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PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 345

Zeit- und Normalfrequenzverbreitung mit DCF77

Dirk Piester1, Peter Hetzel2 und Andreas Bauch3

Zusammenfassung Universal Time is realised. Having given a cur-


sory survey of the history of the development
Seit mehr als dreißig Jahren werden in der Ver- of the DCF77 service, we present in some detail
antwortung der Physikalisch-Technischen Bun- the current properties of the service. Further
desanstalt (PTB) mit dem Langwellensender subjects are the propagation of long waves,
DCF77 rund um die Uhr Normalfrequenz und DCF77 reception, and, very briefly, the develop-
Zeitsignale sowie kodierte Zeitinformation gemäß ment of radio-controlled clocks. Finally we give
der gesetzlichen Zeit für Deutschland ausgesen- some information on other time services using
det. Die Sendeeinrichtungen werden heute von long wave world-wide, and the potential use
der T-Systems Media Broadcast betrieben, einer of DCF77 for alarming the public regarding
Tochter der Deutschen Telekom AG, in der Nach- catastrophic events through newly developed
folge der Deutschen Bundespost. DCF77 mit sei- radio controlled clocks including an alarming
nem millionenfach genutzten Zeitkode ist ein function.
wichtiger Bestandteil der steuerfinanzierten Infra-
struktur unseres Landes geworden. 1 Einleitung
Wir stellen zunächst die Grundlagen der ge- „Zeitmessung“ ist heute aus dem privaten All-
setzlichen Zeit und des internationalen Zeitsys- tag ebenso wenig weg zu denken wie aus vielen
tems vor. Nach einem historischen Abriss über Bereichen von Wissenschaft und Technik. Der
die Entwicklung des DCF77 werden die aktuel- Begriff wird für die Messung der Dauer von
len Eigenschaften des Senders beschrieben. Wir Zeitintervallen (Stichwort: Stoppuhr), für die
diskutieren Ausbreitung und Empfang von Registrierung der Häufigkeit von Ereignissen
DCF77 und auch kursorisch die Entwicklung während eines Zeitintervalls (Stichwort: Fre-
der Funkuhr sowie die dem DCF77 ähnlichen quenz) und für die Datierung von Ereignissen
Zeitdienste auf Langwelle in anderen Ländern der in einer Zeitskala (Stichwort: Uhrzeit) verwen-
Erde. Abschließend geht es um die mögliche Nut- det. Die letzte Aufgabe ist wohl die im täglichen
zung des DCF77 zur Bevölkerungswarnung vor Leben bedeutendste. Kaum ein (erwachsener)
Katastrophen mittels Funk-Alarmuhren. Bürger in unserem europäischen Kulturraum
wird nicht wenigstens einmal täglich auf eine
Summary Uhr sehen. Die Datierung von Ereignissen und
Since more than thirty years, the Physika- die Koordinierung der vielfältigen Geschehnis-
lisch-Technische Bundesanstalt (PTB) dissemi- se in einer modernen Gesellschaft werden als so 1 Dr.-Ing. Dirk Piester,
Mitarbeiter der PTB-
nates standard frequency and time signals wichtig erkannt, dass in vielen Staaten durch Arbeitsgruppe
around the clock by means of the LF-transmitter Gesetz geregelt ist, wie die gültige Uhrzeit an- „Zeitübertragung“
DCF77, operated formerly by Deutsche Bundes- zugeben ist, so auch in Deutschland. Grenz- E-Mail:
post and, in these days, by T-Systems Media überschreitender Verkehr und Kommunikation dirk.piester@ptb.de
Broadcast, a subsidiary of the Deutsche Telekom verlangen, dass die so festgelegten Uhrzeiten 2 Dr.-Ing. Peter Hetzel,
bis 2002 Leiter des
AG. Since 1973 coded time information accor- der Länder aufeinander abgestimmt sind. Die
PTB-Fachlaborato-
ding to German legal time has been broadcast, Grundlage hierfür legte 1884 die Washingtoner riums „Zeit- und Fre-
and this particular service has become very po- Standardzeit-Konferenz, auf der die Lage des quenzübertragung
pular in Germany and in Europe. DCF77 has Nullmeridians und das System der 24 Zeitzo- 3 Dr. Andreas Bauch,
developed to become an important part of the nen zu je 15∞ geographischer Länge festgelegt Leiter der PTB-
state-funded infrastructure of Germany. Arbeitsgruppe
wurden. Die Datierung von Ereignissen folgt
„Zeitübertragung“
We describe how legal time in Germany is weitgehend lange eingeführten Konventionen. E-Mail:
defined and how the underlying Coordinated 24 Stunden zu 60 Minuten zu 60 Sekunden bil- andreas.bauch@ptb.de
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den einen Tag. Der Beginn des Tages ist auf 0:00 in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Zeit-
Uhr festgelegt. Für die Zählung der Tage wird in übertragung über Satelliten hinzu und eröffnete
Deutschland und vielen Ländern der Erde der völlig neue Möglichkeiten für interkontinentale
Gregorianische Kalender verwendet. Präzisionszeitvergleiche, Ortsbestimmung und
Seit dem 1. April 1893 gilt in Deutschland globale Navigation. Aktuelle Bestandsaufnah-
(bzw. damals im Deutschen Reich) die mittlere men des gesamten Gebietes der Zeitübertra-
Sonnenzeit am fünfzehnten Längengrad Ost als gung findet man beispielsweise in [7, 8].
einheitliche Zeit, wie das in Anhang 1 abgebil- Dieser Aufsatz handelt von der Verbreitung
dete Reichsgesetzblatt besagt. Mit dem Zeitge- der gesetzlichen Zeit mit dem Zeitzeichen- und
setz aus dem Jahr 1978 (Anhang 2) wurde diese Normalfrequenzsender DCF77 durch die PTB.
Regelung in das „Atomzeitalter“ überführt und Diese Aufgabe wird heute von der Arbeitsgrup-
die Physikalisch-Technische Bundesanstalt pe Zeitübertragung im Fachbereich Zeit und
(PTB) mit der Darstellung und Verbreitung der Frequenz der PTB wahrgenommen (Internet:
gesetzlichen Zeit beauftragt. http://www.ptb.de/Zeit). Unter der angegebenen
Nützliche Festlegungen zu Zeit, Kalender, Internetadresse gibt es u. a. Hinweise auf die
Wochennummerierung und Schreibweise von anderen Zeitdienste der PTB, nämlich über das
Tagesdatum und Uhrzeit findet man in der öffentliche Telefonnetz und das Internet, die
Norm ISO 8601 sowie der entsprechenden deut- hier nicht behandelt werden.
schen bzw. europäischen Norm DIN EN 28601. Der Aufsatz ist wie folgt gegliedert:
Hier sollen nur drei Details angeführt werden, Zunächst werden im Kapitel 2 die Grundlagen
die immer wieder Grund zu Fragen geben. Die der gesetzlichen Zeit und des internationalen
genannte Norm legt u. a. fest: Zeitsystems dargestellt. Nach einem histori-
∑ Montag ist der erste Tag der Kalenderwoche; schen Abriss über die Entwicklung des DCF77
∑ Die erste Kalenderwoche eines Jahres ist die- in Kapitel 3 werden die aktuellen Eigenschaften
jenige, in die mindestens vier Tage des neu- des Senders beschrieben (Kapitel 4 bis 6). Auf
en Jahres fallen, gleichbedeutend, dass in einige grundlegende Fragen der Ausbreitung
dieser Woche Eins der erste Donnerstag des und des Empfanges von DCF77-Signalen wird
Jahres liegt; in den Kapiteln 6 und 7 eingegangen, bevor in
∑ Schaltjahre sind diejenigen Jahre, deren Jah- knapper Form die Entwicklung der Funkuhr (Ka-
reszahl ohne Rest durch vier teilbar ist. Ist pitel 8) nachgezeichnet wird und die dem DCF77
die Jahreszahl jedoch durch 100, nicht aber ähnlichen Zeitdienste auf Langwelle in anderen
durch 400 ohne Rest teilbar, so ist das Jahr Ländern der Erde vorgestellt werden (Kapitel 9).
kein Schaltjahr sondern ein Gemeinjahr, der Zusammenfassend werden die Vorzüge des Emp-
Februar dieses Jahres hat dann 28 Tage. Das fangs von Langwellensignalen diskutiert. Dabei
Jahr 2000 war also ein Schaltjahr, das Jahr wird auch kurz auf eine erweiterte Nutzung des
2100 wird keines sein. DCF77 zum Zweck der Bevölkerungswarnung
Die gesamte Thematik, insbesondere auch der vor Katastrophen eingegangen.
historische Wechsel von der astronomischen zur Nach mehr als 30 Jahren der Aussendung
atomphysikalischen Zeitbestimmung, wird in von kodierter Zeitinformation durch amplitu-
verschiedenen Publikationen in größerer Tiefe denmodulierte Zeitsignale, dazu seit etwa
behandelt [1–4]. Wir verweisen Interessenten an 20 Jahren auch durch pseudozufällige Umtas-
Kalender und Chronologie auf [5], an der sozio- tung der Trägerphase, ist DCF77 ein etablierter
logischen Bedeutung der Zeitmessung auf [6]. Dienst, und zahlreiche Veröffentlichungen sind
Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts im Laufe der Jahre entstanden. In dieser Arbeit
erkannte man in Funkwellen ein geeignetes wird versucht, ausgehend von früheren Arbei-
Mittel zur Zeitübertragung. Die ersten Versuche ten unseres Co-Autors Dr.-Ing. Peter Hetzel [9,
zur drahtlosen Zeitübermittlung unternahmen 10], eine weitgehend vollständige Darstellung
1903 das United States Naval Observatory, Wa- des heutigen Standes zu geben. Nicht jeder Ent-
shington, und 1904 das Geodätische Institut wicklungsschritt wird mit dem zum damaligen
Potsdam. Bereits von 1910 bis 1916 sendete die Zeitpunkt aktuellen Literaturzitat belegt. Wei-
Küstenfunkstelle Norddeich als erster deutscher terführende Literatur wird nur dann angege-
Zeitdienst regelmäßig Zeitzeichen auf der Basis ben, wenn sie über das hier angegebene Materi-
von Zeitbestimmungen des Marineobservatori- al hinaus wesentliche Informationen enthält.
ums Wilhelmshaven. Ab 1917 strahlte dann die Neben den erwähnten Arbeiten [9, 10] bie-
Großsendestelle Nauen zweimal täglich ein ten die drei von W. Hilberg anlässlich der
Zeitzeichen auf Langwelle 3 900 m aus. Nach „Funkuhrentagungen“, die an der Technischen
diesen Anfängen der drahtlosen Zeitübertra- Universität Darmstadt und der PTB zwischen
gung entstand im Laufe der Jahre ein erdum- 1983 und 1993 stattfanden, herausgegebenen Ta-
spannendes Netz von Zeitzeichenstationen. Zur gungsbände [11] eine reiche Auswahl an Origi-
Zeitverbreitung mit terrestrischen Sendern kam nalarbeiten und Literaturzitaten.
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2 Realisierung und Verbreitung der siert würde. „SI-Sekunde“ bezeichnet die Basis-
gesetzlichen Zeit für Deutschland einheit der Zeit im Internationalen Einheiten-
system SI (System International) [12]. Die Fre-
2.1 Gesetzliche Grundlagen
quenzkorrektur wird gegenwärtig aus dem Ver-
Das Zeitgesetz von 1978 (siehe Anhang 2) be- gleich von EAL mit den primären Uhren der
auftragt die PTB, die für das öffentliche Leben Zeitinstitute in Frankreich, Italien, Japan, USA,
in Deutschland maßgebende Uhrzeit darzustel- und Deutschland abgeleitet. TAI hatte verschie-
len und zu verbreiten. Als gesetzliche Zeit wur- dene Vorläufer [4], aber man hat den fiktiven
den die Mitteleuropäische Zeit (MEZ) oder, im Anfangspunkt von TAI so festgelegt, dass der
Falle ihrer Einführung, die Mitteleuropäische 1. Januar 1958, 0 Uhr TAI, mit dem entsprechen-
Sommerzeit (MESZ) festgelegt, wie sie von der den Zeitpunkt in der mittleren Sonnenzeit am
PTB realisiert werden. Sie werden aus der Koor- Nullmeridian, UT1 (Universal Time) genannt,
dinierten Weltzeit UTC (Universal Coordinated übereinstimmte. UT1 war die Grundlage der
Time, siehe nächster Abschnitt) unter Hinzufü- weltweiten Zeitbestimmung, solange diese auf
gen von einer bzw. zwei Stunden abgeleitet: astronomischen Beobachtungen beruhte (siehe
MEZ(D) = UTC(PTB) + 1h, z. B. Reichsgesetzblatt von 1893, Anhang 1).
MESZ(D) = UTC(PTB) + 2h. Aus TAI wird UTC abgeleitet, die Basis unse-
Die Bundesregierung ist nach dem Zeitgesetz er- res heutigen Weltzeitsystems mit 24 Zeitzonen.
mächtigt, durch Rechtsverordnung zwischen dem UTC geht auf Vorschläge des CCIR (Comité Con-
1. März und dem 31. Oktober eines Jahres die sultatif International des Radiocommunications)
Sommerzeit einzuführen. Die Termine für Beginn der ITU (International Telecommunication Union)
und Ende der MESZ werden von der Bundesre- zurück, nach denen die Aussendung von Zeitzei-
gierung entsprechend der jeweils gültigen Richtli- chen „koordiniert“, d. h. bezogen auf eine gemein-
nie des Europäischen Parlaments und des Rates same Zeitskala erfolgen sollte, die mit UT1 nähe-
der Europäischen Union festgelegt und im Bun- rungsweise in Übereinstimmung gehalten wird
desgesetzblatt bekannt gemacht. Auf Grund der [7, 13]. UTC und TAI haben mit der SI-Sekunde
letzten Sommerzeitverordnung vom 12. Juli 2001 das gleiche Skalenmaß, und die Differenz UTC
(Anhang 3) gilt zukünftig – bis auf Widerruf – minus UT1 wird durch Schaltsekunden in UTC
Sommerzeit vom letzten Sonntag des März bis auf unter 0,9 Sekunden begrenzt. Für UTC-TAI
zum letzten Sonntag des Oktobers eines Jahres. folgt die in Bild 1 gezeigte Treppenkurve, die der
monotonen Änderung von UT1-TAI folgt. Die
2.2 Koordinierte Weltzeit
Einführung der Schaltsekunden geschieht zum
Die Sektion Zeit des Internationalen Büros für Jahreswechsel oder auch in der Mitte des Jahres
Maß und Gewicht BIPM (Bureau International als letzte Sekunde des 31. Dezembers bzw. des
des Poids et Mesures) ist mit der Berechnung 30. Junis in UTC, d. h. in Deutschland am 1. Janu-
und Verbreitung einer weltweit gültigen Zeitre- ar vor 01:00 MEZ bzw. am 1. Juli vor 02:00 MESZ.
ferenz beauftragt. Bis 1988 wurde diese Aufgabe Die Entscheidung hierüber trifft der Internationale
vom Internationalen Büro für die Zeit BIH (Bu- Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme (In-
reau International de l’Heure) wahrgenommen. ternational Earth Rotation and Reference Systems
Im Prinzip würde eine hinreichend genaue, sta- Service IERS (Internet: http://hpiers.obspm.fr oder
bile und zuverlässige Uhr genügen, die Zeit an- http://www.iers.org) in Abhängigkeit von den
zugeben. Da eine solche Uhr jedoch nirgendwo kontinuierlich registrierten Parametern der Erd-
zur Verfügung steht, berechnet das BIPM eine rotation (Lage der Drehachse, Periode). Die unre-
Zeitreferenz auf der Basis von etwa 250 Uhren,
darunter etwa zehn sog. primären Uhren (s. u.),
aus ca. 50 weltweit verteilten Zeitinstituten.
Zunächst ermittelt das BIPM die Gang-Instabili-
täten dieser Uhren und weist ihnen statistische
Gewichte zu, mit denen sie bei der Berechnung
der gemittelten Zeitskala berücksichtigt wer-
den. Eine stabile Uhr erhält ein hohes statisti-
sches Gewicht und umgekehrt. Das so gewon-
nene Mittel wird EAL (Echelle Atomique Libre,
freie Atomzeitskala) genannt. In einem zweiten
Schritt wird die Internationale Atomzeit TAI
(Temps Atomique International) mittels einer Bild 1:
Frequenzkorrektur aus EAL gewonnen. Das Vergleich von (astrono-
mischer) Weltzeit UT1
Skalenmaß von TAI wird dabei so nachgeregelt, und Koordinierter Welt-
dass es so gut wie möglich mit der SI-Sekunde zeit UTC mit der Inter-
übereinstimmt, wie sie auf Meereshöhe reali- nationalen Atomzeit TAI.
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gelmäßige Einführung von Schaltsekunden (Bild 1) 2.3 Die Atomuhren der PTB
spiegelt die ungleichmäßige Drehgeschwindig- Die PTB betreibt eine Gruppe von Atomuhren,
keit der Erde wider. Gegenwärtig dreht sich die um die Atomzeitskala UTC(PTB) mit großer
Erde deutlich schneller als im Mittel der letzten Stabilität und Zuverlässigkeit zu realisieren. Zu
Jahrzehnte. der Gruppe gehören einige kommerziell gefer-
Nach der Einführung des UTC-Zeitsystems tigte Caesiumatomuhren, Wasserstoffmaser und
mit Schaltsekunden am 01.01.1972 wurden die die sog. primären Uhren CS1, CS2 und CSF1,
DCF77 Sekundenmarken 1 bis 15 zur Aussen- die in den letzen Jahrzehnten in der PTB entwi-
dung des von der ITU empfohlenen DUT1- ckelt wurden [12]. Die besten kommerziellen
Kodes verwendet, mit dem Betrag und Vorzei- Caesiumatomuhren realisieren gegenwärtig die
chen der auf 0,1 Sekunde gerundete Differenz SI-Sekunde mit einer relativen Unsicherheit von
UT1-UTC mitgeteilt wurde. Mangels Interesse wenigen 10–13 und einer relativen Frequenzinsta-
wurde dies am 10.05.1977 nach einer Umfrage- bilität von wenigen 10–14 bei einer Mittelungszeit
aktion bei DCF77-Nutzern wieder eingestellt. von einem Tag [14]. Sie werden in den Bereichen
Den Empfehlungen verschiedener Gremien Navigation, Geodäsie, Raumfahrt, Telekommuni-
folgend wurde UTC praktisch in allen Ländern kation und in den Zeitinstituten (wie der PTB)
die Grundlage für die in der jeweiligen Zeitzone eingesetzt. Mit den in der PTB entwickelten pri-
verwendete „bürgerliche“, „amtliche“ oder „ge- mären Cs-Uhren werden deutlich geringere Unsi-
setzliche“ Zeit. Ähnlich wie TAI wird UTC cherheiten erreicht. Der Begriff „primäre Uhr“
allerdings nur in Form von errechneten Stand- wird verwendet, weil jederzeit eine Abschätzung
differenzen mit Bezug auf die in den einzelnen darüber vorliegt, mit welcher Wahrscheinlich-
Zeitinstituten (i) realisierten Zeitskalen UTC(i) keit die realisierte Sekunde in welchem Ausmaß
publiziert. Daraus erklärt sich die Forderung, von der SI-Sekunde abweicht. Bild 3 zeigt die
dass die Skalen UTC(i) möglichst gut mit UTC – beiden primären Atomuhren CS1 und CS2 der
und damit auch untereinander – übereinstim- PTB, deren relative Unsicherheit nur 0,7 · 10–14
men sollen. Ende 2004 gab es weltweit 25 Zeit- bzw. 1,2 · 10–14 [12, 14] beträgt (1–s Wert, d. h.
skalen mit einer Abweichung UTC-UTC(i) von 67% Wahrscheinlichkeit). Eine konstante rela-
weniger als 100 ns, darunter die der PTB. Bild 2 tive Abweichung von 1·10–14 entspricht einem
zeigt die Differenz zwischen UTC und UTC(PTB) Gangfehler von etwa einer Milliardstel Sekunde
während einer Zeitspanne von zwei Jahren bis pro Tag. Die Zeitskala UTC(PTB) wird gegen-
einschließlich September 2004. Hier, wie in an- wärtig von CS2 abgeleitet. Eine Frequenzkor-
deren Abbildungen, wird das Modifizierte Julia- rektur von typisch relativ 1 · 10–14 sorgt dafür,
nische Datum MJD, eine fortlaufende Tageszäh- dass die Differenz UTC-UTC(PTB) so klein
lung, verwendet. Der Tag MJD 53279 entspricht bleibt, wie es in Bild 2 zu sehen ist.
dem Tag 2004-10-01.
3 DCF77: Von den Anfängen bis zum
zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts
3.1 Verantwortlichkeiten, vertragliche Rege-
lungen
Mitte der fünfziger Jahre setzten sich Vertreter
des Deutschen Hydrographischen Instituts
(DHI), des Fernmeldetechnischen Zentralamtes
(FTZ) und der PTB, zusammen, um „zur Erfül-
lung amtlicher Aufgaben“ gemeinsam eine Zeit-
signal- und Normalfrequenzausendung einzu-
richten. Die Institute gehörten zum Geschäfts-
bereich verschiedener Bundesministerien: für
Verkehr, Post und Wirtschaft. Diese Zusammen-
arbeit spiegelt die Situation wider, in der die
Zeit noch basierend auf astronomischen Beob-
achtungen realisiert wurde, in Deutschland
vom DHI, die Zeiteinheit aber schon von metro-
logischen Instituten, wie der PTB, mit überlege-
ner Genauigkeit realisiert wurde. Die Deutsche
Bundespost bot für diesen Zweck den Sender
Bild 2:
mit der Bezeichnung DCF77 an. Die PTB stellte
Vergleich der Koordinierten Weltzeit UTC mit der in der PTB realisierten Atomzeit-
skala UTC(PTB) über zwei Jahre bis einschließlich September 2004. MJD be-
hochgenaue Quarzuhren zur Verfügung und
zeichnet das Modifizierte Julianische Datum, eine fortlaufende Tageszählung. entwickelte eine Steuereinrichtung, das DHI lie-
MJD 53279 entspricht dem Tag 2004-10-01. ferte Zeitzeichen auf astronomischer Basis. Mit
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Bild 3:
Ansicht der primären
Uhren CS1 und CS2
der PTB

den ersten Sendeversuchen wurde 1956 begon- Aussendung über DCF77 auf der Grundlage ei-
nen. Am 10. Oktober 1958 erhielt die PTB vom ner formlosen Übereinkunft zwischen den vor-
Bundespostministerium die Genehmigung, bis gesetzten Ministerien der PTB und der DBP/Te-
zum Jahresende 1958 regelmäßige Versuchssen- lekom. Der PTB wurden für die Bereitstellung
dungen durchzuführen. Als offizieller Beginn von DCF77 die jeweils gültigen Gebühren ent-
der Zeitsignal- und Normalfrequenzaussendun- sprechend der Gebührenverordnungen für
gen über den Sender DCF77 wurde in diesem „Funknachrichten an einen oder mehrere Emp-
Genehmigungsschreiben der 1. Januar 1959 fest- fänger“ in Rechnung gestellt. Nach der Privati-
gelegt. Die Senderleistung für diesen neuen sierung der DBP/Telekom musste eine vertrag-
Dienst betrug anfangs 12,5 kW. liche Regelung zwischen der PTB und der Deut-
Noch bis Ende 1969 wurden mit dem Sender schen Telekom AG (DTAG) geschaffen werden.
DCF77 außer Zeitzeichen und Normalfrequenz Dies erfolgte im April 1996. Der Vertrag enthält
intermittierend Sportnachrichten vom Deut- Vereinbarungen über den von der DTAG zu er-
schen Sportverlag (DSV) gesendet. Die Zeitsig- bringenden Leistungsumfang, die von der PTB
nal- und Normalfrequenzaussendungen erfolg- dafür zu zahlenden Entgelte und regelt Fragen
ten in einem werktäglichen Vormittags- und des Betriebes der Sendeeinrichtungen. Die Lauf-
Nachtprogramm von jeweils etwa drei Stunden zeit des Vertrages betrug zunächst zehn Jahre,
Dauer. Da von verschiedenen Organisationen bis zum Ende des Jahres 2006. Inzwischen wur-
und Nutzern dieses neuen Dienstes eine längere den einige Bestimmungen des Vertrages neu ge-
Sendedauer gewünscht wurde, stellte die PTB fasst und die Laufzeit bis zum Ende des Jahres
Anfang 1967 den Antrag auf Erweiterung der 2013 verlängert. Vertragspartner der PTB ist
Sendezeit auf 24 Stunden. Dem DSV wurde nun die T-Systems Media Broadcast, eine Toch-
daraufhin die neue Frequenz 46,25 kHz zuge- ter der DTAG.
wiesen. Am 01.12.1969 wurde die Sendezeit für
3.2 Standort und Senderbezeichnung
die Zeitzeichenaussendungen über DCF77 auf
zunächst 16 Stunden erweitert, und die Zustän- Standort des Senders DCF77 ist die Sendefunk-
digkeit für DCF77 ging voll auf die PTB über. stelle Mainflingen (Koordinaten: 50∞01’ Nord,
Ab diesem Datum wurden der PTB auch Ge- 09∞00’ Ost) etwa 25 km südöstlich von Frankfurt
bühren für den Betrieb des Senders DCF77 in am Main. Das auf dem Gelände der Sende-
Rechnung gestellt, da die Deutsche Bundespost funkstelle verlegte Erdungsnetz sowie der hohe
nicht mehr bereit war, den Sender für die nun Grundwasserspiegel, der durch die Lage des
erweiterte Sendezeit kostenlos zur Verfügung zu Geländes in der Mainebene gegeben ist, haben
stellen. Die Aufnahme des 24-h-Dauerbetriebs eine hohe Bodenleitfähigkeit und somit günsti-
mit einer Senderleistung von 50 kW erfolgte ge Abstrahlungsbedingungen zur Folge.
schließlich am 01.09.1970. Die hiermit verbunde- Woher kommt das Rufzeichen DCF77?
nen Änderungen des Sendeprogramms sind in Nach den Regeln der ITU, speziell Artikel 19
Kapitel 3.3 dargestellt. der Radio Regulations, „Identification of Stations“
Bis zur Privatisierung der Deutschen Bun- [15], müssen alle Sender, deren Reichweiten
despost Telekom (DBP/Telekom) erfolgte die über die jeweiligen Landesgrenzen hinausge-
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hen, mit einem Rufzeichen entsprechend der je- vallen, für die die PTB verantwortlich war und
dem Land zugewiesenen Rufzeichenreihe ge- Zeitsignale auf astronomischer Basis in der Ver-
kennzeichnet und in der Internationalen Fre- antwortung des DHI. Daneben sah das Pro-
quenzliste eingetragen sein. Die der Bundesre- grammschema die Aussendung mehrerer Nor-
publik Deutschland zugewiesene Rufzeichen- malfrequenzen vor, der Trägerfrequenz 77,5 kHz
reihe beginnt mit DAA und endet mit DRZ. Für sowie der aufmodulierten Frequenzen 200 Hz
den Sender DCF77 wurde das Rufzeichen wie und 440 Hz (Kammerton a).
folgt festgelegt: Entsprechend der zugewiese- Ende der sechziger Jahre, nach der Neudefi-
nen Rufzeichenreihe steht D für Deutschland. nition der Sekunde auf atomphysikalischer Ba-
Der Buchstabe C wurde zur Kennzeichnung sis und dem Übergang von der astronomischen
von Langwellensendern gewählt. Als dritter Zeit auf die Atomzeit, wurden die Zeitmessmar-
Buchstabe wurde für die auf dem Gelände der ken der PTB als „stepped atomic time“ in
Sendefunkstelle Mainflingen stehenden Lang- Schritten von 0,2 s mit UT1 koordiniert. Diese
wellensender der Buchstabe F (wegen der Nähe waren quasi die Vorläufer der Schaltsekunden.
zu Frankfurt) bestimmt. Da die Sendefunkstelle Die Zeitzeichen des DHI waren zwar weiterhin
Mainflingen mehrere Frequenzen im Langwel- als Zeitzeichen auf astronomischer Basis defi-
lenbereich benutzt, werden zur Unterscheidung niert, wurden aber in der Praxis ebenfalls
der verschiedenen Sender dieser Station an die bereits von Atomuhren abgeleitet, so dass zwi-
drei Buchstaben DCF noch zwei Ziffern ange- schen den Zeitmarken des DHI und den Zeit-
hängt. Beim DCF77 wurden diese Ziffern ent- messmarken der PTB praktisch keine Unterschie-
sprechend der verwendeten Trägerfrequenz ge- de mehr bestanden. Als Konsequenz dieser Ent-
wählt, bei den anderen Anfang 2004 auf der wicklung wurde am 01.04.1970 die Zeitzeichen-
Sendefunkstelle betriebenen Sendern DCF49 aussendung des DHI beendet und das Sendepro-
(auf 129,1 kHz) und DCF42 (auf 123,7 kHz) trifft gramm vereinfacht. Ab diesem Zeitpunkt wurden
dies nicht zu. nur noch die Trägerfrequenz 77,5 kHz als Normal-
DCF77 ist in der Internationalen Frequenz- frequenz sowie amplitudenmodulierte Sekunden-
liste der ITU als fixed service eingetragen, mit marken abgestrahlt – bis 1972 nach der seinerzeiti-
den Angaben: Trägerfrequenz 77,5 kHz, Band- gen „Amtlichen Atomzeitskala“ der PTB und seit
breite 2,4 kHz, Rufzeichen DCF77, den Koordi- 1972 entsprechend dem neuen UTC-Zeitsystem
naten der Sendefunkstelle wie oben angegeben, mit Schaltsekunden, das dann 1978 im Zeitge-
erstmalige Nutzung 15.08.1953, als in der Ver- setz als Basis für die Gesetzliche Zeit festgelegt
antwortung Deutschlands stehend. In Kapitel 9 wurde (s. o.). Die Dauer der Sekundenmarken
gehen wir in Zusammenhang mit ähnlichen wurde von 50 ms auf 100 ms verlängert. Wegen
Funkdiensten in anderen Ländern auf Regelun- der Anwender, die DCF77 als Normalfrequenz-
gen und Schutzbestimmungen der ITU ein. sender nutzten, wurde von nun an der Träger
Vom Sender DCF77 wurde bisher dreimal für die Dauer der Sekundenmarken nicht mehr
stündlich, jeweils zweimal hintereinander, in auf Null getastet sondern nur auf eine Restamp-
den Minuten 19, 39, 59 (während der Sekunden litude von 25 % abgesenkt. Die Minutenmar-
20 bis 32) das Rufzeichen DCF77 in Morsezei- kenkennzeichnung wurde wie ursprünglich
chen ausgesendet. Je ein Buchstabe oder eine eingeführt beibehalten: Durch Weglassen der
Ziffer wurde zwischen zwei Sekundenmarken 59. Sekundenmarke wird angekündigt, dass die
ausgestrahlt, wobei die Morsezeichen in Form von nächstfolgende Marke die Minutenmarke ist.
250-Hz-Rechteck-Trägerabsenkungen von 100 % Mit der kontinuierlichen Aussendung von
auf etwa 85 % gegeben werden. Obwohl die Ruf- Normalfrequenz und Zeitmarken ab 01.09.1970
zeichenerzeugung ohne Unterbrechung der Zeit- war die Möglichkeit vorhanden, automatisch
markenfolge erfolgte, bewirkte ihre Aussendung nachgeregelte Normalfrequenzoszillatoren zu
eine Verschlechterung des Signal-zu-Rausch-Ab- betreiben und Uhren im Gleichlauf zu halten.
stands der entsprechenden Sekundenmarken. Da Funkgeführte Uhren mussten aber wegen der
aber auf Grund der speziellen Signalform der Vieldeutigkeit der Minutenmarken noch von
DCF77-Signale eine eindeutige Zuordnung dieser Hand eingestellt werden. Was zur Einführung
Signale zum Sender DCF77 möglich ist, wird in sich selbst stellender Funkuhren noch fehlte,
Übereinstimmung mit den Bestimmungen der Ra- war die Aussendung vollständiger Zeitinforma-
dio Regulations in Zukunft auf die Aussendung tion in kodierter Form. Dies erfolgte erstmals
des Rufzeichens verzichtet. am 05.06.1973, womit der entscheidende Schritt
zur Entwicklung des Sendeprogramms auf den
3.3 Entwicklung des Sendeprogramms
heutigen Stand getan wurde. Abgesehen von der
Das bis 1970 verwendete Sendeprogramm war Ergänzung der zwei Zeitzonenbits und zweier
recht kompliziert. Es wurden zwei Arten von Ankündigungsbits wird der damals eingeführte
Zeitmarken ausgesendet: sogenannte „Zeit- Zeitkode bis heute unverändert verwendet. Er
messmarken“ zur Bestimmung von Zeitinter- wird in Kapitel 4.2 separat dargestellt.
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Seit Juni 1983 wird dem Träger von DCF77 4.2 Amplitudenmodulation (AM) und
zusätzlich zur Amplitudenmodulation (AM) Zeitkode
noch eine pseudozufällige Phasenumtastung
aufmoduliert, die in Kapitel 4.3 gesondert be- Die Amplitude der Trägerschwingung wird mit
schrieben wird. Empfangsseitig lässt sich die Sekundenmarken moduliert: Zu Beginn jeder
bekannte Pseudozufallsfolge als Suchsignal re- Sekunde, mit Ausnahme der letzten Sekunde je-
produzieren und mit dem empfangenen pseu- der Minute als Kennung für den folgenden Mi-
dozufälligen Phasenrauschen des Trägers nutenbeginn, wird die Amplitude für die Dauer
kreuzkorrelieren, wie in Abschnitt 7.3.3 erläu- von 0,1 s oder 0,2 s phasensynchron mit der Trä-
tert wird. Die Ankunftszeitpunkte der DCF77- gerschwingung auf etwa 25 % abgesenkt. Die
Rauschsignale können dadurch störsicherer be- Restamplitude ermöglicht die Gewinnung einer
stimmt werden, als dies unter üblichen Emp- kontinuierlichen Trägerschwingung und soll die
fangsbedingungen mit den AM-Zeitmarken Nutzung des DCF77-Trägers als Normalfre-
möglich ist, auch die Genauigkeit der Zeitüber- quenzsignal erleichtern. Bild 4 zeigt die abfal-
tragung mit DCF77 für ausgewählte Anwen- lende Flanke der von DCF77 abgestrahlten Ein-
dungen wurde damit erhöht. Der Einsatz von hüllenden der Trägerschwingung zu Beginn ei-
Empfängern der Signale des Navigationssys- ner Sekundenmarke. Die Kurven a und a’ zei-
tems GPS (Global Positioning System) erlaubt gen den realisierten Zustand: Durch eine Aus-
aufgrund der verwendeten Signalstruktur vom tastlücke von 250 ms im Steuersignal a wird eine
Prinzip her eine um mindestens eine Größen- steilere Flanke des abgestrahlten Signals a’ er-
ordnung geringere Unsicherheit der Zeitüber- reicht, als wenn das Steuersignal unmittelbar
tragung als sie mit DCF77-Empfängern zu errei- auf 25 % abgesenkt würde (Steuersignal b’, Ver-
chen ist. Daher wurde von der Phasenmodula- lauf der Einhüllenden b). Die Austastung be-
tion weniger Gebrauch gemacht, als dies bei wirkt ein schnelleres Ausschwingen des Anten-
ihrer Einführung erwartet wurde. Allerdings nenkreises, so dass sich die gleiche Flankensteil-
gibt es wichtige Anwendungen mit hohen Ge- heit ergibt wie bei einem Steuersignal ganz
nauigkeits- und Störsicherheitsanforderungen, ohne Restamplitude. Diese Modulationstechnik
in denen diese Modulationsart im DCF77-Signal ist vorteilhaft, um aus der abfallenden Flanke
genutzt wird. jeweils auf den „genauen“ Sekundenbeginn zu
schließen. Es wird erwogen, zwecks Verbesse-
4 Das DCF77 Sendeprogramm heute rung des Signal-zu-Rauschabstands der AM-Se-
kundenmarken die Restamplitude auf bis zu
4.1 Trägerfrequenz
15 % abzusenken. Die angegebenen Unsi-
Die Trägerfrequenz von DCF77 beträgt, wie Die fallende Flanke des Steuersignals (a’ in cherheiten entsprechen
bereits erwähnt, 77,5 kHz. Sie wird von Atom- Bild 4) wird gelegentlich durch Vergleich mit ei- hier und im ganzen Auf-
satz der erweiterten
uhren der PTB abgeleitet und weicht am Sende- ner aus Braunschweig zum Sendeort transpor-
Unsicherheit (k = 2),
ort im Mittel über einen Tag weniger als relativ tierten Atomuhr, die UTC(PTB) mit einer Unsi- entsprechend einem
2 · 10–12, im Mittel über 100 Tage um weniger als cherheit von < 0,01 ms mit sich führt, verglichen. 95 %-Vertrauensintervall.
relativ 2 · 10–13 von dem durch die primären
Atomuhren der PTB vorgegebenen Sollwert ab.
o
Die Phasenzeit des Trägers – anders ausge-
100 A
drückt: der dem Sekundenbeginn nach
% ts
UTC(PTB) folgende, in der PTB empfangene
80
Nulldurchgang der 77,5 kHz Trägerschwingung
mit der Periodendauer 12,9 ms – wird innerhalb
60
einer Phasenzeitabweichung von (5,5 ± 0,3) ms b
in Übereinstimmung mit UTC(PTB) gehalten.
40 a
Der Zahlenwert wurde im Verlauf eines Uhren- o b
transports zwischen Braunschweig und Main-
20
flingen festgelegt. Hierzu wird in Braunschweig
a
mit zwei speziellen DCF77-Empfängern die
0
Phasenlage des empfangenen Signals mit den 0 200 400 600 800 1000 1200 1400
Sekundenimpulsen nach UTC(PTB) sowie einer
von UTC(PTB) abgeleiteten 77,5 kHz Impulsfol-
ge verglichen (Kapitel 5.2). Die beobachteten
Phasen- bzw. Frequenzschwankungen sind Bild 4:
durch die Ausbreitung bedingt größer als ur- Abfallende Flanke der von DCF77 abgestrahlten Trägereinhüllenden zu Beginn
einer Sekundenmarke; A/A0: relative Amplitude, a’: Steuersignal mit Austast-
sprünglich mit den Atomuhren am Sendeort lücke, b’: Steuersignal ohne Austastlücke, a :abgestrahlte Flanke zu a’, b: abge-
realisiert (siehe Kapitel 6.2). strahlte Flanke zu b’,tS: Laufzeit durch Sender und Antenne, t0: definierter Se-
kundenbeginn, tA: Ausschwingzeit
352 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

Am Sendeort selbst wird das gesendete Signal mit kodierbar sein sollte. Vor seiner Einführung
einer breitbandigen Antenne empfangen, die re- wurde das Kodierverfahren mit verschiedenen
gistrierte Flanke mit dem Steuersignal verglichen Behörden, wissenschaftlichen Instituten und
und die Laufzeit durch die Sendeeinrichtungen tS Firmen diskutiert. Verschiedene Kodierungsvor-
(s. Bild 4) ausgeregelt. Die Unsicherheit, mit der schläge, welche Information ausgesendet und
vor Ort der als Sekundenbeginn definierte Beginn welche Kodierungsart (binär oder BCD) ver-
der fallenden Flanke aus dem Nahfeld bestimmt wendet werden sollen, wurden zur Diskussion
werden kann, liegt bei ca. ± 25 ms (etwa vier Peri- gestellt. So wurde z. B. der Wunsch der Uhren-
oden der Trägerschwingung). Ein Beispiel für industrie berücksichtigt, neben Uhrzeit und Da-
die in Braunschweig registrierte Ankunftszeit tum auch die Nummer des Wochentages auszu-
der AM ist in Bild 11a gezeigt. senden. Auch heute sieht sich die PTB in der
Die unterschiedliche Dauer der Sekunden- Pflicht, Änderungen am Kodierschema nur mit
marken dient zur binären Kodierung von Uhr- größter Vorsicht vorzunehmen und die Interes-
zeit und Datum: Sekundenmarken mit einer sen der Nutzer und Funkuhrenhersteller zu
Dauer von 0,1 s entsprechen der binären Null achten.
und solche mit einer Dauer von 0,2 s der binä- Es folgen Details zu den übertragenen Infor-
ren Eins. Einmal während jeder Minute werden mationen.
die Nummern von Minute, Stunde, Tag, Wo- Nach dem Ende der Ausstrahlung des
chentag, Monat und Jahr BCD-kodiert übertra- DUT1-Kodes wurden viele Jahre lang mit den
gen (BCD: Binary Coded Decimal, jede Stelle ei- Sekundenmarken Nr. 1 bis 14 Betriebsinformati-
ner Zahl wird separat kodiert). Vom Kalender- onen über die DCF77-Steuereinrichtung über-
jahr werden nur die Einer- und Zehnerstelle tragen. Verlängerte Sekundenmarken in diesem
übertragen, das Jahr 2004 also als 04. Der ausge- Bereich bedeuteten zwar im Allgemeinen eine
sendete Kode enthält jeweils die Information Störung in den Steuer- oder Sendeeinrichtun-
für die folgende Minute. Die zeitliche Abfolge gen, nicht jedoch dass die ausgestrahlte Zeitin-
der Aussendung der einzelnen Inhalte erläutert formation fehlerhaft war. Nur außerordentlich
das in Bild 5 dargestellte Kodierschema. Die selten wurden derartige Störungsmeldungen
PTB ging bei dessen Festlegung davon aus, dass übertragen, so dass einige Entwickler von
der Kode mit der zuvor verwendeten Form der DCF77-Dekodierungssoftware fahrlässig davon
Aussendung kompatibel und mit den damals ausgingen, dass in diesen Bits niemals Informa-
vorhandenen elektronischen Mitteln leicht de- tion übertragen würde. Seit Mitte 2003 sind die
Bits 1 bis 14 für andere Zwecke freigegeben (sie-
he Kapitel 10). Das Bit 15 wird nun als „Rufbit“
verwendet, um Unregelmäßigkeiten in den
Steuereinrichtungen zu signalisieren und die
für DCF77 verantwortlichen Mitarbeiter der
PTB in Braunschweig zu alarmieren.
In der Vergangenheit ließ sich am Zustand
dieses früher Antennenbit genannten Bits R
(Nr. 15) erkennen, ob die Aussendung über die
Betriebsantenne (Zustand Null) oder die Reser-
veantenne (Zustand Eins) erfolgt. Der Zweck
des Antennenbits war es, auf Phasenzeitsprün-
ge (bis zu ± 4 ms) des DCF77-Trägers hinzuwei-
sen, die beim Wechsel zwischen den mehr als
einen Kilometer voneinander entfernten Sende-
antennen auftraten und zu einer Störung nach-
gesteuerter Normalfrequenzgeneratoren führen
konnten. Die Aussendung derartiger Informa-
tion wird nicht mehr als notwendig angesehen,
seit die Reserveantenne und die Betriebsanten-
ne benachbart auf dem gleichen Feld der Sende-
funkstelle stehen (siehe Kapitel 5.1), die beim
Umschalten auftretenden Phasenänderungen
daher kaum größer sind als die normalen
Bild 5: Schwankungen der empfangenen Trägerphase
Schema der Kodierung der mit DCF77 übertragenen Zeitinformation; M: Minuten- und so auch nicht mehr sehr störend sind.
marke (0,1 s), R: Rufbit, A1: Ankündigungsbit eines bevorstehenden Wechsels von
MEZ auf MESZ oder umgekehrt, Z1 (Z2): Zonenzeitbits, A2: Ankündigung einer
Die Zonenzeitbits Z1 und Z2 (Sekundenmar-
Schaltsekunde, S: Startbit der kodierten Zeitinformation (0,2 s), P1, P2, P3: Prüf- ken Nr. 17 und 18) zeigen an, auf welches Zeit-
bits. Details sind im Text erklärt. system sich die ab der Sekundenmarke 20 über-
PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 353

tragene Zeitinformation bezieht. Bei der Aus-


sendung von MEZ hat Z1 den Zustand Null
und Z2 den Zustand Eins. Bei der Aussendung
von MESZ ist es umgekehrt.
Das Ankündigungsbit A1 (Nr. 16) weist auf
einen bevorstehenden Wechsel des Zeitsystems
hin. Vor dem Übergang von MEZ nach MESZ
oder zurück wird A1 jeweils eine Stunde lang
im Zustand Eins ausgesendet: vor dem Über-
gang von MEZ nach MESZ (MESZ nach MEZ)
von 01:00:16 Uhr MEZ (02:00:16 Uhr MESZ) bis
01:59:16 Uhr MEZ (02:59:16 Uhr MESZ).
Mit dem Ankündigungsbit A2 (Nr. 19) wird
auf das bevorstehende Einfügen einer Schalt- Bild 6:
sekunde aufmerksam gemacht. A2 wird ebenfalls Beispiele für Registrie-
eine Stunde lang vor dem Einfügen einer Schalt- rungen der DCF77-Trä-
sekunde im Zustand Eins ausgestrahlt. Vor dem gereinhüllenden;
oben: Sekundenmarken
Einfügen einer Schaltsekunde am 1. Januar 45 bis 54, entsprechend
(1. Juli) wird A2 daher sechzig Mal von 00:00:19 Kalendermonat 7 (Juli),
Uhr MEZ (01:00:19 Uhr MESZ) bis 00:59:19 Uhr Kalenderjahr 03 (2003);
MEZ (01:59:19 Uhr MESZ) im Zustand Eins aus- unten: Sekundenmarken
54 bis 03 (Minutenwech-
gesendet. sel)
Die Ankündigungsbits A1 und A2 dienen
dazu, Prozessoren in Funkuhren, die von der
4.3 Phasenmodulation
Gesetzmäßigkeit der Zeitzählung zum Zweck
der Fehlererkennung Gebrauch machen, über Zur Modulation mit einem Phasen-„Rauschen“
die zu erwartende Unregelmäßigkeit in der (PM) wird die Trägerphase entsprechend eines
Zeitzählung zu informieren. Ohne die Auswer- PRN-Kodes (Pseudo-Random Noise Kode) mit
tung von A1 oder A2 könnte die Unregelmäßig- einem Phasenhub Dj von ± 13∞ um ihren Mittel-
keit als fehlerhafter Empfang interpretiert wer- wert jm umgetastet [16]. Als PRN-Kode wird
den, mit der Folge, dass die geänderte Zeitzäh- eine binäre Zufallsfolge p(t) maximaler Zyklus-
lung nicht zeitnah zur Anzeige gebracht wird. länge mit N Zeichen (N = 29 = 512) verwendet,
Die Kodierung des Wochentages erfolgt ge- so dass die Phasenzustände jm + Dj und jm – Dj
mäß der Norm ISO 8601 bzw. DIN EN 28601, gleich häufig (je 256 mal) auftreten. Dadurch
wonach der Montag der Tag Eins der Woche ist. bleibt der Mittelwert der Trägerphase unverän-
Die drei Prüfbits P1, P2 und P3 ergänzen jeweils dert, und die Verwendung der Trägerfrequenz
die vorhergehenden Informationswörter (7 Bits als Normalfrequenz wird durch das Phasenrau-
für die Minute, 6 Bits für die Stunde und 22 Bits schen nicht nennenswert beeinträchtigt. Bild 7
für das Datum einschließlich der Nummer des zeigt den Verlauf der Amplituden und der
Wochentages) auf eine gerade Zahl von Einsen.
Bild 6 zeigt Beispiele des in Braunschweig
empfangenen Signals, oben die Übertragung
von Monat und Jahr, unten ein Minutenwechsel,
aufgezeichnet im Juli 2003. Hier sind für die Ko-
dierung des Monats Juli (07) die BCD-Bits der
Einer-Stelle 1, 2 und 4 mit binären Einsen, das
BCD-Bit 8 sowie die der Zehner-Stelle mit binä-
ren Nullen belegt.
Das Einfügen einer Schaltsekunde geschieht
bei den AM-Sekundenmarken in folgender Wei-
se. Die der Marke 01:00:00 Uhr MEZ bzw.
02:00:00 Uhr MESZ vorhergehende 59. Sekun-
denmarke wird anders als sonst mit einer Dauer
von 0,1 s ausgesendet. Danach wird die einge-
fügte 60. Sekundenmarke ohne Trägerabsen-
kung ausgestrahlt. Die Wahrscheinlichkeit dafür,
Schaltsekunden auslassen zu müssen, ist sehr
gering [4] (siehe auch Bild 1), die technischen Bild 7:
Einrichtungen am Sender lassen es jedoch zu. Amplituden- und Phasenverlauf des DCF77-Signals während einer Sekunde;
A/A0: relative Amplitude (AM), jm mittlerer Phasenwert, Dj Phasenhub der PM
354 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

5 Betriebstechnik: Steuer- und Sendeein-


richtungen des DCF77
5.1 Einrichtungen am Sendeort
Das Steuersignal wird nicht – wie oft angenom-
men – von Braunschweig aus über Leitungen
zur Sendefunkstelle Mainflingen übertragen,
sondern mit einer von der PTB konzipierten
Steuereinrichtung am Sendeort erzeugt. Die
Steuereinrichtung ist in einem eigens für die
PTB bereitgestellten Raum der Sendefunkstelle
untergebracht und wird von Braunschweig aus
überwacht. Aus Gründen der Betriebssicherheit
wird das Steuersignal in drei voneinander un-
abhängigen Steuerkanälen erzeugt. Das Träger-
Bild 8: signal (77,5 kHz) und die aufmodulierten Se-
Erzeugung der Pseudozufallsfolge p(t) mit einem neunstufigen rückgekoppelten kundenmarken werden derzeit in allen drei Ka-
Schieberegister SR. FF: Flip-Flop für Anlauf des SR aus dem Zustand Null, DA: nälen von je einer Caesium-Atomuhr abgeleitet,
Exklusiv-Oder-Verknüpfung der kodierten Zeitinformation mit p(t) zur Umsetzung eine Rubidium-Atomuhr steht zusätzlich zur
der binären Zustände „0“ und „1“ in entsprechende Phasenzustände des Modulati-
onssignals p(t) bzw. p(t) für die Phasenumtastung. Verfügung. Jeder Steuerkanal verfügt über eine
eigene batteriegestützte Stromversorgung. Bild 9
zeigt das Blockschaltbild der DCF77-Steuerein-
Phase der DCF77-Trägerschwingung während richtung.
einer Sekunde. Der Träger, die AM-Sekunden- Zur Vermeidung von falschen Aussendun-
marken und die Phasenumtastung sind zuein- gen werden die erzeugten Steuersignale in zwei
ander phasensynchron. Die Erzeugung von p(t) elektronischen Umschaltern miteinander vergli-
erfolgt mit dem in Bild 8 gezeigten Schiebere- chen. Ergibt sich bei diesem Vergleich, dass die
gister, dessen Ausgänge 5 und 9 über ein Exklu- Signale des den Sender steuernden Kanals im
siv-Oder-Gatter auf den Schieberegistereingang Widerspruch zu denen der beiden Reservekanä-
rückgekoppelt sind. Jeweils 0,2 s nach Sekun- le stehen, wird automatisch auf einen der bei-
denbeginn wird das Schieberegister aus dem den Reservekanäle umgeschaltet. Nach Ausfall
Zustand Null neu gestartet und nach Ablauf
eines vollständigen Zyklus, etwa 7 ms vor der
nächsten Sekundenmarke, wieder angehalten.
Die Taktfrequenz fT des Schieberegisters beträgt Cs- Cs- Cs-
Atomuhr Atomuhr Atomuhr
645,83 Hz und ist eine Subharmonische
(77 500/120) der Trägerfrequenz 77,5 kHz.
omit beträgt die Dauer TT eines Zeichens 1,55 ms Steuer- Steuer- Steuer-
kanal kanal kanal
und die Dauer eines vollständigen Rausch- 1 2 3
zyklus 793 ms.
Im PRN-modulierten Signal dienen zehn in-
Elektronische
vertierte Pseudozufallsfolgen in den Sekunden Umschalter
0 bis 9 als Minutenkennung. Andere Informatio-
nen werden in den Bits 1 bis 14 nicht übertra- EU EU

gen. Generell erfolgt die Übertragung von Bi-


närdaten mit der PRN durch Invertieren der
Übergabe PTB - T-Systems
Pseudozufallsfolge p(t) (siehe Bild 8). Mit jedem
Rauschzyklus wird ein Bit übertragen, wobei
nicht invertierte Pseudozufallsfolgen p(t) der bi-
nären Null und invertierte Pseudozufallsfolgen
50kW-Halbleiter- 50kW-Röhren-
p(t) der binären Eins entsprechen. Wenn eine Betriebssender Ersatzsender
Schaltsekunde eingeführt wird, erscheinen bei
der PRN die 10 invertierten Rauschfolgen p(t) Betriebsantenne Ersatzantenne
EIRP = 30kW EIRP = 30kW
zur Minutenmarkenidentifizierung um 1 s spä-
ter. Ab der 15. Sekundenmarke ist die durch PM
und AM übertragene Binärinformation iden-
tisch, so wie sie zuvor dargestellt wurde. Bild 9:
Blockschaltbild der Steuer- und Sendeeinrichtungen
des Senders DCF77; EU: Elektronischer Umschalter,
EIRP: Equivalent Isotropic Radiated Power
PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 355

eines Kanals liefert jeder elektronische Umschal- marken (Bild 11a) und der empfangenen Pha-
ter nur noch so lange ein Ausgangssignal, wie senzeit TP(DCF77) des Trägers (Bild 11b) darge-
der steuernde Kanal und der verbleibende Re- stellt. Die weitgehend konstanten Laufzeitantei-
servekanal in Übereinstimmung sind. Bei Wi- le aus der Übertragungsstrecke (Laufzeit der
dersprüchen zwischen allen drei Kanälen wird Bodenwelle 0,91 ms über die Strecke 273 km
das Steuersignal automatisch unterbrochen. Au- vom Sendeort nach Braunschweig) sowie im
ßerdem schalten die beiden elektronischen Um- Empfänger (Laufzeit ca. 1 ms wegen des
schalter ihre Ausgangssignale gegenseitig ab,
wenn zwischen diesen Widersprüche auftreten.
Nach der Übergabe des mit den Einrichtun-
gen der PTB erzeugten DCF77-Steuersignals an
die T-Systems beginnt deren Zuständigkeit für
die weitere Aussendung über die von ihr betrie-
bene Sende- und Antennenanlage. Seit Januar
1998 steht als Betriebssender ein moderner, luft-
gekühlter 50-kW-Halbleitersender zur Verfügung.
Sein Endverstärker ist mit 48 Verstärkermodu-
len gleicher Bauart von etwas mehr als 1 kW-
Ausgangsleistung bestückt und die einzelnen
Ausgangsspannungen der 48 Verstärkermodule
werden addiert. Der bisher verwendete 50-kW-
Röhrensender steht auch weiterhin als Ersatz-
sender bereit. Er ist mit einer Ersatzantenne ver-
bunden, auf die im Störfall oder falls Wartungs-
arbeiten an Betriebssender oder -antenne not-
wendig werden, umgeschaltet werden kann.
Beide Sendeantennen sind vertikale Rund-
strahlungsantennen mit Dachkapazität. Die Er-
satzantenne ist 200 m hoch. Die Betriebsantenne
hat nur eine Höhe von 150 m, verfügt zum Aus-
gleich aber über eine größere Dachkapazität.
Vor einigen Jahren gemessene Strahlungscha-
rakteristiken der Sendeantennen haben ergeben,
dass die Abweichungen von der Charakteristik
eines idealen Rundstrahlers in keiner Richtung
größer sind als 2 dB. Beide Sendeantennen strah-
len etwa die gleiche Leistung ab und befinden sich
benachbart auf dem gleichen Antennenfeld der
Sendefunkstelle. Es wird geschätzt, dass die ab-
gestrahlte Leistung EIRP (Equivalent Isotropic
Radiated Power) bei etwa 30 bis 35 kW liegt.

5.2 Einrichtungen in Braunschweig


Die empfangene Trägerphasenzeit und die Stän-
de der Sekundenmarken (AM und PM) werden
mit den durch die primären Uhren der PTB vor-
gegebenen Sollwerten verglichen. In Bild 10
sind als Beispiele die kontinuierliche Aufzeich- Bild 10:
nung von Signalamplitude und Trägerphase an In der PTB Braunschweig registrierter Verlauf von Amplitude und Phase des
je einem Tag im Sommer und Winter 2003 dar- empfangenen DCF77-Signals an den Tagen 2003-09-21 (oben) und 2003-12-31
gestellt. Die ausgeprägten Schwankungen der (unten); Amplitude: durch lineare Gleichrichtung mit einer Zeitkonstanten von
ca. 600 s bestimmte Amplitude der Trägereinhüllenden, lineare Skala, unkalibriert,
Phase des empfangenen DCF77 Signals in den
Nullpunkt jeweils am oberen Bildrand, Phase: Die volle Darstellungsweite ent-
Nachtstunden werden im folgenden Kapitel dis- spricht 10 ms, d. h. 0,1 ms pro kleinem Teilstrich, Sollwert bei 55 Teilstrichen
kutiert. An dem ausgewählten Wintertag gab es
fast gar keinen Zeitabschnitt mit einem ruhigen
Phasenverlauf. Im Sommer dagegen sind die
Tag-Nacht Unterschiede sehr deutlich. Als wei-
tere Beispiele sind die Zeitdifferenzen zwischen
der lokalen Referenzzeitskala UTC(PTB) und
der Ankunftszeit TA(DCF77) der AM-Sekunden-
356 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

Braunschweig aus die notwendigen Korrektu-


ren vorgenommen. Hierzu ist es möglich, in je-
dem der Steuerkanäle die Phase des erzeugten
DCF77-Trägers und der phasenkohärent aufmo-
dulierten Zeitinformation in Schritten von ± 0,1
ms zu schieben. Mit Hilfe der Fernwirkanlage
können des weiteren Betriebsdaten von der
Steuereinrichtung abgefragt werden, und es ist
möglich, verschiedene Fehlerquellen zu identifi-
zieren und so Störungsursachen in den Steuer-
einrichtungen aufzuspüren.
Nicht zuletzt wird in Braunschweig auch die
Übereinstimmung zwischen dem empfangenen
Zeitkode und einem in unabhängigen Geräten
erzeugten nominell identischen Zeitkode vergli-
chen und dokumentiert. Dabei ist es ganz nor-
mal, dass einzelne empfangene Zeitzeichen ge-
stört sind und daher als „nicht korrekt“ ( z. B.
0 statt 1) erkannt werden. Eine Fehleralarmie-
rung erfolgt dann, wenn in mehreren aufeinan-
derfolgenden Minuten identische logische Feh-
ler erkannt würden. Dies ist bislang niemals der
Fall gewesen. Eine Fehleralarmierung erfolgt
auch, wenn das empfangene Signal dauerhaft
zu klein ist, oder die Phase der empfangenen
Trägerschwingung vom Sollwert um mehr als
einen festgelegten Betrag abweicht. Über die
zeitliche Verfügbarkeit und die Eigenschaften
der empfangenen Signale wird in den folgenden
Kapiteln berichtet.

6 Frequenzspektrum und Ausbreitung


des DCF77-Signals
6.1 Gemessene Frequenzspektren
Bild 11:
Die Bilder 12 und 13 zeigen die am Sendeort ge-
In Braunschweig registrierte Zeitdifferenzen UTC(PTB) – T(DCF77) + K, eine Mes-
sung pro Stunde;
messene spektrale Verteilung folgender Signale:
a) des mit einem Phasenhub von Dj = ± 13∞ um-
a): Zeitdifferenz zwischen UTC(PTB) und der Ankunftszeit TA(DCF77) der empfan-
genen Sekundenmarken, KA: Laufzeitkonstante; Detektion von TA(PTB) aus der getasteten Signals und b) des unmodulierten
abfallenden Flanke (Triggerpunkt 60 %) der mit einer Bandbreite von 440 Hz emp- Trägersignals. Die Aufzeichnungen von Steuer-
fangenen AM-Sekundenmarken; Glättung von TA(PTB) mit einem Schrittregler, in- signal und abgestrahltem Signal mit größerer
dem nach jeweils 4 Sekunden eine lokal erzeugte 1 PPS-Folge den empfangenen
Bandbreite (Bild 13) zeigen, dass das abgestrahl-
Signalen in Schritten von 1 ms nachgeführt wird.
te Signal auf Grund der Bandbreite des Anten-
b) Differenz zwischen UTC(PTB) und der Phasenzeit TP(DCF77) des empfange-
nen Trägers. TP wird hierbei bestimmt durch Phasenzeitvergleich des empfange- nenkreises bei Frequenzen im Abstand von eini-
nen Trägers mit einer von UTC(PTB) abgeleiteten 77,5 kHz Impulsfolge; KP: Lauf- gen hundert Hertz vom Träger bereits erheblich
zeitkonstante. bedämpft wird und dass die Übertragungsfunk-
tion nicht völlig symmetrisch ist. Die Einhüllen-
schmalbandigen Filters) sind mit dem Laufzeit- de des Frequenzspektrums des Steuersignals
Konstanten KA und KP berücksichtigt. Da KA folgt aus der aufmodulierten Pseudozufallsfol-
und KP durch die erwähnten Vergleiche mit ei- ge, wie in [16] gezeigt wurde. Obwohl die Ne-
ner transportablen Atomuhr ermittelt wurden, benzipfel von den Sendeeinrichtungen nicht
werden die entsprechend den Bildern 11a und mehr ganz symmetrisch und nur teilweise über-
11b in der PTB kontinuierlich durchgeführten tragen werden, wird nach unserer Kenntnis die
Zeitdifferenzmessungen dazu genutzt, den Funktion von PRN-Empfängern dadurch nicht
Stand der vom Sender abgestrahlten Sekunden- nennenswert beeinträchtigt. Im weitgehend
marken sowie die Phasenzeit des ausgesendeten symmetrisch übertragenen Hauptzipfel ist
Trägers zu kontrollieren und ggf. nachzuregeln. ohnehin mehr als 90 % der PRN-Information
Falls sich Abweichungen ergeben, die signifi- enthalten.
kant größer als die typischen Schwankungen
sind, werden über eine Fernwirkanlage von
PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 357

6.2 Ausbreitung des DCF77 Signals


Bild 12:
Das von der Sendeantenne abgestrahlte DCF77-
Signal erreicht den Empfangsort auf zwei We- Mit einer Bandbreite von
10 Hz am Sendeort ge-
gen: Zum einen breitet es sich als Bodenwelle messene spektrale Amp-
entlang der Erdoberfläche aus, und zum ande- litudenverteilung des in
ren gelangt es als Raumwelle nach Reflexion an der Phase mit einem
der ionosphärischen D-Schicht zum Empfangs- Hub von Dj = 13∞ umge-
tasteten und von der Be-
ort. Zur Beschreibung der Raumwellenausbrei- triebsantenne abge-
tung sind zwei Modelle entwickelt worden: das strahlten Signals (a), und
Reflexions- und das Wellenleitermodell [17]. Bei des unmodulierten, von
dem Reflexionsmodell („wave hop“ method) der Betriebsantenne ab-
gestrahlten Trägers (b).
geht man von einer Spiegelung der Langwelle
an der Unterkante der D-Schicht aus, deren
Höhe am Tag mit 70 km und in der Nacht mit
90 km angenommen wird. Nach dem Wellenlei-
termodell („waveguide mode“ method) erfolgt
dagegen die Raumwellenausbreitung - analog
zur Wellenfortpflanzung von Mikrowellen zwi-
schen zwei Grenzflächen - längs eines Wellen-
leiters. Dabei werden die Erdoberfläche und die
D-Schicht als zwei parallele, leitende Flächen
betrachtet, zwischen denen sich eine Reihe von
Wellentypen (Moden) ausbreiten.
Für die Frequenz 77,5 kHz sowie für Entfer-
nungen d < 2000 km hat sich das Reflexionsmo-
dell als das zweckmäßigere erwiesen. Bild 14
veranschaulicht die Ausbreitung von Boden-
und Raumwelle nach dem Reflexionsmodell,
und Bild 15 verdeutlicht, welche Laufzeitunter-
schiede die verschieden langen Ausbreitungs-
wege nach diesem Modell zur Folge haben. Bei Bild 13:
geradliniger Ausbreitung und einer Reflexion Mit der Bandbreite
100 Hz aufgezeichnete
(one hop) ergibt sich die maximale Reichweite Spektren;
der DCF77-Raumwelle, wenn sie den Sendeort oben: Steuersignal,
tangential (y = 0 ) zur Erdoberfläche verlässt unten: am Sendeort
und am Empfangsort auch wieder tangential empfangenes Signal,
weitere Erläuterungen
einfällt. Unter diesen Annahmen beträgt die siehe Bild 12
Reichweite am Tag etwa 1900 km und etwa
2100 km in der Nacht. Zu weiter entfernten Bild 14:
Empfangsorten gelangt das DCF77-Signal nur Schematische Darstel-
nach mehrfachen Reflexionen (z. B. zwei Refle- lung der Ausbreitung von
xionen an der D-Schicht, eine Reflexion an der Bodenwelle (BW) und
Raumwelle (RW) zwi-
Erdoberfläche), die aber mit einer starken Ab- schen Sender S und
nahme der Feldstärke verbunden sind. Empfänger E; h: Höhe
Über unendlich gut leitendem Boden lässt der ionosphärischen
sich die Feldstärke der Bodenwelle EBW des D-Schicht, y: Elevations-
winkel, i: Einfallswinkel
Fernfeldes (d. h. d >> 0) in Abhängigkeit von auf die D-Schicht
der Entfernung d vom Sender und der abge-
strahlten Leistung P über die Beziehung

EBW /(mV/m) = 300 ( P / kW ) /(d/km) (1)

berechnen [18]. Die nach dieser Formel ermittel-


Bild 15:
ten Feldstärkewerte müssen mit einem Dämp-
Laufzeitunterschiede t
fungsfaktor multipliziert werden, der die endli- zwischen Boden- und
che Bodenleitfähigkeit berücksichtigt. Es lässt Raumwelle für zwei ver-
sich für verschiedene Werte der Bodenleitfähig- schiedene Höhen h der
ionosphärischen D-
keit die Abnahme der Bodenwellen-Feldstärke
Schicht als Funktion der
mit dem zunehmendem Abstand d ableiten, die Entfernung d vom Sen-
für die Frequenz 75 kHz in Bild 16 dargestellt der [19]
358 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

ist. Für die DCF77-Frequenz gelten praktisch ERW = E BW · cosY. (2)


die gleichen Beziehungen. Welcher Bruchteil R (Reflexionskoeffizient) von
Wesentlich schwieriger als die Abschätzung dieser zur Ionosphäre abgestrahlten Welle zum
der Feldstärke der Bodenwelle ist die Ermitt- Empfangsort reflektiert wird, hängt von mehre-
lung eines Erwartungswertes für die Feldstärke ren Einflüssen ab:
der Raumwelle. Unter der Annahme unendlich - von der Tages- und Jahreszeit,
gut leitenden Bodens am Sendeort wird in Ab- - von der Sonnenaktivität sowie
hängigkeit vom Elevationswinkel Y eine Raum- - vom Einfallswinkel i der Raumwelle auf
welle mit der Feldstärke ERW zur Ionosphäre ab- die D-Schicht (siehe Bild 14).
gestrahlt, Eine einfache Beziehung für die Abhängigkeit
von R von diesen Einflüssen lässt sich nicht an-
geben. In [19] sind Diagramme und Rechenbei-
spiele angegeben, aus denen sich die zu erwar-
tenden Werte für die Raumwellen-Feldstärke er-
mitteln lassen. Hieraus und aus (1) und (2) wur-
den die für das DCF77-Signal zu erwartenden
Feldstärkewerte ermittelt und die Ergebnisse in
Bild 17 dargestellt. Sie basieren auf der Annah-
me einer abgestrahlten Leistung von 30 kW.
Die Raumwellenfeldstärke ist in Abhängigkeit
von den Tages- und Jahreszeiten angegeben. Sie
gilt im Falle eines Sonnenfleckenminimums. Bei
einem Sonnenfleckenmaximum kann die Raum-
wellenfeldstärke bei Entfernungen bis etwa
800 km vom Sender größer sein, und zwar
besonders tagsüber im Winter um etwa 5 bis
10 dB und nachts um etwa 3 dB. Der PTB liegen
Messergebnisse über tatsächlich in verschiedenen
Entfernungen gemessene Feldstärkewerte vor, die
Bild 16: mit den abgeschätzten Werten übereinstimmen.
Abhängigkeit der Feldstärke E der Bodenwelle vom Abstand d vom Sender und der Zusammengefasst ergeben sich für die Bo-
Bodenleitfähigkeit s (Kurven 1–5), kombiniert aus den Bildern 1–11 in [18] und wie den- und Raumwelle folgende Eigenschaften:
dort angegeben bezeichnet. 1. Die sehr stabile Bodenwelle hat eine große
Unter der Annahme einer abgestrahlten Leistung von 1 kW beträgt die Feldstärke
Reichweite. Bis zu Entfernungen von eini-
30 mV/m bei d = 10 km, entsprechend E(dB(mV/m)) = 20 · log10{3 · 104} = 89,5;
1: s = 10–4 S/m (sehr trockener Boden), 2: s = 3 · 10–4 S/m (trockener Boden), gen hundert Kilometern ist ihre Empfangs-
3: s = 10–3 S/m (mitteltrockener Boden), 4: s = 3 · 10–3 S/m (Land), feldstärke deutlich größer als die der Raum-
5: s = 5 S/m (Seewasser mittleren Salzgehalts). Umgerechnet auf die von DCF77 ab- welle. Unter 500 km Entfernung vom Sender
gestrahlte Leistung von etwa 30 kW würden die Kurven um ca. 15 dB höher liegen.
kann man mit Feldstärken der Bodenwelle
über 1 mV/m rechnen.
2. Im Entfernungsbereich zwischen etwa
600 km bis 1100 km können Boden- und
Raumwelle gelegentlich gleich groß sein,
was bei Gegenphase zur gegenseitigen Aus-
löschung (Fading) führen kann. Andererseits
ist bei gleicher Phase aber auch ein vorüber-
gehender starker Feldstärkeanstieg möglich.
Beide Phänomene werden auch schon in
Braunschweig (d = 273 km) beobachtet, siehe
Bild 10, und werden in Kapitel 7.3 weiter
diskutiert. In diesem Zusammenhang ist es
wichtig zu wissen, dass diese „Schwebung“
zwischen Boden- und Raumwelle langsam
abläuft (eine Viertelstunde und länger) und
somit für eine Funkuhr genügend Zeit zur
Aufnahme der DCF77-Zeitinformation zur
Bild 17: Verfügung steht.
Feldstärken der DCF77 Boden- und Raumwelle als Funktion der Entfernung d vom 3. In Entfernungen über 1100 km tritt der Bo-
Sendeort, berechnet nach [18, 19] unter der Annahme einer abgestrahlten Leistung
von 30 kW. Für die Bodenleitfähigkeit wurden 3 · 10–3 S/m angenommen,es wird
denwellenanteil immer mehr zurück, und es
zwischen Ausbreitung im Sommer (offene Symbole) und Winter (volle Symbole) überwiegt dann die Raumwelle, deren Aus-
unterschieden. breitung in großen Entfernungen besonders
PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 359

am Tage recht konstant ist. Zwischen 1100 km


und 2000 km Entfernung sind Feldstärken
der Raumwelle zwischen einigen hundert
und etwa 100 mV/m zu erwarten.

7 Empfang des DCF77 Signals

7.1 Rechtliche Aspekte


Entsprechend der im Amtsblatt 20/95 des Bun-
desministeriums für Post und Telekommunika- Bild 18:
tion veröffentlichten Verfügung 207/1995 sind Häufigkeitsverteilung der
Normalfrequenzempfänger und Funkuhren Unterbrechungen von
DCF77-Aussendung be-
(Empfangsfunkanlagen für den Empfang von
stimmter Dauer in den
Normalfrequenz- und Zeitzeichensendungen) Jahren 2002 und 2003.
von der Zulassungspflicht befreit. Vorausset-
zung für das Inverkehrbringen von Normalfre-
In den Jahren 2002 und 2003 wurden Abschal-
quenzempfängern und Funkuhren ist aber, dass
tungen mit einer Dauer von länger als zwei Minu-
sie die Vorschriften des Gesetzes über die elek-
ten gemäß der in Bild 18 dargestellten Vertei-
tromagnetische Verträglichkeit (EMVG) einhal-
lung beobachtet. Die zeitliche Verfügbarkeit im
ten und entsprechend gekennzeichnet werden.
Jahr 2003 war ungewöhnlich hoch: 99,98 %.
Die Anforderungen des EMVG gelten als erfüllt,
Nicht gezählt sind allerdings die Abschaltungen
wenn die Empfänger den harmonisierten euro-
von weniger als zwei Minuten Dauer. Die häu-
päischen Normen entsprechen, den EMV-Fach-
figste Ursache für die länger andauernden Un-
grundnormen EN 61000-6-1 (Störfestigkeit) und
terbrechungen waren die elektrische Verstim-
EN 61000-6-3 (Störaussendung) für Wohn-, Ge-
mung des Antennenresonanzkreises durch Aus-
schäfts- und Gewerbebereich.
lenkung der Antenne in starkem Sturm und bei
7.2 Zeitliche Verfügbarkeit der Aussendung Eisregen. Bei zu großer Fehlanpassung wird die
Aussendung unterbrochen. Die Sendefunkstelle
DCF77 sendet im 24-h-Dauerbetrieb. Mit der T-
ist seit Juli 1999 außerhalb der regulären Ar-
Systems wurde eine zeitliche Verfügbarkeit der
beitszeit nicht mehr besetzt. Der Sender wird
DCF77-Aussendung von jährlich 99,7 % ver-
dann von Frankfurt aus fernüberwacht. Auch
traglich vereinbart. Da ein Ersatzsender und
im Fachlabor Zeit- und Frequenzübertragung
eine Reserveantenne verfügbar sind, gibt es re-
der PTB ist außerhalb der regulären Dienstzeit
gelmäßige Abschaltungen für Wartungsarbeiten
niemand anwesend. Bei größeren Störungen an
schon seit 1977 nicht mehr. Mit kurzen Unter-
den Steuer- und Sendeeinrichtungen, z. B. wenn
brechungen bis zu wenigen Minuten muss da-
die automatischen Überwachungseinrichtungen
gegen gerechnet werden, wenn bei unerwarteten
das Steuersignal oder den Sender abschalten,
Störungen oder fälligen Wartungsarbeiten auf den
kann es außerhalb der Dienstzeit daher längere
Ersatzsender und die Reserveantenne umge-
Zeit dauern, bevor Mitarbeiter der T-Systems
schaltet werden muss. Seit Sommer 1997 muss
oder der PTB erreicht werden und Maßnahmen
die DCF77-Aussendung selbst bei Gewittern am
zur Störungsbeseitigung einleiten können. Funk-
Sendeort nicht mehr für längere Zeit unterbro-
uhren, bei denen es auf hohe Sicherheit ankommt,
chen werden. Die Antennenzuführungen wur-
sollten also nach wie vor mit einer Gangreserve
den in den Antennenhäusern mit Kugelfunken-
über mehrere Stunden in Form eines hochwerti-
strecken und UV-Sensoren ausgerüstet. Kommt
gen Quarzoszillators ausgestattet werden.
es nach einem Blitzeinschlag an einer Kugelfun-
kenstrecke zu einem Durchbruch mit Entste- 7.3 Eigenschaften der empfangenen Signale
hung eines Lichtbogens, wird dieser vom UV-
Sensor erkannt und einer Überwachungselek- Beim Empfang von DCF77 in größeren Entfer-
tronik gemeldet. Da wegen der hohen Span- nungen vom Sender ist zu beachten, dass sich
nung des vom Sender gelieferten Signals der das Gesamtsignal aus Boden- und Raumwellen-
Lichtbogen nicht wieder von allein erlöschen wür- anteil zusammensetzt. Wie das Zeigerdiagramm
de, unterbricht die Überwachungselektronik auto- in Bild 19 veranschaulicht, hängt es dabei vom
matisch für kurze Zeit das Senderausgangssignal, Verhältnis der Amplituden von Boden- und
womit der normale Zustand wieder hergestellt Raumwelle und dem Phasenwinkel zwischen
wird. Bei Gewittern am Sendeort muss daher mit den beiden Feldkomponenten ab, welche Pha-
kurzzeitigen Unterbrechungen der DCF77-Aus- senwinkelverschiebung das resultierende Ge-
sendung gerechnet werden, so dass der Emp- samtsignal, bezogen auf die Phase der Boden-
fang einiger aufeinanderfolgender Sekunden- welle, erfährt und welche Gesamtamplitude
marken gestört sein kann. sich einstellt. Werden am Empfangsort Amplitu-
360 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

den- und Phasenschwankungen des Trägers so- gab eine relative Frequenzabweichung zwischen
wie (periodisch)-zeitliche Verschiebungen der der DCF77 Trägerfrequenz und UTC(PTB) von
Zeitsignale beobachtet, wie sie z. B. in Bild 10 < 1 · 10–14. Die relative Standardabweichung der
gezeigt sind, so haben diese ihre Ursache in Tagesmittelwerte beträgt 1,5 · 10–12 für das Messin-
dem schwankenden Einfluß der Raumwelle als terval 12 UTC – 12 UTC. Bestimmt man die Insta-
Folge von Änderungen des Reflexionskoeffizi- bilität der registrierten Trägerfrequenz als Funk-
enten sowie in Laufzeitänderungen der Raum- tion der Uhrzeit der Messung, so ergibt sich die
welle, wenn sich in der Dämmerung die Höhe in Bild 20 dargestellte Abhängigkeit. Als Funkti-
der D-Schicht von 70 auf 90 km bzw. umgekehrt on der Tageszeit der Messung und der ausge-
ändert. Welche Unsicherheiten beim Empfang wählten Mittelungszeit ergaben sich die gezeig-
der DCF77-Normalfrequenz und -Zeitsignale ten Schwankungen s der Einzelmessungen, be-
erreichbar sind, hängt daher wesentlich von der zogen auf den durch UTC(PTB) vorgegebenen
Entfernung des Empfangsortes vom Sender so- Sollwert. Bei kurzen Mittelungszeiten können
wie von der Tages- und Jahreszeit ab. danach am Tage geringere Unsicherheiten er-
reicht werden als in der Nacht. Andererseits
mitteln sich die durch Raumwelleneinfluss ver-
ursachten Frequenzschwankungen weitgehend
heraus, wenn mit genügend langen Mittelungs-
zeiten gemessen wird. Die Situation ist im Som-
mer typischerweise günstiger als im Winter.
Die für Braunschweig ermittelten Frequenz-
schwankungen können als Anhaltswerte für alle
Empfangsorte dienen, an denen die Bodenwelle
noch eine überwiegend größere Amplitude als
die Raumwelle hat. Im Entfernungsbereich, in
dem Boden- und Raumwelle gleich groß wer-
den können, sind dagegen Frequenzvergleiche
durch mögliches „Phasengleiten“ („cycle slip-
ping“) erschwert. In sehr großen Entfernungen,
wenn die Raumwelle die Oberhand gewinnt,
liegen wieder konstante Verhältnisse vor. Hier
sollten Frequenzvergleiche möglichst nur am
Tage oder nur in der Nacht, d. h. bei stabiler
Raumwellenausbreitung, vorgenommen wer-
Bild 19: den, damit die Laufzeitänderungen durch das
Zeigerdiagramm zur Verdeutlichung der vektoriellen Wandern der D-Schicht in der Dämmerung
Überlagerung von Boden- und Raumwelle am Emp- nicht als Änderungen der Referenzfrequenz in-
fangsort; ABW, ARW, AS: Amplituden der Boden- und
Raumwelle und des resultierenden Summensignals,
terpretiert werden.
j: Resultierende Phasenwinkelverschiebung des Von der Industrie werden DCF77-Normal-
Summensignals gegenüber der Bodenwelle. Im Kreis- frequenzempfänger zum automatischen Nach-
diagramm rotieren alle Vektoren mit der Winkelge- regeln von Quarz- und Atomfrequenznormalen
schwindigkeit 2pf0, wobei f0 die Trägerfrequenz ist
und j bei stationären Verhältnissen konstant bleibt.
angeboten. In solchen Frequenzreglern wird das
Ausgangssignal des nachzuregelnden Normals
auf die DCF77-Trägerfrequenz oder eine Sub-
7.3.1 Empfang der Normalfrequenz
harmonische davon umgesetzt, und die Phasen-
Wird der Träger von DCF77 zur Überwachung zeiten des empfangenen DCF77-Signals und des
oder automatischen Nachsteuerung von Nor- umgesetzten Signals werden miteinander ver-
malfrequenzgeneratoren genutzt, werden die glichen. Aus der zeitlichen Änderung der Pha-
dazu erforderlichen Frequenz- bzw. Phasenzeit- sendifferenz zwischen beiden Signalen wird ein
vergleiche zwischen dem lokalen Oszillatorsig- Regelsignal zur automatischen Nachregelung
nal und dem empfangenen DCF77-Trägersignal des Frequenznormals hergeleitet. Kombiniert
durch die ausbreitungsbedingten sowie die man derartige Frequenzregler mit Frequenznor-
durch den PRN-Kode verursachten Phasenzeit- malen hoher Eigenstabilität, wie thermostati-
schwankungen beeinträchtigt. Welche Phasen- sierten Quarzoszillatoren oder Atomfrequenz-
zeit- bzw. Frequenzschwankungen in Braun- normalen, können so große Regelzeitkonstanten
schweig, 273 km vom Sendeort entfernt, auftre- gewählt werden, dass die ausbreitungsbeding-
ten, wurde in der PTB wiederholt untersucht, ten Phasenzeitschwankungen weitgehend aus-
ein aktuelles Beispiel datiert vom Herbst 2003. gemittelt werden. Wie Messungen in verschie-
Die Registrierung der Phasenzeit zwischen dem denen Kalibrierlaboratorien bestätigt haben, las-
1. September und dem 21. Oktober (50 Tage) er- sen sie sich auf diese Weise im langzeitigen Mit-
PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 361

Bild 20:
Standardabweichung s
der relativen Abwei-
chung der in Braun-
schweig empfangen
DCF77-Trägerfequenz
vom Sollwert als Funkti-
on der Tageszeit und der
Mittelungszeit T
(durchgezogen: T = 1 h,
gepunktet: T = 2 h,
strichpunktiert: T = 4 h),
basierend auf 50 Tagen
im Spätsommer 2003
(2003-09-01 bis
2003-10-21).

tel mit Unsicherheiten von 1 · 10–11 und auch weichungen der aufgenommenen DCF77-Signa-
noch darunter an die PTB-Atomfrequenznorma- le von UTC(PTB) zu bestimmen. Der konstante
le anschließen, ohne dabei die ihnen eigene Laufzeitanteil (Übertragungsstrecke und Emp-
Kurzzeitstabilität zu verlieren. Rubidium- fänger intern) kann, falls erforderlich, mit einem
Atomfrequenznormale in temperaturstabilisier- überlegenen Übertragungsverfahren kalibriert
ten Messräumen werden zweckmäßigerweise und berücksichtigt werden. Um störsicheren
mit Zeitkonstanten zwischen mindestens einem Empfang zu garantieren, arbeiten viele der auf
und mehreren Tagen geregelt. dem Markt befindlichen Funkuhren mit Band-
breiten um 10 Hz und begnügen sich mit Unsi-
7.3.2 Empfang der amplitudenmodulierten cherheiten von etwa 0,1 s.
Zeitsignale Um geringere Unsicherheiten zu erreichen,
Der Zeitzeichenempfang wird häufig durch Stö- muss mit steileren Flanken, d. h. größerer Band-
rungen verschiedener Ursachen erschwert. Als breite, aber auch zugleich größerer Störanfällig-
besonders störend haben sich z. B. die 5. Ober- keit gearbeitet werden. Geeignete Demodulati-
welle der Zeilenfrequenz (625 Hz oberhalb der ons- und Mittelungsverfahren, um Störungen
DCF77-Trägerfrequenz) von Fernsehgeräten zu begegnen sind z. B. die Synchrondemodula-
oder Pulsstörungen von Schaltnetzteilen und tion, die Quadraturabtastung [20], Schrittrege-
elektrischen Maschinen erwiesen. Auch atmos- lung mit Einheitsschritten [21] (verwendet z. B.
phärische Störungen, die z. B. durch Entladun- für die in Bild 11a dargestellten Messwerte)
gen bei Gewittern hervorgerufen werden, kön- oder die trägersynchrone, digitale Zeitsignal-
nen zu einer starken Beeinträchtigung des Zeit- mittelung durch Abtasten der Amplitude der
signal-Empfangs führen. Um den Einfluss der Trägerschwingung im Bereich der Flanke. Bei
verschiedenen Störungen auf die Zeitsignale ge- Anwendung dieser Techniken sind in der Praxis
ring zu halten, werden in vielen Funkuhren bei Entfernungen, in denen die Bodenwelle
sehr schmalbandige Empfangsschaltungen ein- deutlich überwiegt, Unsicherheiten von 50 ms
gesetzt. Dadurch gelingt es zwar, die Störanteile bis 100 ms erreicht worden. Verschiedene Beiträ-
im Nutzsignal weitgehend zu reduzieren, ge in den Tagungsbänden der Funkuhrentagun-
andererseits bewirkt aber die Einschränkung gen [11] befassen sich mit dieser Thematik.
des Übertragungsfrequenzbereiches eine Abfla-
chung und Verrundung der Signalflanken. Am 7.3.3 Empfang des PRN Signals
Sendeort durchgeführte Messungen des Fre- Herkömmliche Empfangstechniken für AM-
quenzspektrums (siehe Bilder 12 und 13) sowie Zeitsignale erlauben nicht die Selektion von
eine Abschätzung der Übertragungsbandbreite Nutz- und Störsignalen, die im gleichen spek-
Df aus der Ausschwingzeit tA der in Bild 4 dar- tralen Frequenzbereich auftreten. Dagegen kön-
gestellten abfallenden Flanke der Trägereinhül- nen mit der Methode der Kreuzkorrelation
lenden nach der Beziehung Df = 1/tA haben erge- Nutz- und Störsignale auch dann voneinander
ben, dass Df in der Größenordnung von 850 Hz getrennt werden, wenn diese im gleichen Fre-
liegt. Je mehr von diesem Frequenzbereich emp- quenzbereich liegen. Bild 21 zeigt das Schema
fangsseitig abgeschnitten wird, umso mehr einer Kreuzkorrelations-Anordnung zur Zeit-
nimmt die statistische Unsicherheit zu, die Ab- übertragung. Wesentliche Elemente dieser An-
362 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

verwendete PRN-Kode p(t) (siehe Abschnitt 4.3)


liefert aufgrund seiner Signalstruktur eine drei-
eckförmige Korrelationsfunktion mit einer Kor-
relationsdauer von 2 Zeichen (chips). Die Syn-
chronisation des im Empfänger erzeugten
Kodes pE(t) auf den empfangenen Kode pS(t)
kann z. B. über eine Verzögerungsregelschleife
(DLL = delay – lock loop) erfolgen. Dazu wer-
den im Kodegenerator pE(t + TT/2) und der ent-
sprechend verzögerte Kode pE(t – TT/2) erzeugt.
Nach Multiplikation der zeitlich versetzten
Kodes mit dem empfangen Kode und anschlie-
ßender Filterung ergeben sich jeweils Signale,
die ein Maß sind für die zeitliche Verschiebung
zwischen dem empfangenen Kode und dem im
Empfänger erzeugten voreilenden bzw. verzö-
Bild 21: gerten Kode. Die Differenz dieser Signale kann
Prinzip der Übertragung von Zeitinformation ZI mit Hilfe der Kreuzkorrelation. Bei als Regelsignal für die Laufzeitkette benutzt
Verwendung eines PN-Kodes für x(t) und y(t) hat die Kreuzkorrelationsfunktion werden, um den im Empfänger erzeugten Kode
Rxy(t) einen dreieckförmigen Verlauf mit einer Korrelationsdauer von zwei Zeichen.
auf den empfangenen Kode zu synchronisieren.
x(t) und y(t) sind a priori gleich, x(t) weicht wegen der Übertragungseigenschaften
der Sendeeinrichtungen von y(t) ab. Das Frequenzspektrum der verwendeten
PRN Modulation ist ein Linienspektrum mit ei-
ner sin(x)/x -Einhüllenden. Der Frequenzab-
ordnung sind die Laufzeitkette mit der Verzöge- stand fT/N der einzelnen Spektrallinien beträgt
rung t sowie der Multiplikator mit nachgeschal- 1,26 Hz (fT = 645,83 Hz, N = 512) und wird bei
tetem Integrator. Mathematisch lässt sich die der Aufzeichnung des Spektrums nicht aufge-
Messoperation, die von dieser Kreuzkorrelati- löst (Bilder 12 und 13). Der Hauptzipfel des
ons-Anordnung ausgeführt wird, durch Spektrums erstreckt sich von 77,5 kHz – fT bis
+T 77,5 kHz + fT, d. h. die Bandbreite beim Emp-
Ú [ x(t - t 0 ) + z(t)] ◊ y(t - t )dt (3)
1
R xy (t ) = lim fang der PRN sollte mindestens 2fT = 1292 Hz
TÆ• 2T -T
betragen. Messungen in der PTB Braunschweig
beschreiben, oder vereinfacht, durch
haben ergeben, dass sich die Ankunftszeitpunk-
R (t ) = x(t - t ) ◊ y(t - t ) + z(t) ◊ y(t - t ) . (4) te der PRN-Signale mit Hilfe der Kreuzkorrela-
xy 0
tion störsicherer und mit geringerer Unsicher-
Dem vom Zeitsignalsender ausgestrahlten Zeit heit aufnehmen lassen, als es mit AM-Zeitsigna-
signal x(t) überlagert sich auf der Übertra- -
len bei üblichen Empfangsbedingungen mög-
gungsstrecke ein Störsignal z(t). Gleichzeitig er- lich ist. So ergaben sich am Tage bei geringem
fährt es eine Verzögerung t0, bevor es empfangs- Raumwelleneinfluss Streuungen der aufgenom-
seitig auf einen Eingang des Multiplikators ge- menen Zeitpunkte der PRN-Signale von weni-
langt. Dem zweiten Eingang des Multiplikators ger als einer halben Periode des Trägers (< 6,5 ms).
wird über eine Laufzeitkette das Suchsignal y(t) Dies bedeutet, dass es zeitweise möglich ist, ei-
zugeführt, das im Empfänger erzeugt wird und nen bestimmten Nulldurchgang des Trägers zu
a priori gleiche Eigenschaften hat wie x(t), je- identifizieren. In den Wintermonaten, bei star-
doch nicht durch die Sendeeinrichtungen (ge- kem Raumwelleneinfluss, sind dagegen Streu-
ringe Bandbreite) beeinflusst wird. Bei der an- ungen bis zu etwa 25 ms gemessen worden [16].
schließenden Produkt-Mittelwertbildung über Vom Prinzip her lassen sich mit der Korrela-
eine hinreichend lange Integrationszeit ver- tionstechnik zwar Raum- und Bodenwelle tren-
schwindet der 2. Summand in Gleichung (3), nen. Eine sichere Trennung beider Signalkom-
wenn y(t) und z(t) für alle Werte von t inkohä- ponenten ist aber nur möglich, wenn ihr Lauf-
rent und statistisch nicht verwandt sind. Somit zeitunterschied (s. Bild 15) größer ist als die Zei-
liefert der Korrelator nur noch eine von x(t) und chendauer des PRN-Kodes (1,55 ms). Diese Be-
y(t) abhängige Kreuzkorrelationsfunktion dingung ist aber bei DCF77 nicht erfüllt, da die
Rxy(t), die frei von überlagerten Störungen ist. zur Verfügung stehende Bandbreite der Sende-
Ist die Zeitverschiebung t durch die Laufzeit- antenne zu gering ist, um die Taktrate fT des
kette gleich der Verzögerung t0 auf der Übertra- PRN-Kodes genügend groß, d. h. die Zeichen-
gungsstrecke, wird Rxy(t) maximal, und das dauer genügend klein wählen zu können.
durch die Laufzeitkette nachgezogene Suchsig-
nal y(t) repräsentiert die vom Sender ankom- 8 DCF77-Funkuhren
mende Zeitinformation ZI, die von Störungen Die Idee, Zeitinformation über Radiowellen zu
weitgehend befreit ist. Der bei DCF77 für x(t) übertragen, ist fast so alt wie die Technik des
PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 363

„Radios“ selbst. Michael A. Lombardi vom Na- Nach der Aufnahme des 24 Stunden Dau-
tional Institute of Standards and Technology erbetriebs von DCF77 im vierten Quartal 1970
(NIST), USA, hat in einer an Anekdoten reichen begannen auch in der PTB die Überlegungen
Zusammenstellung die Geschichte der Funkuhr zur Aussendung kodierter Zeitinformation.
in den USA nachgezeichnet [22]. Einige Details Neben den Arbeiten von Hilberg verfolgte
aus dieser Zusammenstellung werden im Fol- man die Entwicklung der Zeitsender WWV
genden wiedergegeben: und WWVB in den USA, die 1960 bzw. 1965
Guglielmo Marconi experimentierte Ende damit begonnen hatten, kodierte Zeitinforma-
des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts mit tion auszusenden.
Radiowellen und konnte 1899 die Kommunika- Zeitgleich mit dem Beginn der Aussendung
tion über den Ärmelkanal hinweg und 1901 des Zeitkodes über DCF77 stellte die PTB Proto-
über den Atlantik realisieren. Auf die „Marconi- typen von Funkuhren vor, die heute im Deut-
Wellen“ nimmt der Ingenieur und Hersteller schen Museum, München und Bonn, sowie in
optischer Geräte Sir Howard Grubb Bezug, als der PTB ausgestellt bzw. noch in Betrieb sind.
er 1898 in einem Vortrag vor der Royal Dublin Die Schaltung dieser ersten DCF77-Funkuhren
Society die Entwicklung tragbarer Funkuhren wurde 1974 veröffentlicht [26]. Sie stieß auf gro-
vorhersagte: ßes Interesse und zahlreiche Leser dieses Arti-
„There is something very beautiful in this action kels bauten die Schaltung nach.
of the Marconi waves. In a city supplied with this Wissenschaftliche Unterstützung bei der
apparatus we should be conscious as we hear each Weiterentwicklung der Funkuhr kam in den fol-
hour strike that above us and around us, swiftly and genden Jahren außer von der PTB von den
silently, this electrical wave is passing, conscien- Technischen Universitäten Darmstadt und
tiously doing its work, and setting each clock in each Stuttgart. Besonders an der Technischen Univer-
establishment absolutely right, without any physical sität Darmstadt, an der Prof. Hilberg 1972 einen
connection whatsoever between the central distribu- Lehrstuhl für digitale Schaltungen erhalten hat-
ting clock, and those which it keeps correct by means te, wurden mit dem Ziel der Massenproduktion
of this mysterious electrical wave. zu niedrigen Herstellungskosten neue Emp-
We might go even still further, and although I do fangsverfahren untersucht und kleine effiziente
not put it forward as a proposition likely to be car- Funkuhren entwickelt. Anfang 1980 konnten die
ried out in any way, except as an experiment, yet it Darmstädter Forscher einem Ausschuss der
undoubtedly would be perfectly possible to carry an deutschen Industrie im Institut für Uhren- und
apparatus in one’s pocket, and have our watches au- Feinwerktechnik der Universität Stuttgart einen
tomatically set by this electrical wave as we walk voll funktionsfähigen Funkuhrempfänger mit
about streets.” [23] innen liegender, kleiner Antenne und digitalem
In Deutschland gehört Professor Dr.-Ing. Display in der Größe heutiger Funkwecker vor-
Wolfgang Hilberg zu den Pionieren der Ent- führen. Mitte der achtziger Jahre brachten die
wicklung der Funkuhren. Im Jahr 1967 – damals Firmen KUNDO und Junghans ihre ersten
Ingenieur im Forschungsinstitut der Firma Funkuhren, KUNDO SPACE TIMER und Jung-
AEG-Telefunken in Ulm – beschrieb er unter hans RC-1 auf den Markt. 1987 stellte die TU-
dem Titel „Drahtlos gesteuerte Uhren mit Nor- Darmstadt den Prototyp einer Funkarmband-
malzeit-Ziffernanzeige“ das Prinzip eines Zeit- uhr mit eingebauter Antenne vor. Die Marktein-
verteilungssystems für Jedermann mit Hilfe ei- führung der ersten kommerziellen Funkarm-
nes Senders und digital arbeitender Funkuhren banduhr erfolgte 1990 durch Junghans, deren
[24]. Im Jahr 1971 zeigte er, dass die für die Zeit- MEGA 1 in Lombardis Aufsatz [22] als „one of
übertragung benötigten Bandbreiten so gering the most momentuous horological events ever“ be-
sind, dass die Aussendung von Zeitinformation zeichnet wurde. Die MEGA 1 ist heute bereits
z. B. an den Rändern von UKW-Kanälen erfol- Ausstellungsstück in Uhrenmuseen, so im
gen könnte [25]. Als mögliche Funkuhr für die Schweizer Museum in La Chaux-de-Fonds und
Zeitübertragung mit Rundfunksendern stellte im Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen.
er den Versuchsaufbau eines handelsüblichen Heute sind im privaten Bereich etwa die Hälf-
modifizierten Rundfunkgerätes vor, dem eine te aller in Deutschland verkauften „elektri-
einfach zu realisierende Empfängerschaltung schen Großuhren“ (Tisch-, Gestell-, Wanduhren
mit Nixie-Anzeigeröhren zur Zeitanzeige hin- und Wecker) Funkuhren. Daneben sind mehr
zugefügt worden war. Obwohl technisch mög- als eine halbe Million Industrie-Funkuhren im
lich, ist es zu einer direkten Zeitverbreitung Einsatz, darunter solche, die von der pseudozu-
durch Rundfunk- oder Fernsehsender jedoch fälligen Umtastung der Trägerphase Gebrauch
nie gekommen – abgesehen von der Aussen- machen.
dung von Zeitzeichen zur vollen Stunde oder
der Einblendung von Uhren vor den Nachrich-
tensendungen.
364 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

9 Zeit- und Normalfrequenzdienste auf Dokument zu laden („Related Information


Langwelle „TF583“ bzw. „TF768“). Diese Anhänge werden
im jährlichen Turnus aktualisiert. Basierend auf
In den Radio Regulations der ITU sind die Fre-
den mit Stand Oktober 2002 publizierten Infor-
quenzbereiche 20,05 – 70 kHz und 72 – 84 kHz
mationen sind in Tabelle 1 die Eigenschaften der
in Region 1 (Europa und Afrika) sogenannten
Zeitdienste auf Langwelle zusammengefasst.
primary fixed services zugewiesen [27]. In Artikel
Der vom Schweizer Sender HBG ausgesand-
5.56 heißt es ergänzend, dass die Funkdienste,
te Zeitkode ist mit dem DCF77-Kode nahezu
denen diese o. g. Frequenzbereiche zugewiesen
identisch, abgesehen von der Kennung der Mi-
sind, Normalfrequenz und Zeitzeichen aussen-
nute und den Sekundenmarken 1 – 15, die ja für
den können. Diese Dienste genießen Schutzrech-
die Übertragung von Zeitinformation keine Rol-
te gegenüber störenden Interferenzen durch
le spielen. Des weiteren wird in den Sekunden-
Aussendungen von secondary services. Dagegen
marken die Amplitude auf Null getastet – nicht
sind andere Frequenzbänder ausschließlich für
auf 20 % wie beim DCF77, was die Verwendung
die Aussendung von Normalfrequenz reserviert
für die Normalfrequenzübermittlung beein-
und besonders geschützt (z. B. um 2,5 MHz,
trächtigt. Alle anderen Dienste verwenden an-
5 MHz, 10 MHz), deren Möglichkeiten und An-
dere Zeitkodes. In der ersten Reihe der Tabelle 1
wendungen in der ITU-Literatur [7] diskutiert
sind die gegenwärtig publizierten Parameter
werden. Wir beschränken uns nachfolgend auf
des neuen chinesischen Zeitdienstes BPC ent-
die Darstellung der Dienste im Langwellenbe-
halten, der vom National Time Service Centre,
reich. In der ITU-Empfehlung ITU-R TF768-5
Shanxii, Volksrepublik China, aufgebaut wird
„Standard Frequencies and Time Signals“ sind
[28]. Insgesamt sollen im Land drei Stationen
die verschiedenen Dienste im Anhang aufgelis-
für die Aussendung von Zeitzeichen und Nor-
tet. Im Anhang der ITU-Empfehlung ITU-R
malfrequenz entstehen. In den letzten Jahren
TF583-6 findet man die verwendeten Kodier-
wurden erhebliche Aufwendungen in den Auf-
schemata zur Übertragung der Zeitinformation.
bau der beiden japanischen Stationen sowie die
Während die Texte der Recommendations selbst
Modernisierung des WWVB des NIST gesteckt
nur kostenpflichtig bei der ITU zu erhalten sind
[29]. Ferner wurden die Einrichtungen des HBG
(http://www.itu.int/ITU-R/Study-Groups/
nach der Übertragung der Verantwortung an
rsg7/index.asp, „Recommendations“), sind die
das schweizerische Bundesamt für Metrologie
o. g. Anhänge von dieser Web-Seite als WORD-

Tabelle 1:
Langwellenstationen, die Normalfrequenz und kodierte Zeitinformation übertragen (Stand Oktober 2003 [13]). Der jeweils verwendete Zeit-
kode ist unter der im Text Kapitel 9 angegeben ITU Internet-Adresse einzusehen, oder von den Betreibern zu erhalten.

Ruf- Land Standort Träger- Rel. Unsicher- Senderleistung Betriebsart Imternet_Adresse


zeichen frequenz heit der Träger (tatsächlich //www.+
//
http://
(kHz) frequenz abgestrahlte
(1s, über Tag) Leistung (kW)

BPC China Pucheng 68,6 1 · 10–12 20 zeitweise, in 2003 sxso.ac.cn


34∞ 56,9‘ Nord 08:00–12:00 Uhr
109∞ 33,1‘ Ost und 22:00–23:00 Uhr

DCF77 Deutschland Mainflingen 77,5 1 · 10–12 30 kontinuierlich ptb.de


30∞ 01‘ Nord
09∞ 00‘ Ost

HBG Schweiz Prangins 75 1 · 10–12 20 kontinuierlich official-time.ch


46∞ 24‘ Nord
6∞ 15‘ Ost

JJY Japan Oktahadoyayama 40 1 · 10–12 12,5 kontinuierlich nict.go.jp


37∞ 22‘ Nord
140∞ 51‘ Ost

JJY Japan Haganeyama 60 1 · 10–12 15 kontinuierlich nict.go.jp


33∞ 28‘ Nord
130∞ 11‘ Ost

MSF UK Rugby 60 2 · 10–12 15 kontinuierlich npl.co.uk


52∞ 22‘ Nord mit angekündigten Service-
01∞ 11‘ Ost Abschaltungen

WWVB USA Colorado Springs 60 1 · 10–11 65 kontinuierlich boulder.nist.gov/


40∞ 40‘ Nord timefreq
105∞ 02‘ Ost
PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 365

und Akkreditierung (METAS) weitgehend mo- untersucht, ob sich die Aussendung von „Zeit-
dernisiert. Es besteht allem Anschein nach in zeichen“ mit DCF77 auch zur Übertragung von
vielen Ländern ein öffentliches Interesse an der Warninformation nutzen lässt. Hierzu wurden
Verfügbarkeit der genauen Zeit, und die Aus- die Sekundenmarken 1 bis 14 jeder Minute der
sendung über Langwelle wird als adäquates DCF77 Aussendung verwendet, die, wie oben
Medium hierfür angesehen. ausgeführt, für die Zeitübertragung keine un-
mittelbare Bedeutung mehr haben. In Zusam-
10 Schlussbetrachtung menarbeit mit den vom ZfZ beauftragten Fir-
Mit dem von der PTB gesteuerten Langwellen- men unter Federführung von HKW-Elektronik,
sender DCF77 auf 77,5 kHz steht seit vielen Jah- Seebach, wurden die DCF77 Steuereinrichtun-
ren ein zuverlässiger Zeitsignal- und Normal- gen so erweitert, dass mit einem Satellitentermi-
frequenzsender zur Verfügung, der in weiten nal in Mainflingen empfangene fiktive Warn-
Teilen Europas empfangen werden kann. Mit meldungen in das Sendeprogramm integriert
Hilfe der Trägerfrequenz von DCF77 werden werden konnten.
Normalfrequenzgeneratoren kalibriert oder au- Zwischen dem 13.10 und 10.12.2003 wurden
tomatisch nachgeregelt. Zeitdienstsysteme bei insgesamt 39 scharfe Testalarme gesendet, die
der Bahn, im Bereich der Telekommunikation mit 1000 landesweit verteilten Empfängern re-
und der Informationstechnologie, bei Rund- gistriert werden sollten. Es kamen modifizierte,
funk- und Fernsehanstalten werden z. B. ebenso handelsübliche Funkuhren (Armbanduhren,
von DCF77 funkgesteuert wie Tarifschaltuhren Wecker, Wanduhren, PC-Funkuhren) die zusätz-
bei Energieversorgungsunternehmen und Uh- lich zu ihrer Standardfunktion optisch und
ren in Ampelanlagen. Die nach absoluten Zah- akustisch alarmieren konnten, zum Einsatz. Die
len häufigsten Nutzer sind inzwischen Privat- Teilnehmer am Feldversuch hatten sich ver-
personen: Mit noch immer zunehmendem Maße pflichtet, die Alarme, auch Fehlalarme, über das
werden Funkuhren (als Armbanduhren, We- Internet zu melden.
cker, Stand- und Wanduhren) eingesetzt. Über In dem inzwischen vorliegenden Abschluss-
die richtige Zeit zu verfügen, ob auf die Sekun- bericht zeigte HKW, dass die Alarmierungszeit
de oder die Millisekunde genau, wird eben sehr und die Empfangswahrscheinlichkeit des Funk-
geschätzt. Der Erfolg der Funkuhr hat aber alarms in unserem Land gleichmäßig gut ist.
insbesondere etwas mit den Eigenschaften der Die Umgebung (Land, Ballungsraum, innen,
Aussendung über Langwelle zu tun. Gegenüber außen) und Entfernung zum Sender hatten nur
Zeitübertragungsverfahren mit Satelliten haben geringen Einfluss. Dagegen zeigte sich, dass im
Langwellensignale einen entscheidenden Vor- Detail die Wahl der Aufstellung bei stationären
teil: Sie dringen in Gebäude ein und ihr Emp- Uhren, bzw. das Trageverhalten bei Armband-
fang wird durch Hindernisse wie Bäume oder uhren erheblichen Einfluss haben. Die Zahl der
Hochhausbebauung nicht nennenswert beein- Fehlalarme war vernachlässigbar klein. Das
trächtigt. Man kann sie ohne Außenantenne mit Bundesinnenministerium muss nun aufgrund
in Funkuhren eingebauten kleinen Ferritanten- des Abschlussberichts entscheiden, ob DCF77
nen empfangen. Aufgrund dieser Eigenschaft langfristig ein Teil des Gesamtsystems zur War-
der Langwelle können kompakte, mit Batterie nung der Bevölkerung wird.
oder Solarzellen betriebene Funkuhren ohne Davon unabhängig bleibt DCF77 weiterhin
Kabelanschluß an eine externe Antenne gebaut das bedeutendste Medium zur Verbreitung der
und betrieben werden. Demgegenüber erfordert gesetzlichen Zeit in Deutschland durch die PTB.
der Empfang von Signalen des Navigationssys-
tems GPS und in Zukunft des europäischen
Pendants Galileo eine Außenantenne mit
möglichst freier Sicht zum Himmel. Kann diese Literatur
aufgebaut werden, so können unbestreitbar [1] G. Becker: Die Sekunde. PTB-Mitteilungen 85,
kleinere Unsicherheiten in der Zeitübertragung (1975), S. 14–28.
erreicht werden [30]. Die Zeitübertragung über [2] H. Enslin: Die Entwicklung der Bürgerlichen
Satelliten und die Zeitverbreitung auf Langwel- Zeit seit 1800. Alte Uhren und moderne Zeit-
le werden sich daher nicht gegenseitig ersetzen messung 1 (1988), S. 60–75 und Seewart 44,
sondern ergänzen. (1983), S. 264–280.
Ganz aktuell hat sich für die Aussendung [3] T. Jones: Splitting the Second: The Story of
von DCF77 eine mögliche neue Anwendung er- Atomic Time. Bristol, IOP Publishing 2000.
geben. Auf Anregung der Zentralstelle für Zivil- [4] R. A. Nelson, D. D. McCarthy, S. Malys,
schutz (ZfZ) beim Bundesverwaltungsamt, Bad J. Levine, B. Guinot, H. F. Fliegel, R. L.Beard,
Godesberg, dem heutigen Bundesamt für Bevöl- und T. R. Bartholomew: The leap second: its
kerungsschutz und Katastrophenhilfe, wurde history and possible future. Metrologia 38,
im dritten und vierten Quartal des Jahres 2003 (2001), S. 509–529.
366 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

[5] H. Zemanek: Kalender und Chronologie. [18] ITU-R Recommendation 368-6 „Ground
5., verbesserte Auflage, München, Wien: Wave propagation curves for frequencies
Oldenbourg Verlag, 1990, zz. vergriffen; auch between 10 kHz and 30 MHz“. Entnom-
F. K. Ginzel: Handbuch der mathematischen men dem Band Recommendations des
und technischen Chronologie. J. C. CCIR, 1990, Volume V, aktuelle Version sie-
Hinrich’sche Buchhandlung Leipzig, 1914. he ITU Internet-Adresse in Kapitel 9.
[6] R. Wendorff: Zeit und Kultur. 3. Auflage, [19] ITU-R Recommendation 684-3 „Prediction
Opladen, Westdeutscher Verlag, 1985; of field strength at frequencies below
G. Dohrn-van Rossum: Die Geschichte der 150 kHz. ITU, Geneva, 2002.
Stunde. München, Wien, Carl Hanser Ver- [20] Ref. 11b, S. 29-59 und S. 107–124.
lag 1992; N. Elias: Über die Zeit. Suhrkamp [21] G. Becker: Schrittregelung für die Mittelung
Taschenbuch 756, erste Auflage, 1988. von Zeitsignalen. PTB-Mitteilungen 85,
[7] Handbook on the Selection and Use of Pre- (1975), S. 448–457.
cise Frequency and Time Systems. Internatio- [22] M. A. Lombardi: Radio Controlled Clocks.
nal Telecommunication Union, Geneva 1997. Proc. of the 2003 National Conference of
[8] J. Levine: Introduction to time and frequency Standards Laboratories NCSL, auf CD-
metrology. Rev. Scientific Instr. 70, (1999), ROM.
S. 2567–2596. [23] H. Grubb, Sir: Proposal for the Utilization
[9] P. Hetzel: Zeitinformation und Normalfre- of the ‚Marconi’ System of Wireless Tele-
quenz. telekom praxis 70, (1993), S. 25–36. graphy for the Control of Public and Other
[10] P. Hetzel: Der Langwellensender DCF77 auf Clocks. Scientific Proceedings of the Royal
77,5 kHz: 40 Jahre Zeitsignale und Normal- Dublin Society, vol. X, part I(7), (1899),
frequenz, 25 Jahre kodierte Zeitinformati- S. 121, zitiert in [22].
on. PTB-Mitteilungen 109, (1999), S. 11–18. [24] W. Hilberg: Drahtlos gesteuerte Uhren mit
[11] W. Hilberg, (Hrsg.): Normalzeit-Ziffernanzeige. Elektronik, 16.
a) Funkuhren, Oldenbourg Verlag GmbH, Jahrg., Heft 11 (Nov. 1967) S. 325–328 und
München, 1983, ISBN 3-486-27341-8; Heft 12 (Dez. 1967), S. 377–380.
b) Funkuhrtechnik, Oldenbourg Verlag [25] W. Hilberg und K. Buck: Eine integrierte
GmbH, München, 1988, ISBN 3-486-20623-0; digitale Empfängerschaltung für ein draht-
c) Funkuhren, Zeitsignale, Normalfrequen- loses elektronisches Zeitverteilungssystem.
zen, Verlag für Sprache und Technik, Groß- Nachrichtentechnische Zeitschrift (NTZ),
Bieberau, 1993, ISBN 3-928161-02-04. (1971), Heft 11, S. 572–577.
[12] A. Bauch und T. Heindorff: Zeit – Die SI-Ba- [26] P. Hetzel und L. Rohbeck: Digitale Anzeige
siseinheit Sekunde. PTB-Mitteilungen 112, der vom Sender DCF77 verbreiteten Amt-
(2002), S. 291–298. lichen Zeit. Funkschau 46, (1974),
[13] ITU-R Recommendations: TF.374-5 „Pre- S. 727–730.
cise Frequency and Time-Signal Transmis- [27] Ref. [15], Section IV.
sions“, TF.460-6 „Standard-frequency and [28] Y. Wang: Recent progress on time and fre-
time-signal emissions“, TF.486-2 „Use of quency in NTSC. Proc. 2002ATF, publ.
UTC frequency as reference in standard (2003), S. 30–33.
frequency and time signal emissions“. ITU, [29] M. A. Lombardi: NIST Time and Frequency
Geneva, im Internet: http://www.itu.int/ Services. NIST Spec. Publ. 432, 2002 Edition.
ITU-R/Study-Groups/rsg7/index.asp, [30] A. Bauch, P. Hetzel und T. Polewka: Die Rolle
dort: Recommendations TF series für die von GPS bei der Realisierung der Internati-
aktuelle Version. onalen Atomzeit. Kleinheubacher Berichte
[14] A. Bauch: Caesium atomic clocks: function, 43, (2000), S. 278–288.
performance and applications. Meas. Sci.
Technol. 14, (2003), S. 1159–1173.
[15] Radio Regulations, Article 19: Identificati-
on of stations. ITU Radiocommunication
Bureau, Geneva 2001.
[16] P. Hetzel: Zeitübertragung auf Langwelle
durch amplitudenmodulierte Zeitsignale
und pseudozufällige Umtastung der Trä-
gerphase. Dissertation, Universität Stutt-
gart, 1987 (unveröffentlicht).
[17] Handbook „The ionosphere and its effects
on radiowave propagation“. ITU, Radio-
communication Bureau, Geneva, 1998.
PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4 Themenschwerpunkt • 367

Anhang 1
368 • Themenschwerpunkt PTB-Mitteilungen 114 (2004), Heft 4

Anhang 2 (2) Die mitteleuropäische Sommerzeit soll


jeweils an einem Sonntag beginnen und en-
Gesetz über die Zeitbestimmung den. Die Bundesregierung bestimmt in der
(Zeitgesetz – ZeitG) vom 25. Juli 1978 Rechtsverordnung nach Absatz 1 den Tag
und die Uhrzeit, zu der die mitteleuropäi-
Der Bundestag hat das folgende Gesetz sche Sommerzeit beginnt und endet, sowie
beschlossen: die Bezeichnung der am Ende der mitteleu-
ropäischen Sommerzeit doppelt erscheinen-
§ 1 – Gesetzliche Zeit
den Stunde.
(1) Im amtlichen und geschäftlichen Verkehr
werden Datum und Uhrzeit nach der gesetz- Anhang 3
lichen Zeit verwendet.
(2) Die gesetzliche Zeit ist die mitteleuropäische Verordnung über die Einführung der mittel-
Zeit. Diese ist bestimmt durch die koordi- europäischen Sommerzeit ab dem Jahr 2002*)
nierte Weltzeit unter Hinzufügung einer (Sommerzeitverordnung-SoZV)
Stunde. vom 12. Juli 2001
(3) Die koordinierte Weltzeit ist bestimmt durch
eine Zeitskala mit folgenden Eigenschaften: Auf Grund des § 3 des Zeitgesetzes vom
1. Sie hat am 1. Januar 1972, 0 Uhr, dem 25. Juli 1978 (BGBl. I s. 1110, 1262), der durch
Zeitpunkt 31. Dezember 1971, 23 Uhr 59 das Gesetz vom 13. September 1994 (BGBl. I
Minuten 59,96 Sekunden, der mittleren S. 2322) geändert worden ist, verordnet die
Sonnenzeit des Nullmeridians entspro- Bundesregierung:
chen.
2. Das Skalenmaß ist die Basiseinheit Se- §1
kunde nach § 3 Abs. 4 des Gesetzes über Ab dem Jahr 2002 wird die mitteleuropäische
Einheiten im Meßwesen vom 2. Juli 1969 Sommerzeit (§ 1 Abs. 4 des Zeitgesetzes) auf
(BGBl. I S. 709), zuletzt geändert durch unbestimmte Zeit eingeführt.
Artikel 287 Nr. 48 des Gesetzes vom
2. März 1974 (BGBl. I S. 469), in Meeres- §2
höhe. (1) Die mitteleuropäische Sommerzeit beginnt
3. Die Zeitskala der koordinierten Weltzeit jeweils am letzten Sonntag im März um
wird entweder durch Einfügen einer zu- 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Im Zeitpunkt
sätzlichen Sekunde oder durch Auslas- des Beginns der Sommerzeit wird die Stun-
sen einer Sekunde mit einer Abweichung denzählung um eine Stunde von 2 Uhr auf
von höchstens einer Sekunde in Überein- 3 Uhr vorgestellt.
stimmung mit der mittleren Sonnenzeit (2) Die mitteleuropäische Sommerzeit endet
des Nullmeridians gehalten. jeweils am letzten Sonntag im Oktober um
(4) Für den Zeitraum ihrer Einführung ist die 3 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Im
mitteleuropäische Sommerzeit die gesetzli- Zeitpunkt des Endes der Sommerzeit wird
che Zeit. Die mitteleuropäische Sommerzeit die Stundenzählung um eine Stunde von
ist bestimmt durch die koordinierte Weltzeit 3 Uhr auf 2 Uhr zurückgestellt. Die Stunde
unter Hinzufügung zweier Stunden. von 2 Uhr bis 3 Uhr erscheint dabei zweimal.
Die erste Stunde (von 2 Uhr bis 3 Uhr mittel-
§ 2 – Darstellung und Verbreitung der
europäischer Sommerzeit) wird mit 2A und
gesetzlichen Zeit
die zweite Stunde (von 2 Uhr bis 3 Uhr mit-
Die gesetzliche Zeit wird von der Physikalisch- teleuropäischer ZeitI mit 2B bezeichnet).
Technischen Bundesanstalt dargestellt und ver-
breitet. §3
Das Bundesministerium des Innern gibt im
Bundesanzeiger, beginnend mit dem Jahr 2002,
§ 3 – Ermächtigung zur Einführung der
für jeweills fünf aufeinander folgende Jahre
mitteleuropäischen Sommerzeit
Beginn und Ende der Sommerzeit bekannt.

(1) Die Bundesregierung wird ermächtigt, zur


besseren Ausnutzung der Tageshelligkeit
und zur Angleichung der Zeitzählung an
(1) gem. Gesetz zur diejenige benachbarter Staaten durch Rechts-
Änderung des Zeit-
verordnung für einen Zeitraum zwischen dem
gesetzes vom
13. September 1994 1. März und dem 31. Oktober(1) die mitteleu-
(BGBl. I S. 2322) ropäische Sommerzeit einzuführen.