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Naturschutzfachliche Bewertung der Douglasie

aus Sicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)


Anke Höltermann, Frank Klingenstein, Axel Ssymank

Kaum eine Baumart steht so im Spannungsfeld zwi- Verbreitung und ökologische Eigenschaften
schen Naturschutz und Forstwirtschaft wie die nord-
amerikanische Douglasie (Pseudotsuga menziesii Die Douglasie wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts
(MIRB.) Franco). Vor dem Hintergrund des sich abzeich- nach Mitteleuropa eingeführt und ist heute die für die
nenden Klimawandels erfreut sie sich aus ökonomisch- Forstwirtschaft in Mitteleuropa bedeutendste fremdlän-
waldbaulichen Gründen wachsender Beliebtheit. Eine dische Baumart. Zwar beträgt die aktuell mit Douglasie
Risikoabschätzung des Douglasienanbaus aus natur- bestockte Fläche in Deutschland nach Erhebungen der
schutzfachlicher Sicht gestaltet sich jedoch auf Grund BWI II lediglich 179.607 Hektar bzw. 1,7 Prozent der Ge-
der Lückenhaftigkeit des Wissens zur Ökologie der samtwaldfläche. Dabei handelt es sich größtenteils um
Douglasie und den langfristigen Folgen für Flora und Mischbestockungen (Abbildung 1). Gleichwohl hat sich
Fauna schwierig. Eine Beurteilung sollte standörtlich die Anbaufläche der Douglasie insbesondere seit den
differenziert erfolgen und zwischen Flächen mit hoher siebziger Jahren erheblich ausgeweitet (Abbildung 2).
naturschutzfachlicher Bedeutung und sonstigen Flä- Nach Burschel und Huss (1997) ist abzusehen, dass die
chen unterscheiden. Auf die Schwierigkeit pauschali- Douglasie nach Fichte und Kiefer zur drittwichtigsten
sierender Aussagen zum Douglasienanbau deuten Nadelbaumart wird, während vor allem die Kiefer an
auch die zum Teil erheblich differierenden Positionen Fläche einbüßt. Langfristig werden in Deutschland
forstlicher Zertifizierungssysteme, Naturschutzverbän- Douglasienanteile von über zehn Prozent erwartet (Ko-
de und forstlicher Fachverbände hin (siehe Tabelle). warik 2003).

Waldfläche nach Bestockungstyp und Beimischung


3.500
Waldfläche in Tsd. ha

ohne Beimischung mit Beimischung


Fichte
sonstige Laubbäume m. hoher Lebensdauer

3.000
sonstige Laubbäume m. niedr. Lebensdauer

Kiefer

2.500
mehrere gleichrangige Baumarten
Buche

2.000

1.500
Eiche

1.000
Douglasie
Birke

Lärche
Tanne
Esche

500
Erle

Bestockungstyp

Abbildung 1: Waldfläche (ha) nach Bestockungstyp und


Beimischung (BMELV 2004); die Bezeichnung der Besto-
ckung richtet sich nach der anteilsmäßig stärksten Baumart.
Ein Beispiel: Eine Mischbestockung aus 30 Prozent Fichte,
30 Prozent Douglasie und 40 Prozent Buche wird bei einer
Unterscheidung nach Bestockungstypen als Buchenbesto-
ckung eingestuft (!). Beimischungen in Bestockungen wer-
den ab zehn Prozent ausgewiesen.

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Wuchskraft neigt die Douglasie zur Entmischung, ins-


Altersklassenverteilung Douglasie
besondere wenn den Mischbaumarten nicht genügend
60
%

Abstand zur Douglasie gegeben wird (z. B. durch grup-


50 penweise Einbringung) bzw. mischwuchsregulierende
40 Pflegemaßnahmen (vor allem bei Naturverjüngungen)
unterlassen werden. Auf Grund der leichten Zersetzbar-
30
keit ihrer Streu ist sie eine der bodenpfleglichsten Ar-
20
ten unter den in Deutschland angebauten Nadelbäu-
10 men. Holz und Reisig der Douglasie zersetzen sich
0
dagegen außerordentlich schwer. Weiterhin kennzeich-
I II III IV V VI V II V III IX nen sie gute Holzeigenschaften, ein gutes Ausheilen
Altersklasse
von Rindenverletzungen und das (bisher) weitgehen-
Abbildung 2: Altersklassenverteilung der Baumartengruppe de Fehlen von Insektenschädlingen.
Douglasie in Prozent (BMELV 2004); ein drastisches An-
steigen des Douglasienanteils ist seit den vierziger Jahren
Die Douglasie verjüngt sich in Deutschland natürlich
zu beobachten mit einem ausgeprägten Gipfel in der
II. Altersklasse (20- bis 40-jährige Bestände). Ein Fünftel und wurde in vielen Bundesländern in die heutige po-
der Douglasienbestände ist jünger als 20 Jahre. tentiell natürliche Vegetation (hpnV) integriert (Reif et.
al. 2005; Fritz 2006). Nach Knoerzer (1999 a) sowie Reif et
al. (2005) wird dabei jedoch übersehen, dass die Kon-
Die Douglasie ist eine Baumart der nemoralen Nadel- kurrenzkraft von Buche (und Tanne) auf Standorten mit
wälder, die unter semihumiden Klimabedingungen mit einer Wasserversorgung besser als „mäßig trocken“
Winterregen/Sommerdürre im Westen von Nord-Ame- von Natur aus so hoch wäre, dass die Douglasie unter
rika verbreitet sind. Sie kann bis 90 (100) Meter Höhe ungestörten Verhältnissen langfristig wieder verdrängt
und bis 4,4 Meter Stammdurchmesser erreichen. Im na- werden würde. Auf diesen Standorten läge demnach ei-
türlichen Verbreitungsgebiet lassen sich vier Formen ne falsche Einstufung vor.
unterscheiden, die zwei Übergangsformen verbinden
(Burschel und Huss 1997). Ökologisch und forstwirtschaft- Mit Blick auf die zu erwartenden Klimaänderungen
lich relevant ist vor allem der Unterschied zwischen der (u.a. größere Sommertrockenheit, Zunahme von Ex-
Küstenform (häufig auch als eigene Unterart Pseudo- tremwetterereignissen) lässt die Douglasie als Baum
tsuga menziesii subsp. menziesii (syn. subsp. viridis) = der nemoralen Zone höhere Wuchsleistungen und Sta-
Küsten-Douglasie ausgewiesen) und den Gebirgs- bilität erwarten als vergleichbare Fichtenbestände, de-
formen (oft als P. menziesii subsp. glauca = Gebirgs- ren Verbreitungsschwerpunkt in der borealen Zone
Douglasie zusammengefasst). Während erstere in liegt. Sie wurzelt relativ stabiler als die Fichte und
nordwestpazifischen Feuchtkoniferenwäldern vom kommt mit Trockenheit, vor allem mit sommerlichen
nördlichen Kalifornien bis Britisch Kolumbien als Zwi- Trockenperioden, besser zurecht als diese. Vor allem
schenwaldbaumart verbreitet ist, handelt es sich bei im Privatwald wird nach Sturmwurf zunehmend mit
den Gebirgsformen um Klimaxbaumarten kontinental Douglasie als Alternative zur Fichte wieder aufgefors-
geprägter Gebirgsnadelwälder der Rocky Mountains. tet. Staatliche Förderprogramme unterstützen diese
Tendenz. Ein Beispiel ist das Forstliche Förderpro-
Sowohl in Nordamerika als auch in Mitteleuropa ist die gramm in Nordrhein-Westfalen für den Privatwald (Lan-
Küstendouglasie die forst- und holzwirtschaftlich be- desbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen 2007),
deutendste Form. Sie zeichnet sich durch schnelle das als Reaktion auf die Schadensflächen des Orkans
Wüchsigkeit, frühe Fruktifikation sowie euryöke Stand- Kyrill aufgelegt wurde, und erstmals neben der bishe-
ortsansprüche sowohl an den Wasserhaushalt als auch rigen Laubholzförderung auch Mischkulturen aus Laub-
den Lichtgenuss aus. Wuchsbegrenzend wirken sich holz und den Baumarten Douglasie, Lärche, Küstentan-
Stauwasser und hoch anstehende verdichtete Boden- ne, Weißtanne und/oder Schwarzkiefer in die
schichten aus. Als Jungpflanze reagiert die Küsten- Förderung einbezieht. Seit August 2007 ist darüber hi-
douglasie empfindlich auf Spät- und Frühfröste sowie naus die Wiederaufforstung geschädigter Flächen aus-
Frosttrocknis im Winter. Außerdem macht ihr die Kon- schließlich mit Douglasie mit einem Höchstsatz von
kurrenz der Bodenvegetation zu schaffen. Sie wird da- 3.200 Euro/Hektar förderfähig (MUNLV, Pressemittei-
her in der Regel unter Schirm oder unter Vorwald an- lung vom 15.08.2007).
gebaut (Halbschattbaumart). Wegen ihrer überlegenen

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Naturschutzfachliche Bewertung sekten. Als Beleg für die eingeschränkte Eignung der
Douglasie als Lebensraum für Insekten wird oftmals de-
Hinsichtlich des langfristigen ökologischen Verhaltens ren vergleichsweise geringe Schädlingsdisposition he-
der Douglasie und ihrer naturschutzfachlichen Auswir- rangezogen. Beobachtungen aus jüngerer Zeit lassen
kungen bestehen noch immer erhebliche Wissensdefi- jedoch auf eine zunehmende Anpassung heimischer
zite. Prognosen, wie sich Lebensgemeinschaften und Schadinsekten an die Douglasie schließen. Mittlerwei-
Artenvielfalt unter dem Einfluss der Douglasie verän- le wurden Bruten von zahlreichen rinden- und holzbrü-
dern, und wie dominant sich diese im Laufe mehrerer tenden Borkenkäferarten an Douglasie gemeldet. Auch
Waldgenerationen verhält, bleiben schon wegen der zukünftig ist daher damit zu rechnen, dass sich weite-
langen Generationszeiten von Waldbäumen mit hoher re Holzkäferarten die Douglasie als Nahrungsressour-
Unsicherheit behaftet. So lassen sich beispielsweise bis- ce erschließen werden.
her kaum Aussagen zum Verhalten der Douglasie in Al- Die mangelnde Anpassung der heimischen Fauna
ters- und Zerfallsphasen europäischer Waldtypen tref- an die Douglasie bedingt auch deren geringeren Habi-
fen. Sicher ist lediglich, dass sich die Douglasie auch tatwert („ökosystemarer Fremdkörper“). Kohlert und
künftig weiter ausbreiten wird, zumal bisher noch nicht Roth (2000) sowie Winter (2001) belegen, dass insbeson-
alle potentiell in Frage kommende Bestände fruktifi- dere in Douglasienreinbeständen eine Tendenz zur fau-
zieren. nistischen Artenverarmung, vor allem der epigäischen
Fauna, beobachtet werden kann. Auch nach Ammer und
Naturschutzfachlich wird die Douglasie vor allem aus Utschick (2004) muss bei großflächigem Douglasienan-
nachfolgenden Gründen als problematisch angesehen: bau mit reduzierten Faunendiversitäten, geringeren Sta-
• Wenig ausgeprägte Interaktionen mit der heimischen bilitäten, höheren Generalistenanteilen und verkürzten
Tier- und Pflanzenwelt; Nahrungsketten gerechnet werden. Winter et al. (2001)
• Potential zu Invasivität, d.h. Verdrängung heimischer beobachteten einen Rückgang der Arthropodenvielfalt
Pflanzen- und Tierarten und damit Veränderung gan- in Douglasienmischbeständen gegenüber Mischbestän-
zer Pflanzengesellschaften; den anderer Baumarten, wenngleich in weniger deutli-
• qualitative und quantitative Beeinträchtigung des Er- chem Umfang als in Douglasienreinbeständen. Nach
haltungszustandes von europaweit schützenswerten Ammer und Utschick (2004) verhält sich die Douglasie
FFH-Lebensraumtypen, insbesondere der Waldty- hinsichtlich Artenvielfalt und lndividuenreichtum
pen des Anhangs I und Arten von gemeinschaftlicher ähnlich wie die Fichte, so dass bei einzelbaum- bzw.
Bedeutung; kleingruppenweiser Mischung in Laub- oder Nadelholz-
• mögliche Übertragung von Schädlingen auf heimi- beständen auf Normalstandorten auch für naturschutz-
sche Arten; fachlich wertvolle Waldzönosen keine negativen Folgen
• ästhetische Gründe. zu befürchten seien. Auch Fritz (2006) empfiehlt wegen
des geringen Anteils naturschutzfachlich wertvoller Ar-
ten, wenig verfügbarer Nahrung für Vögel im Winter
Geringe Interaktionen mit der heimischen sowie Forstschutzaspekten den Anbau von Douglasie
Tier- und Pflanzenwelt lediglich kleinflächig, in Mischung mit einheimischen,
Fauna standortsangepassten Baumarten.
Obwohl jüngere Forschungsarbeiten zu den Auswir- Vor und Schmidt (2006) kommen in einer Studie in der
kungen des Douglasienanbaus auf heimische Lebens- Nordwesteifel und dem Pfälzer Wald zu dem Ergebnis,
gemeinschaften vorliegen (z. B. Goßner 2004 a, b), ist das dass Arten- und Strukturdiversität in älteren Douglasien-
Wissen um die potentiellen Effekte des Douglasienan- beständen ebenso gut bzw. besser ausgeprägt waren
baus auf die wichtigsten ökologischen Gilden mit als in vergleichbaren naturnahen Buchen-Hainbuchen-
Schlüsselfunktionen im Funktionsgefüge von Ökosys- Traubeneichen-, Buchen-Kiefern- und Fichten-Buchen-
temen noch immer lückenhaft. Beständen. Inwieweit allerdings qualitative Unterschie-
Die vorliegenden Arbeiten legen die Vermutung na- de hinsichtlich Artenzusammensetzung und Dominanz-
he, dass die Douglasie als gebietsfremde Baumart auf struktur der untersuchten Arten diese Ähnlichkeiten
Grund fehlender Koevolution weniger heimischen Ar- überlagern und welche Schlussfolgerungen hieraus zu
ten Nahrungsgrundlage und Lebensraum bietet als ver- ziehen sind, bleibt offen.
gleichbare heimische Baumarten. Dies gilt für Vögel
(Müller und Stollenmeier 1994) und insbesondere für spe-
zialisierte und damit oftmals auch seltene heimische In-

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Flora
Hinsichtlich Struktur und Diversität der Bodenvegetati-
on und deren Beitrag zum Stoffhaushalt stellt Budde
(2006) fest, dass die mit Douglasie bewirtschafteten Flä-
chen keine vegetationsökologischen Besonderheiten
aufweisen, die gegen einen Anbau dieser Baumart spre-
chen würden.
Bürger-Arndt (2000) schließt aus der Auswertung ver-
schiedener Arbeiten, dass die Entwicklung der Boden-
vegetation unter Douglasie maßgeblich vom Unter-
schied des Lichtangebotes gegenüber dem jeweiligen
natürlichen Vergleichsbestand abhängt und sich daher
mit forstlichen Eingriffen steuern lässt. Abbildung 3: Douglasienkeimling (Foto: M. Mößnang)

Potential zu Invasivität
Auf bestimmten Standorten ist zu beobachten, dass die (z. B. naturnahe lichte Birken-Eichenwälder, Traubenei-
Douglasie auf Grund ihrer höheren Konkurrenzkraft in- chenwälder und trocken-warme Eichenmischwälder)
digene Pflanzen- und auf diese angewiesene Tierarten sind Verschiebungen hin zu mehr oder weniger dou-
verdrängt und damit ganze Lebensgemeinschaften ver- glasiendominierten Beständen und damit ähnliche Aus-
ändert. schattungs- und Verdrängungseffekte wie auf waldar-
men Standorten zu erwarten (z. B. Essl 2005).
Offene und ursprünglich baumfreie Felsstandorte In Nordwestdeutschland erweisen sich nach Bürger-
und Blockmeere Arndt (2000) Bestände mit lichtliebenden Nadelbaumar-
Nachzuweisen ist diese Invasivität insbesondere auf of- ten wie Kiefer und Lärche oder mit femelartigen Bestan-
fenen und ursprünglich baumfreien Felsstandorten und deslücken und entsprechend direktem Lichteinfall als
Blockmeeren (Knoerzer 1999 b). Sie sind forstwirtschaft- besonders verjüngungsfreundlich. Unter Umständen
lich von geringer Bedeutung, zeichnen sich aber häu- kann sich hierdurch der angestrebte Waldumbau natur-
fig durch einen hohen naturschutzfachlichen Wert aus. ferner (Nadelholz-)Forsten in naturnahe Bestände ver-
Auf derartigen Standorten verjüngt sich die Douglasie zögern.
im Gegensatz zu den meisten anderen heimischen
Baumarten natürlich und dunkelt die oft hoch speziali- Gut nährstoffversorgte, frische oder sehr schattige
sierten heimischen Tier- und Pflanzenarten aus (Knoer- Standorte
zer 1999 a). Hier gilt sie daher – wie auch in anderen Ge- In Nadelholzbeständen mit den Schattbaumarten Fich-
bieten Europas (z. B. Österreich: Essl 2005; Litauen: te und Tanne oder in Mischbeständen kann sich nach
www.nobanis.org) – als invasive Art und wird infolge- Bürger-Arndt (2000) – wenn auch zumeist nur lokal –
dessen vom BfN im Internet-Handbuch NeoFlora ebenfalls Douglasienverjüngung etablieren.
(www.neophyten.de) geführt. Auf besser nährstoffversorgten, frischen oder sehr
schattigen Standorten schränkt Konkurrenz die Verjün-
Bodensaure, nährstoffarme, lichte und trockenarme gung der Douglasie stark ein (Knoerzer 1999 b; Kowarik
Waldstandorte 2003). Daher unterwandert die Douglasie reine Laub-
Da sich die Douglasie auf trocken steinigen Standorten holzbestände auf frischeren Standorten nur selten. Vor
im sauren Milieu sehr gut verjüngt, sind auch auf der- allem bei dichtem Unter- und Zwischenstand von Bu-
artigen Waldstandorten Probleme zu erwarten. Leider che oder in reinen Buchenbeständen unterbleibt die
ist hier die Douglasie ökonomisch-waldbaulich oft be- Verjüngung nahezu völlig. Auf diesen Standorten ist da-
sonders attraktiv. Arbeiten von Knoerzer (1999 a) im süd- her keine maßgebliche Douglasienverjüngung und da-
westdeutschen Raum belegen die hohe Konkurrenz- mit Veränderung der Waldgemeinschaften zu erwarten.
kraft der Douglasienverjüngung auf bodensauren,
basenarmen, eher trockenen Standorten. Knoerzer und
Reif (1996) befürchten, dass sich die Douglasie auf die-
sen Standorten zur „vorherrschenden Baumart“ ent-
wickeln könnte. Auch in bodensauren Eichenwäldern

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Qualitative Beeinträchtigung des Erhaltungszustandes naturschutzrechtlichen Rahmenbedingungen der EU


von europaweit schützenswerten Lebensraumtypen unbedenklich (dies gilt auch innerhalb der Natura 2000-
vor allem der Waldtypen des Anhangs I und Arten Gebiete), solange sich die Douglasie nicht nachträglich
gemeinschaftlicher Bedeutung in FFH-Lebensraumtypen ausbreiten kann.
Nach Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie) ist ein Beim Parameter Struktur und Funktionen, der die
günstiger Erhaltungszustand der Anhang I-Lebensraum- typischen Arten des Lebensraumtyps beinhaltet, führt
typen zu erhalten oder wiederherzustellen. Diese Ver- Douglasienbeimischung oder -unterbau sowohl struk-
pflichtung bezieht sich zunächst auf die jeweilige bio- turell als auch im Arteninventar der Wald-Lebensraum-
geografische Region für den Gesamtbestand des typen zu Veränderungen und Verlusten charakteris-
Lebensraumtyps. In der FFH-Richtlinie sind im Anhang tischer Arten, die eine Verschlechterung des Erhal-
I insgesamt 17 Wald-Lebensraumtypen (LRT) genannt. tungszustandes hervorrufen können. Das Einbringen
In den Wald-LRT Moorwälder (91D0), Auenwälder von Douglasie ist zudem als Beeinträchtigung zu wer-
(91F0, 91E0) und Schluchtwälder (9180) spielt die Dou- ten, wie dies bei allen eingebrachten fremdländischen
glasie in der Regel keine Rolle, da diese Flächen seit Arten der Fall ist.
langem im Fokus des Naturschutzes stehen und sich Gemäß Definitionen dürfen Wald-LRT einen „Fremd-
die Standorte teilweise für Douglasie nicht eignen. Ins- baumartenanteil“ von bis zu 30 Prozent enthalten. Sol-
besondere in sieben LRT, darunter vor allem die weit che Bestände sind teilweise auch in Natura 2000-
verbreiteten Buchenwälder (LRT 9110, 9130), die Ei- Gebieten gemeldet, weisen aber einen schlechten Er-
chen-Hainbuchenwälder (9160, 9170) und die natürli- haltungszustand auf. Hier ist darauf zu achten, dass die
chen Fichtenwälder (9410) ist der Anbau von Dougla- Douglasien-Deckung den bei Meldung vorhandenen
sie derzeit von Bedeutung. Der Erhaltungszustand ist Anteil auf den Lebensraumflächen im Gebiet nicht er-
im Art. 1 der FFH-Richtlinie definiert und umfasst z. B. höht, und in keinem Fall 30 Prozent übersteigt, da dies
bei den Lebensraumtypen (Art. 1 e) die Parameter Ver- sonst zu Flächenverlusten des gemeldeten Wald-LRT
breitungsgebiet, Fläche, Struktur und Funktionen sowie führen würde.
charakteristische Arten. Zusätzlich ist festgelegt, dass Die Einbringung von Douglasie in gemeldeten Wald-
die günstige Fläche und das günstige Verbreitungsge- Lebensraumtypen kann damit möglicherweise eine
biet mindestens der Flächendimension von 1994 ent- erhebliche Beeinträchtigung darstellen, die gegebenen-
sprechen müssen. falls einer Art. 6(3,4) -Verträglichkeitsprüfung unterwor-
Auf Gebietsebene wird eine Bewertung gemäß Ent- fen ist. Der bei Meldung vorhandene Gesamtflächenan-
scheidung 97/266/EG und LANA-(Pinneberg-Schema) teil der jeweiligen Erhaltungszustände eines Wald-LRT
bzw. FCK Vereinbarungen für den Parameter Struktur muss im gemeldeten Gebiet erhalten bleiben. Forstli-
und Funktionen mit folgenden drei Parametern bewer- che Einrichtungs- und Bewirtschaftungspläne unterlie-
tet: Habitatstrukturen, Lebensraumtypisches Artenin- gen, wenn sie die Anforderungen an einen Manage-
ventar und Beeinträchtigungen. ment- oder Bewirtschaftungsplan nach FFH-Richtlinie
In den gemeldeten Natura 2000-Gebieten gilt ein nicht erfüllen (Naturschutz-Vorrang in den gemeldeten
Verschlechterungsverbot (Art. 6(2)), d. h. gemeldete Natura 2000 Gebieten) ebenfalls diesen Anforderungen.
Flächen der Wald-Lebensraumtypen des Anhangs I Rechtlich ungeklärt ist die Frage, ob die Douglasie nicht
dürfen sich weder quantitativ (Fläche im Gebiet) noch auch unter Artikel 22 FFH-Richtlinie fällt. Danach be-
qualitativ verschlechtern (Erhaltungszustand). steht eine Verpflichtung für die Mitgliedstaaten, dafür
Ein Umbau der FFH-Lebensraumtypen, also z. B. zu sorgen, „dass die absichtliche Ansiedlung in der Na-
von Buchenwäldern zu Douglasien-Beständen führt tur einer in ihrem Hoheitsgebiet nicht heimischen Art
zwangsläufig zu Flächenverlusten des Lebensraumtyps so geregelt wird, dass weder die natürlichen Lebens-
und damit zu einer Verschlechterung des Erhaltungs- räume in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet noch
zustandes im Hinblick auf den Parameter Fläche, bei die einheimischen wildlebenden Tier- und Pflanzenar-
massivem Umbau in waldarmen Regionen möglicher- ten geschädigt werden; falls sie es für notwendig erach-
weise auf den Parameter Verbreitungsgebiet. Dabei ten, verbieten sie eine solche Ansiedlung“. Diese Be-
wird für die EU der Gesamtbestand der Vorkommen stimmung würde dann auch mögliche Einwirkungen
der FFH-Lebensraumtypen bewertet, also auch außer- auf andere als die in den Anhängen der FFH-Richtlinie
halb der Natura 2000-Gebiete. Ein Umbau von Fichten- genannten wildlebenden Tier- und Pflanzenarten ein-
beständen im Tiefland oder Kiefernbeständen außer- schließen.
halb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes beeinflusst
den Erhaltungszustand nicht und wäre somit unter den

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Mögliche Übertragung von Schädlingen • Mit Blick auf das von der CBD propagierte Gleichge-
auf heimische Arten wicht zwischen Schutz und nachhaltiger Nutzung
In der Vergangenheit gelangten mit den Samen der von biologischer Vielfalt und der großen ökonomi-
Douglasie die Douglasienwolllaus (Gilletteella cooleyi schen Bedeutung des Douglasienanbaus ist die Ver-
GIL) und die Douglasiensamenwespe (Megastigmus wendung der Douglasie im Wirtschaftswald unter Be-
spermotrophus Wachtl) aus Nordamerika nach Europa. achtung folgender Kriterien (in Anlehnung an
Sie sind nicht douglasienspezifisch und zählen inzwi- Knoerzer (1999 a), Knoerzer und Reif (1996) sowie Bür-
schen zu den bedeutendsten Samenschädlingen an Na- ger-Arndt (2000)) zu vertreten:
delbäumen in Europa (Fritz 2006). Es ist nicht auszu- - Grundsätzlich ist die Douglasie von armen, boden-
schließen, dass weitere aus dem Ursprungsgebiet der sauren, lichten und trockenen Waldstandorten mit
Douglasie nach Mitteleuropa eingeschleppte Parasiten hoher Konkurrenzkraft der Douglasienverjüngung
und Pathogene auf heimische Arten übergehen und fernzuhalten.1)
diese schädigen. - Soweit aus forstwirtschaftlichen bzw. waldbaulichen
Gründen (Risikostreuung, Erhalt der Stabilität etc.)
Ästhetische Gründe gerechtfertigt, sollte die Douglasie nur auf frische-
Eine Beurteilung des Douglasienanbaus nach ästheti- ren und gut nährstoffversorgten Standorten ange-
schen Gründen ist stark subjektiv geprägt. Einerseits baut werden, auf denen die regulierende Konkur-
kann die Anlage von Douglasienreinbeständen die Ei- renzkraft anderer Baumarten, vor allem der Buche,
genart und Schönheit mitteleuropäischer Kulturland- mittels gezieltem Voranbau ausgenutzt und so der
schaften verfälschen oder zerstören (z. B. Überprägung Naturverjüngung der Douglasie gezielt gegengesteu-
typischer laubwaldgeprägter Kulturlandschaftsbilder, ert werden kann.
Douglasienreinbestände in ehemaligen Niederwaldge- - Grundsätzlich sollte die Douglasie nur in ungleich-
bieten im Mosel- und Rheintal). Andererseits kann die altrigen, vertikal gestuften Mischbeständen (einzel-
Bereicherung des Baumartenspektrums mit Douglasie baum- bis kleingruppenweise Mischung) angebaut
oder schönen Einzelbäumen durchaus als Aufwertung werden. Dabei sollte eine Baumhöhe von maximal
des Landschaftsbildes empfunden werden. 40 Metern nicht überschritten werden, um die Ge-
fahr der Samenfernverbreitung zu minimieren.
- Landschaftsbezogen sollten Douglasien(-misch-)be-
Position des Bundesamtes für Naturschutz stände immer nur einen geringen Umfang einneh-
zur Douglasie men. Im Anhalt an Ammer und Utschick (2004) sollte
eine Beteiligung der Douglasie im regionalen Maß-
• Der Anbau von Douglasie dient nicht den Zielen des stab einen Anteil von zehn Prozent am gesamten
Naturschutzes. Daher sollte in vorrangig dem Natur- Baumartenspektrum nicht überschreiten.
schutz dienenden Gebieten (z. B. NSG, Nationalpar-
ke, Natura 2000-Gebiete, Kernzonen der Biosphären-
reservate) die Douglasie nicht angebaut werden. Dank: Wir danken zahlreichen Kollegen und Kolleginnen im
BfN, die durch konstruktive Anmerkungen wesentlich zum In-
Bestehende Douglasienbestände sollten im Rahmen
halt dieses Papiers beigetragen haben.
waldbaulicher Eingriffe umgewandelt werden. Dou-
glasienaufwuchs auf Naturschutzvorrangflächen soll-
te mittels adäquater Pflegemaßnahmen möglichst
vollständig zurückgedrängt werden. In Nachbar-
schaft zu wertvollen Biotopen, in denen sich die Dou-
glasie potentiell natürlich verjüngen kann (insbe-
sondere trockene und waldarme Standorte wie
Blockmeere und Felsen), sind Pufferzonen von meh- 1) Auch im Hinblick auf den Klimawandel ist die Douglasie auf

reren hundert Metern bis zu zwei Kilometern ohne derartigen Standorten nicht „zwingend erforderlich“ wie oftmals
Douglasienanbau einzurichten. In FFH-Gebieten ist argumentiert wird. Vielmehr bieten sich trockenresistente hei-
mische Baumarten (Flaum-, Trauben- und Stieleiche, Gemeine
eine Verschlechterung des Erhaltungszustandes ge-
Esche und Sommerlinde) als Alternativen an, bei denen davon
meldeter Wald-Lebensraumtypen beispielsweise auf ausgegangen werden kann, dass sie sich auch unter verän-
Grund der Umwandlung in Douglasienbestände oder derten Klimabedingungen als wenig anfällig erweisen werden
des Unterbaus mit Douglasie grundsätzlich auszu- (Kölling und Zimmermann 2007).
schließen.

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Literatur
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Naturschutzfachliche Bewertung der Douglasie aus Sicht des Bundesamtes für Naturschutz (BfN)

Positionen der wichtigsten forstlichen Zertifizierungssysteme, Naturschutzverbände


und forstlichen Fachverbände zur Douglasie

Naturland Die Pflanzung von Gastbaumarten ist nicht zulässig. ⇒ Douglasienanbau nicht zulässig
Ankommende Naturverjüngung kann übernommen werden.
FSC-Deutschland Prinzip 6.9.1: „Die Pflanzung und Saat standortgerechter, nicht ⇒ Die Einbringung von Douglasie darf auf Be-
zur natürlichen Waldgesellschaft gehörender Baumarten (ein- standesebene nicht zu deren Dominanz führen.
schließlich Gastbaumarten) ist einzeln- bis gruppenweise in
einem Umfang zulässig, der die langfristige Entwicklung der Im Rahmen der zur Zeit laufenden Revision des
Bestände hin zu natürlichen Waldbeständen nicht gefährdet.“ Standards sind hier jedoch Änderungen zu er-
Diese Einschätzung obliegt dem Zertifizierer vor Ort. warten. So soll in Erstaufforstungen zukünftig ein
Bestockungsanteil von bis zu 20 Prozent Gast-
Anhang II zu Kriterium 6.9: „Nicht-heimische Baumarten wer- baumarten erlaubt sein. Einschränkung des Anbaus
den in Deutschland nur angebaut, wenn deren ökologische von Gastbaumarten sind für Wälder mit hohem
Verträglichkeit durch langjährige Anbauerfahrungen oder ent- Schutzwert (Prinzip 9) zu erwarten (Standard-
sprechende Versuchsergebnisse erwiesen ist. Das heißt, sie entwurf 3 6.9.1) (Seizinger, mündl. Mitteilung)
müssen mit einheimischen Baumarten mischbar sein und dür-
fen nicht zur Dominanz neigen. Sie müssen eine Vielfalt an Tier
und Pflanzenarten zulassen, die nicht wesentlich unter der
in natürlichen Waldgesellschaften liegt. Sie müssen ihren Bei-
trag zur Erfüllung der jeweiligen Waldfunktion liefern und sich
unter hiesigen Bedingungen natürlich verjüngen lassen.“

Prinzip 6.9.2: Die Einbringung von Gastbaumarten


in Erstaufforstungen ist nicht erlaubt.

PEFC-Deutschland Keine ausdrückliche Erwähnung fremdländischer Baumarten ⇒ Douglasienanbau ohne Einschränkungen erlaubt

NABU „Mischwälder sollten nicht mehr als 30 % Fremdländeranteil ⇒ Keine grundsätzliche Ablehnung der Douglasie,
Bundesgeschäfts- (Baumarten, die nicht natürlich vorkommen würden) auf- in Mischbeständen bis zu 30 Prozent Douglasie
stelle weisen. Künstlich begründete Reinbestände sollen auf Flächen erlaubt
von 0,5 ha Größe beschränkt werden.“ (Heiermann, schriftl.
Mitteilung)

BUND BUND-AK-Wald-Position zu Gastbaumarten (Klein 2000): „Der ⇒ Keine grundsätzliche Ablehnung der Douglasie,
Anbau von standortfremden Bäumen sollte also … nur auf re- Mischbestände dürfen bis maximal 10 Prozent
lativ unproblematischen Standorten, … in Anteilen von äußers- Douglasie enthalten.
tenfalls 10 % ideellem Flächenanteil und Ziel desselben, … nicht
bestandsbildend erfolgen. Der Anteil von Arten die in Mittel- Zur Zeit wird ein Positionspapier zur Douglasie
europa nicht heimisch sind, sollte noch geringer sein. vom Bund Naturschutz in Bayern erarbeitet,
das mit dem BUND abgestimmt werden soll.
“Positionspapier „Wald für die Zukunft“ (1995): „Im Interesse
des Naturschutzes und der Nachhaltigkeit der Waldbewirt-
schaftung sind Wälder anzustreben (Bestockungsziel), die aus
standortheimischen Arten in naturnaher Mischung aufgebaut
sind.“

WWF Orientierung an Standards des FSC ⇒ siehe oben


(Grieshammer, mündl. Mitteilung)
Gute fachliche Kriterium 15: „Im Rahmen Guter fachlicher Praxis sollten auf ⇒ Eine Bestockung mit Douglasie wäre im Extrem-
Praxis Betriebsebene Bestände, die von fremdländischen Baumarten fall (ein Drittel der Bestände 100 Prozent Dou-
(Vorschlag aus dominiert werden, einen Flächenanteil von einem Drittel nicht glasie, zwei Drittel der Bestände 49 Prozent Dou-
Winkel und Volz überschreiten. In Betrieben, die aktuell mit einem höheren An- glasie) auf bis zu 66 Prozent der Betriebsfläche
2003) teil von durch fremdländische Baumarten dominierten Bestän- erlaubt.
den wirtschaften, ist der Anteil solcher Bestände im Rahmen
Guter fachlicher Praxis langfristig auf einen Flächenanteil von
maximal einem Drittel zurückzuführen. Ausgenommen sind
Betriebe mit einer Flächengröße unter 100 ha.“

ANW Grundsätze der ANW (Auszüge): ⇒ keine grundsätzliche Ablehnung der Douglasie,
„- Standortgerechte Baumarten der natürlichen Waldgesell- erlaubt in dauerwaldartigen Mischbeständen
schaften: Fremdländische Baumarten werden nicht grund-
sätzlich ausgeschlossen.
- Mischung standortgerechter Baumarten unterschiedlicher
Dimension und Alter
- einzelstammweise Pflege und Nutzung (Plenterprinzip)
im Sinne permanenter Auslese und Vorratspflege“

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