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AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE

Landesrätin für Bildung und deutsche Kultur Assessora all'istruzione ed alla cultura tedesca

proLNr./'/'05/G6r:;-y-t5 SKM/CM/KP Herrn Landtagsabgeordneten


Andreas Pöder
Bozen, 1 5. 11. 2010
Fraktion Union für Südtirol
Bearbeitet von: Crispistraße 6
Dr. Karin Pircher 39100 Bozen
Tel. 0471/412930
karin.pircher@provinz.bz.it

Zur Kenntnis: Herrn Landtagspräsidenten


Dr. Dieter Steger
Crispistraße 6
39100 Bozen

Schriftliche Beantwortung der Anfrage zur aktuellen Fragestunde 27/November/1 0


Kindergärten - Kinder mit Migrationshintergrund - Sprachschwierigkeiten

Sehr geehrter Herr Landtagsabgeordneter Pöder,

von den insgesamt 595 aufgenommenen Kindern in den 27 Abteilungen der acht deutschsprachigen
Kindergärten der Stadt Meran weisen zum Zeitpunkt der Erhebung am 5. Oktober 2010 149 Kinder einen
Migrationshintergrund auf.
Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang, dass vor allem in Bezug auf die Kinder mit
Migrationshintergrund durch die Migration selbst die Zahlen immer wieder Schwankungen unterliegen. Das
zeigt sich auch daran, dass ein Vergleich der Anzahl der Kinder zwischen dem Moment der Einschreibungen
im Jänner und jenem des Besuchs der Kinder im Herbst einen Anstieg ausweist.
Im Kindergarten wird das Prinzip der Wohnortnähe verfolgt. In größeren Gemeinden sind Einzugsgebiete der
einzelnen Kindergärten festgelegt. Aufgrund der Einzugsgebiete erfolgt die Verteilung der Kinder mit
Migrationshintergrund nicht gleichmäßig in den einzelnen Kindergärten.
Im städtischen Bereich besuchen selbstverständlich auch viele Kinder, die in zweisprachigen Familien
aufwachsen, den deutschsprachigen Kindergarten.
Der deutschsprachige Kindergarten ist in seiner Ausrichtung und pädagogischen Grundhaltung keineswegs
in Frage gestellt, auch wenn die Mädchen und Jungen unterschiedliche Sprachen in den Kindergarten mit
hineintragen. Nicht nur über die Sprachen hat die Differenziertheit des Aufwachsens zugenommen. Auch
aufgrund des unterschiedlichen sozialen Hintergrunds ihrer Familien ergeben sich für Kinder große
Unterschiede hinsichtlich ihrer Wohn- und Lebensumstände, ihrer Alltagserfahrungen, ihrer
Freizeitaktivitäten, ihrer finanziellen Ressourcen.
Bemerkenswert sind die Leistungen des Kindergartens tatsächlich, schaffen sie es doch, dass Kinder mit all
diesen Unterschieden - Alter, Geschlecht, Begabungen und Potentialen, Beeinträchtigungen, kultureller
Hintergrund, Familienvielfalt, Sprache usw. - in der Regel auch mit Unterstützung der Familien sich im
Kindergarten gut einleben, sich als Gruppe konstituieren und im Spielen, Lernen und Arbeiten ihren

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Entwicklungs- und Wachstumsbedürfnissen nachkommen.


Die konstruktive Bewältigung der komplexen Anforderungen stellt für die Pädagoginnen im Kindergarten
einen persönlich herausfordernden Balanceakt dar und führt gerade im ersten Monat auch zu
Stresssituationen .
Für viele Kinder ist der Eintritt in den Kindergarten auch der erste Schritt in ein weiteres oder größeres
soziales Gefüge, das über das vertraute und bekannte familiäre Umfeld hinausgeht. Dies bedeutet häufig
auch, dass Kinder mit gemeinschaftlichem Zusammenleben konfrontiert werden, welches für sie völlig neu
ist und ihnen eine große Neuorientierung abverlangt. Dieser erste Transitionsmoment hat Auswirkungen auf
jede weitere Transition und ist besonders delikat Kinder brauchen individuelle Begleitung.
Wenn sich Fachkräfte erst im Team zusammenfinden müssen - und trotz vieler Maßnahmen, um die
Kontinuität des Personals zu erhöhen, kommt es zu Fluktuationen - stellt dies eine zusätzliche
Herausforderung dar. Besonderen Stress erleben jene Fachkräfte, die das erste Mal in einer Gruppe mit
Kindern mit vielen Unterschiedlichkeiten arbeiten. Persönliche Energien sind zum einen in die Teamfindung
zu investieren und zum anderen auch in die Bewältigung der persönlichen Herausforderungen.
In Rücksprache mit der Direktorin, die auch die Leiterinnen der Kindergärten der Stadt Meran in die Analyse
einbezogen hat, hat sich herauskristallisiert, dass die sprachlich komplexe Situation für alle eine
Herausforderung darstellt. In den Fällen, in denen die personelle Besetzung drei Personen pro Gruppe
umfasst, geringe Fluktuation beim Personal aufweist und Fachkräfte betrifft, die bereits Erfahrungswerte in
sprachlich komplexen Gruppen gesammelt haben, erleben sie die Anforderungen der Familien, die
individuelle Begleitung der Kinder und die Zusammenarbeit im Team als bewältigbare Herausforderung.
Generell kann noch hervorgehoben werden, dass die Pädagoginnen viel stärker als früher als Sprachvorbild
wirksam sind und auf die sprachliche Bildung ein wesentlich größeres Augenmerk richten.

Mit freundlichen Grüßen

.e«.
Landesrätin für Bildung und deutsche Kultur