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ΜΑΘΗΜΑ 24-10-2019

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Von Zeit zu Zeit

Man kann sie stehlen, verschwenden und sogar totschlagen, und sie rächt sich, indem sie an uns
nagt. Sie zu haben ist purer Luxus, vor allem in unserer schnelllebigen Welt. Aber sie zu besitzen
ist unmöglich.

Es ist an der Zeit, sich hier einer flüchtigen Materie zu widmen – einer Sache, die aus keinem Stoff
besteht, nicht zu greifen ist und dennoch große Bedeutung für uns alle besitzt. Die Zeit vergeht
Ungeduldigen zu langsam, den meisten Menschen jedoch zu schnell, weil alle immer mehr aus der
Zeit herausholen wollen, als in sie hineinpasst – typisch für unsere schnelllebige Zeit, in der sich
Techniken und Gewohnheiten in einem atemberaubenden Tempo ändern, und in der viele
Menschen das Gefühl haben, dass ihnen die Zeit beständig davonläuft. Allerdings gibt es auch
angenehme Momente, in denen die Zeit „wie im Fluge vergeht“: zum Beispiel auf einer schönen
Reise oder an einem Abend mit guten Freunden.

Die gute alte Zeit

Omas Zeiten sind längst vorbei, die „guten alten Zeiten“ auch. Ohnehin haben die niemals genau
so existiert, wie viele behaupten. Im Rückblick hat es für fast alle Menschen etwas gegeben, das in
früheren Zeiten besser war als heute. Sonst könnte man ja nicht auf das Heute schimpfen. Und das
wäre ganz schlecht.

Immer wieder gibt es kluge, sensible und einfallsreiche Menschen, die ihrer Zeit weit voraus sind
und die längst erkannt haben, „was die Uhr geschlagen hat“ – was also gesellschaftlich dringend
von Nöten ist. Doch abgesehen von diesen Avantgardisten „hinken“ viele andere „ihrer Zeit
hinterher“ – vor allem die Ewiggestrigen, die starrköpfig an alten Ideologien festhalten.

Gewinnen oder stehlen

Was kann man nicht alles mit der Zeit anstellen: Sie anderen Menschen stehlen zum Beispiel,
indem man diese mit unnötigen Fragen oder Bitten belästigt. Zeit schinden, das tun jene, die sich
von einer Verzögerung Vorteile versprechen. Die Zeit totschlagen ist gar nicht so schlimm, wie es
sich anhört. Niemand wird verletzt, nur die Langeweile wird verjagt – womit, ist nicht so wichtig,
es ist ja nur ein Zeitvertreib.

Die meisten Ausdrücke aber hat die Sprache parat, um Menschen zu beschreiben, die ihre Zeit
schlecht nutzen oder mit Sinnlosem verbringen. Die vertun, verschenken, vertrödeln, verplempern
oder vergeuden die Zeit.

Kommt Zeit, kommt Rat

„Die Zeit heilt alle Wunden.“ Das stimmt zwar nicht immer, ist aber ein gängiges Sprichwort, mit
dem man vor allem seelisch Verletzten Trost zuspricht und versichert: Irgendwann wird alles
wieder gut!

Mit „Kommt Zeit, kommt Rat“ empfiehlt man dagegen Eiligen Gelassenheit, genauso wie mit dem
Spruch „Alles braucht seine Zeit“. Der hieß in früheren Jahrzehnten übrigens „Gut Ding will Weile
haben“. Zu lange warten darf man allerdings auch nicht, denn wie heißt es so treffend: „Wer nicht
kommt zur rechten Zeit, der muss sehn, was übrig bleibt.“

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Nicht verwechseln

Auch eine „Unzeit“ gibt es, zum Beispiel, wenn man sonntagmorgens Freunde anruft, um ihnen
vom Ärger mit den Nachbarn zu berichten, die Freunde aber eigentlich noch schlafen wollen. Von
einer „Saure-Gurken-Zeit“ sprechen dagegen viele Ladenbesitzer, wenn die Geschäfte schlecht
laufen und der Umsatz schwach ist.

Nicht zu verwechseln sind „Uhrzeit“ und „Urzeit“. Für die Uhrzeit mit „h“ kann ein Wecker
nützlich sein, zum Beispiel, um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen. Bei der Urzeit ohne „h“
dagegen helfen weder Wecker noch Ziffernblatt. Um diese Millionen und Milliarden Jahre
zurückliegende Zeit zu verstehen, muss man eher in kluge Bücher schauen, die einem die
Erdentstehung, das Aussterben der Dinosaurier und die Entwicklung des Menschen erklären.

Zu jeder Zeit

„Ach du liebe Zeit!“, ruft man bei unglaublichen Ereignissen. „Zeit ist Geld“ betont der alles
berechnende Händler. Und wenn ein Haus schon älter und herunterkommen ist, an ihm also „der
Zahn der Zeit genagt“ hat, dann heißt es, das Haus habe auch schon „bessere Zeiten“ gesehen.
Menschen kann das im Übrigen auch passieren. Sogar für den Tod hat das Deutsche einen Spruch
zur Verfügung: Wer von ihm ereilt wird, hat „das Zeitliche gesegnet“. Wir aber sind noch nicht so
weit und „haben noch alle Zeit der Welt“. „Schauen“ Sie doch „von Zeit zu Zeit wieder rein“. Es
lohnt sich, versprochen – und zwar zu jeder Zeit!

Glossar

atemberaubend – faszinierend; wunderbar

Avantgardist, -en/Avantgardistin, -nen – eine Person, die eine völlig neue Richtung vertritt (z.B. in
der Kunst, den Geisteswissenschaften oder der Politik)

hinter|her|hinken – umgangssprachlich für: zeitlich (in einer Tätigkeit, einer Entwicklung)


zurückbleiben

Ewiggestrige, -n (m./f.) – abwertend für: jemand, der immer bei seinen Ansichten bleibt und
keinen Fortschritt (an)erkennt

starrköpfig – eigensinnig; stur

etwas parat haben – etwas zur Hand haben; etwas wissen

zur Unzeit – zu einer unpassenden Zeit

Dinosaurier, - (m.) – eine sehr großen Riesenechse, die vor vielen Millionen Jahren auf der Erde
gelebt hat

herunter|gekommen – so, dass etwas in einem schlechtem Zustand ist

Von Zeit zu Zeit

Aufgaben zum Text

1. Prüfe dein Textverständnis: Welche der Aussagen ist korrekt? Wähle aus.

1. Der Text beschäftigt sich mit ...

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1. a) unterschiedlichen Zeitformen.
2. b) sprachlichen Bildern zur Vergänglichkeit von Zeit.
3. c) Redewendungen zum Thema Tod und Vergänglichkeit.

2. Über die guten alten Zeiten sagt der Autor, dass sie ...

1. a) meist nur in der Erinnerung existieren.


2. b) tatsächlich oft besser und angenehmer waren als die heutige Zeit.
3. c) nur bei älteren Menschen zu finden sind.

3. Ewiggestrige ...

1. a) haben genau wie Avantgardisten große Zukunftspläne.


2. b) sind das Gegenteil von Visionären.
3. c) spüren die Notwendigkeit gesellschaftlichen Wandels.

4. Eine „Saure-Gurken-Zeit“ beschreibt die Zeit, in der ...

1. a) nicht so gut schmeckende Gurken günstiger verkauft werden.


2. b) die Kunden unzufrieden sind, weil es eine schlechte Gemüseernte gab.
3. c) Geschäftsleute eine finanziell schwierige Zeit durchleben.

5. Ein Ausdruck von Überraschung ist ...

1. a) „Du liebe Zeit!“


2. b) „Zeit ist Geld!“
3. c) „Daran nagt der Zahn der Zeit!“

6. Zeit kann man ...

1. a) stehlen, verpassen oder besitzen.


2. b) klauen, vergessen oder halten.
3. c) stehlen, verlieren oder schinden.

2. Teste deinen Wortschatz: Ergänze die fehlenden Begriffe aus den Redewendungen. Ordne zu.

Zeit Zahn vergeht Zeitvertreib guten schlage nagt alten tot Welt

Opa: „Ach Marie, wie schön, dass du mich besuchen kommst. Mensch, du bist aber groß
geworden! Wie doch die ____________ ____________.“

Marie: „Hallo Opa, wie geht es dir?“

Opa: „Du weißt doch, wie das ist. Der ____________ der Zeit ____________ an mir. Ich
werde eben nicht jünger. Ich sitze hier jeden Tag, löse Kreuzworträtsel zum ____________ und
____________ die Zeit bis zum Abend irgendwie ____________.“

Marie: „Mensch Opa, macht dich das Rumsitzen denn glücklich? Unternimm doch mal was, mach
einen Ausflug oder besuche einen alten Freund.“

Opa: „Du kannst das leicht sagen, du hast ja noch alle Zeit der ____________. Und die meisten
meiner Freunde leben ja nicht mehr ...!“

3
Marie: „Hmm ... dann hol doch mal das Fotoalbum und erzähle mir von den „____________
____________ Zeiten“.“

Opa: „Au ja, mit dem größten Vergnügen!“

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Transkription

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HA

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