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Umrechnungsverhältnisse

einiger gebräuchlicher antiker Längenmaße


und Aussagen über deren Verbreitung
Stefan Bergdoll

Die Wissenschaft der Metrologie beschäftigt sich mit den Maßen und Maßeinheiten, wie Längen-, Flä-
chen-, Hohl-, Gewichts- und Zeitmaßen. Auch die Verhältnisse untereinander sind Forschungsthema wie
auch Größe und Herkunft der Maße. Von Bedeutung waren Maße schon seit Anbeginn des menschli-
chen Zusammenlebens, wenn es darum ging, Informationen unter Artgenossen so auszudrücken, dass
die Angesprochenen dadurch eine klare Vorstellung von der beschriebenen Sache (z. B. der Größe eines
erlegten Beutetiers) erhielten. Durch die Sesshaftwerdung des Menschen, die mit Ackerbau und Vieh-
zucht einherging und damit mit Handel untereinander, war es notwendig geworden, definierte Maße
für Lebensmittel und andere Tauschmittel zu schaffen. Es wurden erste Standards im Maßsystem benö-
tigt. Zu den Ältesten uns bekannten Maßstandards gehört der Beqa-Standard aus der Naqada-Zeit.
Schon im 4. Jahrtausend v. Chr. bildeten die aus der immer mehr ausgetrockneten Sahara ins Niltal ein-
gewanderten Ur-Ägypter dort Siedlungen, wie Naqada, und trieben mit anderen Siedlungen Handel. Zu
den ersten wichtigsten Standards gehörte eine Standardisierung von Gewichten. Bei dem ersten bereits
im 4. Jt. v. Chr. nachweisbaren Gewichtsstandard handelt es sich um den Beqa-Standard, den bereits
W.M.F. Petrie zu Beginn des letzten Jahrhunderts beschrieb. Zum Einsatz kamen genormte Gewichts-
steine, von denen einige auch mit Hieroglyphen markiert waren, die das Gewicht des Steins bezeichne-
ten. Auch Längen und Entfernungen unterlagen nicht der Willkür, auch wenn die Notwendigkeit diese
zu standardisieren nicht ganz so groß war, wie beim Gewicht. Schließlich war das primäre Ziel der Ge-
wichtsstandardisierung das Wiegen von Lebensmitteln, um hier eine gerechte Möglichkeit des Tau-
schens zu schaffen. Das Fälschen von Gewichten war daher in allen Kulturen schon seit Anbeginn eines
der schlimmsten Vergehen, derer man sich schuldig machen konnte. Entsprechend drastisch waren die
Strafen, wenn ein Betrüger entlarvt wurde. So wurden in der Antike Betrügern beide Hände abgehackt,
wie Diodor berichtet.1 Im Mittelalter endete dies für die Betroffene meist mit dem Tode, da ihnen in
islamischen Ländern bei lebendigem Leibe die Haut vom Körper abgezogen wurde. Diese grausame Vor-
gehensweise sollte andere Menschen davon abhalten sich solcher Vergehen schuldig zu machen. Aber
egal wie brutal und grausam die Strafen auch waren, einen hundertprozentigen Schutz vor Fälschern
hat es nie gegeben und wird es wohl auch nie geben.
Trotz der unzweifelhaft großen Bedeutung der Metrologie seit Anbeginn des menschlichen Zusammen-
lebens ist das Bewusstsein für die grundlegende Bedeutung dieser Wissenschaft bis heute nur sehr ge-
ring entwickelt.
Zum aktuellen Forschungsstand der Metrologie schreibt Prof. Dr. Klaus Geus, der an der FU Berlin den
Schwerpunkt „historische Geografie des antiken Mittelmeerraumes“ vertritt:
„Die metrologische Forschung zur Antike ist nach kraftvollen Anfängen seit Langem zum Erliegen ge-
kommen. Eine Zusammenfassung größeren Umfangs gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr. Alle wichtigen,
auch heute noch zu benutzenden Werke stammen aus dem 19. Jahrhundert: August Böckh, Metrologi-
sche Untersuchungen über Gewichte, Münzfuße und Maße des Alterthums (1838; Ndr. 1978), Johannes
Brandis, Das Münz-, Maß- und Gewichtswesen in Vorderasien bis auf Alexander d. Gr. (1866; Ndr. 1966),
Friedrich Hultsch, Griechische und römische Metrologie (21882; Ndr. 1971) sowie Heinrich Nissen, „Ab-
riß“, in der 2. Auflage des Handbuchs der Klassischen Altertumswissenschaft (1892). Fast alle genannten

1
„Den Falschmünzern, und solchen die unrichtige Maße und Gewichte verfestigten, oder Siegel verfälschten,
auch Schreiber, welche in die öffentlichen Bücher etwas Falsches eintrugen, oder von dem Eingetragenen et-
was löschen, so wie denen welche Urkunden unterschoben, mußte man beide Hände abhauen.“ in Diodor,
1.78.3.

M&G Heft 125 März 2018 2. Entwurf 1


Werke sind im 20. Jahrhundert nachgedruckt worden. Dies muss zum einen als Indikator für das beste-
hende Interesse an antiker Metrologie, zum anderen als Indiz für das Fehlen einer modernen Studie zu
diesem Bereich gewertet werden.
Die Gründe, die eine überfällige Synthese metrologischer Untersuchungen bisher verhindert haben, sind
vielfältig: Neben der nicht geklärten Zuständigkeit – die antike Metrologie ist im Spannungsfeld von
Alter Geschichte, Klassischer Philologie, Klassischer Archäologie, Wirtschaftsgeschichte, Wissenschafts-
geschichte und moderner Naturwissenschaft angesiedelt – ist vor allem die strittig gewordene Rolle der
vergleichenden Metrologie für die Herkunft und die Größe der Maßeinheiten, die unterschiedliche Be-
wertung der Maßtexte und nicht zuletzt die mangelhafte Aufbereitung des literarischen und archäolo-
gischen Materials zu nennen.“2
Das 20. Jahrhundert hat zur Metrologie aus den zuvor geschilderten Gründen nur wenig Neues beige-
tragen. Mit dem vorliegenden Artikel wird versucht mehr Klarheit in die Abhängigkeiten antiker Längen-
maße von anderen Längenmaßen zu bringen. Ein Vergleich der Längenmaße untereinander bezogen auf
ihr Umrechnungsverhältnis erlaubt dann Rückschlüsse auf deren Verbreitung in der Antike. So wird sich
etwa zeigen, dass der berühmte „Olympische Fuß“, welcher dem Station von Olympia zugrunde liegt,
zwar namentlich berühmt ist, aber aufgrund von komplizierten Umrechnungsverhältnissen zu den meis-
ten anderen antiken Längenmaßen wohl eine nur lokale Bedeutung gehabt haben kann.

Der Fuß als Basismaßeinheit in der Antike


Bei meinen Recherchen zu antiken Längenmaßen kam ich zu der Auffassung, dass die antiken Fußmaße,
bis vielleicht auf eine einzige Ausnahme, dem latinischen Fuß, nichts mit realen Fußgrößen beim Men-
schen zu tun haben. Der Fuß ist vielmehr die Grundeinheit, auf der die meisten Längenmaße „fußen“,
also aufbauen. Vom menschlichen Körper als natürliches Maßsystem übernommen ist die Breite eines
Fingers (sum./babyl. šu-si/ubānu, äg. djeba, gr. daktylos, lat. digitus), die Handbreit zu 4 Fingern und die
gewöhnliche Elle zu 6 Handbreit. Diese Maße entsprechen den menschlichen Körpermaßen, während
der Fuß als 4 Handbreit definiert wurde. Dass die 4 Handbreit als Länge des Fuß nicht mit der Realität
übereinstimmen kann jeder bei sich selbst feststellen. Nimmt man jedoch nicht den bloßen Fuß sondern
vom Schuh die Schuhsohle und misst die Handbreiten ab, so kommt es mit den 4 Handbreit schon eher
hin. Die alten Ägypter kannten im Gegensatz zu anderen antiken Kulturen kein Fußmaß. Sie benutzten
stattdessen das Maß des Unterarms (äg. djeser). Der Finger wurde bei den Ägyptern noch bis auf Sechs-
zehntel unterteilt, was ungefähr unserem Millimeter entspricht, aber die kleinste Grundeinheit war der
Finger. Im mesopotamischen Raum war es hingegen das Gerstenkorn, welches mit einem Sechstel des
Fingers knapp drei Millimeter entsprach.
Was den Fuß als Maßeinheit angeht, so fällt auf, dass bei den Ägyptern dieses Maß nicht unter dem
Namen Fuß bekannt war.3 Sie benutzten stattdessen als Maßeinheit den Unterarm (äg. djeser), der mit
folgender Hieroglyphe dargestellt wurde: . Er reichte vom Ellenbogen bis zur Handwurzel und ent-
sprach in der Länge, genau wie das Fußmaß, 16 Fingerbreit.

Abb. 1: Elle des Amenemope (18. Dyn., unter Pharao Haremhab, 14. Jh. v. Chr.) aus dem Museo Egizio in Turin (Museumskata-
log-Nr. 6347). Der Ellenmaßstab misst 52,35 cm und enthält Unterteilungen von ½ bis ⅟16 Finger (≈ 0,12 mm) als kleinste mess-
bare Einheit.

2
http://www.palamedes.eu/Projekte/Metrologie/body_metrologie.html [Stand: 01.03.2017].
3
Es gab allerdings ein Maß, welches Sandale genannt wurde. Hier war aber die Breite einer Sandale und nicht
die Länge gemeint.

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Elisabeth Pfeiffer erkennt aber den römischen Fuß, der „auf dem goldüberzogenen, ägypt. Maßstab
(ca. 15. Jh. v. Chr. Ägypt. Mus. Turin) mit einer Länge v. 297 mm als eigene Maßeinheit abgetragen ist.“4
Betrachtet man nun noch die Längen der bekannten antiken Fußmaße, so stellt man fest, dass diese
oftmals 30 cm und mehr (der ptolemäische Fuß misst z. B. über 35,5 cm) messen. Dies hat mit dem
biologischen Fußmaß nichts mehr zu tun, es sei denn, man nimmt an, dass die Fußmaße von Titanen
stammen. Eine plausible Erklärung für die antiken Fußmaße liefert Pfeiffer in ihrem zweibändigen Werk
„Die alten Längen- und Flächenmaße“, welches 1986 erschienen ist:
„Aber wie im Exkurs (I.T.D) ausgeführt ist, hat sich der Mensch zu keiner Zeit dem menschlichen Körper-
teil Fuß ein Maß entnommen und es zur Längeneinheit gemacht.
Das Wort "Fuß" findet sich nämlich mit der gleichen Bedeutung auf allen Gebieten wie z. B. im Münz-,
Steuer-, Heerwesen, in der Literatur, der Dichtkunst usw. Es bedeutet immer dasselbe: Es ist die Basis,
die Grundlage, auf der etwas "fußt". Dementsprechend besagt auch die Bezeichnung einer metrologi-
schen Einheit, vor allem auch der Länge (es gibt auch einen Landfuß, einen Kubik-Fuß) nichts anderes,
als daß diese Einheit im Aufbau der Maßeinheiten die Basis, die Ausgangseinheit, der "Fuß" des Aufbaus
ist.
Die Bezeichnung einer Längeneinheit als "Fuß" hat ihren Ursprung in der Geometrie in Verbindung mit
der Arithmetik. Bei den eindimensionalen Einheiten werden meistens aber nur Längen von rund 250 bis
600 mm als "Fuß" bezeichnet.“5
Die gleiche Auffassung vertritt Hermann Büsing, der in einem Artikel von 1982 für das Jahrbuch des
deutschen archäologischen Jahrbuchs schreibt:
„Die Bezeichnung der griechischen Maßeinheiten Fuß, Hand und Finger sowie Spanne und Elle hat ge-
legentlich zu der Meinung geführt, diese 'Körpermaße' hätten tatsächlich etwas zu tun mit den Körper-
maßen eines vorhistorischen griechischen Machthabers. Denn die Geschichte, daß Heinrich I., der in
Großbritannien im Jahre 1101 n. Chr. das Yard einführte, den »Abstand zwischen seiner Nasenspitze
und dem Ende des Daumens seines ausgestreckten Armes« dafür gewählt haben soll, hätte unter ande-
ren Vorzeichen auch in der Antike zu willkürlichen Festsetzungen von Normen führen können.
Von diesem Gedanken müssen wir uns jedoch trennen und uns davon überzeugen, daß die antiken Län-
genmaße ebenso wie das moderne Meter-System konventionelle Maße sind; d. h. sie sind nach gründ-
lichen Kalkulationen aufeinander bezogen, und eins ist aus dem anderen entwickelt worden.“6
„Um die Genauigkeit der antiken Korrelationen zu demonstrieren, stelle ich den in Tabelle 1 genannten
Grundwerten die mit dem ionischen Fuß berechneten nichtgriechischen Maße gegenüber:
Abweichung
1 Gudea-Fuß 26,45 cm 26,469392 cm + 0,019392 cm
1 Nippur-Fuß 27,5875 cm 27,620235 cm + 0,032735 cm
16 ägyptische Finger 29,92 cm7 29,921922 cm + 0,001922 cm
16 Gr. syr. Finger 36,576 cm 36,571238 cm - 0,004762 cm
16 Kl. syrische Finger 30,48 cm8 30,476031 cm - 0,003969 cm

4
Pfeiffer, E. (1986). Die alten Längen- und Flächenmaße - Ihr Ursprung, geometrische Darstellungen und arith-
metische Werte. St. Katharinen: Scripta Mercaturae Verlag, S. 214. Als exakten Wert für den römischen Fuß
nimmt sie 296,853 mm an, sagt aber nicht, wie sie auf diesen Wert kommt. Die dazugehörige normale Elle hat
dann den Wert 445,2795 mm und die ägyptische königliche Elle den Wert 519,49275 mm. Der mit Gold über-
zogene Bronze-Maßstab in Turin aus der 18. Dynastie hat lt. ihrer eigenen Angabe eine Gesamtlänge von 519,5
mm (S. 94). Vermutlich hat Pfeiffer daraus das Maß des römischen Fußes abgeleitet.
5
Pfeiffer, 1986, S. 15.
6
Büsing, H. (1982). Metrologische Beiträge - Hand und Fuß. In D. A. Institut, Jahrbuch des Deutschen Archäolo-
gischen Instituts, Band 97 (S. 1-12). Berlin: De Gruyter, S. 1.
7
Das Maß entspricht dem ägyptischen Djeser (Unterarm), da die Ägypter „Fuß“ als Maß nicht benutzten. Die
Basis der hier angegebenen Werte ist die Cheops-Elle mit 52,36 cm.
8
Dies ist exakt das Maß des noch heute verwendeten englischen Fußes.

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Diese Beobachtungen lassen es geraten erscheinen, Mitteilungen antiker Quellen über Maße und Ge-
wichte ernster zu nehmen als bisher; die Meß- und Maßgenauigkeit übersteigt jedenfalls das als Faust-
regel geltende Verhältnis: bis zu 1 mm pro Fuß (Bender-Pippig a. O. 27 sinngemäß) mindestens um eine
Zehner-Potenz.“9
König Eduard II. definierte 1324 den Inch (Zoll) mit der Länge dreier hintereinandergelegter, getrockne-
ter Gerstenkörner. Per Dekret ordnete er auch die Normung von Schuhgrößen mit der Basiseinheit eines
Gerstenkorns (8,47 mm) an, die in England bis heute gilt.10
Wertet man die antiken Quellen auf metrologische Aussagen hin aus, so erhält man bereits wesentliche
Erkenntnisse über die unterschiedlichen Fußgrößen der Antike. Als Basis für die Ableitungen eignet sich
besonders das römische System mit dem römischen Fuß. Dieser ist wohl der statistisch und dinglich am
genauesten bestimmte Fuß-Wert der Antike. Die statistische Abweichung beträgt nur 0,5 mm um den
Mittelwert von 29,62 cm. Die Länge der römischen Meile beträgt 5.000 Fuß gleich 1.481 m. Ein Foto
eines römischen Klapp-Fußmaßstab aus Bronze der Länge 29,6 cm ist im Internet unter folgender Ad-
resse abgebildet: http://www.britishmuseum.org/research/collection_online/collection_object_de-
tails.aspx?objectId=399644&partId=1
Zum dinglichen Nachweis des römischen und griechischen Fußes gibt Agricola folgendes an:
„Der pes Romanus, in Fels oder Marmor eingeschnitten, findet sich in Rom neben manchen anderen
Stellen vor allem in den Gärten ANGELO COLOClOs. Wie groß der griechische ist, kann man aus einer
Säule in der Kirche der 12 Apostel ersehen. Diese befindet sich auf dem Vatikan in der Nähe des Obelis-
ken. Am obersten Teile der Säule, die – wie ich glaube – einst aus Griechenland nach Rom gebracht
worden ist, was auch die folgende griechische Inschrift anzeigt, <liest man> ποδών ϑ, d. h. 9 Fuß lang.
Wenn man die Länge dieser Säule in 9 Teile teilt, macht jeder das Maß eines griechischen Fußes aus.“11
Nach dem römischen Feldmesser Hygin gilt: Das Verhältnis römischer Fuß zu Drusus-Fuß ist 8:9. Dem-
nach ist der Drusus-Fuß 33,323 cm lang. Das Verhältnis römischer Fuß zu griechischem (kyrenaischen)
Fuß ist 24:25.12 Daraus folgt, dass der kyrenaische Fuß 30,854 cm lang ist.
Nach Polybios wissen wir, dass sich der römische Fuß zum ptolemäischen Fuß wie 5:6 bzw. 10:12 verhält.
Somit ist der ptolemäische Fuß 35,544 cm groß. Einen weiteren Beweis hierfür liefert uns Didymos von
Alexandria13:
„Die Elle hat 1 ½ Ptolemäische Fuß und 1 ⅘ römische Fuß; der römische Fuß verhält sich zur königlichen
Elle im Längenmaße wie 5:9, im Flächenmaße wie 25:81, im Körpermaße wie 125:729; der römische Fuß
hat im Längenmaße 3 ⅓ Ptolemäische Handbreiten oder Palaisten, im Flächenmaße 11 ⅟ 9 Quadratpa-
laisten, im Körpermaße 37 ⅟27 Kubikpalaisten“.14
Die Elle, die aus dem Verhältnis von 5:9 zum römischen Fuß resultiert ist 53,316 cm groß. Der in der
Ptolemäerzeit wiedererbaute Hathor-Tempel von Dendera15 wurde mit einer Elle dieser Größe erbaut.

9
Büsing, 1982, S. 12.
10
Die Schuhgröße errechnet sich mit Leistenlänge in Zoll × 3 – 25, da die Erwachsenengröße 1 mit 26 Gersten-
körnern festgelegt wurde (engl.: barleycorn), was rund 22 cm entspricht.
11
Agricola, G. (1959). Ausgewählte Werke. Heidelberg; Berlin: Hüthig Verl.-Gemeinschaft, Ed. Dt. Verlag der Wis-
senschaften, S. 294.
12
Vielleicht ist die Grundlage für die Wahl dieses Verhältnis ein rechtwinkliges Dreieck mit den Seitenverhältnis-
sen 7:24:25, da 7²+24²=25² ist. Ein Dreieck mit diesen Zahlenverhältnissen war auch in der Antike gebräuchlich
(Pfeiffer, 1986, S. 61).
13
Didymos Chalkenteros (griechisch Δίδυμος χαλκέντερος; * um 65 v. Chr.; † um 10 n. Chr.) war ein bedeutender
griechischer Grammatiker und Lexikograf zur Zeit von Cicero und Augustus. Er lehrte in Alexandria und gilt
nach Aristoteles als einer der produktivsten antiken Schriftsteller.
14
Didymos von Alexandria zitiert in: Hultsch, F. (1882). Griechische und römische Metrologie. Graz: Akademische
Druck- u. Verlags-Anstalt, S. 609.
15
Die Breite ägyptischer Tempel ist oft 63 Ellen, wie auch bei diesem Tempel. Das liegt daran, dass 63 = 7 x 9 ist,
wobei die Zahl 9 für die große Götterneunheit (3 x 3 = Trinität x Trinität) steht und die 7 für die königliche Zahl

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Abb. 2: Hölzerne Klapp-Elle des Architekten Kha (ca. 15. Jh. v. Chr.) mit einer Gesamtlänge von 52,5 cm aus dem Museo Egizio
in Turin (Museumskatalog-Nr. 8391).

Es ist der Mittelwert der von Auguste Mariette16 ermittelten Maße diverser Tempelräume.17 Damit han-
delt es sich um eine Bauelle, d. h. also eine königliche Elle, die aus 7 Handbreit besteht. Die klassische
Größe der ägyptischen Elle von 52-53 cm wurde also spätestens in der Ptolemäerzeit aufgegeben. Mei-
nes Erachtens geht dies mit der Adaption des griechisch-persischen Maßsystems in Ägypten einher, bei
der definierte Umrechnungsverhältnisse zwischen den Maßsystemen hergestellt wurden. Interessant
ist in diesem Zusammenhang aber, dass durch die explizite Erwähnung der Umrechnung bei Didymos
von 1,5 ptolemäischen Fuß zur Elle damit eine 6 handbreite Elle ausgedrückt wird, da der Fuß 4 Hand-
breit ist. Da aber der ptolemäische Fuß sehr groß war, wäre die Elle zu 7 Handbreit mit 62,2 cm ausge-
fallen und damit sogar noch größer als die sogenannte stoische Elle zu 8 ägyptischen Handbreit. Da die
ptolemäische Elle mit 53,32 cm schon etwas größer war als die klassische ägyptische Elle, wurde sie
wohl kurzerhand zur Königselle erklärt, ungeachtet der Tatsache, dass es sich eigentlich um eine 6 hand-
breite Elle gehandelt hat.
Die 1. Heron’sche Tafel enthält gemäß Hultsch u. a. folgende Informationen:
„Das Stadion hat 6 Plethren, 60 Akainen, 400 Ellen, 600 philetairische Fuß, 720 italische Fuß.
Eine Meile hat 7 ½ Stadien, 45 Plethren, 450 Akenen, 750 Orgyien, 1.800 Schritte, 3.000 Ellen, 4.500
Philetärische Fuß bzw. 5.400 italische Fuß.
Ein Schoinos hat 4 Meilen, 30 Stadien.18
Eine Parasange hat 4 Meilen, 30 Stadien; es ist ein persisches Maß.“19

(Königselle = 7 Handbreit) bzw. die Symbolzahl der Göttin Seschat (mit 7 zackigem Stern auf dem Haupt), die
für die Tempelgründungszeremonie zusammen mit dem König verantwortlich war. Der Text dazu lautet: „Das
Seilspannen im Tempel zwischen den beiden Pflöcken. Der König, der mit dem Merchet das Auflegen des Bau-
plans feststellt, zusammen mit der (Göttin) Seschat, spricht folgende Worte: Ich habe den Fluchtstab ergriffen
und den Stiel des Schlägels. Ich ergreife das Messseil, zusammen mit der (Göttin) Seschat. Ich wende mein
Gesicht zu den Gestirnen und richte meinen Blick auf den Grossen Bären (Sternbild). <Der die Zeit anzeigt>
(der Gott Thot) ist bei seinem Merchet. Ich lege die vier Ecken des Tempels fest.“
16
François Auguste Ferdinand Mariette, teilweise auch Auguste-Édouard Mariette (* 11. Februar 1821 in
Boulogne-sur-Mer; † 18. Januar 1881 in Bulaq bei Kairo) war ein französischer Ägyptologe. Er ist der Begründer
der Denkmalpflege in Ägypten und des Ägyptischen Museums in Kairo.
17
Mariette, A. B. (1981). Dendérah description générale - Grand temple de cette ville (Reprint Ausg.). Hildesheim:
Olms, Tafelband Teil I, pl. 2.
18
Der ägyptische Schoinos wird explizit mit 4 römischen Meilen gleichgesetzt. Dies ist vielleicht ein Hinweis auf
die Entstehungszeit der ersten Heron’schen Tafel, als Ägypten römische Provinz war, also ab 30 v. Chr.; zudem
gilt: Schoinos = Parasange.
19
Siehe Hultsch, F. (1864). Metrologicorum scriptorum reliquiae. Lipsiae: Teubner, S. 183/4, Nr. 21, 23-25.

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Aus diesem metrologischen Text kann man aufgrund der Kenntnis der exakten Größe der römischen
Meile, das persische Stadion, die persische Elle, den philetairischen Fuß, den italischen Fuß, den Schoi-
nos und die Parasange20 ableiten. Das persische Stadion, welches auf dem philetairischen Fuß basiert,
misst demnach 197,46 m. Die persische oder philetairische Elle misst 49,37 cm. Der philetairische Fuß
misst 32,91 cm und der italische Fuß 27,43 cm. Das angegebene Fuß-Verhältnis zwischen italischem Fuß
und philetairischem Fuß beträgt 5:6, genau wie das Verhältnis zwischen römischem Fuß und ptolemäi-
schem Fuß. Das Verhältnis zwischen kyrenaischem Fuß und italischem Fuß beträgt 16:18 bzw. 8:9, also
Fuß zu Pygme21.
Die obigen Erkenntnisse zu den antiken Maßen lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Antike Maßeinheit Länge [cm] Kommentar
Römischer Fuß (rF) 29,620 Statistisch gesichert
Drusus-Fuß (DF) 33,323 Verhältnis rF:DF = 8:9
Quelle: Hygin
Kleiner Ptolemäischer Fuß (kF) 30,85422 Verhältnis rF:kF = 24:25
(bzw. kyrenaischer Fuß) (= ⅚ Nippur-Remen) Quelle: Hygin23
Ptolemäischer Fuß (pF) 35,544 Verhältnis rF:pF = 5:6
Quelle: Polybios u. Didymos v. Alexandria
Philetairischer Fuß (phF) 32,911 Verhältnis rF:phF = 9:10
Quelle: 1. Heron-Tafel
Italischer Fuß (iF) 27,426 Verhältnis rF:iF = 27:25
Verhältnis phF:iF = 6:5
Verhältnis kF:iF = 9:8
Quelle: 1. Heron-Tafel
Tabelle 1: Antike Maßeinheiten, abgeleitet aus antiken Texten.

Für die fünf antiken Fußmaße, die mit dem römischen Fuß in einem explizit definierten mathematischen
Abhängigkeitsverhältnis stehen, wurden also folgende Verhältnisse benutzt: 8:9, 9:10, 5:6, 24:25 und
25:27. Da der römische Fuß mit 29,62 cm bis auf ± 0,5 mm gesichert ist und die Verhältnisse antik
„verbrieft“ sind, müssen diese Werte in der gleichen Größenordnung wie der römische Fuß präzise sein.
Folgende weitere antike Maße gelten bzgl. ihrer Länge als gesichert:
 Gudea-Fuß zu 26,45 cm24
 Nippur-Elle zu 51,83 cm
 Cheops-Elle zu 52,36 cm

Abb. 3: 41,5 kg schwerer und 110,35 cm langer Kupferstab aus der Zeit um 2000 v. Chr. aus dem die Nippur-Elle hervorgeht
(Archäologisches Museum Istanbul).

20
Die persische Parasange ist auch bekannt als der Weg, den ein beladenes Kamel in einer Stunde zurücklegen
kann.
21
Als Pygme gilt ein Maß aus 18 Fingerbreit.
22
Der moderne Wert für eine geodätische Bogensekunde (bezogen auf den Erdumfang) beträgt 30,87 m. Ein
kyrenaisches Plethron zu 100 Fuß weicht nur um 0,5 Promille von diesem Wert ab.
23
Hygin nennt diesen Fuß allerdings nur pous ptolemaikos ohne den Zusatz klein.
24
Siehe z. B. Büsing, 1982, S. 12.

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Dadurch ergeben sich aufschlussreiche Zusammenhänge:
Metrologischer Name Pous Pygme Pygon Pechys Pechys Pechys Pechys
Länge in Fingerbreit 16 18 20 24 28 30 32
Mesopotamisches System (Nippur) 27,645 31,101 34,557 41,468 48,379 51,835 55,291
Mesopotamisches System (Gudea) 26,446 29,752 33,058 39,670 46,281 49,587 52,893
Mesopotamisches System (versch.) 28,209 31,736 35,262 42,314 49,367 52,893 56,419
Philetairisches System 32,911 37,025 41,139 49,367 57,594 61,708 65,822
Ägyptisches System (Cheops) 29,920 33,660 37,400 44,880 52,360 56,100 59,840
Ägyptisches System (idealisiert) 30,000 33,750 37,500 45,000 52,500 56,250 60,000
Ägyptisches System (Spätzeit) 30,234 34,014 37,793 45,351 52,910 56,689 60,469
Ptolemäisches System 1 35,544 39,987 44,430 53,316 62,202 66,645 71,088
Ptolemäisches System 2 31,595 35,544 39,493 47,392 55,291 59,240 63,189
Ptolemäisches System 3 30,466 34,275 38,083 45,699 53,316 57,124 60,933
Italisches System 27,426 30,854 34,282 41,439 47,995 51,423 54,852
Latinisches System 24,683 27,769 30,854 37,025 43,196 46,281 49,367
Römisches System 29,620 33,323 37,025 44,430 51,835 55,538 59,240
Tabelle 2: Antike Maßsysteme im Vergleich (Basiseinheit fett gedruckt, fett kursiv ist abgeleitet; alle Einheiten in cm).

In der obigen Tabelle ist zwar das megalithische Yard (MY) nicht enthalten, da es kein Maß darstellt,
welches zwischen 16 und 32 Finger abbildbar wäre, aber es entspricht exakt dem 3-fachen Wert des
Nippur-Fußes mit 82,936 cm bzw. 48 Nippur-Fingerbreit. Die Nippur-Elle, welche 5⁄8 des MY beträgt, und
der Nippur-Fuß entstammen daher dem megalithischen Maßsystem.
Das mesopotamische System war ein Sexagesimalsystem, also ein Zahlensystem mit der Basis 60, und
die Doppelelle bestand aus 60 Teilen, sodass die Doppel-Nippur-Elle das 1,25-fache des megalithischen
Yards besaß. Dies erklärt auch den Zusammenhang im zweiten aufgelisteten mesopotamischen System,
deren Basis der Gudea-Fuß ist. Der oskisch-umbrische Fuß25 (nach Rottländer26 27,57 cm ± 0,412 mm)
könnte mit dem Nippur-Fuß identisch sein. Er ist besonders in den antiken italienischen Städten südlich
von Rom anzutreffen. In Pompeji haben sich Maßstäbe dieser Länge gefunden. Der Brüsseler Fuß mit
27,57 cm27, dessen Länge mit dem oskisch-umbrischen Fuß identisch ist, könnte also auch der Nippur-
Fuß sein.
Analog ergibt sich die Doppel-Fuß-Elle zu 32 Finger, die aufgrund ihrer Größe mit der ägyptischen Kö-
nigselle der Spätzeit korreliert; dort allerdings in 28 Finger aufgeteilt. Die zum Gudea-Fuß gehörige me-
sopotamische Elle zu 30 Finger mit 49,6 cm entspricht der babylonisch-ionischen Elle.28 Der Gudea-Fuß
misst exakt 6⁄7 des kyrenaischen Fußes, sodass man davon ausgehen kann, dass letzterer vom Gudea-
Fuß im Verhältnis 6:7 abgeleitet wurde. Dies ist auch das Verhältnis zwischen normaler Elle und Kö-
nigselle. Es gibt allerdings auch einen Bezug zwischen dem Nippur-System und dem Gudea-System, da
der Gudea-Fuß gleich 5⁄7 des Nippur-Remens entspricht und dieser wiederum 5⁄7 der Nippur-Elle, somit
ist der Gudea-Fuß 25⁄49 der Nippur-Elle.
Die Zeile „Mesopotamisches System (versch.)“ habe ich aufgenommen, da so eine Verwandtschaft zum
philetairischen System zu erkennen ist. Es entsteht durch Verschieben des Gudea-Systems im Verhältnis
32:30 bzw. 16:15. Anders ausgedrückt kann man sagen, dass aus der Doppel-Fuß-Elle eine typisch me-
sopotamische Elle wurde, bei der die Länge gleich blieb, aber die Unterteilung in für das Sexagesimal-
system übliche 30 Teile erfolgte. Damit entspricht die 28-Finger-Elle aus dem mesopotamischen System

25
Pfeiffer gibt eine Länge von 27,83 cm an (siehe Pfeiffer, 1986, S. 105).
26
http://vormetrische-laengeneinheiten.de/html/genauigkeit.html [Stand: 01.02.2016].
27
Schön, J. (1815). Die Ziffernrechnung. Bamberg u.a, S. 318.
28
Siehe Lelgemann, D. (2010). Die Erfindung der Messkunst. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S.
78.

M&G Heft 125 März 2018 2. Entwurf 7


der 24-Finger-Elle des philetairischen Systems. Dies entspricht exakt dem, was bereits Hultsch darüber
gesagt hat.29 Zudem steht dieses System im Verhältnis 100:112 bzw. 25:28 zum Ptolemäischen System
2, da gemäß einem Text von Julian von Askalon aus dem Ptolemäischen Fuß im Verhältnis von 112:100
der gemeingriechische Fuß (pous metrios) abgeleitet wird. Dieser ist, genau wie der Ptolemäische Fuß,
ein 18-Finger-Fuß oder Pygme. Der 16-Finger-Fuß zu 28,21 cm tritt allerdings als späterer spanischer
Fuß mit 28,26 cm in Erscheinung.30 Auch der Fuldaer Fuß mit 28,29 cm und der Dresdner Fuß mit 28,31
cm haben diese Größe mit einer Abweichung von maximal 1 mm.31 Der Wert von 49,367 cm für die 28-
Finger-Elle dieses Systems taucht auch im Philetairischen System als kleine Elle auf und als große Elle zu
32 Fingern im latinischen System auf. Dies zeigt auch die Zusammenhänge dieser Systeme auf.
Betrachten wir das philetairische System, so ist die zum philetairischen Fuß zugehörige Pygme größen-
mäßig gleich dem Nippur-Remen, der wiederum 5⁄7 der Nippur-Elle ist. Daraus folgt das Zahlenverhältnis
von philetairischem Fuß zur Nippur-Elle von 40:63 (= 5⁄7 ∙ 8⁄9 = 5 ∙ 8⁄7 ∙ 9). Dieses Zahlenverhältnis taucht
auch in der Cheopspyramide auf, wenn man die Höhe durch die Breite teilt. Damit das Verhältnis exakt
stimmt, muss man allerdings die Breite zu 441 Ellen und nicht zu 440 Ellen ansetzen. Die Höhe beträgt
bekanntlich 280 Ellen. 280/441 = 40/63.32
Das Ptolemäische System habe ich in drei Systeme aufgeteilt, um die verschiedenen Ableitungen daraus
besser aufzeigen zu können. Beim 1. System wird der ptolemäische Fuß als 16-Finger-Fuß aufgefasst.
Daraus folgt dann, dass die römische Elle hier als Pygon auftaucht; das Verhältnis von ptolemäischem
Fuß zu römischer Elle beträgt also 4:5. Das Verhältnis von ptolemäischem Fuß zu Nippur-Remen beträgt
24:25 und zum gemeingriechischen Fuß33 28:25. Die zu diesem System gehörige kleine oder Handelselle
zu 6 Handbreit ist 53,316 cm lang. Im 3. Ptolemäischen System habe ich diesen Wert als 28-Finger-Elle
eingetragen. Der daraus resultierende 16-Finger-Fuß hat seine Länge von 30,466 cm und entspricht fast
exakt dem heute noch gebräuchlichen englischen Fuß, der 30,48 cm lang ist. Das Ptolemäische System
2 interpretiert den ptolemäischen Fuß als Pygme oder 18-Finger-Fuß. Daraus ergeben sich der spätere
österreichische Fuß zu
16 Finger, der zum römischen Fuß im Verhältnis 32:30 (16:15) steht, die ptolemäische Handelselle zu 24
Fingern mit 47,39 cm und die megalithische Gewebeelle (megalithische Histonikos Elle) zu 30 Finger.
Die Zahlenverhältnisse bilden mit 18:24:30 bzw. 3:4:5 ein pythagoreisches, also rechtwinkliges, Dreieck.
Ersetzt man die Zahlen durch Handbreit, so ergibt sich für dieses Verhältnis Spanne:Fuß:Unterarm (spit-
hame:pous:pygon) oder auf ägyptisch pedj-sheser:djeser:remen.
Der Name des kyrenaischen Fußes rührt daher, dass dieser Fuß insbesondere in der Kyrenaika, einer
Landschaft im östlichen Libyen mit der antiken Hauptstadt Kyrene, verwendet wurde. Die Stadt Kyrene
wurde 631 v. Chr. von griechischen Siedlern gegründet. Der kyrenaische Fuß verbreitete sich in der ge-
samten griechischen Ökumene, auch im Mutterland. Er wird in der Fachliteratur auch „kleiner Ptolemä-
ischer Fuß“ genannt.
Aus dem italischen System mit Basis italischer Fuß leitet sich als Pygme der kyrenaische Fuß ab, also im
Verhältnis von 8:9.

29
Siehe dazu den weiter oben zitierten Abschnitt von Hultsch über den philetairischen Fuß.
30
Schön, 1815, S. 320.
31
Ibid. S. 319.
32
Betrachtet man die Maße der Cheopspyramide 280 Ellen Höhe und 440 bzw. 441 Ellen Breite und untersucht
deren Primfaktorzerlegung, so ergibt sich:
280 = 2 x 2 x 2 x 5 x 7 = 2³ x 5 x 7
440 = 2 x 2 x 2 x 5 x 11 = 2³ x 5 x 11
441 = 3 x 3 x 7 x 7 = 3² x 7²
Der Unterschied in der Primfaktorzerlegung zwischen 280 und 440 ist nur ein Faktor, nämlich 11 statt 7. Zwi-
schen 280 und 441 kann aber konstatiert werden, dass keine Primfaktoren größer als 7 auftauchen. Welche
der Zahlen nun die von dem ägyptischen Baumeister der Cheopspyramide beabsichtige war, mag jemand an-
deres entscheiden bzw. nachweisen.
33
Dieser Fuß wurde von den Österreichern übernommen und gilt als Österreichischer Fuß gemäß einem Gesetz
von 1871. In Schön, 1815, S. 320 ist er als Wiener Fuß mit 31,61 cm aufgelistet.

8 2. Entwurf M&G Heft 125 März 2018


Der gemeingriechische Fuß zu 31,736 cm steht zum ptolemäischen Fuß im Verhältnis von 25:28, also im
gleichen Verhältnis wie der Gudea-Fuß zum römischen Fuß. Der gemeingriechische Fuß steht im Ver-
hältnis von 36:35 zum kyrenaischen Fuß.34
Das latinische System definiert sich darüber, dass laut Polybios früher, also vor seiner Zeit, die Meile 10
Stadien hatte. Damit hatte das Stadion eine Länge von 148,1 m und dessen 600. Teil, der Fuß, 24,683
cm. Die zu diesem System gehörige Pygon entspricht dem kyrenaischen Fuß und die gewöhnliche Elle
dem Nippur-Remen. Die große Elle zu 32 Finger entspricht der gewöhnlichen Elle (zu 24 Finger) aus dem
philetairischen System. Der Zusammenhang zwischen italischem Fuß und kyrenaischem Fuß ist evident,
wer von wem abstammt, hängt aber davon ab, welche Einheit älter ist. Der kyrenaische Fuß jedenfalls
schein durch Solon (640 – 560 v. Chr.) im Rahmen seiner Gewichts- und Münzreform von 593/4 v. Chr.
in ganz Griechenland eingeführt worden zu sein. Rom wurde 753 v. Chr. gegründet. Ob aber der italische
Fuß bereits vor Solon im frühen, noch durch die Etrusker geprägten, Rom benutzt wurde, bleibt zu klä-
ren. Ein Hinweis darauf, dass die Etrusker35 auch das Maß von 30,854 cm benutzt haben, liefert uns eine
metrologische Analyse zweier etruskischer Tempel36 aus Pyrgi.37 Einen Hinweis darauf, dass die Etrusker
den italischen Fuß verwendet haben, gibt es ebenfalls. In der etruskischen Akropolis der toskanischen
Stadt Volterra, eine der Städte des etruskischen 12-Städtebundes, wurden die Grundmauern zweier et-
ruskischer Tempel (A und B) freigelegt. Die Tempel stammen aus dem 2. Jh. v. Chr. Die Breite des Tem-
pels A wird mit 27,5 m angegeben38. Genau wie bei den griechischen Tempeln spielte für das anzuwen-
dende Maß die Breite und nicht die Länge eine maßgebliche Rolle. Bei dem Tempel A aus Volterra
scheint es sich um einen Hekatompedon,39 also einen hundertfüßigen Tempel, zu handelt. Das exakte
Maß für die Breite sollte 27,43 m sein, was fast exakt dem von Archäologen angegebenen Maß von 27,5
m entspricht. Die Länge des Tempels A wird mit 30 m angegeben. Bei 30,17 m entspräche dies 110
italischen Fuß. Höchstwahrscheinlich war also der Grundriss dieses Tempels auf 100 x 110 italische Fuß
angelegt. Vitruv40 schrieb im vierten Buch über die Architektur auch ein Kapitel über toskanische Tem-
pel. So schreibt er hierzu: „Ferner soll die Breite in 10 Teile geteilt werden. Von diesen sollen je 3 rechts
und links kleineren Cellen oder etwaigen Seitenräumen gegeben werden. Die übrigen 4 mittleren Teile
teile man dem Mitteltempel zu.“41 Ein hundertfüßiger Tempel lässt sich leicht in 10 gleiche Teile auftei-
len, da 10 x 10 = 100. Vielleicht war diese Aufteilungsregel auch die Basis für Hekatompeden.

34
Dieses Verhältnis taucht auch beim Vergl. des ägyptischen Maßes itrw mit dem sumerischen Maß danna/beru
auf.
35
Die etruskische Geschichte reicht zurück bis ins 9. Jh. v. Chr.
36
Pailler, J.-M. (1985). L'urbanisme de Volsinii - Nouvelles observations et hypothèses [Datation de l'enceinte,
statut de la cité, tracé de l'axe principal]. Mélanges de l'Ecole française de Rome. Antiquité, 97 (2), S. 910: «La
générosité de Monsieur le Professeur G. Colonna nous a permis, en juillet 1970, de contrôler sur place la mé-
trologie des deux temples étrusques de Pyrgi. L'analyse des résultats semble bien indiquer la présence du pied
de 0,309 et permettre de proposer, pour chacun des deux édifices, un tracé régulateur rigoureux».
37
Pyrgi war der wichtigste Hafen und das Emporion (eigenständiger Markt- und Handelsplatz) der etruskischen
Stadt Caere, nördlich von Rom. Die ältesten Spuren deuten auf eine Besiedelung des Ortes im späten 7. Jahr-
hundert v. Chr. hin; seit jener Zeit bestand vermutlich auch das Heiligtum, das bei den ersten Grabungen frei-
gelegt wurde. Der frühere Tempel (B) stammt aus dem späten 6. Jh. v. Chr. Der zweite Tempel (A) wurde um
480 v. Chr. errichtet.
38
Siehe Enciclopedia dell' Arte Antica (1997): http://www.treccani.it/enciclopedia/volterra_res-853e6836-
66c7-11e1-b491-d5ce3506d72e_%28Enciclopedia-dell'-Arte-Antica%29/ [Stand: 01.01.2016].
39
Als Hekatompedon (Neutrum zu Griechisch ἑκατόμπεδος ‚hundert-füßig‘, aus hekaton ἑκατόν ‚hundert‘ und
pous πούς ‚Fuß‘, auch Hekatompedos) bezeichnet man seit der Antike griechische Tempel, die eine Länge von
100 Fuß besaßen. Oftmals ist diese Angabe auch nur auf die Länge der Cella, des inneren Hauptraums eines
Tempels, bezogen, während der Tempel selbst wesentlich länger sein konnte.
40
Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio) war ein römischer Architekt, Ingenieur und Architekturtheoretiker. Er lebte im
1. Jahrhundert v. Chr.
41
Vitruv & Fensterbusch, C. (2013). Zehn Bücher über Architektur. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesell-
schaft, S. 195 (4.7.1-2).

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In dem Buch „The Etruscan World“ wird neben dem italischen Fuß auch der römische Fuß als Maß der
Etrusker angegeben:
“There seems to be evidence of a shorter “Italic foot” of about 27 cm versus a longer “Attic-Roman foot”
of 29.6 cm, both of which used in different buildings and contexts in the Archaic age, for example in
Rome and in Latium, while in Marzabotto only the latter was used, which spread across Italy during the
Republican age.“42
Aus all diesen Belegen kann man ableiten, dass die Etrusker im Laufe der Zeit drei unterschiedliche Fuß-
maße benutzt haben: den italischen Fuß, den römischen Fuß und den gemeingriechischen Fuß.
Abschließend bleibt noch das römische System zu betrachten, dass aufgrund der Tatsache, dass es das
jüngste, der bisher angeführten antiken Systeme ist, die meisten Abhängigkeiten zu anderen Systemen
auf. Wie wir bereits gesehen haben, ist die Nippur-Elle der älteste uns erhaltene dingliche Ellenmaßstab.
Aus diesem sumerisch/babylonischen Maßsystem leitet sich auch der römische Fuß mathematisch ab,
wenn wir die Nippur-Elle in 28 Finger teilen (was typisch ägyptisch war) anstatt 30. Der römische Fuß
entspricht dann 6⁄7 ∙ 2⁄3 = 4⁄7 der Nippur Elle, also 4 Handbreit davon. Als Fußmaß steht der Nippur-Fuß
zum römischen Fuß im Verhältnis von 28:30 bzw. 14:15. Die Pygme zum römischen Fuß entspricht dem
Drusus-Fuß.
3 Drusus-Fuß (tungrischer Fuß) entsprechen mit 99,9675 cm fast genau unserem heutigen Meter.43 Die
Differenz von rund ⅓ mm zweier entsprechender Stäbe wäre mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Die
Pygon entspricht dem Nippur-Remen. Die normale Elle entspricht dem Pygon des philetairischen Sys-
tems. Die königliche Elle (zu 28 Finger) entspricht der Nippur-Elle. Die große Elle (zu 32 Finger) entspricht
der megalithischen Gewebeelle44. Die Abstammung des römischen Systems aus dem Ägyptischen zeigt
die Neueinteilung der Nippur-Elle in 28 anstatt 30 Teile (Finger). Für die Zerlegung von quadratischen
Flächen in Rechtecke der gleichen Größe benötigt man die Diagonale des Quadrats. Diese Zahl ist jedoch
mit √2 eine irrationale Zahl, mit der sich nicht gut praktisch rechnen lässt. Die Ägypter benutzen dafür
vermutlich den Näherungswert von 10⁄7. Da hier die Zahl 7 im Nenner auftaucht und 30 nicht durch 7
teilbar ist, haben die Ägypter vermutlich die nächstliegende, durch 7 ohne Rest teilbare, Zahl benutzt,
nämlich 28. Die Diagonale eines Quadrats mit der Länge eines Nippur-Remens entspricht der Cheops-
Elle, da 37,025 cm x √2 = 52,36 cm ist. Der römische Fuß verhält sich zum ptolemäischen Fuß wie 5:6,
ebenso der latinische Fuß zum römischen Fuß.
Weitere Ableitungen, die in der Literatur auftauchen sind z. B.:
Antike Maßeinheit Länge [cm] Kommentar
Römischer Fuß (rF) 29,620 Statistisch gesichert
Gudea-Fuß (GF) 26,446 Verhältnis GF:rF = 25:28
Attischer Fuß (aF) 29,385 Verhältnis GF:aF = 9:10
Dorischer Fuß (dF) (bzw. pheidonischer Fuß) 32,650 Verhältnis aF:dF = 9:10
Ionischer Fuß (iF) 34,827 Verhältnis dF:iF = 15:16
Tabelle 3: Antike Maßeinheiten, abgeleitet aus antiken Texten.

42
Turfa, J. M. (2013). The Etruscan World. Abington, UK & New York, USA: Routledge, S. 486.
43
Pfeiffer merkt hierzu an in Pfeiffer, 1986, S. 152: „Wie bereits mehrfach in dieser Untersuchung gesagt, ist das
Meter nichts anderes als die alte babyIon., franz. , bis ins 19.Jh. weit verbreitete Klafter v. 3 babyIon. tgr. frz.
("Paris"-) Fuß. Der Unterschied besteht nur darin: Die Normierung der alten Klafterlänge stammt aus dem
Äquator, der den Babyloniern oder auch schon anderen Kulturvölkern vor ihnen aus der Messung mit der
natürl. Einheit pygon bekannt war.“
44
Pfeiffer schreibt in „Pfeiffer, 1986, S. 76“: „Diese Länge ist die Elle von 2 pous von 16 Finger, die bei den Ägyp-
tern und Römern als Maßeinheit des Feldmeß- und Bauwesens gebraucht wurde und auch weiterhin in fast
allen Ländern ununterbrochen nicht nur als eine der wichtigsten Feldmesser- und Baumeister-Ellen, sondern
auch als Leinenelle auf allen internationalen Handelsmärkten in Gebrauch war.“

10 2. Entwurf M&G Heft 125 März 2018


Das Verhältnis von ionischem:dorischem:attischem Fuß (32:30:27) wurde 1940 von Armin von Gerkan,
einem deutschen Bauforscher und klassischem Archäologen, gefunden45 und wurde später durch wei-
tere Forschungen von dem deutschen Archäologen Burkhardt Wesenberg bestätigt.
Eine weitere Relation zwischen zwei antiken Fußgrößen betrifft den olympischen bzw. Herakles-Fuß. Der
Fuß des griechischen Heroen Herakles soll das Maß für die olympische Rennbahn gewesen sein. Dieser
Fuß steht zum kyrenaischen Fuß im Verhältnis 25:24.
Ein Verhältnis zwischen Fußgrößen, welches sehr oft auftaucht, ist 15:16. So stehen folgende Fußmaße
in diesem Verhältnis:
Ptolemäischer Fuß : Drusus-Fuß
 Österreichischer Fuß : römischer Fuß
 Philetairischer Fuß : kyrenaischer Fuß
 Ionischer Fuß : dorischem Fuß
Des Weiteren wird in antiken Texten (z. B. bei Herodot) von der samischen Elle gesprochen. Diese ist
aber nicht, wie Herodot berichtet, genauso groß wie die ägyptische Elle, sondern steht zu ihr im Ver-
hältnis 80:81. Im gleichen Verhältnis steht übrigens der philetairische Fuß zum Drusus-Fuß, wie Tabelle
5 zeigt. Geht man von der Nippur-Elle aus, also dem sumerisch/babylonischen Maßsystem, und wendet
darauf das Verhältnis von 80:81 an, so erhält man eine Ellenlänge von 52,483 cm, was der klassischen
ägyptischen Königselle entspricht. Da beide Systeme etwa gleich alt sind, kann sein, dass Herodot mit
der samischen Elle in Wahrheit die Nippur-Elle gemeint hat.
Nach diesen Betrachtungen und Ableitungen sollte klar geworden sein, wie sehr die antiken Maßsys-
teme, zumindest bezogen auf ihre Längen, zusammenhängen und dass Zufall da sicher keine Rolle ge-
spielt hat.
Antike Maßeinheit Länge [cm] Länge als Bruch
Latinischer Fuß (lF) 24,683333 24 41/60
Gudea-Fuß (GF) 26,446429 26 25/56
Italischer Fuß (iF) 27,425926 27 23/54
Nippur-Fuß (NF) 27,645333 27 242/375
Spanischer Fuß (sF) 28,209524 28 22/105
Attischer Fuß (aF) 29,384921 29 97/252
Römischer Fuß (rF)46 29,62 29 31/50
kyrenaischer Fuß (kF) 30,854167 30 41/48
Österreichischer Fuß (öF) 31,594667 31 223/375
Gemeingriechischer Fuß (gF) 31,735714 31 103/140
Olympischer Fuß (oF) 32,139757 32 161/1152
Dorischer Fuß (dF) 32,649912 32 737/1134
Philetairischer Fuß (phF) 32,911111 32 41/45
Drusus-Fuß (DF) 33,3225 33 129/400
Ionischer Fuß (ioF) 34,826573 34 1406/1701
Ptolemäischer Fuß (pF) 35,544 35 68/125
Tabelle 4: Antike Fußmaße nach aufsteigender Länge angeordnet.

Die nachfolgende Tabelle enthält alle Umrechnungsverhältnisse von jeder der 16 Fußeinheiten in die
jeweils anderen Fußeinheiten. Lediglich die Umrechnung vom Drusus-Fuß zum ionischen Fuß kann nicht
durch ein 4-stelliges Verhältnis exakt wiedergegeben werden. Würde man einen Cheops-Fuß zu 29,92
cm, basierend auf der Königselle zu 52,36 cm hinzufügen, so ergäben sich keine sinnvollen Umrech-
nungsverhältnisse. Anders sieht es allerdings aus, wenn man die Werte des Cheops-Systems durch den

45
Siehe: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Instituts Nr. 32, 1940, 145 ff.
46
Ausgangsbasis dieser Tabelle ist der statistisch abgesicherte Wert des römischen Fußes.

M&G Heft 125 März 2018 2. Entwurf 11


Wert der Quadratwurzel aus 2 dividiert. Dann findet man die so erhaltenen Werte für die gewöhnliche
Elle, die Königselle und die große Elle auf zwei Nachkommastellen gerundet in den anderen Systemen
wieder. Dass diese Werte nicht exakt übereinstimmen können, liegt einfach daran, dass die Wurzel aus
2 eine irrationale Zahl darstellt und somit auch das Ergebnis einer Division, während die anderen Zahlen
rationale Zahlen darstellen.
Cheops-System
Gewöhnliche Elle: 44,88 cm / √2 = 31,73495234 cm
Königliche Elle: 52,36 cm / √2 = 37,02411106 cm
Große Elle: 59,84 cm / √2 = 42,31326979 cm
Die gewöhnliche Elle geteilt durch √2 korrespondiert dann mit dem gemeingriechischen Fuß und der
spanischen pygme, die Königselle geteilt durch √2 korrespondiert mit der philetairischen pygme und
der gewöhnlichen latinischen Elle, und die große Elle geteilt durch √2 korrespondiert mit der spanischen
gewöhnlichen Elle.
Einh. lF GF iF NF sF aF rF kF
lF - 14:15 9:10 25:28 7:8 21:25 5:6 4:5
GF 15:14 - 27:28 375:392 15:16 9:10 25:28 6:7
iF 10:9 28:27 - 125:126 35:36 14:15 25:27 8:9
NF 28:25 392:375 126:125 - 49:50 588:625 14:15 112:125
sF 8:7 16:15 36:35 50:49 - 24:25 20:21 32:35
aF 25:21 10:9 15:14 625:588 25:24 - 125:126 20:21
rF 6:5 28:25 27:25 15:14 21:20 126:125 - 24:25
kF 5:4 7:6 9:8 125:112 35:32 21:20 25:24 -
öF 32:25 448:375 144:125 8:7 28:25 672:625 16:15 128:125
gF 9:7 6:5 81:70 225:196 9:8 27:25 15:14 36:35
oF 125:96 175:144 75:64 3125:2688 875:768 35:32 625:576 25:24
dF 250:189 100:81 25:21 3125:2646 125:108 10:9 625:567 200:189
phF 4:3 56:45 6:5 25:21 7:6 28:25 10:9 16:15
DF 27:20 63:50 243:200 135:112 189:160 567:500 9:8 27:25
ioF 800:567 320:243 80:63 5000:3969 100:81 32:27 2000:1701 640:567
pF 36:25 168:125 162:125 9:7 63:50 756:625 6:5 144:125
Einh. öF gF oF dF phF DF ioF pF
lF 25:32 7:9 96:125 189:250 3:4 20:27 567:800 25:36
GF 375:448 5:6 144:175 81:100 45:56 50:63 243:320 125:168
iF 125:144 70:81 64:75 21:25 5:6 200:243 63:80 125:162
NF 7:8 196:225 2688:3125 2646:3125 21:25 112:135 3969:5000 7:9
sF 25:28 8:9 768:875 108:125 6:7 160:189 81:100 50:63
aF 625:672 25:27 32:35 9:10 25:28 500:567 27:32 625:756
rF 15:16 14:15 576:625 567:625 9:10 8:9 1701:2000 5:6
kF 125:128 35:36 24:25 189:200 15:16 25:27 567:640 125:144
öF - 224:225 3072:3125 3024:3125 24:25 128:135 567:625 8:9
gF 225:224 - 864:875 243:250 27:28 20:21 729:800 25:28
oF 3125:3072 875:864 - 63:64 125:128 625:648 945:1024 3125:3456
dF 3125:3024 250:243 64:63 - 125:126 5000:5103 15:16 3125:3402
phF 25:24 28:27 128:125 126:125 - 80:81 189:200 25:27
DF 135:128 21:20 648:625 5103:5000 81:80 - 3434:3589 15:16
ioF 625:567 800:729 1024:945 16:15 200:189 3589:3434 - 5000:5103
pF 9:8 28:25 3456:3125 3402:3125 27:25 16:15 5103:5000 -
Tabelle 5: Antike Fußmaße im Verhältnis zueinander; gerundete Werte in kursiv.

12 2. Entwurf M&G Heft 125 März 2018


Interessant sind auch Zahlenverhältnisse wie 81:100, wie sie beispielsweise zwischen dem Gudea-Fuß
und dem dorischen Fuß, sowie zwischen dem spanischen Fuß und dem ionischen Fuß auftauchen, da es
sich um Quadratzahlen handelt, also 9²:10². Folgende quadratische Zahlenverhältnisse kommen in obi-
ger Tabelle vor:
25:36 = 5²:6² = lF:pF, lF:rF:pF (Verhältniskette)
81:100 = 9²:10² = GF:dF, sF:ioF, GF:aF:dF (Verhältniskette)
196:225 = 14²:15² = NF:gF, NF:rF:gF (Verhältniskette)
576:625 = 24²:25² = rF:oF, rF:kF:oF (Verhältniskette)
Die Quadratzahlenpaare bilden sich immer aus aufeinander folgenden Zahlen, also 5 und 6, 9 und 10,
etc.
Zählt man in obiger Tabelle die Zahlenverhältnisse jeweils zweier Fußmaße und unterteilt dabei in drei
Klassen: nämlich Verhältniszahlen bis 10, z.B. 9:10, bis 36, z.B. 25:24 und bis 100, z.B. 81:80, so ergib
sich folgende Auswertung:

Platz Antike Maßeinheit # Verh. bis 10 # Verh. bis 36 # Verh. bis 100
1 Latinischer Fuß (lF) 6 12 12
2 Römischer Fuß (rF) 4 11 11
3 Philetairischer Fuß (phF) 4 10 12
4 Kyrenaischer Fuß (kF) 3 10 10
5 Spanischer Fuß (sF) 3 9 12
6 Gemeingriechischer Fuß (gF) 3 9 10
7 Italischer Fuß (iF) 3 8 11
8 Gudea-Fuß (GF) 3 7 10
9 Ptolemäischer Fuß (pF) 3 7 8
10 Attischer Fuß (aF) 2 10 10
11 Österreichischer Fuß (öF) 2 6 6
12 Nippur-Fuß (NF) 2 5 6
13 Drusus-Fuß (DF) 1 5 7
14 Dorischer Fuß (dF) 1 3 5
15 Olympischer Fuß (oF) 0 2 4
16 Ionischer Fuß (iF) 0 2 4
Tabelle 6: Antike Fußmaße mit Anzahl an Verhältniswerten bis 10, 36 bzw. 100. Platzierung nach drittletzter bis letzter Spalte.

Die obige Tabelle erhält die Auswertung der drei vorangegangen Tabellen. Klarer Sieger ist der latinische
Fuß, der 6 Verhältnisse mit Zahlenverhältnissen von höchstens 10 zu den anderen 15 Fußmaßen besitzt
und 12 Verhältnisse mit Zahlenverhältnissen von höchstens 36. Diese Rangliste zeigt recht deutlich, wel-
che Fußmaße in der Antike am verbreitetsten gewesen sind, denn je mehr einfache Umrechnungsver-
hältnisse zu anderen Fußmaßen existieren, desto öfter wurde die Einheit wohl benutzt. Auf jeden Fall
geht die Wichtigkeit des jeweiligen Fußmaßes aus obiger Tabelle hervor. Bei den letzten Plätzen ist deut-
lich zu erkennen, dass diese Fußmaße nur eine untergeordnete, weil lokale, Bedeutung gehabt haben
können. Der olympische Fuß, der auch als Herakles-Fuß bekannt ist, ist zwar symbolträchtig, aber ver-
mutlich wurde er nur für die Bemessung der olympischen Rennbahn benutzt und in dessen lokalem
Umfeld um Olympia. Auch vom ionischen Fuß kann man die lediglich lokale Bedeutung ableiten.

M&G Heft 125 März 2018 2. Entwurf 13


Platz Antike Maßeinheit # Verh. bis 10 # Verh. bis 36 # Verh. bis 100
1 Latinischer Fuß (lF) 6 12 12
2 Römischer Fuß (rF) 4 11 11
3 Philetairischer Fuß (phF) 4 10 12
4 Kyrenaischer Fuß (kF) 3 10 10
5 Attischer Fuß (aF) 2 10 10
6 Spanischer Fuß (sF) 3 9 12
7 Gemeingriechischer Fuß (gF) 3 9 10
8 Italischer Fuß (iF) 3 8 11
9 Gudea-Fuß (GF) 3 7 10
10 Ptolemäischer Fuß (pF) 3 7 8
11 Österreichischer Fuß (öF) 2 6 6
12 Nippur-Fuß (NF) 2 5 6
13 Drusus-Fuß (DF) 1 5 7
14 Dorischer Fuß (dF) 1 3 5
15 Olympischer Fuß (oF) 0 2 4
16 Ionischer Fuß (iF) 0 2 4
Tabelle 7: Antike Fußmaße mit Anzahl an Verhältniswerten bis 10, 36 bzw. 100. Platzierung nach vorletzter, drittletzter und
letzter Spalte. Fußname in Fettdruck bedeutet eine Veränderung zur Vorgängertabelle in der Platzierung.

Gegenüber Tabelle 6 gibt es nur eine Verschiebung, nämlich durch den attischen Fuß, allerdings gleich
um fünf Plätze nach oben. Ansonsten ist diese Rangfolge aber völlig identisch mit der vorangegangen
Auswertung. Der attische Fuß gewinnt meines Erachtens zu Recht an Bedeutung, sodass diese Tabelle
wohl die bessere Rangfolge wiedergibt, da die zugrunde liegende Basis größer ist. Dass es aber dennoch
trotz deutlicher Erhöhung der absoluten Zahlen (Spalte 2 gegenüber Spalte 1) nur eine einzige Verschie-
bung gegeben hat, zeigt die Signifikanz dieser Tabelle.
Platz Antike Maßeinheit # Verh. bis 10 # Verh. bis 36 # Verh. bis 100
1 Latinischer Fuß (lF) 6 12 12
2 Philetairischer Fuß (phF) 4 10 12
3 Spanischer Fuß (sF) 3 9 12
4 Römischer Fuß (rF) 4 11 11
5 Italischer Fuß (iF) 3 8 11
6 Kyrenaischer Fuß (kF) 3 10 10
7 Attischer Fuß (aF) 2 10 10
8 Gemeingriechischer Fuß (gF) 3 9 10
9 Gudea-Fuß (GF) 3 7 10
10 Ptolemäischer Fuß (pF) 3 7 8
11 Drusus-Fuß (DF) 1 5 7
12 Österreichischer Fuß (öF) 2 6 6
13 Nippur-Fuß (NF) 2 5 6
14 Dorischer Fuß (dF) 1 3 5
15 Olympischer Fuß (oF) 0 2 4
16 Ionischer Fuß (iF) 0 2 4
Tabelle 8: Antike Fußmaße mit Anzahl an Verhältniswerten bis 10, 36 bzw. 100. Platzierung nach letzter, vorletzter und dritt-
letzter Spalte. Fußname in Fettdruck bedeutet eine Veränderung zur Vorgängertabelle in der Platzierung.

Gegenüber Tabelle 6 rücken der spanische Fuß, der italische Fuß und der Drusus-Fuß um zwei Plätze
nach vorne und der philetairische Fuß um ein Platz. Gegenüber der vorherigen Tabelle hat es lediglich

14 2. Entwurf M&G Heft 125 März 2018


in der oberen Hälfte einige Verschiebungen gegeben, in der unteren Hälfte war lediglich der Drusus-Fuß
betroffen. Die Aussage, dass die ersten 8 Einträge die wichtigsten antiken Fußmaße darstellen, wurde
also auch durch die Hinzunahme von Umrechnungsverhältnissen bis zur Zahl 100 nicht verändert.
Betrachtet man sich einmal die Umrechnungsverhältnisse, bei denen beide Verhältniszahlen nur um die
Zahl eins differieren, so erhalten wir folgende 19 Verhältnisse:
 3:4  7:8  14:15  27:28  80:81
 4:5  8:9  15:16  35:36  125:126
 5:6  9:10  20:21  49:50  224:225
 6:7  11:12  24:25  63:64
Von diesen 19 Verhältnissen entfallen nur 2 auf den Bereich der Zahlen größer als 100 und weitere 3
auf den Bereich der Zahlen größer als 36. Ausgenommen von 13 sind alle Zahlen von 3 bis 16 vertreten.
Das Verhältnis 49:50 ist insofern besonders interessant, da es etwas mit der Adaption des sumerischen
Systems auf das ägyptische System zu tun hat. Rottländer hat den Sachverhalt wie folgt beschrieben:
„Nach den Frühjahrshochwassern des Nils musste von den Marken an den nicht überschwemmten Ufer-
rändern ausgehend das wieder fruchtbar gewordene Ackerland vermessen und den Eigentümern zuge-
wiesen werden. Dabei trat das Problem der Halbierung der Fläche eines Quadrats auf. Ein Quadrat hal-
biert man, indem man die Diagonale halbiert und aus dieser Länge ein neues Quadrat bildet. Dadurch
ist man unausweichlich auf die Diagonale verwiesen. Die Diagonale eines Quadrates mit einer glatten
Zahl als Seitenlänge ergibt eine irrationale Zahl. Beispielsweise ist die Diagonale eines Quadrats mit der
Seitenlänge 'eins' gleich 'Wurzel zwei'. Das konnte man im alten Ägypten zwar nicht rechnen, wohl aber
zeichnen. Bei einem Quadrat mit der Seitenlänge einer Pygon, also 5 palmae, ergibt sich nach Pythago-
ras 5² + 5² = 25 + 25 = 50.
Aus 50 wäre also die Quadratwurzel zu ziehen. Das geht aber so einfach nicht, wohl aber aus 49, was 7
ergibt. Die Diagonale ist 7 palmae - das passt ins ägyptische System - oder 28 digiti lang. Notwendiger-
weise ist aber dieser digitus zu groß: die Diagonale misst ja genau 7,07107 palmae, ist also rund 1%
länger. Ist die palma der 28-digiti-Nippur-Elle 4 x 18,513 = 74,052 mm lang, dann ist die neue palma
7,07107 x 74,052 mm : 7 = 74,804 mm lang. Der digitus ist ein Viertel davon: 18,701 mm, die Elle also
18,701 mm x 28 = 523,62 mm/Elle. Das ist die Ägyptische Königselle.“47

Tabelle 9: Antike Fußmaße mit der zugehörigen Pygme und den unterschiedlichen Ellen. Die Pfeile verweisen auf die gleiche
Zahl in der Tabelle.

47
http://vormetrische-laengeneinheiten.de/html/ableitung_.html#aegyptischeKoenigselle [Stand: 01.01.2018].

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Anhand der obigen Tabelle erkennt man ebenfalls die Zusammengehörigkeit verschiedener Fußmaße,
denn es treten oft die gleichen Zahlenwerte mehrfach in der Tabelle auf. Dreifach verbunden sind:
 Kyrenaisches mit Gudea-System und latinischem System
 Phileairisches mit spanischem System u. latinischem System
Doppelt verbunden sind:
 Attisches System mit italischem System
 Römisches System mit Nippur-System
 Spanisches System mit Gudea- System
 Österreichischer System mit Nippur-System
 Gemeingriechisches System mit römischem System
 Österreichischer System mit römischem System
 Philetairisches System mit kyrenaischem System
 Ionisches System mit Dorischem System
 Ptolemäisches System mit Drusus-System
 Gemeingriechisches System mit spanischem System
 Drusus-System mit römischem System
 Ptolemäisches System mit Österreichischem System
Auch hier ist die besondere Vernetzung des latinischen Systems zu erkennen, da es mit beiden Dreifach-
verbindungen und einer Doppelverbindung vernetzt ist. Zudem entspricht der Wert der latinischen Han-
delselle dem Wert der römischen Pygon.
Für die alten Ägypter nimmt Petrie48 an, dass die Maßeinheit Remen vornehmlich in der Feldvermessung
verwendet worden sein soll. Der Remen steht, nach der gleichen Quelle, in einem berechenbaren, aber
irrationalen, Verhältnis zur Königselle (52,36 cm), indem in einem Quadrat mit der Seitenlange von einer
Königselle die Diagonale gleich 2 Remen (= Pygon) lang ist. Folgt man weiter Petrie, dann ist ein Zwan-
zigstel dieser Diagonale eine neue Grundeinheit, die einem ägyptischen Fingerbreit (1,85 cm) entspricht.
Lelgemann49 leitet nun die Cheops-Elle selbst wieder von der Nippur-Elle (51,835 cm) ab, indem er ihre
Größe als √2-fachen Wert des Nippur-Remens festlegt. Man sieht also sehr schön, wie die antiken Maß-
einheiten miteinander verwoben sind.

Schlussbemerkungen und Zusammenfassung


Die antiken Fußmaße reichen vom latinischen (alt-römischen) Fuß mit 24,68 cm bis zum ptolemäischen
Fuß mit 35,54 cm. Damit weichen sie um bis zu 30 % voneinander ab. Dennoch haben sie sich nicht
zufällig und unabhängig voneinander entwickelt. Als ältestes nachweisbares Längenmaß kann das me-
galithische Yard mit rund 83 cm Länge angesehen werden. Dieses Maß ist bereits in megalithischen
Steinsetzungen nachweisbar, die bis ins 6. Jahrtausend vor Christus zurückführen. So wie das heutige
britische Yard drei Fuß lang ist, so war auch das megalithische Yard drei Fuß lang, nämlich drei Nippur-
Fuß, zu je 4 Handbreit bzw. 16 Fingerbreit. Die Nippur-Elle wiederum war 30 Fingerbreit, was für den
mesopotamischen Raum mit dem Sexagesimalsystem typisch ist. Das ägyptische Maßsystem wurde
durch die jährlich neu zu vermessenden Felder der Bauern nach der Nilflut beeinflusst. Dabei tauchte
das geometrische Problem der Quadrathalbierung in zwei gleich große rechtwinklige Dreiecke auf. Die
längste Dreieckseite konnte man nicht exakt mit rationalen Brüchen wiedergeben, da es sich dabei um
eine irrationale Zahl handelte. Die alten Ägypter behalfen sich daher mit Näherungswerten, wie 10⁄7 für
√2. Damit kam die Zahl 7 ins Spiel. Da diese Zahl den Ägyptern auch aus anderen Gründen heilig war,
lag es nahe, diese Zahl auch bei der Definition der Königselle zu 7 Handbreit zu benutzen.
Der Zusammenhang zwischen dem ägyptischen Maßsystem und dem mesopotamischen Maßsystem
zeigt sich unter anderem an folgender Relation: Nippur-Remen (= 5⁄7 Nippur-Elle) x √2 = Cheops-Elle.

48
Petrie, W. M. (1934). Measures & weights. London: Methuen & Co.
49
Lelgemann, 2010, S. 77.

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Anders ausgedrückt: Ein Quadrat mit der Seitenlänge von einem Nippur-Remen hat als Diagonale die
Länge der Cheops-Elle.
Damit ist das ägyptische Maßsystem als einziges antikes Maßsystem nicht über rationale Relationen mit
anderen Maßsystemen gekoppelt, sondern über den irrationalen Faktor √2. Für die anderen 16 hier
besprochenen antiken Fußmaße existieren immer rationale Verhältnisse untereinander. Oftmals sind es
einfache Umrechnungsverhältnisse, wie etwa zwischen dem römischen Fuß und dem ptolemäischen
Fuß mit einem Verhältnis von 5:6. Von den 120 Umrechnungsverhältnissen zwischen den 16 Fußmaßen
lässt sich etwa die Hälfte mit Zahlen bis 36 ausdrücken. Dies zeigt, dass es aufgrund des Handels unter-
einander notwendig war, möglichst ohne zu großen Aufwand von einem Maßsystem ins andere um-
rechnen zu können. Eine Analyse der Umrechnungsverhältnisse zueinander lässt auch Rückschlüsse auf
die Verbreitung des jeweiligen Maßes schließen. Denn je mehr einfache Umrechnungsverhältnisse von
einem Maß zu anderen Maßen existieren, umso größer war wohl die Verbreitung dieses Maßes. Am
verbreitetsten waren daher der römische Fuß, der gemeingriechische (kyrenaische) Fuß und der persi-
sche (philetairische) Fuß. Andere, zwar sehr bekannte, Fußmaße, wie der olympische (Herakles) Fuß oder
der dorische Fuß, wurden hingegen nur lokal benutzt und spielten im internationalen Handel der Antike
keine Rolle. Der olympische oder Herakles-Fuß erhielt seine Bedeutung dadurch, dass 600 dieser Fuß
der Länge des Stadions in Olympia entsprachen. In Olympia fanden die ältesten und bekanntesten Spiele
der Antike statt. Dies trug zwar zur Bedeutung dieses Fußmaßes, nicht aber zu dessen Verbreitung, bei.
Die Auswertung antiker Texte zusammen mit einigen im letzten Jahrhundert gefundenen Umrechnungs-
verhältnissen bei den Fußmaßen zeigt, dass alle Fuß- und Ellenmaße von einem System in das andere –
zumeist mittels einfacher Verhältniszahlen – umgerechnet werden konnten. Die antiken Maßsysteme,
deren Wurzel das megalithische Maßsystem bildet, sind alle miteinander verwandt.
Weitere Erkenntnisse zur Metrologie findet der geneigte Leser auch in meinem Buch „Die Entschlüsse-
lung antiker Längenmaße - mit besonderer Berücksichtigung der ägyptischen Maße“.50

50
Bergdoll, S. (2016). Die Entschlüsselung antiker Längenmaße - mit besonderer Berücksichtigung der ägypti-
schen Maße. Rahden/Westfalen: VML (Verlag Marie Leidorf GmbH).

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