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Konstruktionselemente

Kapitel 4: Kleben

Prof. Dr.-Ing. Andreas Ettemeyer


Dipl.-Ing. Otto Olbrich

Fachhochschule München
Fachbereich 06 – Feinwerk- und Mikrotechnik

Version 3.02 vom 12.02.2007


Konstruktion - 4.2 - Kapitel 04 - Kleben

Inhalt
4 Kleben ...................................................................................................................................3
4.1 Haftmechanismus ...........................................................................................................3
4.2 Physikalisch abbindende Klebstoffe ...............................................................................4
4.2.1 Lösungsmittelkleber .................................................................................................5
4.2.2 Dispersionskleber (Leim) .........................................................................................5
4.2.3 Kontaktklebstoffe......................................................................................................5
4.2.4 Polyurethankleber ....................................................................................................6
4.2.4 Klebebänder dauerklebrig, ein- und zweiseitig klebend...........................................6
4.2.5 Klebstreifen; durch Anfeuchten reaktivierbar ...........................................................7
4.2.6 Plastisole..................................................................................................................7
4.2.7 Schmelzklebstoffe ....................................................................................................7
4.3 Chemisch abbindende Klebstoffe (Reaktionsklebstoffe) ................................................8
4.3.1 Epoxidharzkleber .....................................................................................................9
4.3.2 Methylmetacrylat-Kleber ........................................................................................10
4.3.3 Cyanacrylatkleber (Sekundenkleber) .....................................................................10
4.3.4 Anaerobe Kleber ....................................................................................................11
4.3.5 Silikonkleber...........................................................................................................11
4.3.6 Spezialkleber..........................................................................................................11
4.4 Oberflächenvorbereitung: .............................................................................................12
4.5 Gestaltung von Klebeverbindungen..............................................................................13
4.6 Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz....................................................................16
4.7 Berechnung von Klebeverbindungen............................................................................16

Ettemeyer, Olbrich, Fachhochschule München V 3.02


Konstruktion - 4.3 - Kapitel 04 - Kleben

4 Kleben
Kleben ist eine feste Verbindung von Teilen durch einen (meist) synthetischen Werkstoff, der
durch physikalische Abbindung oder chem. Reaktion verfestigt wird und die Teile infolge
Oberflächenhaftung (Adhäsion) sowie zwischen- und innermolekularer Kräfte (Kohäsion)
verbindet.

4.1 Haftmechanismus
Adhäsion = Aneinanderhaften der Moleküle im Grenzflächenbereich zweier
verschiedener Werkstoffe
Kohäsion = innerer Zusammenhalt der Moleküle eines Stoffes

Kräfte in einer Klebverbindung an einer


Adhäsion und Kohäsion an einem bearbeiteten Oberfläche (Adhäsion und
Flüssigkeitstropfen Kohäsion)
Abhängigkeit der Klebverbindung von Adhäsion:
Ö Haftung an der Fläche durch molekulare Anziehungskräfte, wie
1. Mikromechanische Verzahnung in der Oberflächenrauheit
2. Chemiesorption auch bei Metallen
3. Polare Bindung durch Dipole
4. Diffusion bei Kunststoffen
Damit 2. – 4. wirken, müssen die Moleküle sehr nah an die Oberfläche herankommen
(1 nm) und sich ausrichten können. Dafür ist die flüssige Phase erforderlich
Die mechanische Verankerung des Klebstoffs an der Oberfläche hat nur geringe
Bedeutung. Eine feine Aufrauung ist dennoch von Vorteil.
Sehr saubere Oberflächen, gute Vorbereitung erforderlich
Ö Zwischenmolekulare Anziehungskräfte und Verklammerung der Polymermoleküle =
innere Festigkeit
Ö Klebstoffdicke hat wesentlichen Einfluss auf die Festigkeit, weil z.B. eine zu dünne
Klebstoffdicke Wärmedehnungen nicht ausgleichen oder Spannungsspitzen nicht
durch Fließen abbauen kann. Eine zu dicke Klebstoffschicht neigt zum Kriechen.
Ö Die Festigkeit des Klebstoffes ist viel geringer als die von Metallen. Beim Schweißen
und Löten kommt die Festigkeit der des Grundwerkstoffes nahe.

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Konstruktion - 4.4 - Kapitel 04 - Kleben

Vorteile: Nachteile
- Fügen verschiedenartiger Werkstoffe - Sehr sorgfältige Vorbereitung nötig
- Kein Wärmeeintrag (wenig Verzug) - Stumpfstöße nicht möglich
- Keine ungünstige Beeinflussung der - Geringe Schälfestigkeit
Werkstoffeigenschaften
- Geringe Warmfestigkeit
- Gas- und flüssigkeitsdicht, Isolierend
- Teilweise lange Wartezeiten zum
- Keine Querschnittsschwächungen Abbinden
- Leicht - Kriechneigung der Verbindung
- Gute Schwingfestigkeit - Nachträgliches Zurichten nicht mehr
möglich
- Auch dünne Folien verbindbar
- Schlecht prüfbar
- Großflächige Verbindung

4.2 Physikalisch abbindende Klebstoffe

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Konstruktion - 4.5 - Kapitel 04 - Kleben

4.2.1 Lösungsmittelkleber
- Klebstoff ist in Lösungsmittel gelöst
- flüchtige Lösungsmittel entweichen während des Klebens
- Polymere sind bereits in ihrem molekularen Endzustand.
- Lösungsmittel ist lediglich Verarbeitungshilfe und wird kein Bestandteil der
Kleberschicht.
- Lösungsmittel muss verdunsten können Æ poröse Materialien (Papier, Holz,
Keramik).
- Hauptsächlich nichtindustrielle Anwendungen
- Beispiele:
ƒ UHU (Lösungsmittelklebstoff)
- Vorteil:
ƒ einfach handhabbar
ƒ kein Mischen
- Nachteil:
ƒ Geringere Festigkeit als chem. abbindende Klebstoffe
ƒ Lösungsmittel zersetzt manche Werkstoffe

4.2.2 Dispersionskleber (Leim)


(aus der Tradition her meist Leim genannt)
- Basismonomere werden in Wasser emulgiert und dann polymerisiert
- Polymerisat ist im Kleber als feste Bestandteile mit bis zu 1µm Größe zu 50 – 60%
vorhanden
- Bei Verdunsten des Wassers entsteht ein immer dichterer Kontakt der Partikel der
dispersen Phase untereinander und mit der Fügeteiloberfläche
- Es kommt zur Vernetzung der Kettenmoleküle und zur Ausbildung der Haftkraft
- Ausgehärteter Kleber ist von Wasser nicht mehr lösbar.
- Die Beständigkeit gegen Wasser und Lösungsmittel ist unterschiedlich gut je nach
Kleberart.
- Beispiel: Ponal Holzleim von Henkel

Vorteile von Wasser als Dispersionsmittel:


- nicht toxisch, nicht brennbar, billig.

4.2.3 Kontaktklebstoffe
- Klebstoff ist in Lösungsmittel gelöst
- Klebstoff auf beide Fügeflächen auftragen
- Nach kurzem Ablüften (ca. 15 min bei Raumtemperatur) Teile kurz fest anpressen
- flüchtige Lösungs- oder Dispersionsmittel entweichen vor dem Kleben
- Abbindevorgang ist rein physikalisch, daher kein Aushärten der Klebefuge

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Konstruktion - 4.6 - Kapitel 04 - Kleben

- Beispiele:
Pattex (Henkel)
Technicoll 8050 (Beiersdorf)
Bostik 1777 (heißaushärtend für Verklebung von Bremsbelägen)
Vorteil: Nachteil:
- Einfach handhabbar - Nach dem Fügen keine Justierung mehr
möglich
- Kein Mischen
- Kriechneigung
- Gut für großflächige Verbindungen

4.2.4 Polyurethankleber
- Sehr gute Haftungseigenschaften, auch auf vielen Kunststoffen.
- Eigenschaften in weiten Bereich variierbar, z.B. Beständigkeit gegenüber
Lösungsmitteln, Weichmacher, Ölen, Wasser.
- Festigkeit bei harten Typen vergleichbar mit Epoxidharzklebern.
- Reißdehnung von 3 bis 400% variierbar
- Können auch bei Tieftemperatur flexibel sein.
- Warmhärtbar bis 100°C.
- Beispiel:
Beiersdorf technicoll,
3M Scotch-Weld 3532B/A,
Henkel Ponal Flächenkleber.
- Anwendung: Allzweckkleber, Sandwich aus PU-Schaumstoffkern + GFK oder Metall-
oder Duroplast-Deckplatten z.B. Wohnwagenbau, Verkleben von Schaumstoffen,
Parkett.

4.2.4 Klebebänder dauerklebrig, ein- und zweiseitig klebend


- Auf Träger befindliche, oft wiederabziehbare, lösungsmittelfreie Klebschicht.
- Nicht vernetzte, hochviskose Pasten, die permanent klebrig bleiben und eine gute
Adhäsion zum Klebepartner haben.
- Durch Andrücken bewirken sie ein Benetzen der Fügeteile (engl. PSA = Pressure
Sensitive Adhesive).
- Vielfach wieder abziehbar ohne Zerstörung oder wesentliche Rückstände auf der
Fügeteiloberfläche.
- Neigung zum Kriechen (Angeklebte Teile rutschen runter).
- Häufig doppelseitig beschichtete Klebebänder mit Schaumstoffträger zum Ausgleich
von Unebenheiten bis ca. 1/4 Schaumstoffdicke und für elastische Lagerung -wichtig
bei unterschiedlichen Wärmedehnungen oder für Schwingungsdämpfung.

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Konstruktion - 4.7 - Kapitel 04 - Kleben

- Beispiele:
Scotch von 3M;
Tesa von Beiersdorf.
- Anwendung: Kabelschellen, Reklame, Verpackung, Elektromotorenwicklung,
Leiterplattenfertigung, endlos machen von Folienbahnen, z.B. Papier, Einkleben von
Spiegeln in Möbel.

4.2.5 Klebstreifen; durch Anfeuchten reaktivierbar

4.2.6 Plastisole
- Polymerkügelchen sind in einer flüssigen Phase mit Weichmachern, Füllstoffen und
Haftvermittlern verteilt
- Nach der Applikation erfolgt die Wärmezufuhr
- Plastisol geliert bei Temperaturen zwischen 140 und 200°C ab
- Anwendung im Automobil-Bau als Nahtabdichtung oder Unterbodenschutz
- Kein Lösungsmittel
- Geringe Festigkeit, hohe Elastizität
- Eher Dichtstoff als Klebstoff

4.2.7 Schmelzklebstoffe
- thermoplastische polymere Verbindungen
- werden im geschmolzenen Zustand aufgetragen (meist zwischen 120 und 200°C
- unmittelbar nach Abkühlen voll belastbar
- Achtung: beide Fügeflächen müssen gleichzeitig angewärmt werden, da sich sonst
die Adhäsion an der Oberfläche nicht ausbilden kann.
- Beispiel: Jet-Melt (3M)
- Anwendung: Umleimer von Möbeln, Glaskolben in Sockel, Fixieren von Spulenenden
am Wickelkörper, Trafo in Gehäuse, Gehäuseabdichtungen,

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Konstruktion - 4.8 - Kapitel 04 - Kleben

4.3 Chemisch abbindende Klebstoffe (Reaktionsklebstoffe)

Reaktionsklebstoffe
- Technisch wichtigste Klebstoffe
- Hochmolekulare, härtbare Kunstharze (meist Phenol- und Epoxidharze)
- Im Lieferzustand flüssige Komponenten
- Durch Zugabe Katalysator erfolgt Umwandlung in unlösliche und unschmelzbare
Sustanz
- Hohe Haftfestigkeit und hohe innere Festigkeit
- Bezeichnung als Zweikomponenten-Klebstoffe mit
ƒ Binder (Grundstoff) und
ƒ Härter (Katalysator)
ƒ Evtl. zusätzlich Beschleuniger
- Eignung für Glas, Metalle, Keramik, Porzellan, Kunststoffe, etc.
- Einteilung in
ƒ Polymerisationsklebstoffe
ƒ Polyadditionsklebstoffe
ƒ Polykondensationsklebstoffe

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Konstruktion - 4.9 - Kapitel 04 - Kleben

4.3.1 Epoxidharzkleber
- Sehr häufig in technischen Anwendungen, sog. „Konstruktionsklebstoff“
- Sehr gut reproduzierbare Eigenschaften
- Kalt aushärten oder warm (noch dünnflüssiger, noch bessere Benetzung der
Oberfläche)
- Statische Kurzzeitzugscherfestigkeit bei 20°C ca. 15 bis 30 N/mm2.
- Dauerstandsfestigkeit bei ruhender Belastung ca. 20 bis 30%, bei schwingender
Belastung um 10% dieser Werte
- Reißdehnung wenige %
- Achtung: Unter Einfluss von Lösungsmitteln oder bei besonderem Einsatz, wie in
heißem Wasser, kann bei manchen die Dauerstandsfestigkeit praktisch auf 0
absinken. Werte durch Versuch oder mit Hersteller klären.
- Vorteil: Keine flüchtigen Bestandteile
Auch dichte Materialien klebbar

Zweikomponenten-Epoxidharzkleber
- Harz und Härter werden getrennt geliefert und erst unmittelbar vor der Verwendung
gemischt.
- Beim Mischen vorgeschriebenes stöchiometrisches Verhältnis einhalten
- Vollständig durchmischen!
- Nach dem Mischen bei Raumtemperatur bis ca. 2h verarbeitbar (ca. 1 min mit
beigegebenen Beschleunigern).
- Meist kalt und warm aushärtbar.
- Bei Warmaushärtung werden höhere Festigkeiten erzielt und die Aushärtezeit
reduziert sich von Std. auf Min.
Beispiel: Uhu-plus, (identisch mit im Handel Harz AW106 und Härter HV953U)
Araldite 2011;
Scotch-Weld von 3M;
technicoll von Beiersdorf;
Duopox von Delo

Einkomponenten-Epoxidharzkleber
- Bestehen chemisch aus 2 Komponenten, die im Anlieferzustand im Kleber als Mo-
nomere vorliegen.
- Sind bei vorgeschriebener Lagertemperatur so reaktionsträge, dass sie nicht aushärten.
- Benötigen meist zum Aushärten 90 bis 250°C, nur manche tiefgekühlt zu lagernde
Klebstoffe härten bei Raumtemperatur aus
Vorteile sind:
- Kein Mischen und damit auch keine Fehler beim Mischen.

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Konstruktion - 4.10 - Kapitel 04 - Kleben

- Teilweise gegenüber 2-Komponenten-Klebern noch verbesserte Eigenschaften wie


höhere Lösungsmittelbeständigkeit, höhere Temperaturbeständigkeit.
Beispiele: 3M Scotch-Weld;
Beiersdorf technicoll;
Delo Delomed;
Bostik 1777

Anwendung von Epoxidharzklebern:


- Von Elektronik und Feinwerktechnik bis zum Flugzeugbau.
- Metalle sind sehr gut klebbar.
- Kunststoffe oft mit anderen Klebern besser.
- Die Klebefugen sollen nicht zu dünn sein (meist nicht unter 0,01 bis 0,05mm), aber
auch nicht zu dick (meist nicht über 0,2mm).
- Beispiel:

4.3.2 Methylmetacrylat-Kleber
(auch Methacrylat-Kleber oder Acryl-Kleber genannt)
- Methylmetacrylat-Monomere sind sehr reaktionsfreudig.
- Härtezeit bis zur Handhabungsfestigkeit ca. 2 bis 30 min.
- Festigkeitswerte vergleichbar mit Epoxidharz-Klebern.
- Die Klebefuge ist etwas flexibler.
- Beispiel: Agomet F300;
F310 von Degussa,
Loctite Multibond 330.
- Anwendung: Verklebbar sind praktisch alle Metalle und die meisten Kunststoffe.

4.3.3 Cyanacrylatkleber (Sekundenkleber)


- Lösungsmittelfreie, schnell polymerisierende Cyanacrylate
- Polymerisation wird durch die Luftfeuchtigkeit und die Restfeuchte auf den Fügeteilen
eingeleitet.
- Die Klebefuge soll höchstens 0,2 mm weit sein.
- Nach dem Kleberauftrag, meist genügt einseitig, müssen die Teile sofort gefügt wer-
den.
- Die Aushärtezeit beträgt sec bis min. Voll ausgehärtet ca. 30 min.
- Cyanacrylate sind feuchtigkeits- und dampfempfindlich und sehr spröde.
- Bis höchstens 80°C geeignet.
- Scheiden meist bei der Härtung einen weißen Belag ab.
- Vorsicht bei der Anwendung auf Haut und Augen.
Finger kleben sofort zusammen. Ggf. sofort mit Wasser spülen, bei Augen
zusätzlich zum Arzt. Finger nicht gewaltsam trennen, sondern schälend oder
garnicht. Die Rückfettung der Haut löst mit der Zeit den Kleber.

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Konstruktion - 4.11 - Kapitel 04 - Kleben

- Beispiele: Loctite, 3M, Teroson, technicoll, Panacol-Elosol.


- Anwendung: Für die meisten Werkstoffe geeignet.
- Festigkeit etwa 1/3 der Epoxidharzkleber.
- Bei Anwendung für dauerhaltbare Klebungen ist Vorsicht geboten.

4.3.4 Anaerobe Kleber


- Aushärtung erfolgt, wenn der Kleber unter Luftabschluss ist und ein Metall als
Katalysator wirkt.
- Aktive Materialien: St, MS, Bz, Cu.
- Passive Materialien: Hochleg. St, Al, Ni, Sn, Zn, Ag, Au, Oxide, Chromatschichten,
Eloxalschichten, Kunststoffe, Keramik.
- Passive Materialien sind mit Hilfe eines Aktivators (Cu-lonen) verklebbar.
- Bei UV-härtenden Typen härtet der Rand durch starke UV-Bestrahlung in wenigen
sec aus. Die weitere Durchhärtung erfolgt dann anaerob. Bei UV-durchlässigen
Gläsern kann durch das Glas mit UV durchgehärtet werden.
- Anwendung fast ausschließlich bei reiner Scherbeanspruchung der Klebefuge:
Schraubensicherung (klassische Anwendung), Welle-Nabe Verbindung,
Kugellagerbefestigung, Dichtung von Rohrgewinden (hierfür im ausgehärteten
Zustand ungiftige Typen, wenn Rohre z.B. in Beziehung zu Lebensmitteln sind.).
Sonst als Montagehilfe, z.B. Aufkleben von SMD-Bauteilen, zum Dichten.
- Hersteller: Loc-tite; Panacol-Elosol; Delo.

4.3.5 Silikonkleber
- Silikone sehr weich einstellbar
- Dort angewendet, wo hohe Elastzität notwendig ist, z.B. Verkleben von Werkstoffen
mit sehr unterschiedlichem Ausdehnungskoeffizienten, Einbetten von einpfindlichen
Teilen, als Dichtung, etc..
Silikone haben:
- gute Haftfestigkeit auf vielen Werkstoffen
- hohe Temperaturbeständigkeit im Grenzfall -40 bis 300°C
- hohe Reißdehnung bis 600%
- Einkomponentige Silikonkleber benötigen zum Aushärten Feuchte aus der
Umgebungsluft. Die Härtegeschwindigkeit ist mm/Tag. Beim Aushärten schrumpfen
sie ca. 3%; wenn sie mit Lösungsmittel verdünnt sind, um besser zu fließen, bis 50%.
- Zweikomponentige härten ohne Feuchte, sie sind also auch für schmale
Klebespalte geeignet.
- Bei der Aushärtung spalten die meisten geringe Mengen Essigsäure ab, die korrosiv
wirkt. Manche spalten Amin ab, das sich neutral verhält.
- Beispiele: Delo; Wacker.

4.3.6 Spezialkleber
- Z.B. Strom und/oder Wärme leitende Kleber durch Beimischen von Metall- oder
Metalloxidpulvern
- Die Auflistung der Kleber ist unvollständig, weil die Vielfalt und die
Spezialanwendungen zu umfangreich sind.

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Konstruktion - 4.12 - Kapitel 04 - Kleben

4.4 Oberflächenvorbereitung:

- Sehr sorgfältige Vorbereitung erforderlich


- „die Klebverbindung ist nur so gut wie ihre Vorbereitung“
- Säubern, Klebestelle muss frei von lose anhaftenden Verunreinigungen wie Späne,
Staub, Rost, etc. sein.
- Entfetten mit Trichlorethylen, Aceton, Freon oder Waschmittel mit Wasser. Bei
Kunststoffen darauf achten, dass die Entfettungsmittel nicht anlösend wirken.
- Aufrauhen ist von Vorteil, weil die benetzte Oberfläche vergrößert wird.
- Bei höheren Ansprüchen Beizen (Ätzen) von Metall mit nichtoxidierenden Säuren wie
Salz- oder verdünnte Schwefelsäure entfernt Oxide und trägt bei längerer Einwirkung
auch Metall ab. Beizen ist auch bei Kunststoffen möglich.
- Phosphatieren (ca. 3 … 20µm dicke Eisen- oder Zink- oder
Manganphosphatschicht)
- Abflammen (bei Kunststoffen): verbrennt einige Kohlenwasserstoffe und schmilzt
Oberfläche kaum merklich an. Verbessert die Haftung von Kleber oder Farbe.
- Plasmareinigung, entweder Niederdruckplasma 60 bis 150 Pa oder Plasma bei
Atmosphärendruck. Es wird meist mit reaktivem Gas gearbeitet, wie O2, Luft oder
Tetrafluormethan CF4. Im Plasma reagieren C und H der Makromoleküle bei
Temperaturen um 100°C zu CO2 bzw. H2O oder zu Fluoriden. Diese Reaktionen
finden sonst erst bei mehreren 100°C statt. Das Aussehen der Kunststoffteile wird
dabei nicht verändert.

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Konstruktion - 4.13 - Kapitel 04 - Kleben

4.5 Gestaltung von Klebeverbindungen


- Fügeflächen müssen gut zueinander passen.
- Teile müssen während des Aushärteprozesses zueinander fixiert und oft
gegeneinander angedrückt werden (Achtung auf Aushärten unter Wärme)
- Am günstigsten sind flächig aufeinander liegende oder ineinander passende
Klebestellen

- Zugbeanspruchung möglichst vermeiden, Schälbeanspruchung vermeiden! =>


Scherbeanspruchung bevorzugen!
- Krafteinleitung günstig gestalten
- auf fertigungsgerechte Klebeflächen achten
- Verarbeitungshinweise beachten
- Klebespaltdicke abhängig von Viskosität
- Tendenz zu möglichst dünnem Spalt
- Möglichst gleiche Wärmedehnung der Teile, wenn nicht möglich dickeren Klebespalt
und/oder durch elastischen Kleber ausgleichen

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Konstruktion - 4.14 - Kapitel 04 - Kleben

Bei Überlappung entsteht zusätzlich Zugspannung


durch Biegemoment Æ ergibt Spannungsspitzen an den
Blechenden.
Verbesserung: Abschrägen der Blechenden.

Klebetechnische Mehrfachfunktion durch


Formgebung:
- Einfache Kleberdosierung
- Selbständige Kleberverteilung beim
Einschieben des Bleches
- Zusätzlicher Kraftschluss Gabel/Blech
- Zusätzlicher Formschluss Gabel/Kleber
- Spannungsfreier Toleranzausgleich,
wenn Blech zu Gabel etwas schief steht

Befestigung und Lagezuordnung gleichzeitig:


- Teil 1 und 2 lagerichtig in Vorrichtung zueinander
fixiert
- Kleber über Bohrung günstig dosierbar, Thixotroper
Kleber hoher Viskosität, der auch bei Aushärtung nicht
wegläuft
- Aushärtung in Vorrichtung, ggf. warm

Vermeiden von Schälbeanspruchung durch Spannungsarmes Einbetten durch elastische


konstruktive Gestaltung Kleberschicht

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Konstruktion - 4.15 - Kapitel 04 - Kleben

Ausgeführte Klebverbindungen:

a) bis c) Rohrverbindungen,
d) kaschierte Holzplatte,
e) Leichtbauplatte,
f) geklebter Vorflügel eines Sportflugzeuges,
g) Tankdeckel mit aufgeklebten Hutprofilen,
h) Bremsbacke mit aufgeklebtem Bremsbelag,
i) Versteifung einer Flugzeug-Rumpfhaut mit Hutprofilen

Beispiel: Kleber als Dichtung

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Konstruktion - 4.16 - Kapitel 04 - Kleben

4.6 Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz

- Kleber sind im allgemeinen Chemikalien, damit sind zu beachten


Æ Gefahrstoffverordnung
Æ Arbeitsstättenverordnung
Æ ggf. Arbeitssicherheits- und Gerätesicherheitsgesetz.
- Reaktionsklebstoffe sind im ungehärteten Zustand in der Regel Gefahrstoffe.
- Schäden können durch Einatmen oder Berührung auftreten.
- Nach vorschriftsmäßiger Härtung sind diese Gefahren nicht mehr vorhanden.
- Klebstoffe meist entzündlich, brandfördernd und umweltgefährlich
- Sicherheitsdatenblatt der Hersteller beachten.

4.7 Berechnung von Klebeverbindungen

Zug (ungünstig) Scheren (günstig) Schälen (vermeiden!)

Vermeiden von Kerbwirkung durch konstruktive Gestaltung: Spannungen im Klebstoff bei


einfach und angeschrägt überlappenden Bauteilen

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Konstruktion - 4.17 - Kapitel 04 - Kleben

Prüfkörper zur Bestimmung der Bindefestigkeit von Klebeverbindungen

Bindefestigkeit (Zug-Scherfestigkeit)
Fm F
τ kB = = m
AKl lü ⋅ b
Fm = Zerreißkraft
AKl = Klebfugenfläche
lü = Überlappungslänge
b = Breite der Klebfugenfläche

Für die Auslegung sollte man einen Sicherheitsbeiwert S verwenden:


τ kB
τ kB ≤ S ≈ 1,5...2,5
S

Für die dynamische Festigkeit der Klebverbindung kann man etwa mit folgenden Werten
rechnen:
Wechselnde Beanspruchung: τ kw ≈ (0, 2...0, 4) ⋅τ kB
Schwellende Beanspruchung: τ ksch ≈ 0,8 ⋅τ kB
Um genügend große Klebeflächen zu erhalten sollte die Überlappung bei Leichtmetallen
sein:
lü ≈ 0,1 ⋅ R p 0,2 ⋅ t bzw. (10...20) ⋅ t (mit t = Bauteildicke)

Achtung:
Bindefestigkeit ist von vielen Parametern abhängig (Korrosionseinflüsse, Temperatur,
Oberflächenrauheit, Werkstoff, Geschwindigkeit der Lastaufbringung, etc.)
Daher Herstellerangaben beachten.

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Konstruktion - 4.18 - Kapitel 04 - Kleben

Einige Festigkeitskennwerte von Klebstoffen

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