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ΜΑΘΗΜΑ 31/10/2019

Scham: unangenehm, aber wichtig


https://www.dw.com/de/scham-unangenehm-aber-wichtig/l-51027385

Niemand schämt sich gern, denn Scham ist ein sehr unangenehmes Gefühl. Trotzdem ist es wichtig für die
Gesellschaft. Wofür man sich schämt, hängt deshalb stark von der Kultur ab, in der man lebt.

Jeder von uns erlebt irgendwann mal peinliche Situationen: Wir haben einen Fehler gemacht oder jemanden
enttäuscht und schämen uns dafür. Dann schlägt unser Herz schneller, wir erröten und wollen am liebsten im
Boden versinken. Scham ist ein unangenehmes, manchmal sogar ein schmerzhaftes Gefühl. Nicht ohne
Grund kommt „peinlich“ von dem alten Wort „Pein“.

Alle Menschen können Scham empfinden, aber sie werden nicht damit geboren. Um sich zu schämen, muss man erst
die Regeln kennen, die in einer Gesellschaft herrschen. Diese Regeln können sehr unterschiedlich sein. In Deutschland
schämt man sich zum Beispiel, wenn man beim Essen schmatztoder rülpst. Es ist auch peinlich, wenn man vergisst,
das Preisschild an einem Geschenk zu entfernen. Aber in anderen Kulturen kann genau dieses Verhalten richtig und
höflich sein.

Weil wir wissen, wie unangenehm Scham ist, wollen wir sie vermeiden. Scham sorgt dafür, dass wir uns an Regeln
halten. Und so schützt sie die Gemeinschaft. Sie schützt aber auch uns selbst – nämlich davor, aus der
Gemeinschaft ausgestoßen zu werden. Wir schämen uns sogar, wenn eine andere Person peinliches Verhalten zeigt.
Besonders Menschen, die selbst schon häufig Schamgefühle erlebt haben, empfinden dieses „Fremdschämen“ sehr
stark.

Trotzdem nimmt schamloses Verhalten zu. Heute können wir im Internet oder im Fernsehen ständigbeobachten, wie
Menschen sich selbst oder andere in peinliche Situationen bringen. Dazu meint der Therapeut Udo Baer, der ein Buch
über Scham geschrieben hat: „Da werden Schamgrenzen überschritten, die plötzlich alltäglich werden.“ Wir erleben
schamloses Verhalten und gewöhnen uns daran. Und so hat die Scham immer weniger Einfluss auf uns und auf die
Gesellschaft, in der wir leben.

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GLOSSAR

Scham: unangenehm, aber wichtig


Scham (f., nur Singular) — das schlechte Gefühl, wenn man sich nicht richtig verhalten oder einen
Fehler gemacht hat

sich für etwas schämen — sich schlecht fühlen, weil man einen Fehler gemacht oder sich nicht richtig
verhalten hat

peinlich — unangenehm; so, dass man sich wegen seines Verhaltens schlecht fühlt

erröten — rot im Gesicht werden, weil man etwas sehr unangenehm findet

am liebsten im Boden versinken wollen — sich wünschen, dass man ganz klein wird und sich
verstecken kann; sich wünschen, dass man von niemandem gesehen wird

schmerzhaft — so, dass etwas wehtut

von etwas kommen — hier: aus einem anderen Wort gebildet sein/werden

Pein (f., nur Singular) — veraltet: starker Schmerz

etwas empfinden — etwas fühlen

schmatzen — so essen, dass andere hören, wenn man den Mund öffnet und schließt

rülpsen — nach dem Essen/Trinken laut Luft aus dem Magen durch den Mund drücken

etwas entfernen — dafür sorgen, dass etwas nicht mehr da ist

etwas vermeiden — dafür sorgen, dass etwas nicht passiert

jemanden aus|stoßen — dafür sorgen, dass jemand nicht mehr Teil einer Gruppe ist

Fremdschämen (n., nur Singular) — umgangssprachlich: ein schlechtes Gefühl, das man hat, wenn
andere Personen sich nicht richtig verhalten

ständig — immer

Therapeut, -en/Therapeutin, -innen — hier: der Psychotherapeut; jemand, der einen wegen einer
psychischen Krankheit behandelt

eine Grenze überschreiten — hier: etwas tun, was man eigentlich nicht tun sollte

alltäglich — hier: normal; gewöhnlich

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1. AUFGABE: Was steht im Text?

Wähl die passenden Lösungen aus. Es kann auch mehr als eine Antwort richtig sein.
1. Was ist richtig?

a) Man schämt sich, wenn man etwas nicht richtig gemacht hat.
b) Ein typisches Zeichen für Scham ist, dass man ganz blass im Gesicht ist.
c) Ob eine Situation peinlich ist, hängt von der Kultur ab, in der man lebt.

2. Wie sollte man sich in Deutschland verhalten?

a) Man sollte beim Essen schmatzen, um zu zeigen, dass es schmeckt.


b) Auf der Verpackung eines Geschenks sollte der Preis stehen.
c) Wenn man etwas verschenkt, sollte man nicht sagen, was es gekostet hat.

3. Was steht im Text?

a) Weil Menschen sich schämen können, funktioniert die Gesellschaft besser.


b) Manchmal schämt man sich dafür, wie andere Personen sich verhalten.
c) Heute spielt Scham in der Gesellschaft eine größere Rolle als früher.

2. AUFGABE: Übe die Verben!


Welches Wort gehört in welchen Satz? Wähl das passende Verb aus.
ausstoßen, überschreiten, vermeiden, schämen, entfernen, rülpsen

1. Weil er viel zu schnell eine Flasche Limonade getrunken hatte, musste er plötzlich ………. .

2. Niemand geht gerne zum Zahnarzt, denn wir alle wollen Schmerzen am liebsten ………. .

3. Sie fand den Kaffeefleck auf ihrer Bluse sehr peinlich, hatte aber keine Zeit, ihn zu ………. .
4. Manchmal muss man gesellschaftliche Grenzen ………. , wenn man etwas verändern will.

5. Als Kinder lernen wir, uns zu ………. , wenn wir etwas falsch gemacht haben.

6. Soll man jemanden aus der Gemeinschaft ………. oder ihm eine zweite Chance geben?

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3. AUFGABE: Übe die Adjektivendungen!
Was ist richtig? Wähl die passende Endung aus.

1. Viele Menschen finden höflich_____ (-e/-es/-em) Verhalten sehr wichtig.


2. In peinlich_____ (-e/-en/-er) Situationen will man am liebsten im Boden versinken.
3. Wenn man aus der Gemeinschaft ausgestoßen wird, verursacht das viele schmerzhaft_____ (-e/-en/er)
Gefühle.
4. Die Vorstellungen einer Gesellschaft von „falsch_____ (-es/-en/-em) Verhalten“ verändern sich mit der
Zeit.
5. Er hat mich in eine sehr unangenehm_____ (-e/-er/-en) Situation gebracht.
6. Ich habe einen groß____ (-er/-e/-en) Fehler gemacht und meine Eltern dadurch sehr enttäuscht.