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Seit 50 Johren:

Stalnl4lescl,ret,
qus Dinslqken

Ein halbes Iahrhundert Stahlflaschen aus Jahrhunderts Pläne anfertigen, um in Dins-


Dinslaken ! Eigentlich ein Jubiläum, das uns laken ein großes Walzwerk zu errichten. Es
alle veranlassen sollte, einmal zurück zu war als Verfeinerungswerk des Stamm-
't911. -
blicken. das war jene Zeit, als man unternehmens in Duisburg-Hamborn ge-
noch nicht an den Ausbiuch des t. Welt- dacht. Direktor Julius Kalle schuf nach einer
krieges dachte, als die Industrialisierung in langen Studienfahrt durch Amerika die
ihrem ersten Abschnitt abgeschlossen war Pläne für das Werk Dinslaken, das bald zu
und der Auf- und Ausbau einsetzte. Am 10. einem der großartigsten und modernsten
November 1961 iährte sich zum 50. Male der Walzwerke Deutschlands wurde. Am 26.
Tag, an dern die ersten im Werk Dinslaken April 7897 wurde mit dem Bau begonnen
derGewerkschaft Deutscher Kaiser (heute und schon am 31. Dezember des gleichen
Phoenix-Rheinrohr AG) gefertigten Stahl- Jahres konnten auf der inzwischen fertig-
flaschen geprüft und abgenommen wurden. gestellten Bandstahlstraße 1 die ersten Ver-
suche vorgenommen werden,
Im Zuge der von ihm angestrebten Ver-
bundwirtschaft (die Grundstoffindustrie Planmäßig ging der Aufbau weiter. Gut
sollte eng miteinander verbunden werden) ein Jahrzehnt später umfaßte das Walzwerk
Iieß August Thyssen Ende des vergangenen Dinslaken, das damals zur Gewerkschaft
Deutscher Kaiser in Duisburg-Hamborn ge-
hörte, im einzelnen folgende Betriebe:

ein Bandstahlwalzwerk mit vier Walzen-


straßen,

ein Drahtwalzwerk mit einer Walzen-


straße,

ein Kaltwalzwerk mit insgesamt 220


Walzgerüsten,

ein Röhrenwalzwerk mit drei kontinuier-


lichen und fünf Pilgerschritt-Walzwerken,

eine Stahlflaschenfabrik,

eine Stahlmastenfabrik,

eine Draht- und Drahtstiftefabrik,

Mit der Errichtung der Flaschenfabrik in


Dinslaken begann man im Frühjahr 1911.
Am 10. November, so weisen es heute noch
alte Protokolle beim technischen Uberwa-
chungsverein aus, wurden die ersten 250
DircktorJulius Kalle Flaschen mit 190 Atmosphären geprüft. Sie
waren für 10 kg-von
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Höhe
Kohlensäure bestimmt,
etw^7'15 m und einen
von rund 140 mm' Das Pro-
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;r;;; ,t-fußt" damals: Stahlflaschen aus ,-. ,". iu* (t|1*
i"nlior"" Stahlrohren für alle Sorten hoch-
*"iou""t". Gase wie- - z. B. Kohlensäure, f, tft
6aüerstoff, Wasserstoff, Stickstoff usw' AIs
soäter die beiden neuen Dinslakener Pilger-
.i."ß"r VII und VIII das Produktionspro-
eramm erweiterten, wurde auch das Arbeits-
ö.ogtumm der Flaschenfabrik umfangrei-
"1972 die
cher-. Das bedingte, daß bereits
Fabrikation vergrößert wurde.

Seit 1913 werden hier in Dinslaken Stahl-


flaschen in allen vorkommenden Größen
von 0,4 bis 400 Liter (inzwischen bis 600
Liter) Inhalt hergestellt. Bis 1929 wurden
etwa L Mil1. Stahlflaschen der verschieden-
sten Abmessungen und für die verschieden-
sten Gase in Dinslaken gefertigt. Bis zum
heutigen Tag dürfte diese Zahl bei rund
5 Mill. liegen. Es gibt sogar Flaschen, die
nunmehr fast ein halbes Iahrhundert ,,im
Dienst" sind und demzufolge - ebenso wie Obering. Wenzel Feller
die Fabrik, in der sie entstanden sind - ihr
Goldiubiläum feiern können. Flaschen aus
Dinsiaken sind in alle Welt gegangen. Sie sem Gebiet waren die mitentscheidenden Sensation tgtt: Der Zeppelin über den neuen Walzwerk
fanden in Ubersee ebenso Verwendung wie Faktoren dafür, daß sich diese Stahlfla-
bei den deutschen gaserzeugenden und schen in ständig steigendem Maße auf dem
chemischen Unternehmen. Markt behaupten konnten. Immer wieder Gase unübertroffen. Im allgemeinen kom- de,n die_Ventile eingezogen. Die mit Luft ge-
wurde versucht, durch andere Formen (2. B. men als Werkstoffe vornehmlich Kohlen- füllte Flasche wird dann unter Wasser nöch
Selbst der damalige Betriebsleiter der Kugel- oder auch Ringform) einen leichter stoffstähle in Frage. Für besondere Fälle, einmal auf Dichtigkeit geprüft. Nachdem sie
Flaschenfabrik, Obering. W. Feller, wird bei transportablen Druckbehälter zu schaffen, z.B. lür die Speicherung von hochgespann- die Endkontrollen durchlaufen hat, erhält
der Fertigstellung der ersten Flaschen nicht iedoch hat sich bis heute die Flaschenform ten Gasen, für die aus betrieblichen Grün- sie den festgelegten Anstrich. Für jede Sorte
geahnt haben, eine welch große Bedeutung nicht verdrängen lassen. Sie ist in ihrer den ein möglichst niedriges Flaschengewicht Gas ist nämlich in Deutschland eine beson-
dieser Produktionszweig im Laufe d.er Zeil Wirtschaf tlichkeit und Betriebssicherheit f ür erforderlich ist, erfolgt die Ausführung aus dere Farbe vorgesehen: Sauerstoff blau,
bekommen sollte. Der planvolle Ausbau und die Speicherung und den Transport verdich- vergüteten Sonderstählen mit hohen Festig- Azetylen gelb, alle übrigen brennbaren
die systematische Forschungsarbeit auf die- teter, verflüssigter und unter Druck gelöster keits- und Streckgrenzwerten. Es können Gase (2. B. Wasserstoff) rot, Stickstoff grün
sich dabei sogar Gewichtsersparnisse bis zu und die anderen nicht brennbarenGase (2.8.
60 Prozent ergeben. Preßluft) grau.

Den schwersten Rückschlag hat das Werk


Schauen wir uns ietzt einmal kurz die Dinslaken durch den 2. Weltkrieg erhalten.
Produktion an: Die vom Walzwerk Thyssen Es dauerte lange, ehe die Produktion wieder
oder Poensgen gelieferten Rohre werden je aufgenommen werden konnte. Die vor-
nach Material und Verwendungszweck sor- nehmlich in den letzten Kriegstagen schwer
tiert und auf entsprechende Länge geschnit- in Mitleidenschaft gezogenen Werksanla-
ten, Dann werden unter dem Gesenk Boden gen sind inzwischen längst wieder in Betrieb
und Hals geschmiedet. Nach dem Glühen und im Augenblick ist man dabei, den Er-
bzw. Vergüten kann der Halsring, der zum zeugungsweg zu rationalisieren. Kein Zwei-
Befestigen der Kappe dient, aufgezogen fel: Sowohl die Stahlflaschen aus Dinslaken
werden. Nun erhält die Flasche das Ventil- als auch die Belegschaft -.ein alter Stamm
und das Kappengewinde, dann erfolgt das - werden davon profitieren.
Aufziehen des Fußes. Nach dem Verwiegen
wird die Flasche mit der erforderlichen Prä- Unter der Leitung von Julius Kalle war
gung versehen. Dann erfolgt die amtliche Wenzel Feller Oberingenieur der Flaschen-
Druckprüfung nach den Bestimmungen der fabrik. Auf Julius Kalle folgte Heinrich
Deutschen Druckgasverordnung oder nach Esser, später Dr. Fritz Winterhoff und dann
den Bestimmungen anderer Länder. Nach Dr. Karl Simoneit, unter dessen technischer
dieser Wasserdruckprobe wird die Flasche Leitung der heutige Betrieb wieder aufge-
Ein grol3es DeutsüerKaiserim Jahre rgtt
We*: Die Gewerksüaft getrocknet und gereinigt, anschließend wer- baut wurde. Heute untersteht er dem tech-

122 723
nischen Vorstandsmitglied der Phoenix-
nti"i"ränr Äc. ot. Brändi. Auf den ersten sqt
öl"ti"g. W. reller folgte Josef Do-erper,der
W"iöi7 i^ Werk Dinslakenwar' Seit dieser 5
üilnit obering.-Wilhelm Miebachdie Be-
tri"brl"itung dej Werkes Dinslaken inne' U)

Aus der Rückschaumag interessant sein, bo


sich einmal die verschiedenen Unterneh-
mensformen,zu denen das Werk Dinslaken
sehörte,vor Augen zu führen: Bis L9L8Ge- N
werkschaft Deutscher Kaiser, Walzwerk
Dinslaken; bis 5. Iuli 1928August Thyssen-
Hütte Gewerkschaft, Walzwerk Dinslaken; s\s
bis 1.934 Vereinigte Stahlwerke, August
Thyssen-Hütte, Dinslaken; dann Deutsche
Röhrenwerke AG, Werk Thyssen, Dinsla-
keni vom 5. August L948 bis 22. luni L955
Rheinische Röhrenwerke AG, Werk Dins-
laken, und ab zg. Juni 1955, dem Tag der
Fusion, Phoenix-RheinrohrAG, Werk Dins- .9
laken. tt
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(Werkszeitschrift Phoenix-Rheinrohr)

Obering.

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Ein Bli& in die Flasüenfabrikvor dem t. Weltkrieg(etwa et2)

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