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Aschenbach muss erfahren, dass sein vorausgeschicktes Gepäck auf einen falschen Zug verladen

wurde. Die einzige Alternative ist nun, in das Hotel zurückzukehren und sich erneut dort einzumieten.
Allerdings ist der Schriftsteller nicht ärgerlich wegen des fehlenden Gepäcks, sondern viel mehr froh,
nun wieder in der Nähe des schönen Knaben Tadzio zu sein.

Inhaltsangabe

Weil sich das Wetter bessert, verweilt Aschenbach in Venedig, auch dann noch, als seine Koffer
längst wieder eingetroffen sind. Mit der Sonne steigt seine Stimmung. Regelmäßig beobachtet er
Tadzio beim Spielen und Baden. Jede Haltung, jede Bewegung, jeder Muskel, jedes Härchen an
dessen Körper erregt seine Bewunderung und blendet ihn. Ist es nicht Kunst, die sich ihm da
offenbart? Aschenbach gerät ins Schwärmen, sinniert über die Antike und das damals übliche
Verhältnis zwischen weisen älteren Männern und jungen, schönen Knaben. Er träumt von Sokrates
und seinem Schüler Phaidros. Die Anwesenheit des Jungen inspiriert ihn: Er schreibt und nimmt sich
dabei den Körper Tadzios zum Vorbild für die Ideen der hervorragenden Linienführung und der
künstlerischen Vervollkommnung. Sein entstehendes Werk wird makellos: ein ins Geistige
verschobener Liebesakt. Eine Gelegenheit, Tadzio anzusprechen und damit das Verhältnis nüchterner
zu gestalten, lässt Aschenbach verstreichen. Im Grunde will er diesen Knaben bewundern, ihn
vergöttern und nicht durch schnödes Allerweltsgerede auf ein normales Maß einschrumpfen sehen.
Eines Abends begegnet er Tadzio auf der Dampferbrücke. Der Junge lächelt ihn an. Schlagartig flieht
Aschenbach in die Schatten des Gartens, vom Lächeln des Schönen getroffen wie ein Pfeil. Ihm wird
klar, dass er in Tadzio verliebt ist.

In der vierten Woche auf dem Lido bemerkt Aschenbach etwas Seltsames: Der Geruch von
Desinfektion liegt über der Stadt Immer mehr Touristen reisen ab, insbesondere die deutschen
Stimmen kann man im Hotel und am Strand nicht mehr hören. Aschenbach sucht den Friseur auf und
lässt sich die Haare färben und sein Gesicht schminken. Er ist verblüfft über das ansprechende
Ergebnis. Der Friseur warnt ihn vor dem "Übel", lässt sich aber auf keinerlei Konkretisierungen ein. Es
ist, als liege ein Schweigegelübde über der Stadt: Man warnt vor dem Genuss von Meeresfrüchten, in
den Gassen und Kanälen kann man den Geruch eines Desinfektionsmittels riechen, aber
Hotelpersonal und Einheimische halten sich bedeckt. Nur der Angestellte eines englischen
Reisebüros spricht die Wahrheit aus: Man ängstige sich über die indische Cholera, einige Besucher
seien schon erkrankt, aber alles werde vertuscht. Nach Ausbruch der Krankheit kommt es nach
wenigen Stunden zum qualenvollen Erstickungstod. Der Engländer rät Aschenbach Venedig zu
verlassen, bevor die Stadt unter Quarantäne gestellt wird. Aschenbach macht sich Sorgen, dass
vielleicht auch Tadzio abreisen könnte. Er beschließt die polnische Familie nicht zu warnen.

Mittlerweile verfolgt er ihn und seine Familie regelrecht. Er geht nach ihnen in die Kirche San Marco
und hetzt ihnen durch die Gassen der Innenstadt nach, bis er erschöpft, schwindelig und
schweißgebadet aufgeben muss. Von einem Straßenhändler kauft er überreife Erdbeeren, erinnert
sich erneut an Sokrates und Phaidros und rezitiert antike Weisheiten wie: "Denn du musst wissen,
dass wir Dichter den Weg der Schönheit nicht gehen können, ohne dass Eros sich zugesellt und sich
zum Führer aufwirft."

Aschenbach fühlt sich abgespannt und kämpft mit Schwindelanfällen. Schließlich hört er davon, dass
die Polen abreisen werden. Zum letzten Mal geht der Dichter zum Strand, nimmt in seinem
Liegestuhl Platz und beobachtet den geliebten Tadzio, wie er sich mit seinen Kameraden zankt, dann
allein durchs Wasser zur Sandbank hinausschreitet und dort nachdenklich stehen bleibt. Doch was ist
das? Aschenbach, fiebrig in seinem Stuhl, ist so, als drehe sich der Schöne ihm entgegen, lächelnd
und winkend. Der Knabe watet durch das flache Wasser, dreht sich unvermittelt um, und es ist, als
ob er „hinausdeute, voranschwebe ins Verheißungsvoll-Ungeheure“.

Erst einige Minuten später wird man auf den zur Seite gesunkenen Dichter aufmerksam. Noch am
gleichen Tag wird die Nachricht von seinem Tod bekannt gegeben.

Interpretation

1. Aufbau

Thomas Mann selbst hat seinen Werk die „Tragödie einer Entwürdigung“ genannt und dabei den
Begriff Tragödie durchaus wörtlich gemeint, denn seine Novelle weist gleich mehrere klassizistische
Merkmale auf.

a) Die Novelle ist in fünf Kapitel gegliedert und erinnert so an den Aufbau des klassischen
fünfaktigen Dramas. Der erste Teil dient als Prolog und bildet mit der Begegnung zwischen
Aschenbach und dem fremden Mann den Auftakt für die späteren fatalen Ereignisse. Im
zweiten Teil werden die Hauptfigur und ihr schriftstellerisches Werk genauer vorgestellt,
bevor die Novelle im dritten Teil einem Höhepunkt entgegensteuert, der Begegnung mit
Tadzio und der missglückten Abreise aus Venedig. Der vierte Teil wirkt wie eine Verzögerung
der weiteren Ereignisse, im fünften schließlich kommt es zur Katastrophe: Aschenbachs Tod.
b) Ein anderes Merkmal war die den Chor der griechischen Tragödie parodierenden
Straßenmusikanten, die an den Ursprung des Theaters im Kult des Dionysos erinnern

2. Erzähltechnik

Die Geschichte wird durch einen Erzähler vermittelt, der größtenteils als auktorialer Erzähler in
Erscheinung tritt. Er ist allwissend, kennt die inneren Vorgänge und Gedanken seiner Figuren und
greift oft erläuternd oder kommentierend in die Handlung ein. An einigen Stellen der Novelle
wechselt der Erzähler die Perspektive: Er wird dann zu einem personalen Berichterstatter und
schlüpft in die Rolle seines Protagonisten Gustav Aschenbach hinein.

3. Zeit

Die Novelle umfasst ungefähr zehn Wochen. Die erzählte Zeit wird je nach Relevanz sehr ausführlich
oder gerafft dargestellt: Die zwei Wochen vom Entschluss zum Aufbruch bis zum tatsächlichen Antritt
von Aschenbachs Reise werden komplett ausgelassen, andere Szenen, etwa im Speisesaal oder am
Strand, werden stark gedehnt. Zum Ende hin beschleunigt sich das Erzähltempo immer mehr, sodass
dem Leser ebenso wie der Hauptperson das Gefühl für die verstrichene Zeit verloren geht.

4. Todesboten

Ein zentrales Motiv der Novelle ist der Todesbote, der in wechselnder Gestalt auftritt:

a) Erstmals in der „des Fremden“ vor der Friedhofshalle. In dem Blickduell hat Gustav von
Aschenbach dem Tod in die Augen gesehen.
b) Dann war der Greis, den Aschenbach auf dem Schiff nach Venedig beobachtet und den er so
schrecklich abstoßend findet, da er versucht durch Kleidung, Schminke und dem Einfluss von
Alkohol bei seiner jungen Begleitung Anklang zu finden. Interessant ist nur, dass Aschenbach,
womöglich weil er so verzweifelt ist und keine andere Möglichkeit weiß, selbst durch
jugendliche Kleidung, Schminke und gefärbte Haare versucht, für den jungen Tadzio attraktiv
zu wirken.
c) Der Gondolier, der Aschenbach in die Lagune rudert. Obwohl Aschenbach protestiert, denkt
der Gondolier nicht an eine Umkehr. Man kann ihn als Fährmann in die Welt der Toten
sehen.
d) Der freche Anführer der Straßenmusiker, der Aschenbach die Zunge zeigt, nachdem sich
dieser nach der Ursache für die Desinfektion der ganzen Stadt erkundigte.
e) Das Motiv des Todesboten gipfelt in der Figur des anmutigen Tadzio. Im Schlussbild der
Novelle meint der Sterbende, Tadzio lächle ihm zu und deute vom Meeresufer aus mit der
Hand „ins Verheißungsvoll-Ungeheure“. Diese Geste macht aus Tadzio eine Hermes -
Inkarnation, denn zu den Aufgaben jener Gottheit gehörte es, die Seelen der Verstorbenen in
die Totenwelt zu führen.

5. Weiter Todesmotive

Erstes Kapitel:

 Der Name des tragischen Helden. Die Wortverbindung assoziiert beim Leser unterschwellig
„Asche in einen Bach“ als eine Art Bestattung
 Der Friedhofseingang.

Drittes Kapitel:

 Die venezianische Gondel, von der Schwärze eines Sarges, die ihren Passagier „wohlig
erschlaffen“ lässt.
 Das Meer mit seiner Wirkung des „Ungegliederten, Maßlosen, Ewigen, des Nichts“. In
Thomas Manns Metaphorik ist das Meer ein Todessymbol: „Denn Liebe zum Meer ist nichts
anderes als Liebe zum Tode“ schreibt er 1922

Fünftes Kapitel:

 Der Granatapfel-Saft, den Aschenbach nach der Vorstellung der Straßenmusikanten zu Ende
trinkt. Das Getränk spielt auf den Persephone-Mythos an: Wer vom Granatapfel des Hades
gekostet hat, kann nicht mehr zur Oberwelt zurückkehren, ganz gleich, ob er Sterblicher oder
Gottheit ist.

6. Noch andere Leitmotive

Reisemotiv:

Am Anfang der Novelle, aber auch zu der Zeit, wo Aschenbach versucht aus Venedig zu „fliehen“,
gebraucht Thomas Mann oft Wortfelder die das Reisen symbolisieren und unterstreicht dadurch
auch Aschenbachs eigene Unsicherheit und Unbeständigkeit, was seine Gefühle zu Tadzio betrifft.

Wetter:

Das Wetter begleitet Aschenbachs Stimmung durch die ganze Novelle hindurch. Ist Aschenbach z.B.
aufgeregt wegen Tadzio, ist es warm und schwül. Fühlt er sich unwohl, ist es dagegen entweder
schwül oder ruhig, fast stumpf. Durch das Wetter bringt Thomas Mann zum Ausdruck, wie
Aschenbach sich fühlt, ohne direkt in Aschenbachs Gedanken zu schreiben.
7. Griechische Mythologie:

In Thomas Manns Werk tauchen immer wieder Persönlichkeiten, Begriffe und Symbole aus der
griechischen Mythologie auf. Diese Betrachtungen von Aschenbach der griechischen Mythologie
"veredeln" die Novelle, statten sie mit Nebenbedeutungen aus und verleihen ihr einen
überzeitlichen, exemplarischen Rang. Als Aschenbach Tadzio das erste Mal erblickt, vergleicht er
diesen zum Beispiel mit einem griechischen Standbild. Weiters träumt Aschenbach davon, dass
Tadzios Verhältnis zu ihm, so sei wie das von Phaidros zu seinem Lehrer Sokrates.

Außerdem wird auf den Gott des Rausches und des Chaos Dionysos und den Gott der Erkenntnis und
Klarheit Apoll hingewiesen. Friedrich Nietzsche entwickelte aus diesen beiden Göttern eine
Kunstform: das dionysische und das apollinische. Die beiden bilden einen Gegensatz. In Anlehnung
an Nietzsche kann man sagen: Aschenbach entwickelt sich von einem apollinischen Künstler zu
einem dionysischen.

Apollinisch:
- Aschenbachs Biographie: Selbstdisziplin, Fleiß, Bürgerlichkeit
- Aschenbachs künstlerische Ideale: Form, Maß, Klassizität
- Legt hohen Wert auf gesellschaftliche Anerkennung

Dionysische:
- Verführung, Wiederkehr des Verdrängten (Trieblehre)
- Verfällt homoerotischer Liebe; befindet sich im Liebesrausch
- Gleichgültigkeit gegenüber der öffentlichen Meinung

Neben Nietzsches Philosophie ist auch Sigmund Freuds Theorie im Hintergrund der Novelle
erkennbar: Verdrängte Wünsche, Triebe, Träume spielen für Aschenbachs Entwicklung eine große
Rolle.

8. Homosexualität

Die Novelle behandelt ja ein der damaligen Zeit sehr heikles Thema: die Homosexualität. Was heute
immer mehr akzeptiert und toleriert wird, und für einige auch ganz normal ist, war damals
strafrechtlich verfolgbar und auch gesellschaftlich außerordentlich rufschädigend und ein absolutes
Tabu. Deswegen stellt sich jetzt die Frage, wie Thomas Mann es geschafft hat, dass sein Werk trotz
des provokanten Themas so erfolgreich war.

Thomas Mann wehrte sich stets gegen die Interpretation des Textes als reines Homo-Buch. Vielmehr
komme es ihm darauf an, die Schönheit, die Anmut des noch unverbrauchten Jungen zu zeigen. Er
benutzt dazu verschiedene „Methoden“ z.B. Aschenbach redet nie ein Wort mit Tadzio, und hat auch
nie Körperkontakt mit ihm. Das einzige was die beiden verbindet ist ein kurzzeitiger Augenkontakt;
oder Tadzios Körper wird von Aschenbach als „DAS Schöne“ stilisiert (Entsexualisierung); Aschenbach
ist also nicht in die Person Tadzio verliebt, sondern sieht in ihm DAS Schöne selbst.

9. Zusammenfassung

Der Tod in Venedig ist ein sehr autobiografisches Werk das es viele Parallelen zwischen Thomas
Mann und Gustav von Aschenbach aufweist. Mann verwendet lange, teils sehr verschachtelte Haupt-
und Nebensätze sowie verschiedene verheißungsvolle Begegnungen (seltsamer Wandergeselle,
Gondoliere, Musiker im Hotel). Durch diese Erzählweise wird die eigentlich wenig spektakuläre
Geschichte dennoch fesselnd und spannend.

Mann hat mit Der Tod in Venedig ein sehr heikles Thema angesprochen: die Homosexualität. Dies
war zu Thomas Manns Zeit nicht nur strafrechtlich verfolgbar, sondern auch gesellschaftlich
außerordentlich rufschädigend und tabu. Es war also für manche Zeitgenossen äußerst provokant,
dies wiederum aber noch lange kein Grund es nicht zu veröffentlichen. Trotz des brisanten Themas
fand es sogar damals großen Anklang.

Die Erzählung weist mehrere Parallelen zur Biographie des Autors auf:

 Zahlreiche Begebenheiten der Novelle gehen auf eine Venedigreise der Familie Mann im
Jahre 1911 zurück,[14] von der Katia Mann in „Meine ungeschriebenen Memoiren“ berichtet.
 Die mögliche Begegnung mit dem jungen polnischen Baron Władysław Moes (1900–1986)
bei seinem Aufenthalt 1911 soll dann den Anstoß zu Der Tod in Venedig gegeben
haben.[15] Dieser behauptete 1965 in der Zeitschrift twen (München): Ich war Thomas Manns
Tadzio. Er vermutete dies hauptsächlich wegen seiner polnischen Herkunft und dem
Spitznamen Adzio, den er als Kind getragen haben soll.[16] Jüngere Forschungsergebnisse
bezweifeln diese Annahme insbesondere wegen des Fehlens weiterer passender
Anknüpfungspunkte bzw. Widersprüchen.[17]

 Die Werke des Protagonisten Gustav von Aschenbach, die im zweiten Kapitel vorgestellt
werden, sind identisch mit bereits abgeschlossenen bzw. geplanten Arbeiten Thomas Manns,
auch wenn ihre Titel für die Novelle leicht verfremdet wurden.
 In seinem Essay über Adelbert von Chamisso, der 1911 während der Arbeit an Der Tod in
Venedig entstanden ist, hat sich Thomas Mann pointiert über die geheime Identität von Autor
und Fabelheld geäußert: „Es ist die alte, gute Geschichte: Werther erschoß sich, aber
Goethe blieb am Leben.“
 „Dies ist eine sonderbare moralische Selbstzüchtigung durch ein Buch.“ Mit dieser
autobiografischen Bemerkung kommentiert Thomas Mann im «Lebensabriß» (1930) seine
Venedig-Novelle.

5. Deutung folgender Symbole

a) Schwimmen, Wasser:
Das Schwimmen und generell das Wasser symbolisieren das Loslassen, Loslösen vom Festland aber
auch vom Alten (S.35: „In diesem Augenblick jedoch berührte ihn das Gefühl des Schwimmens,
und mit unvernünftigem erschrecken aufsehend, gewahrte er, dass der schwere und düstere
Körper des Schiffes sich langsam vom gemauerten Ufer löste.“ ; S.42: „ Aschenbach blickte auf,
und mit leichter Befremdung gewahrte er, dass um ihn her die Lagune sich weitete und seine Fahrt
gegen das offene Meer gerichtet war.“). Dieses Loslassen bedeutet für Aschenbach Veränderung
aber auch Unsicherheit.

b) Sumpf:
Der Sumpf (S.14: „... er sah, sah eine Landschaft, ein tropisches Sumpfgebiet...“ ; S.119: „Erzeugt
aus den warmen Morästen des...“) symbolisiert am Anfang des Buches den ersten Durchbruch des
Ids (S.14: „... sah aus geilem Farrengewucher...“) in Aschenbachs Bewusstsein und später zeigt er,
dass die Wandlung vollzogen und das Id jetzt öffentlich, durch die Wanderung der Cholera
symbolisiert, ist.

c) Cholera:
Die Cholera in Venedig (erstmals erwähnt S. 101: „.. der Geruch der erkrankten Stadt..“)
symbolisiert Aschenbachs Wandlung und zeigt durch ihren Ausbruch die Vollendung dieser
Wandlung. Die Ausbreitung der Cholera verläuft parallel zu Aschenbachs Wandlung, indem sie
zuerst als Geheimnis versteckt wird (S.107: „Warum man denn eigentlich, fragte der Gast in
lässiger und beiläufiger Weise, warum in aller Welt man seit einiger Zeit Venedig desinfiziere? – Es
handelt sich um eine, antwortete der Schleicher, um eine Maßnahme der Polizei, bestimmt allerlei
Unzuträglichkeiten oder Störungen der öffentlichen Gesundheit...“), dann jedoch mit dem
Fortschreiten der Krankheit immer offensichtlicher und öffentlicher wird um schließlich öffentlich
bekannt gegeben zu werden (S.119: „Seit mehreren Jahren schon hatte die indische Cholera eine
verstärkte Neigung...“). Gleichzeitig wird Aschenbach sich seiner Liebe zu dem Jüngling Tadzio
bewusst. Sein Tod, durch die Cholera hervorgerufen, zeigt das Ende seines Leidens, nachdem der
Geliebte abgereist ist.

d) Venedig:
Die Stadt Venedig bedeutet für Aschenbach die Entfaltung seines Ids und damit die Entfaltung
seiner Liebe. So symbolisiert Venedig zum einen das Sumpfgebiet seines Ids (S.67: „ Eine
widerliche Schwüle lag in den Gassen; die Luft war so dick, dass die Gerüche...“) und zum anderen
das Labyrinth seines Bewusstseins in dem er sich zurechtfinden muss, bis er sich seiner Liebe zu
Tadzio bewusst wird. Die Stadt symbolisiert aber auch den Tod, durch die Cholera hervorgerufen.

e) Erdbeeren:
Erdbeeren, von jeher ein Symbol für Erotik, symbolisieren auch in diesem Buch die Erotik, die Liebe
von Aschenbach zu Tadzio (S.63: „Und dann frühstückte er große, vollreife Erdbeeren, die er von
einem Händler erstand.“ ; S.133: „Vor einem kleinen Gemüseladen kaufte er einige Früchte,
Erdbeeren, überreife und weiche Ware...“), zumal Aschenbach jedes Mal, bevor er Erdbeeren ist, in
Tadzios Nähe war.