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Fortgeschrittenen Praktikum

Sommersemester 2018

Versuch 9 - Couette-Taylor-System

Versuchtermin: 16.05.2018
Name: Cruz Rodriguez Ergiuev
Vorname: Philipp Timur
Matrikelnummer: 2712962 2417839
Email: Cruzrodr@students.. Ergyuev@students..

Betreuer: Jonathan Prexl


Vortestat:
Haupttestat:

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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3

2 Theorie und physikalischer Hintergrund 3


2.1 Turbulente und laminare Strömung . . . . . . . . . . . . . . . 3
2.1.1 Laminare Strömung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3
2.1.2 Turbulente Strömung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2 Navier-Stokes-Gleichung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.2.1 Reynoldszahl(Re) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4
2.3 Couette-Taylor-System . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5
2.4 Laminares Profil CTS (Couette Flow - CF) . . . . . . . . . . . 6
2.5 Stabilität laminares Profil (Rayleigh-Kriterium) . . . . . . . . 7
2.6 Taylor-Wirbel (Taylor Vortex Flow - TVF) . . . . . . . . . . 8

3 Versuchsdurchführung 10

4 Auswertung 11
4.1 Bifurkationsfolge bei ruhendem äußeren Zylinder . . . . . . . . 11
4.2 Erste Bifurkationslinie - Umschlag zu Taylor-Wirbeln . . . . . 14
4.2.1 Bifurkationslinie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14
4.2.2 Wellenlängen und Neigungswinkel . . . . . . . . . . . . 16
4.2.3 Hysterese . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18
4.3 Umschlag zur spiralförmigen Turbulenz . . . . . . . . . . . . . 19
4.4 Weitere Strömungszustände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21

5 Zusammenfassung 22

6 Quellen 23

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1 Einleitung
In diesem Versuch untersuchen wir das Couette-Taylor-System. Es ist ein
hydrodynamisches Experiment, welches sehr gut eine Einführung in die Cha-
osforschung darstellt. Eine Flüssigkeit (Wasser) wird zwischen zwei konzen-
trischen Zylindern gefüllt, wobei man die beiden Zylindern mit verschie-
dener Winkelgeschwindigkeit rotieren lässt. Wir werden die Übergänge der
Strömungszustände beobachten, um uns mit solchen Begriffe, wie Musterbil-
dung und Bifurkation vertraut zu machen. Um den ganzen Weg von lamina-
rer Strömung zu Turbulenz sichtbar zu machen, werden Fluid-Tracer in das
Wasser gegeben. Wir werden die Taylor-Wirbel detailliert beobachten und
ihnen Reynoldszahlen zuordnen. Das Auftreten von Hysterese wird in dem
Versuch ebenfalls untersucht.

2 Theorie und physikalischer Hintergrund


2.1 Turbulente und laminare Strömung

Abbildung 1: Schematische Darstellung der turbulenten und laminaren


Strömung [1]

2.1.1 Laminare Strömung


Eine Strömung heißt laminar, wenn es noch keine sichtbaren Turbulenzen
(Verwirbelungen oder Querströmungen) im Fluid gibt. Die Flüssigkeitsschich-

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ten strömen in gleiche Richtung ohne zu vermischen. Alle Flüssigkeitsteilchen
fließen entlang paralleler Stromfäden. Dieser Strömungzustand tritt bei klei-
nen Reynoldszahlen auf (siehe Definition der Reynoldszahl).

2.1.2 Turbulente Strömung


Die turbulente Strömung ist das Gegenteil einer laminaren Strömung. Bei
dieser Bewegung treten chaotische Verwirbelungen im Fluid auf. Turbulen-
te Strömungen lassen sich durch nicht vorhersehbaren Schwankungen der
Geschwindigkeit charakterisieren. Die Schwankungsbewegung ist dreidimen-
sional, d.h. Geschwindigkeitsschwankungen erfolgen in allen drei (kartesi-
schen) Raumrichtungen. Dieser Strömungzustand tritt besonders bei großen
Reynoldszahlen auf.

2.2 Navier-Stokes-Gleichung
Die Navier-Stokes-Gleichungen sind ein System differentialer Gleichungen,
welche die Strömung von viskosen newton’schen Fluiden beschreiben. Falls
das Fluid inkompressibel ist (was in unser Versuch anzunehmen ist), wird
die Strömung mit Hilfe von folgenden Gleichungen beschrieben:

∇~v = 0 ist die Kontinuitätsgleichung

und ∂~v
∂t
+ ~v ∇~v = −∇ ρp + ν∆~v + f
ρ
ist die Impulsgleichung

wobei ~v der Geschwindigkeitsvektor, p der Druck, ρ die Dichte des Fluids,


ν = ηρ die kinematische Viskosität (gleich dynamischer Viskosität durch Dich-
te) und fρ ist eine Schwerebeschleunigung ist.

2.2.1 Reynoldszahl(Re)
Die Reynoldszahl ist eine dimensionslose Kennzahl, welche Zustandsübergänge
in einem Fluid charakterisiert. Man nennt eine Reynoldszahl kritisch, falls
diese dem Übergang von laminarer Strömung zu turbulenter Strömung zu-
geordnet ist. Die Reynoldszahl ist definiert als
ρvd vd
Re = η
= ν
, wobei d die charakteristische Länge des Körpers ist.

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2.3 Couette-Taylor-System
In dem Versuch beschäftigen wir mit dem Couette-Taylor System. Mit Hilfe
von diesem System können wir verschiedene Strömungszustände bekommen.
Strömungen beobachtet man in dem Fluid, welches sich zwischen zwei kon-
zentrischen Zylindern, die unabhängig voneinander rotieren, befindet. Eine
einfache schematische Dartellung siehe in Abbildungen 2 und 3

Abbildung 2: Schematischer Aufbau des Couette-Taylor-Sytems [2]

Aufbau des Couette-Taylor-System : Die Couette-Taylor Apparatur enthält


zwei Zylinder: einen Außen- und einen Innenzylinder. Die Winkelgeschwin-
digkeiten der Zylinder kann man mit Hilfe von Schrittmotorsteuerung regulie-
ren. Destilliertes Wasser mit einem Fluid Tracer dient zur Visualisierung der
Strömung. Für Bildaufnahmen benutzen wir eine CCD-Kamera mit Stativ.
Die Bilder kann man auf dem PC speichern. Man kann die Reynoldszahlen
für beide Zylindern mit folgenden Formeln berechnen:

Reinnen = ri (ra −r
ν
i )Ωi
, wobei ri und Ωi Radius und Winkelgeschwindigkeit
des inneren Zylinders sind.

Reaußen = ra (ra −r
ν
i )Ωa
, wobei ra und Ωa Radius und Winkelgeschwindigkeit
des äußeren Zylinders sind.

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Abbildung 3: Geometrie eines Couette-Taylor-Systems [3]

2.4 Laminares Profil CTS (Couette Flow - CF)


Einfache Taylor-Couette-Strömung ist eine stetige Strömung, die zwischen
zwei rotierenden, unendlich langen, koaxialen Zylindern entsteht (siehe Abb.
2). Die Strömung verläuft im stationären Zustand im wesentlichen nur in eine
Richtung, da die Zylinder unendlich lang sind (ideal).
Wenn (siehe Abb. 3) R1 = ri und Ω1 = Ωi Radius und Winkelgeschwindig-
keit des inneren Zylinders sind,
bzw. R2 = ra und Ω2 = Ωa Radius und Winkelgeschwindigkeit des äußeren
Zylinders sind, dann kann man folgendes bestimmen:

b
Die azimutale Geschwindigkeit des Fluids am Radius r: vθ (r) = ar + r

vθ b
und die Winkelgeschwindigkeit des Fluids am Radius r: Ω(r) = r
=a+ r2

Ωi ri2 −Ωa ra2 (Ωa −Ωi )ra2 ri2


wobei a = ri2 −ra2
und b = ri2 −ra2

Ωi ri2 −Ωa ra2 (Ωa −Ωi )ra2 ri2


Daraus folgt Ω(r) = ri2 −ra2
+ (ri2 −ra2 )r2
.

6
2.5 Stabilität laminares Profil (Rayleigh-Kriterium)
Das Rayleigh-Kriterium ist ein Stabilitätskriterium für nicht zähflüssige und
inkompressible, rotierende Flüssigkeiten. Dieses Kriterium besagt, dass für

d
dr
(r2 Ω(r))2 >0

das rotierende Fluid stabil ist. r ist der radiale Abstand zur Drehachse und
Ω(r) ist die Winkelgeschwindigkeit des Fluids am Radius r.
Dies bedeutet: wenn den Betrag des Drehimpulses |r2 Ω(r)| mit steigendem
Radius monoton wächst, dann ist der Verlauf der Winkelgeschwindigkeit ei-
nes nicht zähflüssigen, inkompressiblen, rotierenden Fluids, stabil.
In unserem Fall sieht die obige Formel so aus:
ri2
Ω(a) > ra2
Ω(i) mit [ rrai < 1]

Eine Veranschaulichung des Rayleigh-Kriteriums kann man in Abb. 4 sehen.

Abbildung 4: Rayleigh-Linie [6]

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2.6 Taylor-Wirbel (Taylor Vortex Flow - TVF)
Es gibt Zustände, die zwischen laminarer und turbulenten Zuständen liegen.
Diese Zustände charakterisieren sich durch achsensymmetrische, torusförmi-
ge, sich entgegengesetzt drehende Wirbel (Taylor Vortex - TVF, siehe Abbil-
dungen 5 und 6). Diese Wirbelströmung entsteht ab einer kritischen Dreh-
zahl/Geschwindigkeit, da die laminare Couette-Strömung instabil wird.

Abbildung 5: Taylor-Wirbel in dem Fluid [4]

Abbildung 6: Schematische Darstellung des roten Bereichs

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Die beide Kreise in Abb. 6 symbolisieren dunkle und helle Bereiche in
dem Fluid, welche sich abwechseln (siehe Abb. 7 ). Die Wellenlänge der
Strömungswellen ist gleich 2d (hier ist d ein Durchmesser des Wirbels) in
diesem Fall. Weiter in der Auswertung werden wir noch diese und andere
Strömungen betrachten.

Abbildung 7: Taylor-Wirbel aus dem Versuch, dunkle und helle Bereiche

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3 Versuchsdurchführung
Im ersten Versuchsteil wird das Couette-Taylor-System angeordnet: Die Zy-
linder werden aufgestellt, der Bereich zwischen den Zylindern wird mit Was-
ser aufgefüllt und Fluid-Tracer hinzugegeben. Es wird ein Bild eines Maß-
stabs aufgenommen (welches durch eventuelle und stattgefundene Verschie-
bungen nicht wirklich zweckmäßig ist).
Im zweiten Versuchsteil lernen wir allgemein den Umgang mit dem Couette-
Taylor-System. Zuerst wird nur der innere Zylinder gedreht und die Übergänge
zu den verschiedenen Strömungen werden bestimmt (siehe Auswertung). Der
äußere Zylinder ruht.
Im dritten Versuchsteil wird die Winkelgeschwindigkeit des äußeren Zylin-
ders variiert und der innere Zylinder langsam aufgedreht. Die Übergänge wer-
den analog wie im ersten Teil gemessen. Danach werden drei unterschiedliche
Reynolds-Zahlen ausgewählt, um die Hysterese zu beobachten. Den Messver-
lauf kann man in der Auswertung sehen.
Im vierten Versuchsteil wird der Übergang zur turbulenten Strömung un-
tersucht, in dem die Zylinder gegenläufig rotieren werden. Bei verschiedenen
Winkelgeschwindigkeiten des äußeren Zylinders wird die Winkelgeschwindig-
keit des inneren Zylinders langsam hoch und wieder herunter gedreht. Die
auftretende Hysterese wird dabei notiert.
Im letzten Versuchsteil haben wir versucht andere Strömungsarten zu
beobachten, wobei verschiedene Einstellung ausprobiert wurden.
Alle Messungen wurden unter Berücksichtigung dieses Bifurkationsdia-
gramms und der beiliegenden Kalibrierungstabelle durchgeführt(siehe Abb.
8).

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Abbildung 8: Bifurkationsdiagramm [5]

4 Auswertung
4.1 Bifurkationsfolge bei ruhendem äußeren Zylinder
Zu Beginn des Versuches untersuchten wir das Strömungsverhalten im Couette-
Taylor-System bei ruhendem äußeren Zylinder.
Gesucht waren dabei Übergänge zu vier verschiedenen Strömungszuständen,
beginnend mit der Taylor-Wirbel-Strömung (TVF), der welligen Wirbel-
strömung (WVF), der moduliert welligen Wirbelströmung (MWV) und der
turbulenten Taylor-Wirbel (TTV).

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Abbildung 9: Re: 120 Abbildung 10: Re: 134 Abbildung 11: Re: 180

Abbildung 12: Re: 780 Abbildung 13: Re: 1215 Abbildung 14: Re: 1520

Wie nun in der Bildfolge weiter oben teilweise dargestellt ist, konnten wir
alle Übergänge und Strömungszustände beobachten.
Bis zu einer Reynoldszahl von ungefähr 120 liegt laminare Couette Strömung,
wie in Abbildung 9 (hier Umschlagspunkt laminar/TVF) zu beobachten ist,
vor. Diese ist musterlos und führt im gleichen Bereich bei einer kleinen
Erhöhung der Drehzahl zum Übergang zur Taylor-Wirbel-Strömung, welche
komplett in Abbildung 15 zu sehen ist.
Erhöht man die Drehzahl auf eine entsprechende Reynoldszahl von ungefähr
165, kann man den Übergang zur Wirbelströmung sehen, wobei Abbildung

12
16 eine ausgeprägtere Form zeigt.
Die hier nun vorliegende wellige Wirbelströmung ist durch ihre zusätzliche,
laterale Wellenausbildung charakterisiert.
In den Abbildungen 17 und 18 sind entsprechend die moduliert wellige Wir-
belströmung und der Übergang zur turbulenten Taylor-Wirbelströmung zu
erkennen.
Der Übergang zur MWV ist einer Reynoldszahl von ungefähr 325 zuzuord-
nen, während diese Zahl für die TTV bei 1215 liegt.

Strömung Rekrit Literaturwert


CF / /
TV 120 120
Die Literaturwerte wurden aus dem Bi-
WVF 165 160
MWV 325 1000
TTV 1215 1800
furkationsdiagram extrapoliert. Diese Methode ist zwar nicht sehr genau,
jedoch befinden sich diese in den ungefähren Größenordnungen.
Es ist klar zu erkennen, dass ab der MWV die Werte nicht mit den Litera-
turwerten übereinstimmen.
Die Abweichung für die MWV kann durch die Nähe des MWV Bereichs um
eine Reynoldszahl von 300 (siehe Abb. 8) erklärt werden, während die stark
abweichende Reynoldszahl für TTV an den nicht klar definierten TTV Be-
reich liegen könnte.

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4.2 Erste Bifurkationslinie - Umschlag zu Taylor-Wirbeln
4.2.1 Bifurkationslinie

Abbildung 15: Ri : 265; Ra : 200Abbildung 16: Ri : 680; Ra : 600Abbildung 17: Ri : 800; Ra : 700

Abbildung 18: Ri : 155; Ra : -Abbildung 19: Ri : 280; Ra : -Abbildung 20: Ri : 315; Ra : -


100 400 500

Zur Erfassung der ersten Bifurkationslinie wurden für Reynoldszahlen zwi-


schen -500 und 700 das Bifurkationsverhalten untersucht.
Die dabei zustande gekommenen Überschlagspunkte von laminarer Strömung
zu TVF sind in der obigen Reihe von Abbildung zu sehen.

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Trägt man die innere Reynoldszahl gegen die Äußere auf, so erhält man fol-
gende Kurve.

Abbildung 21: Bifurkationskurve mit eigezeichnetem Reyleigh-Kriterium

Um nun die in Abbildung 21 Kurve der gemessenen inneren Reynoldszah-


len beurteilen zu können, muss man den theoretisch erwarteten Verlauf der
ersten Bifurkationsline kennen. Zu sehen ist diese in Abbildung 8, in Form
der markanten schwarzen Linie, zusammen mit dem Reyleigh-Kriterium.
Um den Nullpunkt verhält sich die Kurve kubisch, während für steigende
positive, und negative, Werte die Kurve annähernd linear steigt.
Vergleicht man dies mit dem Verlauf in Abbildung 21 der gemessenen Werte,
so zeigt es sich, dass diese ungefähr übereinstimmen.
Zu beachten ist jedoch, dass alle gemessenen Werte eine inhärente Ungenau-
igkeit besitzen, da diese lediglich durch die Kalibrierungstabellen bestimmt
wurden, und ein genaues Bestimmen der Reynoldszahl ohne weitere Mittel
nicht möglich ist.
Desweiteren sieht man, dass der lineare Verlauf der Kurve bis auf eine leichte
Verschiebung in y-Richtung mit der des Reyleigh-Kriteriums übereinstimmt.
Unter Beachtung dessen, sind die linearen Anteile für große Reynoldszahlen
als gleich anzusehen, womit das Ziel der Messung erreicht wurde.

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4.2.2 Wellenlängen und Neigungswinkel
Zusätzlich zur Bifurkationslinie sollte man noch die Wellenlänge der Taylor
Wirbel bestimmen.
Vorerst eine Erklärung der Methodik.
Zur Bestimmung der Wellenlänge wird das Lineal in den aufgenommenen
Bildern als Maßstab verwendet, um die in Abbildung 22 gezeigte Distanz in
Rot zu bestimmen. Um jedoch eine akkurate Distanz zu erhalten, muss eine
Objektivkorrektur durchgeführt werden, sowie eine klar erkennbare Verlauf-
sumsetzung.

Abbildung 22: Beispiel für Bestimmung der Wellenlänge

Die daraus bestimmten Wellenlängen sind in folgender Tabelle und Gra-

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phen einzusehen.
Äußere Reynoldszahl Wellenlänge [xSpaltbreite] Wellenlänge [cm]
-500 2,32(2) 1,239(8)
-400 1,77(2) 0,945(8)
-300 1,56(2) 0,836(8)
-200 1,85(2) 0,990(8)
-100 2,64(2) 1,414(8)
0 1,79(2) 0,958(8)
100 1,91(2) 1,020(8)
150 1,88(2) 1,005(8)
200 2,00(2) 1,068(8)
250 1,99(2) 1,063(8)
300 1,97(2) 1,055(8)
350 1,96(2) 1,050(8)
400 1,96(2) 1,045(8)
600 1,83(2) 0,976(8)
700 1,68(2) 0,896(8)

Abbildung 23: Wellenlänge in Abhängigkeit der Reynoldszahl

Theoretisch wird erwartet, dass sich die Wellenlänge von negativen Reynolds-
zahlen (heißt entgegengesetzter Rotationsrichtung des äußeren Zylinders) in
einem dämpfungsähnlichen Prozess, asymptotisch auf einen konstanten Wert

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im Positiven (gleiche Rotationsrichtung) einpendeln.
Dieser konstante Wert entspricht der zweifachen Spaltbreite zwischen den
Zylindern.
Wertet man nun Abbildung 23 unter Beachtung dessen aus, so sieht man
das postulierte, schwingungsähnliche Dämpfungsverhalten um der zweifachen
Spaltbreite.
Dieses Bild wird jedoch ab einer Reynoldszahl von 400 unterbrochen. Wo ein
ungefähr konstanter Wert um der zweifachen Spaltbreite sein sollte, ist ein
starker Abfall der Wellenlänge zu verzeichnen.
Eine Erklärung dafür kann der Versuchaufbau selbst liefern.
Zum einen befindet man sich für die zwei ausreißenden Punkte bei relativ
hohen Reynoldszahlen, welche nur ungefähr mit Hilfe der Kalibrierungsta-
belle angefahren werden können.
Und zum anderen sind bei der Durchführung aller Versuchsteile Probleme
mit den Motoren der Zylinder aufgetreten. Besonders hatten diese Schwie-
rigkeiten hohe Drehzahlen ab dem zweiten Gang zu erreichen, was besonders
die erwähnten letzten zwei Punkte betrifft.
Dementsprechend kann man ungefähr sagen, dass das gemessene Verhalten
bis auf zwei Ausreißer dem Erwarteten entspricht.
Außerdem konnten mehrmals Spiralen beobachtet werden, deren Neigungs-
winkel ähnlich der Wellenlängen bestimmt wurden.
Re außen Winkel [◦ ] Fehler [◦ ]
-500 7,352379 1,9
-400 5,389312 4,2
-300 4,763642 4,8
-200 4,289153 8,9
600 3,652223 10,4
700 6,483074 3,5
Auf den ersten Blick fallen die sehr großen Fehler auf, welche bis zu drei-
fach größer sind, als der eigentlich Wert.
Dies liegt hauptsächlich an der geringen Auflösung der Bilder und daraus re-
sultierender geringen Pixelzahl und Genauigkeit bei der Winkelbestimmung.
Nichtsdestotrotz lässt sich eine Tendenz im Anstieg der Winkel in Abhängig-
keit der Reynoldszahl erkennen, wobei eine genauere Intepretation anhand
dieser Werte nur begrenzt möglich ist.

4.2.3 Hysterese
Zur Beobachtung der Hysterese wurden nochmals drei Punkte angefahren
und untersucht.

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Abbildung 24: Beispiel Hysterese; Links: up; Rechts: down

Das Ergebnis zeigt, dass für zwei der drei Messungen eine relativ klare
Hysterese zu erkennen ist.
Relativiert wird dies durch die Messungenauigkeit und Notwendigkeit der
Kalibrierungstabelle. Deshalb gilt, dass obwohl ein eigentlich klares Hystere-
verhalten beobachtet werden konnte, der Unterschied in Reynoldszahlen in
einem kleinen (¡5%) Bereich liegt, und man somit das Ergebnis angesichts
seiner Aussagekraft in Frage stellen sollte.

Re außen Re innen [up] Re innen [down]


150 210 195
250 305 300
350 425 415

4.3 Umschlag zur spiralförmigen Turbulenz


Weitergehend sollte man das Hystereseverhalten beim Umschlag zur spi-
ralförmigen Turbulenz beobachten.

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Abbildung 25: Zwei Beispiele für Hysterese bei hohen Reynoldszahlen für
trubulente Spiral-Strömung

Re außen Re innen [up] Re innen [down]


1960 660 610
2100 675 620
2240 720 610
2615 740 610
3160 820 610
Im Gegensatz zum vorherigen Versuch Hysterese zu beobachten, ist das Ver-
halten für die turbulenten Spiralen eindeutig (siehe Tabelle). Denn in allen
Fällen konnte eine signifikante Hysterese gemessen werden, die zeigt, dass
besonders für turbulente Strömungszustände eine Abhängigkeit von vorher-

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gehenden Zuständen besteht.
Bei der Bestimmung der Neigungswinkel bestehen einige Faktoren, die ein
genaues Vorgehen nicht möglich machen.
Diese sind u.A. die geringe Auflösung der Kamera, die Bewegungsverzerrung
und einseitige Betrachtung des Zylinders, was gut in Abbildung 25 zu erken-
nen ist.

Re außen Re innen Winkel [◦ ]


1960 660 63
2240 720 30
2615 740 25
3160 820 60
Jedoch lässt sich erkennen, dass höhere Reynoldszahlen zu größeren Nei-
gungswinkel führen.

4.4 Weitere Strömungszustände


Zuletzt sollten weitere, vorher nicht dokumentierte Strömungszustände ge-
funden und aufgezeichnet werden.

Abbildung 26: Musterlose turbulente Strömung

Das Ergebniss dieser Messungen zeigt, dass mit dem vorliegenden Ver-
suchsaufbau das Anfahren zwei weiterer Strömungszustände möglich ist.
Diese sind die formlose turbulente Strömung, welche durch ihre namensge-
bende Formlosigkeit charakterisiert wird (Abbildung 26) und der intermitten-

21
te Bereich. Letzterer wird durch eine Abwechslung von lokalisiert turbulenten
Strömungen und komplett laminarer Strömung charakterisiert.
Weitere Zustände sind aufgrund zu hoher geforderten Drehzahlen und den
Limitierungen des Aufbaus nicht möglich.

5 Zusammenfassung
Das Ziel des Versuches war es, ein Verständnis für Strömungszustände im
Couette-Taylor System zu entwickeln.
Dazu wurden zuerst bei ruhendem äußeren Zylinder, die Umschläge zwischen
den dort vorkommenden Strömungszuständen gesucht und aufgenommen.
Die dabei entstandenen Bilder zeigen erfolgreich den Verlauf von laminarer,
zur Taylor Wirbel- und modulierten Wirbelströmung, und zuletzt der turbu-
lenten Wirbelströmung.
Weitergehend sollte man die erste Bifurkationslinie, also die Kurve der ersten
Umschlagspunkte, vermessen, indem man die Drehzahl des äußeren Zylinders
an festen Punkten anfährt und die Drehzahl des Inneren langsam steigert.
Für unsere Messung ergab sich eine fast genaue Übereinstimmung des Ver-
laufs der Messkurve mit der theoretischen Kurve.
Leichte Abweichungen der Kurve sind durch die relativ ungenaue Anfahr-
und Messmethode zu erklären.
Für die aufgenommenen Bilder der Umschlagsströmungen wurden außerdem
durch digitale Auswertung die Wellenlängen und, falls vorhanden, Neigungs-
winkel der Taylor Vortices bestimmt.
Die Neigungswinkel zeigen eine ungefähre Tendenz für höhere Reynoldszahl
sich stärker zu neigen, was aufgrund der ungenauen Messmethode nicht wei-
ter ausführbar ist.
Die Kurve der Wellenlängen in Abhängigkeit von der äußeren Reynoldszahl
zeigen approximativ das erwartete Verhalten, sich asymptotisch an den Wert
des zweifachen Spaltabstands anzunähern, obwohl für den weitern Verlauf
ein Abfallen zu verzeichnen ist.
Gründe hierfür können wieder auf Messungenauigkeiten und Limitierung der
Methodik zurückgeführt werden.
Obwohl für diesen Teil des Versuchs, qualitativ ein Auftreten von Hysterese
verzeichnet wurde, ist die quantitative Aussagekraft, aufgrund nur geringer
Unterschiede in den Reynoldszahlen, relativ niedrig.
Jedoch konnte ein eindeutigeres Ergebnis zur Hysterese, am Umschlag von
laminarer Strömung zu turbulenter Spiralströmung, festgestellt werden.
Hier sind signifikante Unterschiede in den Reynoldszahlen ein guter Indi-
kator für tatsächliche Hysterese, woraus folgt, dass besonders turbulente

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Strömungsformen von vorhergehenden Zuständen abhängig sind.
Im Falle der Neigungswinkel lässt auch hier sich nur eine ungefähre Abhängig-
keit von den Reynoldszahlen sehen, da die Limitierungen der Kameratechnik
keine genaue Auswertung der Spiralen zulassen.
Zuletzt sollten noch weitere, vorher nicht dokumentierte Strömungszustände,
gefunden werden.
Erfolgreich war dies mit der formlosen, turbulenten Strömung und dem inter-
mittierenden Bereich, welcher einen periodischen Wechsel zwischen lokalisiert
turbulenter und vollkommener laminarer Strömung darstellt.
Insgesamt konnten bis auf eine genauere Messung der Neigungswinkel die
meisten Zusammenhänge und Erwartungen beobachtet, und erfüllt werden.

6 Quellen
Literatur
[1] http://www.e-cooling.de/de/physikalische-vorbetrachtungen.htm

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Taylor%E2%80%93Couette flow

[3] https://depositonce.tu-berlin.de/bitstream/11303/991/1/Dokument 1.pdf

[4] https://www.tvt.kit.edu/345 236.php

[5] https://www.semanticscholar.org/paper/Lecture-7-
Transition-Scenarios%3A-Normality-Vs-1.1-Mariotti-
Ritchie/3bf7ac656ae97fa1f5c7982238a6ad6083f9ada0

[6] Selbstgemachte Kopie des Bildes aus dem Vortrag TC-Versuch

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