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Exposé Pädagogische Konzept Evgeny Sinayskiy

Jede Epoche ist einzigartig. Jede bietet ihren Einwohner etwas Einmaliges, nur ihr Immanentes und
Bezeichnendes. Meinem Empfinden nach ist Geschwindigkeit das, was unsere Zeit so einzigartig macht
und sie von der Vergangenen Epochen schlagend unterscheidet. Unsere Welt, unsere Realität
verändert sich so rasch, dass es früher schlicht unvorstellbar war. Mit jeder Dekade, sogar mit jedem
Jahr scheinen die Veränderungen schneller und schneller vorgehen. Politische und sozialökonomische
Strukturen entstehen und zerfallen. Philosophische Konzepte und Kunstströmungen kommen auf und
vergehen. Neue Wahrheiten, die scheitern, alte Abwege, die auf einmal wieder mit voller Kraft
aufblühten. Ganz zu schweigen von der alltäglichen Beschleunigung unseres Lebens. Das ganze
passiert vor unseren Augen. Wir sind dabei, wir sind da mittendrin. Mobilität erobert nicht nur
Alltagsleben; ihr Einfluss verbreitet sich unvermeidlich sogar in einer so konservativen Sphäre wie der
von der klassischen Musik. Das andere Stichwort unserer Zeit ist für mich „Synthese“. Wir suchen nach
neue Einklänge und Verbindungen. Obwohl es in der letzten Zeit fast als gute Geschmack gilt, die Idee
der Globalisierung zu kritisieren, trotzdem kann man es kaum leugnen, dass wir schon in einer
globalisierten Welt wohnen und deren Vorteile zu genießen schätzen. Für uns ist Mischung
verschiedenen Kulturen, Sprachen und Traditionen ist selbstverständlich wie auch Dursichtigkeit
europäischen Staatsgrenzen. So ist die Realität, in der wir leben, denken und fühlen, und die uns
unweigerlich auch auf neue Wege des Schaffens bringt. Wie es Nikolaus Harnoncourt so schön in
seinem Buch Musik als Klangrede ausgedruckt hat, ist Musik, - und Kunst im Allgemeinen, - ein „Spiegel
der Gegenwart“. Unter den wichtigsten Tendenzen der letzten Zeit sieht man eine Synthese
verschiedenen Artgattungen, deren Symbiose früher ganz unvorstellbar war. Ballett als Bestandteil
einer Videoinstallation. Musikaufführung in Kombination mit einer poetischen Vorlesung und
Plastikausstellung. Alle möglichen Verbindungen und Ableitungen sind heutzutage vorhanden. Wir
können es beiwohnen, wie neue unerwartete Synthetische Gattungen und Kunstformen zum Leben
entstehen, und das finde ich aufregend, das formt Zukunft. Da heutige Studierende auch der Zukunft
zugehören (schließlich wird es ihre Aufgabe das Feuer der Kunst aufzubewahren und nächsten
Generationen weiterzuleiten= erwarten sie von einem Studium auch nicht nur traditionelle
Musikausbildung, - auch einem sehr hohen Niveau, - aber auch das, was sie für die Forderungen
modernen Zeiten vorbereiten, etwas, was sie professionell und konkurrenzfähig machen würde. Gerade
bei so einer Universität, die unter ihrem Dach verschiede Kunstarten unterbringt, kann man so eine Art
von Ausbildung anbieten, die modernen Forderungen am besten entspricht. Unsere Aufgabe (als
Lehrende, Prof.) sehe ich daran, neuen Ideen offen zu bleiben, neue frische Inspirationen zu
bekommen, aber zugleich nicht oberflächlich „allfressend“ zu sein, sondern neue und vielleicht
unerwartete Einklänge zu entdecken und sie auf sehr hohem professionellem Niveau zu erarbeiten.
Praktisch betrachtet bedeutet es neue Ausbildungsprogramme zu entwickeln, neue Projekte zu
vorbereiten, Zusammenarbeit mit anderen Professoren und zwischen verschiedenen Fakultäten
aufzubauen. Meine persönliche künstlerische Zusammenarbeit mit verschiedenen Instrumentalisten
und Repräsentanten anderer Künste und Teilnahme in verschiedenen Synthetischen Projekten war
immer höchst interessant und bereichernd. Für mich liegt der eigentliche Sinn der Kammermusik im
gemeinsamen Musizieren und Kooperation verschiedenen Persönlichkeiten, verschiedenen
Instrumenten (mit dementsprechend Eigenschaften: Spielarten, Artikulationsmöglichkeiten usw.).
Vielleicht deswegen scheint es mir ein weiterer Schritt zu unkonventionelleren Ensemblebesetzungen
nicht so schwer. Ich habe leider noch nicht alle meine Ideen verwirklicht, die mir interessant und
vielversprechend scheinen, obwohl manches schon gemacht wurde. Ich glaube es ist sehr wichtig für
Studenten in multidisziplinaren Projekten, die bei verschiedenen Fakultäten kuriert werden,
teilzunehmen. Besonders wichtig und bereichernd fände ich eine Möglichkeit für einen Studenten-
Instrumentalisten mit einem Choreographen, einem Regisseur und Spielleiter und mit einem Professor
für Rhetorik arbeiten zu können.

+ Tanz Musik und Tanz sind und immer waren immanent miteinander verbunden: egal, ob ein Folks-
oder ein Salontanz, klassische oder moderne Ballett. Man kann in der Musik überall tänzerische
Wurzeln erkennen. Die Musik, die von einem Tanz inspiriert ist, setzt öfter ihre unabhängige Existenz
fort. Obwohl Tänze gehören zum Repertoire jener Instrumentalisten zu, Musiker haben häufig keine
Ahnung von tänzerischen Bewegungen, die dazu gehören und vom Sinn jenes Tanzes. Man weißt ja
auch nicht, welche Tanzgattungen es überhaupt gibt (vielleicht außer Walzer, Polonaise, Polka und
Tango) und wie sie getanzt werden müssen. Das Wissen würde einem Musiker sehr helfen das
Tänzerische in der Musik erkennen zu können und zu verstehen, wie es gespielt werden muss.
Zusammenarbeit mit dem Institut für Zeitgenössischen Tanz würde Instrumentalisten eine Möglichkeit
geben, den Sinn der Bewegung, ihre Idee und ihre Ausdruckskraft zu begreifen. Ein Projekt, der von
einem Choreographen kuriert würde, könnte einen Studenten auf die neuen Ideen, unter Anderem,
über die Gestaltung eigenes Ablauf der spielerischen Bewegungen.

Praktische Vorschläge: -Projekt Musik des Wienerballs: Walzer und Polkas in Bearbeitung von Webern
und Berg für Instrumentalensemble und Tanz; -Projekt Tango Nuevo: Piazzolla, Kalevi Aho für Quintett
und Tanz; -Projekt Nussknacker: das vierhändige Arrangement des Balletts von Tschaikowsky und
klassischen Ballett; -Projekt Präludien von Lera Auerbach für Violine, Klavier und modernen Tanz; -
Projekt Flucht von sich selbst für Violine, Klavier und Tänzerin; expressive Szenen über Musik von junge
Komponistin Yana Svistunova

+ Sprachkunst Noch einer, obwohl sehr wichtiger, aber trotzdem fast nicht ausgearbeiteter Bereich
liegt auf der Kreuzung von der Musik und rednerischer Kunst. Mann erwähnt es manchmal im
Zusammenhang mit der alten Musik und „historisch-orientierten“ Musikpraxis, aber das spielt auch
eine große Rolle für alle Musiker. Aufbauen einer musikalischen „Rede“, sinnvolle Artikulation,
Verwendung der Ausdruckspausen, Erkenntnis der Bedeutung des natürlichen Atmens während des
Instrumentalspiels – das sind nur einige Aspekte, die mir in diesem Zusammenhang bedeutsam
erscheinen.

Praktische Vorschläge: -Projekt Winterreise von Schubert, Bearbeitung für Cello, Klavier und Vorlesen.
-Projekt "Peter und Wolf" auf Musik von S.Prokofiev für Kammermusikensemble und Vorlesen +
Theater Das gleiche gilt für Regie. Jeder, der auf die Bühne etwas bringen will, muss es eigentlich
wissen, wie eine Vorstellung aufzubauen ist, welche „Gesetze“ des szenischen Verhaltens zu achten
sind. Die Größe und Akustik des Saals muss berücksichtigt werden, - was Veränderungen in Dynamik
und Artikulation mit sich bringt. Es gibt auch immer eine notwendige Übertreibung der
Ausdrucksmittel, die richtig eingeschätzt werden muss. Jeder Auftritt ist eine Art Show und muss
inszeniert werden. Szenische Kontakt zwischen den Partner in einer Kammermusikgruppe ist ähnlich
dem Kommunizieren der Schauspieler in einem Theaterstück. Außerdem es gibt Musik, - z.B. manche
Stücke von Mozart oder Schostakowitsch, - die sich stark auf die Theater-Ästhetik bezieht.

+ Kino, Video Musik und Kinokunst sind auch eng miteinander verbunden, gleich von dem „Geburt“
dieser synthetischen Kunstart. Es ist wohl bekannt, dass Schostakowitsch hat als Pianist in einem
Kinotheater Stummfilme begleitet und sogar sein Jugendtrio Op. 8 während einer Vorstellung geprobt!
In der letzten Zeit sind Videoinstalationen äußerst populär geworden. Solche Projekte wären für junge
Musiker nicht nur interessant, sie können ihnen auch weitere professionelle
Entwicklungsmöglichkeiten zeigen. Studenten könnten nicht nur einen Videoablauf illustrieren, aber
auch Musikbegleitung gestalten. Solche Projekte leisten einen enormen Beitrag in die Erweiterung der
Sichtweite, sie auch fordern Kreativität, Fähigkeit in einem Team zu arbeiten und Timing zu
berücksichtigen. Praktische Vorschläge:Projekt 25 Jahre nach dem Mauerfall: das Programm, das einen
Dokumentarfilm, Interview und Musik von Bruch, Dvorak, Schostakowitsch und Auerbach in sich
vereint.

Zum Schluss möchte ich nur sagen, dass ich eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sehr wichtig sowohl
für meinen Studenten, als auch für mich finde. Meine Überzeugung nach ist eine Synthese der
Kunstarten ist eine Zukunft der klassischen Musik und ein der Hauptwege ihrer weiterer Entwicklung.