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Massivbau I

Bemessung für überwiegende


Biegebeanspruchung

Massivbau I Univ.-Prof. Dr.-Ing. Torsten Leutbecher


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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
Gliederung

1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

2. Bemessung von Querschnitten mit Druckbewehrung

3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

4. Mindest- und Höchstbewehrung

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten
ohne Druckbewehrung
(Verzerrungsbereiche 2 und 3 )

Problemstellung

In den Beispielen zum Gleichgewicht der inneren und äußeren Schnittgrößen


wurde gezeigt, wie bei bekanntem Verzerrungszustand bis zu zwei
unbekannte Größen (Schnittgrößen oder Bewehrungsquerschnitte) mit Hilfe der
Gleichgewichtsbedingungen ermittelt werden können.
Im Rahmen einer praxisüblichen Bemessung ist der Verzerrungszustand
jedoch nicht gegeben, sondern muss zusammen mit den Bewehrungs-
querschnitten so gewählt werden, dass das Gleichgewicht im Grenzzustand
der Tragfähigkeit erfüllt wird.
Zunächst wird der Fall mit nur einer Bewehrungslage (Zugbewehrung) behandelt.

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Lösung der Bemessungsaufgabe

Bei gegebenen Querschnittsabmessungen und Baustoffen, enthalten die


Gleichgewichtsbedingungen die folgenden Unbekannten:

• Verzerrungszustand, i. Allg. definiert durch c2, s1


• Querschnitt der Zugbewehrung As1

Für die Ermittlung der drei unabhängigen Unbekannten stehen mit


den Gleichgewichtsbedingungen lediglich zwei Gleichungen zur Verfügung.

Zusatzbedingung: im GZT erreicht entweder die Zugbewehrung


die Grenzdehnung 25 ‰ (Bereich 2, Stahlversagen) oder der Rand
der Betondruckzone die Grenzstauchung -3,5 ‰ (Bereich 3, Betonversagen).

Eine geschlossene Lösung ist wegen der abschnittsweisen Definition der


Spannungs-Dehnungs-Linien von Beton und Bewehrung dennoch nicht möglich;
d. h. der richtige Verzerrungszustand kann nur iterativ ermittelt werden
(z. B. durch Ausprobieren von Hand oder mit Hilfe einer EDV-Anwendung).

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Beispiel: Bemessung eines Rechteckquerschnitts

MEd = 250 kNm

60 NEd = 100 kN

A s1
Baustoffe:

5 Beton C 20/25
Betonstahl B 500
40
35

Gesucht: 1. Verzerrungszustand im Grenzzustand der Tragfähigkeit


2. Erforderliche Zugbewehrung As1

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Mögliche Verzerrungszustände des Stahlbetonquerschnitts


im Grenzzustand der Tragfähigkeit
-3,5‰

MEd
1 3

4
NEd
2
5

yd -2,0‰ bzw.


-2,2‰
Bereich 1 – Sonderfälle im Stahlbetonbau (z. B. Zugpfosten)
Bereiche 2 und 3 – überwiegend auf Biegung beanspruchte Bauteile
(z. B. Balken, Platten)
Bereiche 4 und 5 – überwiegend auf Druck beanspruchte Bauteile
(z. B. Stützen)

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Iterative Ermittlung des Verzerrungszustands

1. Versuch: Um zu überprüft, ob Stahlzugversagen oder Betondruckversagen


maßgebend ist, wird der Verzerrungszustand am Übergang von
Bereich 2 zu Bereich 3 gewählt.
s1 = 25 ‰; c2 = -3,5 ‰

Höhe der Betondruckzone x: c2 = -3,5 ‰


 x = 6,75 cm
c 2
Strahlensatz: x d
c 2  s1
d = 55 cm

3,5 ‰ 
x  55 cm
3,5 ‰  25,0 ‰
s1 = 25 ‰
 6,75 cm

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Bemessungswert der Betondruckfestigkeit:


fcd  cc  fck  c  0,85  20 1,5  11,3 N mm2

Völligkeitsbeiwert (Parabel-Rechteck-Diagramm):
2 2
R  1   1  0,810
3  c 2 [‰] 3  3,5

Resultierende Betondruckkraft:

Fcd  R  x  b  fcd  0,810  6,75 cm  40 cm  1,13 kN cm2  247,1kN

Höhenbeiwert (Parabel-Rechteck-Diagramm):
2
2  4  c 2 [‰]  3  c 2 [‰] 2  4  3,5  3  3,52
ka    0,416
2  2 
6  c 2 [‰]    c 2 [‰]  6  3,5    3,5 
3  3 
Innerer Hebelarm: z  d  k a  x  55 cm  0,416  6,75 cm  52,2 cm

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1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Gleichgewicht der inneren und äußeren Schnittgrößen

Schnittgrößen sind positiv einzusetzen, wenn sie in Pfeilrichtung wirken!

!
Kräftegleichgewicht: H0  N Ed  Fs1d  Fs2d  Fcd
!
Momentengleichgewicht:  M   0  M
1 Ed N z Ed
1 4 4 2 4 43 s1  Fs2d   zs1  zs2   Fcd  z
MEds

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Momentengleichgewicht

MEds  MEd  NEd  zs1  250 kNm  100 kN  0,25 m  225 kNm

!
 M   0  M
1 Eds  Fcd  z  225 kNm  247,1kN  0,522 m  96,0 kNm  0

MRds

Das Momentengleichgewicht ist nicht erfüllt, da MEds > MRds!

Um das Momentengleichgewicht zu erfüllen, muss die resultierende Beton-


druckkraft Fcd größer werden. Da die Betonrandstauchung nicht weiter erhöht
werden kann, muss hierzu die Höhe der Betondruckzone vergrößert werden!

Dies geschieht durch eine Reduzierung der Stahldehnung s1!


Somit ist Betondruckversagen maßgebend. Der gesuchte
Verzerrungszustand muss also im Bereich 3 liegen!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Mögliche Verzerrungszustände des Stahlbetonquerschnitts


im Grenzzustand der Tragfähigkeit

-3,5‰

MEd
1 3

4
NEd
2
5

yd -2,0‰ bzw.


-2,2‰
Weitere Suche auf Bereich 3 eingegrenzt!

Bereiche 2 und 3 – überwiegend auf Biegung beanspruchte Bauteile


(z. B. Balken, Platten)

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

2. Versuch: s1 = yd = 2,174 ‰; c2 = -3,5 ‰ c2 = -3,5 ‰

Höhe der Betondruckzone x: 


x = 33,9 cm
3,5 ‰
x  55 cm  33,9 cm
3,5 ‰  2,174 ‰ d = 55 cm
Resultierende Betondruckkraft: 
Fcd  R  x  b  fcd
s1 = 2,174 ‰
 0,810  33,9 cm  40 cm  1,13 kN cm2  1241kN
Innerer Hebelarm: z  d  k a  x  55 cm  0,416  33,9 cm  40,9 cm

Momentengleichgewicht:
!
 M   0  M
1 Eds  Fcd  z  225 kNm  1241 kN  0,409 m  282,6 kNm  0
MEds < MRds  Stahldehnung erhöhen!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

XXX. Versuch: s1 = 12,13 ‰; c2 = -3,5 ‰ c2 = -3,5 ‰


 x = 12,32 cm
Höhe der Betondruckzone x:
3,5 ‰
x  55 cm  12,32 cm d = 55 cm
3,5 ‰  12,13 ‰

Resultierende Betondruckkraft:
Fcd  R  x  b  fcd
s1 = 12,13 ‰
 0,810  12,32 cm  40 cm  1,13 kN cm2  451,1kN
Innerer Hebelarm: z  d  k a  x  55 cm  0,416  12,32 cm  49,9 cm

Momentengleichgewicht:
!
 M   0  M
1 Eds  Fcd  z  225 kNm  451,1kN  0, 499 m  0 
Richtigen Verzerrungszustand gefunden!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Kräftegleichgewicht
!
H0  N Ed  Fs1d  Fcd

 Stahlkraft Fs1d:
Fs1d  NEd  Fcd  100 kN  451,1kN  551,1 kN

Stahlspannung s1d:

s1  12,13 ‰
 s1d  435 N mm2

Erforderlicher Bewehrungsquerschnitt As1:

Fs1d 551,1kN
A s1    12,67 cm2

s1d 43,5kN cm2

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Allgemeine Lösung der Bemessungsaufgabe

Die iterative Ermittlung des Verzerrungszustandes mit Hilfe des Momenten-


gleichgewichts für jeden Einzelfall ist besonders bei Handrechnung sehr
aufwändig. Daher wird eine allgemeine Lösung der Bemessungsaufgabe
angestrebt.

Momentengleichgewicht:
!
 M   0  M
1 Eds  Fcd  z  MEds  Fcd  z  R  x  b  fcd   d  k a  x 

mit den bezogenen Größen  = x/d und   z d  1  k a   folgt:

MEds  R    d  b  fcd   d  k a    d  R    d2  b  fcd  

MEds
 Eds   R    
b  d2  fcd

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Ausarbeitung von Bemessungshilfen

In der allgemeinen Schreibweise ist der für ein bezogenes Moment μEds
ermittelte Verzerrungszustand unabhängig von den Abmessungen des
Rechteckquerschnitts, der Spannungs-Dehnungs-Linie der Bewehrung oder
der Betondruckfestigkeit.

Mit der Vorgabe eines Verzerrungszustandes ist das bezogene Moment μEds
eindeutig festgelegt.

Durch eine systematische Variation des Verzerrungszustandes in den Grenzen


der Bereiche 2 und 3 (überwiegend auf Biegung beanspruchte Bauteile) ist es
möglich, die Lösung der Bemessungsaufgabe in Diagramm- oder
Tabellenform für den Eingangsparameter μEds allgemein darzustellen.

Für die häufig wiederkehrende Biegebemessung von Querschnitten wird damit


eine aufwändige iterative Ermittlung des Verzerrungszustandes bzw.
der Bewehrungsquerschnitte vermieden.

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Beispiel: Allgemeine Lösung der Bemessungsaufgabe für den


Verzerrungszustand s1 = 8,33 ‰; c2 = -3,5 ‰

bezogene Druckzonenhöhe: c2 = -3,5 ‰

x 3,5 ‰ 
   0,296 x
d 3,5 ‰  8,33 ‰
d
bezogener innerer Hebelarm:
z 
  1  k a    1  0,416  0,296  0,877
d
s1 = 8,33 ‰
bezogenes Moment:

MEds
Eds   R      0,810  0,296  0,877  0,210
b  d  fcd
2

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Allgemeines Bemessungsdiagramm

Wertet man alle zulässigen Verzerrungszustände der Bereiche 2 und 3 in gleicher


Weise aus und trägt die Ergebnisse in Diagrammform auf, so erhält man das
sogenannte Allgemeine Bemessungsdiagramm.

zur Übung:

Wählen Sie einen beliebigen Verzerrungszustand aus den Bereichen 2 und 3,


bei dem entweder die Zugbewehrung die Grenzdehnung 25 ‰ oder der Rand
der Betondruckzone die Grenzstauchung -3,5 ‰ erreicht, und werten Sie diesen
in der zuvor gezeigten Weise aus.

Hinweis: im Bereich 2 (Stahlversagen) ändern sich der Völligkeitsbeiwert R und


der Höhenbeiwert ka, da in der Druckzone nicht mehr das volle Parabel-
Rechteck-Diagramm abgebildet wird (Randstauchung |c2| < 3,5 ‰)!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Allgemeines Bemessungsdiagramm
(ohne Druckbewehrung)

0,877
8,33 ‰

0,297

-3,5 ‰

0,210

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Resultierende Betondruckkraft:
MEds Eds  b  d2  fcd
Fcd  
z z

mit dem bezogenen inneren Hebelarm  = z/d und 1 = µEds /  folgt:

Eds  b  d  fcd
Fcd   1  b  d  fcd

Kräftegleichgewicht:
!
H0  N Ed  Fs1d  Fcd  Fs1d  Fcd  NEd

Erforderlicher Bewehrungsquerschnitt As1:

Fs1d Fcd  NEd 1 M  1


A s1      Eds  NEd     1  b  d  fcd  NEd 
s1d s1d s1d  z  s1d

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

-Tafeln (µEds-Tafeln)

Die -Tafeln für Querschnitte ohne Druckbewehrung stellen eine Umsetzung


des Allgemeinen Bemessungsdiagramms in tabellarische Form dar.

Neben den im Allgemeinen Bemessungsdiagramm enthaltenen Kenngrößen


, , s1 und c2 wird der sogenannte mechanische Bewehrungsgrad 1
angegeben.

Für das Beispiel (s1 = 8,33 ‰; c2 = -3,5 ‰) gilt:

Eds 0,210
1    0,2395
 0,877

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

1 -Tafeln (µEds-Tafeln)

1

1 linear interpolieren, insbesondere


für kleine µEds-Werte, da relative
Schrittweite dort sehr groß ist!

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1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

kd-Tafeln

Neben dem Allgemeinen Bemessungsdiagramm und den -Tafeln mit


dimensionslosen Beiwerten existieren weitere alternative Bemessungs-
hilfsmittel, die sich lediglich in der Art der Aufbereitung des Lösungsansatzes und
der Darstellung unterscheiden.

In der Praxis häufig eingesetzt werden die sogenannten kd-Tafeln. Diese


Bemessungshilfen sind allerdings nicht dimensionsrein und an feste
Bemessungswerte der Betondruckfestigkeiten und an Betonstahl B 500
gebunden.

Für das Beispiel (s1 = 8,33 ‰; c2 = -3,5 ‰) gilt:

MEds MEds
aus Eds   0,210 folgt: b  d  fcd  (1)
b  d  fcd
2
d  0,210
Forts.

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Forts.

mit (1), 1 = 0,2395 und s1d = fyd = 43,5 kN/cm² für B 500 (s1  2,174 ‰) folgt
1
aus A s1    1  b  d  fcd  NEd  :
s1d

ks
1  0,2395 MEds  M kNm NEd kN
A s1 cm2      NEd   2,622  Eds 
s1d  0,210 d  d cm 43,5

MEds
mit fcd = 1,13 kN/cm² für z. B. C 20/25 folgt aus Eds   0,210 :
b  d2  fcd

b  d2 1 b  m
  d cm   2,053  k d
MEds 0,210  fcd MEds kNm

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

kd-Tafeln

kd
ks

ks entweder linear interpolieren


oder auf der sicheren Seite liegend
den nächst größeren Wert wählen!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Überschlägige Abschätzung der erforderlichen Bewehrung

Der innere Hebelarm liegt für gering und mäßig bewehrte Querschnitte
in der Größenordnung von

z  0,9 d . Allgemeines Bemessungsdiagramm


(ohne Druckbewehrung)

Dieser Wert kann für


eine überschlägige
Abschätzung
der erforderlichen
z  0,9 d
Bewehrung
(Vorbemessung)
verwendet werden,
z. B. wenn keine
Bemessungstafeln
zur Verfügung stehen.

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Einsatzgrenzen einfach bewehrter Querschnitte (siehe auch nächste Folien)


(= Querschnitte ohne Druckbewehrung)

Im Verzerrungsbereich 3 (Betondruckversagen) ist die Grenzstauchung


des Betons (-3,5 ‰) erreicht.

Ein Anstieg der inneren resultierenden Betondruckkraft Fcd ist nur durch
eine Vergrößerung der Druckzone möglich. Dazu muss die Dehnung
der Zugbewehrung reduziert werden (Vergleiche Beispiel Folie 5 ff.).
Gleichzeitig verringert sich damit der innere Hebelarm z.

Wird der Bemessungswert der Streckgrenzdehnung yd nicht mehr erreicht,


steigt die erforderliche Bewehrungsmenge überproportional an, da
der Bewehrungsstahl nicht mehr wirtschaftlich mit dem Bemessungswert
der Fließspannung ausgenutzt werden kann.

Lösung: Veränderung der Querschnittsabmessungen oder höhere


Betonfestigkeitsklasse oder zusätzliche Bewehrung in der Druckzone.

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Auswirkungen einer Momentenzunahme auf das


Bemessungsergebnis bei einfach bewehrten Querschnitten (1)

Momentenzunahme: Vergrößerung der Druckzonenhöhe durch Rücknahme der Stahlzugdehnung

Quelle: [2]

[N/mm²]

Folgen: Verringerung des Hebelarms der inneren Kräfte und


des Bemessungswerts der Stahlspannung

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
1. Bemessung von Querschnitten ohne Druckbewehrung

Auswirkungen einer Momentenzunahme auf das


Bemessungsergebnis bei einfach bewehrten Querschnitten (2)

Quelle: [2]

Stahl im
435 elastischen Bereich
(unwirtschaftlich)

Stahl ist im Fließen Stahl ist im Fließen


(wirtschaftlicher Bereich) (wirtschaftlicher Bereich)

[kNm] [kNm]

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
2. Bemessung von Querschnitten
mit Druckbewehrung
Grenzwerte der Druckzonenhöhe
Um eine wirtschaftliche Bemessung zu gewährleisten, soll der Bewehrungsstahl
die Fließspannung erreichen. Daraus folgt die Forderung: s1  yd!

c2 = -3,5 ‰

-3,5 ‰
lim = = 0,617
-3,5 ‰ - 2,174 ‰

Quelle: [2]
s1 = yd = 2,174 ‰

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
2. Bemessung von Querschnitten mit Druckbewehrung

Sicherstellung ausreichender Duktilität


Unter Duktilität versteht man die Eigenschaft eines Bauteils oder Tragwerks,
das bevorstehende Versagen durch Verformungen oder Rissbildung gut
sichtbar anzukündigen.

Zur Sicherstellung ausreichender Duktilität wird in DIN EN 1992-1-1/NA,


Abschnitt 5.4, für bestimmte Tragsysteme eine Begrenzung der bezogenen
Druckzonenhöhe auf
lim  0,45 (Beton bis zur Festigkeitsklasse C50/60)
gefordert.

Diese Anforderung gilt bei linear-elastischer Schnittgrößenermittlung für


statisch unbestimmte Systeme wie z. B.

• Durchlaufträger mit einem Stützweitenverhältnis 0,5 < leff,1/leff,2 < 2,0,


• Rahmenriegel,
• sonstige Bauteile, die überwiegend auf Biegung beansprucht sind.

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
2. Bemessung von Querschnitten mit Druckbewehrung

Mit einer Bewehrungslage aufnehmbares bezogenes Moment µEds,lim

Im Falle einer Begrenzung der bezogenen Druckzonenhöhe auf lim = 0,617 gilt:

Bezogener innerer Hebelarm:   z d  1  k a  lim  1  0,416  0,617  0,743

MEds,lim
Bezogenes Moment: Eds,lim   R      0,810  0,617  0,743  0,371
b  d  fcd
2

Im Falle einer Begrenzung der bezogenen Druckzonenhöhe auf lim = 0,45 gilt:

Bezogener innerer Hebelarm:   z d  1  k a  lim  1  0,416  0,45  0,813

MEds,lim
Bezogenes Moment: Eds,lim   R      0,810  0,45  0,813  0,296
b  d  fcd
2

Ist der Bemessungswert des bezogenen Moments µEds größer als das jeweils
maßgebende µEds,lim, so ist Druckbewehrung erforderlich!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
2. Bemessung von Querschnitten mit Druckbewehrung

Aufteilung des Bemessungsmoments


1. Momentenanteil, der mit einer Bewehrungslage aufgenommen werden kann: MEds,lim = µEds,lim . b . d² . fcd

Quelle: [2]

2. Momentenanteil, der durch die beiden Bewehrungslagen aufgenommen wird: MEds = MEds – MEds,lim

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
2. Bemessung von Querschnitten mit Druckbewehrung

Vorgehensweise bei der Bemessung

1. Ermittlung der Zugbewehrung As1 für MEds,lim  Eds,lim  b  d2  fcd wie bei
Querschnitten ohne Druckbewehrung.

2. Bestimmung des Differenzmoments MEds  MEds  MEds,lim

3. Da die Lage der zusätzlichen Zug- und Druckbewehrung und damit


der Hebelarm zwischen den zugehörigen Kräften bekannt ist, können die zu
ergänzenden Bewehrungsmengen As1 und As2 für MEds unmittelbar bestimmt
werden:

1 MEds
Zusätzliche Zugbewehrung: A s1  
s1d d  d 2

1 MEds
Druckbewehrung: A s2  
s2d d  d 2

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
2. Bemessung von Querschnitten mit Druckbewehrung

Allgemeines Bemessungsdiagramm

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
2. Bemessung von Querschnitten mit Druckbewehrung

-Tafeln (µEds-Tafeln)

1, 2 entweder linear interpolieren


oder auf der sicheren Seite liegend
den nächst größeren Wert wählen!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
2. Bemessung von Querschnitten mit Druckbewehrung

kd-Tafeln

ks1, ks2, 1, 2 entweder linear interpolieren


oder den nächst größeren Beiwert wählen!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten
Definition

Ein Plattenbalken ist ein Balken, der monolithisch mit einer Platte verbunden ist.
Man unterscheidet zwischen ein- und beidseitigen Plattenbalken.

Plattenbalkenquerschnitte sind vor allem dann vorteilhaft, wenn die Gurtplatte in


der Druckzone liegt (optimierter Balkenquerschnitt).

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Tragverhalten bei Biegebeanspruchung

Bei Biegebeanspruchung wirkt die Platte als Druck-, der Steg als Zuggurt.
Mit zunehmendem Abstand von den Stegen nehmen die Druckspannungen in der
Platte durch nicht ebene Verzerrungen des Querschnittes ab.

Quelle: [2]

Fs

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Idealisierung der Druckspannungsverteilung

Zur Vermeidung einer aufwändigen Berechnung wird die unebene


Spannungsverteilung durch eine ebene Verteilung mit über die Breite
konstanter Druckspannung ersetzt.

Der reale Querschnitt wird auf einen fiktiven Ersatzquerschnitt mit der
sogenannten mitwirkenden Plattenbreite beff reduziert.

Quelle: [2]
Reale Idealisierung
Druckspannungsverteilung für die Bemessung

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Einflüsse auf die Größe der mitwirkenden Plattenbreite beff

Die mitwirkende Plattenbreite beff ist abhängig von:

• Gurt- und Stegabmessungen


Quelle: [2]

• Art der Belastung

• Stützweite

• Auflagerbedingungen

• Querbewehrung in der Gurtplatte

Ausbreitung der Drucktrajektorien vom Auflager aus über den Steg in die Gurtplatte

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Mitwirkende Plattenbreite beff bei Durchlaufträgern

Momentennullpunkte Quelle: [2]


haben für beff die
gleiche Bedeutung
wie die Endauflager Momentennullpunkt

Gurtplatte liegt in der Zugzone;


daher für die Bemessung nicht relevant

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Bestimmung der mitwirkenden Plattenbreite beff nach DIN EN 1992-1-1


(Abschnitt 5.3.2.1)

beff   beff,i  bw

0,2  bi  0,1 l0

beff,i   0,2  l0
b
 i

mit l0 wirksame Stützweite (= Abstand der Momentennullpunkte)


bi tatsächlich vorhandene Gurtbreite
bw Stegbreite

Der schraffierte Querschnitt wird der Biegebemessung zugrunde gelegt!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Wirksame Stützweite l0

Für Durchlaufträger darf bei annähernd gleichmäßig verteilten Einwirkungen und


etwa gleichen Steifigkeitsverhältnissen der Einzelfelder die wirksame Stützweite l0
(entspricht dem Abstand der Momentennullpunkte) vereinfachend wie folgt
angenommen werden:

l0  1,5leff,3
 0,15 leff,2 +leff,3

Diese Abschätzung der Lage der Momentennullpunkte gilt nur für die Ermittlung von beff!

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Klassifizierung der Bemessungsfälle für die Biegebemessung


Da die Form des wirksamen, d. h. des überdrückten Querschnitts durch die
Lage der Verzerrungsnulllinie bestimmt wird, können zwei Bemessungsfälle
unterschieden werden:
beff
a) Die Nulllinie
liegt in der Platte:
Bemessungshilfen für
Rechteckquerschnitte
Druckzone
Quelle: [2]
beff
b) Die Nulllinie
liegt im Steg:
Bemessungshilfen für
Plattenbalkenquerschnitte

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Bemessungsstrategie
Zweckmäßiger Weise werden Plattenbalken zunächst unter der Annahme
bemessen, dass die Nulllinie in der Platte liegt (Fall a).

 Die Bemessungsverfahren für Rechteckquerschnitte können angewendet


werden, da die Form der gerissenen Zugzone keine Rolle spielt!

Anschließend ist anhand der rechnerischen Druckzonenhöhe zu überprüfen, ob


die Annahme  ≤ hf / d gerechtfertigt war.

Ist dagegen  > hf / d (Fall b), so reicht die Druckzone bis in den Steg. Die
Druckzone ist dann nicht mehr rechteckförmig.

Der Querschnitt muss als Plattenbalken bemessen werden. Hierzu wird die
Druckzone in Teilflächen zerlegt, über die die Betondruckspannungen dann
abschnittsweise zu integrieren sind (siehe Beispiele zum Gleichgewicht der
inneren und äußeren Schnittgrößen).

Es stehen auch Bemessungshilfen für Plattenbalkenquerschnitte zur Verfügung.

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3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

*)
-Tafeln (µEds-Tafeln) für
Plattenbalkenquerschnitte

*) Tafeln sind für unterschiedliche Verhältniswerte hf/d verfügbar

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3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Beispiel:

hf= 10 zs=
MEd = 400 kNm
23,75

h= 60 NEd = -100 kN

As1 5

bw=
Baustoffe:
20
bf= Beton C 25/30
60 Betonstahl B 500

Gesucht: Erforderliche Zugbewehrung As1

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Lösungsversuch z. B. mit Hilfe der -Tafeln für Rechteckquerschnitte

a) Moment infolge äußerer Schnittgrößen bezüglich der Lage der Zugbewehrung:


MEds  MEd  NEd  z s1  400 kNm  100 kN  0,3125 m  431,3 kNm

mit z s1  d  z s  55 cm  23,75 cm  31,25 cm

b) Bezogenes Moment:
MEds 43130 kNcm
Eds    0,167
b f  d  fcd 60 cm   55 cm   1, 42kN cm
2 2 2

 Eds,lim  0,371bzw. 0,296

c) Ablesen von  in den -Tafeln:


  0,232  x    d  0,232  55 cm  12,8 cm  hf  10 cm
Die Druckzone reicht bis in den Steg!
 Bemessungshilfen für Rechteckquerschnitte sind nicht anwendbar!

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3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

1 -Tafeln (µEds-Tafeln)

1

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3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

Fortsetzung der Lösung:


Anwendung der -Tafeln für Plattenbalkenquerschnitte

d) Geometriebeiwerte bestimmen:

hf d  10 cm 55 cm  0,182 und b f b w  60 cm 20 cm  3,0

e) Ablesen von 1 in den -Tafeln für Plattenbalkenquerschnitte

f) Erforderliche Zugbewehrung:

1
A s1    1  bf  d  fcd  NEd 
fyd

1  kN 
   0,1909  60cm  55cm  1,42  100kN   18,27cm2

43,5 kN cm2  cm2 

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Bemessung für überwiegende Biegebeanspruchung Lehrstuhl für Massivbau
3. Bemessung von Plattenbalkenquerschnitten

-Tafeln (µEds-Tafeln) für


Plattenbalkenquerschnitte

*)

*) entweder zwischen verschiedenen Tafeln interpolieren


oder auf der sicheren Seite liegend die Tafel mit dem
kleineren hf/d-Verhältnis wählen

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4. Mindest- und Höchstbewehrung
(DIN EN 1992-1-1, Abschnitt 9.2.1.1)

Duktilität

Die Duktilität eines Querschnitts beschreibt seine plastische Verformbarkeit vor


Versagenseintritt. Sie ist neben den Eigenschaften der Baustoffe Beton und Stahl
wesentlich vom Bewehrungsgehalt abhängig.

Durch eine hohe Duktilität wird insbesondere die Versagensankündigung im


Grenzzustand der Tragfähigkeit verbessert.

Ein schlagartiges Versagen bei Auftreten des ersten Risses muss durch die
Anordnung einer Mindestbewehrung verhindert werden, die in der Lage ist, das
Rissmoment Mcr (cr = engl. „crack“) aufzunehmen.

Die Mindestbewehrung ist mit dem Mittelwert der Zugfestigkeit des Betons fctm
und einer Stahlspannung s = fyk zu berechnen.

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4. Mindest- und Höchstbewehrung

Übergang vom ungerissenen in den gerissenen Zustand

Mcr
Mcr

Mcr
s = fyk
c = fctm

Zustand I Zustand II
(ungerissen) (gerissen)

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4. Mindest- und Höchstbewehrung

Erforderliche Mindestbewehrung

Das Rissmoment ergibt sich für den Zustand I unmittelbar vor der Rissbildung zu:

Mcr
c  fctm   Mcr  fctm  Wc (1)
Wc

Im Zustand II unmittelbar nach der Rissbildung gilt:

Mcr  Fs  z  A s  s    0,9   d  A s,min  fyk  0,9  d (2)

Gleichsetzen von (1) und (2) liefert:

fctm  Wc
A s,min 
0,9  d  fyk

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4. Mindest- und Höchstbewehrung

Höchstbewehrung

Neben der Vermeidung eines Versagens bei Erstrissbildung wird eine


Mindestverformbarkeit (Mindestkrümmung) im Grenzzustand der Tragfähigkeit
angestrebt.

Dies wird in DIN EN 1992-1-1 durch die Begrenzung der bezogenen


Druckzonenhöhe  = x/d auf 0,617 bzw. 0,45 (siehe Abschnitt 2) sowie durch
die Begrenzung des Bewehrungsgehalts erreicht.

Es gilt: A s,max  0,08  A c

Durch die Begrenzung des Bewehrungsgehalts wird zudem das einwandfreie


Einbringen und Verdichten des Betons erleichtert.

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Literatur
[1] DIN EN 1992-1-1:2011-01 + DIN EN 1992-1-1/A1:2015-03
+ DIN EN 1992-1-1/NA:2013-04 + DIN EN 1992-1-1/NA/A1:2015-12 (Eurocode 2),
Bemessung und Konstruktion von Stahlbeton- und Spannbetontragwerken –
Teil 1-1: Allgemeine Bemessungsregeln und Regeln für den Hochbau.

[2] Konrad Zilch, Gerhard Zehetmaier:


Bemessung im konstruktiven Betonbau, 2., neu bearbeitete und erweiterte
Auflage, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 2010.
Empfehlung zur Vertiefung: Abschnitt 6.2, Seiten 203-216!

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