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Erster Weltkrieg 1914-1918

Der Erste Weltkrieg wurde von 1914 bis 1918 in Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Asien
geführt. Er war der bis dahin umfassendste Krieg der Geschichte. Insgesamt standen
annähernd 70 Millionen Soldaten unter Waffen. Etwa 16 Millionen Menschen ließen ihr
Leben.
Der Krieg begann nach dem Attentat von Sarajevo mit der Kriegserklärung Österreich-
Ungarns an Serbien am 28. Juli 1914. Ab August 1914 befanden sich die Mittelmächte
Deutschland und Österreich-Ungarn im Krieg gegen die verbündeten Entente-Staaten
Frankreich, Großbritannien und Russland - viele weitere Staaten traten im Laufe des Konflikts
in den Krieg ein. Der Krieg endete mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11.
November 1918, der einen Sieg der aus der Triple-Entente hervorgegangenen Kriegskoalition
bedeutete.
Der Erste Weltkrieg mit seinen endlosen Materialschlachten änderte das Bild vom Krieg. Die
Realität an der Front hatte mit Vorstellungen eines heroischen Kampfes kaum mehr etwas zu
tun. Schützengräben-Alltag und verbitterte Stellungskämpfe - wie um Verdun - dämpfte die
anfängliche Kriegsbegeisterung rasch.
Der Krieg brachte eine bis dahin weitgehend unbekannte technische Modernisierung und
Totalisierung mit sich. Die Steigerung der Gewalt im Verlauf des Krieges zum
industrialisierten Massentod, die Einbeziehung der "Heimatfront" und die Einführung immer
neuer Kriegstechnik - zum ersten Mal gab es einen Luftkrieg, einen U-Boot-Krieg und einen
Gaskrieg - prägte nachfolgende Kriege.
Aufgrund der Verwerfungen, die der Erste Weltkrieg auslöste, und wegen seiner bis in die
jüngste Vergangenheit nachwirkenden Folgen gilt er als "Urkatastrophe des 20.
Jahrhunderts".
Ursachen

Die politische und militärische Lage in Europa glich 1914 einem "Pulverfass". Ein Attentat
auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in
Sarajewo war nur der unmittelbare Anlass, der das Fass zum Überlaufen brachte und den
Ersten Weltkrieg auslöste. Was waren die tieferen Ursachen für den Krieg?
Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatten die Großmächte weite Teile Afrikas und
Asiens besetzt und zu ihrem wirtschaftlichen und politischen Einflussgebiet gemacht. Der
Imperialismus der Großmächte und ihre Konkurrenz um die "Aufteilung der Welt" hatten
schon früher zu militärischen Konflikten und zu komplizierten Bündnissystemen zwischen
den europäischen Staaten geführt. Anfangs des 20. Jahrhunderts sah sich Deutschland infolge
einiger diplomatischer Versäumnisse einem gefährlichen Bündnis von England, Frankreich
und Russland gegenüber. Dieser "Entente" stand der Dreibund mit Deutschland, Österreich-
Ungarn und Italien gegenüber. Den schwindenden Einfluss des Osmanischen Reiches auf dem
Balkan hatte Österreich-Ungarn genutzt und 1908 Bosnien und die Herzegowina in seine
Territorium eingegliedert. Auch Russland verfolgte auf dem Balkan eigene Interessen und
geriet dabei in einen Konflikt mit Österreich. Dazu gehörte der Versuch, die Meerengen des
Bosporus und der Dardanellen zu beherrschen und so einen Zugang zum Mittelmeer zu
gewinnen.

Der Kriegsverlauf 1914

Die Kriegshandlungen begannen am 2. August 1914 ohne offizielle Kriegserklärung


mit der Besetzung Luxemburgs durch deutsche Truppen. Anschließend rückte der rechte
Flügel der deutschen Armee am 3./4. August in das neutrale Belgien ein. Trotz des
unerwartet starken Widerstands wurde die Festung Lüttich genommen.

Gemäß dem ebenfalls offensiv ausgerichteten französischen Aufmarschplan


konzentrierten die Franzosen ihre Angriffe auf Elsaß-Lothringen. In der Schlacht bei
Mülhausen (19. August) sowie in den Schlachten in den Vogesen und in Lothringen (20.
bis 22. August) wurden die ersten Offensiven der französischen Armeen abgewehrt. In
den großen Grenzschlachten kam die französische Offensive zum Erliegen. Die deutschen
Armeen erzielten wichtige Durchbrüche. Das bei Mons geschlagene britische
Expeditionskorps musste sich Richtung Kanalküste zurückziehen.

Die große Offensive der fünf deutschen Armeen hatte am 18. August begonnen und
verlief weitestgehend planmäßig. Trotz erheblicher Verluste in den verschiedenen
Gefechten erreichten die deutschen Truppen am 30. August die Marne. Angesichts der
wenig später nur noch 60 Kilometer vor Paris stehenden Spitzen der 1. deutschen Armee
floh die französische Regierung am 3. September aus dem bedrohten Paris nach
Bordeaux. Doch dem deutschen Heer gelang kein entscheidender Sieg. Die Kampfkraft
der Truppen der Entente war trotz ihrer Niederlagen nicht entscheidend geschwächt.

Vor Paris bildete der französische Befehlshaber Joseph Joffre eilends eine neue Armee
und befahl den Gegenangriff auf der ganzen Linie zwischen Paris und Verdun. In
dieser Schlacht an der Marne (5. bis 12. September) machte sich der Kräfteverschleiß
der deutschen Offensive bemerkbar. Zudem mangelte es an den nötigen Reserven. Der
deutsche Generalstabschef Helmuth von Moltke beurteilte die Lage seiner Truppen
überaus skeptisch und gab den Befehl zum Rückzug. Damit war die Dynamik der
deutschen Offensive gebrochen, der Schlieffen-Plan war gescheitert. An Stelle des
resignierten Moltke übernahm Kriegsminister Erich von Falkenhayn am 14. September
1914 den militärischen Oberbefehl.

Die Durchbruchsversuche der Franzosen und Engländer im Anschluss an die


Marneschlacht scheiterten an der sich festigenden deutschen Front. Leichte Vorteile
konnten die deutschen Truppen dann in den Kämpfen bei Verdun (22. bis 25.
September) erzielen. In Belgien nahmen sie Antwerpen, Gent, Brügge und Ostende ein.
Mitte Oktober befand sich Belgien fast vollständig in deutscher Hand und wurde unter
Militärverwaltung gestellt.

Beim "Wettlauf zum Meer" gelang es den deutschen Truppen aber nicht, die wichtigen
Kanalhäfen an der französischen Küste zu erobern. Den deutschen Vormarsch brachte
heftige Gegenwehr von Engländern und Franzosen am Yserkanal und vor Ypern zum
Stehen. Doch auch den Alliierten gelang hier weder eine Umfassungsbewegung noch ein
entscheidender Durchbruch. Im Westen erstarrte der Krieg zum Stellungskrieg. Von der
Kanalküste bis zu den Vogesen hielten beide Seiten ihre Stellungen und bauten sie zu
starken Defensivbollwerken aus. Die Erstürmung dieser verschanzten Bollwerke war
nahezu unmöglich. So mähte das heftige Maschinengewehrfeuer von einer befestigten
Anhöhe in der Schlacht bei Langemarck (10. November) Hunderte von jungen
Kriegsfreiwilligen beim Versuch der Erstürmung nieder.

Auch im Osten entwickelte sich das Kampfgeschehen anders als von der Obersten
Heeresleitung (OHL) erwartet. Weit früher als angenommen hatte Russland seine
Truppen mobilisiert. Am nördlichen Frontabschnitt standen der in Ostpreußen
stationierten 8. Armee zwei russische Armeen gegenüber, und am südlichen
Frontabschnitt mit dem Schwerpunkt Galizien sahen die vier österreich-ungarischen
Armeen sich ebenfalls mit einem zahlenmäßig deutlich überlegenen Gegner konfrontiert.

Die erste Schlacht im Osten verlief aus deutscher Sicht ausgesprochen negativ. Aus
Furcht vor einer Umklammerung brach der Oberbefehlshaber der 8. Armee die Schlacht
von Gumbinnen (19./20. August) ab und zog sich mit seinen Einheiten aus Ostpreußen
hinter die Weichsel zurück. Damit war die ostpreußische Bevölkerung dem russischen
Einfall preisgegeben. Die OHL missbilligte diesen Rückzug und ernannte den
reaktivierten Paul von Hindenburg zum neuen Oberbefehlshaber der 8. Armee. Ihm zur
Seite gestellt wurde Erich Ludendorff, der sich bei der Einnahme Lüttichs
ausgezeichnet hatte. Mit zahlenmäßig unterlegenen Kräften gelang ihnen in der Schlacht
bei Tannenberg (26. bis 30. August) die Einschließung der 2. russischen Armee, die
vernichtend geschlagen wurde. Rund 92.000 russische Soldaten gerieten in
Kriegsgefangenschaft. Zwei Wochen später wurde die 1. russische Armee in der Schlacht
an den Masurischen Seen (8. bis 15. September) ebenfalls vernichtend geschlagen. Damit
war die unmittelbare Gefahr für Ostpreußen zunächst beseitigt. Um Hindenburg als "Held
von Tannenberg" entwickelte sich ein beispielloser Kult.

Doch trotz dieser Erfolge im Osten entsprach die militärische Lage nicht den deutschen
Planungen, die von einem schnellen Sieg über Frankreich ausgegangen waren. Aufgrund
der erstarrten Fronten im Westen rückte die Nachschub- und Versorgungsfrage in den
Mittelpunkt der strategischen Überlegungen.

Obwohl die deutschen Truppen tief im Land des Gegners standen und wichtige
Industriegebiete besetzt hielten, war die Lage für die Alliierten auf längere Sicht
günstiger: England erklärte die von seiner Flotte kontrollierte Nordsee zum Kriegsgebiet
und errichtete eine auf der Linie von den Shetland-Inseln nach Norwegen verlaufende
Seeblockade gegen die Mittelmächte. Diese Fernblockade war dem Angriff der deutschen
Flotte entzogen. Während die Mittelmächte von lebenswichtigen Rohstoff- und
Nahrungsmittelzufuhren abgeschnitten waren, konnten die Entente-Staaten sich auf den
immer stärker anwachsenden Nachschub aus den USA stützen.

Die mit großem Propagandaaufwand und starkem antienglischem Akzent aufgerüstete


deutsche Hochseeflotte blieb im gesamten Kriegsverlauf der britischen Flotte unterlegen.
Sie konnte weder die Seeblockade aufheben noch konnte sie die alliierten
Versorgungsverbindungen nachhaltig stören. Das einzige größere Zusammentreffen der
beiden Flotten in der Seeschlacht am Skagerrak (31. Mai bis 1. Juni 1916) endete mit
Verlusten für beide Seiten. Danach vermied die britische Flotte jegliche direkte
Konfrontation mit größeren deutschen Verbänden. Die deutsche Flotte ihrerseits war
wiederum nicht stark genug, um ihrem britischen Kontrahenten ein Gefecht
aufzuzwingen. Deshalb konzentrierte sich die deutsche Seekriegsleitung im wesentlichen
auf den Einsatz von Minen und U-Booten.

Die in Übersee operierenden deutschen Flottenverbände wurden von der Entente


größtenteils versenkt. Ohne Nachschub und militärischen Schutz gingen die meisten
Kolonien wie Deutsch-Südwestalfrika schnell verloren. Einzig die "Schutztruppe" in
Deutsch-Ostafrika leistete bis 1918 erbitterten Widerstand.

Einziger Erfolg der deutschen Flotte blieb die Sperrung der russischen Flotte in der
Ostsee. Zum Schutz vor Angriffen deutscher U-Boote führten die Alliierten jedoch bald
Geleitzüge ein und bestückten zudem ihre Handelsschiffe mit Kanonen. Trotz der vielen
Meldungen über die Versenkung gegnerischer Kriegs- und Handelsschiffe war die
deutsche U-Boot-Flotte zu schwach, um die alliierten Nachschubverbindungen dauerhaft
zu unterbrechen.

Der Kriegsverlauf 1915

Auch das Jahr 1915 brachte keine militärische Entscheidung, obwohl der verbissen
geführte Kampf die Zahl der Gefallenen in die Millionen trieb. Die mit immer stärkerem
Artilleriefeuer geführten Schlachten machten ganze Landstriche zu unbelebten,
unwirtlichen Kraterlandschaften.

Das Kriegsjahr begann mit der Winterschlacht in der Champagne (16. Februar bis 20.
März), in der es den Deutschen gelang, französische Durchbruchsversuche abzuwehren.
Eine kaum noch für möglich gehaltene Steigerung des qualvollen Sterbens der Soldaten
brachte der Einsatz von Giftgas, das die deutsche Armee erstmals in der
zweiten Schlacht bei Ypern (22. April bis 25. Mai) einsetzte. Die Zahl der gefallenen
Soldaten erhöhte sich nochmals dramatisch, als im Zuge der "großen Offensive" der
Franzosen die Herbstschlacht in der Champagne (22. September bis 6. November) als
erste große Materialschlacht geführt wurde.

Da die militärischen und wirtschaftlichen Kräfte der Mittelmächte einem


Zweifrontenkrieg über keinen längeren Zeitraum gewachsen waren, versuchte die
deutsche Kriegsleitung nun, Russland mit einem Offensivschlag niederzuwerfen. Mit der
siegreichen Winterschlacht in Masuren gelang es den Deutschen, die russische Armee aus
Ostpreußen zu vertreiben. Nach wechselhaften Kämpfen wehrten deutsche und
österreich-ungarische Truppen in der Winterschlacht in den Karpaten (Dezember 1914 bis
April 1915) einen drohenden Einfall russischer Truppen über die Karpaten nach Ungarn
ab. In der anschließenden Durchbruchsschlacht von Gorlice-Tarnów (1. bis 3. Mai)
gelang unter dem Generaloberst August von Mackensen ein überraschender Durchbruch
durch die westgalizische Front der Russen. Nach einer Reihe weiterer Erfolge begann am
1. Juli eine große Offensive der Mittelmächte, die u.a. zur Einnahme von Warschau,
Brest-Litowsk, Grodno und Wilna führte. Die deutschen Truppen drangen bis über die
Pripet-Sümpfe vor. Die ebenfalls vorrückenden österreich-ungarischen Truppen wurden
in Ostgalizien durch eine starke russische Gegenoffensive in der Schlacht bei Tarnopol
(6. bis 19. September) gestoppt. Die anschließenden Durchbruchsversuche der Russen
blieben jedoch erfolglos. Nach der Neujahrsschlacht (Mitte Dezember 1915 bis Mitte
Januar 1916) erstarrte auch der Krieg im Osten immer mehr zum Stellungskrieg.

Die neue Südfront nach dem Kriegseintritt Italiens erwies sich ebenfalls als starr. Am
Isonzo nördlich von Triest standen sich italienische und österreich-ungarische Truppen
auch nach zahlreichen Gefechten in fast unveränderten Positionen gegenüber. Durch den
alliierten Angriff auf die Dardanellen und den Kriegseintritt Bulgariens an der Seite der
Mittelmächte konzentrierte sich das Kriegsgeschehen in der zweiten Jahreshälfte 1915
zunehmend auf den Balkan. Die Mittelmächte eroberten bis Jahresende Serbien,
Montenegro und Albanien und stellten so die wichtige Landverbindung zur verbündeten
Türkei her. Als Reaktion darauf besetzte die Entente das bis dahin neutrale Griechenland
und nahm dort die Reste der serbischen Armee auf.

Der Kriegsverlauf 1916

Sowohl die Mittelmächte als auch die Entente suchten 1916 erneut die Entscheidung im
Westen. Der deutsche Oberbefehlshaber Falkenhayn lehnte die von Hindenburg und
Ludendorff gewünschte Entscheidungsoffensive im Osten ab und baute auf einen Sieg an
der französischen Front in Verbindung mit dem U-Boot-Krieg. Sein französischer
Gegenspieler Joffre versprach sich den Sieg von einer großen Offensive an der Somme.

Mit einer von enormem Artillerieeinsatz unterstützten Großoffensive begann am 22.


Februar 1916 der deutsche Angriff auf die Festungsanlage von Verdun , den Eckpfeiler
der französischen Front. Mit riesigem Materialeinsatz wollte Falkenhayn die Franzosen
zum "Ausbluten" bringen. Doch trotz unbeschreiblich hoher Verluste hielten die größten
Teile der französischen Festungsanlage unter dem Befehl von Henri Philippe Pétain den
viermonatigen Angriffen stand. Beide Seiten verloren bei den Kämpfen um Verdun
zusammen über 700.000 Mann.

Durch den deutschen Angriff auf Verdun wurden dort zwar erhebliche französische
Kräfte gebunden, trotzdem konnten die Alliierten 104 Divisionen in die Schlacht an der
Somme (24. Juni bis 26. November) werfen. In dieser über fünf Monate lang tobenden
Schlacht waren die Verluste mit mehr als 500.000 deutschen, rund 200.000 französischen
und über 500.000 britischen Soldaten erheblich. Den Alliierten war jedoch nicht mehr als
ein Geländegewinn von 40 Kilometern Breite und 12 Kilometern Tiefe gelungen. Der
Krieg entwickelte sich zum "Abnutzungskrieg" - von Menschen und Material. Den hohen
Zahlen an Verlusten standen nur kurzfristig kleine Geländegewinne gegenüber. So gingen
die von den Deutschen eroberten Teile des Befestigungswerks von Verdun nach
erfolgreichen französischen Angriffen zwischen dem 24. Oktober und 16. Dezember
wieder verloren.

Auch im Osten gab es 1916 trotz erheblicher Verluste an Soldaten keine


Kriegsentscheidung. Im Frühjahr konnten die Mittelmächte mehrere kleinere russische
Durchbruchsversuche abwehren. Mit der ersten Brussilow-Offensive (Anfang Juni bis
Anfang September) zur Entlastung der Alliierten bei Verdun und an der Somme gelang
den Russen nicht nur die Rückeroberung wichtiger Eisenbahnknotenpunkte in Wolhynien
und Galizien, sondern sie drängten nach mehreren Durchbrüchen auch die österreich-
ungarischen Truppen weit zurück. Die zweite Offensive unter General Brussilow hatte
den Durchbruch nach Ungarn zum Ziel, wurde jedoch in den Karpaten abgewehrt. Auch
die dritte Brussilow-Offensive (Mitte Oktober bis Mitte Dezember) zur Entlastung des
rumänischen Bündnispartners blieb ohne nennenswerten Erfolg. Nach den drei
Brussilow-Offensiven mit weit über einer Million Mann an Verlusten war die russische
Kampfkraft erschöpft, die Truppen waren demoralisiert. Der Frontverlauf im Osten
veränderte sich bis zum Ausbruch der russischen Februarrevolution nur wenig.
Demgegenüber konnten die Mittelmächte bei ihrem gemeinsamen Feldzug gegen
Rumänien einen erfolgreichen Bewegungskrieg führen: Am 6. Dezember 1916 wurde
Bukarest erobert, bis Jahresende war der größte Teil Rumäniens mit den Erdölgebieten in
der Hand der Mittelmächte.

Zu den fragwürdigen "Kriegslisten" Ludendorffs zählte die Gründung eines


unabhängigen polnischen Staats, die in der Hoffnung auf Unterstützung durch polnische
Truppen am 5. November durch eine gemeinsame Proklamation des deutschen
Kaisers Wilhelm II. und des österreich-ungarischen Kaisers Franz Joseph I. vollzogen
wurde.

Noch während der ersten russischen Offensive wurde der Generalfeldmarschall Paul von
Hindenburg am 26. August zum Chef des Generalstabs des Feldheers ernannt, der
Generalleutnant Erich Ludendorff wurde erster Generalquartiermeister. Beide zusammen
bildeten die 3. OHL, die im weiteren Kriegsverlauf in einem nicht unerheblichen Maß in
die deutsche Innenpolitik eingriff. Die Totalität des ersten Massenkriegs schlug voll auf
die "Heimatfront" durch.

Angesichts der Erfolglosigkeit der französischen Kriegführung ging der Oberbefehl des
französischen Heers von General Joffre am 3. Dezember auf Georges Robert Nivelle
(1858-1924) über.

Der Kriegsverlauf 1917

Die militärische Entwicklung wurde 1917 durch zwei Ereignisse maßgeblich beeinflusst:
Zum einen brach in Russland die Februarrevolution aus, die zu einer erheblichen
Schwächung der russischen Kampfkraft führte; zum anderen verschlechterte der
Kriegseintritt der Vereinigten Staaten die Aussichten der Mittelmächte auf einen
militärischen Erfolg dramatisch. Unter Aufbietung aller verfügbaren Kräfte wollten die
Mittelmächte nun die militärische Entscheidung noch vor dem Eintreffen der ersten
amerikanischen Soldaten in Frankreich erzwingen.

Um die eigenen Verluste bei der Abwehr gegnerischer Durchbruchsversuche möglichst


gering zu halten, wurde die deutsche Front im Westen zwischen Arras und Soissons seit
Ende Februar auf das befestigte Verteidigungssystem der "Siegfriedstellung"
zurückgenommen. An dieser Verteidigungslinie scheiterte während
der Frühjahrsoffensive ein Durchbruchsversuch der Engländer in der Schlacht bei Arras
(2. April bis 20. Mai) ebenso wie die Durchbruchsversuche der Franzosen in der
Doppelschlacht an der Aisne und in der Champagne (6. April bis 27. Mai).

Die Erfolglosigkeit ihrer Angriffe und die extrem hohen Verluste verstärkten im
französischen Heer die Unzufriedenheit und führten zu zahlreichen offenen Meutereien
gegen den Oberkommandieren Nivelle, dessen rücksichtsloser Einsatz von Soldaten als
"Schlachtmaterial" ihm den Namen "Blutsäufer" einbrachte. Mitte Mai wurde Nivelle von
Pétain als Oberkommandierender abgelöst. Pétain setzte auf eine defensive Kriegführung
und griff gegen die Meuterei hart durch. Zugleich reagierte die französische Regierung
mit zahlreichen Verhaftungen auf die pazifistische und sozialistische Agitation innerhalb
und außerhalb der Armee.

Auch die anhaltenden Versuche der Engländer, den unter extrem hohen Opfern geführten
Grabenkampf zu durchbrechen, scheiterten bei ihren Offensiven im Artois (28. April bis
20. Mai) sowie bei ihren Durchbruchsversuchen in Flandern (27. Mai bis 3. Dezember),
die auf den deutschen U-Boot-Stützpunkt Zeebrugge zielten. Die "Technisierung des
Krieges" setzte sich mit dem Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen zur Durchbrechung der
gegnerischen Stellungen fort: Als die Engländer in der Schlacht von Cambrai (20.
November) erstmals ihre Tanks einsetzten, lösten sie damit bei den deutschen
Fronttruppen zunächst einen Schock aus. Auf den Einsatz der Tanks reagierte die
deutsche Heeresführung mit einer elastischeren Kriegführung und der taktischen Aufgabe
von vorgeschobenen Stellungen.

Während der Krieg im Westen 1917 als verbissener und opferreicher Grabenkampf
geführt wurde, wirkte sich die russische Februarrevolution immer lähmender auf den
Kriegsverlauf aus. Nachdem russische Druchbruchsversuche unter Brussilow nach
anfänglichen Erfolgen gescheitert waren, gingen die Mittelmächte seit dem 19. Juli in
Ostgalizien zur Gegenoffensive über. Fast ganz Galizien und die Bukowina wurden
zurückerobert. Am 3. September fiel Riga in deutsche Hand, und im Oktober nahmen
deutsche Verbände die Inseln Ösel und Dagö vor der liv- und estländischen Küste ein. Da
die russische Armee kaum noch handlungsfähig war, schlug Leo D. Trotzki als
Volkskommissar des Äußeren nach der Oktoberrevolution allen kriegführenden Staaten
eine Friedenskonferenz vor. Während die Entente-Staaten, die sich im Vertrag zu London
vom September 1914 verpflichtet hatten, keinen Separatfrieden zu schließen,
Waffenstillstandsverhandlungen ablehnten, erklärten sich die Mittelmächte zu
entsprechenden Verhandlungen bereit. Am 15. Dezember wurde ein Waffenstillstand
zwischen Deutschland und Russland abgeschlossen, und am 22. Dezember begannen
zwischen beiden Ländern die Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk.

Erfolgreich für die Mittelmächte verlief das Kriegsjahr 1917 im Süden. Nachdem den
Italienern dort in der 10. und 11. Isonzoschlacht (Mai bis September) leichte
Geländegewinne gelangen, konnten die Mittelmächte Ende Oktober am oberen Isonzo
den Durchbruch zur Piave erzwingen, wo sie auf englische und französische
Hilfstruppen stießen. Rund 275.000 Italiener gerieten in Gefangenschaft.
Massendesertionen offenbarten die Kriegsmüdigkeit des italienischen Heeres.

Der Kriegsverlauf 1918

Schon als der mit aktiver Unterstützung der OHL aus seinem Schweizer Exil nach
Russland zurückgekehrte Wladimir I. Lenin im Zuge der siegreichen Oktoberrevolution
die Diktatur der Arbeiter-, Bauern- und Soldatenräte verkündete, war das Ausscheiden
Russlands aus der Entente absehbar. Um das System der Räte (russisch: Sowjets)
durchzusetzen und gegenrevolutionäre Kräfte niederzuwerfen, akzeptierte Lenin
schließlich die Unterzeichnung des von der OHL mit diktatorischer Härte
durchgesetzten Friedensvertrags von Brest-Litowsk. Mit dem am 3. März
unterzeichneten Vertrag anerkannte Russland zwar die Unabhängigkeit von Finnland,
Estland, Livland, Kurland, Litauen, Polen, von der Ukraine, Georgien sowie
verschiedener kaukasischer Gebiete, doch um die Ausbreitung bolschewistischer
Strömungen in diesen nun selbständigen Ländern zu verhindern, musste die OHL vor
allem in Finnland, im Baltikum und in der Ukraine Truppen zur Niederwerfung
bolschewistischer Revolutionsversuche einsetzen. So konnten trotz des Friedensvertrags
mit Russland die deutschen Truppen in Frankreich nicht nennenswert verstärkt werden.

Nach der Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte für den Entscheidungskampf im


Westen verfügten die 200 deutschen Divisionen in Frankreich über 3,5 Millionen
Soldaten und waren damit der französisch-englischen Streitmacht numerisch nahezu
ebenbürtig. Um die militärische Entscheidung noch vor dem Eintreffen der
amerikanischen Truppen zu erzwingen, begann am 21. März mit massiver Artillerie- und
Fliegerunterstützung die deutsche Großoffensive in der Picardie mit mehr als 70
Divisionen auf einer Breite von 70 Kilometern. Ziel der Offensive war die Trennung der
englischen Truppen von ihren französischen Verbündeten und deren Zurückdrängung bis
an den Kanal.

Nach erfolgreichen Durchbrüchen von 60 Kilometern Tiefe waren zwei der drei
deutschen Armeen nach einer Woche so erschöpft, dass sie trotz der Gefangennahme von
90.000 Engländern die Schließung der gegnerischen Front nicht verhindern konnten. Auf
deutscher Seite fehlten nicht nur frische Reservetruppen, sondern nun machten sich die
mangelhafte Motorisierung der deutschen Artillerie sowie das Fehlen einer
schlagkräftigen Panzerwaffe äußerst nachteilig bemerkbar.

Auch die zweite deutsche Offensive südlich von Ypern (9. bis 29. April) brachte einen
großen Geländegewinn und die Erstürmung des Kemmelbergs. Doch wiederum konnte
der anfängliche Erfolg wegen fehlender Reserven nicht operativ genutzt werden. In der
dritten Offensive zwischen Soissons und Reims (27. Mai bis 3. Juni) wurde der Chemin
des Dames gestürmt. Die deutschen Truppen konnten über die Aisne bis an die Marne
vordringen, bevor den Franzosen die Stabilisierung ihrer Front gelang. Während die
vierte deutsche Offensive zwischen Montdidier und Noyon (9. bis 14. Juni) noch einen
Geländegewinn und eine große Beute an gegnerischen Geschützen brachte, brach die
fünfte Offensive an der Marne und in der Champagne (15. bis 17. Juli) schon kurz nach
ihren äußerst geringen Anfangserfolgen zusammen.

Am 18. Juli begann die alliierte Gegenoffensive unter General Ferdinand Foch, der
angesichts der Erfolge der ersten deutschen Offensive in der Picardie zum
Oberbefehlshaber aller alliierten Truppen in Frankreich und Belgien ernannt worden war.
Die alliierte Gegenoffensive (18. Juli bis 3. August) zwischen Reims und Soissons wurde
infolge des Eintreffens der Amerikaner mit deutlichem Übergewicht an Truppen und
Material gegen einen erschöpften Gegner geführt, dem nur noch der Rückzug blieb.

Das Ende kam mit der Schlacht bei Amiens (8. bis 11. August). Hier setzten die
Alliierten 450 Tanks ein, mit denen ihnen am 8. August ein so tiefer Durchbruch gelang,
dass Ludendorff vom "schwarzen Tag des deutschen Heeres" sprach. Die deutsche
Widerstandskraft war gebrochen.
Unter pausenlosen Angriffen der Alliierten wurden die deutschen Truppen Anfang
September in ihre Ausgangsstellungen zurückverlegt. Ohne über eigene Tanks zu
verfügen, war an eine weitere deutsche Offensive nicht zu denken. Gewinnen konnten die
Mittelmächte den Krieg nicht mehr. Aber sie hielten ihre Stellungen bis November gegen
einen immer stärker werdenden Gegner. Nur das flandrische Küstengebiet fiel Mitte
Oktober an die Engländer.

Am 11. November fand die Unterzeichnung des Waffenstillstands statt. Noch am


selben Tag schwiegen die Waffen.
Karten

Erster Weltkrieg – beteiligte Staaten: Entente und Alliierte (Grün)/ Mittelmächte (Orange)/ Neutrale (Grau)

1914
1915

1916
1917

1918