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Handbuch freiheitlicher Politik


Ein Leitfaden für Führungsfunktionäre und Mandatsträger der
Freiheitlichen Partei Österreichs
1

Handbuch freiheitlicher Politk

Freiheitliche Partei Österreichs


Friedrich-Schmidt-Platz 4/3a
1080 Wien
Tel.: +43 - 1 - 512 35 35 - 0
Fax: +43 - 1 - 512 35 35 - 9
Für den Inhalt verantwortlich: NAbg. Ing. Norbert Hofer
Layout: Ing. Mag. Joachim Stampfer E-Mail: bgst@fpoe.at
Inhaltsverzeichnis
Vorwort BPO KO NAbg. Heinz-Christian Strache . . .6 2.3) Freie Bauern braucht das freie Land . . . . . .36
2.3.1) Ohne heimische Landwirte keine
Vorwort NAbg. Ing. Norbert Hofer . . . . . . . . . . . . . . .8 Selbstversorgungsfähigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . .36
2.3.2) Landwirtschaft und Umweltschutz–Landwirte
2
Vorwort GS NAbg. Herbert Kickl . . . . . . . . . . . . . . .10 und Energiewirte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .36
2.3.3) Der patriotische Konsument . . . . . . . . . . . . . . . . .37
2.3.4) Die Europäische Agrarpolitik – ein Fehlschlag . .37
Inhaltsverzeichnis

Vorwort GS NAbg. Harald Vilimsky . . . . . . . . . . . . .11 2.3.5) Patente auf Leben – die neue Leibeigenschaft . .38
2.3.6) Gentechnisch veränderte Organismen als
Vorwort KD Parl.-Rat Mag. Norbert Nemeth . . . . .13 Futtermittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .39
2.3.7) Der Bauer als Millionär – eine Ausnahme . . . . . .40
1) Freiheit und Verantwortung . . .17 2.4) Mitgeschöpfe, nicht Nutzvieh . . . . . . . . . . . .40
1.1) Freiheitsrechte des Einzelnen und der 2.4.1) Österreichs Landwirtschaft ohne Tierfabriken . . .40
Gemeinschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17 2.4.2) Tiertransporte – ein Auswuchs der Profitgier . . .40
2.4.3) Tierschutzombudsmänner . . . . . . . . . . . . . . . . . . .41
1.2) Selbstverantwortung als Voraussetzung für
2.4.4) Tierquälerei unter dem Deckmantel der freien
Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .17 Religionsausübung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .41
1.3) Grund- und Freiheitsrechte . . . . . . . . . . . . .17
1.4) Religionsfreiheit und Freiheit von Dogmen .17 2.5) Gemeinden als Basis der Heimat . . . . . . . . . . .41
1.5) Autonomie der Familie und der 2.5.1) Kommunalpolitiker – direkt am Menschen . . . . .41
Volksgruppen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18 2.5.2) Bürgermeister – immer im Dienst . . . . . . . . . . . .42
1.6) Selbstversorgungsfähigkeit als Basis unserer 2.5.3) Ohne Geld ka Musi . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .42
Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18 2.5.4) KMUs als Lebensader der Gemeinden . . . . . . . . .42
1.7) Eigentum, Chancengerechtigkeit und Solidar- 2.5.5) Lebensqualität und Umweltschutz . . . . . . . . . . . .43
gemeinschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .18
1.8) Der Sinn in sich selbst . . . . . . . . . . . . . . . . . .18 3) Recht und Gerechtigkeit . . . . . .45
3.1) Der freiheitliche Rechtsstaat . . . . . . . . . . . . . . . . .45
2) Heimat und Identität . . . . . . . . . .21 3.1.1) Staatliche Ordnung zur Sicherung und
Entfaltung der Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .45
2.1) Recht auf Heimat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .21 3.1.2) Verfassungsreform . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .45
2.1.1) FPÖ als Heimatpartei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .21 3.1.3) Medienvielfalt und freier Journalismus . . . . . . . .46
2.1.2) Das christliche Abendland . . . . . . . . . . . . . . . . . . .21 3.1.4) Die Macht der Sekretariate . . . . . . . . . . . . . . . . . .46
2.1.3) Asyl und Asylmissbrauch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .24 3.1.5) Freie Mitgliedschaft statt Kammerzwang . . . . . . .47
2.1.4) Vertriebene und Heimatrecht . . . . . . . . . . . . . . . .27 3.1.6) Grundrechts- und Bürgerkatalog . . . . . . . . . . . . .47
2.1.5) Humane und vernünftige Ausländerpolitik . . . . . .27 3.1.7) Definition und Beschränkung
2.1.6) Deutschkenntnisse im Regelschulwesen . . . . . . .29 der Staatsaufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .47
2.1.7) Die Staatsbürgerschaft – ein hoher Wert . . . . . .30 3.1.8) Ausbau der direkten Demokratie . . . . . . . . . . . . .48
3.1.9) Nationalrat und Bundesrat . . . . . . . . . . . . . . . . . .48
2.2) Umweltschutz ist Heimatschutz . . . . . . . . . .30 3.1.10) Direktwahl durch das Volk . . . . . . . . . . . . . . . . . . .48
2.2.1) Österreich ist nicht frei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .30 3.1.11) Rechnungskontrolle als vierte Gewalt . . . . . . . . .49
2.2.2) Reicher Energieschatz in Österreich . . . . . . . . . . .30 3.1.12) Unabhängigkeit der Rechtssprechung . . . . . . . . .49
2.2.3) Etikettenschwindel mit Ökostrom . . . . . . . . . . . . .31
2.2.4) Kyoto und die Folgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .31 3.2) Sozialstaat Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . .50
2.2.5) Thermische Sanierungsoffensive als Voraussetzung 3.2.1) Soziale Gerechtigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .50
für soziales Wohnen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .32 3.2.2) Arbeitslosigkeit und Gastarbeitslosigkeit . . . . . . .50
2.2.6) Umweltschutz und Mobilität sind 3.2.3) Schwarzarbeit und Ausländerbeschäftigung . . . .53
kein Widerspruch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .32 3.2.4) Arbeitslosengeld an strafffällige Asylwerber . . . .55
2.2.7) Österreichs Unternehmen: Vorreiter in Sachen 3.2.5) Schicksal Langzeitarbeitslosigkeit . . . . . . . . . . . .56
Umweltschutz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .33 3.2.6) Zusammenlegung der
2.2.8) Den Kopf in den Sand, CO2 unter Tag . . . . . . . . . .33 Sozialversicherungsanstalten . . . . . . . . . . . . . . . .56
2.2.9) Einzelmaßnahmen zur Sicherung 3.2.7) Bekämpfung des Sozialmissbrauchs . . . . . . . . . .57
energiepolitischer Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . .34 3.2.8) Sozial- und Familienleistungen an Ausländer . . .57
2.2.10) Es gibt nichts Gutes – außer man tut es . . . . . . . .35 3.2.9) Sozialer Wohnbau . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .58
2.2.11) Weißes Gold als Ziel von Begehrlichkeiten . . . . . .35
2.2.12) Das Geschäft mit dem Müll . . . . . . . . . . . . . . . . . .35
3.3) Behinderte und Pflegenotstand . . . . . . . . . .58 4.5.8) Minimierung der Existenzgefährdung bei
3.3.1) Verantwortung für Behinderte und Scheidungen und das Recht der Kinder auf beide
für die Aufbaugeneration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .58 Elternteile . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .89
3.3.2) Maßnahmenpaket für menschenwürdige 4.5.9) Ja zum Leben und Hilfe bei unerfüllten Kinder-
Pflege und Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .59 wunsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .89
3.3.3) Bundesgenossenschaft für Pflege und 4.5.10) Keine Gnade für Kinderschänder . . . . . . . . . . . . .89
Betreuung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .60
3.3.4) Private Pflege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .62 4.6) Senioren achten –
3
3.3.5) Grundrecht auf Pflege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .63 Lebenserfahrung würdigen . . . . . . . . . . . . . .90
3.3.6) Rotstift im Pflegebereich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .64 4.6.1) Verdienste der Aufbaugeneration . . . . . . . . . . . . .90
3.3.7) Pflegegeld ins Ausland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .66 4.6.2) Schlechterstellung im ASVG . . . . . . . . . . . . . . . . .90

Inhaltsverzeichnis
3.3.8) Kürzere Pflegegeldverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . .67 4.6.3) Lebensabend ohne Armut . . . . . . . . . . . . . . . . . . .91
3.3.9) Pflegeberufe als Chance am Arbeitsmarkt . . . . .68 4.6.4) Interessensvertretung für unsere Senioren . . . . .91
3.3.10) Zivildienst für Frauen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .69 4.6.5) Der Pensionistenpreisindex . . . . . . . . . . . . . . . . . .92
3.3.11) Einheit von medizinischer 4.6.6) 45 Jahre sind genug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .92
Versorgung und Pflege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .69 4.6.7) Zocken mit dem Geld der Pensionisten . . . . . . . .92
3.3.12) Qualitätssicherung um Pflegebereich . . . . . . . . . .69 4.6.8) Misslungene Schwerarbeiterregelung . . . . . . . . .93
3.3.13) Gerechte Einstufung von 4.6.9) Abschaffung der Seniorendiskriminierung . . . . . .93
Pflegebedürftigen in die Pflegestufen . . . . . . . . . .70 4.6.10) Förderung der Altersmobilität . . . . . . . . . . . . . . . .93
3.3.14) Rechtsanspruch auf 4.6.11) Mehrere Generationen unter einem Dach . . . . . .94
Persönliche Assistenz (PAA) . . . . . . . . . . . . . . . . .71
3.3.15) Behinderung und Mobilität . . . . . . . . . . . . . . . . . . .71 4.7) Zukunft der Jugend – Jugend der Zukunft . . .94
3.3.16) Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden . . . . . .72
3.3.17) Hürden für Sehbehinderte . . . . . . . . . . . . . . . . . . .72
3.3.18) Unterhaltsvorschuss für in 5) Wohlstand und Arbeitswelt . . . .97
Ausbildung befindliche Behinderte . . . . . . . . . . . .73
3.3.19) Vergessene Gruppe: Taubblinde . . . . . . . . . . . . . .73 5.1) Wirtschaftspolitik einer patriotischen,
3.3.20) Behinderte und Teilnahme an liberalen und sozialen Partei . . . . . . . . . . . .97
demokratischen Entscheidungsprozessen . . . . . .74 5.1.1) Die nationale Komponente . . . . . . . . . . . . . . . . . . .97
3.3.21) Der zweite Arbeitsmarkt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .74 5.1.2) Das liberale Verständnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .97
3.3.22) Die progressive Ausgleichstaxe . . . . . . . . . . . . . . .74 5.1.3) Unsere soziale Verantwortung . . . . . . . . . . . . . . . .97
5.1.4) Wirtschaftstheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .97
5.1.5) Der Weg der FPÖ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .99
4 ) Familie, Generationen und 5.1.6) Globalisierung und internationaler Handel . . . . .99
Bevölkerungsentwicklung . . . .79 5.1.7) Die transatlantische Wirtschaftsgemeinschaft .101
5.1.8) Spekulanten in den Vorstandsetagen . . . . . . . . .102
4.1) Frauen – Männer – Partnerschaft . . . . . . . .79
5.2) Staatsfinanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .103
4.2) Kinderlose Gesellschaft . . . . . . . . . . . . . . . . .80 5.2.1) Ausgeglichenes Budget – schlanker Staat . . . . .103
5.2.2) Wirtschaftsverträglichkeit und Folgekosten . . . .104
5.2.3) Abgabenquote als Verfassungsbestimmung . . .104
4.3) Grundsätze Freiheitlicher Familienpolitik . .80
5.2.4) Abschaffung der überflüssigen
Finanzprokuratur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .104
4.4) Ziele Freiheitlicher Familienpolitik . . . . . . . .83 5.2.5) Der Höllenhund als Hüter
unserer Staatsfinanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .104
4.5) Konkrete Maßnahmen für unsere Familien .83 5.2.6) Weniger Geld nach Brüssel . . . . . . . . . . . . . . . . .105
4.5.1) Fairer Leistungsausgleich zwischen 5.2.7) Streitpunkt Liberalisierung und Privatisierung .105
Familien und Kinderlosen . . . . . . . . . . . . . . . . . . .84 5.2.8) Bestbieterprinzip in der Vergabepraxis . . . . . . . .107
4.5.2) Attraktives und familiengerechtes Steuersystem 5.2.9) Entlastung des Faktors Arbeit . . . . . . . . . . . . . . .107
(Familiensteuersplitting) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .84 5.2.10) Steuergerechtigkeit – Schließen von
4.5.3) Weiterentwicklung des Schlupflöchern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .107
Kinderbetreuungsgeldes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .85 5.2.11) Schluss mit Vorsteuerbetrug . . . . . . . . . . . . . . . .108
4.5.4) Jährliche Valorisierung und 5.2.12) Betrug durch ausländische
Inflationsanpassung der Familienleistungen . . . .86 Unternehmensgründer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .108
4.5.5) Bedarfsgerechter Ausbau der Kinderbetreuungs- 5.2.13) Abschaffung der Gesellschaftssteuer . . . . . . . . .108
einrichtungen sowie des Modells der Tagesmütter 5.2.14) Abschaffung der Rechtsgeschäftsgebühren . . . .109
und -väter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .87 5.2.15) Eindämmung der kalten Progression . . . . . . . . .109
4.5.6) Gesicherter Wiedereinstieg in das 5.2.16) Spitzensteuersatz und Kapitalertragsteuer . . . .109
Erwerbsleben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .87 5.2.17) Tabaksteuer – das Kind mit dem
4.5.7) Adäquate Berücksichtigung der Bade ausgeschüttet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .110
Kindererziehungszeiten im Pensionsrecht . . . . . .87 5.2.18) Humanisierung des Steuersystems . . . . . . . . . .110
5.2.19) Vielfältiger Kapitalmarkt, Basel II . . . . . . . . . . . .110
5.2.20) Faire Besteuerung von 6.1.4) Flächendeckende Versorgung und
Beteiligungsveräußerungen . . . . . . . . . . . . . . . . .110 Leistungsschwerpunkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .131
5.2.21) Mehr Kompetenzen für die 6.1.5) Vorsorge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .131
Finanzmarktaufsicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .111 6.1.6) Nachsorge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .132
5.2.22) Liberalisierung der Konkursordnung . . . . . . . . .112 6.1.7) Die HPV-Impfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .132
5.2.23) Familiensplitting . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .112 6.1.8) Chronisch Kranke . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .132
5.2.24) Bagatellsteuern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .112 6.1.9) Naturheilverfahren und Generika . . . . . . . . . . . .133
6.1.10) Abtreibung auf Krankenschein
4 und aktive Sterbehilfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .133
5.3) Unsere Klein- und Mittelbetriebe,
Maßnahmen für die heimische Wirtschaft .112 6.1.11) Sozialversicherung für Ausländer . . . . . . . . . . . .133
5.3.1) Rückgrat der heimischen Wirtschaft, größter 6.1.12) Missbrauch der E-Card . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .133
Inhaltsverzeichnis

Arbeitgeber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .112 6.1.13) Schutz unserer Kinder vor Elektrosmog . . . . . . .134


5.3.2) Vernachlässigung von KMUs durch die Politik . .113
5.3.3) Schrittweise Senkung der Lohnnebenkosten . . .113 6.2) Blaulichtorganisationen . . . . . . . . . . . . . . . .134
5.3.4) Indexanpassung der Geringwertigkeitsgrenze –
Abschreibungsdauer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .114 6.3) Sport und Bewegung . . . . . . . . . . . . . . . . . .135
5.3.5) Begünstigung nicht entnommener Gewinne . . .114 6.3.1) Sport reduziert Gesundheitsausgaben . . . . . . . .135
5.3.6) Rechtsformneutralität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .115 6.3.2) Aktivitäten für Kinder und Jugendliche . . . . . . . .135
5.3.7) Erleichterungen bei der Weitergabe 6.3.3) Behindertensport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .135
von Unternehmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .115 6.3.4) Sport und Parteipolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .135
5.3.8) Wiedereinführung des Investitionsfreibetrages .115 6.3.5) Spitzensport und Doping . . . . . . . . . . . . . . . . . . .136
5.3.9) Verbesserte Objektivierung von 6.3.6) Finanzielle Förderung von
Subventionsvergaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .115 Sport und Spitzensport . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .136
5.3.10) Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft . . . . . . .116
5.3.11) Mindestkörperschaftssteuer . . . . . . . . . . . . . . . .116
5.3.12) Entbürokratisierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .116 7) Sicherheit . . . . . . . . . . . . . . . . .139
5.3.13) Vereinfachungen der Lohnverrechnung . . . . . . .117
5.3.14) Klare Regelung für geschäftsführende
7.1) Entschlossenheit des Rechtsstaates –
GmbH-Gesellschafter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .117 Einsatz der Exekutive . . . . . . . . . . . . . . . . . .139
5.3.15) Vereinheitlichung der Bemessungsgrundlagen .117 7.1.1) Grenze zum Überwachungsstaat . . . . . . . . . . . . .139
5.3.16) Verstärkte Prüfung der Folgekosten 7.1.2) Religionsfreiheit statt Narrenfreiheit . . . . . . . . .139
bei neuen Gesetzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .117 7.1.3) Gewalt gegen Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .139
5.3.17) Masterplan für den Tourismus . . . . . . . . . . . . . .117 7.1.4) Sexualstraftäter: Nicht Opfer ihrer
5.3.18) Raucherhatz in unseren Tourismusbetrieben . .118 Lebensumstände, sondern Verbrecher . . . . . . . .140
5.3.19) Österreichische Betriebe in der 7.1.5) Todesstrafe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .141
Raumfahrttechnologie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .118 7.1.6) Geschönte Statistiken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .142
5.3.20) Reform der LKW-Besteuerung . . . . . . . . . . . . . .119 7.1.7) Ungleicher Kampf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .142
5.3.21) Befreiung vom Andienungszwang . . . . . . . . . . . .119 7.1.8) Drogenkriminalität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .142
7.1.9) Nutzung von DNA-Vergleichen . . . . . . . . . . . . . .143
5.4) Arbeitnehmer in Österreich . . . . . . . . . . . . . .119 7.1.10) Zu geringer Personalstand bei der Polizei . . . . .143
5.4.1) Unternehmer und Mitarbeiter als Partner für 7.1.11) Sicherheitslücken im Meldewesen . . . . . . . . . . .143
Österreichs Wirtschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .119 7.1.12) Videoüberwachung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .144
5.4.2) Atypische Beschäftigungsverhältnisse . . . . . . . .120 7.1.13) Geldwäsche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .144
5.4.3) Erleichterung geringfügiger Beschäftigung . . . .120
5.4.4) Konkurrenzklauseln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .121 7.2) Das Gefängnis als soziale Einrichtung? . . .145
5.4.5) Renaissance des dualen Ausbildungssystems . .121 7.2.1) Überfüllte Haftanstalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .145
5.4.6) Die Teilzeitlehre . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .124 7.2.2) Die europäischen Strafvollzugsgrundsätze . . . .145
5.4.7) Vom Hilfsarbeiter zum Facharbeiter . . . . . . . . . .124 7.2.3) Urlaub in der Kuschelzelle . . . . . . . . . . . . . . . . . .146
5.4.8) Arbeitsrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .125 7.2.4) Vollzugs- und Rückübernahmeabkommen . . . .146
5.4.9) Absetzbarkeit von haushaltsnahen 7.2.5) Privatisierung von Haftanstalten
Dienstleistungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .125 keine Alternative . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .147
5.4.10) Nichtbesteuerung von Überstunden . . . . . . . . . .125 7.2.6) Der Europäische Haftbefehl . . . . . . . . . . . . . . . . .147
5.4.11) Mehr Sicherheit nach
einer Änderungskündigung . . . . . . . . . . . . . . . . .126 7.3) Neue Kriminalitätserscheinungen . . . . . . .148
5.4.12) Der Autofahrer – Objekt fiskalischer 7.3.1) Schaffung einer Sondereinsatzgruppe VIE . . . . .148
Begierden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .126 7.3.2) Tatort Internet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .148

6) Gesundheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .129 7.4) Unser Bundesheer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .148


6.1) Medizinische Versorgung . . . . . . . . . . . . . . . . . . .129 7.4.1) Bekenntnis zur allgemeinen Dienstpflicht . . . . .148
6.1.1) Mehrklassenmedizin und Privilegien . . . . . . . . .129 7.4.2) Gescheiterte Heeresreform . . . . . . . . . . . . . . . . .148
6.1.2) Gesundheitsausgaben, Finanzströme . . . . . . . . .129 7.4.3) 1% des BIP für unser Heer . . . . . . . . . . . . . . . . .149
6.1.3) Gesundheit und Pflege . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .130 7.4.4) Der Milizsoldat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .149
7.4.5) Heimatschutz statt ausgenutzt . . . . . . . . . . . . . .149
7.4.6) 70.000 Mann als mobile Reserve . . . . . . . . . . . . .150 asiatischen Staaten . . . . . . . . . . . . . . . . . . .168
7.4.7) Bekenntnis zur Neutralität . . . . . . . . . . . . . . . . . .150
7.4.8) Einsätze im Ausland . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .151 9.6) Verhältnis zu Afrika und zur Dritten Welt .168
7.5) Blaulichtorganisationen . . . . . . . . . . . . . . . .151

8) Wissen und Inspiration . . . . . .155 10) Europa der Vaterländer . . . . .171


5
8.1) Bildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155 10.1) Vereinigte Staaten von Europa? . . . . . . . . .171
8.1.1) Bildungseinrichtungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155
10.2) Vom Schilling zum Euro . . . . . . . . . . . . . . .171

Inhaltsverzeichnis
8.1.2) Freiheit im Bildungssystem . . . . . . . . . . . . . . . . .155
8.1.3) Bildungsziele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .155
8.1.4) Für eine leistungsfreundliche Schule . . . . . . . . .156 10.3) Bekenntnis zur europäischen Integration .171
8.1.5) Konkrete Maßnahmen zur Reform des
Bildungswesens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .156 10.4) Der Austritt ist kein Tabu . . . . . . . . . . . . . .172
8.1.6) Mitspracherecht der Studierenden . . . . . . . . . . .158
8.1.7) Freier Hochschulzugang . . . . . . . . . . . . . . . . . . .159 10.5) Die Türkei kann nicht Mitglied
der EU werden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .173
8.2) Wissenschaft und Forschung . . . . . . . . . . .159
8.2.1) Die Wissenschaft und ihre Lehre sind frei . . . .159
8.2.2) Verantwortung des Staates . . . . . . . . . . . . . . . . .160 10.6) Staatenbund Europa . . . . . . . . . . . . . . . . . . .173
8.2.3) Einheit von Forschung und Lehre . . . . . . . . . . . .160
10.7) Ein europäisches Vertragswerk . . . . . . . . .174
8.3) Kunst und Kultur . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .161
8.3.1) Was ist Kunst? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .161 10.8) Der EU-Reformvertrag –
8.3.2) Künstlerische Freiheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .161 Gefahr für Österreich . . . . . . . . . . . . . . . . . .175
8.3.3) Deutsche Kulturgemeinschaft . . . . . . . . . . . . . . .161
8.3.4) Unser kulturelles Erbe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .161 10.9) Kerneuropa der Nettozahler . . . . . . . . . . . .176
8.3.5) Private Kunstförderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .162
8.3.6) Der unfreie Staatskünstler . . . . . . . . . . . . . . . . . .162
10.10) Renationalisierung und Subsidiarität . . . . .176
8.3.7) Entwicklung moderner Kunstformen . . . . . . . . .162
8.3.8) Der Bildungsauftrag des ORF . . . . . . . . . . . . . . .162
8.3.9) Modernes Urheberrecht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .162 10.11) Die Grenzen Europas . . . . . . . . . . . . . . . . . .176
8.3.10) Qualität ist keine Schande . . . . . . . . . . . . . . . . . .162
8.3.11) Künstlersozialversicherung . . . . . . . . . . . . . . . . .162 10.12) Europa der Vielfalt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .177
8.3.12) Österreichs Musiktradition . . . . . . . . . . . . . . . . . .163
10.13) Die Blue Card . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .177
9) Weltoffenheit und
10.14) Europa und Neutralität . . . . . . . . . . . . . . . .177
Eigenständigkeit . . . . . . . . . . . . .165
9.1) Die deutsche Sprach- und 10.15) Gemeinsame Außen- und
Kulturgemeinschaft . . . . . . . . . . . . . . . . . . .165 Sicherheitspolitik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .178
9.1.1) Schutz der Interessen des
deutschen Kulturraumes . . . . . . . . . . . . . . . . . . .165 10.16) Bedrohungen Europas und
9.1.2) Das Selbstbestimmungsrecht der seiner Nationen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .178
Völker und Südtirol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .165
9.1.3) Triester Erklärung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .165
9.1.4) Absage an Euregio . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .166
Anhang
9.1.5) Besondere Bedeutung des Balkans . . . . . . . . . .166 1) Geschäftsstellen der
Freiheitlichen Partei Österreichs . . . . . . . .180
9.2) Verhältnis zu islamischen Staaten . . . . . . .167
2) Parlamentarische Klubs der
9.2.1) Freundschaftliche Beziehungen -
Zuwanderungs-Islamismus . . . . . . . . . . . . . . . . .167
Freiheitlichen Partei Österreichs . . . . . . . .181
3) Mitglieder der Bundesparteileitung der
9.3) Verhältnis zu den USA . . . . . . . . . . . . . . . . .167 Freiheitlichen Partei Österreichs . . . . . . . .182
4) Mitglieder des Nationalrates . . . . . . . . . . . .186
9.4) Verhältnis zu Russland und den 5) Mitglieder des Bundesrates . . . . . . . . . . . .186
Nachfolgestaaten der UdSSR . . . . . . . . . . .168 6) Mitglieder des Europaparlaments . . . . . . .186
6) Landtagsabgeordnete . . . . . . . . . . . . . . . . .187
9.5) Verhältnis zu China und den 7) Regierungsmitglieder . . . . . . . . . . . . . . . . .188
8) Vorfeldorganisationen . . . . . . . . . . . . . . . . .189
Klubobmann NAbg.
Heinz-Christian Strache
Bundesparteiobmann

Liebe Freunde!
„Der Mensch“, sagt der französische Philo- Macht und der Privilegien gütlich tun zu
soph Jean-Jacques Rousseau, der im 18. können. Um sich in Brüssel Liebkind
Jahrhundert lebte, „ist frei geboren und machen zu können, lassen sie Österreich
liegt doch überall in Ketten.“ Gewiss sind und seine Menschen im Stich und verkaufen
die Ketten heute subtiler geworden als zu kaltlächelnd unsere Souveränität, unsere
Rousseaus Zeiten, aber zu spüren sind sie Neutralität und somit unsere Identität. Sie
allenthalben. Es sind die Ketten des Pro- stimmen einem EU-Verfassungsdiktat zu,
porzes, des Sozialabbaus, der zügellosen das euphemistisch „Reformvertrag“
Zuwanderung, von denen die Österreicher genannt wird, und wissen genau, dass unse-
heute gefesselt werden, und nicht zuletzt re Heimat damit zu einer entrechteten Brüs-
sind es die Ketten einer außer Rand und seler Provinz degradiert wird.
Band geratenen Europäischen Union, die
unsere Freiheit und unsere Unabhängigkeit Gleichzeitig lassen diese Parteien zu, dass
fesseln. immer mehr Staatsbürger über immer
weniger Einkommen verfügen und über eine
In Österreich ist es einzig und allein die Frei- Million Österreicher an der Armutsgrenze
heitliche Partei, die ihre Finger auf die offe- leben müssen, während die Zuwanderung
nen Wunden legt und die Dinge beim Namen immer absurdere Ausmaße annimmt, der
nennt. Alle anderen Parteien haben sich mit Asylmissbrauch ausufert, islamistische Par-
dem System arrangiert und sind nur daran allelgesellschaften entstehen, die Kriminali-
interessiert, sich an den Futtertrögen der tät – vor allem seit der Schengen-Öffnung -
geradezu explodiert und die Exekutive aus- Allerdings: Die Wählerinnen und Wähler las-
gehungert wird. Aber statt sich um diese sen sich davon nicht beeindrucken. Als ich
drängenden Problemfelder zu kümmern, vor drei Jahren die Obmannschaft der FPÖ
schickt unsere Bundesregierung lieber Sol- übernommen habe, lagen wir in den Umfra-
daten nach Afrika, um bei einem EU-Krieg gen bei zwei bis drei Prozent. Niemand gab
mitzumachen. uns eine Überlebenschance. Aber dann
7
erreichten wir bei den Nationalratswahlen
Dieser schäbigen Vorgangsweise stellt die 11 Prozent, und mittlerweile liegen wir in

Vorwort Heinz-Christian Strache


FPÖ ihr klares Nein entgegen. Als soziale den Meinungsumfragen bei 15 bis 16 Pro-
Österreich-Partei sehen wir es als unsere zent. Zu verdanken haben wir dies der Rück-
Pflicht an, Politik für “Österreicher zuerst” besinnung auf unsere Wurzeln und der
zu betreiben. Für uns stehen die Interessen unermüdlichen und aufopferungsbereiten
der österreichischen Bevölkerung im Vor- Aufbauarbeit unserer Funktionäre und Mit-
dergrund und nicht die Interessen Brüssels glieder, denen allen ich an dieser Stelle ganz
und der EU-Lobbys, die auch hierzulande ihr herzlich danken möchte.
Unwesen treiben.
Mit dem vorliegenden „Handbuch freiheitli-
Deshalb ist die Freiheitliche Partei Öster- cher Politik“ setzen wir nun einen weiteren
reichs den Regierenden, den angepassten Schritt auf dem Erfolgsweg unserer Gesin-
Parteien und den meisten Medien natürlich nungsgemeinschaft. Es bietet in kompakter
ein Dorn im Auge, deshalb wurde und wird Form einen Überblick über alle wichtigen
auch versucht, die FPÖ zu diffamieren und Problemfelder unserer Gegenwart und über
zu zerstören. Für Österreich und seine Men- die freiheitlichen Lösungsmodelle. Denn wir
schen einzutreten ist heutzutage in den stellen nicht nur Fragen – wir haben auch
Augen der opportunistischen Polit- und die Antworten!
Medienlandschaft offenbar ein Kapitalver-
brechen. Darum wird in beispielloser Art
und Weise gegen die FPÖ gehetzt.
NAbg. Ing. Norbert Hofer

Sehr geehrte Damen und Herren!


Freiheit ist unser höchstes Gut. Die Frei- heitlichen Ideale, welche Maßnahmen
heit unseres Heimatlandes Österreich innerhalb der nächsten Jahre notwendig
wird jedoch zunehmend eingeschränkt. sind, um die Souveränität und Unabhän-
Entscheidungen werden abseits des Sub- gigkeit unseres Heimatlandes Österreich
sidiaritätsprinzips nach Brüssel delegiert, und die Selbstbestimmungsfähigkeit der
die demokratischen Mitbestimmungs- Österreicher zu retten.
möglichkeiten der Bürger sukzessive ein-
geschränkt. Eine überbordende Zuwande- Österreich hat einen reichen Schatz an
rung aus fremden Kulturkreisen bewirkt tüchtigen, gut ausgebildeten und charak-
eine radikale Änderung in unserer Bevöl- terstarken Menschen, einen breiten Fun-
kerungsstruktur. Der Islam ist die zweit- dus an einzigartigen Kulturgütern, her-
größte Glaubensgemeinschaft in Öster- vorragende Experten und Wissenschafter,
reich und will bis zum Ende des Jahrhun- fähige Unternehmer und das Glück, auf
derts die weitaus stärkste Bevölkerungs- erneuerbare Energiequellen und frucht-
gruppe in ganz Österreich stellen. bare Böden in einer schützenswerten und
gesunden Umwelt zugreifen zu können.
Unsere Bürger und unsere Wirtschaft
werden – trotz reichhaltiger erneuerbarer Unser Wille zur Unabhängigkeit ist nicht
Ressourcen und bestehender Selbstver- von Engstirnigkeit geprägt, sondern von
sorgungsfähigkeit – von Energieimporten der Überzeugung, dass unsere Rolle in
aus dem Ausland, von gentechnisch mani- Europa und der Welt statt von Selbstauf-
pulierten Nahrungsmitteln und fremdbe- gabe und Gleichgültigkeit von Selbstbe-
stimmten Konzernen abhängig gemacht. wusstsein und Souveränität geprägt sein
muss.
Der FPÖ als soziale Heimatpartei bleibt
nur beschränkt Zeit, um die Weichen noch Wird der eingeschlagene Weg der Igno-
vor dem vielzitierten Punkt ohne Wieder- ranz und Selbstverleugnung fortgesetzt,
kehr verantwortungsbewusst richtig zu so bedeutet dies den Ausverkauf unserer
stellen. Heimat zugunsten der kleinkarierten
Brüsseler Bürokratie am Gängelband
Wir stehen für mehr Miteinander, mehr nadelgestreifter Vorstandsetagen. Unsere
Freiheit und gelebte Heimatliebe. Dieses Enkelkinder werden dann in einem Land
Handbuch zeigt auf Basis unserer frei- leben, in dem die Demokratie von einer
9

Vorwort Norbert Hofer


Diktatur der Konzerne abgelöst wurde, in Salzburger Tracht, ohne die von uns
dem die Freiheit des Menschen in enge geliebten Eigenheiten der Oberösterrei-
Schranken gewiesen ist, in dem echte cher, Niederösterreicher oder Vorarlber-
Frauenrechte Vergangenheit sind und in ger.
dem das Minarett das Ortsbild unserer
Gemeinden prägt. Ein islamisches Öster- Uns bleibt nicht unbeschränkt Zeit, um
reich unter dem Halbmond und ohne Neu- unsere Ziele für ein freies Österreich und
tralität, kein Sozialstaat, sondern Ellbo- selbstbestimmte Menschen durch kon-
gengesellschaft. Ein Österreich ohne krete politische Maßnahmen umzusetzen.
unsere Leitkultur und unsere bewährte Denn schon bald haben wir ihn erreicht,
Struktur und Tradition, ohne den echten den Punkt ohne Wiederkehr.
Wiener, ohne den typischen Kärntner,
Steirer, Burgenländer oder Tiroler. Ohne
Generalsekretär NAbg.
Herbert Kickl

Liebe Leserinnen und Leser!


Die FPÖ will die Zukunft unseres Landes Die FPÖ hat durch ihren Erneuerungspro-
maßgeblich mitbestimmen. zess in den letzten drei Jahren bewiesen,
dass die tagesaktuelle Politik auf konkreten
Jene, die regieren, aus der Rolle der Opposi- und unerschütterlichen Grundsätzen aufge-
tion heraus zu kritisieren, die Finger auf die baut sein muss, die über das unmittelbare
wunden Punkte zu legen und Fehlentwick- Hier und Jetzt hinaus wirksam sein müssen.
lungen entgegen zu wirken ist dabei das eine Unter dem Begriff der "Sozialen Heimatpar-
wesentliche Moment. Das andere ist es, sich tei" bietet sie neue und nachhaltige Lösungs-
selbst auf die Verantwortung im Rahmen ansätze für die Probleme des neuen Jahr-
einer Regierung vorzubereiten, die besse- hunderts. Egal ob Wirtschaftspolitik, Sozial-
ren, nachhaltigeren und zukunftsfähigeren politik, Europapolitik, Finanzpolitik, Famili-
Konzepte für den demokratischen Wettbe- en-, Frauen-, Jugend- oder Finanzpolitik,
werb zu entwickeln. Beiden Aspekten alle diese "Politiken”, deren Kerninhalte auf
gemeinsam ist die vertiefte inhaltliche Arbeit den folgenden Seiten zusammengefasst
für die wesentlichen Politikfelder. sind, sind beseelt von der Idee, soziales
Gewissen in Verbindung mit dem Schutz der
Die Ära HC Strache ist für die FPÖ wieder Heimat und ihrer Bürger als Grundsätze
eine Ära des Aufbruchs. Sichtbares Zeichen allen politischen Handelns zu sehen.
dafür sind nicht nur die erneuten und ein-
drucksvollen Wahlerfolge seit 2005, sondern Das vorliegende Handbuch, für dessen
vor allem die Themenführerschaft, die die Zustandekommen ich mich bei meinem Kol-
FPÖ in substanziellen Fragen der österrei- legen NAbg. Norbert Hofer stellvertretend
chischen Innenpolitik für sich in Anspruch für alle Beteiligten recht herzlich bedanke,
nehmen kann. Die FPÖ reagiert nicht nur auf ist kraftvolles Zeugnis dieses Bekenntnis-
politische Herausforderungen, sondern ses. Es soll jenen, die in der politischen Pra-
stellt den Anspruch, Zukunft aktiv mitzuge- xis stehen, genauso Leitlinie sein, wie es
stalten.Es ist ihr besonderes Verdienst, The- jenen, die politisch reflektieren, Anregung
men und Problemfelder aufzugreifen, die und Anstoß zum Weiterdenken sein soll.
von den Menschen im persönlichen Erleben
als brisant empfunden, von den anderen
Parteien aber gerade deshalb tabuisiert
werden.
Generalsekretär NAbg.
Harald Vilimsky

Sehr geehrte Damen und Herren!


Seit rund 35 Jahren wird mit schöner Regelmäßig- sel, straft all seine parteiinternen und externen Kri-
keit über Reformen unseres politischen Systems tiker Lügen und erfüllt sich seinen Sandkasten-
geredet. Erst jüngst ist die Diskussion rund um ein traum, und doch steht er am Beginn des Jahres
Mehrheitswahlrecht neu aufgeflammt, um – 2008 vor dem Scherbenhaufen seiner gescheiter-
obwohl bei SPÖ und ÖVP durchaus Sympathien ten Politik. Dabei geht es gar nicht so sehr darum,
dafür erkennbar sind – wieder verworfen zu wer- ob er jetzt Wahlversprechen (Studiengebühren,
den. Ein Blick in die österreichische Innenpolitik Eurofighter etc.) über Nacht geopfert oder aber
lässt jedoch, wenn man die derzeitigen Scharmüt- sämtliche relevante Ministerien der ÖVP überlas-
zel zwischen der SPÖ und der Volkspartei einmal sen hat. Er, Gusenbauer, hat mit der unsäglichen
ausblendet, durchaus den Schluss zu, dass Öster- Bestellung von Darabos zum Verteidigungsmini-
reich im Vergleich mit anderen Ländern durchaus ster und dessen Tschad-Abenteuer einen Tabu-
stabil ist und Kontinuität aufweist. bruch begangen, den man vielleicht Schüssel oder
Haider zugetraut hätte. Dass seit 1945 erstmals
Problematischer ist in diesem Zusammenhang viel österreichische Soldaten zu Kampfeinsätzen ins
eher die Tatsache, dass die politischen Repräsen- Ausland geschickt werden und dabei die Neutrali-
tanten mehr und mehr austauschbar werden. Egal tät, bislang die heilige Kuh der SPÖ, ohne mit der
ob Gusenbauer oder Molterer – beide repräsentie- Wimper zu zucken am Altar des politischen
ren eine Politspezies, die ohne Ecken und Kanten Befehlsempfangs geopfert wird, hätte wohl nie-
eine Beliebigkeit in ihrer Außendarstellung vor- mand zu denken gewagt.
weist, wie es diese Republik schon lange nicht
mehr erlebt hat. Dass gerade die Sozialdemokra- Selbstverständlich dürfen wir alle nicht so blauäu-
ten als Partei der „Systemerhaltung“ innerhalb gig sein und die typische Buckelhaltung Österreichs
zweier Dekaden von einem stabilen Faktor zu einer bei „Aufgaben von europäischer Dimension“ ver-
Partei der Getriebenen mutiert sind, verwundert ein gessen. Natürlich hat die Republik mit der Abstim-
wenig. Das Erbe von Renner, Körner, Schärf und mung am 12. Juni 1994 und dem darauffolgenden
Kreisky ist seit der Ära Vranitzky kaum mehr wieder Beitritt zur europäischen Union einen Gutteil der
zu erkennen. Die Planlosigkeit und völlige Entwur- Souveränität an Brüssel abgegeben. Es kommt
zelung hat bis in das Kabinett Gusenbauer hinein jedoch darauf an, was die Staaten aus diesen neuen
ihre Schatten geworfen. Wer könnte bessere Gegebenheiten machen. Während sich Österreich
Geschichten schreiben als es die aktuelle Tagespo- als „Musterschüler“ auf dem europäischen Ban-
litik vermag? kett generiert, kommt etwa in Großbritannien nie-
mand auf die Idee, den Euro als Währung einführen
Da erklimmt Gusenbauer, entgegen allen Progno- zu wollen. Auch die im November 2007 angekün-
sen aus dem Jahr 2000, doch noch den Kanzlerses- digte Volksabstimmung in Dänemark, die den
Skandinaviern anstatt der Krone den Euro als Wäh- Rechte beraubt und, wenn das so weiter geht, bald
rung bringen soll, wäre negativ ausgefallen. nur mehr Verwaltungsbefugnis haben. Beweise
hierfür gibt es zur Genüge: EU-Richtlinien, die uns
Die Diskussion rund um den Reformvertrag hat in unserer Souveränität gewaltig einschränken
uns eindringlich vor Augen geführt, dass dieser und jüngst natürlich der EU-Reformvertrag, der
europäische Zug längst ohne Europäer unterwegs nichts anderes bedeutet, als dass das Ende der
12
ist. Das „Nein“ der Franzosen und der Holländer rechtlichen Eigenstaatlichkeit eingeläutet wird.
zur EU-Verfassung ist uns noch allen in lebhafter Nicht zuletzt deswegen haben österreichische
Vorwort Harald Vilimsky

Erinnerung. Wie so eine Abstimmung in Österreich Rechtsexperten, wie etwa Mayer und Öhlinger,
geendet hätte, darf sich jeder selbst ausmalen. eine bindende Volksabstimmung zur EU-Verfas-
Genau deswegen durften die Österreicher auch sung gefordert. Der nunmehrige Reformvertrag
damals nicht befragt werden und genau darum ist in seinen Grundfesten nichts anderes als eine
darf – außer den Iren – auch diesmal niemand Neuauflage dieses Machwerkes. Aus diesem
befragt werden. Man braucht jedoch kein Weltver- Grund ist auch die freiheitliche Initiative nach einer
schwörer sein, um diese Posse zu durchschauen. verpflichtenden Volksabstimmung darüber eine
Selbstverständlichkeit.
Die Republik ist im Wandel und während man sich
zwischen Ballhausplatz und Himmelpfortgasse Es muss gesichert werden, dass wir unsere
über einen „Teuerungsausgleich“ streitet, um eine Republik und die daraus abgeleitete gesell-
Steuerreform 2009 oder 2010 rauft oder aber die schaftspolitische Verantwortung auch weiterhin
SPÖ der ÖVP Bespitzelung vorwirft, kontert die selbst bestimmen können. Die Abstimmung vom
Volkspartei mit steigenden Umfragewerten. 12.06.1994 ist nicht gleichzusetzen mit Selbstauf-
gabe und dem Ende der Republik, so wie es eini-
Das Kabinett „Gusi 1“, so kann man mit ziemlicher ge Eurokraten in Brüssel gerne hätten. Österreich
Sicherheit schon heute diagnostizieren, wird wohl darf und wird sich nicht der Zäsur durch den Dik-
kaum eine Fortsetzung mit den handelnden Per- tator „EU“ unterwerfen. Der Auftrag der Freiheit-
sonen finden. Ob diese Koalition aber bereits im lichen liegt dabei auf der Hand: Wir werden uns
Jahr 2008 oder erst 2009 scheitern wird, ist aus gemeinsam wehren, werden auch weiterhin für
Sicht der Österreicher insofern wichtig, da diese mehr direkte Demokratie kämpfen.
Republik vor höchst wichtigen Aufgaben steht und
auch aufrichtige Menschen an ihrer Führungs- Die Republik und ihre Staatsorgane wissen selbst
spitze braucht, um diese ernsten Probleme zu am besten, was gut für die Menschen in diesem
lösen. Land ist und wir können gut und gerne auf den
Zentralismus Brüssels verzichten. Jenen „Gro-
Europa und damit Österreich stehen im neuen ßen“, für die nicht das Wohl Österreichs und der
Jahrhundert vor einem Scheideweg. Neben den Völker Europas vordergründig ist, sondern die ein-
parteipolitischen Plänkeleien geht es vor allem zig nach ihrem persönlichen Wohl trachten und
darum, diesem alten Kontinent neues Leben ein- wirtschaftspolitisch im Sold multinationaler Kon-
zuhauchen und nicht durch eine völlig irrwitzige, zerne stehen, muss eine mutige patriotische Poli-
neoliberale Wirtschaftspolitik in den Abgrund trei- tik in rot-weiß-rot entgegengesetzt werden, wie
ben zu lassen. Diese Politik, betrieben von den sie von dieser neu erstarkten FPÖ betrieben wird.
Mächtigen aus Brüssel, diktiert eine Richtlinie Eine gedeihliche Zukunft Europas und seiner Völ-
nach der anderen, schränkt die einzelnen Staaten ker sollte allem voran stehen, die Zukunft der Völ-
ein, wo man nur einschränken kann und ein Ver- ker muss garantiert und dem Zentralismus und
trag jagt den nächsten. In Wahrheit wird die öster- der Wirtschafts- bzw. Industriehörigkeit eine klare
reichische Regierung damit immer unwichtiger, Absage erteilt werden, damit wir frei, souverän in
denn sie wird mehr und mehr ihrer eigentlichen einem Europa der Pluralität bleiben können.
Klubdirektor Parl.-Rat Mag.
Norbert Nemeth

Sehr geehrte Damen und Herren!


Das vorliegende Handbuch stellt eine beein- Der folgenschwerste Auflösungsmechanis-
druckende Sammlung von freiheitlichen mus muss in dem Versuch, die traditionelle,
Ideen und Forderungen dar. Sehr viele die- auf der Ehe basierende Familie zu zerset-
ser Forderungen haben bereits ihren Ein- zen, gesehen werden. Unsere politischen
gang in die parlamentarische Arbeit gefun- Gegner haben das erklärte Ziel, den gelten-
den. Manche Idee benötigt noch etwas Zeit den Ehebegriff zu ändern. An die Stelle der
und Diskussion. Ehe, also jenes Rechtsinstitutes das den
Zweck hat Kinder zu zeugen und zu erzie-
Der Wert der vorliegenden Arbeit liegt darin, hen, und das damit den Bestand des Volkes
dem freiheitlich gesinnten Menschen eine sichern soll, soll die Institution einer
Orientierungshilfe für seine politische Arbeit geschlechtsneutralen Lebensgemeinschaft
zu geben. Eine solche Hilfestellung ist in treten.
einer Zeit, in der vertraute Strukturen sehr
stark in Auflösung befindlich sind, von Freiheitliche Politik hat daher nicht nur die
besonderer Bedeutung. Aufgabe, an der Bewältigung der Zukunft
mitzuarbeiten, sondern sie hat auch das
Als Beispiel für die allgegenwärtigen Zerset- Ziel, bewährte Strukturen zu verteidigen. Vor
zungstendenzen sei an die Tatsache ge- diesem Hintergrund ist es entscheidend,
dacht, dass wir ab dem 1. Jänner 2009 in unseren Funktionären ein brauchbares
einem anderen Staat leben werden. Der Argumentarium mit auf den Weg zu geben.
Staat Österreich löst sich auf und degradiert
sich selbst zum regionalen Selbstverwal-
tungskörper des Superstaates Europäische
Union.
Freiheit und Verantwortung
Freiheit ist unser höchstes Gut. Sie uns und unseren Nachkommen zu erhal-
ten, dem gilt unser Streben.
17

1.1) Freiheitsrechte des Einzelnen heitsrechte tatsächlich gewährleistet und

Freiheit und Verantwortung


und der Gemeinschaft staatlich garantiert sind. Dazu gehören ins-
besondere die Meinungs-, Vereins- und Ver-
Es entspricht freiheitlicher Geisteshaltung, sammlungsfreiheit, die Glaubens- und
dem einzelnen Menschen die Freiheit als Gewissensfreiheit sowie die Presse- und
höchstes Gut einzuräumen und darin gleich- Informationsfreiheit. Informations- und
zeitig einen unverzichtbaren Wert zu sehen. Medienmonopole widersprechen der Idee
Der einzelne Mensch ist jedoch stets in eine der Freiheit.
Gemeinschaft gestellt, von der Familie bis
zum Volk, die ebenfalls selbständig Träger Das Briefgeheimnis als fundamentales
von Freiheitsrechten sind. Grund- und Freiheitsrecht ist das jüngste
Opfer einer fehlgeleiteten Politik im Geiste
1.2) Selbstverantwortung als Vor- Metternichs. Gerade in der Tatsache, dass
aussetzung für Freiheit elektronische Nachrichten in Zukunft
bereits ohne richterliche Sanktion von be-
Die FPÖ bekennt sich zur Eigenverant-
stimmten Organen eingesehen werden dür-
wortung des Bürgers. Der Wille zur Selbst-
fen, ist zweifelsohne eine erhebliche Ein-
verantwortung ist Voraussetzung für echte
schränkung des Briefgeheimnisses zu
Freiheit. Dies betrifft auch unseren Staat.
sehen.
Österreich kann nicht frei sein, wenn wir
Verantwortung delegieren.
Freiheit bedingt einerseits Eigenverantwor- 1.4) Religionsfreiheit und Freiheit
tung und bedarf andererseits des Schutzes von Dogmen
durch das Recht. Freiheit ist darüber hinaus Das Bekenntnis zur Religionsfreiheit bedeu-
Verpflichtung zur Verantwortung für den tet nicht nur die Freiheit, sich zu einer Reli-
Anderen. Freiheitliche Politik sieht es als Teil gionsgemeinschaft zu bekennen, sondern
der Eigenverantwortung freier Menschen an, auch den Schutz des Einzelnen und der
notwendige Verpflichtungen im Dienste von Gemeinschaft vor religiösem Fanatismus.
Volk, Heimat und Staat zu übernehmen. Verfassung und Gesetze stehen in unserer
Wahrgenommene Eigenverantwortung ist der säkularisierten Gesellschaft, die auf der
beste Schutz vor Fremdbestimmung. Freiheit Basis christlicher Werte, des Humanismus
bedarf dennoch ihrer Sicherung im Rahmen und der Aufklärung entstanden ist, über
einer Rechtsordnung, die der Entfaltung der Dogmen von Glaubensgemeinschaften und

1
politischen und persönlichen Freiheit zu die- Heilslehren.
nen hat und ein Gleichgewicht von Rechten
und Pflichten für jeden herstellt.
Somit ist die Zuerkennung des Status´ einer
gesetzlich anerkannten Religionsgemein-
1.3) Grund- und Freiheitsrechte schaft durchaus als widerruflich zu betrach-
Ein Höchstmaß an Freiheit kann nur dort ten. Religionsgemeinschaften, die theore-
bestehen, wo sämtliche Grund- und Frei- tisch oder faktisch staatspolitische Zielset-
zungen verfolgen, widersprechen dem chische Staatsbürger muss außerdem die
Grundsatz der Säkularisierung. Gewissheit haben, dass ihm im Notfall die
Solidargemeinschaft helfend zur Seite steht.
1.5) Autonomie der Familie und
der Volksgruppen 1.8) Der Sinn in sich selbst
18 Die Familie hat Anspruch darauf, ihre Ver- Jeder Mensch ist einzigartig und als Person
hältnisse in autonomer Weise nach innen unverwechselbar. Daraus erfließt die jedem
und nach außen individuell zu gestalten. Menschen eigene und unantastbare persön-
Freiheit und Verantwortung

Dies bedeutet auch, dass im Rahmen dieser liche Würde. Der Mensch hat seinen Sinn in
Autonomie die persönlichen Rechte der ein- sich selbst, die Daseinsberechtigung des
zelnen Familienmitglieder gegenseitig Menschen, seine Gesundheit und seine
geachtet werden. Würde sind Nützlichkeitserwägungen nicht
zugänglich.
Familie und Volk sind organisch gewachse-
ne Einheiten, die in der Politik Berücksichti- Jedem Menschen gebührt Achtung und
gung finden müssen. Völker und Volksgrup- Respekt vor seiner Persönlichkeit. Niemand
pen haben einen Anspruch darauf, dass ihre hat das Recht, durch Zwang oder Gewalt die
Lebensrechte gewahrt und die Entfaltung körperliche Unversehrtheit und geistige Inte-
ihrer Eigenart auf friedliche Weise ermög- grität des Menschen zu verletzen und dadurch
licht wird seine Würde anzutasten. Niemand darf nur auf
Grund seiner Überzeugungen, Anschauungen
1.6) Selbstversorgungsfähigkeit und Auffassungen verfolgt werden.
als Basis unserer Freiheit
Es ist Aufgabe freiheitlicher Politik, dem
Eine gestärkte Souveränität, auch in Ener- Menschen zu ermöglichen, sich zu entwik-
giefragen und im Rahmen der Versorgung keln und sein Dasein menschenwürdig zu
mit gesunden Lebensmitteln, schützt die gestalten. Die Achtung und der Respekt vor
Freiheit unserer Staatsbürger, deren vitale der Persönlichkeit schließt jede Form der
Lebensinteressen nicht zum Spielball inter- Diskriminierung auf Grund bestimmter
nationaler Spekulanten und Konzerne wer- Werthaltungen und politischer Einstellun-
den dürfen. gen aus.

1.7) Eigentum, Chancengerechtig- Es ist mit der Würde des Menschen unver-
keit und Solidargemeinschaft einbar, ihn durch Bevormundungen oder
andere Eingriffe, insbesondere nach ideolo-
Die Verwirklichung und die Erhaltung von gischen und weltanschaulichen Schablonen,
Freiheit bedingt politische, soziale und wirt- gegen seinen Willen zu beeinflussen oder
schaftliche Verhältnisse, die Chancenge- umzuerziehen. Staatliche Umerziehung,
rechtigkeit und freie Entfaltung ermögli- Bevormundungen und Gängelungen sind
chen. Privates Eigentum ist Ausdruck der gegen die Menschenwürde gerichtet und
Verwirklichung von Freiheit. Ziel eines frei- verneinen die Verschiedenartigkeit aller
heitlich geordneten Gemeinschaftslebens ist Menschen. Nach vorbestimmten Normen
die bestmögliche Entwicklung aller schöpfe- und ideologischen Konzepten erfolgende
rischen Kräfte. Der sinnvolle Gebrauch der Zwangsbeglückungen oder gar totalitäre
Freiheit durch alle Bürger kann nur über Umformungen zu einem unkritischen Nutz-
eine möglichst breite Streuung privaten menschen sind mit der Achtung der Men-
Eigentums gesichert werden. Der österrei- schenwürde unvereinbar.
Heimat und Identität
Das Recht auf Heimat ist Menschenrecht. Wir sind dem Erhalt unserer Hei-
mat und unserer Lebensgrundlagen verpflichtet.
21

Heimat und Identität


2.1) Recht auf Heimat Wir bekennen uns zu einer säkularisierten
Gesellschaft, zur Trennung von Kirche und
2.1.1) FPÖ als Heimatpartei
Staat. Religionsfreiheit bedingt nicht nur die
freie Wahl der Zugehörigkeit zu einer Glau-
Die FPÖ bekennt sich zum Ziel, die österrei-
bensgemeinschaft sondern auch den Schutz
chische Leitkultur, die Heimat und die
des Staatsbürgers vor Extremisten, die aus
autochthone Bevölkerung zu schützen. Das
vermeintlich religiösen Gründen nicht bereit
Grundrecht auf Heimat verpflichtet uns zu
sind, die österreichische Verfassung und
einer verantwortungsvollen Kontrolle bei
unsere Gesetze zu achten.
der Zuwanderung in unser Heimatland.
Österreich ist kein Einwanderungsland.
Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass
jede in Österreich aktive Religionsgemein-
Eine staatliche Förderung des multikulturel-
schaft zur Kenntnis nehmen muss, dass in
len Synkretismus wird von uns abgelehnt.
Österreich Frauen und Männer gleiche
Österreich braucht weder Amerikanisierung
Rechte haben. Das freiheitliche Verständnis
noch Islamisierung. Die abendländische Kul-
von Gleichberechtigung umfasst gleiche
tur ist reichhaltig und vielfältig. Sie verbindet
Pflichten, gleiche Rechte und vor allem
die europäischen Kulturnationen. Es gilt
Gleichwertigkeit. Zwangsehen, Zwangsbe-
daher, den Tiefgang und die Weiterentwick-
schneidungen und die Unterdrückung von
lung unserer eigenen Kultur zu ermöglichen.
sowie Gewalt gegen Frauen sind in unserem
Rechtsstaat keineswegs durch „Religions-
2.1.2) Das christliche Abendland
freiheit“ gedeckt. Wir wollen ein Miteinander
der Geschlechter und der Generationen. Das
Eine Studie der Akademie der Wissenschaf-
Selbstbestimmungsrecht der Frauen ist von
ten „Neue Projektionen der Bevölkerung in
allen hier lebenden Kulturkreisen zu akzep-
Österreich nach dem Religionsbekenntnis“
tieren. Die Wahlfreiheit der Frauen über ihre
zeigt sehr deutlich, in welche Richtung sich
Lebensgestaltung ist zu garantieren, deren
unser Heimatland derzeit entwickelt.
vorsätzliche Einschränkung zu bestrafen.
Aus der Schlussfolgerung der Studie: „Die
Religionsgemeinschaften, die unsere Tren-
Struktur der Glaubensgemeinschaften in
nung von Kirche und Staat in Frage stellen
Österreich hat sich in den letzten Jahren
oder bekämpfen, verlieren das Privileg der

2
verändert…..Stark hat die Gruppe der Musli-
gesetzlichen Anerkennung und damit den
me und der Personen ohne Bekenntnis
Status als Körperschaft des öffentlichen
zugenommen…...In allen Berechnungen ist
Rechts.
ein weiterer Rückgang der Mitglieder der
römisch-katholischen Kirche zu sehen. Die
Wesentlicher Bestandteil unserer Leitkultur
Schere bewegt sich zwischen 60 und 35 Pro-
ist die Vielfältigkeit unserer Architektur, die
zent……Sicherlich wird die Gruppe der Mos-
seit Jahrhunderten Ausdruck der ange-
lems am stärksten anwachsen…….“
stammten Volksgruppen in Österreich ist. "Märtyrertod im heiligen Krieg auf dem Weg
Der Bau von Sakralbauten unterliegt, unter zu Gott" sei ein häufiges Thema seiner Pre-
Einhaltung aller gesetzlichen Bestimmun- digten, so die "Times".
gen, der Religionsfreiheit. Unsere Dorfkir-
chen und unsere Dome in den Städten sind, Auch in Österreich erfolgt die Ausbildung isla-
wie das Kreuz, auf der Grundlage der Tren- mischer Lehrer an einer eigenen Islamischen
22
nung von Kirche und Staat, Teil unserer Religionspädagogischen Akademie. Islami-
gewachsenen kulturellen und geistigen schen Religionsunterricht an den österreichi-
Heimat und Identität

Identität. schen Schulen gibt es seit dem Schuljahr


1982/1983. Rund 50.000 Kinder werden von
Das Errichten von Symbolen eines fremden 400 Lehrern an öffentlichen Schulen in Öster-
Herrschaftsanspruchs über unsere Heimat reich in den Koran eingeweiht.
unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit
und von politisch-religiösen Siegeszeichen In Wien wurde für den Schulunterricht im
wie Minaretten, widerspricht der Errungen- Oberstufenbereich der AHS und für die BMHS
schaft der Säkularisierung und ist in Öster- ein Schulbuch verwendet, das sich mit der
reich zu untersagen. Das Brechen unserer Todesstrafe und archaischen, in islamischen
Verfassung und unserer Gesetze, wie durch Ländern auch heute praktizierten Bestrafun-
Gewalt gegen Frauen, durch das Missachten gen wie Handabhacken oder Auspeitschun-
von Presse- und Meinungsfreiheit oder gen beschäftigt. Unzucht und der Abfall vom
durch Tierquälerei, ist ebenfalls nicht durch Islam sollen laut dem Autor dieses Schulbu-
Religionsfreiheit gedeckt. ches ebenso mit dem Tode bestraft werden
wie Homosexualität. Bereits in der Einleitung
In Österreich lebt derzeit rund eine halbe des Buches wird der Weltherrschaftsan-
Million Muslime. Die letzte offizielle Statistik spruch des Islam untermauert. Die Scharia,
stammt aus dem Jahr 2001, also von der die islamische Gesetzgebung, stehe über
letzten Volkszählung. Damals wurden dem Rechtsstaat westlicher Demokratien
338.998 Muslime in Österreich offiziell regi- und gelte ausnahmslos für alle Menschen –
striert. Illegal in Österreich befindliche Per- daher seien auch nichtmuslimischen Dieben
sonen scheinen in dieser Statistik natürlich die Hände abzuhacken.
nicht auf.
Ein Mann darf, so dieses Schulbuch, das an
In Österreich gibt es schon jetzt mehr als öffentlichen Schulen in Österreich verbreitet
200 Moscheen. Zum Vergleich: In Großbri- war, bis zu vier Frauen heiraten. Das wird
tannien wurden bereits 1350 Moscheen als Gegenmodell zum dekadenten Westen
errichtet. Fast die Hälfte dieser Moscheen gesehen. Der Mann ist unumschränkter
ist nach Informationen der Tageszeitung Herr der Familie, die Frau schuldet ihm
"The Times" von islamistischen Predigern unbedingten Gehorsam. Verstößt sie gegen
unterwandert. Als zentrale Figur dieser das Gehorsamsgebot, soll sie zunächst „im
"neuen Generation britischer Imame" nennt Guten“ zur Räson gebracht werden. Gelingt
die Zeitung den Leiter der Islamischen Aka- das nicht, ist die nächste Stufe das Fernblei-
demie in Leicester. Er lehre an diesem Insti- ben im Ehebett. Fruchtet auch diese „erzie-
tut und damit auf britischem Boden, dass die herische Maßnahme“ nicht, darf der Mann
Freundschaft mit Juden und Christen eine die Frau gemäß seines Züchtigungsrechts
"Verspottung Allahs" sei. Zudem fordere er schlagen. Frauen ist auch sonst nicht viel
generell die strikte Abschottung der Musli- erlaubt. Nur ihr Gesicht und ihre Hände dür-
me von der Mehrheitsgesellschaft. Auch der fen sichtbar sein, die Verwendung von Kos-
metika ist nur zu Hause erlaubt. Eine Frau, Der Islam ist nicht nur eine Religion, er ist
die in der Öffentlichkeit Parfum benutzt, ist auch ein Rechtssystem. Der Islam bildet
eine Ehebrecherin, trägt sie Hosen, ist sie eine politische Anschauung mit eigenen
vom Propheten verflucht. Die Frau, die sich Gesetzen für die Gläubigen, die aus den Ver-
einen modischen Haarschnitt zulegt, ist sen des Korans und den Überlieferungen
ebenso verflucht wie ihr Friseur. Perücken bestehen. Wegweisend soll für die Fragen,
23
sind grundsätzlich strengstens verboten, für die im Koran keine klaren und deutlichen
selbst wenn damit krankheitsbedingter Bestimmungen enthalten sind, neben den

Heimat und Identität


Haarausfall kaschiert werden soll. Überlieferungen und dem Koran das Leben
des Propheten sein.
Das Haus soll die Frau am besten gar nicht
verlassen, um eventuellen Körperkontakt Der Islam ist eine Religion, die die Welt als
mit Männern im Autobus oder im Kino o. ä. Kriegsschauplatz ansieht - und zwar solange,
zu vermeiden. Das heiße aber nicht, dass sie bis die gesamte Menschheit islamisch ist.
eingesperrt sei: Wenn sie ihren Mann bittet,
die Moschee besuchen zu dürfen, darf er ihr (Siehe etwa Sure Al-Baqara 2,191 [„Tötet
das nicht verweigern. Was außergewöhnliche sie, wo ihr sie findet"], At-Tauba 9,29:
sexuelle Praktiken anbelangt, brauche sich „Kämpft mit Waffen gegen diejenigen, die
der Muslim seinen Kopf nicht zu zerbrechen, nicht an Allah glauben, noch an den jüng-
denn die Frau sei der „Acker“ des Mannes. sten Tag glauben, und die nicht für verbo-
ten erklären, was Allah und sein Gesandter
Angesichts solcher Inhalte ist es notwendig, Mohammed für verboten erklärt haben, und
dass Bücher für den Religionsunterricht so die sich nicht nach der rechten Religion
wie alle anderen Schulbücher von einer (dem Islam) richten - von denen, die die
unabhängigen Stelle approbiert werden. Der Schrift erhalten haben (d. h. Juden und
Religionsunterricht muss außerdem in deut- Christen) - kämpft mit der Waffe gegen
scher Sprache abgehalten werden. Lehrer diese, bis sie die Minderheitensteuer abge-
mit mangelnden Deutschkenntnissen dürfen ben als Erniedrigte!")
keine Lehrerlaubnis bekommen.
An vielen Stellen im Koran rechtfertigt
Bereits im Jahr 2050 sollen laut einer Studie Mohammed - bzw. nach muslimischer Vor-
der Akademie der Wissenschaften mehr als stellung Allah - die Gewalt gegen Anders-
50 Prozent der österreichischen Kinder der gläubige.
islamischen Glaubensgemeinschaft ange-
hören. Sie sind des Todes (z.B. Sure Muhammad 47,
4; Al-Baqara 2, 191; 4, 89), sollen unterwor-
Die staatliche Anerkennung der Muslime in fen werden (siehe oben Sure 9, 29), dürfen
Österreich geht auf das Islamgesetz von vertrieben und enteignet werden (Sure Al-
1912 zurück. 1979 wurde die Islamische Hasr 59). Sure Al-Ma'ida 5, 33 „Der Lohn
Glaubensgemeinschaft als Körperschaft derer, die gegen Allah und Seinen Gesand-
Öffentlichen Rechts gegründet. ten Krieg führen und Verderben im Lande zu
erregen trachten, soll sein, daß sie getötet
Exekutivorgan der Glaubensgemeinschaft oder gekreuzigt werden oder daß ihnen
ist der zwölfköpfige Oberste Rat. Er wird Hände und Füße wechselweise abgeschla-
vom Schura-Rat gewählt, den wiederum die gen werden oder daß sie aus dem Lande
Gemeindeausschüsse beschicken. vertrieben werden."
Umfangreiche Kapitel der Werke, die die 2.1.3) Asyl und Asylmissbrauch
Sunna - das Norm setzende Handeln
Mohammeds - enthalten, sind dem Jihad Die FPÖ bekennt sich dazu, aus rassischen,
gegen Anders- und Nichtgläubige gewidmet. religiösen oder politischen Gründen Verfolg-
ten politisches Asyl zu gewähren, sofern sie
Auch die Geschichte des Christentums ist nicht über ein sicheres Drittland ins Bun-
24
nicht frei von Gewalt. Europa ist jedoch den desgebiet einreisen. Jeder Verfolgte hat
Weg der Aufklärung gegangen, der Islam hat aber weiterhin das Recht, sich zu seinem
Heimat und Identität

diese Entwicklung nicht vollzogen. Kulturkreis zu bekennen und in seine eigene


Heimat zurückzukehren.
Das Symbol dieser Religion, dieser Glaube,
Lehre und Recht vermischenden Macht ist Allerdings zeichnet die Statistik ein besorg-
die Moschee mit dem Minarett. Ein Minarett niserregendes Bild des österreichischen
stellt einen Bau mit religiösem Charakter Asylsystems. Die Anerkennungsquote bei
und Symbolwirkung dar. Wie Siegesstatuen den Asylverfahren hat laut Innenministerium
sprießen Minarette als Sinnbild und Zeichen im Jahr 2006 mit 24,4 Prozent der erledigten
des Sieges des Islam gegenüber dem Chri- Fälle einen Höchstwert erreicht. Insgesamt
stentum aus dem Boden. wurden 18.584 Asylverfahren erledigt, davon
4.528 (24,37 Prozent) "rechtskräftig positiv".
Schon der ehemalige Bürgermeister von Negativ wurden 5.426 Verfahren entschie-
Istanbul und heutige türkische Ministerprä- den. Darüber hinaus gibt es die "sonstigen
sident Recep Tayyip Erdogan predigte: „Die Erledigungen", die 8.630 erreichten.
Moscheen sind unsere Kasernen, die Mina-
rette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Sonstige Erledigungen sind beispielsweise
Helme und die Gläubigen unsere Soldaten“. Dublin-Fälle oder die Zurückziehung von
Die Symbolik der Kuppel und des Minaretts Asylverfahren. Asylwerber seien unterge-
sind eindeutig, denn sie stehen für Helm und taucht oder weiter gereist, verlautet es auch
Schwert. Es ist demnach legitim, dass Bür- häufig aus dem Innenministerium. Bei den
ger in Österreich vehement gegen den Bau erledigten Verfahren wird auch nicht zwi-
von Minaretten, so wie in Telfs in Tirol oder schen erster, zweiter oder dritter Instanz
aber auch in Bad Vöslau in Niederösterreich unterschieden.
auftreten.

Auch der Verfassungsschutzbericht des


Bundesamtes für Verfassungsschutz und
Terrorismusbekämpfung legt dar, dass
Moscheen sowohl für Radikalisierungs- als
auch für Rekrutierungsaktivitäten als
begünstigende und prozessbeschleunigende
Plattformen dienen. Die FPÖ spricht sich
daher gegen den Bau von neuen Moscheen
und von Minaretten in Österreich aus.
25

Heimat und Identität


Zurückweisung 104 104
Zurückziehung 2 2
Gesamt: 2.303 3.552 2.317 8.172
in % 28% 43% 28% 100%
26 Die Anerkennungsquote liegt bei 28 Prozent,
72 Prozent der Anträge werden somit zu unrecht gestellt.
Heimat und Identität

Die drei bevölkerungsreichsten EU-Staaten gend in die Obhut des Ministeriums zurück-
Frankreich, Großbritannien und Deutsch- geführt werden. Weiters ist es notwendig,
land hatten nach vorliegenden UNHCR- durch ein klares Neuerungsverbot zu ver-
Daten im Jahr 2006 den größten Andrang hindern, dass Verfahren mit immer neuen
an Asylwerbern zu verzeichnen. Das kleine Argumentationen verlängert werden.
Österreich lag mit 9.209 Asylsuchenden an
vierter Stelle unter den EU-Partnern. Zum Das Asylwesen ist für Österreich mit hohen
Vergleich: Im Einwanderungsland Kanada Kosten verbunden. Die Durchschnittskosten
wurden 8.719 Anträge registriert. Laut pro grundversorgter Person in einer organi-
einer Statistik des UNO-Hochkommissari- sierten Unterkunft betragen pro Tag Euro
ats für Flüchtlinge (UNHCR) für das erste 16,71.- (incl. Euro 2,13 Krankenversiche-
Halbjahr 2005 war Frankreich mit 27.420 rung). Im April 2007 befanden sich ca. 38.000
Asylwerbern klarer EU-Spitzenreiter, Asylwerber in Österreich, davon ca. 27.000
gefolgt von Großbritannien mit 15.450 und Asylwerber in Grundversorgung.
Deutschland 13.322.
Verfahren in erster Instanz im Jahr 2006
Aus der gesamten Asyl- und Fremdenpro- kosteten pro Erledigung jeweils 887,83 Euro,
blematik sind neue „Berufe“ mit guten Ver- in der zweiten Instanz 910,29 Euro. Die
dienstmöglichkeiten entstanden. So werden Kosten der Erstaufnahmestellen Traiskir-
private Vereine und NGOs, die es sich offen- chen und Thalham beziffern sich mit ca.
bar zur Aufgabe gemacht haben, Asylverfah- 8,700.000 Euro im Jahr.
ren möglichst lange hinauszuzögern, massiv
gefördert. Es ist eine hoheitliche Aufgabe Die Gesamtausgaben für Asyl- und Frem-
des Staates, rasche Asylverfahren zu denwesen beliefen sich im Zeitraum 2001
gewährleisten und diesen konterkarieren- bis 2007 alleine im Budget des Bundesmini-
den Wildwuchs einer zum ausschließlichen steriums für Inneres auf über 700 Millionen
Selbstzweck agierenden Asylindustrie abzu- Euro. In die Grundversorgung von Asylwer-
stellen. Das Flüchtlingswesen muss drin- bern und schutzbedürftigen Fremden inve-
stieren Bund und Länder im Rahmen eines • Verfahrenseinstellung bei Täuschungen
Aufteilungsschlüssels 60/40 jährlich 180 der Behörden über die Identität des
Millionen Euro. Antragstellers durch den Asylwerber,
• Verfahrenseinstellung bei selbstver-
Im Falle einer Erschleichung der Asyleigen- schuldeter Nichtvorlage von Reise- oder
schaft setzt sich die FPÖ für das Schweizer Ausweisdokumenten durch den Asyl-
27
Modell ein. Nach dem Schweizer Asylgesetz werber,
wird ab dem Zeitpunkt des Erkenntnisses • Verfahrenseinstellung bei straffällig

Heimat und Identität


über die Täuschung dem gestellten Asylan- gewordenen Asylwerbern,
trag nicht weiter näher getreten. Das laufen- • Sofortige Ausweisung bei allen Verfah-
de Verfahren wird somit sofort eingestellt. renseinstellungen, und
Bei bereits Asylberechtigten widerruft das • Verwahrung bei Abschiebungshindernis-
Bundesamt das Asyl oder aberkennt die sen bis zur Ausweisung
Flüchtlingseigenschaft.
2.1.4) Vertriebene und Heimatrecht
Mit allen Herkunftsstaaten von Asylsuchen-
den sind Rückübernahmeabkommen abzu- Die FPÖ bekennt sich dazu, den zahlreichen
schließen. Die Gewährung von Entwick- Heimatvertriebenen, welche im Verlauf der
lungshilfe ist von der Zusammenarbeit der tragischen Ereignisse der letzten Jahrzehn-
Staaten im Asylbereich abhängig zu te in ihrem Grundrecht auf Heimat durch
machen. Die Bestimmung des § 39 AsylG, gewaltsame Vertreibungsmaßnahmen mas-
wonach zunächst die EU-Mitgliedsländer, siv verletzt wurden, ein Rückkehrrecht in
sowie Australien, Island, Kanada, Liechten- ihre Heimat Österreich zu garantieren.
stein, Neuseeland, Norwegen, die Schweiz,
Bulgarien und Rumänien als sichere Her- 2.1.5) Humane und vernünftige
kunftsstaaten gelten, ist durchzusetzen. Ausländerpolitik
Gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention
(GFK) sind Flüchtlinge aus Regionen, welche Bürger aus allen Staaten der Welt sind in
die GFK anerkannt haben, unverzüglich Österreich gern gesehene Gäste. Wir bieten
rückzuführen. Mit allen Herkunftsstaaten tatsächlich Verfolgten Schutz und freuen
von Asylsuchenden sind Rückübernahmeab- uns über leistungsbereite Menschen, die in
kommen abzuschließen. Österreich ihr Können einbringen und unse-
re Kultur und unsere Lebensart schätzen.
Folgende Maßnahmen sind umgehend Wer unsere Gastfreundschaft missbraucht,
umzusetzen, um Asylmissbrauch in Öster- wer in Österreich straffällig wird und unser
reich hintanzuhalten: Sozialsystem missbraucht, ist nicht will-
kommen.
• Das Verfahren am Asylgerichtshof soll Jeder sechste Einwohner Österreichs und
durchschnittlich nicht länger als drei jeder dritte Einwohner Wiens hat einen
Monate dauern, „Migrationshintergrund“. Während in den
• Festschreiben eines strikten Neue- Jahren 2002 und 2003 der jährliche Wande-
rungsverbotes, rungssaldo (Zuwanderung minus Abwande-
• keine Verfahrenseröffnung bei Asylan- rung) bei rund 36.000 Personen lag, stieg die
trägen von Personen aus sicheren Her- Netto-Zuwanderung in den letzten Jahren
kunftsstaaten, auf jeweils knapp über 50.000 Personen.
• Verfahrenseinstellung beim Versuch des
Erschleichens der Asyleigenschaft durch Bis Mitte der 1980er Jahre veränderte sich
den Asylwerber, die Zahl der ausländischen Staatsangehöri-
gen nur wenig, da Familiennachzüge durch hend Einspruch zugunsten einer Sonderre-
die fortgesetzte Abwanderung von „Gastar- gelung erheben.
beitern“ kompensiert wurden. Nach den
politischen Umbrüchen in den mittel- und Die FPÖ bekennt sich zu einer generellen
osteuropäischen Staaten, durch die Kriegs- Visumpflicht für Nicht-EU-Ausländer. Die
ereignisse im ehemaligen Jugoslawien Sonderrechte türkischer Staatsbürger sind
28
sowie durch erhöhte Nachfrage nach aus- aufzuheben. Türkische Staatsbürger sollen
ländischen Billigarbeitskräften erhöhte sich die gleichen Rechte haben wie Bürger aus
Heimat und Identität

der Wanderungssaldo Anfang der 1990er anderen Staaten außerhalb der Europäi-
Jahre in kurzer Zeit um ein Vielfaches. Allein schen Union.
zwischen 1989 und 1993 wuchs Österreich
durch internationale Migration um 340.000 Einreisende Familienangehörige sowie in
Personen. Nach Einführung einer Quotenre- Österreich geborene Kinder von Ausländern
gelung für Zuwanderer im Jahr 1992/1993 unterliegen denselben Bestimmungen wie
verringerte sich der Wanderungssaldo zwi- alle Ausländer. Wenn sie selbst kein Ein-
schen 1994 und 2000 im Durchschnitt auf kommen haben, hat der ursprünglich Zuge-
etwa +10.000 Personen pro Jahr. Seit 2001 wanderte für ihren Unterhalt aufzukommen.
ist wiederum ein beträchtlicher Anstieg zu
verzeichnen. Bei Zwangsverheiratungen ist selbstver-
ständlich das österreichische Gesetz zu
Im Jahr 2007 waren in Österreich rund vollstrecken, das Mindestzuzugsalter für
820.000 Fremde legal aufhältig. Dazu kom- den Ehegattennachzug ist auf 24 Jahre
men rund 100.000 Illegale. festzulegen.

Die FPÖ bekennt sich zur Schaffung einer Das Recht der zugezogenen Familienange-
Fremdenpolizei nach Schweizer Vorbild. hörigen hängt am Recht des ursprünglich
Diese Einheit muss über entsprechende Zugewanderten, insbesondere bei der Rück-
Sprachkenntnisse verfügen und ist mit führung eines Straftäters.
anderen Abteilungen effektiv zu vernetzen.
Amtssprache in Österreich ist gemäß Artikel
Österreich hat die Verpflichtung, sich mit 8 B-VG Deutsch. Somit sind alle für Behör-
der humanen und konsequenten Rückfüh- den notwendigen Übersetzungen von Doku-
rung von Ausländern zu befassen, die in menten und Dolmetscher von Gästen zu
Österreich straffällig geworden sind, Sozial- finanzieren.
missbrauch betreiben, deren Asylansuchen
abgelehnt werden musste oder für die es Wer als Ausländer in Österreich ein Kapital-
keine Arbeitsplätze oder Wohnungen im verbrechen begeht, wer mit Drogen handelt
Land gibt. oder sich an Kindern vergeht, hat seine Haft-
strafe in seinem Heimatland zu verbüßen
Die Massenimmigration in die ursprüngli- und ist mit einem lebenslangen Einreisever-
chen Kolonialländer Frankreich, Belgien, bot zu belegen.
Niederlande, Großbritannien, Portugal und
Spanien durch Menschen, die aus histori-
schen Gründen bereits die Staatsbürger-
schaft eines EU-Staates haben, kann nicht
weiter von den anderen EU-Staaten mitge-
tragen werden. Österreich muss hier umge-
2.1.6) Deutschkenntnisse ler mit nichtdeutscher Muttersprache im
im Regelschulwesen Schuljahr 2005/2006 bei 45,6%. Dies bedeu-
tet einen Anstieg um 2,2% gegenüber
Kinder von Personen ohne österreichische 2004/2005.
Staatsbürgerschaft und ohne deutsche Mut-
tersprache müssen ein Jahr vor der Ein- Aus einer bis dato nicht veröffentlichten
29
schulung einen Deutschtest bestehen. Bei Abfrage aus der Bildungsdokumentation
Misserfolg wird in gesonderten Kindergär- (Statistik Austria) 2006/2007 geht hervor,

Heimat und Identität


ten ein Intensivkurs absolviert, der von den dass der Anteil an Ausländern und Inländern
Eltern zu finanzieren ist. Bei bestandener nicht deutscher Muttersprache an allen
Prüfung ist die Aufnahme in das öffentliche Schulen der ersten Schulstufe in Wien (teilw.
Schulsystem in Österreich und damit eine 6-Jährigen, teilw. 7-Jährige, jedenfalls ein
hervorragende Ausbildung für die Zukunft Jahrgang) zum Stand September 2006
möglich. bereits 50,9 % betragen hat. Damit war im
Schuljahr 2006/2007 erstmals die autoch-
Durch mangelnde Deutschkenntnisse eines thone (ansässige) Bevölkerung Wiens in der
Teils der Schüler wird auch das Bildungsni- Altersgruppe der Taferlklassler in der Min-
veau der einheimischen Jugendlichen beein- derheit.
flusst. In Wien lag der Anteil der Volksschü-
2.1.7) Die Staatsbürgerschaft – ein hoher Das ist vor allem für die zweite und dritte
Wert Generation von Zuwanderern von Bedeu-
tung. Sie werden von eingebürgerten, reli-
Fünfzehnjähriger, dauerhafter und legaler giösen Fundamentalisten gegen die heimi-
Aufenthalt in Österreich, Unbescholtenheit sche Bevölkerung aufgebracht und radikali-
sowie die ausreichende Kenntnis der deut- siert. Der hohe Grad an Entfremdung zwi-
30
schen Sprache und der Landeskunde sind schen der autochthonen Kultur und Nach-
unbedingte Voraussetzung für die Verleihung kommen der zweiten und dritten Einwande-
Heimat und Identität

der Staatsbürgerschaft. Auf die Verleihung rergeneration belegt dies so eindrucksvoll


der österreichischen Staatsbürgerschaft wie erschreckend.
besteht kein Rechtsanspruch. Diese setzt ein
verbindliches Bekenntnis zu den Gesetzen Die in Österreich durchgeführten Staatsbür-
und Werten unseres freiheitlich-demokrati- gerschaftstests sind in dieser Form mehr
schen Rechtsstaates voraus. Eingebürgerten als überflüssig. Wer den Wissenstest übri-
Straftätern ist die Österreichische Staatsbür- gens beim ersten Mal nicht schafft, darf wie-
gerschaft daher abzuerkennen. der antreten. Und zwar so lange, bis er ihn
besteht. Damit verliert jedweder Test, dem
Wer nach Erhalt der österreichischen der Anspruch einer Wissens- oder Gewis-
Staatsbürgerschaft ein Verbrechen begeht, sensprüfung zugrunde zu liegen hat, Rele-
hat diese zu verlieren. vanz und Sinnhaftigkeit.

Politische Agitation ist in jedem Fall an die 2.2) Umweltschutz


Staatsbürgerschaft gebunden, der Zuwi- ist Heimatschutz
derhandelnde verliert die Aufenthaltsge-
nehmigung. 2.2.1.) Österreich ist nicht frei

Neue Staatsbürger haben derzeit folgenden „Österreich ist frei“, wurde im Jahr 1955 von
Eid zu leisten: „Ich gelobe, dass ich der Außenminister Figl verkündet. Doch in Fra-
Republik Österreich als getreuer Staatsbür- gen der Versorgung unserer Staatsbürger
ger angehören, ihre Gesetze stets gewissen- mit Gütern des täglichen Bedarfs ist Öster-
haft beachten und alles unterlassen werde, reich auch heute keinesfalls frei. Ohne
was den Interessen und dem Ansehen der Import von Öl, Erdgas und Atomstrom würde
Republik abträglich sein könnte.“ unsere Wirtschaft nicht funktionieren, wür-
den unsere Haushalte im Winter nicht
Eine Aberkennung der Staatsbürgerschaft geheizt werden. Österreich muss, unabhän-
hat daher dann zu erfolgen, wenn sie gig von seinen wirtschaftlichen Beziehun-
erschlichen wurde und dieses Gelöbnis grob gen, größtmögliche Eigenversorgungsfähig-
missachtet wird. keit erlangen und seine reichen erneuerba-
ren Ressourcen nutzen.
Davon betroffen wäre beispielsweise ein
neuer Österreicher, der als religiöser Lehrer 2.2.2) Reicher Energieschatz
auftritt und predigt, dass die Verfassung der in Österreich
Republik Österreich und unsere Gesetze
keinerlei Bedeutung für seine Religionsge- Die FPÖ bekennt sich daher zur Umstellung
meinschaft hätten, weil religiöse Dogmen der Energieversorgung in Österreich auf
über diesen stünden. ausschließlich heimische, regenerative
Energiequellen ohne Wenn und Aber, ohne
Ausflüchte und Halbherzigkeiten. Wir wollen
die Abhängigkeit von ausländischen Staats- gegaukelt, Ökostrom zu beziehen, stattdes-
chefs und die Erpressbarkeit durch Groß- sen fördern sie die Atom- und Kohlestrom-
konzerne ein für alle mal beenden. industrie im Ausland. Da die Regulierungs-
behörde E-Control dieser Kundentäuschung
Zusätzlich müssen Forschung und Entwick- und Wettbewerbsverzerrung bislang nichts
lung von Technologien, die dem Ziel der entgegengesetzt hat, ist das Wirtschaftsmi-
31
Energieautonomie in Österreich dienen, nisterium gefordert, diesem Schwindel
offensiv weiterverfolgt werden. einen Riegel vorzuschieben.

Heimat und Identität


Die Motivation für uns ist es, den Bürgern 2.2.4) Kyoto und die Folgen
unseres Landes und unserer Wirtschaft eine
sichere Energieversorgung aus heimischen Im Rahmen der Kyoto-Verhandlungen hat
Quellen zur Verfügung zu stellen. Die sich die Europäische Union verpflichtet, die
Bedürfnisse der Menschen müssen dabei im Treibhausgasemissionen bis zur Periode
Mittelpunkt der Überlegungen stehen. 2008/2012 um 8 % gegenüber 1990 zu sen-
ken. Österreich hat sich zu einer 13prozenti-
2.2.3) Etikettenschwindel mit Ökostrom gen Reduktion verpflichtet, ist davon aber
meilenweit entfernt. Das Verfehlen dieser
Anreicherbares Uran steht genauso wenig freiwilligen Zielsetzung durch ein Versagen
für alle Zeiten zur Verfügung wie fossile der Bundesregierung könnte dem Steuer-
Energieträger. In rund 50 Jahren werden zahler bis zu 3 Milliarden Euro kosten.
Atomkraftwerke daher nicht mehr betrieben
werden können. Schon vorher werden die Die FPÖ lehnt einen globalen Emissions-
Preise für Atomstrom massiv ansteigen. rechtehandel, der die faktische Umvertei-
Daher ist es klug, diese Sackgasse zu ver- lung erheblicher Geldmittel und eine ver-
lassen, eine Entscheidung, die Österreich steckte Auslandshilfe ohne entsprechende
schon vor Jahrzehnten getroffen hat. Leider Kontrollmöglichkeiten darstellt, ab.
wird heute mehr Atomstrom nach Öster-
reich importiert als Zwentendorf jemals pro- Der Einsatz heimischer, erneuerbarer Ener-
duziert hätte. Außerdem werden jene Kon- gieformen ist der sicherste Weg zur Errei-
sumenten, die auf erneuerbare Energie set- chung von Klimaschutzzielen. Energie und
zen, arg getäuscht. Mit dem Zukauf von Umweltschutz sind zwei Seiten derselben
sogenannten RECS-Zertifikaten (RECS steht Medaille. Durch den Ausbau von Sonnen-,
für Renewable Energy Certificate System) Wasser-, Wind- und Bioenergieanlagen
etikettieren heimische Stromkonzerne ihren sowie durch die Verwendung umweltfreund-
Importstrom aus Atom- und Kohlekraftwer- licher und zu 100% abbaubarer Treibstoffe
ken in Wasserkraft um und verkaufen auf können Ressourcen geschont und die
diese Weise scheinbar sauberen Strom an Umwelt geschützt und darüber hinaus ein
ihre Endkunden. Möglich wird das, weil neuer, ergiebiger Arbeitsmarkt erschlossen
diese Zertifikate in Skandinavien nicht benö- werden.
tigt werden und so verkaufen dort ansässige
Firmen ihre RECS-Zertifikate, die sie von Zur Nutzung heimischer Ressourcen
ihren großen Wasserkraftwerken haben, braucht Österreich vor allem ein effizientes
nach Österreich weiter. Ökostromgesetz, um mehr Unabhängigkeit
zu erreichen. Dazu bedarf es einer sinnvol-
Es handelt sich dabei schlicht um eine Täu- len Gestaltung von Einspeistarifen und eines
schung der Konsumenten. Diesen wird vor- Entfalls der sogenannten Deckelung.
2.2.5) Thermische Sanierungsoffensive cheren Kraftwerken aus der Ukraine
als Voraussetzung für soziales stammt, die baugleich mit dem Katastro-
Wohnen phenreaktor von Tschernobyl sind, könnte
ein Ende gesetzt werden.
Weiteres Ziel ist eine energetische Sanierung
des Wohnungsbestandes in Österreich. Dabei Der Sanierungszyklus für den Althausbe-
32
hat über die Wohnbauförderung der Gedanke stand beträgt derzeit 40 bis 60 Jahre. Ziel
der „umfassenden Sanierung“ von Gebäuden muss eine Senkung der Dauer auf 20 Jahre
Heimat und Identität

noch stärker in den Vordergrund gerückt zu sein. Die Kosten für die Sanierung des
werden als das in den Bundesländern bisher gesamten Althaus- und Altwohnungsbe-
geschieht. Jedes neu gebaute Haus und jede standes in Österreich betragen 80 Milliarden
neu gebaute Wohnung, die nicht nach dem Euro. Eine Förderung für die Sanierung des
Niedrigenergiestandard errichtet werden, Althaus- und Altwohnungsbestandes in der
bringen uns vom Ziel der Energieautonomie Höhe von 10 Prozent der anrechenbaren
ab und verursachen für den Menschen in Investitionskosten, die unabhängig von der
Zukunft hohe Betriebskosten. Wohnbauforderung der Länder ausbezahlt
wird, würde in einem Zeitraum von 20 Jah-
Der Staat sollte insofern auf den stärkeren ren rund 8 Milliarden Euro kosten – im Jahr
Einsatz solcher Bautechniken Einfluss neh- also durchschnittlich 400 Millionen Euro. Die
men, als es zu einer deutlichen Verschiebung Finanzierung dieses Direktzuschusses hat
der Förderschwerpunkte hin zu Niedrigener- aus den Mehreinnahmen zu erfolgen, die der
gie- und Passivhäusern kommen muss. Finanzminister aufgrund der gestiegenen
Energiekosten aus Mehrwertsteuermehr-
Wohnungen in Altbauten und alte Wohnun- einnahmen lukriert. Eine organisatorische
gen haben einen jährlichen Energiebedarf Abwicklung über die Förderstellen der Bun-
von bis zu 500 kWh/m². Dies ist mehr als das desländer wäre der sinnvollste Weg und
Doppelte des durchschnittlichen Energiebe- hätte auf Grundlage des Ein-Behörden-
darfs von Wohnungen in Österreich, der 230 Weges zu erfolgen.
kWh/m² beträgt, und stellt eine erhebliche
finanzielle Belastung für die betroffenen Im Vordergrund dieser wichtigen Maßnahme
Bürger dar. Ein Niedrigenergiehaus braucht steht der soziale Aspekt, da zumeist ältere
im Vergleich nur 50 kWh/m², ein Passivhaus Personen und ärmere Menschen in Altbau-
nur 10 kWh/m². In Zukunft werden auch ten wohnen. Diese würden durch eine Sanie-
Plusenergiehäuser an Bedeutung gewinnen. rungsoffensive im Rahmen der Betriebsko-
Sie erzeugen mehr Energie, als verbraucht sten massiv entlastet.
wird.
2.2.6) Umweltschutz und Mobilität sind
Eine energetische Sanierung des gesamten kein Widerspruch
Althaus- und Altwohnungsbestandes in
Österreich würde den Energiebedarf im Was die Mobilität anbelangt, so ist vor allem
Land drastisch senken, was zur Folge hätte, in den Ballungsräumen und bei den Strek-
dass dauerhaft und nachhaltig jährlich 6 ken zwischen Ballungsräumen der Verkehr
Millionen Tonnen CO2 weniger in die Luft stärker auf die Schiene zu verlagern. Strek-
emittiert würden und Österreich einen gro- ken bis 400 km Entfernung, und teilweise
ßen Schritt in Richtung Energieautonomie darüber, sind mit modernen Zügen, die beim
setzen könnte. Auch dem Import von Atom- Energieverbrauch, bei den Gesamtkosten,
strom, der zum erheblichen Teil aus unsi- der Sicherheit und in der Ökobilanz viel bes-
ser abschneiden, in kürzerer Zeit zu absol- verbrauch als Bemessungsgrundlage her-
vieren als mit dem Flugzeug.. angezogen werden.

Die Benachteiligung des Schienenverkehrs 2.2.7) Österreichs Unternehmen: Vorrei-


gegenüber der Straße bei Investitionen ist ter in Sachen Umweltschutz
umzukehren, damit der Rückstand der
33
Schiene bei Komfort und Intervallen aufge- Im Bereich der Neuen Technologien ist
holt werden kann. Österreich in einigen Gebieten der erneuer-

Heimat und Identität


baren Energie an vorderster Stelle vertre-
Kraftfahrzeuge, die weniger Treibstoff ver- ten: Österreichische Firmen erfreuen sich
brauchen, sind steuerlich deutlich zu entla- bei Biomassekesseln, solarthermischen
sten. Fahrzeuge, die weniger als 5 Liter Anlagen, Photovoltaikanlagen und Wasser-
Treibstoff pro hundert Kilometer verbrau- kraftwerken international eines sehr guten
chen, sollen von der Versicherungssteuer Rufs. Dementsprechend hoch sind auch die
und der Normverbrauchsabgabe befreit Exportquoten heimischer Unternehmen in
werden. Innerhalb von 5 Jahren ist diese diesem Sektor.
Grenze auf 4 Liter zu senken.
Sehr wichtig ist es, diesen hohen Standard
Gemäß § 5 Abs 1 Z 3 Versicherungssteuer- österreichischer Firmen zu bewahren. Nur
gesetz 1953 ist bei Versicherungsverträgen, wer heute genügend Kapital in Forschung
die gemäß § 59 Kraftfahrgesetz 1967 abge- und Entwicklung steckt, hat eine Chance,
schlossen werden, bei allen Kraftfahrzeugen morgen über markttaugliche Produkte zu
mit Ausnahme von Krafträdern die Motorlei- verfügen. Deshalb setzen wir uns für einen
stung in Kilowatt Bemessungsgrundlage für Ausstieg aus dem Euratom-Vertrag ein. Die
die Berechnung der Versicherungssteuer. dafür verwendeten Mittel sollen für For-
schung und Entwicklung im Bereich der
Da der Energieverbrauch und die Umweltbe- Erneuerbaren Energie in Österreich einge-
lastung im österreichischen Straßenverkehr setzt werden.
sehr hoch sind und die Kyoto-Ziele in immer
weitere Ferne rücken, müssen für Autofah- 2.2.8) Den Kopf in den Sand,
rer Anreize geschaffen werden, auf ver- CO2 unter Tag
brauchsarme Fahrzeuge umzusteigen. Dem
steht die Berechnung der Versicherungs- Es ist eine Tatsache, dass der neu geschaf-
steuer aufgrund der Motorleistung entge- fene Klimaschutzfonds Ziel von Begehrlich-
gen, da für Kraftfahrzeuge, die zwar lei- keiten geworden ist. Verschiedene Energie-
stungsschwach sind, aber trotzdem große konzerne, darunter auch die OMV, planen
Mengen an Kraftstoff verbrauchen, geringe- bzw. betreiben derzeit beispielsweise Pro-
re Abgaben zu entrichten sind, als für lei- jekte im Rahmen der so genannten CO2-
stungsstärkere Fahrzeuge, die einen gerin- Sequestrierung. Dabei handelt es sich um
gen Verbrauch aufweisen. die Abscheidung und anschließende „Endla-
gerung“ des Kohlendioxids aus dem Rauch-
Um diesen Missstand zu beseitigen, soll für gas, das bei der Verbrennung in Kraftwerken
die Berechnung der Versicherungssteuer entsteht. Bei der so genannten Endlagerung
für Kraftfahrzeuge künftig nicht mehr die handelt es sich um die Verbringung des CO2
Motorleistung, sondern, ähnlich wie bei der in verdichteter Form in frühere Lagerstätten
Normverbrauchsabgabe im Rahmen des ausgebeuteter Öl- oder Gasvorkommen
Autokaufs, der durchschnittliche Kraftstoff- bzw. auf den Meeresgrund.
Dieses Verfahren hat den Nachteil, dass Wohnraumlüftungsanlagen mit Wärmerück-
sowohl die Abscheidung des CO2, dessen gewinnung für alle öffentlichen Gebäude
Verdichtung vor dem Transport als auch der müssen zum Standard in Österreich werden.
Transport per Schiff, Bahn oder Pipeline Die zulässigen CO2-Werte, beispielsweise in
einen sehr großen Einsatz von elektrischer Schulklassen, werden regelmäßig über-
Energie einfordern. Dazu wird etwa ein Drit- schritten. Gesunde Luft bei Fort- und Wei-
34
tel des vom Brennstoff erzeugten Stroms terbildungs- Einrichtungen, aber auch allen
verbraucht, was den effektiven Wirkungs- anderen öffentlichen Gebäuden, führt zu
Heimat und Identität

grad eines Kohlekraftwerks von etwa 43 auf weniger Krankenständen und höherer Lei-
28 Prozent senkt. stungsfähigkeit der Mitarbeiter. Durch die
Wärmerückgewinnung werden zudem die
Zudem ist nicht klar, ob das abgeschiedene, Heizkosten reduziert.
verdichtete und schließlich in unterirdische
Hohlräume verbrachte Gas überhaupt dort Pendler sollen sich in Österreich entschei-
bleibt, oder doch den Weg in die Atmosphä- den können, ob sie die Pendlerpauschale in
re findet. Anspruch nehmen oder diese gegen eine
Jahreskarte für öffentliche Verkehrsmittel
Die Kosten und Risiken der Endlagerung eintauschen.
sind enorm und die technischen Probleme
ungelöst. Ein CO2-freies Kohlekraftwerk Der Einbau von Solaranlagen in mehrge-
gibt es nicht, viel mehr sinkt durch die schossigen Familienwohnhäusern muss
Sequestrierung der Wirkungsgrad eines eine Voraussetzung für die Inanspruchnah-
Kraftwerks, was aufgrund des zusätzlichen me öffentlicher Fördermittel werden. Denn
Energiebedarfs zwangsläufig zu einer höhe- je größer eine Solaranlage ist, desto effizien-
ren CO2-Abscheidung führt. ter arbeitet sie und desto günstiger ist sie in
ihrer Errichtung. Deshalb ist grundsätzlich
Es ist daher sicherzustellen, dass für die in jedem Gebäude mit mehr als zwei Wohn-
CO2-Sequestrierung keine Mittel aus dem einheiten eine Solaranlage zur Heizungsun-
Klimaschutzfonds missbraucht werden. Es terstützung im geförderten Wohnbau vorzu-
sind vielmehr jene Betriebe zu unterstützen, sehen. Derzeit wird im Gegensatz dazu auf-
die schon bisher innovativ im Bereich der grund der Deckelung der Errichtungskosten
Erneuerbaren Energie tätig waren oder sich für Gebäude im sozialen Wohnbau (ein
unabhängig von guten Geschäften mit der bestimmter Betrag pro m² Wohnnutzfläche
Abhängigkeit Österreichs für mehr Energie- darf dabei nicht überschritten werden) der
autonomie einsetzen. Einbau von Solaranlagen, Dämmfassaden
oder Biomasseheizungen oft verhindert. So
2.2.9) Einzelmaßnahmen zur Sicherung werden gerade den sozial Schwachen in die-
energiepolitischer Freiheit sem Land langfristig hohe Betriebskosten
aufgebürdet. Die Kosten, die durch die
Viele Maßnahmen tragen dazu bei, diese Errichtung von Systemen zur Energieein-
Abhängigkeit zu reduzieren. So sollen neue sparung aller Art verursacht werden, dürfen
Elektrogeräte im Stand-By Betrieb künftig deshalb in Zukunft nicht mehr in die Errich-
nicht mehr als 1 Watt verbrauchen: EU-weit tungskosten mit eingerechnet werden.
könnte damit soviel Energie eingespart wer-
den, wie mehrere Kernkraftwerke zusam- Die FPÖ setzt sich für die Erweiterung des
men produzieren. Energie-Aufklebers im Elektrogerätebereich
ein. Es soll zur Einführung eines repräsenta-
tiven „Lebensbelastungszyklus" für alle Elek- 2.2.11) Weißes Gold als Ziel
trogeräte (Leuchtmittel, Geschirrspüler, von Begehrlichkeiten
Waschmaschinen, Kühlschränke usw.) kom-
men. Über diesen Zyklus sollen für jedes Besonderes Augenmerk gilt unserem heimi-
Gerät die Stromkosten errechnet werden, die schen Wasserschatz, der Ziel von Begehr-
der Kunde bei durchschnittlicher Verwen- lichkeiten ist. Die österreichische Politik hat
35
dung über die Lebensdauer der Maschine bereits mehrfach versucht, die unersetzba-
erwarten darf. Sie müssen neben dem „Ener- ren heimischen Wasserressourcen zu „libe-

Heimat und Identität


gielabel" auf jedem Gerät deutlich sichtbar ralisieren." Die ÖVP gilt als wesentlicher
angebracht werden. So kann der Käufer auf Motor dieser Maßnahme.
einen Blick entscheiden, ob er lieber ein qua-
litativ hochwertiges Gerät erwirbt (das noch Im Zeichen sich abzeichnender weltweiter
dazu eine längere Nutzungsdauer haben Verteilungskämpfe betreffend Wasserres-
wird), oder ein Gerät, dessen niedrigerer sourcen, von denen Experten heute schon
Kaufpreis nach wenigen Jahren von den fürchten, dass diese unerbittlicher geführt
höheren Stromkosten eingeholt werden wird. werden als jene um das Öl, ist zu unterstrei-
chen, dass die Verfügungsgewalt über unse-
Die jeweilige Landes-Bauordnung muss re Wasserschätze ausschließlich in österrei-
festlegen, dass bei allen Wohnungen mit chischer Hand zu bleiben hat. Dem Ausver-
Warm- und Kaltwasseranschluss eine kauf dieser wichtigsten unserer Lebens-
Anschlussmöglichkeit für Waschmaschinen grundlagen ist mit aller Entschiedenheit
und Geschirrspüler bestehen muss. Die entgegenzutreten, das sind wir unseren
Errichtung von Anlagen zur Regenwasser- nachfolgenden Generationen schuldig.
nutzung (Hauswasserwerke) ist bei Neubau-
ten und Sanierungen von Bauten öffentlicher 2.2.12) Das Geschäft mit dem Müll
Wohnbauträger ernsthaft zu prüfen. Im Falle
einer solchen Errichtung ist auch ein Während unser Wasser Ziel von Begehrlich-
Anschluss der Waschmaschinen an diese keiten ist und bei kluger Vorgangsweise ein
Anlagen zu ermöglichen. gewinnbringender Exportschlager unseres
Alpenlandes werden kann, werden jedes
2.2.10) Es gibt nichts Gutes – Jahr tausende Tonnen gefährlicher Abfälle
außer man tut es nach Österreich importiert, die dann entwe-
der thermisch entsorgt oder durch stoffliche
Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, Bio- oder thermische Verwertung zur Herstel-
massekraftwerke, Solaranlagen oder Windrä- lung von Rohstoffen und Produkten verwen-
der würden vom Himmel fallen. Ein ehrliches det werden. Eine Endlagerung gefährlicher
Energiekonzept muss deshalb auch die Infor- Abfälle in Österreich findet nicht statt, weil
mation beinhalten, dass ein Umstieg auf heimi- diese verboten ist.
sche Energieformen nicht ohne innovative
Ideen, Sparsamkeit und Fleiß zu haben ist. Unter dem Deckmantel des Datenschutzes
Österreich sollte sich zu diesem „nationalen wird geheim gehalten, wo in Österreich wel-
Kraftakt“ durchringen. Wenn man überlegt, che Abfälle verbrannt oder verarbeitet wer-
was in diesem Land alleine im letzten halben den. Nicht nur die betroffene Bevölkerung,
Jahrhundert dank der Tatkraft unserer Bevöl- auch der Bürgermeister, der Gemeinderat
kerung zu vollbringen möglich war, können wir und allfällig bestellte Umweltgemeinderäte
guten Mutes sein, dass uns der Umstieg auf werden in Unwissenheit gehalten.
eigene, erneuerbare Energie gelingt.
Um zumindest den verantwortlichen Politi- stehen dürfen. Der fortschreitenden Ent-
kern in den Gemeinden wichtige Informatio- wicklung zum bäuerlichen Nebenerwerbs-
nen nicht vorzuenthalten, sollen im Rahmen betrieb oder zur Hofauflassung muss Ein-
einer Meldepflicht des Umweltministeriums halt geboten werden. Der ob der Vielzahl
künftig Bürgermeister und Gemeinderat überlebensnotwendiger Standbeine zum
betroffener Gemeinden über die Verbrin- Tausendfüßler mutierte Bauer ist eine
36
gung gefährlicher Abfälle informiert werden. agrarpolitische Bankrotterklärung.
Heimat und Identität

2.3) Freie Bauern Die österreichische Kulturlandschaft wurde


braucht das Land über Jahrhunderte durch die bäuerliche
Bearbeitung kultiviert und geprägt. Sie bil-
2.3.1) Ohne heimische Landwirte keine det gemeinsam mit den ländlichen Sied-
Selbstversorgungsfähigkeit lungsformen, den Nutztierarten, den
Bewirtschaftungsformen und dem ländli-
Das Schicksal unserer Heimat ist untrennbar chen Brauchtum die Landeskultur.
mit dem Schicksal unserer Landwirtschaft
verbunden. Österreich kann nicht frei sein, 2.3.2) Landwirtschaft und Umweltschutz –
wenn seine Landwirtschaft außerstande ist, Landwirte und Energiewirte
die Bevölkerung mit einem Selbstversor-
gungsgrad von 100 Prozent mit gesunden Die österreichischen Bauern bewirtschaften
Lebensmitteln zu versorgen. Die FPÖ und gestalten im Alpenbereich einen ökolo-
bekennt sich zu einer bäuerlich strukturier- gisch besonders sensiblen Raum. Die
ten Landwirtschaft abseits von Agrarfabriken. Bodenkraft und der qualitativ hochwertige
Wasserhaushalt stellen zunehmend wert-
Ein freier und leistungsfähiger Bauernstand volle Produkte der Alpenregion dar, die eine
ist Voraussetzung für den Erhalt der natürli- sorgfältige, nachhaltige Bewirtschaftung
chen Existenzgrundlagen unserer Heimat. erfordern. Bewirtschaftungsmethoden, die
Eine flächengebundene land- und forstwirt- auf Bocksprünge und bürokratische Regle-
schaftliche Produktion nimmt auf das klein- mentierungswut der EU-Agrarmisswirt-
räumige natürliche Gleichgewicht Rück- schaft Rücksicht nehmen müssen, führen
sicht, schont die natürlichen Ressourcen direkt zu irreparablen Schäden an unserer
und schafft die für Österreich typische bäu- Heimat.
erliche Kultur und Erholungslandschaft.
Den Naturgegebenheiten entsprechende
Abgesehen von der land- und forstwirtschaft- und tiergerecht erzeugte Nahrungsmittel
lichen Produktion hat der Bauernstand eine haben Zukunft. Österreich kann aus dem
besondere volkswirtschaftliche Bedeutung reichen Schatz einer weitgehend intakten
für die Erhaltung der Kulturlandschaft, den Umwelt und einer kleinstrukturierten Land-
Schutz der alpinen Siedlungsräume, für die wirtschaft schöpfen. Der Erzeugung ökolo-
Eigenversorgung mit gesunden Lebensmit- gisch wertvoller und gesunder Lebensmittel
teln, für die Krisenversorgung und für die gilt unsere Aufmerksamkeit.
Erhaltung der Landeskultur.
Der Weg vom Landwirt zum Lebenswirt als
Der Arbeitsplatz Bauernhof muss erhalten Zukunftssicherung für die Gesellschaft setzt
bleiben. Dabei ist die Struktur der bäuerli- auch voraus, dass den bäuerlichen Betrie-
chen Familienbetriebe als Vollerwerbsbe- ben neue Marktfelder erschlossen werden,
triebe besonders zu schützen, wobei für wozu eine Wende in der Energiepolitik in
Nebenerwerbsbauern keine Nachteile ent-
Richtung Biomasse, Solar- und Windenergie Entscheidungsfreiheit setzt jedoch eine faire
unerlässlich ist. Kennzeichnung von Lebensmitteln voraus.

Die FPÖ bekennt sich zu einer vernünftigen Abgesehen von der Sinnlosigkeit langer
Koexistenz zwischen konventioneller und Transporte ist auch zu berücksichtigen, dass
biologischer Landwirtschaft im Sinne der lange Transportwege einen enormen Ener-
37
unternehmerischen Freiheit, sich für die gieaufwand und somit in der Regel Unmen-
jeweilige Produktionsform entscheiden zu gen unnötiger zusätzlicher CO2-Belastung

Heimat und Identität


können. bedeuten. Für den Import eines Kilogramms
Kiwi aus Neuseeland benötigt man etwa die
2.3.3) Der patriotische Konsument gleiche Energiemenge wie für den Transport
von sechs Tonnen österreichischer Äpfel.
Der Vielfalt und Unübersichtlichkeit hin-
sichtlich vermeintlicher Qualitäts- und Güte- Zur Unsinnigkeit vermeidbarer Transport-
zeichen ist durch eine klare, ehrliche, ver- wege, dem hohen Energieaufwand und der
bindliche und für den Verbraucher über- starken CO2-Belastung kommt die Arbeits-
schaubare Lebensmittelkennzeichnung zu platzfrage. Eine Reduktion des Verkaufs von
begegnen. Lebensmitteln, die einen langen Transport-
weg hinter sich haben, würde gleichzeitig
Der Konsumpatriotismus ist durch gezielte eine größere Nachfrage nach heimischen
Werbe- und Marketing-Aktivitäten zu för- Produkten bedeuten. Dies käme den öster-
dern. Das oft noch zersplitterte Angebot reichischen Landwirten zugute und hätte zur
soll durch leistungsfähige Vermarktungs- Folge, dass in Österreich zahlreiche Arbeits-
einrichtungen gebündelt werden. Denn plätze geschaffen würden.
viele der in Österreich zum Verkauf ange-
botenen Lebensmittel haben eine lange Bei einer Kennzeichnung von Lebensmitteln,
Reise hinter sich. So legt etwa Orangensaft die einen Transportweg von über 500 km
aus Brasilien 13.000 km zurück, bevor man zurückgelegt haben, würden viele österrei-
ihn in die Regale österreichischer Super- chische Konsumenten im Sinne des Klima-
märkte schlichtet. Bevor holländischer schutzes auf diese Produkte verzichten und
Käse bei uns ist, wird er zunächst auch ein- den Konsum heimischer Lebensmittel
mal über eine Strecke von etwa 1.000 km bevorzugen. Wir bekennen uns daher zu
befördert. Das sind aber nur zwei einfache einer Lebensmittelkennzeichnung, die in
Beispiele für unsinnig lange Transportwe- dieser Form der Umwelt dient und die hei-
ge. Unsinnig sind sie deshalb, weil es in mische Landwirtschaft unterstützt.
Südeuropa bekanntlich auch Orangen gibt.
Ebenso ist es nichts Neues, dass in Öster- 2.3.4) Die Europäische Agrarpolitik – ein
reich qualitativ hochwertiger Käse herge- Fehlschlag
stellt wird.
Die Freiheitliche Partei vermisst langfristige
Wir wollen den Handel nicht einschränken. Perspektiven für die Agrarpolitik und ver-
Das widerspricht unserer freiheitlichen folgt die zunehmende Kompetenzverlage-
Gesinnung. Jeder Konsument soll sich rung in die Brüsseler Gemeinschaftsinstitu-
selbst entscheiden, ob er Nahrungsmittel tionen mit größter Sorge. Die von mehrjähri-
kauft, die über tausende Kilometer trans- gen Programmen diktierte Markt- und För-
portiert wurden oder Lebensmittel, die von derungspolitik ist ein Widerspruch zur not-
heimischen Landwirten stammen. Diese wendigen nachhaltigen Bewirtschaftung von
Grund und Boden und zur qualitätsvollen Die FPÖ lehnt den Einsatz von gentechnisch
und tiergerechten Produktionsweise. veränderten Organismen in der Land- und
Forstwirtschaft ausnahmslos ab. Die Aus-
Der stellvertretende Kabinettschef der EU- wirkungen genetisch veränderter Produkte
Kommission Borchardt hat den Kommissi- im tierischen und menschlichen Körper,
onsplan zum weiteren Strukturwandel in der sowie im gesamten Ökosystem sind völlig
38
Landwirtschaft im Herbst 2007 erläutert. unbekannt und nicht vorhersehbar.
Demnach soll künftig nicht mehr jedes Mit-
Heimat und Identität

gliedsland die komplette Agrarpalette Am 16. April 1998 beschloss der Nationalrat
anbauen, vielmehr soll der „Binnenmarkt“ die Einsetzung eines Österreichischen Moni-
auch als solcher begriffen werden. toring-Komitees zur Beobachtung und
Bewertung der Auswirkungen der Richtlinie
Im Klartext bedeutet das die Spezialisierung zum Schutz biotechnologischer Erfindun-
des Anbaus in den einzelnen Mitgliedsstaa- gen. Neben der Überprüfung der Umsetzung
ten. Was mit gesteigerter Markteffizienz der Biotechnologie-Richtlinie ist es Aufgabe
begründet wird, ist in Wahrheit das Ende der dieses Komitees, Patente bezüglich der Ein-
agrarischen Selbstversorgungsfähigkeit der haltung der Grenze zwischen Erfindungen
Mitgliedsländer und der ideale Nährboden und Entdeckungen sowie der Einhaltung des
für künftige Versorgungsengpässe. Verbotes der Patentierung von Pflanzensor-
ten und Tierrassen zu überprüfen.
Die FPÖ wird nicht zulassen, dass unsere
Selbstversorgungsfähigkeit auf diese Art Allerdings beschränken sich die Kompeten-
und Weise untergraben wird und man unse- zen des Biopatent-Monitoring-Komitees auf
ren Bauern vorschreibt, was in Österreich die Überprüfung österreichischer Patente.
angebaut werden darf und was nicht. Patente des Europäischen Patentamtes hin-
gegen, die auch in Österreich wirksam wer-
45 Prozent der EU-Beiträge Österreichs oder den, werden keiner nationalen Kontrolle
rund 400 Millionen Euro fließen in die Euro- unterzogen - die Entscheidungen des Euro-
päische Agrarpolitik. Diese Mittel wären in päischen Patentamtes werden Österreich de
Österreich besser aufgehoben. Die FPÖ facto aufgezwungen.
bekennt sich zu einer Renationalisierung der
Agrarpolitik und zu fairen Preisen für die her- Das Österreichische Patentamt, das als
vorragenden Produkte unserer Landwirte. Organisationseinheit des Bundesministeri-
Diese sollen nicht von EU-Förderungen ums für Verkehr, Innovation und Technolo-
abhängig gemacht werden, sondern für ihre gie bei der inhaltlichen Koordination des
Arbeit endlich ehrlich entlohnt werden. Biopatent-Monitoring-Komitees als
Geschäftsstelle fungiert, hat bereits von sich
2.3.5) Patente auf Leben – aus angeboten, einen entsprechenden
die neue Leibeigenschaft erweiterten Kontrollauftrag anzunehmen.

Die Frage der Unabhängigkeit stellt sich für Die FPÖ bekennt sich daher dazu, die Aufga-
Österreich auch im Rahmen der Grünen ben des Biopatent-Monitoring-Komitees wie
Gentechnik. Sie ist eine reale Gefahr für folgt neu zu definieren:
unser Heimatland. Die Grüne Gentechnik • Hauptaufgabe des Komitees ist die
liefert unsere bäuerlichen Betriebe dem Überprüfung der Auswirkungen der in
Gewinnstreben internationaler Großkonzer- Umsetzung der Richtlinie erlassenen
ne aus und ist eine ernste Bedrohung für die österreichischen Rechtsvorschriften auf
Gesundheit der Menschen.
Menschenrechte, Tiere, Pflanzen und • Beobachtung der forschungs- und wirt-
ökologische Systeme. schaftspolitischen Konsequenzen, ins-
• Eine weitere Aufgabe ist die Überprü- besondere auch auf die KMUs.
fung der nationalen Erteilungs- und • In das Komitee sollen jedenfalls auch
Spruchpraxis, u. a. bezüglich der Vertreter der Sozialpartner, des Verei-
Zwangslizenzen, bezüglich der Einhal- nes für Konsumenteninformation, des 39
tung der Grenze zwischen Erfindungen Umweltbundesamtes und ein legitimier-
und Entdeckungen sowie der Einhaltung ter Vertreter des Gentechnik-Volksbe-

Heimat und Identität


des Verbotes der Patentierung von gehrens eingebunden sein.
Pflanzensorten und Tierrassen („Patente
auf Leben“). Es liegt auf der Hand, dass unsere Souveräni-
• Ebenso soll eine Überprüfung der Ertei- tät und Selbstversorgungsfähigkeit mit hoch-
lungs- und Spruchpraxis des Europäi- wertigen Nahrungsmitteln auch einen for-
schen Patentamtes erfolgen, wenn auch cierten, heimischen Futtermittelanbau vor-
Österreich von einer Entscheidung aussetzt. Es kann nicht Ziel unserer Agrarpo-
betroffen ist. Die Überprüfung soll u. a. litik sein, dass unsere Tiere mit gentechnisch
bezüglich der Zwangslizenzen, bezüglich manipulierten Nahrungsmitteln verseucht
der Einhaltung der Grenze zwischen werden, und dann letztendlich auch die
Erfindungen und Entdeckungen sowie Gesundheit des Menschen als vielzitiertes
der Einhaltung des Verbotes der Paten- letztes Glied der Nahrungskette leidet.
tierung von Pflanzensorten und Tierras-
sen stattfinden. 2.3.6) Gentechnisch veränderte
Organismen als Futtermittel
• Die Auswirkungen der in Umsetzung der
Richtlinie erlassenen österreichischen Die spezifische Kennzeichnung von gentech-
Rechtsvorschriften auf den Konsumen- nisch veränderten Organismen (GVO) und
tenschutz, die Landwirtschaft und die von GVO-Produkten ist im EU-Gentechnik-
Entwicklungsländer sollen beurteilt recht verankert und mit 18. April 2004 in
werden. Kraft getreten. Durch diese Kennzeichnung
• Weiters soll überprüft werden, ob die in kann der Konsument frei zwischen gentech-
Umsetzung der Richtlinie erlassenen nisch veränderten und konventionellen bzw.
österreichischen Rechtsvorschriften fol- biologisch erzeugten Produkten wählen.
genden Grundsätzen gerecht werden: Von der Kennzeichnungspflicht sind auch
Futtermittel erfasst, die GVO enthalten.
• keine Patente auf Verfahren zum Klo-
Allerdings fallen Fleisch, Milchprodukte und
nen von Menschen und zur Verände-
Eier von Tieren, denen gentechnisch verän-
rung der menschlichen Keimbahn;
derte Futtermittel verfüttert wurden, nicht
• kein Patentschutz für Verfahren, in unter diese Regelung. Der Großteil der welt-
denen menschliche Embryonen ver- weit angebauten gentechnisch veränderten
wendet werden, und für Embryonen Pflanzen ist jedoch für die Tiermast
selbst; bestimmt.
• keine weitere Einschränkung der Das mit dem Verzehr gentechnisch verän-
"Tierschutzklausel"; derter Pflanzen einhergehende Gesund-
heitsrisiko für Tiere ist nach wie vor unge-
• Wahrung der Verpflichtungen aus dem klärt. Zudem vermutet die Wissenschaft,
Übereinkommen über die biologische dass das gentechnisch veränderte Erbgut
Vielfalt. über Fleisch oder Milch in den menschli-
chen Organismus gelangen und dort nicht Wir bekennen uns zu fairen Preisen für die
bekannte Effekte auslösen kann. hervorragenden Produkte der heimischen
Da der Großteil der Österreicher den Ver- Landwirtschaft. Unsere Bauern hängen der-
zehr gentechnisch veränderter Nahrungs- zeit am Fördertropf der europäischen Agrar-
mittel ablehnt, sollen die Menschen auch politik und erhalten für ihre Produkte gleich-
darüber informiert werden, wenn Fleisch, zeitig Preise weit unter Wert. Dieses Modell
40
Milchprodukte oder Eier, die der Handel schafft Abhängigkeiten.
anbietet, von Tieren stammen, die mit GVO
Heimat und Identität

gefüttert wurden. Es ist daher eine diesbe- Österreich braucht freie Bauern, die ihr
zügliche Kennzeichnungspflicht sicherzu- Schicksal selbst in die Hand nehmen kön-
stellen. nen, die faire Preise erhalten und somit
nicht von Subventionen abhängig sind.
Diese käme jenen heimischen Landwirten
zugute, die auf gentechnisch veränderte 2.4) Mitgeschöpfe, nicht Nutzvieh
Organismen in Futtermitteln verzichten.
2.4.1) Österreichs Landwirtschaft
ohne Tierfabriken
2.3.7) Der Bauer als Millionär –
eine Ausnahme
Die FPÖ möchte die Berücksichtigung des
Tierschutzes als Staatszielbestimmung in
Das Einkommen der Landwirte hat sich in
der Bundesverfassung verankern und
den vergangenen Jahren deutlich ver-
besonders strenge Tierschutz-Mindestricht-
schlechtert, Betriebsschließungen waren
linien in der EU durchsetzen.
die Folge. Seit 1990 haben rund 90.000
Betriebe – das ist ca. ein Drittel der damals
Wir wollen weg von der Massentierhaltung
mehr als 280.000 Betriebe in der Land- und
hin zu einem naturnahen, respektvollen
Forstwirtschaft - ihre Tore für immer
Umgang mit unseren Tieren. Das kann am
geschlossen.
besten in kleinbäuerlichen Betrieben erfol-
gen und muss Ziel einer neuen, nationalen,
Die Preis-Kosten-Schere öffnet sich aber zu
heißt: renationalisierten Landwirtschaftspo-
ungunsten der Bauern immer weiter. Einer
litik sein.
geringfügigen Erhöhung der Erzeugerpreise
stehen gewaltige Erhöhungen der Kosten
Daher sind heimische bäuerliche Betriebe
von Produktionsmitteln (Handelsdünger,
europäischen Agrarfabriken vorzuziehen.
Saatgut, Futtermittel, Treibstoff, Maschinen,
Artgerechte Tierhaltung wird in Agrarkon-
Investitionen), aber auch von Steuern und
zernen mit Füßen getreten.
Abgaben gegenüber.
2.4.2) Tiertransporte –
Die durchschnittliche Pension in der Land-
ein Auswuchs der Profitgier
wirtschaft liegt bei rund 680 Euro pro Monat.
Besonders die qualvollen Tiertransporte sind
Landwirtschaft kann nicht auf Nostalgie und
uns ein Dorn im Auge. Lebendtiertransporte
Tradition reduziert werden. Die Landwirt-
über hunderte von Kilometern – mit dem
schaft gehört nicht der Vergangenheit an,
Steuergeld der Europäer gefördert - sind
sondern spielt bei den zentralen Herausfor-
überflüssig und müssen untersagt werden.
derungen der Zukunft eine wichtige Rolle.
Ernährung, Umwelt und Energieversorgung
Fleisch von Tieren, die lebend und oftmals
sind eng mit der Landwirtschaft verbunden.
unter Qualen quer durch Europa transpor-
tiert und in Österreich geschlachtet werden, mung im Bundesgesetz über den Schutz der
erhält außerdem das Gütesiegel „A“. Das hat Tiere (Tierschutzgesetz - TSchG) unbedingt
zur Folge, dass dieses Fleisch in Österreich notwendig.
als „österreichisches Fleisch“ verkauft und
als solches auch exportiert wird. Wir setzen uns dafür ein, alle tierischen
Lebensmittel nach Herkunftsort und Hal-
41
Um Konsumenten nicht länger zu täuschen, tungsbedingungen zu kennzeichnen.
ist es notwendig, dass künftig nur noch

Heimat und Identität


Fleisch von in Österreich aufgewachsenen 2.4.3) Tierschutzombudsmänner
Tieren mit dem A-Stempel versehen werden
darf. Das steigert die Nachfrage nach Durch den Einsatz von Tierschutzombuds-
gesundem, heimischem Fleisch und kommt männern in den Bundesländern wurde ein
unseren Landwirten und den Arbeitsplätzen wichtiger Schritt für den Tierschutz in Öster-
in Österreich zugute. Gleichzeitig sinken die reich gesetzt. Wir bekennen uns zu einer
CO2-Emissionen, da deutlich weniger Tiere Verschärfung des Tierversuchsgesetzes und
nur zum Zwecke der Schlachtung nach zu einer Ausweitung der Zuständigkeit der
Österreich transportiert werden. Tierschutzombudsmänner auf Tierversuche.

Die Verordnung (EG) Nr. 1/2005 des Rates 2.4.4.) Tierquälerei unter dem Deckman-
vom 22. Dezember 2004 über den Schutz von tel der freien Religionsausübung
Tieren beim Transport und damit zusam-
menhängenden Vorgängen ist seit dem 5. Schächten ist eine grausame Art der
Jänner 2007 in Geltung. Da Verordnungen Schlachtung, die von der FPÖ abgelehnt
des Rates unmittelbar in Österreich wird. Beim Schächten wird dem Tier, ohne
anwendbar sind, wurden Anfang Jänner jegliche Betäubung, bei vollem Bewusstsein,
2007 nahezu alle Bestimmungen des Tier- die Kehle durchgeschnitten, bis es nach
transportgesetzes-Straße zurückgedrängt unsäglichen, minutenlangen Qualen ausge-
und sind damit nicht mehr anwendbar. blutet ist.

Speziell betroffen davon sind die Strafbe- Der Verfassungsgerichtshof hat jedoch im
stimmungen, welche im § 16 Tiertransport- Dezember 1998 entschieden, dass ein
gesetz-Straße geregelt sind. Nun werden Schächtungsverbot einen Eingriff in die ver-
endlich, um das Leid und die Schmerzen der fassungsrechtlich gewährleisteten Rechte
Tiere bei Tiertransporten zu mindern, auf gesetzlich anerkannter Religionsgemein-
Ebene der Europäischen Union und somit schaften darstelle. Aus Sicht der FPÖ kann
für alle Mitgliedsstaaten verpflichtend anzu- Tierquälerei auch mit Hinweis auf die Religi-
wendende Regelungen beschlossen. Öster- onsfreiheit nicht toleriert werden.
reich steht jedoch weiter im Abseits. Denn Wir bekennen uns daher zu einem Verfas-
was nützt die beste Regelung, wenn eine sungsgesetz, welches das Schächten ohne
Nichtbeachtung ohne Folgen für den Tier- vorherige Betäubung in Österreich verbietet.
quäler bleibt?
2.5) Gemeinden als Basis der Heimat
Ohne Strafbestimmungen wird die Vollzie-
2.5.1) Kommunalpolitiker –
hung der Verordnung durch die zuständigen
direkt am Menschen
Organe und Behörden konterkariert. Als
dringendste und vorrangigste Maßnahme ist
Politische Basis unserer Heimat Österreich
die Schaffung einer derartigen Strafbestim-
sind unsere Gemeinden. Im Sinne eines
funktionierenden Subsidiaritätsprinzips Verfügung zu stellen, um diese Aufgaben
kommt den Gemeinden und ihren Vertretern auch bewältigen zu können. Die FPÖ
die wichtigste Rolle im direkten Kontakt mit bekennt sich zu einer vernünftigen finanziel-
den Bürgern zu. Die gewählten Gemeinde- len Ausstattung der Gemeinden und zu
vertreter und die Mitarbeiter in den Gemein- einem einheitlichen Bevölkerungsschlüssel
deämtern sind erster Ansprechpartner bei im Finanzausgleich.
42
einer Vielzahl von größeren und kleineren
Problemen einerseits, sie sind aber auch Die Gemeindeverwaltung ist für ihre
Heimat und Identität

Manager, die mit ihren Entscheidungen über Gemeindebürger in nahezu jeder Lebensla-
das künftige Geschick ihrer Heimatgemein- ge erster Ansprechpartner, beginnend beim
de entscheiden. Kindergarten bis zur Ermöglichung eines
würdigen Lebensabends. Die demographi-
Auf keiner anderen politischen Ebene wird sche Entwicklung trifft viele Gemeinden
gute Arbeit so direkt belohnt, wie in der unmittelbar. Es gibt immer mehr Menschen,
Gemeinde. Und auf keiner anderen politi- die der Pflege bedürfen. Im ländlichen Raum
schen Ebene wird fehlende Leistung und pendelt die Jugend aus oder siedelt ab. Ganz
fehlender Kontakt mit den Bürgern bei anders bei den „Speckgürteln“ rund um Bal-
Wahlergebnissen so unmittelbar bestraft. lungszentren. Hier gibt es immer mehr
Die Menschen in der Gemeinde kennen ihre „Zweitwohnsitzer“, die ebenfalls eine neue
gewählten Vertreter und können ihre Lei- Herausforderung für die Gemeinden dar-
stungen einschätzen. stellen.

2.5.2) Bürgermeister – immer im Dienst Während nach den Wirren des zweiten Welt-
krieges die erhöhte finanzielle Aufmerk-
Dem Bürgermeister kommt eine besondere samkeit für zerbombte Ballungszentren
Verantwortung für seine Gemeinde und die gerechtfertigt war, stellt sich heute die
Gemeindebürger zu. Er ist selten „außer Situation völlig anders dar. In einer Stadt
Dienst“. kann mit einem Kilometer Wasserleitung,
Kanal oder Straße eine viel größere Zahl von
Der Bürgermeister hat zudem die Aufgabe, Menschen erreicht werden als in einer klei-
eine Vielzahl von Verwaltungsaufgaben abzu- nen Gemeinde. Diese Mehrkosten sind bei
wickeln. Nicht selten ist er Gesprächspartner einer fairen Verteilung der vorhandenen
für Gemeindebürger, die von Sorgen abseits finanziellen Mittel der öffentlichen Hand zu
politischer Entscheidungsfindungen geplagt berücksichtigen.
werden. Der Bürgermeister ist zudem gefor-
dert, über Parteigrenzen hinweg die Zusam- 2.5.4) KMUs als Lebensader
menarbeit mit den Fraktionen und den politi- der Gemeinden
schen Parteien zu ermöglichen. Dabei geht es
weniger um ideologische Grundsätze, sondern Um die Ausdünnung von Infrastruktur in den
um Sachfragen zum Wohle der Gemeinde. Gemeinden zu verhindern, ist es besonders
wichtig, heimische Klein- und Mittelbetriebe
2.5.3) Ohne Geld ka Musi zu unterstützen. Nur wenn es Arbeit vor Ort
gibt, kann Abwanderung verhindert werden.
Immer mehr Aufgaben wurden von Bund
und Land an die Gemeinden delegiert. Es Anstelle eines weiteren Wildwuchses von
wurde jedoch verabsäumt, den Gemeinden Einkaufszentren müssen unsere Ortskerne
die erforderlichen finanziellen Mittel zur gestärkt werden. Eine effiziente Raumord-
nung muss so gestaltet werden, dass die Die Gemeinden spielen auch eine wesentli-
Ausbreitung von Einkaufszentren auf der che Rolle wenn es darum geht, in Fragen der
grünen Wiese zum Nutzen einer funktionie- Energieversorgung unabhängiger zu wer-
renden Nahversorgung eingedämmt werden den. Viele Gemeinden und Gemeindeverbän-
kann. de haben im Rahmen von Vorzeigeprojekten
ihre Haushalte bereits von fossilen Energie-
43
In mehr als 300 der 2.357 österreichischen trägern, die aufgrund des Zukaufs aus Kri-
Gemeinden gibt es keinen Nahversorger senregionen immer teurer werden, unab-

Heimat und Identität


mehr. Es muss daher zu einer Verlagerung hängig gemacht. Der Nutzung von Biomasse
der Verkehrsanschlussabgabe von den kommt im Rahmen von Gemeindeverbänden
Gemeinden zu den Ländern kommen, damit eine besondere Bedeutung zu. Durch die
diese endlich auch eingehoben wird und es Realisierung von Bürgerbeteiligungsmodel-
zu einer faireren Aufteilung der Infrastrukt- len entsteht eine hohe Identifikation der
urkosten kommt. Weiters ist zur Sicherung Gemeindebürger mit den regionalen Ener-
der Nahversorgung der interkommunale gieversorgungseinrichtungen.
Finanzausgleich voranzutreiben. Und bei
den Ladenöffnungszeiten darf es zu keiner
weiteren Ausdehnung kommen.

2.5.5) Lebensqualität und Umweltschutz

Zweifellos haben die Gemeinden die Aufga-


be, für ihre Bürger ein Maximum an Lebens-
qualität zu sichern. Lebensqualität, das
heißt, dass man in einer gesunden Umwelt,
in guter Nachbarschaft und in der Nähe zu
seinem Arbeitsplatz leben kann. Daran
muss sich die Arbeit der Gemeinden weiter-
hin orientieren. Der Schaffung von Freizeit-
angeboten kommt ebenfalls eine immer
größere Bedeutung zu. Viele Gemeinden
sind jedoch, aufgrund ihrer budgetären
Situation, kaum in der Lage, Freizeitangebo-
te zu finanzieren.
Recht und Gerechtigkeit
Die Freiheit des Staatsbürgers wird geschützt durch unsere Rechtsstaatlich-
keit und eine echte Solidargemeinschaft.
45

Recht und Gerechtigkeit


3.1) Der freiheitliche Rechtsstaat verbundenen Unübersichtlichkeit des Ver-
fassungsrechtes führen. Das Verfassungs-
3.1.1) Staatliche Ordnung zur Sicherung
recht ausschließlich in Form einer
und Entfaltung der Freiheit
geschlossenen Verfassungsurkunde soll
Ausdruck des Bekenntnisses zur "Staats-
Die Achtung vor den Freiheitsrechten aller
vereinfachung" sein. Sämtliches Verfas-
Menschen erfordert eine Rechtsordnung, die
sungsrecht sollte als rechtliche Grundlage
der Sicherung und Entfaltung der Freiheit zu
des Staates und des Staatshandelns einem
dienen hat. Diese staatliche Ordnung muss
strengen Inkorporierungs-Gebot unterlie-
Ergebnis demokratischer Entscheidungsab-
gen. Außerhalb der Verfassungsurkunden
läufe sein und muss durch den demokrati-
des Bundes und der Länder sollte es daher
schen Willen der Bürger legitimiert sein.
kein Verfassungsrecht mehr geben.
Der Staat ist nicht Selbstzweck, sondern hat
Eine Föderalisierung der Staatsaufgaben
der Freiheit, der Sicherheit und dem Wohl sei-
soll über die Abschaffung der Grundsatzge-
ner Bürger zu dienen. Er darf die Grundrechte
setzgebung des Bundes und der mittelbaren
und bürgerlichen Freiheiten des Einzelnen nur
Bundesverwaltung zu einer echten Verfas-
dort begrenzen, wo der Missbrauch dieser
sungsautonomie der Länder führen, deren
Rechte die Freiheitsräume anderer oder der
Kompetenzen durch eine Neuverteilung der
Gemeinschaft verletzen würde. Da ausschließ-
Aufgaben im Bundesstaat gestärkt und
lich der demokratische Rechtsstaat über eine
abgerundet werden. Die Kompetenz-Kom-
hinreichende Legitimation durch den Bürger
petenz des Bundes ist in eine Gemein-
verfügt, ist er Träger eines Gewaltmonopols
schaftskompetenz des Bundes und der Län-
zur Durchsetzung der Rechtsordnung. Erkenn-
der umzugestalten.
bare Tendenzen, durch eigenmächtige Wahr-
nehmung polizeilicher Befugnisse bis hin zur • Die Aufgabenverteilung im Bundesstaat
Selbstjustiz, dieses Monopol in Frage zu stel- muss sich am klassischen Subsidiari-
len, sind auf das mangelnde Vertrauen der tätsprinzip und an der Leistungsfähig-
Bürger in den Staat zurückzuführen, müssen keit der einzelnen Bundesländer orien-
aber entschieden abgelehnt werden. Es ist tieren.
ureigenste Aufgabe des Staates, die Rechts- • Die Kompetenz-Kompetenz des Bundes
ordnung entschlossen durchzusetzen, Rechts- soll durch eine Gemeinschaftskompe-

3
staatlichkeit zu gewährleisten und dem Bürger tenz des Bundes und der Länder ersetzt
Glaubwürdigkeit und Sicherheit zu vermitteln. werden, deren wichtigstes Instrument
der Staatsvertrag sein soll. Dies würde
3.1.2) Verfassungsreform sogar die Schaffung eines nach der Lei-
stungsfähigkeit der einzelnen Bundes-
Eine mutige Reform des Verfassungsrechtes länder differenzierten Bundesstaates
muss zur Beseitigung des derzeitigen ermöglichen. Die Neuverteilung der Auf-
Zustandes der Zersplitterung und der damit gaben im Bundesstaat soll Kompetenz-
zersplitterungen, Kompetenzüberlap- gerichtshof, der Verwaltungsgerichtshof,
pungen und Querschnittsmaterien ver- der Rechnungshof und die Volksanwalt-
meiden. Zielsetzung muss die Herstel- schaft.
lung abgerundeter Kompetenztatbe-
stände zur eindeutigen Zuordnung zur 3.1.3) Medienvielfalt und
jeweiligen Gebietskörperschaft sein. Nur freier Journalismus
46
so kann eine Staats- und Verwaltungs-
vereinfachung im Sinne einer bürgerna- Das Förderungswesen gegenüber den
Recht und Gerechtigkeit

hen Verteilung der staatlichen Aufgaben Medien und die Machtkonzentrationen in


erzielt werden. ihren Eigentümerverhältnissen führen zu
• Sämtliche Kompetenztatbestände sollten politischen Abhängigkeiten der Medien-
in die Verfassungsurkunde aufgenommen schaffenden. Weisungsgebundene Bericht-
werden (Inkorporierungs-Gebot). erstattung, machtgenehme Journalisten-
Selektionen und damit eine massive Ver-
• Zur Herstellung einer echten Verfas- zerrung der politischen Wettbewerbsbedin-
sungsautonomie der Länder sollte die gungen sind die Folgen. Die FPÖ lehnt
Grundsatzgesetzgebung des Bundes sowohl politische Einflussnahme als auch
abgeschafft werden, zumal mit dem EU- private Medienmonopole ab. Sie sind eine
Beitritt Österreichs ohnedies eine starke Gefahr für die Demokratie und die Mei-
Bevormundung der Länder im normati- nungsfreiheit und führen zu einer Manipu-
ven Bereich verbunden ist. lation des Bürgers.
• Eine Neuregelung der Finanzverfassung
muss sich an der neuen Aufteilung der Die FPÖ bekennt sich daher zur Medienviel-
Kompetenzen und Aufgaben im Bundes- falt und zum freien Journalismus. Der Staat
staat ausrichten. hat dafür die notwendigen Rahmenbedin-
gungen zu schaffen.
• Die mittelbare Bundesverwaltung und
im Bereich der Privatwirtschaftsverwal- 3.1.4) Die Macht der Sekretariate
tung die Auftragsverwaltung sollen im
Sinne einer klaren Trennung von Bun-
Eine deutliche Verringerung der Parteien-
des- und Landesverwaltungen abge-
Allmacht muss im Ergebnis zur Abschaf-
schafft werden. Auch die Behörden-
fung ihres Einflusses auf die Bestellung der
struktur sollte dieser klaren Trennung
Kollegial-Organe der Schulverwaltung, der
Rechnung tragen.
Beiräte im Förderungsvergabewesen, der
Gerichtskollegien (Schöffensenate, Senate
Die obersten Organe der Verfassungs- und des Verfassungs- und Verwaltungsge-
Verwaltungsgerichtsbarkeit, der Rech- richtshofes) und der Aufsichtsräte und in
nungskontrolle und der Missstandsüberprü- Folge der Vorstände im Bereich der öffent-
fung sind als gemeinsame Organe des Bun- lichen Wirtschaft führen. Es sollte darüber
des und der Länder einzurichten. hinaus den Parteien verboten sein, sich an
öffentlichen oder privaten Unternehmun-
Den Ländern muss eine echte und wir- gen zu beteiligen oder solche Unterneh-
kungsvolle Möglichkeit zur Mitentschei- mungen, die nichts mit der Erfüllung ihrer
dung bei der Bestellung und Berufung der politischen Aufgabe als Partei zu tun
gemeinsamen Organe des Bundes und der haben, selbst zu betreiben.
Länder eingeräumt werden. Solche
gemeinsame Organe sind der Verfassungs-
3.1.5) Freie Mitgliedschaft Dem Grundrechtskatalog ist ein Bürger-
statt Kammerzwang pflichtenkatalog gegenüberzustellen, der
verhindern soll, dass es zu privilegierter
Die berufsständischen Verbände haben sich Behandlung einzelner oder ganzer sozialer
über die Sozialpartnerschaft zu einem Gruppen kommen kann. Umgekehrt soll
Schattenparlament und einer Nebenregie- dieser abgeschlossene Pflichtenkatalog
47
rung entwickelt, ohne hierfür eine rechtliche eine normative Beschränkung für den Staat
Grundlage oder eine demokratische Legiti- darstellen und so ein Ausufern der Bela-

Recht und Gerechtigkeit


mation zu haben oder einer effektiven Kon- stungen für den Bürger verhindern.
trolle zu unterliegen. Die berufsständischen
Vertretungen sollten als Körperschaften 3.1.7) Definition und Beschränkung
öffentlichen Rechts auf ihre eigentliche kor- der Staatsaufgaben
porative Aufgabe beschränkt werden. Ihre
internen Entscheidungsabläufe müssen Ein Staatsaufgabenkatalog soll als
transparenter und kontrollierbar werden. Beschränkung des Staates auf die ureigen-
Die Pflichtmitgliedschaft muss zugunsten sten Staatsaufgaben einer Aufgabenauswei-
einer freiwilligen Mitgliedschaft beseitigt tung vorbeugen und Grundlage für den
werden, um die Verbände einem Wettbe- erforderlichen Rückbau des Staates sein.
werb um Mitglieder und einem Bemühen für Durch diesen Staatsaufgaben-Katalog sollte
das Mitglied zu unterwerfen. das Betätigungsgebiet des Staates mit einer
Konzentration auf die ureigensten Staats-
3.1.6) Grundrechts- und Bürgerkatalog aufgaben und dem damit verbundenen
Rückzug des Staates aus staatsfernen
Im Wesentlichen beruhen die verfassungs- Bereichen begrenzt werden.
rechtlich gewährleisteten Grundrechte der-
zeit noch auf Gesetzesmaterien, welche aus Der Staat sollte sich außerhalb der notwen-
der Mitte des vorvorigen Jahrhunderts über- digen Grundversorgung unserer Staatsbür-
nommen wurden oder als völkerrechtliche ger erwerbswirtschaftlicher und unterneh-
Normen in das innerstaatliche Recht trans- merischer Betätigung enthalten müssen.
formiert wurden. Denn diese führt lediglich zur Verzerrung
der Wettbewerbsverhältnisse auf dem Markt
Österreich und seine Bürger vermissen bis zu Lasten der privaten Mitbewerber einer-
heute einen geschlossenen und umfassen- seits und erfahrungsgemäß auch des Steu-
den Grundrechts- und Bürgerrechtskatalog erzahlers andererseits.
sowie eine klare Definition der Staatsaufga-
ben. Grundrechte, Bürgerrechte und Staats- Die FPÖ anerkennt im Halten einer Sperrmi-
aufgaben sollen in ihrem Kern nur durch norität des Staates bei öffentlichen Beteili-
direkt-demokratische Instrumente geändert gungen ein geeignetes Mittel zur Verhinde-
werden können. rung feindlicher Übernahmen oder zur Ver-
hinderung der Abwanderung österreichi-
Verfassungsgesetze sollten hinsichtlich scher Schlüsselunternehmen. Die Verwal-
ihrer Grundrechtsverträglichkeit der nach- tung dieser Beteiligungen hat ausnahmslos
prüfenden Kontrolle durch den Verfas- im politikfreien Raum zu geschehen.
sungsgerichtshof unterliegen. Als subjektiv-
öffentliche Rechte sollten sämtliche Grund- Für jene Bereiche der Grundversorgung, die
rechte ohne Gesetzesvorbehalt formuliert nur unternehmerisch zu bewältigen sind,
und daher unmittelbar anwendbar sein. sollte ein eigener rechtlicher Typus des
öffentlich-rechtlichen Unternehmens ge- Der Bundesrat soll zu einer echten Länder-
schaffen werden, welcher als staatliche Ein- kammer aufgewertet werden, weshalb ein
richtung der vollen öffentlichen Kontrolle Unterlaufen seiner Kompetenzen durch
unterliegen muss. Zur Vermeidung von extrakonstitutionelle Einrichtungen, wie die
Wettbewerbsverzerrungen sollten öffent- Landeshauptleute-Konferenz, beseitigt wer-
lich-rechtliche Unternehmungen nur in ein- den muss. Um eine echte Verknüpfung des
48
geschränktem Umfang Marktzutritt haben. Bundesrates mit den Landtagen sicherzu-
stellen, sollten die Bundesräte gleichzeitig
Recht und Gerechtigkeit

3.1.8) Ausbau der direkten Demokratie auch direkt gewählte Mitglieder des jeweili-
gen Landtages sein. Daneben sollten auch
In sämtlichen Bereichen der Bundes- und die direkt gewählten Landeshauptleute kraft
Ländergesetzgebung sind die plebiszitären Funktion Mitglieder des Bundesrates sein.
Mitbestimmungsrechte zu sichern und aus- Dergestalt wird der Bundesrat als zweite
zubauen. Hierzu sind notwendig: Kammer des Parlamentes zu einem echten
• Ein Abbau der bürokratischen Hemm- Delegierten-Parlament der Länder, welches
nisse bei der Durchführung von Volksbe- an der Gesetzgebung des Bundes zur Wah-
fragungen rung der Länderinteressen mitwirken soll.
Dem Bundesrat sollte ein absolutes Veto-
• Unterwerfung politischer Verwaltungs- recht hinsichtlich aller Gesetzesbeschlüsse
akte (Regierungserklärungen, Regie- des Nationalrates zukommen, welche admi-
rungsprogramme, Großauftragsverga- nistrative, finanzielle oder kompetenzrecht-
ben, Förderungsprogramme, Investiti- liche Auswirkungen auf die Länder haben.
onspläne usw.) unter das Institut der Zur Gewährleistung einer funktionierenden
Volksbefragung Bundesgesetzgebung sollte jedoch im Kon-
• Umwandlung der Volksbefragung zu fliktfall automatisch ein Vermittlungsaus-
einem parlamentarischen Minderheiten- schuss der Parlamentskammern tätig wer-
recht, wodurch ein Drittel der Abgeord- den müssen.
neten zum Nationalrat eine Volksbefra-
gung erwirken können soll 3.1.10) Direktwahl durch das Volk
• Schaffung der Einleitungsmöglichkeit
Es sollte nicht nur an der Volkswahl des
einer Volksabstimmung durch die
Bundespräsidenten festgehalten werden,
Stimmbürger oder einer bestimmten
sondern neben den allgemeinen Vertre-
Anzahl von Gemeinden (vertreten durch
tungskörpern sollten auch die Landeshaupt-
Beschlüsse der Gemeinderäte).
leute und die Bürgermeister als Verwal-
tungsspitzen der jeweiligen Gebietskörper-
3.1.9) Nationalrat und Bundesrat schaften durch unmittelbare Volkswahl
bestellt werden. Die vorzeitige Abberufung
Durch die Kompetenz zur Wahl des Mini- des Bundespräsidenten, eines Landes-
sterrates und die Einführung eines effekti- hauptmannes oder eines Bürgermeisters
ven Misstrauensrechtes soll der National- soll nach einer qualifizierten Initiative des
rat gegenüber der Vollziehung deutlich jeweiligen Parlamentes oder Gemeinderates
gestärkt werden. Die politische Verantwort- nur über Volksabstimmung erfolgen.
lichkeit der Minister muss über eine Ver-
besserung des Interpellationsrechtes aus- Die verfassungsgesetzlich zahlenmäßig
geweitet werden. begrenzten Mitglieder des Ministerrates, der
Bundeskanzler und der Vizekanzler sollen
nicht mehr ernannt, sondern über Vorschlag öffentlichen Interesses sollte der Rech-
der Abgeordneten vom Nationalrat gewählt nungshof bei festgestellten strafrechtlich
werden. Sie sollen nur dem Nationalrat relevanten Missständen das Recht zur Sub-
gegenüber politisch verantwortlich sein. sidiäranklage als Amtspartei vor Gericht
besitzen.
3.1.11) Rechnungskontrolle als
49
vierte Gewalt Genossenschaften sind nicht durch den
Revisionsverband sondern durch den Rech-

Recht und Gerechtigkeit


Die Rechnungskontrolle sollte als vierte nungshof zu prüfen und unabhängig von den
Gewalt im Staate neben der Legislative, der Beteiligungsverhältnissen in dessen Prü-
Exekutive und der Gerichtsbarkeit einge- fungskompetenz einzubeziehen.
richtet werden. Deshalb müsste der Rech-
nungshof als unabhängige und gerichtsför- Weiters muss der Rechnungshof die Mög-
mige Staatseinrichtung geschaffen werden, lichkeit erhalten, die Gebarung von Unter-
dessen Mitglieder mit den richterlichen nehmungen zu prüfen, an welchen der Bund,
Garantien (Unabhängigkeit, Unverletzbarkeit die Länder und Gemeinden mit mindestens
und Unabsetzbarkeit, wie sie Höchstrichtern 25 Prozent beteiligt sind. Auch die Gemein-
zukommen) ausgestattet werden sollten. den selbst sind unabhängig von ihrer Größe
Ihre Ernennung sollte nach dem Grundsatz in die Prüfungskompetenz einzubeziehen.
der Selbstergänzung erfolgen, wobei ein
bestimmter Teil der Mitglieder des Rech- 3.1.12) Unabhängigkeit der
nungshofes über Vorschläge der Bundes- Rechtssprechung
länder bestellt würden. Die Kompetenz des
Rechnungshofes sollte neben der Befugnis Die Rechtsprechung als dritte staatliche
zur nachträglichen Kontrolle gegenüber der Gewalt muss weiterhin unter der vollen ver-
Verwaltung und den öffentlich-rechtlichen fassungsrechtlichen Garantie der Unabhän-
Unternehmungen auch die Aufgabe umfas- gigkeit stehen. Die Beteiligung des Volkes an
sen, eine begleitende Kontrolle, etwa bei der Rechtsprechung muss zur Sicherstel-
Ausschreibungen, Planungsabläufen und lung einer breiten Akzeptanz der Judikatur
Auftragsvergaben, auszuüben. erhalten und weiterentwickelt werden. Der
Zugang zum Recht muss für den Bürger
Die Prüfungsergebnisse des Rechnungsho- unkomplizierter und rascher möglich sein.
fes sollten obligatorische Anordnungen zur
Missstandsbeseitigung enthalten, welche Unverzichtbares Wesensmerkmal des frei-
mit der Verbindlichkeit einer höchstgericht- heitlichen Rechtsstaates bleibt die verfas-
lichen Judikatur vergleichbar sein könnten. sungsrechtliche Garantie der Unabhängig-
Derartige kassatorische Anordnungen wür- keit der Rechtsprechung und der Richter.
den dem Rechnungshof die Kompetenz
eines negativen Verwaltungsorganisators Das alte und bewährte System der Beteili-
mit strenger Bindung an das Gesetz zubilli- gung des Volkes an der Rechtsprechung
gen. Neben den obligatorischen Anordnun- muss gegen alle Tendenzen zu seiner Besei-
gen sollten die Berichte des Rechnungsho- tigung geschützt und ausgebaut werden,
fes auch Empfehlungen enthalten, die insbesondere hinsichtlich der Beteiligung
gemeinsam mit den Anordnungen für die fachkundiger Laienrichter. Der Einfluss der
Verwaltung eine verbindliche Drittwirkung politischen Parteien auf die Bestellung von
entfalten (analog zur Wirkung der Erkennt- Laienrichtern ist zu beseitigen.
nisse der Höchstgerichte). Zur Wahrung des
Um eine politische Einflussnahme auf die Personen provoziert, die vor allem an Sozial-
Strafverfolgungsbehörden zu verhindern, ist leistungen interessiert sind.
verfassungsgesetzlich eine negative Wei-
sungsfreiheit gegenüber der Staatsanwalt- 3.2.2) Arbeitslosigkeit und
schaft zu schaffen. Damit wären Verfahrens- Gastarbeitslosigkeit
einstellungen über politische Weisungen
50
unmöglich. Die Arbeitslosigkeit in Österreich belastet das
Budget mit jährlich etwa 7 Milliarden Euro. Sie
Recht und Gerechtigkeit

Dem Rechtsstaat wohnt die Tendenz inne, ist daher nicht nur ein großes persönliches
eine Regelungsdichte herzustellen, die den Problem für jeden Betroffenen und für zigtau-
Zugang des Bürgers zum Recht verkompli- sende Familien in Österreich, sie ist auch eine
ziert und damit letztlich verwehrt. Es ist Auf- massive Belastung für unseren Staatshaus-
gabe der FPÖ, dieser Neigung dauernd ent- halt und damit für den Steuerzahler.
gegenzuwirken. Die Verfahrensordnungen in
der Verwaltung und in der Gerichtsbarkeit Es sind deshalb umgehend alle notwendigen
bedürfen dringend einer Vereinfachung und Maßnahmen zur Senkung der Arbeitslosigkeit
Straffung. Dies soll den Zugang des Bürgers umzusetzen, die wesentlich zur Entlastung des
zum Recht beschleunigen und einfacher Haushalts beitragen und diesen sogar deutlich
gestalten. Die Glaubwürdigkeit des Rechts- positiv ausfallen lassen würden.
staates hängt auch von einer bürgerfreund-
lichen und praktischen Zugänglichkeit der Das AMS hat sich entgegen der momenta-
Rechtsordnung sowie von einer verständli- nen Praxis ausschließlich mit der Vermitt-
chen Rechtssprache ab. lung von österreichischen Arbeitskräften zu
befassen. Soziale Schutz- und Beschäfti-
3.2) Sozialstaat Österreich gungsförderungsmaßnahmen müssen ganz
gezielt den wirklich Bedürftigen zugute
3.2.1) Soziale Gerechtigkeit
kommen und idealerweise auf den künftigen
Bedarf am Arbeitsmarkt vorbereiten.
Die FPÖ bekennt sich zu einer liberalen und
humanen Gesellschaft und zum Sozialstaat
Die Mittel für die Masse wenig nützlicher
Österreich. Unsere Solidargemeinschaft hat
und unzusammenhängender Schulungen,
sich verpflichtet, existenzbedrohende Ris-
die vom AMS zur statistischen Beschöni-
ken bedingt durch Alter, Behinderung,
gung der Arbeitslosenquote alltäglich veran-
Krankheit, Unfall, Arbeitslosigkeit und
staltet werden, sind zugunsten des Erwerbs
schwere Schicksalsschläge für österreichi-
konzentrierter, aber verwertbarer Kenntnis-
sche Staatsbürger zu decken. Soziale
se in nachgefragten Bereichen umzuvertei-
Gerechtigkeit bedingt auch eine wirksame
len. Durch diese Restrukturierung soll die
Bekämpfung von Sozialmissbrauch und von
Dienstleistungsfunktion des AMS für den
Privilegien.
Steuerzahler wieder verstärkt unter Beweis
gestellt und evaluiert werden.
Eine Grundsicherung für alle in Österreich
lebenden Personen, die unabhängig von der
In Schulung befindliche Personen sind um
Leistungsbereitschaft des Einzelnen finan-
nichts weniger arbeitslos und deshalb eben-
zielle Mittel zusichert, wird von uns abge-
falls in der Arbeitslosenstatistik zu erfassen.
lehnt. Dies stellt eine grob ungerechte Form
von Umverteilung dar, die aufgrund des Len-
Faktum ist leider auch, dass ein hoher Anteil
kungseffektes den Fortbestand unseres Hei-
der heute in Österreich lebenden Ausländer
matlandes gefährdet und Zuwanderung von
entweder gar nicht berufstätig ist oder auf- Besonders bemerkenswert ist, dass Asyl-
grund eines geringen Ausbildungsniveaus werber in Österreich Anspruch auf Arbeits-
überproportional von Arbeitslosigkeit losengeld haben. Denn wenn straffällig
betroffen ist. Dies hat zur Folge, dass Gast- gewordene Asylwerber aus besonderen
arbeiter, denen Österreich einen Anspruch Gründen nicht sofort nach Ende der Haft-
auf Sozialleistung gewährt, aufgrund ihrer strafe aus dem Land verwiesen werden bzw.
51
geringen Produktivität das Sozialsystem ein Aufenthaltsverbot verhängt wird, kann es
überdurchschnittlich stark belasten. in Einzelfällen, etwa bei Jugendlichen, nach

Recht und Gerechtigkeit


vollständiger Verbüßung der Haftstrafe zu
Der Anteil ausländischer Arbeitskräfte an einer Auszahlung des erworbenen Anspru-
der aktiv unselbständigen Beschäftigung ches des Arbeitslosengeldes im Falle von
beläuft sich im Jahr 2007 auf 12,4% und liegt Arbeitslosigkeit kommen. Wer derart ver-
damit um 0,4 Prozentpunkte über dem Vor- antwortungslos mit öffentlichen Geldern um
jahreswert. Ausländer sind von Arbeitslosig- sich wirft, darf sich nicht wundern, wenn der
keit besonders betroffen. Im 4. Quartal 2006 Sozialstaat zunehmend unter Druck gerät.
betrug die Arbeitslosenquote der Ausländer
10,2%, jene der Inländer 3,8%. Damit von Gastarbeit sowohl der Gastarbei-
ter als auch unsere Heimat Österreich profi-
Im Jahresdurchschnitt 2006 waren 42.191 tieren, muss Gastarbeitslosigkeit unterbun-
Personen mit nichtösterreichischer Staats- den werden.
bürgerschaft arbeitslos vorgemerkt. Jahres-
durchschnittlich haben davon 39.511 Perso- Um eine weitere Belastung unseres Sozial-
nen eine Leistung aus der Arbeitslosenver- systems aufgrund von Masseneinwanderung
sicherung bezogen. Der jährliche Aufwand zu verhindern - die es Wirtschaftsflüchtlin-
inklusive anteiliger Sozialversicherungsab- gen bereits innerhalb kurzer Zeit ermög-
gaben betrug 452 Millionen Euro. licht, in die soziale Hängematte zu fallen und
von dem zu zehren, was ganze Generationen
Im Jahresdurchschnitt 2006 betrug der Anteil hierzulande mühsam erarbeitet haben -
von ausländischen Personen mit maximal bekennen wir uns dazu, dass Gastarbeiter
Pflichtschulabschluss an der Gesamtzahl der gemäß einem für ihren vorübergehenden
Arbeitsuchenden 29,2%. Für Arbeitssuchen- Aufenthalt maßgeschneiderten Modell aut-
de ohne österreichische Staatsbürgerschaft ark zu versichern sind und dass dafür eine
mit maximal Pflichtschulabschluss wurden eigens zu schaffende Sozialversicherung
im Jahr 2006 für Arbeitslosengeld und Not- ohne Fehlbetragsausgleich durch die öffent-
standshilfe Euro 294,5 Mio. inklusive Sozial- liche Hand einzurichten ist.
versicherungsbeiträge verausgabt.
Gastarbeiter müssen mit ihrem Einkommen
Insgesamt wurde im Jahr 2006 - nach vor- nicht in unser Arbeitslosenversicherungssy-
läufigem Datenstand – für rund 47.000 Per- stem einbezahlen, weil das öffentliche
sonen mit nichtösterreichischer Staatsbür- Arbeitslosenversicherungssystem dazu
gerschaft (darunter ca. 10.300 EU-Bürger, dient, österreichische Arbeitslose zu vermit-
inkl. Beitrittsländer - EU 27) eine AMS-För- teln. Gastarbeiter, die in Österreich arbeits-
derung genehmigt, was gegenüber dem Vor- los werden, haben die Möglichkeit, im Hei-
jahr eine deutliche Steigerung um rund 22% matland Arbeit zu finden.
bedeutet. Das für die Zielgruppe der Auslän-
der im Jahr 2006 aufgewendete (aktive) För- Nobelpreisträger Gary Becker über die
derbudget betrug rund Euro 118 Mio. Zuwanderung in der Neuen Zürcher Zeitung
vom 8.7. 2004: „Freie Zuwanderung wird
dann fragwürdig, wenn sie den Einwande- In Österreich gibt es für Ausländer aus nicht
rern Zugang zu einem über Jahrzehnte, ja EWR-Staaten drei Stufen des Zugangs zum
Jahrhunderte ausgebauten Volksvermögen Arbeitsmarkt: die Beschäftigungsbewilli-
sowie zu Sozialleistungen aller Art gibt.“ gung, die Arbeitserlaubnis und den Befrei-
ungsschein.
Ein Beispiel dafür sind die Ausgleichszah-
52
lungen, die an ausländische Staatsbürger Zuerst bekommen Ausländer eine Beschäf-
großzügig überwiesen werden. tigungsbewilligung. Dafür muss bereits ein
Recht und Gerechtigkeit

Aufenthaltstitel (Aufenthaltserlaubnis oder


Wenn beispielsweise ein serbischer Staats- Niederlassungsbewilligung) vorliegen und
bürger aufgrund seiner Beitrittsjahre eine Bedarf gegeben sein. Dieser definiert sich
Pension aus Österreich in der Höhe von 200 primär über eine bestimmte Quote für aus-
Euro bezieht und aufgrund seiner Beitrags- ländische Arbeitskräfte, die der österreichi-
jahre in Serbien eine Rente von 30 Euro sche Arbeitsmarkt offiziell zu absorbieren
erhält, so wird die Differenz auf den Aus- imstande ist.
gleichszulagenrichtsatz in der Höhe von 726
Euro ausbezahlt. Der serbische Staatsbür- Daneben gibt es noch ein kleineres Kontin-
ger erhält also eine Ausgleichszulage in der gent für hoch qualifizierte Schlüsselkräfte.
Höhe von 496 Euro. Das ist mehr als der Die Beschäftigungsbewilligung bindet den
durchschnittliche Serbe, der ein Leben lang Arbeitnehmer an einen bestimmten Arbeitge-
in der Heimat gearbeitet hat, an Pension ber und in gewissem Rahmen auch an einen
erwarten kann. bestimmten Arbeitsplatz und ist jährlich zu
erneuern. Wird das Beschäftigungsverhältnis
Wenn beispielsweise eine rumänische Witwe aufgekündigt, so endet die Beschäftigungs-
als EU-Bürgerin ohne Beitragszeiten in bewilligung, der Ausländer müsste das Inte-
Österreich oder auch in einem anderen Land grationsprozedere wieder von neuem begin-
von Rumänien nach Österreich zieht, etwa nen. Anzumerken ist, dass der Antrag auf
weil ihre Tochter in Österreich lebt, so erhält eine Beschäftigungsbewilligung vom Arbeit-
auch sie eine Ausgleichszahlung. Geht man geber gestellt werden muss.
davon aus, dass die Dame eine Witwenrente
in der Höhe von 30 Euro aus Rumänien Derzeit werden Beschäftigungsbewilligun-
bekommt, so erhält sie hier in Österreich eine gen für Ausländer dann erteilt, wenn für die
monatliche Ausgleichszahlung von 696 Euro, zu besetzende offene Stelle weder ein Inlän-
ohne jemals in unser Sozialsystem einbezahlt der noch ein am Arbeitsmarkt verfügbarer
zu haben. Von Gerechtigkeit gegenüber Ausländer zur Verfügung steht, der willens
jenen, die ein Leben lang unser Sozialsystem und fähig ist, die beantragte Beschäftigung
durch ihre Beiträge finanziert haben, kann zu den gesetzlich zulässigen Bedingungen
hier keine Rede sein. Ist die Türkei erst ein- auszuüben.
mal EU-Mitglied, so wird dieses System zwei-
fellos im Zentrum der Begehrlichkeiten ste- Die FPÖ will diese Regelung wie folgt
hen. Unser Sozialstaat wird damit unfinan- ändern: Beschäftigungsbewilligungen sind
zierbar, die Rechnung bezahlen hunderttau- für Ausländer künftig nur dann zu erteilen,
sende Senioren, deren Pensionen in Öster- wenn im entsprechenden Berufszweig
reich nicht mehr sicher sind. Hier wird der Arbeitskräftemangel vorherrscht und der
Plünderung des Sozialstaates durch Auslän- Bedarf nicht unmittelbar durch inländische
der Tür und Tor geöffnet. Arbeitskräfte gedeckt werden kann. Voraus-
setzung bleibt wie bisher ein Aufenthaltsti-
tel, wobei Erstanträge auf Erteilung eines Schwarzarbeitende Ausländer verlieren
Aufenthaltstitels durch den Ausländer sofort jegliche Aufenthalts- und Beschäfti-
grundsätzlich vor der Einreise nach Öster- gungsbewilligung
reich - von seinem Herkunftsland aus - ein-
zubringen sind. Diese Regelung ist sogar in Für türkische Staatsbürger sieht Österreich
allen typischen Einwanderungsländern unverständlicherweise ganz besondere
53
üblich und geeignet, den aus dem Gleichge- Erleichterungen vor. Sie bekommen bereits
wicht geratenen Arbeitsmarkt, insbesondere nach 4 Jahren rechtmäßiger Beschäftigung

Recht und Gerechtigkeit


den Bereich wenig qualifizierter Tätigkeiten, oder nach 5jähriger Anwesenheit im Inland,
wieder zu stabilisieren. wenn ein Familienangehöriger regulär zum
Arbeitsmarkt zugelassen ist, auf Antrag
Die Arbeitserlaubnis ist die nächste Stufe. sofort einen Befreiungsschein, der ihnen
Sie ermächtigt einen Ausländer, sich inner- den uneingeschränkten Zugang zum
halb eines Bundeslandes frei am Arbeits- gesamten österreichischen Arbeitsmarkt
markt zu bewegen. Sie wird für zwei Jahre gewährleistet (§ 4c Abs. 2 des Assoziations-
erteilt, wobei der ausländische Arbeitneh- abkommens mit der Türkei).
mer insgesamt mindestens 18 Monate oder
innerhalb der letzten 14 Monate 52 Wochen Weiters bekommen türkische Staatsbürger
mehr als geringfügig beschäftigt gewesen einen deutlich erleichterten Zugang zum öster-
sein muss, um eine Arbeitserlaubnis verlän- reichischen Familienbeihilfensystem. Sie müs-
gern und behalten zu können. Versäumt er sen dazu lediglich einen Wohnsitz im Inland
diese Fristen, so verliert er die Arbeitser- haben und die Kinder müssen sich im Inland
laubnis und damit die Erlaubnis, am Arbeits- aufhalten. Dies stellt eine eindeutige Bevorzu-
markt in Erscheinung zu treten. gung gegenüber allen anderen Bürgern von
Drittländern und unter gewissen Vorausset-
Die oberste Integrationsstufe ist der Befrei- zungen sogar gegenüber EU-Bürgern dar
ungsschein. Nach mindestens fünfjähriger (diese müssen in Österreich beschäftigt sein,
Beschäftigung im Rahmen der oben genannten um den Anspruch zu erwerben).
Titel kann ein auf 5 Jahre befristeter Befrei-
ungsschein zuerkannt werden, wobei der aus- Die FPÖ lehnt diese nicht rechtfertigbare
ländische Arbeitnehmer innerhalb dieser Fri- Bevorzugung strikt ab und fordert eine
sten (und unter Außerachtlassung diverser ersatzlose Streichung derartiger Sonderre-
Nebenbestimmungen wie Heirat mit Inländern gelungen durch eine Revision des Assoziati-
u. dgl.) 2,5 Jahre mehr als geringfügig beschäf- onsabkommens mit der Türkei.
tigt gewesen sein muss, um den Befreiungs-
schein verlängern zu können. Der Befreiungs- 3.2.3) Schwarzarbeit und
schein erlaubt die unbegrenzte Teilhabe am Ausländerbeschäftigung
Arbeitsmarkt analog zum Inländer.
In Österreich überwacht die KIAB die Einhal-
Die FPÖ bekennt sich zur ersatzlosen Strei- tung der Bestimmungen des Ausländerbe-
chung des Befreiungsscheines. Ausländer schäftigungsgesetzes.
sollen darüber hinaus die Arbeitserlaubnis
verlieren, wenn sie über längere Zeiträume Zu diesem Zweck ist die KIAB berechtigt,
oder wiederholt arbeitslos sind. Denn das ist Betriebsstätten, Betriebsräume und aus-
ein Zeichen dafür, dass die Qualifikation des wärtige Arbeitsstätten sowie Aufenthalts-
Gastarbeiters, so vorhanden, am heimi- räume der Arbeitnehmer zu betreten, not-
schen Arbeitsmarkt nicht nachgefragt ist. wendige Auskünfte zu verlangen und in die
erforderlichen Unterlagen Einsicht zu neh- Beispiel der Reorganisation der Betrugsbe-
men. Weiters ist sie befugt, Anzahl und kämpfung ist die generelle Vorgehensweise
Namen der im Betrieb beschäftigten Aus- für KIAB-Einsätze zu nennen. Bis vor kurzer
länder zu verlangen und bei Gefahr im Ver- Zeit wurden Zielobjekte von Überprüfungen
zug Ausländer für die Fremdenpolizeibehör- kurzfristig dem Teamleiter bekannt gegeben.
de festzunehmen, wenn Grund zur Annahme Dadurch war ein vorzeitiges Bekanntwerden,
54
besteht, dass diese Ausländer eine illegale i.e. ein Durchsickern von Informationen an
Erwerbstätigkeit in Österreich ausüben oder die Betroffenen, ausgeschlossen und eine
Recht und Gerechtigkeit

ausüben wollen. Überprüfung damit erst sinnvoll. Nun stellt


sich die Lage so dar, dass eine Meldung zur
Im Rahmen der Reorganisation der Betrugs- Überprüfung beim jeweils zuständigen KIAB-
bekämpfung soll die KIAB nun nach dem Wil- Team im jeweiligen Finanzamt eingeht und
len der Bundesregierung organisatorisch bei bis zum Einsatz viele Personen davon erfah-
den Finanzämtern angesiedelt sein. Die aus ren. Die Folge dieser effizienzmindernden
illegaler Beschäftigung resultierenden abga- Praxis ist nicht selten die amüsierte Begrü-
benrechtlichen Konsequenzen werden damit ßung der KIAB durch den zu Überprüfenden.
in einer Hand gebündelt, da Schwarzarbeit
immer auch Schwarzlöhne bedeutet, was die Anscheinend sollen alle KIAB-Einheiten zu
Hinterziehung von Lohnabgaben sowie steu- Betriebsprüfern umfunktioniert werden,
erlich nicht erfasste Einnahmen zur Folge hat. welche sich rechtzeitig Tage vor der Prüfung
einen Termin mit dem Betroffenen vereinba-
Die KIAB ist daher nunmehr ein Teil der ren. Des Weiteren agieren KIAB-Einheiten
Finanzbehörde. Durch diese Maßnahmen österreichweit nicht nach den selben Bedin-
wurden die effektiven Möglichkeiten wie gungen oder einheitlichen Kriterien. So
auch die Handlungsweisen der KIAB kommen zum Beispiel in drei verschiedenen
stark beschränkt. Die KIAB-Mitarbeiter Ländern drei verschiedene Einsatzmetho-
wurden teilweise von den Kernbereichen den zum Zuge. In Wien ist, laut Bericht des
ihrer Tätigkeit abgezogen, zweckfremd Rechnungshofes Reihe Bund 2006/4, der
eingesetzt oder mit Zusatzaufgaben Zeitraum zischen Anzeige und Kontrolle mit
betraut und stehen somit nicht mehr voll 35 Kalendertagen, in Innsbruck mit einem
für die Betrugsbekämpfung bereit. Sie Kalendertag angegeben.
sind eine billige Personalreserve für die
Finanzämter. Der absichtlich verursachte und bewusst
gesteuerte statistische Erfolgsdruck soll
Durch die Überführung der KIAB in den ebenfalls zur Deklassifizierung dieser ausge-
Bereich der Finanzämter sollte auch ein zeichneten Betrugsbekämpfungseinheit füh-
Abbau der Schnittstellen zum Finanzamt ren und rundet das Bild der Zerschlagung ab.
erreicht werden. Dadurch soll, so die Bun-
desregierung, die intensive und koordinierte Mit der Aufteilung der KIAB-Mitarbeiter auf
Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern im die einzelnen Standorte der Finanzämter
eigenen Finanzamt und die effiziente Steue- und Eingliederung in eben diese wurden
rung der Kontroll-, Aufsichts- und Überwa- einer bisher sehr schlagkräftigen Spezial-
chungsmaßnahmen im Wirtschaftsraum einheit der Betrugsbekämpfung sprichwört-
gefördert und damit die rasche Aufdeckung lich die Zähne gezogen.
und Verfolgung insbesondere von steuerli-
chen Sachverhalten der illegalen Beschäfti- Die FPÖ setzt sich daher für ein neues Aus-
gung gewährleistet werden. Als plakatives länderbeschäftigungsgesetz ein, das die
Neugestaltung der Einheit KIAB - Kontrolle Das Bundesgesetz über die Ausübung der
der illegalen Arbeitnehmerbeschäftigung im Fremdenpolizei, die Ausstellung von Doku-
Sinne menten für Fremde und die Erteilung von
• der Schaffung einer bundesweiten Einreisetiteln (Fremdenpolizeigesetz 2005)
Steuerungseinheit für KIAB-Agenden im normiert in § 60 unter anderem, dass gegen
Bundesministerium für Finanzen, einen Fremden ein Aufenthaltsverbot erlas-
55
sen werden kann, wenn auf Grund bestimm-
• der Herauslösung der KIAB aus der Ver- ter Tatsachen die Annahme gerechtfertigt
antwortlichkeit und Weisungsgebunden-

Recht und Gerechtigkeit


ist, dass sein Aufenthalt die öffentliche Ord-
heit der Finanzämter, nung und Sicherheit gefährdet. Als
• einer direkten Unterstellung dienstlich, bestimmte Tatsache hat insbesondere zu
fachlich und budgetär dem Bundesmini- gelten, wenn ein Fremder von einem inländi-
sterium für Finanzen, schen Gericht zu einer unbedingten Frei-
heitsstrafe von mehr als drei Monaten, zu
• einer allgemeinen bundesweiten Aus-
einer teilbedingt nachgesehenen Freiheits-
richtung bei gleichzeitiger Rücksicht-
strafe, zu einer bedingt nachgesehenen
nahme auf spezielle regionale Unter-
Freiheitsstrafe von mehr als sechs Monaten
schiede
oder mehr als einmal wegen auf der glei-
und chen schädlichen Neigung beruhender
• der Schaffung von eigenen KIAB-Regio- strafbarer Handlungen rechtskräftig verur-
nalkoordinatoren als Vorgesetzte der teilt worden ist.
Teamleiter in den Regionen,
regelt. Fremde können festgenommen und angehal-
ten werden (Schubhaft), sofern dies notwen-
Die KIAB benötigt außerdem erweiterte dig ist, um das Verfahren zur Erlassung eines
behördliche Befugnisse (Beschlagnahme- Aufenthaltsverbotes oder einer Ausweisung
recht, Einvernahmerecht), da diese Organe bis zum Eintritt ihrer Durchsetzbarkeit oder
unmittelbar diverse Missbrauchshandlun- um die Abschiebung, die Zurückschiebung
gen entdecken und ebenso unmittelbar rea- oder die Durchbeförderung zu sichern, wie
gieren müssen. dies in § 76 Fremdenpolizeigesetz vorgesehen
ist. Somit wären die Voraussetzungen des § 7
3.2.4) Arbeitslosengeld an straffällige Arbeitslosenversicherungsgesetz für den
Asylwerber Bezug von Arbeitslosengeld für aus der Straf-
haft entlassene Asylwerber nicht gegeben.
Im Zusammenhang mit der Gewährung von
Arbeitslosengeld an straffällige Asylwerber Dennoch, wenn über straffällig gewordene
wird dem Sozialstaat Österreich Schaden Asylwerber - aus welchem Grund auch
zugefügt. In der Regel wird gegenüber Asyl- immer - nicht sofort ein Aufenthaltsverbot
werbern, welche straffällig geworden sind, verhängt wird oder diese nicht in Schubhaft
im Sinne des Bundesgesetzes über die genommen werden, kommt es nach der Ver-
Gewährung von Asyl (Asylgesetz 2005), nach büßung der Haftstrafe immer wieder zur
Ende der Strafhaft ein Aufenthaltsverbot Auszahlung des gemäß § 66a Arbeitslosen-
ausgesprochen, was zur Inschubhaftnahme versicherungsgesetz verliehenen Anspru-
führt, oder die Betroffenen werden unmittel- ches auf Auszahlung des Arbeitslosengel-
bar nach negativem Ausgang des Asylver- des. Die FPÖ setzt sich dafür ein, sich von
fahrens abgeschoben. dieser Praxis umgehend zu verabschieden.
Denn hier hat die Arbeitslosenversicherung nal zugeteilt werden, sodass der Einzelne in
offenbar den Zweck, den entlassenen Haft- seiner unmittelbaren Umgebung einen nütz-
gefangenen zu resozialisieren. Eine solche, lichen Unterstützungsdienst gegenüber der
wie Statistiken belegen, meist erfolglose Gemeinschaft leisten kann. Einerseits ist
Resozialisierung ist bei straffällig geworde- hier eine langfristige und vorausschauende
nen Asylwerbern auf Grund der bevorste- Planung gefordert, andererseits auch ein
56
henden Abschiebung nicht erforderlich, schnelleres Reagieren auf personelle
weshalb der Verlust des Anspruches auf Bedarfsspitzen wie etwa im Katastrophen-
Recht und Gerechtigkeit

Auszahlung des Arbeitslosengeldes sachlich fall bei Hochwasser oder Schneechaos.


gerechtfertigt ist.
Damit werden tausende Arbeitslose wieder
Unabhängig davon setzt sich die FPÖ für die in den Arbeitsprozess und in die aktive
Schaffung einer eigenen Sozialversicherung Gesellschaft eingebunden. Die Langeweile
für Gastarbeiter und Fremde in Österreich ein. in der Wohnung und am Wirtshaustisch, das
Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden,
3.2.5) Schicksal Langzeitarbeitslosigkeit alles das sind Faktoren, die zu einer schwer
meisterbaren Lebenskrise führen können.
Viel zu viele Österreicher sind vom Schicksal
der Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Sogenannte Berufsarbeitslose hingegen,
Neben finanziellen und gesellschaftlichen haben unsere Unterstützung nicht verdient.
Aspekten der Massenarbeitslosigkeit ist Wer die Chance auf Arbeit hat und nicht
auch der psychische Druck und die Bela- arbeiten will, der darf auch finanziell nicht
stung der Betroffenen zu berücksichtigen. unterstützt werden. Ihm gebührt lediglich
eine Grundsicherung, die sein Überleben
Die FPÖ will Langzeitarbeitslosen unter sichert. Hier handelt es sich um Obdach,
anderem anbieten, im Rahmen von Hilfs- Kleidung und Nahrung in Form von Sachlei-
diensten personelle Bedarfsspitzen bei stungen. Kein Österreicher muss hierzulan-
gemeinnützigen Tätigkeiten abzudecken. de hungern oder erfrieren. Es hat aber auch
Dies soll prinzipiell freiwillig erfolgen, sollte niemand das Recht, seine Mitbürger auszu-
sich aber als Bonus/Malus auf die Höhe der nutzen.
Unterstützungsleistungen auswirken.
Anstatt in Bereichen, in denen teils gravie-
Nach einem halben Jahr in Arbeitslosigkeit render Arbeitskräftemangel herrscht
beziehen Nichterwerbstätige üblicherweise (Gesundheits- und Pflegebereich, Erntehel-
Notstandshilfe. Diese ist als Solidarleistung fer,...), gleich nach einer Öffnung des
der Gesamtbevölkerung für den Einzelnen Arbeitsmarktes für Ausländer zu verlangen,
zu verstehen und darf ausschließlich öster- sind österreichische Arbeitslose vom AMS in
reichischen Staatsbürgern zugute kommen. zielgerichteten Schulungen zu qualifizieren.
Es ist in dieser Frage eine langfristige und
Ziel ist es, die Eigenverantwortung der Be- vorausschauende Planung gefordert.
troffenen wieder so sehr zu stärken, dass sie
bereit sind, auch einen Solidarbeitrag als 3.2.6) Zusammenlegung der
Einzelner an die Gemeinschaft zurückzuge- Sozialversicherungsanstalten
ben. Dies bedeutet, dass Notstandshilfebe-
zieher dazu einzuladen sind, für die Öffent- Die FPÖ bekennt sich zu einer weiteren
lichkeit zumutbare Tätigkeiten zu verrichten. Zusammenlegung der Sozialversicherungs-
Gemeinnützige Arbeiten sollen dabei regio- anstalten. Bayern hat bei annähernd glei-
cher Fläche wesentlich mehr Einwohner als Die egalisierende Lohnpolitik, der Ausbau
Österreich. Trotzdem schafft es der Frei- des Sozialstaates in Form des Lohnersatz-
staat, mit einer Sozialversicherung auszu- systems und die Massenimmigration: Das
kommen. In Zeiten der computergestützten sind drei Dinge, die einfach nicht zusam-
Datenverarbeitung spricht sich die FPÖ für menpassen.“ Hans-Werner Sinn
eine zentralisierte Organisation der Sozial-
57
versicherungen aus. Die einzelnen Versiche- Dieses Zitat des wohl angesehensten Ökono-
rungsträger können durchaus rechtlich als men Deutschlands, Präsidenten des ifo Insti-

Recht und Gerechtigkeit


individuelle Organisationen existieren, wer- tuts für Wirtschaftsforschung, Direktor des
den jedoch unter eine Verwaltung gestellt. Center for Economic Studies (CES) und Ordi-
Das aus einer Effizienzerhöhung in der narius am Lehrstuhl für Nationalökonomie
internen Verwaltung resultierende Einspa- und Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maxi-
rungspotential ist als eine unabdingbare milians-Universität München, so wie auch
Säule im Bereich der ausgabenseitigen das Erkenntnis der Bundesfachkommission
Sanierung anzusehen. Sozialpolitik des Wirtschaftsrates Deutsch-
land, demzufolge Zuwanderer Nettoempfän-
3.2.7) Bekämpfung des ger sozialer Leistungen sind – Zuwanderer
Sozialmissbrauchs kosten den deutschen Staat pro Kopf durch-
schnittlich 2.400 Euro im Jahr – bringt die seit
Ein funktionierender Sozialstaat hat die Ver- längerem bestehende soziale Schieflage in
pflichtung, Sozialmissbrauch zu bekämpfen. diesem Bereich sehr gut zum Ausdruck. Dass
Sozialmissbrauch ist als Straftatbestand ins dies für Österreich ebenfalls Geltung hat, ist
Strafgesetzbuch aufzunehmen und für Aus- unbestritten. Hier einige Zahlen:
länder mit Abschiebung zu ahnden. Die Sozi-
aldienste sind zu verpflichten, einer neu ein-
zurichtenden Fremdenpolizei allfälligen Familienbeihilfe Ausländer:
Sozialhilfebezug unverzüglich und aus- 102.327 Anspruchsberecht. und 183.817 Kinder
nahmslos zu melden. Ebenso sind die Kosten:
Behörden zu verpflichten, bei der periodi- hochgerechnet rund 273 Mio Euro im Jahr
schen Überprüfung der Bewilligungen den
Bezug von Sozialhilfe zu prüfen. Kinderbetreuungsgeld Ausländer:
27.893 KBG-Bezieher, das sind 16,16% aller
3.2.8) Sozial- und Familienleistungen Kinderbetreuungsgeldbezieher (davon zum
an Ausländer
Beispiel
Die FPÖ setzt sich für die Schaffung einer 5.963 aus der Türkei,
eigenen Sozialversicherung für Ausländer 3.484 aus Serbien und
ein, die speziell auf deren Bedürfnisse abge- 2.827 aus Bosnien).
stellt ist. Familienleistungen sind österrei-
chischen Staatsbürgern vorzubehalten! Der Kosten:
Sozialstaat Österreich wird unfinanzierbar, Bei einem Tagsatz von 14,53 Euro werden
wenn Staatsbürger und Ausländer das Recht jährlich etwa 148 Mio. Euro für Ausländer
auf gleiche Sozialleistungen erhalten. ausgegeben.

„Man kann nicht Millionen von Menschen ins Sozialhilfe am Beispiel Wien (Sozialhilfe ist
Land holen, wenn man die institutionellen eine Angelegenheit der Länder)
Verhältnisse so belässt, wie sie heute sind.
Ausländer: erhalten. Dafür muss man in Ungarn zwei
19 000 Personen (davon 1800 EU-Bürger Jahre arbeiten.
und 3500 Asylwerber), das sind fast
20%; Kosten: rund 50 Mio. Euro Alleine im Burgenland gibt es beispielsweise
6000 Grenzgänger.
Im Jahresdurchschnitt 2006 betrug der
58
Anteil von ausländischen Notstandshilfebe- 3.2.9) Sozialer Wohnbau und Wohnen
ziehern 14,1%. Für diese Notstandshilfebe-
Recht und Gerechtigkeit

zieher ohne österreichische Staatsbürger- Wohnen ist ein Grundbedürfnis des Men-
schaft wurden 2006 127,2 Mio. Euro inklusive schen. Österreich trägt daher Sorge dafür,
Sozialversicherungsbeiträgen verausgabt. dass dieses Bedürfnis auch für sozial
Schwache leistbar bleibt. Auf Jugendliche,
Aufgrund des Beschäftigungslandprinzips ältere oder behinderte Menschen, aber auch
erhalten auch Grenzgänger aus den neuen auf Großfamilien ist durch intelligente
EU-Mitgliedsstaaten familienpolitische Lei- Wohnmodelle im sozialen Wohnbau Bedacht
stungen aus Österreich. zu nehmen.

Die Arbeitnehmer leben mit ihren Familien Wohnbaugenossenschaften sind in Zukunft


also beispielsweise in Ungarn oder der Slo- nicht mehr durch den Revisionsverband
wakei und pendeln täglich zu ihrem Arbeits- sondern durch den Rechnungshof zu prüfen.
platz nach Wien, ins Burgenland oder nach
Niederösterreich. Auch Bauen und Wohnen muss Ausdruck
unserer Kultur bleiben. Bauten, die unse-
Hat ein Grenzgänger zwei Kinder im Alter rem Ortsbild, dem Denkmalschutz und jegli-
von ein und drei Jahren, so erhält er Kinder- cher menschlicher Vernunft widersprechen,
betreuungsgeld in der Höhe von 436 Euro sind durch gesetzliche Regelungen zu ver-
sowie Familienbeihilfe in der Höhe von 224 hindern.
Euro monatlich. Diese familienpolitischen
Leistungen in der Höhe von 660 Euro sind 3.3) Behinderte
also deutlich höher angesetzt als beispiels- und Pflegenotstand
weise das ungarische Durchschnittsein-
kommen, das bei 500 Euro liegt. Auch für 3.3.1) Verantwortung für Behinderte und
studierende Kinder in Ungarn wird Famili- für die Aufbaugeneration
enbeihilfe ausbezahlt. Anders als für Öster-
reicher muss jedoch kein Studienerfolg Eine enorme Herausforderung für die
nachgewiesen werden. Zukunft ist die staatliche Sicherstellung
einer menschenwürdigen und hochwertigen
Die Situation ist grotesk. An den Finanz- Pflege für betagte Menschen der Aufbauge-
ämtern sind die Beamten mit einer Flut neration und für pflegebedürftige und behin-
von Anträgen konfrontiert, weil die öster- derte Menschen.
reichischen Familienleistungen für
Staatsbürger aus den neuen EU-Mit- Wir gehen für das Jahr 2050 von einer
gliedsländern einen wahren Geldsegen durchschnittlichen Lebenserwartung von
bedeuten. Außerdem werden die Leistun- 85,6 Jahren für Frauen und 80,2 Jahren für
gen fünf Jahre rückwirkend bezahlt, was Männer in Österreich aus. Bereits im Jahr
zu der Situation führt, dass Grenzgänger 2030 wird der Anteil der Menschen mit über
10.000 Euro und mehr bar auf die Hand 60 Jahren an der Gesamtbevölkerung bei
über 32 % liegen. Gleichzeitig wird aber der
Anteil der erwerbstätigen Personen deutlich • Bundesweite Schaffung des Berufes
auf rund 55 Prozent sinken. Der Altenquo- „Altenfachbetreuer“ in Ergänzung des
tient steigt im Jahr 2030 auf rund 59%. diplomierten Personals. Viele zu Hause
Lebende bedürfen nicht der vollen Pfle-
3.3.2) Maßnahmenpaket für menschen- ge, es genügen Kräfte mit geringerer
würdige Pflege und Betreuung Ausbildung.
59
• Berücksichtigung der speziellen Voraus-
Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die setzungen in der Hauskrankenpflege im

Recht und Gerechtigkeit


zugunsten einer menschenwürdigen Pflege Arbeitsrecht. Hier entstehen in hohem
von Österreichern in ihrem Heimatland Ausmaß Bereitschaftszeiten, die einer
umgesetzt werden müssen: besonderen Bewertung bedürfen.
• Der Pflegeanspruch soll verfassungs- • Einrichtung von Kompetenzzentren für
rechtlich abgesichert werden. Angehörige, die ihre Verwandten zu
• Für Medizinstudenten soll ein eigenes Hause pflegen.
Pflegesemester eingeführt werden und • Anerkennung von Pflegezeiten, die von
im Gegenzug die Studiengebühr für die Verwandten zu Hause geleistet werden,
Mindeststudiendauer gestrichen wer- als Pensionszeiten.
den. Das ermöglicht den Studenten, ihre
Eignung für diesen Beruf im Rahmen • Einführung eines Pflegeschecks, damit
ihrer menschlichen Qualitäten und ihrer die freie Wahl zwischen öffentlichen und
sozialen Kompetenz schon zu Beginn privaten Leistungsträgern für Pflege-
des Studiums festzustellen. heimbewohner möglich wird.
• Abschaffung des Angehörigen-Regres- • Erhöhung des Pflegegeldes, das in der
ses bei Pflege- und Betreuungsbedürf- Zwischenzeit bereits um knapp 20 Pro-
tigkeit zent entwertet wurde.
• Bessere Förderung des barrierearmen • Jährliche Indexanpassung des Pflege-
Bauens auch im privaten Wohnbau und geldes, damit eine schleichende Entwer-
im gesamten Freizeit- und Kulturraum. tung künftig verhindert werden kann.
• Start einer Ausbildungsoffensive für • Jährliche Indexanpassung der erhöhten
diplomiertes Pflegepersonal und für Familienbeihilfe.
Pflegehelfer, damit der personelle • Ausbau des mobilen Pflegebereiches
Bedarf künftig primär durch heimische durch Gleichstellung aller qualitativen
Arbeitskräfte gedeckt werden kann. Einrichtungen. Die Verstärkung eines
• Einrichtung einer Bundesgenossen- fairen Wettbewerbes ist ein Beitrag zur
schaft für Pflege und Betreuung, die das Realisierung leistbarer Pflege.
erforderliche Personal ohne Gewinnab- • Forcierung der Tagesbetreuung durch
sicht zur Verfügung stellt. den Ausbau von Tagesheimstätten.
• Festlegung der Qualität der Pflege und • Für den stationären Bereich muss der
Betreuung durch bundesweit gültige geflügelte Begriff „Altern in Würde“ mit
Kriterien. Leben erfüllt werden. Ein tragendes
• Die Einführung einer Berufsmatura für Prinzip muss die freie Heimwahl für
das Pflegepersonal ist eine dringende Pflegebedürftige sein.
Notwendigkeit zur Aufwertung dieses • Pflegeheime dürfen keine anonymen
Berufsstandes. Massenanstalten sein, die Bettenzahl
soll daher mit 150 pro Heim beschränkt lichkeit für die Betreuung geben;
werden. Individuelle Unterbringung in • die tendenzielle Ungleichbehandlung
Ein- und Zweibettzimmern muss eine zwischen selbstständigen und unselbst-
Selbstverständlichkeit werden. ständigen Betreuern ist zu beseitigen
• Die neuen Pflegebedürfnisse unserer und der Scheinselbstständigkeit ist vor-
60
Zeit fordern neue Typen von Pflegezen- zubeugen;
tren, z.B. für die immer stärker zuneh- • für den, von Regierungsvertretern in
menden Demenzerkrankungen. Abrede gestellten, doch möglicherweise
Recht und Gerechtigkeit

• Der Tagsatz soll im Sinn einer leistungs- eintretenden Fall einer Klage auf Aner-
gerechten Entlohnung für alle Lei- kennung als Arbeitnehmer, ist ein Amts-
stungsträger gleich geregelt werden. Ein haftungsanspruch zu gewähren;
Kriterium soll die Wohnkomponente • im Fall der Pflege- und oder Betreu-
sein, die Ausstattung, Qualität und Ser- ungsbedürftigkeit, ebenso wie bei
vice berücksichtigt. Das zweite Kriterium Krankheit und Unfall, sind die Einkom-
ist die Pflegekomponente, die sich an mens- und Vermögensgrenze im Sinne
der Einstufung im Rahmen des Pflege- einer Solidarleistung grundsätzlich fal-
geldes orientiert. len zu lassen;
• Die Überwachung und die Kontrolle der • der Förderwerber ist mit einem Rechts-
Pflegeeinrichtungen im Sinne des Wohls anspruch auszustatten.
der Pflegebedürftigen haben durch die
öffentliche Hand und gründlich zu erfolgen.
3.3.3) Bundesgenossenschaft für Pflege
• Organisatorische Maßnahmen im Rah- und Betreuung
men einer Reform des Gesundheitswe-
sens müssen eine Neuorganisation im
Pflegebereich berücksichtigen und sol- Es ist bisher aus verschiedenen Gründen
len sich nicht ausschließlich auf den Spi- nicht gelungen, für leistbare Pflege und
talsbereich konzentrieren. Betreuung eine rechtlich makellose und für
die Betroffenen praxistaugliche politische
• Für die bauliche Gestaltung von Pflege- Lösung zu erzielen. Darüber hinaus sehen
heimen sind neben der Ö-Norm eigene sich nun pflegebedürftige Menschen durch
Normen zur Sicherung des notwendigen bürokratische Verpflichtungen im Rahmen
baulichen Standards für Pflegeheimbe- der Anmeldung des Personals überfordert.
wohner zu definieren. Die arbeitsrechtliche Komponente der Pfle-
• Fördermaßnahmen im Wohnbau haben ge- und Betreuungsproblematik ist außer-
eine seniorenfreundliche Ausgestaltung dem umstritten.
von Einfamilienhäusern sowie bauliche
Maßnahmen zur Realisierung des gene- Während die Regierung schon in ihrem Pro-
rationsübergreifenden Wohnens zu gramm eine Bevorzugung der selbständigen
berücksichtigen. Pflege festgeschrieben hat, sind Arbeits-
Folgende Maßnahmen sind im Rahmen der rechtsexperten der Meinung, dass es diese
Förderung von Betreuungsleistungen umzu- in der Form gar nicht geben kann und war-
setzen: nen trotz des angekündigten Rückforde-
• neben der Fördermöglichkeit ab der rungsverzichts vor der Möglichkeit der zivil-
Stufe 3 muss es auch für alle anderen rechtlichen Klage auf Anerkennung als
Pflegestufen unter der Stufe 3 nach Arbeitnehmer.
einer Bedarfsprüfung eine Fördermög-
Das Problem bei der unselbständigen Pflege • Lohnsummensteuer und U-Bahnsteuer
liegt aber darin, dass nach geltender (nur in Wien) plus Jahresmeldung
Rechtslage der Pflegebedürftige zum
Arbeitgeber mit allen dazugehörigen Pflich- Zahlungsmodalität mit dem Arbeitnehmer
ten gegenüber sämtlichen Behörden wird. (Pfleger) vereinbaren – entweder bar oder
Das beginnt mit den Meldepflichten bei der Überweisung. 61
Gebietskrankenkasse, geht über die Pflicht
zu Sonderzahlungen, Abführung von Sozial- Nicht genug, dass ein Hilfsbedürftiger all

Recht und Gerechtigkeit


versicherungsbeiträgen und die Mitarbeiter- diesen Verpflichtungen nachkommen muss,
vorsorge bis zu den Verpflichtungen gegen- muss er im eigenen Interesse sowohl wäh-
über dem Finanzamt. Auch ein Urlaubser- rend des Urlaubes wie auch bei Krankheit
satz muss gefunden werden. des Pflegepersonals (natürlich mit Anmel-
dung wie oben) für Ersatz sorgen.
Dieser bürokratische Hürdenlauf ist in der
Regel von einem kranken Menschen nicht zu Zahlreiche Pflege- und Betreuungsbedürfti-
bewältigen. Der pflegebedürftige Kranke ge, die unselbständige Pfleger beschäftigen,
oder Alte wird ein Arbeitgeber mit allen sehen sich nicht in der Lage, all den beste-
Pflichten gegenüber sämtlichen Behörden. henden Verpflichtungen nachzukommen.
Dazu gehört unter anderem: Sie bleiben in der Illegalität und gehen damit
ein enormes Risiko ein.
Anmeldung bei der jeweiligen Gebietskran-
kenkasse, Eine praxistaugliche Lösung wäre die Schaf-
• Sonderzahlungsmeldungen (Urlaubszu- fung einer bundesweit aktiven Trägerorgani-
schuss, Weihnachtsremuneration) sation in Form einer Genossenschaft, die für
• Gehaltsänderungsmeldungen (Kollektiv- die Pflege- und Betreuungsbedürftigen
vertragsänderungen müssen beachtet unselbständige Pfleger und Betreuer beschäf-
werden) tigt und den Betroffenen auf diesem Weg alle
administrativen Leistungen abnimmt.
• Termingerechte Abführung der Sozial-
versicherungsbeiträge Der Pflegebedürftige als Nutzungsberech-
• Bankkonto einrichten für Mitarbeitervor- tigter der Leistungen der Genossenschaft
sorgebeitrag (Abfertigungsrücklagen) kann – wenn die entsprechende Qualifikati-
plus Summe abführen an Krankenkasse on vorhanden ist - den Pfleger oder Betreu-
er seiner Wahl bei der Genossenschaft
Verpflichtung gegenüber dem Finanzamt:
beschäftigen lassen und braucht sich auch
• Steuernummer lösen keine Sorgen wegen einer Urlaubsvertre-
• Lohnsteuer richtig errechnen und ter- tung machen. Er kann versichert sein, dass
mingerecht monatlich abführen plus alle administrativen Schritte pünktlich und
Sonderzahlungen berechnen. richtig gesetzt und von der Genossenschaft
auch die Qualität der Pflege- und Betreu-
• Dienstgeberbeitrag plus Dienstgeberzu- ungsleistungen sichergestellt werden.
schuss berechnen und abführen.
• Abgaben der Sonderzahlungen Diese Bundespflegegenossenschaft stellt
ihre Leistungen Pflege- und Beetreuungs-
• Im Jänner des nächsten Jahres Lohn-
bedürftigen Menschen als Genossenschaf-
zettel für das vergangene Jahr abgeben.
ter ohne Gewinnabsicht zur Verfügung.
Verpflichtung gegenüber dem Magistrat:
3.3.4) Private Pflege auf rund drei Milliarden Euro pro Jahr
geschätzt. Diese Schätzung beruht auf
Die FPÖ bekennt sich zudem zur sozialen einem Modell, in dem bislang unbezahlt
und rechtlichen Absicherung der pflegenden erbrachte, informelle Pflegeleistungen
Angehörigen. Es gibt in Österreich mehr als durch vom Markt bezogene Dienstleistun-
400.000 Personen, die Angehörige oder enge gen ersetzt werden. Dabei wird der Zeitein-
62
Bekannte zu Hause pflegen beziehungswei- satz in der informellen Pflege mit fiktiven
se: 80 Prozent der Pflege- und Betreuungs- Löhnen, die für Haushaltshilfen und Pflege-
Recht und Gerechtigkeit

leistungen werden von den Angehörigen zu helfer bezahlt werden müssten, bewertet.
Hause erbracht.
Die private Pflege ist durch eine verantwor-
Pflege in einem Heim kostet, bei Rund-um- tungslose Familienpolitik und durch eine Ver-
die-Uhr-Betreuung, monatlich durch- nachlässigung der pflegenden Angehörigen
schnittlich 3.000 Euro. Ungefähr dasselbe zunehmend in Gefahr. Wir Österreicher lei-
kostet es, wenn der Betroffene zu Hause sten uns immer weniger Kinder. In den letz-
bleibt. Doch das ist nur aufgrund der gerin- ten 20 Jahren ist die Zahl der Einpersonen-
gen Bezahlung bei sehr langen Arbeitszeiten haushalte von rund 800.000 auf 1,100.000
möglich. gestiegen. Ein Trend zur Singularisierung
dünnt das Unterstützungsnetzwerk unter
Höchste Priorität haben für die FPÖ daher nahen Angehörigen aus. Wer heute Single ist,
nach wie vor Pflege und Betreuung im eige- kann schon morgen vor allem eines sein: ein-
nen Heim. Daher ist unser Ziel der Ausbau sam. Und wenn es keine nahen Angehörigen
der teilstationären Dienste, des betreuten gibt, dann kann es auch keine Pflege durch
Wohnens und der privaten Pflege. Im letzt- nahe Angehörige geben.
genannten Bereich muss es zu einer sozial-
rechtlichen Absicherung der pflegenden Während bei pflegebedürftigen Eltern die
Angehörigen kommen. Kinder zur Bezahlung der Pflege- und
Betreuungsleisten herangezogen werden,
Teilstationäre Dienste werden in Tageszen- sind Kinderlose in einer besseren Situation.
tren, durch Tagespflege und Tagesbetreu- Hier übernimmt die öffentliche Hand die
ung ausgeübt. Der Transport zu den Tages- Kosten, wenn das eigene Vermögen ver-
zentren ist bei Bedarf für den Pflege- oder braucht ist. Es ist für Eltern höchst unange-
Betreuungsbedürftigen sicherzustellen. Ziel nehm, wenn sie wissen, dass aufgrund der
ist der längstmögliche Verbleib in den eige- eigenen Pflegebedürftigkeit ihre Kinder, die
nen vier Wänden bei einer tagsüber bereit- sich vielleicht gerade eine Existenz aufbau-
gestellten Betreuung. Bei betreuten Wohn- en, die Schulden für das Haus oder die Woh-
formen handelt es sich um Seniorenwoh- nung abbezahlen oder für die Kosten der
nungen, die barrierefrei ausgestattet sind eigenen Kinder aufkommen müssen,
und den Betroffenen einen Verbleib im eige- zusätzlich belastet werden. Diese Unge-
nen Haushalt bei gleichzeitiger Unterstüt- rechtigkeit gilt es zu beseitigen. Der bisheri-
zung durch Pflege- und Betreuungsperso- ge Angehörigenregress muss gestrichen
nen ermöglichen. Die meisten Pflegebedürf- werden. Ein Regress kann nur dort und
tigen werden in Österreich im familiären unter bestimmten Rahmenbedingungen
Umfeld privat gepflegt. Die Leistungen der Geltung erlangen, wo es zu Schenkungen an
Angehörigen machen Pflege und Betreuung betroffene Angehörige durch den Pflegebe-
in Österreich erst finanzierbar. Der Wert der dürftigen gekommen ist.
informell erbrachten Betreuungsarbeit wird
Personen, die einen nahen Angehörigen in me des Dienstnehmerbeitrages durch den
häuslicher Umgebung pflegen, können sich zu Bund ist für längstens 48 Kalendermonate
einem begünstigten Beitragssatz in der Pensi- möglich.
onsversicherung freiwillig weiterversichern.
Da es keinen vernünftigen Grund für diese
Im Fall dieser neu geschaffenen begünstig- zeitliche Beschränkung auf 48 Monate gibt,
63
ten Selbstversicherung in der Pensionsver- soll diese fallen. Weiters ist es aufgrund der
sicherung für Zeiten der Pflege naher Ange- beträchtlichen Leistungen pflegender Ange-

Recht und Gerechtigkeit


höriger übernimmt der Bund den fiktiven höriger angebracht, dass die öffentliche
Dienstgeberbeitrag. Der pflegende Angehö- Hand den Dienstnehmeranteil auch für pfle-
rige hat daher nur mehr einen Beitragssatz gende Personen übernimmt, wenn der zu
von 10,25 Prozent der Beitragsgrundlage in pflegende Angehörige Anspruch auf Pflege-
der Höhe von Euro 138,38 zu leisten. geld zumindest der Stufe 3 nach dem Bun-
despflegegeldgesetz oder nach den Bestim-
Diese begünstigte Selbstversicherung kann mungen der jeweiligen Landespflegegeldge-
auch neben einer die Pflichtversicherung setze hat.
begründenden Erwerbstätigkeit bestehen.
Der Großteil der Pflegebedürftigen in Öster-
Folgende Voraussetzungen müssen gege- reich wird von Angehörigen gepflegt. Diese
ben sein: wenden viel Zeit und Kraft auf, damit die
Angehörigen nicht auf fremde Hilfe ange-
• bei der zu pflegenden Person muss es wiesen sind bzw. in ein Pflegeheim müssen.
sich um einen nahen Angehörigen bzw. Dafür werden sie finanziell nicht entlohnt.
eine nahe Angehörige handeln Der Staat hat daher dafür Sorge zu tragen,
dass diese harte Arbeit gewürdigt wird und
• die zu pflegende Person muss Anspruch die pflegenden Angehörigen den Anspruch
auf Pflegegeld – zumindest in der Stufe 3 auf eine angemessene Pension erwerben.
nach dem Bundespflegegeldgesetz oder
nach den Bestimmungen der jeweiligen Um im Bereich der Pflege und Betreuung
Landespflegegeldgesetze – haben durch Angehörige auch fachliche Qualität
• die Pflege muss in häuslicher Umge- sicherzustellen, sind Ausbildungsangebote
bung erfolgen und die Arbeitskraft des zur Verfügung zu stellen. Hiezu sind Träger-
Pflegers bzw. der Pflegerin erheblich Organisationen im Bereich der Gesundheits-
beanspruchen und Sozialdienste ebenso einzubinden wie
die Seniorenverbände.
• der Wohnsitz des Pflegers bzw. der Pfle-
gerin muss sich während des Zeitraums 3.3.5) Grundrecht auf Pflege
der Pflegetätigkeit im Inland befinden
Der im Jänner 2005 vorgelegte Verfassungs-
Bei Anspruch auf Pflegegeld der Stufe 4 wird
entwurf des Österreich-Konvents enthält für
seit 1. Juli 2007 die Hälfte jenes Beitrages,
den Bereich der Pflegevorsorge ein Recht
der auf die freiwillig versicherte Pflegeper-
auf soziale Sicherheit (Art. 63), das auch ein
son entfällt (Dienstnehmeranteil) vom Bund
Recht auf angemessene Versorgung im Fall
getragen. Liegt ein Anspruch auf ein Pflege-
von Pflegebedürftigkeit umfasst. Weiters ist
geld zumindest der Stufe 5 vor, so wird der
hier auch das Recht älterer Menschen auf
gesamte Anteil, den die freiwillig versicherte
ein würdiges, unabhängiges Leben, auf Teil-
Person zu tragen hat, durch den Bund über-
nahme am politischen, sozialen und kultu-
nommen. Die Halbierung bzw. die Übernah-
rellen Leben und auf Pflege (Art. 38) als Zum Vergleich. Die Ausgaben für Pflege
grundrechtliche Bestimmung, die auch dem betragen in Dänemark 2,8 % des BIP. Dort
Standard sozialer Grundrechte der Europäi- funktioniert das System, es gibt keinen Pfle-
schen Union entspricht, vorgesehen. genotstand und es gibt dort auch keine
Regierungschefs, in deren Familie auf ille-
Um sicherzustellen, dass der Staat dieser gale Pflege zugegriffen wird.
64
Verantwortung für Pflegebedürftige nach-
kommt, soll das Grundrecht auf Pflege für Die Zahl der Pflegegeldbezieher in Öster-
Recht und Gerechtigkeit

alle Österreicher in der Österreichischen reich steigt. Daher sind auch immer mehr
Bundesverfassung festgeschrieben werden. Menschen von der Pflegemisere betroffen.
Hier die Zahlen aus den Bundesländern.
3.3.6) Rotstift im Pflegebereich

Menschen mit Behinderung sind eine inho-


mogene Gruppe und müssen als solche mit
ihren jeweiligen Bedürfnissen berücksich-
tigt werden. Dabei ist es wesentlich, dass
Menschen mit Rechten ausgestattet werden
und nicht als Hilfsempfänger gesehen wer-
den. Ziel unterstützender Betreuung muss
die Integration und ein möglichst selbstbe-
stimmtes Leben sein.

Eine gute Versorgung im Fall der Pflege-


und oder Betreuungsbedürftigkeit ist eben-
so wie bei Krankheit, Unfall oder Behinde-
rung eine Kernaufgabe des Sozialstaates.
Ohne das Freimachen von Finanzmitteln
lässt sich das Problem nicht lösen. Die
Finanzierung darf nicht durch den Haushalt
der Betroffenen erfolgen, aber auch nicht
auf Kosten der Pfleger und Betreuer. Wenn
die Finanzierung von Pflegenden und
Betreuenden nicht solidarisch erfolgt und
das Risiko weiter überwiegend privat getra-
gen werden muss, kann die Schwarzarbeit in
diesem Bereich nicht bekämpft werden.

Im Jahr 2005 wurden in Österreich 3,046


Mrd. Euro oder 1,2 % des BIP für Langzeit-
pflege aufgewendet. Trotz steigender Zahl
an Pflegegeldbeziehern hält sich aufgrund
ausgebliebener Inflationsanpassungen des
Pflegegeldes seit 1997 die Ausgabenquote
für Langzeitpflege auf konstantem Niveau.
Dies natürlich auf Kosten der betroffenen
Pflegebedürftigen und der Angehörigen.
Wien

65

Recht und Gerechtigkeit


Niederösterreich

Burgenland

Oberösterreich

Steiermark
Kärnten

66
Recht und Gerechtigkeit

Salzburg

Tirol

Vorarlberg

3.3.7) Pflegegeld ins Ausland


Im Bericht des Rechnungshofes über die
Mehr als 3000 Personen in anderen Staaten Sozialversicherungsanstalt der gewerbli-
erhielten im Jahr 2006 Pflegegeld aus chen Wirtschaft; Vollzug des Bundespfle-
Österreich. Die Kosten dafür betragen pro gegeldgesetzes (Reihe Bund 2007/12)
Jahr rund 17 Millionen Euro. wird unter 18.1 darüber berichtet, dass
Pflegegeldbezieher im Ausland

67

Recht und Gerechtigkeit


der Rechnungshof alle 48 Pflegegeldbe- ausgeschlossen werden.
zieher der SVA mit Auslandsbezug über-
prüft hat. Davon waren rund 10 Prozent 3.3.8) Kürzere Pflegegeldverfahren
der EWR-Fälle und ein Viertel aller Fälle
nach dem Opferfürsorgegesetz fehlerhaft Der Rechnungshof weist aufgrund einer
erledigt. Prüfung der SVA darauf hin, dass dort die
durchschnittliche Erledigungsdauer der
So bezahlte z.B. die SVA in zwei Fällen Pflege- Erstanträge auf die Gewährung von Pflege-
geld nach Deutschland, obwohl die Zuständig- geld im Jahr 2005 78 Tage betrug. Die Ver-
keit Österreichs im Bereich der Leistungen bei fahrensdauer bei den Erhöhungsanträgen
Krankheit und Mutterschaft aus der Aktenlage war einige Tage kürzer.
zweifelsfrei nicht gegeben war. Diese Fehlent-
scheidungen verursachten von Oktober 2003 Im Jahr 2005 verstarben insgesamt 1.252
bis zum Ende der Gebarungsüberprüfung Pflegebedürftige bzw. 10,9 % der Antragstel-
einen vermeidbaren Aufwand in Höhe von rund ler vor dem Abschluss des Pflegegeldver-
9.000 EUR, der sich mangels Korrekturmög- fahrens.
lichkeit noch erhöhen wird. In einigen Fällen In Anbetracht des zum Teil hohen Alters und
nach dem Opferfürsorgegesetz erkannte die des schlechten Gesundheitszustandes vieler
SVA das Pflegegeld um ein bzw. zwei Monate Antragsteller erachtete der Rechnungshof
zu spät zu. eine rasche Verfahrensabwicklung als
besonders wichtig, und empfahl, die Dauer
Rund 41 Prozent der im Ausland angefertig- aller nicht strittigen Verfahren auf unter drei
ten Pflegegeldgutachten waren handschrift- Monate zu verkürzen.
lich verfasst; rund 30 Prozent wiesen Form-
mängel auf. Anhand der Aktenlage war für Ein Altern in Würde setzt außerdem voraus,
den Rechnungshof nicht immer nachvoll- dass der eigene Pflegegeldantrag noch zu
ziehbar, ob die Begutachtungen von qualifi- Lebzeiten erledigt wird. Außerdem sind jene
zierten Vertrauensärzten der österreichi- Personen, deren Antrag positiv erledigt wird,
schen Vertretungsbehörden im Ausland zumeist tatsächlich auf das Pflegegeld
durchgeführt wurden. angewiesen. Wir bekennen uns dazu, die
Verfahrensdauer bei nicht strittigen Verfah-
Diese Missstände müssen endlich behoben ren künftig auf maximal 60 Tage zu
werden. Gerade der Pflegebereich ist mit beschränken.
äußerster Sensibilität und Genauigkeit zu
behandeln. Jedweder Missbrauch muss
3.3.9) Pflegeberufe als Chance am Hier wird eine Selbständigkeit ermöglicht,
Arbeitsmarkt die keine Selbständigkeit sein kann, denn
wenn jemand 14 Tage rund um die Uhr bei
In Österreich arbeiten überproportional viele einer bestimmten Person arbeitet, ist eine
ausländische Arbeitskräfte teils illegal im wirtschaftliche und persönliche Abhängig-
Pflegebereich. Die Sozialökonomische For- keit gegeben.
68
schungsstelle schätzt die Zahl der illegalen
Pfleger in Österreich auf 20.000. Pflegebe- Es ist aber nicht davon auszugehen, dass
Recht und Gerechtigkeit

dürftige Personen bezahlen derzeit offiziell sich die bestehende Praxis ändert, so lange
rund 40 bis 50 Euro für eine Pflegestunde, es Menschen gibt, die illegal billiger arbei-
eine Summe für die man einen schwarzar- ten. Mehrkosten die durch die Legalisierung
beitenden Pfleger bereits einen ganzen Tag entstehen, sollten teilweise durch öffentli-
anstellen kann. Die Schwarzarbeiter, meist che Förderungen abgedeckt werden. Ein Teil
handelt es sich um Frauen, sind natürlich der Kosten muss also privat getragen wer-
nicht sozialversichert und hintergehen den. Insofern bleibt die Schwarzarbeit öko-
dadurch ein weiteres mal die Solidarge- nomisch die attraktivere Variante.
meinschaft.
Im Bereich der Pflege für alte und kranke
Die derzeitige Praxis der illegalen Betreu- Menschen wurde in der jüngeren Vergan-
ung durch Pflegekräfte aus Osteuropa führt genheit viel diskutiert. Die illegale Pflege
zu Lohndumping und Ausbeutung. Der Weg floriert jedoch nach wie vor und die Arbeits-
der nun mit dem „Hausbetreuungsgesetz" bedingungen in den Pflegeberufen müssen
gegangen wird, besteht im Wesentlichen dringend verbessert werden. Ein wesentli-
darin, die derzeitigen Zustände zu legalisie- cher Grund für die Missstände liegt in der
ren, nicht aber die Situation zu verbessern. nach wie vor ausstehenden Ausbildungsof-
Dies kann nur gelingen, wenn die Finanzie- fensive bei den Pflegeberufen. Um die Pfle-
rung geändert wird. Insofern handelt es sich ge legal und unter verbesserten Bedingun-
um eine Scheinlösung, denn wenn sich gen für das Personal abwickeln zu können,
Haushalte legale Pflege nicht leisten kön- muss auch ausreichend Fachpersonal zur
nen, wird wohl weiter auf Schwarzarbeit Verfügung stehen.
zurückgegriffen werden.
In der Schweiz gibt es bereits seit einigen
Die Bestimmungen, die für unselbständig Jahren einen Pflege-Lehrberuf, der im
Beschäftigte vorgesehen sind, werden in der bewährten dualen Ausbildungssystem
Praxis wenig Auswirkung zeigen. Da die erlernt werden kann. Die Erfahrungsberich-
Arbeitszeitbestimmungen und Mindestlohn- te fallen entgegen anders lautenden
tarife für Selbständige nicht gelten, wird es Behauptungen äußerst positiv aus.
für die Haushalte billiger sein, auf selbstän-
dige Betreuer zurückzugreifen. Eine ähnliche Regelung wie in der Schweiz
ist auch in Österreich anzustreben. So könn-
Eine Bevorzugung der Selbständigkeit ist ten junge Menschen mit Interesse an die-
schon im Regierungsübereinkommen ver- sem Beruf eine Ausbildung im Pflegebereich
ankert. Hier heißt es: „Für die Betreuung beginnen.
daheim ist ein eigener Beschäftigungstypus
möglichst auf der Basis selbständiger Bei der Pflegelehre muss besonders darauf
Beschäftigung zu entwickeln." geachtet werden, mit welchen Patienten die
Jugendlichen arbeiten dürfen. Daher ist
festzulegen, welche Tätigkeiten in welchem selbst, es profitieren die sozialen Einrich-
Lehrjahr durchgeführt werden dürfen. Zu tungen, es profitiert der belastete Arbeits-
Beginn der Pflegelehre soll die theoretische markt, weil der Pflegebereich nicht länger
Ausbildung im Vordergrund stehen. Nach durch immer mehr ausländische Arbeits-
drei Jahren dualer Ausbildung wird die kräfte abgedeckt würde und es profitieren
Lehre als Pflegehelfer abgeschlossen. In vor allem jene Menschen, welche Pflege
69
einem vierten Lehrjahr kann sich der Pfle- benötigen.
gehelfer auf Alten- oder Behindertenarbeit

Recht und Gerechtigkeit


spezialisieren und absolviert die Ausbildung 3.3.11) Einheit von medizinischer
als Fachsozialarbeiter. Versorgung und Pflege

3.3.10) Zivildienst für Frauen Pflege ist sehr oft in einer vorher akuten
Krankheit begründet. Nach Schlaganfällen,
Gemeinsam mit der Forderung nach massi- aber auch durch schleichende Erkrankun-
ver Umschulung Arbeitsloser zu Betreuungs- gen wie Demenz, werden Patienten zu Pfle-
kräften setzt sich die FPÖ ergänzend für die gefällen. Auch „allgemeine Schwäche" ist
Ermöglichung eines freiwilligen Zivildienstes eine Krankheit, da der Patient Hilfe benö-
für Frauen ein. Wer sich jedoch freiwillig zum tigt. Medizinische und pflegerische Versor-
Sozialdienst meldet, verdient auch entspre- gung müssen daher zusammengelegt wer-
chende Rahmenbedingungen. Dies ist das den.
Ergebnis einer von „Public Opinion“ Anfang
März 2005 durchgeführten Befragung unter Zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes
660 männlichen und weiblichen Jugendlichen werden für medizinische Versorgung, ein
im gesamten österreichischen Bundesgebiet. Prozent für Pflege aufgewendet. Durch die
Eine Öffnung des Zivildienstes für Frauen Zusammenlegung beider Bereiche würden
wird dabei von nahezu drei Viertel aller sich keine wesentlichen Kostensteigerun-
Befragten befürwortet. gen ergeben. Pflegeheime sind wie Kran-
kenhäuser zu finanzieren. Ziel freiheitlicher
Der Zivildienst ist zweifellos eine gute Grund- Politik ist jedoch vor allem die Pflege und
ausbildung für den Pflegebereich. Viele junge Betreuung daheim.
Frauen hätten Interesse an einem Zivildienst,
der ihnen aber im Gegensatz zum Wehrdienst 3.3.12) Qualitätssicherung im
versagt bleibt. Frauen, die sich im Rahmen Pflegebereich
eines Zivildienstes freiwillig dem Pflegebe-
reich widmen, sollen die Möglichkeit bekom- Doch wie sieht es mit der Qualität der Pflege
men, in Pflegeeinrichtungen der öffentlichen in Österreich aus? Ein Bericht über die Pfle-
Hand bevorzugt eine Dauerstellung zu erhal- gezustände in der Bundesrepublik Deutsch-
ten und sind daher bei ihrer Bewerbung auf- land hat unerträgliche Missstände aufge-
grund ihrer Erfahrungen privilegiert zu behan- zeigt. Ein Drittel der Bedürftigen bekäme
deln. Wenn sich die Absolventinnen für eine nicht genug zu essen und zu trinken und
weiterführende soziale oder medizinische zahlreiche Pflegebedürftige würden nicht oft
Ausbildung entscheiden, könnte eine Befrei- genug umgebettet, was dazu führt, dass sie
ung von der Studiengebühr für den Zeitraum sich wund liegen.
der Mindeststudiendauer als Anreiz dienen.
Eine derartige Prüfung gibt es in Österreich
Der freiwillige Zivildienst für Frauen bringt bisher nicht, was an sich schon einen Miss-
nur Gewinner. Es profitieren die Frauen stand darstellt. Denn damit die Politik auf
solche Probleme reagieren kann, muss Die Begutachtungsverfahren zur Pflege-
zunächst bekannt sein, wo es solche Mängel geldeinstufung sind daher zu standardisie-
gibt. Es muss daher auch in Österreich eine ren und so zu gestalten, dass es innerhalb
umfassende Erhebung aller wichtigen Daten des Bundesgebietes nicht zu unterschiedli-
zur Situation Pflegebedürftiger geben. chen Beurteilungen für ein und dieselbe
Pflegesituation kommen kann. Dieses neue
70
Diese Prüfung soll erheben, ob medizinische Begutachtungsverfahren soll in Zusammen-
Versorgung, Pflege, Betreuung und Infra- arbeit mit den Behindertenorganisationen
Recht und Gerechtigkeit

struktur ausreichend sind. Nur so kann entwickelt werden.


sichergestellt werden, dass Pflegebedürfti-
ge in Österreich menschenwürdig versorgt Eine besondere Ungerechtigkeit betrifft
werden. Es darf nicht sein, dass Pflegebe- behinderte Kinder in Österreich. Gemäß § 4
dürftige hungern oder Durst leiden, dass sie Abs 3 Bundespflegegeldgesetz ist bei der
sich aufgrund von Pflegemängeln regelmä- Beurteilung des Pflegebedarfes von Kindern
ßig wund liegen oder aus Überforderung des und Jugendlichen nur jenes Ausmaß an
Pflege- und Betreuungspersonals schon Pflege zu berücksichtigen, das über das
frühzeitig – möglicherweise schon am frü- erforderliche Ausmaß von gleichaltrigen
hen Nachmittag – ins Bett geschickt werden. nicht behinderten Kindern und Jugendlichen
Über das Ergebnis dieser Erhebungen soll hinausgeht.
das Bundesministerium für Soziales und
Konsumentenschutz regelmäßig berichten. Diese Regelung führt dazu, dass der zusätz-
liche Betreuungsaufwand bei behinderten
3.3.13) Gerechte Einstufung von Pflegebe- Kindern in geringem Alter auch bei Vorlie-
dürftigen in die Pflegestufen gen einer Eigen- oder Fremdgefährdung
nicht berücksichtigt wird, obwohl in vielen
Im Rahmen der Einstufung von pflegebe- dieser Fälle „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“
dürftigen Menschen gibt es in Österreich oder zumindest ein erheblich höherer Pfle-
nicht unerhebliche Unterschiede. Die FPÖ ge- und Betreuungsaufwand vorliegt als bei
setzt sich daher für eine gerechte Standardi- Kindern gleichen Alters ohne Behinderung.
sierung des Begutachtungsverfahrens zur
Bewertung des Pflegebedarfs ein. Im Vorarlberger Landes-Pflegegeldgesetz
ist die Selbstgefährdung in § 3 Abs. 3 bereits
Bei der funktionsbezogenen Einstufung in berücksichtigt.
die Pflegestufen bewertet der Amtsarzt auf-
grund der vorliegenden Behinderung den Die FPÖ will nach diesem Vorbild das Bun-
Pflegebedarf. Allerdings werden in Öster- despflegegeldgesetz ändern, damit den
reich Pflegebedürftige mit ähnlichen Leiden betroffenen Kindern die notwendige Betreu-
und Beschwerden oftmals völlig unter- ung und Hilfe gesichert werden kann.
schiedlich eingestuft. Dabei handelt es sich
um eine Ungerechtigkeit, die eines funktio- Die FPÖ bekennt sich außerdem zu einer
nierenden Sozial- und Rechtsstaats nicht Änderung des § 4a Abs. 1 Bundespflegegeld-
würdig ist, da den Betroffenen nicht zuge- gesetz. Hier ist vorgesehen, dass bei Perso-
mutet werden kann, dass sie aufgrund einer nen, die das 14. Lebensjahr vollendet haben
falschen Bewertung in eine zu niedrige Pfle- und auf Grund einer Querschnittlähmung,
gestufe eingestuft werden und zu wenig einer beidseitigen Beinamputation, einer
Pflegegeld erhalten. genetischen Muskeldystrophie, einer Ence-
phalitis disseminata oder einer infantilen
Cerebralparese zur eigenständigen Lebens- schaffungsaktion der Bundesregierung und
führung überwiegend auf den selbständigen hat viele Menschen in Österreich, vor allem
Gebrauch eines Rollstuhles oder eines tech- auch Behinderte, stark belastet.
nisch adaptierten Rollstuhles angewiesen
sind, mindestens ein Pflegebedarf entspre- Der Großteil der Bevölkerung ist auf ein
chend der Stufe 3 anzunehmen ist. Kraftfahrzeug angewiesen. Besonders stark
71
zu spüren bekommen diese zusätzliche
Da es allerdings praktisch keinen Unter- Belastung - zu den ohnedies in astronomi-

Recht und Gerechtigkeit


schied macht, ob eine Person aus einem der scher Höhe schwebenden Benzin- und Die-
genannten Gründe oder aufgrund einer selpreisen - all jene, die aus beruflichen
anderen Diagnose überwiegend auf den Gründen oder zur Besorgung ihrer lebens-
Gebrauch eines Rollstuhles angewiesen ist, notwendigen Angelegenheiten nicht auf ein
soll diese Regelung dahingehend geändert Kraftfahrzeug verzichten können. Eine
werden, dass unabhängig von der Diagnose besonders stark betroffene und auch sehr
mindestens ein Pflegebedarf im Ausmaß der große Gruppe stellen die Pendler dar, die
Stufe 3 anzunehmen ist. täglich mit dem Auto längere Wegstrecken
zurücklegen müssen, um zu ihrem Arbeits-
3.3.14) Rechtsanspruch auf Persönliche platz zu gelangen. Hier wird von der Bun-
Assistenz (PAA) desregierung wenigstens für die Pendler-
pauschale eine Erhöhung um 10 Prozent
Durch das Angebot der persönlichen Assi- angestrebt.
stenz am Arbeitsplatz (PAA) erhalten
schwerstbehinderte Menschen eine perso- Aber vor allem Menschen, die aufgrund
nelle Unterstützung, die zur Ausübung einer einer körperlichen Behinderung nicht oder
beruflichen Tätigkeit oder Absolvierung einer nur kaum mobil sind, trifft die Erhöhung der
Ausbildung erforderlich ist. Nach den derzeit Mineralölsteuer und die daraus folgende
geltenden Richtlinien des Bundesministeri- Erhöhung der Kosten für die eigene Fortbe-
ums für Soziales und Konsumentenschutz wegung besonders schwer. Gehbehinderten
umfasst die PAA sämtliche Unterstützungs- wird ein Freibetrag von der Einkommens-
leistungen im Zusammenhang mit Beglei- steuer für außergewöhnliche Belastungen in
tung und Mobilität zur Verrichtung der Tätig- der Höhe von 153,- Euro monatlich gewährt,
keiten am Arbeits- oder Ausbildungsplatz. dieser wurde allerdings seit 1987 kein einzi-
ges Mal erhöht. Die FPÖ setzt sich dafür ein,
Es gibt allerdings keinen Rechtsanspruch diesen ebenso wie die Pendlerpauschale um
auf die Finanzierung einer persönlichen 10 Prozent zu erhöhen, um Personen, die
Assistenz am Arbeitsplatz. Die Vorausset- aufgrund einer Behinderung besonders auf
zungen für die Zuerkennung einer PAA müs- die Benützung eines Kraftfahrzeuges ange-
sen daher klar definiert werden. Wer die wiesen sind, durch die Erhöhung der Mine-
Voraussetzungen erfüllt, muss einen ralölsteuer nicht zusätzlich zu belasten.
Rechtsanspruch erhalten.
Gemäß § 36 Abs 1 Bundesbehindertengesetz
3.3.15) Behinderung und Mobilität (BBG) findet bei der Lieferung von Kraftfahr-
zeugen für behinderte Menschen eine Rück-
Eine andere Maßnahme für Behinderte vergütung der Normverbrauchsabgabe
betrifft die jüngste Erhöhung der Mineralöl- (NoVA) statt, sofern die erforderlichen Vor-
steuer. Sie ist unter dem Vorwand des Kli- aussetzungen der Ziffern 1 bis 4 des § 36
maschutzes nicht mehr als eine Geldbe- Abs 1 erfüllt sind. Diese Abgeltung ist bis zu
einem Kaufpreis von 20.000 Euro zuzüglich boten zu ermöglichen. Dazu war bis zum 31.
der Kosten für die durch die Behinderung Dezember 2006, nach Anhörung der Öster-
notwendige Zusatzausstattung möglich. reichischen Arbeitsgemeinschaft für Reha-
bilitation, ein Plan zum Abbau baulicher
Bei Totalschaden oder irreparabler Beschä- Barrieren für die vom Bund genutzten
digung des Kraftfahrzeuges ohne eigenes Gebäude zu erstellen und die etappenweise
72
Verschulden kann um eine Ausnahmege- Umsetzung vorzusehen.
nehmigung angesucht werden. Ansonsten Bis auf das Bundesministerium für Landes-
Recht und Gerechtigkeit

ist ein neuerlicher Antrag erst nach Ablauf verteidigung sind bisher alle Ministerien die-
von fünf Jahren zulässig. ser Verpflichtung nachgekommen. Aller-
dings haben sowohl das Bundeskanzleramt,
Die geltenden Bestimmungen bergen zwei das Bundesministerium für Land- und
große Nachteile in sich. Einerseits wird der Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirt-
Kauf von Gebrauchtwagen durch Behinderte schaft sowie das Bundesministerium für
– mit Ausnahme von Jahreswagen – nicht Wissenschaft und Forschung die Etappen-
gefördert und zum anderen stellt die NoVA- pläne ohne konkrete Zeitplanung erstellt.
Rückvergütung für Menschen mit Behinde- Um die tatsächliche Umsetzung der Pläne
rung einen Anreiz dar, ein Fahrzeug mit und eine seriöse finanzielle Planung sicher-
hohem Kraftstoffverbrauch anzuschaffen. zustellen, ist das Versehen der Etappenplä-
ne mit Zeitplänen unverzichtbar.
Um diese negativen Aspekte der NoVA-
Abgeltung zu beseitigen, soll künftig nach 3.3.17) Hürden für Sehbehinderte
den Vorstellungen der FPÖ nicht mehr die
NoVA sondern 20 Prozent des Kaufpreises Behinderte Menschen sind von Hürden
bis zu einem anrechenbaren Kaufpreis von betroffen, die für die Mehrheit der Österrei-
22.000 Euro zuzüglich die Kosten für behin- cher auf den ersten Blick unauffällig sind.
derungsbedingt notwendige Umbauten (z.B. Auf Gehwegen verankerte Verkehrszeichen
Automatik, Servolenkung, Umbau von Peda- können für blinde und stark sehbehinderte
len) rückvergütet werden. Ein neuerlicher Menschen eine große Verletzungsgefahr
Antrag soll entsprechend den geltenden darstellen, wenn die Schilder nicht hoch
Bestimmungen auch hier erst nach Ablauf genug angebracht sind. Es gab und gibt
von fünf Jahren zulässig sein. zahlreiche Fälle, in denen blinde oder stark
sehbehinderte Personen auf Gehwegen oder
Durch diese Neuregelung wird der Ankauf Schutzinseln gegen in zu geringer Höhe
von Gebrauchtwagen durch Behinderte montierte Verkehrszeichen gelaufen sind
gefördert und Behinderte, die sich ein ver- und sich dabei verletzt haben.
brauchsarmes Kraftfahrzeug anschaffen,
werden nicht weiter bestraft. Aufgrund ihrer Behinderung ist es diesen
Menschen nicht möglich, die skizzierte
3.3.16) Barrierefreiheit in öffentlichen Gefahr zu erkennen, da mit dem häufig ver-
Gebäuden wendeten Langstock nur der bodennahe
Bereich abgetastet werden kann. Solange es
Das Bundes-Behindertengleichstellungsge- für die Mindesthöhe von Verkehrszeichen
setz verpflichtet den Bund, die geeigneten auf Gehwegen keine verbindliche Regelung
und konkret erforderlichen Maßnahmen zu gibt, müssen die Betroffenen mit dieser
ergreifen, um Menschen mit Behinderungen unnötigen Gefahr leben. Um der Verlet-
den Zugang zu seinen Leistungen und Ange- zungsgefahr vorzubeugen und auch blinden
und stark sehbehinderten Menschen mög- sich noch in Schulausbildung befinden oder
lichst große Sicherheit im Straßenverkehr aufgrund ihrer Behinderung erwerbsunfähig
zu gewährleisten, setzt sich die FPÖ für eine sind, einen Anspruch auf Unterhaltsvor-
gesetzlich festgelegte Mindesthöhe ein. schüsse zu gewähren.

3.3.18) Unterhaltsvorschuss für in Ausbil- 3.3.19) Vergessene Gruppe: Taubblinde


73
dung befindliche Behinderte
Unser Augenmerk gilt auch kleinen Gruppen

Recht und Gerechtigkeit


Zur Unterstützung Behinderter ist auch eine ohne Lobby, die von der Politik bisher nicht
Reform des Unterhaltsvorschussgesetzes unterstützt wurden. Dazu zählen Taubblin-
1985 (UVG) notwendig. Dieses ermöglicht die de. Diese ungewöhnliche, zur Isolierung füh-
Gewährung von Vorschüssen für den gesetz- rende Behinderung ist mehr als eine Kombi-
lichen Unterhalt minderjähriger Kinder. nation von Seh- und Hörstörungen. Taub-
Derartige Vorschüsse werden auf Antrag blinde Menschen müssen sich mit ungeheu-
gewährt, wenn die geschuldete Leistung von ren Schwierigkeiten auseinandersetzen, die
Unterhaltspflichtigen, die in keinem oft noch dadurch verschärft werden, dass
gemeinsamen Haushalt mit dem Kind leben, die Öffentlichkeit Ursache und funktionale
nicht erbracht werden kann (§ 3 UVG). Auswirkungen ihres Leidens unzureichend
wahrnimmt.
Wird das Kind volljährig und besteht weiter-
hin ein Anspruch auf Unterhalt, werden der- Der Begriff „Taubblindheit" beschreibt eine
artige Vorschüsse nicht mehr gewährt. Voll- Erkrankung, bei der sich sowohl Hör- als
jährige etwa, die sich in Ausbildung befinden auch Sehverlust in unterschiedlichem
und deshalb einen Anspruch auf Unterhalt Umfang miteinander verbinden. Die Auswir-
haben, müssen selbst für ihre Lebenserhal- kungen beider Sinnesbehinderungen ver-
tungskosten aufkommen. Diese Problema- stärken und verschärfen sich wechselseitig,
tik wurde durch die Senkung der Volljährig- wobei eine schwere Behinderung entsteht,
keitsgrenze im KindRÄG 2001 noch zusätz- die in ihrer Tragweite einzigartig ist.
lich verschärft (Erlangung der Volljährigkeit
nach Vollendung des achtzehnten Lebens- Bei Taubblindheit handelt es sich um eine
jahres). doppelte Sinnesbehinderung. Taubblinde
sind also blind oder hochgradig sehbehin-
Diese Regelung trifft Personen, die aufgrund dert und zusätzlich gehörlos oder hochgra-
einer Behinderung ihren Unterhalt durch dig hörbehindert. Sie verfügen über ledig-
eigene Erwerbstätigkeit nicht bestreiten lich drei intakte Sinne und können meist
können, noch härter. Denn diese können für auch nicht sprechen. Man darf Taubblinde
ihren Unterhalt auch im Notfall nicht selbst nicht einfach als Blinde mit Zusatzbehinde-
aufkommen. Dies belastet zusätzlich die rungen betrachten, da aufgrund der Schä-
Angehörigen dieser Personen, die zwar nicht digung beider Fernsinne die Ausfälle des
unterhaltspflichtig sind, aber aufgrund nicht einen Sinnes nicht oder nur mangelhaft
geleisteter Zahlungen des Unterhalts- durch den jeweils anderen kompensiert
schuldners für die Lebenserhaltungskosten werden können. Taubblinde Menschen kön-
des behinderten, erwerbsunfähigen Ange- nen ihre Umgebung größtenteils nur mit
hörigen aufkommen. Hilfe des Tastsinns wahrnehmen und sich
der Mitwelt auch nur vermittels ihrer
Die FPÖ setzt sich daher dafür ein, volljähri- Hände mitteilen.
gen unterhaltsberechtigten Personen, die
Im April 2004 wurde Taubblindheit vom Österreich eingeführt. Diese ist jedoch auf-
Europäischen Parlament in einer schriftli- grund des hohen Risikos von Manipulationen
chen Erklärung als eigenständige Behinde- abzulehnen. Das zeigen auch Beispiele aus
rung anerkannt. In dieser Erklärung werden jenen Ländern, die sich bereits der Brief-
sowohl die Organe der EU als auch die Mit- wahl bedienen. Für Menschen mit Behinde-
gliedstaaten aufgefordert, Taubblindheit als rung wäre die Briefwahl zwar ein Vorteil,
74
eigenständige Behinderung anzuerkennen. dennoch steigt damit die Gefahr des Wahl-
betruges.
Recht und Gerechtigkeit

In Österreich ist dies bis heute nicht gesche-


hen, obwohl Schätzungen zufolge mehrere Menschen mit Behinderung müssen die
hundert taubblinde Menschen in Österreich Möglichkeit erhalten, ohne unüberwindbare
leben. Wie viele es tatsächlich sind, ist nicht Hürden persönlich vor der Wahlbehörde zu
feststellbar, solange Taubblindheit nicht als erscheinen und von ihrem Stimmrecht
eigenständige Behinderung anerkannt ist. Gebrauch zu machen. Das erfordert aller-
Nur eine offizielle Anerkennung dieser dings ein Mindestmaß an Wahllokalen in den
Behinderung macht es möglich, die Anzahl Gemeinden, die barrierefrei zugänglich sind.
der betroffenen Personen festzustellen und Deshalb soll es künftig in jeder Gemeinde
ihre Bedürfnisse in politische Entschei- zumindest ein barrierefrei erreichbares
dungsprozesse einfließen zu lassen. Wahllokal geben. Davon profitieren nicht nur
Menschen mit Behinderung sondern auch
Ein positives Beispiel gibt Dänemark, wo ältere Personen und Menschen, die tempo-
Taubblindheit anerkannt wurde und ein eige- rär behindert sind.
nes Programm existiert, um taubblinde Men-
schen statistisch erfassen zu können. Auch 3.3.21) Der zweite Arbeitsmarkt
qualifizierende Ausbildungsmöglichkeiten für
Dolmetscher und Assistenten stehen zur Ver- Behinderte Menschen finden in der freien
fügung und gewährleisten optimale Unter- Wirtschaft äußerst selten einen Arbeitsplatz.
stützung der taubblinden Personen. Oft ergibt sich aber die Möglichkeit, in
geschützten Werkstätten, am so genannten
Um den Bedürfnissen taubblinder Men- zweiten Arbeitsmarkt, eine Beschäftigung zu
schen Rechnung zu tragen, ist zunächst die finden. Für ihre Arbeit bekommen sie aber
Anerkennung der Taubblindheit als eigen- kein Gehalt, sondern nur ein Taschengeld.
ständige Behinderung sicherzustellen. In Daher gelten für die Betroffenen auch keine
weiterer Folge kann die Anzahl der Betroffe- arbeitsrechtlichen Bestimmungen und sie
nen in Österreich festgestellt und entspre- haben als arbeitende Menschen keine
chende Unterstützung bereitgestellt wer- gesetzliche Interessenvertretung.
den.
Der SPÖ-Parteivorsitzende und spätere
3.3.20) Behinderte und Teilnahme an Bundeskanzler Alfred Gusenbauer hat in
demokratischen Entscheidungs- einem Interview mit der Zeitschrift BIZEPS-
prozessen INFO in der Ausgabe vom 22. September
2006 unter anderem Folgendes gesagt:
Die Teilnahme von Behinderten Menschen
an demokratischen Entscheidungsprozes- „Ebenso muss die Mitbestimmung durch
sen ist auch in Österreich nicht immer ohne gewählte VertreterInnen, die sich für die
Hürden möglich. Mit dem Wahlrechtsände- Anliegen und Wünsche von Menschen mit
rungsgesetz 2007 wurde die Briefwahl in Behinderung einsetzen, die in den verschie-
denen Einrichtungen arbeiten und wohnen, erwirken. Und das ist ein wesentlicher Teil
gefördert werden. So gibt es bei Jugend am von Selbstbestimmung.
Werk bereits einen ,Werkstättenrat' und
einen ,Wohnrat', deren VertreterInnen schon Unabhängig davon ist schon jetzt die Mög-
seit längerem die österreichweite gesetzli- lichkeit zu nutzen, Menschen, die am zwei-
che Verankerung solcher Mitbestimmungs- ten Arbeitsmarkt arbeiten, durch die Arbei-
75
gremien fordern (wie auch am 5. Dezember terkammer zu vertreten. Die Arbeiterkam-
2005 im Parlament).“ mer vertritt derzeit schon zahlreiche Perso-

Recht und Gerechtigkeit


nen, die keine AK-Beiträge bezahlen. Es
In einer Presseaussendung vom 16. Novem- handelt sich dabei um Arbeitslose, Mütter
ber 2007 versprach Sozialminister Erwin oder Väter in Karenz, Lehrlinge, geringfügig
Buchinger: 'Gerne aufgreifen' werde er die Beschäftigte sowie Präsenz- und Zivildiener.
Forderung nach einer gesetzlichen Veranke- Österreichweit sind etwa 570.000 Arbeitneh-
rung von Mitbestimmungsorganen wie etwa mer vom AK-Beitrag befreit.
Werkstättenräte oder Wohnräte. Der Sozial-
minister versprach, mit den zuständigen 3.3.22) Die progressive Ausgleichstaxe
Parlamentariern an der Umsetzung dieser
Forderung zu arbeiten. Einige Konzerne, aber auch zahlreiche öffent-
liche Dienststellen kommen ihrer in § 1 Abs 1
Bis heute wurden diese Versprechen nicht Behinderteneinstellungsgesetz festgelegten
umgesetzt. Die FPÖ bekennt sich zu dieser Pflicht, auf je 25 Dienstnehmer mindestens
Forderung zahlreicher Behindertenorgani- einen begünstigten Behinderten einzustellen,
sationen, um jenen Menschen, die in einer nicht nach. Es muss jedoch angestrebt wer-
geschützten Werkstätte beschäftigt sind, die den, die Arbeitslosigkeit unter Menschen mit
notwendige Mitsprache zu gewährleisten. Behinderung zu senken. Viele Behinderte
Daher soll die Wahl von Werkstättenräten, sind für einen Arbeitsplatz genauso qualifi-
analog zu den Betriebsräten am ersten ziert wie Personen ohne Behinderung. Sie
Arbeitsmarkt, auf Bundesebene gesetzlich werden oft unterschätzt und bekommen des-
verankert werden. halb seltener die Chance, ihre Fähigkeiten
am Arbeitsmarkt und für ein Unternehmen
Um eine soziale Absicherung jener behin- unter Beweis zu stellen.
derten Menschen sicherzustellen, die in
einer geschützten Werkstätte arbeiten, ist Derzeit kaufen sich viele Unternehmer, aber
auch ein eigener Arbeitsvertrag abseits der auch die öffentliche Hand, mit der Aus-
für den ersten Arbeitsmarkt geschaffenen gleichstaxe von ihrer Pflicht frei. Ziel der
kollektivvertraglichen Verpflichtungen zu gesetzlich verankerten Beschäftigungs-
ermöglichen. Die Trägerorganisationen sind pflicht muss aber in erster Linie sein, die
aufgrund der zu erwartenden Mehrkosten Bedingungen für behinderte Arbeitnehmer
mit den notwendigen finanziellen Mitteln am Arbeitsmarkt zu verbessern.
auszustatten. Für den Staat entstehen lang-
fristig keine Mehrkosten, da behinderte Die FPÖ hat daher das Modell der progressi-
Menschen ohne Pensionsanspruch jeden- ven Ausgleichstaxe entwickelt, die vor allem
falls Anspruch auf Grundsicherung haben größeren Betrieben einen Anreiz bietet,
werden. Für den Betroffenen ergibt sich ihrer Pflicht nach § 1 Abs 1 BEinstG zur Ein-
aber ein großer Unterschied, weil er unter stellung mehrerer behinderter Arbeitneh-
anderem die Möglichkeit erhält, mit seiner mer nachzukommen. Für den ersten begün-
Arbeit auch einen Pensionsanspruch zu stigten Behinderten, der zu beschäftigen
Die Ausgleichstaxe für
die zehnte Person, die
einzustellen wäre,
würde das Fünffache
des Ausgangswertes
überschreiten, dies ist
76
aufgrund der Decke-
lung jedoch nicht mög-
Recht und Gerechtigkeit

lich.
Ein Unternehmen, das
seiner Pflicht zur Ein-
stellung von drei
begünstigten Behinder-
ten nicht nachkommt,
zahlt also, statt wie bis-
her 627 Euro, 940,50
Euro pro Monat. Ein
Großunternehmen, das
zwischen 250 und 274
Mitarbeiter beschäftigt
wäre, ist nach wie vor der in der Verordnung und keinen begünstigten Behinderten einge-
des Sozialministers festgestellte Betrag zu stellt hat, hat monatlich, statt bisher 2.090
entrichten. Künftig soll der Sozialminister Euro, 6.688 Euro an Ausgleichstaxen zu ent-
jedoch nicht die Ausgleichstaxe sondern den richten.
Ausgangswert feststellen, der nur für den Besonders hingewiesen sei darauf, dass
ersten begünstigten Behinderten, der zu diese Maßnahme keine Verschlechterung
beschäftigen wäre, als Ausgleichstaxe gilt. für Kleinunternehmen (unter 50 Beschäftig-
Für jeden weiteren begünstigten Behinder- te) mit sich bringt, denen es aufgrund einer
ten, der zu beschäftigen wäre, setzt sich die geringen Anzahl an Mitarbeitern und der
Ausgleichstaxe aus jener Ausgleichstaxe der Struktur des Unternehmens unter bestimm-
vorhergehenden nicht beschäftigten Person ten Umständen schwerer fallen kann, einen
und der Hälfte des Ausgangswertes zusam- geeigneten Arbeitsplatz für einen begünstig-
men. Die Ausgleichstaxe ist jedoch mit dem ten Behinderten bereitzustellen. Kleinunter-
Fünffachen des Ausgangswertes gedeckelt. nehmen müssen nie mehr als einen begün-
Stellt ein Unternehmen beispielsweise zehn stigten Behinderten einstellen und sind
begünstigte Behinderte nicht ein, obwohl es daher von der progressiven Ausgleichstaxe
dazu verpflichtet ist, errechnen sich die Aus- auch nicht betroffen.
gleichstaxen wie folgt:
Familie, Generationen
und Bevölkerungsentwicklung
Die Familie ist die Grundlage unserer Gemeinschaft. Sie verdient größten
Schutz und unsere höchste Anerkennung. 79

Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung


4.1) Frauen, Männer, reich auch von Ausländern aus fremden Kul-
Partnerschaft turkreisen akzeptiert und gelebt werden.
Der Schwimmunterricht und auch das Tur-
Nur ein gleichberechtigtes Miteinander von nen sind Bestandteil des österreichischen
Frauen und Männern in Österreich sichert Lehrplans und in öffentlichen Schulen auch
eine gedeihliche Zukunft. Dies bedeutet in der bei uns üblichen Form durchzuführen.
sowohl gleiche Rechte als auch gleiche
Pflichten, vor allem aber Chancengleichheit. Die Gesetze, welche die Zwangsehe und die
Genitalverstümmelung verbieten, müssen
Durch Zuwanderung vor allem aus außereu- konsequent angewandt werden.
ropäischen Ländern ist diese Chancen-
gleichheit für immer mehr Frauen in Öster- Die Berufstätigkeit vieler Eltern, vor allem von
reich nicht gegeben. Zwangsehe, Genitalver- Frauen, ist immer wieder von der Diskussion
stümmelung, oder Kopftuchzwang sind über Vereinbarkeit von Familie und Beruf
deutliche Signale einer Unterdrückung von begleitet. Wir treten für die Wahlfreiheit ein,
Frauen, die in Österreich nicht akzeptiert das Leben nach eigenen Vorstellungen
werden können. gestalten zu können. Das bedeutet, dass die
Betreuung der Kinder in den ersten Lebens-
In öffentlichen Gebäuden sowie auf öffentli- jahren durch die Eltern selbst ebenso akzep-
chen Plätzen und Straßen in Österreich ist tiert und geachtet werden muss, wie der bal-
das Vermummen zu untersagen. Dem Kopf- dige Wiedereinstieg in den Beruf. Gerade jene
tuchzwang für Mädchen und Frauen als reli- Frauen aber, die sich eine zeitlang aus-
giös-politisches Symbol für wider den schließlich ihrem Nachwuchs widmen wollen,
Gleichheitsgrundsatz wie dem ethischen werden diskriminiert und haben oft mit Hür-
Grundrecht proklamierte weibliche Minder- den beim Wiedereinstieg zu rechnen. Diese
wertigkeit und für die Unterdrückung der Fehlentwicklung muss korrigiert werden.
Frau durch den Mann, treten wir entschlos-
sen entgegen. Daher ist das Tragen dieses Es muss für Eltern eine kostengünstige Aus-
Symbols in allen öffentlichen Gebäuden, an und Weiterbildung auch während einer
öffentlichen Schulen und Universitäten in „Familienpause“ gewährleistet werden. Das
unserer Heimat zu verbieten. AMS ist aufgefordert, entsprechende Wieder-

4
einstiegskurse anzubieten, damit Eltern nicht
Selbstbestimmtheit und Mündigkeit von den Anschluss an die Berufswelt verlieren.
Frauen darf keine hohle Phrase sein, son-
dern eine gelebte Selbstverständlichkeit. Die Tagesmutter muss eine echte Alternati-
Wir treten für die Gleichwertigkeit der ve in der Kinderbetreuung sein. Daher soll
Geschlechter ein. Die Koedukation - in der Beruf der Tagesmutter ein eigenes
Österreich und in den anderen europäischen Berufsbild bekommen.
Staaten eine Normalität – muss in Öster-
Junge Frauen und Mädchen sehen sich oft in überdurchschnittlich hohe Geburtenraten
einer ausweglosen Situation, wenn sie bekannt waren. Dagegen wird sich die Zahl
schwanger werden. Entsprechend hoch ist der Senioren über 65 im gleichen Zeitraum
die Abtreibungsrate. Da Kinder ein Segen fast verdoppeln. Mitte des Jahrhunderts wird
sein sollen und keine Belastung, müssen ohne dramatische Änderung der Entwicklung
diese jungen Frauen und Mädchen entspre- fast jeder dritte Europäer Pensionist sein.
80
chend unterstützt werden. Wenn sich eine
junge Schwangere sicher fühlen kann, dass In Frankreich liegt die Geburtenrate bei 1,8.
Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung

sie ihr Leben und ihre Ausbildung auch mit Das Familiensplitting und das flächendek-
einem Kind meistern kann, wird sie sich kende Angebot von Kinderbetreuungsein-
wahrscheinlich eher für das Kind entschei- richtungen zur Gewährleistung der Wahl-
den, als wenn sie sich allein gelassen freiheit zwischen Beruf und Kinderbetreu-
glaubt. Junge Mütter müssen auch nach der ung daheim spielt hier unübersehbar eine
Geburt betreut werden. Eine Fachkraft, die Rolle. Auch in Österreich ist durch die Ein-
ihr vor allem in der ersten Zeit hilft, im All- führung des Kinderbetreuungsgeldes ein
tag zurechtzukommen, muss vom Staat deutlicher Anstieg der Geburtenrate von 1,3
sichergestellt werden. Es handelt sich dabei im Jahr 2001 auf 1,43 in 2004 eingetreten.
um eine Investition in die Zukunft Um die zur biologischen Überlebensfähig-
keit notwendige Geburtenrate von 2,1 zu
Um die Einkommensunterschiede zwischen erreichen, werden aber noch weitere
Männern und Frauen zu verkleinern ist es Anstrengungen notwendig sein.
nötig, der Ausbildung der Mädchen größeres
Augenmerk zu schenken, damit diese nicht Eine schwer einzuschätzende Größe ist die
nur frauentypische Berufe ergreifen. Die Zuwanderung, die – wie uns tagtäglich vorge-
Berufsberatung der Mädchen hat so zu führt wird – eine Unzahl negativer Veränderun-
erfolgen, dass Mädchen weniger als bisher gen für unsere natürlich gewachsene Heimat
jene Berufe erlernen, die im Niedrigstlohn- mit sich bringt. Entscheidend wird daher die
bereich angesiedelt sind. Reaktion der Politik auf die größte Herausfor-
derung unserer Zeit sein. Wir denken über
4.2) Kinderlose Gesellschaft Legislaturperioden hinaus und setzen uns ehr-
lich mit dieser Herausforderung auseinander.
Die Zahl der Erwerbstätigen droht in den
kommenden Jahren deutlich zu schrump- Wir bekennen uns zur Abkehr von der Indivi-
fen. Es wird künftig immer weniger Men- dualbesteuerung hin zum Familiensplitting
schen geben, die für die sozialen Lasten auf- als wichtigste Maßnahme zur Unterstützung
kommen, die Sozialversicherungen finanzie- unserer Familien. Das Familiensplitting
ren und mit ihren Steuern die von verant- steigert die Kaufkraft von Familien und
wortungslosen Politikern verursachten befreit diese aus der unterschiedlichen und
Staatsschulden bedienen können. Zugleich ungerechten fiskalischen Behandlung von
wächst die Masse derer, die vom Einkom- Familieneinkünften. In Frankreich wurde
men dieser schwindenden Gruppe von das Modell bereits erfolgreich umgesetzt.
Erwerbstätigen leben. Das bestätigen auch
die neuesten Zahlen von Eurostat, dem sta- 4.3) Grundsätze Freiheitlicher
tistischen Amt der Europäischen Union. Familienpolitik
Europaweit werden immer weniger Kinder
Die Familie, geprägt durch die gegenseitige
geboren – selbst in Ländern, die bisher für
Verantwortung der Generationen und der
Partner zueinander, ist der wichtigste sozia- zugunsten der Familie kommen. Der Staat
le Kern jeder Gesellschaft. Familie steht für hat die Familie als Institution einerseits in
Kinder, für soziale Sicherheit und für eine ihrer Autonomie zu respektieren und ihr
wertorientierte Erziehung unserer Jugend. andererseits Schutz angedeihen zulassen.
Durch das Kind wird eine Lebensgemein- Wir bekennen uns nur dort, wo das Versagen
schaft von Mann und Frau zur Familie. Auch der Familie zu einer massiven Beeinträchti-
81
wer alleinerziehend Verantwortung über- gung des Kindeswohles führt, zum Schutz-
nimmt, bildet mit den Kindern eine Familie. auftrag des Staates und zum Eingriff in die

Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung


familiäre Autonomie. Ideologische Bevor-
Wir bekennen uns zur Institution der Ehe mundungen der Familien widersprechen
zwischen Mann und Frau. Sie verdient dem freiheitlichen Gesellschaftsbild und
besonderen Schutz. Homosexuelle Partner- sind aufs Schärfste zurückzuweisen.
schaften den Familien oder der Ehe zwi-
schen Mann und Frau gleichzusetzen, wird Kleinkinder benötigen zur Entwicklung einer
von uns ebenso abgelehnt wie die Adoption psychischen Stabilität eine feste Bezugsper-
von Kindern durch gleichgeschlechtliche son. Ihre Betreuung in familiärer Geborgen-
Partner. heit ist daher staatlichen Einrichtungen, wie
Kinderkrippen, vorzuziehen. Die Erziehung
Wir bekennen uns zur Förderung österrei- unserer Kinder ist das Recht und die Pflicht
chischer – insbesondere kinderreicher – der Eltern. Wir wollen keine gleichgeschal-
Familien als Grundlage unserer Zukunft. Die tete Erziehung und ideologische Indoktrinie-
besondere Bedeutung dieser Familien für rung unserer Kinder durch den Staat.
den Erhalt unserer Solidargemeinschaft ist
unter anderem im Steuerrecht, im Pensi- Um für Eltern eine echte Wahlfreiheit zwi-
onsrecht, in der Tarifgestaltung und der schen Kinderbetreuung und beruflichem
Arbeitszeitregelung zu berücksichtigen. Die Engagement erreichen zu können, ist es
von unseren Kindern später erbrachten erforderlich, das Kinderbetreuungsgeld
Sozialbeiträge kommen allen zugute. Die ohne Zuverdienstgrenze zu einem Erzie-
Benachteiligung kinderreicher Familien im hungsgeld bis zum Schuleintrittsalter aus-
Verhältnis zu Kinderlosen im heutigen Sozi- zubauen sowie die arbeitsrechtliche Karenz
alsystem ist evident. Wir fordern daher einen auf volle drei Jahre zu verlängern.
gerechten Ausgleich im Rahmen einer nied-
rigeren Familienbesteuerung. Durch das Private und staatliche Institutionen wie Kin-
Familiensplitting wird die Familie als Wirt- dergärten, Kindertagesheime und Horte
schaftsgemeinschaft bewertet. Die Famili- haben eine große Bedeutung für die Soziali-
engröße wird so bei der Lohn- und Einkom- sierung der Kinder, können und sollen aber
mensteuer berücksichtigt Weiters sind Kin- die Fürsorge in der Familie nicht ersetzen,
dererziehungsjahre adäquat für Pensions- nur ergänzen. Vor dem Hintergrund des
versicherungszeiten anzurechnen. immer stärker werdenden Wunsches nach
besserer Vereinbarkeit von Beruf und Fami-
Die Schaffung von positiven Rahmenbedin- lie, ist es wichtig, dass ein ausreichendes,
gungen für österreichische Familien kann qualitativ hochwertiges Betreuungsangebot
sich aber nicht nur auf wirtschaftliche Vor- sichergestellt wird. Die Betreuung der Kin-
aussetzungen beschränken. Es soll daher, der durch Tagesmütter und -väter wird von
neben der Schaffung des unerlässlichen uns befürwortet, soll weiter ausgebaut und
wirtschaftlichen Fundaments, zu einer als Beruf anerkannt werden.
grundsätzlichen kulturellen Orientierung
Es muss in allen Bereichen bewusst einem klaren Ja zum Leben. Umfassende
gemacht werden, dass Kinder die Zukunft staatliche Hilfestellung bei der Entschei-
unseres Staates darstellen. Nur eine positiv dung für das ungeborene Leben sowie die
besetzte Einstellung zum Kind schafft ein Unterstützung bei der Erfüllung des Kinder-
Bekenntnis zum eigenen Nachwuchs und wunsches sind unerlässlich.
das notwendige Klima, um die Familien in
82
der Gesellschaft zu stärken und ihnen jenen Zumindest mit Billigung des Stadtschulrates
Stellenwert einzuräumen, der für den Erfolg für Wien und des Unterrichtsministeriums
Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung

jeglicher familienpolitischer Maßnahmen haben Wiener Schulkinder (Hauptschüler


notwendig ist. So hat auch die Wirtschaft der vierten Klasse) Lehrausflüge in eine
ihren Beitrag zu leisten, um Elternteilen mit Abtreibungsklinik veranstaltet. Es wurde
Berufswunsch den Wiedereinstieg – auch angegeben, dass die Schüler über Verhü-
nach längerer Kinderpause - in das tung aufgeklärt werden sollen. Das ist also
Erwerbsleben zu erleichtern. die Art und Weise, wie SPÖ und ÖVP jungen
Menschen in Österreich den Wert des
Scheidung und Trennung sind sowohl für Lebens näher bringen. Die Kinder müssen
Frauen und Männer als auch für Kinder ein schockiert gewesen sein. Der Politik ist es
kritisches Lebensereignis. Auch wenn sich egal: Hauptsache die jungen Österreicher
Partner trennen, bleiben sie trotzdem lernen, zu verhüten oder wissen, wohin man
Eltern. Das Recht des Kindes auf gemeinsa- sich wendet, wenn man ein Kind abtreiben
me Obsorge beider Elternteile im Falle einer will. Die FPÖ geht einen anderen Weg.
Trennung ist gesetzlich zu verankern.
Geschiedenen Elternteilen und getrennten Die katastrophale Bevölkerungsentwicklung
Partnern dürfen ihre Kinder nicht entzogen in Österreich ist sichtbar: Die Geburtenrate
werden. Nur schwerwiegende Gründe, die der Österreicherinnen beträgt derzeit weni-
dem Kindeswohl eindeutig entgegenstehen, ger als 1,3 Kinder. In jeder Generation
rechtfertigen einen Entzug der Obsorge. schrumpft die Bevölkerung um mehr als ein
Eltern und vor allem den Kindern darf durch Drittel. Ein Viertel der Frauen verzichtet
Scheidung oder Trennung nicht die Exi- gänzlich auf Kinder. Damit haben wir nur
stenzgrundlage entzogen werden. Daher noch die Wahl zwischen einem drastischen
sind auch nicht im Haushalt lebende Unter- Bevölkerungsrückgang mit ungeheurer
haltsberechtigte bei der Lohnexekution zu Überalterung oder Österreicher mit deut-
berücksichtigen. Damit kann die finanzielle scher Muttersprache werden, bei Fortset-
Situation der beim getrennt lebenden zung der heutigen Einwanderungspolitik, in
Elternteil befindlichen Kinder deutlich ver- wenigen Jahrzehnten zur Minderheit in
bessert werden. unserer eigenen Heimat. Wenn wir als Volk
überleben wollen, muss die Geburtenrate
Gewalt in der Familie insbesondere gegen auf zwei Kinder pro Frau ansteigen. Daher
Kinder ist besonders abscheulich und ver- hat die Realisierung, der von uns geforder-
dient keine Nachsicht. Wir bekennen uns zu ten Maßnahmen zur Verbesserung der Lage
strengsten strafrechtlichen Bestimmungen der Familien und insbesondere kinderrei-
bei Straftaten gegen Frauen und Kinder. cher Familien die höchste Priorität. Die
dafür notwendigen Mittel müssen vorrangig,
Eine ungewollte Schwangerschaft oder aber auch gegenüber anderen wünschenswerten
auch ein unerfüllter Kinderwunsch bringen Staatsaufgaben, aufgebracht werden.
vor allem Frauen in schwer bewältigbare
Lebenssituationen. Wir bekennen uns zu
4.4) Ziele der Verhältnis zu Kinderlosen ist daher durch
Freiheitlichen Familienpolitik adäquate Maßnahmen zu beenden. Wir Frei-
heitlichen fordern den gerechten Ausgleich!
Die Freiheitliche Familienpolitik orientiert
sich vor allem an vier wesentlichen Zielen: Unter dem Gesichtspunkt der Wahlfreiheit
und der These der notwendigen Vereinbar-
83
• dem Kindeswohl, keit von Familie und Beruf wird derzeit von
den politisch Verantwortlichen der Ausbau
• der Gerechtigkeit,

Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung


der Ganztagesbetreuung für Kinder jeden
• der Wahlfreiheit und Alters gefördert: Von den Kinderkrippen für
• dem Anstieg der Geburtenrate. die Kleinsten bis zur Ganztagsschule. Damit
allein wird das Ziel der Wahlfreiheit für die
Für das Wohl unserer Kinder ist entschei- Familien nicht erreicht, wenn nicht die freie
dend, dass den Eltern ausreichend Zeit für Wahl, sondern der finanzielle Druck bis hin
ihre Kinder bleibt. Weder Väter noch Mütter zur materiellen Existenzangst zur Wahrneh-
dürfen durch finanzielle Zwänge und Anreize mung von Ganztagsbetreuung führt. Echte
oder durch Furcht um den Verlust des Wahlfreiheit zwischen Kinderbetreuung und
Arbeitsplatzes zu frühzeitiger Rückkehr zur beruflichem Engagement kann daher nicht
Erwerbsarbeit gedrängt werden. Die Steige- nur mit einseitigen politischen Maßnahmen
rung der Mütter- oder Väterbeschäftigungs- erreicht werden. Wir erkennen Elterntätig-
quote bei Eltern von Kleinkindern ist für uns keit und Erziehungsarbeit als eigenständi-
kein erstrebenswertes Ziel. In einem Staat gen Beruf an und richten unsere Familien-
wie Österreich muss es möglich sein, dass politik auch dementsprechend aus.
zumindest ein Elternteil ohne drastische
finanzielle Einbußen für die Familie, Anse- Mit den Maßnahmen zur Verwirklichung der
hensverlusten oder Wettbewerbsnachteilen Gerechtigkeit und Wahlfreiheit werden auch
beim Wiedereinstieg die Kinder bis zum Kin- die Rahmenbedingungen für den notweni-
dergartenalter selbst betreuen kann. Dies gen Anstieg der Geburtenrate in Österreich
kommt nicht nur dem Kindeswohl zu Gute, entsprechend verbessert. Staatliche Maß-
sondern wird von einer überwiegenden Zahl nahmen können – wie das Beispiel Frank-
der österreichischen Mütter auch reichs mit seiner hohen Geburtenrate von
gewünscht. Wir Freiheitlichen fordern eine 1,8 Kindern pro Frau zeigt – die Geburtenra-
Politik, die nicht an den Interessen der te beeinflussen. Mit finanziellen Zusatzlei-
österreichischen Familien vorbei geht! stungen für Mehrkindfamilien, spezieller
Aufklärungsarbeit über die Gefahren des jet-
Gerechtigkeit verlangt vor allem einen fairen zigen Geburtendefizits für unser Sozialsy-
Leistungsausgleich zwischen Kinderlosen stem und der bewussten Imageverbesse-
und Eltern mit Kindern. Die besondere rung kann der Trend zur Großfamilie wie-
Bedeutung von Familien mit Kindern für den derhergestellt werden. Mehrkindfamilien
Erhalt unserer Solidargemeinschaft und für sind für uns angesehene und förderungs-
die Erfüllung des Generationsvertrages ist würdige Stützen der Gesellschaft!
unter anderem im Steuerrecht, im Pensi-
onsrecht, in der Tarifgestaltung und der 4.5) Maßnahmen und
Arbeitszeitregelung zu berücksichtigen. Die Forderungen der Freiheit-
von unseren Kindern später erbrachten lichen Familienpolitik
Sozialbeiträge kommen allen zugute. Die
Zur Verwirklichung unserer Grundsätze und
Benachteiligung kinderreicher Familien im
Erreichung unserer Ziele setzen wir uns für Vielzahl von Familienleistungen verwöhnt,
folgende familienfördernde Maßnahmen für seien Nutznießer unseres Sozialsystems und
österreichische Staatsbürger ein: weitere Verbesserungen seien nicht nötig.
Wahr ist aber das Gegenteil: Die von unseren
• Fairer Leistungsausgleich zwischen Kindern später erbrachten Sozialbeiträge
Familien und Kinderlosen kommen allen zugute. Die Benachteiligung
84
kinderreicher Familien im Sozialsystem ist
• Attraktives und familiengerechtes Steu- evident. Eltern tragen den größten Teil der
ersystem (Familiensteuersplitting)
Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung

Kinderkosten. Die später von den Kindern


• Weiterentwicklung des Kinderbetreu- gezahlten Sozial- und Pensionsbeiträge
ungsgeldes kommen aber allen, unabhängig von der Kin-
derzahl gleichermaßen zu gute.
• Abschaffung der Zuverdienstgrenze
• Freiheit bei der Aufteilung der Kinderbe- Von einem fairen Leistungsausgleich sind
treuung wir in Österreich, wie auch in den meisten
• Verlängerung der arbeitsrechtlichen Staaten Europas, noch weit entfernt. Diese
Karenz Umverteilung zulasten von Mehrkinderfami-
lien hat dazu geführt, dass mehrere Kinder
• Kindererziehungsgeld bis zum sechsten heute bei uns zu drastischen finanziellen
Lebensjahr des Kindes Einbußen führen. Dies ist eine der Hauptur-
• Jährliche Valorisierung und Inflations- sachen, dass sich heute nur noch sehr weni-
anpassung der Familienleistungen ge österreichische Familien für mehr als
zwei Kinder entscheiden und die Geburten-
• Bedarfsgerechter Ausbau der Kinderbe-
rate auf 1,3 Kinder pro Frau gesunken ist.
treuungseinrichtungen sowie des
Ein Ausgleich zugunsten der Mehrkindfami-
Modells der Tagesmütter und -väter
lien kann nur durch die Beseitigung der jet-
• Gesicherter Wiedereinstieg in das zigen Diskriminierung der Familien bei der
Erwerbsleben Lohn- und Einkommenssteuer, den Ausbau
• Adäquate Berücksichtigung der Kinder- des Kinderbetreuungsgeldes zu einem
erziehungszeiten im Pensionsrecht Erziehungsgehalt, die Auflösung der
Benachteiligung des erziehenden Elterntei-
• Wahlrecht der Eltern für ihre Kinder les im Pensionsrecht und die Einführung
• Minimierung der Existenzgefährdung bei spezieller Förderungen für Eltern, die sich
Scheidungen und das Recht der Kinder zu einem dritten oder weiteren Kind ent-
auf beide Elternteile schließen, verwirklicht werden.
• Ja zum Leben und Hilfe bei unerfülltem
4.5.2) Attraktives und familiengerechtes
Kinderwunsch
Steuersystem (Familiensteuer-
• Keine Gnade für Kinderschänder splitting)
• Schutz unserer Kinder vor Elektrosmog
In Österreich gilt seit 1972 bei der Lohn- und
Einkommensteuer das Prinzip der Indivi-
4.5.1) Fairer Leistungsausgleich dualbesteuerung, d.h. die Höhe der Steuer
zwischen Familien und Kinderlosen hängt nur vom Einkommen des Steuerpflich-
tigen und nicht von der Zahl der Personen ab,
Viele Menschen sind immer noch der Mei- die von diesem Einkommen leben müssen.
nung, Familien würden bei uns durch eine Diese Regelung ist wegen des progressiven
Lohn- und Einkommensteuertarifs eine Lohnsteueraufkommens von etwa 17% (drei
grobe Ungerechtigkeit gegenüber den Fami- Mrd. Euro) führen. Als Auswirkung einer sol-
lien, besonders gegenüber Mehrkindfamilien chen Steuerreform würde sich die Lohn-
mit einem Alleinverdiener. Bei einem Allein- und Einkommensteuer von Familien mit
erhalter mit Ehepartner und zwei Kindern zwei oder mehr Kindern im Durchschnitt um
wird in diesem System sogar das Existenz- etwa 50% vermindern. Die Kosten dieser
85
minimum besteuert. Er muss nämlich wie Reform können aufgebracht werden, wenn
ein Alleinstehender mindestens 38% Lohn- die nächste dringend notwendige Lohnsteu-

Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung


steuer für den 1000 Euro übersteigenden Teil ersenkung nicht nach dem Gießkannenprin-
seines Monatseinkommens zahlen. zip erfolgt, sondern gezielt zur Beendigung
der heutigen Diskriminierung der Familien
Wir bekennen uns zur Abkehr von der Indivi- verwendet wird.
dualbesteuerung hin – zum von uns bereits
schon lange eingeforderten - Familiensteu- Da der Einkommensteuersatz aufgrund der
ersplitting als wichtigste Maßnahmen zur Steuerprogression mit der Höhe des zu ver-
Unterstützung unserer Familien. Das Famili- steuernden Einkommens zunimmt, ist die
ensplitting steigert die Kaufkraft von Familien Steuerlast der Familie umso niedriger, je
und befreit diese aus der unterschiedlichen mehr Familienangehörige in das Familien-
und ungerechten fiskalischen Behandlung splitting einbezogen werden. Ziel ist es, dass
von Familieneinkünften. In Frankreich wurde eine mittelständische Familie mit vier Kin-
das Modell bereits erfolgreich umgesetzt. dern de facto völlig von der Steuerleistung
befreit ist.
Beim Familiensteuersplitting werden neben
dem Partner auch die unterhaltsberechtig- Grundsätzlich soll das Modell nur für Haus-
ten, nicht volljährigen und im gleichen halte mit Kindern anwendbar sein. Kinderlo-
Haushalt lebenden Kinder zur Berechnung se Paare und homosexuelle Partnerschaften
der Steuerbemessungsgrundlage herange- unterliegen demnach nach wie vor einer
zogen. Das kumulierte Einkommen des Individualbesteuerung. Für sie bedeutet die
gesamten Haushalts wird auf die Anzahl der Einführung des Familiensplittings keine
Köpfe im Haushalt verteilt, wobei der Änderung oder Mehrbelastung.
gewichtete Berechnungsfaktor für die Eltern
bei 1, für die ersten beiden Kinder bei 0,5 4.5.3) Weiterentwicklung des
und ab dem dritten Kind bei 1 anzusetzen ist. Kinderbetreuungsgeldes
Erst dann wird die Lohn- beziehungsweise
Einkommenssteuer der einzelnen Personen Für echte Wahlfreiheit muss auch das heuti-
berechnet. Dadurch wird sichergestellt, ge Kinderbetreuungsgeld weiterentwickelt
dass in jedem Fall das Existenzminimum der werden. Heute erhalten die Familien das
Familie steuerfrei bleibt. Ziel ist es, dass Kinderbetreuungsgeld meist nur für 30
eine mittelständische Familie mit vier Kin- Monate. Grund dafür ist, dass ein Elternteil
dern de facto völlig von der Steuerleistung das Kinderbetreuungsgeld nur 30 Monate
befreit ist. beziehen darf und der zweite Elternteil in
vielen Fällen die restlichen sechs Monate
Der Übergang zu einer solchen gerechten nicht in Anspruch nehmen kann. Auch für
Berücksichtigung der Familiengröße bei der Alleinerzieher ist das bestehende Modell ein
Lohn- und Einkommensteuer würde bei Bei- echter Nachteil, weil kein Partner zur Verfü-
behaltung des jetzigen Steuertarifs für Ein- gung steht, der weitere 6 Monate zugunsten
zelpersonen zu einer Verminderung des des Kindes in Anspruch nehmen könnte.
Auch die Zuverdienstgrenze beim Bezug des Übrigen verbleibt es als Anerkennung ihrer
Kinderbetreuungsgeldes sowie die arbeits- persönlichen Betreuungsarbeit für das Kind.
rechtliche Dauer der Karenzzeit von nur zwei
Jahren, die einen starken Druck zur Wieder- Berücksichtigt man, dass unter diesen
aufnahme der Erwerbsarbeit zu diesem Zeit- Umständen der größte Teil der jetzigen Sub-
punkt erzeugt, laufen der Maßnahmenset- ventionen für Kindergärten wegfallen kann,
86
zung in Bezug auf die Wahlfreiheit massiv betragen die Kosten für diese 2. Ausbaustu-
zuwider. Die jüngste Novelle zum Kinderbe- fe des Kinderbetreuungsschecks etwa 500
Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung

treuungsgeld (drei Varianten der Bezugsdau- Millionen Euro.


er) verbessert die Situation nicht, sondern
schafft zusätzliche Komplikationen und Unsi- Für uns ist das Kinderbetreuungsgeld eine
cherheiten. Sie wird daher von uns abgelehnt. Anerkennung der Betreuungsleistung, die
Eltern auch im Interesse der Allgemeinheit
Als ersten Schritt fordern wir daher die erbringen. Diese hat mit dem früheren Ein-
Abschaffung der Zuverdienstgrenze beim kommen des betreuenden Elternteils nichts
Kinderbetreuungsgeld, die volle Freiheit zu tun, daher lehnen wir ein sogenanntes
bezüglich der Aufteilung der Kinderbetreu- einkommensabhängiges Kinderbetreuungs-
ung zwischen den Eltern und eine Verlänge- geld ab.
rung der arbeitsrechtlichen Karenzzeit auf
drei Jahre. Wir wollen, dass alle Kinder bis Ziel des Kinderbetreuungsgeldes ist weder die
zu drei Jahren das Kinderbetreuungsgeld Erhöhung noch die Senkung der Erwerbsquote
erhalten und Eltern die Art der Kinderbe- von Müttern und Vätern, sondern mehr Entschei-
treuung und das Ausmaß der Erwerbsarbeit dungsfreiheit für die Eltern. Wenn Eltern diese
selbst frei wählen können. Entscheidungsfreiheit zum Wohl ihrer Kinder
dazu nutzen, länger als bisher bei ihren Kleinen
Als zweiten Schritt setzen wir uns für eine zu bleiben, so ist dies kein Nachteil, sondern ein
Ausdehnung des Kinderbetreuungsgeldes Erfolg unseres Kinderbetreuungsgeldes.
bis zu sechs Jahren als Kindererziehungs-
geld ein. Dieses sollte dieselbe Höhe besit- 4.5.4) Jährliche Valorisierung und
zen wie das jetzige Kinderbetreuungsgeld, Inflationsanpassung der Familien-
aber nur zur Hälfte in bar ausgezahlt werden leistungen
und zur anderen Hälfte in Form eines Gut-
scheines für den Kindergartenbesuch, der Es entspricht dem Gebot der Gerechtigkeit,
sowohl bei öffentlichen als auch bei privaten dass unsere Familienleistungen jährlich
Kindergärten eingelöst werden kann. valorisiert und der Inflation angepasst wer-
den. Dies verursacht keine Mehrkosten,
Wir sind – wie die große Mehrheit der Öster- sondern ist lediglich ein notwendiger Ver-
reicher – vom großen pädagogischen Wert zicht auf versteckte und ungerechte Lei-
eines halbtägigen Kindergartenbesuches stungskürzungen.
überzeugt und möchten daher keinen Anreiz
geben, Kinder aus Kostengründen vom Kin- Seit fünf Jahren wurden die Familienbeihilfe,
dergarten fernzuhalten. Die Höhe des Gut- der Kinderabsetzbetrag und das Kinderbereu-
scheines entspricht in etwa den wirklichen ungsgeld nicht valorisiert und auch im derzei-
Kosten eines Halbtagskindergartens. Wer tigen Regierungsprogramm ist dies auch für
längere Betreuungszeiten braucht, kann die Zukunft nicht vorgesehen. Das bedeutet
diese aus der bar ausgezahlten Hälfte seines für 2010 etwa 15% Wertverlust gegenüber
Kinderbetreuungsgeldes finanzieren. Den dem Jahr 2000. Eine solche schleichende Lei-
stungskürzung erschüttert das Vertrauen in Maßnahmen (z.B. Ausbau von Kinderkrip-
die Zuverlässigkeit der Familiepolitik und penplätze für unter Dreijährige) sie dieses
schafft Verunsicherung, die sich bereits in Ziel erreichen wollen.
einer sinkenden Geburtenrate zeigt. Nach
dem erfreulichen Anstieg der Geburtenrate 4.5.6) Gesicherter Wiedereinstieg in das
von 1,3 im Jahr 2001 auf 1,43 2004 durch die Erwerbsleben
87
Einführung des Kinderbetreuungsgeldes ist
diese bis Mitte 2007 wieder auf 1,37 gesunken. Für die Erreichung der Wahlfreiheit bei der

Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung


Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein
4.5.5) Bedarfsgerechter Ausbau der weiterer Punkt von großer Bedeutung. Es
Kinderbetreuungseinrichtungen muss die Rückkehr in eine Erwerbstätigkeit
sowie des Modells der Tagesmüt- auch nach einer langjährigen Berufsunter-
ter und -väter brechung durch die Kindererziehung so
gefördert werden, dass sich Eltern auf das
Wie in zahlreichen wissenschaftlichen Stu- Gelingen eines solchen Wiedereinstiegs ver-
dien belegt wird, benötigen Kleinkinder zur lassen können.
Entwicklung einer psychischen Stabilität
eine feste Bezugsperson. Ihre Betreuung in Es muss in allen Bereichen bewusst
familiärer Geborgenheit ist daher staatli- gemacht werden, dass Kinder die Zukunft
chen Einrichtungen, wie Kinderkrippen, vor- unseres Staates sowie des wirtschaftlichen
zuziehen. Die Betreuung der Kinder durch Erfolges darstellen. So hat auch die Wirt-
Tagesmütter und -väter wird von uns befür- schaft ihren Beitrag zu leisten, um Elterntei-
wortet, soll weiter ausgebaut und als Beruf len mit Berufswunsch den Wiedereinstieg –
anerkannt werden. auch nach längerer Kinderpause - in das
Erwerbsleben zu ermöglichen. Die Setzung
Dem verbreiteten Wunsch junger Eltern zu von familienfreundlichen Maßnahmen, wie
entsprechen – Kinder und Beruf realistisch firmeninterner Kinderbetreuung, flexibler
zu vereinbaren – müssen Eltern tatsächlich Arbeitszeiten, Heimarbeit sowie der fortlau-
die Möglichkeit haben, das Kinderbetreu- fenden innerbetrieblichen Einbindung der
ungsgeld auch für außerfamiliäre Kinderbe- karenzierten Arbeitskraft muss in Unterneh-
treuung hoher Qualität verwenden zu kön- men Priorität haben und soll auch öffentlich
nen. Soweit der Bedarf an Kinderbetreu- gefördert werden.
ungsplätzen nicht gedeckt ist, muss ein aus-
reichendes, qualitativ hochwertiges Betreu- Auch der öffentliche Dienst soll mit gutem
ungsangebot sichergestellt werden. Es ent- Beispiel vorangehen und die heute nur für
spricht aber dem Gebot der Gerechtigkeit, Beamte geltenden großzügigen Karenzrege-
dass dieser Ausbau unter Beachtung des lungen auf alle öffentlichen Bediensteten
Prinzips gleicher Förderung der Kinderbe- ausdehnen und zusätzlich Eltern mehrerer
treuung innerhalb und außerhalb der Fami- Kinder, die wieder eine Erwerbstätigkeit auf-
lie zu erfolgen hat. nehmen wollen, bei gleicher Qualität den
Vorzug geben.
Eine Bevormundung der Mitgliedsstaaten
durch die Europäische Union bei der Ver- 4.5.7) Adäquate Berücksichtigung
wirklichung des Zieles der besseren Verein- der Kindererziehungszeiten im
barkeit von Familie und Beruf wird von uns Pensionsrecht
abgelehnt. Es muss den Staaten selbst
überlassen bleiben, wie und mit welchen Familien sollen nicht nur im Steuerrecht
sondern auch im Pensionsrecht gerecht beiträgen (geringere Beiträge mit steigen-
behandelt werden. In unserem heutigen der Kinderzahl) als auch bei der Pensions-
System erhalten Eltern trotz ihrer besonde- höhe entsprechend anerkannt werden.
ren Leistung zum Erhalt des Pensionssy-
stems in der Regel sogar geringere Pensio- 4.5.8) Minimierung der Existenzgefähr-
nen als Kinderlose. Im Durchschnitt bedeu- dung bei Scheidungen und das Recht
88
tet jedes Kind für den erziehenden Elternteil der Kinder auf beide Elternteile
einen Pensionsverlust von rund 10 Prozent,
Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung

das entspricht heute einem Betrag von rund Auch Geschiedene mit Kindern müssen
70 Euro pro Monat. Elternteile kinderreicher Steuererleichterungen erhalten, indem ver-
Familien erhalten in vielen Fällen sogar pflichtende Unterhaltszahlungen für Kinder
überhaupt keine Pension. Durch die Pensi- in ausreichender Höhe abgesetzt werden
onsreform 2003 wird sich die Benachteili- können. Die FPÖ bekennt sich dazu, dass
gung der Eltern sogar noch verstärken. geschiedene Eltern vom Staat nicht allein
Grund dafür ist die schlechtere Bewertung gelassen werden dürfen. Oftmals stehen
der Teilzeitbeschäftigung. Ein Beitragszah- Geschiedene finanziell am Rande des Ruins
ler wird nach heutigem Stand in seinem und sind nicht mehr in der Lage, in einer
Leben etwa 200.000 Euro an Pensionsbeiträ- neuen Partnerschaft eine Existenz, vielleicht
gen leisten. Dieser Beitrag der Eltern für sogar mit Kindern, aufzubauen.
den Fortbestand unseres Pensionssystems
wird in unserem Pensionsrecht überhaupt Gemäß § 291b Exekutionsordnung kann bei
nicht berücksichtigt. Diese himmelschreien- der Exekution gegen einen Unterhaltsschuld-
de Ungerechtigkeit kann von weitblickender ner das Existenzminimum um 25 Prozent
Familienpolitik nicht geduldet werden. unterschritten werden. Diese Regelung ist
unmenschlich und nimmt Menschen jegliche
Nur Kinder sind eine reale Investition in unser Existenzgrundlage. Vor allem getrennt leben-
Pensionssystem. Wir fordern daher als de Kindeseltern und Geschiedene sind
ersten Schritt eine Änderung des Pensions- betroffen, weil der Unterhaltsschuldner einen
rechtes, sodass Kinder nicht mehr automa- zweiten Haushalt mitfinanzieren muss.
tisch zu Pensionsverlusten führen. Dazu ist
es notwendig den Wert der Kindererzie- Scheidung und Trennung sind sowohl für
hungszeiten im Pensionsrecht mindestens zu Frauen und Männer als auch für Kinder ein
verdoppeln und für jedes Kind unabhängig kritisches Lebensereignis. Auch wenn sich
vom Geburtenabstand vier Jahre Kindererzie- Partner trennen, bleiben sie trotzdem
hungszeit anzurechnen. Dies würde für die Eltern. Das Recht des Kindes auf gemeinsa-
erziehenden Elternteile zu einer Pensionser- me Obsorge beider Elternteil im Falle einer
höhung von etwa 70 Euro pro Kind und Monat Trennung ist gesetzlich zu verankern.
führen und die Verluste durch die kürzeren Geschiedenen Elternteilen und getrennten
Beitragszeiten im Durchschnitt ausgleichen. Partnern dürfen ihre Kinder nicht entzogen
werden. Nur schwerwiegende Gründe, die
Im Zuge der Weiterentwicklung des Pensi- dem Kindeswohl eindeutig entgegenstehen,
onsrechtes ist es unser Ziel, den Beitrag der rechtfertigen einen Entzug der Obsorge.
Eltern zum Erhalt unseres Sozialsystems in Eltern und vor allem den Kindern darf durch
Zukunft in voller Höhe zu berücksichtigen. Scheidung oder Trennung nicht die Exi-
Wer Kinder großzieht, muss in einem stenzgrundlage entzogen werden. Daher
gerechten Sozialsystem sowohl bei der sind auch nicht im Haushalt lebende Unter-
Tarifgestaltung, den Sozialversicherungs- haltsberechtigte bei der Lohnexekution zu
berücksichtigen. Damit kann die finanzielle Gewissen des Richters gefällt werden. Die-
Situation der beim getrennt lebenden sem Prozedere ist unter allen Umständen
Elternteil befindlichen Kinder deutlich ver- der Vorzug vor der überlangen Dauer sol-
bessert werden. cher Verfahren zu geben. Es ist ein geeigne-
ter Weg um auf dem Gebiet des Obsorge-
Ein wesentlicher Teil des Rechtsunfriedens und Besuchsrechtsstreites eine Verbesse-
89
betreffend minderjährige Kinder wird auf rung zu bewirken.
deren Rücken dadurch ausgetragen, dass

Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung


Streitigkeiten über das Obsorgerecht wie Auch für das Rekursgericht ist eine Ent-
auch über das Besuchsrecht in vielen Fällen scheidungsfrist festzulegen. Diese soll bei
jahrelang nicht erledigt werden. drei Monaten liegen.

Der Grund für diese oft jahrelangen Verzö- 4.5.9) Ja zum Leben und Hilfe bei uner-
gerungen liegt vor allem darin, dass die von fülltem Kinderwunsch
den streitenden Parteien aufgestellten
Behauptungen und die damit zusammen- Eine ungewollte Schwangerschaft oder ein
hängenden Fragen des Kindeswohls im unerfüllter Kinderwunsch bringen vor allem
Bereich der Sachverhaltsermittlung nahezu Frauen in schwer bewältigbare Lebenssi-
prinzipiell von den Gerichten zu den Sach- tuationen. Junge schwangere Frauen haben
verständigen ausgelagert werden. oft nur die Wahl, entweder die Ausbildung,
den Beruf und die Karriere aufzugeben oder
In zahllosen Fällen kommt es durch die jahre- seelische Probleme infolge einer Abtreibung
lange Nichtentscheidung über ein Besuchs- in Kauf zu nehmen.
recht zu gar keinem Besuch. Der Primat des
„Kindeswohls" wird genau ins Gegenteil ver- Eine verpflichtende, soziale und psychologi-
kehrt und der Gesetzeszweck vereitelt. sche Beratung und Betreuung der betroffe-
nen Frauen, welche die standardisierten
Wir bekennen uns dazu, gegebenenfalls eine ärztlichen Untersuchungen ergänzt, hat
Lücke im Beweisverfahren hinzunehmen stattzufinden.
und unter Umständen auf ein Sachverstän-
digengutachten zu verzichten, um den Vor- Eine umfassende staatliche Hilfestellung bei
zug der schnelleren Entscheidung, die als der Entscheidung für das ungeborene Leben
lebensnah und vernünftig erachtet werden sowie die Unterstützung bei der Erfüllung
kann, sicherzustellen. des Kinderwunsches sind unerlässlich.

Ein Richter soll daher innerhalb einer Frist 4.5.10) Keine Gnade für Kinderschänder
von sechs Monaten zu einer Entscheidung
kommen. Damit ist nicht gesagt, dass Sach- Zum Schutz unserer Kinder ist es notwen-
verständigengutachten nicht eingeholt wer- dig, Verbrechen gegen Kinder strenger als
den dürften oder sollten. Jedoch sind sie bisher zu bestrafen. Das Schänden von Kin-
innerhalb der Frist des Gesetzes so recht- dern, die Kinderpornographie und das Ver-
zeitig einzuholen und bei Gericht abzugeben, nachlässigen und Misshandeln von Kindern
dass sie innerhalb der Frist als Beweismittel sind übelste und schwerste Verbrechen, die
dienlich sind. Liegt ein solches Gutachten strengstens geahndet werden müssen.
nicht vor, so muss die Entscheidung unge-
achtet des Nichtvorliegens des beantragten Viele Fälle von Kindesmisshandlungen fin-
Beweismittels nach bestem Wissen und den in der eigenen Familie statt. Dadurch
haben die Eltern und damit der oder die Rentenpolitik, sondern Generationenpolitik.
Täter die Möglichkeit, Anzeichen solcher Die Freiheitlichen wollen ein soziales und so-
Misshandlungen nach außen zu vertuschen. lidarisches Österreich für alle Altersgruppen.
Und zwar vor allem dann, wenn die Kinder Wir brauchen Generationensolidarität als wirk-
über einen längeren Zeitraum nicht von sames Mittel gegen Generationenkonflikte.
einem Arzt untersucht werden können.
90
Wir Freiheitlichen anerkennen die sozialen,
In der Mutter-Kind-Pass-Verordnung sind kulturellen, wirtschaftlichen und politischen
Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung

derzeit fünf Schwangerschaftsuntersuchun- Beiträge der älteren Generation und treten


gen und fünf Untersuchungen des Kindes für die Beteiligung älterer Menschen an Ent-
bis zum 14. Lebensmonat für den ungekürz- scheidungsprozessen auf allen Ebenen sowie
ten Bezug des Kinderbetreuungsgeldes die Mitwirkung an der demokratischen Wil-
durchzuführen. lensbildung und Politikplanung ein.

Bis zum 62. Lebensmonat sind vier weitere Unser Sozialsystem hat auf die Bedürfnisse
Untersuchungen vorgesehen. Diese unterlie- von Senioren besondere Rücksicht zu neh-
gen jedoch im Falle der Nichtdurchführung men. Bisherige Regierungen haben Senio-
keiner Kürzung von Familienleistungen. ren nur allzu deutlich als Bittsteller behan-
delt, welche der werktätigen Gesellschaft
Wir bekennen uns zu einer Ausweitung von hohe Kosten verursachen. Mit menschen-
Mutter-Kind-Pass Untersuchungen bis zum verachtender Salamitaktik wurden Pensio-
10. Lebensjahr, um Kindesmisshandlungen nen in der Vergangenheit eingefroren und
oder der Vernachlässigung von Kindern effi- die Zuschüsse des Staates zur Pensionsver-
zienter nachgehen zu können. sicherung möglichst gering gehalten. Dass
gerade diese Senioren unser Land aufge-
4.6) Senioren achten – baut und Kinder großgezogen haben, die
Lebenserfahrung würdigen jetzt unsere Gemeinschaft am Leben erhal-
ten und zudem selbst Beiträge in das Sozial-
4.6.1) Verdienste der Aufbaugeneration versicherungssystem einbezahlt haben, wird
allzu oft vergessen.
Der Anteil der älteren Bevölkerung wird
europaweit zunehmen. Daher wird unsere 4.6.2) Schlechterstellung im ASVG
Gesellschaft ihr Gesicht in den nächsten
Jahrzehnten verändern. Es ist aber keines- Vergleicht man die Zuschüsse des Staates
wegs eine „alternde“ Gesellschaft. Denn an die Pensionisten nach dem ASVG, dem
unsere Senioren befinden sich zu einem die Masse der Pensionsbezieher unter-
beträchtlichen Teil nicht im wörtlich ver- liegt, mit den Zahlungen an Pensionen
standenen Ruhestand, sie sind überaus aus dem öffentlichen Bereich, so ist nach-
aktiv. vollziehbar, dass jede weitere Kürzung
oder sonstige Schlechterstellung von
Den demographischen Wandel begreifen wir Pensionen nach ASVG strikt abzulehnen
Freiheitliche als spezielle Herausforderung. ist. Im Rahmen des Drei-Säulen-Modells
Er enthält eine Reihe von Chancen und (staatliche Vorsorge – private Vorsorge –
bedeutet für den einzelnen - viel stärker als betriebliche Vorsorge) muss es zu einer
früher - ein langes Leben selbst gestaltend Harmonisierung der Systeme in der staat-
und selbstbewusst zu führen. lichen Säule kommen.

Seniorenpolitik ist daher nicht mehr reine


4.6.3) Lebensabend ohne Armut
Dass gerade diese Bevölkerungsgruppe
Die Rente bzw. die Pension ist der verdiente besonderen Schutzes bedarf, beweisen die
Lohn für die Lebensleistung. Damit der dritte unzureichenden Erhöhungen der letzten
Lebensabschnitt aktiv gestaltet werden kann, Jahrzehnte. So lagen die Pensionssteige-
brauchen die Menschen im Alter wirtschaftli- rungen in der Vergangenheit meist unter
91
che Sicherheit. Der Generationenvertrag, bei der Inflationsrate, was zu einer schleichen-
dem die heute Erwerbstätigen die aktuellen den Verarmung der Pensionisten führte.

Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung


Rentenzahlungen finanzieren, ist die Basis Zusätzlich ist zu beachten, dass Pensioni-
unserer heutigen Altersversorgung. sten einen spezifischen Warenkorb nach-
fragen (Wohnen, Heizkosten, Nahrungsmit-
Die FPÖ bekennt sich zum Drei-Säulen- tel, öffentlicher Verkehr, etc.), der in einem
Modell, zum Umlageverfahren und zu einer höheren Ausmaß von Preissteigerungen
Harmonisierung der Pensionssysteme. betroffen ist, als der allgemeine Waren-
korb, in dem billiger werdende „Zeitgeist-
Durch die Möglichkeit freiwillig höherer Bei- artikel" (Computer, Telefon,...) die Inflati-
tragszahlungen soll jeder Versicherte in onsrate dämpfen.
Eigenverantwortung seine spätere Pensions-
höhe auch selbst mitgestalten können. Der Für eine effektive gesellschaftliche und poli-
Mehrbetrag fließt nicht ins Umlageverfahren tische Partizipation älterer Menschen bedarf
sondern kommt dem einzelnen Beitragszah- es starker Seniorenverbände. Dachorgani-
ler direkt zugute. Diese freiwillige Mehrlei- sation aller großen österreichischen Senio-
stung verringert die Steuerbemessungs- renorganisationen ist der Österreichische
grundlage und wäre daher überaus attraktiv. Seniorenrat.

Wesentlich ist weiters eine Bonifikation Gemäß Bundes-Seniorengesetz ist der


des Nachwuchses im Rahmen des Pensi- Seniorenrat „in Angelegenheiten, welche die
onssystems. Wer für Kinder Verantwor- Interessen der österreichischen Senioren
tung übernommen hat, soll davon auch im berühren können, den gesetzlichen Interes-
Alter profitieren. Kinder als zukünftige senvertretungen der Dienstnehmer, der
Beitragszahler sind die Grundlage des Wirtschaftstreibenden und der Landwirte
Umlageverfahrens. gleichgestellt“, eine echte Anerkennung als
5. Sozialpartner wurde bisher verweigert. Sie
4.6.4) Interessenvertretung scheitert am Widerstand der Wirtschafts-
für unsere Senioren kammer und des ÖGB, die um ihr Verhand-
lungsmonopol bangen. Damit wird der
Im September 2006 gab es in Österreich Österreichische Seniorenrat als gesetzlicher
knapp 2,2 Millionen Personen, die eine Pen- Interessenvertreter der älteren Generation in
sion oder Rente aus der Sozialversicherung Österreich permanent missachtet. Die FPÖ
bezogen (ohne pragmatisierte und ähnliche setzt sich für eine gesetzliche Gleichstellung
öffentlich Bedienstete). Während die ver- des Österreichischen Seniorenrates mit den
schiedensten Berufsgruppen in Österreich anderen Sozialpartnern ein.
eine Interessenvertretung haben, die in Kol-
lektivverhandlungen versucht, für die von Zu berücksichtigen ist außerdem eine
ihnen Vertretenen ein bestmögliches Ergeb- Gleichstellung der Senioren im Rahmen der
nis auszuhandeln, sind die österreichischen Mitbestimmung mit den Arbeitnehmer- und
Pensionisten nur unzureichend vertreten. Arbeitgebervertretern in allen Selbstverwal-
tungskörpern der Sozialversicherung. Die nünftigen und am Menschen orientierten
FPÖ schlägt vor, dazu eine eigene Senioren- Politik sein.
kurie zu schaffen. Pensionistinnen und Pen-
sionisten sind Beitragszahler und Leistungs- Eine Berücksichtigung des aus den Fugen
empfänger, daher ist eine volle Mitbestim- geratenen Verhältnisses zwischen Lebens-
mung sachlich geboten und gerechtfertigt. arbeitszeit und der Nichtarbeitszeit (Kind-
92
heit, Ausbildung, Pension) bedingt, dass der
4.6.5) Der Pensionistenpreisindex Arbeitsmarkt den reichen Schatz an Lebens-
Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung

erfahrung würdigt und berücksichtigt, wenn


Seit die Statistik-Austria im Auftrag des der individuelle Gesundheitszustand den
Österreichischen Seniorenrates einen eige- Verbleib im Arbeitsprozess ermöglicht.
nen Pensionisten-Preisindex berechnet, ist
eindeutig erwiesen, dass das tägliche Leben Wer in seinem Beruf ein Leben lang kör-
der Pensionisten teurer ist, als das eines perliche Schwerstarbeit geleistet hat, ist
aktiv Erwerbstätigen. jedoch oftmals nicht in der Lage, seinen
erlernten Beruf im fortgeschrittenen Alter
Damit ist aber auch klar, dass die Politik den auszuüben.
natürlichen Bedürfnissen dieser Menschen
entsprechen muss und Pensionsanpassun- 4.6.7) Zocken mit dem Geld
gen nur auf Basis des Pensionisten-Index der Pensionisten
berechnet werden dürfen.
Anzumerken bleibt, dass auch das von der
Bundesregierung forcierte Kapitaldek-
4.6.6) 45 Jahre sind genug kungsverfahren von der besorgniserregen-
den demographischen Entwicklung direkt
Grundsätzlich ist auf Basis der uns heute betroffen sein wird. Diese Form der Alters-
bekannten Rahmenbedingungen anzustre- vorsorge beruht auf dem Ansparen eines
ben, dass der herrschende Grundsatz, nach Kapitalstocks mit Hilfe des Kapitalmarkts,
45 Arbeitsjahren ohne Abschläge in Pension der dann nach versicherungsmathemati-
gehen zu können, auch weiterhin aufrecht schen Gesichtspunkten zur Versorgung im
erhalten bleibt. Nicht zuletzt diesem Ziel Alter herangezogen wird.
sollen auch die familienpolitischen Vor-
schläge in diesem Programm dienen. Die Wertentwicklung des investierten Kapi-
tals hängt jedoch direkt von der Nachfrage
Wir sind außerdem davon überzeugt, dass ab und diese korreliert wiederum mit der
eine künstliche Anhebung des Pensionsan- Anzahl der Erwerbstätigen, die nun ihrer-
trittsalters völlig sinnlos ist, weil der seits für ihre Altersvorsorge ansparen.
Arbeitsmarkt keine ausreichenden Alterna- Übersteigt jedoch das Volumen der von Pen-
tiven zum Pensionsbezug anbietet. Was hat sionsbeziehern dem Kapitalmarkt entzoge-
es für einen Sinn, wenn Menschen statt in nen Mittel jenes der Nachfrage durch die
Pension zu sein als arbeitslos gelten? Es Erwerbstätigen, so bewirkt dies einen enor-
profitiert nur der Staat, der in Zukunft an die men Druck auf die Marktpreise der zur Ver-
Betroffenen geringere Pensionen auszube- anlagung herangezogenen Wertpapiere und
zahlen hat. Das ist ein Weg, der von der FPÖ vernichtet auf diese Weise jede Chance
nicht unterstützt wird. Eine Umschichtung eines Vermögensaufbaus für die nachfol-
potentieller Pensionsbezieher in die Alters- gende Generation, sofern sich diese einen
arbeitslosigkeit kann kein Mittel einer ver- solchen im Rahmen ihrer beständig sinken-
den Arbeitseinkünfte überhaupt leisten schlossen, der Würde älterer Menschen
kann. mehr Anerkennung zu verschaffen und alle
Formen von Vernachlässigung, Misshand-
Das Kapitaldeckungsverfahren erweist sich lung und Gewalt, zu beseitigen.
unter Berücksichtigung der prognostizierten
demographischen Entwicklung als unredli- Trotz höherer Lebenserwartung, trotz
93
ches Pyramidenspiel auf Kosten kommender immer besser werdender medizinischer
Generationen von Pensionsbeziehern. Es Versorgung und damit verbundener höherer

Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung


kann bestenfalls eine gewisse Ergänzung zur körperlicher Leistungsfähigkeit im Alter,
Grundversorgung nach dem Umlageverfah- geht die gesellschaftliche Wahrnehmung
ren sein und bietet keine Sicherheit. Die FPÖ dieses Lebensabschnitts in die gegensätzli-
lehnt eine Spekulation mit der Altersvorsorge che Richtung. Wir müssen weg von einem
ganzer Generationen entschieden ab. Bild, welches Älterwerden mit Hilfs- und
Pflegebedürftigkeit, Armut, Senilität oder
4.6.8) Misslungene Gebrechlichkeit gleichsetzt.
Schwerarbeiterregelung
Einsamkeit und Isolation schränken die
Eine besonders unsoziale Vorgangsweise Lebensqualität erheblich ein. Dies betrifft
wurde von der Bundesregierung im Rahmen insbesondere ältere Frauen. Durch Angebo-
der Schwerarbeiterregelung gewählt. Diese te der kulturellen und gesellschaftlichen
sieht vor, dass Schwerarbeit vorerst nur dann Teilnahme und der Stärkung der ambulan-
berücksichtigt wird, wenn sie in den letzten 20 ten Betreuung wollen wir diesem Problem
Berufsjahren für eine Dauer von zumindest 10 wirksam begegnen.
Jahren geleistet wurde. Und auch in diesem
Fall kann man nicht abschlagsfrei mit 60 in Die Seniorenpolitik soll nach unseren Vorstel-
Pension gehen. Die Pension wird - trotz Einstu- lungen auf die Bedürfnisse dieser neuen Gene-
fung als Schwerarbeiter - um 9 Prozent ration von älteren Mitbürgern zugeschnitten
gekürzt. Die FPÖ bekennt sich daher zu einer und neu formuliert werden. Engagement kennt
neuen Schwerarbeiterregelung, die eine keine Altersgrenzen. Auch im Arbeitsleben
gerechte Anerkennung von Schwerarbeit für muss der derzeitigen Entwicklung entgegen-
Frauen und Männer sicherstellt und garantiert, getreten werden, Menschen nur bis zum Alter
dass Schwerarbeiter auf Grundlage notwendi- von 45 Jahren einzustellen. Wenn in der Folge
ger Versicherungszeiten ohne Abschläge mit nur noch 40 Prozent der Erwerbstätigen zwi-
60 Jahren einen Pensionsanspruch erhalten. schen 55 und 60 eine Beschäftigung haben,
sind die Weichen - volkswirtschaftlich kata-
4.6.9) Abschaffung der strophal – völlig falsch gestellt.
Seniorendiskriminierung
4.6.10) Förderung der Altersmobilität
Die Altersdiskriminierung muss in allen
Bereichen des gesellschaftlichen Lebens Zur Aufrechterhaltung bzw. Förderung der
vollständig abgeschafft werden. Wir Frei- Altersmobilität fordern wir, dass öffentliche
heitlichen bekennen uns zum Internationa- Nahverkehrsmittel in der Pension frei
len Aktionsplan von Madrid über das Altern benutzbar sein sollten, wie es bereits in eini-
2002 (Artikel 5), in dem festgeschrieben ist, gen EU-Mitgliedstaaten der Fall ist.
dass alles unternommen wird, alle Formen
der Diskriminierung, namentlich die Alters- Für alle anderen öffentlichen Verkehrsmittel ist
diskriminierung, zu beseitigen. Wir sind ent- für Senioren ein reduzierter Tarif anzubieten.
4.6.11) Mehrere Generationen soll kontrolliert werden, ob die Vorausset-
unter einem Dach zungen erfüllt werden.

Unsere Gesellschaft sieht sich damit kon- Von dieser Maßnahme profitieren nicht nur
frontiert, dass viele Kinder die meiste Zeit im Eltern, Kinder und Senioren, sondern auch
Ganztagskindergarten und zahlreiche Senio- die öffentliche Hand, denn dadurch sinkt der
94
ren ihren Lebensabend im Heim verbringen. Bedarf an Senioren- und Pflegeheimplätzen.
Der augenscheinliche Grund dafür liegt darin,
Familie, Generationen und Bevölkerungsentwicklung

dass oftmals beide Elternteile eines Kindes 4.7) Zukunft der Jugend –
berufstätig sind, ihre Kinder im Kindergarten Jugend der Zukunft
und die Eltern im Seniorenheim „abgeben".
Österreichs Zukunft liegt in der Hand unse-
Früher haben - etwa in der Landwirtschaft, rer Kinder. Ihnen einen guten Start ins
aber auch in anderen Bereichen - beide Leben durch gute Rahmenbedingungen in
Elternteile ganztags gearbeitet, ohne auf Kindheit und Jugend sicherzustellen, dem
eine kostenpflichtige Ganztagsbetreuung für gilt unser besonderes Augenmerk.
Eltern und Kinder angewiesen zu sein.
Damals haben in der Regel nämlich mehre- Die Bewältigung dieser Aufgaben erfordert
re Generationen unter einem Dach gewohnt. eine gesunde, gut ausgebildete und lei-
stungsbewusste Jugend. Sie bedarf unseres
Profitiert davon haben alle: Die ältere Gene- gelebten Vorbildes und eines besonderen
ration hat sich mit den Enkelkindern Schutzes. Freiheitliche Jugendpolitik will
beschäftigt, wodurch die Eltern Zeit für den durch ausgewogene Schulung der körperli-
Broterwerb hatten. Die Enkelkinder konnten chen, geistigen und seelischen Anlagen der
von der Lebenserfahrung der Großeltern Jugendlichen und durch persönliches Vorle-
profitieren und der Umgang mit jungen ben der Erwachsenen ausgeglichene Per-
Menschen hat diese wiederum in Schuss sönlichkeiten heranbilden, die wachsam auf
gehalten und war Balsam für deren seeli- jede Verletzung der Freiheit reagieren und
sche Gesundheit. aktiv für deren Erhaltung eintreten.

Um diese Form des Zusammenlebens zu Es ist Aufgabe verantwortungsbewusster


fördern, soll es künftig eine besondere Politik, besonders Jugendliche vor Alkohol-,
Unterstützung für den Bau von Generatio- Nikotin- und Drogenmissbrauch zu schüt-
nenwohnhäusern oder den Umbau von Häu- zen. Ebenso kommt es uns zu, die Jugend
sern zu Generationenwohnhäusern geben, vor jenen Depressionen, die Arbeitslosigkeit,
in denen Eltern, Kinder und Großeltern unter Chancenlosigkeit sowie existentielle Ängste
einem Dach wohnen. Diese Förderung soll und Nöte mit sich bringen, zu bewahren.
mit einem unbürokratischen Einmalzu- Jugendarbeitslosigkeit ist mit allen zu Gebo-
schuss des Bundes realisiert werden. te stehenden Mitteln zu bekämpfen.

Voraussetzungen für die Gewährung dieser Das Ziel freiheitlicher Jugendpolitik ist der
Unterstützung sind der Nachweis, dass aufgeklärte, unabhängige und mündige
Großeltern bzw. Großvater oder Großmutter Staatsbürger, ausgestattet mit all jenen
bzw. Urgroßeltern tatsächlich im gleichen Kenntnissen und Fähigkeiten, die notwendig
Haus wohnen und dass das Haus den Min- sind, um in unserer vielgestaltigen Gesell-
destansprüchen von Barrierefreiheit gerecht schaft als charakterlich gefestigter, freier
wird. In stichprobenartigen Überprüfungen Mensch bestehen zu können.
95

Notizen
Wohlstand und Arbeitswelt
Freiheit bedingt finanzielle Unabhängigkeit und eine gerechte Teilung mög-
lichst geringer Steuerlasten.
97

Wohlstand und Arbeitswelt


5.1) Wirtschaftspolitik einer den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Wir
patriotischen, liberalen und bauen auf die Eigeninitiative und die Beloh-
nung von Leistung als grundlegende Werte,
sozialen Partei
da diese Prinzipien - unter Setzung geeigne-
Die FPÖ versteht sich auf Basis ihrer sozial- ter Rahmenbedingungen - die bestmögliche
philosophischen Grundlagen als patrioti- Wohlfahrt für alle garantieren. Der öffentli-
sche, liberale und soziale Partei. Diese che Einfluss gilt als notwendiges Mittel zum
Werte verkörpern auch die festen Grund- höchsten Ziel und nicht als Wert an sich und
pfeiler und die weltanschaulichen Prinzipien ist folglich auf den unbedingt notwendigen
freiheitlicher Wirtschaftspolitik. Umfang zu beschränken. Dieser Einfluss
muss vor allem dort zur Geltung kommen,
5.1.1) Die nationale Komponente wo es um Allgemeininteressen der Bürger
geht, die der Einzelne von sich aus nicht
Die patriotischen Grundsätze begründen für oder in nicht befriedigendem Umfang bewäl-
die FPÖ einen absoluten und eindeutigen tigen kann.
Interessensvorrang des eigenen Volkes und
des eigenen Staates. Die Wirtschaft hat für 5.1.3) Unsere soziale Verantwortung
den Staat und das Volk die materiellen
Grundlagen für eine gedeihliche Entwick- Ihre soziale Überzeugung bringt für die FPÖ
lung und ein angemessenes Leben im Wohl- diese gegensätzlichen Prinzipien in Ein-
stand zu besorgen. Nicht radikaler und klang. Auch wenn dem Einzelnen größtmög-
grenzenloser Egoismus und Hedonismus licher Spielraum zur Selbstverwirklichung
gelten der FPÖ als Ziel, sondern eine wir- überlassen werden soll, so muss jedem
kungsvolle Zusammenfassung aller schöp- Individuum doch klar sein, dass der Mensch
ferischen Kräfte in unserer Heimat zum als zoon politikon in Interaktion mit der
gemeinsamen Nutzen. Durch die Wirtschaft Gemeinschaft lebt und für das Fortkommen
soll das Fortkommen der Gemeinschaft dieser Gemeinschaft mitverantwortlich ist.
gestützt werden, und die Gemeinschaft bil- Wir bekennen uns zu einer nach Leistungs-
det alle Teile des Staates und des Volkes. fähigkeit und Gemeinschaftlichkeit abge-
Den besten Rahmen dafür bietet ein genera- stuften Mitwirkung aller bei Erhalt und
tionenübergreifend agierender, auf Nach- Finanzierung des Staates und der öffentli-
haltigkeit ausgerichteter Nationalstaat, der chen Leistungen, um jedem Mitglied unse-

5
als echte Solidargemeinschaft konzipiert ist. res Staates und unseres Volkes ein men-
schenwürdiges und gemeinschaftlich behü-
5.1.2) Das liberale Verständnis tetes Leben zu ermöglichen.

Das liberale Verständnis der FPÖ betont die 5.1.4) Wirtschaftstheorie


grundlegende Freiheit des Einzelnen und
sein Interesse, seine Entwicklung gemäß Die wirtschaftstheoretischen Strömungen
des (realwirtschaftlichen) Marktfundamen- konkreten historischen Bedingungen (feste
talismus und des (geldwirtschaftlichen) Währungsrelationen, USD als Verrech-
Monetarismus finden seit den 1980er Jahren nungswährung von Rohstoffen, Vietnam-
verbreitet politische Anwendung und gelten krieg etc.) abstellte, sich aber kaum auf
für viele als Gipfel des derzeitigen Erkennt- andere Staaten unter völlig abweichenden
nisstandes in den modernen Wirtschaftswis- Rahmenbedingungen umlegen lässt. Die
98
senschaften. Viele aus diesen Theorien wirtschaftspolitische Umsetzung marktfun-
abgeleitete Maßnahmen wurden nicht damentalistischer und monetaristischer
Wohlstand und Arbeitswelt

zuletzt in den Staaten der Europäischen Strömungen erwies sich historisch nur für
Union und somit auch in Österreich politisch ein dominantes Leitwährungsland wie bspw.
durch- und umgesetzt. die USA oder im europäischen Raum die
BRD zwischen 1973 und 1992 als gangbarer
In ihrer modernen Ausprägung gehen die Weg. Unter den modernen Rahmenbedin-
beiden Strömungen auf die Arbeiten des US- gungen offener Kapitalmärkte und des
amerikanischen Ökonomen Milton Friedman ungezügelten internationalen Wettbewerbs
zurück. Friedman verfasste in den 1960er zeitigen sie vor allem eine unerwartet starke
und 1970er Jahren eine Reihe von Schriften, und unsoziale Umverteilungswirkung von
welche sich kritisch mit dem seit 1944/45 Arm zu Reich und führen zu teils extremen
etablierten Wirtschafts- und Währungssy- ökonomischen Schieflagen mit einer drama-
stem der westlichen Welt auseinandersetz- tischen Entwicklung bei öffentlicher und pri-
ten. Er geißelte die Folgen des auf US-ame- vater Verschuldung, Arbeitslosigkeit, Kon-
rikanisches Betreiben ohnehin nicht im sumentenvertrauen und sozialer Sicherheit.
ursprünglich erdachten Sinn umgesetzten
Währungssystems von Bretton Woods eben- Die fundamentalistische Ablehnung staatli-
so wie jene der praktizierten Wirtschaftspo- cher und damit gleichzeitig demokratisch
litik des Keynesianismus als für die USA legitimierter Interventionen in das Wirt-
äußerst nachteilig, auch wenn die realisier- schaftsgeschehen und das blinde Vertrauen
ten keynesianistischen Maßnahmen in den in die Regelungsmacht des Marktes erwei-
unmittelbar auf den Zweiten Weltkrieg fol- sen sich zunehmend als ungeeignetes Kon-
genden Jahrzehnten einen bis dato nie zept, den Anforderungen moderner Wirt-
gekannten wirtschaftlichen Aufschwung in schaftspolitik gerecht zu werden. Wenigen
weiten Teilen der Welt mit sich brachten. Gewinnern des Systems steht eine Masse an
Allerdings wurden in seinen Arbeiten – Verlierern gegenüber, die um Rechte und
ebenso wie in diversen Vorgängerwerken Hoffnungen betrogen wurden, und deren
der klassischen und neoklassischen Schu- Perspektivlosigkeit sich alsbald durch extre-
len - etliche wesentliche Einflussfaktoren mistische Strömungen destabilisierend auf
auf das wirtschaftliche Geschehen teilweise das politische System auszuwirken droht.
oder völlig vernachlässigt oder in falscher Marktfundamentalismus und Monetarismus
Form berücksichtigt, was in Folge zu Resul- zeigen eine plutokratische und antidemo-
taten mit eingeschränktem Nutzwert führen kratische Tendenz und führen zu weitrei-
musste. chender Beschneidung demokratisch legiti-
mierter und politisch motivierter öffentlicher
Im Besonderen wird durch den gegenwärti- Eingriffsmöglichkeiten.
gen Stand der Wirtschaftstheorie der
Umstand missachtet, dass das Fried- Sowohl aus gesellschaftlichen als auch aus
man´sche Konzept speziell auf die Situation politisch-patriotischen Gründen sind Markt-
des Leitwährungslandes USA unter ganz fundamentalismus und Monetarismus abzu-
lehnen. Die österreichische Politik hat nicht Zielvorstellung muss vor allem im Hinblick
nur die wesentliche Aufgabe, das Land und auf die kulturelle Vielfalt, die Versorgungssi-
seine Bevölkerung bestmöglich vor den cherheit, die individuelle Freiheit und eine
nachteiligen Auswirkungen fehlgeleiteter intakte Umwelt die Solidargemeinschaft
Ideologien zu schützen, sondern auch inter- eines Volkes auf der Basis eines anerkann-
national und auf unionseuropäischer Ebene ten und generationenübergreifend agieren-
99
falsch verstandene Liberalisierungsschritte den Nationalstaates langfristig abgesichert
mit dem beschriebenen, potentiell gefährli- werden.

Wohlstand und Arbeitswelt


chen Hintergrund zu verhindern.
Internationaler Handel und Kooperation ste-
Andererseits wird der Keynesianismus nur hen a priori nicht im Widerspruch zu diesem
allzu leicht dazu missbraucht, Sozialleistun- solidarischen Grundkonzept. Die FPÖ
gen zulasten jüngerer Generationen zu erkennt die grundsätzlich friedens- und
finanzieren, wie es nicht zuletzt auch in wohlfahrtstiftende sowie effizienzsteigernde
Österreich lange Jahre praktiziert wurde. Funktion der internationalen Arbeitsteilung
Auch mit interventionistischer Alibipolitik, an. Auswüchse, welche jedoch in ihrer Kon-
die hauptsächlich auf zusätzliche Staatsver- sequenz das gesamte, seit Jahrhunderten
schuldung ausgerichtet ist, wird es nicht errichtete und erstrittene kontinentaleuro-
gelingen, für die Arbeitslosen in Österreich päische Gesellschaftsmodell zu unterwan-
und Europa eine adäquate und produktive dern geeignet sind, werden von der FPÖ ent-
Beschäftigung zu generieren. schieden abgelehnt und politisch bekämpft.

5.1.5) Der Weg der FPÖ Entgegen immer wieder erhobener Behaup-
tungen ist die Globalisierung kein unab-
Im Sinne der Nachhaltigkeit strebt die FPÖ wendbares Naturgesetz, sondern entspricht
daher eine an den konkreten Herausforde- einem politischen Willen, der sich in konkre-
rungen der Zeit orientierte und nicht von ten politischen Handlungen und internatio-
ideologischen Vorbehalten kompromittierte nalen Regelwerken niederschlägt. Die wirt-
Wirtschaftspolitik mit einem über den Kon- schaftliche Globalisierung ist insbesondere
junkturzyklus ausgeglichenen Budget an. von der Idee des weltweiten Freihandels
Jede historische Konstellation benötigt ihre getragen, welcher wiederum seine vertragli-
eigenen politischen Antworten, und zu deren che Basis in den Prinzipien der Welthan-
Findung ist das gesamte, umfangreiche delsorganisation WTO besitzt. Die WTO hef-
Repertoire der Wirtschaftswissenschaft her- tet sich bezeichnenderweise als oberstes
anzuziehen und von ideologisch motivierten Prinzip die Nicht-Diskriminierung von
Einschränkungen zu befreien. Waren auf ihre Fahnen und erhebt dieses
dadurch – von der ideologischen Werthaltig-
5.1.6) Globalisierung und keit her betrachtet - über die philosophi-
internationaler Handel schen Grundwerte der Humanität, der Frei-
heit und der Verteilungsgerechtigkeit.
Das ausgehende 20. und das beginnende 21.
Jahrhundert standen und stehen im Zeichen Die Europäische Union kann in dieser Hin-
der Globalisierung und Europäisierung. sicht als eine Art Welthandelsorganisation
Diese Phänomene haben mitunter sehr auf kontinentaler Ebene betrachtet werden.
negative Ergebnisse und Entwicklungen mit Ihr kommt die ambivalente Eigenschaft zu,
sich gebracht und bedürfen daher dringend durch ihren kontinentalen Charakter einer-
einer grundsätzlichen Neubewertung. Als seits gravierenden Negativfolgen der Globa-
lisierung gegensteuern zu können, anderer- Wirtschaft überwiegend den Großkonzernen
seits gehorcht sie aber aus nationalstaatli- zugute kam. Um diese im Land zu halten und
cher Perspektive denselben Prinzipien wie als Standort attraktiv zu bleiben mussten sie
die WTO und trägt ebenso wesentlich zu nach Ansicht der Bundesregierung steuerlich
einer Beschränkung der Gestaltungsmög- weiter entlastet werden. Die mittelständische
lichkeiten demokratisch legitimierter Politik Wirtschaft und die Arbeitnehmer gingen nicht
100
nationaler Parlamente bei. nur weitgehend leer aus, sondern finanzier-
ten vielmehr diese Steuerreform, um
Wohlstand und Arbeitswelt

Vom weltweiten Freihandel profitieren unter dadurch in weiterer Folge ihre Absatzmärkte
den gegebenen Rahmenbedingungen vor und ihre Arbeitsplätze gefährdet zu sehen.
allem multinationale Konzerne, indem sie Plünderung von Volksvermögen, Beeinflus-
heimische Produktionsstätten in Billiglohn- sung und letztlich Erpressung des österrei-
länder auslagern, dort ursprünglich hierzu- chischen Staates ist den multinationalen
lande entwickelte Produkte ohne entspre- Konzernen eindrucksvoll gelungen.
chende Sozial-, Rechts- und Umweltstan-
dards zu einem Bruchteil der Kosten ferti- Die ökonomischen Folgen zeigen sich in vie-
gen und dieselben dann zulasten der ver- len Ländern in Form steigender Arbeitslo-
bliebenen heimischen Produzenten und sigkeit, einer dramatischen Wachstums-
Arbeitsplätze wieder reimportieren. Darüber und Nachfrageschwäche, unübersehbaren
hinaus wird es den Konzernen ermöglicht, Tendenzen zur Einschränkung des Wettbe-
legitim mit ihren ständig weiter wachsenden werbs zu Lasten der Konsumenten, einer
Rekordgewinnen in Steueroasen auszuwei- bedenklichen Abnahme der Versorgungssi-
chen und sich auf diese Weise der Besteue- cherheit, einem ständig stärkeren Ausein-
rung in ihren ursprünglichen Herkunftslän- anderklaffen der Schere zwischen Arm und
dern und damit der Erbringung eines ange- Reich mit teils großen Einbußen im Lebens-
messenen Anteils an der allgemeinen Wohl- standard breiter Bevölkerungsschichten, im
fahrt zu entziehen. Diese Mittel werden in zunehmenden Aufkommen sozialer
der Folge zu einem beträchtlichen Ausmaß Ungleichheit sowie einer sich stetig verstär-
in Finanzspekulation und nicht in die heimi- kenden Umverteilung von unten nach oben.
sche Volkswirtschaft investiert und fehlen Moderne (atypische bzw. prekäre) Arbeits-
folglich dem inländischen Wirtschaftskreis- beziehungen erinnern teilweise auch im
lauf auf der Nachfrageseite. Die multinatio- hoch qualifizierten Bereich an die frühkapi-
nalen Konzerne haben sich durch diese talistischen Ausbeutungsverhältnisse des
Handlungsweise von der Solidargemein- 19. Jahrhunderts. Die europäischen Volks-
schaft verabschiedet und müssen durch wirtschaften konzentrieren sich zunehmend
politische Maßnahmen zur Beschränkung auf den Dienstleistungssektor und eine aus-
des gegenwärtig vollkommen unfair ausge- ufernde, sich zusehends von den Bedingun-
stalteten Freihandelsregimes ihrem Dasein gen der Realwirtschaft abkoppelnde Finanz-
als Selbstzweck entwöhnt und wieder zu spekulation an den Börsen, während die
ihrer angestammten Rolle als Mitglieder des produktive landwirtschaftliche, gewerbliche
nationalen Wirtschaftskreislaufs zurückge- und industrielle Basis unter den unfairen
führt werden. globalen Wettbewerbsbedingungen zusam-
menzubrechen droht. Durch die Marktkon-
Die globalisierte Wirtschaft bildete weiters zentration bekommen immer größere Kon-
die Rahmenbedingung, mit welcher in Öster- zerne immer mehr Einfluss auf die Politik,
reich die Steuerreform 2005 begründet was sich in Form des verbreiteten Lobbyis-
wurde, die zu Lasten der mittelständischen mus und der unverblümten, demokratiewid-
rigen Einflussnahme auf die Gesetzgebung, Masse an der in Umsetzung befindlichen
besonders auf unionseuropäischer Ebene, eingeschränkten Globalisierung bereichern,
beobachten lässt. indem sie nationale Politikverantwortliche
nötigen, zu Lasten des Lebensstandards
Insbesondere in der mit der Globalisierungs- ihrer Bevölkerungen, auf ihre Rechte und
frage eng zusammenhängenden Zuwande- Einflussmöglichkeiten zu verzichten und
101
rungsthematik haben die politisch Verant- Staaten gegeneinander ausspielen. Steue-
wortlichen von SPÖ und ÖVP völlig versagt. rungsmaßnahmen über wirtschaftspoliti-

Wohlstand und Arbeitswelt


Die ausufernde Arbeitslosigkeit ist zu einem sche Eingriffe, das Abgabensystem oder die
guten Teil der in den Bereich gering qualifi- Rechtssetzung verlieren auf nationaler
zierter Beschäftigung strömenden Massen- Ebene sukzessive an Gestaltungsmöglich-
zuwanderung mangelhaft Ausgebildeter keiten, während die Optionen multinationa-
zuzuschreiben. Durch die gesellschaftliche ler Konzerne zur Steuerung ihrer Rentabili-
und gesamtwirtschaftliche Entwicklung tät und ihrer Profite ständig im Wachsen
bleibt im modernen Staatswesen jedoch begriffen sind. Die Folge ist eine weltweit zu
nicht genug gering qualifizierte Arbeit übrig, beobachtende, radikale Umverteilung von
um all die kaum ausgebildeten Wirtschafts- Arm zu Reich, sowohl zwischen Industrie-
flüchtlinge sinnvoll und erfolgreich aufneh- und Entwicklungsländern als auch zwischen
men und produktiv beschäftigen zu können. den einzelnen Bevölkerungsschichten
Ein weiterer Zuzug wenig qualifizierter aus- innerhalb der Staaten.
ländischer Arbeitskräfte ist daher umgehend
zu stoppen und die Arbeits- und Aufenthalts- Die FPÖ spricht sich als soziale Heimatpar-
erlaubnis für hier tätige bzw. arbeitslose tei nachdrücklich gegen alle Strömungen
Gastarbeiter in absehbarer Zeit auslaufen zu aus, die sich auf Kosten der arbeitenden
lassen, ehe Österreichs Sozialsystem durch Bevölkerung und des Produktionsfaktors
die auf diese Weise mit verursachten Proble- Arbeit bereichern und eine unsoziale
me nicht mehr finanzierbar ist. Umverteilung unter dem Deckmantel eines
angeblichen Wohlfahrtsgewinns für alle, der
Der ausufernde ökonomische Globalisie- jedoch erwiesenermaßen nur wenigen Glo-
rungsprozess ist ein untauglicher Versuch, balisierungsgewinnern in Chefetagen von
das Modell des uneingeschränkten Welt- Konzernen und an Börsen zugute kommt,
handels zum Nutzen aller zu verwirklichen. herbeiführen wollen.
Die vorherrschenden Umstände haben sich
seit der Entstehung derartiger Ideen im spä- 5.1.7) Die transatlantische
ten 18. bzw. frühen 19. Jahrhundert voll- Wirtschaftsgemeinschaft
ständig geändert. Zu beobachten ist und
bleibt eine unverhohlene Tendenz mächtiger Mit dem am 30. April 2007 in Washington
Lobbys und Einflussgruppen, nach Möglich- unterzeichneten Rahmenabkommen zur
keit nur jene Bereiche einer allgemeinen Errichtung einer transatlantischen Wirt-
Öffnung und Liberalisierung zu unterziehen, schaftsgemeinschaft droht Europa noch
die den eigenen Vorstellungen entsprechen mehr in die Abhängigkeit der USA zu geraten.
und andere Sphären, welche zum eigenen
Nachteil gereichen, davon auszuschließen. Es ist zudem problematisch, dass mit der
damaligen EU-Ratspräsidentin Merkel und
Vor allem sind es multinationale Konzerne Kommissionspräsident Barroso zwei für
und ihre politischen und institutionellen diesen Akt demokratisch nicht legitimierte
Handlanger, die sich auf Kosten der breiten Personen ein Abkommen unterzeichneten,
das für unsere Wirtschaft und für jeden rung neuer Märkte zugeschnittene Indu-
Österreicher weitreichende Folgen haben strie, auch darum zu gehen, den Europäern
könnte. endgültig die großflächige Freisetzung von
GVO-Saatgut aufzuzwingen. Die FPÖ warnt
Das Ziel des bis 2015 anvisierten transatlan- davor, die Verbindung zwischen harmoni-
tischen Binnenmarktes liegt auf der Hand: sierten Zulassungen und eines an US-Maß-
102
Großkonzerne sollen entlastet werden, billi- stäben orientierten Patentrechts mit den
ger produzieren und von Zöllen oder gegen- Aktivitäten der Gen-Industrie klein zu reden.
Wohlstand und Arbeitswelt

seitigen Kontrollen ungehindert Waren und


Dienstleistungen austauschen können. Die FPÖ setzt sich für die Unabhängigkeit
unseres Wirtschaftsraumes ein. Die transat-
Besonders betont wird in der am 30. April lantische Rahmenvereinbarung ist in der
2007 unterfertigten „Rahmenvereinbarung unterzeichneten Fassung mit diesem Ziel
zur Vertiefung der transatlantischen Wirt- nicht vereinbar.
schaftsintegration zwischen den USA und
der EU", neben dem freien Handel und dem 5.1.8) Spekulanten in den Vorstandsetagen
Wettbewerb, die „Achtung der Eigentums-
rechte", vor allem der geistigen Eigentums- Im Herbst 2007 wurde bekannt, dass sich die
rechte, sprich: von Patenten. vollständig in Staatseigentum befindlichen
Österreichischen Bundesbahnen mit Steu-
Während aber bezeichnenderweise die ergeld als Großspekulant auf den internatio-
Europäische Union eine Studie finanzierte, nalen Kapitalmärkten betätigten.
die bestehende Handels- und Investitions-
hemmnisse aufzeigen soll, werden vom Wie in ersten Verlautbarungen der ÖBB
Abbau solcher Hemmnisse vor allem US- publik gemacht wurde, bestanden zwischen
Konzerne profitieren. den ÖBB und der Deutschen Bank umfang-
reiche – und auch marktübliche – Finanzie-
Das Rahmenabkommen geht auf die Wirt- rungsvereinbarungen, beispielsweise zur
schaftsinitiative von EU und USA aus dem Anschaffung neuen Wagenmaterials. Der
Jahr 2005 zurück. Hier wurde bereits eine Umfang dieser Vereinbarungen machte etwa
verstärkte Kooperation bei Regulierungs- 613 Millionen Euro aus. Auf Basis dieser
und Standardisierungsfragen und beim Kundenbeziehungen ließ sich die ÖBB von
Schutz geistiger Eigentumsrechte vereinbart. der Deutschen Bank offenbar ein folgen-
schweres Arrangement aufdrängen: den
War die Europäische Kommission damals zumindest teilweisen Tausch der bestehen-
noch eher skeptisch gegenüber den Plänen den Finanzierungsvereinbarungen in eine
einer transatlantischen Freihandelszone, so neue, aus Sicht der ÖBB besser verzinsliche
hat sich diese Einstellung zwischenzeitlich Vertragsbeziehung, unter Einschluss einer
offenbar grundlegend geändert. Schon in Abnahmeverpflichtung von ABS.
den 1990er-Jahren gab es vergleichbare
Pläne, die damals am Widerstand Frank- Die Deutsche Bank entledigte sich um den
reichs scheiterten, weil eine totale US- Preis verschmerzbarer Einbußen bei ihren
Dominanz in den Bereichen Landwirtschaft, Zinserträgen einer signifikanten Anzahl von
Medien und Kultur befürchtet wurde. ABS-Papieren. Für eine kurzfristige Zinser-
sparnis von nicht einmal 3% des Geschäfts-
Tatsächlich scheint es den USA, neben volumens übernahm die ÖBB ein relevantes
generellen Vorteilen für ihre auf die Erobe- Paket an hochspekulativen Papieren, des-
sen Risikoposition man nicht einschätzen chend dem liberalen Grundverständnis
konnte. Der, in diesem Ausmaß wahrschein- seine Aufgaben auf ein vernünftiges Maß
lich nur eine erste Welle darstellende Wert- einzuschränken hat. Ein Staat, der sich in
berichtigungsbedarf, belief sich auf 80 Mil- einer makroökonomisch gesunden Situation
lionen Euro. befindet und gleichzeitig seine Bürger mög-
lichst wenig belastet, ist ein starker und
103
Die ÖBB befindet sich mit ihren Spekulati- anerkannter Staat und gilt der FPÖ als anzu-
onsgeschäften in den Fußstapfen des sei- strebendes Ziel. Die Notwendigkeit zur

Wohlstand und Arbeitswelt


nerzeitigen Milliardengrabes der VOEST- Selbstbeschränkung gilt in Österreich auch
Tochter Intertrading. Den Skandal komplet- für die Länder und Gemeinden. Vor dem Hin-
tiert die Tatsache, dass die ÖBB ihre Casino- tergrund eines dynamischen internationalen
geschäfte auch noch mit Steuergeld abwik- Umfeldes sollte die österreichische Budget-
keln, und wenn sie – wie im gegenwärtigen politik deshalb unter Wahrung der Solidari-
Fall – schief gehen, erneut auf Kosten des tät das Ziel eines ausgeglichenen Budgets
Steuerzahlers millionenschwere Betriebs- über den Konjunkturzyklus anstreben.
ausgaben in Form von Wertberichtigungen
oder Rückstellungsdotierungen geltend Grundlage freiheitlicher Budgetpolitik ist die
machen. Entlastung des Bürgers. Niedrige Steuern
sind Voraussetzung für eine blühende Wirt-
Die FPÖ spricht sich entschieden gegen schaft. Unsere Arbeitnehmer und Unterneh-
Spekulationsgeschäfte durch Unterneh- mer müssen in hohem Ausmaß selbst über
mungen aus, die sich mehrheitlich im Eigen- ihr Geld verfügen können, anstatt jeden
tum der öffentlichen Hand befinden. zweiten verdienten Euro dem Staat abzulie-
fern. Durch die Selbstbeschränkung des
5.2) Staatsfinanzen Staates auf seine eigentlichen Aufgaben sin-
ken Kosten für die Verwaltung, können Steu-
5.2.1) Ausgeglichenes Budget –
ern reduziert werden und es entstehen mehr
schlanker Staat
private Investitionen, mehr Arbeitsplätze
und mehr Wohlstand für alle. Jeder Euro
Die FPÖ strebt ein über den Konjunkturzy-
den der Staat ausgibt, muss zuerst von den
klus ausgeglichenes Budget an. Wir wollen
Österreichern erwirtschaftet werden.
nachfolgende Generationen nicht mit Schul-
den belasten.
Einer vom Österreichischen Institut für Wirt-
schaftsforschung (WIFO) erstellten Studie
Bisherige Steuerreformen haben dem Bür-
über den Personalaufwand des öffentlichen
ger aus einer Tasche jene Geldbeträge
Dienstes im internationalen Vergleich zufol-
genommen, die ihm in die andere Tasche
ge soll dieses — auf einem Vergleich mit der
gesteckt wurden. Umverteilung bringt auf
insoweit kostengünstigeren Verwaltung in
Dauer keine echte Entlastung. Wir brauchen
der Bundesrepublik Deutschland beruhende
Strukturreformen.
— Einsparungspotential bei rund 3,5 Mrd.
Euro liegen. Wobei die BRD keinesfalls ein
Sinn und Zweck des Staates ist es, dem in
idealtypisches Vorbild ist, da auch die dorti-
ihm lebenden Staatsvolk unter der Perspek-
gen Verwaltungskosten im internationalen
tive der Nachhaltigkeit optimale Lebensbe-
Vergleich als hoch anzusehen sind. Es ist
dingungen zu ermöglichen. Nachhaltige
davon auszugehen, dass in Österreichs Ver-
Maßnahmen für Unternehmen, Arbeitneh-
waltung langfristig ein Einsparungspotential
mer und Sozialstaat sind nur finanzierbar
von 4 Milliarden Euro zu lukrieren ist. Die
wenn der Staat erkennt, dass er entspre-
FPÖ unterstützt deshalb die im Rahmen des Ausgabenprogramme des Staates, um die
Verfassungskonvents bereits angedachten wirtschaftliche Zukunft Österreichs best-
Bestrebungen einer umfassenden Bundes- möglich zu sichern.
staatsreform, die die Strukturen für einen
modernen und leistungsfähigen Bundes- Im EU-Vergleich liegt Österreich im
staat verankern soll. Dabei ist entscheidend, „schlechten" oberen Drittel (Durchschnitt
104
überlappende Schnittstellen und Doppel- der EU-25 von 39,3 %). Österreich muss
gleisigkeiten zwischen den Gebietskörper- somit, als Hochsteuerland, eine geringere
Wohlstand und Arbeitswelt

schaften zu beseitigen. Die neue Verfassung Abgabenquote fixieren, um wettbewerbsfä-


sollte Grundlage für eine umfassende Ver- hig zu bleiben.
waltungsreform sein, welche die gemeinsa-
men Interessen von Bund, Ländern und Die Glaubwürdigkeit der Politik wird wesent-
Gemeinden, insbesondere aber der Steuer- lich gefördert, wenn die Regierung gezwun-
zahler und der Wirtschaft vereint, um den gen ist, explizite Ziele bekannt zu geben und
Verwaltungsaufwand zu reduzieren und dem ihre Budget- und Steuerpolitik danach aus-
Staat die Konzentration auf seine ursächli- zurichten. Wenn etwa verbindlich festgelegt
chen Aufgaben zu ermöglichen. wird, dass die Abgabenquote auf maximal 39
Prozent beschränkt wird.
5.2.2) Wirtschaftsverträglichkeit
und Folgekosten Wir bekennen uns zu einer Verringerung der
Abgabenquote von derzeit 42,2 Prozent auf
Entschlackung und Bürokratieabbau bedeu- maximal 39 Prozent. Diese Deckelung soll
ten mehr Leistung und sind Voraussetzun- im Rahmen einer Verfassungsbestimmung
gen für eine nachhaltige Reduktion der abgesichert werden.
Abgabenquote in Österreich. Die Befugnisse
des Staates sind klar zu definieren, Gesetze 5.2.4) Abschaffung der überflüssigen
hinsichtlich ihrer Praktikabilität und Kosten- Finanzprokuratur
effizienz anhand von Wirtschaftsverträglich-
keitsprüfungen und Folgekostenberechnun- Die Finanzprokuratur als quasi Anwalt der
gen zu überprüfen. Dabei ist schärfstens auf Republik hat ihre reale Bedeutung nur noch
eine Vereinheitlichung der über 100 ver- als Auffangbecken für Juristen. Die FPÖ for-
schiedenen Bemessungsgrundlagen im dert deshalb eine Abschaffung dieser Insti-
Steuer- und Sozialversicherungsrecht sowie tution, wobei wir uns der fachlichen Qualität
bei den Gemeindeabgaben zu achten. der Mitarbeiter durchaus bewusst sind.
Diese könnten in anderen Ministerien Ver-
5.2.3) Abgabenquote als wendung finden. Mittelfristig wird ein Perso-
Verfassungsbestimmung nalabbau durch den natürlichen Abgang
angestrebt.
Die Abgabenquote ist ein Indikator für die
Belastung der Bevölkerung durch den 5.2.5) Der Höllenhund als Hüter
öffentlichen Sektor. unserer Staatsfinanzen

Eine niedrige Abgabenquote ist Ziel freiheit- Derzeit wickelt die Republik Österreich
licher Budgetpolitik. Dabei geht es jedoch Transaktionen in der Höhe von acht Milliar-
nicht allein um eine langfristige Verringe- den Euro mit der vom US-Fonds Cerberus
rung der Belastungen, sondern auch um übernommenen ehemaligen Gewerk-
eine Neugestaltung der Einnahmen- und schaftsbank „BAWAG-PSK" ab. Die Führung
der Staatskonten durch die BAWAG-PSK ist nicht in der dienstleistungsmäßigen Basis-
nicht zuletzt aus Datenschutzgründen (Exe- versorgung der Bevölkerung tätig sind, aus-
kutierung von US-Recht) zu überdenken. Die drücklich zu begrüßen. Dieses Konzept soll
FPÖ setzt sich für eine Neuausschreibung nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg der
der Staatskontenführung ein. Unternehmen im Wettbewerb und die Siche-
rung vorhandener und Schaffung zusätzli-
105
5.2.6) Weniger Geld nach Brüssel cher Arbeitsplätze garantieren. Insbesonde-
re sind parteipolitischer Einfluss und Einmi-

Wohlstand und Arbeitswelt


Genauso wichtig wie Einsparungen in der schungen halbstaatlicher Akteure wie bspw.
staatlichen Verwaltung wäre eine signifikan- der Kammern und Gewerkschaften nachhal-
te Verringerung des Nettobeitrages Öster- tig zu unterbinden, da sich derartige Inter-
reichs an die Europäische Union. Als Folge ventionen in der Vergangenheit als verhäng-
der antidemokratischen Strukturen, wie sie nisvoll für die betriebswirtschaftlichen Ent-
die EU in ihrer gegenwärtigen Form auf- scheidungen der betroffenen Unternehmen
weist, ist eine Reduktion der Regulierungs- erwiesen haben und dem modernen Wirt-
wut auf EU-Ebene und begleitend ein Abbau schaftsumfeld mit seiner destruktiven inten-
der unionseuropäischen Verwaltungsebene siven Konkurrenzsituation keinesfalls
dringendst notwendig. gerecht werden können.

5.2.7) Streitpunkt Liberalisierung und Andererseits droht den im europäischen und


Privatisierung internationalen Vergleich aufgrund ihres
beschränkten Heimatmarktes naturgemäß
Unbestritten ist, dass der Staat für eine ver- eher kleinen österreichischen Unternehmen
lässliche Grundversorgung mit Waren und unter den Rahmenbedingungen freier Kapi-
Dienstleistungen für seine Staatsbürger ver- talmärkte stets eine Übernahme durch aus-
antwortlich ist und in Zukunft sein muss. ländische Konzerne, was äußerst nachteilige
Liberalisierung und Privatisierung sind nur Folgen auf die inländische Wertschöpfung
punktuell geeignete Rezepte, potentielles und Arbeitsplatzsituation haben kann. Eine
Marktversagen ist bei jedem Schritt nach- Degradierung zur verlängerten Werkbank
drücklich zu berücksichtigen. Ein Staat, der internationaler Konzerne kann nicht Sinn
den Bürger nicht über Gebühr belastet und und Zweck einer Privatisierung sein. Die
sich einer Deregulierung verpflichtet fühlt, Sicherstellung, dass (teil-)privatisierte
wird sich höherer Akzeptanz erfreuen. Unternehmen auch in Hinkunft ihre Leistun-
gen im System der österreichischen Volks-
Die erfolgte Privatisierung bzw. Teilprivati- wirtschaft erbringen, ist eine ureigene und
sierung (ehemals) staatlich kontrollierter unumgängliche Aufgabe der Politik.
Unternehmen ist eine direkte Folge markt-
fundamentalistischer Wirtschaftspolitik und Schließlich sind auch die weiteren wirt-
daher differenziert zu betrachten. schaftlichen und finanziellen Aussichten der
möglichen Privatisierungsobjekte zu
Einerseits ist entsprechend den freiheitli- berücksichtigen. Grundsätzlich mutet es
chen Grundsätzen des Leistungsprinzips bedenklich an, öffentliche Unternehmen
sowie der Berücksichtigung von Wirtschaft- erst mit teils enormem Aufwand an Steuer-
lichkeit und Eigenverantwortung die Anwen- mitteln zu sanieren und die abgebauten
dung effizienter privatwirtschaftlicher (ehemaligen) Beschäftigten als negativen
Managementinstrumente auf (ehemals) externen Effekt finanziell von der Allgemein-
staatlich kontrollierte Unternehmen, die heit tragen zu lassen, während andererseits
die künftigen Gewinne der privatisierten besetzt werden. Eine Ausverkaufsagentur
Unternehmen ausschließlich einzelnen pri- nach Vorbild der ÖIAG ist unserer Ansicht
vaten Investoren zugute kommen sollen. Die nach kontraproduktiv.
Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg (teil-
)privatisierter Unternehmen ist als eine Grundlegendes Ziel jeder wirtschaftlichen
Rendite für die staatlichen Sanierungsan- Betätigung ist die Versorgung der Bevölke-
106
strengungen anzusehen und soll daher auch rung mit benötigten Gütern und Dienstlei-
dem Staat und damit der Allgemeinheit stungen und auf diesem Wege die Anhebung
Wohlstand und Arbeitswelt

zugute kommen. des Lebensstandards.

Bei der grundsätzlichen Beurteilung einer Bestimmte Dienstleistungen werden nach


erwogenen Privatisierung ist zu allererst von allgemeiner Überzeugung als notwendig für
der Bedeutung des betroffenen Geschäfts- eine ansprechende Lebensgestaltung ange-
felds für die österreichische Volkswirtschaft sehen. Da aufgrund ihrer überragenden
auszugehen. Nationalökonomisch wichtigen Bedeutung nicht von einer angemessenen
Unternehmen aus Schlüsselsektoren sowie Preisgestaltung, sondern eher von einem in
beschäftigungspolitisch bedeutsamen diversen anderen Staaten zu beobachtenden
Betrieben ist im Interesse der Allgemeinheit Marktversagen als Folge der unelastischen
und des reibungslosen organischen Zusam- Nachfrage ausgegangen werden muss, sind
menwirkens der Volkswirtschaft im nationa- derartige Güter und Dienstleistungen von
len Interesse ein Verbleib unter maßgebli- der öffentlichen Hand unter den Aspekten
cher österreichischer Geschäftsleitung zu der Versorgungssicherheit und der wohl-
garantieren. Dies wird die öffentliche Hand fahrtsökonomischen Nutzenmaximierung
am geeignetsten durch den Behalt eines für die Allgemeinheit und nicht des markt-
qualifizierten Anteils, zumindest jedoch der wirtschaftlichen Profitstrebens Einzelner zu
Sperrminorität von 25% plus einer Aktie, erbringen.
erreichen. Auf diesem Wege kann auch dem
oben definierten fiskalischen Ziel der Für jene Bereiche der notwendigen Grund-
Gewinnbeteiligung nachgekommen werden. versorgung unserer Staatsbürger, die nur
Dass diese staatliche Beteiligung dem wirt- unternehmerisch zu bewältigen sind, sollte
schaftlichen Erfolg der Unternehmen keinen ein eigener rechtlicher Typus des öffentlich-
Abbruch tut, ist an der Erfolgsgeschichte rechtlichen Unternehmens geschaffen wer-
mehrerer Unternehmen, an denen der Staat den, welcher als staatliche Einrichtung der
einen derartigen Anteil hält, zu erkennen. vollen öffentlichen Kontrolle unterliegen
muss. Zur Vermeidung von Wettbewerbsver-
Ob dieser Rückhalt durch die öffentliche zerrungen sollten öffentlich-rechtliche
Hand idealerweise durch den Bund, eines Unternehmungen nur in eingeschränktem
oder mehrere Länder oder andere Träger- Umfang Marktzutritt haben.
körperschaften gewährleistet wird, bleibt im
Einzelfall zu entscheiden. Eine ausgeglie- Jegliche Bestrebungen, insbesondere auf
derte Bundesbeteiligungsverwaltung, wel- unionseuropäischer Ebene, beschriebene
che Anteile an Unternehmen unter den oben öffentliche Dienstleistungen per EU-Rechts-
definierten Zielen und frei von jeglichem etzung zwangsweise zu liberalisieren bzw. zu
parteipolitischen Einfluss hält, sollte als privatisieren, sind von der österreichischen
optimale Lösungsvariante ins Leben gerufen Politik notfalls durch Anwendung des Veto-
und unter Berücksichtigung der unter- rechts zu verhindern. Die Grundversorgung
schiedlichen Interessenslagen personell der Bevölkerung ist vielmehr als vordringli-
che nationale Aufgabe anzusehen und eignet gegenüber. Unsere heimische Wirtschaft
sich keinesfalls für marktfundamentalisti- steht durch die Belastung mit aufgeblähten
sches Profitstreben und Spekulantentum. Lohnnebenkosten in hoffnungsloser Kon-
kurrenz mit schäbigsten Dumpinglöhnen
5.2.8) Bestbieterprinzip rund um den Erdball.
in der Vergabepraxis
107
Die FPÖ steht einem Modell, das Arbeitsko-
Im Zuge nahezu aller großen öffentlichen sten senkt und eine Gegenfinanzierung

Wohlstand und Arbeitswelt


Investitionen gibt es Unregelmäßigkeiten in durch eine Entbürokratisierung der Verwal-
der Vergabepraxis der betroffenen Gebiets- tung unseres Staates und eine Anpassung
körperschaften. Insbesondere im Bausektor der Mehrwertsteuer anstrebt, positiv gegen-
scheint unlauteren Geschäftspraktiken Tür über. Denn über die Mehrwertsteuer können
und Tor geöffnet zu sein. Politisches Hick- auch Importe zur Finanzierung unseres
hack begleitet zum Nachteil des grundsätz- Sozialstaates herangezogen werden. Damit
lich stimulierenden Anreizes von Investitio- wird die Produktion in Österreich günstiger.
nen viele Großprojekte und beeinträchtigt
deren ökonomische Wirkung. Viele Produkte, die heute importiert werden,
können bei niedrigeren Lohnnebenkosten
Wir bekennen uns zu einer nachvollziehba- wieder konkurrenzfähig im eigenen Land
ren und an der Gesamtrentabilität eines erzeugt werden. Die Folge: Sinkende
Projekts orientierten Normierung eines Arbeitslosigkeit, steigende Reallöhne und
umfassenden Bestbieterprinzips anstatt des weniger Schwarzarbeit. Die Kaufkraft in
bisherigen Billigstbieterprinzips, welches Österreich bleibt trotz höherer Mehrwert-
etliche bedeutsame Nebeneffekte öffentli- steuersätze aufgrund ebenfalls höherer
cher Investitionen aufgrund seiner verkürz- Löhne erhalten.
ten Sichtweise außer Acht lässt und oft zu
suboptimalen Entscheidungen führt. 5.2.10) Steuergerechtigkeit –
Schließen von Schlupflöchern
5.2.9) Entlastung des Faktors Arbeit
Eine nachhaltige Entlastung ist jedoch nur
Grundsatz freiheitlicher Politik ist die Entla- dann möglich, wenn das sich theoretisch
stung des Mittelstandes und der Arbeitneh- ergebende Steueraufkommen auch tatsäch-
mer. Dies soll im Wesentlichen durch die lich von Seiten der Abgabenbehörde einge-
Ausweitung der Steuerbemessungsgrundla- hoben wird. Dies ist gegenwärtig jedoch
gen erfolgen. Zudem tritt die FPÖ für die nicht immer der Fall und aus dem Blickwin-
steuerliche Entlastung des Faktors Arbeit kel der Steuergerechtigkeit in hohem Maße
ein, die sich in der Senkung der Lohnneben- unbefriedigend. Die Gründe dafür liegen
kosten widerspiegelt. Dadurch werden die einerseits darin, dass für kundige Steuer-
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die pflichtige aufgrund diverser Ausnahmetat-
Stärkung der Kaufkraft angestrebt. Dieser bestände, Sonderbestimmungen und Geset-
duale Ansatz kommt sowohl Arbeitnehmern zeslücken die Möglichkeit besteht, in hohem
als auch Arbeitgebern gleichermaßen zugu- Ausmaß steuerschonend zu agieren, wäh-
te und soll legale Arbeit wieder erstrebens- rend der Großteil der Bevölkerung von die-
wert und leistbar machen. sen Möglichkeiten nicht Gebrauch machen
kann. Anderseits führt die Rechtsprechung
Die FPÖ steht der Finanzierung des Sozial- des Verwaltungsgerichtshofes teils zu irra-
staates über Lohnnebenkosten skeptisch tionalen Systemwidrigkeiten, die zu an sich
ungewollten Doppelbegünstigungen führen zum Umsatzsteuerbetrug oder zur fahrläs-
und daher einer raschen legislativen Kor- sigen Abgabenverkürzung aus diesem Titel
rektur bedürfen. Dem Ziel der Steuerge- merklich einschränkt.
rechtigkeit entsprechend soll das Hauptau-
genmerk demnach auf das Schließen von 5.2.12) Betrug durch ausländische Unter-
legalen und illegalen Schlupflöchern im nehmensgründer
108
österreichischen Abgabenrecht und die Ein-
dämmung der ausufernden Schattenwirt- In Österreichs Finanzämtern werden immer
Wohlstand und Arbeitswelt

schaft gelegt werden. mehr Akten gelöscht. Hier geht es um Steu-


erakten von Firmen, welche de facto nicht
5.2.11) Schluss mit Vorsteuerbetrug mehr existent sind. Die Unternehmens-
schulden an den Staat betragen im Schnitt
Die Umsatzsteuer als Mehrphasensteuer, zwischen 5.000 und 20.000 Euro, welche
die grundsätzlich nur den Endverbraucher uneinbringlich sind. Betroffen sind vor allem
belastet, führt in der davor liegenden Unter- Unternehmen in den Bereichen Bau, Gastro-
nehmenskette in der Regel zu keinem Steu- nomie und Dienstleistung.
eraufkommen. Aufgrund der Tatsache, dass
es bei Geschäftsaktivitäten innerhalb der Es sind dies – wohl nicht zufällig - jene
Unternehmerkette trotzdem zu realen Geld- Branchen mit dem höchsten Anteil an Aus-
flüssen im Bereich der Umsatzsteuer ländern, welche als Geschäftsführer dieser
kommt, bestehen vielfältige Möglichkeiten Firmen fungieren. Sobald das Unternehmen
des Missbrauchs (Vorsteuerbetrug), was zahlungsunfähig ist, setzen sich die Verant-
angesichts ihres Volumens von etwa 20 Mil- wortlichen oftmals ins Ausland ab.
liarden Euro volkswirtschaftlich relevante
Größenordnungen erreichen kann. Daher ist für ausländische Unternehmens-
gründer (kein EU Bürger, kein ständiger
Gleichzeitig obliegt die Umsatzsteuer auf- Wohnsitz in Österreich) eine Depotzahlung
grund ihres Charakters als Selbstbemes- treuhändisch zu hinterlegen, sodass sich
sungsabgabe nur der nachträglichen Kon- der Staat im Falle eines Konkurses, im
trolle durch die Finanzbehörden. Interesse des Steuerzahlers, schadlos hal-
ten kann.
Um diesem allfälligen Missbrauch wirksam
entgegen zu treten unterstützt die FPÖ die 5.2.13) Abschaffung der
österreichische Initiative für eine diesbezüg- Gesellschaftssteuer
liche Änderung der 6. EU-Mehrwertsteuer-
richtlinie, die eine nationale Umsetzung des Die Gesellschaftsteuer belastet die Zufuhr
Reverse-Charge Systems für alle Umsätze von Eigenkapital in inländische Kapitalge-
von Waren und Dienstleistungen im Unter- sellschaften. Die EU hat es sich zum Ziel
nehmerbereich über einer gewissen gemacht, Gesellschaftssteuern innerhalb
Bemessungsgrenze vorsieht und somit der Mitgliedstaaten abzuschaffen. Dies
umsatzsteuerbedingte Zahlungsflüsse im wurde von einigen Staaten bereits umge-
Unternehmerbereich ausschließt. Dieses setzt, in anderen wurden niemals Gesell-
System bewirkt eine rein rechnerische schaftssteuern eingehoben.
Berücksichtigung von Umsatz- und Vorsteu-
ern und verhindert so die enormen Mittel- Österreich ist auch in diesem Bereich Nach-
transfers im Rahmen des derzeitigen zügler. Die Gesellschaftssteuer stellt ein
Umsatzsteuersystems, was die Möglichkeit Hemmnis für Investitionen in heimische
Kapitalgesellschaften dar und konterkariert lich bringen. Abzulehnen ist die Idee, ähnli-
das Ziel, die tendenziell niedrige Eigenkapi- che Gebühren auf über das Internet
talquote der in Form von Kapitalgesellschaf- geschlossene Rechtsgeschäfte einzuführen.
ten organisierten Unternehmen merklich zu
erhöhen. Während Konzerne die Gesell- 5.2.15) Eindämmung der kalten
schaftsteuer bei der Finanzierung ihrer Progression
109
österreichischen Tochtergesellschaften in
der Regel durch diverse Gestaltungsmög- Besonderes Augenmerk richtet die Finanz-

Wohlstand und Arbeitswelt


lichkeiten (Großmutterzuschüsse) umgehen politik der FPÖ auf die kalte Progression. Sie
können ist die österreichische Wirtschaft stellt eine schleichende Belastung aller Ein-
durch die anfallende Steuer besonders im kommensteuerpflichtigen dar und ist ein
Bereich der Klein- und Mittelbetriebe mit Grund dafür, weshalb die Steuereinnahmen
einer teils dramatischen Unterkapitalisie- des Bundes aus diesem Bereich stetig
rung konfrontiert. Die FPÖ verlangt daher anwachsen. Ursache dafür ist, dass die
die ersatzlose Abschaffung der Gesell- Steuerbemessungsgrundlage seit 1989 nicht
schaftsteuer. Dies würde heimische Wirt- mehr angepasst wurde. Zur Eindämmung
schaftstreibende mit jährlich rund 50 Millio- der kalten Progression, die unmittelbare
nen Euro entlasten und zu einer besseren Auswirkungen auf die Kaufkraft der Öster-
Eigenkapitalausstattung und damit Erhö- reicher und auf die Binnennachfrage mit
hung der Krisenfestigkeit der Klein- und sich bringt, spricht sich die FPÖ für eine
Mittelbetriebe beitragen. Inflationsanpassung der Stufen der Durch-
schnittsteuersätze bei der Ermittlung der
5.2.14) Abschaffung der jährlichen Einkommensbemessungsgrund-
Rechtsgeschäftsgebühren lage aus.

Die FPÖ bekennt sich weiters zur Abschaf- 5.2.16) Spitzensteuersatz und
fung der Rechtsgeschäftsgebühren. Diese Kapitalertragssteuer
sind an die Schriftform von Urkunden
gebundene Belastungen, deren Ursprung Die von der ÖVP angestrebte Absenkung des
weit in die k.u.k.-Monarchie zurückreicht. Spitzensteuersatzes wird von der FPÖ abge-
Aufgrund neuer technischer Kommunikati- lehnt. Aus unserer Sicht ist eine Gesamt-
onsformen (elektronischer Signatur) durchschnittsteuerbelastung von ca. 43 %
erscheinen verschiedene Formen dieser unter Berücksichtigung der steuerlichen
Abgabe als denkbar antiquiert. Für Großun- Begünstigungen für das 13. und 14. Monats-
ternehmen bestehen diverse Gestaltungs- gehalt im internationalen Vergleich ange-
möglichkeiten, die eine Vermeidung der messen. Darüber hinaus würde eine Absen-
Gebührenbelastung ermöglichen, wodurch kung des Spitzensteuersatzes den Staat
vorwiegend Privatpersonen sowie Klein- und doppelt belasten. Einerseits würde dieser im
Mittelbetriebe von diesen durch nichts zu Budget durch einen Einnahmenausfall aus
rechtfertigenden Gebühren betroffen sind. der Lohn- bzw. Einkommensteuer im
Bereich der Spitzenverdiener belastet,
Von einer Abschaffung der Rechtsgeschäfts- anderseits würden Einnahmen aus der Kapi-
gebühren wären unter anderem die Darle- talertragsteuer sinken, da diese per Verfas-
hens- und Kreditvertragsgebühren sowie die sungsgesetz mit dem halben Wert des
Bestandvertragsgebühren betroffen. Die Grenzsteuersatzes der Einkommensteuer
Abschaffung der Rechtsgebühren würde fixiert ist.
eine Entlastung von etwa 320 Mio. Euro jähr-
5.2.17) Tabaksteuer – das Kind mit dem Rahmen von Werkverträgen ist bei der
Bade ausgeschüttet Berücksichtigung des Humanaufwandes zur
Berechnung der KöSt gesondert zu behan-
Aufgrund der extrem hohen Tabaksteuer in deln und Vollarbeitsplätzen im Betrieb nicht
Österreich werden immer größere Mengen gleichzusetzen.
an Zigaretten aus dem Ausland importiert.
110
Der Finanzminister verliert durch die stei- 5.2.19) Vielfältiger Kapitalmarkt, Basel II
genden Importe trotz höherer Tabaksteuer
Wohlstand und Arbeitswelt

Geld, das eigentlich dem Gesundheitswesen Hinsichtlich des Kapitalmarktes hält die FPÖ
zugute kommen sollte. Der durch die hohe grundsätzlich eine Abschottung im Rahmen
Tabaksteuer verursachte Import gefährdet einer globalisierten Weltwirtschaft für prak-
zudem die Existenz vieler österreichischer tisch und juristisch unmöglich und steht
Trafikanten. Es handelt sich oftmals um Forderungen in diese Richtung skeptisch
Behinderte, die auf dem Arbeitsmarkt nur gegenüber. Dennoch gilt es, durch Eigenin-
schwer eine Beschäftigung finden. itiative und Kreativität einen vielfältigen
Kapitalmarkt und einen gesunden Wettbe-
Deshalb ist es klug, die Höhe der Tabaksteuer werb mit fairen Marktpreisen zu erzeugen
in Österreich maßvoll an jene der EU-Nach- und Übertreibungen kompromisslos einzu-
barländer anzugleichen und damit den Import dämmen, damit der Kapitalmarkt seine pri-
von Tabakwaren weniger lukrativ zu machen. märe Funktion als Mittelbeschaffungsin-
In Zukunft ist eine EU-weite Harmonisierung strument für die Wirtschaftssubjekte auch
der Tabakbesteuerung erforderlich. tatsächlich erfüllen kann. Die FPÖ ist des-
halb der Auffassung, dass Steuerpflichtige,
5.2.18) Humanisierung des Steuersystems die wesentliche Einkünfte aus Kapitalvermö-
gen beziehen, auch einen angemessenen
Ein fiskalpolitisches Kardinalziel der FPÖ ist Beitrag für die Erhaltung des Staates zu lei-
eine Humanisierung des Steuersystems sten haben. Dies soll durch moderate Maß-
zugunsten von Unternehmen, die Arbeits- nahmen im Steuerrecht verwirklicht wer-
plätze schaffen. Der Faktor Lohnkosten ist den, die aber keinen in Kapitalflucht ausar-
bezogen auf den Nettoproduktionswert tenden monetären Abfluss mit sich bringen.
eines Unternehmens stärker bei der
Besteuerung zu berücksichtigen. Die Kör- Vor allem ist ein in seiner Finanzierungsauf-
perschaftssteuer ist daher dem Humanauf- gabe funktionierender Kapitalmarkt eine
wand eines Unternehmens anzupassen. wesentliche Abfederung der rezessiv wir-
kenden Basel II-Bestimmungen, denen Ban-
Ein möglicher Lösungsansatz zur Humani- ken bei der Kreditvergabe ab 2007 unterlie-
sierung des Steuersystems wäre: gen. Die FPÖ lehnt das Basel II-Abkommen
als für die mittelständische österreichische
• 22,5% KöSt bei einem Lohnanteil von > Wirtschaft ausgesprochen schädlich ab und
40% des Nettoproduktionswertes befürwortet alle Maßnahmen, welche zur
Abfederung von dessen Auswirkungen
• 25% KöSt bei einem Lohnanteil von > geeignet sind.
30% des Nettoproduktionswertes und
• 27,5% KöSt bei einem Lohnanteil von > 5.2.20) Faire Besteuerung von
0% des Nettoproduktionswertes Beteiligungsveräußerungen

Geringfügige oder selbständige Tätigkeit im Die FPÖ setzt sich für steuerliche Entlastun-
gen im Rahmen der Veräußerung von Betei- fer zu berücksichtigen. Die überprüfenden
ligungen ein. Die Besteuerung von Beteili- Organe dürfen innerhalb von 3 Jahren nicht
gungsveräußerungen ist derzeit an das pro- wiederholt dasselbe Unternehmen inspizie-
zentuelle Beteiligungsausmaß geknüpft. ren. Der Staat hat für entstandene Schäden
Dies führt dazu, dass Unternehmer, die an durch fehlerhafte Prüfungen seitens der
Klein- und Mittelbetrieben beteiligt sind, FMA die volle Haftung zu übernehmen.
111
aufgrund des geringeren Nennkapitals viel
leichter einer Besteuerung unterliegen als Um das Vertrauen in den österreichischen

Wohlstand und Arbeitswelt


Beteiligte an großen Kapitalgesellschaften, Bankensektor wieder zu stärken, hat die
auch wenn die absoluten Beträge einer Einlagensicherung bei Banken im Interesse
Beteiligung an großen Kapitalgesellschaften der Konsumenten von 90 Prozent auf 100
deutlich höher sind. Prozent beziehungsweise von Euro 20.000
auf Euro 50.000 erhöht zu werden.
Die Steuerpflicht sollte unserer Ansicht
nach daher nicht an einen Prozentsatz Für aufgrund von unerlaubter Fehlspekula-
gekoppelt sein, sondern einem Freibetrag tion oder das Ausnutzen von Informations-
unterliegen, der mit 100.000 Euro anzuset- vorteilen verursachte Vermögensschäden ist
zen wäre. Diese Maßnahme würde die die persönliche Haftung der Täter als auch
gesellschaftsrechtlichen Gestaltungsmög- der Strafrahmen deutlich auszuweiten. Auch
lichkeiten von Eigentümern kleiner und die Überwachungsmöglichkeiten der Kon-
mittlerer Kapitalgesellschaften deutlich trollorgane sind deutlich zu verbessern,
erhöhen. wobei wesentliches Augenmerk auf der
Sanktionierung allfälliger Nichtbefolgung
5.2.21) Mehr Kompetenzen getroffener Feststellungen liegen muss.
für die Finanzmarktaufsicht Eine Berücksichtigung dieser Sachverhalte
in einem zu schaffenden Unternehmens-
Die FPÖ bekennt sich zu einer Ausweitung strafgesetz ist wünschenswert.
der Kompetenzen für die Finanzmarktauf-
sicht. Nicht zuletzt durch die Spekulations- Schließlich ist die bankaufsichtsrechtliche
und Insiderhandelsskandale der letzten Zeit, Prüfung von Finanzgeschäften der Ge-
die sich in österreichischen Banken und schäftsbanken von der aufzustockenden
börsenotierten Unternehmen zutrugen, und Bankenprüfergruppe der Finanzmarktauf-
der sich daraus ergebenden Rufbeschädi- sicht zu bewerkstelligen und nicht mehr wie
gung des Finanzplatzes Österreich ist die bisher auf an künftigen Geschäftsbeziehun-
bislang eher zahnlose Überwachungsbehör- gen zu Kunden interessierte und daher
de Finanzmarktaufsicht mit deutlich erwei- leicht beeinflussbare private Wirtschafts-
terten Kompetenzen und Durchgriffsmög- prüfergesellschaften auszulagern. Für der-
lichkeiten sowie der Einforderungsbefugnis artige Interessensvermengungen ist der
verordneter Maßnahmen auszustatten. Die Bankensektor und der Ruf des Finanzplat-
Wahrung des finanziellen Gleichgewichts im zes Österreich zu bedeutend.
volkswirtschaftlich enorm wichtigen Ban-
kensektor muss im nationalen Interesse Die im Oktober 2007 von Finanzminister
auch unter den Bedingungen der Gewinn- Molterer vorgestellte FMA-Reform verdient
maximierung gewährleistet sein. kaum diesen Namen, da sie zu keinen sub-
stantiellen Verbesserungen, sondern ledig-
Bei der Zuteilung der zu prüfenden Unter- lich der proporzmäßigen Zusammensetzung
nehmen ist ein Rotationsprinzip für die Prü- des Vorstandes führt.
Für die FPÖ ist eine vollständige Integration • Kreditgebühren:
der Agenden der Finanzmarktaufsicht in der rund 150 Mio. Euro
Nationalbank denkbar. Dies würde eine Ver- • Bestandsgebühren (Miet- u. Versicherungs-
waltungsebene einsparen. vertrag): rund 70 Mio. Euro
5.2.22) Liberalisierung der • Schaumweinsteuer:
112
Konkursordnung rund 22 Mio. Euro
• Feuerschutzsteuer (Bundesländer):
Wohlstand und Arbeitswelt

Die FPÖ fordert eine deutliche Liberalisie- rund 50 Mio. Euro


rung der Konkursordnung, die sich eher auf
• Werbesteuer (Gemeinden und Bundes-
den Erhalt der Unternehmenssubstanz und
länder): rund 90 Mio. Euro
der Möglichkeit zur Unternehmensfortfüh-
rung denn auf die momentane und ohnehin
nur so bruchstückhafte wie kurzfristige 5.3) Unsere Klein- und Mittelbe-
Befriedigung von Gläubigerinteressen kon- triebe, Maßnahmen für die
zentrieren sollte. Gerade den Gläubigerin- heimische Wirtschaft
teressen ist üblicherweise mit einem Wei-
5.3.1) Rückgrat der heimischen Wirt-
terführen des gegenwärtig insolventen
schaft, größter Arbeitgeber
Unternehmens und einem schrittweisen
Begleichen der Verbindlichkeiten weit mehr
Die FPÖ bekennt sich zur besonderen
gedient als mit seiner Liquidation.
Bedeutung der heimischen Klein- und Mit-
telbetriebe für den Wirtschaftsstandort
5.2.23) Familiensplitting
Österreich. Die kleinen und mittleren Unter-
nehmen bilden das Rückgrat der österrei-
Die FPÖ fordert eine Abkehr von der Indivi-
chischen Wirtschaft. Mehr als 215.000
dualbesteuerung hin zum Familiensplitting.
Unternehmen beschäftigen über 1,5 Millio-
Das Familiensplitting steigert die Kaufkraft
nen Arbeitnehmer und erwirtschaften einen
von Familien und befreit diese aus der
Gesamtumsatz von knapp 260 Milliarden
unterschiedlichen und ungerechten fiskali-
Euro. 99,6% aller Unternehmen Österreichs
schen Behandlung von Familieneinkünften.
zählen zu den KMU (lt. EU-Definition). Sie
Die FPÖ sieht die Familie auch als Wirt-
stellen rund 65% aller Arbeitsplätze in
schaftsgemeinschaft.
Österreich.
5.2.24) Bagatellsteuern
Die Leistungen der KMUs sind umso bemer-
kenswerter, als die über Jahre hinweg
Bagatellsteuern stellen in der Regel eine
schwache Konjunktur nicht zu einem
relativ hohe organisatorische Belastung für
Arbeitsplatzabbau geführt hat. Ganz im
den öffentlichen Dienst dar und sind auf-
Gegenteil stieg die Zahl der KMU-Beschäf-
grund der angestrebten Vereinfachungen im
tigten auch in diesen schwierigen Jahren
Verwaltungsbereich zu streichen.
kontinuierlich an. Eine gewisse Problematik
zeigt sich allerdings in der betriebswirt-
Bei der Abschaffung nachstehender Baga-
schaftlichen Betrachtung, gemessen an
tellsteuern ergibt sich folgende Bruttoentla-
relevanten Kennzahlen. So liegt die Eigenka-
stung für den Bürger:
pitalquote zwar im Gesamtdurchschnitt bei
• Bodenwertabgabe (Gemeinden): 19%, dies täuscht aber darüber hinweg, dass
rund 5 Mio. Euro 40% der Klein- und Mittelbetriebe gar kein
Eigenkapital haben, also de facto überschul-
det sind. Dies ist im Hinblick auf „Basel II“ strategie für die mittelständische Wirtschaft
kritisch. Kritisch ist vor diesem Hintergrund eine Reihe konkreter Zielsetzungen.
auch die Ertragslage bei einer Umsatzrendi-
te von 1,6%, womit das reale Ergebnis (nach 5.3.3) Schrittweise Senkung
Ertragssteuern und unter Berücksichtigung der Lohnnebenkosten
der Geldentwertung) im Durchschnitt nega-
113
tiv ist; 46% der Betriebe arbeiten gar mit Die Arbeitskosten werden zu einem nicht
Verlust. unwesentlichen Teil durch Lohnnebenko-

Wohlstand und Arbeitswelt


sten beeinflusst. Die hohe Abgabenbela-
5.3.2) Vernachlässigung stung des Faktors Arbeit stellt ein Hemmnis
von KMUs durch die Politik für die Beschäftigung dar. Die Abgabenbela-
stung des Faktors Arbeit (ohne Einkommen-
Im direkten Vergleich mit anderen politi- steuer) beträgt in Österreich 17,5% des BIP
schen Parteien wird jedoch klar, dass heimi- und liegt somit um 4 Prozentpunkte über
sche KMUs mit der FPÖ nur über eine enga- dem EU-Durchschnitt. Gemessen an der
gierte politische Vertretung verfügen. Lohn- und Gehaltssumme beträgt die Abga-
benbelastung 42%, das sind 9 Prozentpunk-
Die ÖVP widmet sich trotz gegenteiliger Lip- te mehr als in der EU.
penbekenntnisse und plakativem Aktionis-
mus im Rahmen der Wirtschaftskammer Die Höhe der Lohnnebenkosten ist mitent-
bevorzugt bis ausschließlich Interessen von scheidend für den Umfang der Schattenwirt-
Großbetrieben und Großbanken und arbeitet schaft sowie für Entscheidungen betreffend
in ihren wirtschaftspolitischen Entscheidun- Betriebsansiedelungen und damit für unse-
gen explizit gegen die Interessen der mittel- ren Arbeitsmarkt. Bleibt der Anstieg der
ständischen Unternehmen. Dies wird nicht Produktivität hinter dem Anstieg der Lohn-
nur anhand der Umsetzung der Steuerre- nebenkosten zurück, kommt es zu einer
form 2005 ersichtlich, die lediglich zur Erhöhung der Lohnstückkosten, was die
Finanzierung von Steueranreizen für inter- internationale Wettbewerbsfähigkeit ver-
nationale Konzerne diente, sondern auch am schlechtert und die Betriebe zu Rationalisie-
Volumen der in Szene gesetzten parlamen- rungen oder - im Extremfall - zu Abwande-
tarischen Mittelstandsoffensive, die im rungen zwingt.
direkten Vergleich einen wesentlich gerin-
geren Entlastungseffekt für den wichtigen Hohe Lohnnebenkosten können daher nur
Wirtschaftsbereich der KMU mit sich bringt. durch hohe Produktivität wettgemacht wer-
Für die SPÖ ist der Mittelstand historisch den. Letztere ist in Österreich rund 20 %
weitgehend uninteressant, da die Mitarbei- höher als in der BRD. Das ist ein Mitgrund,
ter dieser Unternehmen kaum bis gar nicht weshalb Österreich trotz hoher Lohnneben-
gewerkschaftlich organisiert sind und sie kosten als Wirtschaftsstandort gefragt ist.
ihre Klientelpolitik in diesem Bereich nicht Da die Lohnnebenkosten im Rahmen des
überzeugend umsetzen kann. Ebenso stel- internationalen Wettbewerbes ein wesentli-
len die Grünen mit ihren bürokratischen und ches Kriterium für Wirtschaftswachstum
wirtschaftsfeindlichen Regulierungsvorstel- darstellen, strebt die FPÖ eine entsprechen-
lungen keine geeignete politische Alternati- de Senkung an, die auch der Erhaltung von
ve für die Interessen der KMUs dar. Arbeitsplätzen dienen soll.

In Anbetracht dessen verfolgt die FPÖ im Vorrangiges Ziel der FPÖ ist es, die Abga-
Rahmen ihrer nachhaltigen Förderungs- benbelastung des Faktors Arbeit in Öster-
reich zu senken. Dieser liegt 4 % über dem schafft. Allesamt waren diese zu kompliziert
EU-Durchschnitt. und daher von mangelndem Erfolg gekrönt.

5.3.4) Indexanpassung der Zur Stärkung der Eigenkapitalbasis von


Geringwertigkeitsgrenze – Betrieben sollen nicht entnommene Gewinne
Abschreibungsdauer steuerlich begünstigt werden. Bereits seit 1.
114
Jänner 2004 gilt in Österreich eine begünstig-
Das Einkommensteuergesetz sieht derzeit te Besteuerung von im Unternehmen verblei-
Wohlstand und Arbeitswelt

vor, dass Investitionen in das abnutzbare benden Gewinnen bis zu einer Grenze von
Anlagevermögen unter der Geringwertig- 100.000 Euro pro Jahr, wenngleich diese von
keitsgrenze (400 Euro netto) sofort im Jahr der FPÖ eingeforderte Maßnahme unter dem
ihrer Anschaffung gewinnmindernd geltend erwünschten Ausmaß geblieben ist. Die
gemacht werden können. Andernfalls sind Begünstigung kommt bislang nur bilanzie-
die Anschaffungskosten über die Nutzungs- renden Einzelunternehmern und Personen-
dauer zu verteilen (Absetzung für Abnut- gesellschaften sowie land- und forstwirt-
zung). schaftlichen Betrieben zugute, die für die
genannten Anwendungsfälle nur noch mit
Diese bestehende Regelung führt insbe- dem halben Durchschnittssteuersatz der
sondere bei Klein- und Mittelbetrieben, Einkommensteuer belastet werden. Der
trotz optisch guter Jahresergebnisse, zu begünstigte Eigenkapitalanstieg errechnet
teilweise drastischen Liquiditätsproble- sich dabei aus dem laufenden Gewinn zuzüg-
men. Eine Anhebung der Geringfügigkeits- lich als Fremdkapitalersatz dienender
grenze auf 1.000 Euro und die damit ver- betriebsnotwendiger Einlagen und abzüglich
bundene sofortige Abschreibungsmöglich- Entnahmen. Bei einem entnahmebedingten
keit würde diese Situation entschärfen Eigenkapitalabbau innerhalb von 7 Jahren
sowie einen nennenswerten Investitionsan- kommt es zur Nachversteuerung. Dieses
reiz bieten. Modell ist deutlich auszubauen.

Weiters fordert die FPÖ eine Anpassung der Bis zur Herstellung einer steuertechnischen
steuerlichen Nutzungsdauern, insbesondere Gleichstellung von Eigen- und Fremdkapital
von schnelllebigen Wirtschaftsgütern, an die soll der Eigenkapitalzuwachs im Rahmen
realen Nutzungsdauern in den Betrieben. Zur der Besteuerung für nicht entnommene
Konjunkturbelebung sollte als Lenkungsef- Gewinne von derzeit 100.000 Euro auf
fekt die vorzeitige (degressive) Abschreibung 300.000 Euro ausgeweitet werden. Dies soll
eingeführt werden, die in vielen anderen EU- insbesondere Klein- und Mittelbetrieben
Staaten heute schon zur Anwendung kommt. ermöglichen, verstärkt von der Besteuerung
Dabei ist eine Abschreibungshöhe von 30 % mit dem Hälftesteuersatz Gebrauch zu
im ersten Jahr anzustreben. machen. Zusätzlich sollen auch freiberuflich
Tätige und andere Bezieher von Einkünften
5.3.5) Begünstigung nicht entnommener aus selbständiger Arbeit die Möglichkeit der
Gewinne Inanspruchnahme dieser Regelung haben.
Eine Ausweitung des begünstigten Kreises
Österreichs Klein- und Mittelbetriebe leiden auf Einnahmen-Ausgaben-Rechner ist wirt-
zu einem großen Teil unter chronischer schaftlich wünschenswert und mittelfristig
Eigenkapitalschwäche. Eine ganze Reihe von parallel mit den administrativ notwendigen
Maßnahmen wurde in diesem Zusammen- Begleitmaßnahmen umzusetzen.
hang bereits eingeführt und wieder abge-
5.3.6) Rechtsformneutralität bis 2010 stehen rund 52.000 Unternehmen
mit etwa 450.000 Beschäftigten vor einer
Aufgrund der Absenkung des Körperschaft- „Übergabe“ - und der enormen volkswirt-
steuersatzes auf 25 % ergibt sich bei Kapi- schaftlichen und beschäftigungspolitischen
talgesellschaften ein Grenzsteuersatz von Bedeutung genießt dieser Punkt höchste
43,75 %. Demgegenüber können Unterneh- Priorität.
115
men, die in Rechtsformen einer Personen-
gesellschaft organisiert sind, bei höheren 5.3.8) Wiedereinführung des

Wohlstand und Arbeitswelt


Gewinnen aufgrund eines Grenzsteuersat- Investitionsfreibetrages
zes von 50 % benachteiligt sein, wenn der
begünstigte Gesellschafter eine natürliche Nach Abschaffung des Investitionsfreibetra-
Person ist. In diesem Fall kann der begün- ges im Jahr 2000 und der Investitionszu-
stigte Gesellschafter jedoch allfällige Son- wachsprämie im Jahr 2004 bestehen derzeit
derausgaben, Verlustvorträge, außerge- kaum steuerliche Anreize für die Tätigung
wöhnliche Belastungen oder Werbungsko- von Investitionen im Inland. Zudem hat die
sten als Absetzposten geltend machen. Möglichkeit der Geltendmachung einer Inve-
stitionszuwachsprämie innerhalb eines ein-
Ziel der FPÖ ist ein Steuersystem, das geschränkten Zeitraumes aus Sicht der FPÖ
Rechtsformneutralität garantiert. nicht zu der angestrebten Ausweitung von
Investitionen in heimischen Betrieben
5.3.7) Erleichterungen bei der geführt, sondern hatte lediglich die Konzen-
Weitergabe von Unternehmen tration von Investitionen innerhalb bestimm-
ter Veranlagungszeiträume zur Folge.
Derzeit erwarten Klein- und Mittelunterneh-
mer bei der Weitergabe ihrer Unternehmen Die FPÖ spricht sich daher für ein zeitunab-
an potentielle Nachfolger neben den teilwei- hängiges Modell aus, welches einen Investi-
se noch immer vorhandenen steuerlichen tionsanreiz für die heimischen Unterneh-
Belastungen auch diverse bürokratische men darstellt. Dieses beruht auf Basis der
Hürden. Zur reibungslosen Übergabe von Wiedereinführung des Investitionsfreibetra-
Klein- und Mittelbetrieben strebt die FPÖ ges in der alten Fassung mit der Erweite-
deshalb neben den bereits bestehenden rung, dass im Falle einer Verlustsituation
Bestimmung weitere Erleichterungen im die Möglichkeit der Geltendmachung einer
Bereich der Vererbung und Schenkung korrelierenden Investitionsprämie besteht.
sowie Veräußerung von Betrieben im Pen- Diese Maßnahme wird seitens der FPÖ
sionierungsfall oder Erwerbsunfähigkeitsfall unabhängig von dem durch die Bundesre-
sowie kürzere und entbürokratisierte Ver- gierung bereits gesetzlich verankerten Frei-
waltungsverfahren an. betrag für investierte Gewinne bei Einnah-
men-Ausgaben-Rechnern gefordert.
Daher sollte der Freibetrag von 365.000 Euro
für unentgeltliche Betriebsübergaben auf 5.3.9) Verbesserte Objektivierung
700.000 Euro angehoben werden, sodass eine von Subventionsvergaben
steuerfreie Übertragung problemloser möglich
ist. Bei Betriebsübergaben innerhalb der Fami- Es ist hoch an der Zeit eine umfassende
lie fällt die Erbschaftssteuer ohnehin weg. Änderung in der österreichischen Wirt-
schaftsförderungspolitik zu realisieren. Von
Angesichts der Nachfolgeproblematik in der derzeitigen Subventionspolitik auf ver-
Österreichs mittelständischer Wirtschaft - schiedensten Ebenen profitieren vor allem
Konzerne. Mittelständische Betriebe, wel- eine freiwillige Mitgliedschaft nach dem
che die Masse der Arbeitsplätze in Öster- Muster eines zivilrechtlichen Vereins zu
reich sichern, haben meist das Nachsehen. ersetzen. Denkbar wäre dabei eine Kosten-
Subventionen sind in Österreich etwas für pflicht für in Anspruch genommene Leistun-
Experten, für die spezialisierten Abteilungen gen.
großer Konzerne. Es entspricht freiheitli-
116
chem Verständnis, dass der Staat Wirt- 5.3.11) Mindestkörperschaftssteuer
schaftspolitik durch Rahmenbedingungen
Wohlstand und Arbeitswelt

ermöglicht und nicht durch das Verteilen von Die Mindestkörperschaftssteuer wird von
Subventionen. Diese sind primär für For- der FPÖ als Hemmnis für ein gesundes
schung und Entwicklung zulässig. Wirtschaftswachstum beurteilt, die vor
allem Jungunternehmern Steine in den Weg
Die FPÖ spricht sich dafür für die Neufest- legt. Sie ist daher ersatzlos zu streichen.
legung subventionswürdiger Aktivitäten
aus. Die Vergabe von Subventionen soll der 5.3.12) Entbürokratisierung
Willkür von Politikern entzogen und im
Rahmen eines Rechtsanspruches auf Basis Bürokratie kostet Geld, verhindert Investitio-
klar definierter Zielsetzungen garantiert nen, fördert Schwarzarbeit und verhindert
werden. Dadurch wird der parteipolitische bereits in jedem dritten Betrieb neue Jobs,
Einfluss in der Wirtschaftsförderungspolitik da laut aktuellen Umfragen 38 Prozent der
zugunsten eines fairen Wettbewerbs deut- Kleinunternehmer mehr Personal einstellen
lich eingeschränkt. Für die FPÖ haben wollten, würde die Bürokratieschraube
Steuersenkungen vor Subventionsvergaben gelockert.
– die eine Ausnahme bilden sollen - grund-
sätzlich Vorrang. Für den Abbau von Bürokratie gibt es unzäh-
lige Beispiele. Einige seien hier erwähnt:
Wir bekennen uns gleichzeitig zu einem Streichung der Veröffentlichungsverpflich-
Steuerfreibetrag für Jungunternehmer in tung in der Wiener Zeitung, Abbau der Stati-
den ersten drei Jahren ihres Unternehmer- stikflut, Verfahrensvereinfachungen zum
lebens. Beispiel im Abgabenverfahrensrecht, Ver-
einfachung durch Vereinheitlichung des
Lohnbegriffes und damit einhergehend der
5.3.10) Abschaffung der Lohnverrechnung, stärkere Vernetzung der
Zwangsmitgliedschaft Behörden, usw.

Schon seit vielen Jahren fordert die FPÖ die Wir bekennen uns dazu, die wesentlichen
Abschaffung der Zwangsmitgliedschaft von Reformvorschläge des Österreich-Konvents
Unternehmen bei der Wirtschaftskammer. endlich umzusetzen. Neben dieser Staats-
Aufgrund der mannigfaltigen Erscheinungs- und Verfassungsreform, die eine effiziente
formen von Selbständigkeit im modernen Verwaltung schaffen soll, sind auch noch in
Wirtschaftsleben und der de facto anderen Rechtsmaterien (Anlagenrecht,
Beschränkung der wirtschaftskämmerli- Bau- und Raumordnung, Gewerbeordnung,
chen Politik auf die Interessen von Großbe- usw.) Erneuerungen und Vereinfachungen
trieben, die ihre Vorstellungen am wirksam- beziehungsweise Vereinheitlichungen her-
sten durchzusetzen vermögen, ist die beizuführen.
Zwangsmitgliedschaft samt Kammerumla-
ge für alle ersatzlos abzuschaffen und durch Durch eine effektive Verwaltungsvereinfa-
chung, die einen merklichen Bürokratieab- in Österreich 2,7% des BIP, in der EU nur
bau mit sich bringt, könnten unsere heimi- 0,3%.
schen Wirtschaftstreibenden entlastet wer-
den. In Österreich werden die Beiträge zum
Familienlastenausgleich, zur Wohnbauför-
5.3.13) Vereinfachungen der derung und die Kommunalabgabe „einfach-
117
Lohnverrechnung heitshalber“ auf die Lohn- und Gehaltssum-
me aufgeschlagen, obwohl alle Bevölke-

Wohlstand und Arbeitswelt


Die Lohnsteuerrichtlinie umfasst als "Ausle- rungsschichten darauf Anspruch haben. In
gungsbehelf" zum Einkommensteuergesetz den meisten anderen Ländern werden sol-
rund 1.300 Punkte. Ziel freiheitlicher Wirt- che Leistungen aus dem allgemeinen Steu-
schafts- und Fiskalpolitik ist die Vereinheit- ertopf finanziert.
lichung der Lohnverrechnung und eine
Straffung der rechtlichen Bestimmungen. 5.3.16) Verstärkte Prüfung der
Folgekosten bei neuen Gesetzen
Weiters ist das Aufscheinen von Arbeitge-
berbeiträgen und Zwangsmitgliedsbeiträgen Wirtschaftsverträglichkeitsprüfungen und Fol-
an die Arbeiterkammer auf der Lohn- und gekostenberechnungen sind bei neuen Geset-
Gehaltsabrechnung wünschenswert. zen und Verordnungen stärker durchzuführen.
Systematische Effizienz- und Plausibilitäts-
5.3.14) Klare Regelung für geschäftsfüh- prüfungen für neue und bestehende Bundes-
rende GmbH-Gesellschafter und Landesgesetze sind vorzunehmen.

Lohn- und Gehaltsabgaben sollen nach Vor- 5.3.17) Masterplan für den Tourismus
stellung der FPÖ nur für geschäftsführende
GmbH-Gesellschafter anfallen, die ange- Die Tourismus- und Freizeitwirtschaft mit
stellt sind, und nicht für selbständig einem BIP-Anteil von nahezu 20% ist ein
Erwerbstätige. Es ist nicht einzusehen, wesentlicher Pfeiler der österreichischen
warum selbständig Erwerbstätige dienst- Wirtschaft. Vor allem KMUs sind in dieser
nehmerbezogene Steuern und Abgaben Branche aktiv. Im Jahr 2006 sind die
(KommSt und DB) zu bezahlen haben. Gesamtausgaben von Reisenden inkl. Ver-
wandten-/Bekanntenbesuche, erstmals auf
5.3.15) Vereinheitlichung 30 Mrd. Euro angestiegen. Der Tourismus
der Bemessungsgrundlagen gilt als Jobmotor. Jeder fünfte Vollarbeits-
platz wird durch die Tourismus- und Frei-
Im Steuer- und Sozialversicherungsrecht zeitwirtschaft geschaffen. Vor dem Hinter-
sowie bei den Gemeindeabgaben müssen grund des Klimawandels, der Verschiebung
Vereinheitlichungen stattfinden. Eine der Märkte und der demographischen
Reduktion der über 100 Bemessungs- Umbrüche ist mit einer massiven Verände-
grundlagen auf möglichst wenige ist anzu- rung im Reiseverhalten der Gäste zu rech-
streben. Lohnsummenabhängige Bemes- nen. Die Chancenpotentiale für die österrei-
sungen sollten abgeschafft werden, da chische Tourismuswirtschaft werden von
Unternehmer, die Arbeitsplätze schaffen, Experten als sehr hoch eingeschätzt, so die
dadurch bestraft werden. Ein Vergleich zu notwendigen Schlüsse aus diesen geänder-
anderen europäischen Ländern zeigt, dass ten Bedingungen rechtzeitig gezogen wer-
die Lohnsummenabgaben in Österreich den. Aufgabe und Verantwortung der Politik
überproportional hoch sind. Sie betragen liegen darin, die bestmöglichen Rahmenbe-
dingungen für den Tourismus zukunftssi- 5.3.19) Österreichische Betriebe in der
cher auf diese Chancen abzustimmen. Um Raumfahrttechnologie
den Tourismusstandort Österreich langfri-
stig abzusichern, zu stärken und weiter aus- Österreich ist zwar erst seit 1987 Vollmit-
zubauen, müssen kurz-, mittel- und langfri- glied bei der ESA, beteiligt sich aber bereits
stige, bundesweit koordinierte Maßnahmen seit Mitte der 1970er Jahre an europäischen
118
verwirklicht werden. Weltraumaktivitäten.
Wohlstand und Arbeitswelt

Die FPÖ setzt sich für die Erstellung eines Als einen Höhepunkt der österreichischen
„Masterplan Tourismus Österreich 2020" ein. Beteiligungen kann man etwa den Sonnen-
Dieser soll unter Einbindung der Länder und schild aus heimischer Werkstätte, der im
aller bundesweit tourismusrelevanten Orga- November 1995 beim Start des Infrarot-Welt-
nisationen auf Basis vorhandener gewachse- raumteleskops ISO (Infrared Space Observato-
ner Tourismusstrukturen und Unterlagen, ry) der ESA mit an Bord war, bezeichnen. Die
ein langfristiges strategisches Generalkon- Beteiligung des Grazer Instituts für Weltraum-
zept für die ästerreichische Tourismus- und forschung (IWF) mit seinen Magnetometern an
Freizeitwirtschaft sicherstellen. Dieser der "Cluster"-Mission zur Untersuchung der
Masterplan soll die Entscheidungsgrundlage Erdmagnetosphäre und die Herstellung der
für Marketing- und Vertriebspolitik, für das Wasserstoff-Treibstofftanks durch Magna
Förder- und Abgabewesen, für Ausbildungs- Steyr für die Weltraumrakete "Ariane" sind
und Qualifizierungsmaßnahmen, für Ökologi- weitere markante Beispiele für das österrei-
sierungsziele und Infrastrukturinvestitionen chische Engagement in der Weltraumfahrt.
sein und die Erkenntnisse aus der Klima-
Enquete des Parlaments berücksichtigen. Im Jahr 2006 war Österreich mit rund 33
Millionen Euro an den Aktivitäten der euro-
5.3.18) Raucherhatz in unseren päischen Raumfahrtagentur ESA beteiligt.
Tourismusbetrieben Der Beitrag im Rahmen des Pflichtpro-
gramms beträgt dabei 14 Millionen Euro und
Freiheit ist unser höchstes Gut. Deshalb soll wird nach der Wirtschaftskraft der einzelnen
es dem Bürger auch frei stehen, ob er ein Mitgliedsländer bemessen. Rund 19 Millio-
Lokal, in dem geraucht wird, frequentiert nen Euro investierte Österreich in die soge-
oder nicht. Diese Entscheidungsfreiheit nannten Wahlprogramme.
setzt eine Kennzeichnung von Lokalen in
Raucherlokale, Nichtraucherlokale oder Der durch die ESA über Aufträge garantierte
Nichtraucherlokale mit eigenem Extrazim- Rückfluss liegt derzeit bei 94 Prozent inner-
mer für Raucher voraus. halb von fünf Jahren. Österreich verfügt
über hoch qualifizierte Produzenten von
Daher ist eine unbürokratische und klare Nischenprodukten, von der Softwareent-
Kennzeichnung aller Gastronomiebetriebe wicklung über die digitale Elektronik bis hin
in Österreich umzusetzen, aufgrund derer zu neuen Antriebssystemen. Das umschließt
ein Gast bereits vor Betreten eines Lokals auch kleine Firmen wie etwa den Software-
entscheiden kann, ob er das Lokal aufgrund Entwickler GeoVille in Innsbruck.
einer möglichen Belastung durch Passiv-
rauchen besuchen will oder nicht. Einseitige Mit rund 40 Personen kommen etwa zwei
Zwangsmaßnahmen für Gäste und Unter- Prozent der insgesamt 1.967 ESA-Mitarbei-
nehmer werden abgelehnt. ter (2006) aus Österreich.
Österreich hat im Laufe der vergangenen chend dem Schadstoffausstoß und der
Jahre mit der Schwerpunktsetzung auf Erd- Motorklasse. Die KFZ-Steuer soll für schad-
beobachtung und Telekommunikation bezie- stoffärmste LKW nicht höher sein, als der
hungsweise Navigation die richtigen Bereiche von der EU vorgegebene Mindeststeuersatz.
forciert. Aus diesen Forschungsgebieten sind Wir bekennen uns weiters zu einer Ökologi-
das europäische Satellitennavigationssystem sierung der LKW-Mautgebühren, entspre-
119
Galileo und das satellitengestützte Erdbeob- chend den Schadstoffklassen im Sinne eines
achtungsprogramm GMES (Global Monitoring Bonus-Systems für umweltfreundliche

Wohlstand und Arbeitswelt


for Environment and Security) entstanden. Fahrzeuge. Diese Maßnahmen kommen hei-
mischen Frächtern, die im Vergleich zur
Derzeit trägt Österreich mit rund 35 Millio- ausländischen Konkurrenz, vor allem aus
nen Euro pro Jahr etwa 1,3 Prozent des dem Osten, über umweltfreundlichere Fahr-
ESA-Budgets. Wir bekennen uns zu einer zeuge verfügen, zugute.
Beteiligung im Ausmaß von 2,2 Prozent. Das
entspricht jährlichen Kosten von rund 60 5.3.21) Befreiung vom Andienungszwang
Millionen Euro. Dieser Beitrag ist im Hin-
blick auf die besondere Stellung heimischer Es gibt in Österreich ein bundesweit gelten-
Betriebe, aufgrund der garantierten Rück- des Abfallwirtschaftsgesetz, das sich aber
flüsse und einem zu erzielenden Wettbe- nur auf bestimmte Bereiche bezieht. Alles
werbsvorsprung gerechtfertigt. andere ist Ländersache, wodurch es in neun
Bundesländern neun verschiedene Rege-
5.3.20) Reform der LKW-Besteuerung lungen gibt. Das ist vor allem für jene
Betriebe, die in mehr als einem Bundesland
Der scharfe Wettbewerb sowie unfaire Steu- tätig sind, ein wesentlicher Nachteil.
ern in Österreich tragen dazu bei, dass hei-
mische Transportunternehmen über Gebühr Einen wesentlichen Kritikpunkt stellt die
belastet werden und vermeidbare Insolven- Tatsache dar, dass die neun Landesabfall-
zen auftreten. wirtschaftsgesetze jeweils unterschiedliche
Regelungen dahingehend enthalten, ob ein
Laut einer Studie der Wirtschaftsuniversität Betrieb seine nicht gefährlichen Abfälle über
Wien (WU) verliert die Republik rund die kommunale Entsorgung abzuführen hat.
50.000,- Euro jährlich an Steuern und Versi- Wir bekennen uns dazu, für Betriebe mit
cherungsbeiträgen pro ausgeflaggtem LKW. mehr als 20 Beschäftigten eine Ausnahme
Ein Viertel der LKW, die sich im Besitz öster- vom Andienungszwang zu ermöglichen.
reichischer Unternehmen befinden, werden Diese Betriebe sind gemäß § 10 Abfallwirt-
bereits im Ausland angemeldet. Werden schaftsgesetz ohnehin zur Erstellung eines
keine Gegenmaßnahmen getroffen, progno- eigenen Abfallwirtschaftskonzeptes ver-
stiziert die WU-Studie den Verlust von mehr pflichtet, wodurch eine ordnungsgemäße und
als 11.000 Arbeitsplätzen bis ins Jahr 2008, sachgerechte Entsorgung sichergestellt ist.
das wären über 10 Prozent der Beschäftig-
ten im Straßengüterverkehr. In Summe wür- 5.4) Arbeitnehmer in Österreich
den jährlich etwa 565 Millionen Euro an
5.4.1) Unternehmer und Mitarbeiter als
Steuern und Abgaben durch Ausflaggungen
Partner für Österreichs Wirtschaft
verloren gehen.
Freiheitliche Politik spielt Unternehmer und
Wir bekennen uns zu einer Staffelung der
Mitarbeiter nicht gegeneinander aus. Ver-
Höhe der Kfz-Steuer für LKW entspre-
nünftige Wirtschafts- und Arbeitnehmerpoli-
tik führt zu mehr Lebensqualität und mehr was einer Aufwertung der Rechte von atypisch
Wohlstand in unserem Heimatland. Beschäftigten gleichkommt.

Es gibt eine Reihe von Maßnahmen, die 5.4.3) Erleichterung geringfügiger


zugunsten von Arbeitnehmern in Österreich Beschäftigung
umzusetzen sind:
120
Die Institution der geringfügigen Beschäfti-
5.4.2) Atypische gung ermöglicht es vielen leistungsbereiten
Wohlstand und Arbeitswelt

Beschäftigungsverhältnisse Menschen, neben ihrem hauptsächlichen


Tagesablauf zusätzlich produktiv tätig zu
In den 1990er Jahren des vorigen Jahrhun- sein, ohne exorbitante Abgabenbelastungen
derts kam die Idee der atypischen Beschäf- in Kauf nehmen zu müssen.
tigungsverhältnisse – wie etwa freie Dienst-
verträge, geringfügige Beschäftigung oder Eindeutig negativ wirken sich auf diese Ziel-
Werkverträge - in Mode. Diese durchaus setzung jedoch die Beschränkungen der
adäquate Methode der Arbeitsflexibilisie- täglichen Verdienstgrenze sowie die Ausge-
rung wurde auch von der FPÖ begrüßt. Die staltung der Geringfügigkeitsgrenze als
FPÖ bekennt sich jedoch im Rahmen ihrer Freigrenze aus. Beide Einschränkungen hal-
gesamtwirtschaftlichen und sozialen Ver- ten viele Menschen ob zu hoher Sozialversi-
antwortung aufgrund einer immer häufiger cherungskosten von erwünschten produkti-
anzutreffenden Entartung des Systems zu ven Zusatztätigkeiten ab und bewirken so
einer Verbesserung dieses Modells. War es negative externe Effekte.
früher noch so, dass viele Arbeitnehmer
einen Vorteil für sich sehen konnten, wird Neben der monatlichen Geringfügigkeits-
das System der atypischen Beschäftigungen grenze von 333,16 Euro existiert eine zweite
immer mehr zum Kosten sparenden Spiel- Verdienstgrenze von 25,59 Euro pro Tag.
ball weniger Profiteure. Unterschiedlichste geringfügige Tätigkeiten
konzentrieren sich jedoch nach Art der
Während sich eine geringe Anzahl von Konzer- Beschäftigung auf wenige Tage im Monat,
nen Kosten in Millionenhöhe insbesondere im wobei die monatliche Verdienstgrenze nicht
Bereich der Sozialversicherung erspart und überschritten wird, die Tagesgrenze jedoch
von den politisch Verantwortlichen eine höhe- sehr wohl. Aufgrund der Ausgestaltung als
re Beschäftigungsrate vorgetäuscht wird, ist Freigrenze wird mit Überschreiten der
es abermals die Arbeitnehmerschaft, welche Geringfügigkeitsgrenze der gesamte Zusatz-
unter den Bedingungen zu leiden hat. verdienst voll sozialversicherungspflichtig,
wobei es im Falle einer geringfügigen Zusatz-
Wochenendarbeit, Freizeit im Schicht- und beschäftigung zu einer Hauptbeschäftigung
Blockbetrieb, unsichere Arbeitsplätze ohne auch noch zu einer kumulativen Wirkung der
genügende soziale Absicherung und keiner- Sozialversicherungspflichten kommt.
lei gewerkschaftlich organisierte Vertretung
sind eine sozialstaats-inkompatible Realität, Die FPÖ fordert die Beseitigung dieser für
mit der rund eine Million Arbeitnehmer, wel- die betroffenen Arbeitnehmer grob nachtei-
che in atypischen Beschäftigungsverhältnis- ligen Bestimmungen, indem die Tagesver-
sen Dienst verrichten, konfrontiert sind. dienstgrenze ersatzlos gestrichen und die
monatliche Geringfügigkeitsgrenze als Frei-
Die FPÖ bekennt sich zu einheitlichen arbeits- betrag gestaltet wird. Die Kosten werden
rechtlichen Regelungen für alle Arbeitnehmer, vom Österreichischen Institut für Wirt-
schaftsforschung (WIFO) auf rund 50 Millio- nen. Wer am Arbeitsplatz nicht in der Lage
nen Euro geschätzt und können sich durch ist, Anweisungen in deutscher Sprache zu
eine erhöhte Wertschöpfung rasch amorti- folgen oder einfache Notizen in deutscher
sieren. Sprache festzuhalten und wer der Unter-
richtssprache in der Berufsschule nicht fol-
5.4.4) Konkurrenzklauseln gen kann, ist für das duale Ausbildungssy-
121
stem in Österreich nicht reif und muss vor
In jüngerer Zeit beklagen immer mehr Eintritt in ein Lehrverhältnis die deutsche

Wohlstand und Arbeitswelt


unselbständig Erwerbstätige so genannte Sprache lernen.
Konkurrenzklauseln in ihren Dienstverträ-
gen. Diese Vertragsbestandteile wurden Mangelnde Motivation der Jugendlichen, ein
ursprünglich für Fachkräfte aus den Berei- schlechtes Image der dualen Ausbildung
chen Technik und Management eingeführt, „Lehre“ und der immer größer werdende Man-
um die unerwünschte Weitergabe von gel an Lehrstellen haben wesentlich dazu bei-
Betriebsgeheimnissen an konkurrierende getragen, dass die Anzahl der Lehrlinge sinkt
Unternehmen durch Abwerbung von Fach- und im Gegenzug die Wirtschaft immer mehr
kräften zu verhindern. Arbeitskräfte aus dem Ausland einfordert.

Völlig unverständlich sind solche Klauseln Ein besonders auffallender Umstand ist
aber in Dienstverträgen bei Arbeitnehmern, jener, dass kleinere Bundesländer wie Tirol,
die nicht als Geheimnisträger gelten oder das Burgenland oder Vorarlberg über noch
als Spezialkräfte mit eng an den Betrieb gesunde Strukturen betreffend der Lehr-
gebundenen Fertigkeiten versehen sind. lingsausbildung verfügen, was sich in einer
verhältnismäßig großen Anzahl an Lehrlin-
Die FPÖ spricht sich für eine sinnvolle Ein- gen, im Vergleich beispielsweise zu Wien,
schränkung der Möglichkeit von Konkur- manifestiert.
renzklauseln in Arbeitsverträgen aus. Die-
ses Instrument sollte seiner ursprünglichen Die Hälfte aller Lehrstellen stellt der Bereich
Intention entsprechend ausschließlich für Gewerbe und Handwerk bereit. Die Industrie
hoch qualifizierte Fachkräfte im engeren hinkt deutlich hinterher und hat sich aus ihrer
Sinn möglich sein. Verantwortung für die Ausbildung von Fach-
arbeitern in Österreich - trotz steigender
5.4.5) Renaissance des dualen Ausbil- Gewinne - in weiten Bereichen verabschiedet.
dungssystems
Unter den beliebtesten Berufen bei den
Seit 1990 ist die Anzahl der Lehranfänger Mädchen liegen Einzelhandelskauffrau, Fri-
von fast 50 Prozent auf rund 40 Prozent seurin und Bürokauffrau im absoluten Spit-
gesunken. Der hohe Anteil von Schülern, zenfeld, bei den Burschen sind es der KFZ-
die der deutschen Unterrichtssprache Mechaniker, der Elektriker und der Tischler.
nicht folgen können, senkt das Ausbil-
dungsniveau von Berufsschulen vor allem Es ist unbedingt notwendig, Kinder und
im urbanen Raum. Eltern bereits ab der sechsten Schulstufe
über diverse Berufsmöglichkeiten und Ent-
Voraussetzung für den Zugang zur dualen wicklungen am Arbeitsmarkt zu informie-
Ausbildung ist daher die Fähigkeit, die deut- ren. Die Palette an Ausbildungsmöglichkei-
sche Sprache zu verstehen und sich in Wort ten ist groß und nicht immer sind es die
und Schrift auf Deutsch ausdrücken zu kön- klassischen Lehrberufe, die die besten
Zukunftschancen bieten oder den Talenten dung macht es möglich, die Berufsschulzei-
der Kinder entsprechen. ten zu verlängern und damit eine bessere
Grundausbildung für unsere Lehrlinge zu
Neben rund 5.000 Jugendlichen, die derzeit ermöglichen.
wegen der fehlenden betrieblichen Lehrstel-
lenplätze in Auffangkursen ausgebildet wer- Denn viele junge Menschen in Österreich
122
den, gibt es zusätzlich ca. 10.000 Jugendli- sind Leidtragende eines Bildungssystems,
che, die entweder eine Lehrstelle suchen das aufgrund der hohen Zahl von Schülern
Wohlstand und Arbeitswelt

oder kurzfristige AMS-Kurse absolvieren mit unzureichenden Deutschkenntnissen an


und daher in naher Zukunft auch einen Aus- Qualität verloren hat. Zahlreiche österrei-
bildungsplatz brauchen. chische Lehrstellensuchende sind durch
ihre mangelhafte schulische Vorbildung
Dieses Schicksal einer erfolglosen Lehrstel- nicht ausreichend qualifiziert.
lensuche trifft mit stark steigender Tendenz
gegenwärtig insgesamt rund 15.000 Lehr- Eine Studie des AMS-Wien, die im Jahr 2007
stellensuchende in Österreich. Der Anmel- veröffentlicht wurde, zeigt vor allem die
dung zur Arbeitslosigkeit beim AMS folgen Defizite bei Jugendlichen mit Migrationshin-
bei solchen Schicksalen oft eine Lehrstel- tergrund auf. 12.000 Jugendliche in Wien
lensuche mit Hilfe desselben, bei mangeln- waren im Studienzeitraum arbeitslos, wobei
dem Erfolg eine Unterweisung in Berufsori- sich rund die Hälfte in Schulungen befand.
entierung und danach der Besuch eines Auf- Der Frauenanteil lag bei knapp 40 %. Zwei
fanglehrgangs, der auf die Lehrzeit ange- Drittel der Arbeitslosen haben einen Migra-
rechnet wird. Während dieser Zeit sind die tionshintergrund. Das AMS kommt zur Fest-
Jugendlichen beim jeweiligen Lehrgangs- stellung, dass vor allem mangelnde Sprach-
träger sozialversichert, besuchen die kenntnisse der Grund für die Arbeitslosig-
Berufsschule wie in einem regulären Lehr- keit sind und führt weiters aus, dass sich die
verhältnis und machen ein Praktikum in Sprachdefizite auch bei Jugendlichen mani-
Betrieben. festieren, die in Österreich die Schulpflicht
durchlaufen haben. Die Jugendlichen haben
Als Anreiz zur Einstellung von Lehrlingen also österreichische Schulen besucht, ohne
und um der dualen Ausbildung wieder zu ausreichend Deutsch zu lernen. Leidtragen-
einem höheren Stellenwert zu verhelfen, de sind auch österreichische Schüler ohne
schlagen wir vor, die Kosten österreichi- Migrationshintergrund, die in diesen Schu-
scher Lehrlinge während der Berufsschul- len keinesfalls in den Genuss einer guten
zeit von der öffentlichen Hand tragen zu las- Ausbildung kommen können. Hier muss
sen. Die Lehrlingsausbildungsprämie ist rasch Abhilfe geschaffen werden.
beizubehalten.
Die Kosten des freiheitlichen Modells
Dies soll auch eine Ausgleichsmaßnahme zu zugunsten einer Renaissance der dualen
den Schülern mittlerer und höherer Schulen Ausbildung betragen bei 120.000 Lehrlingen
darstellen, denen der Staat ihre Bildung zum in Österreich rund 100 Millionen Euro pro
überwiegenden Teil bezahlt, wenngleich sie Jahr und sind ein bedeutsamer Beitrag zur
zum Unterschied von Lehrlingen noch keinen Bekämpfung der dramatischen Tendenz zur
effektiven Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Jugendarbeitslosigkeit und zur Eröffnung
Wertschöpfung leisten können. beruflicher Perspektiven für junge Men-
schen. Außerdem kann auf diese Weise ein
Dieses Modell zugunsten der dualen Ausbil- Beitrag geleistet werden, dem in naher
Zukunft drohenden Fachkräftemangel vor- beschlossen und somit die Möglichkeit
beugend entgegen zu wirken. eröffnet, parallel zur Lehrausbildung eine
Berufsmatura zu machen. Während der
Es handelt sich dabei nicht nur um eine Lehrzeit können sich Lehrlinge auf die
Form der Jugendförderung, es ist dies auch Berufsreifeprüfung vorbereiten und Teilprü-
eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme fungen absolvieren. Wurde die Berufsreife-
123
sowie eine effektive Form der Wirtschafts- prüfung bestanden, steht einem Studium an
förderung für unsere Klein- und Mittelbe- einer Universität oder einer Fachhochschule

Wohlstand und Arbeitswelt


triebe, welche das Rückgrat der dualen Aus- nichts mehr im Wege.
bildung in Österreich sind. Mit diesem
Modell wird zudem dem Trend entgegenge- Bis jetzt war diese Variante in weiten Krei-
wirkt, dass immer mehr Lehrlinge in wenig sen der Bevölkerung gänzlich unbekannt.
produktiven, geschützten Bereichen außer- Auch viele Lehrlinge, die sich bereits im 2.
halb der Betriebe zu Lasten ihrer Ausbil- oder 3. Lehrjahr befinden, haben nichts von
dungsqualität ausgebildet werden. dieser Möglichkeit gehört. Selbst mit Infor-
mationen ausgestattete Personen weisen
Entscheidet sich ein Unternehmer, das ein lückenhaftes Wissen über diesen zusätz-
Lehrverhältnis nach der Probezeit zu been- lichen und wichtigen Ausbildungsweg auf.
den, so sind der öffentlichen Hand die bisher Hier ist es notwendig, bereits ab der sech-
geleisteten Kostenersätze für den Lehrling sten Schulstufe Aufklärung bezüglich der
zurückzuerstatten. Überzogene rechtliche Berufsreifeprüfung zu betreiben und die
Hürden für das Beenden der Probezeit sol- Vorbereitungskurse in die Berufsschulaus-
len jedoch beseitigt werden. Sie stellen ein bildung zu integrieren.
Hemmnis für das Einstellen von Lehrlingen
dar. Wenn ersichtlich ist, dass der Lehrling, Die Kosten für die Vorbereitung zur Berufs-
trotz aller Bemühungen, für den gewählten reifeprüfung sind derzeit vom Lehrling
Ausbildungsweg nicht geeignet ist oder selbst zu tragen. Die Kursgebühren setzen
wenn sich herausstellt, dass der Lehrling sich aus dem Preis für die Vorbereitungs-
nicht willens ist, die Ausbildung nach lehrgänge, den Prüfungsgebühren und den
bestem Wissen und Gewissen zu absolvie- Kosten für Unterrichtsmaterialien zusam-
ren, muss der Unternehmer das Lehrver- men. Besonders begabte Lehrlinge können
hältnisses beenden können. eine Begabtenförderung für Vorbereitungs-
kurse auf die Berufsreifeprüfung beantra-
Diese Möglichkeit soll nicht zum Nachteil gen. Wir bekennen uns dazu, dass die öffent-
des Lehrlings sein, sondern ihn getreu dem liche Hand alle anfallenden Kosten für die
Leistungsprinzip dazu anhalten, bestmögli- Berufsreifeprüfung trägt. Dies dient der
che Ergebnisse zu erzielen, welche im Gerechtigkeit und kommt dem Wirtschafts-
gesetzten Fall natürlich auch dementspre- standort Österreich, der auf gut ausgebilde-
chend honoriert werden sollen. Herausra- te Mitarbeiter angewiesen ist, direkt zugute.
gende schulische Leistungen und über-
durchschnittliches Engagement im Betrieb Die FPÖ begrüßt die Einrichtung von Ausbil-
sollen daher auch in finanzieller Form durch dungsverbänden. Damit erhalten Unterneh-
Leistungsprämien abgegolten werden. Lei- men die Möglichkeit auch dann Lehrlinge
stung muss sich für den Lehrling lohnen. auszubilden, wenn sie nicht das gesamte
Berufsbild abdecken können.
Bereits 1997 wurde das Bundesgesetz über
die Berufsreifeprüfung im Nationalrat In vielen Regionen Österreichs können Lehr-
linge die Berufsschule im Rahmen eines ein solches Institut sinnvoll, wenn nicht
Internats besuchen. Diese Internate sind für genug Arbeit im Betrieb vorhanden ist. Das
die Berufsschüler leider kostenpflichtig. Die Gesetz sieht eine Teilzeitlehre nicht vor, in
Kosten können, müssen aber nicht vom aus- Ausnahmefällen wird sie aber im sogenann-
bildenden Betrieb übernommen werden. ten rechtsfreien Raum zugelassen. Dieser
Rechtszustand ist angesichts tausender
124
Wir bekennen uns dazu, die Kosten für das Fälle sehr bedenklich. Schließlich kann es
Internat im Rahmen der Berufsschulausbildung nicht darauf ankommen, ob jemand eine
Wohlstand und Arbeitswelt

durch die öffentliche Hand zu übernehmen. Vollzeitlehre in drei Jahren absolviert oder
eine Teilzeitlehre in einem längeren Zeit-
Die FPÖ bekennt sich weiters dazu, durch raum.
Pflege und Wiederbelebung alter Traditio-
nen, wie der Gautschfeier bei den Druckern Insgesamt könnten durch Einführung dieser
die Bedeutung der Facharbeit für die positi- Form der Lehre zahlreiche weitere Lehrstel-
ve Entwicklung unserer Heimat und für len geschaffen werden.
unsere Zukunft publikumswirksam zu
unterstreichen. Wer erfolgreich eine Lehre 5.4.7) Vom Hilfsarbeiter zum
absolviert oder gar den Weg zum Meister Facharbeiter
beschreitet, der kann auf seinen Berufsweg
stolz sein. Österreich leidet nicht zuletzt aufgrund der
bestehenden Schwächen in der dualen Aus-
Für uns ist die alte Handwerkstradition generell bildung an einem Facharbeitermangel. Wie
mit neuem Leben zu erfüllen. Viele Jugendliche so oft wird hier zuerst der Ruf nach auslän-
wären an Ausbildungen in traditionellen Hand- dischen Arbeitnehmern laut. Dabei wäre es
werksberufen (Bootsbauer, Schmied, Kupfer- durchaus möglich, qualifizierten Hilfsarbei-
schmied, Hutmacher, Schuhmacher, Kunst- tern die Chance zum Aufstieg als Facharbei-
tischler, Weiß- und Schwarzbinder,...) interes- ter zu geben. In vielen Branchen sind Hilfs-
siert. Diese werden aber kaum oder gar nicht arbeiter aufgrund ihrer langjährigen Berufs-
angeboten, weil es sich um "aussterbende erfahrung zu Tätigkeiten qualifiziert, die
Berufe" handelt, wodurch wertvolles, durch einem Facharbeiter zu übertragen sind.
Jahrhunderte, oftmals durch Jahrtausende Obwohl der Beruf nicht im Rahmen einer
gesammeltes Handwerkswissen verloren geht. Lehre erlernt wurde, ist durch die langjähri-
ge Tätigkeit eine Facharbeiterqualifikation
5.4.6) Die Teilzeitlehre entstanden. Das Wissen und die Fähigkeiten
sind jedoch durch einen Gesellenbrief beur-
Derzeit gibt es in Österreich keine Möglich- kundet.
keit, eine Teilzeitlehre zu absolvieren.
Es ist daher sinnvoll, qualifizierten und tüch-
Tausende junge Menschen sind aufgrund tigen Hilfsarbeitern die Möglichkeit zu geben,
ihrer Lebensumstände nicht in der Lage, im Rahmen einer Schulung als Facharbeiter
eine Lehre, wie sie heute vorgeschrieben bestätigt zu werden. Für den ehemaligen
wird, zu absolvieren. Besonders betroffen Hilfsarbeiter ergibt sich dadurch eine faire
sind Mütter, die in jungen Jahren schwanger Entlohnung. Die Schere zwischen Leistung
werden oder junge Menschen, die durch und Verantwortung wird geschlossen. Auch
Krankheit nicht voll einsetzbar sind. für den Betrieb ist dieser Aufstieg ein Vorteil.
Er kennt den meist langjährigen Mitarbeiter
Aber auch aus Sicht der Lehrherren wäre und benötigt als Facharbeiter keine neue
Quotenarbeitskraft aus dem Ausland. Auch Die FPÖ bekennt sich zur Korrektur solcher-
sprachliche Hürden bestehen nicht, die art negativ wirkender und unsinniger Vor-
Betriebsgewohnheiten sind bekannt und schriften sowie zu hohen arbeitsrechtlichen
müssen nicht neu erlernt werden. Standards für alle unselbständig Beschäf-
tigten.
5.4.8) Arbeitsrecht
125
5.4.9) Absetzbarkeit von haushaltsnahen
Die in langen Jahrzehnten von der Arbeit- Dienstleistungen

Wohlstand und Arbeitswelt


nehmerschaft erkämpften arbeitsrechtli-
chen Schutzbestimmungen müssen zum Ausgaben für bestimmte haushaltsnahe
Wohle der Bevölkerung weiterhin ihre Dienstleistungen (z.B. Gartenarbeiten, Rei-
Schutzwirkung entfalten und den Menschen nigung, Kinderbetreuung, Reparaturen am
eine ansprechende Lebensgestaltung Haus, Handwerksarbeiten, usw.) sollen als
ermöglichen. Der Mensch hat seinen Zweck Werbungskosten von der Steuer absetzbar
in sich und ist mehr als ein Lohnempfänger, und somit deutlich günstiger sein. Die Steu-
der in unserer Gesellschaft produktiv sein erabsetzbarkeit ist mit einer weiteren Ober-
und als robotierter Nutzmensch funktionie- grenze von 3.000 Euro pro Person im
ren muss. gemeinsamen Haushalt und Jahr gedeckelt.

Die FPÖ lehnt aus diesem Grunde einseitige Dies würde einen zusätzlichen Anreiz geben,
Lockerungen zu Lasten der Arbeitnehmer haushaltsnahe Dienstleistungen mittels
wie die Abschaffung der Sonntagsruhe oder Dienstleistungsscheck zu bezahlen, da
die Ausdehnung der Wochenarbeitszeit bei somit der Nachweis einer offiziellen
gleichem Lohn oder Gehalt entschieden ab. Beschäftigung gewährleistet ist. Bei allen
anderen, nicht vom Dienstleistungsscheck
In bestimmten Bereichen baut das Arbeits- umfassten Tätigkeiten (zum Beispiel Hand-
recht aber überzogene und letztlich für die werks- und Reparaturarbeiten) stellt die
Beschäftigung kontraproduktive Hürden auf. Absetzbarkeit darüber hinaus einen Anreiz
Diese Hindernisse sind umgehend zu besei- zur offiziellen Beschäftigung dar, die der
tigen. Schattenwirtschaft vorbeugt. Die daraus
resultierenden Kosten betragen für die
Als wesentlichste Ausprägung ist die umfas- öffentliche Hand zunächst 260 Millionen
sende Beschränkung im betrieblichen Ein- Euro, können jedoch in Folge einer volks-
satz von Lehrlingen zu identifizieren. Es wirtschaftlichen Gesamtrentabilität (weni-
kann nicht Sinn und Zweck des Arbeits- ger Ausgaben für Sozialleistungen, Steuer-
rechts sein, Lehrlingen auch absolut übliche mehreinnahmen, Eindämmung der
Arbeiten im Rahmen ihrer Ausbildungsstät- Schwarzarbeit, zusätzliche Einnahmen für
ten per Gesetz zu untersagen und sie so Sozialversicherungen, usw.) entsprechend
nicht nur an einer praxisnahen Ausbildung reduziert werden.
zu hindern, sondern es auch für die Unter-
nehmen, insbesondere wieder Klein- und 5.4.10) Nichtbesteuerung von
Mittelbetriebe, die den Löwenanteil der Überstunden
Lehrlingsausbildungsarbeit leisten, zu
einem merkbaren wirtschaftlichen Bela- Wir bekennen uns zur Ausweitung der Nichtbe-
stungsfaktor zu machen. Aus dieser Per- steuerung von Überstunden. Der Maxime „Lei-
spektive kann die dramatisch steigende stung muss sich lohnen“ folgend, sollten statt
Jugendarbeitslosigkeit nicht verwundern. derzeit 5 Überstunden hinkünftig 10 Überstun-
den steuerfrei gestellt werden. Die FPÖ tritt für unserer Staatsfinanzen und wird zu Recht
die Leistungsträger ein, denen ermöglicht wer- als sprichwörtliche Melkkuh des Finanzmi-
den soll, im Falle von Leistung durch Mehrar- nisters bezeichnet.
beit in den Genuss einer Steuerreduktion zu
gelangen. Nicht überall in Österreich stehen lei-
stungsfähige öffentliche Verkehrsmittel
126
5.4.11) Mehr Sicherheit nach zur Verfügung. Ein großer Teil der Arbeit-
einer Änderungskündigung nehmer ist daher nach wie vor auf das pri-
Wohlstand und Arbeitswelt

vate Fahrzeug angewiesen.


Im Zuge von Einsparungsmaßnahmen wird
mit Dienstnehmern oft eine Änderung des Die FPÖ fordert die Zweckwidmung der
Vertrages vereinbart. Arbeitszeiten Mineralölsteuer, die derzeit nicht dem
und/oder das Entgelt werden damit redu- Erhalt der Straßen, sondern dem Stopfen
ziert. von Löchern im Staatshaushalt zugute
kommt.
Es ist nicht einzusehen, warum jemand,
der einer Änderungskündigung zustimmt Die Mineralölsteuer zählt zu den wichtig-
und damit weiter beschäftigt bleibt und der sten gemeinschaftlichen Bundesabgaben.
Arbeitslosenversicherung nicht zur Last Mehr als die Hälfte davon wird vom Pkw-
fällt, aus dem Bemessungsgrundlagen- Verkehr aufgebracht. Die Mineralölsteuer
schutz heraus fällt und dafür durch Her- war jahrzehntelang das wichtigste Finan-
absetzung seiner Bemessungsgrundlage zierungsinstrument für den Straßenbau
bestraft wird. Würde er der Änderungskün- und die Straßenerhaltung in Österreich.
digung nicht zustimmen, hätte er einen Die zweckgebundenen Einnahmen ent-
Anspruch auf Arbeitslosengeld und damit sprachen ungefähr dem Straßenbaubud-
zusammenhängend auch einen Bemes- get. Im Jahr 1987 wurde diese Zweckbin-
sungsgrundlagenschutz. dung der Mineralölsteuer aufgehoben.
Seither fließen diese Einnahmen in das all-
Das Risiko aber, bei weiteren Einsparungs- gemeine Bundesbudget.
maßnahmen endgültig gekündigt zu wer-
den, dann aber aufgrund der geringeren Die Pendlerpauschale wird derzeit als
Bemessungsgrundlage auch einen gerin- Freibetrag von der Lohnsteuer abgezogen.
geren Anspruch auf Arbeitslosengeld zu Wer aber aufgrund seines geringen Ein-
haben, bleibt. kommens keine Lohnsteuer zahlt, hat auch
keinen Anspruch auf die Pendlerpauscha-
Für den Fall einer vorausgegangenen le. Die FPÖ bekennt sich zu einer Umge-
Änderungskündigung ist daher für die staltung der Pendlerpauschale in einen
Bemessung des Grundbetrages des Absetzbetrag mit Negativsteuerwirkung.
Arbeitslosengeldes dennoch vom höheren, Dadurch zahlt jeder Pendler ein um diesen
der Änderungskündigung vorangegange- Betrag reduziertes Steuervolumen oder
nen, monatlichen Bruttoentgelt auszuge- erhält dieses direkt ausbezahlt.
hen.
Zudem soll der Pendler als Sofortmaßnah-
5.4.12) Der Autofahrer – me die Möglichkeit erhalten, zwischen
Objekt fiskalischer Begierden Pendlerpauschale und einem Jahresticke
für ein öffentliches Verkehrsmittel ent-
Der Autofahrer ist eine tragende Säule scheiden zu können. Fahrzeuge mit niedri-
gem Verbrauch sollen von der motorbezo-
genen Versicherungssteuer und auch von
der Normverbrauchsabgabe befreit wer-
den.

Das Kilometergeld ist wie die Pendlerpau-


127
schale jährlich zu valorisieren.

Wohlstand und Arbeitswelt


Die FPÖ bekennt sich zu einer völligen
Neuorientierung des Ersatzes der Fahrtko-
sten für Pendler. Auch der unselbständig
Beschäftigte soll seine Fahrtkosten zum
Arbeitsplatz in voller Höhe bei der Arbeit-
nehmerveranlagung geltend machen kön-
nen.
Gesundheit
Österreichische Staatsbürger haben unabhängig von ihrem Alter, ihrem
Geschlecht und ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit das Recht auf bestmög-
liche medizinische Versorgung und Pflege in ihrem Heimatland. 129

Gesundheit
6.1) Medizinische Versorgung unser Gesundheitssystem finanziell massiv
belasten, da geplant ist, dass Gesundheits-
6.1.1) Mehrklassenmedizin
touristen nach den Beitragssätzen in ihrem
und Privilegien
Heimatland in Österreich zu behandeln
wären.
Gesundheit wird von der Weltgesundheitsor-
ganisation (WHO) als ein Zustand körperli-
Es ist festzuhalten, dass Österreichs
chen, psychischen und sozialen Wohlbefin-
Gesundheitswesen vor allem aufgrund der
dens definiert. Im Hinblick auf den zu erwar-
guten Ausbildung unserer Mediziner und
tenden Fortschritt der Medizin und die
einer hohen Leistungsbereitschaft dersel-
demografische Entwicklung gilt es rechtzei-
ben international anerkannt ist. Die vorder-
tig maßgebliche Weichenstellungen vorzu-
gründig geführte Spardebatte ist mit äußer-
nehmen, um auch in Zukunft den gewohnten
ster Vorsicht zu betrachten. Das österreichi-
hohen Qualitätsstandard der ärztlichen Ver-
sche Gesundheitswesen benötigt Struktur-
sorgung und die größtmögliche Versor-
reformen und nicht Einsparungen. Die FPÖ
gungssicherheit für die Bevölkerung auf-
fordert in diesem Zusammenhang mehr
recht erhalten zu können.
Transparenz.
Grundprinzip freiheitlicher Gesundheitspoli-
Denn steigende Kosten bei den Kassen
tik ist das Bekenntnis zu einer hochwertigen
bedeuten nicht zwangsläufig einen Anstieg
medizinischen Versorgung für alle Staats-
der Gesundheitsausgaben. In vielen Fällen
bürger. Eine Mehrklassenmedizin im öffent-
kommt es zu einer Kostenverlagerung von
lichen Gesundheitswesen wird von der FPÖ
den Spitälern zu den Kassen, die sachlich
abgelehnt. Das schließt auch Privilegien auf-
gerechtfertigt ist und den Patienten zugute
grund der sozialen Zugehörigkeit oder der
kommt. Ein Beispiel dafür ist die Krebsthe-
Mitgliedschaft zu einer Religionsgemein-
rapie, die von Spitälern zu niedergelassenen
schaft dezidiert aus.
Ärzten verlagert wird.
6.1.2) Gesundheitsausgaben, Finanzströme
Das Gesundheitssystem braucht vor allem
optimierte Finanzierungsströme. Es wäre
Österreich hat im Jahr 2005 ein Ausgabenni-
kontraproduktiv, eine Reform einseitig den
veau in der Höhe von etwa 25,1 Mrd. Euro
Vorgaben eines Haushaltsjahres im Bundes-

6
oder 10,2 % des BIP für den Bereich
budget zu unterwerfen. Wie wir aus der Vor-
Gesundheit erreicht. Wir rangieren damit
sorge wissen, können erhöhte Ausgaben in
innerhalb der vergleichbaren EU-Länder
einzelnen Bereichen in Summe zu durchaus
hinter Deutschland (10,6 %) und Frankreich
erheblichen Einsparungen führen.
(10,5 %) an der dritten Stelle.
Eine nachhaltige Reform unseres Gesund-
Die Gesundheitsrichtlinie der Europäischen
heitswesens ist zu wichtig, um sie Berufspo-
Union wird von uns abgelehnt. Sie würde
litikern zu überlassen. Ärztekammer, Pfle- setzten Mittel – zum Wohle der Menschen -
ge- und Betreuungspersonal sind unabding- deutlich erhöht werden.
bar in jeden Reformschritt einzubinden. Nur
so kann sichergestellt werden, dass bei- Die FPÖ spricht sich in diesem Zusammen-
spielsweise die völlig überflüssige Chefarzt- hang gegen Selbstbehalte im Gesundheits-
pflicht fällt und ein Bürokratieabbau zu grei- wesen aus, weil sie überproportional untere
130
fen beginnt. Auch die heterogenen Interes- Einkommensschichten belasten und ein
sen der Patienten müssen im Reformpro- Lenkungseffekt umstritten ist.
Gesundheit

zess im Rahmen einer Mitwirkung der


Patientenanwaltschaft erfolgen. Die Patien- Wir bekennen uns zu einer völligen Neuord-
tenanwaltschaft kann zudem unabhängiger nung der Finanzierungsstruktur im Gesund-
Ansprechpartner im Sinne des Rechts auf heitswesen durch einen Übergang von den
Informationen über das medizinische Ange- Sozialversicherungsabgaben auf eine Steu-
bot sein. erfinanzierung. Diese Verbreiterung der Bei-
tragsgrundlage würde eine weitgehende
Die Gesundung des österreichischen Entlastung des Faktors Arbeit garantieren.
Gesundheitssystems muss durch eine Effi-
zienzsteigerung und darf nicht durch Bei- Gesundheit und Pflege sind aus einer Hand
tragserhöhungen erfolgen. Das IHS und zu finanzieren.
Gesundheitsexperten sehen ein Einspa-
rungspotential von bis zu 3 Milliarden Euro 6.1.3) Gesundheit und Pflege
bei qualitativ gleichbleibender Leistung.
Auch im Bereich der Pflege kann es so zu
Privilegien wie sie etwa den Chefärzten der einer gerechten Finanzierung kommen. Ein
Krankenkassen zugedacht wurden, sind Prozent des BIP wird in Österreich für Pfle-
ersatzlos zu streichen. ge, 10 Prozent werden für die sogenannte
medizinische Versorgung aufgewendet.
Die FPÖ bekennt sich dazu, die Finanzierung Auch hier hat es zu einem Ein-Topf-Finan-
aller Gesundheitsleistungen zu konzentrie- zierungsmodell zu kommen.
ren und künftig aus einem Topf sicherzu-
stellen. Es kann nicht sein, dass die Kran- Höchstes Ziel freiheitlicher Gesundheitspo-
kenkassen zusätzlich belastet sind, weil, wie litik ist die bestmögliche Unterstützung von
oben erwähnt, Krebspatienten nicht im Spi- Pflege und Betreuung daheim. Hier kommt
tal, sondern unter optimalen Bedingungen dem Hausarzt als Vertrauensperson höch-
in den eigenen vier Wänden nachversorgt ste Bedeutung zu. Der Hausarzt soll in
werden. Die Kosten hierfür sind für die Zukunft als Erstanlaufstelle eine zentrale
öffentliche Hand in Wirklichkeit geringer. Rolle im ärztlichen Versorgungssystem ein-
nehmen. Aufgrund der zumeist langjährigen
Das derzeitige System der Konkurrenzie- ärztlichen Betreuung seiner Patienten soll-
rung zwischen den verschiedenen Lei- te seine Rolle als Gesundheitsberater
stungsträgern (Krankenanstalten werden einerseits und als Koordinator daheim
durch die öffentliche Hand direkt finanziert – erfolgender Betreuungs- und Pflegemaß-
der extramurale Bereich durch die Sozial- nahmen für die Patienten sowie der erfor-
versicherungen) ist ein politischer Schild- derlichen Überweisungen an Fachärzte
bürgerstreich. Mit zielgerichteter Koordinie- oder Krankenanstalten andererseits, eine
rung und Vernetzung der verschiedenen Lei- Aufwertung erfahren.
stungsanbieter kann die Effizienz der einge-
6.1.4) Flächendeckende Versorgung und enormen Kosten der kurativen Medizin soweit
Leistungsschwerpunkte wie möglich eingedämmt werden können.

Anreize in Form eines neuen leistungsorien- Vorsorge bedingt auch eine lückenlose
tierten Honorarsystems (z.B. Verdoppelung Kennzeichnung der Inhaltsstoffe von
der Leistungen bei Nachtdienst) und Grup- Lebensmitteln. Patienten muss die Möglich-
131
penpraxen sollen zu einer generellen Aus- keit geboten werden, sich bewusst für
weitung der Ordinationszeiten beitragen. gesunde Ernährung zu entscheiden. Den

Gesundheit
Einsatz der Grünen Gentechnik lehnen wir
Die Einrichtung von fachlich sinnvollen Lei- aus diesem und mannigfachen weiteren
stungsschwerpunkten in den Krankenan- Gründen entschieden ab.
stalten ist eine wichtige Maßnahme zur
Standortsicherung, zur Sicherung der hohen Der Gesundheitsvorsorge an Schulen, der
Qualitätsstandards und zur Aufrechterhal- täglichen Turnstunde und der Aufwertung
tung der wirtschaftlichen Effizienz. Aller- der Schulärzte kommt größte Bedeutung zu.
dings muss diese Zuordnung von Leistungs- Bewegungslehre und Sportunterricht an
schwerpunkten fachlich begründet, nach- Schulen sowie der zu forcierende Unter-
vollziehbar und effizient sein. richtsgegenstand Ernährungslehre an
Pflichtschulen begünstig(t)en ein Leben in
Wir anerkennen die Bedeutung von Ordens- Gesundheit und Zufriedenheit.
spitälern für die Gesundheitsversorgung in
Österreich. Sie bestreiten rund 20 Prozent Zur Forcierung der Gesundheitsvorsorge
der heimischen Krankenhausleistungen, können wir uns einen Bonus für jene Versi-
sind jedoch in der Finanzierung nicht den cherten vorstellen, die sich in regelmäßigen
öffentlich-rechtlichen Spitälern gleichge- Abständen den empfohlenen Vorsorgeunter-
stellt. Je nach Bundesland existieren unter- suchungen unterziehen.
schiedliche Vergütungssysteme, in manchen
Bundesländern müssen die Orden als Trä- Im Bereich der Unfallverhütung am Arbeits-
ger der Krankenhäuser namhafte Beträge platz wurde bereits sehr viel erreicht. Wir
zuschießen, sodass die Existenz dieser Häu- setzen uns für eine Offensive der heimi-
ser für die Zukunft nicht gesichert erscheint. schen Gesundheitspolitik zur Verbesserung
der Gesundheit und des Wohlbefindens am
Es ist sicherzustellen, dass im Bereich des Arbeitsplatz ein. Nachdem vom Fonds
österreichischen Gesundheitswesens die Trä- Gesundes Österreich / Betriebliche Gesund-
gervielfalt aufrecht erhalten wird. Daher soll heitsförderung bereits eine Reihe guter Pro-
die kostendeckende Finanzierung der konfes- jekte für Großbetriebe vorliegen, gilt es,
sionellen Krankenanstalten Österreichs diese Modelle für die Bedürfnisse der Klein-
gewährleistet werden, nach Möglichkeit und Mittelunternehmen zu adaptieren. Oft
bereits im Rahmen des Systems der leistungs- sind es einfache Maßnahmen, die die
orientierten Krankenanstaltenfinanzierung. Gesundheit der Arbeitnehmer fördern. Ein
österreichischer Unternehmer hat seinen
6.1.5) Vorsorge Mitarbeitern kostenlos Äpfel zur Verfügung
gestellt. Das Ergebnis: Die Krankenstands-
Die Vorsorge ist für uns Freiheitliche ein Pri- tage sind deutlich gesunken. Offenbar hat
märfokus des Gesundheitswesens. Wir wollen man dort in der Arbeitspause auf die Leber-
ein Umdenken in der Medizin dahingehend kässemmel zugunsten des Apfels verzichtet.
bewirken, dass mit verstärkter Prävention die
6.1.6) Nachsorge litationsanstalten deutlich reduziert, was
nicht nur zu einer beträchtlichen Kostener-
Die von uns angestrebte stärkere Verlage- sparnis führt, sondern auch im Interesse der
rung in den tagesklinischen Bereich und Pflegebedürftigen ist.
eine kürzere Verweildauer im Krankenhaus
setzen entsprechende Nachsorgeeinrich- Es soll daher überprüft werden, wie Case
132
tungen voraus. Der nahtlose Anschluss der Management für Pflegebedürftige in Öster-
Nachsorge an die Akutbehandlung bedingt reich flächendeckend umgesetzt werden kann
Gesundheit

eine optimale Vernetzung der zur Verfügung und in welchem Ausmaß teurere Kranken-
stehenden Einrichtungen. hausbetten und Betten in Rehabilitationsan-
stalten frei gemacht werden können. Ziel
Es gibt tausende Krankenhausbetten, die muss es sein, die Reibungsverluste an den
aufgrund von Engpässen in der Pflege oder Schnittstellen zwischen ambulanter und sta-
mangelnden Privatvermögens Pflegebedürf- tionärer Pflege, hausärztlicher und fachärztli-
tiger durch Patienten belegt werden, die cher Behandlung sowie zwischen medizini-
kein Akutbett, sondern „lediglich“ ein Pfle- scher, pflegerischer und sozialer Betreuung
gebett benötigten. zu vermeiden. Weiters müssen die Versor-
gungskontinuität und eine Qualitätssicherung
Der öffentlichen Hand entstehen dadurch im Pflegebereich gewährleistet werden. Das
erhebliche Mehrkosten und auch für die Case Management würde so auch zu einer
Pflegebedürftigen ist diese Situation unbe- „Anwaltschaft“ der Patienten.
friedigend. Durch ein funktionierendes Ent-
lassungsmanagement für pflegebedürftige 6.1.7) Die HPV-Impfung
Personen in Österreichs Spitälern und
Rehabilitationsanstalten kann für die koor- Gebärmutterhalskrebs ist nach Brustkrebs
dinierte, bedarfs- und bedürfnisorientierte in Europa die zweithäufigste Todesursache
Entlassung der Patienten gesorgt werden. junger Frauen. Gebärmutterhalskrebs ent-
steht infolge einer Infektion durch humane
Das so genannte Case Management kann Papillomaviren (HPV).
entweder in einer eigenen Entlassungsstati-
on oder in fliegenden Teams organisiert Die FPÖ setzt sich dafür ein, die kostenlose
sein. Ein Entlassungsteam soll den Pflege- Impfung gegen HPV zu gewährleisten und in
bedarf des Patienten für die Zeit nach der das Kinderimpfprogramm aufzunehmen.
Entlassung beurteilen.
Forschungen haben ergeben, dass mit einer
Nach der Entlassung soll ein Betreuungs- Impfung gegen den HP-Virus bis zu 80 Pro-
team den Pflegebedarf des Pflegebedürfti- zent der Erkrankungen verhindert werden
gen weiter überwachen und gegebenenfalls können.
anpassen.
6.1.8) Chronisch Kranke
Ziel des Case Managements ist es, Pflege-
bedürftige und pflegende Angehörige zu ent- Für chronisch kranke muss das österreichi-
lasten sowie den effizienten Einsatz der sche Gesundheitswesen künftig Erleichte-
Gesundheitsausgaben der öffentlichen Hand rungen vorsehen. Eine besonders wichtige
sicherzustellen. Durch effektives Case Maßnahme ist die Schaffung von Langzeitre-
Management wird die Zahl vermeidbarer zepten mit Einmalverschreibung und die
Aufenthalte in Krankenhäusern und Rehabi- Schaffung von Großpackungen. Auch die
soziale Deckelung von Selbstbehalten wird cherung zu schaffen, die den Zugang zur
von uns unterstützt. medizinischen Versorgung in Österreich für
Ausländer finanziert. Diese Sozialversiche-
6.1.9) Naturheilverfahren und Generika rung wird durch Abgaben von in Österreich
lebenden und als Gastarbeiter aktiven
Die FPÖ erkennt die steigende Bedeutung Arbeitnehmern gespeist.
133
der Naturheilkunde bei der ganzheitlichen
Behandlung von Krankheiten an und setzt Asylwerber sind aufgrund einer Verordnung

Gesundheit
sich dafür ein, dass Naturheilmittel, welche gemäß § 9 ASVG in die Krankenversicherung
vom Arzt verschrieben werden, so wie jedes einbezogen. Die hierfür zu leistenden Bei-
andere Medikament auch von der Kranken- träge zur Krankenversicherung sind je nach
kassa finanziert werden. Insgesamt kann Betreuungszuständigkeit im Sinne der zwi-
der vermehrte Einsatz von bewährten schen Bund und Ländern geschlossenen
Naturheilmitteln dazu beitragen, die Kran- Vereinbarung nach Art. 15a B-VG über
kenkassen finanziell zu entlasten. Die FPÖ gemeinsame Maßnahmen zur vorüberge-
befürwortet auch den Einsatz von Generika. henden Grundversorgung für hilfs- und
Die Abgabe von Medikamenten durch nie- schutzbedürftige Fremde vom Bund oder
dergelassene Ärzte darf zudem von der Poli- vom betreuenden Bundesland zu entrichten.
tik nicht behindert werden. An Beitragseinnahmen für Asylwerber
haben die Gebietskrankenkassen für das
Immer mehr Österreicher suchen neue, Jahr 2007 insgesamt 19.574.041,- Euro ver-
alternative Behandlungswege und finanzie- anschlagt.
ren diese abseits des öffentlichen Gesund-
heitswesens aus eigener Tasche. Für die 6.1.12) Missbrauch der E-Card
Politik muss das Ergebnis jedweder
Behandlung für den Patienten im Vorder- Durch Chipkartenbetrug entsteht nach einer
grund stehen. Es ist daher laufend zu prü- Untersuchung des Bayerischen Hausärzte-
fen, welche Behandlungsmethoden in die verbandes in der Gesetzlichen Krankenver-
Finanzierung durch das öffentliche Gesund- sicherung jährlich bundesweit allein bei den
heitswesen aufgenommen werden. Der Arzneimittelverordnungen ein Schaden von
Beruf des Naturheiltherapeuten ist gesetz- rund einer Milliarde Euro. Zum Chipkarten-
lich anzuerkennen. betrug gehören nach Angaben von Dr. Wolf-
gang Hoppenthaller, dem Vorsitzenden des
6.1.10) Abtreibung auf Krankenschein und Bayerischen Hausärzteverbandes, sowohl
aktive Sterbehilfe die unberechtigte als auch die missbräuchli-
che Inanspruchnahme von Leistungen.
Im Gegensatz zu SPÖ und Grünen spricht
sich die FPÖ klar gegen eine Abtreibung auf Unberechtigt sei demnach die gemeinsame
Krankenschein aus. Das öffentliche Gesund- Nutzung einer Krankenversichertenkarte
heitswesen finanziert Gesundheit und die durch mehrere Personen, die nicht gesetzlich
Bekämpfung von Krankheiten und nicht die krankenversichert sind ("wandernde Chip-
Vernichtung von Leben. Die FPÖ spricht sich karte"). Dazu gehörten auch Gesundheitstou-
auch klar gegen aktive Sterbehilfe aus. risten etwa aus dem süd- und osteuropäi-
schen Ausland, erläuterte Hoppenthaller vor
6.1.11) Sozialversicherung für Ausländer der Presse in München. Chipkartenmiss-
brauch liege vor, wenn sich Medikamenten-
Für Ausländer ist eine eigene Sozialversi- abhängige mit Hilfe der Chipkarte versorgen
oder wenn Dritte, die nicht versichert sind, 6.1.13) Schutz unserer Kinder
vom Karteninhaber mitversorgt werden. vor Elektrosmog

Vor diesem Hintergrund seien in einer Unter- Bei der Nutzung von Mobiltelefonen tritt im
suchung die Arzneimittelverordnungen pro Kopf eine Absorption hochfrequenter elek-
Person in Bayern im 1. Quartal 2001 analy- tromagnetischer Felder auf, die durch die so
134
siert worden, berichtete Hoppenthaller. Als genannte spezifische Absorptionsrate (SAR),
Indiz für einen Chipkartenbetrug wurden eine einem Maß für den auf die Gewebemasse
Gesundheit

hohe Zahl gleichartiger Arzneimittel- Verord- bezogenen Leistungsumsatz (W/kg), quanti-


nungen sowie die Inanspruchnahme von fiziert wird. Die Begrenzung dieser Absorpti-
mehr als sieben Ärzten oder mehr als drei onsrate ist ein international akzeptiertes
Hausärzten je Chipkarte und Quartal gewer- Strahlenschutzkriterium im Bereich hoch-
tet. Daraus errechnete sich für Bayern eine frequenter elektromagnetischer Felder.
Schadensbilanz von jährlich etwa 150 Millio-
nen Euro und hochgerechnet auf das Bun- Je geringer dieser Wert ist, desto geringer
desgebiet von etwa eine Milliarde Euro. sind auch die gesundheitlichen Bedenken
und ein allfälliges Krebsrisiko.
Nicht verifizierbar sei der Schaden, der
durch wandernde Chipkarten entsteht, die Besonders bei Kindern ist ein Gesundheits-
nur von wenigen Personen benutzt werden risiko nicht auszuschließen, da die hochfre-
oder bei denen nur wenige Medikamente quente Strahlung aufgrund der dünneren
anfallen. Aus verschiedenen Untersuchun- Schädelknochen noch tiefer eindringen
gen sei bekannt, dass es in Deutschland kann. Kinder stehen jedoch immer mehr im
schätzungsweise zwei Millionen vagabun- Fokus von Werbemaßnahmen der Mobil-
dierende Chipkarten gibt. Die mit einem funkbetreiber. 70 Prozent der 12- bis 13-jäh-
Chipkartenbetrug einhergehende mehrfa- rigen in Europa besitzen bereits ein Mobilte-
che Inanspruchnahme von Ärzten löse dar- lefon, Tendenz steigend.
über hinaus Honorarumsätze von mehreren
hundert Millionen Euro jährlich aus. Nach Es ist für Eltern daher sehr wichtig zu wis-
Auffassung Hoppenthallers sollte die Chip- sen, wie hoch der SAR-Wert eines Mobiltele-
karte deshalb künftig mit einem Lichtbild fons ist, das sie ihren Kindern kaufen bzw.
ausgestattet werden. mit dem sie den Kindern das Telefonieren
gestatten wollen.
Es ist zu befürchten, dass man in Österreich
mit einer ähnlich gelagerten Problematik Viele Hersteller geben die SAR-Werte in den
konfrontiert ist. Wir setzen uns daher dafür Bedienungsanleitungen an. Um die Konsu-
ein, mit jeder Neuausstellung zum Beispiel menten ausreichend zu informieren, setzt
infolge Verlusts oder Diebstahls, jedenfalls sich die FPÖ dafür ein, die Hersteller zur
aber mit der geplanten Neuausgabe der Angabe des SAR-Wertes auf der Verpackun
neuen E-Cards ab 2010 auch ein Passfoto des Mobiltelefons zu verpflichten.
zur eindeutigen Identitätsfeststellung zu
implementieren. 6.2) Blaulichtorganisationen
Die FPÖ anerkennt die hohe Bedeutung der
Weiters soll ab sofort die „alte“ E-Card nur
ehrenamtlichen Tätigkeit vor allem bei Blau-
in Verbindung mit einem Lichtbildausweis
lichtorganisationen für unser Gesundheits-
verwendet werden.
wesen. Man denke nur an die vielen Feuer-
wehrleute, die bei technischen Einsätzen
Leben retten, an die Freiwilligen beim Roten Gleichzeitig muss Wissen über Ernährung,
Kreuz, die ihre Freizeit in das Wohl und die Gesundheit (unter Einbindung des Schularz-
Gesundheit unserer Mitbürger investieren. tes) und richtige Bewegung vermittelt wer-
Diese Leistungen der Freiwilligen müssen den. Wir sind für die Realisierung kurzer
gebührend honoriert werden. Etwa durch Bewegungsprogramme während der Schul-
eine Anerkennung im Rahmen der Schwer- pausen, die das Wohlbefinden und die Kon-
135
arbeiterregelung oder aber durch Reduktion zentrationsfähigkeit der Kinder erhöhen.
bis Wegfall von Selbstbehalten für Freiwilli-

Gesundheit
ge, die dem Gesundheitswesen dienen. Der Schutz unserer Kinder vor Suchtmittel-
Blaulichtorganisationen sollen zudem von missbrauch, vor Drogen- und Alkoholsucht
der Mehrwertsteuer befreit werden. hat für uns höchste Bedeutung. Die Verant-
wortung des Elternhauses ist einzumahnen.
6.3) Sport und Bewegung Die Folgekosten für die Behandlung minder-
jähriger Komasäufer dürfen nicht auf die
6.3.1) Sport reduziert
Allgemeinheit abgewälzt werden.
Gesundheitsausgaben
6.3.3) Behindertensport
Fast die Hälfte der Österreicher ist sportlich
aktiv, was maßgeblich zu Wohlbefinden und
Besonders zu erwähnen sind die gesteiger-
Gesundheit beiträgt und sich folgerichtig
ten Aktivitäten im Bereich des Behinderten-
direkt auf den öffentlichen Haushalt aus-
sports. Die Leistungsträger haben in den
wirkt. Denn Menschen, die sich bewegen,
letzten Jahren aufgrund stärkerer Unter-
sind seltener krank.
stützung vor allem der Medien mehr Auf-
merksamkeit erhalten und haben eine
Es ist volkswirtschaftlich sinnvoll, die zur
besondere Vorbildfunktion für tausende
Verfügung stehenden Bundessportförder-
Menschen, die mit Behinderungen den All-
mittel zu erhöhen. Werden die Gelder richtig
tag zu meistern haben.
eingesetzt, sinken gleichzeitig die Ausgaben
im finanziell arg gebeutelten Gesundheits-
In Rehabilitationsanstalten sind diese Spit-
wesen.
zensportler gern gesehene Gäste und ver-
mitteln so ein klares Bild davon, wie man
6.3.2) Aktivitäten für
trotz Behinderung im Alltag erfolgreich sein
Kinder und Jugendliche
kann. Die Förderung für den Behinderten-
sport muss daher weiter ausgebaut werden.
Wesentlich ist für uns, das Bedürfnis nach
sportlichen Aktivitäten bereits in jungen
6.3.4) Sport und Parteipolitik
Jahren zu wecken. Daher kommt der spiele-
risch-sportlichen Aktivität bereits im Kin-
Die FPÖ bekennt sich zum Leistungsgedan-
dergarten und in den ersten Schuljahren
ken und zur Chancengerechtigkeit. Das ist
enorme Bedeutung zu. Wir sprechen uns für
auch die Grundlage für eine funktionierende
die tägliche Turnstunde aus.
Sportförderung in Österreich.
Schulsport muss entschlossen gefördert
Vor allem der nach wie vor bestehende Ein-
werden. Das Projekt „Sportkids“ wird von
fluss von Parteisekretariaten auf Sportver-
der FPÖ unterstützt und soll in dieser Form
bände wird von der FPÖ abgelehnt. Es ist
weiter ausgebaut werden.
völlig unerheblich, welcher Partei ein Athlet
angehört – oder nicht angehört.
6.3.5) Spitzensport und Doping 6.3.6) Finanzielle Förderung von Sport
und Spitzensport
Spitzensportler stellen eine Leistungselite
dar, der für viele Menschen in Österreich Die FPÖ bekennt sich zur finanziellen Förde-
nicht nur in sportlichen Belangen, sondern rung des Sports durch die öffentliche Hand.
auch charakterlich Vorbildwirkung zukommt. Bei der Vergabe von Sportfördermitteln und
136
Wir bekennen uns zum Kampf gegen Doping, öffentlichen Zuschüssen muss die Entbüro-
das den Regeln des Fairplay widerspricht. kratisierung gefördert und die Autonomie
Gesundheit

Nur dopingfreier Spitzensport ist glaubwür- der Sportverbände gestärkt werden.


dig und verdient unsere Unterstützung.
Doping ist vor allem Betrug an sich selbst. Die Förderung des Spitzensports durch die
Wirtschaft wird von der FPÖ ausdrücklich
Da Sportler meist durch ihr unmittelbares begrüßt und muss in der Fiskalpolitik stär-
Umfeld zum Doping verführt werden, legt kere Unterstützung finden.
die FPÖ ihr Hauptaugenmerk auf die
Dopingprävention. Den Sportlern müssen Die Zweckzuwendungen aus dem Glücks-
daher Vertrauenspersonen zur Seite stehen, spiel für den Sport sind eine der wesentlich-
die wirtschaftlich nicht unmittelbar vom sten Errungenschaften unserer Sportförde-
Erfolg des Athleten abhängig sind. rung und sind daher beizubehalten.

Gleichzeitig muss die große Mehrheit der


sauberen und ehrlichen Athleten vor unge-
rechtfertigten Verdächtigungen und
Beschuldigungen geschützt werden.

Im Zusammenhang mit Doping lehnt die


FPÖ auch gentechnische Manipulation zum
Zweck der sportlichen Leistungssteigerung
ab. Dieses Thema wird in den nächsten Jah-
ren zweifellos an Bedeutung gewinnen.

Für den Spitzensport in Österreich ist es


wichtig, die eingesetzten finanziellen Mittel
einer optimierten Kontrolle zu unterstellen.
Sie haben vor allem der Talententwicklung
zu dienen.
137

Notizen
Sicherheit
Österreich hat sein Staatsgebiet zu schützen und seinen Staatsbürgern in der
Heimat und im Ausland Schutz und Hilfe zu gewähren.
139

Sicherheit
7.1) Entschlossenheit des Freiheit, Freizügigkeit, Eigentum, körperli-
Rechtsstaates – Einsatz der che und geistige Unversehrtheit werden zum
Teil massiv verletzt. Es ist eine Kardinalauf-
Exekutive
gabe des Staates, den Schutz der Grund-
7.1.1) Grenze zum Überwachungsstaat rechte für den Einzelnen zu gewährleisten.

Bei der Bekämpfung von Kriminalitätser- 7.1.3) Gewalt gegen Kinder


scheinungen wie Terrorismus, organisiertes
Verbrechen, Banden- und Schlepperunwe- Schwere Formen der Gewalt gegen Kinder,
sen, Drogenhandel, Bedrohung fundamen- insbesondere in Verbindung mit sexuellem
taler Rechtsgüter durch religiösen Fanatis- Missbrauch, rechtfertigen schärfere Straf-
mus und Heilslehren sowie Gewalt gegen maßnahmen. Die Strafdrohungen für Tat-
Kinder hat der Staat seine Möglichkeiten handlungen gegen die leibliche Unversehrt-
entschlossener zu nutzen und einzusetzen. heit sind im Verhältnis zu Vermögensstrafta-
Lebenslange Freiheitsstrafen müssen auch ten zu gering. Die Strafdrohungen sind
als solche vollzogen werden. daher stärker an die Bedeutung der zu
schützenden Rechtsgüter anzupassen und
Die Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates bei es sind zur dringenden Verbesserung des
der Gewährleistung des Schutzes grundle- Schutzes Unmündiger und Minderjähriger
gender Rechtsgüter hängt von der Ent- folgende Änderungen der Rechtslage not-
schlossenheit ab, wirkungsvolle Instrumen- wendig.
te zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen.
Rasterfahndung, Lauschangriff und Kron- Im Bereich des Strafrechts:
zeugenregelung sind taugliche Mittel hierzu.
• Die Einführung der lebenslangen Frei-
heitsstrafe für Personen, welche mit
Die erforderlichen Instrumentarien dürfen
Unmündigen den Beischlaf oder eine
jedoch nicht zu einem freiheitsfeindlichen
dem Beischlaf gleichzusetzende ge-
Überwachungssystem führen. Ihr Einsatz ist
schlechtliche Handlung unternehmen;
daher strengen gesetzlichen Bestimmungen
zu unterwerfen. • das Anheben der Strafsätze sämtlicher
Straftatbestände gegen Leib und Leben,
7.1.2) Religionsfreiheit statt gegen die Freiheit oder gegen die sexu-

7
Narrenfreiheit elle Integrität und Selbstbestimmung,
welche gegenüber Minderjährigen ver-
Die Religionsfreiheit als Grundrecht wird übt werden;
von religiösen Fanatikern und Heilslehren • den Entfall der Verjährung der Strafbar-
zunehmend dazu benutzt, fundamentale keit bei Straftaten gegen Leib und Leben,
Rechtsgüter massiv einzuschränken. Insbe- gegen die Freiheit oder gegen die sexu-
sondere die Grundrechte auf persönliche elle Integrität und Selbstbestimmung, in
jenen Fällen, in denen die Opfer Minder- über einen Zeitraum von fünf Jahren eine
jährige sind; umfassende Studie über Herkunft, Behand-
• ein gesetzliches Verbot vorzeitiger Ent- lung und deliktische Laufbahn von 469
lassung und bedingter Strafen bei Straf- erwachsenen verurteilten Gewalt- und
taten gegen Leib und Leben, gegen die Sexualstraftätern ausgearbeitet. Die Studi-
Freiheit oder gegen die sexuelle Integri- enresultate untergraben einige Vorurteile
140
tät und Selbstbestimmung, in jenen Fäl- und werfen auch viele neue Fragen auf. Auf
len, in denen die Opfer Minderjährige der Internetseite des bundesdeutschen Ver-
Sicherheit

sind; eins „Child Care" wird die Studie wie folgt


wiedergegeben:
• eine unbedingte Anzeigepflicht für alle
Personen, die beruflich mit Minderjähri- „Zürich (cc) - Gewalt- und Sexualstraftäter
gen zu tun haben, wenn ein begründeter stammen automatisch aus zerrütteten
Verdacht des physischen, sexuellen oder Familien und schwierigen Lebensumstän-
psychischen Missbrauchs besteht und den und hatten eine schwere Kindheit. Die-
Schaffung eines Straftatbestandes der ser, oft von Gerichten als Anlass für mil-
unterlassenen Anzeige für alle Perso- dernde Umstände genutzte, Mythos ist nun,
nen, die einer solchen Anzeigepflicht dank einer großangelegten Kriminalstudie,
unterliegen. erwiesener Unsinn.
Im Bereich des Zivilrechts:
Sie haben hunderte von Mördern, Psychopa-
• Eine unbedingte Entscheidungspflicht in
then, Gewalt- und Sexualverbrechern unter-
Besuchsrechts- und Obsorgeangelegen-
sucht. Nach den vorliegenden Zahlen gibt es
heiten binnen sechs Monaten,
laut Jérôme Endrass keinen Zweifel, dass
• die Einführung der gemeinsamen Obsor- alle bisherigen Vorstellungen von Schuldzu-
ge als Regelmodell. sammenhang mit einer "schweren Kindheit"
nichts als blanker Unsinn sind. "Kriminelle
7.1.4) Sexualstraftäter: Nicht Opfer sind nicht Opfer schwieriger Lebensumstän-
ihrer Lebensumstände, sondern de", so Jérôme Endrass, Leiter des psychia-
Verbrecher trisch-psychologischen Dienstes des Justiz-
vollzugs Zürich und Spezialist für Risk-
Assessment, der Gefährlichkeitsbeurteilung
In Österreich gibt es keine Statistiken über von Gewalt- und Sexualstraftätern und Kri-
die Ruckfallquote bei Sexualstraftätern. Der minalprognosen.”
Leiter der Berliner Charité Prof. Klaus
Michael Beier hat Zahlen einer von ihm Keine Resozialisierung möglich
durchgeführten Studie veröffentlicht. Dem-
nach liegt die Rückfallquote bei Sexualstraf- "Wenn man einen Psychopathen eine
tätern bei 80%. Er kommt zu dem Schluss, Schreinerlehre machen lässt, hat man
dass die Begutachtung von Sexualstraftä- nachher nicht einen Psychopathen weniger,
tern in Deutschland vollkommen unzurei- sondern einen Psychopathen mit Schreiner-
chend sei. Dies beträfe hauptsächlich Män- lehre", so Endrass weiter. Außerdem ver-
ner mit einer "pädophilen Hauptströmung" - neint er die Wirksamkeit der Resozialisie-
mit anderen Worten: Männer, deren sexuel- rung krimineller Jugendlicher. "Program-
les Verlangen sich gegen Kinder richtet. me, die kriminelle Jugendliche etwa mit
einer Ausbildung auf den Weg der Tugend
Der Psychiatrisch-Psychologische Dienst zurückführen sollen, sind zwar sicherlich
des Zürcher Amtes für Justizvollzug hat
gut gemeint, aber vollkommen wirkungslos. Wir bekennen uns zu einer chemischen
Die Idee, dass die Täter resozialisiert wer- Kastration von Personen, welche rechts-
den müssen, ist grundlegend falsch. Sie sind kräftig nach § 206 StGB verurteilt wurden.
ja schon sozialisiert. Was sie brauchen, ist
eine maßgeschneiderte Therapie, die nur Die chemische Kastration ist ein hormonel-
eines zum Ziel hat: Rückfälligkeit verhin- ler Eingriff, welcher zu einer vorübergehen-
141
dern." den Neutralisation des Sexualtriebes führt.
Dabei wird dem Körper ein Androgen-Ant-

Sicherheit
Studienergebnis: Das Ende strafmildernder agonist zugeführt, welcher die körpereige-
Umstände nen Sexualhormone, hauptsächlich das
Testosteron, hemmt. Diese intermittierende
Die von dem Psychiater Frank Urbaniok und Hormonblockade (IHB) wird nach Absetzen
einem Team von Wissenschaftern durchge- des Präparates wieder aufgehoben. Die che-
führte Studie räumt mit diversen Vorurteilen mische Kastration bei Männern wird mit
auf. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass Cyproteronacetat durchgeführt. Das Präpa-
• die Täter nicht schlechter gebildet sind rat kann intravenös verabreicht werden, was
als der Durchschnitt der Bevölkerung. den Vorteil hätte, die betroffenen Täter
regelmäßig dem behandelnden Arzt zuzu-
Dies gilt sowohl für Schweizer, als auch führen, wodurch eventuelle Veränderungen
bei Ausländern. oder Auffälligkeiten feststellbar wären.
• Ein Drittel aller Gewalt- und Sexual- Nach Absetzen des Präparates dauert es
straftäter waren einschlägig vorbestraft. ungefähr ein halbes Jahr, bis die Potenz
zurückkehrt.
• Drei Viertel der Täter stammten aus
intakten Mutter-Vater-Kind-Familien.
Da es sich nicht um einen Eingriff mit blei-
• Gewalt- und Sexualstraftäter hatten bendem Effekt handelt, darf diese Form im
Mühe, feste Bindungen einzugehen. Bereich des Strafrechtes angewandt wer-
• Bei Jugendlichen Tätern wurden 9 von den. Nach derzeitiger Gesetzeslage ist die
10 Tätern rückfällig, bei denen als chemische Kastration allerdings nur mit
Jugendlicher bereits eine Erziehungs- Zustimmung der Täter möglich. Zum ande-
maßnahme angeordnet wurde. 38% ren gibt es derzeit keine Möglichkeit, entlas-
davon sogar mit einem Gewalt- oder sene Häftlinge über die Bewährungsfrist
Sexualdelikt. hinaus zu behandeln.

• Täter, die während ihres Gefängnisauf- Dahingehend ist es notwendig, eine Geset-
enthalts eine Ausbildung absolviert zesänderung herbeizuführen, die es ermög-
haben werden nicht weniger rückfällig licht, dass der Eingriff der chemischen
als andere, die keine Ausbildung absol- Kastration für Kinderschänder und andere
vieren. " Sexualstraftäter auch ohne deren Zustim-
mung durchgeführt werden kann und eine
Amerikanische Psychologen untersuchten solche chemische Kastration dauerhaft
155 Strafgefangene, die wegen verschiede- durchzuführen ist.
ner Kinderpornographie-Delikte einsitzen.
Die noch unveröffentlichte Studie kommt zu 7.1.5) Todesstrafe
dem Ergebnis, dass Männer, die Kinderpor-
nographie konsumieren, zu 85% auch tat- Der Großteil der Weltbevölkerung lebt in
sächlich Kinder sexuell missbrauchen. Ländern, die Todesurteile aussprechen und
vollstrecken. Die Todesstrafe wird von der sonalstände zu erhöhen, bürokratische
FPÖ kategorisch abgelehnt. Sie birgt die Belastungen für unsere Polizeibeamten
Gefahr, dass unschuldige Personen hinge- abzubauen und die Zentralstellen zu verklei-
richtet werden. nern.

7.1.6) Geschönte Statistiken Veraltete Zuständigkeitsregelungen inner-


142
halb der Polizei beschäftigen die Kriminal-
In Österreich explodiert die Zahl der Woh- polizei noch immer mit Bezirksgerichtsde-
Sicherheit

nungs- und Hauseinbrüche. Hier entstehen likten (Kleindelikte), obwohl die Bekämpfung
bundesweit Millionenschäden. Schon dieser der Schwerkriminalität das Gebot der Stun-
volkswirtschaftliche Schaden, isoliert für de wäre.
sich genommen, verlangt ein Überdenken
der aktuellen Sicherheits- und Asylpolitik. Die Bundesregierung ist gefordert, die
Mit Hilfe verschleiernder Statistiken wird gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen,
von einer hilflosen oder aber nicht in bester damit die Exekutive im Kampf gegen die Kri-
Absicht agierenden Regierung versucht, die minalität wirksam agieren kann. Dazu gehö-
offensichtlichen Probleme wegzurechnen. ren auch motivationsfördernde Maßnahmen
So wird beispielsweise bei mehreren für die Polizei. Das beginnt bei klaren Unter-
gewerbsmäßigen Taten eines Täters / einer stützungsaussagen durch die Politik im
Tätergruppe nur eine Straftat als gewerbs- Falle polizeilicher Amtshandlungen und
mäßige Tat registriert. Die anderen, gleich- endet in der Ausrüstung und in einem Anreiz
artigen Taten, werden als einfaches Grund- gebenden, gerechten Besoldungssystem.
delikt nur statistisch gewertet. Dadurch ver-
ringert sich in der Statistik die Anzahl der 7.1.8) Drogenkriminalität
Verbrechen.
Im Bereich der Drogenkriminalität hat die –
7.1.7) Ungleicher Kampf meist afrikanische - organisierte Kriminali-
tät den Drogenhandel in Österreich über-
Sicherheit ist Voraussetzung für Lebensqua- nommen. Um diesen Mördern auf Zeit wirk-
lität, einen erfolgreichen Finanzplatz sowie sam entgegenzutreten, sind vor allem in der
Wirtschafts- und Forschungsstandort Drogengesetzgebung restriktive Maßnah-
Österreich. men umzusetzen. Die Strafuntergrenzen für
Drogenhandel und auch Drogenbesitz sind
Aufgrund einer verunglückten Bundespoli- zu erhöhen. Verpflichtende Sozialarbeit bei
zeireform gelingt es den Sicherheitsbehör- illegalem Drogenbesitz und therapeutische
den jedoch nicht mehr, auf die evidenten Kri- Zwangsanhaltung bei Jugendlichen ist zu
minalitätssteigerungen wirksam zu reagie- deren besonderem Schutz vorzusehen. Wei-
ren. Die Personalstände innerhalb der Poli- ters sind wirkungslose, politische Suchtgift-
zei wurden seit dem Jahr 2000 um über bekämpfungsstrategien durch erfolgver-
3.000 Polizisten verringert. Weniger als sprechende Maßnahmen abzulösen.
30.000 Polizeibeamte versehen in Österreich
Dienst für den Bürger. Das Personalpro- Es ist nicht zu übersehen, dass die Drogen-
blem wird zusätzlich verschärft, indem die konzepte zur Eindämmung und Bekämpfung
bürokratischen Zentralstellen unnötig auf- des Drogenhandels und Drogenkonsums
geblasen werden. Für den Dienst auf der gescheitert sind. Die hohen Investitionen der
Straße steht immer weniger Personal zur öffentlichen Hand, also des Steuerzahlers,
Verfügung. Daher sind unverzüglich die Per- in bisherige Drogenbekämpfungsmaßnah-
men blieben ergebnislos, sozialtherapeuti- zen. Die Regelung der Datenverarbeitung
sche Begleitmaßnahmen sind weitgehend bezüglich der DNA-Analyse ist in den §§ 53
wirkungslos. Schlagwortkampagnen wie bis 58 des Sicherheitspolizeigesetzes gere-
„Helfen statt Strafen“ haben nur zur Züch- gelt und entspricht den polizeilichen Anfor-
tung pseudokompetenter Sozialarbeiter- derungen. Der Datenschutz im Bereich der
Vereine, nicht aber zu einer Verbesserung DNA-Verarbeitung stellt eine ausgewogene
143
der Drogenproblematik geführt. Mischung zwischen dem Anspruch auf Auf-
klärung von Straftaten und dem berechtig-

Sicherheit
Daher kann man auch aus Erkenntnissen ten Persönlichkeitsschutz dar.
skandinavischer Länder schließen, dass
letztendlich nur restriktive Drogenbekämp- Wir bekennen uns zur DNA-Behandlung
fungsmaßnahmen erfolgversprechend sind. aller Straftäter. Dadurch kann die Effizienz
Als Beispiele seien genannt: der DNA-Datei vergrößert werden. Denn
auch gesuchte Mörder und Sexualstraftäter
• Anhebung der Mindeststrafen bei Dro- begehen oftmals simple Ladendiebstähle.
genhandel und Drogenbesitz Die Prävention wird dadurch wirksamer, da
jedem Straftäter das Wissen im Nacken
• Keine Toleranz für die „offene Suchtgift- sitzt, bereits registriert zu sein.
szene“
• Laufende und strikte Kontrolle der nie- 7.1.10) Zu geringer
derschwelligen Drogen-Betreuungsein- Personalstand bei der Polizei
richtungen
Die Anzahl der Polizeikontrollen steht in
• Bessere Ausrüstung und Verstärkung
unmittelbarem Zusammenhang mit dem
der polizeilichen Suchtgiftfahnder
Personalstand der Polizei. Es gelingt den
• Aufklärung hinsichtlich wirkungsloser, Sicherheitsbehörden nicht mehr, kontinu-
politischer Suchtgiftbekämpfungsstrate- ierliche, flächendeckende Kontrollen durch-
gien wie beispielsweise „Helfen statt zuführen.
Strafen“
• Verpflichtende Sozialarbeit bei illegalem Vor allem bei fremdenpolizeilichen Kontrol-
Drogenbesitz und therapeutische len könnte durch mehr Personal und ent-
Zwangsanhaltung bei Jugendlichen sprechende Koordination größere Effizienz
erzielt werden. Abriegelung bestimmter
7.1.9) Nutzung von DNA-Vergleichen Gebiete, vor allem im urbanen Raum, mit
anschließender lückenloser Kontrolle nach
Aufgrund der spektakulären Erfolge des dem Fremdengesetz stellte eine geeignete
DNA-Vergleiches in der Strafverfolgung hat Maßnahme gegen die illegale Einwanderung
Österreich die drittgrößte DNA-Datenbank dar (Flächenstreifen). Darüber hinaus stiege
Europas aufgebaut. Diese Datenbank der Fahndungsdruck auf flüchtige Straftä-
umfasst fasst 100.000 DNA-Profile. Die Tref- ter.
ferquote der Datenbank liegt bei knapp 40
Prozent und ist eine der erfolgreichsten der 7.1.11) Sicherheitslücken im Meldewesen
Welt.
Das Meldewesen, das im März 2002 von der
Es gibt globale Tendenzen, alle 41 Länder Bundespolizei in die Kompetenz der Landes-
der Erde, die DNA-Profile zur Verbrechens- behörden übergegangen ist, weist Schwach-
aufklärung benützen, verstärkt zu vernet- stellen auf, die es möglich machen, zu
einem Meldezettel zu kommen, ohne an der sogenannte Dunkelzonen, Parkanlagen
angegebenen Adresse wohnhaft zu sein. Es sowie Verwinkelungen im U-Bahnbereich
besteht derzeit keine Legitimationspflicht ziehen Kriminelle, vor allem Drogenhändler,
für Österreicher. Überprüfungen von Unter- im städtischen Bereich stark an. Erfahrun-
schriften bleiben aus, was Fälschungen gen anderer Großstädte zeigen, dass Video-
ermöglicht. Es gibt keine amtliche Mittei- überwachung diese Kriminalität stark redu-
144
lung an den Unterkunftgeber (Eigentümer, ziert. Die Erkenntnis, bei Straftaten beob-
Hauptmieter) über An- oder Abmeldungen. achtet zu werden, schreckt viele Kriminelle
Sicherheit

Die Adressen werden nicht auf ihre Richtig- bereits vor der Ausübung der Straftat ab. Die
keit überprüft, womit beliebig viele Anmel- Rechtsgrundlagen dazu bilden §§ 53, 54, 91c
dungen möglich sind. des SPG.

So hat die selbsternannte Wiener Einwan- 7.1.13) Geldwäsche


dererbetreuerin Ute Bock 2.000 Personen,
vorwiegend Schwarzafrikaner, an einer Geldwäsche ist eine Begleiterscheinung fast
Adresse angemeldet. Viele Wohnungseigen- jeder kriminellen Tätigkeit, wobei die höch-
tümer oder Hauptmieter wissen gar nicht, sten Summen im Drogen- und Waffenhandel
dass sie einen „Untermieter“ haben und sowie in der Schlepperei erwirtschaftet wer-
müssen diese Tatsache erst im Zuge von den. Typischerweise ist Geldwäsche daher
Amtshandlungen, bei denen der illegal Teil der Tätigkeit krimineller Organisatio-
Gemeldete gesucht wird, erfahren. Die nen. Um die Einkünfte, die dort illegal erzielt
Abmeldung ist für die Betroffenen ein lang- werden, für die Organisation zu waschen, ist
wieriger Prozess. Frau Bock ist als Geset- es nötig, durch verschleiernde Transaktio-
zesbrecherin zu belangen. nen eine legale Herkunft vorzutäuschen.

Die FPÖ setzt sich dafür ein, jedem Unter- Einige österreichische Banken verfügen
kunftgeber (Hauptmieter) bei seiner Haupt- über mangelnde Kontrollsysteme oder
meldung eine begrenzte Zahl persönlicher leben eine fragwürdige Meldekultur - trotz
Codes durch die Behörde zuzuteilen. Jeder, stetig steigender Gefahrenpotentiale durch
der sich bei ihm anmeldet, muss aus den zur Geschäfte im südost- und osteuropäischen
Verfügung stehenden Codes einen anführen. Raum.
Jeder Code kann nur einmal verwendet wer-
den. Die Unterschrift des Unterkunftgebers Erschwerend kommt hinzu, dass die zustän-
ist nur in Verbindung mit dem persönlichen digen Behörden, insbesondere FMA und
Code gültig. Der Code wird von der Behörde Geldwäschemeldestelle im Bundeskrimi-
zentral gespeichert und kann jederzeit nalamt, personell unterbesetzt sind.
abgerufen werden. Damit ist Missbrauch
auszuschließen. Doppelgleisigkeiten ergeben sich zudem
infolge der Übertragung der Geldwäsche in
7.1.12) Videoüberwachung eine andere Abteilung bei Auftreten der
organisierten Kriminalität. Die österreichi-
Die Einsetzung moderner Videoüberwa- schen Behörden laufen Gefahr, den Kampf
chungssysteme ist ein geeignetes Mittel, der gegen die Geldwäsche auf Dauer zu verlie-
Kriminalität im öffentlichen Raum zu begeg- ren.
nen. Videoüberwachung hat nicht nur
restriktiven sondern auch präventiven Cha- Wir bekennen uns daher zur Umsetzung
rakter. Unübersichtliche Straßenstellen, eines Aktionsplans gegen Geldwäsche in
Österreich, der folgende Ziele und Eckpunk- 105 Häftlingen. Aus EU-Ländern saßen 1157
te beinhaltet: ausländische Häftlinge in Österreichs
Gefängnissen.
• Rasche Umsetzung der EU-Geldwä-
sche-Richtlinie Aus der "Wiener Zeitung" Nr. 007 vom
12.01.2006: 3.323 Anzeigen gegen das
• Verbesserung der Geldwäscheüberwa- Suchtgiftgesetz - 2221 dieser Drogendelikte 145

chungssysteme gehen auf das Konto von Ausländern, darun-

Sicherheit
• Implementierung eines Systems der ter 1639 Schwarzafrikaner bzw. 1702 Asyl-
Verdachtsmeldung nach Schwellen- werber. 2116 Täter wurden durch Einsatz-
werterreichung gruppen auf frischer Tat ertappt und festge-
nommen.
• Gesetzliche Regelung der engeren
Zusammenarbeit der mit Geldwäsche
Der Sicherheitsbericht für das Jahr 2005
beschäftigten Stellen im behördlichen
besagt, dass von rund 70.000 ermittelten
Bereich sowie in den Bank- und
fremden Tatverdächtigen über 12.000 Asyl-
Finanzdienstleistungsbereichen
werber waren. Im Jahr 2006 wurde nach den
• Schaffung eines von der kriminellen Vor- neu vorliegenden Statistiken des Bundesmi-
tat losgelösten selbständigen Tatbe- nisteriums für Inneres gegen 13.295 Asyl-
standes der Geldwäsche im StGB werber als Tatverdächtige ermittelt. Diese
Zahlen sprechen für grobe Versäumnisse im
7.2) Das Gefängnis als soziale Vorfeld der Einleitung von Asylverfahren wie
Einrichtung? in deren Abführung.
7.2.1) Überfüllte Haftanstalten 7.2.2) Die europäischen
Strafvollzugsgrundsätze
Aktuell werden in heimischen Gefängnissen
knapp 9.000 Personen angehalten, die täg- Die „europäischen Strafvollzugsgrundsätze“
lich jeweils rund Euro 100 an Kosten verur- setzen mehrere, teils sehr kostspielige Kri-
sachen. terien fest, die für jeden verurteilten Rechts-
brecher angewendet werden müssen und
Zum letzten Abfragestichtag ,,01. April 2007" nicht selten geradezu eine Einladung für
wurden 3923 Häftlinge, die nicht die öster- potentielle ausländische Straftäter darstel-
reichische Staatsbürgerschaft besitzen, in len:
den österreichischen Justizanstalten ange-
halten. Diese Zahl bedeutet bei einem
Gesamtstand von 9017 Häftlingen einen pro- • Die Ernährung muss der Ernährungs-
zentuellen Ausländeranteil von 43,08%. lehre, Alter, Gesundheitszustand und
religiösen und kulturellen Geboten ent-
Den höchsten Anteil nicht österreichischer sprechen.
Staatsangehöriger hat Nigeria mit 344 Häft- • Müttern müssen ausreichend Kinderbe-
lingen aufzuweisen; gefolgt von Serbien u. treuungsplätze geboten werden.
Montenegro mit 340 Insassen, Rumänien
• Es sind ausreichend Zeitungen, Zeit-
mit 289, Türkei mit 268, Georgien mit 233,
schriften und Vorträge sowie Rundfunk
das ehemalige Jugoslawien mit 213, Ungarn
und Fernsehübertragungen zugänglich
mit 191, Polen mit 177, Bosnien-Herzegowi-
zu machen.
na mit 157, Slowakei mit 132, Kroatien mit
118, Deutschland mit 116 und Russland mit • Personal wie Psychiater, Psychologen, Sozi-
alarbeiter, Lehrer, Werkmeister und Sport- kommen zu forcieren.
lehrer haben zur Verfügung zu stehen.
Österreich hat bereits Rückübernahmeab-
Unter Zielsetzung ist festgehalten: „Die kommen mit Rumänien, Deutschland oder
Freiheitsstrafe ist allein durch den Entzug Bulgarien abgeschlossen, welche die Über-
der Freiheit eine Strafe an sich. Deshalb nahme von Personen, die rechtswidrig ein-
146
dürfen die Haftbedingungen und Vollzugs- gereist sind oder sich rechtswidrig auf dem
formen die damit zwangsläufig verbundenen Staatsgebiet der anderen Vertragspartei
Sicherheit

Leiden nicht verstärken, ...“. aufhalten, beinhalten.

7.2.3) Urlaub in der Kuschelzelle Gerade mit solchen Staaten, deren in Öster-
reich verurteilten Staatsbürger die Spitzen-
Dieser Grundsatz sowie die oben angeführ- werte in der Asyl- und Kriminalitätsstatistik
ten Bestimmungen entsprechen weder frei- ausmachen, sollten diese Abkommen
heitlichem Verständnis noch rationalen geschlossen werden. Darüber hinaus sollten
Überlegungen von gerechter Strafe für auch Staatsverträge angestrebt werden, wel-
rechtswidriges Handeln. Vielmehr ver- che gewährleisten, dass in Österreich verur-
kommt dadurch Strafe zu einer gesell- teilte ausländische Staatsbürger zur Haftver-
schaftlichen Auszeit, die dem „Urlauber“ büßung im eigenen Land übernommen wer-
möglichst angenehm gestaltet wird. Im den. Ein belgisch-marokkanisches Abkom-
Osten (etwa: Georgien) werden unsere men zum Beispiel legt fest, dass marokkani-
Gefängnisse auf eigenen Internetseiten als sche Häftlinge in Belgien und belgische
Erholungseinrichtungen beworben, in wel- Gefangene in Marokko ihre Strafe im Her-
chen es neben den Kuschelzellen Fitness- kunftsland verbüßen können. Ermöglicht
räume, Freizeiteinrichtungen, hervorragen- wird erstmals auch die nicht freiwillige Über-
des Essen, gute Aussicht und weiträumige führung Gefangener in ein Gefängnis ihres
Parkanlagen gibt. Heimatlandes. Absprachen sollen einen rei-
bungsloseren Ablauf bei der Repatriierung
Haftstrafen dienen in erster Linie der Sühne. abgewiesener Landsleute gewährleisten.
Daher dürfen unsere Gefängnisse nicht wie
Hotels geführt werden. Viele Kriminaltouri- Die FPÖ bekennt sich daher zum Abschluss
sten leben in unseren Gefängnissen komfor- von Rückübernahmeabkommen und Staats-
tabler als in der Heimat. Der notwendige verträgen, welche gewährleisten, dass in
Abschreckungseffekt einer Haftstrafe wird Österreich verurteilte ausländische Staats-
damit konterkariert. bürger unverzüglich zur Haftverbüßung im
eigenen Land übernommen werden.
7.2.4) Vollzugs- und
Rückübernahmeabkommen Die Kosten, welche Österreich für den Straf-
vollzug zu tragen hat, sind nicht zuletzt auf-
Aufgrund der Häufigkeit, mit der Asylwer- grund der europäischen Strafvollzugsgrund-
ber straffällig werden, bestätigt durch täg- sätze exorbitant hoch. Einsparungen könnten
liche Medienberichte über kriminelle Asyl- durch Verlegung von Haftanstalten in Länder,
werber, durch die monatliche Kriminalsta- in denen Lohn- und Betriebskosten geringer,
tistik und durch den jährlichen Bericht der und in denen gleichzeitig die europäischen
Bundesregierung über die innere Sicher- Strafvollzugsgrundsätze nicht eingeführt wur-
heit in Österreich, den Sicherheitsbericht, den, erfolgen. Der hohe Anteil von beispiels-
ist es unumgänglich, Rückübernahmeab- weise rumänischen Gefangenen in Österreich
könnte so seine Freiheitsstrafe in Strafanstal- europäische Haftbefehl gilt seit 1.1.2004. Er
ten in Rumänien absitzen. Österreichischen kann bei einer rechtskräftigen Verurteilung
Gefangenen ist es laut den europäischen in einem Mitgliedsstaat von mindestens 4
Grundsätzen nicht zumutbar, von ihren Ange- Monaten oder bei einer Straftat, die im
hörigen getrennt zu werden. Höchstmaß mit mindestens 12 Monaten
bedroht ist, erlassen werden.
147
7.2.5) Privatisierung von
Haftanstalten keine Alternative Wird die Straftat im Ausstellungsmitglieds-

Sicherheit
staat mit einer Freiheitsstrafe von minde-
Die Privatisierung von Haftanstalten bezie- stens drei Jahren bedroht, kann bei folgen-
hungsweise eine Teilprivatisierung des den Straftaten ohne Überprüfung des Vorlie-
Justizwachkörpers könnte zwar grundsätz- gens der beiderseitigen Strafbarkeit ein
lich eine Möglichkeit zur Kostenreduzierung Haftbefehl erfolgen: Terrorismus, Vergewal-
schaffen, wenn die bisherigen Standards und tigung, Menschenhandel, Korruption, Betrug
die Vorschriften der europäischen Strafvoll- zum Nachteil der finanziellen Interessen der
zugsgrundsätze beibehalten werden, jedoch EU, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
nur mittels qualitativer Einbußen. Durch effi- etc. Der Europäische Rat verfügt über die
zientere Verwaltungsabläufe, als sie der Kompetenz, nach Belieben weitere strafbare
staatliche Apparat verlangt, könnten zwar Handlungen in diese Liste aufzunehmen.
geringere Einsparungen gelingen, nennens-
werte allerdings nur durch Maßnahmen wie Diese Ausgangslage ist dem einzelnen EU-Bür-
Senkung der Lohnkosten, wodurch jedoch ger nicht zumutbar, da die gesetzlichen
zwangsläufig Leistungsbereitschaft und Bestimmungen der Mitgliedsstaaten teils große
-standards des Personals sinken würden. Unterschiede aufweisen und in ihrer Gesamt-
heit von den Bürgern, selbst jenen mit juristi-
Darüber hinaus mutet es angesichts der bis- schen Grundkenntnissen, selbstverständlich
herigen Gegebenheiten in Österreichs niemals verinnerlicht werden können.
Rechts- und Justizwesen bedenklich an,
wenn sich der Staat aus seinen ureigensten Die angefügten Straftatbestände „Rassis-
Kernbereichen, dem hoheitlichen Anspruch mus und Fremdenfeindlichkeit“ sind nicht
des Strafrechts und des Strafvollzugs, einmal eindeutig definiert und daher zu
zurückzieht, da hierdurch die Gefahr provo- systematischem politisch-korrektem Miss-
ziert wird, das unabhängige heimische brauch geeignet.
Rechtssystem durch eine 2-Klassen-
Rechtssprechung abzulösen, die für Beispiel: Polen führt einen Paragrafen
unnachvollziehbare, interessensgelenkte gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit
Willkür anfällig sein kann. ein, dessen strafbare Handlung mit minde-
stens 3 Jahren Freiheitsentzug bedroht
7.2.6) Der Europäische Haftbefehl wird. Österreich ist nun dazu verpflichtet,
jeden Bürger zu verhaften und an Polen aus-
Die FPÖ lehnt den Europäischen Haftbefehl zuliefern, der dort wegen dieses Paragrafen
ab. Er ist aus demokratiepolitischer und gesucht wird, unbenommen, ob diese Hand-
rechtsstaatlicher Sicht ein höchst bedenkli- lung in Österreich strafbar ist oder nicht. Ein
ches Konstrukt totalitärer Prägung, das poli- Recht, zu prüfen, ob die erhobenen Vorwür-
tisch motivierter Willkür Tür und Tor öffnet. fe berechtigt oder auch nur wahrscheinlich
sind, besteht nicht.
Rechtslage: Der vom EU-Rat beschlossene
Zwar ist festgehalten, dass niemand in ein bekämpfen zu können, soll eine Einsatz-
Land ausgeliefert werden darf, in dem Folter gruppe geschaffen werden, die der Zollbe-
oder Todesstrafe praktiziert werden, da hörde unterstellt ist. Solcherart soll sicher-
jedoch alle EU-Staaten die MRK (die beides gestellt werden, dass weniger gefälschte
verbietet) eingeführt haben, ist diese Produkte aus Fernost auf den österreichi-
Bestimmung unsinnig, weil formell nicht schen Markt gelangen. Davon profitiert der
148
anwendbar. Da in der Türkei nachweisbar Staatshaushalt und die durch den Verkauf
Folterungen auf der Tagesordnung stehen, gefälschter, abseits jeglicher Normen des
Sicherheit

bleibt abzuwarten was geschieht, wenn die- österreichischen Konsumentenschutzes


ser asiatische, islamitische Staat entgegen hergestellten Produkte provozierten Ge-
aller rationalen Überlegungen doch zu sundheitsrisiken für Konsumenten können
einem Mitglied der EU gemacht wird. reduziert werden.

Eine kontrollier- und nachvollziehbare 7.3.2) Tatort Internet


Rechtsordnung des gesamten EU-Raumes
kann durch den Europäischen Haftbefehl Das Internet hat sich in den letzten Jahren
nicht erzielt werden. Einseitige, dem jeweilig auch als Plattform zur Verbreitung von
vorherrschenden Mehrheitssystem ange- unseriösen und rechtswidrigen Angeboten
passte dogmengleiche Urteile scheinen hin- (Internetdiensten) sowie zur Vorbereitung
gegen vorprogrammiert. und Ausübung von Straftaten entwickelt. Die
FPÖ setzt sich daher zum Schutz der Konsu-
Die FPÖ tritt dafür ein, Österreichs Bürger, menten und der Wirtschaft für die Umset-
die wie bisher der heimischen Gesetzeslage zung strenger Maßnahmen zur Bekämpfung
entsprechend handeln und sich auf diese der Internetkriminalität sowie von unseriö-
berufen, zu schützen und durch keinen sen und rechtswidrigen Angeboten ein.
anderen Staat und von diesem verhängten
Freiheitsstrafen bedrängen zu lassen. 7.4) Unser Bundesheer
7.4.1) Bekenntnis zur
7.3) Neue allgemeinen Dienstpflicht
Kriminalitätserscheinungen
7.3.1) Schaffung einer Die FPÖ versteht sich als Anwalt für ein lei-
Sondereinsatzgruppe VIE stungsfähiges und effizientes Bundesheer.
Wir bekennen uns zur umfassenden Lan-
Wöchentlich landen am Flughafen Wien desverteidigung sowie zur allgemeinen
Flugzeuge mit Produkten aus Asien. Oft Dienstpflicht in Form des Wehrdienstes oder
handelt es sich bei den eingeflogenen Arti- in Form eines Sozialdienstes als persönliche
keln um gefälschte Waren. Darunter finden Leistung des Staatsbürgers für die Sicher-
sich beispielsweise Kosmetikartikel, Beklei- heit und Unabhängigkeit Österreichs.
dung, elektronische Geräte, aber auch Medi-
kamente. Durch den Verkauf gefälschter 7.4.2) Gescheiterte Heeresreform
Produkte entgehen der Republik Österreich
nicht nur Steuereinnahmen. Vor allem ent- Die bisherigen Bestrebungen für eine Hee-
steht, beispielsweise durch den Import resreform haben sich im Wesentlichen in
gefälschter Medikamente, ein hohes Risiko Ankündigungen und der Neubesetzung eini-
für die Gesundheit der Konsumenten in ger Spitzenfunktionen erschöpft. Erschöpft
Österreich. Um die Produktpiraterie direkt ist auch die Geduld der betroffenen Ressort-
am Standort Flughafen Wien effizient angehörigen, verbraucht sind die letzten
finanziellen Reserven. Der Zustand von 7.4.4) Der Milizsoldat
Gerät und Ausrüstung ist untragbar.
Die FPÖ bekennt sich zur allgemeinen
Verunsicherung, Demotivation und fehlende Wehrpflicht und zu unserem Milizsystem.
Zukunftsperspektiven prägen die Stimmung Für Grundwehrdiener kann eine Mob-Beor-
im Kader. Jahrelanges Warten in Unsicher- derung ohne Truppenübungen sinnvoller-
149
heit über die künftige Verwendung, für Älte- weise nur für maximal 3 Jahre erfolgen. Die
re die Gewissheit, nicht mehr gebraucht zu Grundwehrdiener können daher in

Sicherheit
werden, und der steigende Druck durch anspruchsvollen Funktionen weder ausge-
direkte politische Einflussnahme auf Stel- bildet noch einberufen werden.
lenbesetzungen „von ganz oben her“ haben
das Personal zermürbt und entmutigt. Die, Die Vernichtung von enormem Wissen und
zur Milderung der Nachteile der Umgliede- Kompetenz durch Vergraulen des Milizper-
rung, versprochenen Begleitmaßnahmen sonals ist sofort zu beenden. Der freiwillige
sind unzureichend, erfolgen nur nach der Dienst in der Miliz (Freiwilligenmiliz) muss
Formel von der vermeintlichen „Maßgabe folgerichtig durch Anreize attraktiver gestal-
der vorhandenen Mittel“ und sind nur teil- tet werden.
weise rechtlich abgesichert. Außerdem
betreffen sie nur wenige und dies zu Lasten 7.4.5) Heimatschutz statt ausgenutzt
der Mehrheit.
Als Folge der NATO-Affinität der Bundesre-
Schwindende Budgetanteile bei steigender gierung wird das Bundesheer hinsichtlich
Inflation, begleitet von kostspieligen Aus- Struktur (Stabsgliederung, Verschlussbe-
landsengagements und permanenten Ver- stimmungen, etc.) und Ausbildung (nach
suchen, sich der NATO anzudienen, reduzie- vorgegebenen Zielen) ganz auf die im Bünd-
ren massiv die für die Erfüllung inneröster- nis dominierenden USA und auf internatio-
reichischer Aufgaben (Heimatschutz) zur nale Einsätze weltweit ausgerichtet. Die
Verfügung stehenden Mittel. Alle Reserven Erfüllung von Ausbildungszielen wird heute
werden für Auslandseinsätze zusammenge- sogar von NATO-Kommissionen überprüft.
kratzt, das beste Material dafür wird der Der Druck „von außen“, an exotischen Mis-
Truppe genommen. Der Zustand des in sionen teilzunehmen wird immer größer.
Österreich verbleibenden Gerätes, insbe-
sondere der Fahrzeuge, ist katastrophal, Vertragliche Verpflichtungen wie das SOFA
teilweise sogar lebensgefährlich. (ursprünglich das Besatzungsstatut für die
BRD), die Transit und Unterstützung für die
7.4.3) 1% des BIP für unser Heer NATO regeln, sind hinsichtlich ihrer Verträg-
lichkeit mit der Neutralität zumindest zwei-
Die FPÖ bekennt sich zur Anhebung des felhaft und haben schon bei der Beschluss-
Budgetanteils für unser Bundesheer auf die fassung beträchtlichen Widerstand sogar in
schon in den 70er Jahren unter freiheitlicher der damaligen großen Koalition ausgelöst.
Führung erreichte Höhe von 0,8% des BIP
und die Sonderfinanzierung aller Zusatzauf- Die Beschaffung (Uniformen, Fahrzeuge,
träge wie etwa von Auslandseinsätzen. Zusatzausrüstung) orientiert sich überwie-
Außerdem hat, unter anderem, eine unver- gend nicht nach Aufgaben des Heimatschut-
zügliche Erneuerung des gesamten Fahr- zes sondern zielt auf die Abdeckung interna-
zeugparks zu erfolgen. tionaler Einsätze.
Die FPÖ bekennt sich zum Grundsatz Berufssoldaten und freiwillig länger Dienen-
„Österreich zuerst“. Für uns hat die Sicher- den, im Mob-Fall aufgefüllt mit Milizperso-
stellung des Heimatschutzes absolute Prio- nal, abzudecken. Sie sind in vier bis fünf Bri-
rität. Auslandseinsätze österreichischer gaden zu organisieren. Sie sind mit der
Soldaten dürfen nicht verpflichtend sein und Masse des schweren Gerätes zu beteilen
sollen lediglich für Katastropheneinsätze, und haben hinsichtlich Ausbildung und
150
humanitäre Aufgaben sowie zur Friedensbe- Übungstätigkeit auch die geforderte Auf-
wahrung und Friedenssicherung unter der wuchsfähigkeit für klassische militärische
Sicherheit

Voraussetzung des Einverständnisses der Aufgaben sicherzustellen.


Streitparteien erfolgen.
Die territorialen Kräfte sind in
Eine „Europaarmee“ unter Brüsseler Kom- (Landwehr)Regimentern, nach Mobilma-
mando wird abgelehnt. Das Bundesheer chung Brigaden, auszubilden und organisa-
muss zur Sicherstellung seiner vorrangigen torisch zu betreuen. Es ist sicherzustellen,
Aufgabe des Heimatschutzes ausnahmslos dass pro Bundesland als Spezialkräfte
unter österreichischer Hoheit verbleiben. jederzeit mindestens ein Pionierzug und
nach Mobilmachung eine Pionierkompanie
7.4.6) 70.000 Mann als mobile Reserve verfügbar ist. Für die ABC-Abwehr muss
zusätzlich eine Gruppe je Bundesland kurz-
Zur Abdeckung der wichtigsten Schutzobjekte fristig einsetzbar sein.
und Einrichtungen werden mindestens 65.000
bis 70.000 Mann, davon ca. 1/3 („aktive“ Briga- Hilfskräfte für weniger qualifizierte Unter-
den) als mobile Reserve, benötigt. Das ent- stützung, zur Verstärkung der Fernmeldein-
spricht ungefähr der Stärke von 3 Einrük- frastruktur und für Transporte, müssen aus
kungsjahrgängen (nach Mobilmachung), der den Landwehrstammregimentern in Min-
„Freiwilligenmiliz“ und dem jeweiligen „ste- deststärke von 1 bis 2 Kompanien verfügbar
henden“ Personal (Kader plus GWD). gemacht werden können. Entsprechendes
Gerät ist auszulagern.
Bei einer entsprechenden Reduzierung der
Ausbildungsinhalte und Konzentration auf 7.4.7) Bekenntnis zur Neutralität
den territorialen Sicherungseinsatz ist für
„einfache Funktionen“ auch in 6 Monaten ein Als neutraler Staat lehnen wir eine Mitglied-
noch ausreichendes Niveau für dieses Aus- schaft Österreichs in einem Militärbündnis
bildungsziel zu erreichen und über maximal ab. Eine Entscheidung über den Einsatz
3 Jahre im Beordertenstand zu behalten. unseres Bundesheers und unserer Soldaten
Führungsaufgaben, auch in den unteren trifft ausschließlich Österreich selbst.
Ebenen, müssten durch Berufssoldaten,
freiwillig länger Dienende und Milizkader Die Mitgliedstaaten der EU arbeiten im
(Freiwilligenmiliz) abgedeckt werden. Deren Bereich der Gemeinamen Außen- und
höherer Ausbildungsstand muss in zusätzli- Sicherheitspolitik auf völkerrechtlicher
chen freiwilligen Übungen aufrecht erhalten Basis zusammen. Dies sollte nach unserem
werden. Dafürhalten auch so bleiben.

Die Mobilen Kräfte könnten Wehrpflichtige Da es sich bei der Sicherheitspolitik um


nur in untergeordneten Aufgaben und nur einen Kernbereich der nationalen Souverä-
mit sehr kurzer Mob-Einteilung aufnehmen. nität handelt, brächte jedwede Abtretung
Die Masse ihres Personalbedarfs wäre aus von Souveränitätsrechten an einen supra-
nationalen Rechtsetzer eine Marginalisie- eines Militärbündnisses (NATO-ISAF) wer-
rung der kleinen Staaten in der EU und den abgelehnt.
eine Bevormundung durch die großen, vor
allem im Hinblick auf den Streitkräfteein- 7.5) Blaulichtorganisationen
satz, mit sich und wäre mit der Neutralität
In Österreich gibt es hunderttausende Frei-
nicht vereinbar. Eine Effizienzsteigerung
willige, die unentgeltlich bei Feuerwehr und 151
der GASP ist aber aus Sicht der FPÖ unab-
Rettung tätig sind. Diese freiwilligen Helfer
dingbar. Die Ziele sind klar zu definieren,
leisten einen unbezahlbaren Beitrag zur

Sicherheit
die demokratische Kontrolle ist durch
Aufrechterhaltung unseres hohen sozialen
einen Ausschuss, in welchem auch die
Standards. Die Sicherheit in Österreich
Parlamente der Mitgliedstaaten vertreten
könnte ohne die genannten Organisationen
sind, sicherzustellen.
nicht in diesem Maße gewährleistet werden.
7.4.8) Einsätze im Ausland
Wir wissen, dass sich eine Berufsfeuerwehr
erst ab einer Stadt mit 100.000 Einwohnern
Katastropheneinsätze im Ausland haben
rechnet. Somit stellen die Freiwilligen Feu-
sich auf die – zeitlich eng begrenzte – Hilfe-
erwehren eine unersetzliche Stütze in unse-
leistung zur Lebensrettung oder als unmit-
rem Sozialstaat dar. Da es praktisch in jeder
telbare Überlebenshilfe zu beschränken.
Gemeinde und in den meisten Ortsteilen
Der Einsatz von Kräften zum Wiederaufbau
eigene Feuerwehren gibt, sind die freiwilli-
im Ausland ist kein Aufgabengebiet des
gen Helfer rasch am Einsatzort und können
Bundesheeres.
schon alleine dadurch jedes Jahr zahlreiche
Menschenleben retten.
Grundsätzlich werden aus freiheitlicher
Position für militärische Einsätze außerhalb
Die FPÖ sieht sich im besonderen Maße
des österreichischen Hoheitsgebietes aus-
unseren Blaulichtorganisationen verpflich-
drückliche Ersuchen der Vereinten Nationen
tet. Daher sollen Freiwillige bei Blaulichtor-
(nicht nur deren Billigung/Nichtuntersa-
ganisationen, die regelmäßig besonders
gung) und die Zustimmung aller Streitpar-
schweren Belastungen im Rahmen ihrer
teien vorausgesetzt. Aus unserer Sicht soll
freiwilligen Tätigkeit, beispielsweise bei Ver-
Österreich vor allem seine bewährte Traditi-
kehrsunfällen mit Personenschäden - aus-
on als Mittler und neutraler Streitschlichter
gesetzt sind, auch bei der Schwerarbeiterre-
aufrechterhalten. Aufgaben im Randbereich
gelung berücksichtigt werden.
des Petersbergspektrums („Frieden schaf-
fend / erzwingend“) können nur der extreme
Die Finanzierung der Hilfsorganisationen
Ausnahmefall sein, wenn dadurch österrei-
erfolgt über Spenden und Förderungen von
chische Interessen unmittelbar berührt
Ländern und Gemeinden. Bei der Anschaf-
sind.
fung größerer Geräte, die für den Einsatz
benötigt werden, gibt es oft Spendenaktio-
Abgesehen von den noch laufenden Missio-
nen, an denen sich die Einwohner der jewei-
nen unter Hoheit der Vereinten Nationen
ligen Gemeinde beziehungsweise der jewei-
(GOLAN) werden keine Einsätze außerhalb
ligen Region stets gerne beteiligen, um die
des Umfeldes der EU befürwortet. Missio-
Organisationen zu unterstützen und einen
nen unter dem Kommando von Nicht-EU-
Beitrag für die eigene Sicherheit zu leisten.
Staaten (z.B. USA – Enduring Freedom) oder
Es ist allerdings völlig inakzeptabel, wenn
Feuerwehren und Rettungshilfsorganisatio-
nen bei der Anschaffung der betreffenden
Geräte zusätzlich durch die Mehrwertsteuer
belastet werden. Diese Organisationen
übernehmen Aufgaben, die sonst die öffent-
152
liche Hand zu tragen hätte. Jede angeschaff-
te Gerätschaft kommt daher auch der
Sicherheit

öffentlichen Hand zugute.

Deshalb ist ein gerechtes Fiskalmodell zu


schaffen, das für den Ankauf von für den
Einsatz notwendigen Geräten durch Feuer-
wehren und Rettungshilfsorganisationen
eine Mehrwertsteuerrückvergütung vor-
sieht.
Wissen und Inspiration
Bildung, Wissenschaft, Kunst und Kultur sind Voraussetzung echter Persön-
lichkeitsentfaltung in einer Gesellschaft und Basis für eine positive Zukunft
unseres Heimatlandes. 155

Wissen und Inspiration


8.1) Bildung Bildungssystem, ihren Begabungen gemäß,
bestmöglich zu fördern. Uniforme Struktu-
8.1.1) Bildungseinrichtungen
ren, wie etwa die Gesamtschule für alle
Zehn- bis Vierzehnjährigen, sind aus diesem
Der Staat hat sicherzustellen, dass dem
Grunde nicht zielführend und werden abge-
Grundrecht auf Bildung durch ein breit gefä-
lehnt.
chertes Angebot an qualifiziert hochstehen-
den Bildungseinrichtungen entsprochen
Der Staat hat die Rahmenbedingungen, die
wird. Dabei sollen auch private Einrichtun-
Finanzierung und die grundlegenden Ziel-
gen unterstützt werden, um mit den öffentli-
vorgaben für das Bildungssystem festzule-
chen Unterrichtsanstalten in einen quali-
gen und die Schulaufsicht, insbesondere
tätsfördernden Wettbewerb zu treten.
hinsichtlich der Qualitätskontrolle, auszu-
üben. Alles Weitere kann Gegenstand der
8.1.2) Freiheit im Bildungssystem
Schulautonomie sein.
Das österreichische Bildungssystem darf
Die Verantwortung der Eltern für ihre Kinder
gesellschaftspolitisch weder auf das
und die Erziehung der Kinder in Familien hat
Bewahren alles Überkommenen, noch auf
für uns Freiheitliche Vorrang vor der Erzie-
das Verändern um jeden Preis ausgelegt
hung durch staatliche Einrichtungen. Daher
sein, sondern soll Menschen heranbilden,
sollen die Eltern auch in Bildungsfragen
die über ihre Zukunft frei und fundiert zu
mehr Einfluss nehmen können als bisher.
entscheiden vermögen. Persönlichkeitsbil-
Der weitere Ausbau der demokratischen
dung und Wissenserwerb sollen sie in die
Entscheidungsstrukturen an den Schulen
Lage versetzen, kulturelle, wirtschaftliche
muss diesem Grundsatz Rechnung tragen.
und politische Zusammenhänge zu erken-
Die Verantwortung für den Bildungsfortgang
nen und verantwortlich mit zu gestalten.
eines Kindes kann nicht ausschließlich an
Dafür ist es auch erforderlich, das gesamte
die Schule delegiert werden und von dieser
Bildungssystem von parteipolitischen Ein-
auch nicht allein beansprucht werden. Die
flüssen zu befreien und Sorge dafür zu tra-
Zunahme schulautonomer Regelungen
gen, dass Schulen nicht zu ideologisch-dok-
erlaubt es, die Eltern stärker als bisher in
trinären Zwecken missbraucht werden.
Entscheidungsabläufe einzubeziehen. Diese
Möglichkeit sollte genützt werden.

8
Freiheitliche Bildungspolitik geht davon aus,
dass das Bildungssystem jeder sozialen
8.1.3) Bildungsziele
Schicht offenstehen muss, nimmt aber auch
an der Erfahrung Maß, dass nicht alle Men-
Unter den Bildungszielen ist die Beherr-
schen gleich veranlagt sind und Schulen
schung der Grundkulturtechniken für den
demnach keine Einheitsbildung vermitteln
weiteren Bildungsaufbau Voraussetzung.
können. Es geht vielmehr darum, Menschen
Die Lehrzielvorgaben im Ausbildungsbe-
jedweder Herkunft in einem gegliederten
reich haben sich am Bedarf zu orientieren. stieg in das Berufsleben. Eine bestmögliche
Der Stellenwert der Facharbeiterausbildung Nutzung der geistigen Anlagen und Interes-
ist zu heben. Die Kosten des Lehrlings wäh- sen ist nur durch Bildungseinrichtungen
rend der Berufsschulzeit sind nicht vom gewährleistet, in denen der Leistungsge-
Betrieb sondern von der öffentlichen Hand danke im Vordergrund steht.
zu tragen.
156
Das erhöht natürlich auch den Leistungsan-
Zu den wichtigsten Bildungszielen gehören spruch an die Lehrer, denen im gesamten
Wissen und Inspiration

auch die Pflege der österreichischen Eigen- Bildungsgeschehen nach wie vor eine
art und die Erhaltung des kulturellen Erbes. Schlüsselstellung zukommt. Daher ist die
Hierin findet die Beibehaltung und Förde- Lehrerausbildung in fachlicher, pädagogi-
rung humanistischer und musischer Bil- scher und psychologischer Hinsicht zu ver-
dungswege ihre Begründung, wobei auch bessern.
auf regionale kulturelle Eigenarten Rück-
sicht zu nehmen ist. Die schulische Leistungsbeurteilung ist für
die Freiheitlichen unabdingbar. Eine Reform
Wettbewerb und neue Technologien stellen des Beurteilungssystems darf jedoch nur
die Jugend vor große Herausforderungen. unter dem Blickwinkel der Zweckmäßigkeit,
Um ihnen gewachsen zu sein, ist es Ziel frei- Treffsicherheit und der Vergleichbarkeit von
heitlicher Politik, die Jugendlichen als Schulleistungen erfolgen. Sie dient auch
Zukunftsträger modern und praxisbezogen dem Leistungsansporn sowie späterhin als
auszubilden. eine der Grundlagen bei Berufseinstellun-
gen. Die Leistungsbeurteilung hat daher
8.1.4) Für eine durch eine bundeseinheitliche und differen-
leistungsfreundliche Schule zierte, das heißt mehrstufige Notenskala zu
erfolgen. Abgelehnt wird eine nivellierende
Die Bildungspolitik der vergangenen Jahr- Beurteilungsart, welche Leistungsunter-
zehnte hat insbesondere durch die verfehl- schiede nicht erkennbar und einfache Ver-
ten Schulreformen zu einer Senkung des gleiche unmöglich macht.
Ausbildungsniveaus geführt, die sich auch
im internationalen Vergleich widerspiegelt. Ziel freiheitlicher Bildungspolitik ist es,
Wer in Österreich erfolgreich eine Pflicht- abenteuerliche Schulversuche auf Kosten
schule absolviert, muss Lesen, Schreiben der Jugend sofort zu stoppen und budgetier-
und Rechnen können und unsere Grundkul- te Gelder effizienter einzusetzen. Österreich
turtechniken beherrschen. braucht ein nachvollziehbares und durch-
lässiges Schulsystem unter Berücksichti-
Zur Hebung des Ausbildungsniveaus und gung der Unterschiede zwischen ländlichem
unbeschadet des Bekenntnisses zu einer Raum und Ballungszentren.
Schule, in welcher Kinder kindgerecht
behandelt werden, stellt eine leistungsfeind- 8.1.5) Konkrete Maßnahmen zur Reform
liche Schule für die Freiheitlichen kein wün- des Bildungswesens
schenswertes Zukunftsmodell dar. Wissen
und Können, das mühelos erworben wird, Die Unterstufe der Allgemein Bildenden
und Erfolge, die sich "ganz von selber" ein- Schulen (AHS) und die Hauptschule (HS) sol-
stellen, bleiben mangels Forderung von Lei- len hinkünftig 5-jährig sein, wobei die
stung meist hinter den Möglichkeiten der Hauptschule in zwei Leistungsstufen geführt
Schüler zurück und erschweren den Ein- wird. Der Polytechnische Lehrgang wird
abgeschafft. Ein Übertritt von der AHS oder Akkreditierung von Bildungseinrichtungen
der Hauptschule in die AHS-Oberstufe des primären und sekundären Privatschul-
beziehungsweise in eine Berufsbildende bereiches (Schulakkreditierungsgesetz).
Höhere Schule (BHS) bedarf eines entspre-
chenden Notendurchschnitts. Wird dieser Hier die einzelnen Vorschläge der FPÖ für
nicht erreicht, so kann der Übertritt in einem eine leistungsfähige und gerechte Bildungs-
157
einjährigen Aufbaulehrgang geschafft wer- politik in Österreich:
den. Die AHS-Oberstufe soll drei, die BHS • Verpflichtendes Vorschuljahr für Kinder

Wissen und Inspiration


dreieinhalb Jahre dauern. mit nichtdeutscher Muttersprache, frei-
willig für deutschsprachige Kinder
Weiters beinhaltet das Freiheitliche Bil-
dungskonzept ein Bekenntnis zur ziffernmä- • Hauptschule und AHS Unterstufe 5-jährig
ßigen Schulnote, eine Notenvergabe nach • Hauptschule mit 2 Leistungsstufen
zentral vorgegebenen Leistungs- und Bil-
• Übertritt von HS in die AHS Oberstufe
dungsstandards sowie die Wiedereinführung
nur mit entsprechendem Notendurch-
der Beurteilung der äußeren Form der
schnitt
Arbeiten in der Pflichtschule und verpflich-
tende Verhaltensregeln mit entsprechenden • Übertritt von HS und AHS in die BHS nur
Konsequenzen. Weiters wird ein maximaler mit entsprechendem Notendurchschnitt
Anteil von Schülern mit nichtdeutscher Mut- • Schaffung eines einjährigen Aufbaulehr-
tersprache von 30 Prozent verlangt. Ist das gangs im Übertritt von Hauptschule in
aus organisatorischen Gründen nicht mög- Oberstufe der AHS bzw. BHS für Schüler
lich, so sind eigene Klassen für Schüler mit mit unzureichendem Notendurchschnitt
nichtdeutscher Muttersprache einzurichten.
Es soll eine Zentralmatura nach gleichen • Oberstufe AHS 3 Jahre; BHS 3½ Jahre
Leistungs- und Bildungsstandards, wie in • Bekenntnis zur ziffernmäßigen Schulno-
anderen Ländern, vorgesehen sein, wobei te (1-5)
bis zu 40 Prozent der Maturafächer modular
• Notenvergabe nach zentral vorgegebe-
und die Maturagegenstände schon mitent-
nen Leistungs- und Bildungsstandards
scheidend für die Wahl der Studienrichtung
sein sollen. • Wiedereinführung der Beurteilung der
äußeren Form der Arbeiten in der
Dadurch wird von den Jugendlichen ein Pflichtschule
höheres Maß an Selbstverantwortung ver- • Verpflichtende Verhaltensregeln mit
langt. Selbstverständlich muss es bei der entsprechenden Konsequenzen
Wahl von „falschen“ Maturafächern auch
entsprechende Ergänzungsprüfungen, wie • Klassenschülerhöchstzahl 25 durchgän-
etwa heute schon das Latinum für Medizin gig im Unterrichtswesen – Umsetzung
oder Jus, geben. sofort
• maximal 30%iger Anteil von Schülern
Die Berufsbildenden Höheren Schulen (BHS) mit nichtdeutscher Muttersprache
sollen weiterentwickelt werden und zumin-
• Beibehaltung des differenzierten Schul-
dest einen Baccalaureatsabschluss anbie-
systems
ten. Zur Förderung von Privatschulen wird
eine Gleichstellung mit den konfessionellen • Förderung von Privatschulen - Gleich-
Schulen verlangt. Ebenfalls gefordert wird stellung mit den konfessionellen Privat-
die Schaffung eines Bundesgesetzes für die schulen
• Schaffung eines Bundesgesetzes für die • Pädagogische Ausbildung ist universitäre
Akkreditierung von Bildungseinrichtun- Ausbildung; Überleitung der Pädagogi-
gen des primären und sekundären Pri- schen Hochschulen in die Universitäten
vatschulbereiches (Schulakkreditie- bzw. bei konfessionellen Pädagogischen
rungsgesetz) Hochschulen in Privatuniversitäten
158
• BHS sind weiter zu entwickeln und • Abschaffung des Finanzierungsverbotes
haben verpflichtend FHS mit zumindest des Bundes von Privatuniversitäten
Baccalaureatsabschluss anzubieten. (max. 50%, vergleiche schwedisches
Freiheit und Verantwortung

• Abschaffung der BMS durch Aufwertung Modell)


zu BHS, Polytechnische Lehrgänge
gehen in den HS auf 8.1.6) Mitspracherecht
der Studierenden
• Zielbildungseinrichtung entscheidet
über die Zulassungsvoraussetzungen im Vor 100 Jahren wurde in Österreich das allge-
Rahmen gesetzlicher Vorgaben meine, geheime, gleiche und direkte Wahl-
• Zentralmatura nach Leistungs- und Bil- recht eingeführt. Besonders bedenklich
dungsstandards erscheint daher, dass das derzeit geltende
Hochschülerschaftsgesetz nicht mit diesem,
• Max. 40% modulares System in der
in der Verfassung verankerten Grundprinzip
Oberstufe (7. und 8. Klasse AHS bzw. 2.
des geheimen, gleichen, unmittelbaren und
und 3. Klasse BHS);
direkten Wahlrechts vereinbar ist.
• Freier Hochschulzugang
• Maturagegenstände entscheiden mit über Ein echtes Mitspracherecht der Studieren-
Studienberechtigung; Wahl der Maturafä- den in ihren eigenen Belangen auf ihrer Uni-
cher im modularen System der Oberstufe versität wird durch das HSG nicht gewährlei-
AHS (z.B.: Medizinstudium nur möglich stet. Durch die Vielfalt von Universitäten an
wenn ein naturwissenschaftliches Fach den verschiedenen Standorten und deren
mit Matura abgeschlossen wird); geistes- Spezialisierungen muss eine Stärkung der
wissenschaftliche, sozial- und wirtschafts- Universitätsvertretungen erfolgen.
wissenschaftliche Fächer, technische und
naturwissenschaftliche Fächer; Eignungs- Die Universitätsvertretung der jeweiligen
prüfung für Kunst und Sport Universität kennt am Besten die Bedürfnis-
se der Studenten auf der eigenen Universität
• Gegebenenfalls Ergänzungsprüfungen und kann am effektivsten und schnellsten
an der Zielbildungseinrichtung (z.B. Uni- die Anliegen der Studierenden umsetzen.
versität) zur Erlangung der Studienbe- Die Wiedereinsetzung eines der vormaligen
rechtigung Hörerversammlung entsprechenden direkt-
• Berufsreifeprüfung berechtigt für be- demokratischen Instruments ist ebenfalls
stimmte Studien; gegebenenfalls Er- Gebot der Stunde.
gänzungsprüfungen an der Zielbildungs-
einrichtung zur Erlangung der Studien- Die Notwendigkeit einer ÖH-Bundesvertre-
berechtigung notwendig tung erscheint in Anbetracht der weitrei-
chenden Autonomie der Universitäten, ins-
• Studienberechtigungsprüfung
besondere nach einer Verbesserung der
• Abschaffung des postsekundären Bil- Kompetenzen und Möglichkeiten der Uni-
dungssektors durch Eingliederung in versitätsvertretung, nicht mehr gegeben.
das tertiäre Bildungssystem
Ein Zusammenschluss von Vertretern der Wir bedauern, dass Zugangsbeschränkun-
einzelnen Universitäten auf freiwilliger gen offenbar innerhalb der EU einen akzep-
Basis soll nach dem Vorbild der freiwilligen tierten Weg darstellen. Wir bekennen uns
Rektorenkonferenz dieser ein studentisches zum freien Hochschulzugang als unverzicht-
Gegenüber bilden. Eine Pflichtmitglied- baren Bestandteil des österreichischen Bil-
schaft der Studierenden in der ÖH ist dungswesens. Die Zugangsbeschränkungen
159
dadurch entbehrlich. schließen hauptsächlich österreichische
Studierwillige vom Studium aus.

Freiheit und Verantwortung


Die FPÖ setzt sich für eine Novelle des HSG
ein, das den Erfordernissen und Bedürfnis- Die bestandene Matura ist als Vorausset-
sen der Studierenden auf den österreichi- zung für ein Studium völlig ausreichend.
schen Universitäten unter gleichzeitiger Ausnahmen darf es nur für Kunst- oder
Berücksichtigung des geheimen, gleichen, Sportstudien geben, wo spezifische Anlagen
unmittelbaren und direkten Wahlrechts zu unabdingbar sind.
den Vertretungskörpern sowie der Stärkung
der direktdemokratischen Instrumente ent- 8.2) Wissenschaft und Forschung
spricht.
8.2.1) Die Wissenschaft
und ihre Lehre sind frei
8.1.7) Freier Hochschulzugang
Das bewusste Bewahren und die Fortent-
2005 wurde das Universitätsgesetz dahinge-
wicklung des Wissensstandes ist im beson-
hend geändert, dass die Rektorate der
deren Maße ein Element unserer Kultur. Sie
jeweiligen Universitäten in jenen Studien, die
wird in wesensbedingender Weise mitbe-
von den bundesdeutschen Numerus-clau-
stimmt vom Entwicklungsgedanken, der
sus-Studien wie Biologie, Medizin, Pharma-
bewusst Bisheriges bewahrt und überdenkt
zie, Psychologie, Tiermedizin, Zahnmedizin
sowie zukunftsgestaltend wirkt. Diesem Pro-
und dem bisherigen deutschen NC-Studium
zess unterlag und soll weiterhin jede Art von
Betriebswirtschaft sowie Kommunikations-
Wissenschaft unterliegen, und zwar unab-
wissenschaften und Publizistik betroffen
hängig von Tagesanforderungen, wenngleich
sind, den Zugang entweder durch ein Auf-
auch diese den Wissensstand voranzutreiben
nahmeverfahren vor der Zulassung oder
vermögen. Das gesamte verfügbare Wissen
durch die Auswahl der Studierenden bis
auf allen Wissensgebieten hat auf möglichst
längstens zwei Semester nach der Zulas-
hoher Ebene auf Dauer verfügbar und abruf-
sung beschränken können.
bar zu sein. Die Wissenschaften haben sich
auch an ihrem fachlichen Eigenwert zu ori-
Durch dieses Gesetz wurden allein im Win-
entieren, um heute die wissenschaftlichen
tersemester 2006/07 an den Medizinischen
Grundlagen zu erarbeiten, auf denen in der
Universitäten Wien, Graz und Innsbruck
näheren und fernen Zukunft neue Erkennt-
sowie der Veterinärmedizinischen Universi-
nisse gewonnen werden können.
tät Wien insgesamt 3224 österreichische
Maturantinnen und Maturanten am Studium
Nicht das Forschungskollektiv, sondern der
gehindert. Im Vergleich der Jahre 2003/04
selbstverantwortliche Wissenschafter ist
bis 2006/07 haben sich die absoluten Zahlen
Träger von Forschung und Lehre. Im Sinne
der österreichischen Studierenden im
der abendländischen Kultur bildet und formt
ersten Semester an den vorgenannten Uni-
Wissenschaft den freien Menschen, der in
versitäten mindestens halbiert.
einem Wechselprozess Wissenschaft selbst
gestaltet und bestimmt. Die Forschungstä-
tigkeit des Einzelnen liegt freilich eingebet- Lehre zu beschränken. Der Staat hat die
tet in den sachlich einschlägigen Wissen- Autonomie der Wissenschaft zu respektie-
schaftsbetrieben und erfolgt in Kooperati- ren und hat daher insbesondere jeden ideo-
onsformen an entsprechenden Wissen- logisch motivierten Eingriff zu unterlassen.
schaftsstätten. Aus freiheitlicher Sicht ist
jedoch die Unabhängigkeit des Individuums 8.2.3) Einheit von Forschung und Lehre
160
als Wissenschafter zu garantieren und zwar
durch das traditionelle Grundrecht "Die Wis- Wir bekennen uns zur Einheit von Forschung
Wissen und Inspiration

senschaft und ihre Lehre sind frei". und Lehre. Die Ergebnisse der Forschung
sind durch die Lehre umgehend zu vermit-
Dies bedeutet freilich nicht schrankenlose teln. Die Lehre hat die neuesten For-
wissenschaftliche Betätigungsfreiheit: schungsergebnisse zu verbreiten, wobei
Gerade die Möglichkeiten moderner Tech- sich aus diesem Prozess auch Rückkoppe-
nologien erfordern ethische Schranken, wie lungen aus der Lehre, und damit aus der
die unantastbare Würde des Menschen und Praxis, auf die Forschung ergeben. Zudem
die artspezifische Integrität der Mitwesen. ist die Grenze zwischen Forschung und
Lehre dort fließend, wo angeleitete For-
8.2.2) Verantwortung des Staates schung der Ausbildung dient.

Als gesellschaftliches Element ist Wissen- Forschungsorientierte Lehre soll der hoch-
schaftspflege eine wichtige Staatsaufgabe. qualifizierten Ausbildung für die Forschung
Der Staat hat für Forschung und Lehre die und für bestimmte Berufe dienen wie auch
ideellen und materiellen Mittel in Konkurrenz dem Wissenserwerb an sich. In diesem Sinne
zu privaten Trägern bereitzustellen. Der haben die Universitäten dreierlei Lehraufga-
staatliche Einfluss auf Forschung und Lehre ben wahrzunehmen, wie dies vor Einsetzen
ist aber analog zur freien Wirtschaft auf die der Massenuniversität vielfach der Fall war:
gesetzliche Gestaltung von Rahmenbedin- Wissensvermittlung in der Form des bloßen
gungen und die Festlegung von Mindestan- Studiums ohne große Prüfungen mit
forderungen an die Lehre zu beschränken. Im Abschlussbescheinigung; gezielte Berufs-
Sinne der Wissenschaftsfreiheit ist der Staat ausbildung in der Form des Studiums mit
nicht berechtigt, Forschung und Lehre an spezifischen, theoretischen und zum Teil
ideologischen Zielen auszurichten. auch praktischen Prüfungen (Magisterium);
Wissenschaftsausbildung in der Form des
Die Pflege der Wissenschaft als Kulturele- Studiums mit theoretischen Prüfungen sowie
ment der Gesellschaft ist nicht nur dem wissenschaftlichen Arbeiten (Doktorat).
Staat vorbehalten. Der Staat hat der For- Durch die Möglichkeit, schon während des
schung und Lehre die ideellen und materiel- Studiums berufsspezifische Prüfungen able-
len Mittel zur Verfügung zu stellen, jedoch gen zu können, soll eine wesentliche Verrin-
sind gleichzeitig private Träger im Wissen- gerung der Gesamtausbildungszeiten für
schaftsbereich zuzulassen und zu fördern. akademische Berufe erreicht werden.

Das Grundrecht der Wissenschaftsfreiheit Gehobene praxisbezogene Lehre obliegt den


verbietet Eingriffe des Staates in die Gestal- Fachhochschulen. Sie dienen der gezielten
tung von Forschung und Lehre. Er hat sich Berufsausbildung in Form eines Studiums
auf die Gestaltung von Rahmenbedingungen mit berufsspezifischen Prüfungen, ohne
durch Gesetze und allenfalls auf die Festle- selbst Forschungsstätten zu sein.
gung von Mindestanforderungen an die
Die Universitäten werden durch weitere For- fühlt und träumt. Die jeweilige Mutterspra-
schungseinrichtungen ergänzt wie etwa die che ist daher als Trägerin des kulturellen
Akademie der Wissenschaften. Um einen Ausdruckes das bestimmende Kriterium der
Wildwuchs an Forschungseinrichtungen zu Zuordnung zu einer größeren Kulturgemein-
vermeiden, hat der Staat - möglichst ohne schaft. Da die Mehrheit der Österreicher die
direkte Eingriffe - in Einklang mit den Staatssprache Deutsch (vgl. Art. 8 B-VG) als
161
Betroffenen für ein entsprechendes For- Muttersprache spricht, ergibt sich daraus
schungskonzept zu sorgen. Universitäten ihre Zugehörigkeit zur deutschen Kulturge-

Wissen und Inspiration


wie Forschungseinrichtungen sind als auto- meinschaft.
nome Körperschaften einzurichten, denen
Budgethoheit zukommt sowie vor allem das Öffentliche Einrichtungen sollen daher ganz
Recht auf personelle Selbstergänzung. besonders darauf achten, sich unserer Mut-
tersprache zu bedienen. Das gilt auch für
8.3) Kunst und Kultur den ORF. Wir geben der Hauptsendezeit und
den Kurznachrichten den Vorzug vor Prime
8.3.1) Was ist Kunst?
Time und News Flash.
Kultur ist aus freiheitlicher Sicht die
Bei Ortsnamen ist, so vorhanden, grund-
Gesamtheit aller zivilisatorischen Aus-
sätzlich der deutsche Name anzuwenden.
drucksformen. Ihre höchste schöpferische
Das betrifft auch die Beschriftung von Stra-
Ausdrucksform ist die Kunst, die in einer
ßenverkehrszeichen. (Ödenburg statt
freiheitlichen Gesellschaft keiner Beschrän-
Sopron, Brünn statt Brno)
kung unterliegt.
8.3.4) Unser kulturelles Erbe
Da jeder Mensch für sich selbst klärt, was er
als künstlerischen Ausdruck betrachtet,
Die künstlerischen Leistungen früherer
lässt sich Kunst im materiellen Sinne nicht
Generationen sind durch die Tradition kultu-
allgemeingültig und ausschließlich definie-
relles Erbe geworden. Hierzu gehören
ren. Eine begriffliche Festlegung würde den
neben der Hochkultur auch die vielfältigen
Anspruch der Kunst auf volle innere und
Ausprägungen der Volkskultur.
äußere Freiheit einengen.
Den gesamtgesellschaftlichen und staatli-
8.3.2) Künstlerische Freiheit
chen Aufgaben der Erhaltung dieses kultu-
rellen Erbes und der Sicherung der zumeist
Der unverzichtbare Anspruch auf volle inne-
regionalen kulturellen Identität stehen alle
re und äußere Freiheit der Kunst wird nur
Bestrebungen kultureller Nivellierung oder
durch die allgemeingültige Rechtsordnung
verordneter Multikultur entgegen und wer-
eingeschränkt. In einer demokratischen
den daher abgelehnt.
Gesellschaft unterliegt jede künstlerische
Ausdrucksform der uneingeschränkten
Die Sicherung des kulturellen Erbes erfor-
Freiheit der Kritik.
dert in infrastruktureller Hinsicht die Erhal-
tung der großen und anerkannten Bühnen
8.3.3) Deutsche Kulturgemeinschaft
für Sprech- und Musiktheater, der Konzert-
säle, der Museen, Sammlungen und Kultur-
Die Muttersprache ist das Ergebnis einer
denkmäler.
biographischen und familiären Prägung. Sie
ist daher die Sprache, in der man denkt,
8.3.5) Private Kunstförderung einen Bildungsauftrag zu erfüllen. In diesem
Zusammenhang ist auf die Qualität des Pro-
Da ästhetisches Empfinden ausschließlich gramms besonderes Augenmerk zu legen.
dem Individuum eigen ist und keinesfalls Der österreichische Schaffensquerschnitt
einer Institution, ist Kunst Privatsache. Wir muss sich endlich im ORF wieder finden. Die
bekennen uns daher zu einem privaten Zwangsgebühren für den ORF finden nicht
162
Mäzenatentum, das über steuerliche Anrei- unsere Unterstützung.
ze den Kunstmarkt stimuliert.
Wissen und Inspiration

8.3.9) Modernes Urheberrecht


8.3.6) Der unfreie Staatskünstler
Das Urheberrecht muss den Vorgaben des
Über die Steuerungsmechanismen der Sub- digitalen Zeitalters folgen, Künstler dürfen
ventionsgewährung, Kunstförderung und der dabei nicht auf der Strecke bleiben. Daher
Ankaufspolitik werden Künstler gegängelt ist die FPÖ für eine Modernisierung des
und politisch instrumentalisiert. Dies hat eine Urheberrechts im Sinne des Schutzes von
speziell in Österreich herausgebildete Form geistigem Eigentum bei digitaler Verwer-
des Staatskünstlertums zur Folge. Dadurch tung.
wird die Freiheit der Kunst wie des Kunstge-
nusses schwerwiegend eingeschränkt. Wir sind jedoch nachdrücklich gegen eine
„patentrechtliche Aufwertung“ von digitalem
Der Staat hat seine Kunstförderung auf die Eigentum. Das soll bedeuten, dass Verlet-
Schaffung von Rahmenbedingungen und zungen entsprechender Rechtspositionen
infrastrukturellen Einrichtungen zu weiterhin nach Urheberrecht, nicht jedoch –
beschränken. Diese sollten insbesondere verschärft – nach Patentrecht einzuklagen
Kunsthochschulen, Konservatorien und wären. (Die Software-Richtlinie der EU
Musikhochschulen, Galerien und Ausstel- unterdrückt durch Patentschutz für digitale
lungsräumlichkeiten, öffentliche Bühnen Muster fairen Wettbewerb im IT-Bereich.)
und Konzertsäle, Werkräume und Starthil-
fen für Jungkünstler umfassen. 8.3.10) Qualität ist keine Schande

8.3.7) Entwicklung Kein Genre ist explizit zu bevorzugen. Kunst-


moderner Kunstformen förderung muss sich primär als Starthilfe
für Talente verstehen. Außerdem müssen
Der Staat trägt besondere Verantwortung, Kulturpolitiker den Mut aufbringen, Qualität
die entsprechenden Bedingungen für eine bewusst zu fördern. Und diese Qualität fin-
freie Entwicklung der modernen Kunstfor- det sich in allen Genres österreichischen
men aus Musik, Film, Fernsehen und Inter- Schaffens.
net, die vor allem die jüngeren Generationen
ansprechen, zu gewährleisten. Eine zeitge- 8.3.11) Künstlersozialversicherung
mäße Kulturpolitik kann sich nicht nur auf
das Bewahren der traditionellen Kulturgüter Eine leistungsfähige Künstlersozialversi-
beschränken, darf diese aber auch nicht aus cherung im Rahmen eines Künstlersozial-
ideologischen Gründen persiflieren. versicherungsgesetzes ist eine wichtige Vor-
aussetzung dafür, Künstlern das notwendig-
8.3.8) Der Bildungsauftrag des ORF ste soziale Netz zu garantieren. Was die
ökonomischen Rahmenbedingungen für die
Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat Musikwirtschaft anbelangt, so warnen wir
vor der in Planung befindlichen Business-
Tax, die vor allem jene belastet, die bisher
nicht im Rahmen der Körperschaftssteuer
erfasst waren und von niedrigen Einkom-
mensteuertarifen und steuermindernden
Sonderausgaben und Werbungskosten pro-
163
fitieren konnten. Zudem sind alle Maßnah-
men zu beachten, die eine tendenziell nied-

Wissen und Inspiration


rige Eigenkapitalausstattung berücksichti-
gen.

8.3.12) Österreichs Musiktradition

Ein großer Teil der Musikgeschichte hat


österreichischen Hintergrund. Im Rahmen
des Regelschulwesens ist darauf zu achten,
dass die Musikausbildung als Folge eines
falsch verstandenen Spargedankens nicht
weiter unter die Räder kommt. Die Musik-
ausbildung ist eine wichtige Säule der Aus-
bildung junger Österreicher. Daher benöti-
gen wir auch eine verbesserte musikalische
Ausbildung der Volksschullehrer und der
Kindergartenpädagogen.

Es ist gleichzeitig sicherzustellen, dass es


ausreichend Plätze für Interessierte an den
Musikschulen gibt. Das ist beispielsweise in
der Bundeshauptstadt nicht der Fall. Auch
der Förderung von Musikwirtschaftsberufen
kommt hohe Bedeutung zu.
Weltoffenheit und Eigenständigkeit
Nur Souveränität und Freiheit ermöglichen uns Weltoffenheit. Österreichs
Rolle in der Welt hat von Selbstbewusstsein und friedensförderndem Cha-
rakter geprägt zu sein. 165

Weltoffenheit und Eigenständigkeit


9.1) Die deutsche Sprach- und 9.1.2) Selbstbestimmungsrecht der Völ-
Kulturgemeinschaft ker und Südtirols

9.1.1) Schutz der Interessen des deut- Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist
schen Kulturraumes unteilbar und unverzichtbar. Bis zur Ver-
wirklichung des Selbstbestimmungsrechtes
Wir bekennen uns zur deutschen Sprach- der Südtiroler ist es die historische Aufgabe
und Kulturgemeinschaft als wesentlicher Österreichs, den Bestand der deutschen und
Konstante freiheitlicher Außenpolitik. Dar- ladinischen Volksgruppen in Südtirol sowie
aus ergeben sich für uns ein besonders ver- den international abgesicherten rechtlichen
antwortungsvolles Verhältnis zur Bundesre- Status mit allen verfügbaren friedlichen Mit-
publik Deutschland und eine Verpflichtung teln zu sichern. Österreich bleibt daher
für die deutschen Minderheiten in den Län- Schutzmacht der deutschen und ladinischen
dern der ehemaligen Habsburger Monar- Südtiroler. Dem Land Südtirol ist die Mög-
chie. Es gilt, die Interessen des deutschen lichkeit des Beitrittes zur Republik Öster-
Kulturraumes zu unterstützen. reich in freier Ausübung des Selbstbestim-
mungsrechtes der Südtiroler offenzuhalten.
Für deutsche Minderheiten in den Nachbar-
staaten muss daher das Prinzip der Rezipro- Das Selbstbestimmungsrecht der Völker
zität gelten. Sie müssen über dieselben berührt aber auch alle anderen ehemals
Rechte verfügen, die die Republik Österreich deutsch besiedelten Teile der österreichi-
ihren autochthonen Minderheiten gewährt. schen Monarchie.

Wir setzen uns als einzige Partei konsequent 9.1.3) Triester Erklärung
für die Aufhebung der menschen- und völ-
kerrechtswidrigen Benes-Dekrete in Tsche- Die FPÖ unterstützt die am 31. März 2007
chien und der AVNOJ-Beschlüsse in Slowe- auf einem Kongress in Triest unterzeichnete
nien ein. Um dieses Menschenrecht durch- Triester Erklärung. In dieser fordern Vertrie-
zusetzen, müssen alle in Betracht kommen- benenverbände für die vertriebenen,
den rechtlichen Mittel ergriffen werden. geflüchteten und deportieren Völker und
Volksgruppen Europas alle, insbesondere
Die tschechische Republik und Slowenien die für Flucht, Vertreibung und Deportation

9
sind aufgefordert, enteignete und geraubte in Europa verantwortlichen Staaten und
Güter von Sudetendeutschen, Untersteirern Institutionen auf:
und Mießtalern zu restituieren. Das von
einer Seite im Zuge des Zweiten Weltkrieges
begangene Unrecht rechtfertigt nicht ein • das begangene Unrecht im Sinne des
anderes, verursacht durch Vertreibungen, internationalen Menschen- und Völker-
ethnische Säuberungen und Genozid. rechts anzuerkennen, wieder gut zu
machen, die dabei begangenen Verbre-
chen zu verurteilen und die Rückkehr zu sogenannten Euregio-Projekten, die auf eine
ermöglichen. Auflösung der historisch gewachsenen Län-
• Grundsätze anzunehmen und Bedingun- der abzielen und die Souveränität Öster-
gen zu schaffen, unter denen auf Grund- reichs untergraben, eine klare Absage.
lage des internationalen Menschen- und Regionen können nicht künstlich und multi-
Völkerrechts die Rechte und Interessen national definiert werden, sondern nur als
166
der vertriebenen, geflüchteten und ethnisch und kulturhistorisch gewachsen.
deportierten Völker und Volksgruppen
Weltoffenheit und Eigenständigkeit

auf allen Ebenen gewährleistet werden, 9.1.5) Besondere Bedeutung


einschließlich ihrer Rehabilitierung. des Balkans

• die nationale Restitutionsgesetzgebung Die FPÖ ist der Überzeugung, dass eine dau-
zu schaffen, bzw. dahingehend zu erhafte Befriedung des Balkans nur durch
ändern und dem internationalen Stan- die Anwendung des Selbstbestimmungs-
dard anzupassen, sodass auch die Ver- rechts für die betroffenen Völker erreicht
triebenen rechtliche Ansprüche erheben werden kann.
können.
• die Verbreitung der historischen Fakten Die Lage am Balkan zeigt das Scheitern der
über Vertreibung, Flucht und Deportati- Träumereien multikultureller Phantasten.
on auf allen gesellschaftlichen Ebenen Das Festhalten der EU an multiethnischen
in den EU-Mitgliedstaaten, vor allem bei Staaten am Balkan hat sich für die betroffe-
der europäischen Jugend zu garantie- nen Länder, insbesondere für Bosnien-Her-
ren. zegowina, als Sackgasse erwiesen. Zu kriti-
sieren ist in diesem Zusammenhang auch,
• die Zusammenarbeit mit den Vertriebe-
dass die Finanzspritzen und die politische
nen, Flüchtlingen und Deportierten sowie
Unterstützung für die Zentralregierung in
mit ihren Verbänden aufzunehmen.
Sarajewo letztendlich die Islamisierung des
• die Leugnung oder Verharmlosung der gesamten bosnischen Staates, über jenes
Verbrechen, die gegen die Betroffenen Gebiet, in dem die muslimischen Bosniaken
begangen wurden bzw. noch begangen die Mehrheit stellen, hinausgehend, fördert.
werden, zu verurteilen, sowie Verletzun- Ein unabhängiger Kosovo bedeutet darüber
gen ihres Ansehens und ihrer Würde hinaus einen weiteren muslimischen Staat
entgegenzutreten. in Europa.
• einen Gedenktag seitens der EU zu
Ehren und zum Gedenken an die vielen Das historisch tief belastete Verhältnis zu
Millionen Vertriebenen, Flüchtlinge und Serbien muss verbessert werden. In diesem
Deportierten einzurichten, die in den Zusammenhang ist an die Pufferfunktion
letzten 100 Jahren ihrer angestammten Serbiens zwischen Mitteleuropa und dem
Heimat in Europa beraubt wurden. Er ethnisch zersplitterten Südbalkan mit sei-
soll Mahnung für künftige Generationen nem starken muslimischen Bevölkerungs-
sein, um eine Wiederholung derartiger anteil zu denken.
Verbrechen tunlichst auszuschließen.
Die FPÖ als Verfechterin des Selbstbestim-
mungsrechts der Völker hat nicht zuletzt in
9.1.4) Absage an Euregio Folge der jüngsten Balkankriege - die auf
besonders tragische Weise einmal mehr das
Die FPÖ erteilt allen vom multikulturellen Scheitern der multikulturellen Ideologie ver-
Ungeist getragenen Bestrebungen, wie den
deutlichten – die Verpflichtung, für die Bal- von Moscheen wird vorangetrieben und
kanvölker die Anwendung des Selbstbestim- infrastrukturelle Maßnahmen (islamische
mungsrechts zu fordern. Wer heute immer Schulen, Geschäfte und Institutionen)
noch von multiethnischen Gebieten am Bal- ermöglichen es einer islamischen Einwan-
kan träumt, hat aus den Balkankriegen derergesellschaft weitgehend autark, und
nichts gelernt. von der westlichen Gesellschaft unbeein-
167
flusst, einen Staat im Staate zu errichten.
Um den Balkan dauerhaft zu befrieden, sind Die Parallelgesellschaft wandelt sich vor

Weltoffenheit und Eigenständigkeit


die teilweise Neuziehung der Grenzen sowie unseren Augen zur offenen, aggressiven
Gebietstausche erforderlich. Die Balkanvöl- Gegengesellschaft.
ker sollen ihre Zukunft unter europäischer
Schirmherrschaft aushandeln. Außereuro- Im Zusammenhang mit dem Bau von
päische Staaten wie die USA haben zu die- Moscheen, der Einreise von religiösen Leh-
sen Verhandlungen nichts beizutragen. rern (Imamen), Gründung und/oder Förde-
rungen von und für islamische Schulen bzw.
9.2) Verhältnis zu Vereine ist zu berücksichtigen, dass der Bau
islamischen Staaten von Kirchen und die freie und öffentliche
Religionsausübung in vielen islamischen
9.2.1) Freundschaftliche Beziehungen – Ländern nicht möglich ist.
Zuwanderungs-Islamismus
Die FPÖ bekennt sich zum Verbot des Tra-
Die arabische und islamische Welt unterhält gens der Burkha, von Kopftüchern und
seit Generationen freundschaftliche Bezie- anderen islamitischen Kleidungsstücken in
hungen zu Österreich. Die vielfältigen Kon- allen öffentlichen Ämtern und Schulen. Der
takte auf den Gebieten der Politik, Wirtschaft freien Religionsausübung im privaten Raum,
und Kultur sind dennoch ausbaufähig und also ohne jedwede staatliche Förderung,
sollen von gegenseitigem Respekt getragen steht die FPÖ tolerant gegenüber.
werden.
9.3) Verhältnis zu den USA
Die Entwicklung in den islamisch dominier-
ten Staaten des Nahen und Mittleren Ostens Im Verhältnis zu den USA weist die FPÖ jed-
sowie Asiens und Afrikas zeigt, dass sich weden Hegemonialanspruch entschieden
dort vielfach ein aggressiver Islamismus zurück. Europa muss bestrebt sein, wirt-
ausbreitet. Im Gegensatz zu der stets schaftlich, militärisch und politisch autark
behaupteten Toleranz des Islam auf der zu sein.
Grundlage des Korans, wird die freie Religi-
onsausübung anderer Religionsgemein- Die amerikanische Politik kriegerischer
schaften, insbesondere des Christentums, Angriffshandlungen wie etwa gegen Jugo-
nicht nur nicht toleriert, sondern schwer slawien und den Irak steht im Gegensatz
diskriminiert. Dies führte vielfach zu gewalt- zum Selbstbestimmungsrecht der Völker.
tätigen Übergriffen auf christliche Kirchen, Österreich und die EU dürfen an solchen
so dass vielerorts von „Christenverfolgung“ kriegerischen Handlungen weder teilneh-
gesprochen werden kann. men noch diese indirekt unterstützen.

Im Zuge der massiven Einwanderung von Auch die NATO und ihre Partnerstaaten sol-
Moslems nach Europa werden europäische len militärische Gewalt ausschließlich im
Länder zunehmend als Eroberungsziele der begründeten Verteidigungsfall einsetzen.
aggressiven Moslems betrachtet. Der Bau
9.4) Verhältnis zu Russland und teilt wurden oder denen kein Asylstatus
den Nachfolgestaaten der zugestanden wurde, unverzüglich, aus-
nahms- und bedingungslos zurückzuneh-
UdSSR
men.
Die FPÖ anerkennt Russland als wichtigen
geostrategischen Partner der EU. Russland Afrikanische Asylwerber sollen ausschließ-
168
hat aufgrund seiner Geschichte ein ent- lich auf dem afrikanischen Kontinent unter-
scheidendes Gewicht bei der Gestaltung der gebracht und betreut werden. Es existieren
Weltoffenheit und Eigenständigkeit

Weltfriedensordnung. Die russische Interes- ausreichend sichere afrikanische Staaten,


senssphäre ist in dem Maße zu respektieren so dass ein behaupteter Asylgrund für die
und zu achten, wie Russland die Interes- Niederlassung in Europa nicht existiert.
senssphäre Europas respektiert.
Logische Entwicklungshilfeschwerpunkte
9.5) Verhältnis zu China und den für Österreich, im obigen Sinne, sollen aus-
asiatischen Staaten schließlich kleine afrikanische Staaten wie
zum Beispiel Togo sein. Hier ist der Einsatz
Die FPÖ anerkennt China als bedeutendes der zur Verfügung gestellten Mittel bezüg-
Mitglied der internationalen Staatengemein- lich Effizienz am besten zu garantieren.
schaft. Angesichts der massiven Über-
schwemmung Europas mit chinesischen
Billigprodukten, der damit einhergehenden
Abwanderung von Produktionsstätten aus
Europa, der damit zusammenhängenden
Vernichtung von Arbeitsplätzen in Europa
sowie der Missachtung patentrechtlicher
Bestimmungen in und durch China fordert
die FPÖ jedoch die Einstellung zollrechtli-
cher Begünstigungen Chinas und die Ein-
stellung des einseitigen Technologietrans-
fers nach China. Entwicklungshilfe und
finanzielle Förderungen an China durch die
EU und ihre Mitgliedsländer müssen als
sachlich nicht gerechtfertigt betrachtet und
somit eingestellt werden.

9.6) Verhältnis zu Afrika und zur


Dritten Welt
Die außenpolitischen Beziehungen zu Afrika
und der Dritten Welt sind von besonderer
Bedeutung. Die FPÖ spricht sich nur dann
für Entwicklungshilfeleistungen aus, wenn
deren ordnungsgemäße Verwendung
gewährleistet ist. Entwicklungshilfe ist
zudem an die Bereitschaft der afrikanischen
Staaten zu koppeln, ihre Staatsbürger, die
illegal nach Europa einzuwandern versu-
chen oder die in Europa strafrechtlich verur-
169

Notizen
Europa der Vaterländer
Ein Europa der Vaterländer als Gemeinschaft jener Staaten, die historisch, kul-
turell und geographisch unsere europäische Heimat ausmachen, dient der
positiven Weiterentwicklung unserer Völker, dem Frieden und der Freiheit. 171

Europa der Vaterländer


10.1) Vereinigte Staaten 10.2) Vom Schilling zum Euro
von Europa? Die Währungspolitik der Europäischen Zen-
Die FPÖ stand und steht einer europäischen tralbank orientiert sich am Federal Reserve
Einigung positiv gegenüber. Die EU setzt System der USA. Wir fordern eine an den
jedoch nach freiheitlicher Auffassung vielfach wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedin-
falsche Schwerpunkte, was zu einer zuneh- gungen orientierte Währungspolitik und eine
menden Ablehnung durch die Bürger führt. ausreichende Edelmetallabdeckung der
europäischen Währung. Die FPÖ steht einer
Gerade unsere aufgeschlossene Weltoffen- Teilung unserer Währung mit schwächeren
heit zeigt die tiefe Krise unserer Kultur und Volkswirtschaften skeptisch gegenüber.
unseres Kontinents: Den Verlust der Welt-
geltung Europas und das Absinken zu einem 10.3) Bekenntnis zur
Protektorat Amerikas, die demographische europäischen Integration
Katastrophe, die Immigrantenproblematik
Wir bekennen uns zur europäischen Integra-
und die Auflösung der verbindlichen Werte.
tion, damit sich Europa im Zeitalter der Glo-
In dieser an den Untergang Roms erinnern-
balisierung in den weltweiten Verteilungs-
den Epoche ist jeder Tag ohne Lösungsan-
kämpfen, insbesondere gegenüber den USA,
satz ein verlorener Tag. Eine freiheitliche
gegenüber China, gegenüber Russland,
Erneuerung tut Not.
gegenüber der islamischen Welt und ande-
ren Teilen der Dritten Welt behaupten kann.
Die Strategie jener Kräfte, die einen europäi-
schen Superstaat nach US-amerikanischem
Allerdings ist unser Bekenntnis ein
Muster schaffen wollen, ist gescheitert.
Bekenntnis zu einem völlig anderen, als dem
Zuletzt waren es die beiden Referenden in
Brüssel entwachsenen Europa. Zu einem
Frankreich und in den Niederlanden, die
Europa, das im Inneren möglichst föderativ
gezeigt haben, dass die europäischen Völker
und dezentral organisiert ist, das die Vielfalt
einen solchen Kurs, mit dem man letztlich
der Kulturen, Sprachen und Völker nicht nur
auch den jüngst gescheiterten Verfassungs-
bewahrt, sondern bewusst weiterentwickelt
entwurf verbindet, ablehnen.
– also für ein Europa der sich ihrer Identität
gewissen Völker und der miteinander ver-
Ein neuer Verfassungsvertrag kommt für die
bündeten Nationalstaaten, ein Europa, das

10
FPÖ nur nach einer EU-weiten und vor allem
sich gegen unlebbaren Multikulturalismus,
einer verbindlichen österreichischen Volks-
gegen Massenzuwanderung und gegen
abstimmung in Frage. Ziel ist eine europäi-
einen „melting pot“ wendet.
sche Integration als Staatenverbund von
souveränen, einander solidarisch verbunde-
Die Integration ist außerdem kein Wettlauf,
nen europäischen Staaten.
sondern ein freiwilliges Aufeinanderzuge-
hen. Wir sollten uns bewusst sein, eigentlich
in Zeiten der Desintegration zu leben. Allein Da diese drei Staaten aber höchst unter-
seit der Wende 1989 sind über 20 neue Staa- schiedliche volkswirtschaftliche Strukturen
ten entstanden. Zwei Vielvölkerstaaten, die aufweisen, ist es wohl unseriös, die jeweilige
Sowjetunion und Jugoslawien, sind zerfal- Sonderstellung auf Länderspezifika wie das
len. Die EU darf also nicht weiterhin auf norwegische Öl oder die Schweizer Banken
einem bürgerfernen, im undurchschaubaren zu schieben. Es muss vielmehr eine
172
Dschungel der Bürokratie verlaufenden Weg Gemeinsamkeit geben, welche genau diesen
mit überhöhter Geschwindigkeit forteilen drei Ländern ihre Spitzenposition ermög-
Europa der Vaterländer

und „Integration“ nur oberflächlich und wirt- licht.


schaftlich betreiben. Das Zusammenwach-
sen Europas wird nur dann von Erfolg Und das ist bis zu einem gewissen Ausmaß
gekrönt sein, wenn es ohne Übereilung, auf ihre Möglichkeit, noch eine am eigenen
Basis gleichberechtigter Zusammenarbeit Staat und der eigenen Volkswirtschaft orien-
der Staaten und von deren Bevölkerungen tierte Wirtschaftspolitik zu betreiben und
getragen, erfolgt. Dies kann nur im Rahmen sich nicht einem gleichmachenden, für das
eines Staatenverbundes geschehen, der der einzelne Land jedoch teilweise äußerst pro-
historisch gewachsenen Vielfalt unseres blematischen EU-Zentralismus unterwerfen
Kontinentes Rechnung trägt. zu müssen.

10.4) Der Austritt ist kein Tabu Wenn man die EU-Mitgliedsstaaten betrach-
tet, so sind wiederum jene Länder führend,
Für die FPÖ ist ein Austritt aus einer Euro-
die sich möglichst wenig in die politische
päischen Union, die sich zu einem Zentral-
Union integriert haben, wie Dänemark oder
staat entwickelt und die Grundsätze der
Schweden. Die vielen Opting out-Klauseln
Subsidiarität und der Demokratie mit Füs-
und der Beibehalt der eigenen Währung
sen tritt, kein Tabu, sondern ultima ratio.
haben sich für diese beiden Länder offenbar
ebenso bezahlt gemacht wie für Großbritan-
Festzuhalten ist in diesem Zusammenhang,
nien.
dass ein Austritt aus der EU kein Austritt aus
Europa ist. Die Freihandelszone (EFTA), die
Auch für die Investitionstätigkeit in Osteuro-
Zollunion (EWR) und unter Umständen auch
pa spielt die EU-Mitgliedschaft übrigens
die gemeinsame Währung blieben bestehen,
keine Rolle, wenn Österreich Mitglied des
die wirtschaftliche Integration Österreichs in
EWR bleibt oder nach dem Vorbild der
den Europäischen Wirtschaftsraum ist
Schweiz bilaterale Verträge abschließt. Es
unabhängig von einer Mitgliedschaft in der
gab schon umfangreiche Aktivitäten Öster-
politischen Union. Politische Herausforde-
reichs mit EU-Mitgliedsstaaten, bevor
rungen wie Transit, der Universitätszugang
Österreich EU-Mitglied wurde, es gibt
oder Grüne Gentechnik könnten jedoch dann
umfangreiche Investitionen Österreichs in
im Sinne Österreichs und seiner Bevölke-
Ländern, die nicht zur EU gehören (Serbien,
rung entschieden werden.
Ukraine, Türkei usw.) und es würde auch
nach einer Rückstufung der österreichi-
Europäische Staaten, die nicht der EU ange-
schen Mitgliedschaft umfangreiche Wirt-
hören, sind im Schnitt – gemessen am BIP pro
schaftsbeziehungen geben. Eine undifferen-
Kopf – deutlich wohlhabender als jene, die Teil
zierte Vermischung dieser beiden Fragen,
der Union sind. Sieht man von Luxemburg ab,
der wirtschaftlichen und der unionspoliti-
so sind die Schweiz, Norwegen und Island in
schen Komponente, ist wenig seriös.
puncto Wohlstand in ganz Europa führend.
Die Skepsis gegenüber der Entwicklung der eine Festlegung der EU-Außengrenzen zu
EU entspringt gerade der Sorge um die erfolgen.
durch einen diktatorischen Einheitsstaat EU
gefährdete europäische Friedensordnung. Die Möglichkeit, die Verhandlungen zu been-
Das Friedensprojekt Europa ist etwas ganz den, sind eindeutig im entsprechenden EU-
anderes. Dieses Friedensprojekt gleichbe- Dokument (16238/1/04; „...Stopp der Bei-
173
rechtigter Partner ist es, dem die FPÖ Ende trittsverhandlungen bei Verletzung der
der 1980er Jahre als erste Partei im Natio- Werte: Freiheit, Demokratie, Achtung der

Europa der Vaterländer


nalrat beitreten wollte (und sich dafür Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie
beschimpfen lassen musste). Ein europäi- Rechtsstaatlichkeit ...“) geregelt.
sches Friedensprojekt bedingt ein Europa
der Vaterländer, der freiwilligen Kooperation Als vor 40 Jahren damit begonnen wurde,
und des Interessenausgleichs, ohne Bevor- der Türkei Avancen in Bezug auf einen Bei-
mundung von oben herab. tritt zu machen, war die Lage eine ganz
andere, denn damals hatte man es mit der
10.5) Die Türkei kann nicht Mitglied Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft zu
der EU werden tun, die ausschließlich ökonomische Ziele
verfolgt hat. Auch die lange Dauer von vier
Ziel der europäischen Integration ist die Jahrzehnten ist ein deutlicher Beweis dafür,
Gemeinschaft jener Staaten, die geographisch, dass dieses Angebot schon damals von den
historisch und geistig-kulturell Europa aus- Beteiligten nicht ernst gemeint war. Heute
machen, und die den europäischen Werten von ist die EU nicht mehr nur eine Wirtschafts-,
individueller Freiheit in allen ihren politischen, sondern eine politische Gemeinschaft
weltanschaulich-religiösen und wirtschaftli- geworden, die eine ganz klare Zukunftsvor-
chen Aspekten, im Einklang mit sozialer Soli- stellung hat.
darität, verbunden sind.
Ein Beitritt der Türkei zur Europäischen
Die Türkei ist nicht in der Lage, die Kopen- Union hat zu einem sofortigen Austritt
hagen-Kriterien zu erfüllen. Ganz abgese- Österreichs aus der EU zu führen.
hen von den an der Tagesordnung stehen-
den Menschenrechtsverletzungen. Die FPÖ 10.6) Staatenbund Europa
bekennt sich in diesem Zusammenhang ein-
mal mehr zum Selbstbestimmungsrecht der Die FPÖ bekennt sich zu einem Europa der
Völker und damit zum Selbstbestimmungs- freien und unabhängigen Nationen im Rah-
recht der Kurden. men eines Staatenbundes souveräner
Nationalstaaten.
Der Türkei ist ein Partnerschaftsvertrag
anzubieten, aber keinesfalls ein Beitritt. Die- Insgesamt bedeutet das, die Europäische
ser mögliche Vertrag soll Modellcharakter Union der Zukunft muss ein Staatenbund
für das Verhältnis mit anderen Ländern in mit mehrstufiger Gliederung sein, wobei die
der Nachbarschaft, wie zum Beispiel der Mitgliedsstaaten im Inneren größtmögliche
Ukraine und Weißrussland, haben. Länder, Souveränität beibehalten müssen, in sicher-
mit denen die EU gute Beziehungen haben heits- und nach außen gewandten machtpo-
muss, welche aber nicht Mitglied werden litischen Belangen aber ein möglichst star-
können. kes gemeinsames Auftreten gewährleistet
sein sollte.
Deshalb sind die EU-Beitrittsverhandlungen
mit der Türkei sofort zu stoppen und es hat Ein europäischer Staatenbund kann nur bei
gleichzeitiger Renationalisierung verwirklicht gen Rotationsprinzip halbjährlich zu
werden. Diese Renationalisierung würde wechseln.
ihrerseits die nationalen Parlamente und • Daher kann auf den Dualismus zwischen
damit die Demokratie insgesamt stärken. Der Supranationalität und intergouverne-
europäische Staatenbund soll insbesondere mentaler Zusammenarbeit nicht ver-
der Verteidigung der europäischen Staaten zichtet werden. Daraus resultiert, dass
174
und Bürger – nach außen und zur Bewahrung in Kernbereichen nationaler Souveräni-
ihrer kulturellen Identität – dienen. tät das Einstimmigkeitsprinzip beibehal-
Europa der Vaterländer

ten werden muss.


10.7) Ein europäisches Vertragswerk
• Für den Bereich der Gemeinschafts-
Die FPÖ bekennt sich zu einem europäi- rechtssetzung sind die jetzigen Gremien
schen Vertragswerk mit einem Rechte- und Rat und EP als Zwei-Kammern-System
Pflichtenkatalog für Union und Mitgliedstaa- festzulegen. Die Staatenkammer (Rat)
ten. Die Verfassungen der souveränen Mit- soll als Legislativrat öffentlich tagen und
gliedstaaten müssen absoluten Vorrang vor an ein imperatives Mandat der nationa-
dem Recht der Union haben. len Parlamente gebunden, nach den
Regeln der qualifizierten Mehrheit oder
Europa muss sich in seiner Vielfalt und einstimmig abstimmen. Die Bürgerkam-
Besonderheit auch in einem neu zu schaf- mer (Europäisches Parlament) soll lang-
fenden Grundlagenvertrag widerspiegeln. fristig im Wege des Mitentscheidungs-
Diesem Ziel entsprechend ist die EU als voll- verfahrens gleichberechtigt an der
kommen eigenständiges Projekt zu verste- Rechtsetzung mitwirken.
hen. Das gemeinsame Haus Europa kann
nur durch die gleichberechtigte Zusammen- • Die Kommissare sind als politische
arbeit souveräner Staaten und deren Völker Repräsentanten der einzelnen Mit-
errichtet werden. Dazu dürfen die Geschich- gliedsstaaten mit Ressortverantwort-
te und die regionalen Unterschiede der ver- lichkeit in der Exekutive zu verstehen.
schiedenen Länder nicht geleugnet und Auch in Zukunft soll jedes Land durch
durch eine abstrakte ‘europäische Identität‘ ein Mitglied in der Kommission vertreten
ersetzt werden. Die europäische Einheit sein, wobei das Vorschlagsrecht dem
muss auf der Vielfalt beruhen. Dies wird jeweiligen Mitgliedsstaat obliegt. Im
immer eine Herausforderung sein, ist aber Rahmen der Außenpolitik soll ein EU-
eben der Charakter unseres Kontinents. Außenminister eines neu zu schaffenden
GASP-Rates als außenpolitisches
Ein Europäischer Grundlagenvertrag soll Sprachrohr fungieren.
nach Vorstellungen der FPÖ folgende Eck- • Im GASP-Rat soll – mit Ausnahme eines
punkte für die Organisation eines Europäi- militärischen Einsatzes, welcher Ein-
schen Staatenverbundes erfüllen: stimmigkeit verlangt – mit qualifizierter
• Die Führung des Staatenverbundes soll Mehrheit abgestimmt werden. Diese
einem fünfköpfigen Präsidium unter der Einstimmigkeit im Falle eines militäri-
Leitung des jeweiligen Ratspräsidenten schen Einsatzes hindert die einzelnen
obliegen, dem auch dessen Vorgänger Mitgliedsstaaten nicht daran, an der
und Nachfolger sowie der Kommissions- jeweilig beschlossenen Aktion nicht teil-
präsident und der Präsident des Euro- zunehmen. In diesem Fall darf der
päischen Parlamentes angehören sol- betroffene Staat nicht zur Mitfinanzie-
len. Diese Führung hat gemäß dem jetzi- rung oder zu Sanktionen verpflichtet
werden (Neutralität).
• Im Justizbereich soll das Einstimmig- ihrer Neutralität verlustig gehen und müss-
keitsprinzip für verbindliche Rechtsakte te im Extremfall sogar Angriffskriege mit-
wieder eingeführt werden, damit sicher- tragen. Art. 27 Absatz 7 des Reformvertra-
gestellt werden kann, dass Maßnahmen, ges sieht vor, dass im Falle eines bewaffne-
die mit der gewachsenen Rechtstradition ten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mit-
in den einzelnen Mitgliedsstaaten nicht gliedsstaats die anderen Mitgliedsstaaten
175
vereinbar sind, verhindert werden können. nach Artikel 51 der Charta der Vereinten
• Weiters bestehen grundsätzliche Beden- Nationen alle in ihrer Macht stehende Hilfe

Europa der Vaterländer


ken gegen die Schaffung einer Europäi- und Unterstützung leisten. Damit wird die
schen Staatsanwaltschaft als suprana- EU zu einem Verteidigungsbündnis. Und das
tionale Ermittlungs- und Anklagebehör- unter dem Damoklesschwert eines EU-Bei-
de, sowie gegen den schon bestehenden tritts der Türkei.
Europäischen Haftbefehl. Dieser Aufga-
benbereich darf nicht nach Brüssel aus- 22 der 27 EU-Mitglieder gehören übrigens
gelagert werden, sondern muß auf der NATO an und unterliegen somit einer
nationaler Ebene verbleiben. Statt des- Bündnispflicht gegenüber 26 NATO-Staaten.
sen kommt allenfalls eine Weiterent- Durch diese Tatsache muss es zu klaren
wicklung von Eurojust und Europol (ohne Interessenskonflikten kommen.
Exekutivrechte) in Betracht, um gegen
schwere grenzüberschreitende Krimina- 95 Prozent des alten, gescheiterten Verfas-
lität effizienter auftreten zu können. sungsvorschlags bleiben im sogenannten
Reformvertrag erhalten. Im neuerlichen
• Klare Abgrenzung der Kompetenzen von Ratifizierungsvorgang sollen Volksabstim-
EU und Mitgliedstaaten. Die Zuständig- mungen tunlichst vermieden werden. Die
keiten der Gemeinschaftsebene sind Niederländer und die Franzosen, die gegen
taxativ aufzuzählen, eine „Flexibilitäts- die Verfassung gestimmt haben, werden
klausel“ gemäß Art. I-18 EU-Verfassung sicher nicht mehr gefragt, auch wenn der
ist entschieden abzulehnen. neue „Reformvertrag“ de facto das gleiche
ist, wie der alte – abgelehnte! - Verfassungs-
10.8) Der EU-Reformvertrag – vorschlag. Man kann also mit Fug und Recht
Gefahr für Österreich behaupten, dass die EU-Nomenklatura mit
einer Mogelpackung, vorbei am Willen der
Der sogenannte EU-Reformvertrag wird von
europäischen Völker, endgültig einen EU-
der FPÖ abgelehnt. Er ist das Ende unserer
Superstaat installieren will.
Neutralität und unserer Souveränität.
Die neuen komplizierten Abstimmungsmo-
Abgesehen von dem Umstand, dass den
dalitäten, die lediglich einen geringen Teil
Österreichern ihr Mitbestimmungs-Recht
der Abstimmungen betreffen, werden große
bei der so wichtigen Entscheidung über eine
Länder wie Deutschland oder Frankreich
EU-Verfassung genommen wird, werden
bevorzugen, kleine Länder und EU-Netto-
fast 90 Prozent unserer Gesetze nicht mehr
zahler wie Österreich haben danach weniger
vom österreichischen Nationalrat initiiert,
zu sagen – in Kraft treten wird diese Rege-
sondern von der Europäischen Union. Das
lung endgültig erst 2017.
kommt einer Entmündigung des österreichi-
schen Wählers gleich.
Die Grundrechte-Charta ist zwar nicht
Bestandteil des Vertrags, allerdings durch
Durch die „Solidaritätsklausel“ im neuen
einen Querverweis im „Reformvertrag“
EU-Vertrag wird die Republik Österreich
rechtsverbindlich. Ausnahme ist Großbritan- gramme an die Mitgliedstaaten zurückver-
nien, wo die Grundrechte-Charta so keine weisen. In Betracht kommen die Landwirt-
Gültigkeit erhält, was eine interessante schafts-, Fischerei-, Sozial-, Regional- und
rechtliche Konstellation ergeben wird. Pro- Industriepolitik, die Gesundheits-, For-
blematisch an der Grundrechte-Charta sind schungs-, Bildungs- und Kulturpolitik. Posi-
zum einen die Verschärfung der schon jetzt tive Folgen dieser Renationalisierungen
176
vorhandenen Antidiskriminierungsbestim- wären ein Bürokratieabbau sowie Einspa-
mungen, die eine Beweislastumkehr zugun- rungen des aktuellen EU-Haushalts von 100
Europa der Vaterländer

sten potentiell Diskriminierter zur Folge hat, Milliarden Euro im Ausmaß von 95 Prozent.
sowie die „sozialen Grundrechte“, die jedem
Niederlassungs-Berechtigten in der EU 10.11) Die Grenzen Europas
Anrecht auf Sozialleistungen gewähren
Die FPÖ erteilt einer schrankenlosen Auswei-
könnten. Die freie Meinungsäußerung wird
tung der europäischen Integration auf geo-
durch die angebliche Grundrechte-Charta
graphisch, kulturell, religiös und ethnisch
stark eingeschränkt.
nicht-europäische Gebiete Asiens und Afri-
kas, wie etwa der Türkei, eine klare Absage
10.9) Kerneuropa der Nettozahler und tritt – mit Ausnahme der Balkanstaaten -
Die FPÖ setzt sich für die Schaffung eines für einen Erweiterungsstopp ein.
Kerneuropas in der EU ein. Ziel eines engen
Staatenverbundes in einem Kerneuropa Die Europäische Union hat es bislang nicht
sollte eine Gemeinsame Außen- und Sicher- geschafft, das geistig-kulturelle Ziel der
heitspolitik, eine effektive Bekämpfung der europäischen Integration zu benennen und
organisierten Kriminalität und der illegalen sie hat sich nicht dazu durchringen können,
Zuwanderung sowie eine Währungspolitik ihre geographischen und geopolitischen
für den Euro sein. Österreich sollte sich Grenzen klar zu definieren. Stattdessen
einer Teilnahme an Kerneuropa nicht ver- üben sich die Eurokraten im Verein mit der
schließen. Weitere potentielle Mitglieder Brüsseler Zentralbürokratie darin, die Bür-
wären die sechs Gründerstaaten der EWG, ger quer durch Europa möglichst im Unkla-
Finnland, Irland, Ungarn, die Slowakei oder ren zu halten und in entscheidenden Fragen
Slowenien. Die weitere Teilnahme an Kern- vorsätzlich zu belügen. Die Grenzen der EU
europa könnte von der Nettozahler-Eigen- sind durch die geographischen Grenzen
schaft abhängig gemacht werden. Europas bestimmt und innerhalb dieser
politisch festzulegen.
Das Verhältnis Kerneuropas zur übrigen EU
kann nach dem Vorbild des Europäischen Die allzu rasche und allzu bedenkenlos
Wirtschaftsraums (EWR) mit einem Gemein- durchgezogene EU-Osterweiterung und die
samen Markt, einer Wettbewerbsbehörde und Pläne der Brüsseler Eurokraten zu einer
verbindlichen Umweltschutz- und Verbrau- weiteren Erweiterung stoßen auf breite
cherschutznormen (die für den gemeinsamen Ablehnung innerhalb der europäischen Völ-
Markt notwendig sind) gestaltet werden. ker, also der Bürger der EU-Mitgliedstaaten.
Die Überdehnung und Überforderung der EU
10.10) Renationalisierung und - insbesondere der Netto-Zahler - durch
Subsidiarität diese Osterweiterung ist offensichtlich.

Um das Subsidiaritätsprinzip mit Leben zu Ziel der europäischen Integration ist die
erfüllen, sollte sich die EU Ausgaben-, Gemeinschaft jener Staaten, die geopoli-
Umverteilungs- und Überregulierungspro- tisch, historisch und geistig-kulturell, wie
auch geographisch Europa ausmachen, und Wir setzen uns daher für die Schaffung eines
die sich gegenüber den abendländischen europäischen Volksgruppenrechts auf eth-
Werten, dem Erbe der Kulturen und den Tra- nisch-kultureller Basis ein.
ditionen der europäischen Zivilisation ver-
pflichtet haben. 10.13) Die Blue Card
Um „wettbewerbsfähig“ zu bleiben, plant die 177
Die EU hat mit dem mitteleuropäischen
Europäische Union mit einer sogenannten
Kroatien sowie dem Balkan und den balti-
Blue Card, rund zwanzig Millionen Men-

Europa der Vaterländer


schen Staaten ihre größtmögliche Ausdeh-
schen aus Asien und Afrika zu einer perma-
nung erreicht. Dies gilt insbesondere für die
nenten Aufenthaltsbewilligung in der EU zu
Türkei, welche mehrheitlich weder auf euro-
verhelfen. Die Länder, aus denen die „neuen
päischem Boden noch kulturell und ideolo-
Europäer“ angeworben werden sollen, sind
gisch auf gleichem Stand mit Europa ist.
fast ausschließlich islamische Staaten.
Diese Reform der europäischen Einwande-
Den Balkanländern, die noch nicht Mitglie-
rungsgesetze könnte zu einem deutlichen
der der Europäischen Union sind, sollte im
Anstieg des kulturfremden, ausländischen
Rahmen einer Langzeitperspektive der Bei-
Bevölkerungsanteils führen. Laut Financial
tritt zur Union ermöglicht werden. Aller-
Times könnte sich der ausländische Bevöl-
dings nur, wenn zweifelsfrei gewährleistet
kerungsanteil durch die Einführung der Blue
ist, dass die jeweiligen Länder europareif
Card bis zum Jahr 2030 mehr als verdop-
sind, indem sie die entsprechenden Krite-
peln.
rien erfüllen.
Zudem ist in nüchternen statistischen Erhe-
Kroatien ist zweifelsfrei ein europareifes
bungen nachweisbar, dass Massenzuwan-
und kulturhistorisch betrachtet mitteleuro-
derung aus der islamischen Welt ein emi-
päisches Land. Die Aufnahme Kroatiens
nentes Sicherheitsrisiko darstellt. Sie kann
steht unter der Maßgabe der Umsetzung der
zu einem trojanischen Pferd für den Import
angekündigten Wiedergutmachung für die
islamischer Fundamentalisten und Terrori-
völkerrechtswidrigen Beschränkungen
sten werden.
durch die AVNOJ-Beschlüsse auf seinem
Boden. Auch für Kroatien sind jedoch Über-
gangsbestimmungen bezüglich des freien 10.14) Europa und Neutralität
Zuzugs von Arbeitnehmern gerechtfertigt. Wir bekennen uns zur Beibehaltung der
Neutralität Österreichs und fordern im Fall
Was das Verhältnis der Europäischen Union einer europäischen Beistandspflicht ein Alli-
zu Russland betrifft, so ist im Zuge eventuel- anzverbot mit außereuropäischen Mächten.
ler Nachbarschaftsverträge, mit beispiels-
weise Weißrussland oder der Ukraine, auf Österreichs Neutralität schließt die Teilnah-
den legitimen Einflussbereich Moskaus zu me an einem außen- und sicherheitspoliti-
achten. schen Konzept nicht aus. Als Grundsatz
muss gelten: Solidarität in Europa - Neutra-
10.12) Europa der Vielfalt lität in der Welt. Festzuhalten ist, dass die in
der Verfassung verankerte Immerwährende
Die FPÖ bekennt sich zu einem Europa der
Neutralität durch ÖVP und SPÖ in den
Vielfalt der historisch gewachsenen, autoch-
1990er Jahren de facto ausgesetzt worden
thonen Ethnien und lehnt ein multikulturel-
ist. (z.B.: Art. 23f-BVG)
les Europa entschieden ab.
10.15) Gemeinsame Außen- Sicht kleinerer Staaten zu vermeiden. Alle
und Sicherheitspolitik sicherheitspolitischen Agenden, mit Aus-
nahme der Wirtschaftsbereiche, sollen bei
Ein glaubwürdiges außen- und sicherheits- diesem Sicherheitsrat gebündelt werden
politisches Konzept soll unsere Teilnahme und sind mit qualifizierter Mehrheit abzu-
an der europäischen Verteidigungs- und stimmen.
178 Sicherheitspolitik bestätigen. Es muss aber
auch klar machen, dass sich Österreich an 10.16) Bedrohungen Europas
keinen Kriegen in der Welt beteiligen will.
Europa der Vaterländer

und seiner Nationen


Da es sich dabei um einen Kernbereich der Für die FPÖ ist der effektive Schutz Europas
nationalen Souveränität handelt, brächte gegen Gefahren wie den Terrorismus,
jedwede Abtretung von Souveränitätsrech- aggressiven Islamismus, Supermacht-
ten an einen supranationalen Rechtsetzer Imperialismus, Konzernwillkür und wirt-
eine Marginalisierung der kleinen Staaten schaftliche Aggression durch Niedriglohn-
und eine Bevormundung durch die großen, länder von herausragender Bedeutung.
vor allem im Hinblick auf den Streitkräftee-
insatz, mit sich und wäre überdies mit der
Eigenständigkeit nicht vereinbar.

Eine Effizienzsteigerung der Gemeinsamen


Außen- und Sicherheitspolitik (GASP) ist von
hoher Bedeutung. Die Ziele der GASP und
der ESVP (Europäische Sicherheits- und
Verteidigungspolitik) sind klar zu definieren,
die demokratische Kontrolle ist durch einen
parlamentarischen Ausschuss sicherzustel-
len.

Die Sicherheit Österreichs und jene der EU


sind eng miteinander verbunden, die neuen
sicherheitspolitischen Herausforderungen
und Risiken nur durch internationale solida-
rische Zusammenarbeit zu bewältigen. Das
Prinzip der europäischen Solidarität zu
gewährleisten, soll ein EU-Sicherheitsrat
aus dem bereits bestehenden Rat für Allge-
meine Angelegenheiten und Außenbezie-
hungen folgendermaßen eingerichtet wer-
den:

Der EU-Sicherheitsrat soll sich aus den


Außen- und Verteidigungsministern der Mit-
gliedstaaten zusammensetzen, wobei bei
militärischen Einsätzen am Prinzip der Ein-
stimmigkeit festzuhalten ist. Das Institut der
konstruktiven Enthaltung ist akzeptabel,
weitere Aufweichungen sind jedoch aus der
179

Notizen
Geschäftsstellen der
Freiheitlichen Partei Österreichs
180
BUNDESGESCHÄFTSSTELLE DER FPÖ LGST SALZBURG
BGF Hans Weixelbaum LGF Hermann KIRCHMEIER
Geschäftstellen der Freiheitlichen Partei Österreichs

BGF Martina Schenk Ginzkeyplatz 10/1/1/3, 5020 Salzburg


Friedrich-Schmidt-Platz 4/3a, 1080 Wien E-Mail: hermann.kirchmeier@fpoe.at
E-Mail: bgst@fpoe.at Tel.: 0662/628120-0
Tel.: 01/512 35 35-0 Fax: 0662/628120-33
Fax: 01/512 35 35-9

LGST STEIERMARK
LGST BURGENLAND LGF Erich Hafner
LGF Siegfried ZELTNER Schmiedgasse 16/III, 8010 Graz
Rusterstraße 70, 7000 Eisenstadt E-Mail: lgst@fpoe-stmk.at
E-Mail: anita.strommer@fpoe.at Tel.: 0316/7072-0
Tel.: 02682/62846 Fax: 0316/7072-8
Fax: 02682/62846-20

LGST TIROL
LGST KÄRNTEN LGF Hans KUTSCHERER
LGF Matthias STEINER Leopoldstraße 72, 6020 Innsbruck
Feldmarschall-Conrad-Pl. 4,9020 Klagenfurt E-Mail: lgst.tirol@fpoe.at
E-Mail: kaernten@fpoe.at Tel.: 0512/575332-0
Tel.: 0463/515292 Fax: 0512/583686
Fax: 0463/51529222

LGST VORARLBERG
LGST NIEDERÖSTERREICH LGF Gerhard DINGLER
LABG LGF Ing. Martin HUBER Römerstraße 2/3, 6900 Bregenz
Wiener Straße 92,3100 St. Pölten E-Mail: geschaeftsstelle@vfreiheitliche.at
E-Mail: fpoe-niederoesterreich@fpoe.at Tel.: 05574/464450
Tel.: 02742/256280 Fax: 05574/46445-75
Fax: 02742/256280-34

LGST WIEN
LGST OBERÖSTERREICH LGF Andreas GUGGENBERGER
LGF Hubert SCHREINER Rathausplatz 8/3/9, 1010 Wien
Blütenstraße 21/I, 4041 Linz E-Mail: lgst.wien@fpoe.at
E-Mail: lgst-ooe@fpoe.at Tel.: 01/4057560
Tel.: 0732/7364260 Fax: 01/4057560-23
Fax: 0732/736426-15
Parlamentarische Klubs der
Freiheitlichen Partei Österreichs
181
PARLAMENTSKLUB SALZBURG
BPO LPO KO Heinz-Christian Strache BPO Stv. LPO KO LA Dr. Karl SCHNELL

Parlamentarische Klubs der Freiheitlichen Partei Österreichs


Dr. Karl Renner Ring 3, Parlament Chiemseehof, 5010 Salzburg
1017 Wien E-Mail: fpoe-klub@salzburg.gv.at
E-Mail: parlamentsklub@fpoe.at Tel.: 0662/8042/2246
Tel.: 01/40 110-7012 Fax: 0662/8042/2912
Fax: 01/40 110-7098
TIROL
BPO Stv. LPO KO LAbg. Mag. Gerald Hauser
BURGENLAND Altes Landhaus, 6010 Innsbruck
LPO KO LA GR Johann TSCHÜRTZ E-Mail: fpoe.landtagsklub@tirol.gv.at
Landhaus, Europaplatz 1 Tel.: 0512/508-3082
7000 Eisenstadt Fax: 0512/508-3085
E-Mail: post@fpoeklub-bgld.at
Tel.: 02682/600/2493 VORARLBERG
Fax: 02682/600/2390 KO LAbg. Ing. Fritz AMANN
Freiheitlicher Landtagsklub Vorarlberg,
Landhaus, 6900 Bregenz
NIEDERÖSTERREICH E-Mail: landtagsklub@vfreiheitliche.at
GR KO Gottfried WALDHÄUSL Tel.: 05574/511-31205
Landhaus, Landhausplatz 1/Haus 1 Fax: 05574/511-31295
3109 St. Pölten
E-Mail: post.fpklub@noel.gv.at
Tel.: 02742/9005/13441 WIEN
Fax: 02742/9005/13450 KO DDr. Eduard SCHOCK
FPÖ Landtagsklub
Rathaus, 1082 Wien
OBERÖSTERREICH E-Mail: eduard.schock@fpoe.at
KO Mag. Günther STEINKELLNER Tel.: 01/4000 - 81745
Klosterstraße 7, 4010 Linz Fax: 01/4000 - 9981741
E-Mail: fpoe.klub@ooe.gv.at
Tel.: 0732/7720/11770
Fax: 0732/7720/11769
Stimmberechtigte Mitglieder der
Bundesparteileitung der Freiheitlichen
Partei Österreichs
182

KR Daniel ALLGÄUER BezPO GR Roman EICHHÜBL


Stimmberechtigte Mitglieder der Bundesparteileitung der Freiheitlichen Partei Österreichs

daniel@allgaeuer.at bezirk-steyr@fpoe.at

KO LAbg. Ing.Fritz AMANN LAbg. Lukas ESSL


fritz.amann@protec.at lukas.essl@fpoe-sbg.at

LAbg. Ing. Herbert ASPÖCK NAbg. Dr. Peter FICHTENBAUER


herb.aspoeck@utanet.at office@fichtenbauer-krebs.at

NAbg. Dr. Robert ASPÖCK LAbg. Henriette FRANK


office@aspoeck-robert.at henriette.frank@architektfrank.at

BV-Stv. Karl BARON DI Theodor E. FRIEDLE


karl@baron.co.at theo.friedle@aon.at

NAbg. Dr. Dagmar BELAKOWITSCH-JENEWEIN GR LAbg. Mag. Anton FRISCH


dagmar.belakowitsch-jenewein@fpoe.at anton.frisch@fpoe-tirol.at

LAbg. Ilse BENKÖ GR LAbg. Walter GATT


ilse.benkoe@fpoe.at walter.gatt@fpoe-tirol.at

LAbg. Silvia BENZER NAbg. Komm.-Rat Alois GRADAUER


silvia.benzer@vfreiheitliche.at alois.gradauer@tele2.at

Ing. Hermann BINDER NAbg. Mag. Dr. Martin GRAF


binder@ihb.at buero@martin-graf.at

LAbg. Rosemarie BLATTL GR Karl Anton GRAFENEDER


rosemarie.blattl@salzburg.at k.grafeneder@gmx.at

Johann BÖCK BezPO Mag. Dr. Udo GROLLITSCH


hannes.boeck@fpoe.at leoben@fpoe-stmk.at

NAbg. Dr. Reinhard BÖSCH LAbg. Mag. Johann GUDENUS


patrik.spreng@fpoe.at johann.gudenus@rfj.at

LAbg. Mag. Gerald EBINGER Sektionschef Dr. Helmut GÜNTHER


gerald.ebinger@chello.at helmut.guenther@fpoe.at

LPO LR Dieter EGGER GR Christian HAAGER


dieter.egger@vorarlberg.at ch.haager@aon.at
BezPO GR Ing. Heinz HACKL GS NAbg. Herbert KICKL
office@heinz-hackl.com herbert.kickl@fpoe.at

LAbg. Ernst HAGEN BezPO GR Anneliese KITZMÜLLER


hagen.ernst@aon.at a.kitzmueller@gmx.at
183
GV Mag. Roman HAIDER BPO-Stv. NAbg. DI Karlheinz KLEMENT
roman.haider@vmc.at karlheinz.klement@fpoe.at

Stimmberechtigte Mitglieder der Bundesparteileitung der Freiheitlichen Partei Österreichs


NAbg. GR Mag. Dr. Manfred HAIMBUCHNER LAbg. BezPO Erich KÖNIGSBERGER
haimbuchner@aon.at erich.koenigsberger@fpoe.at

BezPO GR Christian HARTWAGNER BR Dietrich KOPS


c.hartwagner@pptv.at dietrich.kops@gmx.at

BV-Stv. Gerhard HASLINGER Mag. Helmut KOWARIK


gerhard.haslinger@chello.at ko@reichsapfel-apotheke.at

BPO-Stv. LPO KO LAbg. Mag. Gerald HAUSER LAbg. Mag. Dietbert KOWARIK
gerald.hauser@fpoe.at dk@notar-stefan.co.at

GR LAbg. Richard HEIS Stefan KRISMER


richard.heis@fpoe-tirol.at stefan.krismer@fpoe-tirol.at

Bundesrat BezPO Werner HERBERT LPO NAbg. Dr. Gerhard KURZMANN


werner.herbert@fpoe.at gerhard.kurzmann@gmx.at

StR. Johann HERZOG LAbg. David LASAR


christine.wilcek@fpoe.at david.lasar@aon.at

BPO-Stv. NAbg. Ing. Norbert HOFER NAbg. Hartmann LAUTENSCHLAGER


norbert.hofer@fpoe.at hartmann.lautenschlager@fpoe-tirol.at

LAbg. LGF Ing. Martin HUBER LPO LAbg. Pius LEITNER


martin.huber@fpoe.at info@die-freiheitlichen.com

KO BR Wolfgang IRSCHIK LAbg. Dr. Herbert MADEJSKI


wolfgang.irschik@fpoe.at herbert.madejski@fpoe.at

LAbg. Brig. Wolfgang JUNG BV-Stv. Ingrid MADEJSKI


jung.w@inode.at herbert.madejski@fpoe.at

Ehrenobmann Mag. Hilmar KABAS LAbg. Anton MAHDALIK


hilmar.kabas@fpoe.at toni.mahdalik@fpoe.at

BR Mag. Günter KASAL BezPO Bgm. Dipl.-Ing. Alexander MAIER


guenter.kasal@bmsk.gv.at aon.913012642@aon.at
LAbg. Veronika MATIASEK Dipl.-Ing. Leopold RUF
veronika.matiasek@chello.at leopold.ruf@noel.gv.at

KD Petra MAYER BezPO Helmut SCHAUPENSTEINER


petra.mayer@vfreiheitliche.at schaup@idee-werbeagentur.at
184
NAbg. Leopold MAYERHOFER BGF Martina SCHENK
leopold.mayerhofer@parlament.gv.at martina.schenk@fpoe.at
Stimmberechtigte Mitglieder der Bundesparteileitung der Freiheitlichen Partei Österreichs

MEP Andreas MÖLZER BezPO GR David SCHIESSL


a.moelzer@aon.at david.schiessl@aon.at

LAbg. Helga MOSER LPO-Stv. Gertraud SCHIMAK


helga.moser@liwest.at Alpenstraße 46, 5020 Salzburg

Bundesrätin Monika MÜHLWERTH BPO-Stv. LPO KO LAbg. Dr. Karl SCHNELL


monika.muehlwerth@chello.at karl.schnell@salzburg.gv.at

GR Alexander NERAT LPO-Stv. KO StR. DDr. Eduard SCHOCK


alexander.nerat@24speed.at eduard.schock@fpoe.at

NAbg. GR Werner NEUBAUER LAbg. BezPO BKR Karl SCHWAB


werner.neubauer@liwest.at karl.schwab@noel.gv.at

LAbg. Mag. Siegfried NEYER LPO LAbg. Franz SCHWAGER


sigi.neyer@vfreiheitliche franz.schwager@fpoe.at

BV-Stv. Gerda PIROCHTA BV-Stv. Komm.-Rat Paul Johann STADLER


gerda.pirochta@aon.at office@fluessiggas-stadler.at

BezPO StR. Mag. Dr. Josef PITSCHKO LAbg. Rudolf STARK


fpoe@klosterneuburg.net stark-steuerberatung-wien@aon.at

GR Elmar PODGORSCHEK BPO-Stv. LAbg. Harald STEFAN


podgorschek@utanet.at hst@notar-stefan.co.at

BezPO GR Josef A. RIEMER KO Mag. Günther STEINKELLNER


riemer@kristallhaus.at guenther.steinkellner@ooe.gv.at

BR Ing. Bernhard RÖSCH BPO LPO KO NAbg. HC STRACHE


bernhard.roesch@helvetia.at karin.schmutz@fpoe.at

BPO-Stv. LPO LR Barbara ROSENKRANZ GR LAbg. BezPO Benno SULZBERGER


barbara.rosenkranz@fpoe.at benno.sulzberger@noel.gv.at
Ernst ROTHENWÄNDER LAbg. BezPO GR Edmund TAUCHNER
e.rothenwaender@sbg.at fpoekirchberg@noel.gv.at
BPO-Stv NAbg. Bernhard THEMESSL BGF Hans WEIXELBAUM
bernhard.themessl@ganet.at hans.weixelbaum@fpoe.at

BO-ÖSR Dr. Edwin TIEFENBACHER Friedrich WIEDERMANN


tiefenbacher@oesr.at f.wiedermann@wasi.tv
185
LPO KO LAbg. Johann TSCHÜRTZ LAbg. Hildtraud WIESER
johann.tschuertz@fpoe.at hildtraud.wieser@vol.at

Stimmberechtigte Mitglieder der Bundesparteileitung der Freiheitlichen Partei Österreichs


GS NAbg. Harald VILIMSKY StR. Dr. Bernhard WIESER
harald.vilimsky@fpoe.at wieserb@wels.gv.at

NAbg. Bernhard VOCK StR. Dr. Susanne WINTER


bernhard.vock@parlament.gv.at susanne.winter@yahoo.de

BO-FFV Univ.-Prof. Dr. Herbert VONACH NAbg. GR Wolfgang ZANGER


herbert.vonach@utanet.at w.zanger@ainet.at

BO-FB Horst WAGENHOFER BV-Stv. Bernd ZEISSEL


horst.wagenhofer@gmx.at Gudrunstraße 105/3/44, 1100 Wien

BO-AUF + FGÖ Josef WAGENTHALER LGF Siegfried ZELTNER


josef.wagenthaler@auf.at siegfried.zeltner@kwp.at

KO LAbg. Gottfried WALDHÄUSL


gottfried.waldhaeusl@noel.gv.at
LPO NAbg. Lutz WEINZINGER
lutz.weinzinger@fpoe.at
Mitglieder des Nationalrates
Dr. Robert ASPÖCK Dr. Gerhard KURZMANN
robert.aspoeck@parlament.gv.at gerhard.kurzmann@parlament.gv.at

Dr. Dagmar BELAKOWITSCH-JENEWEIN Hartmann LAUTENSCHLAGER


186
dagmar.belakowitsch-jenewein@parla- hartmann.lautenschlager@utanet.at
ment.gv.at
Mitglieder des Nationalrates, Bundesrates und des Europaparlaments

Leopold MAYERHOFER
Dr. Reinhard BÖSCH leopold.mayerhofer@parlament.gv.at
reinhard.boesch@parlament.gv.at
Werner NEUBAUER
Dr. Peter FICHTENBAUER werner.neubauer@parlament.gv.at
peter.fichtenbauer@parlament.gv.at
www.peterfichtenbauer.at Heinz Christian STRACHE
heinz-christian.strache@parlament.gv.at
Dr. Martin GRAF www.hcstrache.at
martin.graf@parlament.gv.at
www.martin-graf.at Bernhard THEMESSL
bernhard.themessl@parlament.gv.at
Komm-.Rat Alois GRADAUER
alois.gradauer@parlament.gv.at Harald VILIMSKY
harald.vilimsky@parlament.gv.at
Mag. Dr. Manfred HAIMBUCHNER www.vilimsky.at
manfred.haimbuchner@parlament.gv.at
Bernhard VOCK
Ing. Norbert HOFER bernhard.vock@parlament.gv.at
norbert.hofer@parlament.gv.at
www.norberthofer.at Lutz WEINZINGER
lutz.weinzinger@parlament.gv.at
Herbert KICKL
herbert.kickl@parlament.gv.at Wolfgang ZANGER
wolfgang.zanger@parlament.gv.at
Dipl.-Ing. Karlheinz KLEMENT
karlheinz.klement@parlament.gv.at
www.khklement.at

Mitglieder des Bundesrates


Monika MÜHLWERTH Werner HERBERT
monika.muehlwerth@fpoe.at werner.herbert@fpoe.at

Mitglieder des Europaparlaments


Andreas MÖLZER
andreas.moelzer@fpoe.at
Landtagsabgeordnete
Wien Niederösterreich
Mag. Gerald EBINGER Ing. Martin HUBER
gerald.ebinger@fpoe.at martin.huber@fpoe.at
187
Henriette FRANK Erich KÖNIGSBERGER
henriette.frank@architektfrank.at erich.koenigsberger@fpoe.at

Landtagsabgeordnete
Mag. Johann GUDENUS Barbara ROSENKRANZ
johann.gudenus@rfj.at barbara.rosenkranz@noel.gv.at
www.barbara-rosenkranz.at
Sektionschef Dr. Helmut GÜNTHER
helmut.guenther@fpoe.at Karl SCHWAB
karl.schwab@noel.gv.at
Mag. Wolfgang JUNG
jung.w@inode.at Benno SULZBERGER
benno.sulzberger@noel.gv.at
Mag. Dietbert KOWARIK
dk@notar-stefan.co.at Edmund TAUCHNER
edmund.tauchner@noel.gv.at
David LASAR
david.lasar@fpoe.at Gottfried WALDHÄUSL
gottfried.waldhaeusl@noel.gv.at
Dr. Herbert MADEJSKI
herbert.madejski@fpoe.at Burgenland
Ilse BENKÖ
Anton MAHDALIK
ilse.benkoe@fpoe.at
toni.mahdalik@fpoe.at
Johann TSCHÜRTZ
Veronika MATIASEK
johann.tschuertz@fpoe.at
veronika.matiasek@chello.at

DDr. Eduard SCHOCK Oberösterreich


eduard.schock@fpoe.at Ing. Herbert ASPÖCK
herbert.aspoeck@fpoe-ltklub-ooe.at
Rudolf STARK
rudolf.stark@fpoe.at Helga MOSER
helga.moser@fpoe-ltklub-ooe.at
Mag. Harald STEFAN
harald.stefan@fpoe.at Mag. Günther
STEINKELLNER
guenther.steinkellner@fpoe-ltklub-ooe.at
Landtagsabgeordnete
Salzburg Kärnten
Rosemarie BLATTL Franz SCHWAGER
188 rosemarie.blattl@salzburg.at franz.schwager@fpoe.at

Lukas ESSL
Landtagsabgeordnete und Regierungsmitglieder

lukas.essl@fpoe-sbg.at Vorarlberg
Ing. Fritz AMANN
Dr. Karl SCHNELL
landtagsklub@vfreiheitliche.at
karl.schnell@salzburg.gv.at
Silvia BENZER
Tirol silvia.benzer@vfreiheitliche.at
Mag. Gerald HAUSER
gerald.hauser@fpoe.at Ernst HAGEN
hagen.ernst@aon.at
Walter GATT
walter.gatt@fpoe-tirol.at Mag. Siegfried NEYER
sigi.neyer@vfreiheitliche.at
Mag. Anton FRISCH
anton.frisch@fpoe-tirol.at Hildtraud WIESER
hildtraud.wieser@vol.at
Richard HEIS
richard.heis@fpoe-tirol.at

Regierungsmitglieder
Vorarlberg Wien
Landesrat Dieter EGGER StR Johann Herzog
dieter.egger@vorarlberg.at johann.herzog@fpoe.at
www.dieteregger.at

Niederösterreich
Landesrätin Barbara ROSENKRANZ
barbara.rosenkranz@noel.gv.at
www.barbara-rosenkranz.at

Wir bedanken uns bei all jenen Persönlichkeiten unserer Gesinnungsgemeinschaft, die an diesem Handbuch mitgewirkt haben, insbe-
sondere bei unseren Bereichssprechern im Parlamentsklub und in den Landtagsklubs sowie den hauptamtlichen Mitarbeitern.

Heinz-Christian Strache Ing. Norbert Hofer


Bundesparteiobmann Bundesparteiobmann-Stv.
Freiheit und Verantwortung
AUF - BUNDESGESCHÄFTSSTELLE INITIATIVE FREIHEITLICHE FRAUEN
Florianigasse 16 Rathausplatz 8
1080 Wien 1010 Wien
189
Tel.: 01/406 75 15-0; Fax: 01/406 75 15-23 Tel.: 0664/539 75 09
E-Mail: auf@auf.at E-Mail: monika.muehlwerth@freiheitlichefrauen.at

Vorfeldorganisationen
FREIHEITLICHE ARBEITNEHMER RING FREIHEITLICHER JUGEND -
Lenaugasse 8/15 BUNDESGESCHÄFTSSTELLE
1080 Wien Stuckgasse 9/11
Tel.: 01/402 16 11 1070 Wien
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E-Mail: info@rfj.at
FBO - FREIHEITLICHE BAUERNSCHAFT
Friedrich-Schmidt-Platz 4/3a
1080 Wien ÖSTERREICHISCHER SENIORENRING
Tel.: 01 / 512 35 35 -0 Ernst Machstraße 33/2
E-Mail: freiheitliche.bauernschaft@fpoe.at 5023 Salzburg
Tel.: 0699/11947808; Fax: 0662/62 81 20-33
FFV - FREIHEITLICHER FAMILIENVERBAND E-Mail: oesterr.seniorenring@fpoe.at
Blindengasse 6
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Tel. u. Fax: 01/405 78 32 Friedrich Schmidt Platz 4/3a
E-Mail: office@ffv.at 1010 Wien
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FPÖ-BILDUNGSINSTITUT FAX: 01/512 35 35 - 9
Friedrich-Schmidt-Platz 4/3a
1080 Wien
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Befreundete Organisationen
FREIHEITLICHER AKADEMIKERVERBAND RING FREIHEITLICHER STUDENTEN -
Ableitenweg 8 BUNDESGESCHÄFTSSTELLE
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E-Mail: vorstand@akademikerverband.at Mobil: 0664/1118746; Fax: 01/40 80 748-20
E-Mail: bund@rfs.at
KLEINE SOZIALE NETZE
Lenaugasse 8 RING FREIHEITLICHER WIRTSCHAFTS-
1080 Wien TREIBENDER – BUNDESGESCHÄFTSSTELLE
Tel.: 01/402 13 99; Fax: 01/405 58 88 Große Neugasse 28/1
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Tel.: 01/408 25 20; Fax: 01/408 25 20-20
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Gerald Hauser Lutz Weinzinger Johann Tschürtz

Dieter Egger Karl Schnell Franz Schwager

Bildungsinstitut
Heinz-Christian Strache Gerhard Kurzmann Barbara Rosenkranz