen der Engel ist auf jedem Bild ein kleiner
heiten der Dignitas heißen jetzt: Körper-Distanz-äußeres dreieckiger Gegenstand zu sehen. Es ist eine Patronenhülse.
Bild. Auf diesen Bildern hängt die Patronenhülse nicht mehr am
Wehrgehänge der Engel. Sie wurde schon abgeschossen. Bei
Dreifaltigkeit und Potestas Gabriel und Uriel sieht man noch einen schwarzen Strahl
Eine weitere Figur des römischen Rechts, die Potestas, be- aus der Patronenhülse herauskommen. Ihre Bandeliere hän-
zeichnet jene Bürger, deren rechtlicher Handlungsraum sich gen jetzt auf dem Rücken, in farbige Bänder verwandelt.
weit über ihren eigenen hinaus auf die Körper erstreckt, die „Der Marsch der spanischen Tercien auf dem Weg von Ita-
sie sich aneignen.9 Der Handlungsraum von Sklaven, lien nach Flandern wurde zum großen Spektakel des 16. Jahr-
Frauen, Kindern und Tieren fiel mit ihrem physischen Kör- hunderts. Es wird erzählt, dass die Adeligen, die Intellektuel-
per zusammen, während ihre Herren einen weiteren recht- len und Eleganten aus Paris in ihren Kutschen bis an den
lichen Körper, eine Potestas (Macht) über sie besaßen. Auch Wegesrand ihrer Marschroute fuhren, um sie vorbeimar-
wenn auf den Bildern die Gehröcke in der Proportion zum schieren zu sehen. Pierre de Bourdeille schrieb ,Sie mar-
Engelskörper viel zu weit erscheinen, so passen sie sich per- schierten arrogant wie Prinzen und so gutaussehend, dass
fekt den Maßeinheiten dieses anderen rechtlichen Körpers alle wie Hauptmänner aussahen.'" 1 1 Die Tercien bestanden
an. Der Raum zwischen den Gehröcken und den Engelskör- unter anderen aus der Kompanie von Arkebusen-Schützen.
pern ist kein Leerraum, sondern eine rechtliche Verbindung. Als sie nach Spanien zurückkehrten, genossen sie zwar gro-
Trinität, Dignitas und Potestas unterliegen dem gleichen ßes Ansehen, waren aber arm. Manche erwarben einen
Apparat, der aus drei Teilen besteht: Körper-Distanz-äußeres Posten bei den Eroberungszügen in Amerika.

Teresa Gisbert und José de Mesa, El retorno de 5 Ebd. tud en las sociedades formalmente iguali-
los ángeles, http://www.bolivian.com/ ange- 6 Teresa Gisbert, El paraíso de los pájaros parlan- tarias", in: Revista de estudios de la juventud,
les/ index.html tes, La Paz 2001. No. 83, Madrid 2008.
María Victoria Álvarez Rodríguez, Los ánge- 7 Giorgio Agamben, Was von Auschwitz bleibt: „Los Tercios de Flandres". http://patriotas-
les arcabuceros de Calamarca. Universidad de Das Archiv und der Zeuge, Frankfurt am Main hispanos.iespana.es/tercios.htm (eigene Über-
Soldat mit Arkebuse, Salamanca, http://www.liceus.com/cgi-bin/ 2003. setzung).
Musketier mit geschulterter ac/pu/TRABAJO_ANGELESi r.pdf. 8 Ebd.
Muskete, Natividad Sánchez Esteban, „Sobre los arcán- 9 Yan Thomas, „La diferencia de los sexos en el
Musketier auf Wache mit geles", in: Revista virtual de lafundación univer- derecho romano", in: Georges Duby und
aufgelegter Muskete, sitaria española (=CUADERNOS DE ARTE E Michelle Perrot (Hg.), Historia de las mujeres
Musketier beim Bedienen ICONOGRAFIA / Tomo IV -8), 1991. http:// en Occidente, Madrid 1993, S. 1 1 5 - 1 7 2 . http://
der Pfanne www.fuesp.com/revistas/pag/caio811 .html www.pandectasperu.org/revista/no 200410/
© bpk / Kupferstichkabinett, Giorgio Agamben, Die Beamten des Himmels. ythomas.pdf
S M B / Volker-H.Schneider Über Engel, Frankfurt am Main 2007. 10 Ana de Miguel Alvarez, „Feminismo y Juven-
Letiel Dei (Details)
Aus: Der Engelapparat
Sonia Abián, 2010

Der Engelapparat
Sonia Abián

Im „Engelapparat" zeigt sich die ursprüngliche Funktion der dien und Zeitungsartikeln. Die Gesetze stellen die Bedingun-
Arkebusen-Engel bis zur Gegenwart. Im Vizekönigreich gen her, um einen Mehrwert aus der Beziehung zu anderen
bewachen die Arkebusen-Engel den Evangelisierungs- und zu erzeugen. Die Artikel sind wie zufällige Fundstücke, die
Ausbeutungsprozess, und zur gleichen Zeit gestalten sie die uns die Wirkung dieser Macht über andere zeigen können.
dazu notwendigen untergebenen Subjektivitäten. Jetzt aber Diese Wirkung entspricht aber dem eigentlichen Ziel. Die
wachen Gabriel und Letiel über die Hegemonie des Männer- Muster der Kleidungsstücke beinhalten ein Archiv von
bildes, während Uriel und Laeiel territoriale Grenzen über- Gesetzen und Maßnahmen zur Wahrung des Rechtskörpers
wachen. Beides entspricht der gegenwärtigen Gewalt gegen und seiner Kontinuität bis heute.
verschiedene Gruppen. Zum Beispiel:
Die Originalbilder der vier bewaffneten Engel sind in ver- Anfang des 17. Jahrhunderts wurde die Leibeigenschaft
schiedene Teile aufgegliedert (auseinandergezogen wie bei im Vizekönigreich Peru aufgehoben, nur nicht, wenn die
der Analyse eines Organismus). Dabei wird ein Apparat Leibeigenschaft der Einheimischen „für das Gemeinwohl
sichtbar. Vor jedem Engel müssen wir die Position finden, in jener Provinzen unentbehrlich ist" - das sind die Gebiete der
dem sich alle Teile wieder vereinigen und den Engel auf- Zwangsarbeiter für die Bergwerke in Potosí. (Real Cédula de
bauen. Dann sehen wir den Engel so, wie der Meister aus Aranjuez, 17 de mayo 1608. Recopilación Leyes de Indias. Ley 4,
Calamarca ihn komponiert hat. Wir können die Bestandteile titulo XVII, Libro VI)
des Engelapparates nicht erkennen, aber wir erleben seine Aber wenn Ausnahmen sich nicht vom Gesetz unter-
gesamte Funktion: ein Bild wird erzeugt und mit ihm seine scheiden lassen, ist deren Verdeutlichung nicht nötig. Es gibt
Macht und seine Distanz. Jede Schicht des Apparates hat den in Spanien das Gesetz zum Schutz des Rechts auf Intim-
Auftrag, uns zu beeindrucken und uns davon zu überzeu- sphäre, Achtung der Ehre und des Rechts am eigenen Bild
gen, den Standpunkt der frontalen Ansicht nicht verlassen (Ley sobre protección civil del derecho al honor, a la intimidad per-
zu wollen. So bleiben wir wie bei einer Laterna Magica auf sonal y ala propia imagen). Dieses Gesetz hat die allgemeine
unsere Position fixiert. Tendenz, die soziale Hegemonie des männlichen Bildes zu
Doch sobald wir zur Seite blicken, lässt sich das, was hin- bevorzugen.
ter dem Bild ist, das wir eben noch sahen, erahnen. Es ist ein Physischer und Rechtskörper arbeiten im Team. Jeder
exekutiver Raum, der in der Distanz zwischen dem physi- Rechtskörper hat fünf Schichten: Gehrock, Spitzen, Gewand
schen Körper und der Kleidung entsteht. Dieser Raum ist der und Hosen; Flügel und Hut; Waffen und Hände mit Spitzen.
Rechtskörper. Er wird im Engelapparat durch die verschie- Die letzte Schicht bildet einen Index, der die angewandten
denen Schichten der Kleidungsstücke und durch ihre Quellen nachweist. Auszüge aus diesem Index können Sie
Abstände zueinander gezeigt. hier lesen. Von den Artikeln wird nur das Thema angegeben.
Wenn Sie die Muster genauer anschauen, dann werden
Sie sehen, dass jede Schicht aus Bildern und Texten besteht. i. Schicht: Gehrock
Sie stammen aus Gesetzestexten, kunstgeschichtlichen Stu- Das Muster von Gabriel und Letiel stammt von Fliesen aus
d e m 16. J a h r h u n d e r t , die sich i m Escorial b e f i n d e n . Der rote 3. Schicht: Flügel u n d Hut
B i n d s t o f f m i t A b b i l d u n g e n v o n der V e r k ü n d i g u n g M a r i a s Die F l ü g e l s e h e n w i e S p i t z e n aus, d e n n sie g e h ö r e n n i c h t
fasst eine S a m m l u n g v o n A r t i k e l n z u s a m m e n , die v o n z w e i z u m p h y s i s c h e n Körper, s o n d e r n zur K l e i d u n g , d e m Rechts-
G e w a l t f ä l l e n g e g e n F r a u e n in H u e l v a u n d S e v i l l a in S p a n i e n körper.
berichten.
Das M u s t e r v o n Laeiel u n d Uriel ist das gleiche, w i e in den Quellen: Ley Orgánica 1/1982, de 5 de mayo, sobre protección civil del derecho al
honor, a la intimidad personal ya la propia imagen (Gesetz zum Schutz der bür-
Bildern a u s C a l a m a r c a . Bei Uriel ist es m i t Z ü n d s c h n ü r e n
gerlichen Rechte auf Intimsphäre, Achtung der Ehre und des Rechts am eigenen
v e r s e h e n u n d bei Laeiel m i t EU-/Spanien-Flaggen, d e r e n Bild).
F o r m e n u n d F a r b e n s i c h v e r s c h o b e n haben. Sie b e i n h a l t e n Pedro González Trevijano Sánchez, Enrique Arnaldo Alcubilla (Hg)., Constitución y
eine w e i t e r e S a m m l u n g v o n A r t i k e l n ü b e r die A n k u n f t u n d De/-ec/?osfi;niyamenfa/es(SpanischesGrundrecht).September2009. La Ley grupo
Wolters Kluwer. www.laley.es
das V e r s i n k e n v o n pateras ( F l ü c h t l i n g s b o o t e n ) s o w i e die
Gerichtsverfahren: Abschiebung von Migranten und Migrantinnen. Frauenmordfälle
A b s c h i e b u n g v o n Migranten und Migrantinnen. A n allen in Sevilla und Huelva. Judikaturstreik in Spanien.
G e h r ö c k e n s i n d A r t i k e l ü b e r P r o s t i t u t i o n s a n z e i g e n oder Zeitungen: La Vanguardia, El País, El Periódico, Qué!, ADN, Público und 20 Minutos.
Politiknachrichten angebracht. Hacia una gestión integrada de las fronteras. El código de fronteras Schengen y el cruce
de fronteras en la Unión Europea (Das Schengenabkommen). Mariona lllamola
Dausà. Documentos CIDOB Migraciones N-15. Fundación CIDOB, Enero 2008.
Quellen: Zeitungen La Vanguardia, El País, El Periódico, Qué!, ADN, Público und
20 Minutos.
4. Schicht: W a f f e n u n d Hände m i t Spitzen
Die A r k e b u s e n - E n g e l tragen a n d e r e W a f f e n als auf den Bil-
2. Schicht: Spitzen, Kleid, Hosen dern aus C a l a m a r c a . Es sind w e i ß e Papierrollen, die auf Bil-
Die M u s t e r z e i g e n Statistiken u n d Kartografien. Bei Gabriel: dern aus der K u n s t g e s c h i c h t e das W o r t Gottes v e r k ü n d e n ;
K a r t o g r a f i e z u r P r o s t i t u t i o n in Spanien, jeder P l a y b o y h a s e der Heilige Geist, der o f t als eine auf M a r i a s Kopf oder Brust
v e r w e i s t auf ein H e r k u n f t s l a n d der Prostituierten. Uriel u n d a b g e s c h o s s e n e K u g e l dargestellt w u r d e , u n d die Lilie, m i t der
Laeiel: Jede Kerze, die a m Z e i g e f i n g e r f e s t g e b u n d e n ist, zeigt G a b r i e l M a r i a das W o r t G o t t e s v e r k ü n d e t .
A u f f a n g l a g e r f ü r I m m i g r a n t e n u n d I m m i g r a n t i n n e n in Spa-
nien, Italien u n d G r i e c h e n l a n d . Letiel: Jeder Zirkel entspricht Quellen der Papierrollen:
Bei Gabriel Beschriftung: Porque tu lo vales(\Ne\\ du das wert bist!). Werbetext ver-
3,91 e r m o r d e t e n F r a u e n in S p a n i e n .
schiedener Firmen für ihre Kosmetikprodukte für Frauen.
Annoncen für Prostitutionsangebote/-anfragen in verschiedenen Zeitungen.
Quellen: Historia de la minería andina boliviana (Geschichte des bolivianischen Berg- Bei Uriel und Laeiel: Sistema Integrado de Vigilancia Exterior SIVE(Integriertes Über-
baus). wachungssystem der Südgrenzen Spaniens/EU gegen illegale Einwanderer).
http://www.unesco.org.uy/phi/biblioteca/bitstream/123456789/422/1/0510.pdf http://www.elpais.com/graficos/espana/Asalto/vallas/Ceuta/Melilla/elpgranac/20
Ley Orgáncia 4/2000, del 11 de enero, sobre derechos y libertades de los extranjeros 050929elpepunac_2/Ges/
en España y su integración social (Gesetz über die Rechte der Ausländer in Genesis, Exodus, Levitikus.
Spanien und ihre soziale Integration). Pedro González Trevijano Sánchez, Enrique
Miguel Darío Miranda, Arzobispo Primado de México (Hg.), La Sagrada Biblia, Chicago
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Bei Letiel: Frauenmordfall in Sevilla. Infographik. Aus: Javier Martín Arroyo Todavía
Reduktionen und zugewiesenen Indiosiedlungen). buscando a Marta (Weiter auf der Suche nach Martha), El País, 28. Februar 2009.
Libro VI Título IXde los encomenderos de indios (6. Buch 9. Titel. Über die Encomen- Quellen Heiliger Geist:
deros, Statthalter von zugewiesenen Indiosiedlungen). Bei Letiel: Gerichtsverfahren gegen Richter Garzón. Karte der Massengräber des
Recopilación de Leyes de /mtós(Samlung der Kolonialgesetze, 1680). Franco-Regimes.
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Auffanglager für Immigranten: /20050929elpepunac_2/Ges/
http://www2.ohchr.org/english/bodies/hrc/docs/AdvanceDocs/APDHA2Spain94_sp.pdf Katholisches Wörterbuch.
http://it.wikipedia.org/wiki/Centro_di_permanenza_temporanea Miguel Dario Miranda, Arzobispo Primado de México (Hg.), La Sagrada Biblia.
http://www.zeit.de/2OIO/O6/DOS-Fluechtlinge Chicago, 1971.
U n s e r e „ E n g e l a n a l y s t i n " s t e l l t f e s t , d a s s die Zahl drei bei d e m S c h n i t t der U n i f o r m e n eine w i c h -
tige Rolle spielt. „ D u r c h d e n g e ö f f n e t e n G e h r o c k w i r d j e d e Figur in drei Teile g e t e i l t . . . die K o n t u r
der T r a c h t e n bildet ein D r e i e c k . Die Ä r m e l f o l g e n e i n e r Zirkellinie, die auf k ö r p e r l i c h e Details v e r -
A mm ziehtet, d a m i t die D r e i e c k s f o r m d e r Figur n i c h t z e r s t ö r t w i r d . " Sie bezieht diese Zahl, die d e n Kör-
M J per, seine Distanz zu s i c h s e l b s t u n d s e i n ä u ß e r e s Bild r e g u l i e r t , auf A t t r i b u t e des r ö m i s c h e n
Rechts, M a c h t und W ü r d e . A u f d e m R ü c k e n d e s Gabriel h ä n g t ein Trinitätsbild. N i c h t der d r e i g e -
s i c h t i g e Kopf ist so a u ß e r g e w ö h n l i c h an i h m , s o n d e r n die z e n t r a l e A n w e s e n h e i t der M a r i a . „ B e i d e n Trinitäts-
d a r s t e l l u n g e n e r s c h e i n t M a r i a m e i s t e n s w e i t e r u n t e n und a u ß e r h a l b d e s D r e i e c k s , das der Heilige Geist, V a t e r
und S o h n bilden. In d i e s e m Bild e r s c h e i n t M a r i a m i t t e n im D r e i e c k der Trinität.... Die A u ß e n s e i t e n d e s D r e i e c k s
b i l d e n N e g a t i o n e n : Vater ist nicht Sohn ist nicht Heiliger Geist ist nicht Vater... Innerhalb des Dreiecks kann
î/maTrinidad
Santísima TnniHaH
m a n A f f i r m a t i o n e n lesen: Vater ist Gott ist Sohn ist Heiliger Geist ist Gott ist Vater ist Gott... Maria befindet Anonym
18. Jahrhundert
s i c h in d i e s e r z w e i t e n G r u p p e d e r a f f i r m a t i v e n Sätze, es ist aber, als w ä r e sie n i c h t da, d e n n sie k a n n an d e n
Museo Colonial Charcas,
S ä t z e n n i c h t t e i l n e h m e n , da ihr k e i n e s d e r W o r t e e n t s p r i c h t . Diese a b w e s e n d e A n w e s e n h e i t ist das, w a s Gior- Universidad San Francisco
Xavier de Chuquisaca
gio A g a m b e n e i n e n , i n k l u s i v e n A u s s c h l u s s ' n e n n t . Die Sätze d e f i n i e r e n Gott, i n d e m sie ihn b e j a h e n . D a n k
M a r i a s Bild w i r d a u c h n o c h das, w a s a u ß e r h a l b Gottes bleibt, d e f i n i e r t . " (Sonia A b i á n )

Trinidad dem Gott des Gewitters Illapa. Die Spanier sehen Santiago
als Sieger über die Indios. Die Indios wiederum sehen in ihm
den Strafenden, den Blitz, das Gewitter, den Sturm.
In Cusco gibt es einige Bilder Santiagos, die den Heiligen
Die Kuratoren: Gab es in der sakralen Kunst eine Hierarchie der nicht als „Mohren tötend", sondern als „Indios tötend" dar-
Inhalte? Gab es ein Programm, nach dem gearbeitet wurde? Was stellen. In Bolivien hingegen haben wir keinen „Santiago
wurde von den Konzilen vorgegeben ? Mata Indios" gefunden. Der Heilige steht für den eben
Teresa Gisbert: Das Konzil von Trient war wichtig. Es erwähnten Moment, in dem sich beide Vorstellungen für
hatte aber einige Dinge aus Europa verbannt, etwa die Dars- immer mischen. Spanier und Indigene verehren ihn als
tellung der Dreifaltigkeit mit einem Körper und drei Köpfen etwas Verschiedenes, aber niemand macht daraus ein Pro-
- das wirkte in Europa monströs. Hier wurde diese Form der blem.
Repräsentation akzeptiert, denn es gab eine Gottheit namens Das Gespräch mit Teresa Gisbert wurde am 16. 01. 200g
Tanga Tanga, die drei Köpfe hatte. Die Trinität mit einem in La Paz gefiihrt.
Körper und drei Köpfen ist in Bolivien relativ geläufig. Sie
wurde, anders als in Europa, nicht als abstoßend empfun- Kaum ein anderes Motiv zeigt die Rigidität des christlichen
den. Ein weiteres Beispiel sind die Engel aus dem Buch Dogmas in Bezug auf die Subjektivierung der Frau so deut-
Henoch, die das Wetter und die atmosphärischen Bewegun- lich wie die Trinität. Die Unterwerfung unter das Regime der
gen des Himmels beeinflussen konnten. In fast allen ländli- Repräsentanten Gottes funktioniert wie die Freigabe des wei-
chen, also indigenen Kirchen, findet man diese Engel: Sie blichen Körpers analog zur selbstverständlichen Ausbeu-
ersetzen die Anbetung der Sterne. Durch diese Mischung ver- tung der Natur und ihrer Ressourcen.
suchte man, den indigenen Glauben und den Katholizismus
In seiner Genealogie der grundlegenden Strukturen des
einander anzunähern. Kapitalismus hat der argentinische Philosoph León Rozitch-
Aber nicht nur bei den (bewaffneten) Arkebusen-Engeln ner in seinem Buch La cosa y la cruz die Aufhebung des wei-
war es so. Auch Santiago wird bis heute sehr verehrt. Ur- blichen Körpers und des Begehrens im Dogma der Trinität
sprung dieser Verehrung ist der Suntu huasi, der Aufstand des in Zusammenhang mit seiner ökonomischen Verwertung
von den Spaniern gekrönten Inka Manco II. Nach seiner Krö- gebracht. Er entwickelt eine materialistische Kritik an der
nung versuchte Manco die Spanier gewaltsam zu vertreiben. Entfremdung des Konzepts „Frau" vom Körper:
In einem der Kämpfe flohen die Spanier in eine einfache, mit „Die Vorstellung des Eins-Seins/der Dreieinigkeit ist die
Stroh gedeckte Kirche, die die Indios dann mit brennenden abstrakte Verwandlung des qualitativen Inhalts in sein ver-
Pfeilen beschossen: Verzweifelt riefen die Spanier „Santiago, schobenes Gegenteil. Als Heiliger Geist findet sie letztlich
Santiago, Santiago." Da zog ein fürchterliches Gewitter auf. das Diffuse wieder, das jeglicher Verkörperung vorausgeht:
Die Indios identifizierten deswegen Santiago mit dem Blitz, Es ist das Fleisch, das Nächste und das Umfassendste - aber
ein subtiles, ätherisches, nicht greifbares, ausgedehntes, gas- seinem Buch Die Eroberung Amerikas sagt Tzvetan Todorov,
förmiges Fleisch. Alles Mater-ielle, alles Feste, löst sich in Luft dass der politische Umgang mit dem Bild einer der wichtigs-
auf und bildet dabei das, was die Worte als „Geist" und als ten Aspekte war, der einer spanischen Minderheit die Möglich-
„Wort" ergreifen, als gespenstischen Windhauch, als beseelte keit gab, eine indigene Mehrheit zu unterwerfen. Der Umgang
Stimme." 1 mit Bildern zeigt, so der Autor, ,dass das geistige Universum der
Diese strategische Naturalisierung des Anderen und seine Spanier bereits einen Platz für den Anderen hatte'. 2
Verschränkung mit den ökonomischen Prozessen der Ge- In der Santísima Trinidad ist dieser Andere körperlich
schichte des Kapitalismus tauchen immer wieder im Projekt anwesend. Es ist die Figur der Maria. Der Sohn hätte sich
Das Potosi-Prinzip auf. Es bildet etwa in den Arbeiten von ohne sie nicht in jenes Instrument verwandeln können,
Sonia Abián, Ines Doujak, Elvira Espejo, Maria Galindo/ durch das Gott die Menschheit führt. Trotz ihrer Unverzicht-
Mujeres Creando einen der wichtigsten Erzählstränge. Die barkeit bleibt Maria außerhalb des göttlichen Regierungsap-
Frage nach der Dreifaltigkeit ist seit Augustinus ein zentra- parats. Sie bleibt das unmittelbar Andere der Trinität.
les Thema der Religionstheorie. Die Inklusion/Exklusion Das Bild stellt die Trinität auf zwei Weisen dar: eine an-
und die Aufhebung Marias im Dogma der Dreifaltigkeit ist thropomorphe - die männliche Figur mit drei Gesichtern -
eine These, die Sonia Abián besonders beschäftigt hat. und eine abstrakte, das dreieckige Schema, das aus miteinan-
MJH der verbundenen Namen und Verben besteht. Maria befin-
det sich mitten im Text. Aber da sie Bild ist und ihr kein Wort
entspricht, bleibt sie ausgeschlossen. Ihre Funktion ist, im
Text das zu bezeichnen, was die Trinität nicht ist.
Der Trinitarische Apparat
Marias Platz als Andererist keine Erfindung dieses Bildes.
Sonia Abián
Von Anfang an befindet sich Maria durch eine Ausnahme
im göttlichen Plan eingeschlossen: durch die Sublimierung
Es gibt einen roten Faden, der die Engel von Calamarca mit ihrer Sexualität. Über die Ausnahme im Allgemeinen sagt
der Darstellung der Trinität verbindet. Es handelt sich um der Philosoph Giorgio Agamben, sie sei „ein individueller
das Konzept der Würde und des Anderen. Bei den Bildern der Fall, der aus dem allgemeinen Gesetz genommen wird".3
Engel von Calamarca wird unsere Aufmerksamkeit auf die Wenn die Ausnahme Maria vom Geschlechtsverkehr aus-
Breite ihrer Kleidung gelenkt und diese werden als Quelle nimmt, um sie so als Mutter von Gottes Sohn für würdig zu
ihrer Würde beschrieben. In meiner Arbeit ,Der Engelap- befinden, dann folgt daraus, dass Frauen dem Wesen nach
parat' befindet sich diese Quelle im konkreten Raum zwis- unwürdig sind, d. h. dass ihr Bild mit ihrem Körper zusam-
chen der Kleidung und dem physischen Körper der Engel. menfällt und sie deshalb nur mafer-ial sind. Indem die Ver-
Dieser Raum funktioniert wie ein Medium göttlicher und bindung zwischen Maria und Sex unterbrochen ist, d. h. die
menschlicher Macht. Hier wird der Andere gesetzlich gestal- normalisierte Entwürdigung der Frauen aufgehoben ist,
tet, seine Unterordnung wird normalisiert, um aus ihm wird sie würdig. Der „einschließende" Ausschluss Marias
ungehindert Mehrwert zu erhalten, deshalb kann dieser in der Trinität entspricht dieser Beziehung zwischen Gesetz
Raum auch Rechtskörper genannt werden. und Ausnahme. Durch diese „einschließende" Ausschlie-
Der Andere besitzt kein äußeres Bild. Göttliche und ßung macht der Trinitarische Apparat (das Gesetz) die
menschliche Würde brauchen ihn, um regieren zu können. In Frauen zur produktiven Funktionseinheit der Bevölkerung.

1 León Rozitchner, La cosa y la cruz. Cristian-


ismo y Capitalismo, Buenos Aires 1997, S. 342.
2 Tzvetan Todorov, La conquista de América. El
problema del Otro, Madrid 2010, S. 1 r9.
3 Giorgio Agamben, Homo Sacer. El poder sobe-
rano y la nuda vida, Valencia 1998, S. 30.

Es wird höchste Zeit, eine Pause zu machen und zu überlegen, was auf dieser Route passiert. Es geht eindeu-
tig um den Staat, seine Gewalt und seine Gesetze, die den Prozess der Akkumulation bedingen und begleiten,
und es geht um die Möglichkeit eines Mandats dagegen und darum, aus welcher Legitimität es sich speisen
kann. Aber das ist zu einfach. Es tut so, so als ob diese Gewalt etwas Äußeres sei.
VVfe Betrachten Sie noch einmal die Zeichnung des Tauchers auf der Rückseite der gegenüberliegen-
^ ^ ^ ^ den Wandfläche. Die spanischen Schatzschiffe rufen so viel Aufmerksamkeit und Begehren her-
^ L g ^ vor, dass es in der Karibik zu unzähligen Attacken von Freibeutern - mit Stützpunkten in den Kai-
I maninseln, B a r b a d o s - i m Dienstderanderen europäischen Mächte kommt. Viele Schiffe sinken.
Der Indienrat ordnet an, dass auf jeder Flotte Taucher mitfahren sollen, um die Münzen wieder
vom Meeresgrund zu bergen. Die andauernde Kompression während des Tauchgangs verursacht
^ ^ einen Ausschlag zwischen den Schulterblättern der Taucher und eine Verfärbung der Haare,
sodass man sie „Engel" nennt.
Die Zeichnung ist wahrscheinlich das Angebot einertechnischen Erfindung, um besserauf den Meeresgrund
zu kommen. Man kann den Anzug über eine gesamte Rüstung aus Eisen stülpen. Die Schläuche pumpen Luft
in ihn hinein und bilden eine Art Kompressionskammer. Der Stock in der Hand ist eine Waffe, um sich gegen
Meeresungeheuer zu verteidigen.
Zeitgleich ordnet der Indienrat an, dass genau verfolgt wird, wie viele der registrierten /W/fa-Arbeiter bei der
Máquina hidroándrica o vestidura
Ankunft in Potosí fehlen. Wenn auch nur einer fehlt, schreibt der Zeitgenosse Antonio Ayanz, „wird ein Justiz- para cubrirse un hombre dentro
del agua
beamter auf Tagegeld von Potosí ausgesandt, um Ersatz für die Fehlenden in gleicher Anzahl aus ihrer Pro- Alejandro Duránd
vinz zu holen." Das Bild, das diese Regierung von sich selbst vermitteln möchte, sagt: So besessen ist diese 1720, Archivo General de Indias
Sevilla.
Regierung, dass sie jede Münze und jeden Arbeiter zählt. So allmächtig ist sie, dass sie den Verlust der Mün-
zen durch den Einsatz der Arbeiter beziehungsweise ihres Lebens aufrechnet.

Lesen Sie den Bericht von Antonio de Ay ans auf Seite 274/. (Spanisch).

Noch ein letztes Mal kommen wir also auf die Listen auf der anderen Seite der Wand zurück: „Zwi-
schen 1680 und 1730 gab es im Vizekönigreich Peru im Rahmen der Nuevas Leyes de Indias eine
Zinsreform. Dieses Datum fällt mit der Herstellung der Calamarca-Engel zusammen. Bisher wur-
«I ^ ^ den die Zinsen nicht individuell, sondern von den indigenen Gemeinden als Ganzes bezahlt. Ab
I I I jetzt aber wurde jeder einzelne Körperfürdie Krone sichtbar und es entstehen die Padrones, Ver-
zeichnisse der Indígenas, durch die sie identifiziert und klassifiziert wurden. Diese Abgaben bezo-
gen sich nicht nur auf Personen, sondern auch auf Produkte wie Wein und Coca. Es verändern sich damit
sowohl die indianische Gesellschaft wie ihr Markt. Es entstehen Haciendas, die von den Indígenas produ-
zierte Produkte an diese verkaufen und sie so in eine chronische Verschuldung und Abhängigkeit führen. Die-
ser Prozess ging mit der Besetzung und Enteignung des Landes einher." (Sonia Abián)
Die Nuevas Leyes sind Resultat eines Prozesses, der mit der Bulle „Sublimis Deus" begann, die Papst Paul
III. 1537 an den spanischen König verfasste und festlegte, dass Indios keine Sklaven waren. Er wurde fortge-
führt in den Disputen von Valladolid zwischen Las Casas und Sepúlveda, in denen es um die Anerkennung
einer indigenen Seele ging. Aber diese Anerkennung führt sofort zur Missionierung der Seelen. Die Produk-
tion von Bildern ist das bedeutendste Medium dieser Humanisierung. Die Bilder sind wie Kontrakte, die die
neue Seele identifizieren und die Rechtmäßigkeit dieser Unterwerfung besiegeln. Können wir daraus
schließen, dass Kunst ausschließlich eine Funktion in diesem Gewaltzusammenhang wahrnimmt, mit der das
„Humanwerden" des Menschen verbunden ist, in dem Sinne, dass das Versprechen, Subjekt zu sein, zugleich
seine Unterwerfung einschließt?

Lesen Sie die Bulle „Sublimis Deus" auf Seite 275 (Spanisch).
Schauen Sie noch einmal auf das Bild links neben der Tür zur Kammer der Karl Marx School of the
1 English Language: Ein Maler liegt auf dem Boden seines Ateliers. Er muss ohnmächtig oder betrunken
^ ^ sein. Ein Engel hat den Platz an der Staffelei eingenommen. Hinter ihm auf der Fensterbank lehnt ein
Druck, der dem Gemälde als Vorlage dient (den Druck, das Porträt von Franziskus von Paola, können
Sie auf der anderen Seite in der Kammersehen). Dieses Bild, das aus Sevilla und nicht aus dem Vizekön-
igreich Peru stammt, war ein Initial und zugleich eine andauernde Provokation in unserem Projekt. Wir
vermuteten, dass der Maler gerade Visite des von der Himmelsregierung einbestellten Beamten hat,
der die Richtigkeit der Darstellung bewacht und die Arbeit korrigiert. Es zeigt eine ohnmächtige künstlerische Praxis,
die sich der göttlichen Macht so wenig entgegenstellen kann wie einem geschichtlichen Prozess-zum Beispiel dem
der ursprünglichen Akkumulation. „So, what are you insisting on? You are insisting on going beyond art's limits? So
you want to stop to be an artist?" (KMSEL), ist eine Streitfrage der Diskussion in der Kammer. Sie zeigt die Repres-
s i v s t , die in der Zuweisung „Künstler sein" liegt. Die Anerkennung, Künstler zu sein, wird an die Exklusivität gekop-
pelt, nichts als nur Künstler sein zu dürfen. Wir sind in diesem Projekt immer wieder auf dieses Diktat der Identität
Retrato milagroso de und der Identifizierungen gestoßen (Künstler, Kurator, Aktivist, kolonisiert, dekolonisiert, der Hiesige, der Andere,
San Francisco de Paula
Lucas Valdés indigen, spanisch, deutsch sein). Dieses Diktat verurteilt jeden Widerstand gegen die Engel der Macht oder der
ca. 1710
Museo de Bellas Artes, Sevilla
geschichtlichen Prozesse als eine Unwahrheit und eine angemaßte Freiheit. Viele der hier vorgestellten Arbeitswei-
sen sind verknüpft mit einer politischen Praxis, die gegen dieses Diktat der zugeschriebenen Identität und der fina-
len Macht der Geschichte verstößt, weil sie die Intervention in die Verhältnisse wichtiger finden als ihre Wahrheit.

Ein wunderbares Bild Doch kehren wir zurück nach Sevilla. Vielleicht war es eine
göttliche Eingebung, die Lucas Valdés' Maler zu Boden warf.
David Riff Vielleicht überwältigte ihn die Ekstase des Ausdrucks gött-
In einem Brief an Dmitry Gutov. licher Wahrheit und ihrer glorreichen Macht. Das wäre
Berlin, im Sommer 2009. nachvollziehbar. Schließlich malt er eine Ikone, ein wunder-
bares Bild des San Francisco de Paula, ein so glanzvolles Bild,
dass Menschenhand es nicht vollenden kann. Ein zeitgenös-
Du hast das Bild von Lucas Valdés, einem Maler aus Sevilla, sisches Bild, es hängt nahe diesem in Sevilla, porträtiert den
gewählt. Es ist kein Werk aus Südamerika, es entstand gleichen Heiligen: Hier verhindert er, dass ein Erdbeben eine
Anfang des 18. Jahrhunderts in Spanien. Wir sehen darin das Stadt zerstört. Wir sehen einstürzende Häuser. Und lernen
Atelier des Künstlers, seinen Arbeitsbereich perse, einen tri- gleichzeitig in einem seltsamen Kommentar, dass dieses Mal
sten, öden Raum mit nur einem kleinen Fenster auf der lin- keine Engel beteiligt sind.
ken Seite. Das Zimmer ist leer, ohne Einrichtungsgegen- Unser Bild des „gefallenen Künstlers" vermittelt, dass die
stände, ohne Möbel. Es ist gleichsam eine räumliche tabula kultische Repräsentation nicht direkt von einem im Namen
rasa. In diesem archetypischen Interieur befinden sich zwei Gottes Handelnden stammt, sondern vielmehr die Kopie
Figuren: ein Maler (auf dem Boden liegend) und ein Engel, eines Druckes ist, der am linken Horizont auf der Fenster-
der das Gemälde vollendet. Die Füße des gefallenen Malers bank erkennbar wird. Ein Exemplar dieses vermutlich bei
erinnern an Andrea Mantegna. Ist es das, was dir daran der Plantin-Presse in Antwerpen hergestellten Druckes fand
gefiel? Oder hattest du andere Gründe für deine Wahl?... Ich also seinen Weg zurück nach Sevilla, ein anderes in die andi-
mag dieses Bild, denn es erinnert mich an Kunsträume, an nen oder philippinischen Kolonien. Die Perspektive der Dar-
den Prototyp des White Cube, eine Zelle, die den Raum des stellung stimmt nicht. In Frontalansicht erinnert sie an eine
Kommerziellen emuliert, der mit allem gefüllt werden kann, auf die Leinwand geklebte mechanische Reproduktion, die
in dem alles wertvoll ist. Ich bin immer wieder überrascht, den ansonsten kohärenten dreidimensionalen Raum durch
wie viel Gewalt dieser Raum transportiert, wenn wir ihn in seine vollkommene Flachheit destabilisiert. Gleichzeitig öff-
unseren postsowjetischen Alltag einfügen. net diese Flachheit den Raum der Geschichte: einen Raum
der globalen Kunst scheinbar „wirkmächtiger Bilder", die Apropos: Ich las gerade wieder diesen berühmten Abschnitt
von Manila nach Potosí reisen, einen gesellschaftlich und über die virtuose Höllenfahrt, das Kapitel über die so
mit der unglaublichen Gewalt primitiver Akkumulation genannte primitive Akkumulation im ersten Band des Kapi-
produzierten Raum. Könnte es dieses Bewusstsein von der tals. Dies ist genau der Hintergrund, vor dem wir die Gewalt
Produktion sein - mit all der Gewalt, die der Begriff impli- und die menschliche Verausgabung, um die es uns hier geht,
ziert - , die den Maler zu Boden warf? verorten. Ähnlich den kriminellen Privatisierungen der Ka-
Oder straft ihn der Engel, weil er vom richtigen Weg tastroika der 1990er-Jahre, die der Prozess waren, der schließ-
abkam? Der Engel ist ein Zensor, und mehr noch: Er ist die lich all unsere Kunsträume und White Cubes produzierte.
Figur der absoluten Entsubjektivierung, eine göttliche Zahlreich die Episoden der Enteignung und Vertreibung!
Instanz, eine Totalität, eine ganz und gar fremde Kraft. Nicht Vielleicht inszeniert der auf den Boden geworfene Maler die
der Maler malt, „Es" malt. Der Engel muss nicht auf die zweifelhafte proletarische Freiheit, nicht zu sein, die verbor-
Reproduktion blicken. Tatsächlich betrachtet er den Maler, gene Garantie des kapitalistischen Subjekt-Seins. Das Indi-
erfüllt von automatisiertem, christlichem Mitleid, der viduum - selbst wenn es nichts besitzt - besitzt doch seine
Empathie eines Herrn für seinen neuen Sklaven. Dieses „Seele" und seine ihm angeborene Fähigkeit, virtuos zu
fromme, gänzlich herzlose Gefühl ist eine edlere Version des arbeiten. Diese kann es entfremden oder an einen vorüber-
Aktes, durch den der indigenen Bevölkerung eine Seele zuge- gehenden Engel verkaufen, der es dann aussaugen, verzeh-
sprochen wird, u m sie dann in die Silberminen und den ren und schließlich als Material entsorgen wird. Wenngleich
damit nahezu sicheren Tod zu schicken. „Arme Hunde: Sie als Material, das einen Namen hat: ein Sklave, der von seinem
wollen euch wie Menschen behandeln!" Herrn anerkannt wird. Ein Sklave mit dem grundlegend
menschlichen Recht, konsumiert zu werden.

Karl Marx School of the English DG: It is...


KC: And Dostoyevsky.
Language DR: Institutionally.
DG: Institutionally art.
Teil 2
KB: Homer describes the violence of the fight.
DG: But in mirrors, mirrors...
KC: So being ugly... DR: But it hasn't attained.
DG: W h e n we deal with this horrible violence... KB: Private property can exist under slavery, feudalism, and
KC: Can you describe? capitalism.
KB: Is it undescribable... DG: Comrades, comrades.
DG:... it is... KB: This is what Marx is writing about.
KB: Or do we just stop our ability to see the world...
DG: So. The instrument of painting is not enough. DG: Any kind of virtuousity... looks like shit... in front of this
KB: But it can depict the whole picture of what is going on... subject. So in this case, it's better not to be an artist, it's bet-
DG: Of course, you can depict some aspect... ter to be Marx and to do it directly.
KC: But what about Goya!? When I was a child and I saw the DR: It's not art?
paintings of Goya, it was the horror... DG: It is art bu t...
KB:... and it was the great painterly manner ... and I would DR: It's art!
like to emphasize that this private property is the flipside of DG: It is only art because Marx didn't do...
slavery and serfdom. DG and KC:... art.
DG: You have to stop... DG: If you are trying to do art, the result will be like this artist.
You will be lying on the floor and waiting for an angel.
KC: Let's remember Viennese Actionism which I don't like
at all. KC: So, what are you insisting on. You are insisting yourself
DG: You have to change your profession. on going beyond art's limits? So you want to stop to be an
KB: Marquis de Sade: the famous thinker of violence. artist?
DG: No, no, you see... DR: It's worse.
KC: Or you yourself want to remain within the limits of this DG: My justification of opportunism is a hundred times
artistry? closer...
DG: Yeah, absolutely. You have to make your decision. If you DR: You're sitting here, reading Marx.
are going to be a painter... DG: Okay.
KC: What is your decision? DR: You have this text in front of you.
DG: You see... DG: You can't change...
DR: You have an idealistic dispositive of art. KC: Dmitry, this is the phrase...
DG: Yes. DG:... you can't change the laws of nature.
KC: This is the point of our argument. KC: What is revolution then? Why revolution is needed?
DR: It's what, it's God? IB: It is a part of this law.
KC: Yeah, it's God! DG: Of course!
DG: No! The law...
IB: But we are talking about society. About human society.
DG: Human society?
IB: Human society! We are now talking about human soci-
ety.
KB: Human society is also the subject of gravity.
IB: We are talking about productive forces.
DG: Absolutely.
IB: We are talking about property. We are not talking
about...
DG: No.
KC:... he begets, but in a very
DG: You see, your strategy...
KC:... longer perspective. It's like when the second coming
will be.
DG: No, not the second coming...
KC: So if we don't perserve in its coming.
KB: Dima, it will be.
DG: No! It says here.
IB: It's a basic understanding what a social formation is
about.
DG: The workshop of Veroccio. Veroccio had a workshop...
K C : Tbl KaK TO B cou,nyMe >KHBeuib. Tbi He MO^Ketub npocTO
rfle TO >KHTB Ha Kyjianice 3eMJin.
DG: In English.
KC: I can tell you what I think.
DG: I like it. This is my idea. Why do you look at me like that?
I can look at you like that! Lesen Sie das Interview mit David Riff über die Biennalisierung
IB: I... von der Kunstszene in Moskau auf Seite 2y6ff. (Englisch).
DG: You see, this phrase ...
KC: But what precedes this phrase? „Man kann mit Pathos diese Widersprüche nicht glätten.
DG: A law of nature. Man kann nicht einfach sagen, wir pfeifen auf euren Hyper-
KC: It's torn out of context. Kapitalismus, wir hassen euch, wir machen unseren Exodus
DG: Comrades! aus der Kulturindustrie, wir sitzen in unserem autonomen
DR: The only thing that is interesting to you is this meta- Gebiet und machen nur Kunst und Diskurs. Das ist
physical structure. unmöglich. Aber gerade dieses Unmögliche machen wir."
DG: It's not metaphysical. It's a very practical question.
KC: You sound as a justification of opportunism.
DG: I know all this accusations.
¿Cómo podemos cantar el canto ajeno en la tierra del Señor
Wie können wir das fremde Lied im Land des Herrn singen?

CEiMCEICE
n n n n

Am Ende ihres zweiten Wegs zur Ausreise aus dieser Macht der Geschichte und am Beginn der letzten Route
müssen wir damit fortfahren, nach der Kontinuität dieser korrupten Allianz von Schönheit und Humanität zu
fragen (Christentum und Merkantilismus / Menschenrechte und Marktwirtschaft), die seit der Conquista als
Legitimation dient, in deren Namen bis jetzt Kriege geführt und Bilder ex- und importiert werden.

Kehren Sie zum Eingang zurück. Links neben der Tür sehen Sie, wie eine spanische Karavelle
1492-1992. Quinto Centenario
zwischen zwei Regalen mit Flaschenpost hin und her kreuzt. Ihre Fracht besteht aus Ungeheu-
de la Conquista ern, und man weiß nicht genau, ob sie tatsächlich nur aus Europa nach Amerika transportiert
León Ferrari
1992 S werden, oder ob diese Fracht ein Gewaltverhältnis beschreibt, das andauernd zwischen beiden
Buenos Aires ^ J Kontinenten hin- und herspringt. 2004 wurden während einer Retrospektive mehr als 10 Flaschen
von wütenden Christen zerstört. Der Angriff auf die Ausstellung w a r d a s Z i e l einerHetzkampagne
der Kirche und der konservativ-reaktionären Verbände in Buenos Aires. (Durch Jahrzehnte hindurch ist der
Künstler ein beharrlicher Feind der kirchlichen Repressionen.) Zugleich fand sie engagierte Verteidiger, eine
seltene Allianz aus Bildungsbürgertum, Teilen der Regierung, Menschenrechtsgruppen. Sie wurde ein Exem-
pel für die Wahrung der künstlerischen Freiheitgegen die katholischen Verbände, deren Mittäterschaft in den
o.T. Verbrechen der argentinischen Diktatur sehr gegenwärtig ist.
León Ferrari
2010
Buenos Aires Es gibt eine kleine Arbeit, die auf die Hölle von Caquiaviri antwortet: Sie kehrt die Hölle in ein Paradies um.
Sticker von Blumen und Schmetterlingen, wie sie Mädchen gerne kaufen, sind auf einer Reproduktion des
Bildes aufgeklebt.

Briefe an den Papst einem Treffen von Menschen, die sich aus den gleichen
Gründen und Verhaltensmustern zusammengehörig fühl-
Léon Ferrari ten wie die Verurteilten Buonarrotis in der Sixtinischen
Kapelle. Man gründete den Verein CIHABAPAI, der sich u m
Als Papst Johannes Paul II. vor einigen Jahren in der Sixtini- das Jenseits kümmern und den Papst um die Annullierung
schen Kapelle zu Füßen des Jüngsten Gerichts von Michel- dieses Gerichts bitten sollte. Der folgende Brief, der von 1 5 0
angelo 19 Kinder taufte, forderte er ihre Eltern dazu auf, die Künstlern, Schriftstellern und weiteren ob der Aktualisie-
Fresken zu betrachten, die „das Glück derjenigen" zeigen, rung der apokalyptischen Drohung durch Johannes Paul II.
„die Jesus Christus gewählt haben" und „die Verzweiflung besorgten Personen Unterstützung erfuhr, wurde letzte
derer, die von ihm zurückgewiesen werden". Letztere, fügte Weihnachten abgeschickt. Da wir noch keine Antwort erhal-
er hinzu, „erfahren aufgrund ihres Ungehorsams gegen den ten haben, wird die Bitte demnächst mit weiteren Unter-
Herrn die Ewige Strafe". stützerstimmen erneut gesendet.
Diese Nachricht (La Nación, 09.01.1995), das reproduzierte
Kunstwerk, die Aufforderung des Papstes und die daraus
resultierende Überlegung, führten einige Jahre später zu Aus: Página 12, 6. Januar 1998
Erster Brief an den Papst Zweiter Brief an den Papst
Johannes Paul II. Johannes Paul II.
Vatikanstadt Vatikan
Buenos Aires, 24. Dezember 1997 Dezember 2000, nochmals 2001
Betreff: Für ein Jahrtausend ohne Hölle

Sehr geehrter Herr, Sehr geehrter Herr,

das Ende des Jahrtausends ist nah. Möglicherweise warten im Artikel 5 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
die Apokalypse und das Jüngste Gericht schon bald auf uns. (1948) heißt es: „Niemand darf der Folter oder grausamer,
Wenn es stimmt, dass sich, wie es das Evangelium voraus- unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder
sagt, nur wenige retten werden, beginnen dann für den größ- Strafe unterworfen werden."
ten Teil der Menschheit unendliche Höllenqualen. Um dies Der Artikel 1 des Übereinkommens gegen Folter und andere
zu verhindern, müssen wir zu Gottes Gerechtigkeit der grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung (1984)
Schöpfungsgeschichte zurückfinden. Wenn er Evas Unge- definiert Folter als „jede Handlung, durch die einer Person
horsam mit dem Ende unserer Unsterblichkeit bestraft, ist vorsätzlich große körperliche oder seelische Schmerzen oder
es nicht gerecht, dass sein Sohn sie Jahrhunderte später Leiden zugefügt werden, zum Beispiel um von ihr oder
wiederherstellt, nur um unsere Leiden zu verlängern. Wenn einem Dritten eine Aussage oder ein Geständnis zu erlangen,
ein Teil der Dreifaltigkeit ein Urteil fällt, dessen Strafe mit um sie für eine tatsächlich oder mutmaßlich von ihr oder
dem Tod endet und vollendet wird, kann nicht ein anderer einem Dritten begangene Tat zu bestrafen..." und fügt hinzu:
Teil jede „Akte" erneut öffnen, ein anderes Urteil fällen, die „Die Staaten verpflichten sich, Folter zu verhindern und
Leiche auferstehen lassen und ihr eine zusätzliche Strafe auf- unter Strafe zu stellen."
bürden, die doch durch den toten Sünder bereits mehr als Die jüngste Ausgabe des Katechismus der Katholischen Kir-
verbüßt worden ist. Die Justiz des Sohnes widerspricht und che (1997, dt. 2003) verurteilt dies ebenso: „Folter, die physi-
verletzt die des Vaters. Die Existenz des Paradieses rechtfer- sche oder moralische Gewalt benutzt, um Geständnisse zu
tigt nicht die Existenz der Hölle: Die Herzensgüte der weni- erzwingen, Schuldige zu bestrafen, Widerständige einzu-
gen Geretteten wird ihnen nicht erlauben, glücklich zu sein schüchtern, ist mit Respekt und Menschenwürde nicht ver-
- im ewigen Wissen, dass ihre Verlobten, ihre Schwestern einbar." (Nr. 2297)
oder Mütter, aber auch Unbekannte oder ihre Feinde (die Derselbe Katechismus erkennt die Folter aber an: „Die
Nächsten, die Jesus mahnt, zu lieben und ihnen zu vergeben) kirchliche Lehre geht von der Existenz der Hölle und ihrer
in der Hölle Satans schmoren. Wir möchten Sie deswegen Unendlichkeit aus. Die Seelen derer, die im Zustand der Tod-
bitten, zu den fünf Büchern Mose zurückzukehren und die sünde sterben, fahren direkt zur Hölle hinab und leiden Höl-
Annullierung des Jüngsten Gerichts und der Unsterblichkeit lenqualen im Fegefeuer." (Nr. 1035)
in die Wege zu leiten. Zum Leiden der Seelen kommt laut Katechismus das Lei-
den der Körper: Die Auferstehung aller Toten, der „Guten wie
Mit freundlichen Grüßen und bestem Dank, der Bösen" (Apg. 24,75) geht dem Jüngsten Gericht voraus.
CGKAGAHAU (CIHABAPAI) „Verwundert euch des nicht, denn es kommt die Stunde, in
Club der Gottlosen, Ketzer, Abtrünnigen, Gotteslästerer, Atheisten, welcher alle, die in den Gräbern sind, werden seine Stimme
Heiden, Agnostiker und Ungläubigen hören, und werden hervorgehen, die da Gutes getan haben,
zur Auferstehung des Lebens, die aber Übles getan haben,
zur Auferstehung des Gerichts." (Jn 5, 28-29) „Und sie wer-
den in die ewige Pein gehen, aber die Gerechten in das ewige
Leben." (Mt. 25, 3 1 - 3 2 , 4 8 ) (Nr. 1038)
Ob nun das durch Jesus angekündigte Leiden wahr wird
oder nicht, ob es angebracht ist oder nicht, dies mit unserem
Gesetz zu beurteilen - die Angst der Gläubigen vor der kom-
menden Pein ist bereits eine Folter - , ist eine psychologische
Folter, die unsere Gesetze und der Katechismus verbieten.
Angesichts der Überzeugungen der Kirche, die die Folter
an Lebenden ablehnt, sie aber an Seelen und Körpern von
Verstorbenen erlaubt, und der alarmierenden Botschaft des
Vatikans, dass die „Hölle existiert, ewig und voll des Bösen
ist", möchten wir Sie inständig bitten: a) dass Sie die im Kate-
chismus formulierte Ablehnung der Folter auch auf das Jen-
seits ausweiten, b) dass die Menschenrechte der vielen lei-
denden Seelen (manche seit Golgatha) im Reiche Satans
respektiert werden.
Machen Sie Schluss mit dem Leiden von Millionen! Las-
sen Sie die Hölle räumen und abreißen! So können Sie die
Gläubigen beruhigen und dazu beitragen, dass die Kirche
doch noch als „Verteidigerin des Menschen" in die Ge-
schichte eingeht.

Mit den besten Grüßen,


CGKAGAHAU (CIHABAPAI)
Club der Gottlosen, Ketzer, Abtrünnigen, Gotteslästerer, Atheisten,
Heiden, Agnostiker und Ungläubigen
cihabapai@hotmail.com

Wir möchten Sie zunächst zu einem anderen Fall der Verteidigung künstlerischer Freiheit füh-
ren. Gehen Sie quer durch den Raum. In der Nähe der Zeitschrift NOID, deren Cover San Pedro
bildet, findet sich eine andere Passionsszene. Diesmal ist der Körper nicht von Wunden über-
zogen, die den Eingängen der Minen ähneln, sondern von den goldenen Mustern der Brokat-
J technik. Unter dem Druck der vielen Aufträge wurden Schablonen entwickelt, die man über die
Körper legt. Diese Technik passtsich nichtdem Körper an, sondern umgekehrt, der Körper muss
den Vorlagen entsprechend Haltung einnehmen und hinter dem Muster bleiben, das seine Würde zu einer
reproduzierbaren und austauschbaren Oberfläche m a c h t - e i n in seiner Kapitalisierung fortgeschrittener Kör-
per, ein Geldsubjekt.
Das Bild wird Francisco Moyen zugeschrieben, der, von der Inquisition verurteilt, 1761 auf einem Schiff als
Gefangener starb, als es beladen mit den königlichen „Fünften" der Silber- und Goldproduktion vor der euro-
päischen Küste versank. Moyens Akten wurden 1 8 1 3 in Santiago de Chile gefunden. Der Fall Moyen wurde in
derjungen chilenischen Republikais Beispiel für die Repressivität der spanischen Kolonialherrschaft und als
Argument gegen eine Rehabilitierung der Inquisition genutzt. Dieser liberale Diskurs präsentierte uns einen
Künstler, männlich, weiß, vom unbändigen Drang nach Freiheit beseelt. Wir können den Fall Moyen an die-
ser Stelle aber nicht als Akt zensierter künstlerischer Freiheit begreifen. Wir möchten ihn gerne zurückholen
El Cristo de las cruces
in die Debatte um die Bedingungen der künstlerischen Produktion und die Kontinuität ihrer ideologischen Trä-
Francisco Moyen
Frühes 18. Jahrhundert gerfunktionen im bürgerlichen Liberalismus. Wie einer seiner späten Verteidiger schreibt, „solange die Welt
Convento-Museo Santa Teresa
(O.C.D.). Potosí ist, wie sie ist", ist Moyen eigentlich mehr Händler als Künstler, ein in seiner Kapitalisierung fortgeschritte-
nes Subjekt also, umgeben von einem Wald von Kreuzen, die es auf sich nehmen muss: Globalisierung, Ver-
folgung, Prozess und Bankrott.
/

Erbe investierte er in private Handelsreisen zwischen Rio


de Janeiro und Lissabon. Ein erstes Mal kam er mit dem
Gesetz in Konflikt, als er in Buenos Aires bei einem Duell
dem Corregidor von Oruro eine schwere Verletzung zufügte.
Er musste in das Convento de Santo Domingo fliehen. Aller-
dings konnte er sich r748, unter dem Schutz des zukünfti-
gen Corregidors von Porco nach Potosí aufmachen, mit dem
Auftrag, technische Zeichnungen einer Minenanlage anzu-
fertigen. Auf dem Weg dorthin - von Buenos Aires über Jujuy
- soll er satirische Gesänge und ketzerische Bemerkungen
über die katholischen Glaubensauslegungen der zehn
Gebote gemacht haben. So lautet jedenfalls die Anklage vor
dem Tribunal der Inquisition, vor dem er sich selbst als
„Kaufmann, Musiker und Maler"4 vorstellt.

Perseverance (Unverdrossenheit)

Über 100 Jahre später, 1868, wird Moyens Geschichte in


Zusammenhang mit den anstehenden Feierlichkeiten zum
Centenario der Unabhängigkeit verschiedener lateinameri-
kanischer Republiken ( 1 9 1 0 ) zum Anlass einer politischen
Debatte: Der Historiker und Politiker Benjamín Vicuña Mak-
kenna, den bürgerlichen Idealen der europäischen Revolu-
tionen von 1848/49 verpflichtet, veröffentlicht Moyens Bio-
grafié und Prozessgeschichte5 als paradigmatisches Beispiel
gegen die revisionistische Beurteilung der Inquisition in
Südamerika. Er ist alarmiert über das Erscheinen des Buchs
von José Ramón Saavedra, La Inquisición: Rápida ojeada sobre
aquella antigua institución6, das er als Verteidigung und Affir-
mation der Inquisition ansieht: „Upon seeing the work of
Francisco M o y e n , El Cristo
de las c r u c e s (Detail),
Moyen 1720,1868 und 2010 Señor Saavedra it occurred to us, that perhaps he wished to
Foto: Carlos Rúa Landa / prepare the way for the celebration of the centenary of the
Ministerio de Culturas, abolition of the Inquisition ... the same year in which the
Gobierno Plurinacional de
Bolivia
Persecutionis (Verfolgung) 1 Republic would complete an age of its existence, (for
Genauso wie das Silber, die Ikonen und Bilder zirkulierten together in the year 1 8 1 o were joined the tomb of the former
auch deren Händler und Maler rund um die Welt und ent- with the cradle of the latter)... this was worthy of the most
lang der gleichen Wege. Einen besonderen Fall stellt der fran- serious attention, and changed completely the ground of the
zösische Maler Francisco Moyen dar. José de Mesa und Teresa controversy.... It was no longer a question of historical facts
Gisbert zum Beispiel beschreiben Moyen als bedeutenden ..., it was a question of actuality, affecting the present state of
Maler, dessen aufklärerische, beziehungsweise protestanti- things, it was a question of propagandising proselytism, and
sche Gesinnung zum Problem wurde. 2
Im Museo Santa perhaps one with a prospect of the centenary [celebration],"7
Teresa wird Moyen als Satirenmaler vorgestellt, dessen Dar- Vicuñas Buch über Francisco Moyen insistiert darauf, auf
stellungen als Regimekritik erachtet wurden.3 Die Bilder die doppelbödige Moral des 1 9 1 0 gefeierten Centenarios hin-
Moyens sind ein eindringliches Beispiel für die Internatio- zuweisen: Hierbei handelt es sich um die gleichzeitige Zele-
nalität der Malerei Potosis, aber auch dafür, dass auch nicht- brierung der Unabhängigkeit Chiles und des affirmativen
indigene, christliche Kultur als Opposition zu gegenrefor- Gedächtnisses an die Inquisition. - Auch 2010, zum Anlass
matorischen Interessen existierte. der Feierlichkeiten des Bicentenario, gibt uns Moyen die Mög-

Moyen, geboren 1720 in Paris, stammte aus einer Künst- lichkeit, über die ungebrochene Aktualität von Vicuñas

lerfamilie, galt als sehr gebildet und hatte bereits in jungen Kritik nachzudenken.

Jahren für verschiedene europäische Höfe gearbeitet. Sein MJH


1 Die Zwischentitel sind Inschriften auf den la Inquisición en Lima, Vol. 2, Santiago de chen Druckerei gedruckt, der Imprenta del
Kreuzen im Bild. Chile 1956. Zit. nach Mesa/Gisbert, Holguin, Mercurio in Valparaíso, Chile. Vicuñas Buch
2 José de Mesa und Teresa Gisbert, Holgui'n y la S. 246. erschien bereits 1869 in London in eng-
pintura virreynal en Bolivia, La Paz 1977. 5 Benjamín Vicuña Mackenna, Francisco lischer Übersetzung. Saavedras Buch wurde
S. 245 ff. Moyen: or, The Inquisition as it was in South in Valparaiso 1873 nochmals in zweiter Auf-
3 Die Gründerin und langjährige Direktorin America, London 1869. lage gedruckt.
des Museums Santa Teresa in Potosí, Mutter 6 José Ramón Saavedra, La inquisición: rápida 7 Benjamín Vicuña Mackenna, a. a. O., S.
Carmen Alvarez, beschrieb uns so auf ojeada sobre aquella antigua inquisición, Valpa- i9-2r.
Anfrage Maler und Werk. raíso 1867. Interessanterweise wurden beide
4 José Toribio Medina, Historia del Tribunal de Bücher, Saavedras und Vicuñas, von der glei-

Zur Bildproduktion So entstand in Cusco eine große Schule, an der es neben


Malern, Graveuren und Kopisten Künstler gab, die die Lein-
W i l l i a m Hogarth: The Battie
of the Pictures, 1743

im Vizekönigreich Peru wände präparierten, andere malten Gesichterund Kleidung,


(Heath Edition 1822)
© www.artoftheprint.com /
wieder andere produzierten Sgraffiti oder glasierten. Art of The Print von Greg und
Connie Peters

Maria Isabel Álvarez Plata: Wir sprachen ja über den Pro- Die Kuratoren: Würden Sie sagen, dass die Arbeitsteilung in den
duktionskreislauf in den Minen, der von ihnen abhängigen lateinamerikanischen Ateliers weiterentwickelt war als in Europa ?
Ökonomie und ihren Beitrag zu den Evangelisierungsmis- Maria Isabel Alvarez Plata: Nicht unbedingt. Die euro-
sionen der Kirche. Auf Grund der großen Nachfrage mussten päischen Produktionsstätten der Renaissance waren ähnlich
diese industriell organisiert werden: Man brauchte Schulen, strukturiert. Auch im Atelier Michelangelos gab es unter-
die Bildkunst sollte vielen vermittelt, die Produktion zur schiedliche Zuständigkeiten: Während die einen die Lein-
Massenproduktion werden. Überdies benötigte man die wand präparierten, zerkleinerten andere die Farbpigmente
Lehrkörper, die unterrichten und das Wissen weitergeben usw. Dennoch wissen wir, dass er der Maler war. In Latein-
würden. amerika dagegen haben wir es mit einer großen Zahl anony-
mer Arbeiten zu tun, und das ist der entscheidende Unter-
schied. Dort kennen wir die Autoren, hier sind uns trotz einer
» At* /t4-rr*y. enormen Zahl von Werken nur wenige Urheber bekannt.
Picfurr*. at
Die Kuratoren: Sehen Sie die weitgehende Anonymität der Pro-
duktion quasi als Vorläufer oder Beschleuniger des Prozesses der
Industrialisierung?
Maria Isabel Álvarez Plata: Ich bin sicher, dass sie den
Prozess vorangetrieben hat. Wir können in der Andenregion
von einer industriellen Bildproduktion sprechen. Auch die
Form der Kommerzialisierung unterschied sich von der Ver-
marktung in Europa. Wir haben Dokumente, die belegen,
dass ein Pater den Maler Leonardo Flores beauftragte, eine
bestimmte Zahl von Bildern zu malen. Darüber gab es Ver-
träge.
Wir wissen auch, dass Maler oder Händler, insbesondere
Kunsthändler, mit Bildrollen und kompletten Serien - die
Jungfrau Maria, Jesus, der Heilige Josef - über die Dörfer
zogen und diese verkauften. Sie schnitten dann vor Ort die
Bilder zurecht und hängten sie auf.

Das Interview mit Maria Isabel Alvarez Plata wurde von Alice
Creischer, Max Jorge Hinderer und Andreas Siekmann am 12. 01.
2009 in La Paz geführt.
In dieser Beschreibung zur Bildproduktion im Vizekönig- der doctrineros, der Pfarrer indigener Gemeinden, und vom
reich Peru tun wir uns schwer mit kunstgeschichtlichen spezifischen, jeweils durch die Person des Kaziken verkör-
Genealogien. Die Bilder, die wir zeigen, sind größtenteils im perten, indigenen Geschmack. Und schließlich die Industri-
Zeitraum vom 17. bis zum 18. Jahrhundert entstanden. Bei alisierung der Malerei."^ Und sie weist anhand der Quellen
einigen ist die Datierung unsicher. Andere, eindeutig dem der Malerinnung in Cusco nach, dass es in dieser Berufsve-
19. Jahrhundert zuzuordnen, waren uns wichtig, wie zum reinigung einen großen Anteil an indigenen Handwerkern
Beispiel das Album de Paisajes, Tipos Humanos y Costumbres de gab, zwischen denen es Konflikte hinsichtlich der Bezah-
Bolivia von Melchor Maria Mercado. lungs- und Anstellungsverhältnisse gab.
Die ersten Maler, die in das Vizekönigreich Peru kommen, Teresa Gisbert erzählt in ihrem Essay von einem Streit, der
sind an verschiedene Missionsorden gebunden, es gibt zuerst 1688 zwischen dem indigenen und dem spanischen Teil der
einen italienisch manieristischen Einfluss, dann den flämi- Maler in Cusco stattfand. Die indigenen Maler verweigern
schen und spanischen. Es gibt zunächst einen großen Import die obligatorische Mitwirkung an der Aufstellung eines Tri-
von Bildern aus Europa. „The need of images was immense umphbogens anlässlich des Corpus-Christi-Festes. Es
... Artists of great religious zeal travelled to the Andes to dis- scheint, wegen vorheriger Streitigkeiten um ausstehende
seminate devotional images ... Fray Diego de Ocana ... Löhne. „Manche der spanischen Maler wurden .capataz',
lamented that the monastery of Guadalupe in Spain failed to Chef, genannt. Sie heuerten indigene Maler als Subkontrak-
answer his plea for prints ..., ,If I had twenty or thirty thou- toren an, die bei der Produktion der großen Bilderserien, die
sand prints, I would have used them all because everyone die Klöster bei ihnen bestellten, helfen sollten... Da die Spa-
took one to have at home.'" 1 Dieser Bedarf an Bildern ist nier nicht das Risiko eingehen wollten, am Ende bei der Erle-
unmittelbar verknüpft mit der Missionierung und der Aus- digung derartiger Großaufträge ohne eine ausreichende Zahl
stattung der Kirchen. Ab dem 17. Jahrhundert etablieren sich von Arbeitskräften dazustehen, banden sie diese durch Ver-
die großen Handelshäuser, die Bilder und Möbel nach Ame- tragsklauseln wie die folgenden: ,Der Schuldige verpflichtet
rika transportieren: „Organismos internacionales... en Fran- sich zur Rückerstattung in der gewünschten Höhe ... und
cia, Austria, Holandia, Portugal, y España." Aber der größte erklärt sich bereit, die Strafe zu bezahlen.'"5 Gisbert zitiert
Anteil von Bildern wird von Malern vor allem in Cusco pro- ein anderes Dokument, in dem sie auf die Rechtsverletzun-
duziert, deren Werkstätten Manufakturen gleichen. „Zu den gen hinweist, gegen die die subkontraktierten indigenen
überraschenden Fundstücken aus den notariellen Archiven Künstler streiken. Zum Beispiel: „Der Maler Francisco Sán-
gehören Verträge, durch die sich die Künstler verpflichten, chez erklärt, dass Bruder Tomás Ojeda ihn und seine Kolle-
innerhalb von wenigen Monaten hunderte von Bildern zu gen eingesperrt habe, damit sie einen bestimmten Vertrag
malen... Die Leiter der Ateliers hatten angesichts der Nach- über Bilder erfüllen, die, so der Vorwurf der klagenden Par-
frage quasi keine Wahl: Sie mussten zu Unternehmenschefs tei, dann von Ojeda verkauft wurden." 6
werden." 2 Es geht uns hier um diese industrieartige Produk- Teresa Gisbert kommt zu dem Schluss, dass diese Arbeits-
tion von Bildern. kämpfe und die Überzahl indigener Künstler in Cusco dazu
In einem Aufsatz hat Teresa Gisbert das Problem der führten, dass sie sich weigerten, berufsständische Examina
Kategorisierung der andinen Malerei in einzelne Schulen abzulegen, die von der königlichen Audienz in Lima festge-
beschrieben (die Schulen von Cusco, von Potosí, von Collao). legt waren, was letztendlich zu einer Teilung der Berufskor-
Es gibt allerdings formale Kriterien, die eine andine Malerei porationen geführt haben könnte. „Von den indigenen
charakterisieren können: die große Dekorativität, die Bro- Malern wissen wir durch die 1786 an das Register der steu-
katierungen, die sich wie serielle Muster über die Motive erzahlenden Künstler erfolgende Mitteilung von Simón
legen, die repetitiven Anordnungen von Motiven oder Zevallus, dem Leiter der Korporation der Silberschmiede,
Gesichtern (zum Beispiel bei Dreifaltigkeitsdarstellungen). Maler und anderer ... Möglicherweise hatten sich die inter-
„Dies gilt insbesondere für die .Schule von Cusco', die zu über essierten indigenen Maler in dieser Form zusammenge-
70 Prozent indigene Werke umfasst... Im 13. Jahrhundert schlossen.'^
exportierte Cusco in die Regionen, die heute Argentinien, Die formalen Charakteristiken der kolonialen Malerei, wie
Bolivien, Chile und Peru sind, und in einzelnen Fällen auch die verweigerte oder sehr flache Perspektive, die Serialität
nach Quito und Europa."3 Wie kommt es zu einer Ver- des Brokats und der Motive wären also einerseits begründet
selbstständigung der andinen Malerei von den europäischen
in der Industrialisierung und Arbeitsteilung künstlerischer
Vorbildern? Teresa Gisbert zählt drei Gründe auf: „Probleme
Arbeitsprozesse und andererseits Zeichen indigener und kor-
in den Berufskorporationen auf Grund von Auseinanderset-
porativer Dissidenz?
zungen zwischen indigenen und spanischen Arbeitskräften
„The artist became the... assistant of the priest, the viceroy
... Die Abhängigkeit der Künstler von den utopischen Ideen
and the encomendero", beurteilte der peruanische Kun-
sthistoriker Cossio del Pomar allgemein die Stellung des über hinaus: Der abstrakte Rhythmus der kolonialen Gesell-
Künstlers und fügt hinzu: „The artist revealed also the con- schaft und der Industrie der Bilder ergibt sich, weil er von
ditions of the formal abstract rhythm that impelled the Colo- fremden und anonymisierten Händen geschlagen wird.
nial society." 8 Aber die Schlussfolgerung Gisberts geht dar- AC

1 Thomas Cummins, „Images for a New 3 Teresa Gisbert, „La conciencia de un arte pro- 5 Ebd., S. 1 3 3 .
World", in: Suzanne Stratton-Pruitt (Hg.), The pio el la pintura virreinal andina", in: María 6 Ebd., S.i 34, zitiert aus der Quelle von Vega
Virgin, Saints, and Angels, South American Concepción García Sáiz, Juana Gutiérrez Centeno, Archiv in Cusco.
Paintings 1600 - 1825 from the Thoma Collec- Haces (Hg.), Tradición, Estilo o Escuela en la pin- 7 Ebd., S. 137.
tion, Mailand 2006, S. 15. tura Iberoamericana SiglosXVI-XVIII, México 8 Felipe Cossio del Pomar, Peruvian Colonial
2 Francisco Stastny, Breve Historia del Arte en El 2004, S. i 3 i f . Art, Mexiko 1964, S. 55. America, S. 1 9 - 2 1 .
Peru, Lima 1967, S. 41 f. 4 Ebd., S. 132.

' Gehen wir in die Mitte des Raumes, vor der Wand mit der Karte der Geldzirkulation, um ein sehr
explizites Beispiel globaler Programm-Malerei anzuschauen. Das Bild erzählt von dem geschei-
terten Versuch der Missionierung J a p a n s . Sie sehen 23 franziskanische und drei jesuitische

M '
Mönche, die 1597 auf Befehl des Kaisers Hideyoshi Toyotomi gekreuzigt wurden. Die gekreu-
zigten Mönche sind wie ein Horizont. Zwischen diesem und den Stadien des Martyriums befin-
det sich eine Landschaft, in der Henker und Andächtige, die das Blut der Märtyrer als Reliquie
sammeln, so einträchtig agieren, als würde es sich um eine große Ernte handeln. Das M a s s a k e r von Naga-
saki ist eine der großen Heiligenerzählungen der Gegenreformation, worin das Scheitern der Mission zur Imi-
tatio Christi wird. Es rief eine Welle von frommen Publikationen hervor, die sich verfolgen lässt von Antwer-
pen über Frankreich nach Portugal bis nach Amerika - der übliche Weg der Zirkulation von Bildern. Nur kann
man bei diesem Motiv vermuten, dass seine Zirkulation in entgegengesetzter Richtung geschieht, von Manila
nach Mexiko und von da aus zum übrigen Amerika und nach Europa.
Hinter dem Bild sehen Sie statt eines europäischen Stichs als Vorbild eine Kopie eines der Wandbilder der
Kathedrale von Cuernavaca in Mexiko. Es ist Felipe de J e s ú s gewidmet, dem ersten Heiligen aus Mexiko, der
aber in Nagasaki hingerichtet wurde. Die Zirkulation der Bilder ist stets eine Begleiterin: „In der zweiten Hälfte
des 16. Jahrhunderts finanziert die spanische Krone ... erste Stützpunkte im Pazifik, um dann mit der Ver-
La Masacre de Nagasaki schleppung von Chinesen, Philippinos ... nach Mexiko und Peru zu beginnen. Diese Entwicklung einer asiati-
Anonym
17./19. Jahrhundert schen Sklaverei in Mexiko und Peru wird von der spanischen Monarchie ... aufgegeben. Aber der illegale
Convento de la Recoleta, Sucre Handel mit Philippinos und Chinesen nach Mexiko nimmt zu und wird zunehmend ergänzt durch freie Wan-
derarbeitsbewegungen, die dann bis zur zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts andauern." (Ferrucio Gam-
bino/Devi Sacchetto)

Die Märtyrer von Nagasaki


Die Missionierung Japans wurde tatsächlich in einem „frem- giesischen Handel mit China versprachen. 50 Jahre später
den Land" unternommen, wo militärische Unterwerfung wurden franziskanische Missionare vom spanischen Gou-
und Missionierung entkoppelt waren. Sie nutzte die Schwä- verneur der Philippinen nach Japan gesandt. Seit der Beset-
che des Kaisers aus und missionierte die aufständischen zung der Philippinen durch die Spanier 1587 sah sich die
Daimyôs. Die Fürsten - Warlords- erteilten die Erlaubnis zur japanische Regierung latent von einer europäischen Erobe-
Mission, weil sie sich dadurch eine Verbindung zum portu- rung bedroht.
In der Mitte des Bildes befindet sich eine Texttafel, auf der „One of the reasons for quick spreading of the 26 Martyrs
die Legende des Massakers beschrieben ist. 1 Laut dieser around the world is the Jesuit propaganda. As the Francis-
Legende strandete 1596 die San Felipe auf dem Weg von cans were founded long before, they have already many
Mexiko nach Manila vor der japanischen Küste. Der Kapitän Saints and Martyrs, but for the Jesuits, Paul Miki and com-
beleidigte die Japaner, als diese die Fracht beschlagnahmten. panions were the first Martyrs beatified, so they (we) used it
Er drohte, dass er eine Vorhut des spanischen Militärs sei. a lot to promote vocations, especially missionary voca-
Die Missionare wurden daraufhin gefangen genommen und tions."3 Die Affirmation des Massakers von Nagasaki in Sti-
nach Kyoto gebracht, wo sie mit anderen Christen 1597 zum chen und Bildern lässt sich verfolgen von Antwerpen über
Tode verurteilt wurden. Frankreich nach Portugal bis nach Amerika. „In Mexiko in
Im vorderen Teil scheint das Bild diese Geschichte nach- den Fresken der Kathedrale von Cuernavaca, in Peru auf den
zuerzählen. Man sieht links das Schiff San Felipe, einen Streit, Kacheln der Sakristei von San Pablo de Lima, in Recife auf
Christen in einem Haus eingesperrt. Das könnte ihre Inter- den Kachelpanelen der Capela Dourada des Klosters Santo
nierung und Überführung in die Stadt Meako sein, die dem Antonio." 4 Allerdings kann man bei diesem Motiv auch ver-
Urteil in Kyoto folgte. Rechts sieht man einen Zug von Men- muten, dass seine Zirkulation in entgegengesetzter Richtung
schen, der sich zum Horizont der Gekreuzigten bewegt. Am geschieht, von Manila nach Mexiko, und von da aus zum
5. Februar 1597 erfolgte die Kreuzigung auf dem Tateyama- übrigen Amerika und nach Europa.
hügel in Nagasaki. Die Datierung des Bildes war bis zu seiner Renovierung
Bei den Handelsbeziehungen ging es um den Austausch für die Ausstellung ungewiss. Das Spruchband am unteren
von japanischem Silber und Kupfer gegen europäische Feu- Rand des Bildes erzählt, dass die Märtyrer am 14. September
erwaffen. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts soll „etwa 1/3 des 1627 von Papst Urban VIII. selig- und am 8. Juni 1862 von
Silbers und Kupfers des westlichen Marktes ... aus Japan Papst Pius IX. heiliggesprochen wurden. Demnach würde es
gekommen sein ... Für die Japaner/bushi/daimy waren die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen. Aber
mitgebrachten Feuerwaffen von größter Bedeutung." 2 Die das Band kann auch aus Anlass der Heiligsprechung hinzu-
Feuerwaffen potenzierten die Kriege zwischen den Gebiets- gefügt worden sein. Der Text der Heiligenlegende in der
fürsten, die Konkurrenz der Warlords förderte den Ressour- Mitte des Bildes stammt aus einer älteren Quelle. „The text
cenverkauf nach Europa. Aber Japan war (im Gegensatz zu in the painting of the edict follows Frois record (written in
Ruanda, dem Kongo, Nicaragua, Afghanistan) fähig, die Feu- 1597) close enough as to think the painter read this or a trans-
erwaffen bald selbst herzustellen. Es entstanden Arkebusier- lation ... The picture of Cuernavaca Cathedral is a huge one
Truppen. Eine stabilisierte Regierung (zuerst unter Oda ... I don't know the author or the date, but it seems to have
Nobunaga, Ende des 16. Jahrhunderts) stellte die Erzeugung been made in the 17th Century, probably in occasion of the
dieser Arkebusen unter ihr Monopol. Die folgende Macht- beatification of the 26 Martyrs, among whom as you know,
ergreifung Hideyoshis beruhte auf einer fragilen Balance there is a Mexican, Felipe... I think it is safe to suppose... that
of Power unter den Clanführern. 1588 folgten eine Entwaff- there is a clear Asian influence in the picture of Cuernavaca,
nung der Mönche, Bauern und Städter, die den bürgerkriegs- and... it could have been made in the Philippines, from where
ähnlichen Kämpfen der Clans verpflichtet waren, und eine [it] could have been copied in the Cuernavaca walls."5 Das
neue Landvermessung. In der langen Isolationspolitik Wandbild in der Kathedrale von Cuernavaca ist Felipe
Japans ab 1 6 1 6 waren Ausländer nur noch auf einem Han- de Jesüs gewidmet, dem ersten Heiligen aus Mexiko, der als
delsstützpunkt vor der japanischen Küste auf der künstlich Missionar den Märtyrertod starb.
angelegten Insel Dejima zugelassen. Als sich 1837 der engli- Bei der Renovierung wurde klar, dass das Bild wahr-
sche Commodore Perry den Zugang zu Japan erzwang, traf scheinlich aus dem späten 17. Jahrhundert stammt und im
er dort weder Christen noch Waffen an. 19. Jahrhundert teilweise übermalt wurde. AS

1 Vgl. Luís Fróis, Relatione della gloriosa morte di Nagasaki, Briefwechsel, 19.11./7.12. 2009
26 posti in croce 5 Febr. 1597, Rom 1599. 4 Eddy Stols, Livros, gravurasy mapasftamem-
2 Steffi Richter, Geschichte der Gesellschaft und gos ñas rotas portuguesas, in: Werner Thomas
Kultur Japans, Vorlesung an der Universität und Eddy Stols (Hg.), Un Mundo sobre Papel,
Leipzig 2008. Boek 2009, S. 85.
3 Renzo de Luca, Twenty Six Martyrs Museum 5 Renzo de Luca, ebd.
W a n d b i l d in der K a t h e d r a l e
v o n C u e r n a v a c a , Mexiko
(Detail), frühes 17, Jahrhun-
dert, freigelegt 1960er Jahre,
Touristenbroschüre

W a n d b i l d im M u s e u m
der 26 M ä r t y r e r , Nagasaki,
Japan (Detail), 1960er-Jahre
© R e n z o de Luca, Museum of
the 26 Martyrs of Nagasaki

1
^ ^ „Die Zirkulation von Bildern ist stets eine Begleiterin." Diesen Satz sollten Sie im Kopf behalten,
wenn Sie nun hinten in den Raum links erneut zum großen Bild gehen, d a s die illegalisierten
Gastarbeiter in Dubai thematisiert. Am 28. Mai 2008 gab e s in Berlin eine P r e s s e k o n f e r e n z zum
O Abkommen der Direktoren der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Staatlichen M u s e e n
zu Berlin und der Bayrischen Staatsgemäldesammlungen mit der „Dubai Culture and Arts Autho-
—) rity" über den Aufbau eines Universalmuseums. In dieser Konferenz stellten sich die drei M u s e e n
als eine gespenstische Einheit vor, ein Gespenst aus dem 19. Jahrhundert. Es ging um den „Auftritt der deut-
schen Kulturnation". Die Kulturnation glaubt, ein autonomer Raum zu sein. Er bietet statt politischer Rechte
Identität an. Dieses Gespenst traf auf ein anderes s e m a n t i s c h e s Monster: den liberalen Melting P o f e i n e r glo-
balisierten Gesellschaft. Aber d i e s e s Monster taugt nicht ganz dazu, wegzuzaubern, d a s s 85 Prozent der
Bevölkerung in Dubai unter extrem prekären Bedingungen arbeitet. Es benötigt Amtshilfe: Es geht um den
Transfer des Know-hows einer nationalen Kultur: Das Etikett „Kulturnation" verleiht Unternehmen und Clans
die Façon eines S t a a t e s und legitimiertdadurch die eigenen gesellschaftlichen Verbrechen. Nichteine Bevöl-
kerung legitimiert diesen Staat, sondern dieser leere Raum. Die Dinge in diesem leeren Raum sind an und für
Dubai - Erweiterte Horizonte
Re-Enactment einer Pressekon- sich ohne Widmung und Geschichte. Das macht sie logisch und ästhetisch wahr, im Sinne der Macht, die die
ferenz/ Musikstück
Geschichte der Dinge und die Gewalt, in der sie geraubt wurden, auslöscht.
Alice Creischer, Christian von
Borries, Andreas Siekmann Am 15. September 2009 wurde die Pressekonferenz in der Temporären Kunsthalle in Berlin w i e d e r a u f g e f ü h r t
2009, Berlin
- e s gingen dieselben Pressemitteilungen heraus und e s wurden dieselben Journalisten eingeladen. Lesen
Sie hinter dem Bild in den Heften der Pressemitteilung.
Der Universalismus in der Kunst len Implementierung von Kunstsystemen in diesen opti-
malisierten Lebensräumen „nur" um Kommerz geht, son-
dern dass damit die Inanspruchnahme eines politischen
Seit Herbst 2008 können wir verfolgen, wie die Finanzkrise Raums gemeint ist, der der Macht, die ihn gewährleistet, kri-
auch die VAE erreicht hat und wie sie dort gehandhabt wird. tisch verbunden ist. Von der Kapitalgesellschaft Abraaj
Die Geschäfts- und Regierungsmethoden haben sich dabei wurde ein Kunstpreis von 1 Million US$ für Künstler aus der
nicht verändert. MENA-Region geboten: „Abraaj Capital is empowering
„The Dubai Model... has been cultivated mostly by semi- artists to play their part in the renaissance of our societies
public companies based in Dubai and Qatar: Emaar, Sama and cultural heritage ... Well-functioning societies are not
Dubai, Nakheel... DAMAC, and Qatari Diar. These corpora- built only on net profit margins, indeed, tolerance, mutual
tions have established a euphoric construction zone of shop- respect, community involvement and free flow of ideas are
ping centers, Mediterranean-style homes and luxury hotels essential components in addition to economic growth and
within the largest swath of the globe barely touched by glob- the arts provide a privileged medium to foster such things." 2
alism. This once ignored void... can now be listed alongside Wenn mit Kunst eine Legitimierungsfunktion verbunden
other world class luxury destinations ... Emaar claims that ist (z. B. Meinungsfreiheitsplacebo zu sein), dann bedeutet
among its built and proposed projects, it will ,cover'i,5 bil- das, dass alle an diesem Bereich Beteiligten die Entschei-
lion people, more than Chinas population." 1 Das Kompen- dungsmöglichkeit haben, dieser Funktion zu gehorchen
dium Al Manakh, dem dieses Zitat entnommen ist, zeigt die oder sich ihr zu widersetzen. Dies ist kein voluntaristischer
Topografie eines neuen Gürtels von Luxusvierteln und Aufruf zu Boykott oder Intervention, sondern zunächst ein
Geschäftsstädten, der in Nordafrika beginnt und in China Appell an die Aufmerksamkeit darauf, dass sich hier ein
endet. Es sind jene insularen Ökonomien, die das Ergebnis politischer Raum auftut, der alle Beteiligte, also uns, angeht
einer konsequenten neoliberalen internationalen Finanz- und zu einer Reaktion auffordert. Es kann auch der Beginn
politik sind: Free Trade Zonen und Luxustourismus in Staa- einer Diskussion über ein politisches Selbstverständnis
ten, in denen der Großteil der Bevölkerung weit unter dem innerhalb der aktuellen Internationalisierung der Kunstsys-
Existenzminimum lebt, deren BIP aber durch die globalen teme sein, das sich nicht damit begnügen kann, dass alle
Investmentfonds und ihre lokalen Schwitzbuden optimal Regionen in der hegemonialen Welt des Kunstbereichs
hochgetunt ist. Aber Villen im mediterranen Stil, Wellness- inkludiert sind. Dieser Transfer von den Rändern in die Zen-
Oasen und Malis mit guten Verkehrsanbindungen reichen tren ist nicht per se emanzipativ. Ein Beispiel dafür sind die
für die neue Schicht von Nabobs und ihren leitenden Ange- Vereinigten Arabischen Emirate.
stellten nicht aus. Dubai hat seinen zahlreichen Freihan- AC, AS
delszonen eine Healthcare City, für die die besten Kliniken
eingekauft wurden, und eine Knowledge City mit Depen- Lesen Sie weiter auf Seite 27 gf. (Englisch).
dancen u. a. der Universitätseliten Harvard und Sorbonne
hinzugefügt. Wir glauben nicht, dass es nun bei der aktuel-

1 AMO „Export Dubai", in: Ole Bouman, Mitra Dubai is probably the place where this will
Khoubrou and Rem Koolhaas (Hg.), Volume/ happen, under the enlightened despotism of
AI Manakh, Dubai 2007, S. 282. its emir." Daniel Birnbaum, „Dubai", in: Texte
2 „The future of exhibitions lies in commerce. zur Kunst 66, Juni 2007.

3d
Die Pressekonferenz antwortet auf ein Bild, das Sie in Madrid sehen können. Es befindet sich
im Museo de América. Warum die Institution das Bild nicht ausleihen wollte, können Sie in einem
nachgesprochenen Interview hören und auf der Rückseite des Fotos lesen, das an der Wand
hängt. Das Bild zeigt drei Szenen eines Festes, das die Stadt Potosí am 25. April 1 7 1 6 gab, um
den Besuch des Erzbischofs von La Plata, Fray Diego Morcillo Rubio de Auñón, zu feiern. Mor- Entrada del Virrey Morcillo
en Potosí
cillo w a r kurz zuvor von König Philipp V. zum Vizekönig berufen worden, ein Interimsmandat. Die Melchor Pérez de Holguín,
1718
Nachricht von der Ernennung hat sich von Buenos Aires über La Plata bis Potosí verbreitet, die
Museo de América, Madrid
Elite der Stadt sieht sich gezwungen, in kurzer Zeit den Besuch als Einzug eines Vizekönigs zu zelebrieren.
Die Stadt Potosí selbst steht zu diesem Zeitpunkt am Anfang ihres langsamen, aber unaufhörlichen Verfalls.
Die Infrastrukturen der Industrie, die Sie in der „Vista de Potosí" sehen, werden nicht mehr gewartet. Inve-
stitionen - der Mehraufwand an Technik und Arbeit - scheinen nicht mehr profitabel. Am Ende desselben
Aufzeichnung des Gemäldes Jahrhunderts ist Potosí eine Geisterstadt mit noch 8.000 Einwohnern. 1719 unterzeichnete der spanische König
Video: Sally Gutiérrez Dewar
2010 einen Dekretsentwurf zur Abschaffung der Mita, eine Ausnahme wird jedoch in Bezug auf die Minen gemacht.
Madrid
Aber man kann dieses Fest nicht ausschließlich als politische Investition verstehen. Es geht in dieser Inve-
stition darum, sich selbst als diese Kultur zu f a s s e n und zu beweisen, besonders dann, wenn sich zeigt, wie
fragil ihre Existenz, wie marginal ihre Macht, wie auslöschbar ihre Geschichte ist.
Die Funktionäre der Konferenz der „Dubai Culture and Arts Authority" sind inzwischen pensioniert oder aus-
getauscht und das Vorhaben wurde in der Krise storniert. Beide Fälle - die Pressekonferenz zum Bau des
größten Museums der Welt und das Fest zum Einzug des Vizekönigs-erzählen uns von einem generellen Auf-
trag hegemonialer Kultur: der Herstellung eines Subjekts. Aber diesmal ist dieses Subjekt nicht mit seiner sofor-
tigen Unterwerfung verbunden. Es ist erst einmal ein (Selbst-)Bild - nicht der Körper mit den Eingängen zur
Mine, sondern eher die Brokatierung, hinter der die Körper verschwinden. Es wird erzeugt, um die Macht-
verhältnisse und ihre Prozesse zur Anschauung ihrer selbst zu verhelfen. Dieses Bild eines Subjekts agiert
autonom, es ist im Gegensatz zum tatsächlichen Subjekt ganz frei, es besteht auf dieser Freiheit als ideellem
Recht. Es ist ein Staat, ein Konzern - und wir haben gesehen, auch das Museum kommt zu einer Anschauung
seiner selbst und agiert wie dieses Gespenstersubjekt, verzückt von seiner Existenz, blind für seine Erzeugt-
heit, rechtfertigungsfrei. Merken Sie es jetzt? Wir versuchen Sie und uns selbst die ganze Zeit aus dem Bauch
eines Fetischs herauszuführen.

Warum das Bild vom Einzug schen Zeit Amerikas und lateinamerikanische Museen für die
Kulturen des Kontinents. Doch die Gesamtheit der histori-
des Vizekönigs Morcillo in Potosí schen Epochen präsentiert nur das Museo de Cultura Hispá-
nica Cristóbal Colón in Madrid.
nicht kommt Sudaca: Ist es nicht eine Fortschreibung des kolonialen
Interesses, dass es in Spanien ein amerikanisches Museum
(Sprechstück)
gibt, in Amerika jedoch nicht?
Museumsdirektorin: Keineswegs, denn es ist unsere
Die Künstlerin Sally Gutiérrez Dewarfilmte das Bild in seinen kon- gemeinsame Geschichte. Wir verorten uns im Kontext des
servatorischen Bedingungen im Museo de América. Der folgende Kollektionismus der europäischen Herrscherhäuser, die ihre
Text ist aus einem Interview von María Galindo zu den Ausleih- Sammlungen aus allen Schulen Europas und anderen Regio-
bedingungen des Bildes (Namen von der Redaktion geändert). nen zusammenstellten. Die königlichen Sammlungen sind
Sudaca 1 : Wir befinden uns im Museo de Cultura Hispánica die Quellen, aus denen sich die großen Institutionen - British
Cristóbal Colón in Madrid und sprechen mit der Direktorin. Museum, Louvre, Prado - bedienen. Zum spanischen Koloni-
Herzlichen Dank, dass Sie heute Zeit für uns haben. Vielleicht alreich gehörten auch die wissenschaftlichen Expeditionen
erklären Sie uns zunächst, was das Museo de Cultura Hispá- des i8. Jahrhunderts, und das Museo Cristóbal Colón vereint
nica Cristóbal Colón ist? eine Reihe von Exponaten auch aus jener Zeit. In diesem
Museumsdirektorin: Unser Museum für hispanische Zusammenhang müssen wir Amerika als Spanien begreifen.
Kultur widmet sich Amerika von der prähistorischen bis in Sudaca: Amerika ist nicht Spanien.
die heutige Zeit. Mit dieser Ausrichtung sind wir einmalig in Museumsdirektorin: Doch. Im i8. Jahrhundert ist Ame-
der Museumslandschaft der Welt. Zwar gibt es in Europa rika Spanien.
bedeutende Sammlungen von Exponaten aus der vorspani- Sudaca: Das i8. Jahrhundert ist vorbei.
Museumsdirektorin: Die Sammlungen entstanden im Audienz von Charcas 1 7 1 6 , Melchor Pérez de Holguín, Potosí,
18. Jahrhundert hier, ebenso wie spanische Werke nach Ame- Bolivien". Seit wann befindet sich dieses Bild im Besitz des
rika gelangten. Museums?
Sudaca: Dennoch gibt es kein spanisches Museum in Ame- Museumsdirektorin: Ich glaube, das Museum erwarb das
rika. Weder Bolivien, noch Mexiko, weder Buenos Aires, noch Bild im Jahr 1945. 2
eine andere amerikanische Hauptstadt haben eine solche Sudaca: Würden Sie sagen, dass es eines der wichtigsten
Sammlung. Werke im Museum ist?
Museumsdirektorin: Das ist logisch, denn seit ihrer Museumsdirektorin: Es ist eines der wichtigsten Werke.
Unabhängigkeit formulierten die Länder Amerikas ihre Vergessen Sie nicht, was ich eben sagte: Im 18. Jahrhundert
eigene Identität, die sich über die Differenzierung gegenüber war Amerika Spanien.
anderen Nationen definiert. Sudaca: Amerika war niemals Spanien. Wenn Amerika
Sudaca: Wann wurde das Museo Cristóbal Colón gegrün- Spanien gewesen wäre, bestünden nicht die Beziehungen, die
det? heute bestehen. Das ist allerdings ein anderes Thema, einer
Museumsdirektorin: Nach dem Ende des spanischen Bür- weiteren, großen politischen Debatte.
gerkriegs ging aus dem Museo Arqueológico de Indias das Museumsdirektorin: Gewiss. Jedenfalls war Amerika Teil
Museo Cristóbal Colón hervor, das zunächst und recht tradi- des spanischen Imperiums.
tionell die Kulturen der Maya und Azteken thematisierte. Sudaca: Es war eine koloniale, von Unterwerfung geprägte
1992 setzte ein Prozess der Erneuerung und fundamentalen Beziehung.
Modifizierung der Museografie ein, und das Museum Museumsdirektorin: In jedem Land, in jeder Politik, wird
erweiterte den Horizont auf die Geschichte des Kontinents Macht ausgeübt. Auch heute ist dies mit Blick auf den Rest der
insgesamt. Welt der Fall. Jedes Land will seine Macht auf die eine oder
Sudaca: Wie manifestierte sich der Bruch des Museo andere Weise manifestieren. Woher kommen Sie?
Cristóbal Colón mit dem Museo Arqueológico de Indias? Mit Sudaca: Bolivien.
welchem museologischen Konzept arbeiten Sie heute? Museumsdirektorin: Bolivien hat ein großes politisches
Museumsdirektorin: Wir präsentieren den kulturellen Problem in der Region Santa Cruz. Nehmen wir einmal an,
Prozess Amerikas, und zwar nicht mit dem Blick auf das Exo- Santa Cruz wäre in fünfzig Jahren unabhängig und ein eigen-
tische, sondern aus anthropologischer Perspektive. Diese ist ständiges Land. Dennoch bliebe ein Bild, das jemand in La Paz
die Grundlage unserer Arbeit. heute bei einem Künstler in Santa Cruz de la Sierra in Auftrag
Sudaca: Wie setzt sich das Museum mit Kolonialismus gibt, kauft und zuhause aufhängt, ein bolivianisches Werk.
und der Geschichte von Enteignung und Ausbeutung aus- Sudaca: Meine Frage lautete aber, wie der spanische Staat
einander? an dieses Bild gekommen ist. Wie und warum kam es in den
Museumsdirektorin: Diese Frage stellt sich das Museum Besitz des heutigen Besitzers?
nicht. Museumsdirektorin: Das Museum erwarb das Bild aus
Sudaca: Es ignoriert sie. spanischem Privatbesitz.
Museumsdirektorin: Ja, denn sie ist nicht Teil der Sudaca: Wie kam es in diesen privaten Besitz?
Beschreibung des kulturellen Prozesses, um den es uns geht. Museumsdirektorin: Das deutete ich bereits an. Im 16.,
Sie sprechen einen ganz konkreten Fall an, ein Thema, dem 17. und 18. Jahrhundert reisten Spanier mit ihrem Hausrat
sich zahlreiche UNESCO-Versammlungen widmen. Es steht nach Amerika und kehrten später ebenfalls mit dem, was sie
auf der roten Liste. besaßen, ins Land zurück.
Sudaca: Mit anderen Worten: Ihr musealer Diskurs blen- Sudaca: Der Weg dieses Bildes ist belegt. Wir wissen, wem
det den Kolonialismus aus. es ursprünglich gehörte, wo es sich zunächst befand. Wurde
Museumsdirektorin: Jeder mag sich dazu eine eigene es aus einem Kloster geholt? Oder aus der Casa de Moneda?
Meinung bilden. Das Museum präsentiert die Fakten und bie- Museumsdirektorin: Die Inschrift verrät, wann es gemalt
tet die Elemente an, aus denen jeder seinen eigenen Diskurs wurde. Es ist Erzbischof Morcillo aus La Plata gewidmet und
bauen kann. entstand, als er nach dem Tod des peruanischen Vizekönigs
Sudaca: Neben dem Bild vom Einzug des Erzbischofs und zum Interims-Herrscher ernannt wird. Er macht sich auf den
Vizekönigs Morcillo in Potosí steht: „Einzug des Erzbischofs Weg nach Lima, um dort sein Amt anzutreten. Auf der Durch-
und Vizekönigs Morcillo in Potosí. Die Städte empfingen die reise passiert er Potosí, wo ihm die Mineros, die Besitzer der
Vizekönige mit großen Feiern. Die Gesellschaft ehrte diese in Minen, einen festlichen Empfang bereiten, denn sie wollen
offiziellen Akten und brachte ihre Hoffnung auf die Vorteile sich der Gunst und Unterstützung des künftigen Monarchen
einer guten Regierung zum Ausdruck. Öl auf Leinwand, versichern.
Sudaca: Wo befand sich das Bild dann? Wo wurde es Sudaca: Würden Sie das Bild auch für eine Ausstellung in
gezeigt? seinem Heimatland Bolivien zur Verfügung stellen?
Museumsdirektorin: Das wissen wir nicht. Museumsdirektorin: Von den physischen konservatori-
Sudaca: Wie haben Sie von ihm erfahren? schen Aspekten abgesehen gäbe es keinen Grund, warum
Museumsdirektorin: Ich weiß nicht, was geschah, bevor nicht. Gerade hat uns das Museo Reina Sofía um den Verleih
wir das Bild 1945 erwarben. des Bildes für eine Ausstellung gebeten. Allerdings passt es
Sudaca: Wie hieß der Verkäufer? nicht durch die Tür und wir müssten den Rahmen entfernen.
Museumsdirektorin: An den Namen erinnere ich mich Ein so großes Risiko möchten wir nicht eingehen.
nicht. Er befindet sich jedoch in den Unterlagen. Es war ein Sudaca: Bolivien würden Sie es nicht als Leihgabe über-
Privatmann, der zu dieser Zeit in Toledo lebte. Wie gesagt: Wir lassen?
wissen nicht, welchen Weg das Bild vor dem Erwerb durch Museumsdirektorin: Warum sagen Sie das?
uns genommen hatte. Sudaca: Wenn das Museo Reina Sofía es nicht bekommen
Sudaca: Weiß man etwas über die ersten Jahre seiner Exi- kann, werden Sie es Bolivien logischerweise auch nicht über-
stenz? Wer gab es in Auftrag? lassen, und das bolivianische Volk wird es niemals sehen kön-
Museumsdirektorin: Auf dieser Tafel ist seine Geschichte nen.
nachzulesen: „In der Stadt des Königs traf am Markustag um Museumsdirektorin: Das kann man so nicht sagen. Es ist
drei Uhr am Nachmittag des 2 5. April x 716 der hervorragende ja nicht so, dass wir es dem Museo Reina Sofía nicht leihen
und illustre Señor Don Fray Diego Rubio Portillo, Erzbischof würden. Die Werke im Museum sind in unserer Obhut. Wir
von La Plata und Vizekönig des Königreichs Peru, ein. Die her- müssen sie konservieren und schützen. Wir beurteilen auf
vorragendsten und bedeutendsten Herren in der illustren Grund technischer Bedingungen, nicht politisch, ob und
Stadt Robledo in La Mancha nahmen entsprechend ihrem Sta- wohin ein Bild reisen kann. Wenn es gewünscht wird, ferti-
tus am Empfang seiner Exzellenz teil." Diese Tafel wurde gen wir gern auch Kopien der Werke.
irgendwann zerstört und man versuchte später, sie so weit Sudaca: Gibt es eine offene Debatte über das kulturelle
wie möglich zu restaurieren. Sie enthält auch den Namen des Erbe mit Blick auf ein Werk und über die Frage, ob die natio-
Neffen des Erzbischofs, der das Bild in Auftrag gab. Ich möchte nalen Prozesse wichtiger sind als die Kulturen der Länder, aus
noch einmal darauf hinweisen, dass es vollkommen normal dem die Werke stammen?
war, dass sich im privaten Hausstand der nach Spanien zurück- Museumsdirektorin: Nein.
kehrenden Amerikareisenden viele Bilder befanden. Sudaca: Dieses Bild zum Beispiel: Gab es Restitutionsver-
Sudaca: Wurde das Bild denn nicht in Auftrag gegeben, handlungen oder Gespräche darüber, das Bild nach Bolivien
um es in Spanien zu zeigen? zu bringen?
Museumsdirektorin: Ich weiß es nicht. Museumsdirektorin: Nein, niemals.
Sudaca: Wie viel ist es wert? Sudaca: Bolivien hat das Bild also nie als Teil seines eige-
Museumsdirektorin: Die Werke in den staatlichen nen Vermächtnisses eingefordert?
Museen haben keinen Preis. Museumsdirektorin: Nein. Über dieses Bild wurde nie
Sudaca: Für den Verleih setzt die Versicherung doch einen gesprochen.
Wert fest, oder? Sudaca: Meinen Sie nicht auch, dass dieses Bild der boli-
Museumsdirektorin: Dieser bestimmt sich dann jedoch vianischen Gesellschaft gehört?
entsprechend den spezifischen Umständen, das heißt je nach- Museumsdirektorin: Ich meine, und das gilt für alle
dem, wohin die Leihgabe reist, wo sie gezeigt, wie sie trans- Werke dieses Museums, dass es sich um ein spanisches Ver-
portiert wird. mächtnis handelt, so lange das Gegenteil nicht bewiesen ist.

1 A. d. R.: Sudaca ist eine derbe, beleidigende von Tomás Amusco erwähnt, der das Datum runde auf Grund des Gegenangebots eines
iberische Bezeichnung (generalisierend, also „Toledo, 26. April 1945" trägt. Das Schreiben peruanischen Verwandten des Verkäufers
rassistisch) für alle Mittel- und Südamerika- ist adressiert an den Stellvertretenden Direk- über 100.000 Peseten wieder in Frage. In
ner. Im post-frankistischen Spanien wird sie tor des kurz zuvor von der Franco-Regierung einem anderen Schreiben vom 6. August
gerne in rassistischen, rechtspopulistischen gegründeten Museo de América, Tudela. Es 1945 ist von einem Angebot des Museo de
Zusammenhängen verwendet, wenn es um bezieht sich auf vor dem Krieg begonnene America in Höhe von 30.000 Peseten die
Hetze gegen Migranten geht, ist aber auch Verhandlungen über den Kauf des Bildes, die Rede. Zu diesem Preis erfolgt schließlich am
im rechtskonservativen Milieu der Mittel- nach dem Krieg fortgesetzt werden. Der 14. Februar 1947 der Ankauf.
und Oberschicht etabliert. ursprünglich vereinbarte Preis von 50.000
2 Das Bild wird zum ersten Mal in einem Brief Peseten steht in der zweiten Verhandlungs-
Der Einzug des Morcillo wenn alle stadtrelevanten Gruppen am Fest teilnehmen,
denn dies symbolisiert den Erfolg des spanischen Unter-
nehmens in Amerika: des Zivilisations- und Christianisie-
„Der Festeinzug eines Landesherrn... in eine Stadt seines Ter- rungsauftrags."4
ritoriums stand in Beziehung zu einem Rechtsverhältnis und Potosí ist ein Beispiel dafür, dass künstlerische und öko-
war für die besuchte Stadt von besonderer Bedeutung. Bereits nomische Konjunkturen sich diametral zueinander verhal-
die Stadttore waren zu Ehren des Fürsten geschmückt ... ten. Das Fest des Einzugs des Morcillo zeigt uns auch, dass in
Wesentliche Bedeutung für die Festeinzüge besaß die ephe- dieser Diametralität der künstlerische Auftrag doppelten
mere Architektur, d. h. Bauwerke, die aus vergänglichem Boden bekommt. Ein Höhepunkt der Festivitäten zum Ein-
Material errichtet und nach Ende des Festeinzugs wieder zug des neuen Vizekönigs ist die Maskerade am Abend. Ein
abgebrochen wurden. Hierzu gehören Ehrenpforten, Schau- als Minenarbeiter prächtig ausgestatteter Indiojunge lässt
gerüste mit lebenden Bildern und Tempel." 1 Ab dem 17. Jahr- flüssiges Silber aus einer Schüssel laufen. Es erinnert uns an
hundert verliert der Einzug an rechtlicher Bedeutung, er die Seele in der Hölle von Caquiaviri, die dazu verdammt ist,
dient repräsentativen Zwecken. In diesem Fall sind die Ein- ewig Silbermünzen auszuspucken.
zugsfeierlichkeiten eine verzweifelte Investition. Holguin zitiert in seinem Bild in einer Schrifttafel die
Bakewell beschreibt die Verlangsamung des Silberabbaus Angaben des zeitgleichen Chronisten der Stadt Bartolome
nach seiner Industrialisierung durch die Mita und das Amal- Arzäns de Orsüa y Vela. Man nimmt an, dass beide Zeugen
gamisierungsverfahren einerseits als Erschöpfung einer des Festes gewesen sein könnten. Der folgende Textauschnitt
Ressource und andererseits als Folge der Knappheit von indi- aus der Historia de la Villa Imperial de Potosí kann als Legende
genen Arbeitskräften durch Flucht oder durch die hohe des Bildes dienen. Es zeigt aber mehr noch den ungeheuren
Sterblichkeit. „Many of the dams and aqueducts built to pro- Aufwand der Entrepreneure und Amtsinhaber in diese Inve-
vide hydraulic power for milling were allowed to fall into dis- stition und das Entzücken einer Stadt an sich selbst. Viel-
repair ... Entrepreneurial energies were directed rather to leicht führt uns beides, Text und Bild, hier am nächsten zur
opening up new mines in other parts of the district." 2 Befragung eines Selbstverständnisses künstlerischer Arbeit
Neben einer politischen Investition geht es aber im Fest in der aktuellen Hegemonie.
darum, „die Loyalität und die Tugenden der spanischen Arzäns schreibt seine Chronik in einer Zeit des Abstiegs.
Krone in ihrem vizeköniglichen Vertreter zu verherrlichen... Er schreibt, „weaving from the history and still young leg-
Wir werden hier sehen, wie dieser scheinbar so einfache ends of Potosí a baroque tapestry of words that is the baroque
Grund zu einem komplexen diskursiven Apparat wird."3 Das equivalent of the altarpieces wrought from local silver".5
emblematische Programm des Festes ist der Urbanität, der AC, AS
Freiheit und dem Ruhm gewidmet. Es sind „Anspielungen an
die Großzügigkeit und die Höflichkeit in ihrer Konkretisie- Lesen Sie weiter auf Seite 280 (Spanisch).
rung als städtische Gemeinschaft... Die Entfaltung der Pracht
erhält eine besondere Bedeutung für die spanischen Städte,

1 Stefan Römmelt, „Festzug", in: Medien und (Hg.), Jahrbuch fiir Geschichte Lateinamerikas, Encuentro Internacional sobre Barroco, La Paz
Kommunikation, http://www.historicum.net/ 12/1975, S. 87. 2007, S. 149.
no_cache/persistent/artikel/26o8. Lucía Querejazu Escobari, „El programa 4 Ebd., S. 1 5 1 .
2 Peter J. Bakewell, „Registered Silver Produc- emblemático alegórico en la entrada del Vir- 5 Peter Bakewell, Miners of the Red Mountain:
tion in the Potosí District, 1 5 5 0 - 1 7 3 5 " , in: rey Morcillo a Potosí en 1 7 1 6 " , in: Norma Indian Labor in Potosí, 1545-1650 Albu-
Richard Konetzke, Hermann Kellenbenz Campos (Hg.), La Fiesta. Memoria del IV querque 1984, S. 52.

Dieser Fetischbauch hat in seinem Hunger nach sich selbst viele Dinge verschlungen. In der
Nähe des Fadenkreises von Elvira Espejo können Sie die Geschichte einer seiner Beuten lesen.
Khipus waren wichtige Informationsträger in der indigenen Kultur vor der Conquista. Die alten Lager - Ethnologisches

30
Khipus sind nun nicht mehr dechiffrierbar. Das Ethnologische Museum Berlin behauptet, mehr Museum
2010
als die Hälfte aller antiken Khipus auf der Welt zu besitzen. Die Fotos an diesen Schnüren sind Berlin
Schnappschüsse aus dem Depot des Museums. Auf der anderen Seite können Sie lesen, warum
das Ethnologische Museum zögerte, Khipusiür die Ausstellung auszuleihen.
Warum die Khipus nicht kommen - und wenn sie die Plätze vollständig durchsucht hatten,
brachten sie alles nach Lima zum Großvater, der sie für die
Zeit ihrer Arbeit entlohnte, und sie gleich wieder zu neuer
Khipus (Quipu) sind mnemotechnische Instrumente zur Arbeit fortschickte. Dann wurden bei uns zu Hause die aus-
Aufzeichnung von statistischen Berichten und Zahlen. gegrabenen Sachen sortiert; der größte Teil war oft wertlos
Khipu bedeutet „Knoten". Sie bestehen aus einer Haupt- und wurde weggeworfen, nur die wirklich schönen und
schnur, an der andere Schnüre befestigt werden. Khipus dien- kunstvollen Sachen wurden in die Sammlung eingereiht.'
ten zu statistischen Angaben über Einwohner, Soldaten, (Erna Gretzer an ihren Enkel Aribo Gretzer) Die Art und
Tiere, Ländereien, über Lagerbestände bis hin zu histori- Weise, in der die Gräber geöffnet, die Mumien zum Teil ihrer
schen Ereignissen und astrologischen Kalendern. Die mei- Totentücher und Umhänge entledigt und in Mengen Grab-
sten Khipus wurden durch die spanischen Eroberer im 16. beigaben sortiert wurden, war damals weit verbreitet... Zahl-
und 17. Jahrhundert u. a. durch die Kampagne zur Auslö- reiche Tempelanlagen und Grabstätten der verschiedenen
schung der Idolatrie zerstört. Die aus dem 15. und 16. Jahr- Kulturhorizonte im Alten Peru sind infolge der... Raubgra-
hundert noch erhaltenen historischen Khipus sind bis heute bungen zerstört worden. Die Praxis der Raubgrabung exi-
nicht lesbar. stiert noch heute, auch wenn die Gesetze anders geworden
Das Ethnologische Museum in Berlin behauptet, dass von sind. Graböffnungen ohne Erlaubnis der örtlichen Behörden
diesen etwa 700 Khipus weltweit 320 (380 je nach Zählweise) ... werden international als kriminell eingestuft... Zu denken
in ebendiesem Museum sind. Sie sind eine Schenkung von gibt, dass kurz nachdem Wilhelm Gretzer seine umfangrei-
Arthur Baessler, der sie 1898 unter mehreren tausend ande- chen Sammlungen aus Peru herausbrachte, die peruanische
ren Objekten von dem Textilkaufmann Wilhelm Gretzer Regierung ein Ausfuhrverbot für Archäologika erließ." 1
erwarb. Gretzer lebte zusammen mit seiner Frau Erna von Unsere Anfrage, einen Khipu für die Ausstellung zu lei-
18 7 3 bis 1904 in Lima. Als sie 1904 nach Deutschland zurück- hen, wurde vom Ethnologischen Museum in Berlin positiv
kehrten, brachten sie eine Sammlung von etwa 300.000 beantwortet, solange es die Stationen in Madrid und Berlin
archäologischen Objekten mit, die sie in den folgenden Jah- betraf. Für die letzte Station in La Paz verlangte das Museum
ren an die damals entstehenden Völkerkundemuseen in Ber- eine offizielle Bestätigung vom Ministerium für Kultur, dass
lin, Köln, Leipzig, Göttingen, Göteborg und Hannover ver- der Khipu nicht dort einbehalten wird.
kauften. „.Schon seit 1874 ließ Dein Großvater (d. i. Wilhelm In Bezug auf unsere Frage, ob die Khipus in diesem
Gretzer) Ausgrabungen machen durch Eingeborene, es Museum nicht selbst Raubgut seien, wurden wir auf die Ber-
waren meist 3 bis 4 Leute, die sich verpflichtet hatten, nur lin-Declaration verwiesen, ein Kodex für Museen, eine
für den Großvater zu arbeiten, und das geschah bis zum Jahr Expertise für alle Gegenstände zu machen, die die Legalität
1904. Die Plätze... waren in allen möglichen Gegenden Perus ihres Erwerbs beweist. AC

1 Claus Deimel u. Alke Dohrmann, „Zur


Geschichte der Sammlung Wilhelm und
Erna Gretzer", in: Archäologie des Alten Peru,
Niedersächsisches Landesmuseum Hanno-
ver 1999, S. 44-

„Erklärung zu Bedeutung diese frühere Epoche widerspiegeln. Objekte und Monum-


entalwerke, die bereits vor Jahrzehnten oder gar Jahrhun-
und Wert von Universalmuseen" derten überall in europäischen und amerikanischen Museen
aufgestellt wurden, wurden unter Bedingungen erlangt, die
mit heutigen Maßstäben nicht vergleichbar sind.
Die internationale Gemeinschaft der Museen ist sich einig, Mit der Zeit wurden die durch Kauf, Schenkung oder Auf-
dass der illegale Handel mit archäologischen, künstlerischen teilung [partage] erlangten Stücke zu Bestandteilen der
und ethnischen Objekten strikt unterbunden werden muss. Museen, in deren Obhut sie sich befanden und im weiteren
Allerdings sollten wir anerkennen, dass bei Stücken, die in Sinne auch Teil des nationalen Erbes der jeweiligen
früheren Zeiten erworben wurden, andere Sensibilitäten Museumsländer. Heute gehen wir überaus sensibel mit der
und Wertvorstellungen zugrunde gelegt werden müssen, die Frage nach dem Ursprungskontext eines Werkes um, aber
wir sollten dabei nicht aus den Augen verlieren, dass auch New York, Opificio delle Pietre Dure Florenz, Staatliche Museen zu
Museen einen nützlichen und wertvollen Kontext für Berlin, Philadelphia Museum of Art, Cleveland Museum of Art,
Objekte bilden, die schon vor langer Zeit aus ihren ursprüng- Museo del Prado Madrid, /. Paul Getty Museum Los Angeles, Rijks-
lichen Zusammenhängen herausgerissen wurden. museum Amsterdam, Solomon R. Guggenheim Museum New York,
Die allgemeine Bewunderung für antike Kulturen wäre Staatliches Museum Eremitage Sankt Petersburg, Los Angeles
heute ohne den Einfluss ihrer Artefakte, die einem interna- County Museum of Art, Museo Thyssen-Bornemisza Madrid,
tionalen Publikum in bedeutenden Museen weithin zugäng- Musée du Louvre Paris, Whitney Museum ofAmerican Art New
lich sind, nicht so tief verwurzelt. York, The Metropolitan Museum ofArt New York
Der Ruf nach der Rückgabe von Objekten, die viele Jahre
lang zu ihrem Bestand gehörten, ist für Museen zu einem Quelle: http://icom.museum/pdf/E_news2004/p4_2004-1 .pdf

wichtigen Thema geworden. Zwar sollte jeder Einzelfall indi-


viduell geprüft werden, aber wir sollten auch berücksichti- Lesen Sie mehr zur fragwürdigen Permanenz des Begriffs Uni-
gen, dass Museen nicht nur den Bürgern eines einzelnen versalmuseum im Selbstverständnis zeitgenössischer Museen auf
Staates, sondern Menschen in allen Ländern zugutekom- Seite 281 (Englisch).
men. Museen sind Katalysatoren für die Entwicklung der
Kultur, indem sie durch einen ständigen Prozess der Neuin-
terpretation unser Wissen mehren. Jedes Museumsstück
trägt zu diesem Prozess bei. Würde man den Fokus von Das Ethnologische Museum in Berlin soll in das rekonstru-
Museen mit ihren vielfältigen und facettenreichen Samm- ierte Preußenschloss umziehen und ein Teil des sogenann-
lungen einengen, erwiese man damit allen Besuchern einen ten Humboldtforums bilden. Die Gruppe Alexandertechnik
schlechten Dienst. hat im letzten Jahr dagegen mit einem Anti-Humboldt-
Unterzeichnet von den Direktorinnen und Direktoren Kongress interveniert.
folgender Museen:
The Art Institute of Chicago, The Museum of Fine Arts Boston, Lesen Sie weiter auf Seite 283 (Englisch).
Bayerische Staatsmuseen München, The Museum of Modem Art

\
g ANTI-HUMBOLDT
¿Zx? /&/&//staltung zum s^tó^K?^
Einladungskarte zum A t f c / r ó a u des H u mho\&W
Anti-Humboldt-Kongress,
Berlin 2009
Grafik: Andreas Siekmann organisiert von Alexandertechnik www.humboldtforum.info
Nationbranding „Humboldt-Forum" ist die neue Idee, u. a. die Ethnologischen
Sammlungen aus Berlin-Dahlem in das rekonstruierte
Schloss zu bringen. Diese Idee erfüllt die Lobbyisten nach
„Nationbranding" war ein Workshop im Rahmen des ihrer Ratlosigkeit mit Euphorie. Uns gibt sie folgende Denk-
Anti-Humboldt-Kongresses, organisiert von Alexander- aufgaben: Warum eignen sich geraubte Objekte und Bilder
technik, am i2. Juli 2009 gegen das geplante Humboldt- von kolonialen Expansionen so gut, das Loch in der nationa-
Forum in Berlin. len Einheit zu stopfen? Welche Beziehung existiert zwischen
Nationbranding, nationaler Identität und Kolonialismus?
Nation Branding bezeichnet den Versuch, einem Staat durch Teilnehmer des Kongresses: Kerstin Stakemeyer, Johan-
Anwendung von Kommunikationstechniken aus der Markentech- nes G. Raether (für Rosa Perutz), Max Jorge Hinderer, Alice
nik ein mit einer Handelsmarke vergleichbares Image zu ver- Creischer, David Riff, Anthony Davies und Jorge Luis Marzo.
schaffen ... Nation Branding knüpft an bestehende, zumeist diffuse, Anthony Davies: „I'm going to talk about nation brand-
Urteile und Bilder über einen Staat und eine Nation an. Bestehende ing or rebranding national identity from a British (plague of
Merkmale eines Staates wie seine politische Struktur, Kultur und locusts) perspective. What I'll do is hone in on a single
Geographie werden dabei ebenso berücksichtigt wie die Bevölke- archeaology covering culture, education and finance on the
rung, die ebenso Zielgruppe des Nation Brandings ist. one hand and what might be called regional, city and
http://de.wikipedia.org/wiki/Nation_Branding national branding on the other. Of course there are many
archaeologies ... but I'd like to highlight the way in which
Nationbranding und das Humboldtforum in Berlin: Der much of the so-called economic growth and development
Palast der Republik ist abgerissen. Seit Beginn der 9oer-Jahre that we've witnessed in Britain over the last two decades
engagierte sich in Berlin eine Initiative von deutschen Ari- might be recast in the light of the current financial crisis as
stokraten und Immobilienunternehmern für die Rekon- a chaotic and largely uncoordinated response to an ongoing
struktion des ehemaligen Preußischen Schlosses, das nach crisis in capitalism. And this would of course include nation
1945 von der DDR-Regierung als Wahrzeichen von Nationa- rebranding exercises. So .development' ... the Knowledge
lismus und Kriegstreibertum abgerissen wurde. Die Initia- Economy, the Dot Com boom, the New Economy, the Third
tive argumentierte, dass die Rekonstruktion des Schlosses Way, the intensification of sponsorship, corporate alliances
die Lücke im klassizistischen Ensemble der Gebäude unter and partnerships, the Creative Industries, the globalised con-
den Linden schließen würde. Aber diese Argumentation ist temporary art market, the Creative Economy, cultural entre-
schwer differenzierbar von der ideologischen Wiederher- preneurship, culture led regeneration, business incubation
stellung einer geschichtlich bruchlosen Einheit zwischen in educational institutions... I could go on."
Preußen und Deutschland. Zuerst wussten die Lobbyisten
nicht genau, wie das rekonstruierte Schloss eigentlich Lesen Sie Beiträge von Anthony Davies, David Riff und forge Luis
genutzt werden sollte: eine Shopping-Mall, ein Hotel, ein Marzo zu Nationbranding in England, Moskau und Spanien auf
Multiplexkino? Diese Ratlosigkeit zeigt eine inhaltliche Seite 284jf. (Englisch). ^ ^ ^
Leere, ein Loch in der Rekonstruktion dieser Einheit.

Vorne bei der Arbeitvon Isaías Griñolo haben Sie schon eine Leiter bemerkt, die durch den Him-
mel aus Gewächshäusern zu einem kleinen Fenster führt. Daneben befindet sich ein Griff, mit
dem Sie verschiedene Linsen drehen können. Die Linsen erzählen von einem anderen Festzug,

31
Día de la Hispanidad
Konstanze Schmitt es sind Fotos von den Feierlichkeiten zum Día de la Hispanidad, dem Datum der Entdeckung Ame-
2009
Madrid
rikas, die letztes J a h r am 12. Oktober aufgenommen wurden. Durch diese Linsen können Sie auf
den Spruch an der benachbarten Wand schauen. Es sind Sätze der Gruppe PRPC, die sich gegen
die Biennale in Sevilla engagiert.
3J
In Sevilla hat die Kulturpolitik seit 2004 eine programmatische Kapitalisierung des zeitgenössi-
schen künstlerischen Ausdrucks erfahren. Die BIACS-Stiftung (Internationale Biennale Zeitge-
nössischer Kunst in Sevilla) erhält seitdem einen Großteil der öffentlichen Gelder für Kulturpro-
duktion, plus zusätzlicher privater Unterstützung, um ein Imageprojekt der Stadt zu gestalten,
das die Pause der Selbstdarstellung Sevillas nach der EXPO '92 beenden soll. Das Projekt wurde
legitimiert, indem man große Namen der aktuellen Kunstszene wie Harald Szeemann, Okwui
o.T.
Enwezor oder Peter Weibel gewinnen konnte. Die inzwischen bankrotte BIACS-Stiftung machte PR PC (Plataforma de Reflexión
sobre Políticas Culturales)
letzten Dezember die Verlegung der Biennale auf Februar 2011 und eine mündliche Vereinbarung mit der Abu 2010
Dhabi Authority Culture & Heritage Stiftung (die in Beziehung zur königlichen Familie der Emirate steht) über Sevilla

eine Partnerschaft in der vierten Biennale publik. Zurzeit, weniger als ein J a h r v o r d e r angeblich vierten Bien-
nale von Sevilla, gibt es zu diesem Thema nichts Neues. Mittlerweile hat die Fundación BIACS Konkurs ange-
meldet.

Potosí Prinzip verorten und unseren Protest gegen eine Kul-


Plataforma de Reflexión sobre turpolitik nach dem Modell BIACS in Sevilla verdeutlichen.
Políticas Culturales Ergänzende Notizen finden sich jeweils in den Ausstellun-
gen des PotosíPrinzips in Madrid, Berlin und La Paz sowie auf
unseren Websites http://potosiprincipleprocess.wordpress.
Der Beitrag der PRPC zum Potosí Prinzip ist eine Annotation com und http://www.prpc.e-sevilla.org.
zum ausgesprochen erhellenden Interview, das Jesús Álva-
rez am 20. Dezember 2009 für die Tageszeitung ABC mit dem PRPC (Plataforma de Reflexion sobre Políticas Culturales) ist
BIACS-Präsidenten Fernando Franco führte. Es offenbart den ein Raum der Debatte. Wir hinterfragen die Privatisierung
Größenwahn dieses mehrfach gescheiterten Projekts. Zum öffentlicher Gelder für die Kulturprojekte der Fundación
ersten Mal werden die Insolvenz des Projektträgers und der BIACS und die Lobbys privater Investoren. Das Online-Tool
Missbrauch öffentlicher Gelder aus dem Kulturetat zugege- zur Information und Diskussion der PRPC findet sich auf
ben. Im Folgenden dokumentieren wir die ersten drei Noti- http://www.e-sevilla.org.
zen eines von uns gemeinsam erarbeiteten längeren Textes.
Wir ergänzen das Gespräch um Reflexionen, Kommentare Lesen Sie weiter auf Seite 286 (Englisch).
und Nachrichten, mit denen wir uns im Diskurs um das

Human Rights Watch hat mittlerweile ein eigenes Dossier zu den Arbeitsbedingungen an den Baustellen in
Sadiyaat Island, Abu Dhabis kulturellem Prestigeprojekt mit Niederlassungen des Guggenheim Museums und
des Louvre, herausgegeben. Die Organisation schrieb Briefe an die Museen und die Architekten - zum Bei-
spiel an das Büro J e a n N o u v e l - m i t der Aufforderung, diese Arbeitsbedingungen zu unterbinden, und erhielt
keine Antwort.
Was kommt dabei heraus, wenn wir durch die Linse eines Nationalfeiertages auf den Cold Turkey der Selbst-
repräsentation einer Stadt schauen, der mit einer Biennale gestillt werden soll, wobei der Sponsor denselben
Symptomen erliegt wie die bankrotte Stadt?
Verknüpfen wir diese Frage mit einer Geschichte von dem Vorbild aller Biennalen. In der Broschüre des Pavil-
lons der Vereinigten Arabischen Emirate zu ihrer ersten Präsentation in Venedig 2009 heißt es: „ . . . arts and
heritage are vital to the s u c c e s s of Dubai's expanding economy b e c a u s e they are the key building blocks of
civil live and public dialog. ( T h e y ) . . . lead to innovation in a r e a s such as hospitality management and entre-
preneurship causing a positive impact on the e c o n o m y . . . building its reputation as a world c l a s s cultural des-
tination." Dieser Text ist genau so deutlich wie andere City- oder Nationbranding-lexte aus Berlin, London,
Moskau oder Sevilla. Uns interessiert die Behauptung, d a s s Kultur eine Säule des zivilen Lebens ist, die noch
aus einem als Staat verkleideten \mmob\Wer\-Developer mit Arbeitsbedingungen nahe an moderner Leibei-
genschaft, wie auch Human Rights Watch in seinen Reporten zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (2004/
2008) immer wieder betont, eine „Zivilgesellschaft" herzustellen vermag. Es geht hier nicht um den Ausdruck,
sondern um die Erzeugung zivilen Lebens, nach dem Kanon einer westlichen bürgerlichen Gesellschaft. In
ihm nimmt Kunst die Rolle von Kritik ein, im Sinne einer Selbstreflexivität. „The UAE Pavilion will confront the
art world's widely held doubts about the very project of representing a nation. Playfully and provocatively
entiteled ,lt's Not You, It's Me', the UAE a s a whole can be seen a s an exhibition about exhibition making . . . "
Wir müssen noch einmal wiederholen: Diese kulturelle Selbstreflexivität erzeugt erst den Staat als gesell-
schaftliches Subjekt, und sie erzeugt ihn mit der kulturellen Technik der Kritik. Wir können dies als historische
Linie zurückverfolgen bis zur bürgerlichen Kultur als Gestalt/Identität des Nationalstaates. Wie ist ein Re-
Reading der Entstehungserzählung von bürgerlicher Kultur vorstellbar, d a s sowohl die Gestaltwerdung von
Nation als auch seine kolonialen Bedingtheiten mit einschließt? Und können wir Sie und uns selbst aus dem
Bauch des Fetischs führen, ohne bloß w i e d e r in eine andere Verdauungskammer zu geraten, das heißt
Beweisindiz seiner Liberalität zu w e r d e n ?

Noch einmal zu den W a s c h m a s c h i n e n des Archivo Caminante, die in der Museumswand ein-
gelassen sind: „Kann der Semiokapitalismus wie eine riesige Wäscherei funktionieren? Können
seine musealen Institutionen zu großen Waschmaschinen werden, die durch ihr Ausstellungs-

3
und Katalogsystem „nicht nur sauber, sondern rein" w a s c h e n ... von Massenmord, Armut und
Umweltzerstörung?" Dies fragt der Autor als Zeuge zweier paralleler Prozesse, die sich in Argen-
tinien nach der Krise vollzogen: der Normalisierung und der „Sojaisierung". Die sogenannten
„Zentren und Peripherien" sind nicht statisch, sie passen sich der globalen Zirkulation von Investment, Ent-
eignung, Vergiftung und Vertreibung an. Die Inwertsetzung der „Peripherien" wird in den Urbanen Zentren
von massiv medialisierten Sicherheitsdiskursen begleitet, die einschüchtern sollen, sowie von einer neolibe-
ralen Kultur, deren Profession e s ist, sich politische Erfahrung anzueignen und sie zu neutralisieren. Beides,
Sicherheit und Liberalität, gehört zur Inszenierung einer intakten Regierung aus der Zeit der W a s c h s a l o n s .
Sie sind ein Sedativum für d a s s e m a n t i s c h e „Disarrangement" zwischen der Ware, den Bildern und der
Objekte im Museum - und für die verletzten Nerven der ausgelöschten Geschichte ihrer Wertbildung.
Genkultur Revisited che von der Beziehung zwischen Körpern, Ideen und Idealen,
von Gewebe.
Eduardo Molinari Dritte Mautstation: Erfunden von all den Kuratoren, Theo-
retikern, Managern und Beamten, die von der Präsenz und
Sichtbarkeit der neuartigen, verschiedenen Ästhetik und Pra-
„Eine Suche, die speziell die künstlerische Praxis bewegte, ist die nach xis überfordert waren, kommen die Kategorien „Kunst und
der Überwindung der eigenen Anästhesie gegen die Verletzlichkeit Politik", „Kunst und Aktivismus" oder „Artivismus" auf. Ver-
durch Äußeres, die der aktuellen Politik der Subjektivation inne- such der Normalisierung auf der einen Seite und vorgebliche
wohnt. Verletzlich zu sein, bedeutet eine spezifische Fähigkeit des ethische Wertung im Moment ihres Eintritts in die Institu-
Sensiblen zu aktivieren, die über Jahrhunderte unterdrückt wurde tionen auf der anderen, war die Geste der argentinischen Intel-
... Ihr zufolge ist der Andere eine lebendige Präsenz aus Kräften, die lektuellen im Bereich der Kunst alles andere als freundlich
unsere sensible Textur beeinflussen; sie sind also auch Teil von uns. gegenüber den neuen Praktiken, die schon länger die Gren-
Die Figuren von Subjekt und Objekt lösen sich auf, und damit das, zen von Kunst „und" Politik hinter sich gelassen hatten. Es
was unseren Körper von der Welt trennt. Das ist der oszillierende gab kein Zurück mehr. Obwohl wir inzwischen das Jahr 2010
Körper."(Suely Rolnik, „Geopolítica del rufián" [The Geopoli- schreiben und es wahr ist, dass sich die Kunstszene vergrößert
tics of Pimping] in: Felix Guattari & Suely Rolnik (Hg.), Micro- hat, was die Einbindung von Personen angeht, die früher
política, cartografías del deseo [Micropolitics, Cartographies of missachtet wurden, hat dennoch keine wahrhaftige Demo-
Desire], Tinta Limón, Buenos Aires 2005, S. 479-480) kratisierung des Kunstbetriebs stattgefunden, noch gibt es
mehr Orte, die der Diskussion und dem Austausch gewidmet
Der Semiokapitalismus setzt seine künstlerische Dynamik sind; Ausstellungs- und Verkaufsorte hingegen schon. Auf die-
durch, indem er die Kulturindustrie organisiert... Typisch für ser Teilstrecke ist die Gebühr immer noch sehr hoch: Politi-
die Privatisierung, wie wir sie in den i99oer-Jahren erlebt sches ist als „künstlerisches Thema" akzeptiert, aber wenn die
haben, ist unsere Art uns fortzubewegen: die Mautstelle. Um Bilder aus einem anderen Gewebe stammen als aus dem des
sich fortzubewegen, benötigt man eine Erlaubnis oder man Künstlers/Produzenten der Verkaufsobjekte, oder wenn die
muss zahlen. Auf dem Weg zur 2 00-Jahr-Feier ergänzen die fol- (öffentliche oder private) Institution stärker kritisiert wird,
genden drei Mautstationen perfekt die rekombinante Gen- oder wenn, letztendlich, die materiellen Bedingungen einer
kultur: Arbeit ohne Honorare und Verträge thematisiert werden,
Die erste Station ist der Tauschpunkt „Geschichte gegen machen die fehlenden Gesprächspartner deutlich, dass das
Erinnerung". Die Kräfte der sozialen und kulturellen Bewe- Schweigen der 9oer-Jahre wieder zum Greifen nahe ist. Nor-
gungen und ihre Suche nach neuen Formen von „Institutio- malisierung ist weiterhin das Ziel.
nalität" werden behindert und normalisiert. Der Tausch- Die Genkultur kombiniert diese drei Möglichkeiten
punkt zwingt uns, all unsere Kraft darauf zu verwenden, die (Geschichte zur Erinnerung, Anästhesie des durchlässigen
vergangenen Kämpfe zu erinnern und auszustellen, statt sie Körpers, Erfindung der Kategorie „Kunst und Politik") und
in die Gegenwart hineinzutragen. Das Ergebnis ist die Ver- diktiert so die Bedingungen von Legitimität, Verteilung und
wandlung dieser Erinnerungen in Mumien (ähnlich wie die Umlauf von Kunstwerken. - „Hasta la Victoria Ocampo!"
Puppen, die ausgestellt werden, um vom Tod der ursprüng- Dieser Slogan kam bei einer Kunstaktion während des
lichen amerikanischen Kulturen zu berichten). Der Irrweg sozialen Konfliktes zwischen Sojaproduzenten und Regie-
einer historischen Dimension unserer Existenz wird zu rung im Jahr 2008 auf. Der Künstler Roberto Jacoby hatte den
Geschichte, die, nachdem wir die Mautstelle hinter uns gelas- Spruch als ironischen Kommentar auf Fahnen und T-Shirts
sen haben, nur noch „Vergangenheit" ist. drucken lassen. „Hasta la Victoria Ocampo!" ist eine „trans-
Die zweite Station ist die Anästhesie des oszillierenden, gene Rekombination" aus Che Guevaras Worten („Hasta la
des durchlässigen Körpers. Ich sprach bereits vom Zu- victoria siempre!") und dem Namen der Schriftstellerin und
sammenbruch jeglicher Repräsentationskonzepte, seien sie intellektuellen Vertreterin der argentinischen Oligarchie Vic-
nun politisch, wirtschaftlich oder künstlerisch. Ebenso toria Ocampo. Der Scherz ist so lustig wie politisch zwei-
erwähnte ich die heutige Unmöglichkeit beziehungsweise schneidig - vor allem wegen seines Kontextes. Der interes-
das absurde Unterfangen, die Realitäten, die uns umgeben, santeste Aspekt daran war, dass Jacoby die T-Shirts für 2 o Pesos
darzustellen, am wenigsten die Subjekte von Kämpfen und auf beiden Demonstrationen verkaufte, an beide Seiten des
Widerstand. Die Paradigmen von Militanz, Aktivismus und Konfliktes, am gleichen Tag, in verschiedenen Stadtvierteln
Künstlertum sind nicht mehr gültig. Es geht nicht darum, von Buenos Aires.
„Kämpfer" darzustellen, sondern uns gemeinsam zu stellen,
lebendige Anwesende mit eigenen Stimmen zu sein. Ich spre- Auszüge aus: Eduardo Molinari, Los niños de la soja, Buenos Aires 2010.
Verkehrte Welt

fsaaü^^g"

Nun sind wir zum letzten dieser langen Wege zur Ausreise aus dem Labyrinth der Verdauungsorgane der Insti-
tution und der zeitlichen Linien der Geschichte gekommen. Wird uns die Ausreise gelingen?

Gehen Sie noch einmal zur „Neuen Chronik und gute Regierung", schlagen Sie die Seite 617 [603]

O auf. Es geht um zwei Priester, die ihre Beute, die sie von Indios gemacht haben, mit anderen Trun-
kenbolden verprassen. „Und so gibt es bei den niedrigen Indios, dem Mitayo, viele ,Don' und
,Doña'. Welch ein guter Verkehrte-Welt-Don J u a n ! Er lädt den Trunkenbold zu Gast, und auch er

22
wird ein weiterer Trunkenbold wie sie sein, eine Unehre für seinen Usch als Pater in diesem König-
reich." Poma de Ayala verwendet den Ausdruck „verkehrte Welt" dann, wenn es darum geht,
dass Unbefugte sich selbst als Don oder Doña bezeichnen. Das passiert in einer Welt, in der alle
sozialen Zusammenhänge zerstört sind.

Jetzt nochmals zu den Zeichnungen von Melchor María Mercado. Schauen Sie das Blatt

19 „Mundo al revés" an. Der Ochse steht hinter dem Pflug und treibt die Menschen an.
Sind beide Beispiele nur moralische Sentenzen, wo soziale Ordnung gleichgesetzt wird mit intak-
ter Herrschaft? Oder verbirgt sich darin eine Umkehrung?
K eö» Htva $ oltvta\\a. J ,

Jtt vro)ö 4 W

J8
Neben den Nachrichten a u s dem Archiv zur jetzigen Krise w e r d e n Sie eine kleine Zeichnung
bemerkt haben, ein Leviathan, auch von Poma de A y a l a , ein „ G e w i s s e n s w u r m ... Dieser Wurm
ist ein grimmiger Kummer und eine fruchtlose Reue, w e l c h e die B ö s e n dort immer haben w e r -
den, und e s wird nämlich nie e n d e n , s o l a n g e Gott Gott sein wird und in alle Ewigkeit ohne Unter-
laß. Stelle B e t r a c h t u n g e n über d i e s e S t r a f e a n " , fordert er auf. „Stelle Betrachtungen darüber
an, wie die Indios und Indias in d i e s e m g e g e n w ä r t i g e n Leben mit so großer Geduld so viele Übel