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Einführung

in das

Bürgerliche Gesetzbuch (BGB)

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 1


Lernziele

Sie erhalten einen Überblick über

• den Aufbau und den Inhalt des BGB


• die Grundprinzipien des BGB
• die Rechtssubjekte
• die Rechtsobjekte
• die Rechtsschäfte
• die Anfechtung
• die Nichtigkeit
• die Stellvertretung
• das Verjährungsrecht des BGB
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 2
Fälle
Säugling
Kann der zwei Minuten alte Säugling S Eigentümer eines Hauses sein?
Früher Tod
V erhält von seinem Arzt die Auskunft, dass er vor der Geburt seines
bereits gezeugten Kindes sterben wird. Kann V das „Kind“ erfolgreich
zu seinem Erben einsetzen?
Ü-Ei-Figur
Ein 5jähriges Kind verkauft und übereignet eine Ü-Ei-Figur (Wert 2 €)
für 200,- € einem Sammler. Sind die Verträge gültig?
Taschengeld
Der 16-jährige Schüler S entdeckt auf dem Flohmarkt ein sehr
günstiges Notebook (Wert: 300 €), das der Händler H für 100 € anbietet.
Da S nicht genügend Geld bei sich hat, zahlt er zunächst 50 € an und
einigt sich mit H dahingehend, dass er das Notebook sofort mitnehmen
kann. Die Zahlung der restlichen 50 € verweigert S. Kann H von S die
Zahlung der 50 € verlangen? (Seine Eltern waren mit dem Kauf nicht einverstanden.)
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 3
Franziska
Die 5jährige Franziska (F) hat mit ihrem Fahrrad das am Straßenrand
parkende Auto des Herrn Brenner (B) beschädigt. Ihre Mutter (M) war
sechs Schritte hinter ihr. F ist vermögenslos.
Ansprüche des B gegen F und M, bzw. deren Haftpflichtversicherung (H)?

Warndreieck und Verbandskasten


V bietet in einer Zeitungsanzeige seinen gebrauchten VW zum Preis von
15.700 € an. Nach einer Probefahrt schließt K mit V einen Kaufvertrag
ab und bezahlt bar. Außer einem Quittungsvermerk wird nichts schriftlich
festgehalten. Auf Wunsch von K erhält der Wagen noch eine Motor-,
Unterboden- und Außenwäsche mit entsprechender Konservierung.
Als er das Fahrzeug abholen will, stellt er fest, dass V das Warndreieck
und den Verbandskasten herausgenommen hat. V meint, dies alles sei
nicht mitverkauft.
Wenn K Wert darauf lege, müsse er noch „einen Hunderter“ drauflegen.
Wer hat Recht?
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 4
Groß-Umstadt
B besucht den Odenwald und nimmt in Groß-Umstadt an einer
Weinversteigerung teil. Als er hinter dem Tresen einen alten
Klassenkameraden sieht, hebt er erfreut die Hand, um ihn zu
Grüßen. Daraufhin erteilt ihm der Auktionator A den Zuschlag.
B war nicht bekannt, dass bei Weinversteigerungen Gebote durch
Handheben abgegeben werden.
Muss B den Wein bezahlen?

Supermarkt
A nimmt im Supermarkt des V eine mit 9,50 € ausgezeichnete
Sektflasche aus dem Regal und legt sie in seinen Einkaufswagen. An
der Kasse weist ihn die Kassiererin (K) daraufhin, dass dieser Preis
versehentlich noch nicht überklebt worden sei und will ihm die Flasche
nur für 12,50 € verkaufen. A ist empört und fragt nach der Rechtslage.

Prof. Dr. Schulz Lektion


Lektion
1: Einführung
8: Arbeitszeit
in das BGB 5
Kündigungstermin
A will seinem Angestellten B kündigen. Da ihm die Sache unangenehm
ist, wirft er am letztmöglichen Kündigungstermin den Brief abends um
8 Uhr in den Hausbriefkasten des B. Wirksame Kündigung?

Postbote
Frau F befand sich vom 05.01. bis 01.02.02 in einem von ihrem
Arbeitgeber A nicht genehmigten Urlaub in Kuba. A kündigte F wegen
unerlaubter Urlaubsnahme außerordentlich mit Schreiben vom 21.01.02.
Das Kündigungsschreiben wurde vom Postboten dem auf einem
Spaziergang befindlichen Onkel der F ausgehändigt, der es der im selben
Haus lebenden Mutter der F übergab. Diese schickte es ungeöffnet an A
zurück. A übergab das Schreiben nun am 28.01.2002 durch Boten dem
Ehemann der F. Genau zu diesem Zeitpunkt war F dann schwanger.
Kündigung wirksam?

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 6


Schwarzkauf
K möchte von V ein Grundstück erwerben. Beide haben sich schriftlich
auf einen Kaufpreis von 500.000 € geeinigt. Um Notariatskosten zu
sparen, geben sie im Rahmen der notariellen Beurkundung allerdings
nur 400.000 € an. Kann V von K 500.000 € oder wenigstens 400.000 €
verlangen, wenn es anschließend zwischen den beiden zum Streit
kommt?
Sprudel statt Bier
K will im Getränkeladen des G Bier bestellen. In Gedanken notiert er
eine falsche Bestellnummer und G liefert Sprudel.
Was kann er tun?
Playboy
Oma O möchte für ihren sechsjährigen Enkel eine Spiel- und
Lernzeitschrift erwerben und bestellt den „Playboy“, ohne sich über
den Inhalt der Zeitschrift im Klaren zu sein.
Besteht ein Anfechtungsgrund?
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 7
Ehevorbereitung
Der 18jährige A entdeckt in der Zeitung folgendes Inserat: „Was müssen
junge Männer vor der Ehe wissen? Diskreter Versand.“ Auf seine
Bestellung hin erhält er ein Kochbuch. Bestehen Anfechtungsgründe?

Labortätigkeiten
Frau F bewarb sich bei einem Facharzt für Mikrobiologie (A). Sie sollte
Blutproben mit zum Teil infektiösem Material entgegennehmen und im
Labor bearbeiten. Die Arbeit muss mit Handschuhen und Mundschutz
verrichtet werden. Beim Einstellungsgespräch hat Frau F die Frage nach
der Schwangerschaft wahrheitswidrig verneint.
Kann A das Arbeitsverhältnis beenden?

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 8


Wöhe
Der an Scharlach erkrankte BWL-Student B muss das Bett hüten. Da B
sehr strebsam ist, bittet er seinen Studienfreund S, ihm irgendwo
preisgünstig ein gebrauchtes Lehrbuch von Wöhe zu besorgen, da er
selber zur Zeit keinen Internetzugang habe. S sagt zu, hält sich aber
nicht an diese Weisung und kauft bei V im Namen des B das neu
erschiene Werk. Bezahlung erfolgte noch nicht.
Kann V von B Bezahlung verlangen?
Kann V sich ggf. an S halten?

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 9


Verjährung/Abschlagszahlungen
Firma A hat im Jahre 2002 für Privatmann B Maurerarbeiten ausgeführt
und diese mit 17.000,- € berechnet. Die Abnahme erfolgte am 5.9.2002.
Nach Meinungsverschiedenheiten zahlte B am 30.10.2005 an A einen
Abschlag von 13.000,- €.
Am 10.05.2008 vereinbaren A und B, dass die restlichen 4.000,- € am
1.10.2008 gezahlt werden sollen.
B zahlt am 5.9.2008 weitere 1.000,- € an A.
Wann ist die Restforderung von A verjährt?

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 10


Aufbau und Inhalt des BGB
Das BGB regelt die privatrechtlichen Beziehungen der
Rechtssubjekte. Es beruht auf dem Prinzip der Gleichordnung. Die
Rechtssubjekte stehen sich damit auf gleicher Ebene gegenüber.
Ausnahmen für bestimmte Lebensbereiche sind in Sondergesetzen
geregelt (z.B. dem Handelsgesetzbuch (HGB) Stichwort: Kaufmann).
Am 18. August 1896 wurde das BGB vom Kaiser ausgefertigt.
Am 01.Januar 1900 trat es in Kraft.
Das BGB ist in 5 Bücher unterteilt:
•Allgemeiner Teil (Erstes Buch: §§ 1- 240 BGB)
•Recht der Schuldverhältnisse (Zweites Buch: §§ 241 – 853)
•Sachenrecht (Drittes Buch: §§ 854 – 1296))
•Familienrecht (Viertes Buch: §§ 1297 – 1921)
•Erbrecht (Fünftes Buch: §§ 1922 – 2385)
(§§ ohne Angaben sind solche des BGB)
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 11
Im ersten Buch sind Regelungen getroffen, die in allen Büchern
Geltung haben und auf die immer wieder zurückgegriffen werden
muss, z.B.:
• Definitionen für: Sachen (§§ 90 ff.), Vertretung (§§ 164 ff.), Notwehr (§ 227).
• Allgemeine Regelungen über die Willenserklärungen und den Vertrag.
Das zweite Buch umfasst das Recht der Schuldverhältnisse. Ein
Schuldverhältnis liegt, vereinfacht gesagt, immer dann vor, wenn
eine Person einer anderen etwas schuldet - § 241 I 1. Hier sind u.a.
einzelne Arten von Verträgen geregelt, wie Kauf, Miete usw.
Im dritten Buch sind die Beziehungen der Person zu Sachen
(Dingen) geregelt. Man spricht von dem dinglichen Recht.

Im vierten Buch ist das Familienrecht und im fünften Buch das


Erbrecht geregelt. Beide Bücher werden im Rahmen der Vorlesung
nur angerissen.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 12
Die Einteilung des Bürgerlichen Gesetzbuches

Schuldrecht
§§ 241 – 853

Sachenrecht
§§ 854 – 1296

Familienrecht
§§ 1297 – 1921

Erbrecht
§§ 1922 - 2385

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 13


Grundprinzipien des BGB
Jeder Bürger darf seine Lebensverhältnisse eigenverantwortlich
regeln und gestalten. Ausdruck der Privatautonomie ist vor allem die
Vertragsfreiheit.
Jeder einzelne kann grundsätzlich frei entscheiden, ob und mit wem
er einen Vertrag abschließen will,
Abschlussfreiheit
welchen Inhalt ein Vertrag hat
Inhaltsfreiheit
und in welcher Form ein Vertrag abgeschlossen wird.
Formfreiheit
Nur in Ausnahmefällen greift der Gesetzgeber z.B. durch
Formvorschriften und Inhaltsbeschränkungen ein!!!

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 14


Das BGB besteht aus einer Vielzahl von Einzelvorschriften. Sie
unterscheiden sich dem Inhalt nach in Anspruchsnormen,
Hilfsnormen und Definitionsnormen. Ihnen stehen die Gegennormen
gegenüber.
Anspruchsnormen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie einer
Person die Befugnis geben, von einer anderen ein Tun oder
Unterlassen zu verlangen, § 194. Man nennt diese Normen auch
Anspruchsgrundlagen.
Abstrakter Aufbau einer Anspruchsgrundlage:
a+b+c+d =Rechtsfolge
Deckt sich ein konkreter Lebenssachverhalt mit den
Tatbestandsmerkmalen der Anspruchsnorm, so tritt die Rechtsfolge
ein. Die Unterordnung eines konkreten Lebenssachverhaltes unter
eine Norm nennt man Subsumtion.

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 15


Beispiel zur Subsumtion:
§ 823 I
„Wer vorsätzlich oder fahrlässig (a) das Leben, den Körper, die
Gesundheit, die Freiheit, das Eigentum oder ein sonstiges Recht (b)
eines anderen (c) widerrechtlich (d) verletzt (zu b), ist dem anderen
zum Ersatz des daraus entstehenden Schadens (e) verpflichtet.“

Lebenssachverhalt: A schlägt dem B vorsätzlich einen Zahn aus.

Subsumtion: Gesundheitsverletzung (b)+


eines anderen (c)+
Schadenseintritt (e)+
widerrechtlich (d)+
Vorsatz (a)+

Rechtsfolge: A ist dem B zum Schadensersatz verpflichtet.


Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 16
Rechtssubjekte/Rechtsfähigkeit
Rechtsfähigkeit ist die Fähigkeit, Träger von Rechten und Pflichten zu sein.

Natürliche Personen Juristische Personen


⇒ Die Rechtsfähigkeit einer juristischen
⇒ Jeder Mensch ab Vollendung
Person entsteht mit Registereintrag.
der Geburt; § 1.
des privaten Rechts des öffentlichen
Rechts
z.B.: eingetragener
Verein, GmbH, AG, z.B.: Körperschaften,
BGB-Stiftung, Stiftungen, Anstalten
KGaA, VVaG. des öffentlichen
Rechts.

Im Wirtschaftsleben haben neben natürlichen und juristischen Personen


teilrechtsfähige Personengesellschaften eine große Bedeutung. Die
Grundform ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR).
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 17
Gesellschaften

Personengesellschaften Juristische Personen


Verein, Kapitalgesellschaften

im BGB im HGB BGB GmbHG/AktG/GenG

GbR oHG KG stille e.V. GmbH AG e.G.


Gesell- KGaA
schaft
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 18
Geschäftsfähigkeit
Geschäftsfähigkeit ist die Fähigkeit, im Rechtsverkehr rechtswirksam Erklärungen
abgeben zu können
Juristische Personen ⇒ Mit Rechtsfähigkeit auch Geschäftsfähigkeit gegeben.

Natürliche Personen
Volle Geschäftsfähigkeit
Grundsätzlich ist jeder unbeschränkt geschäftsfähig.
Geschäftsunfähigkeit (Abschluss von Rechtsgeschäften nur durch gesetzlichen
Vertreter möglich, §§ 104, 105 BGB)
1. Kinder bis Vollendung des 7. Lebensjahres;
2. Bei dauerhafter Störung der Geistestätigkeit, wenn dadurch freie
Willensbildung ausgeschlossen ist.
Beschränkte Geschäftsfähigkeit (Abschluß rechtlich vorteilhafter Rechtsgeschäfte
möglich, § 107 BGB, sonst Zustimmung des gesetzl. Vertreters nötig)
1. Jugendliche ab 7. bis Vollendung des 18. Lebensjahres;
2. Bei Betreuung wegen psychischer oder sonstiger Krankheit auf besondere
Anordnung des Vormundschaftsgerichts.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 19
Beschränkte Geschäftsfähigkeit

Grundsatz: Willenserklärungen von beschränkt Geschäftsfähigen bedürfen der


Zustimmung (Einwilligung, Genehmigung) des gesetzlichen Vertreters, es sei denn, sie
sind lediglich rechtlich vorteilhaft, § 107.

Ausnahmen:

Taschengeldparagraph § § 113
110
§ 112
Voraussetzungen: Bei Ermächtigung, ein
Bei Ermächtigung zum
⇒Mittel müssen dem Dienst- oder Arbeits-
selbständigen Betrieb eines
Minderjährigen zu einem verhältnis einzugehen,
Erwerbsgeschäftes, § 112,
bestimmten Zweck oder § 113 BGB, für alle
für alle Rechtsgeschäfte,
zur freien Verfügung Rechtsgeschäfte, die damit
die damit in Zusammen-
überlassen worden sein. in Zusammen-hang stehen.
hang stehen.
⇒Leistung muss bewirkt Das Berufsausbildungs-
sein, d.h. vollständig Verhältnis fällt nicht unter
bezahlt werden (keine § 113
Ratenverträge).

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 20


Der 17jährige Horst wird von seinen Eltern ermächtigt, eine
Ausbildung zum Koch abzuschließen.
Kann er den Vertrag ohne Zustimmung seiner Eltern kündigen?

Nein: Das Berufsausbildungsverhältnis fällt nicht unter § 113.

Der 16jährige Michael wird von seinen Eltern ermächtigt, bei Aldi als
Kassierer tätig zu werden. Er unterschreibt nach § 611 einen
Arbeitsvertrag. Nach drei Monaten kündigt er den Vertrag schriftlich,
weil er bei der Bahn im Werkschutz als Nachtwächter mehr
verdienen kann. Auch diesen Vertrag schließt er schriftlich ab.

Horst kann nach § 113 I selbständig kündigen. Der neue Vertrag ist
allerdings schwebend unwirksam, weil es sich hierbei nicht um ein
Dienstverhältnis der selben Art handelt.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 21
Deliktsfähigkeit
Deliktsfähigkeit ist die Fähigkeit von Personen, für rechtswidrige
unerlaubte Handlungen verantwortlich gemacht werden zu können,
also zivilrechtlich schadensersatzpflichtig zu sein.
Die strafrechtliche Verantwortlichkeit ist davon getrennt zu beurteilen.
Der Gesetzgeber unterscheidet drei Stufen bei der Deliktsfähigkeit:

•§ 828 I
Deliktsunfähig und damit für Schäden nicht verantwortlich sind Kinder,
die noch nicht das siebente Lebensjahr vollendet haben, § 828 I.
Gleiches gilt für bewusstlose Personen nach § 827 BGB.

•§ 828 II (Bitte lesen)


Haftung von 7-10jährigen im Straßenverkehr.

•§ 828 III
Volle Deliktsfähigkeit besteht für Personen ab Vollendung des 18. L.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 22
Verbraucher und Unternehmen
Verbraucher, § 13
Die Definition enthält zwei Elemente:

• natürliche Person
• Geschäftszweck: keine Rechtsgeschäfte, die überwiegend der
gewerblichen oder selbstständigen beruflichen Tätigkeit zugerechnet
werden können.
Alle natürlichen Personen können Verbraucher sein.
Juristische Personen fallen nicht unter den Begriff.

Unternehmer, § 14
Die Definition enthält ebenfalls zwei Elemente:

•natürliche oder juristische Personen sowie Personengesellschaften


•Geschäftszweck: Gewerbe oder selbstständige berufliche Tätigkeit.
(Der Gewerbebegriff entspricht dem des § 1 I HGB)
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 23
Gewerbe
Die herrschende Meinung versteht unter einem Gewerbe eine
•selbständige Tätigkeit
•die nach außen erkennbar und
•auf Dauer (nachhaltig) angelegt ist sowie
•in erlaubter Weise mit
•Gewinnerzielungsabsicht und
•nicht als freier Beruf (z.B. Rechtsanwalt)
betrieben wird.

Mit der weiteren Nennung der selbstständigen beruflichen Tätigkeit sind


insbesondere die nicht unter den Gewerbebegriff fallenden freien Berufe
erfasst. Das BGB ist an dieser Stelle damit fortschrittlicher als das HGB,
dessen Geltungsbereich sich nur auf den Kaufmann (=Gewerbe)
erstreckt, nicht aber auf Unternehmer insgesamt (=z.B. Rechtsanwalt).
Jeder Kaufmann ist damit Unternehmer, aber nicht jeder Unternehmer
ist auch ein Kaufmann.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 24
Rechtsobjekte

Sachen Tiere Rechte


§ 90 BGB § 90 a BGB

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 25


Sachen=körperliche Gegenstände § 90 BGB

Bewegliche Sachen Unbewegliche Sachen

Bestandteile Zubehör Nutzungen


§§ 93-96 BGB § 97 BGB § 100 BGB

dient dem
Einfache Wesentliche wirtschaftlichen Früchte Gebrauchs
Bestandteile Bestandteile Zweck § 99 BGB vorteile
§§ 93, 94 BGB der Hauptsache

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 26


Die Unterscheidung zwischen beweglichen und unbeweglichen Sachen
ist wichtig, weil insbesondere für die Eigentumsübertragung
verschiedene Vorschriften gelten, §§ 929, 873.

Wesentliche und unwesentliche Bestandteile


Von den §§ 90 ff. sollen vorliegend die §§ 93 und 94 eingehender
behandelt werden. Diese Regelungen sollen die nutzlose Zerstörung
verhindern, die eintreten würde, wenn Bestandteile getrennt würden, die
nur als Einheit wertvoll sind.
Beispiele: Ein Auto ist aus Bestandteilen zusammengesetzt. Die
Karosserie ist wesentlicher Bestandteil. Gleiches gilt auch für die
Bremstrommel eines LKW. Dagegen ist der Motor eines Fahrzeugs kein
wesentlicher Bestandteil, da dieser austauschbar ist.
Zu den wesentlichen Bestandteilen eines Gebäudes gehören nach § 94 II
die zur Herstellung eingefügten Sachen (Fenster, Heizungsanlage).
Die Folge ist, dass Lieferanten mit Einbau ihr Eigentum verlieren, auch
wenn sie einen Eigentumsvorbehalt nach § 449, 929 vereinbart haben.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 27
Grundbegriffe des rechtsgeschäftlichen Handelns

Willenserklärung: Sie ist die Äußerung des auf die Herbeiführung einer
Rechtswirkung gerichteten Willens (subjektiver und objektiver Tatbestand).

Rechtsgeschäft: Enthält eine oder mehrere Willenserklärungen und eventuell


einen Realakt. Führt Rechtserfolg herbei. Beispiele: Kündigung, Vertrag, Übereignung.

Vertrag: Besteht aus mindestens zwei übereinstimmenden Willenserklärungen.

Realakt: Er ist tatsächliches Handeln, wie z.B. die Übergabe einer Sache
(§ 929 BGB) oder die Besitzaufgabe (§ 856 BGB)

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 28


Willenserklärung
Eine Willenserklärung ist die Äußerung eines auf Herbeiführung einer
Rechtsfolge gerichteten Willens. Eine fehlerfreie Willenserklärung setzt
sich zusammen aus der Äußerung des Willens (Erklärung) und dem
entsprechenden inneren Willen des Erklärenden.

Eine gesetzliche Definition fehlt. Beim Erlass des BGB konnte keine
Einigung darüber erzielt werden, ob der wahre Wille des Erklärenden
(sog. Willenstheorie) maßgeblich sein sollte oder ob es nur darauf
ankommen sollte, wie ein verständiger Empfänger die Erklärung
verstehen durfte (sog. Erklärungstheorie=heute herrschende Meinung).
Wesentliches Merkmal einer Willenserklärung ist der Wille des
Erklärenden, eine Rechtsfolge herbeizuführen. Dieser Rechtsbindungs=
wille fehlt z.B. bei dem Versprechen einen Bekannten zum Kino
abzuholen. Werden Waren einem unbestimmten Personenkreis im
Schaufenster, Geschäft, in Inseraten „angeboten“, so liegt mangels
Rechtsbindungswillens kein Angebot vor (Invitatio ad offerendum).
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 29
Abgabe und Zugang von Willenserklärung
Abgabe der Willenserklärung:
⇒ Erklärender hat seinen Willen erkennbar geäußert, durch ausdrückliche
Erklärung oder durch schlüssiges (konkludentes) Handeln.

Nicht empfangsbedürftige WE (Ausnahme)


⇒ Abgabe reicht aus, werden mit Abgabe wirksam, Wahrnehmung durch Dritte nicht
erforderlich (Testament, § 2064, Auslobung, § 657).

Empfangsbedürftige WE (Regelfall)
⇒ Zusätzlich Zugang erforderlich (z.B. Kündigung).

Zugang unter Abwesenden, § 130 Zugang unter Anwesenden, § 130


⇒ Wenn die Erklärung in den ⇒ Mit dem akustisch richtigen
Machtbereich des Empfängers Vernehmen (Wahrnehmung) durch
gelangt und unter normalen Empfänger, § 130 BGB analog.
Umständen mit der
Kenntnisnahme zu rechnen ist

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 30


Arten von Rechtsgeschäften
Einseitige Rechtsgeschäfte
Einseitige Rechtsgeschäfte sind solche, bei denen der gewollte rechtliche
Erfolg allein durch die Willenserklärung einer Person herbeigeführt wird.
z.B.: Kündigung/Testament.

Zweiseitige Rechtsgeschäfte
Dabei wird der rechtliche Erfolg durch übereinstimmende
Willenserklärungen mehrerer Personen herbeigeführt. Hierher gehört der
Vertrag.

Verpflichtungsgeschäfte
Verpflichtungsgeschäfte sind alle Rechtsgeschäfte, die ein
Schuldverhältnis begründen, die also mindestens einen Anspruch des
Gläubigers auf ein Tun oder Unterlassen des Schuldners begründen,
Kaufvertrag, Mietvertrag, Schenkungsvertrag.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 31
Verfügungsgeschäfte
Verfügungsgeschäfte sind alle Rechtsgeschäfte, die auf eine
Rechtsänderung gerichtet sind. Beispiele für Verfügungsgeschäfte sind:
Übereignung beweglicher Sachen, §§ 929 ff.
Übereignung von Grundstücken, §§ 873, 925
Übertragung einer Forderung, § 398

Trennungs- und Abstraktionsprinzip


Die Trennung zwischen Verpflichtungs- und Verfügungsgeschäft ist
eines der wesentlichen Prinzipien des deutschen Zivilrechts. Allein das
Verpflichtungsgeschäft bewirkt noch keine Rechtsänderung. Es besteht
zunächst ein Anspruch des Gläubigers gegen den Schuldner auf
Vornahme der Rechtsänderung. Dieser Anspruch wird erfüllt durch das
jeweilige Verfügungsgeschäft.
Das Abstraktionsprinzip bedeutet, dass das Verfügungsgeschäft von dem
Vorhandensein und der Wirksamkeit eines Verpflichtungsgeschäfts
unabhängig ist.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 32
Beispiel: Der Kaufvertrag über ein Grundstück nach §§ 433, 311 b hat
nicht den Übergang des Eigentums zur Folge; der Käufer hat lediglich
einen Anspruch auf Übereignung. Dieser Anspruch wird erfüllt durch
Einigung (§ 925) und Eintragung ins Grundbuch, § 873.

Auch bei Kauf und Übereignung einer beweglichen Sache werden


demzufolge drei Verträge abgeschlossen:

Kaufvertrag Übereignung Übereignung


§ 433 der Ware des Geldes
§ 929 § 929
Einigung Einigung und Einigung und
Übergabe Übergabe
Verpflichtungs= Verfügungs= Verfügungs=
geschäft geschäft geschäft

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 33


Zustandekommen von Verträgen

Angebot Annahme

Sofern keine besondere Form vorgesehen ist, Annahmefähiges Angebot muss vorliegen.
(z.B. Grundstückskauf, § 311 b BGB) kann Verspätete Annahme gilt als neues Angebot.
Angebot formfrei oder konkludent erfolgen. (150 I BGB)

Angebot muss adressatbezogen und


Annahme kann formfrei und konkludent
inhaltlich bestimmt sein.
erklärt werden. Es sei denn, eine besondere
(Aufforderung zur Abgabe eines Angebots
Form ist vorgeschrieben.
nicht ausreichend/invitatio ad offerendum).

Angebot darf nicht erloschen sein (§ 146 BGB)


Zugang der Annahmeerklärung im Fall des
Annahmefrist darf nicht abgelaufen sein
§ 151 BGB entbehrlich.
§§ 147 – 149 BGB

Abänderung des Angebots gilt gemäß


Angebot ist annahmefähig § 150 II BGB als Ablehnung verbunden mit
neuem Angebot
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 34
Wirksamkeit von Verträgen
Wie bereits dargelegt, kommt ein Vertrag durch den Austausch zweier
übereinstimmender Willenserklärungen zustande. Dabei ist es denkbar,
dass eine oder auch beide Willenserklärungen fehlerhaft sind, etwa im
Fall des (rechtserheblichen) Irrtums oder bei arglistiger Täuschung.
Bei der Fülle möglicher Willensmängel und der damit einhergehenden
unterschiedlichen Interessenlagen, wie auch aus Gründen der Rechts-
sicherheit, hat der Gesetzgeber für derartige Fälle jeweils verschiedene
Rechtsfolgen vorgesehen.

Übersicht über mögliche Fehlerquellen eines Rechtsgeschäfts

Schwebende
Nichtigkeit Anfechtbarkeit
Unwirksamkeit
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 35
Nichtigkeit
Die mit dem Rechtsgeschäft angestrebten Rechtsfolgen treten nicht ein.
Beispiele:

Geschäftsunfähigkeit: §§ 104, 105 BGB

Formmangel: § 125 BGB

Sittenwidrigkeit: § 138 BGB

Verstoß gegen ein gesetzliches Verbot: § 134 BGB

Scheingeschäft: § 117 BGB

Scherzerklärung: § 118 BGB


Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 36
Anfechtbarkeit

Voraussetzungen:
1. Fristgemäße Anfechtungserklärung
2. Keine Bestätigung des anfechtbaren Rechtsgeschäfts
3. Anfechtungsgrund

Erklärungs Inhalts Irrtum über Unrichtige Arglistige Wider=


irrtum Irrtum eine Übermittlung Täuschung Rechtliche
§ 119 I § 119 I Verkehrs= Drohung
S. 1 S. 1 wesentliche
2. Alt. 1. Alt. Eigenschaft
BGB BGB § 119 II BGB § 120 BGB § 123 BGB § 123 BGB

Rechtsfolgen:
1. Rückwirkende Nichtigkeit, § 142 BGB (nicht im Arbeitsrecht)
2. Ggf. Schadensersatz nach § 122 BGB
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 37
Schwebende Unwirksamkeit

Das Rechtsgeschäft ist wegen Fehlens einer Voraussetzung noch unwirksam.

Beispiele

Rechtsgeschäfte Insichgeschäfte,
Manche soweit sie nicht gestattet
eines Vertreters sind oder nicht
Rechtsgeschäfte
ohne ausschließlich
Minderjähriger in der Erfüllung einer
Vertretungsmacht
§§ 107 ff. BGB Verbindlichkeit bestehen
§ 177 BGB § 181 BGB

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 38


Voraussetzungen für eine wirksame Stellvertretung, §§ 164 ff.

Stellvertretung muss zulässig sein


Bei höchstpersönlichen Rechtsgeschäften (z.B. Heirat) ist
Stellvertretung ausgeschlossen.

Abgabe einer eigenen Willenserklärung durch den Vertreter


Vertreter muss Entscheidungsspielraum haben, sonst ist er Bote

Handeln im Namen des Vertretenen


Offenkundigkeitsprinzip

Vertretungsmacht
Fehlt sie, greift § 179

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 39


Arten der Stellvertretung

Gesetzliche Organschaftliche Rechtsgeschäftliche


Vertretung Vertretung Vertretung

z.B. § 26 II BGB
Vereinsvorstand z.B.
§ 35 I GmbH § 166 II
z.B. §§ 1626 I, Geschäftsführer Vollmacht
1629 BGB § 78 I AktG §§ 48 ff. HGB
Eltern/Kind Vorstand Prokura
§ 1793 BGB § 125 I HGB § 54 HGB
Mündel OHG-Gesellschafter Handlungsvollmacht
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 40
Verjährung
Alle Ansprüche unterliegen der Verjährung. Die regelmäßige
Verjährungsfrist beträgt 3 Jahre. Sie beginnt am Schluss des Jahres,
in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den
anspruchsbegründenden Umständen sowie der Person des Schuldners
Kenntnis hat oder ohne grobe Fahrlässigkeit haben muss.

Abweichungen sind aufgrund gesetzlicher Sondervorschriften (z.B.


Verjährung kaufrechtlicher Gewährleistungsansprüche grds. in 2
Jahren ab Ablieferung, § 438) möglich.
Der Verlauf der Verjährungsfrist kann z.B. durch die Aufnahme von
Verhandlungen, Klageerhebung oder Mahnbescheid gehemmt
werden, §§ 203 ff.
Im Falle eines Anerkenntnisses oder Ähnlichem beginnt die
Verjährungsfrist von Neuem zu laufen, § 212.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 41
Verjährung
Anspruch als Gegenstand der Verjährung
§ 194 I
„Das Recht, von einem anderen ein Tun oder Unterlassen zu verlangen
(Anspruch), unterliegt der Verjährung.“

Regelmäßige Verjährungsfrist
§ 195
„Die regelmäßige Verjährungsfrist beträgt drei Jahre“.

Beginn der Verjährungsfristen


§ 199
„Die regelmäßige Verjährungsfrist beginnt mit dem Schluss des Jahres,
in dem
1. der Anspruch entstanden ist und
2. .....“
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 42
Lösungshinweise: Säugling
S kann Eigentümer eines Hauses sein, da es für die Eigentümerstellung
nur auf dessen Rechtsfähigkeit ankommt. Nach § 1 beginnt die
Rechtsfähigkeit mit der Vollendung der Geburt, ohne dass die
Rechtsfähigkeit an irgendwelche körperlichen oder geistigen
Fähigkeiten geknüpft ist. Eine andere Frage ist, ob S selbständig einen
Kaufvertrag oder eine Übereignung des Hauses vornehmen kann,
also geschäftsfähig ist.

Lösungshinweise: Früher Tod


Nach § 1923 II ist dies möglich.

Lösungshinweise: Ü-Ei-Figur
Nein: Seine Willenserklärungen sind nach §§ 104 Nr. 1, 105 BGB
nichtig .

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 43


Lösungshinweise: Taschengeld (Stichworte)
H könnte von S nach § 433 II die restlichen 50 € verlangen.
I. Voraussetzungen
Zwei übereinstimmende Willenserklärungen (WE).
1. Wirksame WE des H gegeben
2. Wirksame WE des S?
a) Keine Einwilligung der Eltern § 107 BGB
b) Kein lediglich rechtlicher Vorteil; § 107 BGB
Anders bei einer Schenkung.
c) Nicht mit Taschengeld bewirkt, § 110 BGB
Greift nicht bei Ratengeschäften wie im vorliegenden Fall.
d) §§ 112/113 BGB liegen nicht vor
e) Der Vertrag ist schwebend unwirksam
Mit Verweigerung der Genehmigung durch die Eltern wird der
Vertrag unwirksam, § 108 BGB.
II. Ergebnis: Kein Kaufvertrag – kein Kaufpreis
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 44
Lösungshinweise: Taschengeld (Klausurtext)
H könnte gegen S einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises von 50 € gem. § 433 II
haben. Laut Sachverhalt ist zwischen H und S eine Einigung mit dem Inhalt des § 433
erfolgt. Fraglich ist die Wirksamkeit der Erklärung des S, denn dieser ist erst 16 Jahre
alt und daher nach § 106 nur beschränkt geschäftsfähig. Die Erklärung des S könnte
gem. § 107 wirksam sein, wenn S dadurch lediglich einen rechtlichen Vorteil erlangt
hätte. Die Folge der Erklärung des S ist jedoch das Zustandekommen eines
Kaufvertrages und damit die Entstehung der Kaufpreiszahlungspflicht des S. Das
Entstehen einer Zahlungspflicht ist jedoch kein „rechtlicher Vorteil“, sondern nachteilig
für S. Der Taschengeldparagraph (§ 110 BGB) deckt keine Ratengeschäfte.
Von einer (vorherigen) Einwilligung eines gesetzlichen Vertreters iSv. § 107 kann nach
dem Sachverhalt ebenfalls nicht ausgegangen werden.
Der Vertrag war danach schwebend unwirksam.
Es liegt auch keine (nachträgliche) Genehmigung eines gesetzlichen Vertreters iSv.
§ 108 BGB vor.
Da auch die Voraussetzungen der weiteren Vorschriften über die (ausnahmsweise)
Wirksamkeit der Erklärung eines beschränkt Geschäftsfähigen (§§ 112/113 BGB)
nicht vorliegen, ist die Erklärung des S wegen seiner beschränkten Geschäftsfähigkeit
unwirksam. Da es demnach an einem wirksamen Kaufvertrag fehlt, hat H keinen
Kaufpreisanspruch gegen S. (Achtung: Gefragt war nur nach dem Kaufpreis!!!)
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 45
Lösungshinweise: Franziska
A. B gegen F

I. Anspruch aus § 823 I gegeben?


Nein: § 828 I BGB
II. Anspruch aus § 829
Kein Vermögen/Keine Haftung

B. B gegen M

Anspruch aus § 832 BGB gegeben?


Nein: Keine Verletzung der Aufsichtspflicht ersichtlich.

C. B gegen H
Da die Versicherungsnehmerin selber nicht haftet, besteht auch
kein Anspruch gegen H.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 46
Lösungshinweise: Warndreieck und Verbandskasten
K kann die Übereignung und Übergabe der betreffenden Gegenstände
nach § 433 I verlangen, wenn sie mitverkauft wurden.
Eine ausdrückliche Bestimmung wurde von den Parteien laut
Sachverhalt nicht getroffen.
Die Gegenstände sind jedoch nach § 311 c mitverkauft, wenn es
sich bei ihnen um Zubehör i.S.v. § 97 handelt.
Zubehör sind bewegliche Sachen (1), die, ohne Bestandteil der
Hauptsache zu sein (2), dem wirtschaftlichen Zweck der Hauptsache
zu dienen bestimmt sind (3) und zu ihr in einem dieser Bestimmung
entsprechenden räumlichen Verhältnis stehen (4).
Eine Sache ist nach § 97 I 2 nicht Zubehör, wenn sie im Verkehr nicht
als Zubehör angesehen wird (Der im Auto verlorene Ring).
Die in Fahrzeugen befindlichen Warndreiecke und Verbandskästen sind
Zubehör. Sie sind deshalb im Zweifel mitverkauft.
V muss also diese Gegenstände ohne Aufpreis an K gemäß § 433 I
übereignen.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 47
Lösungshinweise: Groß-Umstadt
A könnte einen Anspruch gegenüber auf B auf Bezahlung des Weins
aus § 433 I haben.
A. Anspruch entstanden
Dazu müssten sich A und B wirksam über den Kauf von Wein
geeinigt haben.

I. Einigung im Sinne des § 433


Ein Kaufvertrag kommt durch zwei übereinstimmende Willens=
erklärungen in Form eines Angebots und einer inhaltlich damit
übereinstimmenden Annahme ( §§ 145 ff. ) zustande.

1. Angebot durch B
Hier könnte B dem A ein Angebot zum Abschluss eines Kaufvertrages
nach § 433 BGB unterbreitet haben. Durch ein Angebot wird einem Anderen
die Schließung eines Vertrages derart angetragen, dass der Vertrag mit
einem bloßen „JA“ des Anderen zustande kommen kann.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 48
Ein Angebot ist eine Willenserklärung und setzt sich aus einem äußeren
(objektiven) und einem inneren (subjektiven) Erklärungstatbestand
zusammen.

a) Äußerer Erklärungstatbestand
Dieser ist gegeben, wenn aus der Sicht eines objektiven Erklärungs=
Empfängers neben einem Handlungswillen des Erklärenden, ein
Rechtsbindungswille sowie ein konkreter Geschäftswille erkennbar ist.
Das Heben der Hand gilt bei einer Versteigerung als Abgabe eines
Angebots. Ein verständiger Dritter durfte das Handheben des B als
Angebot deuten.

b) Innerer Erklärungstatbestand
B kannte die Gepflogenheiten in Groß-Umstadt nicht. Das Handheben
war von ihm zum Zwecke des Grußes gewollt. Er wollte nicht
rechtserheblich handeln. Ihm fehlte das Erklärungsbewusstsein.
Die Folgen des Fehlens des Erklärungsbewusstseins sind umstritten.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 49
aa) Willenstheorie

Nach einer Ansicht setzt eine wirksame Willenserklärung Erklärungs=


bewusstsein voraus. Vorliegend liegt danach keine Willenserklärung
und damit kein Angebot vor.

bb)Erklärungsthorie

Nach dieser Auffassung liegt auch bei Fehlen des Erklärungsbewusst=


seins eine Willenserklärung vor, wenn der Erklärende bei
pflichtgemäßer Sorgfalt hätte erkennen können, dass sein Verhalten als
Willenserklärung zu deuten ist.

cc) Stellungnahme
Aus Gründen des Verkehrsschutzes ist der Erklärungstheorie zu folgen.
Damit liegt ein Angebot des B vor.
Prof. Dr. Schulz Lektion
Lektion
1: Einführung
8: Arbeitszeit
in das BGB 50
2. Annahme des A
A hat den Zuschlag erteilt und damit das Angebot von B angenommen.

II. Zwischenergebnis
Zwischen A und B liegt damit eine wirksame Einigung im Sinne des
§ 433 vor.

B. Anspruch untergegangen?
Nein (z.B. : Eine einvernehmliche Aufhebung des geschlossenen Vertrags.)
C. Anspruch durchsetzbar
Z.B.: Keine Verjährung
D. Ergebnis: Damit kann A von B den Kaufpreis verlangen.
Hinweis:
B könnte seine Willenserklärung nach den §§ 119 ff. anfechten. Der
Kaufvertrag wäre dann von Anfang an nichtig, § 142. B müsste
dann allerdings nach § 122 Schadensersatz leisten.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 51
Lösungshinweise: Supermarkt
A könnte gegen V einen Anspruch auf Übereignung der Flasche zum
Preis von 9,50 € gem. § 433 I haben.
1. Voraussetzung ist, dass zwischen A und V ein entsprechender
Vertrag durch Angebot und Annahme (§§ 145 ff.) zustande gekommen
ist.
a) Ein Angebot des V könnte in dem Preisschild zu 9,50 € zu sehen
sein. Die Auslegung ergibt, dass hierin lediglich eine Aufforderung an
Kunden zu sehen ist, ihrerseits ein Angebot zu machen.
(sog. invitatio ad offerendum)
b) Das erste Angebot lag in der Erklärung des A an der Kasse (=ich
möchte die Sektflasche für 9,50 € kaufen).
c) Dieses Angebot hat die Kassiererin abgelehnt.
d) Gleichzeitig hat sie ein Angebot in Höhe von 12,50 € abgegeben.
e) Dieses Angebot hat A nicht angenommen.
2. Ergebnis: Keine Einigung – kein Kaufvertrag – kein Anspruch.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 52
Lösungshinweise: Kündigungstermin
Nein: Zugang (§ 130) liegt vor, wenn die Willenserklärung so in
den Machtbereich des Empfängers gelangt ist, dass dieser unter
normalen Umständen davon Kenntnis nehmen kann.
Man ist nicht verpflichtet, noch um 20.00 Uhr den Briefkasten zu leeren.
Zugang der Kündigung damit erst am nächsten Tag.

Lösungshinweise: Postbote
•Kein Zugang mit Übergabe an den Onkel
•Kein Zugang mit Übergabe an die Mutter
•Keine Zugangsvereitelung durch F
•Zugang erst mit Übergabe an den Ehemann = Machtbereich!

Ergebnis: Kündigung nun aber unwirksam, weil F zu diesem


Zeitpunkt schwanger war, § 9 MuSchG.

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 53


Lösungshinweise: Schwarzkauf (Stichworte)
• Notarieller Vertrag: Nichtig nach § 117 – Scheingeschäft
• Schriftlicher Vertrag: Nichtig nach § 125 – Formfehler, § 311 b
• Keine Eintragung im Grundbuch = Keine Heilung nach § 311b I 2
Ergebnis: Kein Anspruch
Lösungshinweise: Schwarzkauf (lang)
I. V könnte gegen K einen Anspruch auf Zahlung von 400.000 € gem.
§ 433 II haben.
Voraussetzung für diesen Anspruch ist das Zustandekommen eines
wirksamen Kaufvertrages. Als solcher könnte zunächst der vor dem
Notar geschlossene Vertrag mit einem Kaufpreis von 400.000 € in
Betracht kommen.
1. Bei Grundstückveräußerungen verlangt das Gesetz in § 311 b die
besondere Form der notariellen Beurkundung, welche hier eingehalten
wurde.
2. Wie jeder Vertrag setzt auch der vor dem Notar geschlossene Kaufvertrag zu seiner
Wirksamkeit zwei sich deckende gültige Willenserklärungen voraus.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 54
A und B haben jedoch ihre Erklärungen vor dem Notar nur zum Schein
abgegeben. Folge davon ist, dass die auf einen Kaufpreis von 400.000 €
gerichteten Willenserklärungen gem. § 117 I nichtig sind.
Ein Anspruch des V aus § 433 II aufgrund des notariellen
Vertrages besteht nicht.

II. Der Anspruch des V auf Zahlung von 500.000 € könnte sich indessen
aus dem privatschriftlichen Vertrag ergeben.
Dies folgt aus § 117 II, der für den Fall, dass ein Scheingeschäft ein
anderes Rechtsgeschäft verdecken soll, die für dieses verdeckte
Rechtsgeschäft geltenden Formvorschriften für verbindlich
erklärt. Bei dem von A und B verdeckten, wirklich gewollten Vertrag
handelt es sich ebenfalls um einen Grundstücksveräußerungsvertrag,
welcher gem. § 311 b der notariellen Beurkundung bedarf. Diese ist
jedoch für den Vertrag mit einem Kaufpreis von 500.000 € nicht erfolgt.
Somit fehlt es an der gesetzlich vorgeschriebenen Form, mit der Folge,
dass dieser Vertrag gem. § 125 S. 1 nichtig ist.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 55
Lösungshinweise: Sprudel statt Bier
I. Widerruf nach § 312 g möglich?
Nein: Bitte lesen: §§ 312b, 312 c.
II. Anfechtung möglich?
Erklärungsirrtum liegt vor, § 119 I.
2. K muss unverzüglich die Anfechtung erklären, § 121.
Rechtsfolgen: Vertrag rückwirkend nichtig, 142. Nach § 122 muss
er allerdings dann Schadensersatz leisten.

Lösungshinweise: Playboy
O dachte, der Playboy ist eine Lernzeitschrift für den Englischunterricht
in der Schule. Sie wollte auch Playboy sagen bzw. schreiben. Sie befand
sich aber im Irrtum über den Inhalt ihrer Erklärung. Sie kann nach
§ 119 I 1. Alt. (Inhaltsirrtum) anfechten. Der Vertrag wird rückwirkend
vernichtet, § 142. Sie muss allerdings dann Schadensersatz leisten
(hier: z.B. Portokosten).
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 56
Lösungshinweise: Ehevorbereitung
Der Tenor der Anzeige und der Zusatz „diskreter Versand“ deuten auf
ein Buch mit sexuellem Inhalt hin. A wurde über den Inhalt des Buches
getäuscht.
A kann nach § 119 II anfechten, da er über eine verkehrswesentliche
Eigenschaft des Buches irrte.
A kann auch nach § 123 I anfechten (arglistige Täuschung).

Nach welcher der beiden Vorschriften A anficht, richtet sich danach,


wann er anficht. Erfolgt dies erst nach einem Monat, dann kann die
Anfechtung nur nach § 123 erfolgen.

Bitte die §§ 121 und 124 lesen!!!

Stichwort: unverzüglich=ohne schuldhaftes Zögern.

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 57


Lösungshinweise: Labortätigkeiten
I. Anfechtung ist im Arbeitsrecht zulässig
(Wird nicht vom Kündigungsrecht verdrängt)
II. § 9 MuSchG schließt die Anfechtung nicht aus.
III. Abweichend von § 142 führt sie nur zur Nichtigkeit für die
Zukunft (keine Rückwirkung)
IV. Anfechtungsgrund: hier § 123
Täuschung vorliegend gegeben?
Liegt nach der Rspr. nicht vor, wenn der Arbeitgeber eine
unzulässige Frage gestellt hat. Solche Fragen kann der Bewerber
zurückweisen oder mit einer Lüge beantworten. Das BAG hat 1993
die Frage im konkreten Fall für zulässig erachtet, da es um einen
gefährlichen Arbeitsplatz ging. Nach einer Entscheidung des
EuGH vom 03.02.2000 ist die Frage heute generell als unzulässig
einzustufen.
V. Ergebnis: Anfechtung damit ausgeschlossen.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 58
Lösungshinweise: Wöhe
V könnte gegen B einen Kaufpreisanspruch gem. § 433 II haben.
Voraussetzung ist, dass zwischen V und B ein Kaufvertrag geschlossen
wurde.
1. B hat nicht selber gehandelt.
2. Er könnte von S vertreten worden sein, §§ 164 ff.
a) Voraussetzungen einer wirksamen Stellvertretung
aa) S müsste eine eigene Willenserklärung abgegeben haben. Da S
bezüglich des Preises einen Spielraum hatte, ist dies erfüllt (kein Bote).
bb) S hat ausdrücklich im Namen des B gehandelt.
cc) S hat aber nicht im Rahmen seiner Vollmacht gehandelt.
b) Der Kaufvertrag zwischen V und B ist damit schwebend unwirksam,
solange B nicht genehmigt. Da B die Zahlung verweigert, ist zwischen
B und V kein Vertrag zustande gekommen.

Ergebnis: V hat keinen Anspruch gegen B.


Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 59
Lösungshinweise: Wöhe
Kann V von S den Kaufpreis verlangen?

1. Anspruch aus § 433 II?


Nein: S hat ausdrücklich im Namen des B gehandelt, also kein eigenes
Kaufangebot abgegeben.

2. Anspruch aus § 179 I?


a) S hat als Vertreter gehandelt.
b) Seine Vollmacht hat er nicht eingehalten.
c) Eine Genehmigung durch B ist nicht erfolgt.
d) S kannte auch den Mangel seiner Vollmacht.

Rechtsfolge: V kann zwischen Erfüllung und Schadensersatz wählen.

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 60


Lösungshinweise: Verjährung/Abschlagszahlung
I. Beginn der Verjährung
Abnahme am 5.9.2002 (= § 641 Fälligkeit)
Beginn der Verjährung nach § 199 iVm. § 195 am 1.1.2003 - 00:00.
Fristablauf danach am 31.12.2005 – 24:00.

II. Zahlung von 13.000,- € am 30.10.2005


Abschlagszahlung führt zum Neubeginn der Verjährung - § 212 I 1.

Verjährungsfrist beginnt erneut: 30.10.2005 - 30.10.2008.

III. Stundungsvereinbarung
Am 10.5.2008 vereinbaren A und B eine Stundung nach § 203. Der
Restbetrag soll am 1.10.2008 gezahlt werden. Nach § 209 wird die
Dauer der Stundung an die Verjährung angehängt.

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 61


IV. Zahlung am 5.9.2008
Erneute Zahlung führt wieder zur Unterbrechung: § 212.
Neuer Verjährungsablauf: 5.9.2011.

Ergebnis: Forderung erst am 5.9.2011 verjährt.

MERKE: Jede Zahlungsleistung ist Abschlagszahlung iSv. § 212 mit


der Wirkung des Neubeginns der Verjährung, es sei denn, der
Schuldner vermerkt schriftlich

„Restzahlung“

und der Gläubiger meldet sich hierauf nicht.

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 62


Übungen
1. Wann trat das BGB in Kraft?
2. Aus welchen „Büchern“ besteht das BGB?
3. Was kennzeichnet eine Anspruchsgrundlage?
4. Was versteht man unter Subsumtion?
5. Erklären Sie den Begriff der Rechtsfähigkeit!
6. Kann ein 17jähriger ohne Einwilligung seiner Eltern einen Handy-
vertrag über zwei Jahre abschließen?
7. Erläutern Sie die Begriffe „Verbraucher“ und „Unternehmer“.
8. Wann liegt ein Gewerbe vor?
9. Ist jeder Unternehmer ein Kaufmann?
10. Welcher Sinn steckt hinter den §§ 93 und 94?
11. Erklären Sie die Begriffe: Willenserklärung, Rechtsgeschäft, Realakt!
12. Wann geht eine Willenserklärung unter Abwesenden zu?
13. Wie werden empfangsbedürftige Willenserklärungen ausgelegt?
14. Nennen Sie jeweils ein Beispiel für ein einseitiges Rechtsgeschäft,
ein zweiseitiges Rechtsgeschäft und für ein Verfügungsgeschäft.
Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 63
15. Ist die Schenkung ein einseitiges oder ein zweiseitiges Rechts=
geschäft?
16. Welche Folgen hat ein Verpflichtungsgeschäft und welche Folgen
hat ein Verfügungsgeschäft?
17. Enthält eine Schaufensterauslage ein Angebot zum Abschluss eines
Kaufvertrages?
18. Unter welchen Voraussetzungen kann man einen Vertrag
anfechten? Welche Rechtsfolgen können damit verbunden sein?
19. Nennen Sie die einzelnen Voraussetzungen der Stellvertretung.
20. Die regelmäßige Verjährung beträgt ... und beginnt....?

Viel Erfolg!!!

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 64


Klausurfälle
(Auszüge)

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 65


Eingebaute Fenster
Fensterhersteller F liefert für ein Haus auf dem Grundstück des E
zehn Fenster unter “Eigentumsvorbehalt“. Sieben Fenster sind bereits
in das Haus eingebaut, lassen sich aber aufgrund der gewählten
Montageart mühelos und ohne Beschädigung wieder ausbauen. Drei
Fenster stehen noch im Keller des Gebäudes und sind noch nicht
montiert.
Eine Bezahlung erfolgte noch nicht.

Wem gehören die Fenster?

(Achtung: Diesmal ist nicht nach einer Anspruchsgrundlage gefragt)

Punkte: 7 von 100

Prof. Dr. Schulz Eingebaute Fenster 66


1. Die sieben eingebauten Fenster
Zunächst gehörten die Fenster dem F. Das Eigentum an den eingebauten
Fenstern könnte aber nach §§ 946, 94 I, II E zustehen.
Die Fenster sind bewegliche Sachen. Sie sind durch Montage mit dem
Gebäude – einer unbeweglichen Sache – verbunden und damit in das Haus
eingefügt worden. Die Einfügung diente der Herstellung des Gebäudes, weil
ein Haus ohne Fenster nach der Verkehrsanschauung nicht fertiggestellt ist.
Durch die Einfügung der Fenster sind diese gemäß § 94 II wesentliche
Bestandteile des Gebäudes geworden. Unerheblich ist, dass sich die Fenster
ohne Beschädigung wieder ausbauen lassen.
Da die eingebauten Fenster nach § 94 II wesentliche Bestandteile des
Hauses sind, steht das Eigentum gemäß § 946 dem Eigentümer des Hauses,
also E zu. Das Gebäude gehört nach § 946, 94 I dem Eigentümer des
Grundstücks, also ebenfalls E. Damit ist E Eigentümer der eingebauten
Fenster geworden.
Da die §§ 946, 94 zwingendes Recht sind, ist der Eigentumsvorbehalt des F
erloschen!!!
2. Die drei noch nicht eingebauten Fenster
Wegen des vereinbarten Eigentumsvorbehalts (§§ 929 S. 1, 158 I) gehören
die noch nicht eingebauten Fenster hingegen bis zur Einfügung noch F.

Prof. Dr. Schulz Eingebaute Fenster 67


Vergessene Bezahlung

Die Göbel AG hat gegenüber der Martin KG eine Kaufpreisforderung


in Höhe von 5.000 €. Vereinbarungsgemäß sollte dieser Betrag von
der Martin KG am 12.05.2010 bezahlt werden. Am 10.05.2012 stellt
die Buchhaltung der Göbel AG fest, dass die Zahlung noch nicht
erfolgt ist. An die Martin KG wird sofort eine Mahnung gesandt. Am
15.05.2012 erklärt die Martin KG per Mail, dass man die Bezahlung
vergessen habe und die Überweisung in der nächsten Woche
erfolgen werde.

Stellen Sie in einem kurzen Gutachten dar, wann die Forderung der
Göbel AG verjährt.

Prof. Dr. Schulz Vergessene Bezahlung 68


Nach §§ 195, 199 I unterliegt die Kaufpreisforderung der
dreijährigen Verjährungsfrist.

Sie würde also am 31.12.2013 verjähren. Die Mail der Martin KG


vom 15.05.2012, dass man die Bezahlung vergessen habe und die
Ankündigung der Überweisung des Geldes, stellen ein Anerkenntnis
im Sinne des § 212 I Nr. 1 BGB dar. Damit beginnt die Verjährung
neu.

Fristbeginn ist der auf das Anerkenntnis folgende Tag, § 187 I BGB.
Die erneute dreijährige Verjährungsfrist endet danach am
15.05.2015 24:00 Uhr, § 188 II BGB.

Prof. Dr. Schulz Vergessene Bezahlung 69


Steuersparmodell

Nachdem Viktor (V) beschlossen hat, nach München zu ziehen,


verkauft er Konrad (K) sein Einfamilienhaus in Dieburg zum Preis von
450.000 €.
Um Beurkundungsgebühren und Steuern zu sparen, erklären V und K
beim Notar (N), der den Kaufvertrag beurkundet, dass der Kaufpreis
lediglich 290.000 € betrage.
Nach weiteren drei Monaten wird K im Grundbuch als Eigentümer
eingetragen.

Muss K an V 450.000 €, 290.000 € oder kein Geld bezahlen?


Punkte: max. 10 von 100

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 70


V gegen K auf 450.000 €
Anspruchsgrundlage: § 433 II.
Dieser Vertrag ist zunächst mangels notarieller Beurkundung nach §
311 b in Verbindung mit § 125 nichtig.

Durch die Eintragung wird dieser Vertrag allerdings geheilt, § 311 b I


2. K muss 450.000 € bezahlen.

Hinweis:
Der notarielle Vertrag ist nach § 117 nichtig und wird nicht geheilt.

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 71


Häuslebauer H beauftragt den Unternehmer U, seine Einfahrt mit Steinen
auszulegen. H und U haben dabei vereinbart, dass für die von U zu
erbringenden Leistungen keine Rechnung erstellt wird. U führt die Arbeiten
mangelhaft aus. Kann H von U Schadensersatz verlangen?
Punkte: max. 5 von 100
Heinweis:
§ 1 Abs. 2 Nr. 2 SchwarzArbG
Schwarzarbeit leistet, wer Dienst-oder Werkleistungen erbringt oder
ausführen lässt und dabei als Steuerpflichtiger seine sich aufgrund der
Dienst- oder Werkleistungen ergebenden steuerlichen Pflichten nicht erfüllt.

Anspruchsgrundlage: § 634 Nr. 4


Problem: Der Werkvertrag verstößt gegen das
Schwarzarbeiterbekämpfungsgesetz und ist damit nach § 134 nichtig.
Ergebnis: H kann keinen Schadensersatz verlangen. BGH Urteil vom
01.08.2013 – VII ZR 6/13

Prof. Dr. Schulz Lektion 1: Einführung in das BGB 72