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Konstruktionselemente

Kapitel 9: Federn

Prof. Dr.-Ing. Andreas Ettemeyer


Dipl.-Ing. Otto Olbrich

Fachhochschule München
Fachbereich 06 – Feinwerk- und Mikrotechnik

Version 3.02 vom 27.02.2007


Konstruktionselemente - 9.2 - Kapitel 09 - Federn

Inhalt
9 Federn ...................................................................................................................................3
9.1 Allgemeines ....................................................................................................................3
9.1.1 Anwendungen ..........................................................................................................3
9.1.2 Federarten................................................................................................................3
9.2 Federkennlinie ................................................................................................................4
9.2.1 Einzelfeder ...............................................................................................................4
9.2.2 Reihen- und Parallelschaltungen von Federn ..........................................................5
9.2.3 Federarbeit...............................................................................................................6
9.2.4 Federwerkstoffe .......................................................................................................7
9.3 Zug- und druckbeanspruchte Federn aus Metall ............................................................8
9.4 Biegebeanspruchte Federn aus Metall ...........................................................................9
9.4.1 Blattfedern................................................................................................................9
9.4.2 Drehfedern .............................................................................................................12
9.4.3 Spiralfedern DIN 43801..........................................................................................14
9.4.4 Tellerfedern ............................................................................................................16
9.4.4 Sternfedern ............................................................................................................17
9.5 Drehbeanspruchte Federn aus Metall ..........................................................................18
9.5.1 Drehstabfedern ......................................................................................................18
9.5.2 Zylindrische Schraubenfedern ...............................................................................19
9.6 Bimetallfedern...............................................................................................................24
9.7 Nichtmetallische Federn ...............................................................................................25
9.7.1 Gummifedern .........................................................................................................25
9.7.2 Gasfeder ................................................................................................................27
9.8 Gestaltungshinweise für Federn ...................................................................................27
9.8.1 Allgemeines............................................................................................................27
9.8.2 Ursachen von Federbrüchen..................................................................................27
9.8.3 Schwingungen........................................................................................................28

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Konstruktionselemente - 9.3 - Kapitel 09 - Federn

9 Federn
9.1 Allgemeines
9.1.1 Anwendungen
Hier werden hauptsächlich metallische Federn behandelt. Beispiele für Anwendungen sind:
- Arbeitsspeicher (Uhrenantrieb, Aufrollfeder im Skilift)
- Milderung von Stößen (Stoßfedern bei Fahrzeugen, Wellenkupplungen, etc.)
- Kraftverteilung (Polsterung von Sesseln, etc.)
- Kraftbegrenzung (Bsp. Pressen)
- Kraftmessung (Federwaage)
- Regelung (Bsp. Regelventil)
- Aufrechterhaltung einer Kraftverbindung (Federgelenk, Kontaktfinger, Dichtungen)
- Schwingungselement (Schwingsiebe, Unterbindung von Resonanzschwingungen)

9.1.2 Federarten
Metallfedern werden nach verschiedenen Kriterien eingeteilt:
Beanspruchung Form Kraftwirkung
ƒ Biegefedern ƒ Blattfedern ƒ Zugfedern
ƒ Torsionsfedern ƒ Schraubenfedern ƒ Druckfedern
ƒ Kegelfedern ƒ Drehfedern
ƒ Spiralfedern
Kunststofffedern werden hauptsächlich nach dem Werkstoff eingeteilt

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Konstruktionselemente - 9.4 - Kapitel 09 - Federn

9.2 Federkennlinie
9.2.1 Einzelfeder
ƒ Steigung der Kennlinie ist die sog. Federrate (früher Federkonstante)
dF  N 
ƒ Federrate: C = tan α =  mm  auch Formelzeichen R
ds
F
C= für lineare Kennlinie
s
mit F = Federkraft
s (oder f) = Federweg
dM t
ƒ Federrate bei Torsion: Ct = [ N mm]

Mt
Ct = für lineare Kennlinie
ϕ
mit M, Mt = Biegemoment, Torsionsmoment
φ = Verdrehwinkel im Bogenmaß
Typische Federkennlinien:
lineare Kennlinie: progressive Kennlinie: degressive Kennlinie:

Federrate C = tan α
ƒ Lineare Kennlinie (trifft für die meisten Federn zu)
ƒ Progressive Kennlinie: Feder wird mit steigender Belastung härter, um zum Verhin-
dern von Durchschlagen bei starken Belastungen, für schnelles Abklingen von
Schwingungen, etc. (z.B. geschichtete Blattfedern, kegelige Schraubenfedern, Gum-
mifedern bei Druckbelastung, etc.)
ƒ Degressive Kennlinie: die Feder wird mit steigender Belastung weicher, zb.B. für
Druckausgleich bei Reglern (z.B. Gummifedern bei Zugbelastung, Tellerfedern bei
bestimmten Bauteilabmessungen)
ƒ Federn mit innerer Reibung weisen Hysterese auf (andere Kennlinie bei Entlastung
als bei Belastung)

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Konstruktionselemente - 9.5 - Kapitel 09 - Federn

9.2.2 Reihen- und Parallelschaltungen von Federn


- Parallelschaltung

- Reihenschaltung

- Gemischtschaltung

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Konstruktionselemente - 9.6 - Kapitel 09 - Federn

9.2.3 Federarbeit
Fläche unter der Federkennlinie ist Feder-
arbeit.
s
W = ∫ Fds [ Nmm ]
0

ϕ
W = ∫ M t dϕ [ Nmm ]
0

Bei linearer Kennlinie gilt:


1 1 1
W= F s = C s2 W= M tϕ
2 2 2

ƒ Federn mit innerer Reibung haben eine hysteresebehaftete Kennlinie.


ƒ Reibungsarbeit (= dissipierte Energie) ist die dem Feder- Masse- System bei einem
Bewegungszyklus entzogene Dämpfungsenergie.
ƒ Diese Energie wird in Wärme umgewandelt. Die Größe der Dämpfungsenergie ist
meist von der Frequenz der Bewegung abhängig.

Wenn Reibung auftritt (Bsp. Tellerfederpaket) wird bei Entlastung weniger Federarbeit frei.

Beispiel: Federkennlinie mit Hysterese

Spiralfeder im Gehäuse mit Reibung Federkennlinie bei Wechsel-


beanspruchung mit Hysterese

Vorgespannte Feder F1
ƒ nimmt bei gleicher Federrate und gleichem Fe-
derweg eine größere Arbeit auf
Federkraft ist innerhalb des Arbeitsbereichs nie Null. F2
1 W
W= ( F1 + F2 ) ∆s C
2
1
W= ( M1 + M 2 ) ∆ϕ s1 s2
2
∆s
Arbeitsbereich
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Konstruktionselemente - 9.7 - Kapitel 09 - Federn

9.2.4 Federwerkstoffe
Werkstoff E-Modul G-Modul zul. Biege- zul. Schub- Anwendung und Eigen-
N/mm2 N/mm2 spannung spannung schaften
σ Sch zul τ Sch zul
σ b zul τ zul
N/mm2 N/mm2
Unlegierter Feder- 206000 81500 670 460 Federn im Inneraumklima,
draht DIN EN 10270 1400 1000 können rosten
Nichtrostender Fe- 185000 70000 550 430 nichtrostend, unmagne-
derdraht DIN EN 1200 900 tisch bedingt säurebe-
10270 X10CrNi18-8 ständig. Angelassen
≈ 350 °C 1 Stunde
Nichtrostender Fe- 195000 73000 600 450 aushärten erforderlich,
derdraht DIN EN 1700 950 nichtrostend, magnetisch.
10270 X7CrNiAl17-7 Warm ausgelagert
≈ 500 °C 1 Stunde
Kupfer-Beryllium Cu- 120000 47000 270 160 für komplizierte Formen,
Be2 1050 600 weil weich formbar und in
Form aushärtbar. Anti-
magnetisch, korrosions-
beständig, gut leitfähig
Neusilber Cu- 140000 54000 150 85 sehr korrosionsbeständig,
Ni18Zn20 500 300 unmagnetisch
Gummifedern 1 bis 50 0,3 bis zul. Druck- 0,2 bis 0,4 Für Dämpfungselemente.
NR Naturkautschuk 12 spannung Setzen bis 20%. Bis 80
SBR (Styrol- 0,7 bis 3 °C, teilw. höher. Werte
Butadien-Kautschuk) abhängig von Shore Här-
NBR (Acrylnitril- te, Formfaktor (Höhe/∅),
Butadien-Kautschuk) Einspannbedingungen
FKM Fluor-Kautschuk z.B. anvulkanisiert

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Konstruktionselemente - 9.8 - Kapitel 09 - Federn

9.3 Zug- und druckbeanspruchte Federn aus Metall

9.3.1 Zugbelasteter Stab:


F s
σ= = E ⋅ε = E
A l0
F ⋅ l0
Federweg: s =
E⋅A
A = Querschnittsfläche
E = Elastizitätsmodul
F ⋅ s F 2 ⋅ l0
Federarbeit: W = =
2 2⋅ E ⋅ A

Vorteil: optimale Werkstoffausnutzung


Nachteil: großer Platzbedarf

9.3.2 Ringfeder
ƒ Belastungsprinzip wie Zugstab, aber bessere Raumausnützung
ƒ Bestehend aus geschlossenen Außen- und Innenringen
ƒ Axiale Druckkraft wird über die Kegelflächen in Zug- und Druckspannungen in den
Ringen umgesetzt
ƒ Winkel α typisch 12 … 15 ° (Kegelwinkel > Reibungswinkel)
ƒ Hohe Reibung Æ Entlastungskraft ist nur etwa 1/3 …1/4 der Belastungskraft Æ hohe
Dämpfung
ƒ Bei häufigen Lastwechseln muss geschmiert werden
ƒ Ringfedern müssen mit etwa 5…10% des Federweges vorgespannt werden (Zentrie-
rung)
ƒ Einsatz häufig als Pufferfedern, Überlastungsfedern

Ringfeder

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Konstruktionselemente - 9.9 - Kapitel 09 - Federn

9.4 Biegebeanspruchte Federn aus Metall


9.4.1 Blattfedern
Bestimmung am einfachen Biegebalken:
Achtung:
die folgenden Berechnungen gelten so nur für kleine
Durchbiegungen (s/l < 0,15)!

Rechteckmaterial Rundmaterial
Maximales Biegemoment M = Fl
Widerstandsmoment: bh 2 π d3
W= W=
6 32
Trägheitsmoment: bh3 π d4
I= I=
12 64
Max. Biegespannung: M 6 Fl 32 Fl
σb = = ≤ σ b zul σb = ≤ σ b zul
W bh 2 π d3
Max. Durchbiegung Fl 3 4 Fl 3 2l2 64 Fl 3 2l 2
s= = = σb s= = σb
3E I Ebh3 3 E h 3Eπ d 4 3 E d
Federrate F Ebh3 F 3Eπ h 4
C= = C= =
s 4l3 s 64 l 3
Federarbeit 1
W= Fs
ohne Vorspannung 2
1
W= ( F1 + F2 ) ∆s
mit Vorspannung 2

ƒ Maximale Spannungen treten an der Einspannung auf.


ƒ Æ gleichmäßigere Spannungsverteilung bzw. eine bessere Werkstoffausnutzung bei
Trapezfeder („Art-Nutzwert“ ist größer)
ƒ Meist wird das Eigengewicht nicht berücksichtigt

Doppelseitige Blattfedern:
ƒ Es gilt der gleiche Rechengang, wobei die Länge l und die Kraft F auf die halbe Feder
bezogen werden.
ƒ Die Mittelkraft ist 2F.
ƒ Maximale Spannung tritt hier in der Mitte auf

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Konstruktionselemente - 9.10 - Kapitel 09 - Federn

Ausführungsformen von Blattfedern (meist abgeleitet von der Trapezform):


ƒ Geschichtete Blattfeder mit gleichen Federarmen und Einbaubeispiel

Geschichtete Blattfeder mit zugeschalteten Federblättern (progressive Kennlinie)

Andere Formen von biegebeanspruchten Federn:


gekrümmte Blattfedern

Drahtfederformen

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Konstruktionselemente - 9.11 - Kapitel 09 - Federn

Befestigungsmöglichkeiten für Drahtenden

a) mit Stift
b) In Kerbe geklemmt
c) In Schlitz geklemmt
d) Als Öse gewickelt
e) Formschluss durch Abknicken des Endes

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Konstruktionselemente - 9.12 - Kapitel 09 - Federn

9.4.2 Drehfedern
Einsatz als Scharnier-, Rückstell- und Andruckfedern. Beispiele:

DIN 2194 und DIN EN 13906-3


ƒ Belastung möglichst in Wickelrichtung,
ƒ Schenkelenden fest einspannen oder Feder auf einen Dorn (d ≈ 0,8…0,9Di) aufneh-
men.
ƒ Federwindungen sollen nicht aneinander reiben (ergibt Momentenverluste bis 25%)
ƒ Spannungsverteilung über Drahtquerschnitt ist nicht linear verteilt Æ Berücksichti-
gung durch Beiwert q

Runder Draht Runder Draht,


gerader Schenkel abgebogener Schenkel

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Konstruktionselemente - 9.13 - Kapitel 09 - Federn

Biegemoment M t = F R ≈ F s1
Biegespannung Mt 32
σb = = Mt
W πd3
Max.Biegespannung: σ b q ≤ σ b zul
(Faktor q ist nur notwendig, wenn die
Feder in öffnendem Drehsinn
und/oder auf Dauerfestigkeit bean-
sprucht wird)
Faktor q w + 0, 07
q=
w − 0, 75
Wickelverhältnis Dm
w=
d
Federrate: Mt π d4 E EI
Ct = = =
ϕ 64 l l
Max. Drehwinkel: 180 2 lσ b 180 M t l
ϕ zul
°
= =
π dE π EI
Mit Federlänge l Æabgewi- l = π ⋅ Dm ⋅ i f
ckelte Länge mit if = Anzahl
der Windungen: (gilt nur für if > 3 und s1, s2 < 2Dm),
Federarbeit: 1
W= M tϕ
Ohne Vorspannung: 2
Mit Vorspannung: 1
W= ( M t1 + M t 2 ) ∆ϕ
2

q = Spannungsbeiwert nach Tabelle

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Konstruktionselemente - 9.14 - Kapitel 09 - Federn

9.4.3 Spiralfedern DIN 43801 ϕ


Aus kaltgewalztem Stahlband mit konstantem
Windungsabstand a. Windungen sollen sich
(auch gespannt) nicht berühren, sonst Reibung)
Beanspruchung analog Drehfeder
Einsatz
ƒ Rückstellfedern in Messinstrumenten
ƒ Unruh für Uhrwerke
ƒ Drehelastische Kupplungen

Für eingespannte Federenden gilt:


Rechteck-Querschnitt Runddraht
Max. Biegespannung M t 6 F ra M t 32 F ra
σb = = ≤ σ b zul σb = = ≤ σ b zul
W b h2 W π d3
Federrate: Mt bh3 E E I Mt π d4 E EI
Ct = = = Ct = = =
ϕ 12 l l ϕ 64 l l
Max. Drehwinkel 180 2 lσ b 180 M t l
ϕ zul
°
= =
π hE π EI
Gestreckte Federlänge l = π i f ( ra + ri )
Radius – Windungszahl: ra = ri + i f ( h + a )

Federarbeit: 1
W= M tϕ
Ohne Vorspannung: 2
1
W= ( M t1 + M t 2 ) ∆ϕ
Vorgespannt: 2
Maximale Federungsarbeit: 1 σ b zul 1 σ b zul
2 2

Wmax = V = bl h
6 E 6 E

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Konstruktionselemente - 9.15 - Kapitel 09 - Federn

Spiralfeder ohne Windungsabstand,


Es entsteht Reibung Federkennlinie beim Be- und Entlasten

Rollfederantrieb

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Konstruktionselemente - 9.16 - Kapitel 09 - Federn

9.4.4 Tellerfedern
DIN 2092 und DIN 2093
Kegelförmige Ringscheiben, die axial belastet
werden. Besonders geeignet für große Kräfte,
und kleine Federwege
Gruppe 1: t < 1,0 mm, kaltgeformt (a)
Gruppe 2: t = 1…6 mm, kaltgeformt (a)
Gruppe 3: t > 6 … 14 mm, warmgeformt (b)

ƒ Beim Federn tritt Reibung an den Aufla-


geflächen auf Æ Hysterese
ƒ Beim Einfedern Teller-Ø innen verkleinert sich, außen vergrößert er sich
ƒ Tellerfedern innen oder außen führen! (ergibt ebenfalls Reibung)
ƒ Bei gleichsinnig gestapelten Tellerfedern zusätzliche Reibung auf den Flächen Æ
evtl. Schmierung vorsehen
ƒ Auflageflächen der Tellerfedern möglichst gehärtet

Kombination von Tellerfedern

Durchgezogen: ohne Reibung


Strich-punktiert: mit Reibung
a) Einzelteller und Federpaket
b) Federsäulen
c) Kombination von Federsäulen

Federkraft: Federweg
Fges = n ⋅ F sges = i ⋅ s
F= Federkraft je Einzelteller, s = Fe-
derweg je Einzelteller bzw. Paket

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Konstruktionselemente - 9.17 - Kapitel 09 - Federn

Anwendungsbeispiele für Tellerfedern:

9.4.4 Sternfedern
ƒ Sternfedern sind Tellerfedern
ƒ Abwechselnd von innen und außen
geschlitzt
ƒ Æ viel geringere Federrate
ƒ Gut geeignet zum Verspannen von
Kugellagern,
ƒ Einsatz als Spannelemente:
Durchmesser ändert sich bei Be-
lasten und spannt

Beispiel: Sternfeder als Spannelement

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Konstruktionselemente - 9.18 - Kapitel 09 - Federn

9.5 Drehbeanspruchte Federn aus Metall


9.5.1 Drehstabfedern
(Torsionsfeder) DIN 2091

ƒ Meist Rundstäbe aus warm gewalztem, vergütbarem Stahl, typisch 50CrV4


ƒ Einseitig fest eingespannt
ƒ Andere Seite drehbar gelagert
ƒ Enden des Federstabes mit Kerbverzahnung oder Vierkant/Sechskant
ƒ Bei höheren Lasten auch Bündel von Federstäben möglich (Kennlinie ist dann nicht
mehr linear)
Für Kreisquerschnitt gilt:
Schubspannung: M t M t ⋅16
τ= = ≤ τ zul
Wt π ⋅d3
Federrate: Mt IpG π d4 G
Ct = = =
ϕ l 32 l
Max. Verdrehwinkel: 180 M t ⋅ l 180 M t l f 32
ϕ° = =
π G⋅Ip π Gπ d 4
Federarbeit: 1
W= M tϕ
Ohne Vorspannung: 2
Mit Vorspannung: 1
W= ( M t1 + M t 2 ) ∆ϕ
2

Mt = Torsionsmoment, Anwendung im Fahrzeugbau:


Wt = Polares Widerstandsmoment des
Schaftquerschnitts
G = Gleitmodul
(für Federstahl typ. 78.500 N/mm²),
Ip = polares Flächenmoment 2. Ordnung

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Konstruktionselemente - 9.19 - Kapitel 09 - Federn

9.5.2 Zylindrische Schraubenfedern


ƒ Können als schraubenlinienförmig gewundene Drehstabfedern aufgefasst werden.
ƒ Der Werkstoff wird auf Torsion belastet.
ƒ Herstellung aus Runddraht.
ƒ Sehr universell einsetzbarer Federtyp,
ƒ sowohl als Druckfeder, als auch
ƒ als Zugfeder

Druckfedern DIN 2099-1 und DIN EN13906-1


Kaltgeformte Druckfedern: Warmgeformte Druckfedern:
- nach der Formgebung lediglich angelas- - aus rundem, gewalzten Federstabstahl
sen zum Abbau von Eigenspannungen; hergestellt, anschließend gehärtet und
angelassen
- Draht-Ø bis d = 17 mm
- Draht-Ø d > 17 mm
- Windungs-Ø bis D = 200 mm
- Es bleibt ein fertigungsbedingter Spalt
- Steigung wird auf auslaufender Windung
bei anliegenden Endwindungen; End-
vermindert und berührt nachfolgende
windung wird auf d/4 plan geschliffen,
Windung
daher werden nur ¾ einer Windung an
- Gesamtzahl der Windungen bei Druckfe- jedem Ende als nicht federnd betrachtet
der ig = i f + 2
- Gesamtzahl der Windungen ig = i f + 1,5
- Enden werden plangeschliffen oder ge-
schmiedet und geschliffen. Alternativ
Aufnahme in Neigungsteller.

Formen von zylindrischen Schraubendruckfedern:

Kegelförmige Schraubenfedern:

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Konstruktionselemente - 9.20 - Kapitel 09 - Federn

Zylindrischer Zugfedern DIN 2099-2 und DIN EN 13906-2


ƒ Typisch rechtsgewickelt
ƒ Zugfedern bis d = 17 mm werden kaltgeformt (Æ innere Vorspannung), Windungen
liegen aneinander an
ƒ Zugfedern mit d > 17 mm werden warmgeformt,(Æ keine Vorspannung)
ƒ Zur Krafteinleitung sind an den Enden Ösen erforderlich
ƒ Daher größerer Bauraum als bei Druckfedern erforderlich

Halbe doppelte Ganze Hakenöse Englische Haken Gewinde-


deutsche deutsche deutsche Öse eingerollt stopfen
Öse Öse Öse seit-
lich
hochge-
stellt

Druckfeder: Zugfeder mit Federöse

Bei Kreisquerschnitt des Druckfeder Zugfeder


Federdrahtes:
Ideelle Schubspannung bei 8 Dm d G
max. Kraft Fn τi = Fn = s
π d 3
π i f Dm2
s ist der gesamte Weg ein-
schließlich Vorspannung
Erhöhte Schubspannung τ = τ i k ≤ τ zul
durch Drahtkrümmung:
Beiwert k w + 0,5
k=
w − 0, 75
Wickelverhältnis D
w= (typisch 5 … 10)
d

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Konstruktionselemente - 9.21 - Kapitel 09 - Federn

Max. zulässige Schub- τ zul = 0,56 Rm τ zul = 0, 45 Rm


spannung:
(wegen erhöhter Spannung
an der Öse)
Zahl der federnden Win- sG d
dungen if =
π Dm2 τ i
Federrate Fn Gd4 Gd Fn − F0 Gd4
C= = = C= =
sn 8 i f Dm 8 i f w3
3
sn 8 i f Dm3
sn = Federweg bei Federkraft Fn F0 = eingewickelte Vor-
spannkraft
Länge (Windungen anlie- Blocklänge Federkörper
gend)
LBl = ( i f + 2 ) d LK = ( i f + 1) d

Federarbeit: 1
W= Fs
Ohne Vorspannung: 2
1
W= ( F1 + F2 ) ∆s
Vorgespannt: 2

Rm = Zugfestigkeit von Federstahldraht)

(Die Genauigkeit dieser Formeln beträgt bis zu 15%)

Beiwert k für Kreisquerschnitte:

D
w=
d

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Konstruktionselemente - 9.22 - Kapitel 09 - Federn

Bei Druckfedern: Prüfen auf Knicksicherheit


l0
Schlankheitsfaktor λ = ,
D
Federung s/l0
Beiwert ν für Art der Lageruing:

Auslegung von Druckfedern:


Maximal zulässige Schubspannung
- Statische / quasistatische Beanspruchung: Auslegung auf τ bei Blocklänge
τ zul = 0,56 Rm (Rm = Zugfestigkeit von Federstahldraht)
Auslegung von Zugfedern:
Maximal zulässige Schubspannung bei
- Statischer / quasistatischer Beanspruchung:
τ zul = 0, 45Rm (Rm = Zugfestigkeit von Federstahldraht)
- Dynamische Beanspruchung: im wesentlichen abhängig von Ausformung der Feder-
enden

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Konstruktionselemente - 9.23 - Kapitel 09 - Federn

Zugfestigkeit von Federstahldraht, unlegiert, kalt gezogen, patentiert:

Festigkeitswerte von Federwerkstoffen

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Konstruktionselemente - 9.24 - Kapitel 09 - Federn

9.6 Bimetallfedern
DIN 1715 und DIN EN 13190
Ein Bimetall besteht aus 2 Metallschichten, die fest miteinander verschweißt sind und unter-
schiedliche thermische Ausdehnungskoeffizienten haben.
Häufigste Anwendung: Öffnen von Schaltern bei Erwärmung (Motorschutzschalter, Toaster,
Wasserkocher, etc)

∆z
Bestimmung des Hubs: z
hn = Abstand der neutralen Fasern,
α1, α2 = Längentemperaturkoeffizient der beiden Schichten
∆δ = Temperaturdifferenz
(α1 − α 2 ) ⋅ ∆δ ⋅ dx (1 + α 2 ⋅ ∆δ ) ⋅ dx
=
hn ρ2
mit α 2 ⋅ ∆δ << 1; ρ1 ≈ ρ 2 = ρ ; folgt:

1 d ² z (α1 − α 2 ) ⋅ ∆δ s1
≈ = ; s
ρ dx ² hn s2
dz (α1 − α 2 ) ⋅ ∆δ dx
≈ ⋅ x + C1 ;
dx hn
(α1 − α 2 ) ∆δ dx
wegen Randbedingung: C1=0;
hn
(α − α 2 ) ⋅ ∆δ x ²
z≈ 1 ⋅ + C2 ; x
hn 2
z
wegen Randbedingung: C2=0;
ρ1
ρ2
Æ Hub des Bimetalls:
(α1 − α 2 ) ⋅ ∆δ dϕ
z≈ ⋅ x ²;
2 ⋅ hn
2
Für E1 = E2 und s1 = s2 wird hn = s
3

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Konstruktionselemente - 9.25 - Kapitel 09 - Federn

9.7 Nichtmetallische Federn


9.7.1 Gummifedern
ƒ Synthetischer Gummi besteht aus vulkanisiertem Styrol-Butadien-Kautschk (Natur-
gummi aus dem vulkanisierten Milchsaft des Kautschukbaumes) sowie Zusatzstoffen
(Schwefel, Ruß, Weichmacher, Beschleuniger, Alterungsschutzmittel, etc.)
ƒ Gummi ist inkompressibel;
Verformung einer Gummifeder unter Druckbelastung

Verformbarkeit von Gummi


ƒ auf Druck etwas die halbe ursprüngliche Län-
ge
ƒ Auf Schub etwa 30°
ƒ Auf Zug nur sehr gering belasten!
ƒ Innere Reibung führt zu unterschiedlichen
Kennlinien bei Be und Entlastung
ƒ Bei hohen Lastfrequenzen entsteht Wärme Æ
Zerstörung!
Elastizitätsmodul und Schubmodul von Gummi
Elastizitätsmodul E Schubmodul G

Der Formfaktor k ist das Verhältnis von krafteinleitender zur freien Oberfläche.

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Konstruktionselemente - 9.26 - Kapitel 09 - Federn

Aufgabe. Warum sind die Gestaltungsvorschläge für Gummifederungen gut bzw. schlecht?

a) allseits eingeschlossen → kei-


ne Federwirkung
b) richtig: Ausweichmöglichkeit
bei Verformung
c) Schraube erzeugt direkte me-
tallische Verbindung → keine
Federwirkung
d) vollständige Isolierung

a) geringe Gummihöhe zwischen


den Befestigungsplatten
b) volle Ausnutzung des Gummi-
querschnitts für Federung

a) ungünstig wegen Spannungen


infolge von Schrumpfung an
der Stirnseite
b) günstig, da keine Schrumpf-
spannungen im Gummi

a) ungünstig, da Beanspruchung
nur auf Schub → geringe zul.
Beanspruchung
b) günstig, da Beanspruchung auf
Schub und Druck

a) Spannungsspitze am Rand bei


üblicher Ausführung
b) besser Spannungsspitze redu-
ziert durch Einkerbung

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Konstruktionselemente - 9.27 - Kapitel 09 - Federn

9.7.2 Gasfeder
Führungsstück mit Dichtungen Fettkammer Gas

Hartverchromte Kolbenstange
Vernickeltes Öl für Endlagerdämpfung und Schmierung
Präzisionsstahlrohr Düse mit
Drosselbohrung

ƒ Einsatz zum Anheben von Klappen, Fenstern, Stühlen, etc.


ƒ Sehr knicksteif
ƒ Langer Federweg
ƒ Sehr flache Kennlinie
ƒ Relativ hohe Reibung Æ Einschiebkraft > Ausschubkraft
ƒ Federrate einstellbar durch Gasdruck
ƒ Dämpfung einstellbar durch Überströmbohrungen

9.8 Gestaltungshinweise für Federn


9.8.1 Allgemeines
- gleichmäßige Krafteinleitung
- bei Druckfedern mit häufigen Lastwechseln möglichst größer als 5 Windungen
- grobe Toleranzen für die Federn vorgeben
- Werkstoff sparend gestalten
- Vermeiden von Kerbwirkungen
- Umweltbedingungen berücksichtigen
- Bauteile standardisieren

9.8.2 Ursachen von Federbrüchen


Oberflächenfehler (Reduzieren der Dauerschwingfestigkeit) durch
- Risse beim Ziehen
- Risse beim Härten
- Riefen oder Kratzer von der Herstellung
- Schleifriefen vom Anschleifen der Federenden
- Einmalige Korrosion (z.B. Handschweiß, feuchte Lagerung)
- Scheuern an umgebenden Bauteilen (Hülsen, Bolzen, Haken)
- Kerben an der Einspannstelle von Blattfedern (scharfe Kanten, raue Oberfläche der
Einspannteile)
- Schweißpunkte (bsp. bei Kontaktfedern)
- Galvanische Oberflächenbeschichtung (besonders unter 1 mm Dicke)

Ettemeyer, Olbrich Fachhochschule München V 3.02


Konstruktionselemente - 9.28 - Kapitel 09 - Federn

9.8.3 Schwingungen

D
Eine über eine Feder beweglich verbundene Masse gerät durch einen Kraftstoß in Schwin-
gung. Die Eigenfrequenz eines Masse-Feder Systems bestimmt sich wie folgt (Masse der
Feder vernachlässigt).
:
Druck- oder Biegefeder: Drehfeder:

1 C 1 Ct
Eigenfrequenz: fe = Eigenfrequenz: f e =
2π m 2π I

1 g
für gewichtsbelastete Feder: f e =
2π sG
R= Federrate
g= Fallbeschleunigung 9,81m/s²;
I= Trägheitsmoment der abgefederten
sG = statische Durchfederung durch
Masse zur Drehachse
Gewichtskraft FG=mg

Wenn die Frequenz der Anregung mit der Eigenfrequenz zusammenfällt spricht man von
Resonanz. Dieser Fall ist i.d.R. zu vermeiden. Wenn dies nicht möglich ist, müssen geeigne-
te Dämpfungsmaßnahmen ergriffen werden.
Es muss unbedingt vermieden werden, dass die Resonanzfrequenz getroffen wird. Üblich
f
versucht man etwa η = > 3 zu erreichen.
f0

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Konstruktionselemente - 9.29 - Kapitel 09 - Federn

Schwingverhalten einer Maschine auf schwingendem Untergrund, über Feder und Dämpfer
gelagert:

Schwingverhalten einer Maschine mit Unwucht, über Feder und Dämpfer gelagert:

D=0

2,5

D=0,25
VC

2
Verstärkungsfaktor

1,5

D=0,5

D=0,707
D=1
0,5

0
0 0,5 1 1,5 2 2,5 3
Frequenzverhältnis η

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