Sie sind auf Seite 1von 32

Tragwerksplanung am Gesamtmodell

Realität – Modellprobleme – Prüfung

Prof. Dr.-Ing. Günter Rombach


T h i h Universität
Technische U i ität Hamburg-Harburg
H b H b
Institut für Massivbau
rombach@tu-harburg.de

cc: seony, June 2007

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 1


1 Realität - Entwicklung

Node 970 X 2.00 Y 9.209 Z 1.0


Node 971 X 3.00 Y 9.209 Z 1.0
Node 980 X 4.00 Y 9.209 Z 1.0

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 2


1 Realität - Gesamtmodelle

Starke Zunahme von ganzheitlichen Gebäudemodellen


• Erfassung der räumlichen Tragwirkung
• Erfassung von Zwangsbeanspruchungen bei komplexen Grundrissen
• Schnelle Tragwerksberechnung und damit wirtschaftlicher
(falls keine Kontrollen und ungenügende Dokumentation)
• Visualisierung des Gebäudes möglich

• Glaube,, dass mit der Komplexität


p des Models auch die
Wirtschaftlichkeit der Konstruktion zunimmt - Optimierung
• Komplexität der Normen (bspw. Windlasten, Erdbeben, ..)
• „Neue
Neue“ Ingenieurgeneration neigt zu Computerberechnungen
• 3D Gebäudemodelle demonstrieren Kompetenz

„Nur
N d durch
hNNachweise
h i am gesamten t GGebäude
bä d gelingt
li t es, alle
ll auftretenden
ft t d
Lasten planmäßig und ihre Größe entsprechend, zu gründen... Diese
Wirtschaftlichkeit ist mit keiner anderen Berechnungsmethode erzielbar!“
40% geringere Fundamentlasten......bis zu 25% geringere Rohbaukosten“

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 3


1 Realität - Gesamtmodelle

Probleme
• Komplexe FE-Berechnungen
FE Berechnungen von Fachunkundigen
• (Umfangreiche) Dokumentation einer FE-Berechnung
g Kontrolle der FE-Berechnung
• Schwierige g
Gibt das FE-Modell das Trag- und Verformungsverhalten der
Struktur mit ausreichender Genauigkeit wieder?
Ist die Bemessung korrekt?
• Alle Bauteile beteiligen sich am Lastabtrag (! Sensitivitätsanalysen)
• Jede Änderung erfordert eine Neuberechnung des Gesamtmodells

cc: seony, June 2007

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 4


1 Realität - Building Information Modelling

BIM: Eine einzige standardisierte objektorientierte Datenbasis, welche alle


Daten eines Gebäudes enthält

Ziel: - Automatische Massenermittlung, Kostenabrechnung,


Bauablaufplanung.....
g
- Automatische Erstellung des FE-Netzes, der Einwirkungen, Bemessung
- Automatische Erstellung der Schal- und Bewehrungspläne

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 5


1 Realität - Building Information Modelling

Vorteile
+ aktuelle Daten stehen allen Projektbeteiligten zur Verfügung
+ Bessere Koordination unter den Projektbeteiligten
Alle Änderungen werden konsistent übernommen
+ Abstimmungsfehler
g lassen sich vermeiden ((?))
+ keine wiederholte Eingabe der Daten in verschiedene Modelle
(TGA, Tragwerksplanung, Wärmeschutz, Life Cycle Betrachtungen)
+ höhere Produktivität – kürzere Planungszeiten
+ Frühzeitige Optimierung am Computermodell
+ Kostenkalkulation immer aktuell
+ A t
Automatische
ti h Mengenermittlung,
M ittl Erstellung
E t ll von Plä
Plänen
+ Simulation und Optimierung des Bauablaufes
+ Anschauliche 3-D Ansichten des Gebäudes

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 6


1 Realität - Building Information Modelling

Probleme
Großer Aufwand in der Vorplanung (gibt HOAI nicht wieder)
Aufbau und Pflege der BIM-Datenbank aufwändig
Koordinator erforderlich
Klare Vorgaben für alle Projektbeteiligten
Interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten
(jede Änderung kann Auswirkungen auf andere haben)
I t die
Ist di LLes- und
dVVerwertbarkeit
tb k it d
der D
Datenbasis
t b i nach h vielen
i l JJahren
h noch
h
gewährleistet?
Korrekter Austausch der Daten zwischen verschiedenen Programmen (IFC)
Kontrolle der großen Datenmengen durch den Tragwerksplaner
Benötigen wir noch den ‚klassischen‘ Tragwerksplaner?

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 7


2 Modellprobleme

Reale Struktur Numerisches Modell


Reale Einwirkungen - Balken-, Platten-, Membran- ,
Schalen-,, Volumen Elemente
Schalen

reale Einwirkung Balkenelement

Knotenlasten
Bemessung
v1 v2 M M
u1 u2 V V Fcd
"1 "2 N N Fsd
Spannung

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 8


2 Modellprobleme

Die Finite Elemente Methode ist ein Näherungsverfahren


• Ein Balken
Balken- und Plattenelement basiert auf einer linearen
Spannungsverteilung über die Querschnittshöhe
• Ein Plattenelement weist keine Spannungen in seiner Mittelebene auf
• Die Elementansätze sind zu beachten
(z.B. bei einer Verbindung zwischen Stab- und Schalenelement)
u2 u5
y Balkenelement
u6
u1 u4
u3 x

l
EA : Dehnsteifigkeit
EI: Biegesteifigkeit

Dehnungen Spannungen
V $c #N #% &

M
N

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 9


2 Modellprobleme - Materialeigenschaften

Stahlbeton ist ein inhomogener


Verbundwerkstoff mit einem
ausgeprägten nichtlinearen und
zeitabhängigem Materialverhalten.

Die Materialeigenschaften sind bei


der Tragwerksberechnung nur
näherungsweise bekannt.

Materialkennwerte:
• Betondruckfestigkeit
• Betonzugfestigkeit
• Schwinden und Kriechen
• E- Modul
• Querdehnzahl
• ........

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 10


2 Modellprobleme: Lagerungsbedingung

01.

075.

05
2.

025
-.

a
H
u
p
t o
m
e
n te 0-5
7.

L
a
s
tf 1
g
0
=
l k
2
m
N
/ 01-.

5012
46.-

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011


2 Modellprobleme: Lagerungsbedingung

Zwangsbeanspruch-
ungen beachten!
3-D Modell

lx / ly = 5,0
, / 7,5
, m
h = 0,20 m

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 12


2 Modellprobleme – Einwirkungen - Zwänge

Mitwirkung des Betons zwischen den Rissen

äußere Einwirkung aso,u = 2 cm2/m


zentr. Zwang DIN 1045-1 (Mindestbew.) aso+u = 3 cm2/m
Zustand I (Schwinden) aso,u = 25 cm2/m
Zustand II (TS = 0) aso,u ~ 0 cm2/m

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011


2 Modellprobleme – Balkenelement (Modellannahmen)
Diskontinuitätsbereiche = Bereiche, in welche kein linearer Dehnungsverlauf über
die Balkenhöhe vorliegt Balkenelement liefert unzutreffende Ergebnisse

Steifigkeiten richtig
erfassen

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 14


2 Modellprobleme – Singularitätsbereiche bei Platten (Modellannahmen)
Hauptmoment mI Hauptquerkraft
f vI

Punktlager

Spitze Ecken Unterbrochene


Linienlagerung

Öffnung

P ktl
Punktlager
In Singularitätsbereichen trifft die
Annahme eines linearen
Dehnungsverlaufes über die
Plattendicke nicht zu.

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 15


2 Modellprobleme – Feinheit des Elementnetzes

Die Ergebnisse der FE-Berechnungen müssen in den


relevanten Stellen unabhängig von der Elementierung sein

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 16


2 Modellprobleme – Feinheit des Elementnetzes

Die Ergebnisse der Berechnungen müssen in den relevanten


Stellen unabhängig von der Elementierung sein

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 17


2 Modellprobleme – Inkompatible Elementnetze / Plattenbalken

Scheibenelement Balkenelement

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 18


2 Modellprobleme – Bauzustände
Verformungen der obersten beiden Geschosse

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 19


2 Modellprobleme – Bauzustände
Gesamtmodell – ohne Bauzustände

F ' lc
u(
E ' Ac

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011


2 Modellprobleme – Bauzustände
Gesamtmodell – ohne Bauzustände mit Bauzustände

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011


2 Modellprobleme - Bemessung

• Automatische Bemessung von Schalentragwerken oftmals nicht möglich


(Scheiben, Unterzüge, ) – teilweise unwirtschaftlich, teilweise unsicher
• Für die Bemessung werden Stabschnittgrößen benötigt

0.9

1.2 cm2/m

1.2 cm2/m

09
0.9

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 22


2 Modellprobleme – Stofflich nichtlineare Berechnung
Vergleich zwischen Versuch und numerischen Berechnungen

Große Differenzen
beim Tragverhalten

Vers chskörper
Versuchskörper

aus: Jaeger Th., Marti P.: Predicting the response of RC slabs to transverse shear. IBK report, ETH Zürich, 2006

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 23


2 Modellprobleme – Stofflich nichtlineare Berechnung
Vergleich zwischen Versuch und numerischen Berechnungen

Versuchskörper

SLS
Stofflich nichtlineare
Berechnungen mit
verschiedenen FE-
Programmen zeigen
sehr große Differenzen
Forschungsbedarf

Große Differenzen bei den


Verformungen im SLS
Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 24
3 Prüfung: Dokumentation von EDV-Berechnungen
Formelle Probleme
• Umfang und Qualität der zur Prüfung eingereichten Unterlagen – Informationsflut
auf die Einhaltung der Richtlinie (Ri-EDV-AP 2001) bestehen
(übersichtliche, nachprüfbare Unterlagen)

Ansicht in Brückenachse

Draufsicht mit
Plattendicken und
Pfahlanordnung

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 25


3 Prüfung

• Kontrollen des FE-Modells - Eingabe


- Geometrie, Abmessungen, Symmetriebedingungen
- Materialkennwerte und Materialmodelle (einschl. Zuordnung zu den Elementen)
- Lagerungsbedingungen und Verbindungen (Bettung, Zwänge ...)
- Diskontinuitäts-, Singularitäts- und massive Bereiche
- Inkompatibilitäten (Stütze-Scheibenverbindung, ...)
- Feinheit der Elementierung (Biegelinie, Lastfläche Substrukturen)

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 26


3 Prüfung

• Kontrolle der Ergebnisse – Schnittgrößen und Verformungen


- Kontrolle der Einwirkungen (Größe und Anordnung einschl. Überlagerung, Zwänge)
- Modellannahmen (lineare Dehnungsverteilung, D-Bereiche, Singularitäten)
- Gleichgewichts- und Verformungskontrollen
(Plausibilität der Verformungen, Lasten ein speziellen Punkten)

- Einfluss von Bauzuständen sowie der zeitabhängigen Betonverformungen


- Einfluss der Rissbildung des Betons auf die Steifigkeit
(Zwang, Torsion , z.B. mit einem geringerem E-Modul)
- Empfindlichkeit des Systems auf kleine Änderungen – Robustheit

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 27


3 Prüfung

• Kontrolle der Ergebnisse – Bemessung


- Bemessung von ebenen Scheiben - Bewehrungsanordnung
- Bemessung von Unter- oder Überzüge - Bewehrungsanordnung
- Querkraft- und Torsionsbemessung
- Kraftfluss – konstruktive Durchbildung

Kraftfluss
nicht
beachtet !

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 28


3 Prüfung

Nur unabhängige Vergleichsrechnungen an einfachen statischen


Ersatzsystemen können Gewissheit über die Richtigkeit von komplexen
FE-Berechnungen geben.

Hierzu sind eingehende Kenntnisse auf dem Gebiet der Konstruktion und
Bemessung sowie von numerischen Berechnungen erforderlich.

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 29


3 Prüfung

Erforderliche Aktivitäten Ziel: Sinnvoller Einsatz von Gesamtmodellen


• Ausbildung der Bauingenieure einschl. Studierende im Bereich der EDV-
unterstützten Tragwerksberechnung
• Vorgaben für Software-unterstützte Tragwerksberechnungen entwickeln
EDV-Richtlinie (Ri-EDV-AP 2001) aktualisieren
• EDV-Richtlinie
EDV Ri htli i bbzw. prüfbare
üfb Unterlagen
U t l durchsetzen
d h t (Vertragsbestandteil)
(V t b t dt il)
• Die Kontrolle von FE-Berechnungen durch den Aufsteller sind schriftlich
zu dokumentieren
• Die Rechenprogramme sollten den Anwender besser bei der Ausgabe und der
Kontrolle unterstützen (autom. Fehlerkontrolle, Robustheit, ....)
• Einfache Übertragung der Modelle in verschiedene Rechenprogramme
(IFC, Weitergabe der Daten vom Aufsteller zum Prüfingenieur)
• Sensitivitätsanalysen (Forschung)
• Zertifizierung
Z tifi i der
d P Programme (?)
• Höhere Gebühren für die Prüfung von Gesamtmodellen erforderlich
• Prüfung
g auf die Pläne beschränken?

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 30


Chancen von Finite-Elemente-Berechnungen

Sydney Opera
Bauzeit: 1959 – 1973
Baukosten: 3,5 Mio £ >50 Mio £

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 31


Chancen von Finite-Elemente-Berechnungen

Sydney Opera
Bauzeit: 1959 – 1973
Baukosten: 3,5 Mio £ >50 Mio £

Auditorio de Tenerife
Bauzeit: 1989 – 2003
Baukosten: 30 Mio € >70 Mio €

Rombach G. – Tragwerksplanung am Gesamtmodell 01.07.2011 32