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GESCHICHTE

Carl Zeiss Jena fertigte ab 1956 bis zur Kombinatsauflösung 1990


Objektive für die Praktisix und PENTACON six. Im Laufe dieser lan-
gen Fertigungszeit wurden über 460.000 Objektive mit Praktisix-
Anschluss gefertigt. Neben Normalobjektiven wurden zwei Weitwinkel,
ein gemäßigtes Tele-Objektiv und drei Teleobjektive angeboten.

Die Teleobjektive

Zeiss-Objektive mit
Praktisix-Anschluss (2)
In der vergangenen Ausgabe von PHOTODeal wurden die Zeiss-Wechselob-
jektive zur Praktisix in den Brennweiten 50 bis 120 mm vorgestellt. In die-
sem Artikel folgen nun die langen Brennweiten.
Zusammenfassend zum letzten Artikel ist nochmals zu erwähnen, dass of-
fensichtlich ein durchgängig hochwertiges Objektivsortiment zur Praktisix
bereitgestellt werden sollte. So konnte die Praktisix ihren Ruf aufbauen – und
auf dem internationalen Markt erfolgreich sein. Obwohl Meyer – bis auf ein
Weitwinkelobjektiv – schon eine umfangreiche Palette hätte anbieten kön-
nen, wurden bei Zeiss eigens für die Praktisix neue Objektive gerechnet. Bis
1960 konnten die Brennweiten bis 120 mm zur Verfügung gestellt werden.
1961 folgten das Sonnar 2,8/180 und das Spiegelobjektiv 5,6/1000. Mit
dem Sonnar 4/300 wurde 1966 die letzte Lücke geschlossen.

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GESCHICHTE

A
uch in diesem Artikel wird ein
besonderes Augenmerk auf die
vielfältigen Varianten gelegt.
Abbildungen und Grundtypen
wie auch ein grober Überblick über Be-
schriftungsvarianten sind im ersten Artikel
zu finden. Besondere Varianten der Son-
nare werden in diesem Artikel herausgear-
beitet.

Entwicklung des Sonnars Ausgehend vom Triplet schuf Charles Minor schon 1916 das lichtstarke Kinoobjektiv Ultrastigmat 1,9
(links). Darauf aufbauend entwickelte Bertele 1925 das erste lichtstarke Mittelformatobjektiv Ernostar
2/100 (Mitte). Durch ersetzen eines Luftraums durch ein Glas niedriger Dispersion konnte Bertele mit
Eigentlich stellt das Sonnar keinen eigenen dem Sonnar 2/50 den Kontrast erheblich steigern und den Farbfehler besser korrigieren (rechts).
Typ dar, lässt es sich doch auf das Triplet Rechts außen: Im Linsenschnitt des Sonnars 2,8/180 ist die Grundform des Sonnars 2/50 erkennbar.
zurückführen. Dennoch hat es eine Reihe Anstelle der hinteren Kittlinse ist eine Einzellinse gerückt.
von Eigenschaften, welche sich von übli-
chen Tripletvarianten abheben, so dass ei- Schwierigkeiten, Kittglieder aus zwei oder nige Nikkore), Arsenal (Jupiter, Kaleinar),
ne Sonderstellung gerechtfertigt ist. drei Linsen genau zu justieren, trieben den Meyer (Telefogar), Isco (Iscaron), Steinheil
Preis für das Sonnar in die Höhe. (Quinar).
Die wesentlichen optischen Fehler von Ob-
jektiven konnten erstmals 1902 mit dem Ausgehend von diesem Sonnar entwickel-
Tessar auf ein brauchbares Minimum re- te Bertele verschiedene weitere Sonnare Kleinbildsonnar 2,8/180
duziert werden. Danach galt es, die Licht- für den Normal- bis Telebereich. Mittler-
stärke der Objektive zu steigern. Charles weile haben Zeiss-Jena und -Oberkochen Das Sonnar 2,8/180 ähnelt im Aufbau
M. Minor setzte 1916 in den vorderen so viele verschiedene Objektive mit dem dem Sonnar 1,5/50. Die hintere Kittlinse ist
Luftraum eines Dreilinsers eine Sammellin- Namen Sonnar, darunter auch Ernostar- durch eine Einzellinse ersetzt worden. Da
se und schuf so den Ultrastigmat 1,9. Bei Konstruktionen, auf den Markt gebracht, das Sonnar 2,8/180 1936 gerechnet wur-
außerordentlich hoher Anfangsöffnung dass sich der Sonnar-Typ nicht mehr ein- de, wird es (und diverse jüngere Sonnare)
bildete er aber nur einen schmalen Bild- heitlich definieren lässt. Anders als beim in Anlehnung an die olympischen Spiele
winkel ab. Tessar erloschen die Patentrechte am Son- 1936 auch „Olympia-Sonnar“ genannt.
nar vorzeitig mit dem Kriegsende 1945. Das Sonnar in den Rechnungen von 1936,
Einen wichtigen Meilenstein setzte Lud- Ab dann wurden verschiedene Sonnar- 1938, 1939, 1940 und 1949 ist für Klein-
wig Bertele 1923 mit dem Ernostar. Aus- konstruktionen von diversen Herstellern bildkameras gedacht. Doch schon früh ex-
gehend von dem Ultrastigmat experimen-
tierte Bertele, indem er in verschiedenen
Kombinationen Einzellinsen durch Kitt-
glieder ersetzte. Letztlich gelangte er zu ei-
nem Ernostartyp mit Anfangsöffnung 1:2,
der Ähnlichkeiten zu einem Ultrastigma-
ten hatte, nur mit Kittlinse an Stelle der
hinteren Linse. Kurz darauf steigerte er die
Anfangsöffnung noch auf 1:1,8. Hierzu
füllte er den mittleren Luftraum mit einem
niedrigstreuenden Fluoridglas aus und
trennte die hintere Kittlinse. Dabei elimi-
nierte er einen Glas-Luft-Übergang. Zu
dieser Zeit war eine Objektivvergütung
noch nicht verfügbar, und ein Glas-Glas-
Übergang schluckte wesentlich weniger
Licht als ein Glas-Luft-Übergang. 1926
wurde Ernemann von Zeiss Ikon übernom-
men. 1931 ersetzte Bertele schließlich die Vor 1961 existierte das Sonnar 2,8/180 schon für das Kleinbild. Schon früh erkannten Anwender, dass
hinteren beiden Linsen wieder durch ein diese Objektive auch an der Praktisix verwendbar waren, sofern man sich selbst um den Anschluss
kümmerte. Das Objektiv mit Stativgewinde (links) wurde für Roger Rössing angepasst. Die anderen
Kittglied. Das Kleinbild-Sonnar war gebo-
beiden wurden mit speziellen Adaptern vom Flektoskopgewinde auf Praktisix adaptiert. Am bekann-
ren. Der Name Sonnar, zuvor schon bei testen unter diesen Lösungen ist der Huffziger-Adapter (mitte).
Contessa-Nettel genutzt, wurde wieder-
verwendet, um auf die extrem hohe Licht- übernommen, unter anderem Asahi (eini- perimentierten Amateurfotografen, das
stärke hinzuweisen (Sonne). Die hohe An- ge Takumare), Schacht (Travenon, Tele-Tra- Sonnar 2,8/180 und auch das Sonnar
zahl einzelner Linsen, aber auch die venar), Canon (einige Serenare), Nikon (ei- 4/300 über Adapter an der Praktisix zu ver-

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Die frühesten Fertigungslose des Sonnar 2,8/180


verfügen nur über einen schmalen Stativan-
schluss. Zusammen mit dem breiteren Stativan-
schluss wurde das Sonnar mit der automati-
schen Blendenkorrektur ausgestattet. Beide
Varianten wurden sowohl mit Belederung als
auch mit Rautenring gefertigt.

ger als das Muster. Es folgte 1962 ein Los


Das Sonnar 2,8/180 gibt es in allen Grundvarianten. In der Aluminiumversion sind nur zwei Muster von 550 Objektiven, diesmal mit Rauten-
bekannt. Während der langen Fertigungszeit von 1961 bis 1990 wurde das Objektiv des öfteren ange- ring. Diese beiden Lose haben eine sehr
passt. Die wichtigsten Veränderungen betreffen die Erweiterung der Nahgrenze und die Einführung schmale Stativauflage, die für ein so
der Mehrschichtvergütung. schweres Objektiv doch recht zierlich er-
scheint. In dem nächsten Los von 1963 sind
wenden. Auch sieht man bekannte Sport- 2,8/180 eingestellt. Der Kleinbildmarkt zwei wichtige neue Merkmale zu finden.
reporter der Fünfziger hin und wieder in al- wurde nun mit dem Mittelformat-Sonnar Zum einen wurde die Stativauflage verbrei-
ten Aufnahmen mit einem Kleinbild-Son- bedient. Passend zu verschiedenen Kame- tert, zum anderen aber eine automatische
nar an der Praktisix. Die Sonnare 180 und ra-Systemen wie Exakta und M42 wurden Blendenkorrektur eingebaut! Bei Nahauf-
300 hatten zur Verwendung am Spiegel- Adapter geliefert. Bis 1991 wurden dann nahmen muss die Belichtungszeit gering-
kasten einen Flektoskopanschluss und so- etwa 84.000 Sonnare 2,8/180 hergestellt. fügig heraufgesetzt werden. Verwendet
mit ein erheblich größeres Auflagemaß als Unter den Praktisix-Objektiven ist das nach man Zwischenringe, so wird der Verlänge-
das der Praktisix. So gibt es heute eine den Biometaren die zweithöchste Stück- rungsfaktor beträchtlich und ist aus Tabel-
große Menge mehr oder weniger gut ge- zahl. Der Großteil dieser Objektive fand an len abzulesen. Für die objektiveigene Nah-
lungener Adapter-Ringe. Der wertigste Kleinbildkameras Einsatz. fokussierung ließ Zeiss sich etwas
unter ihnen ist der von Huffziger in Leipzig. Besonderes einfallen: bei großem Auszug
öffnet sich die Blende automatisch. Man
Automatische Blenden- kann es leicht ausprobieren indem man das
Mittelformatsonnar korrektur Objektiv bei Blende 4 auf unendlich ein-
2,8/180 stellt und die Blendenlamellen beobachtet,
Das erste Los von 100 Objektiven wurde während man die Entfernungseinstellung
Das Sonnar 2,8/180 wurde erstmals 1959 1961 gefertigt. Die Fassung ist mittlerwei- verkürzt – die Blende öffnet sich. Dies be-
von Eberhard Dietzsch für das Format 6x6 le schwarz lackiert, der Tubus mit einer Be- deutet gleichzeitig, dass ab einer Aufnah-
gerechnet. Kurz darauf wurden einige we- lederung versehen. Eigenartigerweise medistanz von etwa 5 Metern die größte
nige Muster in Aluminium-Fassung herge- wiegen diese Objektive 50 Gramm weni- Öffnung 2,8 nicht zur Verfügung steht.
stellt. Diese erste Version bringt knapp Wieder kann man das leicht überprüfen:
1300 Gramm auf die Waage. Aufgrund dazu wird die Blende bei Unendlicheinstel-
der Springblende wurde die Anzahl der lung auf 2,8 geöffnet. Stellt man jetzt eine
Blendenlamellen auf 8 herabgesetzt. Die kürzere Distanz ein, stellt man fest, dass
Nahgrenze beträgt 2,2m. Neben einem sich die Blendenöffnung zwar nicht ändert,
Abblendhebel ist das Sonnar auch mit ei- die Blendenwerteinstellung sich auf einen
ner Stativschelle ausgestattet. Sie lässt sich Wert zwischen 2,8 und 4 verringert. In den
mit einem weiteren Hebel mehr oder we- Jahren bis 1966 wird das Objektiv sowohl
niger stark festklemmen. Obwohl der He- mit Belederung wie auch mit Rautenring
bel schnell zu bedienen ist, wird die Schel- Bei Nahaufnahmen muss ein Verlängerungsfak-
gefertigt. Wahrscheinlich sollten alle ein-
le nicht zuverlässig festgestellt. Diese tor berücksichtigt werden. Bei den Sonnaren heitlich mit Rautenring versehen werden;
dürftige Arrettierung hielt sich hartnäckig 2,8/180 und 4/300 aus dem Zeitraum 1963-75 durch Materialknappheit musste vielleicht
bis 1976. wird der Verlängerungsfaktor durch automati- auf die Belederung zurückgegriffen wer-
sche Öffnung der Blende kompensiert. Beide den. Im Los von 1966 nimmt das Gewicht
Objektiven sind auf Blende 4 eingestellt. Das
Die Serienfertigung konnte 1961 aufge- Objektiv links befindet sich dabei in der Nahfo-
um 40 Gramm zu. Die Gründe sind unklar.
nommen werden. Kurze Zeit später wurde kusgrenze. Die Blendenöffnung hat sich dabei Möglicherweise verwendete man andere
die Produktion der Kleinbildsonnare vergrössert. Materialien.

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Objektive für die


PENTACON super
Ab 1966 wurde das Sonnar 2,8/180 dann
in sogenannter Zebrafassung gefertigt.
Das erste Los von 750 Stück bildet eine
kleine Seltenheit. Zunächst hat sich zur
bisherigen Variante nur die Fassung geän-
dert (Gewicht jetzt ca 1315 Gramm). Das
nächste Fertigungslos von 1967 bringt je-
doch neue Eigenschaften mit sich. Der
Schneckengang ist steiler geworden und
die Nahgrenze auf 1,7 Meter erweitert.
Die Reihe der Blendenwerte ist um die
„32” ergänzt worden. Ich muss zugeben,
dass meiner Frau, nicht mir, aufgefallen ist, Drei leicht unterschiedliche Varianten des Sonnars in „Zebra“-Fassung. Das Objektiv links
stammt aus einem seltenem frühen Fertigungslos. Bei den späteren Objektiven (mitte und
dass diese neue Variante nur noch sieben
rechts) sind Blendenwertbereich und Nahfokusgrenze erweitert. Die früheren Lose sind leicht
Blendenlamellen besitzt! Vermutlich sollte an ihren orangenen Blendenwertskalen erkennbar.
damit die störend wirkende Symmetrie der
Blendenöffnung bei Gegenlicht entschärft des weniger seltenen Pancolar 1,4/55. Die Vorgängertyp, dem Zebra, übernommen
werden. Die ersten beiden Lose zu jeweils Zebravariante selbst wurde noch bis 1974 wurde. Auch die automatische Blenden-
750 Stück weisen jedoch noch eine weite- gefertigt. Ab 1971 entfiel die auf der Ent- anpassung ist in diesen Objektiven vor-
re neue Funktion auf: diese Objektive wur- fernungsmarke angedeutete Raute. handen. Mit dieser Ausstattung werden bis
1976 mehrere Tausend Objektive gefertigt.

Sonnare mit Mehrschicht-


vergütung
Ab 1974 besitzt das Sonnar 2,8/180 eine
schwarze Fassung mit Kreuzrändel. Diese
Objektive verfügen noch nicht über die
Mehrschichtvergütung, die häufig mit der
Kreuzrändel-Variante in Verbindung ge-
bracht wird. Bei näherem Hinsehen fällt
Die 750 Sonnare 2,8/180 aus dem ersten „Zebra“-
auf, es gibt mehrere deutlich unterschied- Los (links) sind noch mit acht Blendenlamellen
liche Varianten. Die erste Variante unter ausgestattet. Spätere Objektive (rechts) verfügen
In diesem Foto erkennt man deutlich den länge- den Kreuzrändel-Objektiven hat einen über sieben Blendenlamellen.
ren Auszug der späten „Zebra“-Variante (rechts). Blendeneinstellring, bei der das Rändel un-
Beide Objektive sind auf ihre jeweiligen Nahfo- terbrochen ist, um die Blendenwerte auf- In diesem Jahr werden einige Sonnare noch
kusgrenzen eingestellt.
zuführen. Auffälliger ist der hinten trich- mit der eben beschriebenen Fassung mit
terförmige Tubus, wie er direkt vom Mehrschichtvergütung versehen.
den mit einer Blendenwertübermittlung
für die PENTACON super ausgestattet (sie-
he Kasten: Langbrennweitige Teleobjekti-
ve zur PENTACON super). Diese Objektive
wiegen jetzt 1415 Gramm. Im Fertigungs-
verzeichnis Zeiss Photooptik findet man,
dass die Objektive mit 7 Blendenlamellen
ein Rechnungsdatum von 1966 tragen.
Ob die Linsen geändert worden sind, ist
unklar. Möglicherweise wurde das Objek-
tiv nur für die neue Nahgrenze nachge-
rechnet. In den nächsten Fertigungslosen Als die schwarze Fassung eingeführt wurde, Diese beiden schwarzen Sonnare mit gestuftem
wurde der zweite Stößel für PENTACON behielt man zunächst das trichterförmige Tubu- Tubus stammen aus der frühen (links) und der
super wieder eingespart (Gewicht: 1380 sende früherer Varianten bei (links). Diese Son- mittleren Baureihe (rechts). In der frühen Varian-
Gramm). Später folgten nur noch wenige nare gibt es sowohl mit als auch ohne te befindet sich der Feststellknopf der Stativ-
kleine Lose von Sonnaren mit zweitem Mehrschichtvergütung. Spätere Objektive haben schelle noch auf der linken Seite. Auch der Auto-
ein gestuftes Tubusende (rechts). Bei dem hier matikumschalter ist noch von der früheren
Stößel. Trotz geringer Stückzahl liegt der abgebildeten Objektiv aus einem sehr späten Form. Meist, doch nicht immer, sind diese
Preis der Variante für PENTACON super auf Fertigungslos ist auch die Entfernungskala Objektive mehrschichtenvergütet.
dem Gebrauchtmarkt deutlich unter dem modifiziert worden.

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GESCHICHTE

(die dritte Ziffer ist doppelt graviert)! Das


entsprechende Los ist in der ersten Aufla-
ge von Thieles Fabrikationsbuch noch ver-
zeichnet (mit korrekter achtstelligen Num-
mer), in späteren Ausgaben jedoch
gestrichen worden.

Ab den Siebzigern wurde auf den Na-


mensringen ein „Carl Zeiss Jena DDR“
oder „aus JENA DDR“ graviert. Die letzten
etwa 200 Sonnare 2,8/180 tragen anstelle
des „DDR“ den Schriftzug „Made in Ger-
many“. Vermutlich wurden diese Objekti-
ve nach der Wende etwa um die Zeit der
Wiedervereinigung gefertigt.

Die Mittelformatsonnare scheinen von An-


Auch unter den Sonnaren gibt es zahlreiche Beschriftungsvarianten. Links ist ein Sonnar mit schwarzer
Fassung, Kreuzrändel und trichterförmigen Abschluss. Bei diesem wurde die dritte Ziffer der Serien-
fang an mit der dazu passenden Gegen-
nummer versehentlich doppelt graviert. Die letzten etwa 200 Sonnare 180 (rechts), nach der Wende her- lichtblende ausgeliefert worden zu sein.
gestellt, führen den Herstellungshinweis „Made in Germany“ anstelle des sonst üblichen „DDR“. Während die Objektive frontseitig über ein
M86 Gewinde verfügen, war eine M95-
Gegenlichtblende mit M86/M95 Über-
Blendenwertüber- busende, über welchen die automatische gangsring (wie für das Flektogon 2,8/65)
mittlung Blendenauslösung nun deaktiviert werden vorgesehen. Wie auch beim Flektogon
kann. 2,8/65 war dieser Übergangsring gegebe-
Noch im gleichen Jahr kommt es zu einer nenfalls durch ein Filter mit den gleichen
weiteren Umstellung. Der hintere Teil der Mit der neuen Fassung wurde auch die Gewinden zu ersetzen. Gegen Ende des
Fassung wird umfangreich verändert und Stativschelle überarbeitet. Eine Rändel- Produktionszeitraums gab es eine kürzere
erhält jetzt Stufen anstelle des Trichters. Im schraube (zunächst links, später rechts an- Gegenlichtblende mit M86-Gewinde,
Inneren des Tubus ist eine neuartige Blen- gebracht) erlaubt ein sicheres Feststellen. welche ohne Übergangsring verwendbar
denwertübertragung zu finden. Ähnlich war.
wie zuvor der zusätzliche Stift in den Ob-
jektiven zur PENTACON super ist es hier ein Varianten:
radial umlaufender Mitnehmer, welcher Spezielle Beschriftungs-
der Kamera den eingestellten Blenden- varianten Aluminium (Muster)
wert übermittelt. Die PENTACON six profi- Schwarz, beledert, ohne Blendenanpas-
tiert davon nicht. Der Mitnehmer ist für die Neben den schon in der letzten Ausgabe sung
Praktica-L-Baureihe gedacht. Diese Kame- beschriebenen Exportvarianten gibt es un- Schwarz, Rautenring, ohne Blendenan-
ras verfügen über drei Schleifkontakte, ter den Sonnaren noch weitere Varianten. passung
welche um den M42-Anschluss herum an- Die Seriennummern waren bei Zeiss fort- Schwarz, beledert, schmaler Stativan-
geordnet sind. Um das Sonnar an diese Ka- laufend angeordnet. Alle Fotoobjektive schluss
meras anzuschließen, gibt es einen M42- griffen auf den gleichen Pool zurück. Schwarz, Rautenring, schmaler Stativan-
Adapter, der in den Mitnehmer eingreift. Schon in den Zwanzigern produzierte schluss
In diesem Adapter ist ein Schleifpotentio- Zeiss sein millionstes Objektiv und die Se- Schwarz, beledert
meter eingebaut. Abhängig vom Blenden- riennummern wurden siebenstellig. In den Schwarz, Rautenring
wert stellt sich eine bestimmte Impedanz späten Siebzigern war auch die 10 Millio- Zebrafassung, Raute, Nahgrenze 2,2 m
zwischen den drei kameraseitig herausge- nenmarke überschritten – die Seriennum- Zebrafassung, Raute, Nahgrenze 1,7 m,
führten Kontakten ein. mern waren nun achtstellig. 1980 wurde super
das System reformiert. Man fing jetzt bei Zebrafassung, Raute, Nahgrenze 1,7 m
Gleichzeitig mit dieser wesentlichen Neue- jedem Objektivtyp jeweils bei 1001 begin- Zebrafassung, Strich
rung verschwindet die automatische Blen- nend neu an zu zählen. Es gibt allerdings Schwarz, Kreuzrändel, alter Tubus
denanpassung für Nahaufnahmen. Bei auch Ausnahmen. Die Seriennummernbe- Schwarz, Kreuzrändel, alter Tubus, MC
TTL-Messung ist diese auch nicht mehr reiche wuchsen schnell an, so das zuletzt Schwarz, Kreuzrändel, neuer Tubus,
notwendig, bei Offenblendmessug sogar auch fünfstellige Seriennummern verwen- Stativschraube links
hinderllich. Die meisten Sonnare 180 in det wurden. Dem einen oder anderen Schwarz, Kreuzrändel, neuer Tubus,
dieser Fassung sind mehrschichtvergütet, Sammler wird vielleicht schon ein Sonnar Stativschraube rechts
nur wenige sind es noch nicht. In seltenen 2,8/180 mit Kreuzrändel und der älteren Schwarz, Kreuzrändel, neuer Tubus,
Fällen sind auch MC-Gläser vorhanden, schwarzen Fassung mit einer neunstelli- Stativschraube links, MC
ohne dass durch ein „MC“ darauf hinge- gen Seriennummer aufgefallen sein. Hier- Schwarz, Kreuzrändel, neuer Tubus,
wiesen wird. Neu ist auch der Hebel im Tu- bei handelt es sich um einen Gravurfehler Stativschraube rechts, MC

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Sonnar 4/300
Mit dem Sonnar 4/300 vervollständigte
Zeiss seine Palette der Objektive zur Prak-
tisix. Das erste Kleinbildsonnar 4/300 wur-
de schon 1940 gerechnet. Ähnlich wie
auch die Kleinbildversion des Sonnars
2,8/180 wurde auch dieses Objektiv in den
späten Fünfzigern und frühen Sechzigern
von Amateuren und Berufsfotografen ein-
gesetzt. Für das Mittelformat wurde das
Sonnar 4/300 1963 neu gerechnet. Die
neue Konstruktion folgte weitestgehend
dem Berteleschem Sonnar von 1940. Hin-
ter der Blende wurde eine Planlinse einge-
setzt. Im Fabrikationsbuch Photooptik ist
ein frühes Fertigungslos von 100 Exempla-
ren im Jahr 1964 eingetragen. Hierbei
scheint ein Fehler aufgetreten zu sein. Ein
Teil des Seriennummernbereichs (50 Ob-
jektive) sind durch ein Nullserienlos des
Pancolars 1,4/75 belegt. Zumindest ein
Sonnar aus dem frühen Los ist bekannt. Es
Aufgrund der späten Einführung des Sonnars 4/300 gibt es nur wenige Varianten. Abgebildet sind die
handelt sich dabei um eine Zebra-Varian-
drei Hauptvarianten. Dabei hebt sich das 1974 neu gerechnete Sonnar (rechts) deutlich von den
te. Ausschließen kann man es nicht, aber anderen ab. Neben den Neuerungen, welche zur gleichen Zeit auch für das Sonnar 2,8/180 eingeführt
ein Fertigungsdatum 1964 ist zumindest wurden, erweiterte man die Blendenwerte bis 45. Durch die neue Konstruktionsweise konnte da
recht unwahrscheinlich. Das Objektiv ver- Objektiv erheblich gekürzt werden. Mit einher ging eine deutliche Gewichtsreduktion.
fügt außerdem über die Blendenwertüber-
tragung der PENTACON super. Möglicher- wendet wurden. Bis 1990 wurden etwa lackiert und mit Kreuzrändel versehen. Der
weise war tatsächlich eine erste Kleinserie 21.000 Exemplare hergestellt. hintere Tubus (trichterförmig) ist der glei-
von 100 Objektiven geplant. Wahrschein- che wie bei der Zebravariante. Bisher ist
lich ist, dass der hierfür vorgesehene Seri- 1975 und 1976 wurde eine Übergangsva- dieses Objektiv nur mit der normalen Ver-
ennummernbereich dann 1966 aufgeteilt riante ähnlich der des Sonnars 2,8/180 ge- gütung gesichtet worden. Es ist aber nicht
wurde und jeweils ein Nullserienlos von 50 fertigt. Das Objektiv wurde schwarz auszuschließen, dass einige Objektive
Objektiven des Sonnars 4/300 und des
Pancolars 1.4/75 gefertigt wurden. Auch
der Umstand, dass beide Objektive für die
PENTACON super vorgesehen waren, deu-
tet darauf hin. Somit scheint es ein Sonnar
4/300 in der älteren schwarzen Fassung
nur als Muster zu geben. Auch dieses Son-
nar war mit der automatischen Blenden-
korrektur für Nahaufnahmen ausgestattet.
Die Blendenwertübermittlung für die
PENTACON super wurde nach kurzer Zeit
wieder eingestellt und nur noch bei einigen
sehr kleinen Losen mit eingebaut. Das Son-
nar 4/300 mit Blendenwertübertragung ist
somit eine der seltensten Varianten. Mit
Ausnahme von Beschriftungsvarianten
wurde das Objektiv in Zebrafassung weit-
gehend unverändert bis 1975 gefertigt.

Kurz nach Erscheinen des Mittelformat- Die ursprüngliche Rechnung des Sonnars 4/300 (links) ist eine Weiterentwicklung des Berteleschen
Sonnars 4/300 wurde wie zuvor bei dem Sonnars. Die Abbildungsleistung dieses Sonnars wollte aber nicht überzeugen. Eberhard Dietzsch
Sonnar 2,8/180 die Fertigung des Klein- stellte in den Siebzigern verschiedene neue Rechnungen mit modernen optischen Gläsern auf. Von
bildpendants eingestellt. Um das Sonnar ihm bevorzugte Rechnungen waren aus Gründen der Materialbeschaffung bzw. fertigungstechni-
scher Schwierigkeiten nicht durchzusetzen. Nach einer langen Serie von Versuchen entschied man
4/300 an einer Kleinbildkamera zu ver- sich 1974 zu einer Neurechnung (mitte) analog zum Meyer Orestegor (rechts). Das neue Sonnar 4/300
wenden, genügten die gleichen Adapter, erreichte nun (endlich) auch die Leistung des Orestegors, verabschiedete sich dabei aber auch vom
wie sie auch für das Sonnar 2,8/180 ver- Grundaufbau des Sonnars.

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GESCHICHTE

Einsatz der Spiegel entsteht keine Chro-


matische Abheration. Jedoch bringen sie
eine sphärische Abheration ein, welche
durch die Linsen wieder kompensiert wird.

Leider ist nicht sehr viel über die Fertigung


der Spiegelobjektive bei Carl Zeiss Jena be-
kannt. Bei Zeiss wurde schon früh ange-
fangen, die Produktion zu dokumentieren.
Für jedes Fertigungslos wurde eine Kartei-
karte angelegt, auf der neben der Objekti-
vbezeichnung auch solche Informationen
eingetragen waren wie Rechnungsdatum,
Stückzahl, Anschluss und Datum der Fas-
sung.Auch wenn sich hier und da der eine
oder andere Fehler eingeschlichen hat, ist
die Fertigung der Fotooptik gut durch die-
se Kartei erfasst worden. Nach der Wende
ist ein Großteil dieser Kartei wieder aufge-
Mit ca 14 kg ist das Spiegelobjektiv 5,6/1000 das größte und schwerste der Zeiss-Objektive zur taucht und von Herrn Thiele in Buchform
Praktisix. Standardmäßig wurde es in einer großen Holzkiste zusammen mit mehreren Klein- herausgegeben worden. Nur fehlen in die-
bildadaptern ausgeliefert. ser Kartei die Spiegelobjektive. Die Infor-
mationen hier stammen daher zum Groß-
auch mit Mehrschichtvergütung herge- Auch das Mittelformatsonnar 4/300 wur- teil aus Beobachtungen.
stellt wurden. de von Anfang an mit Gegenlichtblenden
verkauft. Es waren die gleichen wie für das Konstruktiv bedingt ist bei dem Spiegelob-
Sonnar 2,8/180. jektiv die Blende nicht einstellbar. Die Ent-
Neue Rechnung fernungseinstellung wird über einen ein-
Varianten: gebauten Balgen vorgenommen. Eine
Mit dem Sonnar 4/300 für die Praktisix war Schwarz, Rautenring (Muster) Klemme sorgt dabei dafür, dass sich die
Zeiss nicht zufrieden. Die Bildgüte des Zebrafassung, Raute, für PENTACON
Meyer Orestegors 4/300 von 1965 über- super
trifft die des Sonnars. So kam es 1974 zu Zebrafassung, Raute
einer neuen Rechnung. Das hatte einer- Zebrafassung, Strich
seits zur Folge, dass Zeiss mit dem 4/300 Schwarz, Kreuzrändel, alter Tubus
die optische Leistung des Orestegors ein- Schwarz, Kreuzrändel, neuer Tubus,
holte. Zum anderen konnte auch das Ge- Stativschraube links, MC
wicht des Objektivs erheblich gesenkt Schwarz, Kreuzrändel, neuer Tubus,
werden. Anstelle von 6 Linsen in 5 Grup- Stativschraube rechts, MC
pen verwendet das neue Sonnar 4/300 nur
noch 5 Linsen in 3 Gruppen. Damit konn-
ten auch die Fertigungskosten gesenkt Spiegelobjektiv 5,6/1000
werden. Die einstellbaren Blendenwerte Wie aus den Linsenschnitten erkennbar, ist
wurden auf 4-45 erweitert. Vom Anwen- Etwa zur gleichen Zeit wie das Sonnar das 1956 von Carl Zeiss Jena gerechnete Spie-
der nahezu unbemerkt verabschiedete 2,8/180 stellte Carl Zeiss Jena auch das gelobjektiv 5,6/1000 eine eigenständige Ent-
wicklung und nicht eine Kopie des später in
Zeiss sich vom Berteleschen Sonnar - das Spiegelobjektiv 5,6/1000 vor. Das Prinzip
Oberkochen gerechneten Mirotar 5,6/1000.
neue Sonnar ähnelt nun sehr stark dem war zwar nicht mehr ganz neu, aber zu
Meyer Orestegor. Lediglich die beiden hin- dieser Zeit gab es noch nicht sehr viele die- Entfernungseinstellung bei geneigtem
teren Linsen des Orestegors sind im Son- ser Objektive. Das von Zeiss Jena schon Objektiv nicht durch das Kameragewicht
nar zu einem Kittglied verschmolzen. 1956 gerechnete Spiegelobjektiv folgt der verstellt. Filter waren wegen des enormen
1975 erschien diese Neukonstruktion in Cassegrain-Konstruktion und enthält ne- Durchmessers nicht vorgesehen. Stattdes-
der neuen schwarzen Fassung mit Blen- ben den beiden Spiegeln noch vier Linsen. sen befindet sich Im Objektiv ein Filterre-
denwertübermittlung für die Praktica-L- Zusätzlich befindet sich ein in die Rech- volver mit insgesamt sechs Filtern. Anders
Reihe. Wie beim Sonnar 2,8/180 ist die au- nung eingehendes Filter im Strahlengang. als beim Spiegelobjektiv 4/500 sind diese
tomatische Blendenkorrektur entfallen. Wie die Linsenschitte verdeutlichen, ist es jedoch nicht austauschbar.
Frühe Objektive dieser Variante haben die nicht baugleich mit dem 1963 von Carl
Feststellschraube für die Stativschelle auf Zeiss Oberkochen vorgestelltem Mirotar Erste Prototypen und Muster scheinen
der linken Seite, spätere auf der rechten. 5,6/1000. Durch die Spiegelkonstruktion schwarz lackiert gewesen zu sein; in
Die Objektive dieser letzten Variante schei- lässt sich die Baulänge auf weniger als die frühen Prospekten werden sie so abgebil-
nen alle mehrschichtvergütet zu sein. Hälfte der Brennweite reduzieren. Durch det. Etwa 1960 oder 1961 wurde die Pro-

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GESCHICHTE

duktion dieser Spiegelobjektive aufge-


nommen. Es scheinen immer nur kleine
Losgrößen im Umfang von 20 bis 50 Stück
hergestellt worden zu sein. Auch unter
den Spiegelobjektiven gibt es Varianten.
Die ungefähr 100 Objektive aus den ersten
drei Losen waren grünlich grau
beledert/lackiert. Diese Objektive sind
heute entsprechend selten zu sehen. Den
Verfassern sind drei dieser Objektive be-
kannt; sie wurden alle an Behörden bzw.
an die Industrie geliefert. Ein bei der NVA
eingesetztes Exemplar wird diese Tage im
Internet angeboten. Ein weiteres sehr mit-
genommenes Exemplar tauchte auf eine
Fotobörse auf – es stammt dem Händler
nach aus MfS-Beständen. Das hier abge-
bildete Exemplar fand bei Agfa-Wolfen
Verwendung.

Ab 1962 wurde das Objektiv mit einer hell- Die Fokussierung des Spiegelobjektivs wird über einen Balgen vorgenommen. Dazu dient das
grauen Belederung versehen, etwa 1979 rechte Stellrad. Zur gleichen Zeit muss die Friktionsbremse durch den linken Hebel gelöst wer-
wurde die schwarz lackierte Variante ein- den. Mit dem linken Rad wird einer von sechs Filtern in den Strahlengang eingeschwenkt.
geführt. Die Spiegelobjektive wurden
scheinbar nie mit einer Mehrschichtvergü- duktionsverzeichnis aufgeführt ist, scheint
tung ausgeliefert. Obwohl alle Spiegelob- fragwürdig. In einem folgenden Artikel werden
jektive baugleich sind und sich nur durch schließlich Prototypenobjektive von
die Farbe unterscheiden, erzielt die Varianten: Zeiss zur Praktisix besprochen. Sollten
schwarze Variante in Auktionen die höch- grüngrau neben den besprochenen Objektiven
sten Erlöse. Standardmäßig wurden die grau und deren Varianten weitere bekannt
Spiegelobjektive mit aufgesetzter Gegen- schwarz (Prakticar) sein, würden sich die Autoren sehr
lichtblende in einer Transportkiste aus Holz über entsprechende Hinweise freuen.
ausgeliefert. Mit dabei waren mehrere Die Auflistung der Zeiss-Objektive zur Willkommen sind auch weitere Serien-
Spezialadapter für Kleinbildkameras, je- Praktisix ist damit vollständig. Carl Zeiss Je- nummern der Spiegelobjektive. Für
weils in der Farbe des Objektivs gehalten. na ist es gelungen, innerhalb weniger Jah- den Folgeartikel werden noch weitere
Am Anfang war es eine Kombination aus re nach Vorstellung der Kamera ein voll- Prototypen, Muster- und Vorserienob-
Praktina-, Exakta- und M42-Adapter, spä- ständiges Ojektivsortiment von 50mm bis jektive gesucht. Vielen Dank!
ter entfiel der Praktina-Adapter und wur- 1000mm bereitzustellen. Nach Ferti-
de durch einen für Praktica-B ersetzt. Im gungsbeginn des Biometar 2,8/80 konnte Carsten Bobsin, Rene Schulze
Gegensatz zu den üblichen von Zeiss ge- die Produktion des Tessars 2,8/80 einge- praktisix@gmx.de
lieferten Adaptern erlauben diese ein stellt werde. Das Flektogon 2,8/65 wurde Tel.: 030/71093790
Schwenken der Kamera ins Hochformat. nach Vorstellung des Flektogon 4/50 exakta66@arcor.de
Auch die Kiste ist farblich dem Objektiv an- ebenso aus dem Programm genommen.
gepasst: grün, grau oder schwarz. Die Leistung wurde als dürftig erachtet
und für die geometrische Reihe der Brenn-
Weil der Name „Spiegelobjektiv“ nicht zu weiten war es auch nicht mehr notwen- Quellen:
schützen ist und es so zu keinen Konflik- dig. Einige Objektive bieten Besonderhei-
ten kommen konnte, beschränken sich die ten (wie die Blendenkorrektur der • Jehmlich, Dr. Gerhard: Der VEB PENTA-
Exportvarianten darauf, die Bezeichnung Sonnare), andere sind Besonderheiten in CON Dresden, Dresden, 2009
„Carl Zeiss Jena“ durch ein „aus JENA“ sich (wie die Flektogone). • Thiele, Hartmut: Fabrikationsbuch Pho-
oder ähnliches zu ersetzen. Die schwarzen Als Nachtrag werden im folgenden Artikel tooptik Carl Zeiss Jena, München, 1. Auf-
Spiegelobjektive erhielten den Namen alle Varianten in Tabellenform zusammen- lage, 2002
„Prakticar“. Betrachtet man die bekann- gefasst. Dort werden dann auch die Seri- • Thiele, Hartmut: Fabrikationsbuch Pho-
ten Seriennummern, erscheint es, als seien ennummernkreise und die ungefähren tooptik II Carl Zeiss Jena, München, 3. Auf-
vielleicht insgesamt etwa 800 bis 1300 Stückzahlen aufgeführt. Eine aktualisierte lage, 2005
Spiegelobjektive gefertigt worden, wobei Tabelle mit den Fertigungszeiträumen wird • Thiele, Hartmut: Fabrikationsbuch Pho-
die ersten 90 zur grünen Variante, 400 zur ebenfalls erscheinen. tooptik II Carl Zeiss Jena, München, 4. Auf-
grauen und weitere 300 zur schwarzen lage, 2006
Variante gehören. Ein großes Los von etwa Carsten Bobsin • Teicher, Gerhard: Handbuch der Photo-
500 weißen Objektiven, welches im Pro- Rene Schulze technik, Halle, 1962

IV/2012 PHOTODeal 63
GESCHICHTE

Langbrennweitige Teleobjektive zur PENTACON super


Als 1966 die Systemkamera PENTACON tiviert und im Objektivgehäuse versenkt Es wurden passend zum Produktionsum-
super als neues Spitzenmodell auf dem werden. fang der PENTACON super nur in be-
Markt vorgestellt wurde, sollte auch ein Weiterhin war seitens Carl Zeiss Jena das grenztem Umfang Sonnare 2,8/180 und
breites und hochwertiges Objektivpro- Spiegelobjektiv 5,6/1000 mit M42x1-Ad- 4/300 gefertigt.
Es sind fünf Lose mit insgesamt 1850
Stück Sonnar 2,8/180 bekannt. Deren
Produktionszeitraum liegt zwischen An-
fang 1967 und Anfang 1970.
Bei den Sonnaren 4/300 sind drei Lose
mit insgesamt 400 Stück bekannt, die
zwischen 1964 und 1967 gefertigt wur-
den.

Da die beiden von der Praktisix bzw.


PENTACON six entlehnten Sonnare ja de-
ren Bajonett besitzen, war eine Adaptie-
rung auf den M42x1-Anschluss der
PENTACON super notwendig, der neben
dem Stift für die Betätigung der Spring-
blende auch einen Stößel für die Über-
tragung der gewählten Blende vom Ob-
jektiv auf den entsprechenden Abneh-
mer am Kameragehäuse gewährleistet.
Wie auch bei den M42x1-Objektiven ist
Links ist ein Sonnar 2,8/180 mit dem Stößel zur Blendenwertübertragung der PENTACON
super zu sehen, rechts ein Sonnar für PENTACON six. Deutlich ist neben dem Stift für die es möglich, die Blendenwertübertragung
Springblende beim linken Objektiv der Stößel für die PENTACON super erkennbar. für die Verwendung an anderen Kameras
zu deaktivieren bzw. zu aktivieren. Dazu
gramm verfügbar sein, um der Kamera apter für die PENTACON super vorgese- wird am Adapter ein kleines Rädchen
auf dem (Welt)Markt gute Absatzchan- hen. Da es aber über keine Springblende entsprechend des Pfeils bewegt. Der
cen zu ermöglichen. verfügt, war eine Anpassung an die Stößel des Objektives taucht in eine wei-
Zum eigentlichen Produktionsbeginn Funktionen der PENTACON super nicht tere Aussparung ein und betätigt, so sie
1968 und damit Verkaufsstart waren notwendig. denn aktiviert ist, die Mechanik des Stif-
dann neben den aus dem Kleinbildbe-
reich schon bekannten und mit dem
Blendenwertübertragungsstößel für die
PENTACON super ausgerüsteten Weit-
winkelobjektiven Flektogon 4/20 (ge-
rechnet 1961) und Flektogon 2,8/35 (ge-
rechnet 1960), die neuen Normalbrenn-
weiten Pancolar 1,8/50 (gerechnet 1964)
und Pancolar 1,5/55 (gerechnet 1963),
sowie die beiden leichten Teleobjektive
Pancolar 1,4/75 (gerechnet 1964) und
das Sonnar 3,5/135 (gerechnet 1965)
nachweisbar verfügbar. Alle bisher ge-
nannten Objektive haben einen An-
schluss M42x1.
Im längeren Telebereich rundeten das
von der Praktisix schon bekannte Sonnar
2,8/180 (gerechnet 1959) und das neue
und für die PENTACON six vorgestellte
Sonnar 4/300 (gerechnet 1963) das Ob-
jektivportfolio mit Blendenwertübertra-
gung ab. Im Gegensatz zu den originären Mit dem passenden Adapter ist es möglich, die Blendenwerte an die PENTACON super zu
M42x1-Objektiven kann der Stößel für übertragen. Links ist einer dieser seltenen Adapter zu sehen, bei dem die Blendenwertüber-
die Blendenwertübertragung nicht deak- tragung aktiviert ist. Rechts ist ein einfacher Adapter für M42 am Sonnar 2,8/180 abgebildet.

64 PHOTODeal IV/2012
GESCHICHTE

Das Bild zeigt Sonnar 2,8/180 für PENTA-


CON super mit entsprechendem Adapter,
aber deaktivierter Blendenwertübertragung.

tes des Adapters. Sie überträgt dann den


eingestellten Wert auf den eigenen Stift,
der ihn dann auf die Wippe an der Ka-
mera überträgt.

Der zuvor bekannte Adapter vom Bajo-


Bei den Sonnaren 4/300 sind geringe Unterschiede zwischen den Varianten im Bereich es
nett der Praktisix auf M42 hatte nur ei-
Anschlusses erkennbar. Möglicherweise sind diese in produktionsbedingten Bauartänderun-
nen Stößel, der die Springblende des Ob- gen über den Herstellungszeitraum begründet. Das linke Objektiv hat eine mit 72 beginnende
jektives auslöst und der nach dem Seriennummer, das rechte eine mit 93 beginnende und wurde damit deutlich später produ-
Auslösen der Kamera wieder neu ge- ziert. Analog zu den Sonnaren 2,8/180 ist links ein Exemplar für PENTACON super abgebildet,
spannt werden muss, um die Blende er- rechts eines für PENTACON six.
neut auslösen zu können. Dieser Stößel
mit seinem Aufzug ist weiterhin vorhan- dig, da deren Blendenwertstößel in Ver-
den. Nach der Markteinführung der Son- bindung mit dem einfachen Adapter zu Für einen Artikel speziell zur
PENTACON super suchen die
Autoren ein Pancolar 1,4/75, ein
Sonnar 3,5/135 mit Blenden-
wertstößel und Einstellscheiben,
sowie Prospekt- und Werbema-
terial. Weiterhin sind immer Hin-
Am linken Adatper ist an der linken Seite Sieht man sich die unterschiedlichen Adap- weise auf Seriennummern von
der Schalter für die (De-)Aktivierung der tervarianten an, ist links der Adapter mit der
Blendenwertübertragung zu erkennen. Der Blendenwertübertragung erkennbar. In der
Objektiven mit Blendenwert-
mittlere Adapter hat auf der Seite des Six- Mitte ist nur die Aussparung zu sehen, stößel von großem Interesse,
Bajonettes eines Aussparung, um den rechts gibt es diese nicht. egal, um welche Brennweiten es
Stößel er Blendenwertübertragung versen- sich handelt. Sind Tessare 2,8/50
ken zu können. Auf der Kameraseite ist aber
kein Unterschied zum Adapter erkennbar, Schäden am Objektiv führt. So wurde in bzw. Biometare 2.8/80 mit Blen-
dem diese Bohrung fehlt. den überarbeiteten Adaptern die Aus- denwertstößel bekannt?
sparung für den Stößel übernommen
nare für die PENTACON super wurden und auch bis zum Produktionsende bei- Rene Schulze
am Adapter ohne die Blendenwertüber- behalten.
exakta66@arcor.de
tragung trotzdem Änderungen notwen-

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